Samstag, 13. Oktober 2012

Renaissance - Novella




Renaissance – Novella


Besetzung:

John Tout – keyboards, vocals
Annie Haslam – lead vocals
Jon Camp – bass, bass pedals, acoustic guitar, vocals
Terence Sullivan – drums, percussion, vocals
Michael Dunford – acoustic guitars, vocals


Gastmusiker:

Richard Hewson – orchestral arrangements


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: September 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Can You Hear Me? (13:40)
2. The Sisters (7:13)
3. Midas Man (5:46)
4. The Captive Heart (4:16)
5. Touching Once (Is So Hard To Keep) (9:27)

Gesamtspieldauer: 40:21




Die Hochphase des Progressive Rock war eigentlich Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bereits vorbei, doch noch zwei Jahre später legte die britische Band Renaissance mit „Novella“ ein Album vor, welches mit melodiösem Progressive Rock nur so vollgepackt ist.

Progressive Rock ist ein weites Feld. Da gibt es die „frickelige“ Fraktion, die immer wieder mal von Emerson, Lake and Palmer eingenommen wurde. Und da gibt es den Gegenpart: Renaissance. Alles an der Musik der britischen Band ist Mitte der 70er Jahre harmonisch und melodiös, eingängig und irgendwie warm. Das mag zum einen an der Stimme Annie Haslams liegen – aber nicht nur. Es ist die Musik selbst, die nur so vor harmonischen Akkorden überquillt, die einen einhüllt, die den Hörer becirct und umgarnt.

Allein der Opener „Can You Hear Me?“. Orchestral startet das Lied, um dann in einen unglaublich prägnanten Teil überzugehen, in dem Annie Haslam immer wieder dieses „Can You Hear Me?“ hinaussingt, hinausruft, hinausfleht, hinaushaucht. Wenn es die Wahl zum eingängisten Progressive Rockstück geben würde, „Can You Hear Me?“ würde einen Platz ganz, ganz weit vorne einnehmen. Wirklich sehr gut gemacht. Hier gibt es auch immer wieder die Parts, die ein wenig an die frühen Genesis erinnern. Diese gibt es auch beim letzten Titel „Touching Once (Is So Hard To Keep)“. Klar unterscheidet sich die Musik der beiden Bands deutlich, aber einige Parallelen sind hier nicht zu überhören – und zwar immer dann, wenn Tempo- und Stilwechsel Einzug in den jeweiligen Song halten.

Auch „The Captive Heart“ ist sowas von angenehm, von harmonisch und von eingängig, dass jeder „Rocker“ wohl seine Schwierigkeiten damit haben dürfte. Die Musik ist sanft und weich und auf ihre Art wohl am besten mit weiblich zu bezeichnen.

Fazit: „Novella“ ist ein tolles Album, welches sicherlich jedem gefallen dürfte, der auf Harmonie und Melodiösität in der Musik steht. Hier gibt es zwar keine Ecken und Kanten, alles klingt auf seine Weise, und diese Eingängigkeit gibt es nicht häufig auf einem Album, egal von welcher Band, zu hören. Übrigens merkt man dies auch schon am Album-Cover. Ja das Label „weibliche progressive Musik“ finde ich hier ganz passend. Und jeder „Kerl“ der sich darauf einlassen kann, der wird hier auch seine Freude haben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Can You Hear Me?, The Captive Heart, Touching Once (Is So Hard To Keep)




Freitag, 12. Oktober 2012

Madonna – Like A Virgin




Madonna – Like A Virgin


Besetzung:

Madonna – vocals, background vocals


Gastmusiker:

Bernard Edwards – bass
Brenda King – background vocals
Lenny Pickett – saxophone
Nile Rodgers – guitar, synclavier
Robert Sabino – synthesizer
Frank Simms – background vocals
George Simms – background vocals
Tony Thompson – drums


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Disco, Pop


Trackliste:

1. Material Girl (4:02)
2. Angel (3:56)
3. Like A Virgin (3:39)
4. Over And Over (4:12)
5. Love Don't Live Here Anymore (4:50)
6. Dress You Up (4:02)
7. Shoo-Bee-Doo (5:17)
8. Pretender (4:31)
9. Stay (4:09)


Bonus Tracks:

10. Like A Virgin (Extended Dance Remix) (6:11)
11. Material Girl (Extended Dance Mix) (6:07)

Gesamtspieldauer: 50:54




Auch auf dem zweiten Album von Madonna, welches ein Jahr nach dem Debut im Jahr 1984 entstand, bekommt man Disco-Pop in Vollendung zu hören. Leider hat sich bis hierher auch die Stimme der Sängerin noch nicht entscheidend verbessert. Das wirkt alles schon sehr dünn, wenn man sich diese Platte knapp dreißig Jahre nach ihrem ursprünglichen Entstehungsdatum anhört.

„Like A Virgin“ heißt die Scheibe, die nach dem größten Hit des Albums benannt wurde. Allerdings präsentiert sich Madonna auf dem Cover nicht wie eine Jungfrau, sondern eher wie ein „Material Girl“, dem zweiten Hit der Platte. Beiden Stücken kann man zumindest einen gewissen Wiedererkennungswert wahrlich nicht absprechen. Trotzdem scheint die Zeit für diese Art Musik heute einfach vorbei zu sein. Und wenn man Madonna dieser Tage mit aktuelleren Liedern hört, klingt das dann doch schon ganz anders.

Nun, was gibt es noch an erwähnenswerten Stücken auf „Like A Virgin“? Leider nicht viel, aber vielleicht findet jemand seine Freude daran, wenn sie oder er auf Synthie-Pop und plastikähnliche Discolaute steht. Die Melodien geben allerdings gar nichts mehr her. Langeweile pur. „Love Don't Live Here Anymore“ fällt dabei noch ein kleines bisschen aus dem Rahmen, was an den Violin-Parts und dem echten Schlagzeug liegt. Umhauen kann einen dieses Stück allerdings auch nicht. Immerhin aber mal eine Abwechslung vom drögen Disco-Einerlei.

