Samstag, 15. September 2012

Archive – With Us Until You’re Dead





Archive – With Us Until You’re Dead


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, string arrangements, programming
Danny Griffiths – keyboards, sound effects
Pollard Berrier – vocals, guitar
Dave Pen – vocals, guitar
Maria Q – vocals
Holly Martin – vocals
Smiley – drums
Steve Harris – guitar
Mike Hurcombe – guitar
Jonathan Noyce – bass
Simon Lole – orchestra conduction, string arrangements
Supersonic Belgian Orchestra – orchestra


Label: V2 Records International


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Wiped Out (6:20)
2. Interface (4:43)
3. Stick Me In My Heart (3:57)
4. Conflict (5:02)
5. Violently (6:24)
6. Calm Now (3:54)
7. Silent (5:39)
8. Twisting (4:02)
9. Things Go Down (1:52)
10. Hatchet (4:16)
11. Damage (6:50)
12. Rise (2:49)

Gesamtspieldauer: 55:46




Mit ihrem neunten Studioalbum „With Us Until You’re Dead“ ist die Band Archive, die inzwischen bereits vier verschiedene Sänger beschäftigt, noch einen Schritt weiter in Richtung elektronischer Musik vorangeschritten. Die Musik von Archive war zwar von jeher sehr geprägt vom Keyboard- und Synthesizer-Sound der Herren Keeler und Griffiths, hier wirkt alles allerdings noch einen Tick elektronischer, als auf den früheren Platten.

Jede Menge Loops und kaum mehr Gitarren werden dem Hörer auf „With Us Until You’re Dead“ präsentiert. Mit progressiver Rockmusik, in dessen Randgebieten sich Archive mitunter auch immer wieder betätigten beziehungsweise bewegten, hat das Album nur noch sehr wenig und nur noch mit viel Phantasie zu tun.

Überzeugen kann die Musik aber trotzdem immer wieder. Da sind zum Beispiel die beiden Nummern mit der neuen Sängerin Holly Martin „Violently“ und „Hatchet“. Diese soulige Stimme hat was. Dazu kommen noch treibende Rhythmen und Melodien die schnell zünden - und fertig sind zwei mitreißende Lieder.

„Calm Now“ ist wieder einer dieser langsamen und wunderschön harmonischen Titel, der ganz von der Stimmung lebt, die er verbreitet. Fast schon monoton entfaltet sich hier ein Klanggebilde, welches durch den Einsatz diverser Streicher noch an Intensität gewinnt. Überhaupt der Orchestereinsatz, der immer wieder in den einzelnen Nummern Verwendung findet, ist überaus gelungen und erweitert das klangliche Spektrum der Band auf eine interessante Art und Weise.

Aber es gibt auch Altbewährtes zu hören. Der Opener „Wiped Out“ hätte auch gut auf „Lights“ gepasst, genau wie „Stick Me In My Heart“. „Conflict“ erinnert an die „Controlling Crowds“-Phase, „Interface“ ist dagegen fast schon irgendwie eine Reminiszenz an die ganz frühen Anfänge von Archive. Und auch bei den weiteren Titeln lassen sich immer wieder Parallelen ausmachen, die Erinnerungen zu vorherigen Archive-Alben hervorrufen.

Fazit: Archive haben sich mit „With Us Until You’re Dead“ nicht neu erfunden. Weltbewegendes Neues gibt es also nicht zu hören, dies war irgendwie aber auch nicht zu erwarten. Und so bleibt festzuhalten, dass zwar die Longtracks auf dem neuen Album fehlen, diejenigen, die Achive mögen, mit diesem Album jedoch die Möglichkeit haben, eine kleine Zeitreise durch die Diskographie der Band zu unternehmen. Und die macht durchaus Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Conflict, Violently, Calm Now, Silent, Hatchet, Damage







Freitag, 14. September 2012

Triumvirat – Illusions On A Double Dimple





Triumvirat
– Illusions On A Double Dimple



Besetzung:

Jürgen Fritz – keyboards
Helmut Köllen – bass, guitar, vocals
Hans Bathelt – drums


Gastmusiker:

Hans Pape – bass
Ulla Wiesner – backing vocals
Brigitte Thomas – backing vocals
Hanna Dölitzsch – backing vocals
The Cologne Opera House Orchestra
The Kurt Edelhagen Brass Section


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Illusions On A Double Dimple (23:24)
2. Mister Ten Percent (21:37)


Bonus Tracks:

3. Dancer’s Delight (3:35
4. Timothy (4:11)
5. Dimplicity (3:17)
6. Million Dollars (2:35)

Gesamtspieldauer: 58:38




„Illusions On A Double Dimple“ heißt das zweite Album der Kölner Band Triumvirat aus dem Jahre 1974, welches ursprünglich aus lediglich zwei längeren Titeln bestand, die die erste und die zweite Seite der LP einnahmen. Die Band stand, zumindest am Anfang ihrer Karriere, für progressiven Rock, der immer wieder zu Vergleichen mit den britischen Kollegen desselben Genres und derselben Zeit Anlass gab. Und genauso verhält es sich auch auf dieser Platte: Die Parallelen zu Emerson, Lake & Palmer sind einfach nicht zu überhören.

Dies lässt sich auf „Illusions On A Double Dimple“ sofort am Keyboard- und Piano-Spiel des Jürgen Fritz festmachen. Er scheint, zumindest zur damaligen Zeit, ein großer Fan des Keith Emerson gewesen zu sein, denn allzu oft fühlt man sich an dessen Spiel erinnert. Und das ist durchaus als Lob zu verstehen, denn Jürgen Fritz macht das richtig gut. Sehr virtuos entlockt er seinen Instrumenten die Klänge, die manches Mal progressiv bis fast schon jazzig klingen, ein anderes Mal in Harmonien und Melodiösität versinken.

Die etwas poppigeren Abschnitte, die meist auch mit Background-Gesang versehen wurden, sind dabei überaus gelungen und wesentlich eindrucksvoller, als wenn wieder mal ein Fanfaren-Klang von Keith Emerson kopiert wird. Somit wird der Titelsong „Illusions On A Double Dimple“ ab etwa der Mitte dann auch deutlich besser und eigenständiger und endet schließlich wieder in einer ELP-Adaption.

