Donnerstag, 24. Dezember 2015

Udo Lindenberg – Lindenberg




Udo Lindenberg – Lindenberg


Besetzung:

Udo Lindenberg – vocal, drums, keyboards, percussion


Gastmusiker:

Carl G. Stephan – bass
Andy Marx – guitars
Helmut Franke – guitar on „Stardance“
Thomas Kretschmer – guitar on „Good Life City“
Mag Johannsen – backing vocals
Ischi Bendorff – backing vocals
Sybille Kynast – backing vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Good Life City (2:58)
2. It Is Allright Again (3:10)
3. We've Had Our Time (4:07)
4. Paradise Now (9:01)
5. Stardance (2:16)
6. We Could Be Friends (4:44)
7. The Children Of Your Children Won't Even Know Your Name (11:38)

Gesamtspieldauer: 37:56




Wer beim ersten Studioalbum des Udo Lindenberg mit dem kurzen Titel „Lindenberg“ aus dem Jahr 1971 jenen Udo Lindenberg erwartet, der kurze Zeit später Alben wie „Alles klar auf der Andrea Doria“, „Ball Pompös“, „Votan Wahnwitz“ oder „Galaxo Gang“ veröffentlichte, die oder der wird überrascht sein. Wer hier jedoch auf vergleichbare Platten wie „Udopia“, „Keule“, „Odyssee“ oder „Götterhämmerung“ hofft, wird enttäuscht sein und wer schließlich solch Alben wie „Zeitmaschine", „Der Exzessor", „Atlantic Affairs" oder „Stark Wie Zwei" zum Vergleich heranzieht wird kaum glauben können, dass es sich hierbei um denselben Udo Lindenberg handelt, den sie oder er musikalisch zu kennen glaubt.

Nun, die erste Scheibe des geborenen Gronauers klingt so ganz anders, als der Rest des umfangreichen Alben-Katalogs des Udo Lindenberg. Das liegt sicherlich nur zum einen daran, dass „Lindeberg“ das einzige Album ist, welches Udo Lindenberg in Englisch eingesungen hat. Auf „Lindenberg“ hört man Rock Musik, die manchmal etwas psychedelisch angehaucht ist, ein anderes Mal eher sphärisch klingt, sich dann durchaus auch mal progressiv und schließlich sogar etwas folkig anhört – neben all den rockigen Zügen, die diese Platte auch aufweist.

Die Lieder sind dabei gar nicht mal beim ersten Hören sofort sehr eingängig. Manche werden es sogar auch abschnittsweise nie, wie die letzte Nummer, wohl das längste Lied, welches Udo Lindenberg jemals geschrieben hat: „The Children Of Your Children Won't Even Know Your Name“. Gut, sicherlich ist auch der Titel des Liedes selbst der längste aller Lieder des Udo Lindenberg. Die Nummer setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die durch den Text zusammengehalten werden. Da klingt so mancher Part durchaus sehr melodiös, ein anderer jedoch eher sphärisch und experimentell und hier wird dann auf das gesungene Wort ganz verzichtet. Sehr spannend.

Jedoch ist nicht nur dieser Titel durch seine verschiedenen Abschnitte sehr abwechslungsreich gestaltet. Es ist das ganze Album, welches wahrlich ein breites Spektrum an Facetten der Rock Musik abbildet. Und überdeutlich wird hier bereits die Gabe des Udo Lindenberg, tolle Melodien zu komponieren. Auch klingt die Stimme des Wahl Hamburgers hier für mich noch interessanter, als auf manchem der späteren Alben. Zwar erkennt man Udo Lindenberg auch auf „Lindenberg“ mit jeder Silbe, trotzdem klingt sein Gesang hier noch deutlich weicher und irgendwie auch abwechslungsreicher.

Fazit: Wer Udo Lindenberg mal ganz anders hören möchte, hier hat sie oder er die Chance dazu. Ich weigere mich an dieser Stelle von Krautrock zu sprechen, das wäre es nur bezüglich des Herkunftslandes der Musik. Udo Lindenberg zelebriert hier Rock Musik, die durchaus verschiedene Stilrichtungen beinhaltet. Freunde des etwas psychedelischen oder progressiven Musikgenres werden mit „Lindenberg“ sehr viel mehr Spaß haben als Musikhörer, die gerne Pop-Musik hören. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Good Life City, We've Had Our Time, We Could Be Friends



Mittwoch, 23. Dezember 2015

The Boots – Here Are The Boots




The Boots – Here Are The Boots


Besetzung:

Uli Grun – Orgel, Mundharmonika
Bob Bresser – Bass
Werner Krabbe – Gesang, Gitarre, Mundharmonika
Jörg Schulte-Eckel – Leadgitarre, Gesang
Heinz Hoff – Schlagzeug


Label: Teldec


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Rock


Trackliste:

1. She's About A Mover (2:46)
2. Mama Keep You Big Mouth Shot (3:12)
3. Gloria (3:29)
4. It Ain't Necessarily So (2:28)
5. Give Love If You Want It (2:42)
6. But You Never Do It Babe (2:32)
7. Enchanted Sea (4:03)
8. Baby Please Don't Go (2:34)
9. Watcha Gonna Do About It (2:21)
10. When I Loved Her (2:18)
11. Jump Back Baby (1:41)
12. Dimples (2:56)
13. Boogie Children (3:33)
14. Walking In The Sand (Remember) (3:24)


Bonus Tracks der 1998  remasterten Albumversion:

15. In The Midnight Hour (Single Version) (2:29)
16. Watch Your Step (Single Version) (2:56)
17. One More Time (2:49)
18. I Wish You Would (2:47)

Gesamtspieldauer: 51:11




„Here Are The Boots” heißt der erste Scheibe der Berliner Band The Boots, die im Jahr 1965 auf dem Label Teldec veröffentlicht wurde. Zwei Alben brachten die fünf jungen Musiker zusammen heraus, dann war auch bereits wieder Schluss. Um diese Band gab es damals, in den 60er Jahren, einen ziemlichen Hype und sie wurden mit Größen wie den Rolling Stones, Animals oder Kinks verglichen. Hört man sich diese Scheibe heutzutage an, merkt man natürlich sofort, aus welcher Zeit diese Musik stammt – die Vergleiche sind allerdings auch heute noch durchaus nachvollziehbar.