Der ganze Rest ist plumpes und einfallsloses Gedudel. Bei „Shoo-Bee-Doo“ hört man allerdings zunächst noch ein Piano und das Stück beginnt balladenartig, um dann jedoch auch wieder in diesen Discorhythmus zu verfallen – wenn auch etwas langsamer. Und der Text: wahnsinnig schlecht. Okay, geschenkt bei dem Liedtitel. Als Zugaben gibt es zwei verlängerte „Dance-Remixe“ der beiden Hits. Wer gerne auf solche Musik abtanzt, kann hier seinen Vorlieben freien Lauf lassen.

Fazit: Nein, das ist keine Musikgeschichte. Vielleicht ist das Madonna als Künstlerin, dieses Album aber auf jeden Fall nicht. Die Musik ist oberflächlich und zum größten Teil unglaublich langweilig. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Material Girl, Like A Virgin, Love Don't Live Here Anymore





Donnerstag, 11. Oktober 2012

The Byrds – Ballad Of Easy Rider




The Byrds – Ballad Of Easy Rider


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, vocals
Clarence White – guitar, vocals
John York – bass, vocals
Gene Parsons – drums, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Country, Pop


Trackliste:

1. Ballad Of Easy Rider (2:00)
2. Fido (2:40)
3. Oil In My Lamp (3:13)
4. Tulsa County (2:49)
5. Jack Tarr The Sailor (3:31)
6 Jesus Is Just Alright (2:10)
7. It’s All Over Now, Baby Blue (4:53)
8. There Must Be Someone (I Can Turn To) (3:29)
9. Gunga Din (3:03)
10. Deportee (Plane Wreck At Los Gatos) (3:50)
11. Armstrong, Aldrin And Collins (1:41)


Bonus Tracks:

12. Way Beyond The Sun (2:56)
13. Mae Jean Goes To Hollywood (2:44)
14. Oil In My Lamp (Alternate Version) (2:02)
15. Tulsa County (Alternate Version) (3:39)
16. Fiddler A Dram (Moog Experiment) (3:10)
17. Ballad Of Easy Rider (Long Version) (2:26)
18. Build It Up (Instrumental) (5:34)

Gesamtspieldauer: 56:52




Noch im selben Jahr wie das siebte Album, veröffentlichten die Byrds auch gleich noch ihr achtes „reguläres“ Studioalbum. Viel Zeit für den Prozess des Komponierens scheinen sich die vier Musiker dabei nicht genommen zu haben, denn es befinden sich hauptsächlich Cover-Versionen auf „Ballad Of Easy Rider“. Und erneut ganz viel Country…

Mit „Ballad Of Easy Rider“, dem Namensgeber des Albums startet die Platte. Dieses Lied wurde von Roger McGuinn zum Soundtrack des Films „Easy Rider“ hinzugesteuert und hier fand es dann gleich noch mal Verwendung. Eine ganz nette Folk-Rock-Nummer.

Mit „Jack Tarr The Sailor” gibt es noch eine gute Nummer auf dem Album. Dabei handelt es sich bei dem Stück um ein traditionelles Seemannslied, welches von Roger McGuinn neu überarbeitet und arrangiert wurde. „Fido“ ist eine Pop-Rock-Nummer und bei „Jesus Is Just Alright“ betätigen sich die Byrds überraschenderweise sogar als Gospel-Singer. Leider nicht sehr überzeugend.

„It’s All Over Now, Baby Blue” von Bob Dylan wird auf der Platte so etwas von uninspiriert und langweilig gecovert, dass es nur schwer zu wertragen ist. Genau wie der Rest, bei dem es sich wiederum um schlecht gemachte Country-Musik handelt.

Und Country-Musik findet sich auch größtenteils auf den Bonus-Tracks. Ausnahmen sind da nur die letzten beiden Stücke. Eins davon ist „Ballad Of Easy Rider“ in einer etwas längeren Version. Die allerletzte Nummer des Albums heißt „Build It Up“, ist eine Art Rock‘n‘Roll und instrumental, also ohne Gesang eingespielt. Dann gibt es ab 2:30 eine Pause und wenig später folgt ein „Hidden Track“, bei dem es sich wohl um Werbung für das Album handelt. Besonders erwähnenswert dabei erscheint mir folgender Satz: “… and this is not a country music, this is not a city music, but maybe it’s an american kind of music …” Gut möglich, dass das stimmt.

Fazit: Bezogen auf das Zitat aus dem Radiotrailer muss ich wohl feststellen, dass ich Europäer bin und deshalb nur so wenig mit dieser Phase der Byrds anfangen kann. Hilft nichts, sind so oder so nur drei Punkte, die dieses Album verdient hat.

Anspieltipps: Ballad Of Easy Rider, Fido, Jack Tarr The Sailor




Mittwoch, 10. Oktober 2012

Kraftwerk – Kraftwerk 2




Kraftwerk – Kraftwerk 2


Besetzung:

Ralf Hütter – Orgel, elektrisches Klavier, Bass, Rhythmusmaschine, Glocken, Harmonika
Florian Schneider-Esleben – Flöte, Geige, Gitarre, Mischpult, Glocken


Label: Philips


Erscheinungsdatum: September 1972


Stil: Experimentalmusik


Trackliste:

1. KlingKlang (17:27)
2. Atem (2:55)
3. Strom (3:49)
4. Spule 4 (5:27)
5. Wellenlänge (9:37)
6. Harmonika (3:17)

Gesamtspieldauer: 42:31




Das, was für das Debut von Kraftwerk aus dem Jahr 1971 galt, das gilt auch für den Nachfolger, passenderweise mit Kraftwerk 2 betitelt, der ein Jahr später erschien: Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben, inzwischen zum Duo geschrumpft, versuchen sich am „Entlocken von Tönen“. Und dies ist beim ersten Stück „KlingKlang“ auch recht vielfältig. Hier werden Glocken eingesetzt, Gitarre, Querflöte, Orgel, Klavier, Bass und Geige. Das volle Programm eben. Auch ein Cello ist gegen Ende des Stücks zu hören, obwohl dieses in den Credits keine Erwähnung findet. Dazu kommt es hier auch zum ersten Einsatz einer Rhythmusmaschine, da den beiden Musikern in der Zwischenzeit der Drummer abhandengekommen war. Und diese Art der Perkussion klingt dann schon sehr ähnlich zu der Musik, mit der Kraftwerk berühmt werden sollten. Nun, „KlingKlang“ klingt wirklich. Mal etwas hektischer, mal etwas sphärischer und beruhigter, je nachdem wie diese Rhythmusmaschine gerade eben programmiert war. Das Stück hat was und erzeugt eine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre, die sich so nicht allzu häufig in der Musik antreffen lässt. Das ist schon etwas Besonderes und Spezielles über die ganzen siebzehneinhalb Minuten lang.

