Montag, 23. April 2012

Dire Straits – Alchemy





Dire Straits – Alchemy


Besetzung:

Mark Knopfler –guitar & vocals
John Illsley – bass
Alan Clark – keyboards
Hal Lindes – guitar
Terry Williams – drums


Gastmusiker:

Tommy Mandel – additional keyboards
Mel Collins – saxophone
Joop De Korte – percussion


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: gitarrenorientierter Pop


Trackliste:


CD1:

1. Once Upon A Time In The West (13:01)
2. Expresso Love (5:36)
3. Romeo And Juliet (8:16)
4. Love Over Gold (3:27)
5. Private Investigations (7:34)
6. Sultans Of Swing (10:58)


CD2:

1. Two Young Lovers (4:52)
2. Tunnel Of Love (14:23)
3. Telegraph Road (13:43)
4. Solid Rock (6:02)
5. Going Home (6:03)




Mit dem Live-Album „Alchemy“ haben Dire Straits eine Platte erschaffen, die wahrlich magisch ist. Unglaublich dicht und stimmungsvoll ist jedes, der auf dieser Live-Veröffentlichung enthaltenen Lieder. Gefühlvolle Gitarrenmusik, die zu ergreifen weiß. Auf „Alchemy“ wird solch eine beeindruckende Atmosphäre hergestellt, dass man in dieser Musik schwelgen, ganz darin aufgehen kann. Und dabei ist die Musik auf „Alchemy“ meist sehr ruhig, zurückhaltend, kann dann allerdings auch wieder an den richtigen Stellen grooven und rocken.

Letzteres trifft natürlich auf dem Song „Sultans Of Swing“ zu. Hier swingt und groovt es wirklich – und zwar mit jedem Ton. Und dabei ist das Stück in dieser Version fast doppelt so lang wie auf der ursprünglichen Studioaufnahme, die auf der ersten Platte der Band, kurz Dire Straits genannt, veröffentlicht wurde. Und in diesen elf Minuten Dauer des Liedes, gibt es keinen auch noch so kurzen Augenblick der Langeweile. Hier ist alles spannend. Das virtuose Gitarrenspiel des Mark Knopfler, immer schneller und schneller werdend, lässt den Zuhörer selbiges mit offenem Mund hören. Wahrlich beeindruckend.

Ebenso beeindruckend ist der knapp Achtminüter „Private Investigations“. Deutlich ruhiger als „Sultans Of Swing“, jedoch keinen Jota weniger fesselnd. Und auch hier steht sie natürlich wieder im Vordergrund, diese Gitarre, aus der Mark Knopfler so viel herauszuholen versteht. Stellvertretend kann das Stück „Private Investigation“ auch für das Songwriting Mark Knopflers stehen. Denn dieser verzichtet sehr oft auf den, im Pop- und Rockbereich üblichen Ablauf mit: Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe und dann, zum Abschluss, noch mal den Refrain. Alles entwickelt sich bei „Private Investigations“ hin, zu diesem einem Höhepunkt, um anschließend langsam auszuklingen. Und diese Herangehensweise an die Dramaturgie des Liedes wird so perfekt umgesetzt, dass man sich wundert, warum dies nur von so wenigen Bands umgesetzt wird.

In eine ähnliche Richtung geht auch das fast 14 minütige „Telegraph Road“. Und gleichzeitig ebenfalls ein Highlight, wenn nicht sogar der Höhepunkt des ganzen Albums. Ganz sphärisch beginnt das Lied mit Keyboard- und Synthesizer-Klängen um dann in einen ruhigen, vom Piano und der Gitarre dominierten Abschnitt überzugehen. Schließlich gesellt sich auch die Rhythmusfraktion dazu, um nur kurze Zeit später wieder einen Schritt zurück zu gehen. Und so ist es ein laufendes Spiel mit schnelleren und langsameren Abschnitten, lauteren und leiseren Tönen. Toll umgesetzt und dazu kredenzt Mark Knopfler seine Gitarrensoli - richtig klasse gemacht.

Und auch „Tunnel Of Love“ bedeutet Abwechslung im Überfluss. Hier, bei dieser Nummer, rockt es dann deutlich mehr, ohne jedoch den typischen Dire Straits Sound aus den Augen beziehungsweise Ohren zu verlieren. Auch hier lassen sich die typischen Ingredienzien aus lauten und leisen, schwebenden und treibenden Abschnitten finden. Uns auch hier wird alles durch diese markante Gitarrenspiel Mark Knopflers verknüpft und zusammengehalten

Auch unter den weiteren Stücken der beiden CD’s auf „Alchemy“ ist kein Ausfall auszumachen. Alle Lieder haben irgendwie etwas, reichen von der Klasse her allerdings nicht immer ganz an die vier bereits erwähnten Titel heran. Aber, ob man nun dem einen Stück etwas mehr als dem anderen abgewinnen kann, liegt einfach am Geschmack des Zuhörers, in diesem Fall nicht an der Qualität der Musik. Denn diese ist durchweg hoch angesiedelt und so wird sicherlich jeder Hörer unterschiedliche Höhepunkte auf dem Album für sich entdecken.

Bliebe noch der Gesang Mark Knopflers, der immer mal wieder auf der Agenda steht, wenn das Haar in der Suppe dieser Band gesucht wird. Klar, der beste und charismatischste Sänger ist er nicht mit seinem Genuschel. Aber kann man sich für Dire Straits einen anderen Sänger vorstellen? Eine andere Stimme, eine andere Stimmlage? Nein, das klappt nicht. Mark Knopflers Gesang passt zu Dire Straits, genau wie seine Gitarre. Das muss irgendwie so klingen. Und schon wird das Ganze auch wieder ein Stück „charismatisch“.

Fazit: „Alchemy“ stellt eines der besten Live-Alben dar, die es gibt. Und das liegt nicht nur an der Musik, sondern auch an der Tonqualität, die keine Wünsche offen lässt. Zudem wurden für „Alchemy“ mit die besten Stücke der Band zusammengetragen, sodass dieses Album auch irgendwie ein „Best Of Album“ darstellt. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt, denn „Brothers In Arms“ sollte erst ein Jahr später erscheinen. Von „Best Of Alben“ halte ich allerdings nicht allzu viel. Wenn mir eine Band gefällt, möchte ich auch möglichst viel von ihr hören und nicht nur das „Best Of …“, was oftmals auch gar nicht meinem „Best Of …“ entspricht. Aber hier, bei „Alchemy“, liegt das anders. Denn hier wurden die Stücke zum großen Teil noch veredelt und stellen sehr hörenswerte Alternativen zu den Studioaufnahmen dar. Tolle zwei Scheiben, 13 Punkte.

