Montag, 2. Juli 2012

Gotye – Making Mirrors





Gotye – Making Mirrors


Besetzung:

Wouter „Wally“ De Backer – vocals, flute, strings, bass samples, drums, percussion, guitar and orchestra samples, winton musical fence, organ, brass, synthesizer, dulcimer, horn samples, guitar, bass, music box, bells, wineglass, omnichord, virtual mandolin, autoharp, metronome, piano


Gastmusiker:

Francois – dubs and spaces
Lucas Taranto –bass guitar, poker bass
Kimbra Johnson – vocals
Gareth Skinner – whale cellos
Michael Hubbard – pedal steel guitar
Luke Hodgson – bass
Scott Tinkler – trumpet
Adam Simmons – saxophone


Label: Vertigo / Universal


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Pop


Trackliste:

1. Making Mirrors (1:01)
2. Easy Way Out (1:57)
3. Somebody That I Used To Know (4:04)
4. Eyes Wide Open (3:11)
5. Smoke And Mirrors (5:13)
6. I Feel Better (3:18)
7. In Your Light (4:39)
8. State Of The Art (5:22)
9. Don't Worry, We'll Be Watching You (3:18)
10. Giving Me A Chance (3:07)
11. Save Me (3:53)
12. Bronte (3:18)




Nun, mit Wouter „Wally“ De Backer ist das so eine Sache. Der belgisch-australische Songwriter und Sänger, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Gotye, hält einige Überraschungen auf seinem 2011 erschienenen dritten Album parat. Ganz langsam und fast schon orchestral und leicht schwebend wird die Platte mit dem Titel „Making Mirrors“, der gleichzeitig der Titeltrack ist, eingeführt. Nur etwas über eine Minute dauert dieses Stück. Und mit der zweiten Nummer, die allerdings ebenfalls gerade mal zwei Minuten lang ist, kommt es dann gleich zum völligen Stilwechsel. Jetzt ist plötzlich alles rhythmisch, eingängig, poppig. Fast schon ein bisschen zu eingängig und an die hohe Stimme De Backers muss man sich hier auch erst mal gewöhnen.

Dann folgt „Somebody That I Used To Know“. Und jetzt wird es richtig klasse. Ein toller und abwechslungsreicher Song, ziemlich locker schwebend und rhythmisch, bei dem die Stimme des Sängers im Refrain wie die von Sting zu besten Police-Zeiten klingt. Unterstützt wird er hier im Gesang durch die neuseeländische Sängerin Kimbra Johnson. Und diese Abwechslung macht richtig Spaß. Ein tolles Lied ist dieses Stück geworden, gleichzeitig auch das bekannteste Stück von Gotye. Wer auf gut gemachte Pop-Musik steht, der wird hier sehr viel Freude haben.

Auch in die Richtung eingängiger Pop, dieses Mal jedoch mit deutlich mehr Tempo, geht es anschließend mit „Eyes Wide Open“ weiter. Auch diese Melodie bahnt sich schnell ihren Weg in das Musikzentrum des Gehirns und hält sich dort auch. Wenn das Lied auch nicht die Klasse seines Vorgängers besitzt, so ist es doch ebenfalls ein richtig guter Pop-Song geworden. Und genauso eingängig geht es auch weiter. „Smoke And Mirrors“ ist erneut ein wenig zurückhaltender und wieder mal- na klar, eingängig. Und diese Art Songs ziehen sich durch das ganze Album. Aber das kann auch manchmal ganz schön platt und etwas nach den 70er Jahren und der dortigen Discomusik klingen wie bei „I Feel Better“. Ähnlich gestaltet es sich bei „In Your Light“, was noch ganz interessant mit einer Akustikgitarre eingeleitet wird. Das ewige Geklatsche zur Rhythmusgenerierung langweilt allerdings bereits nach wenigen Takten. Sonst ist das wieder eine eingängige und durchaus flotte Nummer.

Richtig klasse wird es wieder mit „State Of The Art“. Das Stück ist fast schon ein wenig funkig und überrascht mit stark verzerrten Gesangsstimmen. Das Lied verfügt über diesen „besonderen“ Groove, der manches Lied etwas Besonderes werden lässt. Auch das Zusammenspiel aus verfälschten und „unbehandelten“ Stimmen, in gesprochener oder aber gesungener Form ist absolut gelungen. Klasse gemacht. Dazu noch eine schöne Melodie und fertig ist er, der tolle Popsong.

„Don’t Worry, We’ll Be Watching You“ geht anschließend in eine völlig andere Richtung. Hier wird es jetzt ruhig und sphärisch. Der Gesang wird zunächst nur gehaucht und wirkt im weiteren Verlauf sehr zerbrechlich. Eine entspannte und schöne Abwechslung auf der Platte. Genauso relaxt, jedoch mit sehr viel mehr Melodie, geht es dann mit „Giving Me A Chance“ weiter. Hier fehlen erneut harte Synthi-Sounds und die sich entwickelnde Atmosphäre wird groß geschrieben.

„Save Me“ fängt dann mit einem mehrstimmig gesungenen „Heyheyeeeeeeyaa“ an, welches immer wieder wiederholt wird und manchmal durch ein „Ooohooohoooooooh“ variiert wird. Jetzt bewegt sich Gotye erneut auf sehr und fast schon zu eingängigem Pop. Das ganze Lied wirkt doch schon relativ platt. Etwas besser wird es schließlich mit „Bronte“, dem letzten Stück der Platte. Hier steht nun wieder die Atmosphäre, die ein Lied erzeugen kann, im Vordergrund. Ganz leise und ruhig ist dieses Stück, mit einer wieder etwas gehauchten Gesangsstimme wird eine sentimentale und melancholische Stimmung erzeugt, die die Art der Musik noch unterstreicht. Und somit wird das Album leise ausgeblendet.

Fazit: Ein interessantes Pop-Album hat Gotye da vorgelegt, was einige richtig gute Nummern aufzuweisen hat. Und da zeigen sich auch die Stärken von Gotye. Die Musik ist immer dann gut, wenn sie anders ist, nicht 08/15-mäßig aus den Boxen wabert, sondern Akzente setzt, die zum Teil überraschen allerdings einen auch immer wieder mitnehmen und einfangen können. Und diese Musik gibt es auf dem Album, neben ein paar Stücken, die allzu eingängig auf die „Easy-Pop-Karte“ setzen. Summa summarum ergibt das neun Punkte – so gerade noch, aber die Höhepunkte sind wirklich nicht schlecht.

