Sonntag, 15. Juli 2012

Peter Gabriel – Us




Peter Gabriel – Us


Besetzung:

Peter Gabriel – voice, programming, triangle, keyboard bass, keys, harmonica, mexical flute


Gastmusiker:

Manu Katche – drums
The Babacar Faye – drummers, sabar drums
Doudou N'Diaye Rose – drum loop
David Bottrill – programming
Tony Levin – bass
David Rhodes – guitar
Daniel Lanois – shaker, guitar, additional vocals
Richard Blair – additional keyboards
Chris Ormston – bagpipes
Levon Minassian – doudouk
Sinead O'Connor – vocals
Dmitri Pokrovsky Ensemble
Hossam Ramzy – tabla
Daryl Johnson – hand drum
William Orbit – programming
Bill Dillon – guitar
Brian Eno – additional keys
Shankar – violin
Caroline Lavelle – cello
Gus Isidore – bridge guitar
Leo Nocentelli – guitar
Tim Green – tenor sax
Reggie Houston – baritone sax
Renard Poche – trombone
Bill Dillon – guitar
Kudsi Erguner – ney flute
Ayub Ogada – vocals
Babacar Faye – djembe
Assane Thiam – tama, talking drum
Hossam Ramzy – surdu
Peter Hammill – additional vocals
Richard Macphail – additional vocals
John Paul Jones – surdu, bass and keyboards
Richard Evans – mandolin, mix engineer
The Adzido Drummers – additional percussion loop
Manny Elias – senegalese shakers
Marilyn McFarlane – vocals
Malcolm Burn – additionall synthesizer cello


Label: Realworld


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Come Talk To Me (7:06)
2. Love To Be Loved (5:18)
3. Blood Of Eden (6:38)
4. Steam (6:03)
5. Only Us (6:32)
6. Washing Of The Water (3:52)
7. Digging In The Dirt (5:18)
8. Fourteen Black Paintings (4:37)
9. Kiss That Frog (5:20)
10. Secret World (7:02)

Gesamtspieldauer: 57:49



Dieses Mal ließ sich Peter Gabriel sechs Jahre Zeit, bis er nach „So“ mit „Us“ sein sechstes Solo-Album veröffentlichte. Und bei „Us“ zeigte sich, dass einmal eingeschlagene Wege von Peter Gabriel weiter konsequent verfolgt wurden. Das gilt zum einen für die Kürze des Album-Titels, genau wie für die Richtung der Musik hin zu Liedern, die immer mehr dem Mainstream zugeordnet werden können und immer radiotauglicher wurden. Und noch etwas wiederholte Peter Gabriel auf „Us“: Ein Duett mit einer bekannten Sängerin. Waren es auf der Vorgänger-Platte noch Kate Bush und Laurie Anderson, die den Briten unterstützten, so war es sechs Jahre später Sinead O’Connor, die eine Gesangslinie beisteuerte.

Das Album beginnt mit „Talk To Me“. Einer schönen und rhythmischen Nummer, in der auch Dudelsackklänge zu vernehmen sind. Das Lied kommt in etwa in der Tradition von „Red Rain“ aus dem Vorgängeralbum daher. Eindringlich und packend ist diese Nummer, bei der Sinead O’Connor einige Gesangsparts übernimmt. Schön und gelungen ist auch „Love To Be Loved“. Hier wirkt jetzt alles wieder ein wenig leichter, schwebender. Das Lied besitzt eine eingängige Melodie und bleibt nicht zuletzt deswegen auch hängen. Mit „Blood Of Eden“ lassen sich ebenfalls wieder Parallelen zum Vorgängeralbum ziehen. Hier jetzt allerdings zu den ganz ruhigen Liedern. „Blood Of Eden“ klingt sehr getragen und lebt von seiner Atmosphäre. Der Nachteil liegt dabei im Refrain verborgen, der nur allzu schnulzig und übertrieben melancholisch klingt. Und das gilt für die Musik, wie für den Text.

Es folgt mit „Steam“ so etwas wie der Tiefpunkt des Albums. Überaus eingängiger und rhythmischer Pop wird hier dargeboten. Ganz im Sinne von „Big Time“ vom Vorgängeralbum. Was allerdings mit „Sledgehammer“ wunderbar funktioniert hat, passt hier gar nicht mehr. Aber zumindest wurde das Stück des Öfteren im Radio gespielt. Mit „Only Us“ bewegt sich Peter Gabriel wieder auf „Weltmusik“-Pfaden. Afrikanische Klänge wurden dem Lied beigemischt, welches aber immer noch als Peter-Gabriel-Lied zu erkennen ist. „Washing Of The Water“ ist im Anschluss daran eine ganz melancholische Nummer. Vom Piano und Peter Gabriels Stimme dominiert, verbreitet das Lied eine sehr sentimentale Stimmung.

Und dann folgt er, der „Hit“ des Albums. „Digging In The Dirt“ ist auch ein Höhepunkt, wenn nicht sogar der Höhepunkt der Platte. Klasse und mitreißend pulsiert das Lied in einer wunderbaren Art und Weise. Dazu wieder der eindringliche Gesang Peter Gabriels mit einem überaus „maroden“ Text. Toll gemacht. Auch das Video zum Lied ist dabei äußerst empfehlenswert. „Fourteen Black Paintings“ ist dann völlig anders gestrickt. Fast schon ausschließlich instrumental gehalten, nur kurz stimmt Peter Gabriel ein paar Textzeilen an, bildet das Lied eine atmosphärische Nummer, die ebenfalls wieder Anleihen der Weltmusik enthält. „Kiss That Frog“ ähnelt in seiner Art dem Stück „Steam“. Ist allerdings noch einen Schritt schlechter gelungen. „Secret World“ stellt schließlich den Abschluss des Albums dar. Und dieses Lied war auch Namensgeber für die anschließende Tour Peter Gabriels. Das Lied ist ein Beispiel dafür, dass „ruhig“ und „rhythmisch“ durchaus zueinanderpassen. Nur kurzzeitig wird das Stück ein wenig „lauter“, um dann wieder die vorherige Stimmung zu transportieren.

Fazit: „Us“ ist wohl das „schlechteste“ Peter Gabriel Solo-Album. Obwohl „schlecht“ das völlig falsche Adjektiv ist. Aber der Musiker hat mit seinen anderen Veröffentlichungen die Latte eben sehr hoch gelegt. Auf „Us“ gibt es einige gute Lieder zu hören, allerdings auch 08/15-Ware. Das Ganze ist radiotauglicher geworden und sehr viel mehr auf die breite Masse der Musikhörenden ausgerichtet. Dass damit auch Ecken und Kanten verschwinden, die Musik manchmal so hörenswert machen, muss dann wohl so sein. Und, nein, „Us“ ist kein schlechtes Album. Nur eben nicht mehr ganz so gut wieder der Rest des Ex-Genesis-Sängers. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Come Talk To Me, Love To Be Loved, Washing Of The Water, Digging In The Dirt, Fourteen Black Paintings

Samstag, 14. Juli 2012

Hans Albers - Golden Greats





Hans Albers - Golden Greats



Irgendwann kaufte ich mir diese CD Box von Hans Albers. “Golden Greats”, eine drei Cds umfassende Veröffentlichung. Darauf all die Klassiker von “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” bis “Goodbye Johnny”. Doch was den Sänger Hans Albers ausmachte, war seine Vielseitigkeit, immer ein bisschen genuschelt, immer ein bisschen der Lebemann in der Stimme. Albers’ Lieder sind zeitlose Hits. Unterstützt von einem Orchester wandelte er durch die Zeiten, Geschichten erzählend, teils tief, teils humorvoll. Aus heutiger Sicht scheinen einige der Songs politisch nicht korrekt zu sein, ein Titel wie “Das Lied vom Nigger Jim” wäre heute undenkbar. Doch das ist eben aus heutiger Sicht. Hans Albers war nicht nur ein großer Schauspieler und Entertainer, er war auch jemand, der sich vom nationalsozialistischen Regime nicht einbeziehen ließ. Er weigerte sich eine Auszeichnung vom Propagandaminister Goebbels überreicht zu bekommen und half seiner langjährigen jüdischen Lebenspartnerin ins sichere England zu kommen. Nach dem Krieg waren sie wieder vereint.

