Dienstag, 25. September 2012

The Byrds - The Notorious Byrd Brothers




The Byrds – The Notorious Byrd Brothers


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, synthesizer, vocals
David Crosby – rhythm guitar, vocals
Chris Hillman – bass, vocals
Michael Clarke – drums


Gastmusiker:

Jim Gordon – drums
Red Rhodes – pedal steel guitar
Clarence White – guitar


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Artificial Energy (2:18)
2. Goin' Back (3:25)
3. Natural Harmony (2:11)
4. Draft Morning (2:42)
5. Wasn't Born To Follow (2:03)
6. Get To You (2:39)
7. Change Is Now (3:21)
8. Old John Robertson (1:48)
9. Tribal Gathering (2:02)
10. Dolphin's Smile (2:00)
11. Space Odyssey (3:52)


Bonus Tracks:

12. Moog Raga (Instrumental) (3:24)
13. Bound To Fall (Instrumental) (2:11)
14. Triad (3:31)
15. Goin' Back (Alternate Version) (3:54)
16. Draft Morning (Alternate End) (2:58)
17. Universal Mind Decoder (Alternate Backing Track) (13:44)

Gesamtspieldauer: 58:27




Das fünfte “reguläre” Studioalbum der Byrds mit dem Titel „The Notorious Byrd Brothers“ hatte es nicht ganz leicht in seiner Entstehungsgeschichte. David Crosby wurde während der Aufnahmen von Roger McGuinn und Chris Hillman aus der Band geschmissen, da hier mehrere Alpha-Tiere um die Vorherrschaft in der Gruppe kämpften und Crosby gleichzeitig noch auf mehreren anderen „Hochzeiten tanzte“. Aber nicht nur David Crosby, sondern auch Drummer Michael Clarke hatte die Band entnervt verlassen, als das Album „The Notorious Byrd Brothers“ im Januar 1968 veröffentlicht wurde. Zwar waren auch diese beiden Musiker noch am Entstehungsprozess des Albums mit beteiligt, allerdings nur noch in deutlich geringerem Umfang als McGuinn und Hillman.

Auch wenn das Album von den Kritikern noch gelobt wurde, so verkaufte es sich doch schon deutlich schlechter, als die Vorgängeralben der Band. Und wenn man die Platte intensiv und mehrmals durchgehört hat, dann verwundert einen auch mehr das Urteil der Kritiker, als das jenes, welche die Hörer mit dem verminderten Kauf der Platte abgegeben haben, denn „The Notorious Byrd Brothers“ ist deutlich schwächer als zumindest die beiden Platten zuvor.

Der „psychedelische Touch“ einzelner Stücke ist fast vollständig verloren gegangen. Vielmehr dominiert nun wieder der Pop sowie immer stärkere werdende Country-Einflüsse in der Musik der Byrds. Dieser Abwechslungsreichtum, der noch auf „Younger Than Yesterday“ Einzug gehalten hatte, ist einem gewissen Mainstream gewichen. Dies bedeutet nun nicht, dass „The Notorious Byrd Brothers“ ein schlechtes Album geworden ist, allerdings ist es ein Rückschritt.

Die einzelnen Lieder des Albums sind kaum mehr voneinander getrennt und gehen häufig ineinander über. Alles wirkt sehr weich, sehr auf Harmonie bedacht. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das Ziel war, eine „schöne“ Platte zu machen. Das wiederum bedeutet allerdings auch, dass Ecken und Kanten deutlich rarer gesät sind. Auch die Pedal Steel Guitar hält hier immer wieder Einzug. Das muss man mögen, oder man findet, na sagen wir mal „Country-Music“ in dieser Art und Weise nicht so prickelnd. So wie es hier gespielt wird, klingt es manches Mal allzu altbacken.

Höhepunkte des Albums sind „Draft Morning“, „Change Is Now“ und zwar immer dann, wenn es nicht nach Country klingt und „Tribal Gathering“, weil es so anders und ein wenig „abgefahren“ ist. Der Rest ist immer ganz nett beziehungsweise okay, umhauen tut es einen nicht mehr.

Auch dieses Mal gibt es wieder sechs Bonus-Stücke auf der remasterten Version der Platte. Sogar ein wenig „Musikgeschichte“ erhascht man dabei, denn „Moog Raga“ war zur damaligen Zeit mit Sicherheit unglaublich innovativ und klingt heute nur noch seltsam. Ebenfalls instrumental und ohne Gesang eingespielt wurde „Bound To Fall“. „Triad“ ist ein Stück, welches von David Crosby geschrieben wurde, allerdings ursprünglich 1968 von Jefferson Airplane veröffentlicht wurde. Dann gibt es noch zwei alternative Versionen und schließlich mit „Universal Mind Decoder“ wieder ein Instrumentalstück. Dieses ist allerdings nicht das Interessante an diesem angeblich 13 Minuten und 44 Sekunden langen Stück. Es ist der „Hidden Track“ der sich daran anaschließt und auch überhaupt kein Lied ist. Vielmehr hört man hier Übungsraumaufnahmen und zwar wie David Crosby immer wieder Michael Clarke angeht, da dieser die Drums nicht so spielt, wie er sich das vorstellt. Kein Wunder, dass die Band während der Aufnahmen zu diesem Album zumindest in dieser Zusammensetzung auseinanderbrach.

Fazit: „The Notorious Byrd Brothers” ist wahrlich kein schlechtes Album. Leider fehlt ihm jedoch die Klasse der beiden Vorgänger. Meist ist das das nur noch Mainstream-Durchschnitt der damaligen Zeit. Nichts mehr Bewegendes. Ganz nett zu Anhören, allerdings auch relativ schnell wieder vergessen. Durchschnitt eben – acht Punkte.

