Dienstag, 22. Oktober 2013

Eels – Tomorrow Morning




Eels – Tomorrow Morning


Besetzung:

E – vocals, guitars, bass guitar, harmonica, piano, optigan, hammond b3 organ, banjo, harmonium, vox continental organ, drums, percussion
Knuckles – drums
Koool G Murder – bass guitar, guitar


Gastmusiker:

The Amy Davies Choir – harmony vocals
Tomorrow Morning Orchestra – horns


Label: E Works Records


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Independent Rock


Trackliste:

CD1:

1. In Gratitude For This Magnificent Day (1:26)
2. I'm A Hummingbird (3:14)
3. The Morning (2:17)
4. Baby Loves Me (3:27)
5. Spectacular Girl (3:16)
6. What I Have To Offer (2:41)
7. This Is Where It Gets Good (6:18)
8. After The Earthquake (1:39)
9. Oh So Lovely (4:18)
10. The Man (3:52)
11. Looking Up (2:57)
12. That's Not Her Way (3:49)
13. I Like The Way This Is Going (2:35)
14. Mystery Of Life (4:21)


CD2:

1. Swimming Lesson (2:55)
2. St. Elizabeth Story (2:30)
3. Let's Ruin Julie's Birthday (3:16)
4. For You (2:43)

Gesamtspieldauer: 57:35




Das 2010 erschienene neunte Studioalbum des Marc Oliver Everett alias „E“ - oder eben der Eels - ist der dritte Teil der Trilogie, welche zwischen Juni 2009 und August 2010, also innerhalb eines guten Jahres veröffentlicht wurde. Auf „Tomorrow Morning“ steht das Thema „Erlösung“ im Vordergrund. Erlösung in Bezug auf den neuen Tag, an dem es nach einer gescheiterten Liebe auch wieder aufwärts beziehungsweise weitergeht. Die Songs auf „Tomorrow Morning“ sind größtenteils sehr ruhig gehalten und strotzen nur so vor Melodiösität und Eingängigkeit. Kaum ein schräger Ton hat sich auf das Album verirrt, alles wirkt und klingt und vermittelt tatsächlich eine Art Aufbruchsstimmung, ein Voranschreiten, das Abschütteln alter Gedanken, das fassen neuer Vorsätze, das ins Auge fassen und Vorantreiben neuer Ziele.

Dabei ist „Tomorrow Morning“ trotz all dieser Aufbruchsstimmung ein sehr zurückhaltendes und unaufdringliches Album geworden und eines der eingängigsten im Albumkatalog der Eels überhaupt. Wer auf schöne harmonische und mitunter fast schon liebliche Klänge in der Musik steht, der wird hier eine ganze Menge für sich entdecken können. Nur wenige Titel wie „Baby Loves Me“ und „Looking Up“ fallen da ein wenig aus dem Rahmen, klingen fast schon schrill und wollen irgendwie gar nicht so richtig zum Rest der Platte passen.

Diese einfühlsame Zurückhaltung der Musik gilt im Übrigen auch für die Zusatz CD der Limited Edition. Zwar sind hier nur vier Titel enthalten, diese reihen sich aber uneingeschränkt in diese harmonische Melodiösität ein, die auf dem ganzen Album vorherrscht. Diese vier Lieder sind dabei nur sehr sanft instrumentiert und heben sich dadurch noch ein wenig vom Rest der Platte ab. Dazu gibt es dann mit „Let's Ruin Julie's Birthday“ auch noch etwas zum Schmunzeln, falls man sich auch für die Texte des Marc Oliver Everett interessiert.

Fazit: Nun, wie kann man dieses Album der Eels am besten umschreiben? Im Grunde genommen passt ein Wort am besten zur Charakterisierung dieser Platte: Schön! Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Schöne, ruhige und eingängige Musik gibt es auf „Tomorrow Morning“ zu hören, die alle diejenigen Eels-Fans begeistern wird, die in den frühen Alben mit den vielen eindringlichen Songs die Höhepunkte im Schaffen des Marc Oliver Everett sehen. Für alle anderen, die leicht folkig angehauchte Musik zu schätzen wissen, stellt die Platte ebenfalls eine klare Kaufempfehlung dar. Eben einfach schön. Elf Punkte.

Anspieltipps: What I Have To Offer, After The Earthquake, Oh So Lovely, Mystery Of Life, St. Elizabeth Story





Montag, 21. Oktober 2013

David Arnold – Tomorrow Never Dies




David Arnold – Tomorrow Never Dies


Besetzung:

David Arnold – composer


Gastmusiker:

Sheryl Crow – vocals, piano („Tomorrow Never Dies“, written by Sheryl Crow & Mitchell Froom)
Pete Thomas – drums („Tomorrow Never Dies“)
Steve Donnelly – guitar („Tomorrow Never Dies“)
Greg Cohen – acoustic bass („Tomorrow Never Dies“)
Mitchell Froom – additional keyboard („Tomorrow Never Dies“)
Mark D. Feldman, Lorenzo Ponce, Dylan Fitzgerald, Juliann Klopotic, Jane Scarpantoni & Matthew Pierce – strings („Tomorrow Never Dies“)
David Arnold & Alex Gifford of „Propellerheads“ – performance of „Backseat Driver“
K.D. Lang – performance of „Surrender“
Moby – performance of „James Bond Theme“, written by Monty Norman
Osho Endo – trumpet („James Bond Theme“)
Rob Hardt – saxophone („James Bond Theme“)
Alexander McCabe – saxophone („James Bond Theme“)
Greg Robison – trombone („James Bond Theme“)



Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Soundtrack


Trackliste:

1. Tomorrow Never Dies, Performance: Sheryl Crow (4:51)
2. White Knight, Performance: Nicholas Dodd (8:30)
3. The Sinking Of The Devonshire, Performance: Nicholas Dodd (7:07)
4. Company Car, Performance: Nicholas Dodd (3:08)
5. Station Break, Performance: Nicholas Dodd (3:30)
6. Paris And Bond, Performance: Nicholas Dodd (1:55)
7. The Last Goodbye, Performance: Nicholas Dodd (1:34)
8. Hamburg Break In, Performance: Nicholas Dodd (2:53)
9. Hamburg Break Out, Performance: Nicholas Dodd (1:26)
10. Doctor Kaufman, Performance: Nicholas Dodd (2:26)
11. *-3-Send, Performance: Nicholas Dodd (1:17)
12. Underwater Discovery, Performance: Nicholas Dodd (3:37)
13. Backseat Driver, Performance: Alex Gifford (4:37)
14. Surrender, Performance: K. D. Lang (3:57)
15. James Bond Theme, Performance: Moby (3:12)

Gesamtspieldauer: 54:00




Nun, mit Soundtracks ist das so eine Sache. Meistens wirken diese eben nur in Verbindung zum Film. Nicht anders ist das hier bei der Musik von David Arnold zum James Bond Streifen „Tomorrow Never Dies“ mit Pierce Brosnan.

Sehr viel „klassisch“ angehauchte Musik bekommt man auf diesem Soundtrack geboten und „klassisch“ ist hier in Bezug zur Instrumentierung der einzelnen Titel gemeint. Ein ganzes Orchester war in die Umsetzung mit eingebunden. Zum „so mal einlegen und anhören“ kaum geeignet, da die Musik zur Untermalung bestimmter Szenen des Films gedacht ist und ohne diese einfach nicht wirkt.

