Sonntag, 20. Juli 2014

ZZ Top – Degüello




ZZ Top – Degüello


Besetzung:

Billy Gibbons – guitar, vocals
Dusty Hill – bass guitar, keyboards, vocals
Frank Beard – drums, percussion


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Blues Rock, Texas Blues


Trackliste:

1. I Thank You (3:25)
2. She Loves My Automobile (2:24)
3. I'm Bad, I'm Nationwide (4:53)
4. A Fool For Your Stockings (4:17)
5. Manic Mechanic (2:36)
6. Dust My Broom (3:09)
7. Lowdown In The Street (2:50)
8. Hi Fi Mama (2:25)
9. Cheap Sunglasses (4:49)
10. Esther Be The One (3:30)

Gesamtspieldauer: 34:18




„Degüello” heißt das sechste Studioalbum von ZZ Top, welches 1979 veröffentlicht wurde. Und dieses Album ist eine überaus relaxte Platte geworden. „Easy Listening Blues”, falls es diesen Ausdruck geben würde, wäre dafür eine ganz nette Umschreibung. Alles wirkt entspannt und locker, klingt nach Sorglosigkeit und auch nach Freiheit. Und wer jetzt noch das Glück hat ein Cabrio zu besitzen, kann mit diesen Klängen in den Sonnenuntergang fahren und diese Freiheit ganz tief einatmen. Also rein die Scheibe in den CD-Player und die Fahrt kann starten.

Dabei hatte sich auf „Degüello“ musikalisch einiges bei ZZ Top getan. Beim Titel „Cheap Sunglasses“ setzt die Band zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Synthesizer ein. Zwar lediglich sehr sanft und zurückhaltend, aber auch nicht zu überhören. Allerdings bereichert dies den Sound der Band sogar ein wenig. Richtig gut gelungen ist auch gleich der Beginn des Albums. „I Thank You” ist eine Cover-Version von Isaac Hayes und sehr hörenswert. Dies gilt auch und sogar vor allem für „Manic Mechanic”, was im Gitarrenspiel überraschenderweise ein klein wenig an Robert Fripp und seine Band King Crimson erinnert. Ganz ungewöhnliche Töne für ZZ Top. Kein Blues, jetzt mal Progressive Rock, wenn auch nur ganz kurz.

Alles scheint auf „Degüello” im Fluss zu sein. Ein bluesiger Song reiht sich an den nächsten, der dann wiederum durchaus ein kleines bisschen rockiger sein kann. Das Niveau hält sich über die ganze CD hinweg, Ausfälle gibt es keine zu beklagen. Alles groovt und klingt, sodass man zwangsläufig mit den Füßen mitwippen muss.

Fazit: Ein schönes und entspanntes Blues-Album ist „Degüello“ geworden, mit dem sich ZZ Top ganz klar von der gerade grassierenden Punk-Welle distanzierte. Aber es gibt dieses Mal auch neue Töne auf dem Album zu hören, seien das der Einsatz des Synthesizers oder aber ein bisher überhaupt nicht für möglich gehaltenes Genre im Songkatalog von ZZ Top. Das macht die Platte sogar noch ein wenig spannender, die sich allerdings trotzdem hauptsächlich an die Blues-Fans dieser Welt richtet. Neun Punkte.

Anspieltipps: I Thank You, Cheap Sunglasses, Manic Mechanic



Samstag, 19. Juli 2014

Roger Waters – When The Wind Blows




Roger Waters – When The Wind Blows


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, acoustic guitar, vocals on "Towers Of Faith" and "Folded Flags"
Jay Stapley – guitar
John Gordon – bass guitar
Matt Irving – keyboards, organ
Nick Glennie-Smith – piano, organ
John Linwood – linn programming
Freddie Krc – drums, percussion
Mel Collins – saxophone
Clare Torry – backing vocals on "Towers Of Faith"
Paul Carrack – keyboards and vocals on "Folded Flags"


Sowie:

David Bowie: „When The Wind Blows”
Hugh Cornwell: „Facts And Figures“
Genesis: „The Brazilian“
Squeeze: „What Have They Done?”
Paul Hardcastle: „The Shuffle“


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Soundtrack, Rock, Pop


Trackliste:

1. When The Wind Blows (David Bowie) (3:35)
2. Facts And Figures (Hugh Cornwell) (4:19)
3. The Brazilian (Genesis) (4:51)
4. What Have They Done? (Squeeze) (3:39)
5. The Shuffle (Paul Hardcastle) (4:16)
6. The Russian Missile (0:10)
7. Towers Of Faith (7:00)
8. Hilda's Dream (1:36)
9. The American Bomber (0:07)
10. The Anderson Shelter (1:13)
11. The British Submarine (0:14)
12. The Attack (2:53)
13. The Fall Out (2:04)
14. Hilda's Hair (4:20)
15. Folded Flags (4:51)

Gesamtspieldauer: 45:36




Dass diese Platte unter der Überschrift „Roger Waters“ läuft, stimmt nicht so ganz, denn es handelt sich bei dem Album um einen Soundtrack zum gleichnamigen Zeichentrickfilm „When The Wind Blows“, bei dem die ersten fünf Titel eben nicht von Roger Waters stammen. Trotzdem besteht der überwiegende Teil der Platte aus Titeln, die Roger Waters zum Soundtrack beitrug. Zudem lässt sich festhalten, dass bis auf den Titelsong von David Bowie und eben den Roger Waters-Stücken, keiner der anderen vier Titel im Film selbst zu hören ist. Warum diese dann allerdings auf einem Soundtrack zum Film auftauchen, das entzieht sich meiner Kenntnis.

Okay, nun aber zur Musik. Die ehemalige zweite Seite der LP besteht aus den Kompositionen des Roger Waters. Dabei bemerkt man sehr wohl die Zeit, in der die Musik entstanden ist. Zwar stellen die meisten Titel wirklich nur kurze Teile eines Filmes dar, das heißt, hier werden musikalische Stimmungen kurz, der entsprechenden Szene angepasst, angespielt. Die beiden „richtigen“ Lieder „Towers Of Faith” und „Folded Flags” hätten im ersten Fall jedoch sehr gut auf “Radio K.A.O.S.“ und im zweiten Fall bestens auf Pink Floyd’s „The Final Cut“ Platz gefunden. Ein Schelm wer denkt, dass letztere Nummer vielleicht schon ein paar Jahre zuvor entstanden ist. Ansonsten handelt es sich bei den restlichen acht Waters Stücken um atmosphärische Stimmungen oder Klangkollagen, die Stimmungen wiedergeben sollen.