Anspieltipps: Natural Harmony, Draft Morning, Change Is Now, Tribal Gathering



Montag, 24. September 2012

Madonna – Madonna




Madonna – Madonna


Besetzung:

Madonna – vocals, background vocals, cowbell


Gastmusiker:

Dean Gant– piano, synthesizer
Curtis Hudson – guitar
Raymond Hudson – bass
Anthony Jackson – bass
Bashiri Johnson – percussion
Reggie Lucas – drum programming, guitar, programming
Bob Malach – tenor saxophone
Leslie Ming – drum programming, programming
Paul Pesco – guitar
Ira Siegel – guitar
Ed Walsh – synthesizer
Fred Zarr – drums, fender rhodes, moog bass, moog synthesizer, piano, synthesizer
Chrissy Faith – background vocals
Tina B. – background vocals
Brenda White – background vocals
Norma Jean Wright – background vocals
Gwen Guthrie – background vocals


Label: Warner Bros. Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Disco, Pop


Trackliste:

1. Lucky Star (5:38)
2. Borderline (5:21)
3. Burning Up (3:45)
4. I Know It (3:47)
5. Holiday (6:11)
6. Think of Me (4:55)
7. Physical Attraction (6:40)
8. Everybody (6:02)


Bonus Tracks:

9. Burning Up (12″ Version) (6:00)
10. Lucky Star (New Mix) (7:15)

Gesamtspieldauer: 55:28




Unglaublich, wie belanglos Musik sein kann. Das merkt man allerdings sofort, wenn man sich Madonnas Erstlingswerk aus dem Jahr 1983 zu Gemüte führt. Auf dem Album ist Musik für den Augenblick hinterlegt. Dieser Augenblick war 1983, ist also lange, sogar schon sehr lange vorbei.

Das Album ist vollgestopft mit Disco-Pop. Nun okay, die Musik muss man mögen, sonst sollte man sich an solch eine Platte nicht heranwagen. Ich habe da allerdings keine Berührungsängste, aber was hier geboten wird ist sowas von schlecht, das kann einem, wenn es dumm läuft, den ganzen Tag verderben.

Die Musik ist unglaublich oberflächlich, die Texte sind stumpfsinnig und richtiggehend verdummend. Und dann wird noch was sehr offensichtlich an diesem Album: Madonna scheint erst auf den späteren Alben das Singen gelernt zu haben. Da macht sie das dann ganz gut, hier jedoch klingt ihre Stimme noch überaus dünn und gekünstelt. Genau wie die Musik wirkt auch die Sängerin oberflächlich und das Album erscheint so, als ob es auf die Schnelle eben mal produziert worden ist.

Und jetzt kommt das größte Problem des Albums: Die Songs wirken nicht! Sie packen einen nicht. Wenn man erreichen will, dass die Tanzfläche sich leert, dann gibt es hier jede Menge Auswahl an Liedern, die genau das für einen bewerkstelligen können. Grottenschlecht. Zudem sind die Titel für diese Art von Musik auch noch ausgesprochen lang. Die Qual wird also dadurch noch etwas größer.

Einen Wiedererkennungswert haben lediglich zwei der Single-Auskopplungen des Albums. Und das sind die Nummern „Lucky Star“ und „Holiday“. Akzeptabel, gut ist allerdings etwas anderes. Auf der remasterten Version sind auch zwei Zugaben enthalten. Bei diesen handelt es sich um anders abgemischte Versionen der Stücke „Burning Up“ und „Lucky Star“. Vielleicht etwas für Fans, für den Rest überaus entbehrlich.

Fazit: Im Internet habe ich mal gelesen, dass dieses Debut-Album von Madonna eine „zeitlose“ Platte wäre, die man sich auch noch in vielen, vielen Jahren immer wieder anhören kann. So gehen eben die Meinungen auseinander. Ich höre hier nur billigen und überaus vergänglichen Pop, den anzuhören an Zeitverschwendung grenzt. Zwei Punkte für die beiden Hits.

Anspieltipps: Lucky Star, Holiday (Aber nur wenn es unbedingt sein muss!)



Sonntag, 23. September 2012

The Lovin’ Spoonful – Hums Of The Lovin’ Spoonful




The Lovin’ Spoonful – Hums Of The Lovin’ Spoonful


Besetzung:

John Benson Sebastian – guitar, vocals
Zalman Yanovsky – guitar, vocals
John Steven Boone – bass
John Campbell Butler – drums


Gastmusiker:

Henry Diltz – clarinet


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Pop, Blues, Country


Trackliste:

1. Lovin’ You (2:29)
2. Bes’ Friends (1:54)
3. Voodoo In My Basement (2:29)
4. Darlin’ Companion (2:22)
5. Henry Thomas (1:43)
6. Full Measure (2:42)
7. Rain On The Roof (2:13)
8. Coconut Grove (2:43)
9. Nashville Cats (2:35)
10. 4 Eyes (2:53)
11. Summer In The City (2:45)


Bonus Tracks:

12. Darlin’ Companion (John Sebastian Solo Drum) (2:23)
13. Rain On The Roof (Instrumental Version) (2:17)
14. 4 Eyes (Alternate Vocal / Extended Version) (3:41)
15. Full Measure (Instrumental Version) (2:43)
16. Voodoo In My Basement (Instrumental Version) (2:40)
17. Darlin’ Companion (Alternate Vocal / Alternate Mix) (2:25)

Gesamtspieldauer: 43:05




Ein Highlight, ein klein wenig Licht und viel Schatten verbirgt sich auf dem dritten Studioalbum der amerikanischen Band The Lovin‘ Spoonful, welches 1967 veröffentlicht wurde. Und da haben wir ihn auch, den Übersong der Band mit dem Titel „Summer In The City“. Ein richtig guter und eingängiger Pop-Song, der auch noch in hundert Jahren gehört werden wird. Klasse Melodie, klasse Rhythmus, genau die richtige Geschwindigkeit. Hier passt einfach alles perfekt. Auch der Text und die Hintergrundgeräusche sind da überaus gelungen. Nur leider ist dieses Lied irgendwie das Einzige, mit welchem The Lovin‘ Spoonful so richtig überzeugen können.