Bleiben also noch das Lied der Sheryl Crow, welches als Titellied für diesen James Bond Streifen auserkoren wurde. Das macht Spaß und man muss den Machern der James Bond Reihe echt mal ein Kompliment machen, wie sie es immer schaffen, bekannte Künstler zu gewinnen, die dann auch noch wirklich gute Lieder zum Film beisteuern. Allerdings ist dieses Lied von Sheryl Crow von der Qualität her, nicht mit denen von zum Beispiel Adele oder Madonna vergleichbar. Trotzdem ein schöner Song.

Am drittletzten Titel ist Alex Gifford von den Propellerheads beteiligt. Das James Bond Thema wird hier ziemlich „synthetisch“ aufgearbeitet. „Surrender“ stammt auch aus der Feder David Arnolds und wird von K.D. Lang interpretiert. Dafür lohnt der Kauf der Platte aber auch nicht, ein Pop-Lied, ganz nett, nicht mehr und auch nicht weniger. Bliebe noch das „James Bond Theme“ von Monty Norman, welches am Ende der Platte von Moby interpretiert wird. Auch hier spielt der Synthesizer eine große Rolle und man hört Pierce Brosnan sich vorstellen. Fast schon schade, dass diese Melodie hier so verfremdet wird.

Fazit: Wer vielleicht Spaß daran hat, die nächste Vorführung seiner Dias mal zu vertonen oder eine PowerPoint-Präsentation aufzupäppeln, für den ist dieses Album vielleicht etwas. Mehr ist dazu dann aber auch schon nicht mehr zu sagen. Drei Punkte.

Anspieltipps: Tomorrow Never Dies, James Bond Theme




Sonntag, 20. Oktober 2013

Bad Company – Bad Co




Bad Company – Bad Co


Besetzung:

Paul Rogers – vocals, piano on „Bad Company“, „Don’t Let Me Down“, second guitar on „Can’t Get Enough“, all instruments on „Seagull“
Mick Ralphs – guitar, keyboards on „Ready For Love“
Boz Burrell – bass
Simon Kirke – drums


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones
Sue and Sunny – back up vocals on „Don’t Let Me Down“


Label: Swan Song Inc.


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Blues Rock


Trackliste:

1. Can't Get Enough (4:16)
2. Rock Steady (3:47)
3. Ready For Love (5:02)
4. Don't Let Me Down (4:21)
5. Bad Company (4:51)
6. The Way I Choose (5:06)
7. Movin' On (3:24)
8. Seagull (4:02)

Gesamtspieldauer: 34:50




Ich bin wahrlich kein Blues-Fan. Und auch Blues-Rock hat es mir nicht so richtig angetan. Wenn dazu dann auch noch so Textzeilen auftreten wie „Ready For Love, Oh Baby, I’m Ready For Your Love“ dann schrillen bei mir die Alarmglocken und ich steige aus. Aber bei Bad Company und ihrem Erstlingswerk „Bad Co“ ist dies ein wenig anders. Nicht nur, dass Mel Collins hier, wie schon bei King Crimson am Saxophon zu hören ist und auch Boz Burrell eine Vergangenheit als Bassist bei King Crimson hat, nein, auch die Musik kann mich durchaus immer wieder einfangen – zumindest an einigen Stellen. Ich hielt nichts von der Zusammenarbeit von Brian May und Roger Taylor mit Paul Rogers, dem Sänger und Hauptideengeber von Bad Company, um Queen noch mal aufleben zu lassen, aber dieses Erstlingswerk von Bad Company ist schon irgendwie ein Klassiker.

Das beginnt mit dem wahrlich treibenden und bereits zur Musikgeschichte des Rocks dazugehörigem „Can’t Get Enough“ - trotz der bereits erwähnten miesen Texte. Auch „Rock Steady“ hat seine Stärken und groovt einfach gut. „Ready For Love“ ist eine schöne und gelungene Ballade und „Don't Let Me Down“ dann erst der erste musikalische Fehlgriff für mich. Aber wie gesagt, mir fehlt einfach dieses Blues-Feeling, auch wenn Mel Collins hier alles aus seinem Instrument herauszuholen versucht.

Schließlich folgt aber der Klassiker der Band schlechthin: „Bad Company“ von „Bad Company“ auf „Bad Company“. Einfallsloser geht es wohl kaum noch, doch das Lied ist der Hammer. Richtig gut, so wie man sich toll gemachte Rock-Musik einfach wünscht und vorstellt. Ein Klassiker nicht nur für Bad Company, sondern für das ganze Genre des Rock. Okay, danach wird es mit „The Way I Choose“ wieder getragen und das Wort „Love“ spielt natürlich auch hier wieder die Hauptrolle. Anscheinend ist Paul Rogers da nichts Besseres mehr eingefallen und dieses Blues-„Gedöns“ mit „Oh Baby, Don’t Say Goodbye“ geht einem auch auf den Senkel. Aber sei’s drum. Es gibt ja noch mehr zum Hören. „Movin‘ On“ rockt dann immerhin wieder und „Seagull“ im Anschluss daran, gleichzeitig das letzte Lied der Platte, ist erneut eine sehr schöne Ballade, die durchaus auch wieder überzeugen kann.

Fazit: Die Lieder auf Bad Co von Bad Company sind ein wenig zweigeteilt, manche überzeugen voll, andere sind deutlich weniger gelungen - das mag die eine oder der andere aber vielleicht auch etwas anders sehen, denn über Musikgeschmack lässt sich doch trefflich streiten. Auf alle Fälle ist dieses Album ein Klassiker der Rock-Musik, welches man kennen sollte, wenn man sich in diesem Genre bewegen will. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Can't Get Enough, Bad Company, Seagull





Samstag, 19. Oktober 2013

AC/DC – The Razors Edge




AC/DC – Back In Black


Besetzung:

Angus Young – lead guitar
Malcolm Young – rhythm guitar
Brian Johnson – vocals
Cliff Williams – bass guitar
Chris Slade – drums


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Hard-Rock


Trackliste:

1. Thunderstruck (4:53)
2. Fire Your Guns (2:54)
3. Moneytalks (3:46)
4. The Razor's Edge (4:23)
5. Mistress For Christmas (4:00)
6. Rock Your Heart Out (4:07)
7. Are You Ready (4:10)
8. Got You By The Balls (4:30)
9. Shot Of Love (3:57)
10. Let's Make It (3:32)
11. Goodbye And Good Riddance To Bad Luck (3:14)
12. If You Dare (3:08)

Gesamtspieldauer: 46:33




„The Razors Edge“ ist bereits das elfte international veröffentlichte Album der Australier von AC/DC. Und dieses Album hält wahrlich einige Perlen in der Bandgeschichte der Hard-Rocker parat. An erster Stelle zu erwähnen dabei der Titelsong „The Razors Edge“, eines der besten und kraftvollsten Stücke in der langen Schaffensphase von AC/DC. Dazu gesellen sich solch tolle Rocker wie „Thunderstruck“, „Moneytalks“, „Mistress For Christmas“ oder „Are You Ready“.

