Montag, 8. Oktober 2012

Tenacious D – Tenacious D




Tenacious D – Tenacious D


Besetzung:

Jack Black – lead vocals, guitar
Kyle Gass – lead acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

David Grohl – drums, guitar on track #’s 4, 7, 8, 11, 18, 20, 21
Steve McDonald – bass
Warren Fitzgerald – lead electric guitar
Page McConnell – keyboards
Alfredo Ortiz – percussion on track #’s 3, 15, 18, 20
Woody Jackson – sitar on track # 1
Andrew Gross – strings on track #’s 4, 6
Ken Andrews – guitar on track #’s 3, 10, 11, 15
John King – echoplex on track #7


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Rock


Trackliste:

1. Kielbasa (3:00)
2. One Note Song (1:24)
3. Tribute (4:08)
4. Wonderboy (4:07)
5. Hard Fucking (0:36)
6. Fuck Her Gently (2:04)
7. Explosivo (1:55)
8. Dio (1:41)
9. Inward Singing (2:14)
10. Kyle Quit The Band (1:30)
11. The Road (2:19)
12. Cock Pushups (0:48)
13. Lee (1:02)
14. Friendship Test (1:31)
15. Friendship (2:00)
16. Karate Schnitzel (0:37)
17. Karate (1:05)
18. Rock Your Socks (3:33)
19. Drive-Thru (3:01)
20. Double Team (3:11)
21. City Hall/I Believe/Malibu Nights Medley (9:02)

Gesamtspieldauer: 50:45




Jack Black und Kyle Gass sind eigentlich Schauspieler, die sich auf einer Theatertournee kennenlernten und ihre gemeinsame Liebe zur Musik entdeckten. Kurzerhand wurde die Band „Tenacious D“ von den beiden gegründet, bei der allerdings Songs und Sketche zum Repertoire gehören. Und genau so ist dieses erste Album der Band aus dem Jahr 2001 auch aufgebaut. Musik und kurze Gags. Drums und die Gitarre wurden dabei von David Grohl von den „Foo Fighters“ oder noch früher von „Nirvana“ hinzugesteuert.

Nun, die Musik auf dem Erstling, welches genau wie die Band „Tenacious D“ getauft wurde, ist absolut klasse und über jeden Zweifel erhaben. Absolut klasse zumindest, wenn man auf gut gemachten und mitreißenden Rock steht, der sofort ins Ohr geht und dort auch jahrelang verbleibt. So ist auch das Meisterwerk der Band, das Lied „Tribute“ mit auf der Platte. In diesem Lied wird die Geschichte vom besten Song aller Zeiten erzählt, den die beiden allerdings leider wieder vergessen haben. Grandios gemacht, witzig umgesetzt. Und wer mal die Möglichkeit hat, sich das Video zu diesem Lied anzusehen, die oder der wird zusätzlich begeistert sein. Unglaublich witzig und sehr unterhaltend.

Aber es sind noch weitere tolle Lieder auf der Platte, wie zum Beispiel das relativ bekannte „Wonderboy“. Und auch die anderen Titel wie „Kielbasa“, „Explosivo“, „Dio“, „Friendship“ und so weiter können absolut überzeugen. Wer Spaß an melodischem Rock hat, der immer mal wieder ein wenig härter ist, ohne dabei mit „Hard Rock“ tituliert werden zu können, der sollte sich diese CD auf jeden Fall zulegen – Enttäuschung nahezu ausgeschlossen. Und auch die kurzen Sketche sind oft sehr witzig. Allein schon der Anfang vom Lied „Kielbasa“ zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. „Inward Singing“ und „Drive Thru“ sind da ebenfalls sehr zu empfehlen.

Aber es gibt auch ein großes Manko auf diesem Album. 21 Nummer enthält die Platte insgesamt und wenn man sich die Titelliste zum Beispiel bei amazon im Internet ansieht, dann steht da bei nicht weniger als 18 Stücken das Wörtchen „Explicit“ dahinter, was nichts anderes bedeutet, als das hier das Wort mit „f“ fällt. Dieses Wort fällt allerdings so inflationär oft, dass es nervt und man es einfach nicht anhören kann, wenn Kinder in der Nähe sind. Auch deutsche Kinder verstehen das. Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es mindestens hundert Mal gesungen, gesagt, geschrien und wahrscheinlich auch noch getanzt wird – allerdings kann ich Letzteres nur annehmen.

Fazit: Die Musik ist klasse, die Gags und der Humor meist auch richtig gut und mitreißend. Es nervt nur eben diese Fäkalsprache und so alt bin ich doch noch gar nicht. Aber hier übertreiben die beiden Jungs ganz eindeutig. Trotzdem bekommt diese Scheibe elf Punkte von mir, da sie einfach beeindruckt mit ihrer Rock Musik, ihren Ideen und eben auch ihrem Witz.

Anspieltipps: Kielbasa, Tribute, Wonderboy, Explosivo, Dio, Inward Singing, Friendship, Rock Your Socks, Drive-Thru, Double Team




Sonntag, 7. Oktober 2012

The Lovin’ Spoonful – Revelation: Revolution ‘69




The Lovin' Spoonful – Revelation: Revolution ‘69

Besetzung:

John Campbell Butler – drums, vocals

Sowie diverse Gastmusiker


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Pop, Oldies


Trackliste:

1. Amazing Air (2:56)
2. Never Going Back (2:55)
3. The Prophet (2:51)
4. Only Yesterday (2:48)
5. War Games (7:02)
6. (Til I) Run With You (1:58)
7. Jug Of Wine (2:49)
8. Revelation: Revolution ‘69 (2:26)
9. Me About You (3:52)
10. Words (2:24)


Bonus Tracks:

11. Revelation Revolution ‘69 (Single Version Alternate Mix) (2:31)
12. Revelation Revolution ‘69 (Single Version Alternate Mix Vocal) (2:20)
13. Me About You (Single Version Alternate Mix) (2:48)

