Montag, 7. Januar 2019

Haken – Affinity




Haken – Affinity


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar
Charlie Griffiths – guitar
Conner Green – bass guitar
Diego Tejeida – keyboards, sound design
Raymond Hearne – drums


Gastmusiker:

Einar Solberg – harsh vocals (track 5)
Pete Rinaldi – acoustic guitar (track 9)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

1. affinity.exe (1:24)
2. Initiate (4:16)
3. 1985 (9:08)
4. Lapse (4:44)
5. The Architect (15:40)
6. Earthrise (4:48)
7. Red Giant (6:06)
8. The Endless Knot (5:50)
9. Bound By Gravity (9:29)

Gesamtspieldauer: 1:01:27



„Affinity“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr viertes Studioalbum, welches am 29. April 2016 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht wurde. Es ist die erste Scheibe der Band auf der Bassist Conner Green nach dem Weggang von Thomas MacLean zu hören ist. Mit den Liedern „Initiate“ sowie „The Endless Knot“ wurden im März und April 2016 zwei Singles aus dem Album ausgekoppelt. Inhaltlich geht es auf „Affinity“ um die Beziehung zwischen Mensch und Computer – mit allen seinen Auswüchsen und möglichen Entwicklungen.

„Affinity“ fischt mehr im Mainstream als andere Alben der Briten. Da klingt es mal ein wenig nach dieser Band, dort nach jener Band. Etwas Neues oder Eigenständiges mag man auf „Affinity“ nicht entdecken, irgendwie scheinen sehr viel Reminiszenzen in die Musik von Haken eingeflossen zu sein, wobei nun auch deutlich mehr Musiker am kompositorischen Prozess der Lieder beteiligt sind. Doch keineswegs handelt sich es bei den einzelnen Nummern auf „Affinity“ um langweilige oder schlechte Musik, der Zauber des Besonderen geht den Titeln jedoch leider ab. Und wenn man dann auch Keyboardläufe zu hören bekommt, die stark an AOR-Bands der 80er Jahre erinnern, dann hinterlassen diese zumindest ein Gefühl des Erstaunens oder eben doch sogar der gemäßigten Langweile.

Es ist kein einziges schlechtes Lied auf „Affinity“ zu hören. Jeder Titel verfügt über Qualität und lässt sich gut hören. Dem abwechslungsreichen und auch härteren Rock sollte man dabei jedoch schon zugetan sein, denn gerockt wird auf „Affinity“. Auch wissen die Briten einmal mehr mit den Atmosphären zu spielen, laut und leise, sanft und fordernd, all das gibt es auf dem Album zu hören, perfekt aufeinander abgestimmt und ineinanderfließend. Allerdings jedoch leider nicht in der Art und Weise, wie man es bereits auf anderen Platten von Haken gehört hat. Von daher klingt „Affinity“ ein wenig austauschbar, was dementsprechend auch die Suche nach dem Höhepunkt der Platte relativ schwierig werden lässt. Kein Titel ragt über den anderen hinaus, keiner fällt sehr ab, sodass alle Lieder der Platte Höhepunkte darstellen – jedoch nicht im Vergleich zu anderen Scheiben von Haken.

Fazit: Ein Album ganz im Sinne des Progressive Rock ist „Affinitiy“ von Haken geworden. Vieles meint man bereits durch die ein oder andere Band in leicht abgewandelter Form gehört zu haben. Von daher nichts Neues von den Briten. Trotzdem ist „Affinitiy“ kein schlechtes Album geworden, sondern eines, welches Freundinnen und Freunde des entsprechenden Genres gut unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: 1985



Sonntag, 6. Januar 2019

Elvis Costello And The Attractions – Imperial Bedroom




Elvis Costello And The Attractions – Imperial Bedroom


Besetzung:

Elvis Costello – vocals, guitar, piano


Gastmusiker:

Steve Nieve – piano, organ, harpsichord, accordion, guitar on "Tears Before Bedtime," orchestrations
Bruce Thomas – bass
Pete Thomas – drums


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Beyond Belief (2:34)
2. Tears Before Bedtime (3:02)
3. Shabby Doll (4:48)
4. The Long Honeymoon (4:15)
5. Man Out Of Time (5:27)
6. Almost Blue (2:50)
7. ...And In Every Home (3:23)
8. The Loved Ones (2:48)
9. Human Hands (2:43)
10. Kid About It (2:45)
11. Little Savage (2:37)
12. Boy With A Problem (2:12)
13. Pidgin English (3:58)
14. You Little Fool (3:11)
15. Town Cryer (4:16)

Gesamtspieldauer: 50:55



„Imperial Bedroom“ ist ein am 2. Juli 1982 veröffentlichtes Studioalbum des englischen Musikers Elvis Costello mit seiner Begleitband The Attractions. Das Album erschien in Europa ursprünglich auf dem Plattenlabel F-Beat Records und wurde inzwischen zahlreiche Male wiederveröffentlicht, zuletzt von Label Universal Music. „Imperial Bedroom“ ist das zweite Costello-Album nach „Almost Blue“, welches nicht von Nick Lowe produziert wurde. Die Produktionsaufgaben wurden von Beatles-Ingenieur Geoff Emerick übernommen. Die Platte taucht in zahlreichen Bestenlisten auf. So wurde sie in der Umfrage der The Village Voice Pazz & Jop Kritiker zum besten Album des Jahres gewählt. 1998 wählten die Leser des Q-Magazins es zum 96. größten Album aller Zeiten. 1989 wurde es auf der Liste der 100 größten Alben der 80er Jahre des Rolling Stone Magazins auf Platz 38 geführt. Im Jahr 2003 wurde das Album schließlich auf Platz 166 der Liste der 500 größten Alben aller Zeiten vom Rolling Stone Magazine gelistet. Das Album erreichte Platz 6 in den britischen Charts und Platz 30 in den USA. Die ausgekoppelten Singles waren jedoch weit weniger erfolgreich. „You Little Fool“ und „Man Out Of Time“ erschienen jeweils kurz in den UK Singles Charts, aber nicht in den USA.