Hans Albers war kein großer Sänger und dennoch seine Lieder sind herausragend. Er hatte diese bestimmte Art zu präsentieren. Er ging ganz in den Liedern auf und schauspielerte sich hindurch. Beeindruckend, bewegend, zeitlos gut. Hans Albers ist für mich einer der ganz großen deutschen Sänger, Schauspieler, Entertainer. Einer, den man neu entdecken sollte. Die CD Box “Golden Greats” ist ein guter Start, die weite Welt des Hans Albers zwischen Hamburg-Reeperbahn und Tahiti kennenzulernen.




Freitag, 13. Juli 2012

Woody Guthrie - Woody At 100





Woody Guthry - Woody At 100



Am 14. Juli 1912 wurde Woodrow Wilson “Woody” Guthrie geboren. Nur 55 Jahre wurde er alt und prägte dennoch wie kein anderer die amerikanische Musiklandschaft. Von Bob Dylan bis Bruce Springsteen, von Ramblin’ Jack Elliott bis Pete Seeger und Billy Bragg sie alle erklären, dass dieser Mann aus dem kleinen Prärie-Städtchen Okemah in Oklahoma ihr größter Einfluß war.

Woody Guthrie war ein rastloser und reisender Geschichtenerzähler, ständig unterwegs, der von einem auf den anderen Moment seine Sachen packet und weiterzog. Er hatte die Begabung hinzusehen und zuzuhören. Immer wurde er mit einem Notizbuch angetroffen, in das er Songideen, und Gedichte schrieb, Essays und Briefe, philosophische Gedanken, witzige Begebenheiten und kleine Illustrationen malte. Den Farm- und den Minenarbeitern hörte er genauso zu, wie den Seemännern und den fahrenden Landarbeitern, den sozial Gestrandeten und den Gescheiterten, jenen, für die der “American Dream” nur Tagträumerei war. Hin und wieder, gerade in seinen Anfangsjahren als singender Poet, griff er auch mal selbst zur Schaufel, doch das Arbeiterleben war nichts für ihn, er war vielmehr das Sprachrohr des “Blue Collar America”, des arbeitenden Volkes.

Guthrie nahm die Geschichten und und das Erlebte auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten Amerikas auf und vertonte sie auf seine einzigartige Art und Weise. Er brauchte nicht viel, eine Gitarre, hin und wieder eine Mundharmonika und schon hörte man ihm zu. Seine leicht nasale Stimme, sein Genuschel, oftmals traf er die Töne nicht voll und dennoch, Woody Guthrie ist einer der bedeutendsten Sänger und Songschreiber, die Amerika jemals hervorgebracht hat. Sein Freund und Nobelpreisträger John Steinbeck, Autor des großartigen Romans “Früchte des Zorns”, war angetan von Guthries Lieder und meinte, “Ich brauche einen ganzen Roman dafür, um das zu sagen, was der kleine Bastard in ein paar Versen sagt”.

Seine Karriere war nur kurz. Anfang der 50er Jahre wurde er mit der Huntington Krankheit diagnostiziert, einer unheilbaren Erkrankung des Gehirns, die Bewegungsstörungen und psychische Symptome hervorruft. Es war ein langsamer Tod, der ihm erst seinen Verstand raubte, dann seinen Körper angriff und ihm schließlich am 3. Oktober 1967 das Leben kostete.

Auch fast 45 Jahre nach seinem Tod sind seine Lieder zeitlose Dokumente eines Landes im Umbruch, im Aufbruch, in Bewegung. Guthrie hielt der Nation lange Jahre den Spiegel vor. Er wurde vom FBI beobachtet, viele sahen in ihm den Wanderkommunisten, der mit seiner Gitarre bewaffnet das Proletariat politisch agitierte. Doch Woody Guthrie war vielmehr der Wanderbarde, ein Storyteller, der im Land die Stimmungen aufnahm und genau darüber woanders sang.

Nun zum 100. Geburtstag hat Smithsonian Folkways eine beeindruckende CD Box in Buchform veröffentlicht. “Woody at 100” beinhaltet drei CDs mit Klassikern und zum Teil unveröffentlichten Live-Aufnahmen und sogar sechs bislang unbekannte Originalversionen wurden für diese Box ausgegraben. Der erste Song ist eine stark verrauschte Version von “This land is your land”. Und doch, gerade so, in dieser nicht klangreinen Fassung ist sie am tiefsten und schönsten. Begleitet wird diese CD-Veröffentlichung von einem 150 Seiten dicken Buch, in dem Woody Guthries Geschichte anhand vieler Photos und Dokumente erzählt wird. Auch gibt es Hintergrundinformationen zu den einzelnen Songs. Smithsonian Folkways hat erneut eine wunderbare Box veröffentlicht, mit viel Liebe zum Detail zusammen gestellt, die einen Sänger und Songschreiber präsentiert, der “one of a kind” war.

Woody Guthrie glaubte an die Kraft des Liedes. Auf seiner Gitarre hatte er einen Aufkleber “This machine kills fascists”, dieser Apparat tötet Faschisten. Er war vom friedlichen Wandel überzeugt, von der Macht des Wortes, von der Stärke der Unterdrückten und Benachteiligten. Sein politischer Aktivismus, sein soziales Engagement, sein nicht wegsehen vor dem, was um ihn herum passierte machte Woody Guthrie zu einem Ausnahmemusiker, der noch heute geliebt und geschätzt wird. Er schrieb Kinder- und Liebeslieder, politische Songs und Unmengen an Liedern über den “Dust Bowl” die Zustände der amerikanischen Landarbeiter in den 30er Jahren. Woody Guthrie war Amerikaner durch und durch. Wohl kein anderer Musiker konnte jemals einen so zeitlosen Song ohne pathetischen und patriotischen Unterton über die USA schreiben, wie Woody Guthrie mit “This land is your land, this land is my land…from California, to the New York Islands”.



Donnerstag, 12. Juli 2012

Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts





Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts


Besetzung:

John Lees – lead guitar, acoustic guitar, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion
Les Holroyd – bass, acoustic guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1975 / 2003


Stil: ArtPop, Symphonic Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. In My Life (4:41)
2. Sweet Jesus (3:30)
3. Titles (3:49)
4. Jonathan (4:48)
5. Beyond The Grave (4:08)
6. Song For You (5:21)
7. Hymn For The Children (3:41)
8. Moongirl (4:52)
9. One Night (5:25)


Bonus Track:

10. Child Of The Universe (Remake for planned US Single) (2:48)




1975 veröffentlichte die englische Band Barclay James Harvest ihr sechstes Album mit dem Titel „Time Honoured Ghosts“. Die Stücke stammen dabei hauptsächlich von Les Holroyd und John Lees. „Beyond The Grave“ wurde noch von Stuart Wolstenholme beigesteuert und bei „Titles“ handelt es sich um ein traditionelles Lied, welches von John Lees neu arrangiert wurde.

