Montag, 18. Januar 2016

Rome – Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufbruch




Rome – Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufbruch


Besetzung:

Jerome Reuter – words and music


Gastmusiker:

Rupert Kraushofer – spoken words


Label: Trisol


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Experimental Folk, Neofolk


Trackliste:

1. The Chronicles Of Kronstadt (5:08)
2. The Angry Brigade (2:31)
3. The Spanish Drummer (3:32)
4. To Teach Obedience (4:08)
5. The Death Of Longing (5:26)
6. Our Holy Rue (3:44)
7. The Night-Born (3:34)
8. The Pyre Glad (3:41)
9. In Cruel Fire (4:13)
10. A Pact Of Blood (3:13)
11. The Merchant Fleet (4:25)
12. A Cross Of Wheat (7:08)

Gesamtspieldauer: 50:49




„Aufbruch“ heißt der erste Teil der Trilogie „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit“. Als zweiten Zusatz bekam dieses Album noch den Untertitel „A Cross Of Wheat“ verliehen, welches dem letzten Lied dieses Albums entspricht. Im Grunde genommen gibt es auch auf dieser Platte wieder alle Ingredienzien zu hören, die ein Album des Jerome Reuter zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Doch trotzdem ist diese Scheibe eine etwas andere, als die Platten zuvor, denn dieses Mal ist das ganze musikalische Arrangement noch etwas komplizierter geworden.

Der künstlerische Ansatz bei Rome ist immer vorhanden – sehr viel mehr, als bei den meisten anderen Künstlern oder Bands, die oftmals eher unterhalten wollen, als künstlerisch besonders in Erscheinung zu treten. Bei Rome gibt es gesprochene Titel, neben experimentellen Stücken und dann wieder unfassbar eingängige Neofolk Kompositionen, die zum Niederknien schön sind. Auf diesem ersten Teil von „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit“ gibt es deutlich mehr „gesprochene Lieder“, im Grunde genommen sind das eher gesprochene Texte, die mit Hintergrundgeräuschen versehen wurden. Dies macht diese Scheibe ein wenig komplizierter als alles, was Rome zuvor veröffentlicht hat.

Liest man auf der Homepage nach, dann besingt Jerome Reuter auf „Aufbruch“ oder „A Cross Of Wheat": „Die Geburt der Revolte aus einer Faszination von Bewegung und Widerstand an sich; die Lyrik der Funken. Es ist der Stolz der Selbstbestimmung, der Verneinung, denn Verneinen heißt seinem Schicksal eine Form geben. Rome bietet allerdings keine Kunst, die sich allein der Wirksamkeit verschreibt, dafür bleibt die Musik zu rauh, zu experimentell, zu schwierig zu entschlüsseln.“ Vom Ansatz her nicht so ganz leicht zu verstehen, zumal die Musik im Grunde genommen gar nicht „rau“ klingt. Experimentell aber sicherlich, zumindest in diesen Nummern, in denen Texte vorgetragen werden. Und es sind dann auch genau diese Texte, die nicht so ohne Weiteres zu entschlüsseln sind. Die Musik ist es nicht, wobei die allergrößte Mehrheit der Musikhörer diesen experimentelleren Titeln das Prädikat „Musik“ sowieso absprechen würde. Für mich sind das auch eher Soundkollagen, die mit hintergründigen Texten versehen wurden, die sich einem allerdings wirklich nicht so schnell erschließen – zumindest nicht immer. Und etwa die Hälfte dieser Platte besteht aus solchen Stücken. Ist der Inhalt und die Bedeutung bei „The Chronicles Of Kronstadt“ noch sehr offensichtlich und erschafft ein bedrückendes Gefühl, so ist der Inhalt und Sinn bei anderen Nummer der Platte erst nach vielen Malen des Hörens zu entschlüsseln – wenn man es denn überhaupt schafft.

Diese eindringlichen Ohrwürmer im Neofolk Stil sind auf „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufbruch“ deutlich weniger vertreten, als auf so manch anderer Rome Scheibe. Aber es gibt sie natürlich. „The Spanish Drummer“ und „In Cruel Fire“ sind solche Stücke, die die Musik des Jerome Reuter ebenfalls so überaus eindringlich und packend werden lassen. Und auch hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Texte beziehungsweise, wenn man dem Englischen besser mächtig ist, ein genaueres Zuhören. Sehr beeindruckend ist hier eben nicht nur die Musik, sondern auch das gesungene Wort. Leider nur sind diese Nummern auf „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit – Aufbruch – A Cross Of Wheat" etwas rarer gesät.

Fazit: Eindringlich ist auch dieser erste Teil der Trilogie „Die Æsthetik Der Herrschaftsfreiheit“. Und wenn diese Platte die erste ist, die man von Rome, àlias Jerome Reuter hört, wird man sicherlich beeindruckt zurückgelassen werden – wenn man denn mit dieser Art des „Post Industrial Folk Noir“ etwas anzufangen weiß. Was für ein Genre das ist? Ein spannendes und wohl wirklich sehr schwer zu beschreibendes musikalisches Genre. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Spanish Drummer, To Teach Obedience, In Cruel Fire



Sonntag, 17. Januar 2016

Metallica – Reload




Metallica – Reload


Besetzung:

James Hetfield – vocals, rhythm guitar
Kirk Hammett – lead guitar
Jason Newsted – bass guitar
Lars Ulrich – drums, percussion


Gastmusiker:

Marianne Faithfull – additional vocals on "The Memory Remains"
Bernardo Bigalli – violin on "Low Man's Lyric"
David Miles – hurdy-gurdy on "Low Man's Lyric"
Jim McGillveray – percussion


Label: Vertigo Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Hard Rock, Heavy Metal


Trackliste:

1. Fuel (4:29)
2. The Memory Remains (4:39)
3. Devil's Dance (5:19)
4. The Unforgiven II (6:36)
5. Better Than You (5:21)
6. Slither (5:13)
7. Carpe Diem Baby (6:12)
8. Bad Seed (4:05)
9. Where the Wild Things Are (6:54)
10. Prince Charming (6:05)
11. Low Man's Lyric (7:37)
12. Attitude (5:16)
13. Fixxxer (8:14)

Gesamtspieldauer: 1:16:05




Auch das siebte Studioalbum von Metallica, welches nach „Load“ nun passenderweise „Reload“ genannt wurde, stieß bei den Fans der Band nicht auf uneingeschränkten Applaus. Ganz im Gegenteil sogar. Frühere Freunde der Musik von Metallica sprachen von einer noch größeren Enttäuschung als jener, die „Load“ ein Jahr zuvor in ihren Ohren ausgelöst hatte. Von „Pop-Musik“ ist da die Rede, vom absoluten Tiefpunkt, von kompositorischer Sackgasse und und und.

Allerdings so schlecht verkaufte sich das Album natürlich nicht. Klar war, dass Metallica mit diesem und dem Vorgängeralbum versuchten, sich eine neue Hörergruppe zu erschließen. Titel wie „The Memory Remains“, bei dem auch der Gesang der Marianne Faithful einen Höhepunkt darstellt oder „The Unforgiven II“ sind eben deutlich langsamere und auch sehr eingängige Nummern. Und diesen Liedern ist es damit zu eigen, dass sie durchaus etwas länger hängenbleiben, schneller ins Ohr gehen und auch Musikhörer mit etwas „sanfterem“ Musikgeschmack ansprechen.

