Mittwoch, 9. Januar 2013

The Smashing Pumpkins – Adore




The Smashing Pumpkins – Adore


Besetzung:

Billy Corgan – vocals, guitar, piano, keyboards
James Iha – guitar, vocals
D'arcy Wretzky – bass guitar


Gastmusiker:


Matt Cameron – drums on track 14
Matt Walker – drums on tracks 1, 2, 4, 6, 10, 11 and 13
Joey Waronker – drums on 3, additional drums on 5 and 9
Dennis Flemion – additional vocals in 1 and 13
Jimmy Flemion – additional vocals in 1 and 13
Bon Harris – additional vocals in 14
Brad Wood – additional vocals in 13, organ on 15


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. To Sheila (4:46)
2. Ava Adore (4:21)
3. Perfect (3:24)
4. Daphne Descends (4:40)
5. Once Upon A Time (4:06)
6. Tear (5:54)
7. Crestfallen (4:09)
8. Appels + Oranjes (3:36)
9. Pug (4:48)
10. The Tale Of Dusty And Pistol Pete (4:35)
11. Annie-Dog (3:38)
12. Shame (6:40)
13. Behold! The Night Mare (5:14)
14. For Martha (8:18)
15. Blank Page (4:58)
16. 17 (0:18)

Gesamtspieldauer: 1:13:24




„Adore“ ist das vierte Album der amerikanischen Alternative-Rockband The Smashing Pumpkins aus Chicago. Und dieses Album hat bei den Fans der Band für einigen Wirbel gesorgt. Zum einen hatte Jimmy Chamberlin die Band verlassen beziehungsweise war er gegangen worden. Seine Drogeneskapaden wurden von den restlichen Bandmitgliedern nicht mehr toleriert und so wurde er kurzerhand ersetzt. Dies geschah allerdings nicht nur durch menschlichen Ersatz in Form diverser Studiomusiker, sondern auch mittels eines Drum-Computers, was einen deutlichen Einfluss auf den Sound der Musik hatte. Vielleicht war Billy Corgan auch nicht ganz mit dem Ergebnis zufrieden, denn bereits auf der nächsten Platte durfte Jimmy Chamberlin wieder mittrommeln.

Aber dies war nicht der einzige Umstand, warum viele der ersten Pumpkins-Fans sich etwas mit „Adore“ schwer taten. Die Musik der „Smashing Pumpkins“ war schon immer von dem Wechselspiel von laut und leise, rockig und sanft geprägt. Auf ihrem vierten Album rückte die Band davon allerdings ein wenig ab. Die leisen Töne überwiegen nicht nur auf „Adore“, sie stehen sogar sehr stark im Vordergrund. Der einzige wirkliche „Rocker“ ist gleichzeitig die erste von zwei Singleauskopplungen des Albums: „Ava Adore“. Eine wahrlich klasse Nummer, sehr intensiv, betont rhythmisch und das unter anderem mit diesem bereits erwähnten Drum-Computer.

Die zweite Singleauskopplung, „Perfect“ läuft ebenfalls noch unter der Überschrift „Etwas Flotter“, aber bereits der Einstieg in das Album, mit dem verträumten „To Sheila“, deutet an, wohin die Reise auf „Adore“ gehen wird. Beispiele, für die richtig gute Umsetzung dieser eher ruhigen, manchmal verträumten und immer harmonischen Stücke gibt es reichlich. Da wären das sehr intensive „Daphne Descends“, das deutlich fröhlichere „Once Upon A Time“ und das sehr melancholische und nachdenkliche „Tear“. Alles tolle Lieder, die auch schnell ins Ohr gehen und sehr viel eher zum Träumen als zum Rocken einladen.

Dieser ruhige Stil steht auch bei den folgenden Songs deutlich im Fokus. „Appels + Oranjes“ sowie „Pug“ sind noch ein klein wenig „schneller“ angelegt, an dieser verträumten Stimmung des Albums ändert das jedoch nichts mehr. Zumal gegen Ende der Platte noch zwei wahrlich beeindruckende Titel auf den Hörer warten. Voller Moll-Akkorde präsentieren sich das über achtminütige „For Martha“ und das sehr eindringliche „Blank Page“. Tolle Musik für graue Novembertage.

Fazit: Billy Corgan begeht auf „Adore“ mit seinen Smashing Pumpkins etwas andere Wege. Und dies sogar überaus konsequent. Deutlich über siebzig Minuten gibt es auf dem vierten Album der Band ziemlich nachdenkliche, manchmal sentimentale und oftmals melancholische Musik zu hören. Dazu gesellt sich der Kracher „Ava Adore“. Wenn man also auch etwas mit etwas ruhiger Musik anzufangen weiß und sich durch die etwas gequetscht wirkende Stimme Billy Corgans auf Dauer nicht abschrecken lässt, dann ist das für den Musikfreund ein richtig gutes Album geworden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ava Adore, Daphne Descends, Once Upon A Time, Tear, For Martha, Blank Page





Dienstag, 8. Januar 2013

Randy Newman – Sail Away




Randy Newman – Sail Away


Besetzung:

Randy Newman – vocals, piano


Gastmusiker:

Russ Titelman – guitars
Ry Cooder – guitars
Chris Ethridge – bass
Wilton Felder – bass
Jimmy Bond – bass
Jim Keltner – drums
Gene Parsons – drums
Earl Palmer – drums
Milt Holland – percussion
Abe Most – alto saxophone


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Soft Rock


Trackliste:

1. Sail Away (2:52)
2. Lonely At The Top (2:35)
3. He Gives Us All His Love (1:56)
4. Last Night I Had A Dream (3:03)
5. Simon Smith And The Amazing Dancing Bear (2:05)
6. Old Man (2:44)
7. Political Science (2:02)
8. Burn On (2:35)
9. Memo To My Son (1:55)
10. Dayton, Ohio 1903 (1:52)
11. You Can Leave Your Hat On (3:18)
12. God's Song (That's Why I Love Mankind) (3:40)

Gesamtspieldauer: 30:37




„Sail Away“ nannte Randy Newman sein drittes Album, welches er 1972 veröffentlichte. Und wieder hatte sich im Bezug zum Vorgängeralbum musikalisch eine ganze Menge getan. War das erste Album des Amerikaners noch proppenvoll mit Filmmusik gestopft zu einem Film, den es gar nicht gibt, die zweite Platte irgendwo zwischen Blues und Country angesiedelt, so gibt es auf „Sail Away“ Pop bis Rock zu hören. Eine Art Soft Pop-Rock, der sehr zurückhaltend, sanft und meist auch sehr eingängig ist.

