Montag, 3. Dezember 2012

Mike Oldfield – Heaven’s Open




Mike Oldfield – Heaven’s Open


Besetzung:

Mike Oldfield – guitar, vocals, keyboards


Gastmusiker:

Simon Phillips – drums
Dave Levy – bass
Mickey Simmonds – piano & hammond
Andy Longhurst – additional keyboards
Courtney Pine – saxophones, bass clarinette
Vicky St. James, Sylvia Manson-James, Dolly James, Debi Doss, Shirlie Roden, Valerie Etienne – The “Sassy Choir”
Anita Hegerland, Nikki ‘B’ Bentley, Thom Newman – additional vocal harmonies


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Pop, Instrumental-Musik


Trackliste:

1. Make Make (4:19)
2. No Dream (6:03)
3. Mr. Shame (4:23)
4. Gimme Back (4:13)
5. Heaven's Open (4:32)
6. Music From The Balcony (19:45)

Gesamtspieldauer: 43:14




Zwei Jahre vor „Heaven’s Open“ wurde „Earth Moving“ veröffentlicht. Ein Jahr vorher „Amarok“. Nun, wer dachte, dass „Heaven’s Open“ nun sicherlich im Sound näher an „Amarok“ liegen würde, eine Entwicklung, die jetzt nicht so überraschend gewesen wäre, der wird beim Hören von „Heaven’s Open“ bitterlich enttäuscht sein. Denn dieses 1991 entstandene Album lehnt sich deutlich mehr an seinen Vor-Vorgänger, als an den direkten Vorgänger an.

Die Platte besteht aus insgesamt sechs Titeln, wobei die fünf ersten allesamt kürzere Pop-Nummern darstellen. Und diese fünf Lieder sind vielleicht minimal besser als jene Songs, die auf „Earth Moving“ zu hören sind. Aber nicht viel mehr. Das ist immer noch sehr unambitionierter Pop. Langweilig, ohne eingängige Melodie oder sonstige, positive Überraschung. Mike Oldfield singt alle Stücke selbst ein – das macht er nicht schlecht, begeistern kann er damit allerdings auch nicht. Und wenn ich Reggae hören will, dann komme ich nicht auf die Idee mir Mike Oldfield reinzupfeifen, sondern lege da lieber die Originale ein. Solch Lieder wie „Gimme Back“ passen einfach nicht und man fragt sich, warum das jetzt auch noch sein musste.

Nun und wie sieht es mit dem Longtrack „Music From The Balcony“ aus? Klar, das ist der beste, der abwechslungsreichste und auch interessanteste Titel dieses Albums. Allerdings reicht er bei weitem nicht an jene Stücke heran, die in etwa derselben Länge auf Mike Oldfields Alben der 70er Jahre ihren Platz in der Musikgeschichte fanden. „Music From The Jungle“ wäre auch ein passender Titel für dieses Stück geworden, denn laufend kreischt, knarzt und fiept es, so als ob man sich direkt im Urwald befinden würde. Mal wird es eingängiger, dann wieder ein wenig unübersichtlicher und experimenteller. Mal ist die Stimmung ruhig, dann prescht der Rhythmus los, plötzlich taucht sogar ein Saxophon auf und immer wieder spielt sich diese unverwechselbare Solo-Gitarre Mike Oldfields in den Vordergrund. Leider wirkt das in seiner Gesamtheit allerdings ein wenig zusammengestückelt und ziellos und lässt den Hörer ein bisschen verwirrt zurück. Aber immerhin, das ist jetzt zumindest mal wieder Musik in Richtung „Progressive Rock“.

Fazit: Durch das letzte Stück wird „Heaven’s Open“ deutlich besser als „Earth Moving“. Schade jedoch, dass dieser Vergleich überhaupt kommen muss. Aber die ersten fünf Titel auf „Heaven’s Open“ sind jenen auf „Earth Moving“ einfach in ihrer Machart zu ähnlich. Und “Music From The Balcony“ macht diese Platte nicht mehr zu einem guten Album. Noch nicht mal mehr zu einem richtig durchschnittlichen. Dazu begeistert auch dieses Lied deutlich zu wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: No Dream, Music From The Balcony




Sonntag, 2. Dezember 2012

Wishbone Ash – Pilgrimage




Wishbone Ash – Pilgrimage


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass, vocals
Steve Upton – drums


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Vas Dis (4:46)
2. The Pilgrim (8:34)
3. Jail Bait (4:46)
4. Alone (2:24)
5. Lullaby (3:04)
6. Valediction (6:21)
7. Where Were You Tomorrow (Live) (10:26)


Bonus Track:

8. Jail Bait (Live) (4:55)

Gesamtspieldauer: 45:14




Einen wahren Stilmix präsentieren Wishbone Ash auf ihrem zweiten Album aus dem Jahr 1971. Folk Rock, Hard Rock, Jazz Rock, Boogie-Woogie-Anleihen und auch Progressive Rock gibt es auf der Platte „Pilgrimage“ zu hören. Jazzig beginnt die Scheibe mit „Vas Dis“, einer Adaption eines Stücks des Jazz-Organisten Jack McDuff. Etwas ungewöhnlich dabei ist wohl der Gesang, der aus jeder Menge „BabaDab’s“ besteht. Ansonsten ist das eine richtig klasse treibende Nummer, bei der sich Martin Turner am Bass die Finger blutig zu zupfen scheint.

Dann wird es mit „The Pilgrim“ schon sehr progressiv. Die Nummer beginnt äußerst sphärisch, eine weit entfernte Gitarre sorgt für „Sehnsucht“, alles wird nur leicht angedeutet, allerdings Mantra artig wiederholt. Richtig schöne Musik zum Träumen. Doch das bleibt nicht so. Ab etwa 2:40 mischen sich ganz neue Töne unter diese so entspannte Stimmung. Und was jetzt kommt erinnert mitunter so stark an „Discipline“ von King Crimson, dass man glaubt ein Déjà Vu zu hören. Ich kannte zuerst die Platte von King Crimson, aber „Pilgrimage“ ist zehn Jahre zuvor entstanden. Ein wahrlich überzeugender Titel, vor allen Dingen für Prog-Fans – auch wenn hier ebenfalls dieser sinnfreie, aber lautmalerische Gesang mit zu hören ist.