So unterschiedlich können Geschmäcker sein. „Imperial Bedroom“ ist ganz nett, doch das war es dann auch bereits. Oder liegt es vielleicht am „deutschen Geschmack“, denn in Deutschland hinterließ die Scheibe kaum großartige Spuren in Bezug auf Chartpositionen. Wobei auch jene in England und den USA auch keine Spitzenplätze waren. Also eher ein Kritiker-Album denn eines für die Konsumenten? Nun, auf der Platte hört man keinesfalls schlechte Musik, jedoch eben keine herausragende. Doch „Imperial Bedroom“ unterhält durchaus und die einzelnen Lieder klingen auch keineswegs dergestalt, dass man den Tonarm weiterheben oder die Fernbedienung bemühen müsste. Vielmehr klingt die Musik auf dieser Scheibe durchschnittlich. Das Album läuft nebenher oder man setzt sich die Kopfhörer auf und macht es sich auf seinem Lieblingsplätzchen gemütlich und konzentriert sich auf die einzelnen Titel – das Ergebnis ist leider immer dasselbe: „Imperial Bedroom“ läuft einfach durch, ohne eben großartige Spuren zu hinterlassen. Pop ohne zu viele Ausschläge, der allerdings aufwendig und abwechslungsreich, zum Teil orchestral inszeniert wurde.

Höhepunkte auf „Imperial Bedroom“ sind das leicht schräge und doch melodiöse „Shabby Doll“, welches aus diesem Widerspruch seinen Wiedererkennungswert zieht. „You Little Fool“ klingt sehr eingängig und das letzte Stück, „Town Cryer“, gerade auch durch seine orchestrale Instrumentierung, etwas mehr nachhallend, als vieles vom Rest des Albums. Wobei an dieser Stelle nochmals erwähnt werden sollte, dass Pop-Fans die Scheibe gut in einem Rutsch durchhören können ohne an bestimmten Stellen genervt zu werden.

Fazit: „Imperial Bedroom“ ist ein poppiges Album geworden, auf dem manchmal die orchestrale Instrumentierung für die Höhepunkte sorgt. Die Lieder selbst klingen allerdings eher durchschnittlich, ohne Ohrwürmer oder Totalausfälle zu generieren. Mit „Pop ohne große Ausschläge“ könnte man diese Scheibe umschreiben. Egal. Pop Fans wird es gefallen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Shabby Doll, You Little Fool, Town Cryer



Samstag, 5. Januar 2019

Senyawa – Sujud




Senyawa – Sujud


Label: Sublime Frequencies


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Weltmusik, Experimentelle Musik


Trackliste:

1. Tanggalkan Di Dunia (8:24)
2. Sujud (9:20)
3. Terbertaktilah Tanah Ini (2:11)
4. Penjuru Menyatu (6:50)
5. Kehendak (1:28)
6. Kebaikan Tumbuh Dari Tanah (4:28)
7. Kembali Ke Dunia (5:55)

Gesamtspieldauer: 38:36



Das Duo Senyawa stammt aus Jogjakarta in Indonesien. „Weltmusik“ dachte ich mir, als ich die CD zugeschickt bekam. Eingeschoben, da singt einer mit dunklen Kehlkopfgesang „Tanggalkan nams, segalla di dunia“. Immer und immer wieder. Es hat schon etwas Trancemäßiges an sich. Und dann kommt es. Ein brachiales, verzerrtes Gitarrenbrett, eine Welle an Sound und immer noch dieses gebetsmühlenartig vorgetragene „Tanggalkan nams, segalla di dunia“.

Senyawa sind nicht Crossover über ein kleines Bächlein aus verschiedenen musikalischen Genres, sie überqueren vielmehr einen reissenden Fluss und zerschlagen anschließend die Brücke, die sie gerade noch passiert haben. Das ist eine Vermischung aus scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikwelten. Ein Tsunami der alles an Tönen und Klang mit sich reißt. Hier die gewachsene Tradition, um zugleich von einem brutalen Industrialangriff überspült zu werden. Doch gerade das macht diese Platte „Sujud“ aus. Es sind Tumulte im Hörgang. Der tiefe Gesang der für mich unverständlichen Sprache, dazu wird ein Klangrahmen mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und tiefen Soundflächen abgesteckt, der sich manchmal zum rostigen Stacheldraht entwickelt.

Irgendwie geht dieses Alt und Neu zusammen. Faszinierend, ganz anders, sowas habe ich noch nie gehört. Manchmal wirkt es verspielt, leicht, ja, zärtlich, um dann im nächsten Augenblick vor die Wand geklatscht zu werden. Eine irre Klangreise, die schizophrene Züge aufweist, ein Alptraum im Mittelohr. „Sujud“ muss man laut spielen, sehr laut spielen. Mit Sicherheit werden einen die Nachbarn danach besorgt ansehen, was war bitteschön das? Das Duo Rully Shabara und Wukir Suryadi verdient es aber, dass man sich Zeit für sie nimmt, es zumindest versucht, einen Zugang zu dieser Berg- und Talfahrt zu finden. Es lohnt sich wirklich, Eintritt in dieses grandiose Dröhnland zu bekommen. Für mich ist „Sujud“ von Senyawa eine der interessantesten Neuheiten, die ich in diesem Jahr zu hören bekommen habe.



Freitag, 4. Januar 2019

Hans Otte – Das Buch der Klänge




Hans Otte – Das Buch der Klänge


Label: Beacon Sound


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Ambient, Moderne Klassik


Trackliste:

1. Das Buch der Klänge (Part 1) (8:45)
2. Das Buch der Klänge (Part 2) (10:19)
3. Das Buch der Klänge (Part 3) (5:56)
4. Das Buch der Klänge (Part 4) (4:29)
5. Das Buch der Klänge (Part 5) (8:30)
6. Das Buch der Klänge (Part 6) (3:20)
7. Das Buch der Klänge (Part 7) (8:45)
8. Das Buch der Klänge (Part 8) (4:33)
9. Das Buch der Klänge (Part 9) (3:43)
10. Das Buch der Klänge (Part 10) (7:58)
11. Das Buch der Klänge (Part 11) (4:59)
12. Das Buch der Klänge (Part 12) (4:40)

Gesamtspieldauer: 1:15:57



„Das Buch der Klänge“ heißt die bereits 1984 erschienene Platte des Komponisten Hans Otte. Ich muss zugeben, bis vor einer Woche kannte ich diesen Mann nicht, und das, obwohl er deutsche Musikgeschichte geschrieben hat. Von 1959 bis 1984 war Hans Otte der Musikchef von Radio Bremen und entwickelte mit Weitsicht ein Programm, das einzigartig in der ARD war.