Nun und zu behaupten, Metallica sei jetzt eine Pop-Band geworden, das trifft selbstverständlich in keinster Weise zu. Ansonsten ist auf „Reload“ noch das balladeske „Low Man's Lyric“ zu hören, doch der Rest rockt – und das gar nicht mal wenig. Mir gefällt sogar der größere Spielraum, den die Band hier abdeckt sehr gut, finde diese Abwechslung in den Stilen sehr angenehm und viel spannender als ein durchgängiges, hartes Geschrammel. Die harten und überzeugenden Titel gibt es sehr wohl auch auf „Reload“. Für mich am Überzeugendsten klingen dabei „Carpe Diem Baby“ sowie die letzte und über acht Minuten lange Nummer „Fixxxer“. Die Musik von Metallica hat durch das Zulassen auch etwas sanfterer Töne definitiv an Klasse gewonnen.

Fazit: Von den Fans der ersten Stunde wurde „Reload“ „zerrissen“. Viele andere Musikhörer sprachen jetzt erst auf die Musik von Metallica an. Ich mag im Grunde genommen beide „Ausführungen“ von Metallica und finde gerade, dass sie auf „Reload“ einige klasse Melodien für ihre Hörerinnen und Hörer bereithalten. Sicherlich eines der abwechslungsreichsten Alben von Metallica. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Memory Remains, The Unforgiven II, Carpe Diem Baby, Low Man's Lyric



Samstag, 16. Januar 2016

Michael Jackson – Invincible




Michael Jackson – Invincible


Besetzung:

Michael Jackson – vocals, multiple instruments, programming


Gastmusiker:

Rodney Jerkins – programming, multiple instruments
Marsha Ambrosius – additional vocals
Maxi Anderson – additional vocals
Gloria Augustus – vocals
Babyface – guitar (acoustic and bass), keyboards, additional vocals, drum programming
Tom Bahler – choir, chorus
Emanuel Baker – drums
Daniel Barrera – choir
Edie Lehmann Boddicker – choir, chorus
Robert Bolyard – choir, chorus
Brandy – additional vocals, background vocals
Stuart Brawley – whistle (human and instrument)
Mary Brown – background vocals
Tim Fulford Brown – vocals
Brad Buxer – keyboards, programming, drum programming, keyboard programming
Matt Cappy – horn
Paulinho da Costa – percussion
LaShawn Daniels – background vocals
Valerie Doby – vocals
Dr. Freeze – background vocals, multiple instruments
Kevin Dorsey – vocals
Nathan East – bass guitar
Jason Edmonds – choir, chorus
Tess Escoto – choir
Voncielle Faggett – vocals
Lynn Fiddmont – choir, chorus
Kirstin Fife – violin
Paul Foley – digital editing
Judy Gossett – vocals
Harold Green – vocals
Justine Hall – choir, chorus
Scottie Haskell – choir, chorus
Micha Haupman – choir, chorus
Gerald Heyward – drums
Tabia Ivery – choir, chorus
Luana Jackman – choir, chorus
Prince Jackson – narrator
Tenika Johns – vocals
Andraé Crouch – vocals
Sandra Crouch – vocals
Brandon Lucas – choir, chorus
Jonathon Lucas – choir, chorus
Ricky Lucchse – choir, chorus
Melissa MacKay – choir, chorus
Angela Johnson – vocals
Late Great Daniel Johnson – vocals
Zaneta M. Johnson – vocals
Laquentan Jordan – vocals
Peter Kent – violin
Gina Kronstadt – violin
Michael Landau – guitar
Slash - guitar solo
James Lively – choir, chorus
Robin Lorentz – violin
Rob Lorentz – violin
Jeremy Lubbock – orchestral arrangements
Howard McCrary – vocals
Linda McCrary – vocals
Sam McCrary – vocals
Alice Jean McRath – vocals
Sue Merriett – vocals
Mischke – background vocals
Patrice Morris – vocals
Kristle Murden – vocals
The Notorious B.I.G. – rap
Novi Novog – viola, contractor
Nora Payne – background vocals
Seth Riggs – vocal consultant
Teddy Riley – multiple instruments, digital drums
John "J.R." Robinson – drums
Carlos Santana – guitar, whistle (human, instrument), soloist
Andrew Snyder – choir, chorus
Sally Stevens – choir, chorus
Richard Stites – background vocals
Thomas Tally – viola
Brett Tattersol – choir, chorus
Ron Taylor – vocals
Michael Hart Thompson – guitar
Michael Thompson – guitar
Mario Vasquez – background vocals
Nathan Walton – choir, chorus
Rick Williams – guitar
Yvonne Williams – vocals
Zandra Williams – vocals
John Wittenberg – violin


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Rhythm & Blues, Pop


Trackliste:

1. Unbreakable (6:26)
2. Heartbreaker (5:09)
3. Invincible (4:46)
4. Break Of Dawn (5:32)
5. Heaven Can Wait (4:50)
6. You Rock My World (5:39)
7. Butterflies (4:40)
8. Speechless (3:18)
9. 2000 Watts (4:24)
10. You Are My Life (4:33)
11. Privacy (5:05)
12. Don't Walk Away (4:24)
13. Cry (5:00)
14. The Lost Children (4:00)
15. Whatever Happens (4:56)
16. Threatened (4:18)

Gesamtspieldauer: 1:17:08




Etwas, was man Michael Jackson wahrlich auch nicht auf seinem zehnten und letzten Studioalbum absprechen kann ist, dass er kein Herz für seine Fans hätte, denn auch diese Scheibe ist wieder randvoll mit Musik bestückt. Auch dieses Mal, auch bei „Invicible“, hat Michael Jackson die Laufzeit einer Compact Disc wieder fast vollständig ausgenutzt und mit Musik gefüllt.

Der Unterschied zu früheren Michael Jackson liegt allerdings darin, dass diejenigen Musikhörer wohl eher enttäuscht sein werden, die vor allen Dingen die Musik des gebürtigen US-Amerikaners aus Gary, Indiana dann schätzten, wenn sie rockiger und weniger poppig klingt. Andererseits dürften Freunde des Rhythm & Blues hier voll auf ihre Kosten kommen. Die Haut des Michael Jackson war zu dieser Zeit bereits, aus welchen Gründen auch immer, sehr hell geworden, seine Musik ist allerdings tiefschwarz, sehr viel mehr, als bei den Alben zuvor. Und damit ist ausdrücklich auch „Thriller“ mit eingeschlossen.

Bei Kritikern stieß die Platte auf ein zweigeteiltes Echo und kam auch bei den Fans nicht mehr ganz so gut an. Sie verkaufte sich deutlich schlechter, als alle Alben die einschließlich und seit „Off The Wall“ erschienen, also jener Platte, die vor seinem „Thriller“ erschien. Das mag wirklich daran liegen, dass „Invincible“ auf seine Art sehr einseitig geworden ist. Hier gibt es nicht mehr die Auswahl, diesen Titel mag ich, jenen weniger. Entweder man mag diese Musik, oder man kann sehr wenig damit anfangen. Alles ist in etwa im selben Stil gehalten, sehr viel Schmalz gibt es da zu hören und eben Rhythm & Blues, mit dem man eben etwas anzufangen wissen muss. Ich persönlich kann dies in dieser, hier zu hörenden Art und Weise überhaupt nicht. Solch Titel wie zum Beispiel „Butterflies“ klingen für mich nach Katzengejammer oder Siechtum. Da dies allerdings nicht das einzige Stück in diesem Stil ist, könnte man auch auf die Idee kommen, die ganze Platte einfallslos und irgendwie sehr gewöhnungsbedürftig zu nennen und zu finden.

