Sonntag, 22. Juli 2012

Pete Townshend – White City: A Novel





Pete Townshend – White City: A Novel


Besetzung:

Pete Townshend


Gastmusiker – Steve Barnacle, Mark Brzezicki, John (Rabbit) Bundrick, Tony Butler, Peter Hope-Evans, David Gilmour, Simon Clarke, Roddy Lorimer, Dave Sanders, Tim Sanders, Peter Thoms, Chucho Merchan, Pino Palladino, Simon Phillips, Clem Burke, Phil Chen

Backround Sänger – Jackie Challenor, Mae McKenna, Lorenza Johnson, Emma Townshend


Label: SPV


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock


Trackliste:

1. Give Blood (5:47)
2. Brilliant Blues (3:06)
3. Face The Face (5:54)
4. Hiding Out (3:02)
5. Secondhand Love (4:13)
6. Crashing By Design (3:17)
7. I Am Secure (4:00)
8. White City Fighting (4:41)
9. Come To Mama (4:43)


Bonus Tracks:

10. Night School (Bonus) (3:24)
11. Save It For Later (Bonus) (4:59)
12. Hiding Out (12" Mix) (Bonus) (5:51)




Das Album „White City: A Novel“ war bereits das sechste Soloalbum, welches der Gitarrist und hauptsächliche Songschreiber der „The Who“, Pete Townshend, 1986 veröffentlichte. Und dieses Album ist ein großes Album geworden. Perfekte Rock-Musik, die immer wieder mal „angepoppt“ ist, bekommt der Hörer hier zu hören. Perfekt arrangierte Songs, die sofort ins Ohr gehen, die mitreißen können, die sich im Musikzentrum des Gehirns festsetzen und sich von dort einfach nicht mehr verabschieden wollen.

Auf „White City“ gibt es die ruhigeren Stücke (I Am Secure) gleichberechtigt neben den treibenden Nummern (Give Blood, Face The Face). Hier gibt es solch Ohrwürmer wie den Titeltrack „White City“, für den sich David Gilmour von Pink Floyd mitverantwortlich zeigt. Dies ist allerdings die Ausnahme, alle anderen Stücke wurden von Pete Townshend alleine komponiert.

Und auch all die anderen Titel des Albums haben was. Sie klingen nach – und dies ohne Ausnahme. Kein Lied unterschreitet eine gewisse Qualität. Das gilt zumindest für die neun „offiziellen“ Titel, die auch auf der ursprünglichen Plattenversion vorhanden waren. Die erste Zugabe „Come To Mama“ ist da dann schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das Stück soll wohl funkig klingen, aber das ist einfach nicht das Metier des Pete Townshend. „Save It For Later“ ist da schon wieder sehr viel besser. Eine ruhige Nummer, die auch perfekt zu den ersten neun Titeln des Albums passt. „Hiding Out“ ist schließlich noch eine etwas aufgepeppte Version des vierten Stücks, wobei das Original dann doch noch besser klingt

Fazit: „White City: A Novel“ ist so eine Art „Wohlfühlalbum“. Man kann damit nichts falsch machen, die Lieder sind allesamt klasse und es gibt sogar auch richtige Highlights, die die Zeiten überdauern werden. Ich kenne das Album seit dem Erscheinen und immer wieder landet es bei mir auf dem Plattenteller oder im CD Player. Zeitlos gut gemachte Musik, an der man sich nicht überhören kann. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Give Blood, Face The Face, I Am Secure, White City Fighting




Samstag, 21. Juli 2012

Styx – Styx





Styx – Styx


Besetzung:

James Young – guitars, vocals
Dennis DeYoung – keyboards, synthesizers, vocals
John Curulewski – guitar, synthesizers, vocals
Chuck Panozzo – bass guitar, vocals
John Panozzo – drums, percussion, vocals


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Mainstream, Progressive Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. Movement For The Common Man (13:14)
a. Children Of The Land (5:15)
b. Street Collage (1:56)
c. Fanfare For The Common Man (0:46)
d. Mother Nature's Matinee (5:19)
2. Right Away (3:42)
3. What Has Come Between Us (4:57)
4. Best Thing (3:16)
5. Quick Is The Beat Of My Heart (3:52)
6. After You Leave Me (4:05)

Gesamtspieldauer: 33:05




1972 wurde das erste Album der amerikanischen Band Styx mit dem gleichnamigen Titel veröffentlicht. Und es ist sehr interessant zu sehen beziehungsweise zu hören, wie die Anfänge dieser Band klangen, die später, im weiteren Verlauf ihrer Karriere, eigentlich ein Synonym für das Label „AOR“, also Adult Orientated Rock darstellte.

Auf dem ersten Album der Chicagoer Band klingt es noch nicht so glattgeschliffen, so rund, wie auf vielen der späteren Alben. Hier gibt es noch diese Ecken und Kanten, die ein Lied auch mal ausmachen können. Die Platte beginnt mit dem sehr ambitionierten „Movement For The Common Man“. Über dreizehn Minuten ist dieses Stück lang und besteht aus insgesamt vier Teilen. Diese einzelnen Parts wirken allerdings sehr unabhängig voneinander, sodass das Ganze ein klein bisschen zusammengestückelt wirkt. Gerade so, als wäre der Grund für diesen Song gewesen, dass man eben „mal ein langes Lied machen wollte“, weil Lieder über zehn Minuten Länge Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gerade en vogue waren.

Der erste Teil des Stücks „Children Of The Land“ klingt zunächst wie ein ganz normales Mainstream Rock-Lied und wird dann richtig gut, wenn der Gesang endlich schweigt und die musikalischen Ideen in den Vordergrund rücken. Hier klingt die Nummer dann sogar richtig progressiv. „Street Collage“ ist eine Soundcollage aus Alltagsgeräuschen. Man hört einer Unterhaltung zu und verschiedenen Verkehrsgeräuschen. Diese Einlage mündet in dem kurzen „Fanfare For The Common Man“, einer Copeland-Adaption, die ein paar Jahre später von Emerson, Lake And Palmer auf „Works“ in einer knapp zehnminütigen Version zu hören sein wird. „Movement For The Common Man“ endet mit dem Part „Mother Nature's Matinee“. Hier bewegen sich Styx dann auf einer Grenzlinie zwischen Mainstream-Rock und wieder progressiveren Abschnitten. Allerdings sehr schön gemacht, denn hier klingen die Amerikaner richtig gut.

