Sonntag, 26. Juni 2016

Coldplay – Parachutes




Coldplay – Parachutes


Besetzung:

Chris Martin – lead vocals, acoustic guitar, keyboards
Jonny Buckland – electric guitar, piano, backing vocals
Guy Berryman – bass, acoustic bass
Will Champion – drums, percussion, backing vocals


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Pop, Rock, BritPop


Trackliste:

1. Don't Panic (2:17)
2. Shiver (4:59)
3. Spies (5:18)
4. Sparks (3:47)
5. Yellow (4:29)
6. Trouble (4:30)
7. Parachutes (0:46)
8. High Speed (4:14)
9. We Never Change (4:09)
10. Everything's Not Lost (5:39) inklusive Hidden Track “Life Is For Living” (1:37): 7:15

Gesamtspieldauer: 41:48




„Parachutes“ heißt das erste Album der englischen BritPop-Band Coldplay. Im Juli 2000 wurde die Scheibe auf Parlophone veröffentlicht, nachdem sich die Band knappe vier Jahre zuvor gegründet hatte. Für viele Fans ist dieses Debut-Album der vier Musiker gleich ihr unerreichtes Meisterwerk. Zu hören ist darauf eher sanfter Pop, als harter Rock. Alle Titel auf „Parachutes“ klingen überaus eingängig, gehen dabei auch ziemlich schnell ins Ohr – ein Umstand, der mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe noch verstärkt wird.

Die akustische Gitarre und das Piano stehen im Vordergrund der Musik auf „Parachutes“. Über allem schwebt allerdings der sanfte und zarte Gesang des Chris Martin, der sich bis in sehr große Höhen zu steigern weiß. Diese, manchmal falsett-artige Stimme bewirkt auch, dass nicht jede beziehungsweise jeder etwas mit der Musik von Coldplay anzufangen weiß, denn diese ist das dominierende Stilmittel der Band. Alles auf „Parachutes“ ist dabei melodiös geraten. Irgendwelche qualitativen Ausfälle nach Unten oder aber Füllmaterial gibt es auf der Scheibe nicht zu beklagen. Die Musik klingt an jeder Stelle des Albums weich, richtige „Rock-Freunde“ könnten sich daran vielleicht stoßen.

Höhepunkte gibt es einige auf dem Album. Da wäre gleich der groovende Opener „Don't Panic“. Dann das wohl schönste Lied der Platte „Spies“. Eine sanfte Nummer mit absolutem Ohrwurmcharakter. Überraschenderweise wurde aufgrund dieses Stücks das ganze Album in China verboten, da die dortige Regierung hierin ein Lied mit einer anti-kommunistischen Botschaft zu hören glaubte. Schließlich wäre da noch „Yellow“ zu nennen, ein Stück, welches gleichzeitig die erfolgreichste Single-Auskopplung des Albums darstellt. Ebenfalls ein Titel, der gleich beim ersten Hören ins Ohr geht und dort auch länger verbleibt. Und dann ist da noch die letzte Nummer des Albums zu nennen, „Everything's Not Lost“. Hier spielt Chris Martin jetzt die Spannweite seiner Stimmlage besonders eindringlich aus. Nun, im Grunde genommen hätte ich allerdings auch die sechs anderen Titel hier erwähnen können, irgendwie klingt auf „Parachutes“ alles gut.

Fazit: Ein schönes Album ist es geworden, diese Debut-Platte der englischen Band Coldplay. Wenn man nichts gegen den sehr hohen Gesang des Chris Martin einzuwenden hat, dann gibt es an „Parachutes“ kaum etwas auszusetzen. Die Musik ist melodiös und geht ins Ohr. Jedes Lied hat seine Qualität. Die Musik neu erfunden haben die vier Briten damit zwar nicht, jedoch unterhalten sie gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Don't Panic, Spies, Yellow, Everything's Not Lost



Samstag, 25. Juni 2016

The Sisters Of Mercy – First And Last And Always




The Sisters Of Mercy – First And Last And Always


Besetzung:

Andrew Eldritch – vocals
Craig Adams – bass guitar
Wayne Hussey – guitar, vocals
Gary Marx – guitar
Doktor Avalanche – drums


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

1. Black Planet (4:41)
2. Walk Away (3:24)
3. No Time to Cry (3:59)
4. A Rock And A Hard Place (3:35)
5. Marian (Version) (5:43)
6. First And Last And Always (4:15)
7. Possession (4:42)
8. Nine While Nine (4:10)
9. Amphetamine Logic (4:51)
10. Some Kind Of Stranger (7:20)

Gesamtspieldauer: 46:43




Im März des Jahres 1985 wurde „First And Last And Always“ veröffentlicht, das erste Studioalbum der englischen Gothic Rock Band The Sisters Of Mercy, die sich bereits 1977 in Leeds gegründet hatte. Bei Fans der Band steht die Platte sehr hoch im Kurs, gilt als stilprägend für ein ganzes Genre und hat angeblich auch jede Menge andere Bands und Künstler beeindruckt und inspiriert.

Zu hören ist auf „First And Last And Always“ sehr düstere und sehr elektronisch klingende Musik, die durchaus in die Richtung Gothic Rock zu driften scheint, jedoch auch noch jede Menge Anteile an New Wave enthält. Eingängig klingt das durchaus und die Gothic-Atmosphäre wird hauptsächlich durch den Gesang des Andrew Eldritch geliefert, der sich auch für alle Kompositionen verantwortlich zeigt. Die Musik klingt stark nach den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und transportiert die musikalische Stimmung dieses Jahrzehnts durchaus sehr treffend. Was allerdings so gar nicht zu funktionieren schien, zumindest zur damaligen Zeit in diesem Tonstudio, das war die richtige Aufnahme oder Abmischung der verschiedenen Titel. Leider gilt diese Feststellung für alle Veröffentlichungen der Platte, egal, ob es sich dabei um die ursprüngliche LP-Ausgabe des Albums handelt oder um eine der „remasterten“ Wiederveröffentlichungen von „First And Last And Always“. Die Musik klingt immer irgendwie verwaschen und mitunter ziemlich dumpf. Kaum zu glauben, dass dies beabsichtigt ist.

Die Höhepunkte auf „First And Last And Always“ befinden sich in der Mitte der Platte. „Marian (Version)“ ist eine tolle und sehr eindringliche Nummer, die zum Teil auch in Deutsch eingesungen wurde. Hier singt Andrew Eldritch gerade so, als ob er eben erst der Gruft entstiegen wäre. Ebenfalls sehr überzeugend klingt das Titellied „First And Last And Always“. Ein Lied, welches schnell ins Ohr geht und bei dem die Gitarre auch einen etwas größeren Auftritt hat. Schließlich sollte man an dieser Stelle auch noch das letzte und längste Stück des Albums, „Some Kind Of Stranger“, erwähnen. Dieses beginnt zunächst relativ mystisch und rockt dann schließlich sogar ein wenig, bis man sich stilistisch irgendwann im New Wave wiederfindet. Auch diese Nummer klingt wieder eher durch den Gesang nach Gothic Rock, weniger durch die Musik selbst, die allerdings ebenfalls schnell ins Ohr geht.