Gesamtspieldauer: 39:49




Ist dieses letzte, 1968 aufgenommene und 1969 veröffentlichte Album von „The Lovin‘ Spoonful eigentlich noch ein „richtiges“ Album von The Lovin‘ Spoonful? John Sebastian, der „Hitproduzent“ der Band hatte diese inzwischen ebenfalls verlassen. Offiziell bestand die Band zwar noch aus Butler, Boone und Yester - allerdings bekommt man auf „Revelation Revolution ‘69“ nur noch den Drummer John Butler regelmäßig zu hören. Das gilt für sein Trommeln, wie für den Gesang. Yester hört man mit der Gitarre noch auf „Never Going Back“ und Boone spielt bei keinem der Lieder mehr den Bass. Die Stücke wurden mittels Studiomusikern eingespielt und auch das Schreiben der Lieder selbst, wurde professionellen Autoren überlassen. Ist das also noch die Band? Na, zumindest wurde die Platte als das letzte Album der „The Lovin‘ Spoonful“ veröffentlicht.

Und was ist mit der Musik? Diese ist nun zu typischem 60er Pop geworden. Meistens harmonisch und melodisch, wie man gleich beim ersten Track „Amazing Air“ feststellen kann. Richtig gut ist das allerdings auch nicht. Es plätschert alles so vor sich hin, ohne einen großartig weiter zu beschäftigen. Manchmal ganz netter Oldie, aber auch nicht mehr. Dies gilt auch für die drei Zugaben der remasterten CD-Ausgabe, bei denen es sich um alternative Versionen handelt.

Ein Stück bedarf allerdings noch der besonderen Erwähnung. Und dabei handelt es sich noch nicht einmal um ein Lied. „War Games“ ist eine Klangkollage. Jene ist dieses Mal wirklich von „The Lovin‘ Spoonful“ in Form von John Butler, der sonst nur noch als Co-Autor von „The Prophet“ auftrat. „War Games“ beginnt mit Frauen-Stöhnen. Bevor man jedoch denkt „Hoppla, dass das erlaubt war, so etwas 1969 auf Platte zu pressen“ merkt man, dass es sich bei der Dame um eine Frau handelt, die gerade ein Kind gebärt. Nun, dann schreit der kleine Junge, kommt in den Kindergarten, die Schule und so weiter. Er wird erwachsen und schließlich in die Army eingezogen, die ihn zum „richtigen Mann“ machen möchte. Man hört schließlich Herzschläge, dann wird es ernst. Es wird geschossen und es explodiert allerhand. Schließlich hört man auch keinen Herzschlag mehr. Aus dieser Kollage hätte man vielleicht sogar etwas machen können, in diesem Fall ist die aber langweilig. Da packt einen nichts – gar nichts. Die Idee war wahrlich gut, doch sie wurde verschenkt. Und noch einmal: Hier hört man keinerlei Musik, nur Geräusche und Stimmen.

Fazit: Das ist er also, der Abgesang einer Band, die mit „Summer In The City“ ihren musikalischen Höhepunkt hatte, ein Lied, welches sie qualitätsmäßig nie wieder erreichte. Hier hört man jetzt „Gastmusiker“ und „Gastautoren“. 60er Pop, den es woanders deutlich besser gibt. Das Album ist nichtssagend. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Amazing Air, The Prophet, War Games, Jug Of Wine, Revelation: Revolution ’69, Words




Samstag, 6. Oktober 2012

The Byrds – Dr. Byrds And Mr. Hyde




The Byrds – Dr. Byrds And Mr. Hyde


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, vocals
Clarence White – guitar, vocals
John York – bass, vocals
Gene Parsons – drums, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Country, Pop


Trackliste:

1. This Wheel's On Fire (4:47)
2. Old Blue (3:24)
3. Your Gentle Way Of Loving Me (2:38)
4. Child Of The Universe (3:18)
5. Nashville West (2:32)
6. Drug Store Truck Drivin' Man (3:56)
7. King Apathy III (3:03)
8. Candy (3:41)
9. Bad Night At The Whiskey (3:26)
10. Medley: My Back Pages, B.J. Blues, Baby What You Want Me To Do (4:18)


Bonus Tracks:

11. Stanley's Song (3:15)
12. Lay Lady Lay (Alternate Version) (3:21)
13. This Wheel's On Fire (Version One) (3:56)
14. Medley: My Back Pages, B.J. Blues, Baby What You Want Me To Do (Alternate Version, Take 1) (4:21)
15. Nashville West (Alternate Version, Take 1) (2:04)

Gesamtspieldauer: 51:59




Und wieder einmal gab es zahlreiche Umbesetzungen bei den Byrds. Chris Hillman und Gram Parsons, die noch auf dem Vorgängeralbum für den starken Country-Einfluss verantwortlich waren, hatten die Band verlassen. Und so war nun nur noch Roger McGuinn, der von der ursprünglichen Besetzung der Band übrig geblieben war. Doch so überraschend anders dieses siebte Studioalbum der amerikanischen Band The Byrds auch beginnt, man sollte sich nicht täuschen lassen, denn auch auf dem Nachfolger von „Sweetheart Of The Rodeo“ hört man ebenfalls hauptsächlich Country Musik – mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Hillman und Parsons hatten also ein Erbe hinterlassen.

Nicht allerdings beim ersten Stück des 1969 veröffentlichten Albums „Dr. Byrds And Mr. Hyde“. „This Wheel's On Fire“ hört sich sehr viel mehr psychedelisch an. Da denkt man bereits, dass die Byrds sich zurück orientiert, auf alte Tugenden zurück fokussiert hätten. Der Song klingt sehr psychedelisch, fast schon ein wenig experimentell, wenn man diesen mit den Liedern der letzten Platte vergleicht. Dabei ist das Stück jedoch nicht überragend, aber doch wieder gut gemacht.