Auf der ehemals ersten Seite der Platte befindet sich der Titeltrack, „When The Wind Blows“. Ein schöne Pop-Nummer von David Bowie, die einige wenige Rock-Anleihen aufweist. Eine schöne Nummer, ganz im Stile von David Bowie in den 80ern. Die restliche Musik taucht, wie bereits erwähnt, nicht im Film auf und bedarf auch keiner großen Erwähnung. „Facts And Figures” wird von Hugh Cornwell beigesteuert. Ein netter, aber sehr unauffälliger Pop-Song. „The Brazilian“ erschien auch auf dem Genesis Album „Invisible Touch“ im selben Jahr. Ein Instrumentalstück, welches auf dem Genesis-Album noch eines der besseren Lieder darstellt. Bei „What Have They Done?” sind wir wieder bei ganz nettem Pop – oder ist das New Wave? Etwas Besonderes ist es auf jeden Fall nicht. Bliebe noch „The Shuffle“ von Paul Hardcastle. Ein funkiges Instrumentalstück, welches in dieser Umgebung wie ein Fremdkörper wirkt.

Fazit: Nein, man hat nichts verpasst, wenn man den Soundtrack nicht kennt. Der Film ist allerdings schon sehenswert, auch wenn er in der heutigen Zeit noch deutlich naiver wirkt, als damals, in den 80er Jahren. So lohnt sich der Kauf eigentlich nur für Menschen, die vom Film stark beeindruckt sind. Oder aber für Davids Bowie beziehungsweise Roger Waters Fans, die alles von „ihrem“ Musiker besitzen möchten – wobei vor allem „Folded Flags“ wahrlich ein tolles Lied ist. Sechs Punkte.

Anspieltipps: When The Wind Blows, Folded Flags



Freitag, 18. Juli 2014

Mary Gauthier – Trouble & Love





Mary Gauthier – Trouble & Love

Mehr durch Zufall stieß ich vor einigen Jahren auf Mary Gauthier (Go-Schee). In einem Plattenladen fand ich in einer Ramschkiste eine ihrer CDs und da ich jemanden kenne, der "Gauthier" hieß, dachte ich, ich nehme das Album mal mit. Gefunden habe ich eine Sängerin und Musikerin, die sehr persönliche Lieder schreibt, die ihr turbulentes Leben musikalisch verarbeitet, die auf der Suche nach Sinn, Inhalt, ja, Halt ist.

Als Mary Gauthiers Album "Mercy Now" erschien, war ich zutiefst beeindruckt. Eine Platte der Extraklasse. Der Titelsong und "Falling out of love" sind wunderschöne Lieder, die man einfach hören, genießen, wirken lassen muß.

Und nun legt Mary Gauthier ihr neuestes Album vor; "Trouble & Love". Es ist erneut eine sehr persönliche Platte, ganz schlicht, leise, behutsam. Mary Gauthier singt mit ihrem Akzent des amerikanischen Südens. Sie öffnet ihr Herz, läßt den Hörer teilhaben an ihrem Lebensweg. Es ist Country, es ist Folk, es ist zärtliche Musik. Gauthier bekennt sich zu ihren musikalischen Wurzeln, gesteht immer wieder ein, dass Musik für sie ein Weg der Verarbeitung ist. Hier geht sie auf, es ist ein Akt der Offenbarung. Sie macht sich angreifbar, zeigt ihre Verletzlichkeiten, ihre Narben. Und dennoch hat man als Hörer das Gefühl, dass hier eine starke Frau singt. Ehrlich, kraftvoll, überzeugt.

"Trouble & Love" ist ein wunderschönes Country Album fernab der meist belanglos, langweiligen Charts. Country hat in Deutschland einen schlechten Ruf. Man denkt da an fahenschwingende Patrioten in Pick up Cars, Wrangler Jeans und Cowboyhut. Doch Country drückt einen Teil der USA aus, wie es kein anderes Genre schafft. Es erzählt von den Weiten des Landes, den Hoffnungen, den Träumen. Doch auch von Verlusten, dem Scheitern, dem Abgesang auf den American Dream. Country Musik ist oftmals politisch und das nicht nur, wie fälschlicherweise gedacht wird, im pro-amerikanischen Sinne.

All das zeigt Mary Gauthier in ihrer Musik. Sie singt von ihren Problemen als Alkoholikerin, von ihrer langjährigen Suche als Findelkind nach Liebe und Nähe, von den Schmerzen persönlicher Erfahrungen und Verluste, sie fordert ein bißchen "Mercy Now" für Amerika.

Zehn Jahre lang habe ich viel Country und Folk Musik für das Inflight Radio Programm der Lufthansa durchgehört. Mary Gauthier ist eine dieser Musikerinnen, die mich irgendwie erwischt hat, die mir Country nahe gebracht, die mich zu einem Country Fan gemacht hat. Und nein, ich höre noch immer kein Truck Stop und auch keine Country Charts. Es ist vielmehr genau diese Musik, die Gauthier auf ihrer Platte "Trouble & Love" präsentiert. Musik, die handgemacht ist, die Lebensgeschichten erzählt, die sich zu den reichen Wurzeln des Country bekennt. Die eine verletzliche Musikerin zeigt, die genau dadurch auch mich als Hörer anspricht, zum Nachdenken bringt, mich emotional erreicht. "Trouble & Love" ist ein amerikanisches Album, eine Platte, die man 2014 unbedingt hören sollte, um Amerika in diesen stürmischen Zeiten auch mal anders zu erleben.



"Another Train" ist aus Mary Gauthiers neuem Album "Trouble & Love":





"Falling out of love" ist eines meiner Lieblingslieder, und das nicht nur von Mary Gauthier:

Donnerstag, 17. Juli 2014

Marius Müller-Westernhagen – Bittersüß




Marius Müller-Westernhagen – Bittersüß


Besetzung:

Marius Müller-Westernhagen – Gesang


Gastmusiker:

Dieter Horns – Horns
Peter Hesslein – Gitarren, Perkussion
Peter Hecht – Flügel, Orgel, Fender Rhodes Piano, Synthesizer, Celesta, Solina
Karl Hermann Lüer – Flöte, Tenor Saxophon
Bob Lanese – Flügelhorn, Trompete
Curt Cress – Schlagzeug
Herbert Bornhold – Perkussion
Heinz Habermann – Trompete
Herb Geller – Alt Saxophon
Waldemar Erbe – Posaune
Heino Reese – Posaune
Rale Oberbichler – Chor
Freya Wippich – Chor
Brigitte Blunck – Chor


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Pop, Deutscher Schlager


Trackliste:

1. 36 (4:02)
2. Paula - Du hast mich nie gekannt (4:50)
3. Franz Stumpf - Paula ist fort (5:57)
4. Ich geh' meistens bei Rot (Kinderlied) (3:57)
5. Armer Star (4:00)
6. Einer wie er (4:14)
7. Endspurt (4:03)
8. Ich hab' Dich so schrecklich lieb (2:57)
9. Rudi Carell (3:57)

Gesamtspieldauer: 40:01




„Bittersüß“ heißt die zweite Platte von Marius Müller-Westernhagen, die 1976 erschien. Hört man sich das Album heutzutage an, dann klingt das, was man da zu hören bekommt, schon ganz schön abgefahren. Eine krude Mischung aus deutschem Schlager, Big Band Sound, Pop-Anleihen, Funk-Versuchen, Liedermacher-Einschüben und was nicht noch alles. Ganz schön starker Tobak, der einiges an Durchhaltevermögen vom Hörer abverlangt.