Fazit: Nun, ein Meisterwerk stellt diese Platte sicherlich noch nicht da. Wer allerdings Spaß an New Wave hat, gepaart mit etwas Gothic hat, die oder der wird hier auch auf ihre beziehungsweise seine Kosten kommen. Vieles auf „First And Last And Always“ geht ins Ohr und die Stimme des Andrew Eldritch geht einem sowieso nicht mehr aus dem Kopf. Acht Punkte.

Anspieltipps: Marian (Version), First And Last And Always, Some Kind Of Stranger



Freitag, 24. Juni 2016

The Young Gods – Knock On Wood




The Young Gods – Knock On Wood


Besetzung:

Franz Treichler – guitar, percussion, vocals
Al Comet – guitar, percussion
Bernard Trontin – drums, percussion


Gastmusiker:

Vincent Hänni – Guitar


Label: PIAS Recordings


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Rock


Trackliste:

CD:

1. Our House (5:38)
2. I'm The Drug (2:55)
3. Everythere (4:43)
4. Gasoline Man (5:07)
5. Speak Low (4:59)
6. Charlotte (2:07)
7. Ghost Rider (12:02)
8. Longue Route (4:22)
9. She Rains (5:28)
10. Freedom (4:03)
11. Skinflowers (4:19)

Gesamtspieldauer: 55:47


DVD:

I. Live At Moods, Zürich, December 18th, 2006

1. I'm The Drug
2. Gasoline Man
3. Speak Low
4. Ghost Rider
5. Longue Route
6. She Rains
7. Everything In Its Right Place
8. If Six Was Nine


II. Take Away Shows, Paris, April 17th, 2007

1. Charlotte
2. I'm The Drug
3. Gasoline Man

Gesamtspieldauer: (47:33) & (13:22): 1:00:55




The Young Gods, das ist eine Post-Industrial-Band aus Fribourg, in der Schweiz. Mitte der 80er Jahre wurden die Young Gods gegründet und haben seither insgesamt sieben Studioalben veröffentlicht. Bestand die Musik der Band zunächst lediglich aus Schlagzeug, Sampler und Gesang, so spielte die Gitarre auf späteren Veröffentlichungen eine immer größere Rolle. Bei dem vorliegenden Album, „Knock On Wood“, handelt es nicht um ein offizielles Studioalbum, sondern um ein Kompilationsalbum, welches akustisch eingespielt wurde, also auf das Sampling verzichtet.

Manchmal ergeht es einem so, man legt Musik auf und es scheint einem bereits nach wenigen Sekunden den Boden unter den Füßen wegzuziehen, so beeindruckend ist das, was man da gerade zu hören bekommt. Genau so erging es mir, als ich „Knock On Wood“ von The Young Gods das erste Mal auflegte und die ersten Akkorde mein Ohr erreichten. Diese unfassbar lebhafte und mitreißende Musik, bei der die akustische Gitarre im Vordergrund steht, schafft es einen vom ersten Takt an in den Bann zu ziehen.

Die Lieder der Young Gods auf „Knock On Wood“ sind dabei eigentlich alles andere als abwechslungs- oder variantenreich. Ganz im Gegenteil, die Musik könnte von Hörerinnen und Hörern sogar mit „eintönig“ umschrieben werden, was sie auf eine gewisse Art und Weise auch ganz bestimmt ist. Doch trotzdem ist ganz gewiss der falsche Ausdruck, ein nicht zutreffender Begriff. Sehr viel eher ist die Musik der Yong Gods auf „Knock On Wood“ meditativ und fast schon mit hypnotisch zu umschreiben. Wenn immer und immer wieder ein Akkord wiederholt wird, dabei das gesamte Lied nur wenig variiert, dann öffnen sich beim lauten Hören ganz automatisch neue Türen – jedoch ganz ohne bewusstseinserweiternde Zusatzmedikation. Das Ganze klingt so dermaßen begeisternd, was The Young Gods hier vortragen, dass es einen nach jedem Mal des Hörens sehr beeindruckt zurücklässt. Diese Musik ist so dermaßen angefüllt mit Energie, wirkt so kraftvoll und mitreißend, dass man sich diese als auralen Smoothie morgens geben sollte, um den Tag optimal zu starten.

Besonders gelungen dabei sind der Einstieg in das Album mit den Titeln „Our House“, „I'm The Drug“ und „Everythere“ sowie das episch lange „Ghost Rider“, bei dem man diesen meditativen Ansatz der Musik am stärksten fühlt. Dieses Lied ist eine Cover-Version des gleichnamigen Liedes des New Yorker No-Wave-Duos Suicide, welches auf exzellente Art und Weise interpretiert wird. Es ist das Minimalistische in der Musik der Young Gods, was diese, ihre Musik so maximal wirken lässt. Viele ähnliche Beispiele gibt es hierfür in der modernen Pop-Musik sicherlich nicht.

Schließlich bekommt man mit dem Album noch eine DVD mitgeliefert. Diese unterteilt sich in zwei Einheiten. Zum einen sieht man hier ein akustisches Konzert der Band, welches sie am 18. Dezember 2006 in Zürich gab. Die Musik wirkt hier genau so wie auf der Platte selbst. Als weitere Zugabe bekommt man drei Titel in sogenannten „Take Away Shows“ präsentiert. Diese wurden am 17. April 2007 in Paris aufgenommen und bedeuten nichts anders, als dass die Musiker durch die Straßen oder Museen von Paris laufen und dabei ihre Musik spielen. Sieht man so auch nicht alle Tage, vom musikalischen Gesichtspunkt allerdings gewagt allerdings mal was ganz anderes.