Dabei bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass man diese „Beat-Musik“ wohl am besten genießen kann, wenn man auch ein Kind jener Zeit ist. Ich bin dazu noch zu jung, habe die „Boots“ (Wer wohl auf diesen Namen kam? Schuhe? Und wo wir gerade dabei sind... Wer hat dem Keyboarder im unten angehängten Video Frisur und Brille verpasst?) nicht zu ihrer Zeit gehört und heute klingt das einfach alles ein wenig nach „Oldie“. Ist irgendwie nicht mehr ganz so angesagt, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Doch halt, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Jungs hatten nämlich durchaus auch psychedelische Ansätze und genau dadurch wird diese Scheibe dann doch ein wenig interessanter und auch zeitloser. Ihre Interpretation des Them-Titels „Gloria“ ist sicherlich die beste, die es gibt, zumindest der mir bekannten. Ich habe immer Schwierigkeiten damit, wenn andere Bands mit Pink Floyd verglichen werden, da ich die Musik von Pink Floyd für nicht kopierbar halte, egal welche Periode der Bandgeschichte man sich da anhört. Allerdings, hier, bei „Gloria“, in den instrumentalen Teilen, da klingen die Berliner wie auf dem ersten Album von Pink Floyd „The Paper At The Gates Of Dawn“. Und jetzt kommt das Überraschende: Diese erste Pink Floyd Platte wurde erst 1967 veröffentlicht. Es klingt wirklich fast so, als ob sich Syd Barrett hier inspirieren ließ, von einer deutschen Band. Das Lied „Gloria“ gibt es in unzähligen Versionen der Boots, auf der ursprünglichen, hier enthaltenen Album-Version klingen sie so, auf anderen nicht mehr.

Auch sehr gelungen ist das darauffolgende Stück „It Ain't Necessarily So“. Hier hört man nun Eric Burdon heraus, der war allerdings mit seinen „Animals“ zur damaligen Zeit ebenfalls schon aktiv. Und schließlich gibt es da noch die etwas experimentelle Instrumentalnummer, die zunächst ohne großartige Melodieführung auskommt und eher Atmosphären transportiert, sich dann zu einem sehr sanften und getragenen Lied mit jeder Menge Hintergrundgeräuschen entwickelt, welches es ebenfalls verdient, auch heutzutage noch gehört zu werden. Nun, der Rest besteht aus diesen bereits erwähnten Oldies, diese schaffen es zumindest bei mir nicht mehr zu zünden und mich zu überzeugen.

Fazit: Die erste Scheibe der Berliner Band The Boots mit dem Titel „Here Are The Boots“ besteht aus einer ganze Menge Titel, die alle sehr unaufgeregt klingen und sich nach etwas rockigerer Musik der 60er Jahre anhören – und genau das sind sie ja auch. Drei Titel stechen aus diesem „Grundrauschen“ etwas heraus, die sich besonders lohnen gehört zu werden. Alles in allem stellt „Here Are The Boots“ eine kleine, zumeist unspektakuläre, musikalische Zeitreise dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Gloria, It Ain't Necessarily So, Enchanted Sea



Dienstag, 22. Dezember 2015

Kin Ping Meh – Virtues & Sins




Kin Ping Meh – Virtues & Sins


Besetzung:

Geff Harrison – lead vocals
Gagey Mrozeck – 6 & 12 string guitar
Alan "Joe" Wroe – bass
Frieder Schmitt – organ, string organ, piano & synthesizer
Kalle Weber – drums & percussion


Gastmusiker:

Jean-Jaques Kravetz – string organ on "Rich Kid Blues"
Chris Klöber – keyboard
Ralle Oberpichler – background vocals
Rolf Köhler – background vocals
Freya – background vocals
Puppa – background vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Good Time Gracie (3:33)
2. You're A Liar (7:25)
3. Night-Time Glider (5:44)
4. When Summer's Gone (5:40)
5. Whiskey Flyer (5:48)
6. Rich Kid Blues (6:58)
7. Living Your Lies (5:43)
8. Virtue And Sin (4:33)


Bonustracks der remasterten Ausgabe des Albums von 1998:

9. Me And I (3:25)
10. Blue Horizon (3:07)

Gesamtspieldauer: 52:00




Kin Ping Meh ist eine deutsche Rockband, die in den Jahren 1970 bis 1977 aktiv war, in dieser Zeit fünf Studioalben veröffentlichte und ab 2005 wieder zusammenfand, ohne jedoch eine weitere Platte aufzunehmen. Bei „Virtues & Sins“ handelt es sich um die vierte Scheibe der Band, die im Jahr 1974 auf dem Label Nova Records veröffentlicht wurde.

Die Band Kin Ping Meh, die sich nach einem in der Spätzeit der Ming-Dynastie entstandenen chinesischen Sittenroman benannte, wir natürlich auch wieder dem „Krautrock“ zugeordnet – wie alles, was damals deutsche Musiker in Englischer Sprache veröffentlichten. Doch wer mit Krautrock, Progressive Rock à la Grobschnitt, Jane oder Birth Control gleichsetzt, die oder der wird beim Hören von „Virtues & Sins“ Erstaunliches erleben, denn dem ist im Falle von Kin Ping Meh und ihrer vierten Platte nicht so. Kin Ping Meh machen nämlich keinen progressiven Rock. Lediglich die Nummer „You're A Liar“ auf diesem Album geht vielleicht mal abschnittsweise in diese musikalische Richtung, das war es dann aber auch schon. Ansonsten spielen die Mannheimer Rock Musik – oftmals der härten Art – Blues und auch einige folkig angehauchte Stücke.

Das Ergebnis ist etwas zwiespältig. Das bereits erwähnte „You're A Liar“ punktet durch seinen überaus großen Abwechslungsreichtum, „Night-Time Glider“ durch die hier vorhandene relaxte Atmosphäre und die unüberhörbare Eingängigkeit. Besonders herauszuheben ist auch noch „Rich Kid Blues“. Der Name des Titels ist dabei etwas irreführend, denn ein Blues ist dieses Lied eher weniger. „Rich Kid Blues“ ist eine sanfte Rock Nummer, sehr melodiös, die sofort ins Ohr geht und ganz im Gegenteil zu manch anderem Titel auf dieser Scheibe, sogar bereits beim allerersten Hören zu überzeugen weiß. Besonders gelungen dabei die immer alles untermalende, fette Orgel im Hintergrund.

Und der Rest? Auch in Ordnung. Zwar keine Höhepunkte mehr, allerdings gut hörbar und was man den Nummern auch nicht absprechen kann ist, dass diese verstehen im Ohr des Hörers zu reifen. Einzig das Titellied „Virtue And Sin“ dürfte wohl lediglich den absoluten Blues Fans ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Fazit: Eine, mit ein paar Höhepunkten versehenes Rock Album, ist „Virtue & Sin“ von Kin Ping Meh geworden. Sicherlich ist diese Scheibe kein Höhepunkt des deutschen Krautrock, allerdings werden sich hier Leute gut aufgehoben fühlen, die auf Rock mit Blueseinflüssen stehen. Nichts absolut Besonderes, jedoch durchaus hörenswert. Acht Punkte.