Leider wird der geneigte Hörer und Liebhaber der früheren Platten der Band anschließend jedoch sogleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Jetzt wird es sofort wieder countrymäßig gewöhnungsbedürftig. Ausnahmen bilden hier nur noch zum großen Teil die Stücke „Child Of The Universe“ und „Bad Night At The Whiskey“ ohne dabei ebenfalls großartig überzeugen zu können. Bei manchen Stücken, „Candy“, gibt es dann zumindest noch mal Abschnitte, die anders klingen, aber das Meiste ist und bleibt dann doch Country Musik. Und warum eine Band ein Medley auf einer regulären Platte bringen muss, wird auch ein Geheimnis der Byrds bleiben.

Fünf Zugaben gibt es dieses Mal in Form von Bonus Tracks auf der remasterten Version der Platte. „Stanley's Song“ kenne ich dabei von der „Trill-Werbung“ aus den 70er Jahren. Trill mit Jod-F-11 Körnern oder so. Ich hatte keinen Vogel und kann somit auch nichts mit diesem Song anfangen. „Lay Lady Lay“ klingt ganz nett und ist eine alternative Version, genau wie die restlichen drei Lieder.

Fazit: Das Cover-Photo sagt hier dann doch eine ganze Menge aus. Da tragen die vier aktuellen Bandmitglieder der Byrds Cowboy-Hüte. Und genau das hört man hier auch meistens auf „Dr. Byrds And Mr.Hyde“: Cowboy- beziehungsweise Country-Musik. Vier Punkte für die „Nicht-Country-Songs“, aber auch nur mit viel Wohlwollen, mehr ist dafür einfach nicht drin.

Anspieltipps: This Wheel's On Fire, Child Of The Universe, Bad Night At The Whiskey, Lay Lady Lay





Freitag, 5. Oktober 2012

Foreigner - Double Vision




Foreigner – Double Vision


Besetzung:

Lou Gramm – vocals, percussion
Ed Gagliardi – bass, vocals
Ian McDonald – guitar, keyboards, vocals
Mick Jones – guitar, keyboards, piano, vocals
Dennis Elliot – drums, vocals
Al Greenwood – keyboards, synthesizer


Label: Warner Brother Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: AOR


Trackliste:

1. Hot Blooded (4:29)
2. Blue Morning, Blue Day (3:13)
3. You're All I Am (3:25)
4. Back Where You Belong (3:16)
5. Love Has Taken Its Toll (3:31)
6. Double Vision (3:44)
7. Tramontane (3:56)
8. I Have Waited So Long (4:07)
9. Lonely Children (3:37)
10. Spellbinder (3:52)

Gesamtspieldauer: 38:09




Noch ein wenig erfolgreicher, vor allem in den USA, war 1978 das zweite Album der Band Foreigner mit dem Titel „Double Vision“. Die Zutaten sind dabei allerdings die gleichen geblieben. Eingängiger und mainstreammäßiger Rock, der sich textlich hauptsächlich mit dem Thema „Liebe“ befasst. Und das wiederum kann ganz schnell auch mal peinlich werden wie beim Stück „You’re All I Am“. Hier schnulzt und schmust sich die Band durch fast dreieinhalb Minuten, dass einem fast die Haare zu Berge stehen. Dazu ist die Melodie, die dem Song zugrunde liegt, auch in keinster Weise packend, sondern vielmehr langweilig und ebenfalls überaus schmalzig, wenn die Synthesizer-Streicher das Ganze noch mit Volumen unterfüttern. Leider ist diese Nummer allerdings nicht die einzige, die auf der zweiten Platte der Band genau in diese Kerbe schlägt.

Foreigner sind auf „Double Vision“ immer dann gut, wenn sie rocken. Das Gespür für gute Rockmelodien kann man den New Yorkern nämlich wahrlich nicht absprechen. Das haben sie. Und diese wirklich guten Stellen tauchen bei dem Titelsong „Double Vision“ auf, genau wie zum Beispiel bei dem Rocker „Lonely Children“. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier auch die Instrumentalnummer „Tramontane“, die eine schöne Abwechslung im sonstigen Songkatalog auf „Double Vision“ darstellt.

Fazit: Man findet die tollen Einfälle der Band zwar immer wieder auf dem Album, allerdings dann auch richtig schlechte Stücke, sodass ein etwas zwiespältiges Gefühl nach dem Hören übrig bleibt – oftmals liegt das wirklich an den zumeist grottenschlechten Texten. Klar hört man hier keine Musik, die man sofort auf der Fernbedienung weiterskippt. Immer wieder oder aber sehr oft hören möchte man diese Mucke allerdings auch nicht. Dazu ist das alles irgendwie zu alltäglich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Blue Morning Blue Day, Double Vision, Tramontane, Lonely Children, Spellbinder





Donnerstag, 4. Oktober 2012

Renaissance – Turn Of The Cards




Renaissance – Turn Of The Cards


Besetzung:

John Tout – keyboards
Annie Haslam – vocals
Jon Camp – bass, vocals
Terence Sullivan – drums, percussion, vocals
Michael Dunford – acoustic guitars, vocals


Gastmusiker:

Jimmy Horowitz – orchestral arrangements


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: September 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Running Hard (9:37)
2. I Think Of You (3:07)
3. Things I Don't Understand (9:29)
4. Black Flame (6:23)
5. Cold Is Being (3:00)
6. Mother Russia (9:18)

Gesamtspieldauer: 41:01




1974 erschien das fünfte Album der englischen Progressive Rockband Renaissance. Und wenn man auf symphonischen und harmonischen Prog steht, dann ist dieses Album sehr zu empfehlen, denn es ist richtiggehend vollgestopft mit vielen wunderschönen Melodien. Alles ist hier harmonisch und überaus eingängig. Alles klingt angenehm und melodiös, ist unaufgeregt und stimmig und in keinster Weise verschroben oder „frickelig“, sodass man der Musik der Band am liebsten gleich das nicht existierende Genre „Soft Progressive Rock“ verpassen würde.

