Sonntag, 9. September 2012

Delicatessen – Skin Touching Water





Delicatessen
– Skin Touching Water



Besetzung:

Neil Carlill – vocals, acoustic guitar, electric guitar, organ, piano
Craig Brown – electric guitar, acoustic guitar, flute
Stuart Dayman – drums, percussion
Pete Capewell – bass guitar


Gastmusiker:

Oliver Langford: strings on tracks 4, 16


Label: Starfish Records


Erscheinungsdatum: Mai 1995


Stil: Rock mit progressiven Ansätzen


Trackliste:

1. I’m Just Alive (3:41)
2. C.F. Kane (3:46)
3. Zebra / Monkey / Liar (3:26)
4. Red, Blue And Green (2:49)
5. Watercress (2:20)
6. Classic Adventure (3:38)
7. Appeased (0:54)
8. Chomsky (3:59)
9. You Cut My Throat, I’ll Cut Yours (2:28)
10. Sick Of Flying Saucers (3:10)
11. Smiling You’re Stupid (2:58)
12. Inviting Both Sisters Out To Dinner (4:30)
13. Advice (1:15)
14. Love’s Liquid (3:40)
15. Froth (3:18)
16. If She Was Anybody Else (4:05)

Gesamtspieldauer: 49:53




Das Erstlingsalbum der vier Engländer, die so gar nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun haben (außer dem Namen), ist ein sehr facettenreiches Werk geworden. Die Platte beginnt mit „I’m Just Alive“ gleich richtig gut. Das Lied lebt von seinem Orgelsound und wirkt fast ein wenig hypnotisierend. Wenn die Nummer auch nicht genau so klingt, so erinnert die Orgel doch ein wenig an den Sound Jon Lords bei Deep Purple. Ganz anders dann jedoch der nächste Track „C.F. Kane“. Ein meist ruhiges, gitarrenlästiges Lied, bei dem zumindest der Anfang des Refrains so auch von Oasis hätte gespielt werden können.

Und abwechslungsreich geht es weiter mit „Zebra / Monkey / Liar“, was fast schon in der Stimmung eines progressiven Rocksongs daherkommt. Nur 3:26 Minuten lang, aber pure Abwechslung. Das Stück wurde gegen Ende ziemlich übersteuert aufgenommen, was den Hörgenuss ein wenig schmälert. Wenn man dann aber zum nächsten Track kommt, weiß man, was sich die Band bei der Produktion dazu gedacht hat. Denn die nächste Nummer wird ganz weich. Eine Violine erklingt und „Red, Blue And Green“ kommt schwebend aus den Boxen. Die Band war wohl auf einem möglichst krassen Gegensatz aus.

Das nächste Stück, „Watercress“, ist dann ein sehr experimentelles Lied und erinnert fast schon an King Crimson der 80er. Wieder eine neue Seite der „Delicatessen“. Aber so ist es die ganze Platte über, bei jedem der insgesamt sechszehn Titel. Kein Lied ähnelt dem anderen und immer wieder wurden völlig schräge Töne mit schönen Melodien kombiniert oder aber abgewechselt.

Klasse das Lied „Chomsky“, bei dem die Querflöte zumindest am Anfang eine Hauptrolle übernimmt oder „Sick Of Flying Saucers“, ein Stück bei dem vor allem der außergewöhnliche Gesang in Erinnerung bleibt.

„Inviting Both Sisters Out To Dinner” ist ein sehr dichtes Lied, was durch seine vielen Rhythmuswechsel gefallen kann. Und auch nicht vergessen werden sollte hier der letzte Track auf dem Album „If She Was Anybody Else“, der zunächst sehr schleppend beginnt, dann aber immer wieder durch den Violineneinsatz eine tolle Wendung erfährt.

Fazit: Ein guter Einstand ist den vier Engländern da gelungen. Die Abwechslung macht es bei diesem Album. Wer Spaß hat an guter Rockmusik, weit entfernt vom Mainstream, der wird an dieser Veröffentlichung auch Gefallen finden. Von mir gibt es dafür zehn Punkte.

Anspieltipps: I’m Just Alive, C.F. Kane, Chomsky, Inviting Both Sisters Out To Dinner, Froth, If She Was Anybody Else




Samstag, 8. September 2012

Ram Jam – The Very Best Of





Ram Jam – The Very Best Of


Besetzung:

William (Bill) Bartlett – guitar
Howie Blauvelt – bass
Peter Charles – drums
Myke Scavone – vocals
Jimmy Santoro – guitar


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Black Betty (3:58)
2. Let It All Out (4:00)
3. Keep Your Hands On The Wheel (3:36)
4. Right On The Money (3:12)
5. All For The Love Of Rock’n‘Roll (3:02)
6. 404 (3:45)
7. High Steppin‘ (3:41)
8. Overloaded (5:55)
9. Hey Boogie Woman (3:09)
10. Too Bad On Your Birthday (3:12)
11. The Kid Next Door (3:23)
12. Turnpike (5:42)
13. Wanna Find Love (3:45)
14. Just Like Me (4:14)
15. Hurricane Ride (4:05)
16. Saturday Night (3:33)
17. Runaway Runaway4:48()
18. Please, Please Please (Please me) (2:55)
19. Gone Wild (3:17)
20. Pretty Poison (4:28)




Die Formation „Ram Jam“ wurde 1974 gegründet und produzierte 1977 ihre erste LP, „Ram Jam“. 1979, nach der zweiten Veröffentlichung, war allerdings alles schon wieder vorbei, die Band löste sich ohne viele Streitigkeiten auf. Bartlett und Blauvelt gaben diesbezüglich als Grund an, wieder mehr Musik schreiben zu wollen - und wieder weniger auf der Bühne stehen zu müssen. Das Album „The Very Best Of“ gibt damit einen sehr guten Überblick über das Schaffen von „Ram Jam“, da auf dieser Kompilation fast alle Titel der zwei Alben enthalten sind.

Dass man sich heute noch an „Ram Jam“ erinnert, liegt an ihrem einen Hit, den sie hatten: „Black Betty“. Somit ist Ram Jam das klassische „One Hit Wonder“. Die meisten Lieder der Band stammen übrigens nicht aus ihrer eigenen Feder. So ist zum Beispiel „Black Betty“ ein Stück von Hudson Ledbetter (1889 - 1949), einem amerikanischen Bluessänger, welches von „Ram Jam“ allerdings klasse, eindrucksvoll und packend interpretiert wurde.