Fünf weitere Titel sind auf der Platte enthalten. Und jetzt wird es wahrlich schwierig. „KlingKlang“ klingt und hatte eine Melodie, der man folgen konnte. Beim zweiten Stück „Atem“ ist das schon sehr viel schwieriger. Man hört Atemgeräusche, die immer mehr elektronisch verfremdet werden. Das ganze drei Minuten lang. „Strom“ klingt zunächst nach dem Stimmen einer Gitarre. Dem Stimmen einer E-Gitarre. Anschließend wird ein minimalistisches Motiv auf einer Akustik-Gitarre wiedergegeben. Sphärisch hinterlegt mit Klängen aus dem Keyboard und schließlich auch mit Querflöte, wächst das Stück und gewinnt an Intensität.

„Spule 4“ erscheint dann eher wie ein Experiment pur. „Was passiert eigentlich, wenn ich diesen Ton mal so, mal so verzerre, verfremde, bearbeite?“ Solche Gedankengänge scheinen den beiden Düsseldorfern hier mit Sicherheit nicht ganz fremd gewesen zu sein. „Spule 4“ hat keinerlei Struktur, keine Melodie, keinen Rhythmus. Nicht viel anders startet es beim fünften Stück des Albums „Wellenlänge“. Die Nummer ist allerdings etwas ruhiger und schwebender gehalten als sein Vorgänger. Und ab etwa Minute sechs passiert dann auch noch richtig was, was man wieder deutlicher als Musik identifizieren kann. Das wiederum hört sich dann auch gar nicht schlecht an.

Bliebe noch „Harmonika“. Erneut ein Improvisationsstück ohne jegliche Struktur, bei dem der Harmonika-Klang erneut elektronisch bearbeitet wurde. Ein reines Experiment, nicht anders klingt diese letzte Nummer.

Fazit: Kein alltägliches Album ist Kraftwerk 2. Hier wird wieder experimentiert was das Zeug hält. Allerdings gibt es auch immer wieder und mal mehr und mal weniger Melodien und Rhythmen zu hören. Die können dann durchaus gefallen. Ich glaube allerdings nicht, dass der Fan von Kraftwerk ab Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts etwas mit dieser Art von Musik anfangen kann. Daher scheint es aus Sicht von Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben sogar durchaus gerechtfertigt, auf eine Wiederveröffentlichung des Albums zu verzichten. Wegen den paar guten Stellen gibt es acht Punkte.

Anspieltipps: KlingKlang, Strom, Wellenlänge



Dienstag, 9. Oktober 2012

Noah And The Whale - Peaceful, The World Lays Me Down




Noah And The Whale – Peaceful, The World Lays Me Down


Besetzung:

Charlie Fink – vocals, guitar
Doug Fink – drums
Urby Whale – bass, xylophone
Tom Hobden – violin


Gastmusiker:

Laura Marling – background vocals
Sam Kinrade – trumpet
Jon Carvell – trombone
Jacqui Alul – flute


Label: Vertigo Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Indie Folk


Trackliste:

1. 2 Atoms In A Molecule (2:05)
2. Jocasta (2:49)
3. Shape Of My Heart (2:54)
4. Do What You Do (4:17)
5. Give A Little Love (4:15)
6. Second Lover (4:04)
7. 5 Years Time (3:35)
8. Rocks And Daggers (4:33)
9. Peaceful, The World Lays Me Down (6:15)
10. Mary (3:28)
11. Hold My Hand As I'm Lowered (3:46)

Gesamtspieldauer: 42:01




„Peaceful, The World Lays Me Down” heißt das Debut-Album der englischen Indie-Folk Band Noah And The Whale aus dem Jahr 2008. Indie-Folk spielten sie zumindest zum Beginn ihrer Karriere und auf diesem ersten Album. Später sollte das alles ein wenig rockiger werden.

Wer auf äußerst unaufgeregte Musik steht, die ein klein wenig nach Mumford And Sons klingt, dem wird dieses Album hier sehr gefallen. Besser sollte man allerdings sagen, Mumford And Sons klingen ein wenig nach Noah And The Whale, denn die Band um Songschreiber und Texter Charlie Fink war ein klein bisschen früher da und dran.

Allerdings erreicht die Scheibe nicht ganz die Klasse ihrer „Nachahmer“ und deren Debut. Die Musik ist schön, aber diese ganz tollen und packenden Melodien, die einem bei solcher Art Musik einfach umschmeicheln müssen, die einen packen sollten und nicht mehr loslassen wollen – diese Melodien in den Liedern, die gibt es, jedoch leider nicht allzu breit gesät. Am ehesten können da so richtig das Eröffnungslied „2 Atoms In A Molecule“, „Jocasta“, der kleine Hit „5 Years Time“ sowie „Rocks And Daggers“ noch begeistern.

Unter den anderen Titeln befindet sich zwar auch keine schlechte Nummer, aber es will trotzdem nicht so recht zünden. Nett ist das zwar, aber eben nicht begeisternd. Eher Musik, die man hört, die zugegebenermaßen auch einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt, die man aber nicht herbeisehnt und immer und immer wieder hören möchte. Dazu ist sie manchmal einfach zu ruhig, zu wenig aufregend und an manchen Stellen sogar ein wenig langweilig. Schmeichlerisch süß zwar, aber eben doch nicht das Besondere.

Trotzdem befindet sich auf „Peaceful, The World Lays Me Down” schöne Musik. Toll immer wieder der Violinen-Einsatz von Tom Hobden und auch der Background-Gesang von Laura Marling, die bis vor der Veröffentlichung auch festes Mitglied der Band war. Dazu hat Charlie Fink eine sehr angenehme Stimme, die hier perfekt passt und auch beim Liederschreiben immer wieder die richtige Idee.