Die Platter startet gleich richtig gut durch und wer auf mellotron-geschwängerte Musik steht, der kommt mit „In My Life“ bestens auf seine Kosten. Hier klingen Barclay James Harvest so überaus typisch, dass dieses Lied stellvertretend für viele andere Songs der Band stehen könnte. Richtig gut gemacht. Das kann man für den nächsten Titel allerdings nicht mehr behaupten. Barclay James Harvest verarbeiteten in ihren Liedern auch immer religiöse Themen, dass diese allerdings so was von schwülstig dargeboten werden, stellt glücklicherweise eine Ausnahme dar.

„Titles“ ist das dritte Stück des Albums und leider auch ein wenig langweilig geraten. Irgendwie fehlt hier das Feuer in dem Song. Textlich hat sich John Lees dabei in Strophe und Refrain den Scherz erlaubt, eine kleine Reminiszenz an die Beatles darzubieten. Als Beispiel hierfür mal die Textzeilen des Refrains: „Lady Madonna let it be, Something in the way you moved me, Yesterday, All you need is love so they say“. So ist der Name des Stücks auch gleichzeitig “Omen”. Besser wird das Lied dadurch jedoch leider auch nicht. Es schafft es nicht einen richtig zu packen.

„Johnathan“ ist im Anschluss daran sehr ruhig gehalten und wird im weiteren Verlauf richtiggehend elegisch. Das Mellotron zaubert wieder einen breiten und satten Klangteppich, auf dem es sich herrlich herumwälzen lässt. „Beyond The Grave“ ist schließlich Stuart Wolstenholmes Auftritt. Und auch hier bleibt festzuhalten: Das hat er schon mal besser gemacht. Klar, alles klingt wieder fett und vollgesogen, das Mellotron und die Synthesizer geben ihr Bestes, allerdings langweilt das Ergebnis ein wenig. Das wirkt nicht nur beim Gesang zu süß und getragen, dem Lied fehlt es an dem gewissen Etwas, welches die guten von den schlechten Nummern trennt.

„Song For You“ rockt dann sogar ein wenig los. Die Gitarre klingt und auch der Orgellauf kommt richtig gut rüber. Eine schöne Abwechslung. In der Mitte des Liedes kommt es dann zum Stilbruch und die zarteren Töne sind wieder angesagt. Sehr melodiös geht es dann mit „Hymn For The Children“ weiter. Schön und eingängig ist dieses ruhige Stück und erinnert damit auch an die vielen ruhigen Nummern der ersten Platten, denn in genau dieser Tradition steht „Hymn For The Children“. Und so geht es mit „Moongirl“ auch weiter. Klar Fans der „härteren Töne“ werden hier Schwierigkeiten haben, das ist wahrlich weichgespült und allzu lieblich, was hier jetzt zu hören ist. Aber es bleibt trotzdem hängen.

Beendet wird das ursprüngliche Album durch das Stück „One Night“. Auch dieses Stück ist eingängig und melodiös, wenn sich hier auch der Text immer wieder nur allzu platt anhört. Und dieser befindet sich so, zumindest im Refrain, wohl bereits in einhundert anderen Stücken anderer Bands. Die Zugaben sind dieses Mal auf der remasterten Fassung sehr spartanisch. Es handelt sich nur um ein Stück: „Child Of The Universe“. Das ist natürlich ein guter Song, befindet sich allerdings bereits schon als Bonus Track auf dem Vorgängeralbum – und dort auch noch in einer längeren Version.

Fazit: An den Vorgänger kommt „Time Honoured Ghosts“ nicht heran. Dazu befindet sich einfach zu viel durchschnittliches Material auf der Platte. Klar gibt es hier auch Höhepunkte, diese haben allerdings nicht dieselbe Höhe, wie manch anderer Song auf anderen Platten von Barclay James Harvest. Somit stellt „Time Honoured Ghosts“ sicher kein schlechtes Album dar, allerdings kommt es über den Stand des Durchschnitts auch nicht heraus. Acht Punkte.

Anspieltipps: In My Life, Jonathan, Hymn For The Children, Moongirl, One Night



Mittwoch, 11. Juli 2012

Marit Larsen – Spark





Marit Larsen – Spark


Besetzung:

Marit Larsen – vocals, piano, acoustic guitar, electric guitar


Gastmusiker:

Kåre Christopher Vestrheim – electric guitar, acoustic guitar, piano, keyboards, synthesizer, mellotron, harmonica, percussion, backing vocals
Torstein Lofthus – drums
Tor Egil Kreken – bass, electric guitar, acoustic guitar
Geir Sundstøl – electric guitar, lap steel guitar
Odd Nordstoga – acoustic guitar, dobrp
Marius Graff – acoustic guitar
Tommy Kristiansen – acoustic guitar
Alexander Pettersen – electric guitar
Erland Dahlen – percussion
Jørgen Malo – synthesizer
Vegard Johnson, André Orvik, Øyvind Fossheim, Silje Haugen, Alyson Read, Jørn Halbakken, Ranveig Winge, Eileen Siegel, Hans Morten Stenmsland – violin
Dorthe Dreier, Stig Ove Ose, Jon Sønstebø, Catherine Bullock – viola
Geir Tore Larsen, Hans Josef Groh, Cecilia Gøtestam – cello


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Pop


Trackliste:

1. Keeper Of The Keys (4:01)
2. Don’t Move (3:46)
3. What If (4:57)
4. I Can’t Love You Anymore (4:21)
5. Coming Home (4:00)
6. Me And The Highway (5:01)
7. Last Night (4:22)
8. Have You Ever (4:07)
9. Fine Line (4:29)
10. That Day (4:44)




Mit dem Album „Spark“ veröffentlichte die Norwegerin Marit Larsen im Jahr 2011 bereits ihr viertes Album. Und ich habe mir die Scheibe immer und immer wieder angehört – und ich tue mich damit trotzdem so schwer. Die Platte ist sehr ruhig und zurückhaltend. Das gilt für die Musik genau wie für den Gesang. Meist nur ganz dezent mit dem Piano oder der Gitarre instrumentiert, entfalten sich die einzelnen Lieder ganz sanft. Und ganz sanft ist auch die Stimme Marit Larsens. Sanft und zerbrechlich wirkt so eigentlich jeder Song. Eigentlich noch gar nichts Schlechtes, denn es gibt jede Menge ruhige Platten, die einfach nur gut geworden sind.

Man kann das Ganze allerdings auch als „Gesäusel“ auffassen, welches meistens noch nicht einmal besonders melodiös ist. Alles ist hier so zuckersüß, so überaus weichgespült, dass man sich einfach mal ein wenig Abwechslung in Form von ein bisschen mehr Tempo oder Rhythmus oder Melodie herbeisehnt. Und dann gibt es da noch einen Punkt – die Texte. Zehn Lieder befinden sich auf der CD. Warum diese allerdings alle, ausnahmslos alle, über Herzschmerz, Liebe oder beendete Liebe handeln müssen, ist nur schwer zu verstehen. War dies das zentrale Thema der Sängerin beim Schreiben des Albums, welches sie gerade so intensiv beschäftigte? Das wiederum würde allerdings auf häufig wechselnde Lebenspartner der norwegischen Sängerin schließen lassen. Glaube ich nicht. Oder aber zeigt dieser Umstand nur sehr eingeschränkten künstlerischen Spielraum in Bezug auf das Texten von Songs auf? Ist ihr schlichtweg nichts anderes eingefallen? Die Antwort könnte nur Marit Larsen uns geben.