Zur Musik: Wer Ende der 70er beziehungsweise Anfang der 80er Jahre mal in einer Disco war, die sich nicht ausschließlich dem Discosound verschrieben hatte, der kam zur damaligen Zeit an „Black Betty“ nicht vorbei. Und mit den Jahren wurde das Stück zu einem Klassiker, den man als Rockmusikfan einfach kennen muss.

Doch was ist mit den 19 anderen Songs, die sich auf diesem „Best Of“-Album befinden? Alle sind ganz nette Hard Rock-, Rock’n’Roll- oder Blues-Nummern, von denen allerdings leider keine das Potential besitzt, länger im Ohr haften zu bleiben. Einzige Ausnahme vielleicht der Track „Turnpike“, der langsam mit einem Piano beginnt und dabei eine schöne Melodie aufweist. Das Stück steigert sich dann durchaus spannend und entwickelt sich zu einer richtig guten Nummer.

Nun, bei den restlichen 18 Nummern gibt es zwar auch keinen richtigen Ausfall und vielleicht können Blues- und Rock’n’Roll-Freunde damit noch mehr anfangen als ich, aber die Musik packt mich nicht, sie beschäftigt mich nicht und bleibt nicht hängen. Und gerade das muss gute Musik in meinen Augen machen: Hängenbleiben. Nicht, dass man nach dem Hören eines Albums sagt: „War da was?“

Fazit: Bei „Ram Jam“ war da nicht viel. Punkte gibt es aber trotzdem: Zwei für den Klassiker „Black Betty“ sowie einen für das schöne „Turnpike“. Die restlichen 18 Titel erhalten zusammen drei Punkte, da man bei deren Hören zumindest nicht sofort die „Weitertaste“ auf der Fernbedienung betätigen muss und den Titeln wenigstens lauschen kann, ohne gezwungen zu sein, den Raum zu verlassen. Das ergibt summa summarum sechs Punkte.

Anspieltipps: Black Betty, Turnpike




Freitag, 7. September 2012

Camel – Mirage





Camel – Mirage


Besetzung:

Andy Latimer – guitar, flute, vocals
Peter Bardens – keyboards, vocals
Douglas Ferguson – bass
Andy Ward – drums


Label: Deram Records


Erscheinungsdatum: 1974 / 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Freefall (5:54)
2. Supertwister (3:20)
3. Nimrodel / The Procession / The White Rider (9:18)
4. Earthrise (6:42)
5. Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy (12:45)


Bonus Tracks:

6. Supertwister (Live 1974) (3:16)
7. Mystic Queen (Live 1974) (6:07)
8. Arubaluba (Live 1974) (7:48)
9. Lady Fantasy (Original Basing Street Studios Mix 1973) (12:59)

Gesamtspieldauer: 1:08:08




„Mirage“ heißt das zweite Studioalbum der britischen, ursprünglich „Progressive Rock Band“ Camel aus dem Jahr 1974. Und dieses Album beginnt ungewöhnlich rockig für die Band. „Freefall“ knallt ziemlich schnell los - mit einer sehr aggressiven Gitarre und sehr hartem Beat. Das Ganze klingt zu Beginn noch einigermaßen interessant, wird dann aber überaus langweilig, wenn der Gesang einsetzt, denn der will irgendwie nicht so recht zum Rest des Liedes passen. Zwar folgt noch ein ganz nettes Gitarrensolo, aber besonders viel Eindruck hinterlässt dieses Lied nicht.

Besser wird es da bei „Supertwister“. Ein schönes Instrumentalstück, welches vor allem vom Querflötenspiel des Andy Latimer lebt. Und dieses Lied klingt jetzt schon deutlich mehr nach progressivem Rock, wie er in den 70ern des letzten Jahrhunderts gespielt wurde. Noch einen Schritt weiter in diese Richtung geht die Band dann mit „Nimrodel / The Procession / The White Rider“. Aus mehreren Teilen zusammengesetzt, meist melodiös, allerdings auch mit etwas experimentelleren Abschnitten, präsentiert Camel hier wahrlich kein 08/15 Pop-Lied, sondern schon anspruchsvollere Töne. Und mit diesem Stück können sie dann auch den „Proggy“ unter den Hörern besser einfangen.

Es folgt mit „Earthrise“ eine erneute Instrumentalnummer, die allerdings nicht so recht zünden will, bis das ursprüngliche Album schließlich mit „Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy“ beendet wird. Nun, mit diesem Song ziehen die Mannen um Andy Latimer noch mal alle Register und zeigen, wie abwechslungsreich und packend progressive Rockmusik sein kann. Sicherlich einer der besten Songs der Band, der alle Zutaten einer spannenden Nummer bereithält.

Auf der remasterten Fassung von 2002 finden sich dann noch drei Live-Mitschnitte sowie eine alternative Version von „Lady Fantasy“. Bei „Mystic Queen“ und „Arubaluba“ handelt es sich dabei um Stücke, die bereits auf dem Debut-Album „Camel“ vertreten waren, hier jedoch in interessanten Versionen die Platte bereichern.

Fazit: Es ist alles nicht schlecht, was Camel da zu Beginn und Mitte der 70er abgeliefert haben. Aber irgendwie schwamm die Band so mit. Nicht schlecht, wie gesagt, aber so richtig gut? Nein, dazu ist die Musik einfach nicht packend genug und es bleibt dann doch deutlich weniger hängen, als bei anderen britischen Combos derselben Stilrichtung und derselben Zeit. Woran das liegt? Weniger Ideen? Weniger Melodiösität? Weniger Spannung? An nichts Einzelnem – aber vielleicht an jedem ein kleines bisschen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Supertwister, Nimrodel / The Procession / The White Rider, Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy, Mystic Queen



Donnerstag, 6. September 2012

AC/DC – High Voltage




AC/DC – High Voltage


Besetzung:

Malcolm Young – rhythm guitar
Angus Young – lead guitar
Bon Scott – vocals, bagpipes
Phil Rudd – drums
Mark Evans – bass


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Hardrock


Trackliste:

1. It's A Long Way To The Top (5:02)
2. Rock 'n' Roll Singer (5:04)
3. The Jack (5:53)
4. Live Wire (5:50)
5. T.N.T. (3:35)
6. Can I Sit Next To You Girl (4:12)
7. Little Lover (5:40)
8. She's Got Balls (4:52)
9. High Voltage (4:14)

Gesamtspieldauer: 44:21




“High Voltage” ist die erste Veröffentlichung AC/DCs und erschien im Jahr 1976. Das stimmt zwar nicht ganz, aber zumindest handelt es sich um die erste Veröffentlichung der Band AC/DC außerhalb ihres Heimatlandes Australien. Dort wurden in diesem und im Jahr zuvor nämlich bereits zwei Platten mit den Titeln „High Voltage“ und „T.N.T.“ veröffentlicht. Die Liederauswahl auf der internationalen Veröffentlichung mit dem Titel „High Voltage“ setzt sich dabei aus den zwei australischen Alben zusammen, wobei zwei Lieder von der ursprünglichen Platte „High Voltage“ stammen, die restlichen sieben Stücke vom australischen „T.N.T.“-Album.