„Right Away“ ist eine eingängige Nummer, die schon sehr in die Richtung abzielt, in die man Styx in den späteren 70ern hantieren sehen wird. Melodiös und ziemlich geradlinig. Mit „What Has Come Between Us” wird es aber sogleich wieder deutlich spannender. Zumindest zu Beginn des Stücks. Hier wird “Hektik” am Piano produziert, bis das Lied in eine elegische und überaus melodiöse Ballade mündet, die zum Schluss sogar rockt. Den Text lassen wir mal außen vor. „Best Thing“ war der erste „Hit“ von Styx. Radiotauglich und bereits mit dem für Styx auch später so typischen Chorgesang ausgestattet. In die gleiche Richtung geht „Quick Is The Beat Of My Heart“. Ganz nett ohne großartigen Eindruck zu hinterlassen. Wobei die beiden Soli von Orgel und Gitarre sogar sehr hörenswert sind. Beschlossen wird das Album durch „After You Leave Me“. Textlich erneut unterste Kajüte, rockt der Song aber nicht schlecht.

Fazit: Es ist interessant zu hören, welche Wurzeln späteren Veröffentlichungen der Band Styx zugrunde liegen. Mit Sicherheit ist dies nicht das beste Debutalbum einer Band, aber man hat auch schon deutlich schlechtere Einstiege gehört. Für Styx-Fans natürlich ein „Muss“ und wer auf guten gemachten, nicht immer ganz geradlinigen Rock steht, der kann hier durchaus auch mal ein Ohr riskieren. Die ganz großen Höhepunkte fehlen dem Album allerdings und blitzen nur hier und da in den einzelnen Liedern auf. Daher auch nur acht Punkte.

Anspieltipps: Movement For The Common Man, What Has Come Between Us



Freitag, 20. Juli 2012

Haindling – Spinn I





Haindling
– Stilles Potpourri



Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Piano, Synthesizer, Tenor-Horn, Tuba, Klarinette, Tenor-, Alt- und Sopran-Saxophon, Akkordeon, Xylophon, Perkussion, Vocoder


Gastmusiker:

Ulrike Böglmüller – Gesang
Heinz Josef Braun – Bass
Peter Enderlein – Schlagzeug
Christian & Christian, Gunnar, Markus und Michael aus Tutzing – Kinderstimmen bei „Schwarzer Mann“


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Spinn I (3:27)
2. I hob heid frei (2:42)
3. Schwarzer Mann (3:21)
4. Wos Wuist'n du (2:24)
5. Unicum (2:24)
6. Walzer (3:00)
7. Aber Du (3:13)
8. Ganz alloans (3:58)
9. Gemein (2:31)
10. Bleib (2:31)
11. Sauerstoff (2:59)
12. Ich bin zufrieden (2:03)
13. Buchstabennudelsuppenweisheit (2:40)
14. Hollaro (0:33)




1985 veröffentlichten Haindling, alias Hans-Jürgen Buchner, bereits ihr drittes Album mit dem Titel „Spinn I“. Und auf dieser Platte war nun ganz deutlich eine Entwicklung zu beobachten beziehungsweise zu erhören. Eine Entwicklung in Richtung zum Pop, der zwar immer noch niederbayrisch unterfüttert wurde, allerdings nicht mehr dieses Alleinstellungsmerkmal hat, wie es noch auf den ersten beiden Veröffentlichungen zu hören war.

Ein gutes Beispiel hierfür ist gleich der Opener und das Titellied „Spinn I“. Eine fast schon discopopartige Nummer, die nur noch durch den Gesang an die vorherigen Platten erinnert. Die immer wieder eingesungenen oder eingesprochenen italienischen Sätze runden das Bild noch ein wenig mehr in Richtung: „Leider nicht besonders hörenswert“ ab. Und auch die Stücke „I hob heid frei“ und „Wos Wuist'n du“ sowie „Aber du“ sind allzu eingängig und erinnern schon sehr an Schlagermusik.

Aber es gibt sie auch auf „Spinn I“, diese Höhepunkte, die die Musik des Hans-Jürgen Buchner zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Da ist zum Beispiel das, vom Text her wieder etwas skurrile, „Schwarzer Mann“. Dazu gesellt sich eine nette Melodie, die sogar groovt und fertig ist eines der Höhepunkte des Albums. Dies ist auch das Lied „Ganz alloans“. Hier ist sie wieder diese melancholische Traurigkeit, die immer wieder in den Liedern von Haindling auftaucht und diese Musik nun wirklich doch zu etwas ganz Besonderem macht. Bei Depressionen sollte man diese Art von Liedern des Niederbayern allerdings unbedingt meiden.

Absolut witzig und mit einer schönen Melodie ausgestattet ist „Ich bin zufrieden“. Dazu gesellt sich noch ein verfremdeter und wirklich überraschender Gesang. Klasse gemacht. In dieselbe Kategorie „witzig“ passt auch das Lied „Gemein“. Solche Art der Musik, mit diesen Texten, habe ich bisher noch von keiner anderen Band gehört. Das Lied ist jetzt nicht gerade der Höhepunkt der musikalischen Kreativität, ein wenig hektisch sogar, aber überaus beeindruckend. Schön verträumt klingt dagegen die Nummer „Bleib“, wohingegen „Buchstabennudelsuppenweisheit“ wiederum eines dieser schönen Klavierstücke darstellt, die man auch immer wieder von Haindling hört. Und nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch das Lied „Unikum“. Mitreißend wie hier Musikstile verschiedener Regionen der Erde miteinander verwoben werden.

