Samstag, 18. Februar 2023

Deus – How To Replace It

 



Deus – How To Replace It


Besetzung:

Tom Barman – vocals, guitars, bass, piano, synthesizers, claps
Klaas Janzoons – violin, keyboards, synthesizer, piano, organ, percussion, clavichord, backing vocals, claps
Alan Gevaert – bass, guitars, backing vocals
Stephane Misseghers – drums, percussion, timpani, vocals, backing vocals


Gastmusiker:

Mauro Pawlowski – guitars, strings, backing vocals
Bruno De Groote – guitars, piano, banjo
Joris Caluwaerts – synthesizer
John Birdsong – trumpet
Bandoneon – Gwen Cresens
Sjoerd Bruil – guitars
Sebastian van den Branden – drums, percussion, synthesizer
CJ Bolland – synthesizer, programming
Steve de Bruyn – blues harp
Lies Lorquet – vocals, backing vocals
Sylvie Kreusch – backing vocals
Destiny Adia Andrews – choir
Naomi Leanne Parchment – choir
Kersha Bailey – choir




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. How To Replace It (5:30)
2. Must Have Been New (3:46)
3. Man Of The House (5:12)
4. 1989 (5:05)
5. Faux Bamboo (4:27)
6. Dream Is A Giver (4:34)
7. Pirates (4:42)
8. Simple Pleasures (3:32)
9. Never Gonna Get You High (3:36)
10. Why Think It Over (Cadillac) (5:07)
11. Love Breaks Down (3:42)
12. Le Blues Polaire (6:36)

Gesamtspieldauer: 55:54



Nach elf Jahren, nachdem wohl nur noch wenige Hörerinnen und Hörer damit gerechnet haben, veröffentlichen die Belgier endlich wieder ein neues, ihr achtes Studioalbum. „How To Replace It“ heißt dieses und erschien am 17. Februar auf dem Plattenlabel Pias Recordings.

Manchmal scheint die Zeit wahrlich still zu stehen beziehungsweise scheinen sich Dinge doch nicht zu ändern. Denn auch nach solch einer langen Zeit klingen dEUS immer noch nach dEUS. Das bedeutet, man hört auf „How To Replace It“ immer noch diesen unverwechselbaren Sound, der so typisch für die im Jahr 1991 in Antwerpen gegründete Band ist: Immer wieder überraschender Alternative Rock, der auch mal mit schrägeren Tönen daherkommt und sich trotzdem eingängig und melodisch anhört.

Auf „How To Replace It“ klingt es mal rockig, mal poppig, mal progressiv, dann wieder ein wenig experimentell, mal elektronischer, mal sehr viel „handgemachter“. Einige musikalische Stile werden hier miteinander kombiniert, ohne dass dies konstruiert klingen würde. Gemeinsam ist all den Stücken zudem, dass sie mit jedem weiteren Durchlauf noch besser zu klingen scheinen, denn auch so mancher „dissonanter“ Ton, so manch überraschende Wendung muss erst vom Ohr verarbeitet werden, um beim wiederholten Hören schon sehr viel vertrauter und schließlich genau richtig zu erklingen. Dies macht „How To Replace It“ zusätzlich spannend. Mit dem letzten Titel „Le Blues Polaire“ hat Tom Barman dieses Mal auch ein Lied ganz in Französisch eingesungen.

Mit den Favoriten auf einem Album ist das natürlich immer Geschmackssache. Mein Favorit auf „How To Replace It“ ist das Eröffnungs- und Titelstück. In diesem Lied kumuliert sich alles, was für mich die Musik der Belgier ausmacht. Besondere Musik, die anders klingt als andere Bands. Und da sich zudem kein Ausfall auf diesem achten Album von dEUS befindet, macht es einfach Spaß die Platte aufzulegen und in einem durchzuhören.