Melodien, die ins Ohr gehen? Absolute Fehlanzeige! Etwas Überraschendes, was einen aufhorchen lässt? Absolute Fehlanzeige! Etwas Spannendes, bei dem man interessiert zuhört? Absolute Fehlanzeige! Irgendetwas, was einem im Ohr hängenbleibt? Absolute Fehlanzeige! Irgendetwas, an das man sich überhaupt erinnert von diesem Album? Absolute Fehlanzeige! Und dass diese Aussagen nicht ganz so von der Hand zu weisen sind zeigt sich auch daran, dass „Invincible“, wieder seit einschließlich „Off The Wall“, das erste Album des Michael Jackson ist, welches eben keinen „Hit“ mehr hatte. Kein Lied, welches sich einem eingeprägt hat. Und egal, wie man allgemein zu der Musik des „King Of Pop“ auch immer stehen mag, man kannte seine Musik zumindest. „Invincible“ kennt man nicht.

Fazit: Ein sehr schwaches Album ist jenes geworden, welches den musikalischen Abschied des Michael Jackson darstellte. Klar, eingefleischte Michael Jackson Fans können das durchaus anders sehen. Ich habe mir das Album deutlich nach dem Veröffentlichungstermin zugelegt und war überrascht, dass ich davon bisher noch keinen Titel kannte. Und auch wenn das nicht ganz meine Musik ist, bei den vorherigen Alben war das deutlich anders, dort fand ich schon auch was, was mich packte, was mir gefiel. „Invincible“ kennt man nicht – und ganz ehrlich, muss man auch nicht unbedingt kennen. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Was ihr wollt



Freitag, 15. Januar 2016

Kodaline – In A Perfect World




Kodaline – In A Perfect World


Besetzung:

Steve Garrigan – lead vocals, rhythm guitar, harmonica, keyboards
Mark Prendergast – lead guitar, backing vocals, keyboards
Vinny May – drums, percussion, backing vocals
Jason Boland – bass guitar, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Indie Pop, Alternative Rock


Trackliste:

1. One Day (4:15)
2. All I Want (5:05)
3. Love Like This (3:37)
4. High Hopes (3:52)
5. Brand New Day (3:27)
6. After The Fall (3:38)
7. Big Bad World (4:23)
8. All Comes Down (4:57)
9. Talk (4:30)
10. Pray (3:35)
11. Way Back When (3:26)

Gesamtspieldauer: 44:48




„In A Perfect World“ heißt die erste Scheibe der irischen Rockband Kodaline, welche im Jahr 2013 auf dem Label Sony Music veröffentlicht wurde. Dabei könnte man das Wort „Rockband“ durchaus falsch verstehen, denn Kodaline machen eine Art Schmuserock oder besser gesagt Schmusepop, der irgendwo zwischen Travis und Muse angesiedelt ist, sich dort allerdings wirklich nur der ganz soften und weichen Töne annimmt. Und gerade Muse ist dabei deutlich abwechslungsreicher, um hier gleich gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.

Sänger Steve Garrigan kann durchaus hoch singen und das zeigt er seinen Hörerinnen und Hörern auch immer wieder – oder besser gesagt, er bringt es ihnen zu Gehör. Dabei unterstreicht seine sanfte, zarte und auch hohe Stimme diese sanfte und zarte Musik, sodass der Eindruck der Weichheit der einzelnen Lieder in der Musik von Kodaline noch deutlich verstärkt wird. Alles ist sehr melodisch gehalten, den Harmonien wird bis in den allerletzten Akkord gefrönt. Alles, wirklich alles auf „In A Perfect World“ klingt melodiös und überaus eingängig.

Nun, manches Mal hätte man sich da auch mal einen etwas härteren Ton oder einen etwas überraschenderen Akkord gewünscht. Das wiederum würde diese Platte durchaus noch ein wenig spannender werden lassen. Man kann auch in Wohlgefallen sterben, das bedeutet, Gefahr zu laufen mit der Zeit langweilig zu werden. Ich selbst habe diesen Punkt in der Musik von Kodaline auf „In A Perfect World“ zwar noch nicht ganz erreicht, jedoch war da schon ein gewisses Gefühl der Überraschung vorhanden, als Titel Nummer 11, „Way Back When“ verklungen war und ich mich fragte, was ich da gerade gehört hatte, was davon hängengeblieben war. Leider doch nicht ganz so viel, wie ich mir nach den ersten Takten noch versprochen hatte.

Fazit: Sanften, harmonischen und melodischen Pop-Rock hört man auf „In A Perfect World“ von Kodaline. Ein klein wenig versinkt die irische Band hier in Schönheit und Wohlklang. Alle elf Lieder sind sicherlich gute Unterhaltung, wenn man auf solch eingängige Musik steht, jedoch spannend oder gar mitreißend ist das auch nicht mehr richtig. Spaß macht es trotzdem – wenn man es denn nicht zu oft hört. Neun Punkte.

Anspieltipps: Love Like This, Talk, Pray



Donnerstag, 14. Januar 2016

Anthony Phillips – Wise After The Event




Anthony Phillips – Wise After The Event


Besetzung:

Anthony Phillips – vocals, guitar and harmonica


Gastmusiker:

Michael Giles – drums
John G. Perry – bass
The Vicar – guitars, keyboards and sundries
Jeremy Gilbert – keyboards on "Greenhouse", Harp on "Now What?"
Mel Collins – soprano saxophone on "We’re All As We Lie", flutes on "Birdsong"
Robin Phillips – oboe on "Sitars & Nebulous"
Rupert Hine – percussion, backing vocals, locks, probs, modes & vibes
Perkin Alanbeck – synthesizer on "Birdsong"
Humbert Ruse – drums on "Greenhouse"
Vic Stench – bass on "Greenhouse"
Rodent Rabble – clicks, claps and crampons
Gilbert Biberian – orchestra conduction on "Regrets"


Label: Voiceprint


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. We're All As We Lie (4:37)
2. Birdsong And Reprise (6:45)
3. Moonshooter (5:58)
4. Wise After The Event (10:28)
5. Pulling Faces (4:37)
6. Regrets (6:02)
7. Greenhouse (3:03)
8. Paperchase (5:34)
9. Now What (Are They Doing To My Little Friends?) (8:23)
10. Squirrel (4:30) (CD Bonus Track)


Bonus CD der Wiedrveröffentlichung aus dem Jahr 2008

1. We're All As We Lie (Link) (1:23)
2. Sleeping On An Interstellar Plane ("Greenhouse" Demo) (3:04)
3. Paperchase (Instrumental Demo) (5:31)
4. Birdsong (Instrumental Demo) (5:33)
5. Moonshooter (Cottage Tapes Demo) (5:37)
6. We're All As We Lie (Cottage Tapes Demo) (3:53)
7. Pulling Faces (Cottage Tapes Demo) (4:29)
8. Squirrel (Instrumental Mix) (4:28)
9. Wise After The Event (Instrumental Mix) (8:54)
10. Magic Garden (Solo Piano Mix) (1:55)
11. We're All As We Lie (7" Single Version) (3:49)
12. Regrets (Piano Mix) (6:00)
13. Chinaman (Basic Guitar Mix) (0:44)
14. Now What (Are They Doing To My Little Friends)? (Instrumental Mix) (8:14)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:00:12) & CD2 (1:04:18): 2:04:30




Anthony Phillips hielt die Fahne des progressiven Rocks im Stile der Musik von Genesis auch Ende der 70er Jahre noch hoch, als die drei übriggebliebenen Genesis-Musiker Tony Banks, Michael Rutherford und Phil Collins solch ein Album wie „… And Then There Were Three …“ veröffentlichten. Und dies alles trotz der überraschenden Tatsache, dass Anthony Phillips die Band bereits im Jahre 1970 aufgrund von Auftritts-Lampenfieber nach der Platte „Trespass“ verlassen hatte. Dabei klingt die Musik auf dem zweiten Album des Gitarristen zwar nicht ganz so wie auf den frühen Platten von Genesis mit Peter Gabriel, doch ähnelt sie schon ein wenig solch Alben wie „A Trick Of The Tail“ oder „Wind & Wuthering", bei denen Steve Hackett des Gitarrenpart bei Genesis übernommen hatte.