Später sollte Marius Müller-Westernhagen für seine genialen Melodien und seine geistreichen Texte bekannt und erfolgreich werden – hier scheint er allerdings definitiv noch geübt zu haben. Das fängt bei der Musik an, die mit Bläsereinsätzen überfrachtet ist, die mitunter wie Fremdkörper und überhaupt nicht stimmig wirken. Gleiches ließe sich für das immer wieder einsetzende Orchester sagen. Irgendwie schien das mit den Bläsern und Streichern damals hip zu sein, deswegen wurde es eingefügt, nicht weil es passen würde. Fast schon unfassbar schlecht ist dabei der Titel „Ich geh' meistens bei Rot (Kinderlied)“, der so eine Mischung aus Big Band Sound und Funk darzustellen scheint. Kaum auszuhalten. Nicht viel besser wird es bei „Ich hab' Dich so schrecklich lieb“, einer Mischung aus deutschem Schlager und Easy Listening. Könnte mir durchaus vorstellen, dass Marius Müller-Westernhagen das heute auch überhaupt nicht mehr toll findet.

Dann die Texte, die heute oftmals unfreiwillig komisch wirken und jedem einfältigen deutschen Schlager wie zur Versöhnung die Hände reichen. Bestes Beispiel hierfür sind die Titel 2 und 3, „Paula - Du hast mich nie gekannt“ und „Franz Stumpf - Paula ist fort“, in denen die Trennungsgeschichte von Franz und Paula erzählt wird – aus unterschiedlichen Perspektiven. Wahrlich seltsam in heutigen Zeiten, vielleicht aber auch schon 1976. „Ich hab' Dich so schrecklich lieb“ wurde bereits oben erwähnt. „Ich hab' Dich so schrecklich lieb“ – das sagt irgendwie schon alles.

Genug gelästert, denn ein Titel befindet sich doch noch auf dem Album, der wirklich gelungen ist. Auf „Endspurt“ erzählt Marius Müller-Westernhagen die Geschichte einer Frau, die erfährt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und nun die letzten Monate ihres Lebens aktiv angeht und schließlich „mit einem Lächeln auf dem Gesicht“ stirbt. Das löste einen kleinen Skandal in Deutschland aus, denn so etwas durfte man damals noch nicht auf Deutsch singen. Klar, die Nummer klingt pathetisch, ist gegen Ende hin ebenfalls tief orchestriert, kann allerdings durch die Melodie, das schöne Zusammenspiel von Piano und Gesang zu Beginn und diesen sehr traurigen Text punkten.

Fazit: Sehr gewöhnungsbedürftig ist „Bittersüß“ geraten, zumindest klingt das heutzutage so. Jede Menge Musik, die einem fast schon Schmerzen bereit, befindet sich darauf. „Endspurt“ stellt die Ausnahme dar. Überzeugen kann ansonsten fast nichts, außer vielleicht mal ein kurzer, witziger Textausschnitt, eine dreißig Sekunden dauernde Sequenz, das war es dann aber auch schon. Später sollte Marius Müller-Westernhagen deutlich besser werden. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Endspurt



Mittwoch, 16. Juli 2014

Madness – The Rise And Fall




Madness – The Rise And Fall


Besetzung:

Suggs (Graham McPherson) – lead vocals
Mike Barson – keyboards, harmonica
Chris Foreman – guitar
Mark Bedford (Bedders) – bass
Lee Thompson – saxophones
Daniel Woodgate (Woody) – drums
Chas Smash (Cathal Smyth) – backing vocals, trumpet, lead vocals on track 13


Label: Stiff Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Ska


Trackliste:

1. Rise And Fall (3:16)
2. Tomorrow's (Just Another Day) (3:10)
3. Blue Skinned Beast (3:22)
4. Primrose Hill (3:36)
5. Mr. Speaker (Gets The Word) (2:59)
6. Sunday Morning (4:01)
7. Our House (3:23)
8. Tiptoes (3:29)
9. New Delhi (3:40)
10. That Face (3:39)
11. Calling Cards (2:19)
12. Are You Coming (With Me) (3:17)
13. Madness (Is All In The Mind) (2:53)

Gesamtspieldauer: 43:04




„The Rise And Fall“ stellt das vierte Studio-Album von Madness dar und wurde im Jahr 1982 veröffentlicht. Madness stehen für Ska gemischt mit Pop. Auf „The Rise And Fall“ liegt der Fokus jedoch ein klein bisschen weniger auf der Ska-Musik, obwohl dieses Genre durchaus ebenfalls immer allgegenwärtig ist. Trotzdem, der Schwerpunkt der Musik von Madness auf „The Rise And Fall“ liegt in der Pop-Musik, wenn auch gleich mehrere musikalische Stile mit bedient werden, so ganz eindeutig ist das nie. Macht aber nichts, denn dies ändert auch nichts an der Tatsache, dass der britischen Band mit diesem Album eine richtig gute Platte gelungen ist, bei der das Zuhören einfach Spaß macht.

Die Titel auf „The Rise And Fall“ verbreiten einfach gute Laune. Alles klingt fröhlich, hell und auf seine Weise frei. Jedes Lied geht ziemlich schnell ins Ohr und vermag dort auch länger zu verbleiben. Dazu lohnt sich auch das Mitlesen der Texte, die einige nette und witzige Einfälle beinhalten. Festzuhalten bleibt dabei, dass die Titel auf der ehemals ersten Plattenseite noch einen Tick besser gelungen sind als jene, die sich eher am Ende des Albums befinden. Richtige Ausfälle gibt es zwar keine, trotzdem wirkt das alles zu Beginn noch ein wenig eingängiger, melodiöser und ausgereifter. Die Bläserpassagen sitzen, die Einfälle und Ideen sind bestens ausgearbeitet, die Musik lädt zum Mitwippen ein. Dies alles geht bei den späteren Liedern ein wenig verloren, die nicht mehr ganz so zu überzeugen wissen. Allerdings ist das auch ein wenig „Jammern“ auf hohem Niveau, denn mit jedem Hören wird einem die Musik vertrauter und entwickelt sich schließlich zu einem „guten, alten Bekannten“, den man immer wieder gerne trifft beziehungsweise in diesem Fall gerne auflegt und nicht mehr missen möchte.