Was gibt es sonst noch gutes auf dem Album „Hums Of The Lovin’ Spoonful“ zu entdecken? „Lovin’ You“ ist ein ganz netter Pop-Song mit ein paar kleinen Country-Anleihen. Richtig gut gelungen ist der Band der Titel „Coconut Grove“. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er so anders ist, als das, was The Lovin’ Spoonful sonst meistens noch so zu bieten haben. Das Lied verbreitet seine ganz eigene, sogar etwas düstere Stimmung und transportiert so eine tiefe Traurigkeit – und das ist richtig gelungen.

Den ganzen Rest der Platte kann man vergessen. Belangloses Blues- oder Country-Gedudel mit Pop-Einflüssen. Als Beispiel seien hierfür „Bes‘ Friends“, welches ganz stark nach Klamauk klingt und „Henry Thomas“ genannt, bei dem man meint, dass Kinder zur Hintergrundmusik versuchen, selbst Töne auf diversen Instrumenten zu erzeugen. Katastrophal schlecht.

Auch die sechs Zugaben der remasterten Fassung können das Bild nicht verbessern. Bei ihnen handelt es sich um alternative oder instrumentale Versionen der regulären, auf dem Album enthaltenen, Titel.

Fazit: „Hums Of The Lovin’ Spoonful“ erhebt sich deshalb über die anderen Werke der Lovin‘ Spoonful, weil es „Summer In The City“ enthält. Ein wirklich tolles Lied, welches in der Version von The Lovin‘ Spoonful auch deutlich besser ist, als die von Joe Cocker. Der Rest der Platte ist, bis auf die genannten Ausnahmen, allerunterste Kajüte. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Lovin’ You, Coconut Grove, Summer In The City





Samstag, 22. September 2012

Leonard Cohen – Songs Of Leonard Cohen




Leonard Cohen – Songs Of Leonard Cohen


Besetzung:

Leonard Cohen – guitar, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Folk


Trackliste:

1. Suzanne (3:50)
2. Master Song (5:58)
3. Winter Lady (2:18)
4. The Stranger Song (5:08)
5. Sisters Of Mercy (3:37)
6. So Long, Marianne (5:41)
7. Hey, That's No Way To Say Goodbye (2:58)
8. Stories Of The Street (4:38)
9. Teachers (3:02)
10. One Of Us Cannot Be Wrong (4:29)

Gesamtspieldauer: 41:33




Es ist die Stimmung, die auf dem ersten Werk des Kanadiers Leonard Cohen vorherrscht, die dieses Album so besonders macht. Die Lieder waren von Cohen zum Teil schon deutlich früher geschrieben worden, 1968 wurden sie dann auf „Songs Of Leonard Cohen“ veröffentlicht.

„Songs Of Leonard Cohen“ ist ein ruhiges Album geworden. Ein sehr ruhiges Album. Meist hört man nur Leonard Cohens Gesang sowie seine Begleitung, die akustische Gitarre. Nur sehr selten ist so etwas wie Perkussion zu vernehmen. Auch die Hintergrundchöre sowie zusätzliche Instrumente werden nur sehr zurückhaltend eingesetzt. Alles lebt von dieser leicht sentimentalen bis melancholischen Stimmung, die durch den Gesang Cohens noch unterstrichen wird.

Schließlich enthält dieses erste Album mit „Suzanne“ den wohl auch bekanntesten Song des Künstlers. Ein wahrlich sehr eindringliches Lied, was ebenfalls von seiner Ruhe und auch ein wenig von seiner Monotonie lebt. Aber gerade diese Monotonie, die manches Mal durch einen Minimalismus in der Musik hervorgerufen wird, macht nicht nur dieses Lied, sondern das ganze Album aus und lohnenswert.

Fazit: „Songs Of Leonard Cohen“ ist ein sehr ruhiges, aber auch sehr bewegendes Album geworden. Keiner wird diese LP auflegen oder CD einlegen, wenn er mal ausgiebig feiern will. Die Musik ist was für die ruhigen Momente. Graue Herbstabende kommen einem da unweigerlich in den Sinn. Wenn man seiner eigenen süßen Melancholie mal freien Lauf lassen möchte, dann weiß dieses Album einen darin zu unterstützen – und das macht es dann wirklich perfekt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Suzanne, Master Song, Sisters Of Mercy, Stories Of The Street, Teachers




Freitag, 21. September 2012

Mike Oldfield – Hergest Ridge




Mike Oldfield – Hergest Ridge


Besetzung:

Mike Oldfield – electric guitars, glockenspiel, sleigh bells, mandolin, nutcracker, timpani, gong, acoustic guitar, spanish guitar, organs


Gastmusiker:

June Whiting – oboe
Lindsay Cooper – oboe
Ted Hobart – trumpet
Sally Oldfield – voice
Clodagh Simmonds – voice
David Bedford – choir and strings conductor


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Hergest Ridge Part One (21:25)
2. Hergest Ridge Part Two (18:47)

Gesamtspieldauer: 40:12




„Hergest Ridge“ nannte Mike Oldfield den Nachfolger von „Tubular Bells“, der im Jahr 1974 erschien. Und „Hergest Ridge“ ist so ganz anders geworden, als das Erstlingswerk des Briten. Zwar wird auch hier wieder sehr viel Wert auf die Atmosphäre gelegt, doch diese ist eine andere geworden. Sehr sphärisch und relaxt klingt das Ganze. Sehr viel ruhiger gehalten sind die beiden Stücke zunächst. Musik zum Eintauchen ist „Hergest Ridge“ geworden. Musik um eine kleine Reise zu unternehmen.

Die CD beginnt mit einem breiten Synthesizer-Teppich, über den flötenähnliche Klänge gelegt wurden. Und damit zeigt sich schon die Stimmung, die auf „Hergest Ridge“ am Anfang vorherrscht. Diese ist entspannt und geht fast schon in die Richtung „Chill-Out“- oder „Ambient“-Musik. Das Album kann man am besten also ganz relaxt auf dem Sofa genießen, die Augen schließen und sich seiner Sorgen und Nöte entledigen.