Die Platte beginnt mit „Running Hard“, welches mit einem sehr schönen und einprägsamen Piano Solo startet, bis schließlich vielschichtige Melodien ausgebreitet werden, die einen einhüllen und geradezu weich betten. Ungewohnt an der ganzen Geschichte ist allerdings der Gesang. Eine Frau, Annie Haslam, singt die Texte der Band. Das ist für eine progressive Rockband durchaus ungewöhnlich. Bei mir war genau dieses Album der erste Berührungspunkt mit Renaissance - und dieser Punkt bedurfte einer gewissen Gewöhnungszeit. Irgendwie will es beim ersten Hören noch nicht so richtig passen, ist ungewohnt und neu. Aber bereits beim zweiten Hören wird das Ganze vertrauter, bis man an den Punkt gelangt, an dem man feststellt, dass dies hier eigentlich sogar perfekt passt und einfach genau so sein muss. Diese Art der Musik und dieser helle Gesang, das bildet eine Einheit.

Nicht alle Songs sind jedoch so gelungen wie der Opener. Gleich das zweite Stück „I Think Of You“ enthält sowohl musikalisch wie textlich alle Ingredienzien, die das Lied einfach nur noch „süß“ und unkantig klingen lassen. Auch „Things I Don't Understand“ ist unglaublich weich geraten, allerdings deutlich abwechslungsreicher. Zudem hört sich dieses Lied perfekt nach den 70er des letzten Jahrhunderts an. Man fühlt bei diesem Stück einfach, wann es entstanden ist. Wer die Zeichentrickserie „Herr Rossi sucht das Glück“ kennt, kann diese Aussage wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen. Dies gilt vor allem für die erste Hälfte der Nummer, zum Schluss ist das Stück nur noch schwebend und geradezu hymnisch melodiös.

„Black Flame“ ist anschließend wieder eine richtig tolles Lied, welches so etwas von melodiös ist, dass man es gehört haben muss, um das auch nachvollziehen zu können. Die akustische Gitarre steht hier im Vordergrund, wobei festzuhalten wäre, dass man auf dem gesamten Album keine E-Gitarre zu hören bekommt. „Cold Is Being“, ein relativ kurzes Lied, wurde lediglich mittels einer Orgel instrumentiert. Hier steht dann der Gesang Annie Haslams absolut im Vordergrund.

Und schließlich folgt noch der Höhepunkt des gesamten Albums: „Mother Russia“. Oftmals orchestral instrumentiert, melodiös, harmonisch und überaus abwechslungsreich, ein Stück, in welches immer wieder auch „typisch“ russische Klänge eingewoben wurden. Toll gemacht und nicht nur ein Highlight auf „Turn Of The Cards“, sondern auch im Schaffen der Band Renaissance.

Fazit: Wer auf melodischen und harmonischen Rock steht, wird an „Turn Of The Cards“ sehr viel Gefallen finden. Wer dann zusätzlich auch noch progressiver Rockmusik etwas abzugewinnen weiß, denn die Lieder sind überaus abwechslungsreich, der wird viel Spaß mit diesem Album haben. Komisch ist eigentlich nur, dass Renaissance „relativ“ unbekannt war und ist – zumindest im Vergleich zu den anderen Heroen der 70er Jahre in diesem Genre. Mir ist die Platte dreizehn Punkte wert.

Anspieltipps: Running Hard, Black Flame, Mother Russia




Mittwoch, 3. Oktober 2012

Kraftwerk - Kraftwerk


 


Kraftwerk – Kraftwerk


Besetzung:

Ralf Hütter – Orgel, Tubon
Florian Schneider – Flöte, elektrische Perkussion, Violine
Klaus Dinger – Schlagzeug
Andreas Hohmann – Schlagzeug


Label: Philips


Erscheinungsdatum: September 1970


Stil: Experimentalmusik


Trackliste:

1. Ruckzuck (7:50)
2. Stratovarius (12:10)
3. Megaherz (9:33)
4. Vom Himmel Hoch (10:02)

Gesamtspieldauer: 39:35




1970 veröffentlichte die Düsseldorfer Band Kraftwerk ihr erstes Album, welches kurz mit Bandnamen Kraftwerk betitelt wurde. Die Musik, die auf diesem Album zu hören ist, welches es zur damaligen Zeit sogar bis auf Platz 30 der LP-Charts in Deutschland schaffte, hat allerdings nur sehr wenig mit den Platten zu tun, die Kraftwerk den weltweiten Durchbruch bescherten und an dessen Anfang das 1974 erschienene Album „Autobahn“ stand.

Auf „Kraftwerk“ hört man hauptsächlich Experimentalmusik. Zwar überaus elektronische Experimentalmusik, aber das Ganze wirkt eher wie ein Experiment, wie eine Improvisation, als etwas Geplantes - obwohl es das natürlich zweifelsohne war.

So bekommt man auf dem Debut der Band Stimmungen, Klanggebilde und viele Töne serviert, die oftmals jedoch kein Lied im herkömmlichen Sinn ergeben. Diesen Status könnte man am ehesten noch dem Opener „Ruckzuck“ zuschreiben, denn hier ist zumindest eine gewisse Art der Melodie erkennbar – wenn diese auch nicht besonders ausgeprägt ist.

Mit Krautrock hat das, was man auf Kraftwerk 1 hört, allerdings nichts zu tun. Zumindest nicht vom Genre her. „Stratovarius“ klingt da eher nach „Space-Musik“, wenn es diese denn geben würde. Dies lässt sich ebenfalls auf „Megaherz“ übertragen, welches immer dann toll klingt, wenn die Querflöte beteiligt ist. Und bei „Vom Himmel Hoch“ kann man sich nicht vorstellen, dass die Musiker diese Aufnahme ein zweites Mal so hinbekommen hätten, zu abgefahren und improvisiert klingt das Ganze.