Fazit: Unverwechselbar dEUS, auch nach bald elf Jahren, seit dem letzten Studioalbum. Wer die Musik der Belgier von früheren Alben her kennt und mochte, wird sicherlich auch von „How To Replace It“ nicht enttäuscht werden. Alternative Rock, der irgendwie anders klingt. Für „Andershörerinnen“ und „Andershörer“ sehr lohnend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: How To Replace It



Freitag, 17. Februar 2023

Transatlantic – The Final Flight: Live At L‘Olympia

 



Transatlantic – The Final Flight: Live At L‘Olympia


Besetzung:

Neal Morse – keyboards, acoustic guitar & vocals
Mike Portnoy – drums & vocals
Roine Stolt – guitar & vocals
Pete Trewavas – bass & vocals


Gastmusiker:

Ted Leonard – guitar, keyboards, percussion & vocals




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1: 

1. The Absolute Universe Intro (1:52)
2. Overture (7:20)
3. Reaching For The Sky (5:39)
4. Higher Than The Morning (5:10)
5. The Darkness In The Light (5:24)
6. Take Now My Soul (3:52)
7. Bully (2:11)
8. Rainbow Sky (3:05)
9. Looking For The Light (4:15)
10. The World We Used To Know (9:22)

CD2:

1. MP Intro (3:20)
2. The Sun Comes Up Today (5:22)
3. Love Made A Way (Prelude) (2:22)
4. Owl Howl (6:40)
5. Solitude (5:37)
6. Belong (3:18)
7. Lonesome Rebel (2:46)
8. Can You Feel It (3:09)
9. Looking For The Light (Reprise) (4:59)
10. The Greatest Story Never Ends (3:55)
11. Love Made A Way (7:56)

CD3:

1. The Whirlwind Suite (34:57)
2. NM & RS Intro (2:38)
3. We All Need Some Light (6:18)
4. The Final Medley (28:21)

Gesamtspieldauer CD1 (48:14) und CD2 (49:29) und CD3 (1:12:15): 2:49:58



„The Final Flight“. Final? Wirklich? Oder hat dieses Wort in diesem Fall überhaupt nichts zu bedeuten? Doch hat es irgendwie schon, wie die Musiker in einem Interview zur Veröffentlichung des Albums auch zugeben.

Neal Morse: „Ihr wundert euch wahrscheinlich über die Verwendung des Wortes „Final“ im Titel des Albums. Um es ganz klar zu sagen: Keiner von Transatlantic denkt auch nur im Entferntesten daran, in den Ruhestand zu gehen. Die offizielle Haltung ist, dass die Zukunft der Gruppe „offen“ ist, obwohl jedes Bandmitglied die unausgesprochene Luft der Endgültigkeit bezeugt, die die Luft erfüllte, als wir am 28. Juli die Bühne im L‘Olympia betraten.“

„Niemand wusste, ob wir das jemals wieder tun würden, aber es fühlte sich so an, als könnte es das letzte Mal sein“, sagt Mike Portnoy und fügt hinzu: „Es gibt keine Probleme zwischen uns, aber bei dem üblichen Abstand zwischen den Veröffentlichungen von fünf bis acht Jahren würde das bis 2030 dauern, und dann wäre jeder von uns in seinen Sechzigern oder Siebzigern. Ich weiß nicht, ob wir das noch einmal machen könnten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wollten wir, dass das Ende so übertrieben wie möglich ausfällt.“

Und Roine Stolt zu dem Thema: „Als ich in Paris von der Bühne ging, wusste ich, dass dies das Ende der Tournee und möglicherweise auch der Band war. Wenn wir das noch einmal machen würden, wären wir wirklich alte Leute. Für mich fühlte es sich wie das Ende an. Es lag Magie in der Luft.“

Und schließlich nochmals Neal Morse: „Wir sagen alle: Sag niemals nie, aber wenn es das Ende von Transatlantic ist, dann haben wir mit dem Live-Album einen sehr hohen Meilenstein gesetzt. Bei der Show in Paris hat jeder von uns Freudentränen geweint.“

Nun, man wird sehen, wie es mit der Band weitergeht. Auf dem diesjährigen „Morsefest“ werden Transatlantic allerdings auf jeden Fall nochmals zu hören sein.