Die Musik ist dabei überaus harmonisch und melodiös und sogar ein wenig klassisch angehaucht, was etwa in der Mitte von Teil 1 sehr gut zu Geltung kommt, wenn Oboe und Trompete ihren Auftritt haben. Alles fließt und klingt, alles fügt sich zu einem perfekten Ganzen zusammen. Und auch wenn die Musik gegen Ende des ersten Teils etwas an Fahrt aufnimmt und die E-Gitarre den Ton angibt, so bleibt die Musik doch überaus unaufgeregt und das ist positiv gemeint. Verstärkt wird dieser Eindruck schließlich noch durch einen Chor, der die „Aaaahs“ so wunderschön voll hinausschmettert.

Auch Teil 2 des Stücks beginnt überaus harmonisch mit sanften Gitarrenklängen. Alles ist wieder schwebend und heiter und ein wenig melancholisch – doch dann kommt es plötzlich zum Stilbruch. Die Musik wird auf einmal lauter, kraftvoller und fordernder. Aber genau dies ist auch eine Stärke von Mike Oldfield: Das Erzeugen von Stimmungen, die jetzt zwar immer noch harmonisch, aber sehr viel packender geworden sind. Dies verleiht dem Stück durchaus zusätzliche Magie, denn nun ist es vorbei mit dem entspannten auf dem Sofa liegen, man hat plötzlich das Gefühl etwas unternehmen zu müssen. Nach der Relaxationsphase kommt also die Aktionsphase. Man hat die Augen nun wieder offen und wird schließlich, mit erneut sehr entspannten und wieder ruhigeren Tonfolgen, in seine weiteren Taten entlassen. Musik kann wahrlich magisch sein.

Fazit: „Hergest Ridge“ ist ein richtig gutes Album geworden. Vielleicht erreicht es nicht ganz die Klasse von Tubular Bells, aber etwas Besonderes hat diese Platte doch. Etwas, was man erspüren kann. Drum schnell auf die Couch, erholt Euch mit Teil 1 und lasst Euch mit Teil 2 auf die nächsten Aufgaben vorbereiten. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Alles



Donnerstag, 20. September 2012

The Byrds – Younger Than Yesterday




The Byrds – Younger Than Yesterday


Besetzung:

Roger McGuinn – 12 string guitar, vocals
David Crosby – rhythm guitar, vocals
Chris Hillman – bass, vocals
Michael Clarke – drums


Gastmusiker:

Hugh Masekela – horns
Vern Gosdin – acoustic guitar
Clarence White – electric guitar


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. So You Want To Be A Rock ’n’ Roll Star (2:10)
2. Have You Seen Her Face (2:44)
3. C.T.A.-102 (2:32)
4. Renaissance Fair (1:55)
5. Time Between (1:57)
6. Everybody’s Been Burned (3:09)
7. Thoughts And Words (3:00)
8. Mind Gardens (3:50)
9. My Back Pages (3:12)
10. The Girl With No Name (1:54)
11. Why (The Lear Jet Song) (2:55)


Bonus Tracks:

12. It Happens Each Day (2:48)
13. Don’t Make Waves (1:41)
14. My Back Pages (Alternate Version) (2:46)
15. Mind Gardens (Alternate Version) (3:22)
16. Lady Friend (2:34)
17. Old John Robertson (Single Version) (5:05)

Gesamtspieldauer: 47:35




Wirklich vielschichtig ist das vierte Album der Byrds geworden, welches dieses Mal mit derselben Grundbesetzung der Band aufgenommen wurde, wie der Vorgänger. „Younger Than Yesterday“ aus dem Jahr 1967 vereinigt gleich mehrere verschiedene Musikstile in sich, die alle gleichberechtigt nebeneinander existieren.

Da gibt es Lieder, die im typischen Pop-Gewand der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts komponiert wurden („So You Want To Be A Rock ’n’ Roll Star“, „Have You Seen Her Face“, „Renaissance Fair“). Anderseits wird hier, wie bereits auf dem Vorgänger-Album „The Fifth Dimension“, auch die psychedelische Schiene gefahren („Everybody’s Been Burned“, „Thoughts And Words“, „Mind Gardens“, „Why“). Dazu gibt es auch etwas experimentellere Sachen wie „C.T.A.-102“, was heutzutage gegen Ende sogar ein wenig unfreiwillig komisch wirkt.

Aber auch der County-Sound hat Einzug gefunden in die Musik der Byrds. Auf späteren Alben sollte dies noch weiter vertieft werden. Ursprünglich verantwortlich dafür ist vor allem Chris Hillman, denn vor allem seine Kompositionen auf „Younger Than Yesterday“ („Time Between“, „The Girl With No Name“) gehen genau in diese Richtung. Und auch ein Cover von Bob Dylan ist wieder vorhanden („My Back Pages“), somit hat auch die Folk-Seite der Byrds noch ihre Berücksichtigung gefunden.

Auf der remasterten Fassung der Platte gibt es wieder einige Zugaben. „It Happens Each Day” wirkt dabei ein wenig langweilig und zäh. “Don’t Make Waves” ist erneut so eine 60er-Pop-Nummer, ganz nett anzuhören. „My Back Pages“ und „Mind Gardens“ sind in Alternativ-Versionen zu hören. Dazu gibt es mit „Lady Friend“ noch eine ganz nette Single aus den USA, die auf den regulären Alben fehlt und bei der die Bläser überzeugen können. Bei „Old John Robertson“ klingt es dann zunächst wieder sehr nach Country, immer wieder aufgelockert durch kurze Streicher- und Flöten-Einlagen. Und als „Hidden Track“ findet sich schließlich noch mal „Mind Gardens“ am Ende der Platte - dieses Mal in einer Instrumental-Version.