Bezüglich der Texte hat sich jedoch nichts verändert, diese sind immer noch sehr bissig, ironisch bis sarkastisch und machen immer wieder auch ein wenig nachdenklich. So spricht Randy Newman zum Beispiel im Titelsong zu den Sklaven, die in die Sklaverei nach Amerika verschifft werden: „In America you'll get food to eat, Won't have to run through the jungle, And scuff up your feet, You'll just sing about Jesus and drink wine all day, It's great to be an American.“ Makabrer geht es kaum. Zu diesem Eindruck trägt nicht zuletzt auch die überaus getragene und orchesterdominierte Musik bei, die im Grunde genommen so gar nicht zum Textinhalt passt und es dann doch wieder perfekt tut.

Viele schöne Melodien gibt es auf „Sail Away“ zu hören. Nach wenigen Malen des Hörens der Scheibe entwickeln sich sehr viele der Lieder zu kleinen Ohrwürmern, die man immer wieder gerne genießt. Dabei ist es meistens das Piano, welches für die Harmonien sorgt. Mitunter ist es allerdings auch das Zusammenspiel dieses Instruments mit der Gitarre, wodurch dieses angenehme „Ohrschmeicheln“ erzeugt wird.

Oftmals sind die Songs nur sehr spärlich instrumentiert. Bei „Old Man“ steht ganz eindeutig diese tieftraurige Stimmung im Vordergrund, die durch den Text transportiert wird. Dezente Streicher neben einem sehr zurückhaltenden Piano sorgen für die perfekte, ein wenig aussichtslose und fast schon marode Stimmung. Eine Rhythmusfraktion gibt es hier, wie auch bei vielen anderen Titeln, nicht.

Den Song „You Can Leave Your Hat On“ kennt man heutzutage eher durch die Version von Joe Cocker. Die Nummer ist hier auf „Sail Away“ gleichzeitig auch das rhythmischste Lied der Platte und besser gelungen, als die bekanntere Ausgabe. Schön und wieder sehr traurig klingt das Album dann mit „God's Song (That's Why I Love Mankind)“ aus. Erneut ein sehr intensiver Text, wie man ihn nur selten hört, egal, wie man dazu inhaltlich auch steht.

Fazit: Man benötigt ein paar Durchgänge, bis man sich in diese Stimmung, die auf „Sail Away“ vorherrscht, reingehört hat. Mich knallt das Album jetzt nicht weg, aber ich kann hier durchaus ein paar schöne Stellen für mich entdecken. Für mich ist diese Platte auch um Klassen besser, als sein Vorgänger. Country kommt hier nicht vor, dafür gibt es hier die Möglichkeit, schöne Melodien für sich zu entdecken. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sail Away, Lonely At The Top, He Gives Us All His Love, Last Night I Had A Dream, Old Man, You Can Leave Your Hat On, God's Song (That's Why I Love Mankind)




Montag, 7. Januar 2013

Olli Schulz – Es brennt so schön




Olli Schulz – Es brennt so schön


Besetzung:

Olli Schulz – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Arne Augustin – Klavier
Ben Lauber – Schlagzeug
Moses Schneider – Bass
PC – Gitarre
Francesco Wilking – Chor
Andre Frahm – Schlagzeug
Bernd Begemann – Gitarre
Kristine Kewitz – Stimme
Degenachim – Chor
Gisbert von Knyphausen – Chor, Gitarre, Mandoline
Marcus Schneider – Gitarre
Ruben Scheffler – Bass, Chor
Lee Buddah – Chor, Banjo, Gitarre
Sam Siegler – Schlagzeug
Matt White – Piano
Walter Schreifels – Gitarre, Bass
Max Schröder – Chor
Mark Tavasol – Bass, Chor
Cesar – Trompete
Christian Haake – Schlagzeug
Hillmar Kettwig – Klavier


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Deutsch-Rock


Trackliste:

1. Ab jetzt tut’s nur noch weh (2:54)
2. So lange einsam (4:13)
3. Geheimdienst (3:34)
4. All you can eat (3:22)
5. Wie sie (3:38)
6. Ewig leben (3:36)
7. Mach den Bibo (2:47)
8. Herz los (3:04)
9. Bloß Freunde (1:53)
10. Isabell (3:16)
11. Wenn die Sonne wieder scheint (16:03)

Gesamtspieldauer: 48:18




„Es brennt so schön“ nannte Olli Schulz sein erstes Album, welches er ohne „seine Begleitband“ „Der Hund Marie“ aufgenommen hat. Und das, was hier auf dem 2009 erschienen Album zuhören ist, kann sich wahrlich sehen beziehungsweise hören lassen. Schöner und eingängiger Pop-Rock wird dem Hörer hier geboten, der auch immer wieder von einer klasse gewählten Instrumentierung lebt. Mal steht die Gitarre im Vordergrund, ein anders Mal wird diese Rolle dem Piano übertragen und bei wieder einem anderen Titel trägt das Banjo zu dem überaus gelungenen Klanggerüst einen nicht unerheblichen Teil bei.