Anspieltipps: Private Investigations, Sultans Of Swing, Telegraph Road, Tunnel Of Love



Sonntag, 22. April 2012

Electric Light Orchestra – Time





Electric Light Orchestra – Time


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, backing vocals, guitars, piano, synthesizer
Bev Bevan – drums, percussion
Richard Tandy – piano, e-piano, synthesizer, guitar
Kelly Groucutt – bass, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop


Trackliste:

1. Prologue (1:16)
2. Twilight (3:42)
3. Yours Truly, 2095 (3:12)
4. Ticket To The Moon (4:07)
5. The Way Life's Meant To Be (4:39)
6. Another Heart Breaks (3:49)
7. Rain Is Falling (3:55)
8. From The End Of The World (3:17)
9. The Lights Go Down (3:33)
10. Here Is The News (3:50)
11. 21st Century Man (4:03)
12. Hold On Tight (3:06)
13. Epilogue (1:36)


Bonus Tracks:

14. The Bouncer (3:15)
15. When Time Stood Still (3:33)
16. Julie Don't Live Here (3:42)

Gesamtspieldauer: 54:36




Nach dem völlig missglückten Soundtrack „Xanadu“ und den ebenfalls nicht berauschenden Platten „Discovery“ und „Out Of The Blue“, war es doch einigermaßen überraschend, dass das Electric Light Orchstra mit „Time“ doch wieder ein Album veröffentlichte, welches zwar ebenfalls Pop-Musik enthielt, aber auch deutlich bessere und schönere Kompositionen, als auf den Vorgängern.

Das Album wird ganz unspektakulär mit „Prologue” eröffnet. Ein kurzes Stück, bei dem am ehesten die Computerstimme hängenbleibt. Es folgt mit „Twilight“ ein Popsong, der zwar nicht die Krone des Schaffens von ELO darstellt, aber es gab schon deutlich schlechtere Lieder. „Yours Truly, 2095” ist dann der erste Höhepunkt des Albums. Beginnt das Stück noch wie eine Synthie-Pop-Nummer, wird es im weteren Verlauf allerdings zu einem richtig guten Popsong mit einer klasse Melodie, flottem Rhythmus und schönen Tempowechseln. Dazu die immer wieder eingestreuten „Gimmicks“ in Form verschiedener Stimmen. Richtig gut gemacht.

Und es geht gleich so weiter. „Ticket To The Moon” ist eine wunderschöne ruhige Nummer. Und bei diesem Song kommt endlich wieder Jeff Lynnes Gespür für geniale Melodien zum Tragen. Dazu noch ein, häufig sehnsüchtig wirkender, Gesang und fertig ist ein Lied, welches ein bisschen melancholisch wirkt und zum Träumen einlädt. Wunderbar getragen das Ganze. Die Nummer 5 auf dem Album, „The Way Life's Meant To Be“ überrascht dann etwas. Das Lied wird mit Synthesizer-Streichern und anschließender Akustikgitarre eingeleitet, klingt dann aber sowas von nach „Living Next Door To Alice“ von Smokie, dass man sich nicht sicher sein kann, ob Jeff Lynne nicht am Ende noch Tantiemen zu diesem Lied abtreten musste. Das gilt allerdings nur für den Beginn des Songs, der sonst durchaus auch gefallen kann. Es ist alles nicht ganz so bombastisch und die Akustik-Gitarre steht der Musik von ELO gar nicht schlecht.

Es folgt „Another Heart Breaks”, eines der wenigen Instrumentalstücke im Schaffen des Electric Light Orchestras. Und auch dieses Stück ist durchaus gelungen. Es transportiert eine entspannte, relaxte Stimmung, die so auf den späteren Alben von ELO überhaupt nicht mehr zu hören war. „Rain Is Falling” beginnt passenderweise mit Regengeräuschen und Donnergrollen. Dazu noch die Synthesizer-Streicher und auch hier ist wieder eine Akustik-Gitarre zu hören. Ein nettes und unaufgeregtes Pop-Lied hat sich so entwickelt.

“From The End Of The World” kommt dann ganz anders, nämlich im Disco-Gewand daher, wohingegen „The Lights Go Down“, nach einer recht witzigen Einleitung, zu einem Popsong mutiert, der für das Electric Light Orchestra typisch ist – ohne dabei allerdings überzeugen zu können. Irgendwie kommen beim Hören des Songs auch Assoziationen zu Jamaika auf. Reggae ist es aber trotzdem nicht.

Dann folgt der absolute Höhepunkt des Albums. „Here Is The News“ ist eines jener Stücke, für die sicherlich nicht wenige Musiker Jeff Lynne Anerkennung zollen. Perfekt arrangiert und versehen mit einer Melodie, die sich bereits nach dem ersten Hören in die Gehirnwindungen brennt und diese nicht mehr verlässt. Ein absoluter Ohrwurm von allererster Güte. So kann auch Pop-Musik richtig begeistern. „21st Century Man“, im Anschluss daran, klingt dann sehr nach den Beatles. Und noch etwas klingt. Nämlich der Gesang, der hört sich seltsamerweise in der Strophe so an, als würde er von einem Kind gesungen werden. Das tut dem Lied aber keinen Abbruch, ein netter Song ist das.

So, dann gibt es noch den größten Hit auf dem Album zu hören. „Hold On Tight“ heißt dieser, ist ein Rock’n’Roll und hätte auch auf einer der drei vorherigen Alben gepasst. Das sagt schon einiges über seine Qualität aus. Aber wie gesagt, das war der größte Hit des Albums, Jeff Lynne hat mal wieder alles richtig gemacht, um Geld zu verdienen. Das ursprüngliche Album wird durch „Epilogue“ beendet. Wieder eine kurze Nummer, ein wenig Sphäre, ein bisschen Gefühl und der Hörer wurde aus diesem Konzeptalbum verabschiedet.

Drei Bonus Tracks haben es auf die remasterte Version des Albums geschafft. „The Bouncer“ ist eine langsame Rock- bis Popnummer, die mit vielen E-Gitarren aufwartet. „When Time Stood Still“ ist dagegen ein trauriges Lied, welches melancholisch aus den Lautsprechern strömt. Eine wirklich nette Zugabe. „Julie Don't Live Here“ ist dagegen deutlich flotter und ganz vom Synthesizer dominiert. Nicht der ganz große Knaller, aber ein Lob hat Jeff Lynne für die drei, auf Alben bisher unveröffentlichten Titel, dann doch verdient.

Fazit: Nach dem Grauen der vorangegangenen Veröffentlichungen endlich wieder ein besseres Pop-Album des Electric Light Orchestras. Die Musik darauf hat zwar auch überhaupt nichts mehr mit den ersten Werken der Band zu tun, schlecht gemacht ist sie allerdings beileibe nicht. Wer auf gut gemachte Pop-Musik steht, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn ein paar richtig gute Songs gibt es auf „Time“ zu entdecken. Zwar auch ein paar weniger gute beziehungsweise nichtssagende Titel, allerdings ist das Album allemal neun Punkte wert.

Anspieltipps: Yours Truly, 2095, Ticket To The Moon, Here Is The News, 21st Century Man, When Time Stood Still



Samstag, 21. April 2012

Pink Floyd – The Final Cut




Pink Floyd – The Final Cut


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, guitar, vocals
David Gilmour – guitar, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Michael Kamen – piano harmonium
Andy Bown – hammond organ
Ray Cooper – percussion
Andy Newmark – drums on “Two Suns In The Sunset”
Raphael Ravenscroft – tenor sax
National Philharmonic Orchestra


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1983/ 2004 / 2011


Stil: ArtRock, Melodic Rock


Trackliste:

1. The Post War Dream (3:00)
2. Your Possible Pasts (4:26)
3. One Of The Few (1:12)
4. When The Tiger Broke Free (3:17)
5. The Hero's Return (2:43)
6. The Gunners Dream (5:18)
7. Paranoid Eyes (3:41)
8. Get Your Filthy Hands Of My Desert (1:17)
9. The Fletcher Memorial Home (4:12)
10. Southampton Dock (2:11)
11. The Final Cut (4:46)
12. Not Now John (4:56)
13. Two Suns In The Sunset (5:21)