Fazit: „Younger Than Yesterday“ ist ein überzeugendes Album geworden, was nicht zuletzt auch an dem Stilmix liegt, der dieser Platte zugrunde liegt. Die psychedelischen Titel sind zwar ein wenig besser gelungen als der Rest, aber obwohl hier so viele Genres miteinander vermischt wurden, hat das Ganze was und weiß zu gefallen. Auch der mehrstimmige Gesang der Band ist immer klasse arrangiert und klingt bereits hier, 1967, richtig gut. Das gibt hoch verdiente zehn Punkte.


Anspieltipps: Have You Seen Her Face, Renaissance Fair, Everybody’s Been Burned, Thoughts And Words, Mind Gardens



Mittwoch, 19. September 2012

Spock's Beard - The Light




Spock’s Beard – The Light


Besetzung:

Neal Morse – lead vocals, mellotron, hammond organ, all other keyboards, acoustic & electric guitar
Alan Morse – lead electric guitar, cello, mellotron & vocals
Dave Meros – bass, french horn
Nick D’Virgilio – drums, percussion, vocals


Label: Inside Out Music


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Light (15:32)
     1. The Dream
     2. One Man
     3. Garden People
     4. Looking Straight Into The Light
     5. The Man In The Mountain
     6. Señor Valasco's Mystic Voodoo Love Dance
     7. The Return Of The Horrible Catfish Man
     8. The Dream
2. Go The Way You Go (12:07)
3. The Water (23:10)
     1. Introduction / The Water
     2. When It All Goes To Hell
     3. A Thief In The Night
     4. FU / I'm Sorry
     5. The Water (Revisited)
     6. Runnin’ The Race
     7. Reach For The Sky
4. On The Edge (6:14)
5. The Light (Home Demo) (15:18)

Gesamtspieldauer: 72:23




Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts veröffentlichte eine amerikanische Band ein Album, das ganz nach britischer Musik der 70er Jahre klang. Und alle waren sie irgendwie versammelt. Yes, Genesis, Gentle Giant, auch ein wenig King Crimson und Emerson, Lake & Palmer. Habe ich noch jemanden vergessen? Auch wenn diese Bands „Pate“ standen für Spock’s Beards Erstlingswerk aus dem Jahr 1995 mit dem Titel „The Light“, so klingt das Ganze doch nicht wie ein Plagiat, sondern vielmehr eigenständig. Die Musik der 70er in die 90er katapultiert.

Überaus spannend ist das, was man hier zu hören bekommt. Rockiger wohl als die Vorbilder, nicht ganz so abgefahren oder verschroben, wie manch Stücke der, na, nennen wir sie mal „Vorbilder“. Allerdings sehr komplex. Und genau aus diesem Umstand bezieht das Album auch seinen Anspruch eine Platte mit progressiver Rockmusik zu sein. Viele sehr schöne Ideen werden auf den einzelnen Stücken aneinandergereiht, ohne, dass diese dabei konstruiert wirken würden. Alles wirkt zwar (und hört sich auch so an) sehr durchdacht, aber doch auch gewachsen und in sich logisch und rund.

Auf „The Light“ gibt es die ruhigeren Parts gleichberechtigt neben den treibenderen Abschnitten. Hier bekommt man tolle Harmonien serviert, allerdings auch Abschnitte, die deutlich weniger eingängig, dafür jedoch auch sehr viel spannender sind und ihre Qualität erst beim wiederholten Hören entfalten. Das Album macht einfach Spaß und wächst und wächst und wächst.

Kein Instrument steht auf „The Light“ besonders im Vordergrund. Alles fügt sich perfekt zusammen und sorgt so zusätzlich für Abwechslung auf dieser sehr vielschichtigen Platte. Seltsam ist allerdings die Zugabe auf der remasterten Fassung. Da wird noch mal das Stück „The Light“ dargeboten. Jedoch in fast identischer Version wie des originalen Stücks, nur in sehr viel schlechterer Tonqualität.

Fazit: Wer auf gut gemachte progressive Rockmusik steht, die nicht zu abgefahren ist, der wird dieses Album lieben, auch wenn man trotzdem einige Durchläufe benötigt, um wirklich auf der Platte anzukommen. Das funktioniert mit „The Light“ schneller, mit „The Water“ dauert es ein wenig länger – kommt aber. Ein tolles Debut von Spock’s Beard. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Alle Lieder



Dienstag, 18. September 2012

America – Homecoming





America – Homecoming


Besetzung:

Gerry Beckley – vocals, guitar, bass, piano
Dan Peek – vocals, guitar, piano
Dewey Bunnell – vocals, guitar, piano, drums, percussion


Gastmusiker:

Joe Osborne – bass
Hal Blaine – drums, percussion
Gary Mallaber – drums, percussion
Henry Diltz – banjo


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock, Soft Rock


Trackliste:

1. Ventura Highway (3:32)
2. To Each His Own (3:13)
3. Don't Cross The River (2:30)
4. Moon Song (3:41)
5. Only In Your Heart (3:16)
6. Till The Sun Comes Up Again (2:12)
7. Cornwall Blank (4:19)
8. Head And Heart (3:49)
9. California Revisited (3:03)
10. Saturn Nights (3:31)

Gesamtspieldauer: 33:21




Auf ihrem zweiten Album, welches 1972 unter dem Namen „Homecoming“ erschien, ist die amerikanische Band America noch ein wenig poppiger geworden. Oftmals geht die Musik ganz gerade in Richtung des Genres Soft Rock. Ähnlichkeiten zu den britischen Kollegen derselben Richtung, „Barclay James Harvest“, sind manches Mal unüberhörbar.

Somit gebiert sich das Album „Homecoming“ überaus harmonisch und melodiös. Alles ist fließend und klingt und dies gilt für die Musik, genau wie für die Texte und auch die mehrstimmigen Gesangseinlagen. Kann Musik aber auch zu eingängig sein? So eingängig und harmonisch, dass es fast schon in das Schnulzige abdriftet? Und ob das geht. America streifen hier auch mit einigen wenigen Titeln haarscharf an dieser Trennlinie entlang, bekommen dann allerdings doch wieder den Bogen und es bleibt ein letztlich angenehmes Gefühl zurück.