Auch der Rest der Platte rockt, wie man es nicht anders von AC/DC gewohnt ist. Dabei liegt es natürlich wieder im und am Ohr des Hörers, welches der zwölf Titel sein ganz persönlicher Favorit ist. Festzustellen bleibt allerdings, dass man dieses Mal mit „The Razors Edge“ noch etwas mehr bekommt, als man womöglich erwartet hatte, nach den Veröffentlichungen der Australier in den letzten Jahren. Diese AC/DC-Scheibe weiß deutlich mehr zu begeistern und ist seit „Back In Black“ das Beste, was die australischen Musiker ihren Fans geboten haben. Auf „The Razors Edge“ gibt es wieder Rock, der dieses Mal eben nicht „nur“ rockt vom ersten bis zum letzten Takt des Albums. Hier, auf diesem Album gesellen sich nun auch wieder besondere Riffs und ebensolche Melodien hinzu, die den Hörer sofort beim ersten Hören zu begeistern wissen. Und somit gibt es sie auf diesem elften Album der Band wieder: Titel, die sicherlich zu den Höhepunkten im Schaffen von AC/DC zählen und sich sehr positiv vom „Durchschnitt“ abheben, den AC/DC allzu oft in den 80er Jahren auch produziert hat. Es gibt also erneut knallharten Rock auf die Ohren, dieses Mal schafft es dieser allerdings auch beim Hörer zu zünden.

Fazit: Die Höhepunkte des Albums liegen in der ersten Hälfte der Scheibe. Dann folgt viel kraftvoller Rock, der sich zwar nicht ganz so schnell festsetzt, jedoch ebenfalls hörenswert ist. Und mit „The Razor's Edge“ befindet sich ein Lied auf der Platte, welches man als AC/DC-Fan unbedingt mal gehört haben sollte. Dieser Titel ist absolute erste Sahne für Freunde der härteren Töne. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Thunderstruck, Moneytalks, The Razor's Edge




Freitag, 18. Oktober 2013

Green Day – American Idiot




Green Day – American Idiot


Besetzung:

Billie Joe Armstrong – lead vocals, guitar
Mike Dirnt – bass, backing vocals, lead vocals on "Nobody Likes You"
Tré Cool – drums, percussion, backing vocals, lead vocals on "Rock and Roll Girlfriend"


Gastmusiker:

Rob Cavallo – piano
Jason Freese – saxophone
Kathleen Hanna – guest vocals on "Letterbomb"


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock, Pop-Punk


Trackliste:

1. American Idiot (2:54)
2. Jesus Of Suburbia (9:08)
     I. Jesus Of Suburbia
     II. City Of the Damned
     III. I Don't Care
     IV. Dearly Beloved
     V. Tales Of Another Broken Home
3. Holiday (3:53)
4. Boulevard Of Broken Dreams (4:21)
5. Are We the Waiting (2:43)
6. St. Jimmy (2:55)
7. Give Me Novacaine (3:26)
8. She's A Rebel (2:00)
9. Extraordinary Girl (3:34)
10. Letterbomb (4:06)
11. Wake Me Up When September Ends (4:46)
12. Homecoming (9:19)
     I. The Death Of St. Jimmy
     II. East 12th St.
     III. Nobody Likes You
     IV. Rock And Roll Girlfriend
     V. We're Coming Home Again
13. Whatsername (4:12)

Gesamtspieldauer: 57:17




Über die Umsetzung dieser „Rock-Oper“ hat Arndt hier auf diesen Seiten ja schon etwas geschrieben. Das schien nicht so ganz hingehauen zu haben. Darum soll es hier jetzt aber auch gar nicht gehen, hier soll nun die Musik im Vordergrund stehen und die ist trotz der augenscheinlich miserablen Umsetzung auf der Bühne gar nicht mal so schlecht geraten.

„Jimmy“ ist dabei die Hauptperson dieser „Punk-Rock-Oper“, der sich selbst „Jesus Of Suburbia“ nennt, allerlei erlebt und im Grunde genommen wird mit diesem Werk die Politik des George Walker Bush zur Zeit der Entstehung der Platte angeprangert. „American Idiot“ wurde mit Preisen und Auszeichnungen nur so überhäuft. Nun, solchen Anerkennungen kann man ja praktisch immer skeptisch gegenüberstehen (Ausnahmen sind hier für mich Werke, die wirklich etwas ganz Neues, bisher noch nicht Dagewesenes darstellen), denn wenn der eigene Musikgeschmack nicht so richtig getroffen wurde, kann man als Hörer mit solchen Auszeichnungen eben auch nur relativ wenig anfangen. Und eines gleich vorweg: Die Musik haben Green Day mit „American Idiot“ nicht neu erfunden. Auch nicht ein bestimmtes Genre. Und auf diesem Album ist auch nicht nur Punk zu hören, sondern zum Teil ebenfalls ganz normaler Pop, wie er radiotauglich an die tausendmal aus den Äthern der diversen Radiostationen der Welt herausgehaucht wird.

Allerdings macht die Musik auf „American Idiot“ Spaß. Sie ist abwechslungsreich und hält für den Hörer auch immer wieder Melodien parat, die sich durchaus im Ohr festzusetzen verstehen. Man muss das Ganze jetzt wahrlich nicht mit „Quadrophenia“ von den Who vergleichen, dazu fehlt diesem Werk hier Einiges, aber schlecht ist dieses Album wahrlich nicht geworden, sondern in seiner knapp einstündigen Laufzeit sogar ziemlich abwechslungsreich. Von hart bis soft gibt es eine ganze Menge verschiedene Töne und Takte zu hören, die mal mehr, mal weniger das Musikzentrum des Gehirns zu treffen vermögen. Liegt mal wieder ganz im und am Ohr des Hörers. Langeweile kommt auf jeden Fall nie auf und bereits nach wenigen Durchläufen klingt die Musik vertraut, sodass man sie immer wieder gerne in den CD-Spieler einlegt.

Fazit: Ein weltbewegendes Album ist „American Idiot“ von Green Day nicht geworden, dazu hat es mitunter auch immer wieder mal ein paar Längen. Trotzdem ist das, was man hier als Zuhörer präsentiert bekommt gut gemachte, handwerklich einwandfreie Rockmusik, zu der sich manchmal Abtanzen, ein anderes Mal in Melancholie versinken lässt. Wer auf abwechslungsreiche Musik steht, die nicht nur eine bestimmte Musikrichtung wiedergibt, der sollte hier ruhig mal ein Ohr riskieren – oder zwei. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Jesus Of Suburbia, Boulevard Of Broken Dreams, Give Me Novacaine, Wake Me Up When September Ends, Whatsername



Donnerstag, 17. Oktober 2013

Tori Amos – American Doll Posse




Tori Amos – American Doll Posse


Besetzung:

Tori Amos – vocals, backing vocals, bösendorfer, rhodes, wurlitzer, electric piano, clavichord, mellotron and piano upright


Gastmusiker:

Pip – backing vocals
Clyde – backing vocals
Santa – backing vocals
Isabel – backing vocals
Matt Chamberlain – drums and percussion
Jon Evans – bass
Marc Aladdin – electric and acoustic guitars, electric and acoustic 6- and 12-strings guitars, mandolin, ukelele and ebo guitar
Edward Bale – strings
Matthew Elston – strings
Holly Butler – strings
Rosemary Banks – strings
Nick Hitchens – tuba, euphonium
John Philip Shenale – strings and brass arrangement and conduction


Label: Sony BMG


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Pop


Trackliste:

1. Yo George (1:25)
2. Big Wheel (3:18)
3. Bouncing Off Clouds (4:08)
4. Teenage Hustling (4:01)
5. Digital Ghost (3:51)
6. You Can Bring Your Dog (4:04)
7. Mr. Bad Man (3:19)
8. Fat Slut (0:42)
9. Girl Disappearing (4:01)
10. Secret Spell (4:04)
11. Devils And Gods (0:53)
12. Body And Soul (3:57)
13. Father's Son (4:00)
14. Programmable Soda (1:26)
15. Code Red (5:27)
16. Roosterspur Bridge (3:59)
17. Beauty Of Speed (4:08)
18. Almost Rosey (5:24)
19. Velvet Revolution (1:19)
20. Dark Side Of The Sun (4:19)
21. Posse Bonus (1:45)
22. Smokey Joe (4:20)
23. Dragon (5:03)

Gesamtspieldauer: 1:18:54




„American Doll Posse“ ist bereits das neunte Studioalbum der amerikanischen Sängerin und Songwriterin Tori Amos. Und wieder einmal bekommt man sehr viel Musik für sein Geld, denn mit über 78 Minuten hat Tori Amos die Kapazität einer herkömmlichen CD sehr gut ausgeschöpft. Unverkennbar ist das Tori Amos, die man hier auf dem Album aus dem Jahr 2009 zu hören bekommt. Die Stimme macht’s. Die Musik ist allerdings ein wenig anders geraten, als auf anderen Platten der US-Amerikanerin. Diese ist auf „American Doll Posse“ nicht ganz so pianolastig und sogar ein wenig rockig. Sehr viel rockiger zumindest, als auf den bisherigen Veröffentlichungen der Sängerin.

Jedoch fällt nicht nur das deutlich weniger eingesetzte Piano auf diesem Album auf, auch die Lieder sind nicht nur etwas rockiger, sondern sie sind auch etwas anders „gestrickt“. Diese wunderschönen Melodien, die es immer wieder auf einer Veröffentlichung Tori Amos‘ zu bestaunen und bewundern und genießen gibt, die sind hier sehr viel rarer gesät, als auf den anderen Alben. Das schmälert ein wenig den Musikgenuss. Um das nicht falsch zu verstehen, die Musik ist handwerklich wirklich exzellent gemacht, jedoch die Melodien, die wollen einfach nicht so richtig zünden – ganz egal, wie oft man das Album auch einlegt, wie oft man die einzelnen Titel auch abspielt. Bei insgesamt 23 Titeln würden es bei mir nur wenige in mein persönliches „Best Of Album“ der Tori Amos schaffen.

Da ist zum einen das schöne, sanfte und getragene, mit vielen Streichern unterlegte „Girl Disappearing“. Dann jenes, noch nicht einmal eine Minute dauernde und somit viel zu kurze „Devils And Gods“, mit seiner herrlichen Melodie. Auch das jetzt wirklich mal vom Piano dominierte „Father's Son“ hat etwas. Genau wie das im Anschluss daran folgende, jedoch erneut sehr, sehr kurze „Programmable Soda“. Eine lustige und fröhliche Nummer, hauptsächlich mit klassischen Instrumenten umgesetzt. „Velvet Revolution“ klingt ebenfalls sehr schön und ist leider auch wieder nur so ein ganz kurzer Song, den auszuweiten sich wahrlich gelohnt hätte. Bliebe noch das traurige „Smokey Joe“, bei dem jetzt erneut dem Piano eine entscheidende Rolle zukommt.

Das waren nun zugegebenermaßen sechs von insgesamt dreiundzwanzig Titeln, die ich da aufgezählt habe. Drei davon haben allerdings lediglich eine Länge von ungefähr einer Minute. Etwas kurz bei der Gesamtlänge des Albums. Nun und der Rest? Der ist wie bereits erwähnt handwerklich gut gemacht, oftmals etwas flotter unterwegs, als auf den anderen Alben der Tori Amos und dieser ganze Rest schafft es einfach nicht, den Hörer so richtig zu packen. Da ist nur wenig bis nichts mehr dabei, bei dem man denken würde: „Das Lied musst Du jetzt aber unbedingt mal wieder hören“.

Fazit: „American Doll Posse“ ist ein durchschnittliches Album geworden. Für die Verhältnisse, die bei Tori Amos‘-Veröffentlichungen vorherrschen, sogar eine nicht besonders gute Platte. Das reicht zwar immer noch für eine durchschnittliche Bewertung, denn wenn man diese Musik hier mit so manchen Ausstößen anderer Künstler vergleicht, dann ist das trotzdem nicht schlecht, was man auf „American Doll Posse“ zu hören bekommt. Jedoch ist das wohl trotzdem die falsche Herangehensweise an das Album, von dem man erwartet: Das ist eine Tori Amos Platte, die muss einfach etwas Besonderes sein. Vielleicht sollte man sich aber auch nur mal das Cover genauer ansehen. Dort ist die Sängerin in verschiedenen Posen mit verschiedenen Haarschnitten und Haarfarben abgebildet. Wirkt irgendwie komisch und nicht sehr überzeugend. Genau wie diese Platte hier. Acht Punkte.

Anspieltipps: Girl Disappearing, Devils And Gods, Father's Son, Programmable Soda, Velvet Revolution, Smokey Joe





Mittwoch, 16. Oktober 2013

The Pogues – If I Should Fall From Grace With God




The Pogues – If I Should Fall From Grace With God


Besetzung:

Shane MacGowan – vocals, guitar
Spider Stacy – tin whistle, vocals
James Fearnley – accordion, piano, mandolin, dulcimer, guitar, cello, percussion
Jem Finer – banjo, saxophone
Andrew Ranken – drums, vocals
Philip Chevron – guitar, mandolin
Darryl Hunt – bass, percussion, vocals


Gastmusiker:

Terry Woods – cittern lute, concertina, strings, banjo, dulcimer, guitar, vocals
Ron Kavana – banjo, spoons, mandolin
Kirsty MacColl – vocals on "Fairytale Of New York"
Siobhan Sheahan – harp
Brian Clarke – alto saxophone
Joe Cashman – tenor saxophone
Paul Taylor – trombone
Chris Lee – trumpet
Eli Thompson – trumpet


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Irish Folk


Trackliste:

1. If I Should Fall From Grace With God (2:21)
2. Turkish Song Of The Damned (3:28)
3. Bottle Of Smoke (2:47)
4. Fairytale Of New York (4:37)
5. Metropolis (2:51)
6. Thousands Are Sailing (5:29)
7. South Australia (3:28)
8. Fiesta (4:13)
9. Medley: The Recruiting Sergeant / The Rocky Road To Dublin / The Galway Races (4:02)
10. Streets Of Sorrow / Birmingham Six (4:39)
11. Lullaby Of London (3:32)
12. The Battle March Medley (4:10)
13. Sit Down By The Fire (2:18)
14. The Broad Majestic Shannon (2:56)
15. Worms (1:03)

Gesamtspieldauer: 51:53




Auf ihrem dritten Album „If I Should Fall From Grace With God“ aus dem Jahr 1988, hat die Musik der Pogues wieder ein wenig an Fahrt aufgenommen. Die Lieder legten allgemein etwas an Geschwindigkeit zu, wenn auch nicht durchgängig, so wurde doch den etwas „flotteren“ Rhythmen wieder mehr Spielraum eingeräumt. Auch durchaus orientalisch und spanisch klingende Töne haben sich dieses Mal auf das Album geschlichen, allerdings werden diese nur ganz zart angedeutet.