„Jail Bait“ ist im Anschluss daran wieder ein Lied, für welches Wishbone Ash eher steht: Geradliniger, angebluester Rock. Deutlich interessanter werden da schon wieder die folgenden Titel. „Alone“ ist eine schöne und schwerelose Gitarreninstrumentalnummer, bei der der doppelte Lead-Gitarren-Einsatz wunderbar zur Geltung kommt. Bei „Lullaby“ werden die zwei Gitarren dann miteinander verwoben, gehen ineinander über und trennen sich wieder. Wunderschön atmosphärisch wurde der Titel des Liedes richtig gewählt.

„Valediction“ schließlich bewegt sich dann auf den Spuren Crosby, Stills und Nashs. Harmonischer mehrstimmiger Gesang, eine schöne Melodie und fertig ist sie, die sehr getragene Ballade, die eingängig und folkig klingt. Fast schon ein wenig zu süß. Das ursprünglich letzte Lied des Albums ist überraschenderweise ein Live-Titel. Das Publikum jubelt und in Boogie-Woogie-Manier wird hier gegroovt. Zehneinhalb Minuten dauert das Stück und ist wieder eine ganz andere, eine weitere Facette auf „Pilgrimage“. Eine, auf die ich zugegebenermaßen am leichtesten hätte verzichten können. Klar, da rockt es und da groovt es, aber so richtig packen kann mich das Ganze einfach nicht.

Ein Bonus-Track wurde der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. Dabei handelt es sich um eine Live-Version des anderen „Rockers“ der Platte „Jail Bait“. Und diese Version klingt fast noch dynamischer als die Studioveröffentlichung.

Fazit: „Pilgrimage“ ist ein gutes Album geworden. Sicherlich kann nicht jeder etwas mit diesem Stilmix anfangen. Aber alleine der Titel „The Pilgrim“ lohnt den Kauf des Albums, zumindest wenn man auch die Musik King Crimsons mag. Zusätzlich gibt es weitere interessante Lieder auf der Platte zu entdecken. Wirklich gut gemachte Musik, da spielt das Ende der Platte dann gar nicht mehr die große Rolle. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vas Dis, The Pilgrim, Alone, Lullaby, Valediction




Samstag, 1. Dezember 2012

Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground




Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground


Besetzung:

Conor Oberst – guitar, piano, rhodes, organ, voice (I-XIII)
Todd Baechle – voice (XI)
Clark Baechle – clarinet (III, VI, VIII)
Chris Brooks – piano (XI)
Gretta Cohn – cello (III, V, VII, XII)
Sean Cole – harmonica (IX, VIII)
Julee Dunekacke – french horn (III)
Margaret Fish – lassoon (III, VIII)
Orenda Fink – trumpet, voice (II, III, VII, XI, XIII)
Jason Flatowicz – trombone (III, XIII)
Tiffany Kowalski – violin (III, V, VII, XII)
Jiha Lee – flute, voice (III, VI, VIII, IX)
Andy LeMaster – electric guitar, keyboards, voice (II–IV, VI–VIII, XI)
Clay Leverett – voice (IX)
Jenny Lewis – voice (I)
Matt Maginn – bass (II, IV-VII, IX)
Mike Mogis – banjo, bells, hammer dulcimer, vibraphone, glockenspiel, mandolin, electric guitar, dobro, pedal steel (II-IX, XI-XIII)
Katie Muth – oboe (III, VI, VIII, XII
Casey Scott – bass (III, VIII, IX, XII, XIII)
Blake Sennett – voice (I)
Ted Stevens – electric guitar (IX)
Maria Taylor – piano, organ, voice (II, III, IV, VIII, XII, XIII)
Clark Baechle, Matt Focht, Clay Leverett, Clint Schnase, Mike Sweeney – drum corps (II-IX, XI-XIII)
Clark Baechle, Todd Baechle, Orenda Fink, Jiha Lee, Andy LeMaster, A.J. Mogis, Maria Taylor – choir (III)
Rob Bass, Andy LeMaster, Mike Mogis, Jeff Tafolla – country choir (IX)
Everyone that was drinking at Duffy’s and O’Rourke’s that night – drunk choir (XII)
Andy LeMaster, Mike Mogis, Conor Oberst and the players – horn and string arrangements


Label: Saddle Creek


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. The Big Picture (8:43)
2. Method Acting (3:42)
3. False Advertising (5:52)
4. You Will. You? Will. You? Will. You? Will. (3:25)
5. Lover I Don't Have To Love (4:00)
6. Bowl Of Oranges (4:49)
7. Don't Know When But A Day Is Gonna Come (6:32)
8. Nothing Gets Crossed Out (4:35)
9. Make War (6:17)
10. Waste Of Paint (6:30)
11. From A Balance Beam (3:40)
12. Laura Laurent (4:57)
13. Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved) (10:07)

Gesamtspieldauer: 1:13:08




Zwei Dinge sind es, die einen dazu bewegen könnten, Bright Eyes, das Band-Projekt des Conor Oberst aus Omaha, Nebraska, nicht zu mögen. Der eine wäre, man würde nur auf sehr rockige Musik stehen, denn die Musik von Bright Eyes ist meist sehr ruhig - jedoch keinesfalls weniger intensiv. Der zweite Punkt könnte die Gesangsstimme Conor Obersts sein, die immer wieder mal zittert, oftmals nicht fest sondern eher überaus zerbrechlich wirkt, allerdings perfekt zu dieser sehr, oftmals mit „zart“ zu umschreibenden Musik passt.

Nun, wer damit keine Probleme hat, der dürfte mit dem vierten Album von Bright Eyes aus dem Jahr 2002 jede Menge Spaß bekommen. Denn hier ist sie, die eindringliche Musik mit den wohlüberlegten Texten, bei der sich die gespielte Musik auch schon mal nach dem Text richtet und nicht umgekehrt, wie das häufig der Fall ist. Dazu ist das Album, instrumental betrachtet, auch etwas fülliger geworden als die Vorgängerplatten, die noch ein wenig Akustik-Gitarren-lastiger waren.

Das merkt man allerdings noch nicht beim ersten Stück „The Big Picture“. Das wirkt eher wie ein kleines Hörspiel, man hört immer wieder Hintergrundgeräusche, wobei die Nummer ansonsten nur ganz spartanisch mit der Akustik-Gitarre instrumentiert wurde. Ansonsten erlauscht man viel Autoverkehr und die seltsam abgemischte, wie aus dem „Off“ kommende Stimme Conor Oberts. Ein etwas sperriger Einstieg in dieses Album, welcher durchaus auch gewagt ist.