Ist “The Final Cut” aus dem Jahr 1983 eigentlich noch ein richtiges Pink Floyd Album? Richard Wright hatte endgültig die Band verlassen, um erst auf dem nächsten Album, nach Roger Waters‘ Demission, wieder zurückzukehren. Nun, das beantwortet sicherlich nicht die obige Frage. Vielleicht aber der Umstand, dass man in den Credits zu „The Final Cut“ nachlesen kann, dass das Copyright für das Album nicht etwa bei Pink Floyd, sondern bei „Roger Waters Music Overseas Ltd.“ liegt. Und noch etwas aussagekräftiger sind da die ersten beiden Sätze, die im Booklet abgedruckt wurden: „A requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“. Dies heißt nichts anderes als, dass die beiden verbliebenen Bandmitglieder Gilmour und Mason anscheinend zu Studiomusikern degradiert wurden, die am schöpferischen Prozess der Kompositionen nicht mehr beteiligt waren. Kein Wunder also, dass dies der endgültige Todesstoß dieser genialen Band, in ihrer bisherigen Zusammensetzung war. Somit handelt es sich also wirklich mehr um ein Roger Waters Soloalbum, als um das zwölfte Studioalbum der Band. Allerdings läuft „The Final Cut“ dann doch noch unter der Überschrift „Pink Floyd“ und stellt damit letztendlich schon noch ein reguläres Album der Band dar. Grund hierfür dürfte auch gewesen sein, dass sich Roger Waters Sorgen über den Erfolg des Albums gemacht hatte. Wäre dieses genauso erfolgreich unter seinem Namen, wie unter dem Markenzeichen „Pink Floyd“? Sicherlich nicht und diese Tatsache sollte durch seine weiteren, dann wirklich folgenden Soloalben bestätigt werden.

Zur Musik auf „The Fianl Cut“. Alben von Pink Floyd standen immer in der Tradition, dass sie komplett anders klangen, als die jeweiligen Vorgänger. Ob das die früheren Werke waren oder aber die Sprünge von „The Dark Side Of The Moon“ zu „Wish You Were Here“ zu „Animals“ und dann zu „The Wall“. Pink Floyd haben sich häufig neu erfunden und wussten immer wieder zu überraschen. Diese Kontinuität in der Veränderung wurde mit „The Final Cut“ durchbrochen. Mit wenigen Ausnahmen könnte „The Final Cut“ als dritte Platte von „The Wall“ durchgehen. Zu ähnlich sind hier Atmosphäre und Stimmung der Lieder. Dies trifft gleich auf die ersten sechs Stücke zu, erst mit „Paranoid Eyes“, dem siebten Titel, eröffnet sich dem Hörer da etwas „Neues“, bisher so noch nicht auf „The Wall“ gehörtes. Das Lied ist ein ganz leises und sehr gefühlvolles Stück, sehr traurig und melancholisch, nur äußerst zurückhaltend instrumentiert und ein Höhepunkt des Albums.

Unter den ersten sechs Titeln der remasterten Fassung befindet sich übrigens auch das Lied „When The Tiger Broke Free“, eine Nummer, die auf der LP-, wie der ersten CD-Ausgabe, noch nicht enthalten war. Dabei handelt es sich um ein Stück, das bereits in der filmischen Umsetzung zu „The Wall“ zu hören war.

Erwähnenswert ist auch das Lied „The Fletcher Memorial Home“, zu dessen Gelingen David Gilmour auch ein klasse Solo hinzusteuern durfte. Eindringlich hierbei der Text, bei dem sich „unheilbare“ Tyrannen und Könige (genannt werden dabei Reagan, Begin, Thatcher, Breschnew, der „Geist“ McCarthys und die „Gedanken“ Nixons) im Fletcher Memorial Home versammeln. Und am Ende des Stücks wird dann nach der Endlösung dieser Versammlung gesucht…

Völlig aus der Reihe fällt „Not Now John“. Das schnellste und „lauteste“ Stück des Albums groovt und lädt zum Mitwippen ein. Toll arrangiert dabei der Hintergrundchor, der sogar Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Und auch hier begeistert wieder David Gilmours Gitarrenspiel und weiß einfach zu überzeugen.

Fazit: Auf „The Final Cut“ beschäftigen Roger Waters ein weiteres Mal seine Kindheitserlebnisse. „Inspiriert“ durch den Falkland-Krieg verarbeitet der Musiker hier den frühen Tod seines Vaters, der 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Begeisternd und sehr intensiv sind dabei wieder die Texte, die Roger Waters unglaublich packend niederzuschreiben versteht. Die Musik allerdings, die ist zu Beginn des Albums noch zu sehr an „The Wall“ angelegt und wird erst im weiteren Verlauf des Albums eigenständiger. „The Final Cut“ ist ein sehr intensives, ruhiges und melancholisches Album geworden. Musikhörern, denen „The Wall“ gefallen hat, dürfte auch dieses zwölfte Werk der Band zusagen. Irgendwie ergreifend in seiner traurigen Stimmung ist es auf jeden Fall und damit zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Paranoid Eyes, The Fletcher Memorial Home, Not Now John



Freitag, 20. April 2012

Talk Talk – The Party’s Over





Talk Talk – The Party’s Over


Besetzung:

Mark Hollis – vocals
Simon Brenner – keyboards
Paul Webb – bass
Lee Harris – dums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Talk Talk (3:20)
2. Serious (3:19)
3. Today (3:28)
4. The Party`s Over (6:10)
5. Hate (3:56)
6. Have You Heard The News (5:05)
7. Mirror Man (3:18)
8. Another Word (3:12)
9. Candy (4:40)




1982 brachte die englische Band Talk Talk ihr erstes Album mit dem Titel „The Party’s Over“ heraus. Die Platte kam also Anfang der 80er Jahre auf den Markt und nichts anderes hört man auch auf dieser ersten Veröffentlichung der Band: Synthie Pop bis New Wave, wie man es auch von solchen Bands wie Visage oder der deutschen Band Alphaville in dieser Zeit präsentiert bekommen hat. Das Überraschende an dieser Platte hier ist allerdings, dass sich daraus in den Jahren eine Band um Mark Hollies entwickelte, die sich mit jeder Veröffentlichung radiounkompartibler präsentierte und mit ihren letzten beiden Veröffentlichungen sogar den Freunden der progressiven Rockmusik ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Nun zur Musik auf „The Party’s Over“. Die ist vom ersten Stück an sehr melodisch, geht ins Ohr und beschallt einen mit dem Anspruch: „Wenn Du jetzt noch keine Gute Laune hast, dann warte mal ab, bis ich mit Dir fertig bin!“ Eingängige Melodien und Rhythmen strömen da aus den Boxen, die zwar nicht übermäßig anspruchsvoll sind, einen Hörer jedoch trotzdem länger begleiten können.

Der Titeltrack „The Party’s Over“ gefällt zum Beispiel mit seiner Abwechslung, die hier geboten wird. Das Lied ist sehr eingängig, aus mehreren Teilen zusammengesetzt, wobei es manchmal sogar ein wenig asiatisch klingt. Der nächste Track „Hate“ ist anschließend sogar für Talk Talk Verhältnisse richtig treibend und fast schon „hart“ zu nennen. Auch mal eine nette Variation.