Otte war jedoch auch Komponist, der mit „Das Buch der Klänge“ auf den Spuren von John Cage wandelte, den er mit seiner Arbeit für Radio Bremen einem breiteren Publikum bekannt machte. Diese Solo Klavier Stücke wurden zwischen 1979 und 1982 geschrieben. In diesen zwölf Kapiteln führt er die Hörer auf eine ergreifende Klangreise, die einfach passend ist für den regnerischen Herbst, den kühlen Winter, der Melancholie zum Jahresende. Es ist das Herausfinden der ganzen Tiefe dieses Instruments. Einzelne Töne, die durch den Raum schweben, ein zärtlich, leises Wehen, wie der Wind, der den grauen Nebel um die Bäume waben lässt. Es ist die Stille, die hier erklingt, die den Raum mit wunderbaren Bildern erfüllt.

Das in Portland, Oregon, ansässige Label Beacon Sound bringt nun in einer Auflage von gerade mal 500 „Das Buch der Klänge“ erneut auf Vinyl heraus. „One of the 20th century’s most sublime pieces of music for piano“, heißt es auf der Webseite des Labels und diese Umschreibung scheint nicht übertrieben zu sein. Ein tief beeindruckendes, bewegendes und zeitloses Album. Perfekt für diese Jahreszeit voller Rückblicke, Gedankengängen, Aussichten. „Das Buch der Klänge“ von Hans Otte ist absolut empfehlenswert.



Donnerstag, 3. Januar 2019

Gaye Su Akyol – Istikrarli Hayal Hakitattir




Gaye Su Akyol – Istikrarli Hayal Hakitattir


Label: Glitterbeat Records


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Weltmusik


Trackliste:

1. İstikrarlı Hayal Hakikattir (5:20)
2. Bağrımızda Taş (3:57)
3. Laziko (4:05)
4. Gölgenle Bir Başıma (5:07)
5. Meftunum Sana (4:16)
6. Şahmeran (3:51)
7. Bir Yaralı Kuştum (5:12)
8. Hemşerim Memleket Nire (4:48)
9. Boşluk Ve Sonsuzluk (1:39)
10. Halimiz İtten Beter (4:23)

Gesamtspieldauer: 42:38



Gaye Su Akyol wurde 1985 geboren, doch sie klingt wie eine Stimme aus längst vergangenen Tagen. Das macht für mich die Faszination dieser türkischen Sängerin aus . „Istikrarli Hayal Hakitattir„, ihr zweites Album, ist nun bei Glitterbeat erschienen, einem „Weltmusik Label“, das man einfach kennenlernen muss. Akyol verbindet in ihren Liedern musikalische Epochen, Genres, Sounds, Stimmungen. Es ist eine faszinierende Mischung zwischen dem, wie ich selbst Istanbul 1985 kennenlernte und wie ich es zuletzt 2017 erleben durfte.

Gaye Su Akyol spannt problemlos den Bogen zwischen damals und heute. Wandert durch die Zeiten, als wäre es ein Kinderspiel. Und dabei illustriert sie eine filigrane Distanz zum Publikum, die gleichzeitig anziehend ist. In ihren Liedern erwachen die 70er Jahre wieder mit einem Keyboard Sound, der frisch klingt. Sie klingt dann wieder, als ob sie in einem Schwarzweißfilm in einer französischen Bar auf einer kleinen Bühne steht, dicker Zigarettenqualm, ein paar Männer blicken fasziniert aus dem Schatten heraus auf diese Frau, die da auf Türkisch singt: „So all folks are beautiful yet are we ugly? / Were we given the sea and didn’t we swim? / No one ever has dried tears in our eyes“.

Eines von vielen Bildern, die mir als Hörer kommen. Orient, 1970er Jahre, Paris, kleine Bar…und doch ganz großes Kino, was Gaye Su Akyol hier auf „Istikrarli Hayal Hakitattir“ präsentiert. Eine wunderbare, mitreißende Platte, die ich jedem nur ans Herz legen kann, der offen für die weite musikalische Welt da draußen ist.



Mittwoch, 2. Januar 2019

Mamane Barka – Introducing Mamane Barka




Mamane Barka – Introducing Mamane Barka


Label: World M.N.


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Weltmusik


Trackliste:

1. Mashi (3:49)
2. Alhadj (5:16)
3. Bulanga (6:01)
4. Kiota (6:46)
5. Tchidim (4:08)
6. Buni (4:02)
7. Doro Lelewa (5:36)
8. Banané (5:49)
9. Wo Kuru (4:34)
10. Malloumi (4:34)
11. Pitti Kori (6:21)

Gesamtspieldauer: 56:56



Mamane Barka starb vor kurzem. Eine Mail von Sakina aus Niamey machte mich darauf aufmerksam: „This week Niger lost a big musician called Mamane Barka. So the musicians here were sad.“ Ein Land trauerte um einen der ganz großen Musiker, einem Meister der Biram. Bis dahin hatte ich von Mamane Barka noch nie gehört. Sakina schickte mir einige Links, ich hörte rein und bestellte umgehend die CD „Introducing Mamane Barka“.

Sakina, die ich über ihre Arbeit mit Studio Shap Shap kennengelernt hatte, erzählte von ihm, weil der Percussionist von Studio Shap Shap, Oumarou Adamou, mit Mamane Barka spielte und weltweit tourte. Auf dieser CD sind beide zu hören, zwei Meister ihres Instruments. Adamou konnte ich selbst im Garten von Sakina in Niamey erleben, ja, bewundern, wie er mit Händen und Füßen auf den Kalebassen trommelte, irrsinnige Töne aus seinen Instrumenten herausholte. Mamane Barka hingegen spielt die Biram, ein Instrument des Volkes der Boudouma aus dem Osten des Niger, direkt am Lake Chad gelegen. Für sie ist das Instrument heilig und geschützt durch den Geist des Sees, Kargila. Die Biram ist wie ein Boot gefertigt, ganz im Sinne der Kultur der Boudouma am Seeufer des austrocknenden Tschadsees.