Fazit: Auf „Knock On Wood“ von The Young Gods hört man hauptsächlich akustische Gitarrenmusik, die absolut mitreißend wirkt, in ihrem Minimalismus. Redundant werden hier Akkorde bis zum Exzess immer und immer wieder wiederholt. Dabei klingt alles zwar fordernd, jedoch auch wunderbar eingängig. Ich selbst hätte keinen Vergleich parat, wo man Musik dieser Art mit der gleichen Intensität hören könnte. Beeindruckend ist das allemal. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Our House, I'm The Drug, Everythere, Ghost Rider



Donnerstag, 23. Juni 2016

Jefferson Airplane – Collections




Jefferson Airplane – Collections


Besetzung:

Marty Balin – vocals, rhythm guitar, percussion
Signe Toly Anderson – vocals, percussion
Jorma Kaukonen – lead guitar, sitar, vocals
Paul Kantner – rhythm guitar, vocals
Jack Casady – bass, fuzz bass, rhythm guitar
Skip Spence – drums
Spencer Dryden – drums, percussion, piano, organ, steel balls, vocals
Grace Slick – vocals, piano, organ, recorder


Gastmusiker:

Jerry Garcia – guitar
Gary Blackman – vocals
Bill Thompson – vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2003 (Musik aus den Jahren 1965 bis 1969


Stil: Folk Rock, Pop


Trackliste:

1. It's No Secret (2:40)
2. Come Up the Years (2:34)
3. My Best Friend (3:04)
4. Somebody To Love (3:00)
5. Comin' Back To Me (5:23)
6. Embryonic Journey (1:55)
7. White Rabbit (2:34)
8. The Ballad Of You & Me & Pooneil (4:34)
9. Watch Her Ride (3:13)
10. Crown Of Creation (2:54)
11. Greasy Heart (3:27)
12. Volunteers (2:04)

Gesamtspieldauer: 37:28




„Collections“ heißt eines der unzähligen Kompilationsalben der US-amerikanischen Band Jefferson Airplane, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts für eine Ausprägung des Folk Rock stand. Auch wurden dieser Band auch immer Ausflüge in das Genre des Psychedelic Rock nachgesagt. Davon ist zumindest hier, auf dieser Zusammenstellung einiger Lieder von Jefferson Airplane, nichts zu hören. Lediglich die Nummer „White Rabbit“ geht ein klein wenig in diese Richtung, allerdings auch lediglich marginal.

Ansonsten klingen die einzelnen Titel sehr stark nach 60ies Pop, haben nicht nur ein klein wenig Patina angesetzt, sondern sind bereits unter einer sehr dicken Schicht begraben. Solch Lieder wie „My Best Friend“ oder das wohl berühmteste und bekannteste Lied von Jefferson Airplane „Somebody To Love“ sind von daher am besten mit der Überschrift „Oldies“ zu umschreiben und hören sich inzwischen alles andere als interessant an.

Packen kann einen die Musik von Jefferson Airplay leider nicht mehr. Dieses Album „Collections“ ist ein „Best Of…“-Album. Von daher scheidet die Möglichkeit des Kaufs der regulären Alben dieser Band definitiv aus. Die Nummern wissen einfach nicht mehr zu überzeugen, jedoch ist die Musik weder nervig noch richtig schlecht, nur leider inzwischen eben ein wenig langweilig und überholt. Ganz nett sind dabei noch das kurze Instrumentalstück „Embryonic Journey“ und das bereits erwähnte „White Rabbit“, ein weiterer ehemaliger Hit der Band. Ebenfalls gelungen ist das etwas rockigere „Greasy Heart“, welches durchaus ins Ohr geht. Nun und der Rest? Irgendwie naja…

Fazit: Die Zusammenstellung „Collections“ von Jefferson Airplay vermittelt gut den Sound der Pop-Musik der 60er Jahre. Besonders interessant klingt dabei heute nichts mehr, die Musik hört sich genau so alt an, wie sie es letztlich auch ist. Für Oldie-Freunde sicherlich geeignet oder aber für Menschen, die den Sound der 60er so richtig aufnehmen wollen. Ansonsten ist das alles überholt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Embryonic Journey, White Rabbit, Greasy Heart



Mittwoch, 22. Juni 2016

Tanzwut – Ihr Wolltet Spass




Tanzwut – Ihr Wolltet Spass


Besetzung:

Teufel − bagpipe, lead vocals
Wim − bass, bagpipe, backing vocals, tromba marina
Castus − bagpipe, shawm, tromba marina, backing vocals
Ardor − bagpipe, shawm, tromba marina, backing vocals
Hatz − percussion, key drum, electronic drums, riesentara, keyboards
Patrick − guitar, backing vocals, bagpipe, tromba marina
Norri − percussion, keyboards


Gastmusiker:

Jonathan Janssen – samples


Label: Pica Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Industrial Rock, Neue Deutsche Härte, Mittelalter Rock, Electronic Rock


Trackliste:

1. Wieder Da (3:48)
2. Nein Nein (3:14)
3. Der Traum (3:58)
4. Meer (4:52)
5. Zaubern (4:10)
6. Für Immer (4:26)
7. Fatue (3:44)
8. Erdbeerrot (3:54)
9. Ihr Wolltet Spass (3:41)
10. Der Fluch (4:36)
11. Gnade (4:01)
12. Caupona (4:42)

Gesamtspieldauer: 49:10




„Ihr Wolltet Spass“ heißt das dritte Studioalbum der ursprünglichen Mittelalter Band Tanzwut. Im Jahr 2003 erschein es auf Pica Records. Und die Musiker sind erneut einen Schritt weitergegangen. Noch ein wenig mehr haben sie sich der Neuen Deutschen Härte angenähert, eine Vorgehensweise, die Anfang des Jahrhunderts gerade en vogue zu sein schien. Allerdings stimmt diese Aussage über die Musik von Tanzwut auf „Ihr Wolltet Spass“ nicht ganz. Sehr viel eher kann man die Lieder der Band als eine Mischung aus Metal, Elektro, Dancefloor und Mittelalter-Musik beschreiben.

Dabei ist die Musik von Tanzwut zumeist sehr gut tanzbar, die Beats greifen und treiben nach vorne. Auch die Melodien sind durchaus eingängig und gehen ins Ohr. Ob sie dort jedoch länger verbleiben, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ein klein wenig läuft die Scheibe nämlich einfach so durch, lässt hier und da mal aufhorchen, ohne dann jedoch irgendwelche Spuren zu hinterlassen.

Trotzdem ist die Musik durchaus eine Besondere. Das liegt in erster Linie am Dudelsack, dem praktisch in jedem Lied eine besondere Rolle zugedacht wird. Somit kommt man eher zu dem Schluss, die Musik der Band mit tanzbarem Mittelalter Metal zu umschreiben. Hier können sich die Mitglieder also noch ein wenig anders ausleben beziehungsweise austoben, als in ihrer „Partner-Band“ Corvus Corax – ohne die eigenen musikalischen Ursprünge ganz über Bord werfen zu müssen. Trotzdem wirkt die Musik auch manchmal nervig, wenn nämlich zu synthetisch klingende Töne auf Heavy Metal stoßen und dann auch noch mit klassischen Weisen unterlegt werden, wie beim grausigen „Fatue“. Beethovens Fünfte in Verbindung mit Synthie Pop und Metal? Nein, das muss definitiv nicht sein!