Und der letzte Song, „Candy“, zeigt schließlich schon sehr gut auf, wohin die Reise für Talk Talk gehen würde. Das ist natürlich noch kein richtig progressives Lied, aber beileibe auch keine 08/15 Popnummer mehr. Da hat sich jemand schon richtig viel Gedanken gemacht über Stimmungen, Rhythmen und Melodien.

Fazit: Dieses Debut-Album von Talk Talk wird nie auch nur im Geringsten langweilig. Vielmehr fängt es den Hörer immer wieder ein. Klar, solch ein Hit wie „Such A Shame“, der dann auf dem Nachfolger zu finden ist, der fehlt auf „The Party’s Over“. Und es ist auch noch ganz andere Musik auf diesem Album zu hören, wie auf den letzten beiden Veröffentlichungen der Band. Wer allerdings auf „It’s My Life“ und auf „The Colour Of Spring“ Ansätze für sich findet, der dürfte ebenfalls auf „The Party’s Over“ ab und zu das Passende für sich entdecken. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Talk Talk, Today, The Party’s Over, Hate, Candy



Donnerstag, 19. April 2012

Tori Amos – The Beekeeper





Tori Amos – The Beekeeper


Besetzung:

Tori Amos – bösendorfer, b3 hammond organ, vocals, hand claps


Gastmusiker:

Matt Chamberlain – drums, hand claps
John Evans – bass, upright bass, hammond bass pedals, hand claps
Mac Alladin – acoustic, 12 string and electric guitars, mandolin
Damien Rice – additional vocals
Alison Evans – hand claps
Chelsea Laird – hand claps
Kelsey Dobyns – additional background vocals
London Community Gospel Choir – background vocals


Label: Sony BMG Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Parasol (3:54)
2. Sweet The Sting (4:14)
3. The Power Of Orange Knickers (3:35)
4. Jamaica Inn (4:02)
5. Barons Of Suburbia (5:20)
6. Sleeps With Butterflies (3:35)
7. General Joy (4:12)
8. Mother Revolution (3:58)
9. Ribbons Undone (4:30)
10. Cars And Guitars (3:44)
11. Witness (6:03)
12. Original Sinsuality (2:02)
13. Ireland (3:47)
14. The Beekeeper (6:49)
15. Martha's Foolish Ginger (4:21)
16. Hoochie Woman (2:34)
17. Goodbye Pisces (3:36)
18. Marys Of The Sea (5:08)
19. Toast (3:42)

Gesamtspieldauer: 1:19:32



Die Musik von Tori Amos lebt und begeistert immer durch zwei Dinge. Da ist zum einen ihre unverwechselbare Stimme, die nicht nur in Verbindung zu ihrem Pianospiel so wunderschön klingt. Manchmal erinnert das ein wenig an Kate Bush, wenn man allerdings mehrere Platten von Tori Amos kennengelernt hat, kommt man nicht mehr auf diese Idee. Der zweite Punkt, den man mit Tori Amos‘ Liedern assoziiert, das ist ihr Gefühl, ihr Gespür für Melodien. Melodien, die einen einhüllen, die begeistern, in denen man, mit all seinen Stimmungen, aufgehen kann.

Von ersterem, der Stimme dieser außergewöhnlichen Sängerin, bekommt man auf „The Beekeeper“ satt präsentiert. Mit über 79 Minuten wird dem Hörer auf dem achten Album Tori Amos‘ eine Menge Musik für sein Geld geboten. Und auf neunzehn verschiedene Titel verteilt sich diese Musik dabei. Neunzehn Lieder, die allerdings leider nur selten dafür stehen, für was die Musik von Tori Amos eben auch immer stand: Diese Melodien, die einen, in welchen Gefühlen auch immer, schwelgen lassen. Liegt es daran, dass die Stimmung auf „The Beekeeper“ ein wenig fröhlicher ist, als auf so manch anderem Album? Wohl kaum, denn auch eine Menge weniger melancholisch oder sentimentale Lieder Tori Amos‘ können auf anderen Scheiben gefallen und einen einfangen.

Es liegt nicht an der Stimmung der Musik, es liegt sehr viel mehr an der Art der Musik. Bei vielen Stücken denkt der geneigte Hörer: „Das kenne ich doch schon!“ Stimmt allerdings nicht, denn die Stücke wurden natürlich noch nicht woanders veröffentlicht. Allerdings wirkt es immer wieder ein wenig so, als ob sich Tori Amos auf „The Beekeeper“ ein bisschen selbst kopiert hätte. Ein Umstand, der auch zwangsläufig nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten muss. Ein Künstler, oder hier eine Künstlerin, steht in der Tradition ihrer Musik und muss nicht immer das Rad völlig neu erfinden. Wenn allerdings die Kopie schlechter und weniger packend klingt als das Original, dann ist das leider doch ein Rückschritt.

Auffällig ist auf „The Beekeeper“ auch die Instrumentierung. Auf Streicher wurde während der Aufnahme des Albums vollständig verzichtet. Auch gibt es, wie auf anderen Veröffentlichungen Tori Amos‘, anstatt einer ellenlangen Gastmusikerliste, dieses Mal lediglich eine überschaubare Anzahl Musiker, die die Sängerin auf ihrem Piano begleiten. Ihre Stimme und das Piano stehen natürlich im Vordergrund, unterstützt werden beide meist lediglich durch die klassischen drei Instrumente der Rockmusik: Gitarre, Bass und Schlagzeug - allerdings meist nur hauchzart.

Aber natürlich gibt es sie auch, diese Höhepunkte, die den Kauf dieses Albums ebenfalls zu einer lohnenden Investition werden lassen können. Das ist zum einen der Titelsong „The Beekeeper“. Ganz ohne Piano, hauptsächlich mit Orgelklängen, schafft es Tori Amos hier eine fesselnde Atmosphäre zu erzeugen, die mit dem Adjektiv „mystisch“ ganz gut beschrieben werden kann. In die Kategorie „typisch Tori Amos“, ohne dabei jedoch wie Kopien zu klingen, fallen am ehesten die Stücke „Original Sinsuality“ und „Toast“. Der Rest des Albums ist zwar meist auch nicht schlecht, richtig begeistern kann er allerdings nicht. Die Musik ist dann eher irgendwie etwas „Gewohntes“.

Fazit: Nein, „The Beekeeper“ ist beileibe kein schlechtes Album. Und es ist gewiss kein Nachteil, dass das Album knapp achtzig Minuten lang ist und dabei neunzehn Lieder enthält. Denn genau dadurch ist natürlich für jeden etwas dabei. Oder ist das vielleicht doch der Nachteil? Eine Ansammlung richtig toller Lieder ist das Album auf jeden Fall nicht. Hier gibt es wenig Highlights, aber viel Durchschnitt zu hören. Für jemanden, der sich mal mit der Musik von Tori Amos beschäftigen möchte, definitiv der falsche Einstieg. Dazu eignen sich die ersten Platten deutlich besser. Für Tori Amos Fans ist „The Beekeeper“ allerdings durchaus eine Anschaffung wert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Parasol, Original Sinsuality, The Beekeeper, Marys Of The Sea, Toast







Mittwoch, 18. April 2012

Randy Newman – Randy Newman





Randy Newman – Randy Newman


Besetzung:

Randy Newman und andere…


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Blues bis orchestrale Filmmusik


Trackliste:

1. Love Story (You And Me) (3:23)
2. Bet No One Ever Hurt This Bad (2:07)
3. Living Without You (2:24)
4. So Long Dad (2:14)
5. I Think He's Hiding (3:08)
6. Linda (2:29)
7. Laughing Boy (2:00)
8. Cowboy (2:41)
9. The Beehive State (1:52)
10. I Think It's Going To Rain Today (3:01)
11. Davy The Fat Boy (2:47)




Kurz „Randy Newman“ oder aber etwas ausführlicher „Randy Newman Creates Something New Under The Sun“ heißt das Debut des amerikanischen Sängers und Songwriters. Den Durchbruch stellte diese Platte für Randy Newman allerdings noch nicht dar. Nachdem er zuvor als Songschreiber unter anderem für Gene Pitney und Manfred Mann tätig war, floppte seine erste Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen. Die Platte war zunächst sogar so unerfolgreich, dass die ursprüngliche Plattenfirma, „Reprise Records“, diese tatsächlich verschenkte. Angeblich lag das an der „näselnden“ Stimme des Sängers.