Anspieltipps: Making Mirrors, Somebody That I Used To Know, Eyes Wide Open, Smoke And Mirrors, State Of The Art, Giving Me A Chance



Sonntag, 1. Juli 2012

Archive – You All Look The Same To Me





Archive – You All Look The Same To Me


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Pete Barraclough – guitar
Steve Harris – guitar
Dominic Brown – guitar
Lee Pomeroy – bass
Smiley – drums
Steve Emney – drums
Annelise Truss – viola, violin
Maria Q – vocals
Jane Wall – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond, rhodes
Carl Holt – trumpet
Alan Glen – harmonica
Tom Brazelle – harmonica
Anita Hill – guest triangalist


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD1:

1. Again (16:20)
2. Numb (5:47)
3. Meon (5:43)
4. Goodbye (5:39)
5. Now And Then (1:23)
6. Seamless (1:43)
7. Finding It So Hard (15:33)
8. Fool (8:29)
9. Hate (3:44)
10. Need (2:28)


Trackliste CD2:

1. Absurd (5:01)
2. Junkie Shuffle (10:41)
3. Sham (5:05)
4. Men Like You (3:57)

Gesamtspieldauer CD1 & 2: 1:31:33




Es gibt wohl nur wenige Bands wie „Archive“, die es schaffen, mit solch wenig Abwechslung innerhalb eines Liedes, eine überaus spannende Atmosphäre zu schaffen. Das fängt auf „You All Look The Same To Me“ gleich mit dem Übersong „Again“ an. Über 16 Minuten läuft dieser Track und eigentlich passiert darin nicht viel, trotzdem begeistert das Lied mit seinen langsamen, ganz langsamen Steigerungen. Klasse passt dazu auch die Stimme Craig Walkers, der es schafft noch mehr Melancholie aus dem Lied herauszupressen, als es die Instrumentierung und Melodie alleine schaffen würden.

Aber es sind noch weitere tolle Lieder auf der CD. Da wäre dieses herrlich schwebende und sphärische „Meon“. Auch hier erfolgt wieder eine ganz zarte Steigerung. Schließlich setzt als Zweitstimme Maria Q neben den Streichern ein und schon hat man sie wieder, die perfekte Melange an Stimmungen, die das Relaxen und Träumen beim Hören der einzelnen Titel ermöglichen.

Der andere Longtrack auf dem Album, „Finding It So Hard“, überrascht dann durch einen Rhythmus, der ziemlich treibend daherkommt ohne, dass sich Sänger Craig Walker dadurch aus der Ruhe bringen lassen würde. Als Kontrapunkt zieht er seinen Gesang ruhig und leise durch das ganze Lied. Das enthält gegen Ende auch immer schrägere Töne und bildet einen guten Kontrast zum Rest des Albums.

Alle anderen Tracks sind eher ruhige, verträumte Stücke, die quasi aus den Boxen schweben. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich die Doppel-CD-Version zulegen, da sich auf der zweiten CD vier weitere Lieder befinden, die durch Nichts gegenüber den Tracks auf der ersten CD abfallen. Besonders gelungen ist hier das knapp elfminütige Stück „Junkie Shuffle“, welches erneut als Stilmittel eine klasse Steigerung aufweist. Aber auch das Lied „Sham“ kann gefallen. Klasse hier auch der tolle Refrain. Die Doppel-CD-Version kostet dabei auch nur unwesentlich mehr, als die Version mit nur einer Silberscheibe. Hier lohnt sich das Zugreifen.

Fazit: „You All Look The Same To Me“ ist größtenteils ein sehr leises Album und beinhaltet mit „Again“ einen der besten Titel von Archive. Die anderen Stücke sind meist ebenfalls eher ruhig gehalten, bis auf die beiden noch vorhandenen Longtracks: „Finding It So Hard“ sowie „Junkie Shuffle“, die auch von ihren schrägen Tönen leben. An TripHop erinnert auf dieser Scheibe nur noch sehr wenig, dafür bekommt man mit diesem Album sehr viel atmosphärische Musik, die zum Teil richtig hypnotisierend wirkt. Ach ja, besonders positiv: Auf dem Album gibt es keine Rap-Einlagen wie auf manch anderer Veröffentlichung von „Archive“. Von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Again, Meon, Fool, Junkie Shuffle, Sham



Samstag, 30. Juni 2012

Peter Gabriel – IV




Peter Gabriel
– IV



Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, drums, percussion, cmi synthesizers


Gastmusiker:

David Rhodes – guitars, backing vocals
Larry Fast – moog, synthesizers
Tony Levin – bass, stick
Jerry Marotta – drums, percussion
Peter Hammill – backing vocals
Morris Part – percussion
John Ellis – guitar, backing vocals
Ekome Dance Company – ghanain drums
David Lord – piano, cmi synthesizer
Jill Gabriel – backing vocals
Roberto Laneri – saxophone
Stephen Paine – cmi synthesizer


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. The Rhythm Of The Heat (5:19)
2. San Jacinto (6:35)
3. I Have The Touch (4:36)
4. The Family And The Fishing Net (7:08)
5. Shock The Monkey (5:28)
6. Lay Your Hands On Me (6:10)
7. Wallflower (6:38)
8. Kiss Of Life (4:18)

Gesamtspieldauer: 46:11



Peter Gabriel hatte es einfach drauf, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Er war sehr kreativ in dieser Zeit, denn auch auf seinem vierten Solo-Album, welches er erneut nicht betitelte, zum letzten Mal übrigens, kreierte er wieder einige Titel, die Höhepunkte der Pop-Musik darstellen.

1982 kam dieses vierte Album auf den Markt, welches in Fan-Kreisen, aufgrund des Covers, den Titel „Security“ erhielt. Und dieses neue Solo-Werk des Briten machte zwar einen Schritt in die Richtung „Mainstream“, dieser ist hier allerdings nur latent vorhanden und beileibe nicht bei allen Titeln auszumachen. Am deutlichsten wird dieser neue Stil im Schaffen des Musikers wohl beim letzten Stück „Kiss Of Life“, welches gleichzeitig auch das schwächste Stück der Platte darstellt. Hier kommt Peter Gabriel dem etwas später veröffentlichten Song „Big Time“, zumindest von der Stimmung her, schon sehr nah. Aber das ist genau die Musik, die man als Fan des Ex-Sängers von Genesis wohl nicht unbedingt hören will. Disco-angehauchter Pop ist auch nicht gerade seine Stärke.

Aber das Album enthält ja auch diese schon erwähnten Höhepunkte. „San Jacinto“ ist zum Beispiel solch einer. Dieser „Glockensound“, der einen hier das ganze Stück über begleitet ist wahrlich beeindruckend. Das Lied tönt. Und selbiges wird im Verlauf der Nummer mit einer solch wunderschönen Melodiösität begangen, dass man dennoch, nach über sechseinhalb Minuten Dauer enttäuscht ist, dass das Lied hier schon endet. Ebenfalls überaus beeindruckend ist die Nummer „Lay Your Hands On Me“. Spannend klingt das Stück, dass nur wenig Melodie besitzt, dafür aber umso mehr Rhythmus. Irgendwie bedrohlich und seltsam mystisch wirkt dieses Lied. Und wenn man dann noch das Glück hatte Peter Gabriel auf einem seiner Konzerte bei diesem Lied auf der Bühne zu sehen, dann konnte man dieses Lied sogar nicht nur hören, sondern spüren. Denn zu diesem Stück ließ sich Gabriel von der Bühne aus in das Publikum fallen und wurde auf Händen von der Masse der Zuhörer weitergereicht, bis ans Ende der Halle und wieder zurück zur Bühne. Und während all dem holte Jerry Marotta alles aus seinem Schlagzeug heraus, alles, was da auch drinsteckte. Bewegende Live-Momente.