Anspieltipps: You're A Liar, Night-Time Glider, Rich Kid Blues



Montag, 21. Dezember 2015

Das Dritte Ohr – Zahltag




Das Dritte Ohr – Zahltag


Besetzung:

Udo Wolff – Gesang, Mundharmonika
Tom Schrader – Gitarre, Slide, Gesang bei „Starvin‘ Traveller“
Boogie-Meyer – Bass, Gitarre
Ferdi „Flachmann” Peters – Schlagzeug


Label: Telefunken


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Blues, Boogie Woogie


Trackliste:

1. Zahltag (4:34)
2. Wenn die Sonne sinkt (3:18)
3. Rita Rita (7:41)
4. Mordwest-Stadt (4:05)
5. Maibock (3:35)
6. Kalte Wut (4:44
7. Bleib weg (3:34)
8. Schwarzer Wurm (5:41)
9. Disco Fuzzies (3:28)


Bonustracks der remasterten Albumfassung von 1997:

10. Starvin' Traveller (4:17)
11. Sippin' Time (2:43)
12. Yo-Yo Woman (4:46)

Gesamtspieldauer: 52:34




Das Dritte Ohr ist eine deutsche Blues und Boogie Woogie Formation, die 1969 gegründet wurde und anscheinend bis heute aktiv ist. Angeblich ist diese Platte mit dem Titel „Zahltag“ aus dem Jahr 1979 auch das meistverkaufte Blues-Album in deutscher Sprache. Wundern dürfte einen das zunächst nicht besonders, denn allzu viele deutsche Bands, die sich dem Blues mit deutschen Texten verschrieben haben, gibt es nun einmal nicht. Andererseits, wenn man dann diese Schreibe durchgehört hat, steht man mit offenem Mund da und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Das Problem bei dieser Platte ist für mich zunächst einmal ganz klar, dass ich mit Blues nicht gerade groß geworden bin, die Musik mich oftmals nicht packt, doch von diesem musikalischen Genre trotzdem auch immer wieder begeistert werde. Und so gab ich auch diesem Album die Chance mich zu überzeugen, doch mir wurde sehr schnell klar, dass zumindest ich mit dieser Art des Blues ziemlich wenig bis gar nichts anfangen kann – mit dem hier vertretenen Boogie Woogie ebenfalls nicht. Diese unendlich langen, irgendwie selbstverliebten Soli auf der Gitarre oder Mundharmonika sind unfassbar nervenzerrend. Da gibt es nichts Melodisches, nichts Eingängiges zu entdecken, auch kein mitreißendes Solo, egal auf welchem Instrument auch immer. Ich finde auch die Texte in keinster Weise lustig oder witzig, auch hier packt mich leider so rein gar nichts. Eher ganz im Gegenteil, wer mal was wirklich Peinliches hören möchte, der sollte sich unbedingt mal Disco Fuzzies reinziehen. Un-fass-bar.

Bei den Texten kann man aber immerhin noch so eine gewisse Abwechslung feststellen, die bei der Musik leider völlig verloren geht. Alle Blues Lieder klingen gleich, alle Boogie Woogie Lieder klingen gleich. Man denkt immer, wie haben die Jungs es geschafft, mit zwei Stücken ein ganzes Album zu füllen? Lediglich der Einsatz der Mundharmonika variiert, die ist mal mehr präsent, mal weniger. 

Fazit: Es tut mir sehr leid, wahrscheinlich kann ich diese Scheibe einfach nicht entsprechend würdigen, weil das so überhaupt nicht meine Baustelle ist. Wenn ich dann jedoch lese, dass dies die meistverkaufte deutsche Bluesplatte ist, dann kommt in mir der Verdacht auf, dass es wohl auch die einzige sein muss. Das Ganze klingt so lahm, so zäh, dass es für mich kaum in Worte zu fassen ist. Sorry. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Alles



Sonntag, 20. Dezember 2015

Dream Theater – Octavarium




Dream Theater – Octavarium


Besetzung:


James LaBrie – lead vocals
John Petrucci – guitar, backing vocals
Jordan Rudess – keyboards, continuum, lap steel guitar
John Myung – bass
Mike Portnoy – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Orchestra on "Sacrificed Sons" and "Octavarium"

Elena Barere – concert master
Katharine Fong – violin
Ann Lehmann – violin
Katherine Livolsi-Stern – violin
Laura McGinniss – violin
Catherine Ro – violin
Ricky Sortomme – violin
Yuri Vodovoz – violin
Vincent Lionti – viola
Karen Dreyfus – viola
Richard Locker – cello
Jeanne LeBlanc – cello
Pamela Sklar – flute
Joe Anderer – french horn
Stewart Rose – french horn

String Quartet on "The Answer Lies Within"

Elena Barere – violin
Carol Webb – violin
Vincent Lionti – viola
Richard Locker – cello


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. The Root Of All Evil (8:25)
1. VI. Ready
2. VII. Remove
2. The Answer Lies Within (5:33)
3. These Walls (7:36)
4. I Walk Beside You (4:29)
5. Panic Attack (8:13)
6. Never Enough (6:46)
7. Sacrified Sons (10:43)
8. Octavarium (24:00)
1. Someone Like Him
2. Medicate (Awakening)
3. Full Circle
4. Intervals
5. Razor's Edge

Gesamtspieldauer: 1:15:46




„Octavarium“ heißt das achte Studioalbum der US-amerikanischen Progressive Metal Band Dream Theater. Nomen ist hier also Omen, wenn man seine achte Scheibe, die im Jahr 2005 auf Atlantic Records veröffentlicht wurde, auf diese Weise betitelt. Und dieses „Octavarium“ klingt irgendwie sehr routiniert. Jedoch klingt es anders, als noch der Vorgänger „Train Of Thought“, denn die dort noc hvorherrschende kompromisslose Härte, die ist auf „Octavarium“ fast vollständig verschwunden. Lediglich beim Opener „The Root Of All Evil“ und beim wahrlich harten „Kracher“, „Panic Attack“, kommt noch solch eine Atmosphäre wie auf dem Vorgängeralbum auf.

Routiniert ist die Musik auf „Octavarium“ allerdings deshalb, weil Dream Theater sich nicht mehr neu erfinden müssen. All die Titel, die es auf dieser Scheibe zu hören gibt, kann man getrost auch mit „solide“ umschreiben. Da gibt es keinen Ausreißer nach unten, alles wirkt und klingt. Allerdings ist „Octavarium“ auch kein „Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory“ mehr. Das soll heißen, die ganz großen Ausbrüche nach oben hin, zu jenen Liedern, die ein Album überragend werden lassen, die fehlen ebenfalls. Dies ist jedoch „Jammern auf relativ hohem Niveau“, denn die einzelnen Titel gehen durchaus ins Ohr.