Wie der Untertitel schon erzählt „….Creates Something New Under The Sun“, so ist auf der Platte wirklich Musik zu hören, die nicht unbedingt laufend in den amerikanischen Charts der damaligen Zeit zu hören war. Wenn man zum Beispiel „Love Story (You And Me)“ hört, dann könnte dieses Lied auch aus einem Film beziehungsweise von einem Soundtrack stammen. Und das liegt nicht nur an der Instrumentierung mittels eines Orchesters. Es kling wie aus einem Film mit Doris Day oder einem Musical. Szenen erklärend, untermalend, begleitend - irgendwie wie, ja Filmmusik. Gar nicht mal so überraschend, da mehrere Onkels von Randy Newman Filmmusik schrieben und auch sein Vater, ein Arzt, im Komponieren seinen Ausgleich fand.

Nun, aber begeistern kann die Musik in ihrer Machart allerdings wirklich nicht richtig. Das liegt aber nicht am Gesang. Das Lied „Love Story (You And Me)“ lebt von der Strophe, ist sehr getragen und mit seinen Streichereinsätzen irgendwie auch ein wenig schmalzig. Und dann wirkt es ein bisschen zusammengestückelt. Nun, begeisternde Musik klingt anders. Der zweite Titel „Bet No One Ever Hurt This Bad” stellt dabei auch keine Steigerung dar. Eher im Gegenteil, hier wird es jetzt richtig langweilig. Nach Filmmusik klingt es hier aber auch nicht mehr, sehr viel eher nach einem Folk-Blues-Rock-Stück.

Doch es gibt auch ganz tolle Lieder auf dem Album. Gleich der dritte Track des Albums verkörpert hier einen Höhepunkt: „Living Without You“ ist eingängig, packend und geht einem nach mehrmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf. Eine richtig schöne, sanfte Melodie liegt diesem Track zu Grunde und hier akzentuiert Randy Newman seinen Gesang klasse. Weiter geht es mit „So Long Dad“, fast schon einem Kammermusikstück mit Anleihen zur amerikanischen Filmmusik der 40er und 50er Jahre. Überraschend dabei nur, wie überraschend das Stück ausgeblendet wird.

“I Think He's Hiding”, das mit 3:08 Minuten Dauer zweitlängste Stück der Platte beziehungsweise CD, klingt dagegen ein wenig zäh. Da sucht man zuerst vergeblich die eingängige Melodie und wenn sie dann zu erscheinen scheint, ist sie auch gleich wieder Geschichte. Auch hier wirken die Breaks wieder wie gesetzte Spannungspunkte eines Films. Irgendwie konstruiert und nicht überzeugend, dazu tragen ebenfalls die hierin enthaltenen Ragtime-Elemente bei. Im Genre „Filmmusik“ bewegt man sich auch wieder bei „Linda“. Bei diesem Lied hört man erneut Abschnitte mit orchestraler Filmmusik, aber auch diese Nummer wirkt ein wenig zusammengestückelt.

Deutlich schlechter wird es dann noch bei „Laughing Boy“. Ein Track, der wieder sehr an ein Filmmusikstück (ich weiß, ich wiederhole mich) erinnert, welcher im Refrain grooven soll, aber mit diesem „Da-da-da-da-da-da-daaaaa“ und dem Big Band Sound nur irgendwie nervig klingt. „Cowboy” ist erneut Filmmusik und sehr getragen. Dies wird transportiert durch die orchestrale Instrumentierung. Die Streicher können sich hier ausleben, Flöten erklingen, alles ist melancholisch und sentimental. Wahrlich kein Lied, welches im Radio gespielt werden würde, was natürlich nichts über dessen Qualität aussagt. Interessant und nicht schlecht, aber auch nicht begeisternd.

Mit „The Beehive State“ folgt dann mal wieder ein Song, der nicht zwangsläufig dem Filmgenre zuzuordnen ist. Das Lied ist eine groovende Nummer, die leider, mit weniger als zwei Minuten Dauer, ein bisschen zu kurz geraten ist. Anschließend wird es wieder sehr getragen. „I Think It's Going To Rain Today” drückt genau das aus, was auch schon der Titel sagt: „Mein Gott, es ist absolut schlechtes Wetter draußen und ich habe keine Lust auf gar nichts.“ Wenn dann auch noch die Streicher einsetzen, dann ist jede gute Laune zerstört und man befindet sich gedanklich in einem sehr traurigen Film mit viel Regen, viel Leid und vielen, meist wohl „sehr“ toten, zumindest aber sehr depressiven Menschen. Traurige Stimmung par excellence.

Und schließlich folgt mit „Davy The Fat Boy“ der Trauermarsch. Zumindest zu Beginn. Dann versucht Randy Newman, die Musik an die gesungenen Wörter anzugleichen und die Stimmung in Musik umzusetzen. Das wirkt zumindest interessant, wenn auch wieder durch die orchestrale Instrumentierung ein wenig nach Filmmusik. Und auch hier wird das Lied wieder völlig überraschend ausgeblendet. Warum nur?

Fazit: Das Debut von Randy Newman hat nichts mit Pop-Musik zu tun, die zeitlich gesehen ebenfalls Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Filmmusikfreaks werden hier ihren Spaß haben, auch wenn sich auf diesem Album kein Soundtrack befindet, jedenfalls nicht aus einem speziellen Film. Aber genau das schafft die Musik, Assoziationen zu Filmen der 50er und 60er Jahre aufkommen zu lassen. Von daher mag das Ganze interessant sein, da es anders ist als die weitere Musik dieser Zeit. Aber einen zu packen, dass schafft sie leider auch nicht, diese Musik Randy Newmans. Die paar, wenigen Höhepunkte können da den Gesamteindruck auch nicht retten. Von daher - sechs Punkte.