Ebenfalls ein Höhepunkt, dieses Mal allerdings ein ganz ruhiger, ist das Stück „Wallflower“. Diese Nummer folgt gleich im Anschluss an „Lay Your Hands On Me“ und bildet dabei einen klasse Gegenpol. Hier stehen nun nicht Rhythmus oder Groove im Vordergrund, hier geht es um die Melodie. Und diese Melodie ist so wunderschön getragen, sentimental, traurig und melancholisch. Auf seine Art ebenfalls wieder beeindruckend.

“The Rhythm Of The Heat”, der Opener des Albums, ist ein Stück, welches sich immer weiter steigert, von seinem Rhythmus lebt und sofort ins Ohr geht. Dabei ist der Track sogar ein wenig experimentell. Solche Stücke hört man einfach nicht im Radio, das trauen sich die dortigen Redakteure nur mal „ausnahmsweise“. Erwähnt werden muss hier auch das Ende des Titels, bei dem alles vibriert und pulst. Klasse gemacht.

“I Have The Touch” und “Shock The Monkey” sind treibende Nummern, die dabei sehr eingängig und damit auch für das Radio geeignet sind. Und bei diesen beiden Stücken wird dann auch die Nähe zum Mainstream deutlicher, wobei dies keine negative Wertung darstellen soll. Beide Lieder reißen mit und überzeugen. Bliebe schließlich noch das mit über sieben Minuten längste Lied der Platte: „The Family And The Fishing Net“. Eine Melodie sucht man bei diesem Titel vergeblich, die Nummer lebt mehr von der Atmosphäre die es vermittelt und mal wieder vom Gesang Peter Gabriels. Trotzdem, richtig überzeugen kann das Stück nicht.

Fazit: Unter den acht Liedern des Albums befinden sich zwei nicht so überzeugende Titel, neben jeder Menge Höhepunkte. Dazu verfügt die Platte über eine schier unerschöpfliche Abwechslung. Jedes Lied ist völlig anders als das vorherige Stück und immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. Und all das wird zusammengehalten von der eindrucksvollen Stimme Peter Gabriels. Somit stellt die vierte Platte des Briten ein klasse Album dar, welches sich unbedingt lohnt besitzt zu werden. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Rhythm Of The Heat, San Jacinto, I Have The Touch, Shock The Monkey, Lay Your Hands On Me, Wallflower



Freitag, 29. Juni 2012

The Alan Parsons Project - Gaudi




The Alan Parsons Project – Gaudi


Besetzung:

Eric Woolfson – pianos, vocals, keyboards
Ian Bairnson – guitars
Laurie Cottle – bass
Stuart Elliott – drums, percussion
Richard Cottle – synthesizers, saxophones
John Miles – vocals
Lenny Zakatek – vocals
Chris Rainbow – vocals
Geoff Barradale – vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Pop


Trackliste:

1. La Sagrada Familia (8:48)
2. Too Late (4:31)
3. Closer To Heaven (5:54)
4. Standing On Higher Ground (5:49)
5. Money Talks (4:26)
6. Inside Looking Out (6:27)
7. Paseo De Gracia (3:53)


Bonus Tracks:

8. Too Late (Eric Woolfson Rough Guide Vocal) (4:13)
9. Standing On Higher Ground / Losing Proposition (Vocal Experiments) (3:59)
10. Money Talks (Chris Rainbow / Percussion Overdubs) (0:38)
11. Money Talks (Rough Mix Backing Track) (4:29)
12. Closer To Heaven (Sax / Chris Rainbow Overdub Section) (0:50)
13. Paseo De Gracia (Rough Mix) (3:47)
14. La Sagrada Familia (Rough Mix) (7:25)

Gesamtspieldauer: 1:05:07



Bei “Gaudi” aus dem Jahr 1987 handelt es sich um das letzte offizielle Album des Alan Parsons Projects. Alles was daraufhin noch folgte, waren Soloalben von Eric Woolfson oder Alan Parsons. Und mit der bayerischen Spaßgesellschaft hat das Album auch nichts zu tun, vielmehr beschäftigt es sich thematisch mit dem katalanischen Architekten Antoni Gaudi.

Der Opener „La Sagrada Familia“ lässt Erinnerungen zu längst vergangene Zeiten des Alan Parsons Projects aufkommen. Alles wirkt hier wieder ein wenig bombastisch, klasse durchgedacht und gut konzipiert. Der Orchestereinsatz weiß zu überzeugen, die leiseren und lauteren Parts sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Lied hätte es wohl nicht auf „Tales Of Mystery And Imagination“ geschafft, dem ersten Album der Band, aber trotzdem ist es ein Highlight im Schaffen des Alan Parsons Projects der letzten Jahre.

Und dieser erste gute Eindruck wird mit „Too Late“ gleich wieder kaputt gemacht. Wieder mal so ein Schmachtfetzen, der mit folgenden Zeilen beginnt: „When you are standing in the rain I gave you shelter. When I was knocking on your door you gave me none.” Na, wo kämen wir denn da auch hin, wenn mir einer gerade mal einen Schirm hinhält, ich ihn dafür gleich zu mir nach Hause einladen müsste! „Too Late“ ist ein etwas rockiger, eingängiger aber langweiliger Mainstream-Song, der am besten mit dem Wort „überflüssig“ charakterisiert ist.

Auch „Closer To Heaven“ schmachtet, ist dabei allerdings viel ruhiger gehalten. Hier bewegen wir uns jetzt wieder auf „Amonia Avenue“ und „Vulture Culture“ Niveau. „Standing On Higher Ground“ geht in die Richtung Disco-Pop und ist ebenfalls in keinster Weise nachhaltig. Auch dieser Song ist Musik, die man ganz schnell wieder vergisst. Mit „Money Talks“ wird es dann wieder rockiger und auch ein klein wenig besser. Zwar ebenfalls keine Übernummer, aber zumindest ein Lied, welches sich angenehm von den vorherigen absetzt, indem es nicht nur „durchläuft“, sondern auch Akzente setzt.

Mit „Inside Looking Out” wird es dann richtig fies. Das Stück ist so etwas von schmierig und schnulzig, dass man selbst in ganz entspannten Momenten vom Sofa glitscht. Beendet wird das Album mit „Paseo De Gracia“, erneut einer Instrumentalnummer, mit der die ursprüngliche Platte zumindest ein noch einigermaßen versöhnliches Ende findet. Hier hört man Spanische Gitarren und Kastagnetten gleichberechtigt neben der Bläserfraktion. Das Stück hat wieder was, ist klasse arrangiert und entlässt den Hörer dann doch nicht ganz so enttäuscht.

Sieben Bonus-Titel haben es auf die remasterte Version aus dem Jahr 2008 geschafft. Alle Titel sind Variationen der bereits ursprünglich vorhandenen Lieder. Essentiell ist dies also nicht. Lobenswert allerdings auch bei diesem Album wieder die Klangqualität, die wirklich Klasse hat und immer überzeugen kann.

Fazit: Na irgendwie hätte man dem Alan Parsons Project schon einen etwas würdigeren Abschied gewünscht. Aber was sollte man erwarten, nach diesen Veröffentlichungen in den 80er Jahren. Immerhin zwei gute Titel haben es noch auf die Platte geschafft, das erste sowie das letzte Lied der Scheibe – beides Instrumentalstücke. Und es erscheint so beim Hören des Albums, dass die Zeit für das Alan Parsons Project nun wahrlich und endgültig abgelaufen war. Vier Punkte.