Fazit: Das Album „Spark“ ist Langeweile pur. Kein Vergleich zu Kate Bush, Tori Amos oder auch Agnes Obel, um mit Letzterer mal im Norden Europas zu bleiben. Das Lied „What If“ klingt ein wenig anders und ist somit gleich der Höhepunkt des Albums. Der Rest rauscht so durch. Da gibt es nichts was einen länger fesselt, irgendwie ist das alle ein wenig belanglos. Schade. Fünf Punkte.

Anspieltipps: What If



Dienstag, 10. Juli 2012

Peter Gabriel – So




Peter Gabriel – So


Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, piano, cmi synthesizers


Gastmusiker:

David Rhodes – guitars, backing vocals
Tony Levin – bass
Manu Katché – drums
Jerry Marotta – drums
Kate Bush – vocals
Stewart Copeland – drums
Daniel Lanois – guitars
Richard Tee – piano
L Shankar – violin
Simon Clark – hammond, cmi synthesizer, bass
Larry Klein – bass
Mark Rivera – saxophone


Label: Realworld


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Red Rain (5:40)
2. Sledgehammer (5:12)
3. Don’t Give Up (6:33)
4. That Voice Again (4:53)
5. Mercy Street (6:22)
6. Big Time (4:29)
7. We Do What We’re Told (Milgram's 37) (3:22)
8. This Is The Picture (Excellent Birds) (4:25)
9. In Your Eyes (5:29)

Gesamtspieldauer: 46:28



Vier ganze Jahre dauerte es, dann veröffentlichte Peter Gabriel 1986 sein fünftes Solo-Album. Und dabei kam es zum Stilbruch. Denn dieses neue Album war nun nicht mehr unbetitelt und konnte dementsprechend auch nicht mehr einfach mit „5“ oder „V“ betitelt werden. Nein dieses Mal nannte der Brite sein Album auch beim Namen, der allerdings auch nicht besonders schwierig zu merken war: „So“ hieß die neue Platte. Und noch etwas konnte beim Hören der Titel festgehalten werden: Peter Gabriels Musik machte einen deutlichen Schwenk hin zum radiotauglichen Pop, näherte sich diesbezüglich also dem Mainstream an. Wenn auch nicht mit jedem Lied der Platte, so war diese Tendenz doch deutlich zu vernehmen, beziehungsweise zu hören.

Mit einem für Peter Gabriel ganz typischen Lied startet das Album. „Red Rain“ ist eine sehr eindringliche Nummer, wie immer klasse arrangiert, überaus eingängig und intensiv. Das Stück ist mit Sicherheit radiokompatibel, allerdings schon wieder deutlich anspruchsvoller als 08/15-Pop und wohl dann doch nicht eingängig genug beim ersten Hören, sodass es nur selten den Weg in die Playlisten der Musikredakteure der Radios fand. Ganz anders sieht das mit dem zweiten Stück der Platte aus. „Sledgehammer“ war der Hit auf „So“ und wohl auch Peter Gabriels beste Platzierung in den Single-Charts dieser Welt in seiner Laufbahn. Und wenn sich mainstreammäßige Radiomusik so anhört, dann ist es sehr schade, dass man nur so wenig davon zu hören bekommt. Das Lied ist klasse. Alles pulsiert hier, der perfekte Groove, die packende Melodie, perfekt gesetzte Chor- und Bläsereinsätze. Da passt einfach alles. Eines der wenigen Lieder Peter Gabriels, welches in den Discotheken der damaligen Zeit rauf und runtergespielt wurde, da es wahrlich nur wenige, bessere Lieder zum Abtanzen gibt. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch das zum Lied passende, mehrfach ausgezeichnete Musikvideo bleiben. Bahnbrechende Videokunst war das Mitte der achtziger Jahre, die mit einem Füllhorn an Ideen ausgestattet war. Und auch heute ist dieses Video immer noch sehr beeindruckend.

Beim nächsten Stück, „Don’t Give Up“, handelt es sich um ein Duett, welches Peter Gabriel zusammen mit Kate Bush singt. Ist die Strophe noch ganz schön und melancholisch, so wird der Refrain, den dann Kate Bush gesanglich umsetzt, leider allzu schnulzig. Und das gilt hier für den Text, wie für die Musik. Das Stück ist sehr ruhig gehalten und wenn man ihm eine gewisse Atmosphäre auch nicht ganz absprechen kann, so ist es doch einen Tick zu süßlich geraten. Wieder auf Pop-Mainstream-Pfaden bewegt sich Peter Gabriel mit „That Voice Again“. Eine flotte Nummer, nicht mehr und auch nicht weniger. Dieses „mehr“ gibt es dann mit „Mercy Street“. Ein unglaubliches „mehr“ an Atmosphäre. War diese bei „Don’t Give Up“ zum Teil schon sehr eindringlich, so wird die fast mystische Stimmung mit diesem Lied nun in Perfektion transportiert. Eine ruhige und überaus spannende Nummer, die ebenfalls einen Höhepunkt des Albums darstellt.

Und dann kommt einer der größten Stilbrüche in der Geschichte der Musik. Nach „Mercy Street“ kommt „Big Time“. Ebenfalls ein Lied, welches in der damaligen Zeit häufiger in Discotheken gespielt wurde, allerdings ist das Stück kein Vergleich zu „Sledgehammer“. Und das gilt hier für die Musik und auch das Video. „Big Time“ ist platter Pop und warum nur musste uns Peter Gabriel nach dem Lied davor aus unserer süßen Melancholie reißen? Es folgt das kurze, sehr sphärische „We Do What We’re Told (Milgram's 37)“. Wieder eine tolle Nummer, die ganz von ihrer Stimmung lebt. Dieses Lied ist erneut diametral anders als sein Vorgänger. Das Stück ist kein Radiolied geschweige denn eine Nummer für die Disco – vielleicht als Rausschmeißer um fünf Uhr morgens geeignet. Hier schwebt alles, ist eindringlich und spannend.

Spannend ist auch das richtige Adjektiv für „This Is The Picture (Excellent Birds)“, welches Peter Gabriel zusammen mit Laurie Anderson einsingt. Dieses Lied ist allerdings nicht auf der ursprünglichen Platte vertreten, sondern wurde erst der remasterten Wiederveröffentlichung beigefügt. Und tatsächlich, das Lied hätte auch bestens auf das Debut-Album „Big Science“ von Laurie Anderson gepasst. Die Nummer geht ein kleines Stückchen in die Richtung Avantgarde und fällt somit völlig aus dem Rahmen der sonstigen Stücke auf „So“. Beschlossen wird das Album schließlich wieder mit einer eingängigen Mainstream-Pop-Nummer „In Your Eyes“. Gar nicht schlecht gemacht, kommt allerdings nicht ganz an die Höhepunkte des Albums heran. Aber auch nur ganz knapp nicht.

Fazit: Okay, „So“ ist poppiger als seine Vorgänger. Allerdings handelt sich dabei um richtig gut gemachte Populär-Musik. Progressive Rock-Musik wie zu Genesis-Zeiten findet man noch, man muss allerdings schon ein wenig suchen. Trotzdem ist das Album richtig gut geworden, auch wenn solche Schmachtfetzen wie „Don’t Give Up“ oder Disco-Nummern wie „Big Time“ einem ein wenig den Hörgenusses schmälern. Dafür gibt es allerdings noch jede Menge Höhepunkte auf „So“, die ganz unterschiedlichen Musik-Genres entspringen. Und dafür gibt es hochverdiente zwölf Punkte.

