Freitag, 5. Januar 2018

Amon Düül II – Yeti




Amon Düül II – Yeti


Besetzung:

Renate Knaup – vocals, tambourine
John Weinzierl – guitar, 12 string guitar, vocals
Chris Karrer – violin, guitar, 12 string guitar, vocals
Falk Rogner – organ
Dave Anderson – bass
Peter Leopold – drums
Christian „Shrat“ Thierfeld – bongos, vocals


Gastmusiker:

Rainer Bauer (Sandoz In The Rain) – guitar, vocals
Ulrich Leopold (Sandoz In The Rain) – bass
Thomas Keyserling (Sandoz In The Rain) – flute


Label: Revisited Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock, Avantgarde


Trackliste:

1. Soap Shop Rock (13:47)
    a. Burning Sister (3:45)
    b. Halluzination Guillotine (3:10)
    c. Gulp A Sonata (0:46)
    d. Flesh-Coloured Anti-Aircraft Alarm (6:04)
2. She Came Through The Chimney (3:02)
3. Archangels Thunderbird (3:33)
4. Cerberus (4:21)
5. The Return Of Rübezahl (1:41)
6. Eye-Shaking King (5:40)
7. Pale Gallery (2:18)
8. Yeti (Improvisation) (18:15)
9. Yeti Talks To Yogi (Improvisation) (6:18)
10. Sandoz In The Rain (Improvisation) (8:59)

Gesamtspieldauer: 1:07:57




„Yeti“ heißt das zweite Studioalbum der deutschen Psychedelic-Krautrock-Band Amon Düül II. Ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht, erschien die Platte im April des Jahres 1970 auf dem Plattenlabel Ariola und wurde 2006 auf Revisited Records neu aufgelegt. Darauf zu hören ist psychedelisch angehauchter Krautrock, dem häufig auch nachgesagt wird, überhaupt mit die Geburtsstunde dieses musikalischen Genres darzustellen. Das Cover wurde vom Organisten Falk Rogner gestaltet. Zu sehen ist darauf Wolfgang Krischke, ein früherer Sound-Mitarbeiter bei Amon Düül II, der kurz zuvor, nach der Einnahme von LSD, in einem Waldstück erfroren ist. Der letzte Titel der Platte, „Sandoz In The Rain“ scheint ebenfalls indirekt auf dieses Unglück Bezug zu nehmen, wurde LSD doch in den Laboratorien von Sandoz entwickelt. Die Firma Sandoz klagte übrigens vergeblich gegen die Veröffentlichung des Stücks.

„Yeti“ ist für alle Hörerinnen und Hörer, die den Genres Krautrock und Psychedelic Rock etwas abgewinnen können, ein wahres Füllhorn an musikalischer Kreativität, Inspiration, Spannung und Ideenreichtum. Man hört hier mitreißende, rockige Themen wie sphärische Ausbrüche. An der einen Stelle glaubt man Pink Floyd zu Zeiten von „A Saucerful Of Secrets“ herauszuhören, an wieder anderer Stelle klingen Hawkwind durch – doch niemals wirkt das Ganze wie ein Plagiat, wie eine Kopie der englischen Kollegen. Was im Falle von Hawkwind, die ihre erste Platte erst im August 1970 veröffentlichten, auch gar nicht möglich gewesen wäre. Nein, Amon Düül II klingen eigenständig und auch anders als entsprechende Kollegen aus dem Aus- wie aus dem Inland. Verspielt, experimentell, forschend und dabei auch immer noch melodiös und eingängig.

„Yeti“ ist Abwechslung pur. Mitreißend und intensiv. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man gerade die eher in eine Liedstruktur gepackten ersten Titel anhört oder die letzten drei Nummern, die jeweils mit dem Label „Improvisation“ gekennzeichnet wurden. Höhepunkte gibt es auf „Yeti“ jede Menge. „Soap Shop Rock“ wartet mit rockigen Tönen und mit immer wieder ganz und gar ungewöhnlichem Gesang auf. „Cerberus“ und „The Return Of Rübezahl“ sind mitreißende Instrumentalnummern und in den letzten drei Titeln spürt man geradezu die Spielfreude sowie die Neugier und Lust auf Neues der Musiker. Vor allen Dingen der Titeltrack „Yeti“ ist eine spektakuläre musikalische Achterbahnfahrt, die man in kein Schema pressen kann. Hier wird die Musik laufen gelassen, fern aller Konventionen. Selbstverständlich wird dies keine reine Improvisation sein, wie auch von Gitarrist Chris Karrer im Beiheft zum Album bereits angedeutet. In die Nummer gehen wohl aber auch ganz spontane Ideen ein und bewirken zusätzliche Spannung und das ein oder andere Überraschungsmoment.

Auch die restlichen beiden Stücke „Yeti Talks To Yogi“ und „Sandoz In The Rain“ können absolut überzeugen. Man darf an dieser Stelle nur nicht den Fehler begehen und bei Amon Düül II einen Liedaufbau a la Strophe – Refrain – Strophe – Refrain und so weiter erwarten. Amon Düül II gehen hier neue Wege und diese Art der Musik war Anfang der 70er Jahre größtenteils noch ungewohnt, unkonventionell und einfach neu. Das Schöne daran ist allerdings, dass die Musik auch heutzutage noch völlig Patina-frei klingt. Weder angestaubt noch Oldie-like hören sich die einzelnen Nummern an.

Fazit: „Yeti“ von Amon Düül II ist eines der ersten Krautrockalben gewesen und klingt auch heutzutage noch begeisternd und mitreißend. Psychedelic Rock made in Germany. Amon Düül II waren mit dieser Platte eine der ersten deutschen Bands, die in England Erfolge einfuhren. Verwundern muss das keinesfalls, denn die Scheibe ist innovativ bis in den letzten Takt und Akkord hinein. Freundinnen und Freunde des Krautrock und des Psychdelic Rock können hier bedenkenlos zugreifen und das zu Hörende wird ihnen gefallen. Und diese Hörerinnen und Hörer, sie werden sich wundern, denn „Yeti“ von Amon Düül II klingt auch heute noch – und zwar modern. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Soap Shop Rock, Yeti



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