Anspieltipps: La Sagrada Familia, Money Talks, Paseo De Gracia

Donnerstag, 28. Juni 2012

Peter Gabriel – III




Peter Gabriel – III


Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, piano, synthesizers, percussion


Gastmusiker:

David Rhodes – guitars
Larry Fast – synthesizers
John Giblin – bass
Jerry Marotta – drums, percussion
Paul Weller – guitar
Dave Gregory – guitar
Tony Levin – stick bass
Phil Collins – drums
Robert Fripp – guitar
Morris Part – percussion
Dick Morrisey – saxophone
Kate Bush – vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Intruder (4:53)
2. No Self Control (3:56)
3. Start (1:21)
4. I Don't Remember (4:42)
5. Family Snapshot (4:28)
6. And Through The Wire (5:01)
7. Games Without Frontiers (4:06)
8. Not One Of Us (5:22)
9. Lead A Normal Life (4:14)
10. Biko (7:30)

Gesamtspieldauer: 45:31




Es ist wahrlich schwer auf dem dritten Album Peter Gabriels etwas zu finden, was nicht passt, was nicht funktioniert, was nicht klingt. 1980, fünf Jahre nach seiner Demission bei Genesis, veröffentlichte der englische Musiker dieses Album, welches er kurzerhand erneut nicht betitelte. So wird es der Einfachheit halber kurz „III“ genannt. Bei Fans kursiert, in Anlehnung an das Cover, auch der Titel „Melt“, der jedoch auch nur ein „inoffizieller“ ist.

Nun, das Album hat wieder mal keinen Namen, dafür ist die Musik darauf umso eindrucksvoller und begeisternder. Überaus rhythmisch und auch ein bisschen „quer“ beginnt die Platte mit „Intruder“. Gar nicht mal so melodisch, lebt Peter Gabriel hier all die Facetten seines Gesangs perfekt aus. Und genau davon lebt auch diese Nummer. Von dieser Rhythmik sowie von verzerrten und unverzerrten Schreien, von den hohen und tiefen Stellen seines Gesangs und dieser leicht mystischen und unheimlichen Stimmung, die das Lied transportiert und verbreitet.

Und erst recht beim nächsten Stück, „No Self Control“, ist alles so pulsierend, so mitreißend und so fantastisch arrangiert. Zu all dem gesellt sich nun auch noch eine fesselnde Melodieführung. Allein dieser „Songhintergrund“, diese Gesangsbegleitung hat man so wohl noch bei keinem anderen Stück gehört. Eindeutig ein Höhepunkt im Schaffen des Peter Gabriels. „Start“ ist anschließend eine kurze, etwas schwebende und vom Saxophon getragene Einleitung zu „I Don't Remember“. Auch bei diesem Stück gilt, was teilweise schon auf „Intruder“ zutraf. Überaus rhythmisch, hier schöpft Gabriel erneut alle Möglichkeiten seiner Stimme aus und dazu gesellt sich noch eine packende Melodie.

Und so reiht sich bei diesem Album Höhepunkt an Höhepunkt. Da die etwas zurückhaltenderen und dabei überaus melodiösen Stücke wie „Family Snapshot“ oder das sehr viel mehr experimentelle „Lead A Normal Life“, welches ein wenig an David Bowies „Weeping Wall“ erinnert. Und auf der anderen Seite solch, deutlich mehr treibende Stücke wie „And Through The Wire“ und „Not One Of Us“, die beide ebenfalls eingängig sind und dabei in keinster Weise Gefahr laufen langweilig zu werden.

Schließlich bleiben noch die beiden „Hits“ des Albums, mit denen Peter Gabriel auch als Solokünstler seinen endgültigen Durchbruch schaffte: „Games Without Frontiers“ und „Biko”. Beide Stücke sind Highlights nicht nur dieser Platte, sondern auch im Schaffen des britischen Musikers. Bei „Games Without Frontiers“ kann man dabei Kate Bush „Jeux Sans Frontière“ singen hören und mit dem letzten Stück „Biko“, einem Anti-Apartheidsong“ über die Ermordung des Bürgerrechtlers Steven Biko, ist die Musik Peter Gabriels auch in der Welt-Musik angekommen.

Fazit: Auf dem dritten Album Peter Gabriels befindet sich kein schlechtes Lied. Vielmehr gibt es hier jede Menge tolle Musik zu bestaunen und anzuhören, die ihresgleichen sucht. Wenn man überlegt, dass die „alten Kollegen“ von Genesis zur selben Zeit das Album „Duke“ veröffentlichten, so kann man eigentlich nur dankbar sein, dass sich die Wege von Genesis und Peter Gabriel nach „The Lamb Lies Down On Broadway“ getrennt haben. „III“ oder „Melt“ ist ein Meisterwerk, welches vierzehn Punkte verdient hat.

Anspieltipps: No Self Control, Family Snapshot, Games Without Frontiers, Lead A Normal Life, Biko



Mittwoch, 27. Juni 2012

Barclay James Harvest – Baby James Harvest





Barclay James Harvest – Baby James Harvest


Besetzung:

John Lees – guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals
Les Holroyd – bass, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion


Gastmusiker:

Barclay James Harvest Symphony Orchestra


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Pop


Trackliste:

1. Crazy Over (You) (4:17)
2. Delph Town Morn (4:48)
3. Summer Soldier (10:28)
4. Thank You (4:24)
5. One Hundred Thousand Smiles Out (6:05 )
6. Moonwater (7:30)


Bonus Tracks:

7. Child Of Man (3:21)
8. I'm Over You (3:53)
9. When The City Sleeps (4:16)
10. Breathless (3:09)
11. Thank You (Alternate Version) (4:27)
12. Medicine Man (4:29)
13. Rock And Roll Woman (3:18)
14. The Joker (3:32)
15. Child Of Man (BBC Session) (3:37)
16. Moonwater (7:20)




1972 erschien bereits das vierte Album der britischen Band Barclay James Harvest mit dem Titel „Baby James Harvest“. Die vier Musiker waren Anfang der 70er Jahre wahrlich produktiv - der Erfolg, den man an verkauften Platten ausmachen kann, der stellte sich allerdings noch nicht so richtig ein. Zudem war das Produzieren von Platten mit dem „Barclay James Harvest Symphony Orchestra“, welches die Instrumentierung der orchestralen Parts übernahm, eine überaus kostspielige Sache geworden, sodass dieses Album hier auch einen Einschnitt bedeutete. Zum einen trennten sich die Wege Barclay James Harvests nach der Veröffentlichung der Platte mit ihrer damaligen Plattenfirma Harvest, zum anderen sollten die künftigen Veröffentlichungen deutlich weniger orchestral instrumentiert sein. Das „Barclay James Harvest Symphony Orchestra“, welches ursprünglich „The London Symphonia“ hieß, gab es nach dieser Veröffentlichung nicht mehr.

Allerdings hat es hier auf „Baby James Harvest“ auch irgendwie nicht mehr funktioniert. Konnte man sich auf „Barclay James Harvest And Other Short Stories“ noch an vielen Ideen und klasse Melodien begeistern, so schienen auf dem vierten Album der Band die Ideen ausgegangen zu sein. Zumindest was diese überaus eingängige Musik betrifft, die mit ihren tollen Harmonien und Melodien immer ein Markenzeichen der Band war.