Aber so bleibt es nicht. „Method Acting“ im Anschluss ist ein viel flotteres, in Richtung Folk Rock gehendes Stück, welches wiederum von „False Advertising“ gefolgt wird, dem ersten großen Höhepunkt auf „Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground“. Hier haben nun zum ersten Mal die Streicher ihren Einsatz. Alles wirkt ein wenig getragen, was durch einen traurigen Hintergrundchor und die immer wieder vibrierende Stimme Conor Obersts noch untermalt wird. Toll hierbei auch der Break etwa in der Mitte des Stücks.

Mit den Titeln fünf, sechs und sieben, „Lover I Don't Have To Love”, „Bowl Of Oranges” und „Don't Know When But A Day Is Gonna Come” warten dann die absoluten Highlights der Platte auf den Hörer. Die ersten beiden Nummern haben dabei sehr eingängige Melodien, mal etwas melancholischer wie im ersten Fall, mal etwas befreiter und optimistischer wirkend, wie bei „Bowl Of Oranges“ – zumindest größtenteils. „Don't Know When But A Day Is Gonna Come” ist dann so etwas von intensiv, dass man dieses Lied einfach erlebt haben muss. Fast schon monoton in Melodieführung und Instrumentierung wird hier so viel Stimmung und Atmosphäre erzeugt, wie es selten in der Musik zu hören ist.

Nicht unerwähnt bleiben sollen hier allerdings auch die beiden “Tiefpunkte” der Platte, die sich in Form zweier Country-Songs auf das Album geschlichen haben: „Make War” und “Laura Laurent“ heißen diese. Genau dafür wurde auch die Fernbedienung erfunden, dass man hier wirklich sehr schnell die „Weiter-Taste“ betätigen kann.

Allerdings endet die CD wieder mit einem Höhepunkt: „Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved)”. Ein Mid-Tempo-Lied, völlig untypisch für diese Platte, aber mitreißend. Ein klasse Abschluss für ein schönes Album.

Fazit: Es ist beeindruckend, was sich auf dieser Platte, mit dem allzu sperrigen Namen „Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground“ befindet. Gerade in der Mitte des Albums gibt es da einige Lieder, die ich nicht missen möchte. Sehr eindringlich das Ganze. Und wie schon erwähnt, wenn man gerne auch mal ruhigere Musik hört und sich mit der manches Mal weinerlichen Stimme des Conor Obersts arrangieren kann, dann gibt es hier auf diesem Album jede Menge zu entdecken. Eine Platte, welche mit dem häufigeren Hören auch noch wächst. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Method Acting, False Advertising, Bowl Of Oranges, Don't Know When But A Day Is Gonna Come, Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved)




Freitag, 30. November 2012

Spock’s Beard – V




Spock’s Beard – V


Besetzung:

Neal Morse – vocals, piano, synthesizer, acoustic guitar
Dave Meros – bass, stand-up bass, vocals, french horn
Ryo Okumoto – hammond organ, mellotron
Alan Morse – electric guitar, vocals, cello, sampler
Nick D’ Virgilio – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Katie Hagen – french horn
Chris Carmichael – violin, viola, cello
Kathy Ann Lord – english horn
Joey Pippin – trumpet


Label: Inside Out Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. At The End Of The Day (16:28)
2. Revelation (6:05)
3. Thoughts (Part II) (4:39)
4. All On A Sunday (4:04)
5. Goodbye To Yesterday (4:40)
6. The Great Nothing (27:02)
   
     I. From Nowhere
     II. One Note
     III. Come Up Breathing
     IV. Submerged
     V. Missed Your Calling
     VI. The Great Nothing




Progressive Rockmusik? War da nicht mal was in den 70ern? Gibt es denn heutzutage noch Bands, die sich dieser Stilrichtung verschrieben haben? Dreimal ein klares „Ja“. Spock’s Beard, eine Band um den Kopf Neal Morse, hält das Banner „Progressive Rockmusik“ auch zu Beginn dieses Jahrtausends noch hoch. Und mit „V“, irgendwie logischerweise dem fünften Output der amerikanischen Formation, haben sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein richtig gutes Album vorgelegt.

„At The End Of The Day“ beginnt mit dem Sound von Hörnern, wie ein Stück klassische Musik. Und es ist nicht nur wegen seiner Länge von knapp sechzehneinhalb Minuten ein tolles Lied, welches das Herz des Progfans höherschlagen lässt. Rhythmuswechsel, schöne Melodien, schräge Töne, laute und ruhigere Passagen, der Einsatz diverser Instrumente – all diese Stilmittel finden sich auf „At The End Of The Day“. Ein langes Stück Musik, welches nie langweilig wird und immer wieder mit überraschenden Wechseln aufwartet.

Aber auch in ihren kürzeren Titeln geizen die „Bärte“ nicht mit Abwechslung. „Revelation” besteht aus zwei Teilen, einem ruhigen, sphärischen sowie einem fast schon Hardrock-mäßigen und deutlich schnelleren Part. „Thought’s (Part II)“ beginnt anschließend herrlich schwebend mit Gesang und Akustik-Gitarre, bevor es ebenfalls an Fahrt aufnimmt. Und dann kommt er, ein Gesangsteil, der so sehr an beste Gentle Giant Zeiten erinnert. Es folgen noch Streicher und – und – und. In diesem viereinhalbminütigen Stück steckt so viel Abwechslung, wie es einem Musikhörer in der heutigen Zeit nur noch ganz selten geboten wird.

„All On A Sunday“, die nächste Nummer auf dem Album, nähert sich anschließend fast schon der Musikrichtung „Pop“ und erinnert schwer an die Beatles. Wohingegen „Goodbye To Yesterday“ zunächst sehr getragen daherkommt, dann zwar auch an Tempo gewinnt, allerdings nicht wirklich ein „lauteres“ Lied wird. Für mich ist der Song fast schon an der Grenze zum „Schmalzigen“ und auch das schlechteste Lied auf der CD.

