Samstag, 12. Mai 2012

Änglogård – Hybris





Änglagård – Hybris


Besetzung:

Tord Lindman – vocals and guitars
Johan Högberg – bass and mellotron effects
Anna Holmgren – flute
Tomas Jonson – hammond, mellotron and keyboards
Jonas Engdegård – guitars
Mattias Olsson – drums and percussion


Label: Änglagård Records / Exergy


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Jordrök (11:11)
2. Vandringar I Vilsenhet (11:57)
3. Ifrån Klarhet Till Klarhet (8:09)
4. Kung Bore (12:57)


Bonus Track:

5. Gånglåt Från Knapptibble (7:19)




Da denkt man nichts Besonderes, legt die CD in den Player und schon mit den ersten Tönen scheint es einen wegzuhauen. Änglagård! Bitte wer? Änglagård heißt die Band, kommt aus Schweden und bedeutet übersetzt „Haus der Engel“. Und genau so wirkt diese Musik auch für Freunde progressiver Rockmusik – einfach himmlisch.

All die Zutaten, die man an den frühen Werken von Genesis, Yes oder King Crimson liebt, die wurden hier 1992 von der schwedischen Band Änglagård erneut umgesetzt, ohne auch nur den Hauch eines „Abkupferns“ entstehen zu lassen. Hier wird irgendwie alles auf die „schwedische Art“ interpretiert. Die Musik ist einfach toll. Hier hört man sie, die abgefahrenen Rhythmuswechsel, diese unglaublich eingängigen und packenden Melodien, das Zusammenspiel von Querflöte und Mellotron, welches schöner gar nicht klingen kann. Und all das wird gleich im ersten Stück „Jordrök“ (auf Deutsch: Erdrauch) umgesetzt. Ein perfektes Lied.

Auch der zweite Titel „Vandringar I Vilsenhet“ („Die Orientierungslosigkeit geht“) kann überzeugen. Zumindest musikalisch. Wenn das Stück auch nicht mehr ganz so harmonisch ist wie sein Vorgänger, so gefallen doch die Keyboardläufe, das Querflötenspiel von Anna Holmgren sowie die Atmosphäre, die hier erzeugt wird. Was bei diesem Lied allerdings nicht ganz so gelungen ist, dass ist der Gesang. Das liegt in keinster Weise an der Sprache, in der der Text gesungen wird. Das ist eben Schwedisch. Nein, es ist die Art und Weise des Gesangs. Sorry Tord Lindman. Aber bei dieser Art der Musik kommen zwangsläufig Vergleiche mit Peter Gabriel oder Jon Anderson auf – und da kann der gute Tord Lindman, dessen Gitarrenspiel allerdings klasse ist, einfach nur verlieren.

Und gleiches gilt für „Ifrån Klarhet Till Klarhet“. Der Gesang ist so gerade noch okay, die Musik ist wirklich toll und eben progressiv, wie sie es Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war. In diese Melodien kann man eingehen, in ihnen schwelgen, in ihnen aufgehen. Klasse hier auch immer wieder die Keyboardläufe. „Kung Bore“, der schwedische „Jack Frost“ beginnt mit einer wunderschönen Gitarreneinleitung Tord Lindmans. Dann entwickelt sich auch hier ein abwechslungsreicher Titel, der mal schwelgt, mal treibt, mal an das Mittelalter, mal an zukünftige Zeiten erinnert, auch wenn Letzteres, wenn man es sich genau überlegt, eigentlich gar nicht möglich ist.

Auf der remasterten Version von 2000 ist sogar noch ein Bonus-Track vorhanden. „Gånglåt Från Knapptibble“ ist eine frühe Version des Songs „Skogsranden“, der dann in seiner letzten Version – und dieses Mal ohne Gesang – auf dem Nachfolger „Epilog“ erscheinen sollte. „Gånglåt Från Knapptibble“ klingt am ehesten nach den etwas experimentierfreudigeren Werken King Crimsons. Sicher kaum ein Lied, mit dem man einen Außenstehenden für „progressive“ Rockmusik begeistern kann. Zumindest nicht mit der ersten Hälfte des Stücks, welches nun so gar nicht eingängig ist. Für “Insider“ allerdings eine Bereicherung.

Fazit: „Hybris“ von Änglagård ist ein klasse Album für alle die, die auf die frühen Genesis, King Crimson und Yes stehen. Hier hört man sie wieder, die progressive Rockmusik der frühen 70er Jahre. Hier macht es einfach nur Spaß zu lauschen. Abzüge bezüglich der Punkte gibt es wegen dem Gesang. Das wiederum war anscheinend auch Änglagård klar, denn das nächste Album, „Epilog“, sollte ein reines Instrumentalalbum werden. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Jordrök, Ifrån Klarhet Till Klarhet, Kung Bore



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