„Es brennt so schön“ groovt und rockt meistens, wobei es dabei nie „hart“ wird. Olli Schulz legt bei seinen Titeln sehr viel Wert auf die Eingängigkeit, die Melodiösität seiner Lieder. Und das ist auf diesem Album wunderbar gelungen. Als Beispiel hierfür stehen für mich die Nummern „Ab jetzt tut’s nur noch weh“, „Wie sie“ und „Bloß Freunde“. Dazu gesellen sich dann noch witzige, manchmal ironische und nachdenklich machende Texte. Das passt alles sehr gut in seiner Gesamtheit.

Ein bisschen aus dem Rahmen fällt bei den elf, beziehungsweise zwölf Titeln (inklusive Hidden Track) das Stück „Mach den Bibo“, mit dem Olli Schulz 2009 an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest teilnahm und den fünften Platz für Hamburg erreichte. Die Nummer ist eine Art Blödelnummer, relativ sinnfrei, die allerdings nach mehrmaligem Hören auf was hat und irgendwie wächst.

Es hat sich auch kein wirklich schlechtes Lied auf das Album verliert. Die „Weiter-Taste“ braucht man dementsprechend nicht zu betätigen. Klar wird der Hörer auch hier Lieder finden, die ihr oder ihm mehr zusagen, andere vielleicht ein wenig weniger. Aber das ist, wie immer, reine Geschmackssache. Nervig ist ein wenig der letzte Titel, was jedoch nichts über die Musik aussagen soll. Aber diese Geschichte mit den Hidden Tracks langweilt einfach und wird bei neueren Veröffentlichungen glücklicherweise auch kaum noch eingesetzt – dachte ich zumindest, aber so alt ist diese Platte hier ja auch noch nicht. „Wenn die Sonne wieder scheint“ dauert 2:20 Minuten. Dann wartet man bis 12:26 und weiter geht’s mit der Textzeile: „Gott was ist das öde hier…“. Stimmt, diese Ruhe nervt, wenn man Musik hören will.

Fazit: Gut gemachten Deutsch-Rock bekommt man auf „Es brennt so schön“ geboten. Hier groovt es immer wieder, hier lassen sich schöne Melodien und intelligente Texte entdecken. Zwar gelingt das nicht durchgängig für alle Stücke der Platte, aber das ist jetzt schon „Jammern auf hohem Niveau“. Das Album ist gut und macht Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ab jetzt tut’s nur noch weh, Wie sie, Mach den Bibo, Herz los, Bloß Freunde




Sonntag, 6. Januar 2013

Queen – Jazz




Queen – Jazz


Besetzung:


Freddie Mercury – vocals, piano
Brian May – guitar, vocals
Roger Taylor – percussion, vocals
John Deacon – bass guitar


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. Mustapha (3:02)
2. Fat Bottomed Girls (4:17)
3. Jealousy (3:14)
4. Bicycle Race (3:03)
5. If You Can't Beat Them (4:15)
6. Let Me Entertain You (3:06)
7. Dead On Time (3:23)
8. In Only Seven Days (2:30)
9. Dreamer's Ball (3:31)
10. Fun It (3:30)
11. Leaving Home Ain't Easy (3:15)
12. Don't Stop Me Now (3:29)
13. More Of That Jazz (4:17)

Gesamtspieldauer: 44:53




Mit „Jazz“ betitelte die Band Queen ihr siebtes Studioalbum, welches 1978 veröffentlicht wurde. Allerdings hat die Musik, die auf dem gleichnamigen Album zu hören ist, mit dem Musikgenre Jazz nur sehr wenig zu tun. Eigentlich sogar überhaupt nichts. So verwundert der Plattentitel ein wenig, denn sehr viel eher ist dieses Album eine Weiterführung der vorherigen Veröffentlichung „News Of The World“.

Auch „Jazz“ ist sehr viel rockiger als „News Of The World“ und „A Day At The Races“. Allerdings werden auch neue Musikgenres erschlossen, so klingt “Fun It” - trotz aller Härte - sogar ein wenig funkig. Sehr ungewohnt für Queen und damit auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zumindest bis zu diesem Punkt in der Bandgeschichte. Diese eingängigen und überaus melodiösen Songs gibt es auf „Jazz“ allerdings auch. „Leaving Home Ain’t Easy“ ist eine wunderschöne Nummer, bei der die Feuerzeuge gezückt werden wollen. Und auch „Jealousy“ klingt schlichtweg ergreifend und ist ein sehr schöner, melancholischer Titel.

Sehr viel härter gestaltet sich dagegen der Einstieg in die Platte. „Mustafa“ und „Fat Bottomed Girl“ rocken, wobei ersterer Song gleichzeitig eines der mitreißensten Lieder der Band darstellt. Und dann befindet sich an vierter Stelle der ehemaligen ersten Seite der Platte wieder so ein Lied, welches Queen unsterblich werden ließ: „Bicycle Race“. Sind Fahrräder mal Thema in einem Fernsehbeitrag, so gibt es kaum einen Autor, der dann auf dieses Lied als musikalische Untermalung des Gezeigten verzichtet. Interessant dabei auch, dass dieser Titel in Verbindung mit dem Song „Fat Bottomed Girls“ die Band wohl dazu animierte, der ehemaligen Platte ein Poster mit etwa fünfzig völlig nackten Frauen auf Fahrrädern, kurz vor dem Start eines Rennens, beizulegen. Da bekam so mancher Junge Ende der 70er Jahre Schwierigkeiten mit seiner Mutter, wenn er versuchte diese „Kunst“ in seinem Kinderzimmer in Szene zu setzen. Das Poster ziert inzwischen den Mittelteil des CD Booklets – allerdings in sehr viel kleinerer Ausführung.