Das Album beginnt mit “Crazy Over (You)”, einem Titel, der von Les Holroyd geschrieben wurde. Und damit startet die Platte eigentlich richtig gut. Das Lied ist eine schöne Nummer, abwechslungsreich und auch eingängig. Zudem hört man hier zum ersten Mal den Gitarrensound, der für Barclay James Harvest auf den nächsten Veröffentlichungen so unverwechselbar werden sollte. Weiter geht es mit „Delph Town Morn“ von John Lees. Und bei diesem Titel zeigt sich auch gleich das Manko von „Baby James Harvest“. Das Lied ist ganz nett, lebt von den Bläser-Einlagen und vor allem vom Saxophon gegen Ende des Stücks. Das Ganze erinnert dabei ein wenig an Supertramp. Irgendwie nett, aber das war es dann auch schon. Da ist nichts mehr, was so richtig begeistern kann.

„Summer Soldier“ ist das Hauptstück der Platte und stammt ebenfalls wieder von John Lees. Ein Antikriegslied, welches ein bisschen wie ein Hörspiel beginnt, wenn auch nur das Wort „Kill“ fällt. Ansonsten bekommt man Big Ben zu hören, neben Kampfgeschrei, Gewehrsalven, marschierenden Soldaten und Trommelwirbel. Dann startet das Lied nach etwa zwei Minuten erst so richtig. Eine Akustik-Gitarre und John Lees‘ Gesang stehen nun im Vordergrund. Schließlich wird es rockiger mit einer unterstützenden E-Gitarre. Es folgt ein etwas schrägerer Teil mit Glockenläuten. Dann wird es ganz ruhig und das Lied startet erneut. Auch hier gilt wieder mal, das ist wahrlich alles nicht schlecht, packt einen aber auch nicht wirklich. Die Nummer wirkt ein wenig zusammengestückelt auf diesen zehneinhalb Minuten und dabei wird das Stück noch minutenlang ausgeblendet.

Es folgt mit „Thank You“ eine rockige Nummer, auf der John Lees allen möglichen Leuten dankt, die anscheinend an der Entstehung des Albums mit beteiligt waren. Erwähnenswert dabei lediglich, dass das Lied auch die Zeile „Wo issn das?“ enthält. Ansonsten wird hier jede Menge gedudelt. “One Hundred Thousand Smiles Out” stammt aus der Feder Les Holroyds und ist einer der wenigen Höhepunkte des Albums. Schöne Melodie und ein etwas in die psychedelische Ecke gehendes Gitarrensolo machen das Stück überaus hörenswert.

Bliebe noch der letzte Song, „Moonwater”. Hierfür zeigt sich nun Woolly Wolstenholme verantwortlich. Was ihm allerdings auf „Barclay James Harvest And Other Short Stories“ mit „The Poet“ überaus gelungen ist, das geht hier mächtig in die Hose. „Moonwater“ beginnt mit einem leisen Brummen und nach etwa dreißig Sekunden kann man etwas differenzierte Töne wahrnehmen. Rein klassisch instrumentiert singt Woolly Wolstenholme wieder sehr zurückhaltend, der Funke will allerdings nicht so recht überspringen. Dieses erneute Kammerstück gestaltet sich überaus langweilig und es bleibt festzuhalten, dass nicht jedes Pop- oder Rock-Lied, welches klassisch instrumentiert wird, auch etwas Spezielles, Gutes oder Besonderes darstellt.

Sage und Schreibe zehn Bonus-Titel wurden auf die wiederveröffentlichte und remasterte Ausgabe aus dem Jahr 2002 gepackt. Und dabei gibt es durchaus Interessantes zu hören. „Child Of Man“ ist eine rhythmische Pop-Nummer, die ganz ordentlich groovt. John Lees zeichnet sich für diesen Titel verantwortlich, genau wie für das nächste Stück: „I’m Over You“. Dieses Mal ein ruhiger Pop-Titel, bei dem allerdings die Zeile „I’m Over You“ ein wenig zu häufig wiederholt wird. Interessant wird es dann mit den nächsten beiden Stücken. „When The City Sleeps“ und „Breathless“ wurden nicht von Barclay James Harvest selbst geschrieben. Das skurrile daran ist allerdings nicht dieser Umstand, sondern dass die Band die beiden Stücke einspielte, um sie dann unter dem Bandnamen „Bombadil“ zu veröffentlichen. Klingt der erste der beiden Songs schon sehr nach Barclay James Harvest und wurde mit Eric Stewart von 10cc am Bass eingespielt, so ist „Breathless“ eine instrumentale Glam-Rock-Nummer, die mit Barclay James Harvest so viel zu tun hat wie der Mond mit kalten Füßen.

Die alternative Version von „Thank You“ macht das Lied auch nicht besser. „Medicine Man“ ist natürlich ein Klassiker und stammt vom Vorgängeralbum „Barclay James Harvest And Other Short Stories“. Und auch diese Version hier ist gelungen. „Rock And Roll Woman“ ist wie der Name schon sagt ein Rock’n’Roll. Einer der langsameren Sorte, überzeugen kann das allerdings kaum Bei „The Joker“ klingt die Band bereits wie in späteren Jahren und der nächste Titel ist eine alternative Version des ersten Bonus-Tracks. Bliebe noch die letzte Zugabe „Moonwater“. Eine andere Version als die Offizielle, allerdings muss man da schon sehr genau hinhören, um die Unterschiede feststellen zu können.

Fazit: Auf “Baby James Harvest” hört man typische Musik für Barclay James Harvest. Allerdings kann die Musik dieses Mal nicht so richtig packen. Alles ganz nett, mit nur wenigen Ausnahmen, zum Teil aber auch langweilig und fast schon uninspiriert. Da wird „Moonwater“ zum Beispiel im beiliegenden Booklet als „dramatisches Finale“ des Albums angekündigt. Diese Dramatik sucht man jedoch lange – wenn nicht sogar vergeblich. Nein, das haben die vier Briten schon deutlich besser hinbekommen. Das Album ist in seiner Gesamtheit allerdings noch Durchschnitt, was auch an den Bonus Tracks liegt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Crazy Over (You), Summer Soldier, One Hundred Thousand Smiles Out, When The City Sleeps



Dienstag, 26. Juni 2012

Mumford And Sons – Sigh No More





Mumford And Sons – Sigh No More


Besetzung:

Ted Dwane – bass
Ben Lovett – keyboard, accordion
Country Winston – banjo, dobro
Marcus Mumford – lead vocals, guitar, drums


Gastmusiker:

Nick Etwell – trumpet, flugelhorn
Pete Beachill – trombone
Nell Catchpole – violin, viola
Christopher Allen – cello
Markus Dravs – a nail and a piano string
Tom Hobden – original string parts on track 5


Label: V2 Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Folk, Pop, Rock


Trackliste:

1. Sigh No More (3:28)
2. The Cave (3:38)
3. Winter Winds (3:40)
4. Roll Away Your Stone (4:24)
5. White Blank Page (4:14)
6. I Gave You All (4:20)
7. Little Lion Man (4:07)
8. Timshel (2:53)
9. Thistle And Weeds (4:50)
10. Awake My Soul (4:16)
11. Dust Bowl Dance (4:43)
12. After The Storm (4:08)