Anspieltipps: Love Story (You And Me), Living Without You, The Beehive State, Davy The Fat Boy



Dienstag, 17. April 2012

Pink Floyd – The Wall





Pink Floyd – The Wall


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, guitar, vocals
David Gilmour – guitar, vocals
Richard Wright – keyboards, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Bruce Johnston, Tony Tennille, Joe Chemay, John Joyce, Stan Farber, Jim Maas, Islington Green School – backing vocals
Michael Kamen, Bob Ezrin – orchestral arrangement


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1979 / 1994 / 2011


Stil: ArtRock, Melodic Rock


Trackliste:


CD1:

1. In The Flesh? (3:20)
2. The Thin Ice (2:30)
3. Another Brick In The Wall, Part 1 (3:10)
4. The Happiest Days Of Our Lives (1:50)
5. Another Brick In The Wall, Part 2 (3:59)
6. Mother (5:34)
7. Goodbye Blue Sky (2:48)
8. Empty Spaces (2:08)
9. Young Lust (3:31)
10. One Of My Turns (3:37)
11. Don't Leave Me Now (4:16)
12. Another Brick In The Wall, Part 3 (1:15)
13. Goodbye Cruel World (1:14)


CD2:

1. Hey You (4:42)
2. Is There Anybody Out There? (2:40)
3. Nobody Home (3:25)
4. Vera (1:33)
5. Bring The Boys Back Home (1:27)
6. Comfortably Numb (6:22)
7. The Show Must Go On (1:36)
8. In The Flesh (4:17)
9. Run Like Hell (4:24)
10. Waiting For The Worms (3:58)
11. Stop (0:30)
12. The Trial (5:20)
13. Outside The Wall (1:43)




Klar ist, dass Pink Floyd an diesem Album zerbrochen ist. Richard Wright wurde von Roger Waters aus der Band gemobbt und war auf den anschließenden Konzerten Pink Floyds zu „The Wall“ nur noch Gastmusiker - bis er anschließend die Band vollständig verließ und erst zurückkehrte, als Roger Waters seinerseits kein Mitglied Pink Floyds mehr war. Hier, bei „The Wall“ hatte Roger Waters allerdings noch das Zepter in der Hand. Hier stand dieser nun fast alleine im Vordergrund, schrieb alle Texte und war bis auf vier Ausnahmen („Young Lust“, „Comfortably Numb“ und „Run Like Hell“ zusammen mit Gilmour, „The Trial“ in Co-Produktion mit Bob Ezrin) der alleinige Komponist der Stücke. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Musikhörer dieses Album eher als ein Roger Waters Solo Album ansehen, als eine Gemeinschaftsproduktion der vier britischen Musiker. Die Namen „Nick Mason“ und „Richard Wright“ sucht man übrigens auf der ersten LP-Veröffentlichung des Albums vergeblich. Da ist zwar noch von „Pink Floyd Music“ die Rede, wer das allerdings ist, das wird nicht mehr detailliert erwähnt. Der Name „Roger Waters“ taucht dagegen mehrfach und immer wieder auf.

Die einen lieben dieses Album, halten es für einen Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik, für einen der größten Klassiker dieses Genres. Für die anderen war es der Untergang Pink Floyds, nach dem sie nie wieder so werden sollten, wie sie auf “The Dark Side Of The Moon”, “Wish You Were Here” und “Animals” waren. Und auch ich finde, dass „The Wall“ zumindest nicht an „Wish You Were Here“ und „Animals“ heranreicht, genauso wenig wie an „Meddle“ oder „Atom Heart Mother“. Das hat zum einen musikalische Gründe, denn auf „The Wall“ finden sich einige Titel, die man eher unter der Rubrik „ganz nett“ als unter „klasse“ ablegen würde. Des Weiteren ist auch der Inhalt, das Aufarbeiten irgendwelcher jugendlicher Traumata aus Roger Waters Kindertagen, nicht unbedingt das packenste Thema. Allerdings – und hier fängt das Pendel nun an in die positive Richtung auszuschlagen – ist die Umsetzung dieser Thematik perfekt gelungen, was bei den Songtexten Roger Waters‘ auch nicht weiter verwunderlich ist. Das kann er überragend.

Und was Roger Waters hier auf „The Wall“ noch beweist ist die Tatsache, dass er Melodien schreiben kann. Melodien für Lieder, die einen einhüllen, in denen man aufgehen kann, die einem schmeicheln, die einen packen können, die einen emporheben, um einen an anderer Stelle wieder ganz sanft abzusetzen. Zwar gelingt ihm dies hier nicht mit bei jeder Nummer, aber einige absolute Perlen wie „Hey You“, „Is There Anybody Out There?“, „Good Bye Blue Sky“ oder etwa „Comfortably Numb“ würden auch jedes andere Album bereichern. Dazu gesellt sich noch die Hymne der später 70er, frühen 80er Jahre. „Another Brick In The Wall, Part 2“. Ein Stück, das so ziemlich jeder kennt, der ab und zu Musik hört. Ein Lied, welches meine Kinder auch heute noch, über dreißig Jahre nach seiner Veröffentlichung, cool finden. Ein Titel, der für eine bestimmte Epoche des letzten Jahrhunderts steht und diesen Platz auch nicht mehr verlassen wird.

Richtig schwach ist eigentlich nur das unglaublich zähe „Don’t Leave Me Now“, bei dem Roger Waters‘ Gesang das Lied in einem noch schlechteren Licht erscheinen lässt. Interessant wie ungewöhnlich sind dagegen wieder das orchestrale „Bring The Boys Back Home“ oder das, schon sehr in Richtung Oper gehende, „The Trial“. Die restlichen Stücke haben alle was. Sie sind sicher keine Meilensteine im Liederkatalog der Band, aber sie erzeugen auch diese Stimmung, die dem ganzen Album zugrunde liegt und der man sich auch nicht vollends entziehen kann.

Fazit: „The Wall“ ist mit über 30 Millionen Tonträgern das zweiterfolgreichste Album Pink Floyds. Es reicht von seiner musikalischen Klasse trotzdem nicht an manch andere Veröffentlichung Pink Floyds heran. Aber es ist beileibe auch kein schlechtes Album, dafür tummeln sich viel zu viele gute, zum Teil sogar beeindruckend gute Lieder darauf. Ich glaube auch nicht, dass man mit „The Wall“ groß geworden sein muss, um Gefallen daran zu finden, denn die Musik besitzt Qualität und diese setzt sich bekanntlich durch – da spielt das Alter dann keine Rolle. „The Wall“ hat zwölf Punkte verdient.

Anspieltipps: Another Brick In The Wall, Part 1-3, The Show Must Go On, Hey You, Is There Anybody Out There?, Comfortably Numb, The Trial



Montag, 16. April 2012

The Byrds – Mr. Tambourine Man





The Byrds
– Mr. Tambourine Man



Besetzung:

Roger McGuinn – 12 string guitar, vocals
Gene Clark – tambourine, vocals
David Crosby – rhythm guitar, vocals
Chris Hillman – bass, vocals
Michael Clarke – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Mr. Tambourine Man (2:34)
2. I'll Feel A Whole Lot Better (2:36)
3. Spanish Harlem Incident (2:01)
4. You Won't Have To Cry (2:12)
5. Here Without You (2:40)
6. The Bells Of Rhymney (3:35)
7. All I Really Want To Do (2:08)
8. I Knew I'd Want You (2:18)
9. It's No Use (2:28)
10. Don't Doubt Yourself, Babe (2:59)
11. Chimes Of Freedom (3:55)
12. We'll Meet Again (2:18)


Bonus Tracks:

13. She Has A Way (2:29)
14. I'll Feel A Whole Lot Better (Alternate Version) (2:32)
15. It's No Use (Alternate Version) (2:28)
16. You Won't Have To Cry (Alternate Version) (2:11)
17. All I Really Want To Do (Single Version) (2:07)
18. You And Me (Instrumental) (2:11)




Es ist schon eigenartig, wenn man heutzutage Musik aus der Mitte der 60er Jahre einlegt. Bald 50 Jahre haben diese Scheiben auf dem Buckel. Und ganz klar das hört man. Da ist es auch völlig egal, für welche Band man sich gerade entschieden hat. Irgendwann Ende der 60er Jahre hat dann allerdings eine Entwicklung eingesetzt, die Musik zeitloser machte. Und spätestens mit den 70er Jahren entstanden schließlich auch Alben, denen man noch nicht einmal heute mehr unbedingt anhören kann, dass sie schon vor so vielen Jahrzehnten komponiert, getextet und aufgenommen wurden.