Was auch auf dieser Platte auffällt, das ist die Bandbreite, die die Band hier ihren Hörerinnen und Hörern bietet. Da gibt es die bereits erwähnten harten Metal Nummern, jedoch auch die sanften, balladesken Titel. Sie können sehr melodisch klingen oder auch einfach nur schnell. Und selbst die Umsetzung der Musik von Dream Theater mit einem ganzen Orchester gibt es auf „Octavarium“ zu erhören. Jede Menge Gründe also, sich Zeit für dieses Werk der US Amerikaner zu nehmen, welches natürlich – wie jedes Album von Dream Theater – mit der Zeit noch im Ohr reift.

Fazit: Dream Theater erfinden sich auf „Octavarium“ nicht neu. Die Band setzt auf Altbewährtes, was jedoch nichts Schlechtes bedeuten muss. Die einzelnen Stücke überzeugen durchaus und machen Spaß. Wie manche Menschen allerdings auf die Idee kommen zu behaupten, Dream Theater sei die beste Progressive Rockband, welche es jemals gab, das erschließt sich mir auch auf „Octavarium“ nicht. Dream Theater ist eine gute Progressive Metal Band, nicht mehr und nicht weniger. Wer nach einem Beweis sucht, der sollte sich mal „Octavarium“ reinziehen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Root Of All Evil, The Answer Lies Within, Octavarium



Samstag, 19. Dezember 2015

Steve Howe – Beginnings




Steve Howe – Beginnings


Besetzung:

Steve Howe – electric and acoustic guitars, bass, lap steel, vocals, mandolin, moog, organ


Gastmusiker:

Alan White – drums
Graeme Taylor – guitar
Malcolm Bennett – bass, flute
Dave Oberlé – drums
Colin Gibson – bass
Patrick Moraz – piano, harpsichord, moog, mellotron
Bud Beadle – saxophone
Mick Eve – saxophone
Patrick Halling – violin
William Reid – violin
John Meek – viola
Peter Halling – cello
Chris Laurence – double bass
James Gregory – flute, piccolo
Sidney Sutcliffe – oboe
Gwyd Brooke – bassoon
Bill Bruford – drums 


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Doors Of Sleep (4:09)
2. Australia (4:14)
3. The Nature Of The Sea (3:58)
4. Lost Symphony (4:42)
5. Beginnings (7:34)
6. Will O' The Wisp (6:00)
7. Ram (1:53)
8. Pleasure Stole The Night (2:58)
9. Break Away From It All (4:20)

Gesamtspieldauer: 39:51




Im Jahr 1975 veröffentlichten Yes keine neue Platte, was lag da also näher, ein Solo-Album zu veröffentlichen. Dies machte auch Yes Gitarrist Steve Howe und holte sich dabei gleich Unterstützung durch ehemalige oder aktuelle Bandkollegen. So ist bei fünf Nummern Alan White am Schlagzeug zu hören, bei zwei weiteren Bill Bruford. Am Piano, Cembalo, Synthesizer und Mellotron hört man Patrick Moraz. Damit hätte das erste Solo-Album des Steve Howe auch durchaus ein nettes werden können, nur leider kam niemands auf die Idee dem Yes Gitarristen mitzuteilen, dass er leider so überhaupt nicht singen kann.

Genau das ist das große Manko dieser Scheibe, der Gesang, der äußerst gewöhnungsbedürftig ist. Und Steve Howe trifft bei Weitem nicht alle Töne. Das hört sich dann schon mal relativ schräg an, an manchen Stellen sogar unfreiwillig komisch. Schade, denn die Musik auf „Beginnings“ ist gar nicht mal so schlecht geraten. Man kann zwar nicht behaupten, dass man hier Yes-Musik geboten bekommt, jedoch in die Richtung dieser progressiven Voreiter-Band geht die Musik schon. Eine Ausnahme bildet hier das Titellied, welches mit Orchester eingespielt wurde und sich eher wie ein klassisches Stück anhört und mit Rock Musik so gar nichts mehr zu tun hat. Jedoch macht diese Nummer Spaß, mit jedem Hören sogar noch ein wenig mehr. Streicher, Flöte und Oboe geben alles und so schafft es auch dieses Lied sich einen Platz im Ohr von Hörerin und Hörer zu erobern.

Im Übrigen sind alle Titel auf „Beginnings“ überaus melodiös und gehen ins Ohr, auch wenn sie vielleicht nicht ganz die gleiche Wirkung entfalten, wie jene, die Steve Howe mit seinen Yes-Kollegen einspielte. Trotzdem ist das gut anzuhörender, in die Richtung „progressiv“ gehender Rock, bis eben jener traurige Gesang einsetzt. Vielleicht gewöhnt man sich auch im Laufe des Hörens an diese Stimme, denn zumindest gegen Ende der Scheibe scheint es mit den gesanglichen Qualitäten des Steve Howe irgendwie aufwärts zu gehen – aber vielleicht ist das alles auch nur Einbildung.

Fazit: Ein schlechtes Album ist „Beginnings“ wahrlich nicht geworden. Es wäre ein noch besseres, wenn dieser Gesang nicht wäre und sich Steve Howe um einen ordentlichen Rocksänger bemüht hätte. Interessant bleibt es trotzdem. Die einzelnen Lieder gehen ins Ohr und auch, wenn man „klassisch angehauchte“ Musik von Rockmusikern immer mit Vorsicht genießen muss, so bleibt auch der Titeltrack als Besonderheit hängen – aber da wird ja auch nicht gesungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Beginnings, Will O' The Wisp



Freitag, 18. Dezember 2015

Nik Kershaw – The Riddle




Nik Kershaw – The Riddle


Besetzung:

Nik Kershaw – vocals, vocal percussion, guitars, bass and keyboards


Gastmusiker:

Tim Moore – keyboards
Andy Richards – keyboards
Paul (Wix) Wickens – fairlight and dmx programming
Dennis Smith – bass
Charlie Morgan – drums
Pandit Dinesh – percussion
Stuart Curtis – horns
Dave Land – horns
Sheri Kershaw – backing vocals
Don Snow – backing vocals
Mark King – bass on "Easy"


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Pop, Synthie Pop, New Wave


Trackliste:

1. Don Quixote (4:55)
2. Know How (4:52)
3. You Might (3:17)
4. Wild Horses (3:59)
5. Easy (4:13)
6. The Riddle (3:52)
7. City Of Angels (3:56)
8. Roses (3:58)
9. Wide Boy (3:28)
10. Save The Whale (6:02)

Gesamtspieldauer: 42:32




Lediglich neun Monate nach der ersten, brachte Nik Kershaw im Jahr 1984 gleich seine zweite Platte heraus. Die Kuh wollte gemolken werden, solange sie noch Milch gab. Mit dem Vorgänger- und Debutalbum „Human Racing“ und ganz besonders mit dem darauf enthaltenen Hit „Wouldn't It Be Good“, war dem Briten der internationale Durchbruch gelungen. Jetzt sollte „The Riddle“ noch im Weihnachtsgeschäft punkten.