Fazit: Schöne Musik gibt es auf “ Peaceful, The World Lays Me Down” von Noah An The Whale zu hören. Indie Folk, völlig unaufgeregt und immer sehr melodisch und harmonisch. Die Musik kann man nebenbei hören, es lohnt sich allerdings auch immer wieder, diesen Songs ein wenig mehr Spielraum einzuräumen und sich darauf zu konzentrieren. Dann wächst das Ganze noch. Wieder mal Musik, die in Richtung Kamin und nasskalte Novembertage tendiert. Neun Punkte.

Anspieltipps: 2 Atoms In A Molecule, Jocasta, 5 Years Time, Rocks And Daggers, Peaceful, The World Lays Me Down




Montag, 8. Oktober 2012

Tenacious D – Tenacious D




Tenacious D – Tenacious D


Besetzung:

Jack Black – lead vocals, guitar
Kyle Gass – lead acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

David Grohl – drums, guitar on track #’s 4, 7, 8, 11, 18, 20, 21
Steve McDonald – bass
Warren Fitzgerald – lead electric guitar
Page McConnell – keyboards
Alfredo Ortiz – percussion on track #’s 3, 15, 18, 20
Woody Jackson – sitar on track # 1
Andrew Gross – strings on track #’s 4, 6
Ken Andrews – guitar on track #’s 3, 10, 11, 15
John King – echoplex on track #7


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Rock


Trackliste:

1. Kielbasa (3:00)
2. One Note Song (1:24)
3. Tribute (4:08)
4. Wonderboy (4:07)
5. Hard Fucking (0:36)
6. Fuck Her Gently (2:04)
7. Explosivo (1:55)
8. Dio (1:41)
9. Inward Singing (2:14)
10. Kyle Quit The Band (1:30)
11. The Road (2:19)
12. Cock Pushups (0:48)
13. Lee (1:02)
14. Friendship Test (1:31)
15. Friendship (2:00)
16. Karate Schnitzel (0:37)
17. Karate (1:05)
18. Rock Your Socks (3:33)
19. Drive-Thru (3:01)
20. Double Team (3:11)
21. City Hall/I Believe/Malibu Nights Medley (9:02)

Gesamtspieldauer: 50:45




Jack Black und Kyle Gass sind eigentlich Schauspieler, die sich auf einer Theatertournee kennenlernten und ihre gemeinsame Liebe zur Musik entdeckten. Kurzerhand wurde die Band „Tenacious D“ von den beiden gegründet, bei der allerdings Songs und Sketche zum Repertoire gehören. Und genau so ist dieses erste Album der Band aus dem Jahr 2001 auch aufgebaut. Musik und kurze Gags. Drums und die Gitarre wurden dabei von David Grohl von den „Foo Fighters“ oder noch früher von „Nirvana“ hinzugesteuert.

Nun, die Musik auf dem Erstling, welches genau wie die Band „Tenacious D“ getauft wurde, ist absolut klasse und über jeden Zweifel erhaben. Absolut klasse zumindest, wenn man auf gut gemachten und mitreißenden Rock steht, der sofort ins Ohr geht und dort auch jahrelang verbleibt. So ist auch das Meisterwerk der Band, das Lied „Tribute“ mit auf der Platte. In diesem Lied wird die Geschichte vom besten Song aller Zeiten erzählt, den die beiden allerdings leider wieder vergessen haben. Grandios gemacht, witzig umgesetzt. Und wer mal die Möglichkeit hat, sich das Video zu diesem Lied anzusehen, die oder der wird zusätzlich begeistert sein. Unglaublich witzig und sehr unterhaltend.

Aber es sind noch weitere tolle Lieder auf der Platte, wie zum Beispiel das relativ bekannte „Wonderboy“. Und auch die anderen Titel wie „Kielbasa“, „Explosivo“, „Dio“, „Friendship“ und so weiter können absolut überzeugen. Wer Spaß an melodischem Rock hat, der immer mal wieder ein wenig härter ist, ohne dabei mit „Hard Rock“ tituliert werden zu können, der sollte sich diese CD auf jeden Fall zulegen – Enttäuschung nahezu ausgeschlossen. Und auch die kurzen Sketche sind oft sehr witzig. Allein schon der Anfang vom Lied „Kielbasa“ zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. „Inward Singing“ und „Drive Thru“ sind da ebenfalls sehr zu empfehlen.

Aber es gibt auch ein großes Manko auf diesem Album. 21 Nummer enthält die Platte insgesamt und wenn man sich die Titelliste zum Beispiel bei amazon im Internet ansieht, dann steht da bei nicht weniger als 18 Stücken das Wörtchen „Explicit“ dahinter, was nichts anderes bedeutet, als das hier das Wort mit „f“ fällt. Dieses Wort fällt allerdings so inflationär oft, dass es nervt und man es einfach nicht anhören kann, wenn Kinder in der Nähe sind. Auch deutsche Kinder verstehen das. Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es mindestens hundert Mal gesungen, gesagt, geschrien und wahrscheinlich auch noch getanzt wird – allerdings kann ich Letzteres nur annehmen.

Fazit: Die Musik ist klasse, die Gags und der Humor meist auch richtig gut und mitreißend. Es nervt nur eben diese Fäkalsprache und so alt bin ich doch noch gar nicht. Aber hier übertreiben die beiden Jungs ganz eindeutig. Trotzdem bekommt diese Scheibe elf Punkte von mir, da sie einfach beeindruckt mit ihrer Rock Musik, ihren Ideen und eben auch ihrem Witz.