Anspieltipps: Red Rain, Sledgehammer, Mercy Street, We Do What We’re Told (Milgram's 37), This Is The Picture (Excellent Birds), In Your Eyes


Montag, 9. Juli 2012

The Eels – Shootenanny!


 


The Eels – Shootenanny!


Besetzung:

Marc Oliver Everett – vocals, guitar, mellotron, clavinet, piano, baritone guitar, wurlitzer, etc.


Label: Dreamworks (Universal)


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. All In A Day’s Work (3:25)
2. Saturday Morning (2:56)
3. The Good Old Days (3:03)
4. Love Of The Loveless (3:33)
5. Dirty Girl (2:41)
6. Agony (3:08)
7. Rock Hard Times (4:01)
8. Restraining Order Blues (3:12)
9. Lone Wolf (2:47)
10. Wrong About Bobby (2:47)
11. Numbered Days (3:45)
12. Fashion Awards (3:07)
13. Somebody Loves You (3:02)

Gesamtspieldauer: 41:25




Auch auf dem 2003 erschienenen Album der Eels mit dem Titel „Shootenanny!“ gibt es wieder einige richtig gute Songs zu entdecken, obwohl das Album in nur wenigen Tagen live im Studio eingespielt worden war. Zwei Jahre nach „Souljacker“ veröffentlichte Marc Oliver Everett, der einzig und allein die Band „The Eels“ darstellt und nur beim Einspielen und auf Tourneen von einigen wenigen Musikern unterstützt wird, sein neues Album. Und wenn etwas festzuhalten ist dann der Umstand, dass dieses Album nicht eindeutig in eine bestimmte Stimmungsrichtung ausschlägt, wie man es bei den Eels immer wieder mal feststellt. Hier wechseln sich die „traurigeren“ mit den „fröhlicheren“ Stücken ab. Man wird runtergerissen, danach aber netterweise sofort wieder aufgebaut. Ein Wechselspiel der Gefühle.

Die Platte startet mit einem langgezogenen Gitarrenton, der dann in einen ziemlich rhythmischen Rocksong mündet. Und so erinnert „All In A Day’s Work“ in seiner Art zunächst stark an ein Rhythm And Blues Stück der Südstaaten. Der Gesang ist dabei leicht übersteuert. Ein Stilmittel, welches Everett auf späteren Veröffentlichungen noch öfters einsetzen wird. „Saturday Morning“ heißt das zweite Stück der Platte und stellt eine flotte Rock-Nummer dar. Richtig sentimental und melancholisch wird es dann mit „The Good Old Days“. Hier kann man die Sehnsucht nach den früheren Zeiten fast greifen. Eine schöne Nummer, bei der die Akustik-Gitarre im Vordergrund steht.

Wie mit einem Casio-Gerät der 80er wird „Love Of The Loveless“ eingeleitet und es entwickelt sich eine sehr melodiöse Melodie. Dieses Mal singt Marc Oliver Everett mit einer „Telefonstimme“. Flott und eingängig geht es anschließend mit „Dirty Girl” weiter. Hier klingen die Eels dann schon sehr poppig, um im Anschluss daran die bluesige Schiene einzuschlagen. „Agony“ hört sich genauso an, wie die Nummer auch heißt. Der Gitarrensound wird noch zusätzlich verfremdet und es entsteht ein wahrlich eindrucksvolles Lied. Richtig gut gemacht. Mit “Rock Hard Times” wird die Musik dann gleich wieder zuversichtlicher und auch fröhlicher. Und auch dieses Lied geht schnell ins Ohr.

“Restraining Order Blues” ist das achte Lied der Platte. Wurde der Hörer gerade noch hochgehoben, so geht es jetzt stimmungsmäßig wieder in den Keller. Die traurige Gefühlswelt ist wieder hergestellt mit diesem unglücklichen Liebeslied. Aber genau das scheint Marc Oliver Everett mit dieser CD bezwecken zu wollen: Dieses Wechselbad der Gefühle, denn „Lone Wolf“, wie der Sänger und Songschreiber sich hier selbst betitelt, ist gleichwohl wieder sehr viel hoffnungsvoller. Das Dasein als „einsamer Wolf“ scheint ihn nicht weiter zu tangieren geschweige denn zu stören. Ein richtig gutes Lied ist diese Nummer geworden. Wohingegen der nächste Track “Wrong About Bobby” deutlich langweiliger geraten ist. Das Lied ist ein Pop-Stück, dem einfach das Besondere fehlt – ohne dabei wirklich schlecht zu sein.

Aber es wird noch mal deutlich besser. Und zwar gleich mit dem nächsten Stück. „Numbered Days“ klingt und tönt und das, obwohl in diesem Stück zunächst nur ganz wenig Melodie vorhanden ist. Aber die Nummer hat was in ihrer Monotonie. „Fashion Awards“ ist ein sehr ironisches Lied über die Verleihung von „Awards“, bei dem Everett nur allzu zuckersüß singt. Beendet wird das Album mit „Somebody Loves You”. Ein klasse Abschluss für diese Platte. Ein typisches Eels-Lied möchte man sagen. Wunderschöne Melodie, verträumt und verspielt mit Wechseln von Dur nach Moll und wieder zurück.

Fazit: Einige wahrlich schöne Stücke finden sich auf “Shootenanny!”. Die Eels machen allgemein ruhige Musik und auch nicht anders ist es auf diesem Album. Wer auf verträumte und melancholische Musik steht, die doch eher einen traurigen Charakter besitzt, als mitreißende Stimmung zu verbreiten, den wird dieses Album einfangen. Dazu befindet sich kein richtig schlechtes Lied auf dem Album, man kann es auch ohne Fernbedienung in der Hand genießen. Richtige Übersongs fehlen allerdings auch auf der Platte. Alles hat seine Qualität, ohne zu sehr nach oben oder unten auszubrechen. Besser als der Durchschnitt aber allemal und damit neun Punkte wert.

Anspieltipps: The Good Old Days, Love Of The Loveless, Agony, Lone Wolf, Numbered Days, Somebody Loves You



Sonntag, 8. Juli 2012

Barclay James Harvest – Everyone Is Everybody Else





Barclay James Harvest
– Everyone Is Everybody Else



Besetzung:

John Lees – lead guitar, acoustic guitar, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion
Les Holroyd – bass, acoustic guitar, rhythm guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1974 / 2003


Stil: ArtPop, Symphonic Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. Child Of The Universe (5:07)
2. Negative Earth (5:33)
3. Paper Wings (4:19)
4. The Great 1974 Mining Disaster (4:45)
5. Crazy City (4:08)
6. See Me See You (4:37)
7. Poor Boy Blues (3:05)
8. Mill Boys (2:47)
9. For No One (5:12)


Bonus Tracks:

10. Child Of The Universe (US Single Version) (2:55)
11. The Great 1974 Mining Disaster (Original Mix) (4:51)
12. Maestoso (A Hymn In The Roof Of The World) (5:30)
13. Negative Earth (Original Mix) (5:37)
14. Child Of The Universe (Remake for planned US Single) (3:37)




Dieses Mal ließ sich Barclay James Harvest deutlich mehr Zeit, bis die britische Band ihr fünftes Album veröffentlichte. 1974 erschien die Platte „Everyone Is Everybody Else“, welche auch bei einem neuen Label eingespielt wurde. Polydor hieß nun die neue Plattenfirma. Und noch etwas hatte sich geändert. Woolly Wolstenholme war bei keinem Titel mehr am kompositorischen Prozess beteiligt. Lediglich auf der remasterten und erweiterten Veröffentlichung aus dem Jahr 2003, ist unter den Bonus-Titeln ein Song von ihm zu finden. Sonst sind es John Lees und Les Holroyd, die die Ideen und Lieder für das Album einbrachten. Dabei bekam Les Holroyd noch zweimal Unterstützung von Mel Pritchard.