Aber dann kommt er noch, der Höhepunkt oder das Werk, des gesamten Albums: „The Great Nothing“. Abwechslungsreicher kann man Musik nicht darbieten. Hier hauen die fünf Amerikaner alles raus, was es „rauszuhauen“ gibt an Melodien, Rhythmen, Instrumentierung, und Atmosphäre. Ein genialer Song, den man nicht mit „kurz mal reinhören“ begreifen kann, dazu ist die Stelle, die man gerade erwischt hat mit Sicherheit zu unterschiedlich zu der Stelle zwei Minuten davor oder danach.

Fazit: Wer die „alten“ Yes mag, gemixt mit etwas „alten“ Genesis und einem Hauch Gentle Giant, den wird das Album begeistern. Und nochmal, dieses Stück Musik entstand nicht in den 70ern, sondern zur Jahrtausendwende. Und von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Alle Stücke, wobei man sich mit dem “Anspielen” nicht wirklich einen Gefallen erweist, dazu ist die Musik einfach zu abwechslungsreich und selbst in einem Lied zu unterschiedlich.



Donnerstag, 29. November 2012

Styx – Man Of Miracles




Styx – Man Of Miracles


Besetzung:

John Curulewski – guitar, arp, vocals
Dennis DeYoung – keyboards, arp, vocals
Chuck Panozzo – bass
John Panozzo – percussion, drums, vocals
James Young – guitar, vocals


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Mainstream, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Rock & Roll Feeling (3:04)
2. Havin' A Ball (3:59)
3. Golden Lark (3:37)
4. A Song For Suzanne (5:04)
5. A Man Like Me (3:00)
6. Lies (2:49)
7. Evil Eyes (4:10)
8. Southern Woman (3:12)
9. Christopher, Mr. Christopher (4:02)
10. Man Of Miracles (4:56)

Gesamtspieldauer: 37:52




Mit „Man Of Miracles“, dem vierten Album der aus Chicago stammenden Rock-Band Styx, hatten sich die US-Amerikaner noch ein wenig mehr dem mainstreammäßigen Rock angenähert, denn geradlinigen, eingängigen Rock hört man hauptsächlich auf dieser Platte. Das Gefühl des Dennis De Young für schöne und packende Melodien blitzt hier allerdings zum ersten Mal so richtig auf. Beispielhaft stehen dafür die Titel „A Song For Suzanne“ und „Christopher, Mr. Christopher“. Auch wenn an diesen Titeln bereits erkennbar wird, dass die Stimme des Dennis De Young mitunter sehr gewöhnungsbedürftig ist, da sie allzu gekünstelt wirkt. Nun und der Titelsong, „Man Of Miracles“, an dem neben Dennis De Young auch James Young beteiligt war, öffnet zumindest ein klein wenig den Vorhang des progressive Rock, allerdings des rockigen progessiven Rocks.

Dann gibt es da noch das Lied „Golden Lark“. Mit Piano und Streichern instrumentiert ist dies ein sehr ruhiger und melodiöser Titel geworden und stellt auf seine Weise irgendwie die Einleitung zu oben bereits erwähntem Titel „A Song For Suzanne“ dar.

Der Rest der Platte ist wie bereits beschrieben meist irgendwie geradliniger Rock, der wohl bei Rock-Fans Gefallen finden wird, ohne jedoch, dass diese davon zu sehr zu gefesselt werden dürften. Dazu ist alles ein wenig zu vorhersehbar, zu „normal“ und zu mainstreammäßig. Die einzelnen Titel hinterlassen einfach keine Spuren. Eben noch gehört und dann ganz schnell wieder vergessen. Zudem gibt es auch noch die Nummer „Evil Eyes“, bei der der allzu schmachtende Gesang des Dennis De Young sehr unangenehm auffällt. Wenn dieses Tremolo in der Stimme bei quasi jedem längeren Ton seinen Einsatz findet, dann wirkt das einfach nicht mehr. Nein es wirkt dann sogar überzogen und auf seine Art billig.

Fazit: Ein paar kleine Highlights gibt es auf „Man Of Miracles“ zu hören. Der Rest ist äußerst vorhersehbarer Rock, der einen nicht wirklich packen kann. Die Band Styx sollte erst etwas später zur großen Form auflaufen. Schlecht ist das, was Styx hier darbieten aber auch nicht. Gut allerdings ebenfalls nicht. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Golden Lark, A Song For Suzanne, Christopher Mr. Christopher, Man Of Miracles




Mittwoch, 28. November 2012

Renaissance – Tuscany




Renaissance – Tuscany


Besetzung:

Annie Haslam – lead and backing vocals
Michael Dunford – acoustic guitars, backing vocals
Terence Sullivan – drums, percussion
Mickey Simmonds – keyboards, backing vocals, orchestral arrangements


Gastmusiker:

John Tout – piano & piano arrangements (tracks 2, 4), harpsichord (track 4), keyboards (track 8)
Roy Wood – bass guitar (tracks 4, 5), keyboards & orchestral arrangements (track 5), backing vocals (track 8), percussion (track 9)
Alex Caird – bass guitar (tracks 1, 2, 6, 7, 9, 10)


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Lady From Tuscana (6:40)
2. Pearls Of Wisdom (4:25)
3. Eva's Pond (3:40)
4. Dear Landseer (5:19)
5. In The Sunshine (4:25)
6. In My Life (5:26)
7. The Race (4:58)
8. Dolphins Prayer (3:19)
9. Life In Brazil (3:40)
10. One Thousand Roses (7:12)

Gesamtspieldauer: 49:25




18 Jahre nach der letzten Zusammenarbeit zwischen Annie Haslam und Michael Dunford kam es nun, im Jahr 2001, zu einer erneuten Kooperation dieser beiden wichtigen Protagonisten im Schaffen der Band Renaissance. Ebenso war Drummer Terence Sullivan wieder mit an Bord und auch John Tout unterstützte das Projekt - zumindest beim Einspielen der Lieder auf Platte. 18 Jahre sind in der Musikgeschichte natürlich ein Brett. Das ist auch der Abstand, der zwischen dem ersten Beatles Album „Please, Please Me“ und zum Beispiel Soft Cells Nummer 1 Hit „Teinted Love“ liegen. Musikalische Welten, ganz andere Musik, was nichts über die Qualität der Musik an sich aussagen soll, nur etwas über deren Art.