Seltsam ist diese Veröffentlichungsstrategie allemal, zumal noch nicht mal alle weiteren auf den australischen Ausgaben vorhandenen Nummern bisher außerhalb Australiens veröffentlicht wurden. Die Titel, die sich allerdings auf der internationalen „High Voltage“ Platte tummeln, können sich wahrlich sehen beziehungsweise besser hören lassen.

„High Voltage“ ist ein klasse Hardrock-Album geworden. Auf ihm tummeln sich einige Klassiker der Band wie „Live Wire“, eines der besten Hardrock-Lieder überhaupt und an Spannung kaum zu überbieten. Oder aber „T.N.T.“, ein Lied, welches Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auf keiner Party oder in keiner Disco fehlen durfte und bei dem das Publikum einfach mitsingen musste.

Weitere Klassiker sind „It's A Long Way To The Top”, “Can I Sit Next To You Girl” oder der Titeltrack “High Voltage”. Und wenn dann auf dieser, für AC/DC-Verhältnisse, etwas bluesigeren Scheibe noch solche Titel wie „The Jack“ oder „She's Got Balls“ enthalten sind, dann finden auch Freunde dieser Musikrichtung hier sogar einen Zugang zur australischen Hardrock-Legende.

Fazit: “High Voltage” war wegbereitend für die weiteren Alben der Band. Bon Scott sang unnachahmlich gut und eindrucksvoll und spielte auf „It's A Long Way To The Top“ sogar noch Dudelsack. Malcolm und Angus Young übertrafen sich mit ihren Riffs und Ideen, Marc Evans spielte den treibenden Bass nicht nur auf „Live Wire“ und Phil Rudd trommelte dazu den perfekten Beat. Ein überaus gelungener Erstling war geschaffen, wenn er es auf den zweiten Blick auch gar nicht das „richtige“ erste Album ist. „High Voltage” bietet Hardrock vom Feinsten, mit allen Zutaten, die AC/DC in den 70ern des letzten Jahrhunderts ausmachte. Sehr zu empfehlen und zwölf Punkte wert.

Anspieltipps: It's A Long Way To The Top, The Jack, Live Wire, T.N.T., Can I Sit Next To You Girl, High Voltage





Mittwoch, 5. September 2012

The Byrds – Fifth Dimension





The Byrds – Fifth Dimension


Besetzung:

Roger McGuinn – vocals, guitar
David Crosby – vocals, guitar
Chris Hillman – vocals, bass
Michael Clarke – drums


Gastmusiker:

Gene Clark – vocals, guitar (Eight Miles High, Why?), harmonica (Captain Soul)
Van Dyke Parks – keyboards (5D)


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. 5D (Fifth Dimension) (2:33)
2. Wild Mountain Thyme (2:30)
3. Mr. Spaceman (2:09)
4. I See You (2:38)
5. What’s Happening?!?! (2:35)
6. I Come And Stand At Every Door (3:03)
7. Eight Miles High (3:34)
8. Hey Joe (Where You Gonna Go) (2:17)
9. Captain Soul (2:53)
10. John Riley (2:57)
11. 2-4-2 Fox Trot (The Lear Jet Song) (2:12)


Bonus Tracks:

12. Why? (2:59)
13. I Know My Rider (I Know You Rider) (2:43)
14. Psychodrama City (3:23)
15. Eight Miles High (Alternative Version) (3:19)
16. Why? (Alternative Version) (2:40)
17. John Riley (Instrumental, Interview mit D. Crosby und R. McGuinn) (16:53)

Gesamtspieldauer: 1:02:22




Auf Ihrem dritten Studioalbum aus dem Jahr 1966, mit dem Titel “Fifth Dimension“, vollzogen die Byrds einen fast vollständigen Richtungswechsel. Stand auf den ersten Platten noch Folk Rock, häufig inspiriert und initiiert durch Bob Dylan auf dem Programm, so sind auf der dritten Scheibe sehr viel mehr psychedelische Töne zu hören. Gemeinhin gilt „Fifth Dimension“ sogar als erstes „Psychedelisches Album“ überhaupt.

Auch auf Bandebene selbst hatte sich eine Veränderung vollzogen. Gene Clark ist auf dieser Platte nur noch mit seiner Gitarre und seinem Gesang auf „Eight Miles High“ sowie mit der Mundharmonika bei „Captain Soul“ zu hören. Nach diesen Aufnahmen verließ er die Band, um eine Solokariere zu starten. Als weitere Gründe dafür werden auch Flugangst genannt, da sich die Band zum damaligen Zeitpunkt, wenn nicht im Studio, praktisch ununterbrochen auf Tournee befand. Allerdings war er damit noch maßgeblich an der Entstehung einer der Klassiker der Band schlechthin, „Eight Miles High“, beteiligt.

Zu den einzelnen Titeln. Das Titellied „5D (Fifth Dimension)“ kommt noch ganz im Gewand eines Bob Dylan Songs daher, wurde allerdings von Roger McGuinn geschrieben. Bei „White Mountain Thyme” handelt es sich um ein altes schottisches Volkslied, welches mit jeder Menge Streicher aufgepeppt wurde und „Mr. Spaceman“, wieder von McGuinn, wurde nach „Eight Miles High“ und „5D“ die dritte Singleauskopplung. Dabei handelt es sich um einen Popsong, der bereits erste Country-Anleihen enthält.

Mit “I See You” geht es dann zum ersten Mal in die psychedelische Richtung, während „What’s Happening?!?!“ das erste, vollständig von David Crosby komponierte Lied darstellt. Ein ganz netter Pop-Song, der von Roger McGuinns Gitarre dominiert wird. „I Come And Stand At Every Door“ klingt sehr traurig und ist wieder mal die Bearbeitung eines gecoverten Liedes, welches mit neuem Text versehen wurde, der sich mit dem Tod eines Kindes in Hiroshima beschäftigt.