Nun, bei „Mr. Tambourine Man“, dem Erstlingswerk der amerikanischen Formation „The Byrds“ aus dem Jahr 1965, hört man es der Musik, auf der remasterten Version jedoch nicht mal unbedingt dem Sound an, dass sich hier, zeitlich gesehen, bereits „historische“ Musik den Weg zum Ohr bahnt. Und dieser Sound der Byrds Mitte der 60er kann sich durchaus mit dem der Beatles aus England zur selben Zeit vergleichen. Oftmals hört man hier Parallelen, auch wenn den Byrds diese Vielzahl an unglaublichen Ohrwürmern, die von den Beatles auch schon in dieser Zeit fließbandmäßig produziert wurden, abgeht.

Aber auch diese gibt es. Da ist zum Beispiel der Titeltrack, „Mr. Tambourine Man“, geschrieben von Bob Dylan. Ein tolles Stück, welches sofort ins Ohr geht und dort verbleibt. Hier passt wohl auch der Stempel „Evergreen“. Und auch die zweite Nummer des Albums, „I'll Feel A Whole Lot Better“, von Gene Clark komponiert, fällt in diese Kategorie. Schöne und eingängige Melodie, sanfter und doch treibender Rhythmus und ein hoher Wiedererkennungsfaktor.

Und damit wären sie auch schon erwähnt, die beiden Hauptkomponisten des ersten Albums. Denn Bob Dylan steuerte noch drei weitere, der ursprünglich 12 Titel umfassenden Platte bei. Gene Clark war noch an vier weiteren Kompositionen beteiligt. Zweimal dabei in Verbindung mit Roger McGuinn. Die restlichen drei Stücke sind Cover-Versionen verschiedener Autoren, unter anderem Pete Seeger.

Auf der Platte befindet sich kaum ein Titel, der länger als etwas über zwei Minuten läuft und so bekommt der geneigte Musikhörer auf „Mr. Tambourine Man“ zwölf kurze und immer eingängige Folk-Songs präsentiert, die nicht aufregen, manchmal gefallen können, oftmals aber auch einfach so vorbeiziehen. Und das passiert leider bereits ab dem dritten Titel. Alles ganz nett, aber heute auch nicht mehr besonders erwähnenswert. Der Sound der Band selbst, sollte hier allerdings doch noch etwas hervorgehoben werden. Geprägt durch McGuinns zwölf-saitige Rickenbacker-Gitarre und diesen, überaus harmonischen, melodiösen und mehrstimmigen Gesang, haben vielleicht nicht alle Titel des Albums, die Byrds selbst jedoch, einen hohen Wiedererkennungswert.

Fazit: Wie schon erwähnt, man hört dem Album das Alter an. Wer allerdings auf melodiösen Folk-Rock steht, der wird auch an diesem Album seinen Spaß haben. Auf „Mr. Tambourine Man“ befinden sich Klassiker der Byrds und des ganzen Genres. Der Sound der Band ist zudem unverwechselbar, sodass sich hier ein Ohr zu riskieren durchaus lohnen kann - wenn man mit der Musik Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts etwas anzufangen weiß. Ich empfinde das Album nicht als „Meilenstein“, kann es mir aber durchaus auch gerne und interessiert anhören. Nur diese Patina, die stört doch irgendwie. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Mr. Tambourine Man, I'll Feel A Whole Lot Better, Here Without You, All I Really Want To Do, I Knew I'd Want You, Chimes Of Freedom



Sonntag, 15. April 2012

Marillion – Clutching At Straws





Marillion – Clutching At Straws


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Gastmusiker:

Tessa Niles – backing vocals “Warm Wet Circles” & “The Last Straw”
Christopher “Robin” Kimsey – backing vocals “Incommunicado”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Hotel Hobbies (3:35)
2. Warm Wet Circles (4:26)
3. That Time Of The Night (The Short Straw) (6:01)
4. Going Under (2:48)
5. Just For The Record (3:09)
6. White Russian (6:28)
7. Incommunicado (5:17)
8. Torch Song (4:05)
9. Slàinthe Mhath (4:45)
10. Sugar Mice (5:47)
11. The Last Straw (I. Happy Ending) (5:59)




“Clutching At Straws“ aus dem Jahr 1987 war die vierte und gleichzeitig letzte Veröffentlichung, bei der Fish ein Teil der Band Marillion war. Und was sich auf dem Vorgängeralbum bereits abzeichnete, diese Entwicklung wurde hier fortgesetzt: Marillion entfernen sich immer mehr vom progressiven Rock, hin zum Mainstream.

Schade, sehr schade, denn, dass sie es eigentlich noch draufhätten, dies bekommt der Hörer gleich im ersten Song „Hotel Hobbies“ zu hören. Eine richtig gute und abwechslungsreiche Nummer bekommt man da serviert. Jede Menge Ideen werden einem kredenzt, die in schönen Melodien verpackt sind. Das Lied klingt irgendwie „verschachtelt“ und durchaus auch noch progressiv.

„Warm Wet Circles“, der nächste Track, ist dann eine ruhige und eingängige Nummer, die allerdings nichts Besonders darstellt. Das Lied fließt eben so dahin, bis es sein Ende erreicht hat und dann in den nächsten Titel „That Time Of The Night (The Short Straw)“ übergeht. Und gleiches gilt auch für diesen Song. Man hört sphärische Gitarren unterlegt von einem entsprechenden Keyboardteppich, ganz nett, packend ist allerdings etwas anderes. „Going Under“, das vierte Lied des Albums, macht es da leider ebenfalls nicht viel besser. Vielleicht liegt es an der Stimmung dieser drei Lieder, die bei allen drei Nummern ziemlich ähnlich ist, dass hier fast schon so ein Gefühl wie Langeweile aufkommt.

Etwas flotter wird es schließlich bei „Just For The Record“. Das war es dann allerdings auch. Überzeugen kann auch diese Nummer nicht, man ist von Marillion Spannenderes und Interessanteres gewohnt. Mit „White Russian“ wird es anschließend jedoch endlich wieder deutlich besser. Das Lied beginnt zwar ebenfalls langsam, nimmt im weiteren Verlauf aber Fahrt auf und entwickelt sich zu einer tollen und treibenden Nummer. Dazu noch diese schöne Melodie und fertig ist ein Highlight auf „Clutching At Straws“, welches auch auf den früheren Platten der Band einen Höhepunkt dargestellt hätte.

„Incommunicado“, im Anschluss daran, ist ebenfalls wieder eine schnellere Nummer. So zu begeistern wie der Vorgänger schafft es dieses Lied allerdings nicht. Sowohl Gitarre wie auch Keyboard können hier mit schönen und schnellen Soli glänzen, was das Lied zu einem grundsoliden Rocksong werden lässt. Mit dem „Torch Song“ wird es dann wieder ruhiger und getragener. Leider fehlt hier aber die Melodie, die einen packt und mitreißt, die es auf den ersten beiden Scheiben der Band noch so häufig gegeben hatte. Aber diese „Melodie“, dieses packende Stück Musik, findet sich dann wieder ein wenig in „Slainthe Mhath“. Schön hier das herrlich schwebende Gitarrenspiel Steve Rotherys. Ein guter Song.