Anspieltipps: Kielbasa, Tribute, Wonderboy, Explosivo, Dio, Inward Singing, Friendship, Rock Your Socks, Drive-Thru, Double Team




Sonntag, 7. Oktober 2012

The Lovin’ Spoonful – Revelation: Revolution ‘69




The Lovin' Spoonful – Revelation: Revolution ‘69

Besetzung:

John Campbell Butler – drums, vocals

Sowie diverse Gastmusiker


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Pop, Oldies


Trackliste:

1. Amazing Air (2:56)
2. Never Going Back (2:55)
3. The Prophet (2:51)
4. Only Yesterday (2:48)
5. War Games (7:02)
6. (Til I) Run With You (1:58)
7. Jug Of Wine (2:49)
8. Revelation: Revolution ‘69 (2:26)
9. Me About You (3:52)
10. Words (2:24)


Bonus Tracks:

11. Revelation Revolution ‘69 (Single Version Alternate Mix) (2:31)
12. Revelation Revolution ‘69 (Single Version Alternate Mix Vocal) (2:20)
13. Me About You (Single Version Alternate Mix) (2:48)

Gesamtspieldauer: 39:49




Ist dieses letzte, 1968 aufgenommene und 1969 veröffentlichte Album von „The Lovin‘ Spoonful eigentlich noch ein „richtiges“ Album von The Lovin‘ Spoonful? John Sebastian, der „Hitproduzent“ der Band hatte diese inzwischen ebenfalls verlassen. Offiziell bestand die Band zwar noch aus Butler, Boone und Yester - allerdings bekommt man auf „Revelation Revolution ‘69“ nur noch den Drummer John Butler regelmäßig zu hören. Das gilt für sein Trommeln, wie für den Gesang. Yester hört man mit der Gitarre noch auf „Never Going Back“ und Boone spielt bei keinem der Lieder mehr den Bass. Die Stücke wurden mittels Studiomusikern eingespielt und auch das Schreiben der Lieder selbst, wurde professionellen Autoren überlassen. Ist das also noch die Band? Na, zumindest wurde die Platte als das letzte Album der „The Lovin‘ Spoonful“ veröffentlicht.

Und was ist mit der Musik? Diese ist nun zu typischem 60er Pop geworden. Meistens harmonisch und melodisch, wie man gleich beim ersten Track „Amazing Air“ feststellen kann. Richtig gut ist das allerdings auch nicht. Es plätschert alles so vor sich hin, ohne einen großartig weiter zu beschäftigen. Manchmal ganz netter Oldie, aber auch nicht mehr. Dies gilt auch für die drei Zugaben der remasterten CD-Ausgabe, bei denen es sich um alternative Versionen handelt.

Ein Stück bedarf allerdings noch der besonderen Erwähnung. Und dabei handelt es sich noch nicht einmal um ein Lied. „War Games“ ist eine Klangkollage. Jene ist dieses Mal wirklich von „The Lovin‘ Spoonful“ in Form von John Butler, der sonst nur noch als Co-Autor von „The Prophet“ auftrat. „War Games“ beginnt mit Frauen-Stöhnen. Bevor man jedoch denkt „Hoppla, dass das erlaubt war, so etwas 1969 auf Platte zu pressen“ merkt man, dass es sich bei der Dame um eine Frau handelt, die gerade ein Kind gebärt. Nun, dann schreit der kleine Junge, kommt in den Kindergarten, die Schule und so weiter. Er wird erwachsen und schließlich in die Army eingezogen, die ihn zum „richtigen Mann“ machen möchte. Man hört schließlich Herzschläge, dann wird es ernst. Es wird geschossen und es explodiert allerhand. Schließlich hört man auch keinen Herzschlag mehr. Aus dieser Kollage hätte man vielleicht sogar etwas machen können, in diesem Fall ist die aber langweilig. Da packt einen nichts – gar nichts. Die Idee war wahrlich gut, doch sie wurde verschenkt. Und noch einmal: Hier hört man keinerlei Musik, nur Geräusche und Stimmen.

Fazit: Das ist er also, der Abgesang einer Band, die mit „Summer In The City“ ihren musikalischen Höhepunkt hatte, ein Lied, welches sie qualitätsmäßig nie wieder erreichte. Hier hört man jetzt „Gastmusiker“ und „Gastautoren“. 60er Pop, den es woanders deutlich besser gibt. Das Album ist nichtssagend. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Amazing Air, The Prophet, War Games, Jug Of Wine, Revelation: Revolution ’69, Words




Samstag, 6. Oktober 2012

The Byrds – Dr. Byrds And Mr. Hyde




The Byrds – Dr. Byrds And Mr. Hyde


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, vocals
Clarence White – guitar, vocals
John York – bass, vocals
Gene Parsons – drums, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Country, Pop


Trackliste:

1. This Wheel's On Fire (4:47)
2. Old Blue (3:24)
3. Your Gentle Way Of Loving Me (2:38)
4. Child Of The Universe (3:18)
5. Nashville West (2:32)
6. Drug Store Truck Drivin' Man (3:56)
7. King Apathy III (3:03)
8. Candy (3:41)
9. Bad Night At The Whiskey (3:26)
10. Medley: My Back Pages, B.J. Blues, Baby What You Want Me To Do (4:18)


Bonus Tracks:

11. Stanley's Song (3:15)
12. Lay Lady Lay (Alternate Version) (3:21)
13. This Wheel's On Fire (Version One) (3:56)
14. Medley: My Back Pages, B.J. Blues, Baby What You Want Me To Do (Alternate Version, Take 1) (4:21)
15. Nashville West (Alternate Version, Take 1) (2:04)

Gesamtspieldauer: 51:59




Und wieder einmal gab es zahlreiche Umbesetzungen bei den Byrds. Chris Hillman und Gram Parsons, die noch auf dem Vorgängeralbum für den starken Country-Einfluss verantwortlich waren, hatten die Band verlassen. Und so war nun nur noch Roger McGuinn, der von der ursprünglichen Besetzung der Band übrig geblieben war. Doch so überraschend anders dieses siebte Studioalbum der amerikanischen Band The Byrds auch beginnt, man sollte sich nicht täuschen lassen, denn auch auf dem Nachfolger von „Sweetheart Of The Rodeo“ hört man ebenfalls hauptsächlich Country Musik – mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Hillman und Parsons hatten also ein Erbe hinterlassen.

Nicht allerdings beim ersten Stück des 1969 veröffentlichten Albums „Dr. Byrds And Mr. Hyde“. „This Wheel's On Fire“ hört sich sehr viel mehr psychedelisch an. Da denkt man bereits, dass die Byrds sich zurück orientiert, auf alte Tugenden zurück fokussiert hätten. Der Song klingt sehr psychedelisch, fast schon ein wenig experimentell, wenn man diesen mit den Liedern der letzten Platte vergleicht. Dabei ist das Stück jedoch nicht überragend, aber doch wieder gut gemacht.