Fazit: Spannend gemachten Pop mit Ska-Einflüssen bekommt man auf „The Rise And Fall“ zu hören. Dabei gibt es hier keine synthetischen Klänge zu hören, auch wenn ein Keyboard seinen Einsatz findet. Dieses klingt jedoch immer sehr viel mehr nach einem Piano, als nach Synthi-Pop. Auch sonst wirkt die Musik sehr „handgemacht“, was nicht zuletzt auch durch den Bläsereinsatz bewerkstelligt wird. Die meisten Lieder sind dabei durchaus auch tanzbar und finden auch ihren Einsatz bei diversen Ü30-Partys. Klassiker dabei ist sicherlich „Our House“, bei dem sich jede Tanzfläche schnell füllt. Sehr überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Primrose Hill, Our House



Dienstag, 15. Juli 2014

Genesis – Abacab




Genesis – Abacab


Besetzung:

Tony Banks – keyboards
Phil Collins – drums, percussion, vocals, drum machines
Mike Rutherford – bass guitar, bass pedals, guitars


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop


Trackliste:

1. Abacab (7:02)
2. No Reply At All (4:33)
3. Me And Sarah Jane (6:00)
4. Keep It Dark (4:32)
5. Dodo/Lurker (7:30)
6. Who Dunnit? (3:23)
7. Man On The Corner (4:27)
8. Like It Or Not (4:57)
9. Another Record (4:39)

Gesamtspieldauer: 47:10




Nach Zehn kommt Elf. Im Falle von Genesis hieß das, ein Jahr nach „Duke“ kam im Jahr 1981 „Abacab“. Hatte man damals wohl als alter Genesis-Fan gedacht, dass es nun nicht mehr schlechter mit der Musik von Genesis werden könne, so hatte man sich allerdings leider getäuscht. Naja, zumindest ist die Musik auf „Abacab“ nicht besser geworden, als auf dem Vorgänger-Album.

Ausdrücklich ausnehmen muss man davon allerdings den Titeltrack „Abacab“ selbst. Das ist zwar kein progressiver Rock mehr und auch sonst nicht super innovativ, dafür jedoch eine wahrlich gelungene Rock-Nummer, die schnell ins Ohr geht und für Genesis-Verhältnisse sogar relativ „hart“ ist. Das war es dann allerdings auch schon mit dem Positiven. „No Reply At All” ist so ein typischer Phil Collins Titel, obwohl dieser anscheinend von allen drei Musikern verbrochen wurde. Mit kurzen Bläsereinsätzen wurde hier, fast schon unerträglich naiv, ein Lied auf Massenkompatibilität getrimmt. Das folgende Stück strammt von Tony Banks, da sich jeder Musiker auf „Abacab“ mit einem Lied einbringen durfte, die anderen Titel sind alle Teamwork. Nun, „Me And Sarah Jane” ist ein wenig langweilig geraten. Trotzdem kann das Lied mit seiner Melodie überzeugen, ist mit sechs Minuten allerdings einfach zu lang geworden. „Keep It Dark” ist erneut eine etwas rockigere Nummer, allerdings nach Schema 08/15. Wo ist denn nur das Innovative, das Interessante geblieben, was man von Genesis kennt?

Das haben sie bei „Dodo / Lurker“ versucht herauszukramen. In diesem längsten Lied des Albums gibt es Reggae-Anleihen und auch proggige Abschnitte. Ganz nett gemacht. Der Titel vereinigt zumindest jede Menge Abwechslung in sich. Durchaus gelungen. Doch dann wird es schwierig. „Who Dunnit?” ist ein unfassbar schlechtes und einfältiges Pop-Lied, welches unglaublich nervt. „Man On The Corner” ist der Solo-Beitrag des Phil Collins. Ein Geschmalze, wie es nur der Meister der leichten Töne zu fabrizieren im Stande ist. Auch vom Text her ist das die unterste Schublade des Deutschen Schlagers – nur eben auf Englisch. Leider ist Michael Rutherfords Beitrag auch nicht besser. „Like It Or Not“ ist ebenfalls seichter Pop mit genauso schmierigem Liebes-Schmalz-Text. Schlimm. Bliebe noch „Another Record“, jetzt wieder eine Zusammenarbeit. Die Nummer fängt noch ganz spannend an, entwickelt sich im weiteren Verlauf jedoch auch wieder hin zu einem absolut austauschbaren Lied, bei dem nicht auffallen würde, wenn es nicht da wäre. Sehr entbehrlich.

Fazit: Zwei gute Titel hält „Abacab“ von Genesis für den Hörer parat. Der Rest ist nur sehr bedingt zum Aushalten. Eingefleischte Freunde der Radio-Pop-Musik werden dies sicherlich jedoch ganz anders sehen, denn radiotauglich sind die Lieder durchaus. Da sie meistens allerdings nicht gerade sehr nachhaltig sind, haben sie die „Heavy Rotation“ wohl genauso schnell wieder verlassen, wie sie sie Anfang der 80er erobert hatten. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Abacab, Dodo/Lurker



Montag, 14. Juli 2014

Blackfield – Welcome To My DNA




Blackfield – Welcome To My DNA


Besetzung:

Aviv Geffen – vocals, piano, keyboards, additional guitars
Steven Wilson – vocals, guitars, additional keyboards


Gastmusiker:

Eran Mitelman – piano, hammond organ
Seffy Efrati – bass guitar
Tomer Z – drums, percussion
London Session Orchestra – strings and horns
Yankale Segal – Tar / Oud, Saz on “Blood”
Alex – backing vocals on “On The Plane”, “Oxygen”
Ariel Tuchman – slide guitar on “On The Plane”
Trevor Horn – additional keyboards on “ Oxygen”


Label: K Scope


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Alternative Rock, Pop


Trackliste:

1. Glass House (2:56)
2. Go To Hell (3:03)
3. Rising Of The Tide (3:48)
4. Waving (3:55)
5. Far Away (2:48)
6. Dissolving With The Night (4:06)
7. Blood (3:18)
8. On The Plane (3:42)
9. Oxygen (3:05)
10. Zigota (5:04)
11. DNA (3:57)

Gesamtspieldauer: 39:41




Das dritte Album der Zusammenarbeit zwischen Aviv Geffen und Steven Wilson, kurz Blackfield, erschien 2011 unter dem Titel „Welcome To My DNA“. Die Scheibe ist ganz in der Tradition der beiden vorherigen Veröffentlichungen gehalten. Meistens bekommt der Hörer sehr sanfte und zarte Musik geboten, ab und an bewegt sich das Tempo dann auch mal in den mittleren Bereich. Hart und schnell wird es jedoch nie, lässt man jetzt mal die letzten Sekunden des Titels „Zigota“ außen vor, in denen sogar mal kurz gerockt wird.