Nun, wenn man sich dann allerdings „Tuscany“ von Renaissance anhört, dann liegen da zwar auch Welten zwischen dieser Veröffentlichung und dem Album Time-Line von 1983, allerdings deutlich weniger Unterschiede zu den Veröffentlichungen der 70er Jahre. Gut, die Lieder sind kürzer geworden, wirken mitunter sehr süßlich und auch ein wenig poppiger als früher, aber Renaissance ist an jeder Stelle des Albums, bei jedem gespielten Ton herauszuhören. Diese Verbindung zwischen klassischen und typischen Rock-Instrumenten funktioniert bei Renaissance auch noch im 21. Jahrhundert.

Allerdings – und das ist das große Manko dieses Albums – die Melodien haben nicht mehr diese Intensität der Veröffentlichungen der 70er Jahre. Klar, klingt das alles noch ganz nett, aber eben nicht mehr wirklich überzeugend, nicht mehr so eindringlich, da die Überraschungen fehlen, die Ecken und Kanten, die trotz aller Harmonie in den Stücken von Renaissance auch immer vorhanden waren.

Annie Haslams Stimme ist allerdings immer noch klasse und ich kann da auch keine Verschlechterung in Bezug auf frühere Alben feststellen. Toll zu hören ist das bei „Dear Landseer“. Und überhaupt dieses Lied. Kann mir nur ein Mensch dieser Welt einen Song nennen, der lieblicher klingt? Ich glaube das wird sehr, sehr schwer.

Sehr poppige Ausflüge, die zudem nicht gelungen sind, befinden sich allerdings auch „Tuscany“. Beispielhaft dafür stehen hier „The Race“, phasenweise „Lady From Tuscany“ und mit Abstrichen auch das etwas seltsame „Life In Brazil“.

Fazit: An die Veröffentlichungen der frühen und Mitt-70er Jahre kommt „Tuscany“ nicht heran. Jene der 80er Jahre schlägt das Album um Längen. Wer die Stimme Annie Haslams liebt, der wird dieses Album lieben. Wer verträumte und vor allem weiche Musik mag, dem wird es ebenso ergehen. Es befinden sich ein paar beindruckende Lieder auf „Tuscany“ und ein paar, die man nicht unbedingt haben muss. Acht Punkte.

Anspieltipps: Pearls Of Wisdom, Dear Landseer, In My Life



Dienstag, 27. November 2012

Haindling – Ein Schaf denkt nach




Haindling – Ein Schaf denkt nach


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Konzertflügel, Saxophon, Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn, Tuba, Flöte, Pfeiff, Perkussion, singende Sägen, Bass, Gitarre, Keyboards, Dulcimer, Tierhörner, Akkordeon


Gastmusiker:

Michael Braun – Saxophon, Trompete, Hörner, Gesang
Peter Enderlein – Schlagwerk, Perkussion
Reinhold Hoffmann – Akkordeon, Hörner, Gesang
Wolfgang Gleixner – Bass, Gitarre, Bass Charanga, Perkussion, Gesang
Michael Muffy Ruff – Keyboards, Programmierung, Gesang
Ulrike Böglmüller-Buchner – Stimme, Gesang, Perkussion
Haindling Konzertpublikum – Chorgesang
Hinter Gleissinger Wolfsauslasser – Bauchglocken
Dendorfer Sepp und Freunde – Stimmen bei O-Käy


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Bayrische Popmusik


Trackliste:

1. Uschi (3:27)
2. Schickts eich (3:57)
3. Mond (4:46)
4. Ein Schaf denkt nach (4:13)
5. Helft uns 1 (4:48)
6. Die Fliege (1:46)
7. Von Geist zu Geist (3:48)
8. Shibui (4:39)
9. Komm doch mit (3:28)
10. In Memoriam Xaver (4:07)
11. O-käy (2:11)
12. Ahh - Da bin i dabei (4:16)
13. Wie die Wolken ziehen (3:35)
14. Ich möchte kein Eisbär sein (4:05)
15. Helft uns 2 (3:46)
16. Rosmarie (2:59)
17. Bubu Chilli (4:23)
18. Bayern Remix (2:47)
19. Prozessionsmusik (7:24)

Gesamtspieldauer: 1:14:51




Das elfte Studioalbum Haindlings wurde 2009 unter dem Titel „Ein Schaft denkt nach“ veröffentlicht. Und wenn man dieses einlegt, dann bekommt man zunächst erst mal einen Schock. Die Platte beginnt mit „Uschi“. Und während dieses Liedes kommt es zu solch Sätzen wie: „Uschi, oh Uschi, i mog so gern Dei Sushi. Des Sushi des Du machst is wunderbar. Uschi, oh Uschi, Du hast des beste Sushi. Do vergess i ois was vorher war.“ Nun, da braucht man schon eine ganz gehörige Portion Humor, um das noch irgendwie witzig finden zu können. Aber bereits mit dem nächsten Stück wird es schlagartig besser. „Schickts eich“ ist jetzt wirklich witzig und wie der Titel schon vermuten lässt auch ein wenig hektisch. Ganz anders wieder der Titelsong: „Ein Schaf denkt nach“. Sehr nachdenklich bezüglich Text und Musik. Zunächst äußerst melancholisch wird die Musik im weiteren Verlauf dann jedoch ein wenig lebhafter, die nachdenkliche Aussage der Musik bleibt allerdings erhalten.
Auch der „Helft uns 1“-Titel ist sehr nachdenklich gehalten. Klasse hier der Einsatz der singenden Säge. Wenn dieses „Instrument“ irgendwo passt, dann hier. Aber es gibt später ja noch ein „Helft uns 2“-Lied. Da wird jetzt gerockt, mit E-Gitarre und Saxophon. Teil 1 wirkt besser. „Die Fliege“ ist klasse. Ein Lied zum Lächeln mit tollem Text. Ebenfalls witzig arrangiert ist „O-käy“.

Ein paar schöne Instrumentalstücke gibt es glücklicherweise auch wieder zu hören. Da wäre zum einen das etwas sphärische „Shibui“, das „chillige“ „Bubu Chilli“ und die nur fast wortlose Nummer „Prozessionsmusik“, die aus mehreren, mitunter irgendwie zusammengewürfelten Titeln zu bestehen scheint, wobei man das Ende des Liedes noch sehr gut vom Beginn der Platte „Haindling“ kennt. Dies alles wird jedoch in den Schatten gestellt vom schönsten und beeindruckensten Lied des Albums: „In Memoriam Xaver“. Wunderschön melancholische, verträumte und sentimentale Musik.