Weitere Höhepunkte des Albums sind sicher das groovig harte „Let Me Entertain You“ und natürlich ein weiterer der „Übersongs“ des Albums: „Don’t Stop Me Now“. Ich kenne kaum ein Lied, welches es schafft, diese fröhliche Aufbruchsstimmung, die dem Ganzen innewohnt, in Verbindung von Musik und Text so perfekt umzusetzen. Wahrlich ein Meisterwerk der guten Laune.

„Dead On Time“ macht ebenfalls viel Spaß, was nicht zuletzt an diesen unglaublich schnellen Gesang Freddie Mercurys liegt. Und dann gibt es da noch das letzte Stück: „More Of That Jazz“. Das Besondere an dieser Nummer ist, dass es im zweiten Teil noch mal viele der Lieder dieses Albums in sich vereint, indem diese hier mit kurzen Auszügen integriert werden. Schöne Idee.

Fazit: Auch „Jazz“ kann überzeugen. Es ist bereits das siebte Studioalbum Queens, welches durch seine Mannigfaltigkeit überrascht. Welches wieder jede Menge Überraschungen für den Hörer parat hält und welches erneut eindeutig in dieser Art nur von Queen stammen kann. Es gibt nichts Vergleichbares. Die erste Seite der ehemaligen Platte wirkt ein wenig homogener als die frühere zweite, deren Songmaterial in ihrer Gesamtheit ein klein bisschen hinter den ersten Titeln zurückbleibt. Allerdings befinden sich auch auf „Jazz“ wieder jede Menge Schätze, die gehoben werden wollen. Sehr zu empfehlen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Mustapha, Fat Bottomed Girls, Jealousy, Bicycle Race, Let Me Entertain You, Dead On Time, Leaving Home Ain't Easy, Don't Stop Me Now, More Of That Jazz




Samstag, 5. Januar 2013

Bernd Kistenmacher - Let It Out!




Bernd Kistenmacher - Let It Out!


Label: MirRecords


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Let it Out ! (41:08)
2. Compressed Fluid (Bonustrack) (19:58)

Gesamtspieldauer: 1:01:06




Gerade geht in Kalifornien die Sonne unter. Irgendwo da hinterm Golden Gate versinkt der Feuerball im Meer. Der Himmel gleicht einem rot-orangenem-rosa Farbenmeer. Wunderschön zum Ansehen, zum Träumen, zum gedanklichen Abdriften….und dazu diese beeindruckende neue Platte des Berliners Bernd Kistenmacher. Ein Soundtrack dieses Augenblicks. “Let it out!” heißt das Album, ein Klangspiel der besonderen Art. Farbenfroh, tief, ein Eintauchen in eine musikalische Welt, die mich an die frühen Werke von Jean Michel Jarre, an Klaus Schulze, an Deuter erinnern.

Kistenmacher macht keine Musik, er ist kein Handwerker, kein Techniker, der hier das und dann das aufeinander und übereinander stülpt, um am Ende ein Lied am Synthesizer zusammen gewurstelt zu haben. Für mich, so scheint es mir, arbeitet er vielmehr wie ein Maler, der da sitzt, das abendliche Farbenspiel am Himmel betrachtet und den Pinsel über die leere Leinwand fahren läßt. So stelle ich mir das vor….Bernd Kistenmacher im Studio und irgendwie passiert es. Da entstehen Klanglandschaften, werden musikalische Ideen verfolgt, da taucht man ein in diese Welt aus Sounds und monumentalen Klangerlebnissen. Ich weiß, ich übertreibe….und doch, das 41:11 Minuten lange “Let it out!” ist bewegend, entrückend, aufwühlend, persönlich, nahegehend. Nichts für eine schnelle Welt, es ist ein Stück zum Verweilen. Ein grandioses Werk und sehr, sehr empfehlenswert.

Freitag, 4. Januar 2013

Elbow – The Seldom Seen Kid




Elbow – The Seldom Seen Kid


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keyboards
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums


Gastmusiker:

Richard Hawley – vocals and lead guitar on “The Fix”
Ian Burdge – cello & backing vocals
Prabjote Osahn – violin & backing vocals
Stella Page – violin, viola & backing vocals
Ben Parsons – coronet
Nick Smart – coronet & flugel
Matt Ball – trombone
Sheona White – e flat horn
Tim Barber – trumpet
Craig Potter – trumpet
Guy Garvey – string & brass arrangements
Angela Thwaite – backing vocals
Louise Turner – backing vocals



Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Art Rock. Art Pop


Trackliste:

1. Starlings (5:05)
2. The Bones Of You (4:49)
3. Mirrorball (5:50)
4. Grounds For Divorce (3:40)
5. An Audience With The Pope (4:28)
6. Weather To Fly (4:29)
7. The Loneliness Of A Tower Crane Driver (5:15)
8. The Fix (4:28)
9. Some Riot (5:23)
10. One Day Like This (6:34)
11. Friend Of Ours (5:01)
12. We're Away (1:59)
13. Hotel Istanbul (7:14)
14. Lullaby (3:13)

Gesamtspieldauer: 1:07:28




„The Seldom Seen Kid“ betitelten Elbow ihr viertes Album, welches 2008 veröffentlicht wurde. Bei dem Titel handelt es sich um einen Textauszug aus dem Stück „Grounds For Divorce“, einem der wohl bekanntesten Stücke der Band. Und da wären wir auch gleich bei den Stärken dieses Albums. Die Musiker aus dem englischen Manchester schaffen es Lieder auf den Punkt zu bringen, sie damit zeitlos werden zu lassen. „Grounds For Divorce“ hört irgendwie jeder gerne, der es mal vorgespielt bekommt. Ein tolles Lied, welches mitreißt und sich von den anderen Titeln der Platte dadurch abhebt, da es sehr viel kraftvoller ist, fast schon hart im Vergleich zum Rest der Platte. Und trotzdem gefällt das Stück auch Leuten, die eher die ruhigeren Töne bevorzugen.