Die Musik macht Spaß und ist überwiegend fröhlich gehalten, nachdenklichere Töne gibt es nur vereinzelt. Die Platte ist wahrlich für all diejenigen gedacht, die ihre gute Laune unterstützen, beziehungsweise schlechte Gedanken vertreiben wollen. „If I Should Fall From Grace With God“ wurde auch zur erfolgreichsten Scheibe der Iren und schaffte es in den britischen Album-Charts bis auf Platz 3.

So beginnt das Album mit dem Titellied „If I Should Fall From Grace With God“ auch gleich richtig flott und genau in dieser Geschwindigkeit geht es die nächsten Titel auch weiter. Mitreißende Irish Folk Musik, mit allen Zutaten, die dafür notwendig sind. Sehr melancholisch wird es dann zum ersten Mal beim Titel „Fairytale Of New York“, bei dem auch Kirsty MacColl einen Gesangspart übernimmt und der Song dann gleich wieder an Fahrt gewinnt. Das folgende Stück „Metropolis“, eine Instrumentalnummer, enthält dabei sogar fast so etwas wie Big Band Sound. Völlig ungewohnte Klänge für The Pogues. Wunderschön verträumt wird es schließlich mit „Thousands Are Sailing“, sicherlich einer der Höhepunkte des gesamten Albums. Schöne Musik zum Träumen.

Zurückhaltend ist die Musik dann nur noch bei „Streets Of Sorrow“, „Lullaby Of London“ und „The Battle March Medley“ – allerdings meist auch nur sequentiell, denn auch hier gewinnt die Musik im Laufe des jeweiligen Songs an Fahrt. Alle anderen Titel haben von Beginn an diese gewisse „Tanzgeschwindigkeit“, für die der Irish Folk ja durchaus auch bekannt ist.

Fazit: Auf „If I Should Fall From Grace With God“ gibt es richtig schöne Melodien zu entdecken. Die Rhythmen machen Laune und das ganze Album ist sehr gut zusammengestellt mit unterschiedlichen Tempi und Sounds, die für viel Abwechslung sorgen. Die Musik weiß zu packen und so wurde dieses Album nicht umsonst zum erfolgreichsten in der Bandgeschichte der Iren. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fairytale Of New York, Thousands Are Sailing, The Battle March Medley, Sit Down By The Fire





Dienstag, 15. Oktober 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Tao Of The Dead




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Tao Of The Dead


Besetzung:

Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Autry Fulbright II – ohne Instrumentenangabe
Aaron Ford – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Chris „Frenchie“ Smith – vocals, guitar
Christina Velia Gurrola – vocals


Label: Superball Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Alternative


Trackliste:

CD1:

1. Tao Of The Dead [Part 1] (35:50)
2. Racing And Hunting (Strange News From Another Planet) [Part 2] (16:32)

Gesamtspieldauer CD1: 52:21


CD2:

1. Let's Experiment (Introduction) (2:59)
2. Pure Radio Cosplay (6:06)
3. Summer Of All Dead Souls (4:20)
4. Cover The Days Like A Tidal Wave (3:08)
5. Fall Of The Empire (2:38)
6. The Wasteland (2:42)
7. Spiral Jetty (2:04)
8. Weight Of The Sun (The Post-Modern Prometheus) (2:30)
9. Pure Radio Cosplay (Reprise) (3:39)
10. Ebb Away (2:58)
11. The Fairlight Pendant (5:50)
12. The Bubble Demo (33:00)

Gesamtspieldauer der CD2: 1:11:53




Nun, fangen wir mal mit dem siebten Album der amerikanischen Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead ganz anders an. Und zwar mit der Verpackung der CD beziehungsweise der beiden CD’s in der Limited Edition. Hier gibt es zunächst 16 Seiten eines illustrierten Romans von Conrad Keely zu sehen beziehungsweise nachzulesen. Eine Art Comic-Roman, mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Anschließend gibt es noch die 33-seitige Kurzgeschichte „Lucy's Story: The Paramystic Pendant“ zu lesen. In der Mitte dieses Booklets befindet sich zudem noch eine Art 3-D-Bild, welches herausklappt, wenn man entsprechende Seite aufschlägt. Bisher habe ich noch nicht erlebt, dass eine Band oder ein Künstler solch einen Aufwand betrieben hat, um seine Musik zu verpacken. Bis ins letzte Detail ist alles ausgeklügelt und das macht diese CD wahrlich zu etwas Wertvollem. Nur mit ganz sauberen und frisch gewaschenen Händen traut man sich überhaupt, dieses künstlerische Werk aus dem Plattenschrank zu greifen. Wirklich ganz klasse gemacht.

Jetzt aber zur Musik auf „Tao Of Dead“ von And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Beide CD’s gaukeln ein klein wenig etwas vor, was so gar nicht vorhanden ist. Nämlich zwei Scheiben mit unterschiedlicher Musik. Dem ist allerdings nicht so. Auf CD1 befinden sich die beiden Songs „Tao Of The Dead [Part 1]“ mit 35:50 Minuten Länge und der zweite Teil der Geschichte „Racing And Hunting (Strange News From Another Planet) [Part 2]“ in einer Länge von 16:32 Minuten. Auf CD2 befindet sich dann „Tao Of The Dead [Part 1]“ noch einmal, dieses Mal jedoch unterteilt in einzelne Abschnitte, sodass diese knapp 36 Minuten Musik nun in elf verschiedene Titel beziehungsweise Abschnitte eingeteilt sind, die logischerweise auch alle einzeln betitelt wurden. Daran schließt sich jedoch noch etwas „Neues“ an: „The Bubble Demo“. Allerdings so ganz neu ist auch das wieder nicht, denn bei diesem „Bubble Demo“ handelt es sich um Demo-Aufnahmen zum ersten Teil der Geschichte, also um Demos von „Tao Of The Dead [Part 1]“. Das wiederum bewirkt, dass dieses Lied nun ganze drei Mal auf beiden CD’s vorhanden ist.

Die Musik auf „Tao Of Dead“ ist typisch für And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Treibende Parts verschmelzen mit schönen und eingängigen Melodien, die ganze Platte ist ein wahres Füllhorn von Ideen. Das klingt und wirkt auch alles, aber jetzt kommt die Einschränkung, allerdings nicht mehr ganz so, wie noch auf den drei zuvor veröffentlichten Platten der Band. Zumindest nicht gleich zu Beginn. Die Höhepunkte befinden sich etwa in der Mitte des ersten Teils mit den Titeln, die man nun ja auf CD2 herausfiltern kann, „The Wasteland“, „Spiral Jetty“ und „Weight Of The Sun“. Hier in diesen drei Tracks findet man als Hörer And You Will Know Us By The Trail Of Dead wieder, wie sie auch auf den früheren Platten zu hören waren: melodiös und kraftvoll, nie langweilig, immer mitreißend.