Fazit: „Spinn I“ bietet immer wieder ein uneinheitliches Bild. Da gibt es richtig schöne Nummern, die mal sentimental klingen, ein anderes Mal wiederum packend sind. Und dann gibt es da auch ein paar Stücke, die sich allzu sehr anbiedern, zu sehr auf die Hitparaden abzielen. Allerdings überwiegen doch die „besseren“ Stücke auf der Platte, die das Album wirklich lohnenswert machen. Es sind zwar vielleicht nicht mehr ganz so außergewöhnliche Höhepunkte auf der Platte, wie auf den beiden vorherigen Alben, trotzdem ist „Spinn I“ wahrlich kein schlechtes Album und für Fans der „verbayerischten Pop-Musik“ sowieso ein uneingeschränktes Muss. Dafür gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Schwarzer Mann, Unicum, Ganz alloans, Gemein, Bleib, Ich bin zufrieden, Buchstabennudelsuppen-weisheit




Donnerstag, 19. Juli 2012

Elbow – Build A Rocket Boys!





Elbow – Build A Rocket Boys!


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keyboards
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums


Gastmusiker:

Margit Van Der Zwan – cello
Adrianne Wininsky – cello
Hallé Youth Choir – additional vocals
Gregory Batsleer – Your Choir Director
Joe Duddell – Choir Conduction
Stella Page – viola, violin
Bob Marsh – trumpet, flugelhorn
John Mosely – vocals


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. The Birds (8:04)
2. Lippy Kids (6:06)
3. With Love (4:12)
4. Neat Little Rows (5:40)
5. Jesus Is A Rochdale Girl (3:18)
6. The Night Will Always Win (4:25)
7. High Ideals (5:39)
8. The River (2:51)
9. Open Arms (4:54)
10. The Birds (Reprise) (1:32)
11. Dear Friends (5:01)




Der Minimalismus steht ein wenig im Vordergrund auf dem fünften Studioalbum von Elbow aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Build A Rocket Boys!“. Minimalismus mit einem Hang zur Monotonie. Monotonie, die fast schon ein wenig hypnotisierend wirkt, wenn ein Ton oder aber ein Lauf immer und immer wiederholt beziehungsweise nur ganz zart variiert wird. Und dieser Minimalismus, diese Monotonie ist wahrlich perfekt gesetzt ohne, dass dies auch nur im Mindesten negativ gemeint wäre. Diese Wiederholungen einzelner Parts sind so perfekt gesetzt, sodass hier nie auch nur der Hauch von Langeweile entstehen kann. Im Gegenteil, es entwickelt sich Spannung. Dazu gesellt sich die Stimme Guy Garveys, die immer im Vordergrund steht und die dieser wieder trefflich verzweifelt und melancholisch einzusetzen weiß.

Sehr schön beginnt das Album mit dem achtminütigen “The Birds“, welches sich langsam, ganz langsam steigert. Ab etwa Minute 3:30 erinnert das Lied dann ein wenig an Kompositionen Peter Gabriels auf dessen dritter und vierter Platte. Hier wird allerdings nichts kopiert, hier werden nur Erinnerungen musikalischer Art erzeugt. Schön und ein wenig elegisch ist anschließend „Lippy Kids“, welches als Textzeile auch den Titel des Albums „Build A Rocket Boys!“ enthält. Dazu gesellt sich ein summender Hintergrundchor und obwohl in diesem Stück ein Piano-Ton immer und immer wiederholt wird, klingt hier alles wunderschön eingängig und melodiös.

Im weiteren Verlauf des Albums gibt es noch jede Menge zu entdecken. Und dabei sind ausdrücklich Texte wie Melodien gemeint. Die Stücke sind meist ruhig gehalten und bestechen immer wieder durch diese wunderbare Klarheit und Einfachheit, durch die Redundanz an Text und Musik, die dann doch mit Monotonie so gar nichts mehr gemeinsam hat. Das, was man zu hören bekommt ist gerade deswegen beeindruckend, weil es auf den ersten Blick (aber nur auf den ersten!) so schlicht wirkt.

„Build A Rocket Boys!“ ist perfekt arrangiert und genauso gut abgemischt. Die Qualität der Lieder kann allerdings gegen Ende des Albums nicht ganz gehalten werden. Hier wird es dann nicht mehr ganz so einprägsam, auch wenn noch die ein oder andere Überraschung auf den Hörer wartet (The Birds (Reprise), Open Arms).

Fazit: Ein schönes und eindrucksvolles Album ist Elbow da gelungen. Ein Album der leisen Töne, welches immer wieder durch seine Schlichtheit besticht. Alles passt wunderbar zusammen, ist perfekt aufeinander abgestimmt. „Build A Rocket Boys!“ ist eines der Höhepunkte im Schaffen von Elbow geworden. Sehr empfehlenswert und dafür gibt es elf Punkte.

Anspieltipps: The Birds, Lippy Kids, With Love, Open Arms, The Birds (Reprise)



Mittwoch, 18. Juli 2012

Foo Fighters – The Colour And The Shape





Foo Fighters – The Colour And The Shape


Besetzung:

Dave Grohl – vocals, guitar, drums
Pat Smear – guitar
Nate Mendel – bass
William Goldsmith – drums


Gastmusiker:

Lance Banks, Chris Bilheimer, Ryan Boesch – handclaps


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Alternative


Trackliste:

1. Doll (1:23)
2. Monkey Wrench (3:51)
3. Hey, Johnny Park! (4:08)
4. My Poor Brain (3:33)
5. Wind Up (2:30)
6. Up In Arms (2:16)
7. My Hero (4:20)
8. See You (2:26)
9. Enough Space (2:36)
10. February Stars (4:50)
11. Everlong (4:09)
12. Walking After You (5:04)
13. New Way Home (5:40)




Bis 1994 war Dave Grohl noch Schlagzeuger bei Nirvana. Nach dem tragischen Tod von Kurt Cobain und der Auflösung der Band, gründete Grohl die Foo Fighters, bei denen er sich nun für den Gesang und die Gitarren zuständig sah. „The Colour And The Shape“ ist das zweite Album der Foo Fighters, welches 1997 veröffentlicht wurde und die Band noch in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung zeigt, auch wenn Schlagzeuger William Goldsmith die Foo Fighters noch während den Aufnahmen verließ.