„Mister Ten Percent“ startet mit einem schnellen Piano-Lauf und wird anschließend ziemlich vertrackt. Schließlich mündet dies alles wieder in ein sehr gelungenes Piano Solo, welches im weiteren Verlauf in einen, durch den Gesang bedingten, fast lustigen Teil übergeht. Dann wird auch dieses Lied wieder deutlich frickeliger, allerdings immer wieder aufgelockert durch sehr viel harmonischere Passagen. Das ist durchaus spannend gemacht.

Noch kurz etwas zu den vier Bonus Tracks auf der remasterten Ausgabe der CD. „Dancer’s Delight“ ist ein Popsong, der ein bisschen „verprogt“ wurde. Auch ein wenig in diese Richtung bearbeitet wurde „Timothy“, wenngleich dieses Stück deutlich ruhiger gehalten ist. „Dimplicity“ ist noch mal ein Auszug aus dem Titeltrack. Allerdings wurden hier die progressiveren Stellen vollständig weggelassen. „Million Dollars“ hört sich dagegen wie eine sehr eingängige Nummer an, die irgendwie an den Pop der 60er erinnern will.

Fazit: Triumvirat klingen immer dann gut, wenn sie nicht zu sehr kopieren beziehungsweise zu sehr wie Emerson Lake & Palmer klingen wollen. Manchmal hören sie sich hier auf „Illusions On A Double Dimple“ sehr progressiv, ein anderes Mal mehr poppig und harmonisch an. Die Mischung passt einfach und trotzdem, sodass man das Album immer wieder gerne anhört, wenn man auch etwas mit den etwas weniger eingängigen Abschnitten in der Musik anfangen kann. Reine Pop-Fans werden damit allerdings massive Schwierigkeiten bekommen. Mir ist das aber zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Illusions On A Double Dimple, Mister Ten Percent, Timothy, Million Dollars



Donnerstag, 13. September 2012

Foreigner - Foreigner





Foreigner
– Foreigner



Besetzung:

Lou Gramm – vocals
Ed Gagliardi – bass
Ian McDonald – guitar
Mick Jones – guitar
Dennis Elliot – drums
Al Greenwood – keyboards


Label: Warner Brother Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: AOR


Trackliste:

1. Feels Like The First Time (3:53)
2. Cold As Ice (3:24)
3. Starrider (4:04)
4. Headknocker (3:04)
5. The Damage Is Done (4:19)
6. Long, Long Way From Home (2:57)
7. Woman Oh Woman (3:53)
8. At War With The World (4:27)
9. Fool For You Anyway (4:17)
10. I Need You (5:13)

Gesamtspieldauer: 39:30




Wenn es eine Band gibt, die das Label AOR, Adult Orientated Rock, geschaffen für den amerikanischen Musikmarkt, wohl in Perfektion verkörpert, dann ist es die New Yorker Band Foreigner. Denn genau das – und nichts anderes – wird auf dem Debut-Album von 1977 wiedergegeben. Überraschend ist das schon ein wenig, wenn man sich die Gründungsmitglieder mal genauer besieht. Das spielt Ian McDonald zum Beispiel Gitarre. Das hatte er bereits ebenfalls bei King Crimson getan, allerdings in einer ganz anderen Sparte. Oder auch Mick Jones, bis heute das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Band, welcher vorher in George Harrisons Band die Gitarre spielte.

Nun, man muss nicht unbedingt von AOR begeistert sein, anhören kann man sich die Musik allerdings eigentlich immer. Diese ist eingängig, man kann mitwippen und das Ganze regt einen nicht allzu lange auf. Obwohl, manchmal stimmt das auch nicht ganz, wenn es zum Beispiel, wie hier auf dem Debut von Foreigner, der Band gelingt, so einen Ohrwurm wie „Cold As Ice“ zu kreieren, der auch Jahrzehnte später noch immer wieder mal auf den Radiostationen der Welt gespielt wird. Und dann hört man den Titel auch immer wieder gerne, nur zu oft darf das eben nicht sein.

Aber es ist noch mehr gelungen auf diesem Album. Zum Beispiel der Track „Starrider“. Mit einer etwas anderen Instrumentierung. Flöte und Spinett bekommen bei dieser Nummer auch ihren Platz eingeräumt, hört man hier ein schönes und verträumtes Stück. Und dieses hebt sich damit vom Rest der Platte deutlich ab. Etwas mehr davon hätte dem Album sicherlich gut getan.

Der Rest ist allerdings schnell erzählt. Denn bei diesem handelt es sich um völlig unaufgeregte Stücke, die meist harmonisch sind, ab und zu etwas härter daherkommen (At War With The World, I Need You), allerdings in keinster Weise nachhaltig sind. Die einzelnen Nummern plätschern einfach so vorbei. Dazu kommen noch unsäglich schmalzige Texte, in denen meist der Liebe gepriesen wird. Dem Text zuhören mag man da eigentlich nicht richtig.

Fazit: Das Debut von Foreigner mit demselben Titel, kann man sich ohne große Verrenkungen oder Überwindungen anhören. Es wird nicht viel passieren. Das, was man hört, haut einen nicht aus den Pantoffeln, aber es gibt deutlich Schlimmeres. Neben den meist einfallslosen Texten ist das aber genau der Kritikpunkt. Auf „Foreigner“ befindet sich unkomplizierte und radiotaugliche Musik, die einen nicht länger beschäftigt. Und bei nur zwei richtig überzeugenden Titeln bleiben dann auch nur sieben Punkte übrig.

Anspieltipps: Cold As Ice, Starrider



Mittwoch, 12. September 2012

The Lovin' Spoonful - Do You Believe In Magic?





The Lovin’ Spoonful – Do You Believe In Magic?


Besetzung:

John Benson Sebastian – vocals, guitar, harmonica
Zalman Yanovsky – guitar
John Steven Boone – bass
John Campbell Butler – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Pop, Blues, Country


Trackliste:

1. Do You Believe In Magic (2:08)
2. Blues In The Bottle (2:13)
3. Sportin’ Life (4:05)
4. My Gal (2:38)
5. You Baby (2:56)
6. Fishin’ Blues (2:02)
7. Did You Ever Have To Make Up Your Mind? (1:59)
8. Wild About My Lovin’ (2:36)
9. Other Side Of This Life (2:31)
10. Younger Girl (2:20)
11. On The Road Again (1:52)
12. Night Owl Blues (3:06)


Bonus Tracks:

13. Alley Oop (2:17)
14. Younger Girl (Demo Version) (2:40)
15. Blues In The Bottle (Alternate Vocal Version) (3:03)
16. Wild About My Lovin‘ (Alternate Vocal Version) (2:36)
17. Other Side Of This Life (Instrumental) (2:31)

Gesamtspieldauer: 43:32




The Lovin‘ Spoonful wurde Mitte der 60er Jahre in New York gegründet. Im Rahmen ihres ersten Plattenvertrags erschien 1965 ihr Debut-Album mit dem Titel „Do You Believe In Magic?“. Und auf der Platte findet sich ein Sammelsurium verschiedener, meist sehr kurzer Songs, die mal dem Pop der damaligen Zeit zuzuordnen sind, ein anderes Mal eher dem Blues zugerechnet werden können. Aber ihre amerikanische Heimat konnten die vier Musiker auch aufgrund immer wiederkehrender Country-Anleihen nicht ganz verleugnen.