Die Frage, die sich stellt heißt jedoch, ist das überhaupt noch Blackfield oder eher ein Solo-Album des Israeli Aviv Geffen? Elf Titel gibt es auf „Welcome To My DNA“ zu hören. Und war es früher so, dass sich beide Musiker zumindest in etwa das Song-Writing aufteilten, so stammt nunmehr nur noch ein Titel, „Waving“, von Steven Wilson. Dieser passt sich jedoch in Bezug auf Machart und Stimmung bestens an die anderen zehn Titel an. Für diese anderen Kompositionen zeigt sich Aviv Geffen allein verantwortlich. Verwunderlich ist das alles irgendwie nicht, denn für Steven Wilson müsste der Tag eigentlich auch nur 24 Stunden haben. Durch seine Auftritte als Gastmusiker, mit dem Mastering alter Scheiben, als Musiker von Porcupine Tree und mit der Veröffentlichung eigener Solo-Alben ist er wohl mehr als ausgelastet.

Die Machart der Titel ähnelt schon sehr denen, die sich auf Blackfield I und II befinden. Dies bedeutet an sich ja noch nichts Negatives, denn beide Alben konnten durchaus mit ihrer Melodiösität und Atmosphäre überzeugen. Diese trifft man auch auf „Welcome To My DNA“, allerdings nicht mehr ganz so intensiv. Die Lieder sind wahrlich alle gelungen, keinen Ausfall gibt es zu beklagen. Die Titel klingen allesamt sehr eingängig und melodiös. Alles wirkt überaus harmonisch, allerdings auch ein klein wenig kontourlos. Soll heißen, die Ecken und Kanten fehlen ein wenig, die Scheibe läuft irgendwie so durch. Einen absolut herausstechenden Titel stellt lediglich die letzte Nummer „DNA“ dar. Das ist ein Lied zum Eintauchen mit sanftem Ohrwurmcharakter. Ansonsten ist das alles nicht schlecht, was Blackfield dem Hörer hier anbieten, aber etwas richtig Besonderes ist das auch nicht mehr.

Fazit: Auf den ersten beiden Alben hat das super geklappt. Diese sanften und eindringlichen Töne von Blackfield gehen einfach ins Ohr. Zugegebenermaßen klappt das auch noch auf „Welcome To My DNA“, allerdings nur noch fast so gut. Das liegt jedoch nicht daran, dass Steven Wilson sich hier deutlich weniger eingebracht hat, sondern sehr viel mehr am Song-Material, welches nicht ganz mit dem früherer Alben mithalten kann. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Auch „Welcome To My DNA“ ist sehr hörenswert für Leute, die eher auf die ruhigeren Töne stehen. Spaß macht die Platte schon noch. Neun Punkte.

Anspieltipps: Far Away, Dissolving With The Night, DNA



Sonntag, 13. Juli 2014

Iron Butterfly – In-A-Gadda-Da-Vida




Iron Butterfly – In-A-Gadda-Da-Vida


Besetzung:

Doug Ingle – organ, lead vocals (except on "Termination")
Erik Brann – guitars, backing vocals, lead vocal on "Termination"
Lee Dorman – bass guitar, backing vocals
Ron Bushy – drums, percussion


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Most Anything You Want (3:43)
2. Flowers And Beads (3:07)
3. My Mirage (4:53)
4. Termination (2:51)
5. Are You Happy (4:30)
6. In-A-Gadda-Da-Vida (17:03)

Gesamtspieldauer: 36:06




„In-A-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly ist eine besondere Platte. Und das liegt am Titellied „In-A-Gadda-Da-Vida“ selbst, welches mit über siebzehn Minuten Spielzeit die ehemalige zweite LP-Seite komplett ausfüllte. Die Nummer wurde in einem Take eingespielt, da man im Studio zum Soundcheck bereits das Band mitlaufen ließ und die vier Musiker den Titel zunächst noch einmal üben wollten. Diese Aufnahme wurde jedoch sofort für die Veröffentlichung gewählt und stellte den größten Erfolg der Band dar. Millionenfach verkaufte sich die Scheibe und stellt einen Meilenstein der Rock-Musik und des Psychedelic Rock dar. Diese Nummer, die ursprünglich laut Aussage der Musiker „In The Garden Of Eden“ heißen sollte und nur durch ein Verständigungsproblem während der Aufnahmen als „In-A-Gadda-Da-Vida“ unter dem Notenblatt vermerkt wurde, ist angefüllt mit vielen, bis dahin noch nie so gehörten Sounds und Passagen.

Die Musik von Iron Butterfly ist allgemein sehr Orgel-lastig, so ist es auch bei dem Titellied „In-A-Gadda-Da-Vida“ selbst. Parallelen zum Orgelsound des Ray Manzarek von den Doors sind hier unüberhörbar (beim Titel „Most Anything You Want” sind die Ähnlichkeiten zu „Light My Fire“ absolut nicht zu verleugnen). Lange und ausgedehnte Gitarren- und Orgel-Passagen gibt es zu hören, die um sich selbst kreisen, ineinander übergehen und doch auch gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Das Ganze klingt überaus psychedelisch und es ist kaum anzunehmen, dass diese Musik ohne entsprechende Einnahme von jeder Menge bewusstseinserweiternden Substanzen so hätte aufgenommen werden können. Mantra-artig wird hier ein Thema immer und immer wiederholt, alles umschließt sich und plötzlich geht das Ganze in ein Schlagzeugsolo über, welches es so, in dieser Art, bisher noch nicht auf eine Platte geschafft hat – jedenfalls nicht auf ein Studio-Album. Das klingt zugegebenermaßen alles sehr spannend und war zu dieser Zeit auch einzigartig.

Und der Rest der Platte? Allgemein merkt man den Liedern schon ein wenig an, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft bald fünfzig Jahre auf dem Buckel haben werden. Ein wenig Patina hat da bereits angesetzt. Trotzdem ist alles noch gut hörbar, vor allem „My Mirage” ist ebenfalls sehr gelungen, wieder auch aufgrund des Orgelsounds und einer Melodie, die durchaus ins Ohr geht. Gegenbeispiele gibt es allerdings auch. „Flowers And Beads“ hört sich schon sehr gewöhnungsbedürftig, da so unglaublich gewöhnlich an. Zwar dominiert auch hier die Orgel, allerdings klingt das Ganze trotzdem wie ein etwas einfältiges Pop-Liedchen der 60er Jahre. Und dazu gesellt sich dann noch ein schmachtender Text à la: „Girl, he just knows he loves you now. You're all I talk about and everything I say and... Girl, I just know I love you now. Girl I love you, I love and need you in my lifetime. Girl, I just know I love you.” Der Ehrlichkeit halber muss man hier allerdings auch erwähnen, dass der Text zu „In-A-Gadda-Da-Vida“ auch nicht sehr viel geistreicher gestaltet ist und in dieselbe Kerbe schlägt: „Mädchen, ich liebe Dich so doll!“