„Grunge“ ist das nicht mehr, was man auf „The Colour And The Shape“ hört. Somit unterscheidet sich die Musik der Foo Fighters schon deutlich von der aus Nirvana Zeiten. Das Ganze geht mehr in die Richtung geradliniger Rock, der mitunter etwas punkig angehaucht ist. Und dabei handelt es sich um gut gemachten Rock. Auf dem zweiten Album der Foo Fighters gibt es kein Stück, welches von der Qualität her nach unten ausreißt. Alles passt zusammen und man kann die Dauer der Laufzeit durchgängig genießen.

Ruhigere Stücke wie „February Stars“ (welches gegen Ende allerdings deutlich an Fahrt aufnimmt) oder „Walking After You“ werden genauso klasse umgesetzt, wie zum Beispiel einer der „Hits“ der Band „Everlong“. Ebenso mitreißend klingt „Hey, Johnny Park!“, ein Lied, welches von seinem Wechselspiel zwischen lauteren und leiseren Abschnitten lebt. Und wer es lieber gerade durchgerockt mag, der kommt zum Beispiel bei den Titeln „Monkey Wrench“ und „Wind Up“ auf seine Kosten.

Eine schöne Abwechslung stellt die Nummer „See You“ dar, die irgendwie sogar ein wenig schräg klingt und das ganze Album ein bisschen auflockert. Und nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch der letzte Track „New Way Home“. Überaus eingängig weist dieses Stück im Mittelteil eine wirklich klasse arrangierte Steigerung auf. Da wippt der Fuß automatisch mit, ob man will oder nicht.

Fazit: Das erste Album, welches Dave Grohl zusammen mit einer Band und nicht in Eigenregie eingespielt hat, ist wahrlich gut geworden. Geradlinigerer Rock wird hier geboten, verpackt in immer wieder hörenswerten Melodieläufen. Und sogar für die Headbanging-Fraktion wird hier einiges geboten, genau wie für die Freunde des eingängigen Rocks. Dave Grohl hat mit seinen Foo Fighters auf „The Colour And The Shape” die Musik nicht neu erfunden, aber eine Platte vorgelegt, die man immer wieder gerne anhört, wenn man auch mit etwas härterem Rock etwas anfangen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Monkey Wrench, Hey, Johnny Park!, Everlong, Walking After You, New Way Home



Dienstag, 17. Juli 2012

The Airborne Toxic Event – The Airborne Toxic Event





The Airborne Toxic Event – The Airborne Toxic Event


Besetzung:

Mikel Jollett – vocals
Steven Chen – guitar
Noah Harmon – bass
Anna Bulbrook – viola, keyboards
Daren Taylor – drums


Label: Island / Universal


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Wishing Well (3:57)
2. Papillon (3:17)
3. Gasoline (3:20)
4. Happiness Is Overrated (3:11)
5. Does It Mean You’re Moving On? (2:13)
6. This Is Nowhere (2:49)
7. Sometime Around Midnight (5:03)
8. Something New (3:07)
9. Missy (3:39)
10. Innocence (6:52)
11. The Winning Side (4:16)
12. This Losing (3:39)
13. The Girls In Their Summer Dresses (3:20)




Das Album des amerikanischen „The Airborne Toxic Event” mit dem gleichnamigen Namen, beginnt mit „Wishing Well“ ziemlich vielversprechend. Eine schöne treibende Rock-Nummer ist das, die auch ihre Pop-Anteile in sich trägt und spannend ist. Schöne Melodie, guter Groove, da macht es Spaß zuzuhören. Mit „Papillon“ wird dann auch weitergerockt, Sänger Mikel Jollett variiert sehr schön seine Stimme, allerdings wird es hier irgendwie schon „zu leicht“ eingängig. Ausschlaggebend ist dafür nicht zuletzt dieser seltsame Keyboardlauf, den man so von der Neuen Deutsche Welle her kennt. „Gasoline“ rockt dann wieder ein wenig mehr. Nicht schlecht gemacht, aber richtig packen kann das Lied nicht.

Und jetzt könnte man Lied für Lied durchgehen. Aber das ist das Manko dieser Platte. Alles ist auf irgendeine Art und Weise nicht schlecht, aber begeistern kann es leider auch nicht. Mal ganz nett zum Anhören, meistens auch eingängig, manchmal auch ein bisschen „platt“ eingängig, wenn es sich um Refrains handelt, die zum Mitgrölen gemacht wurden.

Das „Airborne Toxic Event“ klingt immer dann gut, wenn von diesem allzu eingängigen und flachen Pfad abgewichen wird. Gutes Beispiel hierfür ist das Lied „Sometime Around Midnight“, welches eine klasse Steigerung aufweist, ebenfalls ins Ohr geht, dort allerdings auch deutlich länger hängenbleibt. Die Nummer ist klasse arrangiert, denn dieses „Anwachsen“ des Liedes kann richtig begeistern.