Wenn man sich dann auf die Suche macht, passende Umschreibungen in Form von Adjektiven für dieses Erstlingswerk der New Yorker zu finden, fallen einem solch Begriffe wie altbacken, patiniert, überholt oder nicht mehr zeitgemäß ein. „Do You Believe In Magic?“ ist eine Ansammlung von Oldies, denen man aber wirklich jedes Jahr ihres 47-jährigen Bestehens anhört.

Wenn dabei wenigstens noch eine interessante Melodie oder Harmonie herausgesprungen wäre, aber all das, was man hier hört, ist meist belanglos bis überaus langweilig. Es ist wahrlich nur sehr wenig, was beim Hören dieser Scheibe hängenbleibt. Schade und heutzutage irgendwie Zeitverschwendung. Und das gilt leider auch für den Titeltrack, der damals, Mitte der 60er Jahre zwar ein großer Hit der Band war, heute jedoch kaum mehr jemanden begeistern kann.

Fazit: Das Album „Do You Believe In Magic?“ ist nicht wirklich nervig, klingt heute allerdings ein wenig überflüssig. Da gibt es nichts mehr, was einen begeistert oder aber beschäftigt. Noch nicht mal Aufregen kann man sich über diese Musik, dazu plätschert sie eindeutig viel zu träge vor sich hin. Aber sicherlich wird es auch den einen oder anderen Oldie Fan geben, der das ganz anders sieht und hier vielleicht in alten Zeiten, beziehungsweise Erinnerungen schwelgen kann. Für alle anderen ist die Musik wohl schon zu sehr überholt. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Do You Believe In Magic?, Younger Girl



Dienstag, 11. September 2012

Alanis Morissette - Supposed Former Infatuation Junkie





Alanis Morissette – Supposed Former Infatuation Junkie


Besetzung:

Alanis Morissette – vocals, flute, harmonica, piano


Gastmusiker:

Glen Ballard – guitar, piano, programming, synthesizers, string arrangements
Chris Chaney – bass
Nick Lashley – guitar
Gary Novak – drums, percussion
Shad T. Scott – programming
Joel Shearer – guitar
Benmont Tench – chamberlin, organ


Label: Warner Brother Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Front Row (4:13)
2. Baba (4:30)
3. Thank U (4:19)
4. Are You Still Mad (4:04)
5. Sympathetic Character (5:13)
6. That I Would Be Good (4:17)
7. The Couch (5:25)
8. Can’t Not (4:36)
9. UR (3:31)
10. I Was Hoping (3:51)
11. One (4:40)
12. Would Not Come (4:05)
13. Unsent (4:10)
14. So Pure (2:51)
15. Joining You (4:24)
16. Heart Of The House (3:47)
17. Your Congratulations (3:55)

Gesamtspieldauer: 1:11:51




„Supposed Former Infatuation Junkie“ nannte die Kanadierin Alanis Morissette ihr insgesamt viertes Album, welches 1998 erschien. Mit „Jagged Little Pill“, der vorherigen Platte, die gleichzeitig ihren internationalen Durchbruch darstellte, hatte die Sängerin die Latte beziehungsweise die Erwartungshaltung der Musikfreunde natürlich sehr hoch gelegt – und man war auf dieses Nachfolgealbum sehr gespannt. „Supposed Former Infatuation Junkie“ ist, um es vorweg zu nehmen, eine ganz „nette“ Platte geworden, die manchmal ein bisschen härter klingt als der Vorgänger, oftmals nicht ganz so eingängig ist, leider manchmal aber auch ein Stückchen langweiliger.

Das wiederum liegt weniger an der Art der Musik, denn die ist eindeutig Alanis Morissette pur mit hohem Wiedererkennungswert, was nicht zuletzt schon durch den ausdrucksstarken Gesang der Sängerin bewerkstelligt wird. Nein, es sind die Lieder selbst, die dieses Mal nicht so zünden können, die dieses Mal eben nicht so ins Ohr gehen, die dieses Mal nichts Besonderes oder aber Außergewöhnliches mehr darstellen.

Klar enthält auch dieses Album wieder kleine Hits, wie zum Beispiel „Thank U“. Aber dieser Song hat zum Beispiel bei Weitem nicht mehr die Qualität, wie die Stücke, die „Jagged Little Pill“ nachhaltig werden ließen. Die einzelnen Titel auf „Supposed Former Infatuation Junkie“ plätschern so ein wenig vor sich hin oder aber nerven zum Teil sogar wegen ihrer allzu konzentrierten Süße wie bei „That I Would Be Good“ oder ihrer fast schon atonalen Nervigkeit wie bei „Sympathetic Character“.

Lobend muss man an dieser Stelle allerdings erwähnen, dass Alanis Morissette die CD rappelvoll gepackt hat. So ergibt es sich zwangsläufig, dass sich immer wieder auch Lieder finden, die dem eigenen Musikgeschmack dann doch wieder deutlich besser treffen. Bei mir wäre das zum Beispiel bei „The Couch“ der Fall. „Can’t Not“ enthält eine schöne Steigerung und ist endlich mal ein Lied, welches nicht einfach nach Schema 08/15 durchläuft. „UR“ hat ebenfalls etwas, was nicht zuletzt durch die Instrumentierung mit akustischer Gitarre ausgelöst wird. Ein wenig „folkig“ angehaucht ist das eine sehr melodiöse Nummer geworden. In die gleiche Kerbe schlägt schließlich auch „Unsent“, Lied Nummer 13 auf der Platte.