Weitere Höhepunkte, jetzt allerdings der sehr viel ruhigeren und sinnlicheren Art, sind „Mirrorball“ und „The Fix“. Beides etwas getragene Titel, sehr eingängig und verträumt. Ersteres der beiden Lieder wurde sogar von Peter Gabriel dazu auserwählt auf dessen Album „Scratch My Back“ interpretiert zu werden.

Auch der Rest des Albums wirkt. Da gibt es keinen Ausfall, obwohl die Favoriten natürlich von Hörer zu Hörer differieren werden. Ich mag und genieße an der Musik von Elbow dieses leicht Verquere, dieses überaus Nicht-Alltägliche. Immer wieder werde ich angenehm überrascht von dieser Musik, die so überaus unaufdringlich ist, die einen praktisch den ganzen Tag und zu jeder Zeit begleiten kann. Obwohl, zum Abtanzen wäre sie dann wohl doch nicht so geeignet. Nochmal obwohl, denn genau dieses würde man mit „Grounds Of Divorce“ mit Sicherheit auch sehr gut hinbekommen.

Fazit: Elbow machen einfach gute Musik, da führt kein Weg dran vorbei. Keine Lieder zum Abrocken, keine Songs zum einfach Dahinschmelzen. Auf „The Seldom Seen Kid“ hört man schon Musik, die ein wenig Aufmerksamkeit erfordert. Zumindest zu Beginn, bei den ersten zwei, drei Durchläufen der CD. Spätestens danach sind diese Lieder alles vertraute und eingängige Freunde geworden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mirrorball, Grounds For Divorce, The Fix, Some Riot, One Day Like This, Hotel Istanbul




Dienstag, 1. Januar 2013

Mike Oldfield – Incantations




Mike Oldfield – Incantations


Besetzung:

Mike Oldfield – all instruments


Gastmusiker:

Mike Laird – trumpet
Pierre Moerlin – drums and vibraphones (Incantations Part Four)
Maddy Prior – vocals
Sally Oldfield – vocals
The Queens College Girls Choir – vocals
David Bedford – strings and choir conduction
Sebastian Bell – flute
Terry Oldfield – flute
Jabula – african drums


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Incantations Part One (19:08)
2. Incantations Part Two (19:36)
3. Incantations Part Three (16:58)
4. Incantations Part Four (17:01)

Gesamtlaufzeit: 1:12:43




Nach den ersten drei Alben legte Mike Oldfield mit „Incantations“ 1978 sein viertes Meisterwerk in Bezug auf instrumentale und progressive Rockmusik vor. Als Doppelalbum mit entsprechender Länge hat dieses Werk fast schon meditativen Charakter. Aus Tonfolgen entwickeln sich Melodien und diese werden immer und immer wieder mantraartig wiederholt. Dabei einsteht erneut diese so besondere Stimmung, die den Werken Mike Oldfields zu Beginn seiner Karriere anhaftete: Diese verträumt ergreifende Atmosphäre, in der alles klingt und auf seine Art perfekt zusammenpasst. In der Musik die Fähigkeit besitzt zu wirken.

Die Querflöte steht im ersten Teil von „Incantations“ im Vordergrund. Sphärische Frauenstimmen eröffnen diesen Part, in den dann schließlich die Querflöte einstimmt und die Melodieführung übernimmt. Alles vibriert, alles klingt, träumerisch wird hier ein Klanggebilde entwickelt, in welches im weiteren Verlauf engelsgleich ein Mädchenchor mit einstimmt. Wahrlich begeisternd. Gegen Ende dieses Parts gesellt sich die Querflöte wieder zum Geschehen hinzu und erzeugt somit quasi einen Ringschluss.

Noch mal sehr viel sphärischer wird es dann in Teil 2, bis schließlich, zum ersten Mal auf einer Mike Oldfield Platte, richtig gesungen wird. Eine Frauen-Stimme ertönt und rezitiert eine Passage aus Henry Wadsworth Longfellows Gedichtepos‘ „The Song Of Hiawatha“ über das Leben des Indianers Hiawatha aus dem Jahr 1855. Jetzt wird der Hörer, neben der Musik, auch durch diesen immer gleichen Gesang betört und fast schon in Trance versetzt. Jedoch, selbst wenn das Gehörte immer wieder dasselbe ist, man es hier alles repetitiv serviert bekommt und der Text dazu zusätzlich fast schon monoton heruntergesungen wird - Langeweile ist etwas ganz anderes. Das ist Musik zum Eintauchen, Musik, in der man sich winden kann.

Part 3 von „Incantations“ wird nun schließlich sogar richtiggehend abwechslungsreich. Mike Oldfield so typischer Gitarrenklang ertönt und erfüllt den Raum. Im weiteren Verlauf wird das Lied noch ein wenig flotter und sehr viel keyboardlastiger. Jetzt kommt man als Zuhörer sogar in die Versuchung mit den Füßen mitzuwippen. Das rockt sogar. Teil 4 startet dann ganz zart mit Harfenklängen, in die schließlich Glocken und Glöckchen einstimmen. Auch hier gilt wieder: Alles klingt und passt perfekt zusammen. Schließlich gibt es wieder eine volle Keyboard-Breitseite gefolgt von Xylophon-Klängen. Beendet wird das Ganze erneut mit sehr schönem, weiblichen Gesang, der dieses Mal einen Ausschnitt aus dem Werk „Cynthia’s Revels“ von Ben Jonson aus dem Jahr 1600 wiedergibt.