Auf dieser Platte kann man vor allem traditionelle Boudouma Lieder hören, die sich um die Ahnen, das Leben als Nomaden, die Schönheit des Wassers und der Wüste, den Mut der Krieger drehen. Es sind nur zwei Instrumente zu hören, und dennoch wird eine große akustische Welt erschlossen, die fremd und dennoch vertraut wirkt. Für mich, der schon mehrmals die Möglichkeit hatte in diese Region zu reisen, ist dieses Album ein perfekter Soundtrack einer beeindruckenden Landschaft. Musik ist hier die emotionale Sprache, die eine wunderbare Verbindung bietet.



Dienstag, 1. Januar 2019

Sportfreunde Stiller – New York, Rio, Rosenheim




Sportfreunde Stiller – New York, Rio, Rosenheim


Besetzung:

Peter S. Brugger – Gitarre, Gesang
Rüdiger Linhof – Bass
Florian Weber – Schlagzeug, Gesang


Gastmusiker:

Roberto Alonso – Trompete bei den Titeln 4, 5, 6, 9
Marion Dimbath – Posaune bei den Titeln 4, 5, 6, 9
Jörg Weber – Saxofon bei den Titeln 4, 5, 6, 9, Querflöte bei 9
Luciana Beleaeva – 1. Violine bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Mariana Beleaeva – 2. Violine bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Michaela Danner – Viola bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Nargiza Yusupova – Violoncello bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12, Cello bei 8
Dave Anderson – einige Tasteninstrumenteneinsätze
Paul Rzyttka – additionale Abflitz-Gitarre bei Titel 7
Balboa The Almighty Beatcreator – Drums bei Titel 4
Aurrrudddeyiii – crazy honk-git-7 Finger solo bei Titel 10
Kardinal Flandern – Kaugummipapier hinters Klavier geschmissen bei Titel 6


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Indie-Pop, Alternative


Trackliste:

1. Hymne auf Dich (3:43)
2. Wenn Pferde schlafen (3:07)
3. Applaus, Applaus (3:29)
4. New York, Rio, Rosenheim (3:11)
5. Unter unten! (3:30)
6. Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden) (4:01)
7. Clowns & Helden (3:26)
8. Festungen & Burgen (3:12)
9. Wieder kein Hit (3:07)
10. Lederjacke (2:51)
11. Let‘s Did It! (2:19)
12. Wunder fragen nicht (3:30)

Gesamtspieldauer: 39:31



Dass guter und interessanter Pop und Rock auch aus Deutschland kommen kann, beweisen die drei Bayern der Band Sportfreunde Stiller auf ihrem sechsten Studioalbum mit dem Titel „New York, Rio, Rosenheim“, welches am 24. Mai 2013 auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht wurde. Darauf zu hören gibt es eine Mischung aus Pop und Rock, die überwiegend sehr schnell ins Ohr geht und fast durchgängig melodiös und eingängig klingt und dabei auch nachhallt.

Doch es ist nicht nur die Musik, die auf „New York, Rio, Rosenheim“ zu überzeugen weiß, es sind auch die Texte von witzig bis nachdenklich, die sich lohnen gehört zu werden. Manche zaubern einem beim Hören ein Lächeln auf die Lippen, andere wiederum lassen einen nachdenken, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Wird das Ganze musikalisch gesehen jedoch zu elektronisch, wie zum Beispiel beim Titel „Let‘s Did It!“, der sehr stark an die Neue Deutsche Welle erinnert und wohl eine spaßige Abwechslung darstellen soll, dann wird auch die Musik der Sportfreunde Stiller langweilig und nervig. Doch das ist wahrlich eine von wenigen Ausnahmen des Albums.

Die allermeisten Nummern können überzeugen. Das schönste Stück der Platte heißt „Applaus, Applaus“ und wärmt das Herz. Schöne Melodie, schöner Text, den man Freunden und Freundinnen widmen möchte, die man wirklich mag. Ebenfalls sehr gelungen ist der Titeltrack „New York, Rio, Rosenheim“ sowie die Nummer „Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“. Gerade beim letztgenannten Lied beweisen die drei Musiker auch jede Menge Humor und ins Ohr geht es zudem.

Fazit: Ein schönes und unterhaltendes Pop- und Rock-Album ist „New York, Rio, Rosenheim“ der Sportfreunde Stiller geworden. Solche Musik hört man in deutscher Sprache eindeutig zu wenig. Eingängige Musik und keine platten oder seichten, sondern intelligente Texte, die sich nicht um das Thema der Liebe und Herzschmerz drehen. Dazu den ein oder anderen kleinen Ohrwurm. Doch, macht Laune. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Applaus Applaus, New York Rio Rosenheim, Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)



Montag, 31. Dezember 2018

U2 – Boy




U2 – Boy


Besetzung:

Bono – lead vocals
The Edge – guitar, backing vocals
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums


Gastmusiker:

Steve Lillywhite – glockenspiel


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. I Will Follow (3:37)
2. Twilight (4:22)
3. An Cat Dubh (4:46)
4. Into The Heart (3:27)
5. Out Of Control (4:14)
6. Stories For Boys (3:02)
7. The Ocean (1:35)
8. A Day Without Me (3:13)
9. Another Time, Another Place (4:32)
10. The Electric Co. (4:46)
11. Shadows And Tall Trees (4:40)
12. Fire (0:34)

Gesamtspieldauer: 42:53



„Boy“ heißt das erste Studioalbum der irischen Rockband U2. Es wurde am 20. Oktober 1980 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht und von Steve Lillywhite produziert. Zwei der Titel des Albums sind bereits auf der zuvor veröffentlichten EP „Three“ enthalten. Mit dem Titel „I Will Follow“ enthält „Boy“ auch die erste Single von U2, die im US-Radio ausgestrahlt wurde. Das Album kletterte bis auf Platz 52 in den britischen Charts und bis auf Platz Platz 63 in den USA. „Boy“ belegt zudem Platz 417 der Liste des Rolling Stone Magazins „The 500 Greatest Albums Of All Time“.

Mit der späteren Musik, für die U2 stehen sollten, hat „Boy“ noch sehr wenig zu tun. Die Musik ist deutlich weniger eingängig und weniger melodisch, als spätere Platten der Iren und enthält viele Elemente des Punks. Rau und roh klingt „Boy“ zumeist, obwohl man die Lieder nicht nur durch den Gesang des Bono eindeutig U2 zuordnen kann. Der Klang der Musik ist jener von U2, nur eben in einer Art und Weise, die noch nicht endgültig ausgereizt zu sein scheint. Die Musik der vier Iren hört sich geradezu so an, als ob sie unbedingt raus musste, nur die Richtung, in welche sie gehen sollte, die war noch nicht eindeutig festgelegt.