Sehr schön rockig präsentiert sich Alanis Morissette mit „Joining You“. Eine überzeugende Rocknummer, die schnell ins Ohr geht. Und bei solch schnelleren Stücken kommt die Stimme der Sängerin sogar noch einen Tick besser zur Geltung. Einen Kontrapunkt setzt dann gleich im Anschluss daran „Heart Of The House“. Ein Lied, hauptsächlich akustisch gehalten und mit Streichern versehen, um es noch „weicher“ erscheinen zu lassen. Alanis Morissette singt hier ähnlich einer Tori Amos und dann tauchen in dem Stück auch immer wieder morgenländische Klänge auf, die die Nummer zumindest ein wenig zu einer kleinen Überraschung werden lassen.

Fazit: Auf „Supposed Former Infatuation Junkie“ wechseln sich die besseren und weniger gelungen Stücke immer wieder ab und es bleibt, wie immer, dem Ohr des Zuhörers überlassen, mit welchen Titeln er dann wiederum mehr oder aber weniger anfangen kann. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass das Album längst nicht so eingängig ist wie der Vorgänger. Allerdings wachsen die einzelnen Nummern auch mit der Wiederholung des Hörens, sodass ein mehrmaliges beziehungsweise regelmäßiges Einlegen der CD durchaus lohnenswert sein kann. Diese „Übersongs“, wie sie noch auf dem Vorgänger vorhanden waren, fehlen allerdings auf „Supposed Former Infatuation Junkie“. Wahrlich kein schlechtes Album der Kanadierin, aber auch kein richtig gutes. Acht Punkte.

Anspieltipps: Thank U, The Couch, Can’t Not, UR, I Was Hoping, Unsent, Joining You, Heart Of The House



Montag, 10. September 2012

America – America





America
– America



Besetzung:

Gerry Beckley – vocals, guitar, bass, keyboard, harmonica
Dan Peek – vocals, guitar, bass, keyboard, harmonica
Dewey Bunnell – vocals, guitar


Gastmusiker:

David Lindley – guitar
Dave Atwood – drums
Kim Haworth – drums
Ray Cooper – percussion


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Riverside (3:05)
2. Sandman (5:08)
3. Three Roses (3:57)
4. Children (3:08)
5. A Horse With No Name (4:18)
6. Here (5:35)
7. I Need You (3:08)
8. Rainy Day (2:55)
9. Never Found The Time (3:51)
10. Clarice (4:01)
11. Donkey Jaw (5:20)
12. Pigeon Song (2:18)

Gesamtspieldauer: 46:44




Das Erstlingswerk der amerikanischen Band America erschien 1971 und hatte passenderweise gleich denselben Titel: America. Und es ist wirklich beeindruckend, was man auf dieser ersten Platte zu hören bekommt. Gitarren und mehrstimmiger Gesang stehen im Vordergrund der Musik von America. Auf Perkussion wird meist ganz verzichtet und wenn man dann doch mal eine Trommel oder dergleichen wahrnimmt, dann wirklich nur ganz hauchzart.

Meist sind es die akustischen Gitarren, die hier in Harmonien schwelgen. Die Melodie steht bei jedem America-Song im Vordergrund. Dazu kommen bestens arrangierte Vocals, einstimmig oder mehrstimmig, die nicht selten nach Crosby, Stills & Nash und von mir aus auch noch an Neil Young dazu klingen.

Folk Musik haben America hier produziert, Folk Musik, die immer schnell ins Ohr geht. Dabei verströmt die Musik von America so eine süßliche Atmosphäre, die mitunter auch mal in Langweile umschlagen kann. Richtig gut wird die Band dann, wenn sie auch rockt. Das macht sie in Passagen der Titel „Sandman“ oder auch „Here“. Da wird es spannend und mitreißend. Letzteres wird es auch bei „A Horse With No Name“, einem der bekanntesten Stücke der Amerikaner. Ein tolles und eindringliches Lied, zudem auch noch sehr eingängig.

Ein klein wenig schräg klingt „Donkey Jaw“. Und genau das ist auch die Stärke dieses Titels, der sich damit ein wenig vom Rest der Platte abzusetzen vermag. Der Rest der Scheibe plätschert ein wenig vor sich hin. Da gibt es zwar noch so einen Song wie „I Need You“, der zumindest mal zur Abwechslung mit dem Piano eingeleitet wird, um dann allerdings auch wieder in genau diese allzu harmonische Stimmung abzudriften.

Fazit: Einerseits ist die Band konsequent und verfolgt ihren Stil fast durchgängig. Andererseits kann hier beim Hörer eben genau aus diesem Grund auch Langeweile aufkommen. Wer allerdings auf ganz viel Harmonie und Melodik steht und auch mit Folk Musik etwas anzufangen weiß, der wird hier jede Menge Spaß mit dem Album bekommen. Für mich haben die Lieder die Platte immer dann ihre Stärken, wenn sie etwas anders klingen als der Rest der Scheibe. Aber das Debut von America hat was. Dafür gibt es dann zehn Punkte.

Anspieltipps: Sandman, A Horse With No Name, Here, Donkey Jaw


Sonntag, 9. September 2012

Delicatessen – Skin Touching Water





Delicatessen
– Skin Touching Water



Besetzung:

Neil Carlill – vocals, acoustic guitar, electric guitar, organ, piano
Craig Brown – electric guitar, acoustic guitar, flute
Stuart Dayman – drums, percussion
Pete Capewell – bass guitar


Gastmusiker:

Oliver Langford: strings on tracks 4, 16


Label: Starfish Records


Erscheinungsdatum: Mai 1995


Stil: Rock mit progressiven Ansätzen


Trackliste:

1. I’m Just Alive (3:41)
2. C.F. Kane (3:46)
3. Zebra / Monkey / Liar (3:26)
4. Red, Blue And Green (2:49)
5. Watercress (2:20)
6. Classic Adventure (3:38)
7. Appeased (0:54)
8. Chomsky (3:59)
9. You Cut My Throat, I’ll Cut Yours (2:28)
10. Sick Of Flying Saucers (3:10)
11. Smiling You’re Stupid (2:58)
12. Inviting Both Sisters Out To Dinner (4:30)
13. Advice (1:15)
14. Love’s Liquid (3:40)
15. Froth (3:18)
16. If She Was Anybody Else (4:05)

Gesamtspieldauer: 49:53




Das Erstlingsalbum der vier Engländer, die so gar nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun haben (außer dem Namen), ist ein sehr facettenreiches Werk geworden. Die Platte beginnt mit „I’m Just Alive“ gleich richtig gut. Das Lied lebt von seinem Orgelsound und wirkt fast ein wenig hypnotisierend. Wenn die Nummer auch nicht genau so klingt, so erinnert die Orgel doch ein wenig an den Sound Jon Lords bei Deep Purple. Ganz anders dann jedoch der nächste Track „C.F. Kane“. Ein meist ruhiges, gitarrenlästiges Lied, bei dem zumindest der Anfang des Refrains so auch von Oasis hätte gespielt werden können.

