Montag, 17. Juni 2013

Ape, Beck & Brinkmann – Regenbogenland





Ape, Beck & Brinkmann – Regenbogenland


Besetzung:


Fred Ape – Gesang, Gitarre
Klaus Beck – Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Percussion
Peter Brinkmann – Congas, Percusssion, Gitarre, Gesang, Mandoline, Mundharmonika, Das wahnsinnige Schlagzeug, ECS-Steeldrum, Trommel, Kesselpauke


Gastmusiker:


Walter Speckmann – Bass, Drei Goldgräber vom Klondike: Chorus
Klara Brandi – Flöte


Label: FolkFreak Schallplatten


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Deutscher Folk


Trackliste:

1. Regenbogenland (4:12)
2. Indianersee (3:21)
3. Das Haus (3:43)
4. Der Schlag (2:07)
5. Das letzte Paradies (2:09)
6. Endlich ein Liebeslied (4:06)
7. Wir sind noch wahre Pioniere (1:51)
8. Global 2001 (3:25)
9. Auf der Flucht erschossen (3:07)
10. Wounded Knee (4:10)
11. Startbahn (4:26)

Gesamtspieldauer: 36:37



Wenn man mal so seine alten Platten durchforstet, dann stößt man immer wieder auf Dinge, an die man eigentlich schon Jahrzehnte nicht mehr gedacht hat. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sich zu der Zeit bereits Platten zugelegt hat und nicht dem „Wahn“ verfallen ist, diese Schallplatten in Zeiten von CD’s oder MP3-Dateien zu entsorgen. Solch eine Platte hielt ich heute tatsächlich in Händen, als ich mir angesehen habe, was da so alles unter dem Buchstaben „A“ noch rumsteht: „Regenbogenland“ von Ape, Beck und Brinkmann. Ausgeschrieben waren das Fred Ape, Klaus Beck und Peter Brinkmann, die zusammen eine Folk Combo aus Dortmund bildeten, welche Anfang der 80er Jahre Musik mit, na nennen wir sie mal „Musik mit sozialkritischen Texten“ veröffentlichte. Und dieses „Regenbogenland“ ist genau so eine Platte, die lange nicht mehr den Weg auf meinen Plattenteller fand.

Irgendwie ist diese Scheibe ein Zeitdokument der neueren deutschen Geschichte. Die Platte gibt es leider nur noch in Second Hand Läden oder aber auf Plattenbörsen zu erwerben. Auf CD wurde sie wohl nie gepresst (anscheinend wurde allerdings mal ein Sampler 2003 nachgedruckt). Beim Hören selbiger Scheibe ist es wahrlich sehr interessant, was sich Musiker, die ganz offensichtlich politisch gesehen eher links angesiedelt waren, damals so vorstellten, mit welchen Texten sie ihre Platten zu verkaufen versuchten. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts herrschte noch der kalte Krieg und „saurer Regen“ war genauso ein Thema wie die Anti-AKW-Bewegung. Im Grunde genommen sind solche Inhalte ja auch heute zum Teil noch aktuell. Sehr  interessant ist dabei jedoch vor allem, wie zu jener Zeit an diese Themen herangegangen wurde, wie sie behandelt und musikalisch umgesetzt wurden.

Die Lieder auf „Regenbogenland“ handeln von der Umweltzerstörung, der Hausbesetzerszene, von Polizeiwillkür und deren Aggressivität, einer Tankerhavarie, dem Streben nach möglichst viel Gewinn, unabhängig davon, ob die Natur dabei nun zerstört wird oder nicht, wie die Welt wohl im 21. Jahrhundert aussehen wird, was Amerika mit seinen Ureinwohnern veranstaltet hat, der Anti-Atomkraft-Bewegung und und und.

Einiges davon mag vielleicht heute ein wenig naiv klingen, zu sehr schwarzgemalt und auch zu pessimistisch gesehen. Was ich allerdings hier unbedingt anführen möchte – denn darum geht es ja auch vor allem auf diesen Seiten – das ist die Musik. Und die ist einfach klasse. Deutsche Folk-Musik, absolut eingängig und mit Ohrwurmcharakter. Da haben sich die drei Dortmunder Musiker sehr viel Mühe gegeben. Das klingt richtig gut und macht einfach Spaß beim Zuhören, ist sehr melodiös und hat den gewissen Wiedererkennungswert. Bei der Umsetzung des Ganzen steht dabei meist die akustische Gitarre im Vordergrund. Die Lieder auf „Regenbogenland“ sind auch in ihrer Kombination aus Text und Musik Teil der Deutschen Geschichte, allein deshalb lohnt es sich, soweit die Möglichkeit besteht, mal ein Ohr zu riskieren – ganz egal, ob man das damals für richtig, für übertrieben, für falsch hielt oder ob man zu jener Zeit überhaupt schon Musik konsumieren konnte.

Fazit: „Regenbogenland“ von Ape, Beck und Brinkmann ist ein Zeitdokument unserer deutschen, neueren Historie, die noch gar nicht so lange zurück liegt. Die Texte sind zumindest interessant, da sie den zu jener Zeit vorherrschenden Zeitgeist sehr gut wiedergeben. Die Musik dazu ist richtig toll gelungen, wenn man auf die „leiseren Töne“, Melodiösität  und Eingängigkeit steht. Schade, dass es „Regenbogenland“ nicht auf CD gibt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Im Grunde genommen jedes Lied, wenn es noch aufzutreiben ist.



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