Dann folgt er, der Klassiker der Band, „Eight Miles High”, mit über dreieinhalb Minuten Spieldauer auch das längste Stück des Albums. Ein klasse Song, bei dem man richtiggehend hört und auch spürt, dass die Musiker hier neue Wege beschreiten wollten. Es wirkt ein wenig experimentell und auch abgefahren, ohne dass es dabei zu frickelig oder aber gar unausgegoren klingen würde. Einfach ein guter Song im Stile des Psychedelic Rock, der die Grundlage für so manche weitere Komposition ebnete.

“Hey Joe (Where You Gonna Go)” ist eine weitere Coverversion eines Folk-Songs, die von zig anderen Bands und Künstlern ebenfalls gecovert wurde. An die Version von Jimi Hendrix reicht diese Interpretation der Byrds da jedoch bei weitem nicht heran. An „Captain Soul”, einem Blues-Lied gibt es drei Dinge zu bemerken. Es ist eines der wenigen Instrumentalstücke der Band, eines der wenigen Lieder, an denen Michael Clarke beim Komponieren beteiligt war und bei dem Gene Clark auf der Mundharmonika zu hören ist. Und dann doch noch Viertens: Kein besonders guter Titel, eher ein wenig langweilig.

Bei “John Riley” handelt es sich erneut um eine Coverversion. Eine ganz nette und melodiöse Nummer, ein Folksong, der relativ schnell ins Ohr geht. Bliebe von den ursprünglich auf der Platte vorhandenen Liedern noch „2-4-2 Fox Trot (The Lear Jet Song)”. Man hört Motorengeräusche eines Flugzeugs und die Mantra-artige Wiederholung der Textzeile „Go 'n ride the lear jet, Go 'n ride the lear jet, baby“. Das Ganze wird untermalt mit Funkgeräuschen und Funksprechverkehr. Eine Melodie fehlt völlig und das Stück geht als Experiment in den Songkatalog auf „Fifth Dimension“ ein.

Nun folgen die Bonus Tracks der remasterten Veröffentlichung von 1996. „Why?“ stellte die ehemalige B-Seite der Single „Eight Miles High“ dar und geht ebenfalls in genau diese psychedelische Richtung, die auch durch Roger McGuinns Gitarre ausdrucksstark untermalt wird. „I Know My Rider (I Know You Rider)” ist wieder mal ein Lied, ein bestehender Folksong, der durch die Byrds nur noch überarbeitet wurde. Daran war auch noch Gene Clark beteiligt, wie man in den Credits nachlesen kann. Das Lied hätte genauso gut von den Beatles sein können, denn genau danach klingt es auch. „Psychodrama City” ist dagegen wieder eine Eigenkomposition, dieses Mal von David Crosby. Die Gitarre klingt ein wenig wirr (was bei dem Titel wohl auch gewollt ist), jedoch auf die Dauer nervt das ganz schön, womit es nicht weiter überrascht, dass es dieses Lied nicht auf die ursprüngliche Platte schaffte.

Als weitere Zugaben gibt es dann noch eine alternative Version von „Eight Miles High“, die ebenfalls sehr hörenswert ist, eine zusätzliche Version von „Why?“, die allerdings etwas unausgegoren wirkt, sowie den Song „John Riley“ in einer Instrumentalversion. Nach knapp drei Minuten und zwanzig Sekunden ist dann Schluss, aber nur fünfzehn Sekunden lang. Dann melden sich Roger McGuinn und David Crosby zu Wort und erzählen ein wenig über das Album. Zum Beispiel erfährt man, dass es sich bei „Eight Miles High“ um einen „tribute for John Coltrane“ handelt und textlich ein Flug nach England eingeflossen ist und was die Band dort erlebte. Im Weiteren geht es auch noch um die Findung des Namens „The Byrds“ und einiges mehr. Ein schönes und für jeden Fan auch sehr interessantes Tondokument.

Fazit: „Fifth Dimension“ ist sicherlich ein Meilenstein, wenn es um die Entwicklung des Psychedelic Rock geht. Und es finden sich auch noch ein paar andere, ganz nette Lieder auf der Platte, sodass dieses Album dann doch sehr viel beeindruckender ausfällt, als die beiden vorherigen Veröffentlichungen der Amerikaner. Zwar klingt alles mitunter auch ein wenig altbacken, aber ganz entziehen kann man sich dieser Musik auch heute noch nicht. „Fifth Diemension“ ist ein gutes Album geworden mit ein paar Klassikern und hat zehn Punkte verdient.

Anspieltipps: 5D, Mr. Spaceman, I See You, I Come And Stand At Every Door, Eight Miles High, John Riley, Why?



Dienstag, 4. September 2012

David Bowie – Hours…


 


David Bowie – Hours…


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards, guitar


Gastmusiker:

Reeves Gabriels – guitar
Mark Plati – bass, guitar, keyboards
Mike Levesque – drums
Sterling Campbell – drums
Chris Haskett – guitar
Everett Bradley – percussion
Holly Palmer – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Thursday's Child (5:22)
2. Something In The Air (5:46)
3. Survive (4:11)
4. If I'm Dreaming My Life (7:05)
5. Seven (4:05)
6. What's Really Happening? (4:10)
7. The Pretty Things Are Going To Hell (4:41)
8. New Angels Of Promise (4:37)
9. Brilliant Adventure (1:52)
10. The Dreamers (7:46)

Gesamtspieldauer: 47:03




Auf seinem letzten Album des letzten Jahrtausends, „Hours…“, seiner bisher zweiundzwanzigsten Studioveröffentlichung, ist David Bowie zugegebenermaßen nicht mehr übermäßig innovativ. Viel Neues bekommt man hier nicht mehr zu hören. Keine Experimente mehr, keine neuen Stilrichtungen, die Bowie ausprobiert geschweige denn mit initiiert. „Hours…“ ist ein Pop-Rock-Album geworden, angefüllt mit Stücken, die fast alle auch radiotauglich sind.

Aber genau diese Stücke haben es trotzdem in sich, denn auf „Hours…“ hört man Pop- beziehungsweise Rock-Musik auf allerhöchstem Niveau. Das Album ist angefüllt mit Nummern, die ziemlich schnell ins Ohr gehen, allerdings auch nach mehrmaligem Hören nichts an ihrem Reiz verlieren. Und auch wenn hier deutlich weniger Experimente zu hören sind, 08/15-Musik ist das auf gar keinen Fall. Stellvertretend dafür steht so ein Song wie „If I'm Dreaming My Life“. Da wird in den ersten der sieben Minuten Dauer gerockt, um dann in einen sphärischen Teil überzugehen, in denen die Aussage „Dreaming My Life“ Mantra-ähnlich wiederholt wird.