Leider wird der geneigte Hörer und Liebhaber der früheren Platten der Band anschließend jedoch sogleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Jetzt wird es sofort wieder countrymäßig gewöhnungsbedürftig. Ausnahmen bilden hier nur noch zum großen Teil die Stücke „Child Of The Universe“ und „Bad Night At The Whiskey“ ohne dabei ebenfalls großartig überzeugen zu können. Bei manchen Stücken, „Candy“, gibt es dann zumindest noch mal Abschnitte, die anders klingen, aber das Meiste ist und bleibt dann doch Country Musik. Und warum eine Band ein Medley auf einer regulären Platte bringen muss, wird auch ein Geheimnis der Byrds bleiben.

Fünf Zugaben gibt es dieses Mal in Form von Bonus Tracks auf der remasterten Version der Platte. „Stanley's Song“ kenne ich dabei von der „Trill-Werbung“ aus den 70er Jahren. Trill mit Jod-F-11 Körnern oder so. Ich hatte keinen Vogel und kann somit auch nichts mit diesem Song anfangen. „Lay Lady Lay“ klingt ganz nett und ist eine alternative Version, genau wie die restlichen drei Lieder.

Fazit: Das Cover-Photo sagt hier dann doch eine ganze Menge aus. Da tragen die vier aktuellen Bandmitglieder der Byrds Cowboy-Hüte. Und genau das hört man hier auch meistens auf „Dr. Byrds And Mr.Hyde“: Cowboy- beziehungsweise Country-Musik. Vier Punkte für die „Nicht-Country-Songs“, aber auch nur mit viel Wohlwollen, mehr ist dafür einfach nicht drin.

Anspieltipps: This Wheel's On Fire, Child Of The Universe, Bad Night At The Whiskey, Lay Lady Lay





Freitag, 5. Oktober 2012

Foreigner - Double Vision




Foreigner – Double Vision


Besetzung:

Lou Gramm – vocals, percussion
Ed Gagliardi – bass, vocals
Ian McDonald – guitar, keyboards, vocals
Mick Jones – guitar, keyboards, piano, vocals
Dennis Elliot – drums, vocals
Al Greenwood – keyboards, synthesizer


Label: Warner Brother Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: AOR


Trackliste:

1. Hot Blooded (4:29)
2. Blue Morning, Blue Day (3:13)
3. You're All I Am (3:25)
4. Back Where You Belong (3:16)
5. Love Has Taken Its Toll (3:31)
6. Double Vision (3:44)
7. Tramontane (3:56)
8. I Have Waited So Long (4:07)
9. Lonely Children (3:37)
10. Spellbinder (3:52)

Gesamtspieldauer: 38:09




Noch ein wenig erfolgreicher, vor allem in den USA, war 1978 das zweite Album der Band Foreigner mit dem Titel „Double Vision“. Die Zutaten sind dabei allerdings die gleichen geblieben. Eingängiger und mainstreammäßiger Rock, der sich textlich hauptsächlich mit dem Thema „Liebe“ befasst. Und das wiederum kann ganz schnell auch mal peinlich werden wie beim Stück „You’re All I Am“. Hier schnulzt und schmust sich die Band durch fast dreieinhalb Minuten, dass einem fast die Haare zu Berge stehen. Dazu ist die Melodie, die dem Song zugrunde liegt, auch in keinster Weise packend, sondern vielmehr langweilig und ebenfalls überaus schmalzig, wenn die Synthesizer-Streicher das Ganze noch mit Volumen unterfüttern. Leider ist diese Nummer allerdings nicht die einzige, die auf der zweiten Platte der Band genau in diese Kerbe schlägt.

Foreigner sind auf „Double Vision“ immer dann gut, wenn sie rocken. Das Gespür für gute Rockmelodien kann man den New Yorkern nämlich wahrlich nicht absprechen. Das haben sie. Und diese wirklich guten Stellen tauchen bei dem Titelsong „Double Vision“ auf, genau wie zum Beispiel bei dem Rocker „Lonely Children“. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier auch die Instrumentalnummer „Tramontane“, die eine schöne Abwechslung im sonstigen Songkatalog auf „Double Vision“ darstellt.

Fazit: Man findet die tollen Einfälle der Band zwar immer wieder auf dem Album, allerdings dann auch richtig schlechte Stücke, sodass ein etwas zwiespältiges Gefühl nach dem Hören übrig bleibt – oftmals liegt das wirklich an den zumeist grottenschlechten Texten. Klar hört man hier keine Musik, die man sofort auf der Fernbedienung weiterskippt. Immer wieder oder aber sehr oft hören möchte man diese Mucke allerdings auch nicht. Dazu ist das alles irgendwie zu alltäglich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Blue Morning Blue Day, Double Vision, Tramontane, Lonely Children, Spellbinder





Donnerstag, 4. Oktober 2012

Renaissance – Turn Of The Cards




Renaissance – Turn Of The Cards


Besetzung:

John Tout – keyboards
Annie Haslam – vocals
Jon Camp – bass, vocals
Terence Sullivan – drums, percussion, vocals
Michael Dunford – acoustic guitars, vocals


Gastmusiker:

Jimmy Horowitz – orchestral arrangements


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: September 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Running Hard (9:37)
2. I Think Of You (3:07)
3. Things I Don't Understand (9:29)
4. Black Flame (6:23)
5. Cold Is Being (3:00)
6. Mother Russia (9:18)

Gesamtspieldauer: 41:01




1974 erschien das fünfte Album der englischen Progressive Rockband Renaissance. Und wenn man auf symphonischen und harmonischen Prog steht, dann ist dieses Album sehr zu empfehlen, denn es ist richtiggehend vollgestopft mit vielen wunderschönen Melodien. Alles ist hier harmonisch und überaus eingängig. Alles klingt angenehm und melodiös, ist unaufgeregt und stimmig und in keinster Weise verschroben oder „frickelig“, sodass man der Musik der Band am liebsten gleich das nicht existierende Genre „Soft Progressive Rock“ verpassen würde.