Fazit: Ralf Hütter und Florian Schneider distanzieren sich ganz offensichtlich von den ersten drei Alben der Band Kraftwerk, denn auf der Band-Homepage werden diese mit keinem einzigen Wort erwähnt. Dort beginnt die Bandgeschichte mit „Autobahn“. Keine Musik zum Nebenbeihören ist das. Musik, die die volle Aufmerksamkeit des Hörers erfordert und trotzdem für die meisten nicht zugänglich sein wird. Die Platte ist im Moment auch nur noch gebraucht zu haben, da Kraftwerk an einer Wiederveröffentlichung offensichtlich auch kein Interesse hat. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Ruckzuck, Stratovarius, Megaherz, Vom Himmel Hoch: Das sollte man sich alles mal reinziehen.




Dienstag, 2. Oktober 2012

Billy Joel – The Stranger




Billy Joel – The Stranger


Besetzung:

Billy Joel – vocals, acoustic piano, electric keyboards, synthesizers


Gastmusiker:

Doug Stegmeyer – bass
Liberty Devitto – drums
Richie Cannata – tenor and soprano saxes, clarinet, flute, organ
Mr. Steve Khan – six- and twelve string electric guitars, acoustic rhythm guitar and higher string guitar
Hiram Bullock – electric guitar
Patrick Williams – orchestration


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: September 1977


Stil: Mitunter etwas anspruchsvollerer Pop


Trackliste:

1. Movin’ Out (Anthony’s song) (3:30)
2. The Stranger (5:11)
3. Just The Way You Are (4:51)
4. Scenes From An Italian Restaurant (7:37)
5. Vienna (3:34)
6. Only The Good Die Young (3:56)
7. She’s Always A Woman (3:21)
8. Get It Right The First Time (3:57)
9. Everybody Has A Dream (6:39)

Gesamtspieldauer: 42:36




In den siebziger Jahren war Billy Joel noch sehr kreativ und fleißig und veröffentlichte eine ganze Reihe Alben. So ist „The Stranger“, aus dem Jahr 1977, bereits sein fünfter Output. Hatten dabei die ersten beiden Platten noch ihren ganz eigenen Stil, so befindet sich auf „The Stranger“ bereits hauptsächlich radiotaugliche Popmusik. Allerdings nicht nur.

Der erste Track, „Movin‘ Out“ gehört aber dann doch schon in die Kategorie „Mainstreampop“. Das Lied ist zwar nicht wirklich schlecht und man kann dazu auch schön mitwippen, aber es ist eben nichts Besonderes mehr. Das Titellied „The Stranger“ beginnt danach herrlich schwebend mit einem Pianosolo und einem Pfeifen, welches eine ganz entspannte Atmosphäre hervorruft. Nach knapp einer Minute wird es dann allerdings wieder poppiger, beziehungsweise, hier muss man wohl eher von rockiger sprechen. Das Lied hat einen schönen „Drive“ und endet so, wie es auch begonnen hat – mit Piano und Pfeifen.

„Just The Way You Are“ ist im Anschluss daran allerdings ein Schmalzbrocken „aller erster Kajüte“. Sowohl vom Text, wie von der Instrumentierung her, da hilft wirklich nur weiterskippen auf der Fernbedienung oder aber: Plattenarm hoch und die nächste freie Stelle suchen.

Doch nach diesem Fehlgriff folgt gleich ein Highlight des Albums, das mit über siebeneinhalb Minuten längste Stück auf der Platte: „Scenes From An Italian Restaurant“ Der Beginn ist unglaublich atmosphärisch, sodass man die Pizza fast schon riechen kann, auch wenn es hier hautsächlich um den Wein geht. Dann kommt die Story von Brenda und Eddie, denen alles zuflog, die von allen beneidet wurden. Bis, ja bis sie heirateten und die Ehe schließlich zerbrach. Klingt kitschig, ist aber genial mit Klavier und Saxophone umgesetzt. Und wenn Billy Joel dann am Ende des Stücks wieder den ersten Teil anstimmt, so hängt dort schließlich eine ganz große Portion Melancholie in der Luft und man greift noch schneller zum Wein. Und da ist es dann wie im Lied egal, ob es sich dabei um einen Weißen, einen Roten oder doch um ein Fläschchen Rosé handelt. Ein tolles Lied, in den jeweiligen Stimmungen klasse umgesetzt.

„Vienna“ ist ein ganz nettes Liedchen im Anschluss, aber qualitativ und von der Abwechslung her eher Hausmannskost. Bei „Only The Good Die Young“ wird es dann aber schon wieder deutlich schlechter, denn das ist ein Mitklatschlied, was für mich in die Kategorie „Uptown Girl“ gehört. Musik, mit der ich leider überhaupt nichts anfangen kann.

Aber es wird gleich wieder besser, sehr viel besser sogar. „She’s Always A Woman“ ist einfach wunderschön, andere Worte gibt es dafür wohl nicht. Meist ganz sanft instrumentiert, mit Akustik Gitarre und Piano, kann ich mir die Stimmung für ein Liebeslied nicht besser vorstellen. Und Billy Joel schafft es hier sogar, trotz des Inhalts, an keiner einzigen Stelle schmalzig, kitschig oder schnulzig zu klingen.

Anschließend wird es aber leider wieder hart, wobei das „hart“ nichts mit der Instrumentierung zu tun hat. „Get It Right The First Time“ wartet mit einem Refrain auf, den man sich leicht merken kann, denn dort singt Joel: „La, la, la, la, …“ Grausam! Nicht viel gelungener finde ich auch „Everybody Has A Dream“ bei dem der Refrain im Chor gesungen wird. Das Lied erinnert an die Veröffentlichungen von Barbara Streisand und kommt wohl nur in Joels Heimat, den USA, gut an - nicht jedoch in Europa. Auch wenn das Album am Ende mit der netten Pfeifnummer und dem Piano von „The Stranger“ beendet wird, so rettet dies das Ende der Scheibe auch nicht mehr.