Auch der Rest der Platte ist zwar ebenfalls mit Sicherheit nicht langweilig, manches Mal wirkt es allerdings ein wenig zu bombastisch und zu verschachtelt, es wird mitunter die Melodie hinter den Sound versteckt, der zugegebenermaßen immer kraftvoll aus den Lautsprechern dringt. Das Album „Tao Of Dead“ ist ein bisschen weniger eingängig geworden, als seine Vorgänger. Es bedarf deutlich mehr Durchgänge, bis alles an seinem richtigen Platz zu sein scheint. Dann allerdings, wenn man sich diese Zeit genommen hat, dann entfaltet auch „Tao Of Dead“ seine Schönheit, seine Faszination und auch seine Eingängigkeit. Aber diese mehrmaligen Durchgänge sind eben notwendig, um die Feinheiten der Musik zu ergründen und aufzuspüren, die danach allerdings wie ein offenes Buch vor einem liegen.

Fazit: „Tao Of Dead“ ist eine tolle und gute Scheibe geworden. Keine 08/15-Musik, die zuhauf durch die diversen Radiostationen verströmt wird. Das Album will erarbeitet werden und wenn sich der Hörer die Zeit dafür nimmt, kann er für sich einige Stellen, vielleicht sogar eine ganze Menge entdecken, die er musikalisch nicht mehr missen möchte. Eine Bereicherung eben. „Tao Of Dead“ von And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist das siebte Werk der Texaner und mit Sicherheit auch die komplizierteste Platte. Und damit ist jetzt nicht das Cover-Art-Work gemeint, denn das ist genial. Vielmehr ist es die Musik, die nicht mehr ganz so schnell ins Ohr geht, sich jedoch mit jedem weiteren Durchlauf des Albums Stück für Stück mehr erschließt. Es lohnt sich also, diese Platte nicht gleich nach dem ersten Hören wegzulegen, sondern sie erneut und immer wieder wirken zu lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Wasteland, Spiral Jetty, Weight Of The Sun





Montag, 14. Oktober 2013

Eels – End Times




Eels – End Times


Besetzung:

E – vocals, guitars, bass guitar, harmonica, piano, Optigan, hammond b3 organ, banjo, harmonium, vox continental organ, drums, percussion


Gastmusiker:

With a little help from: Koool G Murder, Jim Lang, Butch, Wayne Bergeron, Andy Martin, Chris Bleth and Joe Meyer


Label: E Works Records


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Independent Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Beginning (2:18)
2. Gone Man (2:59)
3. In My Younger Days (3:23)
4. Mansions Of Los Feliz (2:47)
5. A Line In The Dirt (3:30)
6. End Times (2:58)
7. Apple Trees (0:39)
8. Paradise Blues (3:01)
9. Nowadays (3:08)
10. Unhinged (2:26)
11. High And Lonesome (1:06)
12. I Need A Mother (2:39)
13. Little Bird (2:34)
14. On My Feet (6:13)


CD2:

1. Some Friend (2:42)
2. Walking Cloud (2:25)
3. $200 Tattoo (2:05)
4. The Man Who Didn't Know He'd Lost His Mind (2:36)

Gesamtspieldauer: 49:30




Im Jahr 2010 erschien das achte Studio-Album der Eels oder anders ausgedrückt des Marc Oliver Everett alias „E“. Diese Platte mit dem Titel „End Times“ ist die zweite Veröffentlichung einer Trilogie, die im Jahr 2009 mit dem Album „Hombre Lobo“ ihren Anfang fand und sieben Monate später, nach dieser hier besprochenen Veröffentlichung, mit der Platte „Tomorrow Morning“ ihren Abschluss finden sollte. Das alles zusammenhaltende Thema der drei Veröffentlichungen ist dabei die Liebe, beziehungsweise deren Vergänglichkeit. So beschäftigen sich die Lieder auf „End Times“, wie der Name schon vorgibt, mit dem Ende dieses „Gefühls“, mit dem Verlust des geliebten Menschen.

Die Stimmung auf „End Times“ ist dem Thema entsprechend überaus melancholisch bis traurig. Die ruhigen Töne beherrschen die ganze Platte und sind dabei durchweg melodiös und meist in Moll gehalten. Ein wenig erinnert diese Platte mitunter an eine sehr ruhige Folk-Platte. Der Gesang und die Akustik-Gitarre stehen zumeist im Vordergrund und es gibt kaum eine Stelle auf der Scheibe, bei der Freude aufkommt. Alles erinnert an graue Novembertage, an Verlustgefühle, an Verletzlichkeit und auch an Trauer. Diese sentimentale bis melancholische Stimmung wird dabei überaus melodisch transportiert. Alles ist stimmig und harmonisch. Für die depressiven Phasen des Lebens, sollte es diese denn geben, allerdings definitiv die falsche Musik, denn diese würden beim Hören des Albums noch deutlich verstärkt werden.

Etwas schnellere Titel sind sehr rar gesät auf „End Times“. „Gone Man“ kommt ein wenig flotter daher und „Paradise Blues“ groovt sogar ein kleines bisschen. „Unhinged“ wirkt dagegen fast schon geradezu fröhlich in seinem Mid-Tempo. Jedoch hat das Album seine Stärken ganz klar auf der anderen Seite der Stimmungspalette. Diese liegen eindeutig im melancholischen Blues-Gefühl, welches man hier vortrefflich ausleben darf und in dem man sich auf „End Times“ bestens suhlen kann – wobei die Musik mit dem Genre „Blues“ nichts gemein hat.

Die Deluxe-Edition des Albums wurde mit einer zweiten CD und vier weiteren Titeln versehen, die sich mit einer Ausnahme nahtlos an diese traurige Stimmung anlehnen. Nur die Nummer „Walking Cloud“ ist ein flotteres und rockigeres Lied und will irgendwie gar nicht so richtig zum Rest der Platte passen. Das letzte Stück des Albums mit dem langen Titel „The Man Who Didn't Know He'd Lost His Mind“ entlässt den Hörer dann jedoch wieder in die sich aufgebaute Tristesse. Nur mit Piano und einem Horn instrumentiert, kann man kaum hoffnungsloser aus einem Album entlassen werden. Traurig schön. Tieftraurig schön.

Fazit: Ein schönes und sehr ruhiges Album ist „End Times“ geworden. Dominiert wird alles vom Gesang Marc Oliver Everetts in Verbindung mit der Akustik-Gitarre. Wer also auf die etwas zurückhaltenderen Töne steht, der wird hier eine Platte finden, die süße Melancholie hervorzaubert und dazu braucht es wohl noch nicht einmal einen trüben oder regnerischen Novembertag. Diese Musik wirkt auch traurig, wenn die Sonne scheint. Aber wie schon erwähnt: sehr schön traurig. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Beginning, A Line In The Dirt, End Times, Nowadays, I Need A Mother, Little Bird, Some Friend, The Man Who Didn't Know He'd Lost His Mind – irgendwie alles…






Sonntag, 13. Oktober 2013

Augsburger Puppenkiste – Die schönsten Originallieder




Augsburger Puppenkiste – Die schönsten Originallieder


Besetzung:

Ganz, ganz viele Musiker, Sänger und Sprecher, die allerdings auf der CD nicht alle einzeln aufgeführt sind. Bei 40 Titeln in der Zeit von 1961 bis 1995 allerdings auch nicht wirklich überraschend.