Auf diesem Album befindet sich Synthie Pop in einer sehr ausgeprägten Form. Wer auf Gitarrensound steht, hat hier sowieso schon verloren, denn Keyboards und Synthesizer stehen auf „The Riddle“ zumeist im Vordergrund. Dabei fehlen mir ganz klar die Melodien, die ins Ohr gehen. Das mag manchmal „ganz nett“ klingen, wie beim Titelsong „The Riddle“, aber sonst? Sonst wird es deutlich schwieriger.

Und so läuft diese Platte durch und noch einmal und dann noch einmal. War das was? Nein leider nicht, denn auf „The Riddle“ befindet sich im Grunde genommen nichts, was besonders lange hängenbleibt. Das bedeutet nicht, dass man beim Hören dieser Musik schlagartig den Raum verlassen muss – außer man steht vielleicht nur auf härteren Rock – aber diese Musik läuft eben nur so an einem vorbei, ist auf ihre Art leider etwas belanglos.

Fazit: Für all jene Freunde der Musik, die beim Thema „Synthie Pop“ so richtig aus sich herausgehen können. Und für all jene Freunde der 80er Jahre, die dieses Jahrzehnt auch noch mal musikalisch nachempfinden möchten, denn das geht mit „The Riddle“ vortrefflich. Ansonsten ist diese Platte ein absolut harmloses Album, welches kaum Spuren hinterlässt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: You Might, The Riddle



Donnerstag, 17. Dezember 2015

Mark Hollis – Mark Hollis




Mark Hollis – Mark Hollis


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, guitar


Gastmusiker:

Martin Ditcham – drums, percussion
Chris Laurence – double bass
Lawrence Pendrous – piano, harmonium
Iain Dixon – clarinet
Tim Holmes – clarinet
Mark Feltham – harmonica
Henry Lowther – trumpet
Andy Panayi – flute
Melinda Maxwell – cor anglais
Dominic Miller – guitar
Robbie McIntosh – guitar
Maggie Pollock – bassoon
Julie Andrews – bassoon


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. The Colour Of Spring (3:52)
2. Watershed (5:45)
3. Inside Looking Out (6:21)
4. The Gift (4:22)
5. A Life (1895 - 1915) (8:10)
6. Westward Bound (4:18)
7. The Daily Planet (7:19)
8. A New Jerusalem (6:49)

Gesamtspieldauer: 47:00




Mark Hollis war der treibende Kopf bei Talk Talk, mit denen er insgesamt fünf Studioalben veröffentlichte, die hier auch bereits besprochen wurden. Anfang der 90er Jahre war dann Schluss mit Talk Talk, die Musik der Band war der Plattenfirma deutlich zu unkommerziell geworden. Und so gab Mark Hollis danach nur noch ein musikalisches Lebenszeichen in Form eines Studioalbums von sich und zwar in Form dieses selbstbetitelten Soloalbums. Inzwischen hat sich Mark Hollis vollständig aus dem Musikgeschäft zurückgezogen, da er sich mehr der Familie widmen wollte und anmerkte, dass er sich zu entscheiden hatte, entweder auf Tour zu gehen oder ein guter Vater zu sein. Diese Entscheidung fiel zugunsten seiner Kinder aus…

Mark Hollis ist mit Sicherheit ein ganz besonderer Musiker. Allein schon diese Entwicklung vom Synthie Pop der beginnenden 80er Jahre, zu immer mehr minimalistischer, progressiver Musik mit Talk Talk. Nun und auf die Spitze getrieben hat es der gebürtige Londoner dann mit diesem, seinem einzigen Solo-Album. Ich kenne kein minimalistischeres Album. Die Platte beginnt mit 18 Sekunden Stille. Sie endet mit 1:40 Minuten Stille. Dazwischen liegen acht Titel, wie sie ruhiger und sanfter überhaupt nicht sein könnten. Und wer beim letzten Stück auf eine „Hidden Track“ wartet, wird definitiv enttäuscht sein.

Mark Hollis verzichtet auf dieser Platte auf den Einsatz jeglicher elektrischer Instrumente, dafür kommen jede Menge, sonst in der Pop Musik eher selten eingesetzte Musikinstrumente zum Einsatz. Auch das Schlagzeug, sowie die Perkussion hält sich größtenteils sogar sehr zurück. Alles wirkt irgendwie gehaucht, unfassbar zart und zerbrechlich. Dazu passt natürlich perfekt der Gesang des Mark Hollis, der hier ebenfalls nur mit gehaucht oder geflüstert gesungen umschrieben werden kann. Ich kann noch nicht einmal behaupten, dass die Musik des Mark Hollis auf diesem Album sehr melodiös ist, obwohl hier natürlich nichts atonal klingt. Harmonisch hört sich hier jeder Titel an, aber irgendwie doch nicht eingängig.

Das liegt zum einen daran, dass hier durchaus mal der eine oder andere „schräge“ Ton gesetzt wird, zum anderen ein „normaler“ Liedaufbau nicht vorhanden ist. Die Stücke des Mark Hollis funktionieren hier nicht mehr auf die Art: Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain. Herkömmliche „Konventionen“ wurden von Mark Hollis über Bord geworfen. Ist das alles nur Strophe? Oder doch alles nur Refrain? Spielt alles keine Rolle, denn in der Musik des Briten geht es um Stimmungen, um sanfte Gefühle, um mystische Atmosphären.

Fazit: Wenn jemand das ruhigste Album dieser Welt hören möchte… Wenn jemand das unkommerzionellste Album der Welt hören möchte…. Wenn jemand das Album hören möchte, bei dem ein Musiker einen unfassbaren Wandel vollzieht, dann, ja dann ist dieses Mark Hollis Solo Album ideal. Andererseits aber, wer minimalistische Musik hören möchte, die begeistert, die oder der ist hier noch viel besser aufgehoben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Irgendwie alles… ich kann es echt nicht sagen.