Fazit: Fast schon esoterische „Instrumentalmusik“, auf der dieses Mal jedoch auch ab und an gesungen wird, gibt es auf „Incantations“ zu hören. Die Platte ist grandios, wenn man etwas mit Mike Oldfield der ersten Alben anfangen kann. Sie ist deutlich langatmiger als die früheren drei Werke, was hier aber nichts Negatives bedeuten soll - denn „Incantations“ ist beeindruckend. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Alles




Montag, 31. Dezember 2012

Queen – News Of The World




Queen – News Of The World


Besetzung:

John Deacon – bass guitar
Brian May – guitars, backing vocals
Freddie Mercury – vocals, piano
Roger Taylor – drums, backing vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Rock


Trackliste:

1. We Will Rock You (2:02)
2. We Are The Champions (2:59)
3. Sheer Heart Attack (3:28)
4. All Dead, All Dead (3:10)
5. Spread Your Wings (4:34)
6. Fight From The Inside (3:06)
7. Get Down, Make Love (3:50)
8. Sleeping On The Sidewalk (3:08)
9. Who Needs You (3:08)
10. It's Late (6:28)
11. My Melancholy Blues (3:31)

Gesamtspieldauer: 39:24




1977 erschein das sechste Studioalbum Queens unter dem Titel „News Of The World“. Hinter einem martialischen Cover, auf dem ein Roboter die Musiker in seinen Händen zerquetscht, verbirgt sich wieder jede Menge sehr innovative, abwechslungsreiche und wunderschöne Musik. Zudem befinden sich mit den ersten beiden Titeln auch zwei der bekanntesten Queen-Lieder auf dem Album. Das unglaublich einfache und doch so intensive und eindringliche „We Will Rock You“ - sowie die Hymne aller Sieger im Sport: „We Are The Champions“. Ich glaube es ist nicht übertrieben wenn man behauptet, dass es sich bei diesem Lied um eines der drei bekanntesten Rock-Lieder aller Zeiten handelt. Vielleicht sogar um das bekannteste Stück in der Geschichte der Rockmusik.

Aber es gibt nicht nur diese „Gassenhauer“ auf „News Of The World“ zu hören, sondern jede Menge auch sehr Beeindruckendes. Dabei erweist sich auch dieses Album Queens wieder als unglaublich abwechslungsreich. Von Heavy Metal bis hin zu fast schon calypso-artigen Klängen ist hier alles vertreten. Und es macht eine Band wie Queen aus, dass dies in seiner Gesamtheit nicht zusammengestückelt, sondern auf seine Art gewachsen wirkt.

Neben den beiden bereits erwähnten „Queen-Evergreens“ gibt es da mit dem Titel „Sheer Heart Attack“ den Hard-Rock- bis Metal- Kracher, der allein schon durch sein überraschendes Ende Eindruck hinterlässt. „Spread Your Wings“ ist eine der besten Beiträge John Deacons im Songkatalog von Queen und „All Dead, All Dead“ ist sowas von herrlich melancholisch, dass man nur schwerlich Vergleichbares in der Musik anderer Bands findet.

Auf der ehemaligen zweiten Seite glänzen vor allem das überaus rhythmische „Get Down Make Love“ und das ebenfalls wieder toll mitreißende „It’s Late“ mit Eingängigkeit und Melodiösität. Die restlichen Lieder des Albums sind manchmal ein wenig Spielerei („My Melancholy Blues“ und „Sleeping On The Sidewalk“), krachen kompromisslos („Fight From The Inside“) oder klingen locker und fast schon fluffig (Who Needs You).

Fazit: Auch auf “News Of The World” gibt es jede Menge zu entdecken. Das Album klingt ein wenig rockiger als seine beiden Vorgänger. Dazu ist das Songwriting auf diesem Album so gleichmäßig verteilt, wie noch nie vorher auf einer Queen-Platte. Vier Titel stammen von Brian May, drei von Freddie Mercury und Roger Taylor und John Deacon steuerten jeweils zwei Lieder hinzu. Das bewirkt wieder jede Menge Abwechslung, die allerdings nie aufgesetzt wirkt. Festzuhalten ist allerdings auch, dass die ehemalige erste Seite der Platte, das etwas bessere Songmaterial enthält. Allerdings ist dies Kritik auf sehr hohem Niveau. „Newsw Of The World“ ist ein richtig gutes Album geworden, welches jeder Rock-Freund kennen sollte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: We Will Rock You, We Are The Champions, Sheer Heart Attack, All Dead, All Dead, Spread Your Wings, Get Down Make Love, It's Late






Sonntag, 30. Dezember 2012

Styx – Cyclorama




Styx – Cyclorama


Besetzung:

Chuck Panozzo – bass guitar on “Bourgeois Pig”, background vocals on “Kiss Your Ass Goodbye”
Tommy Shaw – electric & acoustic 6, 12 and baritone guitars, mandolin, vocals
Glen Burtnik – electric bass, upright bass, synth bass on ”Genki Desu Ka”, electric 12 string guitar on “Together” and vocals
Lawrence Gowan – piano, organ, synthesizers and vocals
James Young – electric guitars and vocals
Todd Sucherman – drums, percussion, loops, percussive synth bass on “Do Things My Way” and vocals


Gastmusiker:

Billy Bob Thornton – vocals on “Bourgeois Pig”
John Waite – backing vocals
Brian Wilson – backing vocals
Tenacious D – vocals (hidden track)


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Rock


Trackliste:

1. Do Things My Way (4:57)
2. Waiting For Our Time (4:13)
3. Fields Of The Brave (3:24)
4. Bourgeous Pig (0:49)
5. Kiss Your Ass Goodbye (3:14)
6. These Are The Times (6:45)
7. Yes I Can (3:51)
8. More Love For The Money (3:48)
9. Together (4:47)
10. Fooling Yourself (Palm Of Your Hands) (0:39)
11. Captain America (3:54)
12. Killing The Thing That You Love (5:36)
13. One With Everything (5:57)
14. Genki Desu Ka (6:13)