Fazit: Das Album wie die Band „The Airborne Toxic Event“ haben immer dann ihre Stärken, wenn sie anders klingen und nicht diese manchmal ein wenig „anbiedernde“ Schiene fahren. Schlecht ist das Album wahrlich nicht, was Besonderes findet man auf ihm allerdings auch nicht allzu häufig. Musik hat für mich immer dann etwas, wenn sie hängenbleibt. Auch dann noch, wenn sie nicht mehr im CD-Spieler liegt und man denkt, „Mensch, die Scheibe muss ich mal wieder einlegen!“. Bei „The Airborne Toxic Event“ besteht ein wenig die Gefahr, dass man sie vergisst. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Wishing Well, Sometime Around Midnight, This Losing



Montag, 16. Juli 2012

Haindling – Stilles Potpourri





Haindling – Stilles Potpourri


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Fender-Rhodes, Tenor-, Alt- und Sopran- Saxophon, Tenor Horn, Tuba, Bass Synthesizer, Orgel, Synthesizer, Piano, Akkordeon, Kinderklavier, Rhythmusmaschine, Flipperkasten, String-Synthesizer, Posaune


Gastmusiker:

Heinz Josef Braun – Bass
Peter Enderlein – Schlagzeug
Ulrike Böglmüller – Gesang, Flüsterstimme
Michael Braun – Trompete
Roald Raschner – Synthesizer, Bass-Synthesizer


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Mo Mah Du (3:53)
2. Lang scho nimmer g'sehn (3:55)
3. Flipper-Samba (4:48)
4. Du Depp (2:05)
5. Hoidzscheidl-Rap (3:13)
6. Schürzenjager (2:15)
7. Hello Baby (4:00)
8. Stilles Potpourri (3:11)
9. Tschu-Tschu (3:02)
10. 3 Hellseher (5:26)
11. Draissg Kilomedta (3:30)
12. 3 x 3 = 9 (1:22)




Auch wenn der ganz große Überraschungs-Coup bereits mit dem ersten Album von Haindling, alias Hans-Jürgen Buchner, gesetzt worden war, so kann auch das zweite Album des Niederbayern, „Stilles Potpourri“ aus dem Jahr 1984 überzeugen.

Auch auf dieser zweiten Platte gibt es wieder jenen wunderschönen und etwas skurrilen Wortwitz zu bewundern, der dazu noch in richtig gute Melodien eingebettet ist. Beispielhaft stehen dafür die beiden Stücke „Mo Mah Du“ und „Du Depp“. Auf die Ideen für diese Texte muss man erst einmal kommen. Wirklich klasse gemacht und ein Grinsen entfaltet sich auf dem Gesicht des Hörers. Etwas allzu schlageresk wird es mit „Lang scho nimmer g'sehn“. Dieses Lied schaffte es sogar in die deutschen Hitparaden. Die Deutschen lieben ganz offensichtlich Schlagermusik.

Zwei Fehlgriffe finden sich auch auf der Platte. Der „Hoidzscheidl-Rap“ ist unsäglich und grauenvoll. Da ist jeder Schlager ein Geniestreich dagegen. Und auch „Tschu-Tschu“ strapaziert einem ganz schön die Nerven, wenn er auch nicht ganz an das schlechte Niveau dieses „Raps“ heranreicht. Aber es gibt auch noch weitere kleine Perlen, wie das erneut etwas skurrile „3 Hellseher“. Zu hoffen ist dabei nur, dass Hans-Jürgen Buchner den Text nicht ernst meint…. „Schürzenjäger“ ist ein kurzes und lustiges Instrumentalstück, welches von den Bläsereinlagen lebt und der Titelsong „Stilles Potpourri“ ist so wunderschön melancholisch, sentimental und ein bisschen traurig und wehmütig.

Und dann warten am Ende des Albums noch zwei Höhepunkte, nein die Höhepunkte der Platte. „Draissg Kilomedta“ hat eine wunderschöne Melodie, die vom Piano getragen wird. Hier hört man auch nur Hans-Jürgen Buchners Gesang sowie sein Piano. Dazu ist das Lied so „wunderschön verzweifelt“. Richtiggehend ergreifend. Und dann auch noch dieser Text dazu – einfach klasse gemacht. Schließlich gibt es dann noch das letzte Stück „3 x 3 = 9“ Vom Text her das absolute Trinkerlied nach der Devise „Eine geht noch, eine geht noch rein…“. Von der Musik her allerdings wieder ein Piano Solo und dazu der Gesang. Alles wirkt irgendwie verschwommen und passt von der Musik her, die wiederum sehr melodiös ist, so überhaupt nicht zum Text. Und gerade darin liegt der Reiz dieses Liedes, welches einen tollen Abschluss für dieses Album darstellt.

Fazit: Nicht alles ist klasse auf „Stilles Potpourri“, allerdings gibt es viele gute Lieder und einige, die sogar richtig klasse geworden sind. Hans-Jürgen Buchner macht keine 08/15-Musik mit Haindling. Vieles ist hier hintersinnig, vieles ist überraschend, klingt überaus bayrisch und ist so wunderschön melodiös. Dazu gesellen sich noch überaus witzige Texte, die auch das zweite Album des Niederbayern zu einem Erlebnis werden lassen. Somit hat sich „Stilles Potpourri“ zehn Punkte verdient.

Anspieltipps: Mo Mah Du, Du Depp, Stilles Potpourri, Draissg Kilomedta, 3 x 3 = 9



Sonntag, 15. Juli 2012

Peter Gabriel – Us




Peter Gabriel – Us


Besetzung:

Peter Gabriel – voice, programming, triangle, keyboard bass, keys, harmonica, mexical flute


Gastmusiker:

Manu Katche – drums
The Babacar Faye – drummers, sabar drums
Doudou N'Diaye Rose – drum loop
David Bottrill – programming
Tony Levin – bass
David Rhodes – guitar
Daniel Lanois – shaker, guitar, additional vocals
Richard Blair – additional keyboards
Chris Ormston – bagpipes
Levon Minassian – doudouk
Sinead O'Connor – vocals
Dmitri Pokrovsky Ensemble
Hossam Ramzy – tabla
Daryl Johnson – hand drum
William Orbit – programming
Bill Dillon – guitar
Brian Eno – additional keys
Shankar – violin
Caroline Lavelle – cello
Gus Isidore – bridge guitar
Leo Nocentelli – guitar
Tim Green – tenor sax
Reggie Houston – baritone sax
Renard Poche – trombone
Bill Dillon – guitar
Kudsi Erguner – ney flute
Ayub Ogada – vocals
Babacar Faye – djembe
Assane Thiam – tama, talking drum
Hossam Ramzy – surdu
Peter Hammill – additional vocals
Richard Macphail – additional vocals
John Paul Jones – surdu, bass and keyboards
Richard Evans – mandolin, mix engineer
The Adzido Drummers – additional percussion loop
Manny Elias – senegalese shakers
Marilyn McFarlane – vocals
Malcolm Burn – additionall synthesizer cello