Die etwas längere Pause hat der Band sichtlich gut getan. Denn suchte man auf „Baby James Harvest“ diese wirklich tollen Songs noch vergeblich, so gibt es diese wieder auf „Everyone Is Everybody Else“. Mit solch einem Stück startet das Album auch gleich „Child Of The Universe“ ist ein Barclay James Harvest Klassiker, wenn nicht sogar das bekannteste Lied der Band. Das Stück hat eine klasse Melodie, die sofort ins Ohr geht, das Piano ist das beherrschende Element des Liedes und alles ist bestens aufeinander abgestimmt. Nichts ist hier pathetisch oder schwülstig und ausgeblendet wird das Lied zusätzlich noch mit einem schönen Gitarrensolo.

„Negative Earth“ ist eine ebenfalls melodiöse, allerdings auch groovende Nummer, bei der die Moll-Akkorde überwiegen. Bei „Paper Wings“ klingt es dann immer wieder orchestral, obwohl auf den Einsatz eines Orchesters aus Kostengründen verzichtet wurde. Allerdings wird hier auch mit dem Synthesizer eine tolle Atmosphäre geschaffen. Das ist Soft-Rock in Vollendung, bei dem man trotzdem nicht wegdämmert. Hier ist alles viel zu spannend arrangiert und kann immer wieder in verschiedenen Passagen auch durchaus als progressiv bezeichnet werden. Diese Teile sind es auch, die dann dem Lied auch einen ganz anderen, völlig neuen Drive verpassen. Eine richtig gelungene Nummer ist das.

Auch „The Great 1974 Mining Disaster” macht Spaß, wenn es auch nicht ganz an die drei Vorgänger heranreicht. Aber eine gewisse Eingängigkeit und Harmonie kann man diesem Lied wahrlich nicht absprechen. Ganz anders präsentiert sich „Crazy City“. Hier wird jetzt gerockt. Die Gitarre ist stark verzerrt bis, ja bis alles doch wieder ganz harmonisch und melodiös wird, immer wieder nur kurz aufgelockert von den Gitarreneinsätzen. Schön hier auch der mehrstimmige Gesangspart. „See Me See You“ ist dagegen ein wenig langweilig und langatmig geworden und dies bei einer Dauer von nur etwas über viereinhalb Minuten. Auch nicht besser ist der nächste Track mit dem Namen „Poor Boy Blues“, der ein bisschen folkig ist. Hier erinnern Barclay James Harvest fast ein wenig an Crosby, Stills & Nash, was durch den mehrstimmigen Gesang und die elektrische Gitarre im Hintergrund vermittelt wird. Fast nahtlos geht es dann in den Song „Mill Boys“ über, der ganz im Stile seines Vorgängers gehalten ist. Und irgendwie scheint es an dieser Stelle so, als hätten die vier Musiker ihr Pulver bereits am Anfang des Albums verschossen.

Aber da gibt es ja noch den ursprünglich letzten Titel des Albums: „For No One“. Und hier klingen Barclay James Harvest jetzt auch wieder nach Barclay James Harvest und nicht nach irgendeiner anderen Band. Das Lied bildete einen schönen und runden Abschluss für das Album, denn hier tönt wieder alles. Man hört diesen für die Band typischen Gitarrensound, alles ist perfekt arrangiert und passt einfach.

Fünf Zugaben wurden auf die remasterte Fassung des Jahres 2003 gepackt. Zwei davon sind alternative Versionen des Stückes „Child Of The Universe“, die nicht an die Originalfassung heranreichen, da sie auch deutlich verkürzt wurden. Bei „The Great 1974 Mining Disaster“ und „Negative Earth“ handelt es sich um die ursprünglichen Mixe der Lieder. „Maestoso (A Hymn In The Roof Of The World)“ ist das oben bereits erwähnte Stück von Stuart Wolstenholme. Und dieses Stück stellt eine wirklich sinnvolle Zugabe für das Album dar. Sehr orchestral klingt die Nummer, obwohl man hier auch nur Synthesizer hört. Alles ist sehr aufregend und die Luft ist geladen, als ob sich gerade ein Gewitter am Himmel zusammenbraut. Dann entspannt sich diese Atmosphäre ein wenig, um dann doch wieder loszuschlagen. Ein bisschen steht das Stück in direkter Reihe von „The Poet“ und „Moonwater“ aus den letzten beiden Alben. An „The Poet“ reicht es vielleicht nicht ganz heran, ist jedoch deutlich besser gelungen als „Moonwater“.

Fazit: Die erste Hälfte des Albums ist Barclay James Harvest deutlich besser gelungen als die zweite Hälfte. Mit Ausnahme von „For No One“ sind dort nämlich nur Songs vertreten, die irgendwie gar nicht für die Musik von Barclay James Harvest stehen. Aber die gibt es ja zu Genüge am Anfang der Platte. Und gerade da macht diese auch richtig Spaß. Hier klingt alles, ist melodiös, toll arrangiert und kann fesseln. „Everyone Is Everybody Else“ war wieder ein Schritt in die richtige Richtung der englischen Band. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Child Of The Universe, Negative Earth, Paper Wings, The Great 1974 Mining Disaster, For No One, Maestoso (A Hymn In The Roof Of The World)



Samstag, 7. Juli 2012

Teitur – Poetry And Aeroplanes





Teitur – Poetry And Aeroplanes


Besetzung:

Teitur – acoustic and electric guitars, porto organ, farfisa, wurlitzer, rhodes piano


Gastmusiker:

Matt Chamberlain – drums, tambourine
Matt Bronleewe – bass, drums programming, keyboards
Rupert Hine – piano, tambourine, vocals, organ, keyboards, percussion, bass
David Mansfield – mandocello, pedal steel guitar, strings, bass, strings, electric guitar, mandolin, dobro
Patrick Warren – octagon, chamberlin, farfisa organ, celeste, porto organ, marxophone, piano
Pino Palladino – bass
Jay Bellerose – percussion, drums
Jennifer Condos – bass


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Sleeping With The Lights On (3:40)
2. I Was Just Thinking (3:31)
3. You're The Ocean (3:49)
4. Poetry And Aeroplanes (3:34)
5. Josephine (2:53)
6. One And Only (2:52)
7. Rough Around The Edges (3:49)
8. Let's Go Dancing (2:38)
9. Amanda's Dream (4:11)
10. Shade Of A Shadow (3:36)
11. To Meet You (3:47)
12. Halfway Between (2:19)




2003 brachte Teitur, der mit vollem Namen Teitur Larsson heißt, das Album “Poetry And Aeroplanes” auf den Markt. Wann hat man schon mal die Möglichkeit einem Musiker von den Färöer Inseln zu lauschen? Also rein mit der CD und „lauschen“ ist dabei das richtige Wort, denn dieser Musik muss man lauschen, so sanft und zerbrechlich wirkt das alles. Hauptsächlich mit der akustischen Gitarre instrumentiert, werden die Songs hier und da nur ganz spärlich mit zusätzlichen Instrumenten versehen. Im Vordergrund stehen der Gesang Teiturs sowie sein Gitarrenspiel. Die Musik klingt so ein wenig folkig und ist aber wohl am ehesten im Genre Soft-Pop anzusiedeln.