Fazit: Unabhängig vom Text ist „In-A-Gadda-Da-Vida“ ein Album, welches heute immer noch an vielen Stellen begeistern kann. Zwar hört man der Musik ihr Entstehungsdatum zum größten Teil an, trotzdem hat das was. Irgendetwas Besonderes ist Teil dieser Musik. Wer sich für Rock-Musik interessiert, der sollte dieses Album kennen. Und welche Hörerin, welcher Hörer auch für die psychedelische Seite der Musik offen ist, die oder der kann hier nur begeistert sein – zumindest bei den meisten Titeln. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: In-A-Gadda-Da-Vida



Samstag, 12. Juli 2014

Hugo Race – We Never Had Control




Hugo Race – We Never Had Control


Besetzung:

Hugo Race – vocals, steelstring, keys


Gastmusiker:

Antonio Gramentieri – electric guitar lapsteel, bass
Diego Sapignoli – drums, balafon, treated percussion
Franco Naddei – synthesizers
Francesco Giampaoli – double bass
Vicki Brown – violin, vocals (1)
Catherine Graindorge – violin, viola (7, 8)
Violetta Delconte Race – vocals (3, 8)
Hellhound Brown – vocals (1)


Label: Gusstaff Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: ArtRock, Indie Rock


Trackliste:

1. Dopefiends (6:58)
2. Ghostwriter (4:03)
3. Meaning Gone (5:46)
4. Snowblind (3:32)
5. No Angel Fear To Thread (4:18)
6. Shining Light (3:09)
7. No Stereotype (4:31)
8. We Never Had Control (5:48)

Gesamtspieldauer: 38:06




Hugo Race ist ein australischer Musiker, der hier auf diesen Seiten bereits Erwähnung fand. Dies geschah im Rahmen seines Bandprojekts „Dirtmusic“ zusammen mit Chris Eckman und Chris Brokaw. Seine ersten musikalischen Meriten verdiente er sich bei Nick Caves Begleitband The Bad Seeds, bei denen er die Gitarre spielte. Im Bezug auf Veröffentlichungen ist Hugo Race sehr fleißig, denn bis heute, im Jahr 2014, ist „We Never Had Control” eine von 29 Platten-Erscheinungen, auf denen er vertreten ist.

Nun zur Musik auf diesem im Jahr 2011 veröffentlichten Album. Diese ist zumeist sehr ruhig gehalten, lediglich sanft instrumentiert und tieftraurig bis düster gehalten. Nicht zuletzt die dunkle und tiefe Stimme des Hugo Race trägt mit zu dieser schweren Atmosphäre bei. Die einzelnen Titel sind dabei überaus melodiös, meistens ist es die akustische Gitarre, die neben dem Gesang im Vordergrund steht. So wirkt alles ein wenig getragen, bestes Beispiel hierfür ist das sehr intensive „Shining Light“. Ein Titel, der durchaus auch ein wenig an Leonard Cohen erinnert.

Höhepunkt auf „We Never Had Control” ist sicherlich der Opener und gleichzeitig auch das längste Stück der Platte „Dopefiends”. Auch hier sind die Zutaten dieselben: Dunkle Stimme, akustische Gitarre und eine, sehr zum Text passende, tieftraurige Stimmung. Hier setzt sich die Melodie ebenfalls ziemlich schnell im Ohr des Hörers fest und lädt ein zum Augenschließen und dem Genießen dieser intensiven Atmosphäre. Etwas flotter wird es im Grunde genommen nur bei „Snowblind”, einer Nummer, die fast schon ein wenig in die Richtung Folk geht.

Fazit: „We Never Had Control” von Hugo Race und den „Fatalists“, wie sich hier die Begleitband nennt, ist ein sehr gelungenes Album geworden, welches trotz der relativ gleichen Machart der einzelnen Stücke, nie Langeweile aufkommen lässt. Die Musik wirkt. Ausfälle sind ebenfalls nicht zu beklagen, sodass das Album, einmal aufgelegt, seine melancholische Tristesse über die volle Lauflänge verbreiten kann. Diese Lauflänge ist mit unter vierzig Minuten jedoch ein wenig kurz geraten. Oder hatte Hugo Race gar die Sorge, dass noch mehr Musik dieser Art die Suizid-Rate in die Höhe schnellen lassen würde? Ein schönes, aber trauriges Album. Elf Punkte.

Anspieltipps: Dopefiends, Shining Light



Freitag, 11. Juli 2014

Kasabian – Velociraptor!




Kasabian – Velociraptor!


Besetzung:

Tom Meighan – lead vocals (all tracks except 4, 6 and 11), backing vocals (tracks 4, 6 and 11)
Sergio Pizzorno – guitars, backing vocals (all tracks except 4, 6 and 11), lead vocals (tracks 4, 6 and 11), co-lead vocals (track 5), synthesizer, bass guitar, production
Chris Edwards – bass guitar
Ian Matthews – drums


Gastmusiker:

Jay Mehler – guitar
Ben Kealey – keyboards
Sandris Skyrimš – guitar
Tim Carter – guitar, percussion
Dan Ralph Martin – guitar, percussion (tracks 4 and 9)
Gary Alesbrook – trumpet
Mat Coleman – trombone
Andrew Kinsman – saxophone
London Metropolitan Orchestra – strings
Jessica Dannheisser – orchestration
Andy Brown – conducting


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Indie Rock


Trackliste:

1. Let's Roll Just Like We Used To (4:48)
2. Days Are Forgotten (5:03)
3. Goodbye Kiss (4:07)
4. La Fee Verte (5:48)
5. Velociraptor! (2:54)
6. Acid Turkish Bath (Shelter From The Storm) (6:02)
7. I Hear Voices (3:59)
8. Re-Wired (4:47)
9. Man Of Simple Pleasures (3:52)
10. Switchblade Smiles (4:15)
11. Neon Noon (5:21)

Gesamtspieldauer: 50:55




„Velociraptor!” heißt das vierte Studio-Album der der britischen Indie-Rock-Band Kasabian. Warum diese im deutschsprachigen Raum allerdings immer mit Brit-Pop in Verbindung genbracht wird, erschließt sich dem Hörer zumindest musikalisch kaum – aber wenn dies durch die Herkunft der Musiker begründet wird, muss man dem natürlich zustimmen… Die Musik auf „Velociraptor!“ ist sehr abwechslungsreich, meist etwas rockig gehalten und ganz klar, die fünf Musiker haben das Gespür für die eingängige Melodie, für die Akkordfolge, die beim Hörer hängenbleibt und sich auch länger festzusetzen versteht.

Auch dieses Album von Kasabian ist erneut sehr vielschichtig geworden. Musikstile gibt es im Grunde genommen eine ganze Menge zu entdecken. Rock, Pop, etwas Rave und auch ein wenig HipHop, der allerdings, wie beim sehr überzeugenden „Switchblade Smiles“, in andere Stile und Sounds eingebettet wurde. Hier gesellt sich ein fetter Rhythmus zu Rave Musik und der Sprechgesang zu gesungenem Text und fertig ist ein mitreißendes Lied, welches sogar Leute begeistern kann, die sonst bei den Worten „HipHop“ oder „Rave“ eher das Weite suchen würden.