Die Platte beginnt mit „Running Hard“, welches mit einem sehr schönen und einprägsamen Piano Solo startet, bis schließlich vielschichtige Melodien ausgebreitet werden, die einen einhüllen und geradezu weich betten. Ungewohnt an der ganzen Geschichte ist allerdings der Gesang. Eine Frau, Annie Haslam, singt die Texte der Band. Das ist für eine progressive Rockband durchaus ungewöhnlich. Bei mir war genau dieses Album der erste Berührungspunkt mit Renaissance - und dieser Punkt bedurfte einer gewissen Gewöhnungszeit. Irgendwie will es beim ersten Hören noch nicht so richtig passen, ist ungewohnt und neu. Aber bereits beim zweiten Hören wird das Ganze vertrauter, bis man an den Punkt gelangt, an dem man feststellt, dass dies hier eigentlich sogar perfekt passt und einfach genau so sein muss. Diese Art der Musik und dieser helle Gesang, das bildet eine Einheit.

Nicht alle Songs sind jedoch so gelungen wie der Opener. Gleich das zweite Stück „I Think Of You“ enthält sowohl musikalisch wie textlich alle Ingredienzien, die das Lied einfach nur noch „süß“ und unkantig klingen lassen. Auch „Things I Don't Understand“ ist unglaublich weich geraten, allerdings deutlich abwechslungsreicher. Zudem hört sich dieses Lied perfekt nach den 70er des letzten Jahrhunderts an. Man fühlt bei diesem Stück einfach, wann es entstanden ist. Wer die Zeichentrickserie „Herr Rossi sucht das Glück“ kennt, kann diese Aussage wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen. Dies gilt vor allem für die erste Hälfte der Nummer, zum Schluss ist das Stück nur noch schwebend und geradezu hymnisch melodiös.

„Black Flame“ ist anschließend wieder eine richtig tolles Lied, welches so etwas von melodiös ist, dass man es gehört haben muss, um das auch nachvollziehen zu können. Die akustische Gitarre steht hier im Vordergrund, wobei festzuhalten wäre, dass man auf dem gesamten Album keine E-Gitarre zu hören bekommt. „Cold Is Being“, ein relativ kurzes Lied, wurde lediglich mittels einer Orgel instrumentiert. Hier steht dann der Gesang Annie Haslams absolut im Vordergrund.

Und schließlich folgt noch der Höhepunkt des gesamten Albums: „Mother Russia“. Oftmals orchestral instrumentiert, melodiös, harmonisch und überaus abwechslungsreich, ein Stück, in welches immer wieder auch „typisch“ russische Klänge eingewoben wurden. Toll gemacht und nicht nur ein Highlight auf „Turn Of The Cards“, sondern auch im Schaffen der Band Renaissance.

Fazit: Wer auf melodischen und harmonischen Rock steht, wird an „Turn Of The Cards“ sehr viel Gefallen finden. Wer dann zusätzlich auch noch progressiver Rockmusik etwas abzugewinnen weiß, denn die Lieder sind überaus abwechslungsreich, der wird viel Spaß mit diesem Album haben. Komisch ist eigentlich nur, dass Renaissance „relativ“ unbekannt war und ist – zumindest im Vergleich zu den anderen Heroen der 70er Jahre in diesem Genre. Mir ist die Platte dreizehn Punkte wert.

Anspieltipps: Running Hard, Black Flame, Mother Russia




Mittwoch, 3. Oktober 2012

Kraftwerk - Kraftwerk


 


Kraftwerk – Kraftwerk


Besetzung:

Ralf Hütter – Orgel, Tubon
Florian Schneider – Flöte, elektrische Perkussion, Violine
Klaus Dinger – Schlagzeug
Andreas Hohmann – Schlagzeug


Label: Philips


Erscheinungsdatum: September 1970


Stil: Experimentalmusik


Trackliste:

1. Ruckzuck (7:50)
2. Stratovarius (12:10)
3. Megaherz (9:33)
4. Vom Himmel Hoch (10:02)

Gesamtspieldauer: 39:35




1970 veröffentlichte die Düsseldorfer Band Kraftwerk ihr erstes Album, welches kurz mit Bandnamen Kraftwerk betitelt wurde. Die Musik, die auf diesem Album zu hören ist, welches es zur damaligen Zeit sogar bis auf Platz 30 der LP-Charts in Deutschland schaffte, hat allerdings nur sehr wenig mit den Platten zu tun, die Kraftwerk den weltweiten Durchbruch bescherten und an dessen Anfang das 1974 erschienene Album „Autobahn“ stand.

Auf „Kraftwerk“ hört man hauptsächlich Experimentalmusik. Zwar überaus elektronische Experimentalmusik, aber das Ganze wirkt eher wie ein Experiment, wie eine Improvisation, als etwas Geplantes - obwohl es das natürlich zweifelsohne war.

So bekommt man auf dem Debut der Band Stimmungen, Klanggebilde und viele Töne serviert, die oftmals jedoch kein Lied im herkömmlichen Sinn ergeben. Diesen Status könnte man am ehesten noch dem Opener „Ruckzuck“ zuschreiben, denn hier ist zumindest eine gewisse Art der Melodie erkennbar – wenn diese auch nicht besonders ausgeprägt ist.

Mit Krautrock hat das, was man auf Kraftwerk 1 hört, allerdings nichts zu tun. Zumindest nicht vom Genre her. „Stratovarius“ klingt da eher nach „Space-Musik“, wenn es diese denn geben würde. Dies lässt sich ebenfalls auf „Megaherz“ übertragen, welches immer dann toll klingt, wenn die Querflöte beteiligt ist. Und bei „Vom Himmel Hoch“ kann man sich nicht vorstellen, dass die Musiker diese Aufnahme ein zweites Mal so hinbekommen hätten, zu abgefahren und improvisiert klingt das Ganze.

Fazit: Ralf Hütter und Florian Schneider distanzieren sich ganz offensichtlich von den ersten drei Alben der Band Kraftwerk, denn auf der Band-Homepage werden diese mit keinem einzigen Wort erwähnt. Dort beginnt die Bandgeschichte mit „Autobahn“. Keine Musik zum Nebenbeihören ist das. Musik, die die volle Aufmerksamkeit des Hörers erfordert und trotzdem für die meisten nicht zugänglich sein wird. Die Platte ist im Moment auch nur noch gebraucht zu haben, da Kraftwerk an einer Wiederveröffentlichung offensichtlich auch kein Interesse hat. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Ruckzuck, Stratovarius, Megaherz, Vom Himmel Hoch: Das sollte man sich alles mal reinziehen.