Fazit: Das ist kein gutes Album mehr von Billy Joel, dazu tummeln sich auf „The Stranger“ zu viele seichte Lieder. Dass dies auch anders gesehen werden kann, möchte ich hier allerdings nicht verschweigen, denn „The Stranger“ ist das, von den Verkaufszahlen her, mit Abstand erfolgreichste Album Joels. Und es beinhaltet auch zwei Billy Joel Klassiker mit „Scenes From An Italian Restaurant“ und „She’s Always A Woman“. Immerhin. Und von mir gibt es dafür 7 Punkte.

Anspieltipps: Scenes From An Italian Restaurant, She’s Always A Woman, der ganze Rest ist eher mau.





Sonntag, 30. September 2012

The Byrds – Sweetheart Of The Rodeo (Legacy Edition)




The Byrds – Sweetheart Of The Rodeo (Legacy Edition)


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, banjo, vocals
Chris Hillman – bass, guitar, mandolin, vocals
Gram Parsons – guitar, vocals
Kevin Kelly – drums, vocals
Earl P. Ball – piano
John Corneal – drums
Lloyd Green – steel guitar
John Hartford – fiddle, banjo, guitar
Roy M. Huskey – bass
Jaydee Maness – steel guitar
Clarence White – guitar


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Country


Trackliste:

CD1 (Original LP):

1. You Ain't Goin' Nowhere (2:39)
2. I Am A Pilgrim (3:42)
3. The Christian Life (2:34)
4. You Don't Miss Your Water (3:51)
5. You're Still On My Mind (2:27)
6. Pretty Boy Floyd (2:37)
7. Hickory Wind (3:35)
8. One Hundred Years From Now (2:44)
9. Blue Canadian Rockies (2:05)
10. Life In Prison (2:47)
11. Nothing Was Delivered (3:24)


Bonus Tracks:

12. All I Have Are Memories (Master Take - Kevin Kelley Vocal) (2:49)
13. Reputation (3:10)
14. Pretty Polly (2:55)
15. Lazy Days (3:29)
16. The Christian Life (2:30)
17. You Don't Miss Your Water (3:50)
18. One Hundred Years From Now (3:01)
19. Radio Spot: "Sweethearts Of The Rodeo"-Album (0:58)


CD2 (The International Submarine Band):

20. Sum Up Broke (2:14)
21. One Day Week (2:17)
22. Truck Drivin' Man (2:35)
23. Blue Eyes (2:48)
24. Luxury Liner (2:53)
25. Strong Boy (2:02)
26. Lazy Days (Alternate Version) (3:19)
27. Pretty Polly (Alternate Version) (3:37)
28. Hickory Wind (Alternate "Nashville" Version - Take 8) (3:41)
29. The Christian Life (Rehearsal Version - Take 7 - Gram Parsons) (3:26)
30. The Christian Life (Rehearsal Version - Take 8 - Gram Parsons) (3:06)
31. Life In Prison (Rehearsal Version - Takes 1 & 2 - Gram Parsons Vocal) (3:17)
32. Life In Prison (Rehearsal Version - Takes 3 & 4 - Gram Parsons Vocal) (3:17)
33. One Hundred Years From Now (Reheasal Version - Takes 12 & 13 – Gram Parsons Vocal) (3:59)
34. One Hundred Years From Now (Reheasal Version - Takes 14 & 15 - Gram Parsons Vocal) (3:59)
35. You're Still On My Mind (Rehearsal Version - Take 13 - Gram Parsons Vocal) (2:53)
36. You're Still On My Mind (Rehearsal Version - Take 48 - Gram Parsons Vocal) (2:38)
37. All I Have Are Memories (Alternate Instrumental - Take 17) (3:14)
38. All I Have Are Memories (Alternate Instrumental - Take 21) (3:07)
39. Blue Canadian Rockies (Rehearsal Version - Take 14) (2:59)

Gesamtspieldauer: 1:56:27




Okay, man bekommt mit der Legacy Edition vom sechsten Studioalbum der Byrds aus dem Jahr 1968 sehr viel Musik für sein Geld. Fast zwei Stunden lang wird man mit dieser Ausgabe von „Sweetheart Of The Rodeo“ auf zwei CD’s berieselt. Und jetzt muss ich auf einen Punkt ganz oben auf dieser Seite hinweisen: „Auf diesen Seiten finden Sie Musikrezensionen. Subjektive Musik Rezensionen von…“. Und dieser Umstand kommt nun voll zum Tragen, denn ich finde dieses Album schlecht, abgrundtief schlecht. Mag sein, dass das damit zusammenhängt, dass ich mit Country der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts so überhaupt nichts anzufangen weiß. Aber sei’s drum.

Die Musik auf „Sweetheart Of The Rodeo“ hat absolut nichts mehr mit der Musik zu tun, für die die Byrds auf den fünf Alben davor standen. Auf „Sweetheart Of The Rodeo“ gibt es jetzt reine Country Musik zu hören. Und genau über diese würde ich normalerweise auch nichts schreiben, denn es ist nicht mein Ding. Jetzt machen allerdings die Byrds solche Musik, die vorher durchaus immer wieder in mein „Beuteschema“ passten. Die Byrds, die vorher für eine völlig andere Musikrichtung standen, denn auf „Sweetheart Of The Rodeo“ gibt es keine Country-Anleihen oder so etwas ähnliches, das ist „Old Fashioned Country“ pur.

Jetzt produzieren sie also, nur noch Roger McGuinn und Chris Hillman sind von der Besetzung der letzten Platten übrig geblieben, Country Musik. Und diese ist schlecht. Richtig schlecht. Mit „Oldie Country“ kann man das ganz gut umschreiben, was man hier zu hören bekommt. Nichtssagende Musik, schlechte Texte. Und das alles kumuliert bis in die Tiefe. Grausam.

CD2 ist Musik der „The International Submarine Band“, ein Bandprojekt, für das sich vor allem Gram Parsons verantwortlich zeigte. Und da dieser auch die Musik der Byrds auf „Sweetheart Of The Rodeo“ maßgeblich beeinflusste, ist man keineswegs mehr überrascht, dass diese Band natürlich auch nur Country spielt. Diese Lieder sind auch keinen Deut besser als die der Byrds.