Und abwechslungsreich geht es weiter mit „Zebra / Monkey / Liar“, was fast schon in der Stimmung eines progressiven Rocksongs daherkommt. Nur 3:26 Minuten lang, aber pure Abwechslung. Das Stück wurde gegen Ende ziemlich übersteuert aufgenommen, was den Hörgenuss ein wenig schmälert. Wenn man dann aber zum nächsten Track kommt, weiß man, was sich die Band bei der Produktion dazu gedacht hat. Denn die nächste Nummer wird ganz weich. Eine Violine erklingt und „Red, Blue And Green“ kommt schwebend aus den Boxen. Die Band war wohl auf einem möglichst krassen Gegensatz aus.

Das nächste Stück, „Watercress“, ist dann ein sehr experimentelles Lied und erinnert fast schon an King Crimson der 80er. Wieder eine neue Seite der „Delicatessen“. Aber so ist es die ganze Platte über, bei jedem der insgesamt sechszehn Titel. Kein Lied ähnelt dem anderen und immer wieder wurden völlig schräge Töne mit schönen Melodien kombiniert oder aber abgewechselt.

Klasse das Lied „Chomsky“, bei dem die Querflöte zumindest am Anfang eine Hauptrolle übernimmt oder „Sick Of Flying Saucers“, ein Stück bei dem vor allem der außergewöhnliche Gesang in Erinnerung bleibt.

„Inviting Both Sisters Out To Dinner” ist ein sehr dichtes Lied, was durch seine vielen Rhythmuswechsel gefallen kann. Und auch nicht vergessen werden sollte hier der letzte Track auf dem Album „If She Was Anybody Else“, der zunächst sehr schleppend beginnt, dann aber immer wieder durch den Violineneinsatz eine tolle Wendung erfährt.

Fazit: Ein guter Einstand ist den vier Engländern da gelungen. Die Abwechslung macht es bei diesem Album. Wer Spaß hat an guter Rockmusik, weit entfernt vom Mainstream, der wird an dieser Veröffentlichung auch Gefallen finden. Von mir gibt es dafür zehn Punkte.

Anspieltipps: I’m Just Alive, C.F. Kane, Chomsky, Inviting Both Sisters Out To Dinner, Froth, If She Was Anybody Else




Samstag, 8. September 2012

Ram Jam – The Very Best Of





Ram Jam – The Very Best Of


Besetzung:

William (Bill) Bartlett – guitar
Howie Blauvelt – bass
Peter Charles – drums
Myke Scavone – vocals
Jimmy Santoro – guitar


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Black Betty (3:58)
2. Let It All Out (4:00)
3. Keep Your Hands On The Wheel (3:36)
4. Right On The Money (3:12)
5. All For The Love Of Rock’n‘Roll (3:02)
6. 404 (3:45)
7. High Steppin‘ (3:41)
8. Overloaded (5:55)
9. Hey Boogie Woman (3:09)
10. Too Bad On Your Birthday (3:12)
11. The Kid Next Door (3:23)
12. Turnpike (5:42)
13. Wanna Find Love (3:45)
14. Just Like Me (4:14)
15. Hurricane Ride (4:05)
16. Saturday Night (3:33)
17. Runaway Runaway4:48()
18. Please, Please Please (Please me) (2:55)
19. Gone Wild (3:17)
20. Pretty Poison (4:28)




Die Formation „Ram Jam“ wurde 1974 gegründet und produzierte 1977 ihre erste LP, „Ram Jam“. 1979, nach der zweiten Veröffentlichung, war allerdings alles schon wieder vorbei, die Band löste sich ohne viele Streitigkeiten auf. Bartlett und Blauvelt gaben diesbezüglich als Grund an, wieder mehr Musik schreiben zu wollen - und wieder weniger auf der Bühne stehen zu müssen. Das Album „The Very Best Of“ gibt damit einen sehr guten Überblick über das Schaffen von „Ram Jam“, da auf dieser Kompilation fast alle Titel der zwei Alben enthalten sind.

Dass man sich heute noch an „Ram Jam“ erinnert, liegt an ihrem einen Hit, den sie hatten: „Black Betty“. Somit ist Ram Jam das klassische „One Hit Wonder“. Die meisten Lieder der Band stammen übrigens nicht aus ihrer eigenen Feder. So ist zum Beispiel „Black Betty“ ein Stück von Hudson Ledbetter (1889 - 1949), einem amerikanischen Bluessänger, welches von „Ram Jam“ allerdings klasse, eindrucksvoll und packend interpretiert wurde.

Zur Musik: Wer Ende der 70er beziehungsweise Anfang der 80er Jahre mal in einer Disco war, die sich nicht ausschließlich dem Discosound verschrieben hatte, der kam zur damaligen Zeit an „Black Betty“ nicht vorbei. Und mit den Jahren wurde das Stück zu einem Klassiker, den man als Rockmusikfan einfach kennen muss.

Doch was ist mit den 19 anderen Songs, die sich auf diesem „Best Of“-Album befinden? Alle sind ganz nette Hard Rock-, Rock’n’Roll- oder Blues-Nummern, von denen allerdings leider keine das Potential besitzt, länger im Ohr haften zu bleiben. Einzige Ausnahme vielleicht der Track „Turnpike“, der langsam mit einem Piano beginnt und dabei eine schöne Melodie aufweist. Das Stück steigert sich dann durchaus spannend und entwickelt sich zu einer richtig guten Nummer.

Nun, bei den restlichen 18 Nummern gibt es zwar auch keinen richtigen Ausfall und vielleicht können Blues- und Rock’n’Roll-Freunde damit noch mehr anfangen als ich, aber die Musik packt mich nicht, sie beschäftigt mich nicht und bleibt nicht hängen. Und gerade das muss gute Musik in meinen Augen machen: Hängenbleiben. Nicht, dass man nach dem Hören eines Albums sagt: „War da was?“

Fazit: Bei „Ram Jam“ war da nicht viel. Punkte gibt es aber trotzdem: Zwei für den Klassiker „Black Betty“ sowie einen für das schöne „Turnpike“. Die restlichen 18 Titel erhalten zusammen drei Punkte, da man bei deren Hören zumindest nicht sofort die „Weitertaste“ auf der Fernbedienung betätigen muss und den Titeln wenigstens lauschen kann, ohne gezwungen zu sein, den Raum zu verlassen. Das ergibt summa summarum sechs Punkte.