Gesamtspieldauer: 58:06




Drei Jahre nach dem wenig erbaulichen Album „Brave New World“ und dreizehn Jahre nach dem noch schlechteren „Edge Of The Century“ veröffentlichte die amerikanische Formation Styx 2003 erneut eine Platte, ihr bisher vierzehntes Studioalbum. Für das Cover zeigte sich Storm Thorgerson verantwortlich, der auch die meisten Plattencover von Pink Floyd entworfen hatte. Und nicht nur „graphisch“, auch in Bezug auf die Zusammensetzung der Band hatte sich auf „Cyclorama“ einiges getan. Dennis DeYoung, der Keyboarder der ersten Stunde und Lieferant zahlreicher Hits, hatte die Band verlassen und war durch Lawrence Gowan ersetzt worden. Chuck Panozzo, der Bruder des bereits 1996 verstorbenen Drummers John Panozzo war inzwischen an Aids erkrankt und hatte auf „Cyclorama“ gesundheitsbedingt nur einen kurzen Gastauftritt, indem er bei dem sehr kurzen „Bourgeois Pig“ den Bass einspielte und sonst nur noch einmal als Hintergrundsänger in Erscheining trat. Seinen Part als Bassist spielte jetzt Glen Burtnik ein.

Nun, die Musik auf „Cyclorama“ ist richtig gut geworden. Hier scheinen sich Musiker gefunden zu haben, die sich gegenseitig befruchteten, denn „Cyclorama“ stellt so ziemlich alles in den Schatten, was die Band in den letzten 24 Jahren an Musik veröffentlichte. Das mag daran liegen, dass sich hier auch vier tolle Sänger auf dem Album präsentieren und dieses seltsame Gesinge des Dennis DeYoung völlig fehlt. Das mag daran liegen, dass Styx hier ab und an auch Reminiszenzen an die Beatles präsentieren – ohne hier aber Gefahr zu laufen diese kopieren zu wollen. Und das mag vor allem daran liegen, dass die Band wieder Ideen hatte. Ideen, die einfach gut klingen.

Auf „Cyclorama“ befindet sich Mainstream-Rock, allerdings jener der besseren Sorte. Hard-Rock ist da zugegen, genau wie Melodic-Rock. Alles klingt, vieles davon sogar richtig gut und macht Spaß. Auf der knappen Stunde Spieldauer wird dem Musikhörer jede Menge Abwechslung geboten, die gleichzeitig eingängig ist und dabei auch noch rockt. Der Pathos fehlt, genau wie diese schwülstigen, schmachtenden Liebeslieder, die einem fast schon peinlich waren, sie anzuhören. Und diese gab es über die ganze Karriere der Band hin auf so ziemlich jedem Album.

Fazit: Das mit Abstand beste Album von Styx der letzten vierundzwanzig Jahre. Gute, unterhaltende Musik, die rockt, wobei auch sehr viel Wert auf Melodiösität gelegt wurde. Ein richtig überzeugendes Alterswerk einer Band, der man so etwas nicht mehr zugetraut hatte. Und einige Ohrwürmer hält das Album auch parat. „Cyclorama“ ist gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fields Of The Brave, Kiss Your Ass Goodbye, These Are The Times, More Love For The Money, Together, Killing The Thing That You Love



Samstag, 29. Dezember 2012

Lana Del Rey – Born To Die




Lana Del Rey – Born To Die


Besetzung:

Lana Del Rey – vocals


Gastmusiker:

Emile Haynie – keyboards, guitar, drums
Larry Gold – string arrangement and conduction
Steve Tirpak – string assistance
Jeff Bhasker – guitar, keyboards, additional strings
Justin Parker – vocal production
Ken Lewis – additional vocal noises, additional drums
Brent Kolatalo – additional recording, additional drums
Carl Bagge – string arrangement
Fredrik Syberg – violin
Erik Holm – viola
Pelle Hansen – cello
Patrik Berger – guitar, bass guitar, percussion, synthesizer, sampler, drum programming
Dan Heath – string arrangement and conduction
James Bauer-Mein – background vocals
David Sneddon – background vocals
Emilie Bauer-Mein – background vocals
Maria Vidal – additional vocals
Patrick Warren – chamberlain strings, additional strings, guitar and keyboards
Rick Nowels – guitar. Additional strings
Devrim Karaglu – additional synths and orchestral drums, additional pads
Dan Reid – pads
Lenha Labelle – french vocals
Chris Broide – guitar. Accoustic piano, strings and drum programming
Dan Heath – flute
Al Shux – guitar, bass, keyboards, programming


Label: Universal Music Group


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Pop


Trackliste:

1. Born To Die (4:46)
2. Off To The Races (5:00)
3. Blue Jeans (3:29)
4. Video Games (4:42)
5. Diet Mountain Dew (3:43)
6. National Anthem (3:51)
7. Dark Paradise (4:03)
8. Radio (3:35)
9. Carmen (4:09)
10. Million Dollar Man (3:52)
11. Summertime Sadness (4:25)
12. This Is What Makes Us Girls (4:00)

Gesamtspieldauer: 49:35




Der Amerikanerin Lana Del Rey, die eigentlich Elisabeth Grant heißt, gelang mit „Born To Die“ Anfang 2012 der internationale Durchbruch. Die vorab veröffentlichte Single „Video Games“ hatte es bereits im Herbst des vorherigen Jahres in vielen Hitparaden bis auf Platz Eins geschafft und wieder mal – wie immer öfters in den letzten Jahren – hatte YouTube eine nicht unwesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg beigetragen. Das Video zum Lied „Video Games“ wurde geklickt und geklickt und geklickt. Allerdings ist dieses Lied glücklicherweise nicht der einzige Höhepunkt auf dem Album.