„Wise After The Event“ erschien ursprünglich im Mai 1978 auf dem Label Virgin Records und ist eine Art sanfte Reise durch Harmonien und Melodiösität. Dabei sind es vor allen Dingen die ersten Titel, die hier sehr überzeugen können und sofort ins Ohr gehen. Und bei diesen kommen auch ein wenig mehr die Assoziationen zu den früheren Genesis Kollegen auf, als im weiteren Verlauf der Scheibe. Später klingt die Musik des Anthony Phillips nämlich dann manchmal auch ein bisschen „überzuckert“. Ganz deutlich wird dies beim Titel „Regrets“, welcher gleich mit einem Orchester eingespielt wurde. Nun und die Streicher, die hier zu hören sind, lassen das Ganze dann schon ein wenig sehr süßlich und etwas klebrig in den Ohren klingen.

Ansonsten ist „Wise After The Event“ allerdings eine schönes Album geworden. Sehr sanft zwar, jedoch eben auch sehr eingängig. Es lohnt sich auch sehr, die Scheibe gleich am Anfang etwas öfters aufzulegen, denn diese Titel scheinen im Laufe der Zeit irgendwie zu reifen, noch etwas eingängiger und melodiöser zu werden. Die Wiederveröffentlichung der Scheibe im Jahr 2008 hält noch ein ganz besonderes Schmankerl für die Hörerinnen und Hörer bereit, nämlich nicht nur ein paar Bonus Tracks, sondern deren gleich vierzehn auf einer Bonus CD. Auch wenn es sich hierbei hauptsächlich „nur“ um Demos handelt, stellt diese Scheibe wahrlich eine große Aufwertung für das ganze Album dar. Hauptsächlich hört man hier akustische Lieder, die alle sehr sanft eingespielt wurden und dadurch fast noch an Melodiösität gewinnen. Eine Zusatz CD zum Träumen.

Fazit: „Wise After The Event“ ist ein Album, welches aus den beiden Genesis Alben, welche im Jahr 1976 als Quartett eingespielt wurden, eine Trilogie gemacht hätte. Die Musik klingt häufig sehr nach der ehemaligen Band des Anthony Phillips, der hier, zusammen mit seinem ersten Album „The Geese And The Ghost“, sein überzeugendstes Solo-Albumveröffentlichte. Die erste Platte des Gitarristen ist sogar noch einen Wimpernschlag überzeugender als „Wise After The Event“ in seiner ursprünglichen Form, durch die Wiederveröffentlichung und der damit verbundenen Zugabe in Form einer Bonus CD, wird dieser kleine Unterschied allerdings völlig wettgemacht. Elf Punkte.

Anspieltipps: We're All As We Lie, Wise After The Event



Mittwoch, 13. Januar 2016

David Bowie – Blackstar




David Bowie – Blackstar


Besetzung:

David Bowie – vocals, acoustic guitar, string arrangements, fender guitar on "Lazarus"


Gastmusiker:

Donny McCaslin – flute, saxophone, woodwinds
Ben Monder – guitar
Jason Lindner – piano, organ, keyboards
Tim Lefebvre – bass
Mark Guiliana – drums, percussion
Erin Tonkon – backing vocals on "'Tis A Pity She Was A Whore"
Tony Visconti – strings
James Murphy – percussion on "Sue (Or In A Season Of Crime)" and "Girl Loves Me"


Label: RCA


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Art Rock, Avantgarde Jazz


Trackliste:

1. Blackstar (9:57)
2. 'Tis A Pity She Was A Whore (4:52)
3. Lazarus (6:22)
4. Sue (Or In A Season Of Crime) (4:40)
5. Girl Loves Me (4:51)
6. Dollar Days (4:44)
7. I Can't Give Everything Away (5:47)

Gesamtspieldauer: 41:17




Ich bin traurig. Sehr, sehr traurig. David Bowie ist am 10. Januar verstorben. Am 8. Januar hatte er noch Geburtstag gehabt, seinen 69. – und sein jetzt leider letztes, sein sechsundzwanzigstes Studio-Album „Blackstar“, wurde ebenfalls an diesem Tag veröffentlicht. Da wusste noch niemand, der als Fan diese Platte hörte, was zwei Tage später geschehen würde. Doch dann kam diese Nachricht, die mich wirklich sehr getroffen hat. Und nein, ich kannte David Bowie natürlich nicht persönlich, habe nie mit ihm gesprochen, ihn leider auch nie auf einem seiner zahllosen Konzerte gesehen. Trotzdem hat er mein Leben sehr intensiv begleitet. Immer und immer wieder. In ganz vielen Situationen meines Lebens. Ich weiß noch den Augenblick, als ich zum ersten Mal „Ashes To Ashes“ hörte und kann mich genau an den Moment erinnern, als ich „Hunky Dory“ das erste Mal auflegte und mich diese Musik tief beeindruckt zurückließ. Das wiederum soll nicht bedeuten, dass ich als Fan alles uneingeschränkt von diesem englischen Musiker begeisternd aufsog, denn nicht immer traf er mit seinen häufigen Stilwechseln auch meinen Musikgeschmack, meine musikalische Welt. Trotzdem füllte sich mein Plattenschrank mit sehr vielen Bowie Alben, mit allen, auch mit ganz ausgefallenen Scheiben, die ich hier, auf diesen Seiten noch gar nicht erwähnt habe. Wenig anfangen konnte ich mit einigen Werken der 80er und Anfang der 90er Jahre, aber das waren auch nicht viele. Zumeist begeisterte mich dieser Musiker mit den zwei unterschiedlichen Pupillen und ich glaube wirklich, dass ich die Band Culture Club deswegen hasse, weil Boy George irgendwann mal in einem Interview sagte, David Bowie sei ein schlechter Schauspieler…

Als ich diese Scheibe hier, „Blackstar“, zum ersten Mal in Händen hielt und das Booklet aufklappte, war ich zunächst überrascht. Schwarze Schrift auf schwarzem Hintergrund. Hatte das irgendwas zu bedeuten? Als ich „Blackstar“ dann zum ersten Mal hörte, war ich gleich gefangen von der Intensität, die dieses Album ausstrahlt. Eine unfassbar düstere Atmosphäre schlägt einem beim Hören entgegen, nicht melancholisch, nicht sentimental. Tieftraurig ist die Stimmung, die jeder der Titel auf „Blackstar“ ausstrahlt. Ich sah das zehnminütige Video zum Titeltrack. Eiskalt läuft es einem dabei über den Rücken. Zuerst sieht man ihn dort liegen, den Major Tom in seinem Raumanzug, der 1969 auf der Platte „Space Oddity“, die Erde verließ, um auf dem 1980 erschienen Album „Scary Monsters (And Super Creeps)“ doch nur als Junkie entlarvt zu werden. Doch das war nicht die ganze Wahrheit, denn jetzt liegt Major Tom auf seinem Planeten und sieht hinauf zu seinem „Blackstar“, zu diesem schwarzen Stern, der das Ende der Reise zu bedeuten scheint, da jener Major Tom nun nur noch ein mit Schmuck behangener Totenschädel ist, wie ein Blick unter den Raumanzug zeigt. David Bowie singt von Hinrichtungen, von knienden Frauen vom Tod. Kein Wunder also, das hier Parallelen zum Islamischen Staat gezogen wurden. Aber dann ist da auch noch jener David Bowie, der mit verbundenem Kopf dasteht, die Augen als Knöpfe angenäht. Alles riecht irgendwie nach Verfall und Tod. Nein, alles hört sich so an und sieht im Video auch genau so aus – Verfall und Tod eben.