Anspieltipps: Black Betty, Turnpike




Freitag, 7. September 2012

Camel – Mirage





Camel – Mirage


Besetzung:

Andy Latimer – guitar, flute, vocals
Peter Bardens – keyboards, vocals
Douglas Ferguson – bass
Andy Ward – drums


Label: Deram Records


Erscheinungsdatum: 1974 / 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Freefall (5:54)
2. Supertwister (3:20)
3. Nimrodel / The Procession / The White Rider (9:18)
4. Earthrise (6:42)
5. Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy (12:45)


Bonus Tracks:

6. Supertwister (Live 1974) (3:16)
7. Mystic Queen (Live 1974) (6:07)
8. Arubaluba (Live 1974) (7:48)
9. Lady Fantasy (Original Basing Street Studios Mix 1973) (12:59)

Gesamtspieldauer: 1:08:08




„Mirage“ heißt das zweite Studioalbum der britischen, ursprünglich „Progressive Rock Band“ Camel aus dem Jahr 1974. Und dieses Album beginnt ungewöhnlich rockig für die Band. „Freefall“ knallt ziemlich schnell los - mit einer sehr aggressiven Gitarre und sehr hartem Beat. Das Ganze klingt zu Beginn noch einigermaßen interessant, wird dann aber überaus langweilig, wenn der Gesang einsetzt, denn der will irgendwie nicht so recht zum Rest des Liedes passen. Zwar folgt noch ein ganz nettes Gitarrensolo, aber besonders viel Eindruck hinterlässt dieses Lied nicht.

Besser wird es da bei „Supertwister“. Ein schönes Instrumentalstück, welches vor allem vom Querflötenspiel des Andy Latimer lebt. Und dieses Lied klingt jetzt schon deutlich mehr nach progressivem Rock, wie er in den 70ern des letzten Jahrhunderts gespielt wurde. Noch einen Schritt weiter in diese Richtung geht die Band dann mit „Nimrodel / The Procession / The White Rider“. Aus mehreren Teilen zusammengesetzt, meist melodiös, allerdings auch mit etwas experimentelleren Abschnitten, präsentiert Camel hier wahrlich kein 08/15 Pop-Lied, sondern schon anspruchsvollere Töne. Und mit diesem Stück können sie dann auch den „Proggy“ unter den Hörern besser einfangen.

Es folgt mit „Earthrise“ eine erneute Instrumentalnummer, die allerdings nicht so recht zünden will, bis das ursprüngliche Album schließlich mit „Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy“ beendet wird. Nun, mit diesem Song ziehen die Mannen um Andy Latimer noch mal alle Register und zeigen, wie abwechslungsreich und packend progressive Rockmusik sein kann. Sicherlich einer der besten Songs der Band, der alle Zutaten einer spannenden Nummer bereithält.

Auf der remasterten Fassung von 2002 finden sich dann noch drei Live-Mitschnitte sowie eine alternative Version von „Lady Fantasy“. Bei „Mystic Queen“ und „Arubaluba“ handelt es sich dabei um Stücke, die bereits auf dem Debut-Album „Camel“ vertreten waren, hier jedoch in interessanten Versionen die Platte bereichern.

Fazit: Es ist alles nicht schlecht, was Camel da zu Beginn und Mitte der 70er abgeliefert haben. Aber irgendwie schwamm die Band so mit. Nicht schlecht, wie gesagt, aber so richtig gut? Nein, dazu ist die Musik einfach nicht packend genug und es bleibt dann doch deutlich weniger hängen, als bei anderen britischen Combos derselben Stilrichtung und derselben Zeit. Woran das liegt? Weniger Ideen? Weniger Melodiösität? Weniger Spannung? An nichts Einzelnem – aber vielleicht an jedem ein kleines bisschen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Supertwister, Nimrodel / The Procession / The White Rider, Lady Fantasy: Encounter / Smiles For You / Lady Fantasy, Mystic Queen



Donnerstag, 6. September 2012

AC/DC – High Voltage




AC/DC – High Voltage


Besetzung:

Malcolm Young – rhythm guitar
Angus Young – lead guitar
Bon Scott – vocals, bagpipes
Phil Rudd – drums
Mark Evans – bass


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Hardrock


Trackliste:

1. It's A Long Way To The Top (5:02)
2. Rock 'n' Roll Singer (5:04)
3. The Jack (5:53)
4. Live Wire (5:50)
5. T.N.T. (3:35)
6. Can I Sit Next To You Girl (4:12)
7. Little Lover (5:40)
8. She's Got Balls (4:52)
9. High Voltage (4:14)

Gesamtspieldauer: 44:21




“High Voltage” ist die erste Veröffentlichung AC/DCs und erschien im Jahr 1976. Das stimmt zwar nicht ganz, aber zumindest handelt es sich um die erste Veröffentlichung der Band AC/DC außerhalb ihres Heimatlandes Australien. Dort wurden in diesem und im Jahr zuvor nämlich bereits zwei Platten mit den Titeln „High Voltage“ und „T.N.T.“ veröffentlicht. Die Liederauswahl auf der internationalen Veröffentlichung mit dem Titel „High Voltage“ setzt sich dabei aus den zwei australischen Alben zusammen, wobei zwei Lieder von der ursprünglichen Platte „High Voltage“ stammen, die restlichen sieben Stücke vom australischen „T.N.T.“-Album.

Seltsam ist diese Veröffentlichungsstrategie allemal, zumal noch nicht mal alle weiteren auf den australischen Ausgaben vorhandenen Nummern bisher außerhalb Australiens veröffentlicht wurden. Die Titel, die sich allerdings auf der internationalen „High Voltage“ Platte tummeln, können sich wahrlich sehen beziehungsweise besser hören lassen.

„High Voltage“ ist ein klasse Hardrock-Album geworden. Auf ihm tummeln sich einige Klassiker der Band wie „Live Wire“, eines der besten Hardrock-Lieder überhaupt und an Spannung kaum zu überbieten. Oder aber „T.N.T.“, ein Lied, welches Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auf keiner Party oder in keiner Disco fehlen durfte und bei dem das Publikum einfach mitsingen musste.

Weitere Klassiker sind „It's A Long Way To The Top”, “Can I Sit Next To You Girl” oder der Titeltrack “High Voltage”. Und wenn dann auf dieser, für AC/DC-Verhältnisse, etwas bluesigeren Scheibe noch solche Titel wie „The Jack“ oder „She's Got Balls“ enthalten sind, dann finden auch Freunde dieser Musikrichtung hier sogar einen Zugang zur australischen Hardrock-Legende.