Fazit: Der letzte Track auf CD1 ist ein Werbespot für das Album. Ein Mann kann gar nicht glauben, dass das die Byrds sein sollen. Seine Freundin oder Frau bestätigt ihm das aber immer wieder: „Doch, die Byrds machen jetzt Country Musik“. Die Band wusste ganz genau, dass dies nicht so ohne Weiteres zu verkaufen war. Wer alles von den Byrds haben möchte, der sollte hier definitiv zugreifen. Wer die Musik der Byrds mag, wie sie auf den ersten Platten zu hören war, der wird bitter enttäuscht werden. Genau wie ich. Ein Punkt.

Anspieltipps: Pretty Polly




Samstag, 29. September 2012

Laurie Anderson – Mister Heartbreak




Laurie Anderson – Mister Heartbreak


Besetzung:

Laurie Anderson – vocals, violin, synclavier, whistle, vocoder, electronic conches


Gastmusiker:

William S. Burroughs – vocals
Adrian Belew – guitar
Nile Rodgers – guitar
Anton Fier – drums
Bill Laswell – bass
Daniel Ponce – iya, ikonkolo, shekere, double bell from the Cameroons
Peter Gabriel – vocals, backing vocals, Linn drums, synclavier
David Van Tieghem – playwood, bowls, simmon drums, drums
Sang Won Park – kayagum
Michelle Cobbs – backing vocals
Dolette Mc Donald – backing vocals
Brenda Nelson – backing vocals
Phoebe Snow – backing vocals
Atsuko Yuma – backing vocals
Connie Harvey – japanese chorus
Janet Wright – japanese chorus
Bill Blaber – soprano sax


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Sharkey's Day (7:47)
2. Langue D'Amour (6:18)
3. Gravity's Angel (6:06)
4. Kokoku (7:08)
5. Excellent Birds (3:18)
6. Blue Lagoon (7:09)
7. Sharkey's Night (2:30)

Gesamtspieldauer: 40:16




Auch mit ihrem zweiten Album „Mister Heartbreak“ aus dem Jahr 1984 ist es Laurie Anderson gelungen etwas Außergewöhnliches, beileibe nicht Alltägliches zu erschaffen. Auf der Platte hört man ArtPop in Perfektion, der sicherlich nie als Produkt für die breite Musikhörerschaft angedacht war und dieses auch niemals sein wird.

Immer wiederwirkt die Musik richtiggehend experimentell – ohne dabei jedoch den Anschein zu erwecken unfertig oder unausgegoren zu wirken. Nein, das ist alles sehr geplant, was Laurie Anderson hier Mitte der 80er auf Rille pressen ließ. Die Lieder leben vom Zusammenspiel des gesprochenen und des gesungenen Wortes, von plötzlichen Stimmungswechseln und immer wieder ganz neuen Ideen.

„Sharkey's Day” weist so zum Beispiel einen sehr einprägsamen Refrain auf, der auch noch länger haften bleibt. Bei „Langue D'Amour“ gibt es dann allerdings kaum mehr eine Melodielinie. Laurie Anderson erzählt ihre Geschichte, mal mit klarer Stimme, ein anderes Mal stark elektronisch verfremdet. Und „Gravity's Angel“, Track Nummer drei des Albums, hätte in seiner ganzen Machart und Stimmung auch perfekt auf den Vorgänger „Big Science“ gepasst. Hier klingt Laurie Anderson so, wie sie bereits zwei Jahre zuvor geklungen hat – und das ist keineswegs negativ gemeint. Schöne Melodie, schöner Gesang, mal sehr hoch, mal gesprochen und beim Refrain wird sie von Peter Gabriel unterstützt.

„Kokoku“ ist die „Perle“ des Albums. Hier hört sich irgendwie alles sehr sphärisch und fast schon ein wenig lieblich an - zumindest wenn schließlich der japanische Background-Gesang einsetzt. Allerdings klingt das irgendwie so faszinierend, dass man überhaupt nicht in Versuchung gerät, diese Musik auch nur ein wenig in die Richtung Schmalz zu verfrachten. Alles ist so neu, so unverbraucht und auch ein wenig experimentell, verfügt weder über eine „richtige“ Strophe oder einen „richtigen“ Refrain, sodass man nur die Chance hat dieser Musik etwas abgewinnen zu können, wenn man sich die Zeit zum mehrmaligen Eintauchen einräumt.

„Excellent Birds“ kennt man auch von Peter Gabriels „So“. Zumindest von der Wiederveröffentlichung der CD, denn darauf ist es nun auch enthalten. Das Lied wird hier ein wenig variiert, hauptsächlich ist allerdings auch in dieser Version Peter Gabriel beim Gesang zu hören. Bei „Blue Lagoon“ verzichtet Laurie Anderson wieder weitestgehend auf eine Melodie, alles scheint irgendwie Sphäre und Stimmung zu sein. Der Text ist erneut auch eingesprochen und nicht gesungen. Beendet wird die Platte mit Sharkey's Night, dem Ringschluss nach dem Opener „Sharkey's Day“. William Burroughs spricht dieses Mal den Text ein. Und auch hier bleibt festzustellen, dass Laurie Anderson auf eine Melodie größtenteils verzichtet hat.

Fazit: Auch “Mister Heartbeat” ist Laurie Anderson gelungen. Das Album beschäftigt einen und ist keine 08/15-Musik. Allerdings ist es auch keine Musik, die man immer und immer wieder einlegt, dazu ist das Ganze deutlich zu fordernd. Und diese tollen Melodien, die auf „Big Science“ häufig entdeckt werden konnten, sind dieses Mal rarer gesät. Schade, aber neun Punkte wert.