Auch im zweiten veröffentlichten Video, „Lazarus“, sieht man „David Bowie“ mit verbundenem Gesicht und diesen Knopfaugen, im Bett liegend und offensichtlich leidend. „Lazarus“, jener Mann, der von Gott von den Toten wieder zu den Lebenden erweckt wurde. Und so fügt sich im Nachhinein Puzzlestück an Puzzlestück. David Bowie, der bei den Aufnahmen zu „Blackstar“ natürlich wusste, dass er schwer erkrankt war, verarbeitet hier den Tod, auf seine ganz eigene Art und Weise. Das Traurige an der Sache ist nur, dass dieser hier nie als Erlösung in Erscheinung tritt, nie als etwas Neues, nie als etwas Hoffnungsvolles. Der Tod ist in der Musik des David Bowie hier düster, dunkel und sehr, sehr unheimlich.

Die Lieder auf „Blackstar" halten sich dabei in keinster Weise mehr an irgendwelche Konventionen. Songstruktur und –aufbau? Alles neu, alles anders als bisher. David Bowie hatte für die Aufnahme der Scheibe Jazz Musiker um sich geschart, die nicht zuletzt auch mit zu dieser außergewöhnlichen Platte beitragen. Nun Jazz ist das wohl nicht ganz, was man auf diesem Album zu hören bekommt, wenn es auch immer wieder in manchen Passagen leicht nach Improvisationen à la Free Jazz klingt. Dann hört man allerdings doch wieder vertraute Strukturen von Strophe und Refrain. Jedoch gar nicht mal selten werden diese durch ein Saxophon- oder Flöten-Solo des Donny McCaslin untermalt, was dies nun neu entstehende Musikgebilde schließlich doch wieder anders, irgendwie entrückter klingen lässt.

Damit wären wir beim nächsten Punkt angelangt. Wer bei „Blackstar“ ein Album erwartet, welches nur so von Melodiösität überquillt, die oder der wird bitter enttäuscht werden. Mitunter klingt die Musik des Davids Bowie hier sogar atonal, völlig verschroben – dafür jedoch unfassbar intensiv und spannend. Was auf dieser Platte alleine die Rhythmus-Fraktion für schräge Takte hervorbringt, ist wahrlich aller Ehren wert. Der Vollständigkeit halber muss man allerdings sagen, dass das Album gegen Ende hin „normaler“ wird. Es tauchen wieder Liedstrukturen auf, die Stimmung wirkt zwar immer noch einigermaßen dunkel und verzweifelt, jedoch halten wieder mehr Melodien und Harmonien Einzug in die Musik des David Bowie auf „Blackstar“. Vielleicht ist dieser leichte Stilwechsel ja das versöhnliche Zeichen der Hoffnung? 

Fazit: „Blackstar“ klingt wieder ganz anders als andere David Bowie Platten. Bei einem Künstler, der sich so oft immer wieder neu erfand, dürfte das angesichts der Situation, in der er steckte, als er die Aufnahmen für diese Scheibe tätigte, nicht weiter verwunderlich sein. „Blackstar“ ist das Abschiedsgeschenk des David Bowie. Ein tieftrauriges und ergreifendes Abschiedsgeschenk an all seine Musikhörer, die nun traurig in dieser Welt zurückbleiben, weil ihnen etwas fehlen wird – auch wenn sie die Musik des David Bowie weiter hören können. Schade Du Held meiner Jugend. Ich bin sehr traurig. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles.



Dienstag, 12. Januar 2016

Jellyfish – Spilt Milk




Jellyfish – Spilt Milk


Besetzung:

Andy Sturmer – vocals, drums, some guitar, keyboards
Roger Joseph Manning, Jr. – keyboards, piano, vocals
Tim Smith – bass, vocals


Gastmusiker:

Lyle Workman – guitars
Jon Brion – guitars
Tom "T-Bone" Wolk – bass


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop


Trackliste:

1. Hush (2:11)
2. Joining A Fan Club (4:03)
3. Sebrina, Paste And Plato (2:23)
4. New Mistake (4:02)
5. Glutton Of Sympathy (3:49)
6. The Ghost At Number One (3:36)
7. Bye Bye Bye (4:03)
8. All Is Forgiven (4:09)
9. Russian Hill (4:45)
10. He's My Best Friend (3:44)
11. Too Much, Too Little, Too Late (3:14)
12. Brighter Day (6:12)

Geamtspieldauer: 46:16




Lediglich zwei Studioalben veröffentlichte die kalifornische Pop-Band Jellyfish. Im Jahr 1990, das auf diesen Seiten bereits besprochene Album „Bellybutton“ und drei Jahre später „Spilt Milk“. Danach lösten sich Jellyfish wieder auf, wobei es in der Band schon immer einen stetigen Wechsel der Mitglieder gab. Lediglich Andy Sturmer und Roger Joseph Manning, Jr. blieben Jellyfish über die gesamte, kurze Bestehenszeit treu.

Was für die erste Scheibe der Band galt, das kann man so auch auf für das zweite Album der US-Amerikaner übertragen. Auf „Spilt Milk“ hört man ebenfalls überaus eingängige Pop-Musik, die ohne große Probleme und ziemlich schnell ins Ohr geht. Und dabei handelt es sich auch wieder eher um sehr fröhliche Musik. Auch auf der zweiten Platte von Jellyfish gibt es keinen Grund für eine gekräuselte Stirn oder schlechter Laune. Alles klingt nett und freundlich und nach Spaß.

Die Musik ist dabei sehr abwechslungsreich und aufwendig in Szene gesetzt. Jellyfish machen keinen 08/15-Pop, sondern durchaus sehr intelligente Musik, die absolut vielschichtig ist. Das funktioniert nicht immer nach dem Ablauf „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain“ und so weiter, wie es für alltägliche Pop-Musik der Normalfall wäre. Der Lied-Aufbau weicht hier oftmals vom gewohnten Ablauf ab. Auch bei der Auswahl der Instrumente herrscht bei Jellyfish große Vielfalt, die allerdings noch nicht einmal in den Credits umfassend wiedergegeben wurde. Doch auch dies trägt selbstverständlich zum Abwechslungsreichtum der Scheibe bei.