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: „Soundtracks“


Trackliste:

1. Das Lummerlandlied (1:50)
2. Das Seeräuberlied (0:34)
3. Prinzessin Li Si (0:48)
4. In der Stadt der Drachen (0:41)
5. Der Löwe ist los (0:53)
6. Feiner Papagei (0:53)
7. Blechbüchsenmarsch (1:34)
8. Bill Bo und seine Bande (2:06)
9. Urmellied instrumental (1:24)
10. Urmellied (1:44)
11. Heia Safari (1:06)
12. Lütirallalalala (0:52)
13. Es war einmal ein armes Schwein (1:23)
14. Wellen Wogen Wind (1:50)
15. Urmele schlaf endlich (Eis) (1:12)
16. Morgenrot (1:37)
17. Wir legen eine Falle (1:09)
18. Tief unter der Erde (2:05)
19. Rudirallala (1:17)
20. Intro (1:05)
21. Kommst du mal nach Tansibor (1:01)
22. Die Steinzeitkinder (1:06)
23. Junker Hohlkopf (1:21)
24. Zwick Zwack mit der Zange (1:22)
25. Ach wie fein ein Mensch zu sein (2:08)
26. Lutsche mit mir (2:19)
27. Das Zoolied (1:52)
28. Urmeli schlaf endlich (Schloß) (1:21)
29. Drachen hat nicht jeder (0:39)
30. Wenn wir fahren übern Teich (1:09)
31. In Stakeln an der Kruke (1:33)
32. Kater Mikesch (1:37)
33. Angst machen ist doof (1:00)
34. Bootslied (1:36)
35. Dort am Cocopalmario (2:11)
36. Das Burggespenst Lülü (1:07)
37. Das Zauberlied (1:07)
38. Zwergenlied 1 (1:25)
39. Zwergenlied 2 (1:04)
40. Martha Mari (0:58)

Gesamtspieldauer: 55:09




Wenn man wie ich mit der Augsburger Puppenkiste groß wurde und dazu auch noch diese CD besitzt, dann kommt man irgendwie gar nicht umhin, diese auch hier auf diesen Seiten zu erwähnen und vorzustellen. Mit viel Liebe wurde das Album zusammengestellt, genau wie damals die Sendungen konzipiert waren. Das Album beinhaltet alle Klassiker der Augsburger Puppenkiste von 1961 bis 1995. „Urmel aus dem Eis“, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, „Kleiner König Kalle Wirsch“ und und und. Diese CD legt man natürlich nicht ein, wenn man mal Musik hören möchte. Diese CD hört man sich ab und an, ganz selten an, wenn man mal in süßer Melancholie schwelgen möchte. Dazu gibt es lustige Texte und Musik, die meist ziemlich schnell ins Ohr geht. Wahrlich nichts Kompliziertes, aber das darf bei einer Kindersendung auch nicht weiter verwundern. Die Titel sollten diesen gewissen Wiedererkennungswert haben – und das ist auch gelungen.

Irgendwie habe ich in Erinnerung, dass viele dieser meist aus vier Teilen bestehenden Geschichten kurz vor Weihnachten liefen. Und da gibt es dann auch noch dieses schöne heimische Gefühl, was in einem hochsteigt, wenn man sich erinnert, wie man an das Christkind dachte, der Kampf um den Platz mit den Geschwistern, wer wo sitzen darf bevor die Sendung losging und noch ganz andere Erinnerungen…

Damit möchte ich es aber auch an Sentimentalität belassen. Die Serien waren toll, die Fäden an den Puppen gehörten wie selbstverständlich dazu und das Wasser, was nichts anderes als eine wackelnde Plastikfolie war, hinterließ Eindruck. Die einzelnen Episoden waren wirklich sehr liebevoll gestaltet und genauso ist es mit der Musik. Etwas zum sentimental werden.

Fazit: Wer die Serien nicht kannte, der kann hiermit nichts anfangen, der findet das sogar mit Sicherheit lächerlich und das ist durchaus nachvollziehbar. Für alle, die in den 70ern und 80ern groß wurden und die Augsburger Puppenkiste angesehen haben, ist diese CD jedoch eine lohnende Anschaffung. Süße Melancholie ist garantiert. Kann man so etwas denn bewerten? Doch, ich find’s gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Das Lummerlandlied, Urmellied, Tief unter der Erde



Samstag, 12. Oktober 2013

Ayreon – Into The Electric Castle – A Space Opera




Ayreon – Into The Electric Castle – A Space Opera


Besetzung:

Arjen Lucassen – electric and acoustic guitars, mandolin, bass, mini-moog, mellotron, keys, vocals


Gastmusiker:

Ed Warby – drums
Robby Valentine – pianos, synthesizer, mellotron
Clive Nolan – synthesizer
Rene Merkelbach – synthesizer, harpsichord
Ton Scherpenzeel – synthesizer
Roland Bakker – hammond organ
Thijs Van Leer – flute
Ernö Olah – violins
Taco Kooistra – cello
Jack Pisters – sitar
Fish – vocals
Sharon Den Adel – vocals
Damian Wilson – vocals
Edwin Balogh     – vocals
Anneke Van Giersbergen – vocals
Jay Van Feggelen – vocals
Edward Reekers – vocals
Peter Daltrey – vocals
Robert Westerholt – vocals
George Oosthoek – vocals


Label: InsideOut


Erscheinungsdatum: 1998, wiederveröffentlicht 2004


Stil: ProgMetal


Trackliste:


CD1:

1. Welcome To The New Dimension (3:06)
2. Isis And Osiris (11:11)
     A. Let The Journey Begin
     B. The Hall Of Isis And Osiris
     C. Strange Constellations
     D. Reprise
3. Amazing Flight (10:15)
     A. Amazing Flight In Space
     B. Stardance
     C. Flying Colours
4. Time Beyond Time (6:05)
5. The Decision Tree (We're Alive) (6:24)
6. Tunnel Of Light (4:05)
7. Across The Rainbow Bridge (6:22)


Disk: 2

1. The Garden Of Emotions (9:41)
     A. In The Garden Of Emotions
     B. Voices In The Sky
     C. The Aggression Factor
2. Valley Of The Queens (2:25)
3. The Castle Hall (5:50)
4. Tower Of Hope (4:54)
5. Cosmic Fusion (7:27)
     A. I Soar On The Breeze
     B. Death's Grunt
     C. The Passing Of An Eagle
6. The Mirror Maze (6:34)
     A. Inside The Mirror Maze
     B. Through The Mirror
7. Evil Devolution (6:31)
8. The Two Gates (6:28)
9. "Forever" Of The Stars (2:03)
10. Another Time, Another Space (5:22)