Auch bei „Boy“ ist es wie mit vielen anderen Platten – egal von welchem Künstler, welcher Band – sie wächst mit den Durchläufen. Klingt das Ganze beim ersten Mal des Hörens noch eher unspektakulär und eben rau und schroff, so eröffnen sich mit dem wiederholten Anhören neue und nun deutlich eingängigere Melodien und packende Stellen. Die Höhepunkte des Albums sind das dunkle „An Cat Dubh“, das rockige „Stories For Boys“, bei dem man einfach mitwippen muss sowie die sehr sphärische und ansonsten für U2 eher untypische, kurze Nummer „The Ocean“.

Fazit: „Boy“ ist ganz bestimmt kein typisches Album für U2. Und dass diese Platte in einer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auftaucht, kann nur darin begründet sein, dass es den Startschuss für eine große musikalische Karriere darstellt. „Boy“ hat seine Stärken und klingt auch immer wieder interessant. Doch es ist noch kein typisches Album von U2 und wird vor allen Dingen solchen Hörerinnen und Hörern gefallen, die der etwas gemäßigteren Ausführung des Punks durchaus zugetan sind. Absolute U2-Fans werden es alleine deswegen lieben, da es eben die erste Platte der Band ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: An Cat Dubh, Stories For Boys



Sonntag, 30. Dezember 2018

Man – Slow Motion




Man – Slow Motion


Besetzung:

Micky Jones – guitar, vocals
Deke Leonard – guitar, vocals
Ken Whaley – bass
Terry Williams – drums, vocals


Gastmusiker:

Stuart Gordon – strings
Chris Mercer – saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Hard Way To Die (5:20)
2. Grasshopper (5:12)
3. Rock And Roll You Out (3:53)
4. You Don’t Like Us (4:34)
5. Bedtime Bone (5:55)
6. One More Chance (4:27)
7. Rainbow Eyes (6:06)
8. Day And Night (4:12)

Gesamtspieldauer: 39:44



„Slow Motion“ nannte die walisische Rockband Man ihr achtes Studioalbum, welches im Oktober 1974, gerade mal fünf Monate nach dem Vorgänger „Rhinos, Winos And Lunatics“ auf dem Plattenlabel United Artists Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal hatte es eine Änderung bezüglich der Mitglieder von Man gegeben. Malcolm Morley hatte am Tag vor dem Aufnahmebeginn die Band verlassen. Er wurde nicht ersetzt, „Slow Motion“ wurde von den restlichen vier Mitgliedern eingespielt. Der Erfolg blieb für die Platte aus. „Slow Motion“ konnte sich nicht, wie noch der Vorgänger, unter den Top 40 der britischen Charts platzieren. Auf dem Cover des Albums sollte ursprünglich Alfred E. Neuman aus dem MAD-Magazin zu sehen sein, wie er an einem Fisch riecht. Doch das MAD-Magazin erlaubte nicht, diese Figur zu verwenden, sodass von dem Cover nun hauptsächlich der Fisch übrig blieb und der Bandname „Man“ in denselben Lettern wie der Schriftzug des Magazins MAD gehalten ist.

Das war es allerdings schon mit „lustig“. „Slow Motion“ ist eher eine relativ biedere Rock-Pop-Platte, ganz im Stile des damaligen Mainstreams geworden. Das klingt häufig ganz nett auf diesem Album, Begeisterungsstürme werden damit jedoch nicht mehr losgetreten. Die ein oder andere ganz eingängige Melodie oder Harmonie kann man auf „Slow Motion“ noch entdecken, jedoch finden sich keine durchgängig länger überzeugenden Abschnitte mehr auf dieser Scheibe. Und solch eine Nummer wie „Rock And Roll You Out“, logischerweise auch ein Rock’n’Roll, lassen einem dann doch eher das Gesicht einschlafen denn die Füße bewegen.

Das überzeugendste Lied auf „Slow Motion“ heißt „Grasshopper“ und ist eine getragene poppig rockige Nummer, die nun wirklich über eine schöne und eingängige Melodie verfügt und ins Ohr geht. Progressive Rock oder Psychedelic Rock, wofür die Waliser auch mal standen, den gibt es auf „Slow Motion“ allerdings nicht mehr zu hören. Mit jedoch schon deutlichen Abstrichen sind die Lieder „Hard Way To Die“, „Bedtime Bone“ sowie „Rainbow Eyes“ noch ganz gelungen, allerdings eben auch eher in musikalisch unspektakulären Gefilden angesiedelt, denn im Bereich von Lieblingsliedern. Doch immerhin.

Fazit: Die Musik von Man klingt auf „Slow Motion“ unspektakulär und eher langweilig, als mitreißend. Hier und da erhört man ein paar ganz nette Stellen und Lieder, doch insgesamt bleibt das Album eine eher unscheinbare Platte, die sicherlich nicht zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres 1974 gehört und auch nicht zu denen von Man. Acht Punkte.

Anspieltipps: Grasshopper, Rainbow Eyes



Samstag, 29. Dezember 2018

Focus – Focus 3




Focus – Focus 3


Besetzung:

Thijs van Leer – vocals, hammond organ, piano, alto flute, piccolo, harpsichord
Jan Akkerman – guitars, lute
Bert Ruiter – bass guitar
Pierre van der Linden – drums


Gastmusiker:

Mike Vernon – backing vocals on “Round Goes The Gossip”


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Round Goes The Gossip (5:12)
2. Love Remembered (2:49)
3. Sylvia (3:31)
4. Carnival Fugue (6:08)
5. Focus III (6:04)
6. Answers? Questions! Questions? Answers! (13:50)
7. Elspeth Of Nottingham (3:09)
8. Anonymus II (26:22)

Gesamtspieldauer: 1:07:09



Schlicht mit „3“ betitelte die niederländische Rockband Focus ihr drittes Studioalbum, welches im Juli 1972 eingespielt und schließlich im November 1972 auf dem Plattenlabel Imperial Records veröffentlicht wurde. Die Scheibe war ursprünglich als Doppelalbum erschienen und schließlich leider in etwas gekürzter Form auf CD wiederveröffentlicht worden. Zum ersten Mal hört man auf „3“ Bert Ruiter am Bass und damit den dritten Bassisten von Focus auf dem dritten Album. In den Niederlanden erklomm „3“ für eine Woche Platz 1 der Charts, im Vereinigten Königreich Platz 6 und den USA Platz 35 der US Billboard 200. Das Lied „Sylvia“ wurde als einzige Single des Albums veröffentlicht und erreichte in Großbritannien Platz 4 und Platz 89 in den USA.