Vier Lieder sollten hier noch Erwähnung finden. Da ist zum einem „Ahh - Da bin i dabei“. Hier hört man die Zuschauer diverser Haindling-Konzerte im Chor ein „Ahh“ intonieren. Eine sehr schöne Geste von Hans-Jürgen Buchner. „Wie die Wolken ziehen“ ist ein Lied seiner Tochter Astrid, die es auch selbst singt. Dann gibt es da noch den „Bayern-Remix“. „Bayern“ war auf „Zwischenlandung“ schon sehr gewöhnungsbedürftig, warum es sogar die Ehre bekam, hier nochmals als Remix aufzutauchen entzieht sich meinem Verständnis. „Ich möchte kein Eisbär sein“ ist angelehnt an den Song „Ich möchte ein Eisbär sein“ von „Grauzone“, der zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle die Charts stürmte. Die Musik ist ähnlich, genau wie der Text, nur dass hier die Knuts und Flockes diverser deutscher Zoos bemitleidet werden.

Fazit: Das Album „Ein Schaf denkt nach“, welches, na nennen wir es mal „komisch“ mit „Uschi“ begann, das enthält im weiteren Verlauf mehrere sehr hörenswerte Lieder. Die Platte macht Spaß, ist manches Mal nachdenklich, ein anderes Mal einfach nur witzig. Somit hat dieses Album ein ganze Menge zu bieten. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Schickts eich, Ein Schaf denkt nach, Helft uns 1, Die Fliege, Komm doch mit, In Memoriam Xaver, O-käy, Rosmarie




Montag, 26. November 2012

Peter Hammill – In Camera




Peter Hammill – In Camera


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, bass, piano, harmonium, vocals, synthesiser, mellotron


Gastmusiker:

Guy Evans – drums (3,7)
Paul Whitehead – cymbal, drum, cello & percussion
Chris Judge Smith – liguaphone, minikit, percussion & choral voice


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ferret And Featherbird (3:43)
2. (No more) The Sub Mariner (5:46)
3. Tapeworm (4:20)
4. Again (3:37)
5. Faint Heart And The Sermon (6:43)
6. The Comet, The Course, The Tail (6:02)
7. Gog / Magog (In Bromine Chambers) (17:27)

Gesamtspieldauer: 47:37




„In Camera“ heißt das vierte Album Peter Hammills aus dem Jahr 1974. Dieses klingt völlig anders als sein Solo Debut „Fool’s Mate“ und grenzt sich musikalisch auch deutlich von den Veröffentlichungen Van Der Graaf Generators ab, jene Band, welche 1972 zum ersten Mal aufgelöst wurde. Fast alle Instrumente spielte Peter Hammill dabei in seinem frisch eingerichteten Studio selbst ein. Nur bezüglich der Perkussion holte er sich Unterstützung, unter anderem vom Van Der Graaf Generator Weggefährten Guy Evans.

Zumindest zwei der besten Songs Peter Hammills befinden sich auf „In Camera“. Die da wären „(No more) The Sub Mariner“ und „Faint Heart And The Sermon“. Beide Stücke verfügen über wunderschöne Melodien und bestechen auch durch diesen eindringlichen Gesang Peter Hammills, der immer Seinesgleichen sucht. Unglaublich intensiv wirken diese beiden Stücke auf den Hörer ein. Atmosphärisch dicht erzeugen sie eine Stimmung, die packender nicht sein könnte. Musik kann wahrlich bewegend sein.

Dann gibt es da noch so Nummern wie „Ferret And Featherbird“ oder „Again“, die sich kaum mit der Musik anderer Künstler vergleichen lassen. Eingängig zwar, aber auf ihre Art und Weise doch kaum massenkompatibel. Noch einen Schritt weiter geht Peter Hammill bei Stücken wie „Tapeworm“ und auch „The Comet, The Course, The Tail“. Hier muss jetzt schon ein großes Herz für progressive Musik in der Brust des Hörers schlagen, um damit auch noch etwas anfangen zu können. Allerdings sind diese beiden Titel ebenfalls durchaus melodiös, jedoch nicht mehr ganz einfach nachzuvollziehen.

Und dann ist da ja auch noch dieser lange Track mit dem Titel „Gog / Magog (In Bromine Chambers)“, der auf der remasterten Version des Album auch in zwei Titel mit Namen „Gog“ und „Magog (In Bromine Chambers)“ aufgeteilt wurde. Ist „Gog“ noch mit Melodie, Rhythmus und Text versehen, so verzichtet Peter Hammill darauf bei „Magog“. Dieses „Lied“ ist jetzt nur noch eine Klangkollage. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man genau diese Geräusche hört, wenn man sich längere Zeit in einem Zimmer mit Brom-Dämpfen aufhält. Oder was will uns der Untertitel „In Bromine Chambers“ sonst sagen?

Fazit: Klar, Peter Hammill ist nicht für jeden etwas. Van der Graaf Generator wurde 1972 auch deshalb aufgelöst, da die Band Geldprobleme bekam. Zu viele Leute wollten das nicht hören. Und ich nehme an, richtig reich ist Peter Hammill mit seiner Musik auch nicht geworden. Dazu ist diese eben manchmal doch zu schräg, zu verschroben, zu ungerade. Wer allerdings Zugang zu dieser Art des Progressive Rock gewinnt, der wird bereichert werden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: (No more) The Sub Mariner, Again, Faint Heart And The Sermon




Sonntag, 25. November 2012

Wishbone Ash – Wishbone Ash




Wishbone Ash – Wishbone Ash


Besetzung:

Andy Powell – lead guitar and vocals
Ted Turner – lead guitar and vocals
Martin Turner – bass and vocals
Steve Upton – drums


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock


Trackliste:

1. Blind Eye (3:45)
2. Lady Whiskey (6:13)
3. Errors Of My Way (6:58)
4. Queen Of Torture (3:26)
5. Handy (11:36)
6. Phoenix (10:27)

Gesamtspieldauer: 42:24




„Wishbone Ash“ taufte die gleichnamige englische Band 1970 ihr Debut-Album. Und auf dieser Platte hört man relativ straighten und geradlinigen Rock. Dieser ist meist ein Vertreter der etwas härteren Art. Das Besondere an der Musik von Wishbone Ash ist das Vorhandensein zweier Leadgitarristen und damit auch zweier gleichzeitig gespielter Lead-Gitarren. So etwas hatte es bis zur damaligen Zeit noch nicht gegeben.