Mittwoch, 16. Dezember 2015

Heroes Del Silencio – Senderos De Traición




Heroes Del Silencio – Senderos De Traición

Besetzung:

Enrique Bunbury – vocalist
Joaquin Cardiel – bass
Juan Valdivia – guitar
Pedro Andreu – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Rock


Trackliste:

1. Entre Dos Tierras (6:05)
2. Maldito Duende (4:14)
3. La Carta (3:05)
4. Malas Intenciones (3:47)
5. Sal (0:17)
6. Senda (3:50)
7. Hechizo (4:38)
8. Oración (4:06)
9. Despertar (2:50)
10. Decadencia (4:16)
11. Con Nombre De Guerra (4:18)
12. El Cuadro II (4:03)

Gesamtspieldauer: 45:34




Die spanische Band Heroes Del Silencio hat von 1988 bis zum Jahr 1995 vier Studioalben veröffentlicht. „Senderos De Traición“ ist die zweite Platte dieser Reihe und erschien im Mai 1990 auf dem Major Label EMI. Wenn man an spanische Musik denkt, dann fallen einem spanische Gitarren und Flamenco ein, jedoch in einem Zug mit Rock Musik, da werden die Iberer kaum genannt.

Zumindest für die Band Heroes Del Silencio wäre es jedoch schade, wenn diese nicht auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt wäre. Besonders gilt das für ihr Album „Senderos De Traición“, welches mit dem Eröffnungslied „Entre Dos Tierras“ auch das wohl bekannteste Lied der Band enthält. Guten gemachten und groovenden Rock hört man hier, Rock Musik, die ins Ohr geht und die mitreißt. Jedoch ist nicht nur diese Nummer hörenswert auf „Senderos De Traición“, einem Album, welches vom ersten bis zum letzten Takt überzeugen kann.

Vorherrschend sind die rockigeren Töne, allerdings können die vier Musiker auch in den ruhigeren Abschnitten des Albums punkten, welches genau durch diese Stimmungswechsel noch an Klasse gewinnt. Sehr schön zu sehen beziehungsweise zu hören ist dies gleich beim Übergang von dem bereits erwähnten „Entre Dos Tierras“ zum zweiten Lied des Albums, „Maldito Duende“. Hier klingen die Heroes Del Silencio jetzt deutlich verträumter, sehnsüchtiger, obwohl dies alles andere als Soft Rock ist. Sehr überzeugend, denn jeder Titel hat etwas auf diesem Album, geht ins Ohr, sodass man diese Scheibe auch über die Jahre hinweg immer wieder gerne auflegt, obwohl man, wenn man des Spanischen nicht mächtig ist, sich eher auf die Stimmung als auf den Inhalt konzentriert. Und etwas Negatives? Nun, diese „Uuuuuh“-Rufe, die macht Sänger Enrique Bunbury schon recht gerne. Ein weiteres Erkennungsmerkmal dieser Band. Ob man das jedoch so häufig mit einbauen musste? Ach was, Jammern auf hohem Niveau…

Fazit: Überzeugende Rockmusik aus Spanien ist auf dem Album „Senderos De Traición“ der Heroes Del Silencio zu hören. Die Musik ist meistens rockig und trotzdem immer sehr melodiös und geht schnell ins Ohr. Wenn auch alles sehr im selben Stil gehalten ist, sorgen die unterschiedlich schnellen, lauteren oder leiseren Titel für die Abwechslung. Hörenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Entre Dos Tierras, Maldito Duende, El Cuadro II



Dienstag, 15. Dezember 2015

Jane’s Addiction – Ritual De Lo Habitual




Jane’s Addiction – Ritual De Lo Habitual


Besetzung:

Perry Farrell – lead vocals
Dave Navarro – guitar
Eric Avery – bass
Stephen Perkins – drums


Gastmusiker:

Charlie Bisharat – violin (Of Course), electric violin (Then She Did...)
Ronnie S. Champagne – bass (Of Course)
John Philip Shenale – strings (Then She Did...)
Geoff Stradling – piano (Obvious, Then She Did...)
Cindy Lair – spoken word (Stop!)


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Alternative Rock, Punk, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Stop! (4:14)
2. No One's Leaving (3:01)
3. Ain't No Right (3:34)
4. Obvious (5:55)
5. Been Caught Stealing (3:34)
6. Three Days (10:48)
7. Then She Did... (8:18)
8. Of Course (7:02)
9. Classic Girl (5:07)

Gesamtspieldauer: 51:37




Musik kann manchmal wahrlich schwierig sein, man hört in eine Platte rein, glaubt solch eine Band gefällt einem ganz bestimmt nicht und plötzlich – mitten im Album – schwenkt die Musik um und haut einen weg. Genau so erging es mir mit dieser Scheibe von Jane’s Addiction. „Ritual De Lo Habitual“ ist 1990 auf dem Label Warner Brothers erschienen und ist die zweite Veröffentlichung von Jane’s Addiction. Album Nummer 3 sollte erst dreizehn Jahre später folgen.

Die ersten fünf Titel klingen für mich wie Punk – gespielt von einer Schülerband, die sich gerade mal ausprobieren will. Auch der Gesang des Perry Farrell klingt irgendwie noch nach „kleinem Jungen“, der sich zum Job des Sängers überreden ließ und schließlich sagte: „Okay ich mach’s.“ Unfassbar grausam, allerdings nicht nur der Gesang. Und ich war wieder einmal überrascht, wie manch ein Album im Internet gehypt wird. Dann plötzlich startet „Three Days“. Der Gesang ist immer noch nicht so ganz überzeugend, klingt jedoch schon mal deutlich besser und es entwickelt sich schließlich eine psychedelische Nummer, die es absolut in sich hat. Plötzlich passt dieser Gesang perfekt. Alles vibriert, alles rockt… sehr mitreißend – und dies knappe elf Minuten lang.

Gerade so, als ob die vier Kalifornier aus Los Angeles jetzt erst in Fahrt gekommen wären, legen sie mit „Then She Did…“ noch eine weitere sehr überzeugende Nummer nach. Hier klingen Jane’s Addiction zunächst noch psychedelischer und sogar etwas schräg, dann setzen die Gastmusiker in Form der Streicher ein und langsam, ganz langsam wird die Spannung immer weiter aufgebaut. Perry Farrell sinkt inzwischen richtig gut und das Lied steigert und steigert sich. Dieses Stück wird im weiteren Verlauf sehr viel experimenteller, schräge Piano- und Violinen-Tönen paaren sich mit melodischen Hintergrundakkorden. Dazu gesellt sich jetzt ein sehr kraftvoller Gesang. Hier sind Jane’s Addiction nun richtig spannend und rocken schließlich wieder weiter. Das machen sie im Anschluss daran bei dem Titel „Of Course“ deutlich weniger. Diese Nummer klingt wie eine etwas seltsame Folk-Nummer. Hier scheint irgendwie nicht jeder Ton immer ganz zu passen, allerdings hoffentlich natürlich gewollt. Trotzdem geht auch dieses Lied ins Ohr. Das Album klingt schließlich mit einem etwas hymnischen Stück aus, nicht der Höhepunkt der Platte, jedoch deutlich besser, als der Beginn von „Ritual De Lo Habitual“.