Mehr Songs der Kategorie „Moon Song“ hätten dem Album jedoch auf jeden Fall gut getan. Bei diesem Titel wird Spannung erzeugt, die nicht immer und bei jedem anderen Lied der Platte so ohne weiteres überspringt. So fängt „Moon Song“ wieder sehr verträumt und America-typisch an, mündet dann allerdings in einen klasse arrangierten und gespielten Teil, der von mehreren akustischen Gitarren dominiert wird. Richtig gut.

Fazit: Ruhige, harmonische und melodiöse Musik für kalter Herbst- und Wintertage bieten America hier auf ihrem zweiten Album. Alles melodiös bis ins letzte Detail, dafür jedoch nicht immer spannend. Wem Barclay James Harvest gefällt und mit den Crosby, Stills & Nash etwas anfangen kann, der dürfte mit „Homecoming“ auch keine Schwierigkeiten bekommen. Sogar im Gegenteil, die- oder denjenigen wird diese Platte bereichern. Von mir gibt es dafür neun Punkte.

Anspieltipps: To Each His Own, Moon Song, Only In Your Heart, Till The Sun Comes Up Again, Cornwall Blank



Montag, 17. September 2012

The Lovin’ Spoonful – Daydream





The Lovin’ Spoonful – Daydream


Besetzung:

John Benson Sebastian – vocals, guitar, harmonica, autoharp
Zalman Yanovsky – guitar, vocals
John Steven Boone – bass, chimes, piano
John Campbell Butler – drums, vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Pop, Blues, Country


Trackliste:

1. Daydream (2:21)
2. There She Is (1:58)
3. It’s Not Time Now (2:49)
4. Warm Baby (2:03)
5. Day Blues (3:15)
6. Let The Boy Rock And Roll (2:34)
7. Jug Band Music (2:53)
8. Didn’t Want To Have To Do It (2:39)
9. You Didn’t Have To Be So Nice (2:29)
10. Bald Headed Lena (2:25)
11. Butchie’s Tune (2:37)
12. Big Noise From Speonk (2:21)


Bonus Tracks:

13. Fishin’ Blues (Alternative Instrumental Version) (2:32)
14. Didn’t Want To Have To Do It (Demo Version) (2:49)
15. Jug Band Music (Alternative Instrumental Version) (2:54)
16. Daydream (Demo Version) (3:19)
17. Night Owl Blues (Complete Version) (4:40)

Gesamtspieldauer: 46:44




Im Jahr 1966 erschien das zweite Album der amerikanischen Band The Lovin‘ Spoonful mit dem Titel „Daydream“. Und was für das erste Album der Band galt, das muss auch hier festgestellt werden: Die Musik von The Lovin‘ Spoonful hat bereits unglaublich Patina angesetzt. Jedem Titel merkt man die vielen Jahre an, die er bereits auf dem Buckel hat. Dabei sind die einzelnen Titel etwas poppiger geworden und die Blues-Einflüsse sind zumindest etwas in den Hintergrund getreten, wenn auch nicht vollständig.

Der Titelsong „Daydream“ war der Hit des Albums und schaffte es sowohl in den USA, wie in England bis auf Platz 2 der Charts. Das Stück kennen wohl auch die meisten Musikhörer, da es auch heute noch immer wieder auf manchen Radiostationen gespielt wird. Eingängig ist dieser Song und klingt zu 100 Prozent wie ein Pop-Lied der 60er, ein Oldie eben.

Dann wird es schon schwieriger. Ebenfalls poppig präsentiert sich „There She Is“. Überzeugend ist das allerdings nicht mehr, eher langweilig. „It’s Not Time Now“ enthält anschließend einige Country-Anleihen, wohingegen „Warm Baby“ dann nicht nur durch den unglaublich peinlichen Gesang nervt. „Day Blues“ ist, wie der Name schon sagt, ein Blues, der nicht zünden will. Schön, dass die Band die Stile ihrer Lieder gleich mit im Titel erwähnt. „Let The Boy Rock And Roll“ ist demnach ein Rock’n‘Roll, mehr gibt es darüber leider auch nicht zu sagen. „Jug Band Music“ poppt und floppt ebenfalls, “Didn’t Want To Have To Do It“ verfügt dann wenigstens über eine ganz nette Melodieführung.

“You Didn’t Have To Be So Nice” klingt sowas von altbacken, dass es einem fast die Sprache verschlägt und bei „Bald Headed Lena“ fehlen einem dann vollständig die Worte. Mit lachendem Gesang wird hier versucht so etwas wie Komik zu erschaffen, allerdings wirkt das Ganze eher peinlich. Sehr peinlich. Mit „Butchie’s Tune“ gibt es erneut 60er Pop auf die Ohren und schließlich ist „Big Noise From Speonk“ eine Country-Instrumentalnummer, die eher langweilt als begeistert.

Blieben da noch die fünf Bonus Tracks der remasterten Fassung. „Fishin’ Blues“ und „Night Owl Blues” stammen dabei vom Debut- und Vorgänger-Album “Do You Believe In Magic?” und waren dort schon nicht gut. Die restlichen drei Stücke sind alternative Versionen der bereits auf dem ursprünglich Album veröffentlichten Stücke. Ebenfalls entbehrlich.

Fazit: The Lovin‘ Spoonful ist auch mit ihrem zweiten Album keine Band mehr für die heutige Zeit. Viel zu antiquiert klingt das Ganze und irgendwie leider auch sehr ideenlos. Dass dies Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gut ankam, stimmt durchaus. Aber die Zeiten ändern sich eben und heute ist diese Musik nur noch was für die knallharten Oldie-Fans. Mehr als fünf Punkte sind dafür leider nicht drin.