Oder da gibt es so ein unglaublich intensives Stück wie „Something In The Air“. Klasse, packende Melodie und immer wieder wird Bowies Stimme gedoppelt und dabei der eine Teil bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Klasse gemacht. Es finden sich eingängige und auch für David Bowie fast schon typische Popsongs wie „Thursday‘s Child“, „Something In The Air“ oder „Seven“ neben einer, dann doch experimentelleren Klangpassage wie „Brilliant Adventure“, welche auch perfekt auf dem Album „Low“ von 1977 Platz gefunden hätte.

Gerockt wird auch. „Brilliant Adventure“ klingt dabei schon ungewöhnlich heftig im Songkatalog des David Bowie, während er bei der Pop-Nummer „New Angels Of Promise“ einmal mehr seinen eindrucksvollen Gesang auslebt.

Fazit: Der Hörer bekommt viel geboten auf „Hours…“. Kein schlechter Titel hat sich auf die Platte verirrt, ganz im Gegenteil sogar, hier klingt wirklich alles. Dabei können die Melodien den Hörer meist schnell packen und bleiben auch hängen. Klar ist das Ganze nicht mehr so innovativ, wie vielleicht in den 70er Jahren. Aber hier hört man gut gemachten Pop und der lohnt sich in diesem Fall wahrlich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Something In The Air, If I'm Dreaming My Life, Seven, Brilliant Adventure, New Angels Of Promise



Montag, 3. September 2012

Barclay James Harvest – Octoberon





Barclay James Harvest
– Octoberon



Besetzung:

John Lees – guitars, vocals, harmony vocals
Les Holroyd – acoustic guitar, bass, vocals, harmony vocals
Mel Pritchard – percussion, drums
Stewart Wooly Wolstenholme – keyboards, vocals


Gastmusiker:

Richie Close – conductor, vocal arrangement, string arrangements


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: ArtRock, Soft-Rock, Pop


Trackliste:

1. The World Goes On (6:31)
2. May Day (7:58)
3. Ra (7:21)
4. Rock’n’Roll Star (5:18)
5. Polk Street Rag (5:39)
6. Believe In Me (4:23)
7. Suicide? (8:00)
8. Rock’n’Roll Star (Early Mix) (4:56)
9. Polk Street Rag (First Mix) (5:34)
10. Ra (First Mix) (7:24)
11. Rock’n’Roll Star (Recorded At Marquee Studios) (3:19)
12. Suicide? (First Mix) (7:54)

Gesamtspieldauer: 1:14:15




„Octoberon“ ist das achte Album der britischen Schmuserocker von Barclay James Harvest, wenn man die „Live“-Platte von 1974 mitrechnet. Auf diesem siebten Studioalbum beweisen die vier Musiker einmal mehr, dass sie ein Gespür für sehr eingängige Melodien haben. Dabei klingt alles allerdings sehr weichgespült, obwohl sich mit „Rock’n’Roll Star“ und „Polk Street Rag“ sogar zwei Songs auf dem Album befinden, die tatsächlich versuchen ein wenig zu rocken. Bei „Rock’n’Roll Star“ ist dieser Ansatz jedoch auf wenige Takte beschränkt und schon befindet man sich wieder in typischen, harmonischen Barclay James Harvest Klangwelten mit mehrstimmigen Hintergrundchören. „Polk Street Rag“ rockt dagegen nicht nur fast schon aggressiv los, sondern hält diese Stimmung auch das ganze Lied über bei. Viel anfangen kann man mit diesem Stück allerdings trotzdem nicht.

Die anderen fünf, ursprünglich auf der Platte enthaltenen Stücke, sind dann schon sehr viel bezeichnender für Barclay James Harvest. „The World Goes On“ ist so ein typischer Schmusesong mit ganz viel Streichern, bei der die Band haarscharf an Genres heranreicht, die sie garantiert nicht bedienen möchte. Deutlich besser gelungen ist da schon das knapp achtminütige „May Day“. Nicht so seicht und trotzdem mit einer schönen und eingängigen Melodie ausgestattet. Und schließlich wird das Lied richtig hymnisch, wenn der Chor im zweiten Teil des Liedes intoniert.

„Ra“, der Beitrag Wooly Wolstenholmes zum Album, klingt ein wenig nach Filmmusik. Ein Historienfilm könnte damit perfekt untermalt werden. Zumindest mit dem Beginn und dem Ende des Stücks. Der Zwischenteil wirkt da fast schon ein wenig langweilig. „Believe In Me“ ist dann wieder so ein Barclay James Harvest Stück, welches sich auch auf einer der vorherigen Platten befinden könnte. Melodiös, mehrstimmiger Gesang – genau die Zutaten, für die die Band von Beginn an stand.

Bliebe noch das ursprünglich letzte Stück „Suicide?“. Auch diese Nummer geht schnell ins Ohr, wirkt mitunter ein wenig pathetisch und auch traurig. Das Interessante ist sicherlich das Ende des Stücks, bei dem der Text noch mal nachgestellt wird in Form eines Tondokuments, welches dann auch dem Titel entsprechend drastisch endet.

Fünf Zugaben gibt es noch auf der remasterten Version der Platte, bei denen es sich allerdings nur um alternative Versionen der regulären Tracks handelt. Essentiell ist das alles dann nicht mehr.

Fazit: „Octoberon“ ist wahrlich kein schlechtes Barclay James Harvest Album. Alle Zutaten, die diese Band ausmachen, finden sich auch auf dieser Veröffentlichung. Richtig begeistern können die einzelnen Stücke aber immer nur ansatzweise. Barclay James Harvest Fans werden das natürlich deutlich anders sehen beziehungsweise hören - alle anderen finden „Octoberon“ vielleicht noch ganz nett. Ganz nett mit einigen Längen. Aber doch noch neun Punkte wert.

Anspieltipps: May Day, Ra, Rock’n’Roll Star, Suicide?



Sonntag, 2. September 2012

Eloy – Inside





Eloy – Inside


Besetzung:

Frank Bornemann – guitar, vocals, percussion
Fritz Randow – drums, acoustic guitar, vocals, percussion
Wolfgang Stöcker – bass guitar
Manfred Wieczorke – organ, guitar, vocals, percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Land Of No Body (17:23)
2. Inside (6:42)
3. Future City (5:38)
4. Up And Down (8:28)
5. Daybreak (3:41)
6. On The Road (2:32)

Gesamtspieldauer: 44:24




„Inside“ aus dem Jahr 1973 ist das zweite Album der Band aus Hannover mit dem, aus der „Zeitmaschine“ von H.G. Wells entliehenen Namen Eloy. Und es ist gleichzeitig die erste Platte, in der sich die Musiker dem späteren Sound der Band schon sehr angenähert haben. Vieles klingt auf „Inside“ zwar deutlich nach dem typisch deutschen, krautrockigen Sound Anfang der Siebziger Jahre, jedoch sind auch immer wieder bereits Abschnitte und Passagen zu hören, die schon sehr auf zukünftige Alben von Eloy verweisen.