Fazit: Hätte dieses Album weiter so geklungen, wie auf den ersten fünf Titeln, nämlich nach Punk Rock einer Schülerband, ich hätte diese Scheibe nie wieder aufgelegt. Aber dann passiert es eben in der Mitte der Platte, hier gibt es dann psychedelisch angehauchten Alternative Rock zu hören, der durchaus zu begeistern weiß. Dieser ist melodisch und rhythmisch mitreißend. Jetzt klingen Jane’s Addiction anders, nicht alltäglich, etwas verschroben, experimentell, spannend eben. Diese letzten vier Lieder sind so gelungen, dass sie den Gesamteindruck dieser Scheibe sehr aufwerten. Für Freunde, die auf die psychedelische Seite des Alternative Rocks stehen, lohnt es sich alleine wegen „Three Days“ und „Then She Did...“. Wenn dieses Album nur aus solchen Titeln bestanden hätte, wären das zwölf Punkte geworden, jetzt sind es immerhin noch neun Punkte.

Anspieltipps: Three Days, Then She Did...



Montag, 14. Dezember 2015

Jane – Together




Jane – Together


Besetzung:

Klaus Hess – lead guitar
Charly Maucher – bass, vocals
Werner Nadolny – organ, flute
Peter Panka – drums, percussion
Bernd Pulst – vocals


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Krautrock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Daytime (8:10)
2. Wind (4:57)
3. Try To Find (5:27)
4. Spain (11:57)
5. Together (3:46)
6. Hangman (9:30)

Gesamtspieldauer: 43:49




„Together“ nannten die fünf Musiker aus Hannover ihr erstes Album, welches 1972 auf dem Label Brain veröffentlicht wurde. Darauf zu hören ist rockiger und melodischer Krautrock, der durchaus zu gefallen und überzeugen weiß. Man könnte die Musik auch mit hartem Progressive Rock umschreiben, der auf zu komplizierte Parts verzichtet. Auch das würde den Inhalt dieser Scheibe ziemlich gut umschreiben.

Auf „Together“ wird also gerockt und wer gerne Mal in dieses längst vergangene musikalische Zeitalter eintauchen möchte, der oder dem sei dieses Album wärmstens zu empfehlen. Meistens sind die Titel mit einem fetten Orgelsound des Werner Nadolny untermalt, der mal in die Richtung eines Jon Lords von Deep Purple weist, in den stilleren Abschnitten manches Mal auch leicht an das Keyboard-Spiel des Rick Wright bei Pink Floyd erinnert. Zu dieser Unterlage gesellen sich dann meist kurze Gesangs- und lange Instrumentalpassagen, wobei letztere oftmals von sehr melodischen Gitarrensoli dominiert werden. Meistens klingt das durchaus hart, also in die Richtung des Hard Rock weisend, allerdings wird dieses musikalische Genre immer nur gestreift, nie ganz erreicht.

Es sind genau diese langen Instrumentalpassagen, die die Musik von Jane dominieren, die auch wirklich gelungen sind und den Spaß an dieser Band begründen. Solch eine Nummer wie „Spain“ hat einfach was, wenn sich alles Mantra-artig steigert und steigert und dann doch wieder in ganz sanften Klängen mündet. Sehr hörenswert. Oder auch „Daytime“, eines der bekanntesten Stücke von Jane und ein immer wieder in den Live-Auftritten auftauchender Titel. Auch hier ist es die Steigerung, die die Musik innerhalb des Stücks erfährt, die diese Nummer so mitreißend werden lässt.

Negativ gibt es auf „Together“ kaum was zu meckern. Klar gibt es Bands, die eine deutlich vertracktere und kompliziertere Variante des Progressive Rock spielen, langweilig ist deshalb Jane jedoch noch lange nicht. Warum die Musiker allerdings eine leicht abgewandelte Version von „House Of The Rising Sun“ in ihr „Wind“ zu Beginn und am Ende mit eingebaut haben, das wird wohl das Geheimnis der Musiker von Jane bleiben.

Fazit: Jane vermitteln auf „Together“ sehr atmosphärisch die deutsche Krautrock-Musikland der damaligen Zeit. Wer einmal in diese Epoche hineinhören möchte, dem wird das mit dem Debut von Jane recht gut gelingen, auch wenn diese Band aus Hannover nur eine von mehreren war, die damals für „Furore“ sorgten. Die Musik auf „Together“ ist rockig und melodiös. Es gibt kompliziertere Ausprägungen dieses Genres, spannend sind Jane auf „Together“ jedoch allemal. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Daytime, Spain



Sonntag, 13. Dezember 2015

Michael Jackson – Dangerous




Michael Jackson – Dangerous


Besetzung:

Michael Jackson – vocals


Gastmusiker:

John Bahler – vocals
Michael Boddicker – keyboards, programming, sequencers, synthesizer
Bill Bottrell – bass, drums, guitar, vocals, mellotron, percussion, synthesizer
Brad Buxer – drums, keyboards, percussion, programming, synthesizer
Cleveland Orchestra – orchestration
Cleveland Orchestra Chorus – vocals
Larry Corbett – cello
The Andraé Crouch Singers – vocals
Paulinho Da Costa – percussion
Ashley Farell – vocals
Siedah Garrett – vocals
Kevin Gilbert – sequencers
Linda Harmon – vocals
Heavy D – rap
Paul Jackson, Jr. – guitar
Terry Jackson – bass
Louis Johnson – bass
Abraham Laboriel, Sr. – bass
Christa Larson – vocals
Rhett Lawrence – drums, percussion, synthesizer
Bryan Loren – drums, percussion
L.T.B. – rap
Andres McKenzie – vocals
René Moore – keyboards
David Paich – keyboards, programming, synthesizer
Greg Phillinganes – keyboards
Tim Pierce – guitar
Jeff Porcaro – drums
Steve Porcaro – keyboards, programming, synthesizer
Teddy Riley – drums, guitar, keyboards, synthesizer
Slash – guitar
Bruce Swedien – drums, keyboards, percussion
Shanice Wilson – vocals
Jai Winding – bass, keyboards, piano, programming


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Pop, Disco, Rock


Trackliste:

1. Jam (5:39)
2. Why You Wanna Trip On Me (5:24)
3. In The Closet (6:31)
4. She Drives Me Wild (3:41)
5. Remember The Time (4:00)
6. Can't Let Her Get Away (4:58)
7. Heal The World (6:25)
8. Black Or White (4:15)
9. Who Is It (6:34)
10. Give In To Me (5:29)
11. Will You Be There (7:40)
12. Keep The Faith (5:57)
13. Gone Too Soon (3:23)
14. Dangerous (6:57)

Gesamtspieldauer: 1:17:00




Okay, ich gebe es gerne zu, Michael Jackson machte Musik, mit der man als Freund der Rock Musik nicht immer hundertprozentig klar kam. Genau so verhält es sich auch bei seinem achten Solo-Album „Dangerous“ aus dem Jahr 1991, welches auf dem Label Epic Records veröffentlicht wurde. Die technische Grenze der Bespielbarkeit wurde dabei vom erfolgreichsten Solo-Künstler dieser Erde, fast vollständig ausgenutzt und so bekommen Hörerin und Hörer 77 Minuten Pop und rhythmische Discomusik, funkig dargeboten.