Label: Realworld


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Come Talk To Me (7:06)
2. Love To Be Loved (5:18)
3. Blood Of Eden (6:38)
4. Steam (6:03)
5. Only Us (6:32)
6. Washing Of The Water (3:52)
7. Digging In The Dirt (5:18)
8. Fourteen Black Paintings (4:37)
9. Kiss That Frog (5:20)
10. Secret World (7:02)

Gesamtspieldauer: 57:49



Dieses Mal ließ sich Peter Gabriel sechs Jahre Zeit, bis er nach „So“ mit „Us“ sein sechstes Solo-Album veröffentlichte. Und bei „Us“ zeigte sich, dass einmal eingeschlagene Wege von Peter Gabriel weiter konsequent verfolgt wurden. Das gilt zum einen für die Kürze des Album-Titels, genau wie für die Richtung der Musik hin zu Liedern, die immer mehr dem Mainstream zugeordnet werden können und immer radiotauglicher wurden. Und noch etwas wiederholte Peter Gabriel auf „Us“: Ein Duett mit einer bekannten Sängerin. Waren es auf der Vorgänger-Platte noch Kate Bush und Laurie Anderson, die den Briten unterstützten, so war es sechs Jahre später Sinead O’Connor, die eine Gesangslinie beisteuerte.

Das Album beginnt mit „Talk To Me“. Einer schönen und rhythmischen Nummer, in der auch Dudelsackklänge zu vernehmen sind. Das Lied kommt in etwa in der Tradition von „Red Rain“ aus dem Vorgängeralbum daher. Eindringlich und packend ist diese Nummer, bei der Sinead O’Connor einige Gesangsparts übernimmt. Schön und gelungen ist auch „Love To Be Loved“. Hier wirkt jetzt alles wieder ein wenig leichter, schwebender. Das Lied besitzt eine eingängige Melodie und bleibt nicht zuletzt deswegen auch hängen. Mit „Blood Of Eden“ lassen sich ebenfalls wieder Parallelen zum Vorgängeralbum ziehen. Hier jetzt allerdings zu den ganz ruhigen Liedern. „Blood Of Eden“ klingt sehr getragen und lebt von seiner Atmosphäre. Der Nachteil liegt dabei im Refrain verborgen, der nur allzu schnulzig und übertrieben melancholisch klingt. Und das gilt für die Musik, wie für den Text.

Es folgt mit „Steam“ so etwas wie der Tiefpunkt des Albums. Überaus eingängiger und rhythmischer Pop wird hier dargeboten. Ganz im Sinne von „Big Time“ vom Vorgängeralbum. Was allerdings mit „Sledgehammer“ wunderbar funktioniert hat, passt hier gar nicht mehr. Aber zumindest wurde das Stück des Öfteren im Radio gespielt. Mit „Only Us“ bewegt sich Peter Gabriel wieder auf „Weltmusik“-Pfaden. Afrikanische Klänge wurden dem Lied beigemischt, welches aber immer noch als Peter-Gabriel-Lied zu erkennen ist. „Washing Of The Water“ ist im Anschluss daran eine ganz melancholische Nummer. Vom Piano und Peter Gabriels Stimme dominiert, verbreitet das Lied eine sehr sentimentale Stimmung.

Und dann folgt er, der „Hit“ des Albums. „Digging In The Dirt“ ist auch ein Höhepunkt, wenn nicht sogar der Höhepunkt der Platte. Klasse und mitreißend pulsiert das Lied in einer wunderbaren Art und Weise. Dazu wieder der eindringliche Gesang Peter Gabriels mit einem überaus „maroden“ Text. Toll gemacht. Auch das Video zum Lied ist dabei äußerst empfehlenswert. „Fourteen Black Paintings“ ist dann völlig anders gestrickt. Fast schon ausschließlich instrumental gehalten, nur kurz stimmt Peter Gabriel ein paar Textzeilen an, bildet das Lied eine atmosphärische Nummer, die ebenfalls wieder Anleihen der Weltmusik enthält. „Kiss That Frog“ ähnelt in seiner Art dem Stück „Steam“. Ist allerdings noch einen Schritt schlechter gelungen. „Secret World“ stellt schließlich den Abschluss des Albums dar. Und dieses Lied war auch Namensgeber für die anschließende Tour Peter Gabriels. Das Lied ist ein Beispiel dafür, dass „ruhig“ und „rhythmisch“ durchaus zueinanderpassen. Nur kurzzeitig wird das Stück ein wenig „lauter“, um dann wieder die vorherige Stimmung zu transportieren.

Fazit: „Us“ ist wohl das „schlechteste“ Peter Gabriel Solo-Album. Obwohl „schlecht“ das völlig falsche Adjektiv ist. Aber der Musiker hat mit seinen anderen Veröffentlichungen die Latte eben sehr hoch gelegt. Auf „Us“ gibt es einige gute Lieder zu hören, allerdings auch 08/15-Ware. Das Ganze ist radiotauglicher geworden und sehr viel mehr auf die breite Masse der Musikhörenden ausgerichtet. Dass damit auch Ecken und Kanten verschwinden, die Musik manchmal so hörenswert machen, muss dann wohl so sein. Und, nein, „Us“ ist kein schlechtes Album. Nur eben nicht mehr ganz so gut wieder der Rest des Ex-Genesis-Sängers. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Come Talk To Me, Love To Be Loved, Washing Of The Water, Digging In The Dirt, Fourteen Black Paintings