Fazit: Mit harten Gitarren sollte man definitiv etwas anzufangen wissen, möchte man mit der Musik von Tanzwut auf „Ihr Wolltet Spass“ etwas anfangen können. Der Mittelalter-Touch kommt dabei hauptsächlich durch Dudelsack-Klänge und ab und an einen Choral-Gesang – der Schwerpunkt der Musik liegt allerdings auf Metal mit Synthie-Tönen. Manchmal übertreiben es die Berliner Musiker auch mit ihrem Stilmix, dann klingt das Ganze zwar überaus abgefahren, dadurch allerdings keineswegs gut. Für Leute die gerne „Abtanzen“ wohl geeignet, für andere wohl weniger. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Der Traum, Erdbeerrot



Dienstag, 21. Juni 2016

Schandmaul – Von Spitzbuben Und Anderen Halunken




Schandmaul – Von Spitzbuben Und Anderen Halunken


Besetzung:

Thomas Lindner – Gesang, Akkordeon, Akustik-Gitarre
Anna Katharina Kränzlein  Violine, Drehleier
Stefan Brunner – Schlagzeug, Perkussion
Martin Christoph „Ducky“ Duckstein – E-Gitarre, Akustik-Gitarre
Birgit Muggenthaler – Schäferpfeife, Schalmeien, Rauschpfeife, Flöten, Dudelsack, Gesang
Hubert „Hubsi“ Widmann – E-Bass, Mandoline, Drehleier, Gesang


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Mittelalter Folk, Mittelalter Rock


Trackliste:

1. Herren Der Winde (3:49)
2. Der Junge Sigfrid (5:06)
3. Die Letzte Tröte (3:22)
4. Eine Waldmär (3:54)
5. Powerdudler (3:36)
6. Die Goldene Kette (5:26)
7. Gebt Acht! (3:14)
8. Der Letzte Tanz (3:58)
9. Frühlingstanz (3:03)
10. Der Talisman (4:19)
11. Der Tropfen (3:21)
12. Henkersmahlzeit (3:34)

Gesamtspielzeit: 46:47




Schandmaul ist eine Band aus München, die im Jahr 1998 gegründet wurde. Dabei verschreiben sich die Mitglieder von Schandmaul dem Mittalalter Folk und genau den gibt es auch auf ihrem zweiten Album „Von Spitzbuben Und Anderen Halunken“ zu hören. Dieses wurde im Jahr 2000 zunächst im Eigenverlag veröffentlicht. Später dann, nachdem sich der Erfolg langsam einstellte und man einen Plattenvertrag bekam, von BMG wiederveröffentlicht.

Nun man muss definitiv des Mittelalters lieben, wenn man die Musik von Schandmaul genießen möchte. Dieser Dudelsack-, Violinen- oder Schalmeien-Hintergrund kann nämlich durchaus ganz schön nervig sein, der hier häufig als „Hintergrundrauschen“ eingesetzt wird. Viele der Stücke von Schandmaul klingen durchaus eingängig ohne dabei jedoch zu Ohrwürmern werden zu können. Inzwischen gibt es ja jede Menge Mittelalter-Festivals und ebensolche Märkte, dort werden Schandmaul mit Sicherheit frenetisch gefeiert werden.

Es ist nämlich nicht nur die Musik, sondern es sind auch die Texte, die sich sehr stark in diese Epoche der Menschheitsgeschichte einbetten. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich klingt hier sehr Vieles wie vor vielen hundert Jahren. Für das Ohr eines Rock-Fans klingt das ganze daher schon sehr herausfordernd. Zwar ist die Musik durchaus eingängig, aber zu packen versteht sie irgendwie nicht. Die Lieder laufen eher so mit beziehungsweise durch und wenn das Ende des Albums erreicht ist, spürt man die Stille und die ist in diesem Moment noch nicht mal unangenehm.

Fazit: Schandmaul machen Musik für Mittelalter-Freunde. Das kann man sich auch gerne anhören, wenn man mit der Glorifizierung dieser dunklen Menschheitsepoche nichts zu tun hat, begeistern wird es einen dann jedoch kaum. Dieses Dudelsack-Gedröhne, was hier so manches Lied untermalt, kann dabei durchaus nerven. Musik für Freunde von Mittelaltermärkten. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Die Goldene Kette



Montag, 20. Juni 2016

Slim Cessna’s Auto Club – An Introduction For Young And Old Europe




Slim Cessna’s Auto Club – An Introduction For Young And Old Europe


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

CD:

Slim Cessna
Munly Munly
Lord Dwight Pentacost
Danny Pants Grandbois
Robert Ferbrache
The Peeler
John Rumley
Shane Trost
Ordy Garrison
Chad Johnson


Special Guests:

Rebecca Vera
Erica Brown


DVD:

Slim Cessna
Munly Munly
Lord Dwight Pentacost
Danny Pants Grandbois
Robert Ferbrache
John Rumley
The Peeler
Ordy Garrison
Gregory Garcia Jr.
Shane Trost
Erica Brown


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Country, Alternative Country, Rock


Trackliste:

CD:

1. This Is How We Do Things In The Country (5:18)
2. Cold Cold Eyes (4:17)
3. Mark Of Vaccination (4:07)
4. Jesus Christ (5:31)
5. Children Of The Lord (4:18)
6. Pine Box (5:27)
7. 32 Mouths Gone Dry (4:05)
8. That Fierce Cow Is Common-Sense In A Country Dress (7:13)
9. Three Bloodhounds, Two Shepherds, One Fila Brasileiro (5:20)
10. Cranston (3:33)
11. A Smashing Indictment Of Character (4:57)
12. Hallelujah Anyway (7:05)
13. Jesus Is In My Body - My Body Has Let Me Down (5:18)
14. Magalina Hagalina Boom Boom (3:40)
15. He, Roger Williams (7:10)

Gesamtspieldauer: 1:17:26


DVD:

1. Introduction By Erica Brown
2. Magalina Hagalina Boom Boom
3. 32 Mouths Gone Dry
4. Red Pirate Of The Prairie
5. That Fierce Cow Is Common Sense In A Country Dress
6. Jesus Is In My Body - My Body Has Let Me Down
7. Cranston
8. This Is How We Do Things In The Country
9. My Last Black Scarf
10. Do You Know Thee Enemy
11. Hold My Head
12. He, Roger Williams
13. Everyone Is Guilty #2
14. Americadio
15. Jesus Christ
16. Last Song About Satan
17. Providence, The New Jerusalem

Gesamtspieldauer: 1:27:40




Mit dieser CD/DVD-Veröffentlichung wollten Slim Cessna’s Auto Club endlich auch den europäischen Markt erobern. Der Musikmarkt in Nordamerika steht der Country Band aus Denver, Colorado bereits offen und nun wurde also speziell für Europa dieses Kompilationsalbum mit dem Name „An Introduction For Young And Old Europe“ veröffentlicht. Hierauf hört man zehn bereits bekannte Titel der Band und fünf bisher unveröffentlichte Songs. Dazu gibt es noch eine DVD, die Slim Cessna’s Auto Club bei den Auftritten am 5., 6. und 7. April 2012 im Lion’s Lair, Denver zeigt. Veröffentlicht wurde das Ganze schließlich im Jahr 2013 auf dem Label Glitterhouse Records.