Zur Musik ist dabei folgendes festzustellen: „Blind Eye“,der erste Titel, rockt. Nicht viel anders verhält es sich bei „Lady Whiskey“. Allerdings ist dieses Stück bereits deutlich interessanter, da verschachtelter. Und man muss es zugeben, die Sache mit den zwei Lead-Gitarren hat was. Das klingt irgendwie interessant, auch wenn die Stücke selbst einen noch nicht zu sehr in den Bann ziehen.

Das schafft dann allerdings „Errors Of My Way“. Hier gibt es schöne Melodien zu hören, einen klasse abgestimmten mehrstimmigen Gesang und wieder dieses doppelte Lead-Gitarren-Spiel. Dazu gesellen sich lange Passagen mit Gitarren-Soli, die allerdings auch in die Richtung „Harmonie“ gehen, ohne zu frickelig zu sein. Das Stück reicht schon stark in das Genre progressive Rock-Musik hinein und ist sehr gut mit dem Adjektiv „schön“ zu umschrieben.

Nun, bei „Queen Of Torture“ sind wir dann wieder beim klassischen Rock. Dieses Mal sogar wieder der härteren Fraktion dieser Musikrichtung zugehörig. Nichts Besonderes heutzutage mehr, damals, 1970 aber sicherlich noch nicht ganz so alltäglich. Anschließend folgen die beiden etwas längeren Lieder. Beide im zweistelligen Minutenbereich und ehemals die komplette zweite Seite der Platte füllend. „Handy“ wirkt dabei sehr bluesig, ohne dieses Genre zu übertreiben oder zu überakzentuieren. In der Mitte wird das Lied dann ein wenig treibender – in einem durchaus packenden Instrumentalpart. Wer gitarrenorientierten Rock mag, der wird sich hier sehr wohl fühlen. Wer progressiven Rock bevorzugt, kann hier durchaus auch etwas für sich entdecken. Schließlich geht „Handy“ in ein Drum-Solo über, um anschließend fast schon einen Swing darzubieten. Da ist Fingerschnipsen angesagt. Schließlich kommt es noch zu sinnfreiem Gesang, bei dem nur noch Laute von sich gegeben werden, sodass das Ende des Stücks nicht mehr so richtig überzeugen kann.

„Phoenix“ heißt der nächste und letzte „Longtrack“. Das Stück beginnt wieder sehr bluesig, wird im weiteren Verlauf ein wenig rockiger, setzt seinen Schwerpunkt auf das Gitarrensolo, um schließlich auch wieder verstärkt und noch intensiver loszurocken. Das muss man mögen. Allerdings sei hier auch mal das Bass-Spiel des Martin Turner erwähnt, der seine Sache wirklich klasse macht. Treibender kann ein Bass kaum klingen.


Fazit: Ein wahrlich gelungenes Rock-Debut von Wishbone Ash. Wer auf gut gemachten Rock steht, der nicht alltäglich klingt, der wird dieses Album lieben. Freunde des progressiven Rocks haben am ehesten Spaß an “Errors Of My Way”. Das war sicherlich kein schlechtes Debut von Wishbone Ash. Der tolle, bisher unbekannte Sound der Instrumentierung und der immer wieder treibende Groove der Lieder machen das Debut der Engländer zu einem durchaus hörenswerten Album. Neun Punkte.

Anspieltipps: Errors Of My Way, Phoenix




Samstag, 24. November 2012

Styx – The Serpent Is Rising




Styx – The Serpent Is Rising


Besetzung:

James Young – guitars, vocals
Dennis DeYoung – hammond organ, piano moog synthesizer, vocals, mellotron, pipe organ
John Curulewski – guitars, moog synthesizer, vocals 12 string guitar
Chuck Panozzo – bass guitar, vocals
John Panozzo – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Bill Traut – saxophone (22 Years)


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Mainstream, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Witch Wolf (4:01)
2. The Grove Of Eglantine (5:01)
3. Young Man (4:47)
4. As Bad As This (6:09)
5. Winner Takes All (3:07)
6. 22 Years (3:42)
7. Jonas Psalter (4:42)
8. The Serpent Is Rising (4:52)
9. Krakatoa (1:36)
10. Hallelujah Chorus (From Handel's Messiah) (1:33)

Gesamtspieldauer: 39:29




Legt man „The Serpent Is Rising“ ein, das dritte Album der amerikanischen Band Styx, dann hört man bereits nach den ersten Tönen und Takten, welche Art der Musik den Hörer auf diesem Album erwartet, was auf dieser Platte Programm ist: Rock. Oftmals etwas härter und meistens dem Mainstream zugehörig. Bezeichnend dafür stehen gleich die ersten beiden Titel „Witch Wolf“ und „The Grove Of Eglantine“. Gleiches gilt für „Winner Takes All“, „22 Years“ und „Jonas Psalter“. Das kann mitunter ganz nett klingen, besonders wenn es dabei schöne Instrumentalpassagen zu hören gibt wie bei den Titeln „The Grove Of Eglantine“ und „Jonas Psalter“, etwas wirklich Besonders ist das allerdings alles nicht.

Da klingen „Young Man“, durch einen tollen Orgeleinsatz und die verschiedenen, ineinander geflochtenen Teile, sowie das Titelstück „The Serpent Is Rising“ durch dessen Rhythmus- und Stilwechsel schon wesentlich interessanter und deutlich gelungener.

Der Titel „As Bad As This“ besteht eigentlich aus zwei Liedern. Jenem mit genau diesem Namen, akustisch instrumentiert und ein wenig bluesig angehaucht. Nach drei Minuten und fünfundvierzig Sekunden geht das Lied schließlich in einen weiteren Song mit dem Namen „The Plexiglas Toilet“ über. Ein Hidden Track mitten auf dem Album, in den Credits jedoch nie erwähnt. Da gibt es dann einen Calypso-Sound à la Harry Belafonte zu hören und man bekommt unter anderem folgenden Text dargeboten: „Don't sit on the Plexiglas toilet - Said the momma to her son - Wipe the butt clean with the paper - Make it nice for everyone - But don't sit down on the Plexiglas toilet yeah.” Wahnsinn, was manchen Leuten so einfällt. Dazu sei angemerkt, dass die Musik sich hier qualitätsmäßig restlos dem Text angleicht.