Samstag, 14. Juli 2012

Hans Albers - Golden Greats





Hans Albers - Golden Greats



Irgendwann kaufte ich mir diese CD Box von Hans Albers. “Golden Greats”, eine drei Cds umfassende Veröffentlichung. Darauf all die Klassiker von “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” bis “Goodbye Johnny”. Doch was den Sänger Hans Albers ausmachte, war seine Vielseitigkeit, immer ein bisschen genuschelt, immer ein bisschen der Lebemann in der Stimme. Albers’ Lieder sind zeitlose Hits. Unterstützt von einem Orchester wandelte er durch die Zeiten, Geschichten erzählend, teils tief, teils humorvoll. Aus heutiger Sicht scheinen einige der Songs politisch nicht korrekt zu sein, ein Titel wie “Das Lied vom Nigger Jim” wäre heute undenkbar. Doch das ist eben aus heutiger Sicht. Hans Albers war nicht nur ein großer Schauspieler und Entertainer, er war auch jemand, der sich vom nationalsozialistischen Regime nicht einbeziehen ließ. Er weigerte sich eine Auszeichnung vom Propagandaminister Goebbels überreicht zu bekommen und half seiner langjährigen jüdischen Lebenspartnerin ins sichere England zu kommen. Nach dem Krieg waren sie wieder vereint.

Hans Albers war kein großer Sänger und dennoch seine Lieder sind herausragend. Er hatte diese bestimmte Art zu präsentieren. Er ging ganz in den Liedern auf und schauspielerte sich hindurch. Beeindruckend, bewegend, zeitlos gut. Hans Albers ist für mich einer der ganz großen deutschen Sänger, Schauspieler, Entertainer. Einer, den man neu entdecken sollte. Die CD Box “Golden Greats” ist ein guter Start, die weite Welt des Hans Albers zwischen Hamburg-Reeperbahn und Tahiti kennenzulernen.




Freitag, 13. Juli 2012

Woody Guthrie - Woody At 100





Woody Guthry - Woody At 100



Am 14. Juli 1912 wurde Woodrow Wilson “Woody” Guthrie geboren. Nur 55 Jahre wurde er alt und prägte dennoch wie kein anderer die amerikanische Musiklandschaft. Von Bob Dylan bis Bruce Springsteen, von Ramblin’ Jack Elliott bis Pete Seeger und Billy Bragg sie alle erklären, dass dieser Mann aus dem kleinen Prärie-Städtchen Okemah in Oklahoma ihr größter Einfluß war.

Woody Guthrie war ein rastloser und reisender Geschichtenerzähler, ständig unterwegs, der von einem auf den anderen Moment seine Sachen packet und weiterzog. Er hatte die Begabung hinzusehen und zuzuhören. Immer wurde er mit einem Notizbuch angetroffen, in das er Songideen, und Gedichte schrieb, Essays und Briefe, philosophische Gedanken, witzige Begebenheiten und kleine Illustrationen malte. Den Farm- und den Minenarbeitern hörte er genauso zu, wie den Seemännern und den fahrenden Landarbeitern, den sozial Gestrandeten und den Gescheiterten, jenen, für die der “American Dream” nur Tagträumerei war. Hin und wieder, gerade in seinen Anfangsjahren als singender Poet, griff er auch mal selbst zur Schaufel, doch das Arbeiterleben war nichts für ihn, er war vielmehr das Sprachrohr des “Blue Collar America”, des arbeitenden Volkes.

Guthrie nahm die Geschichten und und das Erlebte auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten Amerikas auf und vertonte sie auf seine einzigartige Art und Weise. Er brauchte nicht viel, eine Gitarre, hin und wieder eine Mundharmonika und schon hörte man ihm zu. Seine leicht nasale Stimme, sein Genuschel, oftmals traf er die Töne nicht voll und dennoch, Woody Guthrie ist einer der bedeutendsten Sänger und Songschreiber, die Amerika jemals hervorgebracht hat. Sein Freund und Nobelpreisträger John Steinbeck, Autor des großartigen Romans “Früchte des Zorns”, war angetan von Guthries Lieder und meinte, “Ich brauche einen ganzen Roman dafür, um das zu sagen, was der kleine Bastard in ein paar Versen sagt”.

Seine Karriere war nur kurz. Anfang der 50er Jahre wurde er mit der Huntington Krankheit diagnostiziert, einer unheilbaren Erkrankung des Gehirns, die Bewegungsstörungen und psychische Symptome hervorruft. Es war ein langsamer Tod, der ihm erst seinen Verstand raubte, dann seinen Körper angriff und ihm schließlich am 3. Oktober 1967 das Leben kostete.

Auch fast 45 Jahre nach seinem Tod sind seine Lieder zeitlose Dokumente eines Landes im Umbruch, im Aufbruch, in Bewegung. Guthrie hielt der Nation lange Jahre den Spiegel vor. Er wurde vom FBI beobachtet, viele sahen in ihm den Wanderkommunisten, der mit seiner Gitarre bewaffnet das Proletariat politisch agitierte. Doch Woody Guthrie war vielmehr der Wanderbarde, ein Storyteller, der im Land die Stimmungen aufnahm und genau darüber woanders sang.

Nun zum 100. Geburtstag hat Smithsonian Folkways eine beeindruckende CD Box in Buchform veröffentlicht. “Woody at 100” beinhaltet drei CDs mit Klassikern und zum Teil unveröffentlichten Live-Aufnahmen und sogar sechs bislang unbekannte Originalversionen wurden für diese Box ausgegraben. Der erste Song ist eine stark verrauschte Version von “This land is your land”. Und doch, gerade so, in dieser nicht klangreinen Fassung ist sie am tiefsten und schönsten. Begleitet wird diese CD-Veröffentlichung von einem 150 Seiten dicken Buch, in dem Woody Guthries Geschichte anhand vieler Photos und Dokumente erzählt wird. Auch gibt es Hintergrundinformationen zu den einzelnen Songs. Smithsonian Folkways hat erneut eine wunderbare Box veröffentlicht, mit viel Liebe zum Detail zusammen gestellt, die einen Sänger und Songschreiber präsentiert, der “one of a kind” war.