Die Texte der Band haben einen religiösen Hintergrund. Damit muss man zunächst mal klarkommen, denn das klingt mitunter schon sehr nach Predigt, missionierend und zum Teil auch furchtbar weinerlich, wie beim wirklich sehr übertriebenen „Jesus Christ“. Counjtryx Music ist das Metier der Band, die diesem auf „An Introduction For Young And Old Europe“ auch ordentlich frönt. Das muss man natürlich mögen, so als Europäer. Richtig fies wird es allerdings dann, wenn die Musiker zu ihrer Musik auch noch jodeln. Slim Cessna’s Auto Club klingen jedoch immer dann gut, wenn sie in die Richtung Alternative Country driften, weg von den reinen Country-Klängen. Dies passiert jedoch leider viel zu selten, so manches Lied scheint da nur mit einem Cowboy-Hut auf dem Kopf erträglich zu sein. Die schönen Stellen halten sich somit einigermaßen in Grenzen.

Überzeugend klingt die Band bei „This Is How We Do Things In The Country“, da hier automatisch Erinnerungen an 16 Horsepower aufkommen. Genau so klingen Slim Cessna’s Auto Club bei diesem Titel, da hier wohl 16 Horsepower Pate gestanden hat. „That Fierce Cow Is Common-Sense In A Country Dress“ klingt gewiss nach Country, allerdings auch sehr, sehr mitreißend. Hier schafft man es kaum, den Fuß still zu halten. Dazu gesellen sich einige Stimmungswechsel und fertig ist das spannende und eingängige Lied, welches dazu auch noch rockt. Und schließlich wäre da noch das letzte Stück auf der Platte, „He, Roger Williams“. Die Nummer steigert sich, wird dann wieder langsamer und stellt eine kleine musikalische Achterbahnfahrt dar, die zum einen ebenfalls ins Ohr geht und dabei zum anderen auch immer wieder rockt – wenn die Wurzeln der Musik im Country auch hier nicht zu überhören sind. Ansonsten lässt einen das Gehörte allerdings ein wenig unschlüssig zurück. Eindeutig nordamerikanische Musik, die sich dem Ohr des Europäers nicht ganz so ohne Weiteres erschließt.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch die beigefügte DVD, die Slim Cessna’s Auto Club in einem kleinen Club beim Musizieren zeigt. Live sind die Jungs aus Colorado sicherlich ein Erlebnis, welches man sich geben sollte, wenn man die Chance dazu hat.

Fazit: Acht Platten hatten die US-Amerikaner aus Denver bisher veröffentlicht und „An Introduction For Young And Old Europe“ sollte nun der musikalische Angriff sein, um auch Europa zu erobern. Ob dies gelingt, halte ich für relativ fragwürdig. Die Musiker sind tolle und gute Musiker, die ihre Musik mitreißend darbieten zu verstehen, wie die beilgelegte DVD auch eindrucksvoll zeigt. Allerdings hat nicht jeder hier ein musikalischen „Country-Gen“ und zum anderen weiß auch nicht jede Hörerin beziehungsweise jeder Hörer etwas mit diesen Texten anzufangen, ganz gleich, ob man gläubig ist oder eher Atheist. Mich zumindest überzeugt das Ergebnis nicht restlos. Sieben Punkte.

Anspieltipps: This Is How We Do Things In The Country, That Fierce Cow Is Common-Sense In A Country Dress, He Roger Williams



Sonntag, 19. Juni 2016

Subway To Sally – Herzblut




Subway To Sally – Herzblut


Besetzung:

Eric Fish – Dudelsack, Flöte, Schalmei, Gesang, Barock Oboe
David – Schlagzeug, Perkussion
Frau Schmitt – Violine
Simon – akustische Gitarre, Gesang
Bodenski – akustische Gitarre, Leierkasten, Gesang
Ingo Hampf – Gitarren, Laute
Sugar Ray Runge – Bass


Gastmusiker:

Uschi Laar – Harfe
Benni Cellini – Cello
Josef Bach – Programmierung


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Mittelalter Folk, Mittelalter Rock, Industrial Rock


Trackliste:

1. Die Schlacht (4:02)
2. Veitstanz (4:40)
3. Das Messer (4:18)
4. Herrin des Feuers (7:07)
5. Kleid aus Rosen (5:01)
6. Wenn Engel Hassen (6:31)
7. Krötenliebe (3:45)
8. Accingite Vos (4:14)
9. So Rot (3:48)
10. Drei Engel (1:14)
11. Kleid aus Rosen (unplugged) (5:03)

Gesamtspieldauer: 49:48




„Herzblut“ heißt das sechste Studioalbum der Potsdamer Band Subway To Sally, welches im April 2001 bei Island Records veröffentlicht wurde. Die Platte stellte gleichzeitig eine Art Abschluss in der Musik von Subway To Sally dar. Auf „Herzblut“ klingen die Lieder größtenteils noch nach Mittelalter-Musik, auch wenn diese schon sehr rockig klingen. Trotz des Rocks hört man hier jedoch noch jede Menge Instrumente aus der Zeit von vor vielen hundert Jahren wie Dudelsäcke oder Schalmeien. Ab dem nächsten Album „Engelskrieger“ sollte dann allerdings der Rock bis hin zur Neuen Deutschen Härte absolut im Vordergrund stehen und immer weniger an das Mittelalter erinnern.

Auf „Herzblut“ hört man sehr melodiöse und eingängigen Mittelalter-Rock, der durchaus auch schon mit „hart“ zu umschreiben ist. Dabei besingt, beschwört, flüstert und ruft Sänger Eric Fish seine Texte den Hörerinnen und Hörern zu. Subway To Sally erzählen Geschichten in ihren Liedern, die häufig auch noch einen mittelalterlichen Hintergrund beinhalten. Nicht immer klingt das ganz überzeugend, immer wieder dann allerdings doch. Dies ist bei der Musik ebenso. Diese wird dann spannend, wenn sie rockt. Dann klingt das Ganze durchaus mitreißend, wie bei den beiden ersten beiden Titeln „Die Schlacht“ und „Veitstanz“. Nach wenigen Durchläufen haben sich diese beiden Titel sofort im Gehör verankert.

Auch „Herrin des Feuers“ macht Laune. Allerdings fängt dieses Lied sehr getragen an, klingt durch die Laute zu Beginn auch sehr nach Mittelalter-Musik. Die Nummer verfügt jedoch über eine sehr eingängige Melodie und weiß sich somit festzusetzen. Mit Lautstärken, Stimmungen und mehrstimmigem Gesang wird hier gespielt, wodurch das Lied immer mehr an Spannung gewinnt – auch über eine siebenminütige Spieldauer. In eine ähnliche Kategorie fällt „So Rot“. Dieses Lied klingt ebenfalls nach Mittelalter, obwohl der Text – zwar poetisch – nicht unbedingt auf diese Zeit abzielt und eher zeitlos ist.