Anspieltipps: Daydream, It’s Not Time Now, Didn’t Want To Have To Do It, Butchie’s Tune



Sonntag, 16. September 2012

Mike Oldfield - Tubular Bells





Mike Oldfield
– Tubular Bells



Besetzung:

Mike Oldfield – grand piano, glockenspiel, organ, bass guitar, electric guitar, percussion, flageolet, tubular bells, concert tympani


Gastmusiker:

Jon Field – flutes
Lindsay Cooper – string basses
Sally Oldfield – background vocals
Mundy Ellis – background vocals
Viv Stanshall – master of ceremonies
Steve Broughton – drums
Manor Choir – choir


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Tubular Bells Part One (25:34)
2. Tubular Bells Part Two (25:45)
3. Mike Oldfield's Single (Theme from Tubular Bells) (3:56)
4. Sailor's Hornpipe (Viv Stanshall Version) (2:52)

Gesamtspieldauer: 58:07




Wer sich für Rock- oder Pop-Musik interessiert und „Tubular Bells“ von Mike Oldfield nicht kennt, der hat etwas verpasst. „Tubular Bells“ ist ein Meisterwerk der Instrumentalmusik, auch wenn es auf dem Album einige „Text-Einlagen“ gibt. Gesungen wird nicht richtig, aber zumindest werden einzelne Instrumente angesagt und eine kurze Geschichte erzählt. Und ersteres in einer Art und Weise, die es vorher noch nie gab und danach auch nicht wieder geben sollte. „Tubular Bells“ ist die erste Veröffentlichung von Mike Oldfield und stellte sofort seinen musikalischen Durchbruch dar.

Alles klingt auf „Tubular Bells“, alles vibriert hier, alles fügt sich unglaublich harmonisch ineinander, alles passt perfekt zusammen. „Tubular Bells“ ist ein Kunstwerk geworden, das von Mike Oldfield fast vollständig alleine eingespielt wurde.

Der erste Teil des Stücks, ist eine einzigartige Steigerung. Zu Beginn ist es fast wie ein Rausch verschiedenster Höreindrücke, die dem Musikkonsumenten hier kredenzt werden. Einmal sind diese Klangwelten lauter, dann wieder leiser, ein anderes Mal fließt die Musik langsam vor sich hin, um dann wieder Fahrt aufzunehmen und in einen schnelleren Teil überzugehen. Schließlich mündet alles in einen Part, in dem kurioserweise alle Instrumente vorgestellt beziehungsweise eingeführt werden. Dieser Teil gipfelt schließlich in einem bombastischen Finale, bei welchem dann auch die namensgebenden „Tubular Bells“ ihren Auftritt haben. Grandios gemacht.

„Tubular Bells Part Two“, die ehemalige zweite Seite der LP, hat in Bezug auf Harmonie und Melodiösität ebenfalls sehr viel zu bieten. Hier schwelgt der Hörer in Musik, wird in weichen Tonfolgen eingefangen und mit lauteren und treibenderen Passagen wieder aufgerüttelt. Vielleicht ist dieser zweite Teil nicht ganz so spannend gestaltet wie Teil 1, begeistern kann allerdings auch dieser. Witzig auch das Ende des Stücks. Hier stapft jemand durch die Gegend und erzählt dann seine Geschichte zur Musik von „Sailor’s Hornpipe“. Dabei scheint er vorher etwas zu tief in das Glas gesehen zu haben.

Fazit: „Tubular Bells“ ist eines der großen Rockalben, von denen es nicht allzu viele gibt. Aber ist das Rock? Ist das Pop? Schon so etwas wie moderne Klassik? Nein, das stimmt alles irgendwie nicht so ganz. „Tubular Bells“ von Mike Oldfield ist „Tubular Bells“ von Mike Oldfield. Nicht mehr und nicht weniger, ein Genre spielt da überhaupt keine Rolle mehr. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles



Samstag, 15. September 2012

Archive – With Us Until You’re Dead





Archive – With Us Until You’re Dead


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, string arrangements, programming
Danny Griffiths – keyboards, sound effects
Pollard Berrier – vocals, guitar
Dave Pen – vocals, guitar
Maria Q – vocals
Holly Martin – vocals
Smiley – drums
Steve Harris – guitar
Mike Hurcombe – guitar
Jonathan Noyce – bass
Simon Lole – orchestra conduction, string arrangements
Supersonic Belgian Orchestra – orchestra


Label: V2 Records International


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Wiped Out (6:20)
2. Interface (4:43)
3. Stick Me In My Heart (3:57)
4. Conflict (5:02)
5. Violently (6:24)
6. Calm Now (3:54)
7. Silent (5:39)
8. Twisting (4:02)
9. Things Go Down (1:52)
10. Hatchet (4:16)
11. Damage (6:50)
12. Rise (2:49)

Gesamtspieldauer: 55:46




Mit ihrem neunten Studioalbum „With Us Until You’re Dead“ ist die Band Archive, die inzwischen bereits vier verschiedene Sänger beschäftigt, noch einen Schritt weiter in Richtung elektronischer Musik vorangeschritten. Die Musik von Archive war zwar von jeher sehr geprägt vom Keyboard- und Synthesizer-Sound der Herren Keeler und Griffiths, hier wirkt alles allerdings noch einen Tick elektronischer, als auf den früheren Platten.

Jede Menge Loops und kaum mehr Gitarren werden dem Hörer auf „With Us Until You’re Dead“ präsentiert. Mit progressiver Rockmusik, in dessen Randgebieten sich Archive mitunter auch immer wieder betätigten beziehungsweise bewegten, hat das Album nur noch sehr wenig und nur noch mit viel Phantasie zu tun.

Überzeugen kann die Musik aber trotzdem immer wieder. Da sind zum Beispiel die beiden Nummern mit der neuen Sängerin Holly Martin „Violently“ und „Hatchet“. Diese soulige Stimme hat was. Dazu kommen noch treibende Rhythmen und Melodien die schnell zünden - und fertig sind zwei mitreißende Lieder.