Und die Musik auf „The Final Flight: Live At L‘Olympia“? Diese setzt sich in auf den ersten beiden CDs aus den drei Versionen des letzten Albums „The Absolute Universe“ zusammen. Die „Extended Version“, die „Abridged Version“ sowie die „The Ultimate Version“ wurden hier zu einer „The Ultimate Edition“ zusammengefügt. Diese gibt es allerdings auch bereits in Form einer Blu-Ray-Version im 5.1 Mix. Auf der dritten CD hört man schließlich noch eine etwas gekürzte Version des Albums „The Whirlwind“, das Lied „We All Need Some Light“ vom Debutalbum „SMPT:e“ sowie zum Abschluss ein Medley aus den ersten beiden Alben. Knappe drei Stunden Musik insgesamt, die einen schönen Einblick über das Schaffen von Transatlantic ermöglichen.

Die Lieder werden zum Teil leicht abgewandelt wie auf den Studioalben wiedergegeben. Die Unterschiede sind nicht zu groß, doch vorhanden. Der Sound der Musik ist klasse. Die Musik klingt voll und die einzelnen Instrumente sind sehr gut aufeinander abgestimmt und abgemischt, was auf einem Live-Album auch nicht immer selbstverständlich ist. Den Live-Charakter kann man trotzdem spüren und hören. Sehr schön natürlich beim Titel „We All Need Some Light“, wenn das Publikum den Refrain mitsingt.

Fazit: Nun, braucht man, wenn man die längeren Versionen des Albums schon besitzt, auch noch „The Final Flight: Live At L‘Olympia“? Nicht unbedingt, denn die Unterschiede sind eben nicht zu deutlich und die dritte CD macht zwar Laune, lohnt allerdings alleine den Kauf nicht. Trotzdem hört man hier sehr viel Spielfreude heraus und dass die fünf Musiker dort auf der Bühne durchaus Spaß beim Einspielen hatten. Wer also alles von „seiner“ Band besitzen möchte, der hört mit „The Final Flight: Live At L‘Olympia“ nochmals eine neue, zumindest etwas variierte Live-Version des Albums „The Absolute Universe“ mit einigen hörenswerten Zugaben. Und wer mal in das „musikalische Universum“ von Transatlantic eintauchen möchte, die oder der kann mit dem Album absolut nichts falsch machen. Spaß hatten eben nicht nur die Musiker auf der Bühne, Spaß macht es auch hier zuzuhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: We All Need Some Light



Freitag, 10. Februar 2023

Distant – Heritage

 



Distant – Heritage


Besetzung:

Alan Grnja – vocals
Elmer Maurits – bass guitar
Nouri Yetgin – lead guitar
Vladimir Golic – rhythm guitar
Jan Mato – drums


Gastmusiker:

Will Ramos – vocals




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Deathcore


Trackliste:

1. Acid Rain (1:54)
2. Paradigm Shift (3:23)
3. Born Of Blood (3:17)
4. The Grief Manifest (3:33)
5. Exofilth (3:28)
6. Argent Justice (7:04)
7. The Gnostic Uprising (3:26)
8. A Sentence To Suffer (3:53)
9. Human Scum (4:34)
10. Heritage (4:03)
11. Orphan Of Blight (4:40)
12. Plaguebreeder (3:51)

Gesamtspieldauer: 47:11



Distant, das ist eine niederländisch-slowakischen Deathcore Band, die mit „Heritage“ am 10. Februar 2023 ihr neuestes Werk auf dem Label Century Media Records veröffentlichte.

Deathcore? Genau, Deathcore, absolut kompromisslosloser Deathcore in einer sehr subtilen Art. Pickelharter Rock, der allerdings mit dem für Distant so typischen Downtempo eingespielt wurde. Nicht ohne Grund beschreibt Sänger Alan Grnja mit einem Lächeln im Gesicht die Musik mit: „Es ist leise und langsam“.