Blieben noch die letzten beiden, kurzen Lieder. „Krakatoa“ ist nur noch experimentell und den „Hallelujah Chorus“ hätte es wahrlich auch nicht mehr benötigt, um das Album richtig schlecht abzuschließen.

Fazit: Der Rock, der auf „The Serpent Is Rising“ zu hören ist, ist durchaus okay. Leider aber auch nicht mehr. Die kurzen Instrumentalpassagen sind meistens diejenigen Stellen, die am ehesten begeistern können. Für Rock-Fans sicher ein geeignetes Album, für Fans progressiver Musik allerdings nur an ganz wenigen Stellen geeignet. Dieses „Schmachtende“ und allzu Süßliche, was später noch auf einigen Scheiben der Band zu hören sein wird, dies fehlt hier aber glücklicherweise noch völlig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Young Man, The Serpent Is Rising




Freitag, 23. November 2012

Tool – Aenima




Tool – Aenima


Besetzung:

Maynard James Keenan – vocals
Adam Jones – guitar
Justin Chancellor – bass
Danny Carey – drums


Gastmusiker:

Marko Fox – vocals on "Die Eier von Satan"
Eban Schletter – organ on "Intermission"
Chris Pitman – additional synthesizer on "Third Eye"
David Bottrill – keyboards,


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Progessive Metal


Trackliste:

1. Stinkfist (5:11)
2. Eulogy (8:29)
3. H. (6:07)
4. Useful Idiot (0:39)
5. Forty Six And Two (6:04)
6. Message To Harry Manback (1:53)
7. Hooker With A Penis (4:34)
8. Intermission (0:56)
9. Jimmy (5:24)
10. Die Eier von Satan (2:17)
11. Pushit (9:56)
12. Cesaro Summability (1:26)
13. Aenema (6:40)
14. (-) Ions (4:00)
15. Third Eye (13:47)

Gesamtspieldauer: 1:17:24




„Aenima“ ist das zweite Album von Tool, dieser Progressive-Metal-Band aus Los Angeles. Und „Aenima“ ist großes Kino. Das fängt bereits bei der Gestaltung der CD an, bei der durch Hin- und Herbewegen der Hülle verschiedene Kippbilder sichtbar werden. Da gibt es dann von schönen Mustern bis hin zum Autofellatio so allerhand zu bestaunen.

Noch deutlich einprägsamer ist allerdings die Musik auf „Aenima“, ein Wort, welches von der Band aus den Worten „Anima“, lateinisch für Geist, Seele und „Enema“, englisch für Einlauf kreiert wurde. Die Musik auf „Aenima“ ist so etwas von kraftvoll und dicht, dass es einem nicht leicht fällt, Vergleichbares zu finden. Hier wird kompromisslos gerockt, allerdings auf eine Art und Weise die immer wieder überrascht. Prog-Metal in Perfektion. Mag gut sein, dass die Band Pink Floyd, Genesis, Yes oder auch King Crimson als Inspiration angibt. Ich kann die Vergleiche der Musik dieser Bands zur Musik von Tool allerdings nicht nachvollziehen. Da sind Welten dazwischen. Tool macht etwas völlig anderes.

Nun, eine Ähnlichkeit gibt es doch. Die Musik der oben genannten Bands kann begeistern, da sie oft anders sind oder waren, etwas Besonderes machten und Trendsetter darstellten. Und begeistern kann Tool auf „Aenima“ auch immer wieder. Allein diese Steigerung zu Beginn des Stücks „Eulogy“ ist den Kauf der Platte wert. Auch wenn es etwas völlig anderes ist, aber vom Stil her fällt mir da nur noch das Intro zu „Time“ von Pink Floyd ein, welches eine ähnliche Entwicklung der Spannung aufweist.

Oftmals, jedoch nicht immer, wird dieser harte Rock, der auf „Aenima“ allgegenwärtig ist, auch noch mit tollen und eingängigen Harmonien verbunden. Beispielhaft stehen dafür die Titel „Forty Six And Two“ oder das fast zehnminütige „Pushit“. Es ist dabei noch nicht mal die eigentliche Melodie selbst, die das Erhörte im Gehirn verankert. Es ist dieses mantrahafte Wiederholen kurzer Einheiten, deren Steigerung und der Explosion der Musik auf dem Zenit des Liedes, die die Stücke so einprägsam werden lassen.

Nicht immer ist das dann aber auch eingängig. „Stinkfist“ rockt einfach durch und bei „Hooker With A Penis“ wird vor allem Wert auf Lautstärke gelegt. Die ist bei diesem Stück auch da, wenn man den Lautstärkeregler herunterreguliert – zumindest wirkt das so. Beim Titel „Third Eye“ sind zu Beginn Einspielungen von Bill Hicks zu hören. Dieser Stand-Up-Comedian starb zwei Jahre zuvor und war ein Freund der Musiker. Deshalb wurde ihm auch das gesamte Album gewidmet. Das Lied selbst ist ein knapp vierzehnminütiger Parforce-Ritt durch jede Menge, mitunter fast schon brachialer Eindrücke. Eine Reise durch gehörte Aggressivität.

Dann gibt es da noch diese kurzen Einspielungen. Zwischentitel könnte man das Ganze auch nennen. Da wird die Rezeptur für Hasch-Kekse auf Deutsch dargeboten, es gibt Industriegeräusche bis hin zur Jahrmarktsmusik zu hören. Irgendwie passen diese kleinen Titel und lockern das Gehörte sogar ein wenig auf und sind zumindest jedes Mal wieder ein wenig überraschend.

Fazit: „Starker Tobak“ wird dem Hörer auf „Aenima“ geboten. Harte und kompromisslose Musik, die allerdings durch ihre Dichte, durch ihre Atmosphäre den Zuhörer einfangen kann. Zumindest dann, wenn sie oder er auch etwas mit den härteren Tönen in der Musik anzufangen weiß, denn diese sind hier allgegenwärtig. Die Musik auf „Aenima“ ist ein ganz anderes Kaliber als der ProgMetal, der zum Beispiel von Rush fabriziert wird. Härter, mitunter kälter wirkend und noch sehr viel konsequenter. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Eulogy, Forty Six And Two, Jimmy, Pushit, Aenema