Auch sonst weiß die Musik von Subway To Sally auf „Herzblut“ zu unterhalten beziehungsweise oft zu überzeugen. Richtige Ausfälle lassen sich nicht ausmachen, auch wenn die Musik und die Texte solcher „Mittelalter-Musik“ nicht immer jedermanns Sache sein dürften. Doch der Rock überwiegt und dies ist dann ein durchaus angenehmer Umstand in der Musik von Subway To Sally.

Fazit: Nach Mittelalter klingt „Herzblut“ von Subway To Sally durchaus noch – aber nicht mehr nur. Eine gehörige Portion Rock verbirgt sich auch auf diesem Album, welches damit für Freundinnen und Freunde des eher „normalen“ Rocks ebenfalls eine interessante Platte darstellt. Die meisten Lieder gehen schnell ins Ohr und der Gesang des Eric Fish klingt in seiner Vielfalt durchaus gelungen. Durchaus auch Musik für Leute, die ihren Met nicht unbedingt aus einem Horn trinken müssen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Die Schlacht, Veitstanz, Herrin des Feuers, Wenn Engel Hassen, So Rot



Samstag, 18. Juni 2016

Scycs – Honeydew




Scycs – Honeydew


Besetzung:

Stephan Michme – Gesang
Mario Swigulski – Gitarre
Dirk Alstein – E-Bass
Marko Baumbach – Schlagzeug
Tom Michme – Keyboard


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. Just A View (4:09)
2. Radiostar (4:03)
3. Out Of Tune (3:26)
4. Yellow Island (3:52)
5. The End (3:38)
6. Strokes My Soul (5:05)
7. Lost And Beautiful (4:36)
8. Send A Letter (3:36)
9. No Sleep (3:51)
10. My Own Radio (2:44)
11. Rocket (5:46)
12. Garden (4:04)
13. She Is ... (2:12)
14. ... A Daisy (2:38)

Gesamtspieldauer: 53:46




Scycs war eine deutsche Rockband aus Magdeburg, die um die Jahrtausendwende aktiv war. Die fünf Musiker veröffentlichten insgesamt zwei Alben von denen „Honeydew“ das zweite und letzte Album ist, welches im Jahr 2000 auf Warner Music veröffentlicht wurde. Auf dieser Platte zu hören ist sehr eingängiger Rock bis Pop, der sicherlich keine Besonderheit, nichts Außergewöhnliches darstellt. Trotzdem ist man beim Hören der Scheibe immer wieder überrascht, wieso es manche Bands schaffen und ihnen der Durchbruch gelingt und bei anderen das weniger gut klappt.

Bei Scycs hat es wohl weniger hingehauen. Denn danach löste sich die Band auf. Allerdings ist die Musik der Band auf „Honeydew“ keine schlechte. Die Lieder sind melodisch und gehen ins Ohr. Manchmal wurde bei der Produktion vielleicht ein klein wenig übertrieben, wenn eben zu viele Streicher im Hintergrund zu hören sind. Hin und wieder macht das sicherlich Sinn, eine Prise zu viel davon lässt das Ganze dann jedoch immer auch ein wenig süßlich werden. Aber auch die rockigen Titel sind vorhanden, sodass die Mischung im Grunde genommen immer noch stimmt.

Mit dem Titel „Radiostar“ hatte die Band sogar einen kleinen Hit, allerdings stellt dieser jedoch noch nicht mal die beste Nummer der Platte dar. Geschmackssache, sicherlich. Noch besser gelungen klingen für mich der Opener „Just A View“, bei dem man zu Beginn des Albums auch noch gut mit den vielen Streichern leben kann. Ebenfalls sehr gelungen ist das zunächst sanfte und zerbrechliche wirkende „Strokes My Soul“, welches dann im weiteren Verlauf gut „loskracht“. Auch die letzten vier Stücke „Rocket“, „Garden“, „She Is ...“ sowie „... A Daisy“ sind überaus gelungen, wobei die letzten beiden Nummern eher ein Lied darstellen, wie bereits aus den Titeln herauszulesen ist. „Rocket“ rockt sehr gut und beinhaltet auch mal Passagen, die man sich erst erarbeiten muss, da sie nicht gleich beim ersten Hören so eingängig wirken. „Garden“ ist eine sanfte und melodiöse Piano-Nummer, in der zu Beginn nur der Gesang und eben das Piano sich ein Duett geben. Erst ganz zum Schluss setzen dann die weiteren Instrumente ein. „She Is ...“ und „... A Daisy“ sind schließlich sehr eingängige Pop-Rock-Lieder, die wirklich sofort ins Ohr gehen. Mal ganz ehrlich, so viel anders hörten sich REM auch nicht an – doch die waren wesentlich erfolgreicher. Seltsam.

Fazit: Wer auf unaufgeregten poppigen Rock oder rockigen Pop steht, der auch noch ins Ohr gehen soll, die beziehungsweise der ist mit dem zweiten Album der Magdeburger Band Scycs bestens bedient. Hier wird nicht großartig experimentiert, jedoch gut unterhalten. Flach und platt ist die Musik dabei keineswegs, sondern melodiös und eingängig. Und auch wenn bei der Produktion etwas zu viel Süße in Form der Streicher hinzugegeben wurde, so klingt „Honeydew“ immer noch nicht anbiedernd. Scycs hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Just A View, Rocket, She Is ... ... A Daisy



Freitag, 17. Juni 2016

Oasis – Definitely Maybe




Oasis – Definitely Maybe


Besetzung:

Liam Gallagher – vocals, tambourine
Noel Gallagher – lead guitars, backing vocals
Paul Arthurs – rhythm guitar
Paul McGuigan – bass guitar
Tony McCarroll – drums


Gastmusiker:

Anthony Griffiths – backing vocals on „Supersonic“


Label: Creation Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Rock, BritPop


Trackliste:

1. Rock 'n' Roll Star (5:23)
2. Shakermaker (5:08)
3. Live Forever (4:36)
4. Up In The Sky (4:28)
5. Columbia (6:17)
6. Supersonic (4:43)
7. Bring It On Down (4:17)
8. Cigarettes & Alcohol (4:49)
9. Digsy's Dinner (2:32)
10. Slide Away (6:32)
11. Married With Children (3:12)

Gesamtspieldauer: 52:03




„Definitely Maybe“ heißt das erste Album der englischen BritPop-Band Oasis, welches im August des Jahres 1994 auf dem Label Creation Records veröffentlicht wurde. Und diese Platte startete absolut durch. Das Album erklomm sofort die Spitze der Albumcharts in England und ist bis heute das erfolgreichste Debut-Album einer Band in England überhaupt. Dort wurden bisher 2,1 Millionen Exemplare der Scheibe verkauft, weltweit sind es inzwischen fünfzehn Millionen. Gleichzeitig mit dem Album „Parklife“ von Blur, stellt es eine Art Geburtsstunde beziehungsweise Wiederaufleben des BritPop dar, welcher durch die weltweite Grunge-Welle Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts einigermaßen in den Hintergrund gedrängt worden war.

