Sonntag, 29. Juli 2018

Robert Wyatt – Rock Bottom




Robert Wyatt – Rock Bottom


Besetzung:

Robert Wyatt – vocals, keyboards, percussion, slide guitar


Gastmusiker:

Mike Oldfield – guitar (6)
Gary Windo – bass clarinet, tenor saxophone (5)
Ivor Cutler – voice (3 and 6), baritone concertina, harmonium (6)
Alfreda Benge – voice (5)
Mongezi Feza – trumpets (3)
Fred Frith – viola (6)
Hugh Hopper – bass guitar (2, 4 and 5)
Richard Sinclair – bass guitar (1, 3 and 6)
Laurie Allan – drums (2 and 6)


Label: Domino Recording Co.


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Jazz Rock


Trackliste:

1. Sea Song (6:31)
2. A Last Straw (5:46)
3. Little Red Riding Hood Hit The Road (7:40)
4. Alifib (6:55)
5. Alife (6:31)
6. Little Red Robin Hood Hit The Road (6:08)

Gesamtspieldauer: 39:34




„Rock Bottom“ heißt das zweite Solo-Album des früheren Soft Machine Drummers Robert Wyatt. Die Platte entstand ein Jahr nachdem Robert Wyatt am 1. Juni 1973, während einer Party in London, betrunken aus dem Badezimmerfenster im dritten Stock fiel und seitdem von der Taille abwärts gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen war. Da er das Schlagzeug n nicht mehr bedienen konnte, wechselte der Engländer zu den Tasten-Instrumenten und zur Gitarre. „Rock Bottom“ erschien am 26. Juli 1974 zunächst auf dem Plattenlabel Virgin Records und wurde im Jahr 2008 auf dem Label Domino Recording Co. wiederveröffentlicht. Mike Oldfield ist auf „Rock Bottom“ während des letzten Liedes an der Gitarre zu hören und Nick Mason, Schlagzeuger von Pink Floyd, produzierte die Platte.

Die Musik auf „Rock Bottom“ klingt sehr dicht und manchmal auch etwas verstörend. Die Texte hören sich sehr persönlich an und man entschlüsselt sie nicht ohne Weiteres. Robert Wyatt hat jedoch immer geleugnet, dass die Musik in direktem Zusammenhang mit seinem Unfall steht. Glauben wir ihm das einfach mal, da ein Großteil der Lieder wohl bereits ein Jahr zuvor in Venedig geschrieben worden ist. Beim Hören solcher Stücke wie „Sea Song“, „Alifib“ oder „Alife“ kommen allerdings zwangsläufig diese Gedanken auf, denn gerade diese drei Stücke klingen so wunderbar bewegend und fast schon mystisch, dabei jedoch immer melodisch und eingängig sowie atmosphärisch sehr dicht gepackt. An diesen Stellen klingt Robert Wyatt sanft, oftmals zart bis an die Grenze zur Zerbrechlichkeit hin. Musik, die man sonst nicht so zu hören bekommt. Ganz besonders eben. Das Gegenstück zu diesen Liedern sind die beiden Titel „Little Red Riding Hood Hit The Road“ und „Little Red Robin Hood Hit The Road“. Auch diese Nummern klingen auf ihre Art etwas verschroben, sind allerdings deutlich lauter, fordernder, ganz leicht aggressiver. Das ist dann keine Musik mehr zum Zurücklehnen, der Rhythmus zieht deutlich an, man möchte Mitwippen und auch diese beiden Stücke gehen ins Ohr – benötigen dazu allerdings den ein oder anderen Durchlauf mehr. Das Stück „A Last Straw“ ist stilistisch schließlich zwischen diesen beiden „Polen“ angesiedelt und weiß letztendlich ebenso zu überzeugen.

Aus dieser Platte Höhepunkte herauszuheben erscheint einigermaßen schwierig, da man somit den anderen, dann nicht genannten Titeln, nicht gerecht werden würde. Was man jedoch unbedingt an dieser Stelle betonen muss ist, dass man sich für diese Scheibe Zeit nehmen sollte. „Rock Bottom“ wächst und wächst. Alles auf diesem Album wirkt und Freundinnen und Freunde der außergewöhnlichen Musik werden auf dieser Platte jede Menge Musik für sich entdecken.

Fazit: Definitiv etwas ganz Besonderes ist das zweite Solo-Album des Robert Wyatt geworden. Darauf enthalten ist Musik, die alles andere als alltäglich klingt. Verschrobene Melodien und auch die Instrumente scheinen hier völlig anders zu klingen. Dazu gesellt sich der oft ergreifende Gesang des Robert Wyatt und fertig ist eine Platte, die einen nicht unbeeindruckt zurücklässt. „Rock Bottom“ ist ein sehr spannendes Album geworden, welches all jene Hörerinnen und Hörer begeistern wird, die sich gerne auf musikalische Experimente einlassen und das Besondere in der Musik lieben. Besonders, das ist „Rock Bottom“ ganz klar geworden. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Sea Song, Alifib, Alife



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