Beeindruckend ist das wirklich, was die vier Engländer aus London hier 2009 auf Platte beziehungsweise CD gepresst haben. In die Richtung „Folk“ geht die Musik, ist gekennzeichnet durch wunderschöne Melodien, die meist durch die Gitarre intoniert werden. Aufgelockert wird das Ganze immer wieder mit herrlichen Banjo-Passagen, einer sanften Pianobegleitung, Bläsereinsätzen oder Streicherunterstützung. Drums und Perkussion spielen meist nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Zu all diesen Zutaten gesellt sich die leicht rauchige und einprägsame Stimme des Marcus Mumford, der hier natürlich nicht mit seinen Söhnen, sondern mit seinen Kumpels musiziert. Jedes Lied des Albums ist melodiös und harmonisch fast immer bis zur letzten Note. Das Gegenteil von „hektisch“ könnte seit 2009 auch mit dem Titel „Mumford & Sons“ charakterisiert werden, so unaufgeregt ist diese Musik. Meist still, manchmal richtiggehend zerbrechlich wirkend, werden auf „Sigh No More“ melodische Töne aneinandergereiht. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese eigentlich so ruhigen Stücke nicht auch mal Fahrt aufnehmen und an Geschwindigkeit gewinnen können. Ein schönes Beispiel dafür ist gleich das erste Stück und gleichzeitig der Titeltrack „Sigh No More“. Dieser fängt ganz langsam und zart an und steigert sich dann zu einer rhythmischen Nummer, die einen zum Mitwippen animiert.

Das Spiel mit den schnelleren und langsameren Teilen wird anschließend bei „The Cave“ bis zur Perfektion umgesetzt. Und kaum einmal klang ein Banjo kraftvoller. „Winter Winds“ wirkt dagegen sehr getragen und weist der Trompete eine tragende und eindrucksvolle Rolle zu. „Roll Away Your Stone“, „White Blank Page“ und „I Gave You All“ leben schließlich erneut vom Spiel mit den ruhigeren und etwas schnelleren Parts und sind mit Melodien ausgestattet, die den Musikfreund auch der gemäßigteren Töne, einfach begeistern und packen können.

„Little Lion Man“ bildet fast schon eine Ausnahme auf dem Album, denn hier groovt es deutlich mehr als bei den anderen Songs. Bei diesem Stück treten die ruhigeren und nachdenklicheren Parts deutlich in den Hintergrund. Umso größer ist dann der Kontrast zu „Timshel“, welches voll auf die sentimentale und auch ein wenig „sensible“ Karte setzt. „Thistle & Weeds“ klingt wiederum sehr getragen und auch bei „Awake My Soul“ überwiegen erneut die leiseren Töne und Stimmungen. Eine Ausnahme stellt in dieser Reihe das vorletzte Stück „Dust Bowl Dance“ dar, welches in seiner Mitte regelrecht explodiert. Hier spielen nun die Harmonien keine Rolle mehr, da sie schlichtweg nicht mehr vorhanden sind. Und diese „überraschende“ Abwechslung tut dem Album auch gut, bereichert es, bis es dann mit „After The Storm“ erneut ganz leise und zurückhaltend ausklingt.

Fazit: “Sigh No More” von Mumford & Sons ist ein Album, von dem man nach dem ersten Hören denkt, man kenne es schon ewig – so eingängig ist das Ganze. Schönen und eindrucksvollen Melodien gilt es hier zu lauschen, perfekt abgestimmten und mitunter mehrstimmigen Gesang kann man hier genießen. Zu oft sollte man die Platte allerdings auch wieder nicht einlegen, da sonst durchaus die Gefahr des Überhörens besteht. Somit bleibt das Album etwas für besondere Stunden, nicht für die 08/15-Momente des Lebens. Und dieses Album verdient sich elf Punkte.

Anspieltipps: Sigh No More, The Cave, White Blank Page, I Gave You All, Thistle & Weeds, Dust Bowl Dance - aber eigentlich wird man mit diesen Anspieltipps den hier nicht genannten Stücken nicht gerecht.



Montag, 25. Juni 2012

The Alan Parsons Project – Stereotomy





The Alan Parsons Project – Stereotomy


Besetzung:

Eric Woolfson – pianos, vocals
Ian Bairnson – guitars
David Paton – bass
Stuart Elliott – drums, percussion
Richard Cottle – synthesizers, saxophones
John Miles – vocals
Chris Rainbow – vocals
Gary Brooker – vocals
Graham Dye – vocals
Steve Dye – vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, New Wave, Rock


Trackliste:

1. Stereotomy (7:15)
2. Beaujolais (4:27)
3. Urbania (Instrumental) (4:34)
4. Limelight (4:39)
5. In The Real World (4:17)
6. Where's The Walrus? (Instrumental) (7:34)
7. Light Of The World (6:22)
8. Chinese Whispers (Instrumental) (1:02)
9. Stereotomy Two (1:18)


Bonus Tracks:

10. Light Of The World (Backing Track) (6:14)
11. Rumour Goin' Round (Demo) (5:02)
12. Stereotomy (Eric Woolfson Guide Vocal) (6:38)
13. Stereotomy (Backing Rough Mix) (1:24)




Kaum zu glauben, aber nach dem absoluten Tiefpunkt mit “Vulture Culture” hat es das Alan Parsons Project doch noch mal geschafft, eine zumindest etwa bessere Platte auf den Markt zu bringen. „Stereotomy“ heißt diese und veröffentlicht wurde sie 1986. Was beim Hören des Albums sofort auffällt ist der geänderte Stil. Waren es zu Beginn der Band noch Pop mit Prog-Einflüssen, so entwickelte sich das Alan Parsons Project mit jeder Veröffentlichung weiter zu einer reinen Pop-Band, die später auch noch nicht mal mehr gute Pop-Platten auf den Markt brachte. Hier, mit „Stereotomy“, gingen Eric Woolfsson und Alan Parsons noch mal einen Schritt in eine neue Richtung, denn „Steretomy“ klingt schon sehr nach New Wave. Der Zeitgeist hatte also zugeschlagen.

Offensichtlich wird dies bei den beiden „Stereotomy“-Stücken, die das ganze Album einrahmen. Die beiden Nummern haben einen treibenden Beat und zeichnen sich auch durch das Vorhandensein der etwas „schwereren“ Gitarren aus, sodass die Musik immer wieder auch in die Richtung Rock abdriftet. Gänzlich nach New Wave klingt es dann beim zweiten Titel „Beaujolais“. Ganz interessant, allerdings konnten dies andere Bands, die mit dieser Musik starteten, dann doch noch einen Tick besser.

„Urbania“ ist eine mitunter etwas härtere Instrumentalnummer, die zeitweise richtig gut groovt. Und dann folgt mit „Limelight“ eines der Höhepunkte des Albums. Ein richtig schöner Song mit eingängiger und harmonischer Melodie. Hier beweisen Eric Woolfson und Alan Parsons dann noch einmal, dass sie nach „Ammonia Avenue“ und „Vulture Culture“ doch noch Pop-Songs komponieren können, die ein etwas längeres Verfallsdatum haben. „In The Real World“ startet wie ein Rock-Lied. Und das bleibt dann auch so im weiteren Verlauf des Stücks. Richtig überzeugen kann dieses Lied allerdings nicht. Es klingt so wie eine 08/15-Mainstream-Rocknummer. Nicht schlecht, eben aber auch nichts Besonderes.