Fazit: “High Voltage” war wegbereitend für die weiteren Alben der Band. Bon Scott sang unnachahmlich gut und eindrucksvoll und spielte auf „It's A Long Way To The Top“ sogar noch Dudelsack. Malcolm und Angus Young übertrafen sich mit ihren Riffs und Ideen, Marc Evans spielte den treibenden Bass nicht nur auf „Live Wire“ und Phil Rudd trommelte dazu den perfekten Beat. Ein überaus gelungener Erstling war geschaffen, wenn er es auf den zweiten Blick auch gar nicht das „richtige“ erste Album ist. „High Voltage” bietet Hardrock vom Feinsten, mit allen Zutaten, die AC/DC in den 70ern des letzten Jahrhunderts ausmachte. Sehr zu empfehlen und zwölf Punkte wert.

Anspieltipps: It's A Long Way To The Top, The Jack, Live Wire, T.N.T., Can I Sit Next To You Girl, High Voltage





Mittwoch, 5. September 2012

The Byrds – Fifth Dimension





The Byrds – Fifth Dimension


Besetzung:

Roger McGuinn – vocals, guitar
David Crosby – vocals, guitar
Chris Hillman – vocals, bass
Michael Clarke – drums


Gastmusiker:

Gene Clark – vocals, guitar (Eight Miles High, Why?), harmonica (Captain Soul)
Van Dyke Parks – keyboards (5D)


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. 5D (Fifth Dimension) (2:33)
2. Wild Mountain Thyme (2:30)
3. Mr. Spaceman (2:09)
4. I See You (2:38)
5. What’s Happening?!?! (2:35)
6. I Come And Stand At Every Door (3:03)
7. Eight Miles High (3:34)
8. Hey Joe (Where You Gonna Go) (2:17)
9. Captain Soul (2:53)
10. John Riley (2:57)
11. 2-4-2 Fox Trot (The Lear Jet Song) (2:12)


Bonus Tracks:

12. Why? (2:59)
13. I Know My Rider (I Know You Rider) (2:43)
14. Psychodrama City (3:23)
15. Eight Miles High (Alternative Version) (3:19)
16. Why? (Alternative Version) (2:40)
17. John Riley (Instrumental, Interview mit D. Crosby und R. McGuinn) (16:53)

Gesamtspieldauer: 1:02:22




Auf Ihrem dritten Studioalbum aus dem Jahr 1966, mit dem Titel “Fifth Dimension“, vollzogen die Byrds einen fast vollständigen Richtungswechsel. Stand auf den ersten Platten noch Folk Rock, häufig inspiriert und initiiert durch Bob Dylan auf dem Programm, so sind auf der dritten Scheibe sehr viel mehr psychedelische Töne zu hören. Gemeinhin gilt „Fifth Dimension“ sogar als erstes „Psychedelisches Album“ überhaupt.

Auch auf Bandebene selbst hatte sich eine Veränderung vollzogen. Gene Clark ist auf dieser Platte nur noch mit seiner Gitarre und seinem Gesang auf „Eight Miles High“ sowie mit der Mundharmonika bei „Captain Soul“ zu hören. Nach diesen Aufnahmen verließ er die Band, um eine Solokariere zu starten. Als weitere Gründe dafür werden auch Flugangst genannt, da sich die Band zum damaligen Zeitpunkt, wenn nicht im Studio, praktisch ununterbrochen auf Tournee befand. Allerdings war er damit noch maßgeblich an der Entstehung einer der Klassiker der Band schlechthin, „Eight Miles High“, beteiligt.

Zu den einzelnen Titeln. Das Titellied „5D (Fifth Dimension)“ kommt noch ganz im Gewand eines Bob Dylan Songs daher, wurde allerdings von Roger McGuinn geschrieben. Bei „White Mountain Thyme” handelt es sich um ein altes schottisches Volkslied, welches mit jeder Menge Streicher aufgepeppt wurde und „Mr. Spaceman“, wieder von McGuinn, wurde nach „Eight Miles High“ und „5D“ die dritte Singleauskopplung. Dabei handelt es sich um einen Popsong, der bereits erste Country-Anleihen enthält.

Mit “I See You” geht es dann zum ersten Mal in die psychedelische Richtung, während „What’s Happening?!?!“ das erste, vollständig von David Crosby komponierte Lied darstellt. Ein ganz netter Pop-Song, der von Roger McGuinns Gitarre dominiert wird. „I Come And Stand At Every Door“ klingt sehr traurig und ist wieder mal die Bearbeitung eines gecoverten Liedes, welches mit neuem Text versehen wurde, der sich mit dem Tod eines Kindes in Hiroshima beschäftigt.

Dann folgt er, der Klassiker der Band, „Eight Miles High”, mit über dreieinhalb Minuten Spieldauer auch das längste Stück des Albums. Ein klasse Song, bei dem man richtiggehend hört und auch spürt, dass die Musiker hier neue Wege beschreiten wollten. Es wirkt ein wenig experimentell und auch abgefahren, ohne dass es dabei zu frickelig oder aber gar unausgegoren klingen würde. Einfach ein guter Song im Stile des Psychedelic Rock, der die Grundlage für so manche weitere Komposition ebnete.

“Hey Joe (Where You Gonna Go)” ist eine weitere Coverversion eines Folk-Songs, die von zig anderen Bands und Künstlern ebenfalls gecovert wurde. An die Version von Jimi Hendrix reicht diese Interpretation der Byrds da jedoch bei weitem nicht heran. An „Captain Soul”, einem Blues-Lied gibt es drei Dinge zu bemerken. Es ist eines der wenigen Instrumentalstücke der Band, eines der wenigen Lieder, an denen Michael Clarke beim Komponieren beteiligt war und bei dem Gene Clark auf der Mundharmonika zu hören ist. Und dann doch noch Viertens: Kein besonders guter Titel, eher ein wenig langweilig.

Bei “John Riley” handelt es sich erneut um eine Coverversion. Eine ganz nette und melodiöse Nummer, ein Folksong, der relativ schnell ins Ohr geht. Bliebe von den ursprünglich auf der Platte vorhandenen Liedern noch „2-4-2 Fox Trot (The Lear Jet Song)”. Man hört Motorengeräusche eines Flugzeugs und die Mantra-artige Wiederholung der Textzeile „Go 'n ride the lear jet, Go 'n ride the lear jet, baby“. Das Ganze wird untermalt mit Funkgeräuschen und Funksprechverkehr. Eine Melodie fehlt völlig und das Stück geht als Experiment in den Songkatalog auf „Fifth Dimension“ ein.