Die Platte macht in ihrer Gesamtheit Spaß. Das gilt für alle vier Titel, die ursprünglich auf dem Album vertreten waren. Lediglich die zwei kurzen Zugaben der remasterten Wiederveröffentlichung „Daybreak“ und „On The Road“ fallen da ein wenig ab. Ersteres Stück ist eine ganz flotte Instrumentalnummer, jedoch nichts Besonderes. „On The Road“ rockt dann ordentlich ohne, dass es dabei jedoch großartig Eindruck hinterlassen würde.

Ganz anders die vier Hauptstücke. Hier wird man auf eine musikalische Reise mitgenommen, die es in sich hat. Hier gibt es treibende Parts, verträumte Abschnitte, manchmal wird ein wenig „gefrickelt“, ein anderes Mal wirkt alles schwerelos und schwebend. Man hört klasse Gitarrenparts und fette Orgeleinlagen, alles perfekt aufeinander abgestimmt. Und immer ist alles in sehr schönen Melodien verpackt, die mit dem mehrmaligen Hören sogar noch wachsen.

Die Musik passt perfekt in die damalige Zeit. So sind nicht nur Ähnlichkeiten mit weiteren deutschen Krautrockbands zu erhören, sondern auch Abschnitte, die mal an Pink Floyd, ein anderes Mal an Jethro Tull erinnern. Und letzte Aussage liegt nicht nur daran, dass sich Frank Bornemanns Gesang hier wirklich sehr dem des Ian Anderson ähnelt. Auch in der Musik selbst finden sich Parallelen. Und etwas ganz Überraschendes gibt es auch noch zu hören – oder besser gesagt nicht zu hören: Frank Bornemanns Gesang klingt gar nicht so „denglisch“, wie auf späteren Veröffentlichungen der Band.

Fazit: „Inside“ ist ein richtig gutes Album geworden, welches man immer wieder hören kann, ohne den Spaß daran zu verlieren. Klasse Melodien reihen sich hier aneinander und viele tolle Ideen haben die vier Musiker auf „Inside“ umgesetzt, sodass dem Hörer hier ein sehr abwechslungsreiches und auch spannendes Album geboten wird. Wer Freude an einer Mischung aus progressivem englischen Rock gepaart mit Krautrock hat, der wird mit diesem Album voll auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es dafür zwölf Punkte.

Anspieltipps: Land Of No Body, Inside, Future City, Up And Down



Samstag, 1. September 2012

Archive – Lights





Archive
– Lights



Besetzung:

Pollard Berrier – vocals, guitar
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Maria Q – vocals
Lee Pomeroy –bass, mellotron
Smiley – drums
Steve Harris – guitar
Steve “Keys” Watts – hammond
Archive and Glen Gordon – horn arrangement
Adrian Northover – alto sax
Phil Walton – tenor/baritone sax
Caroline Hall – trombone
Glen Gordon – trumpet
Dom Brown – guitar
Dave Penny – vocals, guitar
Mike Hurcombe – guitar
Peter Barraclough – guitar
Matt Martin – drums
The Poppet – Shakers
Jane Hanna – Horn


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Pop bis Progressive Rock


Trackliste:

1. Sane (4:27)
2. Sit Back Down (6:36)
3. Veins (4:02)
4. System (4:02)
5. Fold (4:38)
6. Lights (18:29)
7. I Will Fade (3:09)
8. Headlights (3:32)
9. Programmed (5:45)
10. Black (2:52)
11. Taste Of Blood (4:35)

Gesamtspieldauer: 1:02:07




Craig Walker hatte die Band verlassen. Der Sänger, der auf den letzten drei Alben seine Botschaft so schön verzweifelt herausschrie, wurde auf der sechsten Veröffentlichung von Archive gleich durch drei Personen ersetzt. Hauptsächlich Pollard Berrier übernahm die Vocals, aber auch Maria Q ist dort wieder zu hören und Dave Penny. Alle drei machen ihre Sache nicht schlecht, auch wenn der bereits langfristige Archive Fan die schöne emotionale Stimme eines Craig Walker vermissen wird.

Aber nicht nur der Gesang hat sich gewandelt, auch die Stimmung der Musik und die Musik selbst. Ein Kracher ist auf jeden Fall auch auf diesem Werk von Archive enthalten, wobei „Kracher“ nichts über die Schnelligkeit oder Lautstärke des Stücks aussagen soll. Der Titeltrack „Lights“ ist gemeint. In bester Archive-Manier wird hier ein Thema bis ins Unendliche wiederholt und gesteigert ohne, dass es dabei an Klasse verlieren oder aber in die Langweiligkeit abdriften würde. Ein Stück zum Zurücklehnen und Genießen ist das, was so herrlich entspannt aus den Boxen wabert. Eine klasse Nummer.

Dabei wären wir allerdings auch schon bei den Schwächen des Albums. Da gibt es so Stücke mit treibenden Beats wie „Sane“, „Sit Back Down“, „System“, „Programmed“ oder „Black“. Und auch ganz ruhige und schwebende Kompositionen wie „Fold“, „I Will Fade“ oder „Taste Of Blood“. Kein Track davon ist schlecht, aber es handelt sich dabei eben auch nicht um diese beeindruckenden und nachhaltigen Stücke, wie sie zum Beispiel noch auf der letzten Veröffentlichung, „Noise“ häufiger vertreten waren. Die Stücke, die deutlich poppiger sind, bleiben dieses Mal nicht so im Ohr hängen und da hilft auch kein „mehrmaliges“ Hören.

Fazit: „Lights“ ist ein sehr viel einfacheres Album als sein Vorgänger. Auch wenn die CD keine richtig schlechten Nummern enthält fehlt ihm, bis auf den Titeltrack, das „gewisse Etwas“, was das Album zu einem Höhepunkt im Schaffen von Archive werden lassen würde. Für Einsteiger in das „Archive-Universum“ würde ich daher eher den Vorgänger oder den Nachfolger empfehlen. Für Fans ist allerdings auch dieses Album Pflicht. Von mir gibt es dafür 9 Punkte.