„3“ ist einmal mehr hauptsächlich instrumental gehalten. Lediglich im Titel „Round Goes The Gossip“ wird – neben einem kurzen Strophentext – dieser Liedtitel intoniert. Ansonsten kommen die Lieder ohne das gesungene Wort aus. Die Musik ist dabei durchaus im Progressive Rock beheimatet, fischt jedoch ganz eindeutig auch im Bereich des Fusion Jazz. Und um das Gesamtbild noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten befindet sich mit dem Titel „Elspeth Of Nottingham“ noch ein Lied auf „3“, welches der Mittelaltermusik zugeschrieben werden kann. Ansonsten bewegt sich die Musik atmosphärisch zwischen sehr melodiös bis hin zu jazzig vertrackt. Langeweile kommt dabei beim Hören bestimmt nie auf.

Allerdings kann dieses Gefühl in einem durchaus während des Genusses des längsten Liedes der Platte, der Nummer „Anonymus II“, aufsteigen. Die 26 Minuten Spielzeit langweilen keineswegs durchgängig, beginnt das Stück doch sehr schön rockig mit einer ebenso rockig eingesetzten Querflöte. Auf den weiteren Minuten bekommt diese Nummer doch immer wieder Längen. Jeder Musiker darf mal ein Solo vom Stapel lassen und mit der Zeit wirkt dies alles künstlich in die Länge gezogen und etwas aufgesetzt und ausgewalzt. Lieder können durchaus lang sein und dabei durchgängig unterhalten. Im Falle von „Anonymus II“ fehlt es allerdings schlichtweg an Substanz für solch einen langen Titel. Schade.

Fazit: Das Album „3“ von Focus ist eine Platte, die Freunde progressiven Rocks durchaus gefallen dürfte, wenn sie nichts gegen eine Prise Jazz einzuwenden haben. Nicht unbedingt zu eingängig, dafür ein wenig experimenteller kann die Scheibe bei all jenen Punkten, die auch in der Musik etwas mehr das Abenteuer denn die Konvention suchen. Sicherlich ist das Lied „Anonymus II“ etwas langwierig ausgeartet, doch insgesamt bleibt „3“ eine spannende und abwechslungsreiche Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: Love Remembered, Focus III



Freitag, 28. Dezember 2018

Haken – Visions




Haken – Visions


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Raymond Hearne – drums, tuba, djembe, strings and french horn arrangements
Diego Tejeida – keyboards and sound design, strings and french horn arrangements
Tom Maclean – bass


Gastmusiker:

Lucy Butcher – cello
Alison Comerford – violin
Chris Currie – voices
Patrick Harrild – voices
Jennifer Murphey – violin
Joey 'Dah Lipz' Ryan – french horn
Martin Wray – viola


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)


CD2 (alle Lieder instrumentental):

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:11:42) und CD2 (1:11:42): 2:23:24



„Visions“ heißt das zweite Studioalbum der Progressive Metal Band Haken. Das Album wurde am 24. Oktober 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. „Visions“ klingt ein wenig „härter“ als noch der Vorgänger und das Debut „Aquarius“, was dem Umstand geschuldet sein könnte, dass Richard Henshall, Hauptkompositeur der Band, beim ersten Album die Lieder hauptsächlich auf dem Klavier komponierte, dieses Mal auf der Gitarre. „Visions“ ist ein Konzeptalbum, welches die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der seinen eigenen Tod in seinen Träumen voraussieht und fest daran glaubt, dass dies auch passieren wird, um nun den Rest seines Lebens damit zu verbringen, diesen vorerst zu vermeiden.

„Visions“ ist ein kraftvolles Album geworden, Progressive Metal in einer seiner schönen und überzeugenden Ausführungen. Ein klein wenig geht der Musik von Haken dabei – vor allen Dingen zu Beginn des Albums – die Eingängigkeit verloren, was sicherlich auch dieser gewissen „Härte“ der Musik geschuldet ist. Für das Ende der Platte stimmt diese Aussage allerdings nicht mehr, denn gerade die zwei Lieder „Shapeshifter“ und „Deathless“ gehen sehr schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Dies gilt auch für das über zweiundzwanzigminütige Titellied am Ende des Albums. Hier lassen die Musiker ihrer Kreativität freien Lauf und beschenken ihre Hörerinnen und Hörer mit einer Nummer, reich an Abwechslung und Passagen von hart bis eingängig zart.

Und wie es manchmal so ist in der Musik, mit der Zeit wirkt sie anders im Ohr. Genauso verhält es sich auch bei Hakes „Visions“. Mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe werden auch die Lieder zu Beginn des Albums vertrauter, eingängiger, mitreißender. Das Album wird dann zu einem Parforce-Ritt durch die verschiedenen Landschaften des Progressive Metal, den man unbedingt häufiger antreten sollte, um besser wirken lassen und sich entwickeln zu können.

Fazit: Ein spannendes Album ist der englischen Band Haken mit ihrem zweiten Album „Visions“ gelungen. Progressive Metal, mit Ausläufern zum Progressive Rock, der abwechslungsreich das Ohr umspielt und auch in dieses eindringt. Musik die lohnt und Spaß macht. Was sich allerdings die Band dabei denkt, ihre Platten auch in einer Ausgabe mit einer zweiten CD zu veröffentlichen, auf der die Lieder absolut identisch, nur ohne Gesang zu hören sind, das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Lieder „Premonition“ und „Portals“ sowieso bereits instrumentale Stücke sind, die nun exakt gleich zweimal auf der Platte vertreten sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shapeshifter, Deathless, Visions



Donnerstag, 27. Dezember 2018

Bullet For My Valentine – Venom




Bullet For My Valentine – Venom


Besetzung:

Matt Tuck – vocals, guitar & bass
Michael "Moose" Thomas – drums, additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Michael "Padge" Paget – guitar, additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Jamie Mathias – bass, vocals


Gastmusiker:

Carl Bown – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Dan Brown – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Austin Dickinson – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Ryan Richards – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Stefan Whiting – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Jack Vallier – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Henry Boeree – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Rebekah Power – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Emma Gorman – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Lauren Metccalf – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Alice Williams – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Andrew Humphries – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Ginnie Breakwell – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Metalcore, Thrash Metal


Trackliste:

1. V (1:26)
2. No Way Out (3:53)
3. Army Of Noise (4:18)
4. Worthless (3:18)
5. You Want A Battle? (Here‘s A War) (4:14)
6. Broken (3:40)
7. Venom (3:54)
8. The Harder The Heart (The Harder It Breaks) (4:00)
9. Skin (3:59)
10. Hell Or High Water (4:36)
11. Pariah (3:47)

Bonus Tracks der Deluxe Edition:

12. Playing God (3:52)
13. Run For Your Life (3:34)
14. In Loving Memory (Demo Version) (4:02)
15. Raising Hell (4:35)

Gesamtspieldauer: 57:15




„Venom“ nannte die walisische Heavy-Metal-Band Bullet For My Valentine ihr fünftes Studioalbum, welches am 14. August 2015 auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht wurde. Es war ihre zweite und zugleich letzte Veröffentlichung bei RCA. „Venom“ ist das erste Album der Band seit dem Weggang des Bassisten Jason James und gleichzeitig die letzte Platte, an der Schlagzeuger Michael Thomas beteiligt ist. Mit den Titeln „No Way Out“, „You Want A Battle? (Here‘s A War)“, „Army Of Noise“, „Venom“, „Worthless“ und „Skin“ wurden ganze sechs Lieder zusätzlich als Single veröffentlicht.

Heavy Metal mag ich durchaus, doch Bullet For My Valentine gehen noch einen Schritt weiter. Auf „Venom“ hört man keinen Heavy Metal und schon gar keinen Hard Rock mehr. Auf „Venom“ gibt es Thrash Metal auf die Ohren – und dies absolut unverfälscht und kompromisslos. Von Melodien kann man bei dieser Musik kaum mehr sprechen, genauso wenig geht von daher auch ins Ohr. Es ist die Härte, die die Musik der Waliser dominiert. Stakkato-artiger Gitarrensound und dazu manchmal Gesang, oftmals Geschrei. Irgendwie steige ich da leider aus, da ich keinerlei Unterschied zwischen den Liedern mehr erkenne. Es scheint wirklich nur mehr um Lautstärke und Schnelligkeit zu gehen, jedwede andere musikalische Feinheit geht dabei über Bord. Zum Headbanging definitiv zu schnell, wenn man keine Gehirnerschütterung riskieren möchte.

Höhepunkte auf „Venom“ zu benennen erscheint einigermaßen schwierig. Es klingt wahrlich alles, wirklich alles auf „Venom“ sehr ähnlich. Und nennt man die Deluxe Edition sein Eigen, auf der sich noch vier Zugaben befinden, so bekommt man zusätzlich vier weitere Titel geliefert, die ebenfalls wie der Rest der Platte klingen. Thrash Metal, absolut hart, laut klingend auch mit heruntergedrehtem Lautstärkeregler und schnell, sehr schnell. Um doch an dieser Stelle Lieder zu erwähnen, die zumindest einen guten Eindruck über den Rest der Platte vermitteln, seien an dieser Stelle die Lieder „You Want A Battle? (Here‘s A War)“, „Venom“ und „Hell Or High Water“ erwähnt. Aber Höhepunkte? Nein, diese Lieder klingen genauso schnell wie der Rest auf „Venom“.

Fazit: Thrash Metal klingt hart, sehr hart. Und genau das hört man auf „Venom“, dem fünften Studioalbum der walisischen Band Bullet For My Valentine. Melodien gibt es auf der Platte kaum zu hören, jedoch Härte und Schnelligkeit. Freundinnen und Freunde dieses musikalischen Genres wird das gefallen, alle anderen werden sich mit dieser Art der Musik sehr schwer tun. Sorry, ich auch, trotzdem hat „Venom“ etwas, was irgendwie aggressiv macht. Zum Abreagieren toll geeignet. Sieben Punkte.

Anspieltipps: You Want A Battle? (Here‘s A War), Venom, Hell Or High Water



Mittwoch, 26. Dezember 2018

Moorea Masa & The Mood – Shine A Light




Moorea Masa & The Mood – Shine A Light


Besetzung:

Moorea Masa – guitar, vocals
André J. Zapata – bass (exept 1, 3, 8)
Christopher Johnedis – drums
Margaret Wehr – harmony vocals
Mel Guérison – harmony vocals
Steve Watkins – rhodes, moog, hammond organ, piano


Gastmusiker:

Jeremy Most – all other instruments
Catherine Feeny – harmony vocals (2, 3, 8)
Sam Howard – bass (1, 3, 8)
Ural Thomas – vocals (6)
Jon Neufeld – guitar (6, 9)
Lauren Steele – spoken word & vocals (9)
Tonya Abernathy – vocals (9)


Label: Moorea Masa & The Mood


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Soul, R&B


Trackliste:

1. The Garden (4:32)
2. Be Somebody (3:10)
3. Ever Moving (3:15)
4. I Can’t Tell (3:44)
5. Natures Song (4:09)
6. Don’t Let Me Run (3:47)
7. Wanna Be Close (3:55)
8. Conversation (4:11)
9. Wake Up // Lover Be Found (4:55)
10. Shine A Light (3:51)

Gesamtspieldauer: 39:33



Moorea Masa ist eine US-amerikanische Sängerin aus Portland, Oregon, Tochter eines italienischen Einwanderers und einer Afroamerikanerin, die zunächst die USA verließ, um am Liverpool Institute for Performing Arts in England zu studieren. Anschließend kehrte sie nach mehreren Umwegen wieder nach Portland zurück und startete dort ihre musikalische Karriere. Am 19. Oktober 2018 veröffentlichte sie mit ihrer Band The Mood ihr Debut-Album unter dem Titel „Shine A Light“.