„Sugar Mice“, das vorletzte Lied des Albums klingt ein wenig so, als ob es aus anderen Marillion-Stücken zusammengesetzt worden wäre. Irgendwie meint man, dass man Teile des Liedes in anderen Stücken schon mal gehört hätte. Die Stimmung ist hier wieder ruhig und leider erneut ein wenig langweilig. Beendet wird das Album durch „The Last Straw (I. Happy Ending)”. Das Stück gehört wieder zu den besseren Nummern auf „Clutching At Straws“, was wohl nicht zuletzt an dem schönen Groove liegt, den der Song transportiert. Dazu noch die Abwechslung mit schnelleren und langsameren Parts und ein Gesangsduett von Fish mit Tessa Niles - wirklich gelungen. Und so könnte der Untertitel „Happy Ending“ bei diesem Titel auch „Good Ending“ heißen, denn das Lied stellt immerhin ein gutes Ende für das Album dar.

Fazit: Das ist nicht mehr Marillion wie auf den ersten beiden, bewegenden Platten der Band. Diese Klasse der Formation taucht hier auf „Clutching At Straws“ nur noch ab und zu auf. Die überraschenden, manchmal bombastischen und immer fesselnden Melodien und Arrangements findet man auf dem vierten Album der Band nur noch vereinzelt. Danach sollten sich auch die Wege von Fish und dem Rest der Band trennen. Sicherlich nicht deswegen, weil das Ergebnis des letzten Albums so katastrophal war, denn das ist es sicherlich nicht. Aber es ist eben nur mehr Durchschnitt, acht Punkte.

Anspieltipps: Hotel Hobbies, White Russian, Slainthe Mhath, The Last Straw (I. Happy Ending)



Samstag, 14. April 2012

Hawkwind – Hawkwind





Hawkwind – Hawkwind


Besetzung:

Dave Brock – vocals, six and twelve strings guitars, harmonica and percussion
John A. Harrison – bass guitar
Huw Lloyd – lead guitar
Terry Ollis – drums
Nik Turner – alto sax, vocals and percussion
Dikmik – electronics


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1970 / 2001


Stil: Progressive Rock, Space Rock


Trackliste:

1. Hurry On Sundown (5:01)
2. The Reason Is? (3:30)
3. Be Yourself (8:07)
4. Paranoia (Part 1) (1:09)
5. Paranoia (Part 2) (4:09)
6. Seeing It As You Really Are (10:49)
7. Mirror Of Illusion (7:08)


Bonus Tracks:

8. Bring It On Home (3:18)
9. Hurry On Sundown (5:06)
10. Kiss Of The Velvet Whip (5:28)
11. Cymbaline (4:04)




Noch deutlich anders, als auf den folgenden Alben der Band, ist diese erste Hawkwind Platte aus dem Jahr 1970. Bei den folgenden Veröffentlichungen sollte sich der Stil der Band erst noch genau herauskristallisieren und das Genre „Space Rock“ geboren werden, welches hier nur in Ansätzen zu vernehmen ist.

“Hurry On Sundown”, die erste Nummer auf dem Album, klingt eher nach Folk Rock als nach Space Rock. Es ist ein Titel, der so original auf eine der früheren Lindisfarne Platten gepasst hätte. Nicht zuletzt das Mundharmonikaspiel Dave Brocks trägt zu diesem Eindruck bei. „The Reason Is?“, im Anschluss daran, ist ein Titel, der sich sehr sphärisch anhört und wie die experimentelleren Sachen der frühen Pink Floyd klingt. „Be Yourself“ gestaltet sich dann zunächst ein wenig rockiger, um schließlich ebenfalls wieder in einen Part zu münden, der sich so auch auf der zweiten Pink Floyd Platte „A Saucerful Of Secrets“ hätte befinden können. Allerdings nur kurz, denn dann setzt ein Saxophon ein und der Track entwickelt nun doch ein wenig ein Eigenleben. Das Stück hat nun einen treibenden Rhythmus und variiert im weiteren Verlauf das Soloinstrument hin zur E-Gitarre. Schließlich wird die Musik zu einer groovenden Hochgeschwindigkeitsreise, bei der man nicht umhin kommt mit zu wippen.

„Paranoia (Part 1)“ ist kurz, ein wenig sphärisch und etwas mehr experimentell. „Paranoia (Part 2)“ präsentiert sich dann wieder in bester Pink Floyd Manier. Und auch hierbei bewegen wir uns wieder sehr im Bereich der experimentellen Stücke. Dann wird es meditativ betörend. Immer und immer wieder werden sechs Töne hypnotisierend wiederholt, bis das Ganze gegen Ende des Stückes immer langsamer abläuft und schließlich ganz zum Erliegen kommt.

„Seeing It As You Really Are“ ist anschließend mit knapp elf Minuten der längste Track auf dem Album. Und jetzt wird das Ganze noch einen Tick psychedelischer. Man hört zunächst sphärische Keyboardläufe, Geflüster, Sprachfetzen und einen im Mittelpunkt stehenden Bass. Das Gestöhne und Geflüster geht weiter und die E-Gitarre entwickelt auf diesem Untergrund ein Solo. Im Grunde genommen bleiben diese „Zutaten“ den ganzen Song über so erhalten, nur Nik Turners Saxophon bekommt noch mal eine Extrarolle zugedacht. Alles irgendwie abgefahren und schwer zu glauben, dass diese Art Musik so ohne kleine psychologische „Hilfsmittel“ komponiert werden konnte.

Beschlossen wurde das Album ursprünglich durch den Titel „Mirror Of Illusion“. Dieser hat nun wieder eine ganz normale Strophe sowie einen Refrain und stellt ein etwas treibenderes Rock-Lied dar. Und bei diesem Stück sind sie dann auch zu hören, diese kurzen, dem Synthesizer entlockten sphärischen Weltraumtöne, die hier in den Credits mit „Electronics“ umschrieben werden.

Vier Bonus Tracks gibt es auf der remasterten Version der CD zu hören. „Bring It On Home“ ist eine bluesige Country-Nummer, die ebenfalls wieder stark an Lindisfarne erinnert, allerdings von Willie Dixon stammt. „Hurry On Sundown” ist eine alternative Version zum ersten Lied des Albums und „Kiss Of The Velvet Whip“ ist ein leicht psychedelisch angehauchter Song mit einem abgefahrenen Saxophon-Solo. Schließlich gibt es ganz zum Schluss noch eine zweite Coverversion zu hören. Dieses Mal handelt es sich um Pink Floyds „Cymbaline“. Und diese Version ist wirklich überaus gelungen.

Fazit: Ganz war Hawkwind hier noch nicht beim Space Rock angekommen. Aber das Debut der Band um Dave Brock kann sich durchaus hören lassen. Hier frönen die sechs Musiker noch mehr dem Genre Psychedelic Rock, was ihnen auch gut gelingt. Wer sich für die Musik der Band interessiert, sollte allerdings lieber mit einem der nachfolgenden Alben beginnen, denn darauf erhält man einen besseren Eindruck von der Musik Hawkwinds – zumindest einen exemplarischeren. Acht Punkte.

Anspieltipps: Be Yourself, Seeing It As You Really Are