Nun, „langsam“ ist relativ, doch das Wort „leise“ mit diesem Album zu verbinden, bedarf zumindest einer gewissen Kreativität. Auf „Heritage“ wird gerockt, stakkatoartig gespielte Gitarren und wütende Drums fliegen einem um die Ohren und auch der Bass versucht zum Teil neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Doch über allem steht in der Musik von Distant der Gesang des bereits erwähnten Alan Grnja. Schreien oder Growlen? Nun, er verbindet beide Spielarten des Gesangs zu einem infernalen Ergebnis, welches direkt aus der Hölle zu steigen scheint. Unglaublich, muss man gehört haben. Das ist alles, aber ganz bestimmt nicht „leise“.

Ganz treffend wird ihre Musik im Pressetext zur Veröffentlichung mit „Verschmelzung von brutalem Death Metal, Slam, Noise und Beatdown mit einem hyperdissonanten dissonanten Orchester des drohenden Untergangs“ beschrieben. Ein Erlebnis ist das allemal.

Fazit: Hart, härter, verstörender, so klingen Distant auf Heritage. Für Freundinnen und Freunde des Genres Deathcore sicherlich eine lohnende Scheibe. In ihrer Konsequenz überzeugend, jedoch ganz bestimmt nicht massentauglich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Heritage



Donnerstag, 9. Februar 2023

eMolecule – The Architect

 



eMolecule – The Architect


Besetzung:

Simon Collins – vocals, drums, keys, sound design, programming
Kelly Nordstrom – guitars, bass, vocals, keys, sound design, programming




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: ArtRock, Alternative Rock


Trackliste:

1. eMolecule (10:43)
2. The Architect (6:05)
3. Prison Planet (4:58)
4. Mastermind (8:39)
5. Dosed (5:07)
6. The Turn (5:56)
7. Awaken (5:09)
8. Beyond Belief (4:47)
9. The Universal (6:03)
10. My You (5:27)
11. Moment Of Truth (6:56)

Gesamtspieldauer: 1:09:54



Ganze zehn Jahre ist es bereits her, dass Simon Collins und Kelly Nordstrom mit ihrer Band Sound Of Contact das Album Dimensionaut veröffentlichten. Danach ging es erst mal solo weiter und die beiden Musiker blieben in Kontakt. Während der Arbeit zu Simon Collins viertem Soloalbum „Becoming Human“, welches stark von elektronischen Einflüssen beherrscht wurde, spielte Kelly Nordstrom Simon Collins ein Demo von eMoluecule vor. Das klang dann wieder eher nach Sound Of Contact. Simon Collins war begeistert und so beschlossen die beiden unter genau diesem Namen ein neues Album als Duo einzuspielen.

Und das hat sich gelohnt. Auf dem Erstlingswerk von eMolecule, „The Architect“, hört man eine Mischung aus New ArtRock, Alternative Rock, Heavy Metal und symphonischem Prog. Das Ganze wird abwechslungsreich und spannend zelebriert und geht ziemlich schnell ins Ohr. Oftmals sind es gerade jene Alben, die mit jedem weiteren Hören im Ohr nochmals zu wachsen scheinen und immer besser werden, sodass man sie auch nach Jahren immer wieder gerne auflegt. Nun, letzteres kann ich noch nicht beweisen, da „The Architect“ erst am 10. Februar 2023 erscheint, doch dieses Album wird definitiv mit jedem neuen Durchgang besser und besser.

Es gibt überraschende, proggige Passagen zu hören, wunderschöne sanfte Melodien und wenn man möchte, kann man mit „The Architect“ auch ganz kräftig mittels Headbanging das Haupthaar durchschütteln. Und dass wunderschöne und sanfte Melodien auch mit kompromisslosem, hartem Rock verbunden werden können, zeigt eindrucksvoll die Nummer „The Turn“. Nomen ist hier auch Omen, denn diese Wendung ist absolut gelungen, die Steigerung während des Stücks lohnt gehört zu werden.