Fazit: Abwechslungsreichen, interessanten, manchmal etwas außergewöhnlichen und immer sehr melodischen Pop präsentieren die Musiker von Jellyfish mit „Split Milk“ ihren Hörerinnen beziehungsweise Hörern. Einige Titel, die einen leichten Ohrwurmcharakter aufweisen, befinden sich zudem auf dieser Platte, wobei alles sehr eingängig klingt. Dazu beinhaltet die Scheibe jede Menge fröhliche Musik. Für Pop Fans bestens geeignet. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sebrina Paste And Plato, New Mistake, Bye Bye Bye



Montag, 11. Januar 2016

Willard Grant Conspiracy – Mojave




Willard Grant Conspiracy – Mojave


Besetzung: (Alle ohne Instrumentenangabe)

James Apt, Paul Austin, David Michael Curry, Robert Fischer, Erich Groat, Susan O’Brian, Chris Brokaw, Edith Frost, George Howard, Dana Hollowell, Peter Linnane, Malcolm Travis, Walter Salas-Humara, Peter Weiss, Nick White, David Zox


Label: Ryko


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Alternative Country, Americana


Trackliste:

1. Another Lonely Night (4:01)
2. Color Of The Sun (4:44)
3. The Work Song (5:06)
4. How To Get To Heaven (5:17)
5. Archy's Lullaby (4:41)
6. Go Jimmy Go (2:05)
7. I Miss You Best (5:48)
8. Cat Nap In The Boom Boom Room (2:44)
9. Front Porch (4:52)
10. Love Has No Meaning (4:55)
11. Sticky (4:30)
12. Right On Time (5:02)
13. The Visitor (8:03)

Gesamtspieldauer: 1:01:54




Robert Fischer heißt der Kopf von Willard Grant Conspiracy, einem Musikprojekt aus Palmdale Kalifornien, bei dem Robert Fischer immer unterschiedliche Musiker um sich schart, um mit ihnen Platten aufzunehmen beziehungsweise Konzerte zu geben. „Mojave“ heißt das dritte Album von Willard Grant Conspiracy, erschien im Jahr 1999 auf dem Label Ryko und enthält mit einer Ausnahme sehr sanfte Musik. „Alternative Country“ oder „Americana“ kann man hierbei in entsprechenden Nachschlagewerken nachlesen, wäre die Musik, die die Musiker hier praktizieren. Das kann man auch so unterschreiben, ich würde allerdings noch eine sehr große Prise „Folk“ mit dazugeben. Und Musikhörer, die mit amerikanischer Country Musik nichts anfangen können, müssen keine Sorge haben, nach Country im herkömmlichen Sinne klingt die Musik von Willard Grant Conspiracy in keinster Weise.

Die Musik ist sehr Gitarren-lastig, hiermit ist allerdings die akustische Gitarre gemeint, die zumeist im Vordergrund steht. Die Lieder sind sanft, immer sehr melodiös und strahlen jede Menge Harmonie aus. Ausnahme hiervon ist die Nummer „Go Jimmy Go“. Keine Ahnung was das sein soll. Hard Rock? In die Richtung geht es zumindest musikalisch, dazu wird allerdings fürchterlich gebrüllt, wobei die Stimme auch noch völlig übersteuert klingt. Nun, mit nur etwas über zwei Minuten ist das Lied glücklicherweise nicht zu lang, trotzdem wirkt diese Nummer ein wenig störend.

Dies war allerdings die Ausnahme. Titel wie „How To Get To Heaven”, „I Miss You Best” oder „Cat Nap In The Boom Boom Room” haben eindeutigen Ohrwurmcharakter und gehen schnell ins Ohr. Ist der Stil der Band auf „Mojave“ auch immer derselbe – die Ausnahme erwähnte ich bereits – so gleicht sich auch die Instrumentierung und die von den einzelnen Stücken transportierte Atmosphäre. Langweile kommt hier trotzdem jedoch nie auf, da die Lieder wirken, einen sanft umfließen und einhüllen. Irgendwie eine Art „Wohlfühl-Stressabbau-Musik“.

Fazit: Etwa ganz Besonderes ist die Musik von Willard Grant Conspiracy auf „Mojave“ nicht, allerdings schöne Musik zum Träumen und relaxen. Das klingt alles sehr eingängig und nur ein Titel tanzt da im Grunde genommen aus der Reihe. Mit US-amerikanischer Country Musik hat die Platte auch nichts zu tun, sondern stellt eher ein sanftes Folk Album dar. Das Album macht durchaus Spaß. Neun Punkte.

Anspieltipps: How To Get To Heaven, Right On Time, The Visitor



Sonntag, 10. Januar 2016

Nickelback – All The Right Reasons




Nickelback – All The Right Reasons


Besetzung:

Chad Kroeger – lead vocals, lead guitar
Ryan Peake – rhythm guitar, backing vocals
Mike Kroeger – bass, backing vocals
Daniel Adair – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Billy Gibbons – guitar and backing vocals on "Follow You Home," "Fight For All The Wrong Reasons" and "Rockstar"
Timmy Dawson – piano on "Savin' Me" and "If Everyone Cared"
Brian Larson – strings on "Far Away"
Dimebag Darrell – guitar solo (sample) on "Side Of A Bullet"
Chris Gestrin – organ on "Rockstar"


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Post Grunge, Hard Rock


Trackliste:

1. Follow You Home (4:20)
2. Fight For All The Wrong Reasons (3:44)
3. Photograph (4:18)
4. Animals (3:06)
5. Savin' Me (3:39)
6. Far Away (3:58)
7. Next Contestant (3:34)
8. Side Of A Bullet (3:00)
9. If Everyone Cared (3:38)
10. Someone That You're With (4:01)
11. Rockstar (4:15)

Gesamtspieldauer: 41:38




„All The Right Reasons“ nannten die vier Musiker von Nickelback aus Alberta, Kanada, ihr fünftes Studioalbum. Dieses wurde im Jahr 2005 auf dem Label „Roadrunner Records“, welche zum Mutterkonzern Warner Musik gehört, veröffentlicht. Und wieder hört man von den Kritikern der Band, dass die Kanadier auch dieses Mal nur ihrem eigenen Stil verbunden wären, wenig bis keine Abwechslung in ihrer Musik zulassen würden, lediglich ein Thema immer und immer wieder variieren würden, sprich, immer gleich klängen.

Nun, manches Mal stimmt dies sogar ein wenig, kann man dies nachvollziehen. Nickelback klingt einfach nach Nickelback. So viel Abwechslung gibt es da häufig nicht immer unbedingt. Die Band verfolgt eben einen bestimmten musikalischen Stil, der typisch für sie ist und den sie lediglich leicht unterschiedlich gestaltet. Dies mag auf so manches Manches Album drr Band zutreffen, allerdings auf „All The Right Reasons“ variieren die vier Kanadier diese „Grundausstattung“ durchaus immer wieder und dabei auch sehr variantenreich. Hier sind jetzt nicht mehr alle Titel im Mid-Tempo gehalten. hier gibt es nun nicht mehr nur einen Rhythmus. Auf „All The Right Reasons“ bekommen Hörerin und Hörer härtere Stücke wie sanftere Lieder serviert, denen eine gewisse Eingängigkeit wahrlich nicht abzusprechen ist.

Dazu unterscheidet sich diese Scheibe noch sehr von anderen Nickelback Alben, da sie eine ganze Menge Titel aufweist, die sehr schnell ins Ohr gehen und dort auch länger verweilen. Neben der Variabilität der Musik scheinen die Kanadier hier auch noch mehr die Melodiösität in der Musik für sich entdeckt zu haben. Die Lieder wirken, sind zumeist überzeugende Hard Rock Nummern, neben fein eingebetteten sanfteren Stücken, welche genau wie die härteren reich an Harmonien sind.