Gesamtspieldauer beider CD’s: 1:44:43




Der Niederländer Arjen Anthony Lucassen hat es also wieder gemacht. Nach seiner ersten Rock-Oper aus dem Jahr 1995 schob er 1998 mit seiner dritten Veröffentlichung unter der Überschrift „Ayreon“ gleich die zweite Rock-Oper hinterher. ProgMetal gibt es auch hier wieder zu hören, abwechslungsreich, verschachtelt, zum Teil progressiv, meist sehr rhythmisch, manches Mal allerdings auch sphärisch, jedoch immer und durchweg sehr melodiös. Aber nur ProgMetal? Nein, das ist längst nicht alles. Im Vorwort zu dem Album schreibt Arjen Lucassen, dass sich sein zweites Album „Actual Fantasy“ nur recht schleppend verkaufte, sodass er wieder zurück zum Thema der Rock-Oper kommen wollte, da sein Projekt „Ayreon“ sonst zum Sterben verurteilt wäre. Er wollte nun ein Album schreiben, welches der „absolute Killer“ werden sollte, wie er es selbst ausdrückt. Dabei verwendete er auf „Into The Electric Castle“ auch nicht nur „reale“ Violinen, Celli, Flöten sowie eine Sitar und verzichtete völlig auf Drum-Samples, nein, er wollte sich auch keine musikalischen Grenzen setzen und alle seine Lieblingsmusik-Stilrichtungen mit einbringen. Diese zählt er auch auf: Prog, Metal, Folk, Electronica, Psychedelic, Pop, Gothic und sogar ein wenig Blues und Jazz. Stellt sich jetzt nur die Frage: Gibt es denn überhaupt noch viel mehr? Aber um es gleich vorweg zu nehmen, die Platte ist keine krude Ansammlung verschiedenster Musikstile geworden, sie ist deutlich besser als das Erstlingswerk des Niederländers, da in sich geschlossener. Es gibt eine ganze Menge schöner Musik zu entdecken, wenn einem auch manches Mal das Gefühl beschleicht, dass weniger manchmal eben doch mehr ist.

Als Protagonisten konnte er für dieses Werk einige namhafte Musiker gewinnen. Fish, der Ex-Marillion-Sänger, übernimmt in dieser „Oper“ die Rolle des „Highlander“. Sharon Janny Den Adel von Within Temptation singt die Rolle der Indianerin, Anneke Van Giersbergen, zu dieser Zeit noch Sängerin bei The Gathering, versucht sich hier als Ägypterin. Arjen Lucassen selbst verkörpert die Rolle des Hippies. Bombastisch wirkt nicht nur die Musik auf „Into The Electric Castle“, fast ebenso „bombastisch“ ist auch die Story, die hinter der Idee des Albums steckt. Verschiedene Charaktere, eine Indianerin, ein Highlander, ein Ritter, ein Römer, eine Ägypterin, ein Barbar, ein Mensch aus der Zukunft und schließlich ein Hippie versuchen in das „Electric Castle“ zu gelangen, um in ihre jeweilige Zeit zurückkehren zu können. Und wie könnte es anders sein, dieses Unterfangen ist natürlich mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Nun, Phantasie kann man Arjen Lucassen wahrlich nicht absprechen, auf so etwas muss man erst mal kommen. Zusammengehalten wird die ganze Story durch einen Erzähler, der allerdings immer wieder den Schwung aus der Musik herausnimmt, was ein wenig störend wirkt.

Die Musik auf „Into The Electric Castle – A Space Opera“ ist wahrlich sehr bombastisch. Ruhigere und zurückhaltendere Momente sind deutlich in der Minderzahl vorhanden. Arjen Lucassen zieht hier alle Register, damit das ganze Werk auch möglichst voll klingt – und das schafft er auch in Perfektion. Nun, wer gerne in Musik schwelgt, der hat hier die Möglichkeit. Die oben aufgeführten Stilrichtungen finden sich wirklich alle an verschiedenen Stellen des Albums, obwohl ich den Blues und den Jazz doch ein wenig länger suchen musste. Aber das Album klingt und wirkt und es ist wahrlich schwierig einen einzelnen oder zwei oder drei Stücke herauszugreifen, man muss es tatsächlich in einem Zug durchhören, es wirkt in seiner Gesamtheit, anders verliert es seinen Reiz. Dazu benötigt man natürlich eine ganze Menge Zeit, denn eindreiviertel Stunden auf dem Sofa herumzuliegen, dazu haben heutzutage nicht mehr allzu viele Menschen die Zeit. Zudem muss man sich diese Musik auch öfters reinziehen, beim ersten Hören verpufft eine ganze Menge. Die Idee mit dem Joggen und dem MP3-Player ist da gar nicht schlecht, ich hoffe nur, ich halte diese knapp 105 Minuten durch. Hoffentlich wird es nicht zu bergig! Ach übrigens, apropos „Joggen“. Die Idee zu dem Konzept des Albums kam Arjen Lucassen während einer seiner vielen Jogging-Ausflüge durch die Wälder. Somit scheint nicht nur das Hören, sondern auch das Konzipieren von Musik in freier Natur, unter sportlicher Betätigung, sehr von Nutzen zu sein.

Angenehm – und das sollte jetzt zum Schluss auch noch explizit Erwähnung finden – ist auf jeden Fall, dass dieses Mal die Songstruktur zumindest größtenteils eingehalten wurde. Zwar gibt es auch wieder Verschachtelungen und nennen wir sie mal „Nebenmelodien“, aber es wird alles wieder zum Ursprung zurückgeführt, sodass man die einzelnen Titel auch voneinander unterscheiden kann, was bei „The Final Experiment“ nicht so ohne weiteres möglich war. Die Songqualität lässt allerdings auf der zweiten Scheibe etwas nach, da ist die Musik dann nicht mehr so mitreißend, wie sie es zum Teil auf CD1 ist.

Und noch etwas soll hier nicht unerwähnt bleiben. Auf beiden CD’s der Wiederveröffentlichung von 2004 hat Arjen Lucassen noch zwei kleine Filmchen „versteckt“. Auf CD1, mit insgesamt 17:36 Minuten Länge, werden die beteiligten Sänger etwas genauer vorgestellt und es wird erklärt, wie Arjen Lucassen diese überzeugte, ein Teil dieses Albums zu werden. Interessant dabei auch zu hören, wie die Stimmen der Sängerinnen und Sänger im Studio mal ganz rein klingen, also ohne musikalische Begleitung. Auf CD2 ist die gezeigte Sequenz jetzt ein wenig kürzer geraten und beträgt 7:37 Minuten. Hier führt Arjen Lucassen den Zuschauer nun durch das, wie er es nennt, „Ayreon-Museum“. Dabei erklärt er die Entstehungsgeschichte des Covers, welches wie die Musikinstrumente „real“ sein sollte. So gab er das Bild nach seinen Vorstellungen in Auftrag. Wichtig war ihm bei der Entstehung des Albums, dass möglichst viel an „Into The Electric Castle“ „echt“ ist. Neben den Instrumenten wie Violine oder Sitar, die nicht dem Synthesizer entsprungen sind, eben auch das Artwork zum Album. Das erklärt er alles ganz sympathisch und somit stellen diese beiden Filmchen eine ganz nette Dreingabe dar, wie ich finde.

Fazit: „Into The Electric Castle“ enthält viele schöne Melodien, treibende Parts und schwebende Abschnitte. Dieses Stück Musik kann man nicht nebenbei hören, darauf muss man sich konzentrieren können, sonst bringt das gar nichts. Nicht alles wirkt dabei, manches wirkt auch mal ein wenig oberflächlich – trotz des ganzen Bombasts, den es hier auf die Ohren gibt. Und wer mal hören möchte, wie Styx, Jethro Tull, Rush, Emerson Lake & Palmer, Elliott Smith, Within Temptation, Marillion, die Buggles, Heather Nova und Dire Straits zusammen Musik produzieren, der kann sich mit „Into The Electric Castle“ ein Bild davon machen - beziehungsweise sich entsprechendes Gehör verschaffen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ich probiere es mal mit: Isis And Osiris, Time Beyond Time und Valley Of The Queens