Am besten klingen die beiden Musiker allerdings auf den – wie könnte es auch anders sein – beiden längsten Stücken der Platte. Das Lied, welches den Bandnamen trägt sowie die Nummer „Mastermind“ überzeugen durch ihre Abwechslung und die Entwicklung, die sie musikalisch vollführen. Immer wieder kommt es zu atmosphärischen Wendungen, die dabei ebenfalls niemals konstruiert klingen. Hier scheint der Albumtitel musikalisch gesehen sehr weit hergeholt. Alle Einflüsse und Genres auf „The Architect“ kumulieren in diesen beiden Stücken, bei denen man laufend etwas Neues zu entdecken glaubt. Unbedingt hörenswert.

Fazit: Das Spielen in einer Band scheint der Musik von Simon Collins, dem Sohn von Phil Collins, gut zu tun. Anspruchsvoller klingt das auf jeden Fall, verglichen mit seinen Solo-Werken. Aber war das nicht auch beim Papa so? Jupp, war es. Mit Kelly Nordstrom scheint Simon Collins einmal mehr einen inspirierenden Partner beim Songwriting gefunden zu haben. Beide haben mit „The Architect“ ein tolles Debutalbum vorgelegt. Hoffentlich ist es nicht die letzte Platte, die man von eMolecule zu hören bekommt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: eMolecule, Mastermind, The Turn



Freitag, 3. Februar 2023

Sanguisugabogg – Homicidal Ecstasy

 



Sanguisugabogg – Homicidal Ecstasy


Besetzung:

Cody Davidson – drums
Cameron Boggs – guitars
Devin Swank – vocals
Ced Davis – bass




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Death Metal


Trackliste:

1. Black Market Vasectomy (2:56)
2. Face Ripped Off (2:53)
3. Pissed (3:18)
4. Testicular Rot (4:24)
5. Hungry For Your Insides (1:31)
6. Skin Cushion (3:07)
7. A Lesson In Savagery (4:27)
8. Narcissistic Incisions (4:41)
9. Mortal Admonishment (5:03)
10. Proclamation Of The Frail (4:15)
11. Necrosexual Deviant (4:07)
12. Feening For Bloodshed (4:34)

Gesamtspieldauer: 45:22



Sanguisugabogg. Sanguisugabogg? Seltsamer Name, aber dabei bleibt es nicht. Der Name stellt laut Bandinfo ein Anagram für „Bloody Toilet“ dar. Blutige Toilette also. Hört man dann die Musik der vier US-Amerikaner wird der Name der Band zwar auch nicht logischer, aber man weiß sofort, dass die Musiker noch mehr Überraschendes auf Lager haben.

„Homicidal Ecstasy“ ist bereits die dritte Veröffentlichung von Sanguisugabogg und deren zweite auf dem Plattenlabel Century Media Records. Zu hören bekommt man auf diesem neuen Album absolut kompromisslosen Death Metal. Melodien? Völlig überschätzt. Es geht hier um Kraft, Aggressivität und Lautstärke.

Dabei entwickeln sich die einzelnen Lieder von Sanguisugabogg niemals zu Hochgeschwindigkeitsnummern – lediglich phasenweise hörte man mal stakkatoartige Klänge. Meist bleibt die Musik im Mid-Tempo verhaftet und wird vom ersten bis zum letzten Takt gleichmäßig und eben kompromisslos durchgezogen. Abwechslung gibt es das keine, aber jede Menge dumpfen, krachenden Sound, der sich über das ganze Album zieht.

Devin Swank schreibt seine Texte nach eigener Angabe „mit Kaffee und einem Horrorfilm im Hintergrund“ So handeln seine, zum Teil fast verstörenden Inhalte auch von „Psycho-Sexualität, Körper-Horror und darum, warum das, was manche Leute als pervers oder fetischistisch ansehen, auch völlig normal sein kann“. In Verbindung zur Musik ist das definitiv ein Erlebnis, wenn diese Stimme aus der Unterwelt ihre Botschaften entlässt. Wie man dieses dann einordnet, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Fazit: Nun, wer Death Metal mag, auch jenen der dumpferen aber kompromisslosen Sorte, die oder der wird ganz bestimmt auch an Sanguisugaboggs neuestem Werk gefallen finden. Was dieses Album mit seiner Musik allerdings nicht darstellt, das ist musikalischer Mainstream. Von daher ist „Homicidal Ecstasy“ definitiv nicht für Mainstram- oder Pop-Hörer geeignet. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Narcissistic Incisions