Dies ist allerdings im Falle von „Definitely Maybe“ von Oasis eindeutig etwas überraschend, dass gerade diesem Album eine Geburtshilfe des BritPops zugesprochen wird. Die „Überraschung“ wiederum liegt darin begründet, dass man auf „Definitely Maybe“ im Grunde genommen gar keinen BritPop zu hören bekommt. Sehr viel eher zelebrieren die fünf Briten hier Rock Musik und diese ganz bestimmt nicht von der sanften Art. So hört man auf dem Debut-Album von Oasis eingängigen und durchaus auch etwas härteren Rock geboten, der zwar ins Ohr geht, jedoch noch nicht solche Ohrwürmer wie der Nachfolger „(What's The Story) Morning Glory?“ für die Hörerinnen und Hörer bereithält.

Somit bekommt man auf „Definitely Maybe“ gut gemachten, sehr gitarrenorientierten und gitarrendominierten Rock serviert, der allerdings noch keine Neuerfindung des BritPops darstellt. Die immer wieder mit Oasis in Verbindung gebrachten Beatles-Anleihen gibt es hier ebenfalls noch nicht zu hören. Trotzdem macht die Scheibe durchaus Spaß. Die Stimmung darauf ist durchweg fröhlich bis positiv und mit dem Titel „Supersonic“ gibt es dann schließlich doch noch so etwas wie einen Hit, einen kleinen Ohrwurm zumindest. Glücklicherweise bleibt ebenfalls festzuhalten, dass sich auf „Definitely Maybe“ keinerlei Füllmaterial befindet. Alles hat hier Qualität und weiß gleichmäßig und durchgängig zu überzeugen. Und wenn beim ersten Male des Hörens noch nicht ganz so viel von der Musik auf der Scheibe hängenbleibt, so ändert sich das doch mit jeder weiteren Umdrehung des Albums.

Fazit: „Definitely Maybe“ von Oasis ist das erfolgreichste britische Debut-Album aller Zeiten. Darauf zu hören gibt es eingängigen Rock, weniger BritPop, für den Oasis im Grunde genommen erst später stehen. Ihren Stil hatten die Musiker hier also noch nicht endgültig gefunden. Macht jedoch nichts, denn wer auf gitarrenorientierten Rock steht, die oder der dürfte viel Spaß an „Definitely Maybe“ haben. Neun Punkte.

Anspieltipps: Supersonic, Bring It On Down



Donnerstag, 16. Juni 2016

Rialto – Night On Earth




Rialto – Night On Earth


Besetzung:


Pete Cuthbert – drums
Louis Eliot – guitar, vocals
Fergus Gerrand – percussion
Toby Hounsham – keyboards
Julian Taylor – bass, background vocals


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Brit Pop


Trackliste:

1. London Crawling (4:43)
2. Anything Could Happen (4:14)
3. Anyone Out There (3:22)
4. Catherine's Wheel (5:21)
5. Idiot Twin (4:17)
6. Shatterproof (4:39)
7. Brilliant Fake (3:21)
8. Three Ring Circus (4:23)
9. Drive (4:12)
10. Deep Space (4:43)
11. Underneath A Distant Moon (3:14)

Gesamtspieldauer: 46:35




Rialto war eine englische Brit Pop Band, die 1998 und 2001 insgesamt zwei Alben veröffentlichte. „Night On Earth“ ist die zweite Rialto-Platte und erschien bei Eagle Records. Für die Musik bei Rialto zeigt sich Sänger und Gitarrist Louis Eliot verantwortlich, der alle elf, auf dem Album befindlichen Titel schrieb. Zu hören gibt es auf „Night On Earth“ größtenteils sehr eingängigen und massentauglichen Brit Pop, der allerdings ohne großartige Höhepunkte auskommt.

Die Musik von Rialto auf „Night On Earth“ ist durchaus eingängig und geht ins Ohr. Absolut radiotauglich, so eine Art Schönwetter-Musik, die man wohl am besten im offenen Cabrio bei Sonnenschein auf einer Fahrt durch tolle Natur hören sollte. Das würde passen, obwohl die Musik der Band auch immer wieder nachdenklich und ein klein wenig melancholisch klingt. Dafür sorgen an den richtigen Stellen auch immer wieder die Streicher, die das Ganze dann etwas süßlich verträumt klingen lassen.

Hier jetzt irgendwelche Titel herauszuheben geht fast nicht, denn die Musik ist durchaus einheitlich melodiös und auch eingängig. Vieles davon ist dem Rock-Freund mit Sicherheit viel zu weich, manches wird ihr oder ihm deutlich zu poppig klingen. Und wenn man ehrlich ist, besonders anspruchsvoll sind die Titel auch nicht, die wohl einfach schnell wirken sollen, jedoch leider nicht besonders lange hängenbleiben. Trotzdem klingt die Musik von Rialto auf „Night On Earth“, allerdings eben nicht besonders „wichtig“.

Fazit: Eingängigen Brit Pop in Reinform bekommen Hörerin beziehungsweise Hörer auf „Night On Earth“ von Rialto geboten. Wer hier etwas Besonderes in der Musik der Engländer sucht, wird sicherlich enttäuscht werden. Rialto sind mit Sicherheit kein zweites Oasis. Wer allerdings gerne Musik nebenbei hört, die auch mal bei einem Gespräch nicht stören darf, die oder der könnte sich mit den elf Titeln von Rialto auf dieser Platte durchaus anfreunden. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Anything Could Happen, Catherine's Wheel



Mittwoch, 15. Juni 2016

Schweisser – Bitte Warten




Schweisser – Bitte Warten


Besetzung:


Tommi Böck – Gesang, Gitarre
Martin „Buffo“ Völker – Gitarre
Sepp Lautenbacher – Bass
Miene Gruber – Saxophon
Gerald „Greulix“ Schrank – Schlagzeug


Gastmusiker:

Marianne Rosenberg – Gesang auf „Zeig Mir Dein Gesicht“
Kyra & Katie Le Roy – Gesang auf „Vermissen“
Nicki Schuster – Gesang auf „Bitte Warten“
Florian Rein – Perkussion


Label: Intercord


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Bitte Warten (3:06)
2. Narrenschiff (3:44)
3. Vermissen (2:55)
4. O.K. Ist Nicht Gut (4:05)
5. Zeig Mir Dein Gesicht (3:34)
6. Hässlich (3:31)
7. Nur Drei Worte (3:56)
8. Alles Nochmal? (3:51)
9. Stern (4:18)
10. Morgen Retten Wir Die Welt (3:49)
11. Spiderman (3:30)
12. Nell Mezzo Del Cammin Di Nostra Vita (4:23)
13. Die Letzte Welt (14:31)