Etwas Besonderes wartet dann allerdings doch noch auf den geneigten Zuhörer. „Where’s The Walrus“ ist eine packende Instrumentalnummer, die vibriert und pulst. Das Lied erinnert irgendwie an das Stück „The Race“ von Yello. Da Letzteres allerdings zwei Jahre später, also 1988 auf der Platte „Flag“ veröffentlicht wurde, kann ein gewissen „Abkupfern“ aus England in Richtung zur Schweiz nicht stattgefunden haben. Aber vielleicht ist die Ähnlichkeit ja auch nur zufällig oder eingebildet. Das Lied ist auf jeden Fall klasse und beinhaltet einen Break, bei dem absolute Ruhe herrscht, um dann wieder los zu vibrieren.

„Light Of The World“ geht dann leider wieder ein wenig in die Richtung Schnulze. Alles wirkt so getragen und „schlimm“, dass man da irgendwie gar nicht richtig hinhören möchte. Es folgt mit „Chinese Whispers“ noch mal eine kurze Instrumentalnummer. Die ist mit einer Minute wahrlich nicht lang und eher sphärisch angelegt. Etwas „chinesisches“ hört man hier auch nur mit ganz viel Phantasie heraus. Dann wurde die Platte, wie oben bereits erwähnt, mit „Stereotomy Two“ richtig rockig beendet.

Auf der remasterten Version von 2008 gibt es noch vier Bonus-Tracks zu hören. Der erste ist die Instrumentalfassung des Liedes „Light Of The World“. Allerdings gewinnt der Song auch ohne Gesang nicht an Klasse. Anschließend folgt mit „Rumour Goin' Round“ ein Stück, welches es nicht auf das Album geschafft hat. Es liegt in der Demo-Version vor, vom Gesang hört man nur ein „Lalala“. Ansonsten ist es auch ein Rockstück, in dem die Abwechslung zwischen härteren und sanfteren Abschnitten im Vordergrund steht. Es folgen noch zwei Demo-Versionen des Titeltracks, bei der die erste dieses Mal von Eric Woolfson gesungen wird.

Fazit: “Stereotomy”, das vorletzte Album des Alan Parsons Projects war zumindest wieder ein Schritt in die richtige, die bessere Richtung. Hier sind die weniger guten Stücke nicht ganz schlecht und die „besseren Lieder“ gibt es auch auf dem Album. Auf der Platte findet sich ein Stilmix von Pop über New Wave zu Rock – für Abwechslung ist also gesorgt. Und, das sollte hier auch nicht unerwähnt bleiben, die klangliche Qualität ist natürlich, wie bei allen Veröffentlichungen des Alan Parsons Projects, wieder erstklassig. Das ergibt wohl verdiente sieben Punkte.

Anspieltipps: Stereotomy, Limelight, Where's The Walrus?



Sonntag, 24. Juni 2012

Pink Floyd – Masters Of Rock





Pink Floyd
– Masters Of Rock


Besetzung:

David Gilmour – lead guitar, vocals
Nick Mason – drums
Roger Waters – bass guitar, vocals
Richard Wright – keyboard, vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Psychedelic Rock, Pop Rock


Trackliste:

1. Chapter 24 (3:36)
2. Mathilda Mother (3:03)
3. Arnold Layne (2:51)
4. Candy And A Current Bun (2:38)
5. The Scarecrow (2:07)
6. Apples And Oranges (3:01)
7. It Would Be So Nice (3:39)
8. Paint Box (3:27)
9. Julia Dream (2:28)
10. See Emily Play (2:50)




Der Sampler “Masters Of Rock” enthält neben Titeln, die bereits auf “The Piper At The Gates Of Dawn” (“Chapter 24”, “Mathilda Mother” und “The Scarecrow”) veröffentlicht wurden auch Stücke, die es auf die Zusammenstellung “Relics” geschafft haben („Arnold Layne“, „Paint Box”, “Julia Dream” und “See Emily Play“).

Bleiben noch drei Titel übrig: „Candy And A Currant Bun“, „Apples And Oranges“ sowie „It Would Be So Nice“. Die ersten beiden Nummern stammen aus der Feder Syd Barretts, „It Would Be So Nice“ wurde von Richard Wright geschrieben. Alle drei Stücke sind B-Seiten von Singles aus den 60er Jahren, von denen „Apples And Oranges“ später noch auf dem Syd Barrett Sampler „An Introduction To Syd Barrett“ veröffentlicht wurde.

Musikalisch hört man den Titeln ihren Ursprung bezüglich der Entstehungszeit sehr gut an. Da gibt es bei „Candy And A Currant Bun“ jede Menge „Aaaahs“ und „Uuuuhs“, allerdings auch einen sehr psychedelischen Mittelteil, der an „Interstellar Overdrive“ und „Astronomy Domine“ erinnert. Von dem Stück gibt es übrigens auch eine ziemlich gute Coverversion von „The Mars Volta“.

„Apples And Oranges“ ist ein Pop-Lied, absolut typisch für die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine ziemlich einfache und eingängige Melodie wurde mit Sätzen wie „I love she, she loves me“ verziert und zusätzlich noch mit einem Refrain versehen, der so oft wiederholt wird, dass er bereits am Ende des Stücks Teil des ganzen bisherigen Lebens des Hörers zu sein scheint. Psychedelisch ist hier allerdings gar nichts.

Bliebe noch „It Would Be So Nice“ aus dem Jahr 1968. Als B-Seite der Single „Julia Dream“ schaffte es das Lied ebenfalls nie auf ein offizielles Studioalbum von Pink Floyd. Der Titel ist bezeichnend für die Stücke von Rick Wright am Anfang der Karriere der Band. Ebenfalls nicht gerade psychedelisch, jedoch melodiös, abwechslungsreich und durchaus hörenswert.

Fazit: Die Serie “Masters Of Rock” gab es auch von anderen Bands wie Deep Purple oder den Ramones. Auf dem Cover steht zusätzlich noch „Vol. 1“, ein „Vol. 2“ ist meines Wissens nach jedoch nie erschienen. Es gibt allerdings noch zwei weitere Cover-Versionen. Eine ohne diesen Zusatz „Vol. 1“ und eine graue Ausführung, bei der die Musiker in einer Art Kunstdruck wiedergegeben sind und zum Teil keinen Hals haben. Die meisten Stücke der Platte gibt es bereits auf „The Piper At The Gates Of Dawn“ und auf „Relics“. Somit lohnt sich der Erwerb auch nur für eingefleischte Pink Floyd Fans, die wirklich alles von „ihrer“ Band besitzen möchten. Die drei „rareren“ Songs stellen keine Meilensteine im Schaffen von Pink Floyd dar, sind jedoch ganz nett und interessant anzuhören, wenn man weiß, wie die Band sich weiter entwickelte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Candy And A Current Bun, Apples And Oranges, It Would Be So Nice




Samstag, 23. Juni 2012

Uriah Heep – …very ‘eavy …very ‘umble





Uriah Heep – …very ‘eavy …very ‘umble


Besetzung:

David Byron – lead vocals
Ken Hensley – organ, slide guitar, mellotron, piano and vocals
Mick Box – lead guitar, acoustic guitar, vocals
Paul Newton – bass guitar, vocals
Ollie Olsson – drums, percussion


Gastmusiker:

Alex Napier – drums all tracks except “Dreammare” and “Lucy Blues”
Colin Wood – keyboard on “Melinda” and “Wake Up”


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 1970 / 2004


Stil: Hard Rock, Blues


Trackliste:

1. Gypsy (6:38)
2. Walking In Your Shadow (4:30)
3. Come Away Melinda (3:49)
4. Lucy Blues (5:10)
5. Dreammare (4:40)
6. Real Turned On (3:39)
7. I'll Keep On Trying (5:27)
8. Wake Up (Set Your Sights) (6:28)


Bonustracks:

9. Bird Of Prey (4:08)
10. Born In A Trunk ( 4:32)
11. Come Away Melinda (Previously Unreleased Version) (4:17)
12. Gypsy (Extended Version) (7:08)
13. Wake Up (Set Your Sights) (Previously Unreleased Version) (6:32)
14. Born In A Trunk (Instrumental) (4:36)
15. Dreammare (BBC Session 5/5/70) (3:08)
16. Gypsy (BBC Session 5/5/70) (5:14)




„…very ‘eavy …very ‘umble“ ist das Debut-Album von Uriah Heep aus dem Jahr 1970. Und zum Teil ist das wirklich beeindruckend, was die britische Band, die sich nach einer Figur aus Charles Dickens‘ Roman „David Copperfield“ benannte, auf ihrem ersten Album dem Hörer darbietet. Das beginnt gleich mit dem Cover-Foto der Platte beziehungsweise CD, welches als durchaus eindrucksvoll und einprägsam bezeichnet werden kann. Dort sieht man das Gesicht David Byrons‘, dem Sänger der Band, überzogen von Spinnweben und mit weit aufgerissenem Mund. Richtig ekelhaft. Weiterhin ist festzustellen, dass Ken Hensley, der sich auf späteren Veröffentlichungen der Band häufig für die Kompositionen verantwortlich zeigte, hier auf „„…very ‘eavy …very ‘umble“ noch an keiner Entstehung eines Lied beteiligt war. Dafür zeichneten sich beim Debut David Byron und vor allem Mick Box hauptsächlich für Text und Musik aus.

Das Album beginnt gleich mit einem der Klassiker im Songkatalog der Band. „Gypsy“ ist wahrlich eine mitreißende Nummer. Hier wird gerockt, was das Zeug hält und trotzdem ist das Lied überaus melodiös und eingängig. Und wer auf den fetten Hammond-Orgel Sound steht, der Anfang der 70er Jahre in der Rockmusik so in war, der wird mit „Gypsy“ bestens bedient. Dabei ist das Lied überaus abwechslungsreich in seinen verschiedenen Teilen und streift dabei auch das Genre „Progressive Rockmusik“.

„Walking In Your Shadow“, Track Nummer 2 der CD beziehungsweise Platte, kann damit nicht mithalten. Ein Rocker, der weder besonders nach oben, noch nach unten ausschlägt. Nichts Besonderes eben. Das gibt es aber gleich wieder mit „Come Away Melinda“. Eine absolut klasse, naja, wohl Ballade, die nicht von Uriah Heep geschrieben wurde, also ein Cover. Das Stück wird toll mit einer Flöte eingeleitet, ist akustisch instrumentiert, sanft und leise und verfügt über eine wunderschöne Melodie. Dazu gesellt sich noch ein schön arrangierter Hintergrundgesang und fertig ist das überaus stimmungsvolle Lied. Ein weiterer Höhepunkt des Debut-Albums der britischen Band.

„Lucy Blues“ ist, wie der Name schon sagt, ein Blues. Das Lied langweilt unglaublich, bin mir aber nicht ganz sicher, ob nur ich nichts damit anfangen kann. Deutlich rockiger wird es dann wieder bei „Dreammare“. Das Lied beginnt richtig gut, kann dieses Niveau allerdings nicht halten, was nicht zuletzt an diesem „La-la-la-la-la“ Gesinge liegt. Das geht einem fürchterlich schnell auf den Senkel. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich auch die Melodie bereits beim zweiten Hören als überaus einfach und platt herausstellt.

Kompromissloser präsentiert sich da „Real Turned On“. Hier wird durchgerockt, ein paar nette Breaks werden gesetzt und das Lied zieht vorbei, ohne einen in irgendeiner Art und Weise groß zu belasten oder zu beeindrucken. Das gelingt im positiven Sinn dann deutlich besser bei „I'll Keep On Trying“. Das Stück startet mit einem schönen Orgellauf und diesen, für Uriah Heep so typischen Chorgesang gibt es auch gleich zu Beginn zu hören. Das Stück ist aus mehreren Parts aufgebaut, vom sehr ruhigen bis hin zum treibenden Teil. Es kommt zwar nicht an die Klasse von „Gypsy“ heran, hörenswert ist es allerdings doch. Selbiges lässt sich auch für das ehemals letzte Lied des Albums, „Wake Up (Set Your Sights)“ sagen beziehungsweise schreiben. Die Nummer ist erneut abwechslungsreich, steigert sich und groovt auch immer wieder. Allerdings geht ihm, genau wie dem Vorgänger, diese Melodie ab, die sich beim Hörer festsetzt. Und damit kommt es auch über den Status „durchaus hörenswert, allerdings nichts Besonderes“ auch nicht hinweg. Das Lied geht etwa ab der Mitte des Stücks in einen sehr ruhigen, schwebenden Part über. Und hier wird es jetzt sogar ein wenig progressiv und auch deutlich besser.

Die Zugaben sind üppig auf der remasterten Version vertreten. Da bekommt man als Bonus gleich „Bird Of Prey“ kredenzt, in der Veröffentlichung, die sich auf dem Album „Salisbury“ in der Version für den amerikanischen Markt befand. Und das Lied stellt auch in dieser Ausführung einen Höhepunkt dar. „Born In A Trunk“ kann dagegen nicht wirklich packen und begeistern. Die restlichen sechs Titel sind Variationen des bisher Gehörten. Alles bisher unveröffentlichte Versionen oder aber Versionen, die im Rahmen einer BBC Session entstanden sind. Besonders gelungen ist dabei die „extended version“ von „Gypsy“. Selbiges gilt auch für die alternative Version von „Come Away Melinda“, die auch länger ist, als die offizielle Veröffentlichung auf dem Album.

Fazit: An die Klasse der beiden Nachfolgeralben kommt „…very ‘eavy …very ‘umble“ nicht ganz ran. „Gypsy“ und „Come Away Melinda“ sind klasse Stücke - kein Zweifel. Der Rest ist allerdings allerhöchstens noch Durchschnitt und erreicht diesen noch nicht mal immer. Somit ist die Platte natürlich ein Muss für jeden Uriah Heep und David Byron Fan, genauso wie für die Rocker, die den Hard Rock der ersten Stunden zu schätzen wissen. Daraus ergeben sich für dieses Debut-Album von Uriah Heep neun Punkte.

Anspieltipps: Gypsy, Come Away Melinda, Bird Of Prey, Gypsy und Come Away Melinda in den “extended versions”