Woody Guthrie glaubte an die Kraft des Liedes. Auf seiner Gitarre hatte er einen Aufkleber “This machine kills fascists”, dieser Apparat tötet Faschisten. Er war vom friedlichen Wandel überzeugt, von der Macht des Wortes, von der Stärke der Unterdrückten und Benachteiligten. Sein politischer Aktivismus, sein soziales Engagement, sein nicht wegsehen vor dem, was um ihn herum passierte machte Woody Guthrie zu einem Ausnahmemusiker, der noch heute geliebt und geschätzt wird. Er schrieb Kinder- und Liebeslieder, politische Songs und Unmengen an Liedern über den “Dust Bowl” die Zustände der amerikanischen Landarbeiter in den 30er Jahren. Woody Guthrie war Amerikaner durch und durch. Wohl kein anderer Musiker konnte jemals einen so zeitlosen Song ohne pathetischen und patriotischen Unterton über die USA schreiben, wie Woody Guthrie mit “This land is your land, this land is my land…from California, to the New York Islands”.



Donnerstag, 12. Juli 2012

Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts





Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts


Besetzung:

John Lees – lead guitar, acoustic guitar, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion
Les Holroyd – bass, acoustic guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1975 / 2003


Stil: ArtPop, Symphonic Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. In My Life (4:41)
2. Sweet Jesus (3:30)
3. Titles (3:49)
4. Jonathan (4:48)
5. Beyond The Grave (4:08)
6. Song For You (5:21)
7. Hymn For The Children (3:41)
8. Moongirl (4:52)
9. One Night (5:25)


Bonus Track:

10. Child Of The Universe (Remake for planned US Single) (2:48)




1975 veröffentlichte die englische Band Barclay James Harvest ihr sechstes Album mit dem Titel „Time Honoured Ghosts“. Die Stücke stammen dabei hauptsächlich von Les Holroyd und John Lees. „Beyond The Grave“ wurde noch von Stuart Wolstenholme beigesteuert und bei „Titles“ handelt es sich um ein traditionelles Lied, welches von John Lees neu arrangiert wurde.

Die Platter startet gleich richtig gut durch und wer auf mellotron-geschwängerte Musik steht, der kommt mit „In My Life“ bestens auf seine Kosten. Hier klingen Barclay James Harvest so überaus typisch, dass dieses Lied stellvertretend für viele andere Songs der Band stehen könnte. Richtig gut gemacht. Das kann man für den nächsten Titel allerdings nicht mehr behaupten. Barclay James Harvest verarbeiteten in ihren Liedern auch immer religiöse Themen, dass diese allerdings so was von schwülstig dargeboten werden, stellt glücklicherweise eine Ausnahme dar.

„Titles“ ist das dritte Stück des Albums und leider auch ein wenig langweilig geraten. Irgendwie fehlt hier das Feuer in dem Song. Textlich hat sich John Lees dabei in Strophe und Refrain den Scherz erlaubt, eine kleine Reminiszenz an die Beatles darzubieten. Als Beispiel hierfür mal die Textzeilen des Refrains: „Lady Madonna let it be, Something in the way you moved me, Yesterday, All you need is love so they say“. So ist der Name des Stücks auch gleichzeitig “Omen”. Besser wird das Lied dadurch jedoch leider auch nicht. Es schafft es nicht einen richtig zu packen.

„Johnathan“ ist im Anschluss daran sehr ruhig gehalten und wird im weiteren Verlauf richtiggehend elegisch. Das Mellotron zaubert wieder einen breiten und satten Klangteppich, auf dem es sich herrlich herumwälzen lässt. „Beyond The Grave“ ist schließlich Stuart Wolstenholmes Auftritt. Und auch hier bleibt festzuhalten: Das hat er schon mal besser gemacht. Klar, alles klingt wieder fett und vollgesogen, das Mellotron und die Synthesizer geben ihr Bestes, allerdings langweilt das Ergebnis ein wenig. Das wirkt nicht nur beim Gesang zu süß und getragen, dem Lied fehlt es an dem gewissen Etwas, welches die guten von den schlechten Nummern trennt.

„Song For You“ rockt dann sogar ein wenig los. Die Gitarre klingt und auch der Orgellauf kommt richtig gut rüber. Eine schöne Abwechslung. In der Mitte des Liedes kommt es dann zum Stilbruch und die zarteren Töne sind wieder angesagt. Sehr melodiös geht es dann mit „Hymn For The Children“ weiter. Schön und eingängig ist dieses ruhige Stück und erinnert damit auch an die vielen ruhigen Nummern der ersten Platten, denn in genau dieser Tradition steht „Hymn For The Children“. Und so geht es mit „Moongirl“ auch weiter. Klar Fans der „härteren Töne“ werden hier Schwierigkeiten haben, das ist wahrlich weichgespült und allzu lieblich, was hier jetzt zu hören ist. Aber es bleibt trotzdem hängen.

Beendet wird das ursprüngliche Album durch das Stück „One Night“. Auch dieses Stück ist eingängig und melodiös, wenn sich hier auch der Text immer wieder nur allzu platt anhört. Und dieser befindet sich so, zumindest im Refrain, wohl bereits in einhundert anderen Stücken anderer Bands. Die Zugaben sind dieses Mal auf der remasterten Fassung sehr spartanisch. Es handelt sich nur um ein Stück: „Child Of The Universe“. Das ist natürlich ein guter Song, befindet sich allerdings bereits schon als Bonus Track auf dem Vorgängeralbum – und dort auch noch in einer längeren Version.

Fazit: An den Vorgänger kommt „Time Honoured Ghosts“ nicht heran. Dazu befindet sich einfach zu viel durchschnittliches Material auf der Platte. Klar gibt es hier auch Höhepunkte, diese haben allerdings nicht dieselbe Höhe, wie manch anderer Song auf anderen Platten von Barclay James Harvest. Somit stellt „Time Honoured Ghosts“ sicher kein schlechtes Album dar, allerdings kommt es über den Stand des Durchschnitts auch nicht heraus. Acht Punkte.

Anspieltipps: In My Life, Jonathan, Hymn For The Children, Moongirl, One Night