Die Stimme Teiturs ist klasse und eindringlich. Immer wieder mal kann man im Internet lesen, dass manchmal seine Musik wie die von Sting oder Paul Simon klingt. Ein anderes Mal ist es seine Stimme selbst, die diesen beiden Musikern ähneln soll. Der Vergleich geht mir völlig ab, diese Ähnlichkeit oder Verwandtschaft ist mit meiner Stereoanlage nämlich nicht auszumachen.

Melancholisch und sentimental klingt die Platte. Und das von der ersten bis zur letzten Sekunde, vom ersten bis zum allerletzten Takt. Leider beinhaltet dies auch eine gewisse Monotonie. Die Stücke sind durch die Bank weg alle sehr ruhig und eingängig, ähneln sich allerdings leider auch sehr stark. Das liegt noch nicht einmal daran, dass sie identisch wären. Die Stimmung allerdings, die sie transportieren, die ist jedes Mal deckungsgleich. Und so läuft die CD durch und wenn man seinen Player auf automatische Wiederholung eingestellt hat, dann läuft das Ding immer und immer wieder, unterhält ganz nett, aber richtig begeistern? Nein, richtig begeistern kann die Platte dann doch nicht. Dazu ist sie ein bisschen zu sehr weichgespült und diese Melodien, die sich im Kopf des Hörers festsetzen, die gibt es zwar kurzzeitig, um dann aber doch wieder im Alltag zu verschwinden und eben nicht hängenzubleiben.

Fazit: Das ist das perfekte Album für Leute, die beim Musikhören gerne träumen. Melancholisch und manchmal auch ein wenig traurig klingen die Stücke auf „Poetry And Aeroplanes“. Perfekt gemacht für die dunklen Tage im Winter, wenn ich auch nicht weiß, ob Teitur diese Stücke im Sommer oder in der kalten Jahreszeit da oben im Norden geschrieben hat. Leider ist das Ganze auch ein wenig monoton. Melodisch ist die Musik Teiturs zwar, aber die genialen Melodien, die man nie vergisst, die fehlen dann doch auf „Poetry And Aeroplanes“. Somit bleibt letztendlich ein ganz nettes Soft-Pop-Folk Album übrig. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sleeping With The Lights On, You're The Ocean, Josephine, Rough Around The Edges, Amanda's Dream



Freitag, 6. Juli 2012

Agnes Obel – Philharmonics





Agnes Obel
– Philharmonics



Besetzung:

Agnes Obel – vocals, piano, guitar, harp


Gastmusiker:

Daniel Matz – beat on “Brother Sparrow”, “Avenue”, “Philharmonics”
Federique Labbow – cello on “Beast”, “Philharmonics”, “On Powdered Ground”, “Wallflower”, “Over The Hill”
Isabelle Klemt – cello on “Beast”, “Philharmonics”
Anne Müller – cello on “Avenue”
Robert Kondorosi – guitar in “Brother Sparrow”
Alex Brüel Flagstad – backing vocals on “Just So”


Label: Play It Again Sam / PIAS


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Pop


Trackliste:

1. Falling, Catching (1:34)
2. Riverside (3:49)
3. Brother Sparrow (3:59)
4. Just So (3:35)
5. Beast (3:50)
6. Louretta (2:06)
7. Avenue (4:07)
8. Philharmonics (3:33)
9. Close Watch (4:00)
10. Wallflower (2:26)
11. Over the Hill (2:48)
12. On Powdered Ground (4:07)




2010 hat die dänische Sängerin aus Kopenhagen, Agnes Obel, ihr erstes Album veröffentlicht. „Philharmonics“ heißt dieses und es befindet sich wahrlich „viel Harmonie“ auf dieser Platte. Bekannter wurde die in Berlin lebende Dänin bereits 2009 durch den Song „Just So“, der in einem Telekom-Werbespot zur Untermalung der Verkaufsbotschaft Verwendung fand. Will man die Musik auf „Philharmonics umschreiben“, so würde wohl am besten das nicht existente Label „Anti-Hard-Rock“ passen. Genau das Gegenteil von Hard Rock bekommt man hier zu hören. Ganz, ganz ruhige, sanfte, zurückhaltende Musik.

Instrumentiert wird das Ganze hauptsächlich mittels Piano. Auch diverse Cellos haben immer wieder ihren Einsatz und unterstreichen dabei noch die Zerbrechlichkeit der Musik. Nur bei drei Stücken gibt es so etwas wie „Perkussion“. Und hierbei muss man den „Beat“ wahrlich schon ganz genau suchen. Agnes Obel unterstreicht die, durch die Instrumentierung erzeugte Atmosphäre, noch durch einen immer wieder gehauchten Gesang, der den Gesamteindruck der süßen Melancholie nochmals aktiv unterstreicht.

Das Album ist einheitlich. Alle Stücke funktionieren dabei nach demselben Prinzip: Überaus eingängige und harmonische Melodien, verträumt gesungen und instrumentiert, „schmeicheln“ den Ohren. Manch einer wird dies vielleicht sogar als „überaus weichgespült“ ansehen. Ich kann mir allerdings trotzdem vorstellen, dass selbst so mancher Hard Rock Fan Gefallen an dem ein oder anderen Stück finden wird, da sie alle in ihrer Art konsequent sind und einfach klingen und auf ihre Art durch den Raum schweben, ohne auch nur den geringsten Eindruck der Schwere zu hinterlassen.

Fazit: Wer auch mal Spaß an den ruhigeren Tönen der Musik hat, der wird hier bestens bedient. Viel Abwechslung wird auf „Philharmonics“ nicht geboten. Alle Stücke sind hier zart, sanft, ruhig und überaus melodiös. Allerdings ist diese fehlende Variationsbreite in der Musik der Dänin nur allzu konsequent und damit schon wieder ein Vorteil. Man legt die Scheibe ein, dann bleibt die Atmosphäre, in die man nun eintaucht, für die nächsten vierzig Minuten ununterbrochen bestehen. Wenn es allerdings November ist, der Himmel sich draußen von seiner grauen Seite zeigt, dann besteht für Leute, die gerade nicht „so gut drauf“ sind die Gefahr, dass sie noch tiefer im Sumpf der Melancholie oder aber der traurigen Gedanken versinken. Von daher ist diese CD mit einer gehörigen Portion Vorsicht zu genießen, wenn man allzu dunklen Gedanken nachhängt. Für seine Konsequenz und Melodiösität hat dieses Album elf Punkte verdient.

Anspieltipps: Alle Stücke



Donnerstag, 5. Juli 2012

Absynthe Minded – Absynthe Minded





Absynthe Minded – Absynthe Minded


Besetzung:

Bert Ostyn – vocals, guitar
Renaud Ghilbert – violin, vocals, fluegelhorn
Jan Duthoy – piano, organ, guitar, vocal
Sergej Van Bouwel – bass, vocals
Jakob Nachtergaele – drums, percussion


Label: Vertigo / Universal


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop


Trackliste:

1. Envoi (4:07)
2. Heaven Knows (3:30)
3. Acquired Taste (3:22)
4. My Heroics, Part One (4:37)
5. Mood Swing Baby (3:51)
6. Papillon (4:43)
7. I'll Be Alright (4:06)
8. Multiple Choice (4:43)
9. Week End In Bombay (4:02)
10. If You Don't Go, I Don't Go (3:30)
11. Paramount (3:57)
12. I Like When You Are Sad (4:34)




Absynthe Minded ist bereits die fünfte Platte der belgischen Band mit dem selbigen Namen, wenn man die erste EP aus dem Jahr 2003 mit dazurechnet. Und festzustellen bleibt dabei, dieses Album ist den fünf Musikern richtig gut gelungen. Bei Absynthe Minded lassen sich durchaus Parallelen zu einer anderen belgischen Band ziehen. Immer wieder mal klingt Absynthe Minded ganz ähnlich wie Deus. Und das ist hier durchaus positiv gemeint.