„Calm Now“ ist wieder einer dieser langsamen und wunderschön harmonischen Titel, der ganz von der Stimmung lebt, die er verbreitet. Fast schon monoton entfaltet sich hier ein Klanggebilde, welches durch den Einsatz diverser Streicher noch an Intensität gewinnt. Überhaupt der Orchestereinsatz, der immer wieder in den einzelnen Nummern Verwendung findet, ist überaus gelungen und erweitert das klangliche Spektrum der Band auf eine interessante Art und Weise.

Aber es gibt auch Altbewährtes zu hören. Der Opener „Wiped Out“ hätte auch gut auf „Lights“ gepasst, genau wie „Stick Me In My Heart“. „Conflict“ erinnert an die „Controlling Crowds“-Phase, „Interface“ ist dagegen fast schon irgendwie eine Reminiszenz an die ganz frühen Anfänge von Archive. Und auch bei den weiteren Titeln lassen sich immer wieder Parallelen ausmachen, die Erinnerungen zu vorherigen Archive-Alben hervorrufen.

Fazit: Archive haben sich mit „With Us Until You’re Dead“ nicht neu erfunden. Weltbewegendes Neues gibt es also nicht zu hören, dies war irgendwie aber auch nicht zu erwarten. Und so bleibt festzuhalten, dass zwar die Longtracks auf dem neuen Album fehlen, diejenigen, die Achive mögen, mit diesem Album jedoch die Möglichkeit haben, eine kleine Zeitreise durch die Diskographie der Band zu unternehmen. Und die macht durchaus Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Conflict, Violently, Calm Now, Silent, Hatchet, Damage







Freitag, 14. September 2012

Triumvirat – Illusions On A Double Dimple





Triumvirat
– Illusions On A Double Dimple



Besetzung:

Jürgen Fritz – keyboards
Helmut Köllen – bass, guitar, vocals
Hans Bathelt – drums


Gastmusiker:

Hans Pape – bass
Ulla Wiesner – backing vocals
Brigitte Thomas – backing vocals
Hanna Dölitzsch – backing vocals
The Cologne Opera House Orchestra
The Kurt Edelhagen Brass Section


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Illusions On A Double Dimple (23:24)
2. Mister Ten Percent (21:37)


Bonus Tracks:

3. Dancer’s Delight (3:35
4. Timothy (4:11)
5. Dimplicity (3:17)
6. Million Dollars (2:35)

Gesamtspieldauer: 58:38




„Illusions On A Double Dimple“ heißt das zweite Album der Kölner Band Triumvirat aus dem Jahre 1974, welches ursprünglich aus lediglich zwei längeren Titeln bestand, die die erste und die zweite Seite der LP einnahmen. Die Band stand, zumindest am Anfang ihrer Karriere, für progressiven Rock, der immer wieder zu Vergleichen mit den britischen Kollegen desselben Genres und derselben Zeit Anlass gab. Und genauso verhält es sich auch auf dieser Platte: Die Parallelen zu Emerson, Lake & Palmer sind einfach nicht zu überhören.

Dies lässt sich auf „Illusions On A Double Dimple“ sofort am Keyboard- und Piano-Spiel des Jürgen Fritz festmachen. Er scheint, zumindest zur damaligen Zeit, ein großer Fan des Keith Emerson gewesen zu sein, denn allzu oft fühlt man sich an dessen Spiel erinnert. Und das ist durchaus als Lob zu verstehen, denn Jürgen Fritz macht das richtig gut. Sehr virtuos entlockt er seinen Instrumenten die Klänge, die manches Mal progressiv bis fast schon jazzig klingen, ein anderes Mal in Harmonien und Melodiösität versinken.

Die etwas poppigeren Abschnitte, die meist auch mit Background-Gesang versehen wurden, sind dabei überaus gelungen und wesentlich eindrucksvoller, als wenn wieder mal ein Fanfaren-Klang von Keith Emerson kopiert wird. Somit wird der Titelsong „Illusions On A Double Dimple“ ab etwa der Mitte dann auch deutlich besser und eigenständiger und endet schließlich wieder in einer ELP-Adaption.

„Mister Ten Percent“ startet mit einem schnellen Piano-Lauf und wird anschließend ziemlich vertrackt. Schließlich mündet dies alles wieder in ein sehr gelungenes Piano Solo, welches im weiteren Verlauf in einen, durch den Gesang bedingten, fast lustigen Teil übergeht. Dann wird auch dieses Lied wieder deutlich frickeliger, allerdings immer wieder aufgelockert durch sehr viel harmonischere Passagen. Das ist durchaus spannend gemacht.

Noch kurz etwas zu den vier Bonus Tracks auf der remasterten Ausgabe der CD. „Dancer’s Delight“ ist ein Popsong, der ein bisschen „verprogt“ wurde. Auch ein wenig in diese Richtung bearbeitet wurde „Timothy“, wenngleich dieses Stück deutlich ruhiger gehalten ist. „Dimplicity“ ist noch mal ein Auszug aus dem Titeltrack. Allerdings wurden hier die progressiveren Stellen vollständig weggelassen. „Million Dollars“ hört sich dagegen wie eine sehr eingängige Nummer an, die irgendwie an den Pop der 60er erinnern will.

Fazit: Triumvirat klingen immer dann gut, wenn sie nicht zu sehr kopieren beziehungsweise zu sehr wie Emerson Lake & Palmer klingen wollen. Manchmal hören sie sich hier auf „Illusions On A Double Dimple“ sehr progressiv, ein anderes Mal mehr poppig und harmonisch an. Die Mischung passt einfach und trotzdem, sodass man das Album immer wieder gerne anhört, wenn man auch etwas mit den etwas weniger eingängigen Abschnitten in der Musik anfangen kann. Reine Pop-Fans werden damit allerdings massive Schwierigkeiten bekommen. Mir ist das aber zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Illusions On A Double Dimple, Mister Ten Percent, Timothy, Million Dollars