Fazit: Das ist immer noch Nickelback Musik, die man hier auf „All The Right Reasons“ hört. Die Musik der kanadischen Band war schon immer überzeugend, wenn auch mitunter ein wenig einseitig. Hier, auf dem fünften Album der Band, entdecken Nickelback allerdings irgendwie die Variabilität ihrer Musik neu. Dies bedeutet einen größeren Abwechslungsreichtum im Werk der kanadischen Hard Rocker, welcher durchaus dazu geeignet ist, neue Hörerschichten zu erschließen. Das alles kommt der Musik auf „All The Right Reasons“ zugute, die jetzt sehr viel abwechslungsreicher und kurzweiliger klingt. Dazu gibt es noch ein paar Titel, die wirklich klasse ins Ohr gehen. Rocker-Herz, was willst Du mehr? Neun Punkte.

Anspieltipps: Follow You Home, Far Away, If Everyone Cared



Samstag, 9. Januar 2016

Monster Magnet – Dopes To Infinity




Monster Magnet – Dopes To Infinity


Besetzung:

Dave Wyndorf – vocals, bass, guitar, percussion, theremin, organ, bells, mellotron
Ed Mundell – bass, guitar, background vocals
Joe Calandra – guitar, bass, background vocals
Jon Kleiman – percussion, drums, bass, background vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Stoner Metal, Space Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Dopes To Infinity (5:43)
2. Negasonic Teenage Warhead (4:28)
3. Look To Your Orb For The Warning (6:32)
4. All Friends And Kingdom Come (5:38)
5. Ego, The Living Planet (5:07)
6. Blow 'Em Off (3:51)
7. Third Alternative (8:33)
8. I Control, I Fly (3:18)
9. King Of Mars (4:33)
10. Dead Christmas (3:54)
11. Theme From "Masterburner" (5:06)
12. Vertigo (11:15)

Gesamtspieldauer: 1:08:04




Monster Magnet, die Band mit dem etwas komischen und gewöhnungsbedürftigen Namen. Monster Magnet, die Band, die andauernd irgendwelche Anspielungen auf irgendwelche Drogen tätigt. Monster Magnet, die 1995 ihr drittes Album mit dem Titel „Dopes To Infinity“, was so viel heißt wie „Drogen bis zum Abwinken“, auf dem Label A&M Records veröffentlichte. Genau diese Band Monster Magnet weiß auch mit diesem Album musikalisch auf das allerbeste zu überzeugen. Nennt man die Musik der Musiker aus New Jersey jetzt „Stoner Rock“, „Space Rock“ oder „Psychedelic Rock“? Völlig egal, was zählt ist die Musik selbst und diese überzeugt absolut.

„Dopes To Infinity“ ist angefüllt mit zumeist hartem Rock, der dabei jedoch überaus melodisch klingt. Das Ganze hört sich auch immer wieder mal durchaus nach Space Rock à la Hawkwind an. Dies vor allen Dingen in den langen Instrumentalpassagen, die Mantra-artig und redundant vorgetragen werden und durchaus die Eigenschaft aufweisen, die Hörerin oder den Hörer in andere Sphären zu katapultieren. Allerdings bedarf es dazu keinerlei Droge. Es ist die Musik allein, die hier unter Umständen „bewusstseinserweiternd“ wirkt. „Dopes To Infinity“ knallt einem immer wieder hart um die Ohren, lässt einen dann jedoch auch wieder eintauchen in wunderbare Melodien und Harmonien, in spacige Klangwelten, in dichte, einen umnebelnde Atmosphären.

Dabei ist diese Scheibe keine, die gleich beim ersten Hören zu zünden versteht – zumindest bei mir war das nicht sofort der Fall. Doch die Musik von Monster Magnet entwickelt sich auf „Dopes To Infinity“, scheint zu wachsen und sich zu entfalten. Es entsteht ein kompaktes, kraftvolles und intensives Klangerlebnis, was das Herz der Freundin des Rocks genauso höher schlagen lässt, wie das ihres männlichen Pendants. Unglaublich dichte Kompositionen befinden sich auf dieser Scheibe, in die sich einfach nur Einzutauchen lohnt. Die musikalischen Reisen, die die Band hier ihren Konsumentinnen und Konsumenten anbietet, lohnen sich angetreten zu werden.

Fazit: Vielleicht ist der Begriff Stoner Rock, also „Kiffer Rock“, gar nicht so schlecht gewählt für diese Art der Musik. Die Musiker behaupten auch immer, dass sie solch „Hilfsmitteln“ beim Komponieren nicht abgeneigt gegenüberstehen würden – zum Hören benötigt man dies allerdings sicherlich nicht. Psychedelisch und nach einer Art Space Rock klingt „Dopes To Infinity“ allemal und die Musiker haben auch immer betont, durch deutschen Krautrock sowie die Space Rocker von Hawkwind inspiriert zu werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Album angefüllt mit hartem und eingängigem und begeisterndem Rock. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: All Friends And Kingdom Come, Blow 'Em Off, Third Alternative, Vertigo



Freitag, 8. Januar 2016

The Rolling Stones – Some Girls




The Rolling Stones – Some Girls


Besetzung:

Mick Jagger – lead and backing vocals, electric guitar, piano on "Faraway Eyes"
Keith Richards – electric and acoustic guitars, backing vocals, lead vocals on "Before They Make Me Run", bass guitar on "Some Girls" and "Before They Make Me Run", piano on "Faraway Eyes"
Ronnie Wood – electric, acoustic, pedal steel and slide guitar, backing vocals, bass guitar and bass drum on "Shattered"
Bill Wyman – bass guitar, synthesizer on "Some Girls"
Charlie Watts – drums


Gastmusiker:

Sugar Blue – harmonica on "Miss You" and "Some Girls"
Ian McLagan – electric piano on "Miss You"; organ on "Just My Imagination"
Mel Collins – saxophone on "Miss You"
Simon Kirke – congas on "Shattered"


Label: Rolling Stones Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rhythm And Blues, Rock And Roll, Blues, Country


Trackliste:

1. Miss You (4:44)
2. When The Whip Comes Down (4:20)
3. Just My Imagination (Running Away With Me) (4:38)
4. Some Girls (4:36)
5. Lies (3:11)
6. Far Away Eyes (4:24)
7. Respectable (3:06)
8. Before They Make Me Run (3:25)
9. Beast Of Burden (4:25)
10. Shattered (3:48)

Gesamtspieldauer: 40:45




Die Frage stellte sich immer vielen Leuten, beziehungsweise wurde sie gestellt: Beatles oder Stones? Mir stellte sich diese Frage nie, obwohl ich auch bei den Rolling Stones ein paar gute Nummern für mich entdeckte und mir auch ein paar Scheiben zulegte. Jedoch unterscheidet sich die Musik dieser beiden Bands dadurch, dass die Beatles innovativ waren, neue Wege bestritten, geniale Lieder schrieben, die Rolling Stones jedoch machen Rock’n‘Roll und Rhythm’n‘ Blues.

Gut, dies ist eben nicht jedermanns Stil, es kann einem ja auch nicht alles gefallen. Jedoch manches Mal wird es in der Musik der Rolling Stones leider sogar richtig krass. Denn die fünf Musiker wollten mit ihrem vierzehnten britisch / europäischen und sechzehnten US-amerikanischen Album, welches 1978 auf dem eigenen Label unter der Überschrift „Some Girls“ erschien, noch ein wenig mehr in den USA absahnen. Nichts lag also näher, genau für diesen Markt gleich noch ein Country Lied mit auf die Scheibe zu pressen. „Far Away Eyes“ heißt dieses und es fehlen einem die Worte. Country und Western in Reinkultur. Kann man überhaupt anbiedernder sein? Wohl kaum.