Anspieltipps: Lights, Taste Of Blood, Sit Back Down



Freitag, 31. August 2012

Stefanie Hertel – Lieder zum Verlieben (DVD)




Stefanie Hertel – Lieder zum Verlieben (DVD)


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: montana


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Noch dreimal wird der Krischbaum blüh'n (3:00)
2. Medley (3:46)
    Nicht jeder kann ein Mozart sein
    Wenn a Bua kein Radl hat
    Wenn nicht deine frechen blauen Augen wär'n
3. Immer wieder Sehnsucht (3:11)
4. Medley (3:59)
    So a Stückerl heile Welt
    Über jedes Bacherl geht a Brückerl
    Auch die Sterne müssen warten
5. Kleine Fische werden groß (3:10)
6. Hast du Zeit für ein paar Träume? (3:31)
7. Mit einem Koffer voller Sonnenschein (2:46)
8. Ich bin immer da, wo die Musi spielt (2:53)
9. Mach' ein Fest aus deinem Leben (3:19)

Gesamtspieldauer: 35:50



„Lieder zum Verlieben“ ist eine kurze DVD-Veröffentlichung der Stefanie Hertel aus dem Jahr 2006. Etwas über eine halbe Stunde kann man sie und Stefan Mross in einem Freizeitpark herumlaufen sehen. Hier wurden einige Lieder eingespielt, die dadurch verbunden sind, dass Stefanie ihren Stefan Mross sucht. Die Dialoge sind auch hier auf Kindergartenniveau, die Musik aus dem Hause Jean Frankfurter ist mit das Schlechteste, was jemals erschaffen wurde. Einige Musiker und Schauspieler haben hier Gastauftritte, wie konnten sie nur? Auch Statisten gibt es, denen man ansieht, dass sie von dem Ganzen peinlich berührt sind – selbst wenn es erst sechsjährige Kinder sind. Mehr Worte sollte man hier wahrlich nicht verlieren.

Die DVD ist übrigens ein TV-Spezial zum 18. Geburtstag der Stefanie Hertel.

Fazit: Die DVD „Lieder zum Verlieben“ tut beim Anhören und Ansehen fast schon weh. Hier wird ganz viel mit dem Kindchenschema gespielt und beim Anschauen schämt man sich. Es ist so unfassbar schlecht, dass man kaum Worte findet. Null Punkte.

Anspieltipps: Mit einem Koffer voller Sonnenschein



Montag, 27. August 2012

Eels – Beautiful Freak





Eels – Beautiful Freak


Besetzung:

Marc Oliver Everett – vocals, guitar, Wurlitzer
Jonathan “Butch” Norton – drums, vocals
Tommy Walter – bass, vocals


Gastmusiker:

Mark Goldenberg – guitars, keyboards
Jon Brion – chamberlin, guitars, trombone
Jim Jacobsen – keyboards, loops


Label: Dreamworks Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Rock bis ArtPop


Trackliste:

1. Novocaine For The Soul (3:09)
2. Susan’s House (3:44)
3. Rags To Rags (3:53)
4. Beautiful Freak (3:34)
5. Not Ready Yet (4:47)
6. My Beloved Monster (2:13)
7. Flower (3:38)
8. Guest List (3:13)
9. Mental (4:01)
10. Spunky (3:11)
11. Your Lucky Day In Hell (4:28)
12. Manchild (4:05)

Gesamtspieldauer: 43:57




Wer gute, meist mit leisen Tönen gemachte Rockmusik mag und die Eels nicht kennt, der hat was verpasst. Eels ist eigentlich Marc Oliver Everett, das einzig feste Mitglied und der Hauptsonglieferant der Band. Hier, auf dem Debut (zwei Platten hat Everett vorher unter dem Pseudonym „E“ aufgenommen), sind in den Credits, unter dem Bandnamen, noch zwei weitere Musiker mit vermerkt. Bei späteren Veröffentlichungen handelt es sich dann meist um reine Soloprojekte Everetts, die mit Gastmusikern eingespielt wurden.

Das Album beginnt mit „Novocaine For The Soul“, einem Stück, mit dem die Band sogar fünf Wochen in den Top 100 der britischen Singlecharts vertreten war. Ein schönes und fast schon schwebendes Stück, bei dem es dann auch nicht verwundert, dass sich die Musiker im dazugehörigen Video ebenfalls der Erdanziehungskraft entledigten - und durch die Lüfte schweben. Klasse hier auch der Break, ziemlich in der Mitte des Stücks. Drei Sekunden Stille hört man nicht so oft in einem Lied, hier aber passt es perfekt. „Novocaine For The Soul“ ist ein Titel, der schön melodiös ist, gitarrenlastig und bei dem Everett auch mit seiner rauchigen Stimme überzeugen kann.

Deutlich abgefahrener wird es dann beim zweiten Stück „Susan’s House“, welches so gar nicht in irgendeine Schublade passen will. Der Text wird meist gesprochen, nur im Refrain gesungen. Das Lied klingt schräg und wird vornehmlich von den Keyboards oder dem Piano dominiert. Für viele Eels Fans stellt es dabei das Eels-Lied schlechthin dar. Bei der dritten Nummer „Rags To Rags“ sind wir dann wieder beim eingängigen und melodiösen Rock. Von der Machart her passt es zum ersten Lied. Aber sofort erfolgt wieder ein Stilbruch, „Beautiful Freak”, das Titellied, ist sehr getragen und ruhig. Ein Lied zum Träumen. Ein Liebeslied an das „Anderssein“.

Und schon wieder folgt auf eine ruhigere Nummer, ein in vielen Teilen etwas schnellerer Track. Bei „Not Ready Yet“ überzeugt vor allem die verzerrte Gitarre in Kombination mit dem schön rauchigen Gesang. Aber Achtung: Mit „schneller“ ist „schneller“ in Eels Verhältnissen gemeint, das Lied hat zwar Ansätze in Richtung Hard Rock, aber eben nur Ansätze.

Und so geht es weiter, auf „My Beloved Monster”, einer Nummer mit wieder etwas schrägeren Teilen, folgt „Flower“ - ein Wahnsinnstück. Die tieftraurige Stimmung erhält es durch den Hintergrundchor, der die Melancholie dieser Nummer perfekt transportiert. Dazu trägt natürlich auch der Text bei, stellvertretend dafür die ersten zwei Zeilen: „Turn the ugly light off god, Wanna feel the night” Ein klasse Song, den man sich besser nicht anhören sollte, wenn man gerade selbst vom “Blues” ergriffen ist.