Immer wieder verirren sich auch orientalisch angehauchte Sounds in die Lieder, sodass man sich ein klein wenig an Kula Shaker erinnert fühlt. Deses Stilmittel sorgt für weitere Abwechslung. Ein einheitlicher Stil wird nicht verfolgt, sodass sich dem Hörer immer wieder neue und spannende Facetten der Musik von Kasabian eröffnen. Gerade der Anfang der Platte ist dabei überaus gelungen. Ein Lied mit Ohrwurmcharakter reiht sich hier an das nächste. Zudem verfügen die meisten Titel auf „Velociraptor!” über eine Art Einleitung, durch die noch nicht auf den wahren Charakter des Liedes geschlossen werden kann, der sich dann plötzlich in eine ganz andere Richtung entwickelt. Sehr gut durchdacht und auch gemacht.

Fazit: Ein tolles und sehr unterhaltsames Album ist Kasabian mit „Velociraptor!“ gelungen. Ausfälle lassen sich darauf nicht finden, alles läuft in hoher Qualität durch und somit kann man die Skip-Taste der Fernbedienung getrost vergessen. Ein Album, das den meisten Rockfreunden großen Spaß bereiten wird. Gute Unterhaltung. Elf Punkte.

Anspieltipps: Let's Roll Just Like We Used To, Days Are Forgotten, Switchblade Smiles



Donnerstag, 10. Juli 2014

Tori Amos – Unrepentant Geraldines




Tori Amos – Unrepentant Geraldines


Besetzung:

Tori Amos – vocals, piano, hammond organ


Gastmusiker:

Mac Aladdin – all guitars
Mark Hawley – additional instrumentation
Natashya Hawley – vocals on "Promise"


Label: Mercury Classics


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Baroque Pop, Art Pop


Trackliste:

1. America (4:12)
2. Trouble's Lament (3:44)
3. Wild Way (2:55)
4. Wedding Day (3:45)
5. Weatherman (4:41)
6. 16 Shades Of Blue (3:52)
7. Maids Of Elfen-Mere (2:53)
8. Promise (4:05)
9. Giant's Rolling Pin (4:11)
10. Selkie (4:05)
11. Unrepentant Geraldines (6:57)
12. Oysters (5:14)
13. Rose Dover (3:56)
14. Invisible Boy (4:58)

Gesamtspieldauer: 59:29




„Unrepentant Geraldines” ist das bereits vierzehnte Studio-Album der amerikanischen Pianistin und Songwriterin Tori Amos. Der Titel bedeutet dabei „uneinsichtige“ oder „reuelose“ Geraldines. Wobei der Frauenname Geraldine hier für die Frauen allgemein steht, die sich nicht für irgendeine Tat oder ein Ereignis entschuldigen möchten. Nun, dass Männer bei Tori Amos nicht immer unbedingt gut wegkommen, ist seit dem Album „Boys For Pele“ sowieso kein Geheimnis mehr.

Die letzten beiden Alben der Tori Amos waren so ganz anders. Auf „Night Of Hunters“ aus dem Jahr 2011, ließ sich Tori Amos von klassischen Komponisten inspirieren, die Musik wurde entsprechend auch mit einem klassischen Orchester eingespielt. „Gold Dust“ veröffentlicht die Sängerin 2012. Diese Platte enthält Stücke aus der Feder der Tori Amos, die nun jedoch neu arrangiert wurden – eingespielt wieder mit einem klassischen Orchester. Aber „Unrepentant Geraldines” ist nun anders, ganz anders sogar. Obwohl dies nicht auf die gesamte Diskographie der Tori Amos zutrifft, denn man könnte sogar behaupten, es ist ein Schritt zurück in die Anfangsjahre ihrer Karriere. Die Musik auf diesem neuen Album klingt stilistisch wie jene, die Tori Amos bereits in den 90ern des letzten Jahrhunderts veröffentlicht hat.

Das Piano und die Stimme der Sängerin stehen wieder ganz klar im Zentrum aller Titel. Und wer die Musik der Amerikanerin in den 90ern liebte, die oder der wird vom neuen Album der Tori Amos begeistert sein. Hier gibt es sie wieder, diese wunderbar leichten, feinen, perlenden oder schwebenden Pianoklänge, verbunden mit der Stimme der Sängerin. Vieles wirkt manchmal ein wenig zerbrechlich, schwelgt immer in Harmonie und ist angefüllt mit Melodiösität. Ein verträumtes Album zum Augenschließen und Träumen. Atmosphärisch bewegen sich die einzelnen Titel zumeist zwischen Melancholie, einer gewissen Traurigkeit und einer nicht zu überhörenden Sentimentalität. Dabei wirkt diese Art des Pop überaus weiblich. Und wenn einmal das Genre „Female Pop“ definiert werden würde, dann würde die Musik der Tori Amos auf „Unrepentant Geraldines” dafür beispielhaft stehen.

Vom Songmaterial her befinden sich die überzeugenderen Stücke gerade am Anfang der Platte. „America“, „Trouble's Lament”, „Wedding Day” oder aber „Weatherman” stellen alles Nummern zum Eintauchen dar, die man am besten an seinem Lieblingsplatz ganz entspannt genießt. Und auch wenn die Lieder in der zweiten Hälfte des Albums durchaus ebenfalls diese bereits erwähnten Gefühle transportieren, so packen einen die Melodien mitunter nicht mehr ganz so stark. Tori Amos singt hier zwar noch genauso schön, das Piano ist bestens gestimmt, jedoch klingen die einzelnen Titel ein wenig selbstverliebt. Vielleicht liegt dies an dem Umstand, dass man Tori Amos hier jetzt häufig in vielen Stimmen hört, die immer und immer wieder übereinandergelegt wurden.

Fazit: Ein sehr schönes, melodiöses Album ist „Unrepentant Geraldines” geworden. Meist sehr sanfte Musik zum Träumen und Augenschließen. Ein Wiederaufleben der Tori Amos der 90er Jahre ohne, dass dies in irgendeiner Art und Weise störend wäre. Einfach irgendwie gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: America, Wedding Day, Rose Dover



Mittwoch, 9. Juli 2014

Peter Murphy – Deep




Peter Murphy – Deep


Besetzung:

Peter Murphy – vocals


Gastmusiker:

Terl Bryant – drums, percussion
Eddie Branch – bass
Paul Statham – guitar, keyboards
Peter Bonas – guitar
Gill Tingay – harp
Jim Williams – guitar
Simon Rogers – acoustic guitar


Label: RCA


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Alternative


Trackliste:

1. Deep Ocean Vast Sea (4:09)
2. Shy (4:36)
3. Crystal Wrists (4:09)
4. Marlene Dietrich's Favourite Poem (5:20)
5. Seven Veils (5:58)
6. The Line Between The Devil's Teeth (And That Which Cannot Be Repeat) (5:34)
7. Cuts You Up (5:26)
8. A Strange Kind Of Love (Version One) (3:48)
9. Roll Call (6:34)
10. Roll Call (Reprise) (8:17)

Gesamtspieldauer: 53:54




„Deep” heißt das dritte Solo-Album des Ex-Bauhaus Frontmanns Peter Murphy. 1989 erschienen, hält es einige sehr intensive Momente für den Hörer parat. Über allem schwebt dabei die tiefe und eindringliche Stimme des Peter Murphy, die dieser, manchmal verwunschen wirkenden Alternative-Rock-Musik, noch sehr viel zusätzlichen Ausdruck verleiht.