Anspieltipps: Sharkey's Day, Gravity's Angel, Kokoku, Excellent Birds




Freitag, 28. September 2012

The Lovin’ Spoonful – Everything Playing




The Lovin’ Spoonful – Everything Playing


Besetzung:

John Benson Sebastian – vocals, guitar, harmonica
Jerry Yester – guitar
John Steven Boone – bass
John Campbell Butler – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Pop, Oldie


Trackliste:

1. She Is Still A Mystery (3:01)
2. Priscilla Millionaira (3:13)
3. Boredom (2:25)
4. Six O’Clock (2:43)
5. Forever (4:23)
6. Younger Generation (2:42)
7. Money (1:55)
8. Old Folks (3:05)
9. Only Pretty, What A Pity (3:03)
10. Try A Little Bit (3:06)
11. Close Your Eyes (2:47)


Bonus Tracks:

12. She Is Still A Mystery (Alternate Version) (3:11)
13. Only Pretty, What A Pity (Alternate Version) (2:57)
14. Try A Little Bit (Alternate Version) (3:02)

Gesamtspieldauer: 41:40




Auf dem vierten Studioalbum der Lovin‘ Spoonful hatte sich eine Veränderung ergeben. Zal Yanovsky hatte die Band wohl aufgrund von Drogenproblemen verlassen. Er wurde ersetzt durch den Gitarristen Jerry Yester. Und fleißig waren sie nach der Umbesetzung, denn das Album erschien noch im selben Jahr wie der Vorgänger „Hums Of The Lovin‘ Spoonful“.

Allgemein sind die vier Musiker auf „Everything Playing“ noch etwas poppiger geworden. Die Blues- und Country-Anleihen wurden deutlich zurückgefahren. Dafür versteckt sich auf dem Album mit „Forever“ sogar ein orchestraler Track, bei dem erst ganz zum Schluss eine Gitarre zu hören ist. Wobei ganz allgemein festzustellen wäre, dass immer wieder klassische Instrumente auf den einzelnen Titeln zu vernehmen sind. Ein Umstand, der das Album durchaus wieder interessanter macht, als seine Vorgänger. Auch für, dieses Mal sogar weiblichen Hintergrundgesang, ist gesorgt – und auch diese Variation lockert das Gesamtbild nochmals zusätzlich auf.

Dazu gibt es auf der remasterten Version noch drei alternative Versionen von bereits enthaltenen Liedern, die sich allerdings nicht großartig von den „Originalen“ unterscheiden und somit eigentlich obsolet sind.

Fazit: Klar klingen die meisten Songs von The Lovin‘ Spoonful auch auf „Everything Playing“ überholt und nicht mehr von dieser Zeit. Aber diese „Oldies“ sind melodiöser und eingängiger geraten, als noch auf den ersten beiden Alben. Außerdem fehlen dieses Mal die absoluten Ausreißer nach unten. Von daher gibt es für diese Platte von The Lovin‘ Spoonful sieben Punkte.

Anspieltipps: She Is Still A Mystery, Six O’Clock, Forever, Only Pretty What A Pity, Try A Little Bit




Donnerstag, 27. September 2012

Deus - My Sister Is My Clock




Deus – My Sister Is My Clock (EP)


Besetzung:

Jules de Borgher – drums
Klaas Janzoons – violin, piano, percussion, delay
Rady Trouve – guitar, vocals, piano, synthesizer, rhythm-box, bass, toy-horns, matress, teeth, harp
Stef Camil Carlens – electric and acoustic guitar, vocals, bass, piano, bells, pipes
Tom Barman – electric and acoustic guitar, vocals, bass, piano, bells, pipes


Label: Island Records Ltd.


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Experimentalmusik


Trackliste:

1. Middlewave
2. Almost White
3. Healtinsurance
4. Little Ghost
5. How To Row A Cat
6. Only A Colour To Her
7. Sweetness
8. Sick Sugar
9. The Horror Partyjokes
10. Void
11. Sans Titre Pour Sira
12. Glovesong
13. Lore In The Forest

Gesamtspieldauer: 25:44




Die Angabe der einzelnen Lieder hätte ich mir bei dieser EP von Deus eigentlich sparen können, denn die vier Mannen um Bandleader Tom Barman haben darauf verzichtet, einzelne Tracks auf der EP zu hinterlegen. Das bedeutet, man kann den „Weiterknopf“ nicht drücken und muss sich durch das ganze Werk, laut Booklet aus dreizehn Einzeltiteln bestehend, hören. Und ganz ehrlich, das ist nicht einfach. Man bekommt Sprachfetzen zu hören und meist sehr, sehr atonales Geschrammel, Geklimper. Hier wurden Geräusche und Ansätze aufgenommen. Was sich die fünf Belgier dabei gedacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis, das Ergebnis ist auf jeden Fall grauenvoll.

Die Band war sich im Klaren, dass diese „Musik“ wohl kaum auszuhalten ist und sofort die „Weiter-Taste“ betätigt werden würde, daraufhin wurde jedoch das „Skippen“ unterdrückt – man muss da echt durch! Wie schon des Öfteren vermerkt, stehe ich sogar auf abgefahrene und schräge Töne, wie sie in der progressiven Rockmusik immer wieder vorkommen. Aber das hier? Das grenzt fast an eine Zumutung.

Dieses Album war während des Hörens mein Kandidat für ein 0-Punkte-Werk auf unserem Blog. Doch dann passierte es wirklich noch bei 22:20. Ich habe ein Lied vernommen. Sogar noch ein ganz gutes Stück. Von daher hat es sich vielleicht doch noch gelohnt, die Scheibe der Länge nach durchzuhören, sie hat sich damit ihren einen Punkt redlich verdient.

Fazit: Das ist kein Alternative Rock, für den Deus sonst steht und unter dessen Überaschrift sie auch schon gute Scheiben veröffentlicht haben. Das ist auch kein progressiver Rock, das ist leider größtenteils nur Lärm und wenn man es gut meint: Töne. Ist auch wirklich nur was für Leute, die alles von Deus besitzen wollen.

Anspieltipps: Irgendwie zum Ende des gesamten Tracks kommen.