Beim Hören des Albums fallen zwei Dinge sofort auf beziehungsweise ins Ohr. Da ist zum einen dieser herrlich, irgendwie von gelangweilt bis arrogant wirkende Gesang der New Yorkerin, der perfekt zu dieser immer sehr eingängigen, völlig unaufgeregten Musik passt. Und da sind auch die vielen Lagen von Streichern, die in praktisch jedem Lied ihren großen Auftritt haben. Manches Mal wäre da etwas weniger sicherlich etwas mehr gewesen.

Aber trotzdem „Born To Die“ macht Spaß. Keine Tanzmusik, keine Rockmusik, sehr gut gemachte Pop-Musik ist hier zu hören. Und dieses Güte-Siegel hält die Sängerin mit vielen Liedern dieses Albums aufrecht. „Born To Die“, „Blue Jeans“ oder das bereits erwähnte „Video Games“ – alles Titel, die etwas haben, die man gerne anhört, egal ob man dabei auf dem Sofa liegt oder gerade über die Autobahn fährt.

Okay, die Texte, da gibt es sicherlich kreativere Ansätze und auch bessere Umsetzungen, aber natürlich hören auch nur die wenigsten Musikhörer da genauer hin. Die Stimmung der ganzen Platte ist verträumt bis leicht melancholisch und wird durch diese eindringliche und unverwechselbare Stimme Lana Del Reys und die bereits erwähnten und allgegenwärtigen Streicherhintergrunde noch bestens bedient.

Fazit: „Born To Die“ ist ein ruhiges und überaus eingängiges Album geworden. Die Titel hören sich richtig gut an und es gibt keinen wirklichen Ausreißer nach unten, alles klingt und klingt dabei gut. Vielleicht ist das Songwriting auf der ersten Hälfte der CD noch ein wenig besser geglückt, aber das ist jetzt wirklich Jammern auf hohem Niveau. Mir gefällt das, was ich da höre, obwohl ich mit dieser Art der Musik sonst meist deutlich viel weniger anfangen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Born To Die, Blue Jeans, Video Games, Radio, Summertime Sadness






Freitag, 28. Dezember 2012

Amy McDonald – This Is The Life




Amy Mcdonald – This Is The Life


Besetzung:

Amy Macdonald – vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Seton Daunt – guitar
Jolyon Dixon – guitar
Johnny Dyke – keyboards
Phillip Read Mason – bagpipes
Audrey Riley – cello, conduction
Richard George – violin
Jonathan Hill – violin
Laura Melhuish – violin
Susan Dench – viola


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Folk-Pop


Trackliste:

1. Mr. Rock & Roll (3:35)
2. This Is The Life (3:06)
3. Poison Prince (3:29)
4. Youth Of Today (4:00)
5. Run (3:51)
6. Let's Start A Band (4:05)
7. Barrowland Ballroom (3:59)
8. L.A. (4:07)
9. A Wish For Something More (3:46)
10. Footballer's Wife (5:07)

Gesamtspieldauer: 39:05




Das Debut-Album der Schottin Amy Mcdonald, „This Is The Life“ erschien 2007 und stellt bisher auch den größten Erfolg der Musikerin dar. Über zweieinhalb Millionen Mal hat sich das Album bis heute (Ende 2012) bereits verkauft. Auf den knapp vierzig Minuten Spieldauer hört man hauptsächlich sehr eingängigen Folk-Pop geboten, der meistens die ruhigeren Gemüter bedient. Nur selten wird wie bei „Barrowland Ballroom“ mal etwas „auf die Tube gedrückt“. Allerdings ist das Folk-Pop, der im Hier und Jetzt angekommen ist und damit keine Reminiszenz zu längst vergangenen Zeiten oder Heroen der Flower-Power-Bewegung darstellt.

Die Titel gehen meist leicht ins Ohr. In Perfektion passiert dies gleich zu Beginn der Platte. „Mr. Rock & Roll“ und der Titelsong „This Is The Life“ sind Ohrwürmer par excellence. Sofort in den Gehirnwindungen des Musikzentrums verankert, wollen sie dieses auch so schnell nicht mehr verlassen. Aber auch die anderen Stücke der Platte sind durch die Bank weg eingängig. Alles klingt hier, alles passt harmonisch zusammen und wenn dann auch noch die Streicher in diese verträumte Melancholie mit einstimmen, dann quillt das Herz des Träumers über.

Allerdings stößt eine Sache auf der CD noch etwas negativ auf. Das ist die Länge der Scheibe. Wir bewegen uns im digitalisierten Zeitalter. Ein ganz normaler Tonträger in Form einer CD ist heute in der Lage Musik bis zu einer Laufzeit von achtzig Minuten aufzunehmen. Bei Platten waren es damals etwas mehr als zwanzig Minuten pro Seite, sodass die Spieldauer einer LP meist so zwischen 35 und 45 Minuten lag. Dann war Ende Gelände. Amy Mcdonald bringt im 21. Jahrhundert ein Album von noch nicht mal vierzig Minuten auf den Markt. Ein bisschen mehr in Form von Länge der Titel oder Anzahl der Stücke hätte es dann doch schon sein dürfen.

Fazit: Auf „This Is The Life“ ist alles ganz nett. Die Lieder klingen überaus eingängig und sind sich alle auch relativ ähnlich, aber das ist eben der Stil der Amy Mcdonald. Ich kann mir so etwas auch sehr gerne anhören, richtig begeistern tut es mich allerdings nicht. Dazu wirkt mir das alles ein wenig zu glatt und zu rund. Wie gesagt, mit Sicherheit keine schlechte Musik, allerdings auch Musik, die mit dem wiederholten Hören irgendwann anfängt zu langweilen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mr. Rock & Roll, This Is The Life, Youth Of Today, Let's Start A Band, Footballer's Wife