Die zehn Titel stellen eine Mischung aus getragenen Stücken sowie Liedern dar, die vom Rhythmus leben. Es sind allerdings die ruhigeren Songs, die einen auf „Deep“ wirklich fesseln können und die man, einmal gehört, nicht mehr missen möchte. An erster Stelle steht hier „A Strange Kind Of Love (Version One)”. Die Nummer, zunächst lediglich mit der akustischen Gitarre instrumentiert, besitzt eine solche Eindringlichkeit, wie es nur wenige Lieder überhaupt in der Lage sind zu erzeugen. Auch hier wird diese Atmosphäre sehr stark durch die Stimme des Peter Murphy transportiert.

Ebenfalls sehr gelungen ist der ebenso ruhige und verträumte Titel „Marlene Dietrich's Favourite Poem”. Die Zutraten sind dieselben: ruhige Klänge und diese, einen packende Stimme sowie eine Melodie zum Herzerweichen. Dass Peter Murphy es allerdings auch flotter kann, soll heißen eine tolle Melodie mit einem treibenden Groove zu verbinden, zeigt er auf „Cuts You Up“. Dieser Titel war die erfolgreichste Single-Auskopplung des Albums und schafft es ebenso schnell, sich im Ohr des Hörers festzusetzen.

Peter Murphy kann auf „Deep“ allerdings auch ein wenig experimenteller klingen. Dann ist das Ganze nicht mehr ganz so eingängig wie zum Beispiel beim letzten und längsten Titel „Roll Call (Reprise)”. Jetzt will die Musik eher erarbeitet werden, ist nicht mehre unbedingt mit dem Adjektiv „melodiös“ zu umschreiben und zündet sicherlich auch nicht beim ersten Hören. Das wiederum macht die Platte allerdings nur noch ein wenig spannender.

Fazit: Ein sehr differenziertes und abwechslungsreiches Album stellt „Deep“ dar. Nicht alles darauf kann restlos überzeugen, allerdings befinden sich auf der Platte auch Titel, die man unbedingt gehört haben muss, vor allem wenn man auf Eingängigkeit in der Musik steht. Ein sehr spannendes und lohnendes Album, was weniger vom Rock, sondern eher von der hier verströmten Atmosphäre lebt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Marlene Dietrich's Favourite Poem, Cuts You Up, A Strange Kind Of Love



Dienstag, 8. Juli 2014

Midnight Oil – Diesel And Dust




Midnight Oil – Diesel And Dust


Besetzung:

Martin Rotsey – guitars
Peter Gifford – bass, vocals
Robert Hirst – drums, vocals
Jim Moginie – guitars, keyboards
Peter Garrett – vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Beds Are Burning (4:14)
2. Put Down That Weapon (4:38)
3. Dreamworld (3:36)
4. Arctic World (4:21)
5. Warakurna (4:38)
6. The Dead Heart (5:10)
7. Whoah (3:50)
8. Bullroarer (4:59)
9. Sell My Soul (3:35)
10. Sometimes (3:53)

Gesamtspieldauer: 43:17




1987 erschien das sechste Studio-Album der australischen Alternative Rock-Band Midnight Oil unter dem Titel „Diesel And Dust“. Diese Scheibe sollte verkaufstechnisch zur erfolgreichsten der Bandgeschichte werden und auch fast alle Kritiker waren der Meinung, dass Midnight Oil hier etwas Großes gelungen war. Das Rolling Stone Magazine setzte das Album dann auch auf Platz 13 der besten Alben der 80er Jahre. Und in der Rock-Enzyklopädie der „100 besten australischen Platten“, geschrieben von den Musikjournalisten Toby Creswell, Craig Mathieson und John O'Donnell, wurde es noch vor „Back In Black“ von AC/DC auf Platz 1 gewählt.

Die Texte handeln auf „Diesel And Dust“ nicht von Herzschmerz oder sonstigen Liebeleien, sondern beschäftigen sich mit der Situation der Ureinwohner Australiens, den Aborigines, sowie der Fortschreitenden Umweltzerstörung. Hierbei hat man jedoch niemals das Gefühl, dass man jetzt mit einem erhobenen Zeigefinger gemaßregelt werden soll, vielmehr liefern die transportierten Botschaften Anregungen zum Nachdenken. Sehr schlau gemacht.

Die Musik auf „Diesel And Dust“ ist kraftvoll, es rockt, ohne zu übertreiben. Bei jedem Titel steht die Melodie noch im Vordergrund, die sich häufig auch sehr schnell im Ohr festzusetzen weiß. Größter Hit des Albums war „Beds Are Burning“, ein wahrlich leidenschaftlicher Titel. Dies kann man durchaus auch von „The Dead Heart“ behaupten. Zwar ist die Nummer ein klein wenig ruhiger gestaltet, jedoch eines der Lieder, welches man auch viele, viele Jahre später immer noch sehr gerne hören wird. Unglaublich eingängig wird hier die Situation der Aborigines sehr eindringlich geschildert. Eines der besten Lieder, wenn nicht der beste Titel, den die Band geschrieben hat. Unbedingt auch noch Erwähnung finden muss hier „Put Down That Weapon“. Sicherlich nicht ganz so bekannt, wie die bereits erwähnten Nummern, jedoch nicht weniger hörenswert. Durch das Keyboard klingt das Lied ein klein wenig „verwunschen“, was durch die manchmal fast schon flüsternd gehauchte Stimme des Peter Garrett noch verstärkt wird. Im Grunde könnte man hier jetzt noch weitere Titel aufzählen, die je nach ganz persönlichem Geschmack an erster Stelle auf diesem Album rangieren. Festzustellen bleibt dabei, dass alle Lieder überaus hörenswert sind und man nach Ausfällen beziehungsweise weniger geglückten Stücken auf „Diesel And Dust“ vergeblich Ausschau hält.

Fazit: Australischer Alternative Rock at its best. Eine Scheibe, die einfach Spaß macht. Rockig und eingängig, intelligent und abwechslungsreich. Wer auf gut gemachte Rock-Musik steht und dieses Album noch nicht kennt, die oder der hat etwas verpasst. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Put Down That Weapon, The Dead Heart