Darauf zu hören ist eine Mischung aus R&B sowie Soul und auch poppige Einflüsse lässt die Künstlerin auf „Shine A Light“ nicht zu kurz kommen, die sich auf den meisten Stücken des Albums auch kompositorisch einbrachte. Gerade diese etwas poppigeren Stücke können dabei auch ein breiteres Publikum überzeugen, wobei die souligen Nummern die Herzen entsprechender Freundinnen und Freunde höherschlagen lassen werden. Gelungen klingt das in der jeweiligen Ausführung allemal und in der Kombination dieser beiden musikalischen Genres bietet das Album eine ganze Menge Abwechslung. Abwechslung, auf welche Anhänger dieses oder jenes Stils jedoch bei dem ein oder anderen Lied vielleicht gerne verzichten würden, wenn dafür „ihre“ Musik mehr zu hören wäre.

Die Musik auf „Shine A Light“ geht ins Ohr, klingt jederzeit eingängig und melodiös. Auch die Stimme der Moorea Masa weiß dabei zu überzeugen, umschmeichelt das Ohr sehr abwechslungs- und variantenreich. In Kombination mit der Musik entsteht so eine sanfte Atmosphäre, die Hörerin und Hörer weich umfließt und sanft zu betten scheint. Sehr relaxt klingt das in seiner Gesamtheit und mit einem Groove versehen, der sehr viel Lässigkeit verströmt.

Fazit: Das erste Album, welches Moorea Masa mit ihrer Band The Mood einspielt, hält etwas für Freunde des Soul wie für jene des Pop bereit. Zumeist sanfte Musik umspielt das Ohr, eingängig und melodiös. Die Stimme der Sängerin überzeugt, der Groove der Musik ebenso. Nicht ganz einheitlich präsentiert sich die Musik der US-Amerikanerin, was jedoch dazu führt, dass viele Hörerinnen und Hörer auf „Shine A Light“ etwas für sich finden werden. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Conversation, Wake Up // Lover Be Found



Dienstag, 25. Dezember 2018

Roxy Music – Avalon




Roxy Music – Avalon


Besetzung:

Bryan Ferry – lead vocals, keyboards, guitar synthesizer
Andy Mackay – saxophones
Phil Manzanera – lead guitar


Gastmusiker:

Neil Hubbard – guitars
Andy Newmark – drums (all tracks but 8 and 10)
Rick Marotta – drums (on track 8)
Suzanne Ciani – synthesizers (on tracks 1, 2, 3, 4, 6, 7 and 8)
Alan Spenner – bass guitar (on tracks 1, 3, 4, 5, 6, 8 and 10)
Neil Jason – bass guitar (on tracks 2, 6, 7 and 9)
Paul Carrack – piano (on track 8)
Jimmy Maelen – percussion (on tracks 1, 2, 3, 5, 7 and 9)
Kermit Moore – cello (on track 8)
Fonzi Thornton – backing vocals (on tracks 1, 2, 3, 5, 6, 7 and 9)
Yanick Etienne – backing vocals (on track 3)


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop Rock, Art Pop


Trackliste:

1. More Than This (4:30)
2. The Space Between (4:30)
3. Avalon (4:16)
4. India (1:44)
5. While My Heart Is Still Beating (3:26)
6. The Main Thing (3:54)
7. Take A Chance With Me (4:42)
8. To Turn You On (4:16)
9. True To Life (4:25)
10. Tara (1:43)

Gesamtspieldauer: 37:31




„Avalon“ nannte die englische Rockband Roxy Music ihr achtes und gleichzeitig letztes Studioalbum, welches im Mai 1982 auf den Plattenlabels E.G. Records und Polydor erschien. Die remasterte Wiederveröffentlichung erschien auf dem Label Virgin Records. „Avalon“ war das erfolgreichste Studioalbum der Band, erreichte für drei Wochen Platz 1 in Großbritannien und blieb dort über ein Jahr lang in den Albumcharts vertreten. Obwohl „Avalon“ in den Vereinigten Staaten nur bis auf Platz 53 der Charts kletterte, verkaufte es sich über einen langen Zeitraum hinweg und wurde zum einzigen Millionenverkauf der Band in den USA und dort schließlich mit Platin ausgezeichnet. Die Single „More Than This“ ging dem Album voraus und wurde zu einem Top-10-Hit in Großbritannien, Australien und mehreren europäischen Ländern. Der Titeltrack wurde als zweite Single des Albums veröffentlicht und erreichte die UK Top 20. Schließlich folgte als dritte Auskopplung noch „Take A Chance With Me“, platzierte sich unter den Top 30 und stellt damit den bisher letzten UK-Single-Hit von Roxy Music dar.

Ihre Art des eingängigen Pops hatte Roxy Music und Bryan Ferry auf „Avalon“ zur Perfektion gebracht. Jedes Lied klingt auf der Scheibe und ist ein Pop-Stück, welches keinem „weh tut“, allerdings auch nicht mehr so richtig zu überzeugen weiß. Ein klein wenig läuft die Scheibe durch, ganz nett an der einen oder anderen Stelle, doch richtig begeistern kann die Platte nicht mehr. Vieles auf „Avalon“ hört sich einfach zu glattgebügelt, zum Teil auch zu oberflächlich an. Die beiden kurzen Nummern „India“ und „Tara“ stellen dabei lediglich kurze Auflockerungen dar und sind eher im sphärischen Bereich angesiedelt. Nach Indien klingt „India“ zum Beispiel nicht.

Höhepunkte auf Avalon sind die Lieder „More Than This“, das Titelstück selbst, sowie die beiden kurzen Einschübe, da sie etwas aus der Reihe tanzen und zumindest ein klein wenig aufhorchen lassen – besonders „Tara“. „Take A Chance With Me“ klingt ebenfalls ganz nett, „True To Life“ wenigstens noch ansatzweise interessant. Ansonsten ist alles auf dieser Scheibe irgendwie maximal noch Durchschnitt, da es zum Teil fast ein wenig anbiedernd klingt und auf den schnellen Erfolg hinproduziert zu sein scheint. Der Erfolg sollte Bryan Ferry und seinen Mitmusikern Recht geben.

Fazit: Das letzte Studioalbum von Roxy Music war ihr erfolgreichstes. Leider ist es auch die uninteressanteste Platte der Band geworden. Vieles wurde auf „Avalon“ auf die schnelle Eingängigkeit hin getrimmt, ohne dabei allerdings besonders originell zu klingen oder noch einen besonderen Titel hervorzubringen. Sicherlich ist „Avalon“ kein schlechtes Album geworden, jedoch ein langweiliges. Sieben Punkte.

Anspieltipps: More Than This, Take A Chance With Me, True To Life, Tara