Bei „Guest List” lässt sich Everett dann über diejenigen aus, die immer dabei sein wollen, die schönen Menschen, die auf keiner Gästeliste fehlen wollen und bemerkt: „But I don't know if you know what I mean, 'cause I'm never on your list”. „Mental“ ist im Anschluss daran erneut ein schönes Rocklied, welches durch den Bass und das Schlagzeug konsequent nach vorne getrieben wird. „Bei „Spunky” wird es abermals sehr ruhig und getragen, ein Lied zum Träumen. „Your Lucky Day In Hell” ist schließlich sehr elektronisch und eines der wenigen, nicht ganz so gelungenen Stücke auf dem Album. Die Nummer will nicht so recht greifen und überzeugen. Allerdings wartet mit „Manchild“ noch mal ein Höhepunkt am Ende der CD auf den Hörer. Wieder ein sehr ruhiges Lied, welches in der Lage ist, beim Zuhörer diese träumerische Stimmung zu erzeugen, die oftmals nur Musik erzeugen kann. Ein schöner Abschluss für das Album.

Fazit: Gleich mit der ersten Veröffentlichung unter dem Namen „Eels“, ist Marc Oliver Everett ein klasse Album gelungen, welches jeder, der auch ruhigere Rockmusik mag, sein Eigen nennen sollte. Bleibt noch kurz zu erwähnen, wie dieser Name „Eels zustande kam. Nach Aussage Everetts, hatten sie einen Bandtitel gesucht, der in den Plattenläden gleich hinter „E“ kam, dem Pseudonym, welches er für seine ersten beiden Veröffentlichungen verwendet hatte. Leider mussten sie dann später, beim Besuch im Plattenladen feststellen, dass sich zwischen „E“ und den „Eels“ noch ein ganzer Haufen „Eagles-Platten“ befand… Jeder Titel der Platte hat einen Punkt verdient. Das macht bei zwölf Stücken, ganz klar, zwölf Punkte. Sehr empfehlenswert.

Anspieltipps: Novocaine For The Soul, Susan’s House, Flower, Mental







Sonntag, 26. August 2012

Billy Joel - The Nylon Curtain





Billy Joel
– The Nylon Curtain



Besetzung:

Billy Joel – vocals, pianos, synthesizers, hammond organ and melodica


Gastmusiker:

Liberty Devitto – drums and percussion
Doug Stegmeyer – bass
Russel Javors – electric and acoustic guitar (rhythm)
David Brown - electric and acoustic guitar (lead)
Dave Grusin – strings and horns arrangement
David Nadien – concertmaster
String Fever – strings on tracks 2 & 8


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: September 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Allentown (3:52)
2. Laura (5:06)
3. Pressure (4:41)
4. Goodnight Saigon (7:04)
5. She’s Right On Time (4:15)
6. A Room Of Our Own (4:04)
7. Surprises (3:26)
8. Scandinavian Skies (6:01)
9. Where’s The Orchestra? (3:17)

Gesamtspieldauer: 41:47




„The Nylon Curtain“ ist Billy Joels achte Albumveröffentlichung und mit Sicherheit sein bestes Album in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Auf der CD befinden sich einige Perlen, die es zu entdecken gilt und einen Kauf des Albums überaus lohnenswert machen.

Aber der Reihe nach. Zunächst hört man das Pfeifen einer Eisenbahn und schon ist man drin im ersten Stück des Albums: „Allentown“. Das Lied hat einen schönen Rhythmus, reißt den Hörer zwar nicht vom Hocker, aber es ist und bleibt ein ganz netter Popsong. „Laura“ ist anschließend deutlich ruhiger gehalten und würde, wenn da nicht diese Slidegitarre an bestimmten Stellen wäre, sogar ein bisschen an die Beatles erinnern. Obwohl, das macht das Lied dann trotzdem.

In „Pressure“ schafft es Billy Joel dann, „Stress“ und „Druck“ auch musikalisch auszudrücken und durch das Tempo und die Instrumentierung auf das Lied zu übertragen. Und das ist in keiner Weise negativ gemeint. „Pressure“ ist ein fertiger, ausgereifter Song, der gerade auch durch seine Stimmung zu gefallen weiß. Anschließend folgt mit „Goodnight Saigon“ ein absoluter Höhepunkt der Platte. Und dieses Lied stellt auch ein absolutes Highlight im Schaffen des Billy Joels überhaupt dar. Die Nummer beginnt und endet mit Hubschraubergeräuschen und in diesem Stück verarbeitet der Sänger und Songschreiber die Eindrücke eines Vietnamveteranen im Krieg. Absolut dicht, traurig und bewegend, sowohl von der Instrumentierung, wie auch vom Text her. Ein Meisterwerk und mit Abstand das beste Lied, welches ich zu diesem Thema kenne.

Das folgende Stück, „She’s Right On Time“ fällt nun gegen den Vorgänger deutlich ab, was bei der hoch gelegten Latte allerdings auch nicht wirklich überraschen kann. Das Lied ist ein Popsong, der nicht weiter im Ohr bleibt – dieses Mal eben nichts Besonderes. „A Room Of Our Own“ ist anschließend eine Rock’n’Roll Nummer, die auch nicht positiv hervorsticht und sich sogar um den Titel „schlechtester Track des Albums“ bewirbt.

Weiter geht es mit „Surprises“, welches wieder einen sehr guten Track auf dem Album markiert. Eine wunderschöne Melodie, die durch Joels Gesang perfekt unterstrichen wird. Auch hier kann man wieder Einflüsse der Beatles heraushören. Hieran schließt sich dann ein weiterer Höhepunkt des Albums an: „Scandinavian Skies“. In diesem Lied spürt man richtiggehend die Weite des Himmels über Skandinavien. Wunderschön umgesetzt die ganze Stimmung. Bei diesem Stück spielen die Streicher sogar etwas schrägere Töne, die allerdings perfekt zum Rest der Nummer passen. Ein tolles Lied.

Das Album wird beschlossen durch „Where’s The Orchestra?“. Dieser letzte Track ist eine sehr ruhige Nummer, die zum großen Teil wieder vom dezenten Einsatz der Streicher und Bläser lebt. Sicherlich kein schlechtes Lied, allerdings in meinen Augen etwas zu ruhig und vor allem zu getragen.

Fazit: Für mich das letzte richtig gute Billy Joel Album. Alle darauffolgenden Alben zielten mit ihren Singleauskopplungen dann doch zu sehr auf den Charterfolg. „The Nylon Curtain“ aber ist ein Album, welches sehr viel Stimmung zu erzielen weiß und einige brillante Songs enthält. Und von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Goodnight Saigon, Surprises, Scandinavian Skies