Ruhig und gelassen klingt die Platte. Die einzelnen Lieder sind meist sehr melodisch und eingängig. Eile oder gar Hektik kommt hier nie auf. Alles wirkt sehr entspannt und relaxt, auf Absynthe Minded findet sich jede Menge Musik zum Entspannen. Meist mit Gitarre und Piano instrumentiert und immer wieder mit der Violine akzentuiert, vermittelt das Album eine überaus entspannte Atmosphäre. Dazu trägt natürlich auch die zurückhaltende Instrumentierung bei oder, dass anstatt der Sticks auch mal ein Besen die Snare-Drum bearbeitet.

Ausnahmen zu diesen Beobachtungen beziehungsweise zu diesem Gehörten gibt es nur wenige. Lied Nummer 8, „Multiple Choice“ ist eine solche. Hier wird es sogar mal ein klein wenig „wirr“, gar nicht so melodisch und zum Teil klingt das Lied sogar ein bisschen jazzig, um schließlich sogar noch ein Stück weit loszurocken. Und auch der nächste Titel, „Week End In Bombay ” fällt ein wenig aus dem Rahmen, da es sich hierbei um einen etwas schnelleren Rock’n’Roll handelt. Wahrlich nicht der Höhepunkt des Albums. Auch nicht zu den stärkeren Songs zählt „If You Don't Go, I Don't Go“. Hier swingt es – und das muss man eben mögen, oder aber nicht.

Der Rest der Stücke bewegt sich auf dieser bereits erwähnten melodiösen Pop-Rock-Schiene. Da hört man gerne zu. Easy Listening mal ganz anders. Die Lieder gehen schnell ins Ohr und haften dort auch durchaus über einen längeren Zeitraum. Unaufgeregte Musik kann eben manchmal auch so herrlich entspannend sein.

Fazit: Ein schönes Album haben die fünf Belgier da 2009 vorgelegt. Hier finden sich einige Titel, die einfach Spaß machen. Dazu ist diese Musik so wunderschön relaxt und genau selbiges kann man beim Hören ebenfalls machen: Entspannen und sich fallen lassen und einfach alles mal auf sich wirken lassen. Absynthe Minded von Absynthe Minded bringt einen nach einem stressigen Tag wieder runter. Dafür gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Envoi, Heaven Knows, My Heroics Part One, Mood Swing Baby, Papillon



Mittwoch, 4. Juli 2012

Midlake – Bamnan And Silvercork





Midlake – Bamnan And Silvercork


Besetzung:

Tim Smith – vocals, guitar, keyboards
Eric Nichelson – guitar, keyboards
Eric Pulido – guitar
Paul Alexander – bass
McKenzie Smith – drums


Label: V2 Records / Universal


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Pop, SynthiePop, ArtPop


Trackliste:

1. They Cannot Let It Expand (2:56)
2. Balloon Maker (5:03)
3. Kingfish Pies (4:21)
4. I Guess I’ll Take Care (3:20)
5. Some Of Them Were Superstitious (5:55)
6. The Reprimand (1:19)
7. The Jungler (3:42)
8. He Tried To Escape (4:30)
9. Mopper’s Medley (5:00)
10. No One Knew Where We Were (5:04)
11. Anabel (2:24)
12. Mr. Amateur (2:09)




„Bamnan And Silvercork“ von der amerikanischen Band Midlake aus dem Jahr 2004 kann ganz schön nerven. Und zwar immer dann, wenn es zu sehr in die Richtung Synthie-Pop geht. Und das passiert leider immer wieder. Und auch der Gesang von Tim Smith geht einem irgendwann auf den Senkel, da er so unakzentuiert und monoton ist, dass man schwerlich seine Augen offenhalten kann. Klar, stimmlich erinnert das Ganze manchmal sogar ein wenig an Thom Yorke von Radiohead, erreichen kann Tim Smith diesen allerdings nicht.

Zu den Liedern des ersten Albums der Texaner. Da gibt es so Stücke wie „I Guess I’ll Take Care“, welches es schafft, selbst bei einer Spieldauer von nur 3:20 Minuten, so etwas von zäh zu sein, dass die Nummer auch als Ersatz für dieses Adjektiv stehen könnte. „No One Knew Where We Were“ geht in fast dieselbe Richtung, mit dem Unterschied, dass hier der Synthesizer-Sound noch zusätzlich nervt. Das klingt alles so künstlich und billig und es macht einfach keinen Spaß, sich solch ein Lied anzuhören. Und dieser Keyboard-Sound, der an ein Casio-Gerät der späten 70er oder frühen 80er Jahre erinnert, ist es auch, der das Lied „Mopper‘s Medley“ immer wieder zunichte macht.

Der Opener „They Cannot Let It Expand” beginnt genauso. Hier wird der Hörer allerdings immer wieder von einer ganz netten Melodie eingefangen. Und gegen Ende des Stücks wird es sogar ein wenig abgefahren und experimentell. Bei „Balloon Maker“ wurden die Synthesizer dann zum Teil auf Big Band Sound getrimmt, obwohl das Lied wahrlich nicht in diese Richtung geht. Das Stück ist ebenfalls eingängig und kann mit seiner Abwechslung überzeugen. Mehrere verschiedene Teile sind hier perfekt aufeinander abgestimmt.

Bei „Kingfish Pies“ kommt dann mal Abwechslung in das Tempo und den Rhythmus, eine angenehme Abwechslung. „Some Of Them Were Superstitious“ startet mit dem Piano und wird dann ebenfalls durch einen unsäglichen Keyboardlauf zerstört, der immer und immer wieder auftaucht. Besser wird es dann im zweiten Teil des Stückes, bei dem dieser Part wegfällt und alles klingt – und das sogar schön. „The Reprimand“ hört sich ein wenig so an, als ob gerade versucht wird den Synthesizer zu stimmen. Das Lied ist allerdings auch nur 1:19 Minuten lang und somit nicht weiter erwähnenswert.

Dann wird es mit „The Jungler“ wieder rhythmisch. Und hier klingen Midlake auch ein wenig von der Musik her nach Radiohead. Dann kommt wieder so ein Synthesizer-Lauf, aber naja, das hatten wir ja schon. Trotzdem hat das Stück noch was. Und auch „He Tried To Escape“ ist zumindest mal interessant. Das liegt wiederum an der Querflöte und einer schönen Melodie, die die Nummer trotz des erneut kitschigen Plastik-Hintergrundsounds manchmal noch hörenswert machen.

„Anabel“ ist eine kleine akustische Nummer, zumindest zu Beginn. Aber auch im weiteren Verlauf hat das Stück eine schöne, wehmütige Melodie. Für „Mr. Amateur“ gilt das mit der Melodie ebenfalls. Zumindest eingängig ist diese. Dazu gesellt sich hier noch mehrstimmiger Gesang, der klasse arrangiert ist.

Fazit: Manchmal etwas viele plastikmäßige Synthesizer-Klänge enthält dieses Album. Doch trotzdem kann man sich diese auch gut anhören, denn immer wieder gibt es sehr überzeugende und eingängige Melodien auf dem Album zu entdecken. „Bamnan And Silvercork“ von Midlake ist zwar nicht der allergrößte Wurf, trotzdem ein Album, welches seine Stärken besitzt und hörenswert ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: Some Of Them Were Superstitious, He Tried To Escape