Gut, das war der Tiefpunkt, es wird besser. Jedoch so richtig zünden kann leider auch der Rest auf Some Girls“ nicht. Wirklich überzeugen können das Titellied „Some Girls“, welches wahrlich ins Ohr geht und Spaß macht. Auch „Beast Of Burden“ kann gefallen, wobei die Version von Bette Midler aus dem Jahr 1984 noch gelungener ist. Nun und der Rest, das ist Rock-Musik, der eher alltäglichen Sorte. Nichts Begeisterndes mehr, allerdings natürlich auch kein Ausschuss. Handwerklich gut gemachte Musik, die sicher bei den Rolling Stones Fans und Freunden der entsprechenden Musikgenres Begeisterung auslöst. Bei allen anderen bin ich mir da nicht so sicher.

Fazit: Wieder einmal zeigt sich, dass ich keine Ahnung von Musik habe. „Some Girls“ erreichte in den USA Platz 1 der US-amerikanischen Billboard Charts und wurde dort zum meistverkauften Album der Stones, mit immerhin sechs Millionen Kopien bis zum Jahr 2000. Außerdem ist es die einzige Scheibe der Rolling Stones, die jemals eine Grammy Nominierung zum besten Album des Jahres erhielt. Den Titel gewannen dann allerdings die Bee Gees mit „Saturday Night Fever“. Auch bei den Kritikern kam die Scheibe gut an, die für viele die beste seit der 1972er Platte „Exile on Main St.“ war. Aber damit noch nicht genug, das Rolling Stone Magazine wählte das Album im Jahr 2003 auf Platz 269 der 500 besten Alben aller Zeiten. Von daher allen, die Musik ganz anders erleben als ich, viel Spaß damit. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Some Girls, Beast Of Burden



Donnerstag, 7. Januar 2016

Metallica – Load




Metallica – Load


Besetzung:

James Hetfield – vocals, lead and rhythm guitar
Kirk Hammett – lead, rhythm and slide guitar
Lars Ulrich – drums
Jason Newsted – bass guitar, backing vocals


Label: Vertigo Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Heavy Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Ain't My Bitch (5:04)
2. 2 X 4 (5:28)
3. The House Jack Built (6:38)
4. Until It Sleeps (4:27)
5. King Nothing (5:29)
6. Hero Of The Day (4:21)
7. Bleeding Me (8:18)
8. Cure (4:54)
9. Poor Twisted Me (4:00)
10. Wasting My Hate (3:57)
11. Mama Said (5:19)
12. Thorn Within (5:51)
13. Ronnie (5:17)
14. The Outlaw Torn (9:48)

Gesamtspieldauer: 1:18:59




Die Fans waren damals nicht so ganz überzeugt vom sechsten Studioalbum der US-amerikanischen Heavy Metal Band Metallica. Im Jahr 1996 wurde die Scheibe bei Vertigo Records veröffentlicht und alle fragten sich: Ist das noch Heavy- oder Trash Metal, deren Aushängeschild Metallica jahrelang waren oder ist das doch schon eher Hard Rock? Nun, die Grenzen sind in diesem Fall sicherlich absolut fließend, allerdings erinnert mich die Scheibe auch eher an ein Hard Rock Album, mit zugegebenermaßen durchaus vorhandenen Metal-Einflüssen. Im Grunde genommen spielt dies allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle bei der Beurteilung von „Load“. Es geht nie um das Genre, sondern immer um die Qualität der Musik, außer natürlich, man geht mit einer gewissen Erwartung an diese Scheibe heran. In diesem Fall heißt das dann wohl: Pech für die Metallica-Fans der ersten Stunde.

Auch wenn die „älteren“ Fans mit der Scheibe Schwierigkeiten hatten, bei den Musikhörerinnen und –hörern insgesamt kam die Platte bestens an. Allein 680.000 Mal verkaufte sich die Scheibe in den USA in der ersten Woche und stellt damit Metallicas erfolgreichste Neueinführung dar. Insgesamt verkaufte sich „Load“ bisher knappe acht Millionen Mal und stellt damit die dritterfolgreichste Platte der Band dar. Nur der Vorvorgänger „…And Justice For All“ mit neun Millionen Verkäufen und natürlich der fünf Jahre zuvor veröffentlichte Vorgänger „Metallica“, mit sagenhaften 21 Millionen verkauften Exemplaren, übertrumpften hierbei „Load“.

Nun, für Freunde der früheren Platten von Metallica stellt „Load“ eine Art Pop-Musik dar. Das ist sie wahrlich nicht, auf „Load“ wird auch ordentlich gerockt. Sanfte Lieder gibt es hier nicht, alles verfügt über eine gewisse Härte und wenn dann wirklich mal ein Part, ein Abschnitt in einem Lied etwas sanfter klingt, dann zählt das für mich eher zur Abwechslung, denn zur „Verweichlichung“. Eine Ausnahme gibt es jedoch auch von dieser „Regel“. Das Stück „Mama Said“ ist ein deutlich sanfteres und weist dabei sogar ganz leichte Country-Züge auf, die immer im Refrain zu hören sind. Also dreizehn harte Nummern und eine weichere, um es ganz richtig zu stellen.
Was mich jedoch sehr viel eher als eine unnütze Genrediskussion an „Load“ stört, das sind die Titel selbst. Einige dieser Lieder wollen bei mir absolut nicht zünden, egal wie oft ich die Scheibe auch anhöre. Klar ist das keine schlechte Musik, jedoch längst auch keine umwerfende. Die einzelnen Stücke sind handwerklich allesamt gut gemacht, der Sound passt auch, doch begeistern, nein das schaffen diese vierzehn Stücke auf „Load“ nur in sehr engen Grenzen.

Am ehesten in die klangliche Welt von Metallica auf „Load“ einzutauchen gelingt bei „Until It Sleeps“ und „Bleeding Me“. Die erste Nummer geht dabei – als Ausnahme zum Rest des Albums – wirklich schnell ins Ohr und vermag dort auch länger zu verweilen. Nun und „Bleeding Me“ ist ein über achtminütiges, sehr abwechslungsreiches Lied, welches aus mehreren unterschiedlichen Parts besteht, die klasse miteinander verwoben sind und das Stück sehr spannend werden lassen. Das bereits erwähnte „Mama Said“ klingt ebenfalls noch ganz nett und die letzte Nummer, „The Outlaw Torn“, kann vor allen Dingen in den redundanten Instrumentalparts überzeugen. Nun und der Rest? Der ganze Rest dieser Scheibe läuft irgendwie so mit. Nichts Schlechtes, aber Begeisterung will sich da einfach nicht breit machen.

Fazit: Das sechste Album von Metallica, „Load“, wurde von den Fans der ersten Stunde der Band zerrissen, vom Markt jedoch gefeiert. Metallica versuchen sich hier in den Grenzgebieten zwischen Hard Rock und Heavy Metal. Und das so ausschweifend, dass sie die technisch mögliche Laufzeit einer Compact Disc von einer Stunde, achtzehn Minuten und neunundfünfzig Sekunden bis auf die letzte Sekunde ausleben. Bezüglich Begeisterung und Verdammnis des Albums liegt die Wahrheit wohl wieder irgendwo in der Mitte. Ein Meisterwerk ist diese Scheibe sicherlich nicht geworden, dazu beinhaltet sie viel zu viel „gewöhnliche“ Musik. Ein paar Höhepunkte gibt es dann aber doch noch, das macht „Load“ aber noch nicht zu einem guten Album. Da kennt man von Metallica deutlich bessere Scheiben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Until It Sleeps, Bleeding Me, Mama Said, The Outlaw Torn