Dienstag, 2. Oktober 2012

Billy Joel – The Stranger




Billy Joel – The Stranger


Besetzung:

Billy Joel – vocals, acoustic piano, electric keyboards, synthesizers


Gastmusiker:

Doug Stegmeyer – bass
Liberty Devitto – drums
Richie Cannata – tenor and soprano saxes, clarinet, flute, organ
Mr. Steve Khan – six- and twelve string electric guitars, acoustic rhythm guitar and higher string guitar
Hiram Bullock – electric guitar
Patrick Williams – orchestration


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: September 1977


Stil: Mitunter etwas anspruchsvollerer Pop


Trackliste:

1. Movin’ Out (Anthony’s song) (3:30)
2. The Stranger (5:11)
3. Just The Way You Are (4:51)
4. Scenes From An Italian Restaurant (7:37)
5. Vienna (3:34)
6. Only The Good Die Young (3:56)
7. She’s Always A Woman (3:21)
8. Get It Right The First Time (3:57)
9. Everybody Has A Dream (6:39)

Gesamtspieldauer: 42:36




In den siebziger Jahren war Billy Joel noch sehr kreativ und fleißig und veröffentlichte eine ganze Reihe Alben. So ist „The Stranger“, aus dem Jahr 1977, bereits sein fünfter Output. Hatten dabei die ersten beiden Platten noch ihren ganz eigenen Stil, so befindet sich auf „The Stranger“ bereits hauptsächlich radiotaugliche Popmusik. Allerdings nicht nur.

Der erste Track, „Movin‘ Out“ gehört aber dann doch schon in die Kategorie „Mainstreampop“. Das Lied ist zwar nicht wirklich schlecht und man kann dazu auch schön mitwippen, aber es ist eben nichts Besonderes mehr. Das Titellied „The Stranger“ beginnt danach herrlich schwebend mit einem Pianosolo und einem Pfeifen, welches eine ganz entspannte Atmosphäre hervorruft. Nach knapp einer Minute wird es dann allerdings wieder poppiger, beziehungsweise, hier muss man wohl eher von rockiger sprechen. Das Lied hat einen schönen „Drive“ und endet so, wie es auch begonnen hat – mit Piano und Pfeifen.

„Just The Way You Are“ ist im Anschluss daran allerdings ein Schmalzbrocken „aller erster Kajüte“. Sowohl vom Text, wie von der Instrumentierung her, da hilft wirklich nur weiterskippen auf der Fernbedienung oder aber: Plattenarm hoch und die nächste freie Stelle suchen.

Doch nach diesem Fehlgriff folgt gleich ein Highlight des Albums, das mit über siebeneinhalb Minuten längste Stück auf der Platte: „Scenes From An Italian Restaurant“ Der Beginn ist unglaublich atmosphärisch, sodass man die Pizza fast schon riechen kann, auch wenn es hier hautsächlich um den Wein geht. Dann kommt die Story von Brenda und Eddie, denen alles zuflog, die von allen beneidet wurden. Bis, ja bis sie heirateten und die Ehe schließlich zerbrach. Klingt kitschig, ist aber genial mit Klavier und Saxophone umgesetzt. Und wenn Billy Joel dann am Ende des Stücks wieder den ersten Teil anstimmt, so hängt dort schließlich eine ganz große Portion Melancholie in der Luft und man greift noch schneller zum Wein. Und da ist es dann wie im Lied egal, ob es sich dabei um einen Weißen, einen Roten oder doch um ein Fläschchen Rosé handelt. Ein tolles Lied, in den jeweiligen Stimmungen klasse umgesetzt.

„Vienna“ ist ein ganz nettes Liedchen im Anschluss, aber qualitativ und von der Abwechslung her eher Hausmannskost. Bei „Only The Good Die Young“ wird es dann aber schon wieder deutlich schlechter, denn das ist ein Mitklatschlied, was für mich in die Kategorie „Uptown Girl“ gehört. Musik, mit der ich leider überhaupt nichts anfangen kann.

Aber es wird gleich wieder besser, sehr viel besser sogar. „She’s Always A Woman“ ist einfach wunderschön, andere Worte gibt es dafür wohl nicht. Meist ganz sanft instrumentiert, mit Akustik Gitarre und Piano, kann ich mir die Stimmung für ein Liebeslied nicht besser vorstellen. Und Billy Joel schafft es hier sogar, trotz des Inhalts, an keiner einzigen Stelle schmalzig, kitschig oder schnulzig zu klingen.

Anschließend wird es aber leider wieder hart, wobei das „hart“ nichts mit der Instrumentierung zu tun hat. „Get It Right The First Time“ wartet mit einem Refrain auf, den man sich leicht merken kann, denn dort singt Joel: „La, la, la, la, …“ Grausam! Nicht viel gelungener finde ich auch „Everybody Has A Dream“ bei dem der Refrain im Chor gesungen wird. Das Lied erinnert an die Veröffentlichungen von Barbara Streisand und kommt wohl nur in Joels Heimat, den USA, gut an - nicht jedoch in Europa. Auch wenn das Album am Ende mit der netten Pfeifnummer und dem Piano von „The Stranger“ beendet wird, so rettet dies das Ende der Scheibe auch nicht mehr.

Fazit: Das ist kein gutes Album mehr von Billy Joel, dazu tummeln sich auf „The Stranger“ zu viele seichte Lieder. Dass dies auch anders gesehen werden kann, möchte ich hier allerdings nicht verschweigen, denn „The Stranger“ ist das, von den Verkaufszahlen her, mit Abstand erfolgreichste Album Joels. Und es beinhaltet auch zwei Billy Joel Klassiker mit „Scenes From An Italian Restaurant“ und „She’s Always A Woman“. Immerhin. Und von mir gibt es dafür 7 Punkte.

Anspieltipps: Scenes From An Italian Restaurant, She’s Always A Woman, der ganze Rest ist eher mau.