Gesamtspieldauer: 59:20




Die Schweisser sind eine Band aus Utting am Ammersee, die 1988 gegründet wurde und zunächst Musik im Stile der Neuen Deutschen Härte spielte. „Bitte Warten“ heißt ihr fünftes Studio-Album, ein Jahr später löste sich die Band dann auf. Vielleicht liegt der Grund der Bandauflösung darin, dass die Schweisser mit „Bitte Warten“ einen radikalen Stilwechsel eingeläutet hatten, der auch bei den Fans sehr zwiespältig aufgenommen wurde und nicht selten sogar auf große Ablehnung und Enttäuschung stieß. Auf der fünften Scheibe der Band hört man nun nämlich Deutsch Rock, relativ unspektakulären Deutsch Rock, der mal mehr, mal weniger überzeugen kann.

Wie überzeugend ein Lied gerade ist, das liegt im Falle der Schweisser auf „Bitte Warten“ daran, welchen Stil die Musiker für ein Lied ausgewählt haben. Klingt das nach Rock Musik, dann ist das durchaus in Ordnung und lässt sich gut anhören. Schlägt das Pendel jedoch etwas mehr in Richtung Pop aus, wird es deutlich seichter, wie man zum Beispiel beim Titel „Morgen Retten Wir Die Welt“ gut nachvollziehen kann. Zwar weist dieses Lied auch einen rockigeren Teil auf, die poppigen Ausflüge lassen den Titel allerdings sehr leiden, genau wie übrigens der Text.

Nun, insgesamt ist „Bitte Warten“ ein Deutsch-Rock-Mainstream-Album geworden. Wer auf Rockmusik mit deutschen Texten steht, die oder der könnte hier durchaus den ein oder anderen Titel finden, der gefällt. Etwas Spektakuläres oder Außergewöhnliches gibt es auf der Platte allerdings nicht zu hören. Das ist radiotaugliche Musik, die natürlich durchaus auch ihre Daseinsberechtigung hat. Unkompliziert und relativ schnell eingängig klingt das meistens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das letzte Lied, „Die Letzte Welt“, ist keine vierzehneinhalb Minuten lang wie angegeben. Stattdessen hört man ab Minute 4 eine monotone „Bitte warten“ Ansage und zum Schluss Bart Simpson, der sich einigermaßen darüber aufregt. Gibt sicher Menschen, die das lustig finden…

Fazit: Die Fans der Band schafften den Stilwechsel nicht, die Musiker anscheinend auch nicht. 2006 wurden die Schweisser von Sänger und Gitarrist Tommi Böck allerdings nochmals neu belebt und veröffentlichten in diesem Jahr auch noch ein neues Album. Inzwischen war die Band nun jedoch zum Trio geschrumpft, Tommi Böck hatte zwei neue Mitstreiter gefunden. „Bitte Warten“ ist eher etwas für den Mainstream-Deutsch-Rock-Fan. Die Neue Deutsche Härte spielt nur noch eine ganz untergeordnete Rolle und taucht nur noch abschnittsweise in wenigen Liedern auf. Keine schlechte Platte, Durchschnitt eben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Narrenschiff, Hässlich, Die Letzte Welt



Dienstag, 14. Juni 2016

Tanzwut – Labyrinth Der Sinne




Tanzwut – Labyrinth Der Sinne


Besetzung:

Teufel − vocals
Koll. A. − bagpipes, flute
Castus − backing vocals, violin, bagpipes, flute
Wim − bagpipes, flute
Brandan − guitar, bagpipes
Tec − programming


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Industrial Rock, Neue Deutsche Härte, Mittelalter Rock, Electronic Rock


Trackliste:

1. Tanzwut (3:55)
2. Extase (3:39)
3. Lügner (4:39)
4. Bitte, Bitte (3:12)
5. Labyrinth (4:08)
6. Niemals Ohne Dich (4:18)
7. Die Drohne (3:36)
8. Der Wächter (3:19)
9. Dämmerung (3:34)
10. Was Soll Der Teufel Im Paradies (4:12)
11. Gigolo (3:12)
12. Ikarus (3:58)
13. Götterfunken (5:50)

Gesamtspieldauer: 51:36




„Labyrinth Der Sinne“ nannten die Musiker der Berliner Band Tanzwut ihr zweites Studioalbum, welches im Jahr 2000 auf dem Label EMI erschien. Ein wenig mehr, im Vergleich zum Vorgänger, waren auf diesem die Gitarren in den Vordergrund gerückt worden, sodass die Musik der Band nun sehr viel eher den Genres Industrial Rock oder Neue Deutsche Härte zuzuordnen ist, als dem Genre Mittelalter Rock.

Auch die Texte passen eher zu den zuerst genannten musikalischen Stilen, als zum Thema Mittelalter. Die Musik der Band ist dabei immer dann überzeugend, wenn sie wirklich hart klingt, ohne dabei zu viele elektronische Klänge mit in die Musik einzubeziehen. Dieses Einbeziehen diverser Synthesizer-Klänge passiert allerdings leider immer wieder und lässt die Musik von Tanzwut dann deutlich seichter klingen. Diese, fast schon in die Richtung Synthie Pop gehenden Ausflüge, nerven ein wenig. An die Mittelalter Musik erinnert immer noch der Dudelsack, der auf „Labyrinth Der Sinne“ häufig allerdings nur noch als eine Art Füller oder aber als Hintergrund-Instrument eingesetzt wird.

Trotzdem, wenn die sechs Musiker ordentlich rocken, dann hat die Musik auf „Labyrinth Der Sinne“ durchaus etwas und geht auch immer wieder gut ins Ohr. Die Beats knallen, der Rhythmus ist immer nach vorne gerichtet und viele Gesangspassagen sind auch so ausgelegt, dass man gut Mitgrölen kann. Somit hätte die eine oder andere Nummer durchaus die Chance, in entsprechenden Clubs für volle Tanzflächen zu sorgen.

Fazit: Die zweite Platte von Tanzwut, „Labyrinth Der Sinne“, ist noch ein wenig rockiger geworden, als die erste Veröffentlichung. Die Musik ist durchaus immer wieder eingängig und melodiös und wird dann gut, wenn der Synthie-Pop-Anteil heruntergefahren wird beziehungsweise ganz verschwindet. Der Dudelsack lässt das Mittelalter-Gefühl auch nicht ganz verschwinden und so bleibt eine tanzbare Platte, die hauptsächlich in den musikalischen Genres Industrial Rock und Neuer Deutscher Härte angesiedelt ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: Lügner, Niemals Ohne Dich