Weia, das muss man Abkönnen, diese Gesäusel. Ich schätze mal, wem Xavier Naidoo gefällt, die oder der ist gleichzeitig auch Michael Jackson Fan. Dieser Gesang ist mit der Zeit so etwas von nervend und dazu noch diese schleimigen Texte, Musik kann wahrlich hart sein. Solch eine Nummer wie „Heal The World“ testet vollständig die Grenzen des erträglichen aus. Dass Michael Jackson allerdings auch ein ganz anderes Gesicht haben kann, das zeigt er mit „Black Or White“. Zwar auch sehr poppiger Rock, aber eine einprägsame Nummer, die hängenbleibt und immerhin ist das Rock. Dies gilt auch für den folgenden Titel „Who Is It“, der jetzt allerdings wieder deutlicher im Pop beheimatet ist. Und dann wird es mit „Give In To Me“ sogar noch mal richtig rockig. Auch dieser Titel weiß zu überzeugen, bleibt hängen und gehört mit zu den besten Nummern, die Michael Jackson jemals geschrieben hat. Nun und auch das Gitarrensolo des Slash ist dabei überaus hörenswert.

Um diese drei Nummern herum, ist die ganze andere Seite des Michael Jackson herumdrapiert. Hier wird dann diese süßliche Atmosphäre verströmt, die charttechnisch sicherlich zum Erfolg führt, wie man beim schmalzigen „Give In To Me“ bestens hört. Doch wieder einmal mehr beweist dieser Umstand, dass Hitparaden nichts, aber auch gar nichts mit guter Musik zu tun haben.

Fazit: So ganz nachvollziehen kann ich es wirklich nicht, warum Michael Jackson so viele Alben verkaufte. Manchmal klingt das wirklich überzeugend – zugegebenermaßen, allerdings oftmals auch so unfassbar gestellt und platt. Leider überwiegen in meinem Ohr ganz deutlich diese letztgenannten, gar nicht so gelungenen und schmalzigen Stellen und Lieder. Michael Jackson hat in seiner Musik eine sehr große Spannbreite, sodass es wohl einfach so sein muss, dass man mit manchen Titeln nichts anzufangen weiß. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Black Or White, Who Is It, Give In To Me



Samstag, 12. Dezember 2015

Rome – Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufruhr




Rome – Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufruhr


Besetzung:

Jerome Reuter – words and music


Gastmusiker:

Rupert Kraushofer – spoken words


Label: Trisol


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Experimental Folk, Neofolk


Trackliste:

1. The Brute Engine (5:59)
2. Seeds Of Liberation (3:58)
3. To Each His Storm (3:49)
4. Sons Of Aeeth (4:14)
5. August Spies (3:21)
6. To Be Governed (2:18)
7. Families Of Eden (3:34)
8. Red Years, Black Years (4:28)
9. Little Rebel Mine (4:25)
10. The Breaking Part (3:53)
11. Eagle And Serpent (2:43)
12. A Cross Of Fire (9:16)

Gesamtspieldauer: 52:05




Drei Alben veröffentlichte Jerome Reuter im Jahr 2012 zeitgleich unter der Überschrift „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit“ auf dem Label Trisol. Dies hier ist der zweite Teil dieser Trilogie mit dem zusätzlichen Titel „Aufruhr“. Im beiliegenden Booklet kann man nachlesen, dass die gesprochenen Texte auf diesem Album unter anderem von Berthold Brecht, Peter Weiss, Pablo Neruda, Abel Paz, Hans Magnus Enzensberger, Georg Büchner, Friedrich Nietzsche, Reinaldo Arenas, Pierre-Joseph Proudhon und Gustav Landauer stammen. Man begibt sich also auf eine kleine literarische Reise mit dieser Scheibe, die sich mit dem Streben des Menschen nach Freiheit beschäftigt.

Gesungen wird wieder in Englisch, gesprochen zum größten Teil in Deutsch. Und diese Sprechparts spielen eine große Rolle auf „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufruhr“. Immer wieder gibt es auf dieser Platte Titel, die aus gesprochenem Wort bestehen, versehen mit sphärischer bis mystischer Hintergrundmusik. Dazu gesellen sich auch atmosphärisch dichte Nummern, die durchaus mit experimentell zu bezeichnen sind. Und schließlich gibt es sie natürlich auch noch, diese Lieder, die die Musik von Rome so unfassbar eingängig werden lassen. Das sind Neofolk Nummern, die überaus melodiös und eingängig sofort ins Ohr gehen.

Allerdings bedarf es dieses Mal einiger Durchgänge, bis sich einem diese Platte vollends erschließt. Das liegt wiederum an den bereits erwähnten „experimentelleren“ Nummern, die nun gar nicht so melodiös klingen, wie manch anderer Titel auf diesem Album. Die Spannbreite hat Jerome Reiter auf „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufruhr“ deutlich ausgeweitet. Hier findet sich Musik von Ohrwurm bis zu Soundkollage, die nicht immer sofort überzeugt, an manchen Stellen schwerer zu verstehen ist, als viele andere Scheiben von Rome, jedoch mit jedem Durchlauf weiter wächst.

Fazit: Düster, stimmungsvoll, martialisch, experimentell, atmosphärisch und dicht, so klingt „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufruhr“. Dieses Album lässt sich nicht genau eingrenzen, ist manchmal lieblich melodiös, will an anderer Stelle erarbeitet werden. Allerdings lohnt sich auch das wieder, diesem Album genug Zeit zum Reifen einzuräumen. Man wird nicht enttäuscht werden von der Musik des Jerome Reuter. Definitiv nicht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Seeds Of Liberation, August Spies, Eagle And Serpent


(leider sind alle Videos hierzu im Internet gesperrt)