Nun folgen die Bonus Tracks der remasterten Veröffentlichung von 1996. „Why?“ stellte die ehemalige B-Seite der Single „Eight Miles High“ dar und geht ebenfalls in genau diese psychedelische Richtung, die auch durch Roger McGuinns Gitarre ausdrucksstark untermalt wird. „I Know My Rider (I Know You Rider)” ist wieder mal ein Lied, ein bestehender Folksong, der durch die Byrds nur noch überarbeitet wurde. Daran war auch noch Gene Clark beteiligt, wie man in den Credits nachlesen kann. Das Lied hätte genauso gut von den Beatles sein können, denn genau danach klingt es auch. „Psychodrama City” ist dagegen wieder eine Eigenkomposition, dieses Mal von David Crosby. Die Gitarre klingt ein wenig wirr (was bei dem Titel wohl auch gewollt ist), jedoch auf die Dauer nervt das ganz schön, womit es nicht weiter überrascht, dass es dieses Lied nicht auf die ursprüngliche Platte schaffte.

Als weitere Zugaben gibt es dann noch eine alternative Version von „Eight Miles High“, die ebenfalls sehr hörenswert ist, eine zusätzliche Version von „Why?“, die allerdings etwas unausgegoren wirkt, sowie den Song „John Riley“ in einer Instrumentalversion. Nach knapp drei Minuten und zwanzig Sekunden ist dann Schluss, aber nur fünfzehn Sekunden lang. Dann melden sich Roger McGuinn und David Crosby zu Wort und erzählen ein wenig über das Album. Zum Beispiel erfährt man, dass es sich bei „Eight Miles High“ um einen „tribute for John Coltrane“ handelt und textlich ein Flug nach England eingeflossen ist und was die Band dort erlebte. Im Weiteren geht es auch noch um die Findung des Namens „The Byrds“ und einiges mehr. Ein schönes und für jeden Fan auch sehr interessantes Tondokument.

Fazit: „Fifth Dimension“ ist sicherlich ein Meilenstein, wenn es um die Entwicklung des Psychedelic Rock geht. Und es finden sich auch noch ein paar andere, ganz nette Lieder auf der Platte, sodass dieses Album dann doch sehr viel beeindruckender ausfällt, als die beiden vorherigen Veröffentlichungen der Amerikaner. Zwar klingt alles mitunter auch ein wenig altbacken, aber ganz entziehen kann man sich dieser Musik auch heute noch nicht. „Fifth Diemension“ ist ein gutes Album geworden mit ein paar Klassikern und hat zehn Punkte verdient.

Anspieltipps: 5D, Mr. Spaceman, I See You, I Come And Stand At Every Door, Eight Miles High, John Riley, Why?



Dienstag, 4. September 2012

David Bowie – Hours…


 


David Bowie – Hours…


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards, guitar


Gastmusiker:

Reeves Gabriels – guitar
Mark Plati – bass, guitar, keyboards
Mike Levesque – drums
Sterling Campbell – drums
Chris Haskett – guitar
Everett Bradley – percussion
Holly Palmer – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Thursday's Child (5:22)
2. Something In The Air (5:46)
3. Survive (4:11)
4. If I'm Dreaming My Life (7:05)
5. Seven (4:05)
6. What's Really Happening? (4:10)
7. The Pretty Things Are Going To Hell (4:41)
8. New Angels Of Promise (4:37)
9. Brilliant Adventure (1:52)
10. The Dreamers (7:46)

Gesamtspieldauer: 47:03




Auf seinem letzten Album des letzten Jahrtausends, „Hours…“, seiner bisher zweiundzwanzigsten Studioveröffentlichung, ist David Bowie zugegebenermaßen nicht mehr übermäßig innovativ. Viel Neues bekommt man hier nicht mehr zu hören. Keine Experimente mehr, keine neuen Stilrichtungen, die Bowie ausprobiert geschweige denn mit initiiert. „Hours…“ ist ein Pop-Rock-Album geworden, angefüllt mit Stücken, die fast alle auch radiotauglich sind.

Aber genau diese Stücke haben es trotzdem in sich, denn auf „Hours…“ hört man Pop- beziehungsweise Rock-Musik auf allerhöchstem Niveau. Das Album ist angefüllt mit Nummern, die ziemlich schnell ins Ohr gehen, allerdings auch nach mehrmaligem Hören nichts an ihrem Reiz verlieren. Und auch wenn hier deutlich weniger Experimente zu hören sind, 08/15-Musik ist das auf gar keinen Fall. Stellvertretend dafür steht so ein Song wie „If I'm Dreaming My Life“. Da wird in den ersten der sieben Minuten Dauer gerockt, um dann in einen sphärischen Teil überzugehen, in denen die Aussage „Dreaming My Life“ Mantra-ähnlich wiederholt wird.

Oder da gibt es so ein unglaublich intensives Stück wie „Something In The Air“. Klasse, packende Melodie und immer wieder wird Bowies Stimme gedoppelt und dabei der eine Teil bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Klasse gemacht. Es finden sich eingängige und auch für David Bowie fast schon typische Popsongs wie „Thursday‘s Child“, „Something In The Air“ oder „Seven“ neben einer, dann doch experimentelleren Klangpassage wie „Brilliant Adventure“, welche auch perfekt auf dem Album „Low“ von 1977 Platz gefunden hätte.

Gerockt wird auch. „Brilliant Adventure“ klingt dabei schon ungewöhnlich heftig im Songkatalog des David Bowie, während er bei der Pop-Nummer „New Angels Of Promise“ einmal mehr seinen eindrucksvollen Gesang auslebt.

Fazit: Der Hörer bekommt viel geboten auf „Hours…“. Kein schlechter Titel hat sich auf die Platte verirrt, ganz im Gegenteil sogar, hier klingt wirklich alles. Dabei können die Melodien den Hörer meist schnell packen und bleiben auch hängen. Klar ist das Ganze nicht mehr so innovativ, wie vielleicht in den 70er Jahren. Aber hier hört man gut gemachten Pop und der lohnt sich in diesem Fall wahrlich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Something In The Air, If I'm Dreaming My Life, Seven, Brilliant Adventure, New Angels Of Promise