Sonntag, 29. Januar 2023

Mono Inc. – Ravenblack

 



Mono Inc. – Ravenblack


Besetzung:

Martin Engler – vocals, additional guitars & piano
Katha Mia – drums & vocals
Carl Fornia – guitar & vocals
Val Perun – bass & vocals


Gastmusiker:

Timo Bornfleth – additional vocals
Sandro Geissler – additional vocals
Marko Purisić – additional vocals, additional guitars
Melanie Stahlkopf – additional vocals
Ilja John Lappin – cello




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Gothic Rock, Dark Rock


Trackliste:

1. At The End Of The Rainbow (4:28)
2. Empire (4:13)
3. Princess Of The Night (4:25)
4. Angels Never Die (4:47)
5. Heartbeat Of The Dead (4:12)
6. Ravenblack (4:37)
7. Lieb‘ Mich (4:10)
8. Never Alone (6:11)
9. After Dark (4:27)
10. Day Of Reckoning (4:08)
11. Wiedersehen Woanders (4:28)

Gesamtspieldauer: 50:12



„Ravenblack“ heißt das zwölfte Studioalbum der Hamburger Band Mono Inc. und erschein am 27. Januar 2023 auf dem Plattenlabel NoCut Entertainment.

Auf „Ravenblack“ hört man alle „Zutaten“, die die Musik von Mono Inc. ausmachen. Packender Rock gepaart mit sehr eingängigen Melodien. Mehrstimmiger Gesang und ein absolut voller Sound, der immer wieder mitreißt. Die Lieder gehen schnell ins Ohr, bereits nach dem ersten Mal des Hörens. Und mit jedem weiteren Durchgang scheinen sich die einzelnen Titel noch zu steigern.

Was Mono Inc. dabei schon immer auszeichnete ist dieses Spiel mit den Atmosphären und Stimmungen. Das klingt manchmal so wunderschön melancholisch, sentimental bis hin zu traurig. Dann wechselt diese Stimmung wieder, wird rockiger und wirkt deutlich optimistischer. Dabei fügt sich alles perfekt ineinander, wirkt niemals aufgesetzt oder konstruiert, sondern absolut stimmig.

Dadurch kann man auch so wunderschön in diese Musik eintauchen, die sanften Passagen neben den treibenden Abschnitten wirken lassen und ganz darin aufgehen. Ich habe das Album beim ersten Mal auf guten Kopfhörern gehört und war sofort gepackt. Diese Melodien umschwirren einen sehr einnehmend und der Rhythmus lässt einen augenblicklich mitwippen. Dabei klingt „Ravenblack“ eindeutig nach Mono Inc. ohne dabei langweilig oder wie eine Wiederholung bereits veröffentlichter Alben zu wirken. Mono Inc. bleiben sich also treu und enttäuschen nicht. Die beiden auf Deutsch eingesungenen Lieder lockern den Gesamteindruck zusätzlich auf und tragen so nochmals zur Abwechslung innerhalb des Albums bei.

Fazit: Bei der Musik von Mono Inc. weiß man was einen erwartet. Und das ist auch auf „Ravenblack“ so. Treibende Passagen neben sehr sanften Melodien und alles fügt sich perfekt zusammen. Wer die Musik der Band bereits früher mochte, wird ganz bestimmt auch vom neuesten Werk von Mono Inc. nicht enttäuscht werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Princess Of The Night, Wiedersehen Woanders



Samstag, 28. Januar 2023

Uriah Heep – Chaos & Colour




Uriah Heep – Chaos & Colour


Besetzung:

Mick Box – guitar, vocals
Phil Lanzon – keyboards, vocals
Bernie Shaw – lead vocals
Dave Rimmer – bass guitar, vocals
Russel Gilbrook – drums & percussion




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Rock


Trackliste:

1. Save Me Tonight (3:30)
2. Silver Sunlight (4:31)
3. Hail The Sunrise (4:23)
4. Age Of Changes (5:49)
5. Hurricane (4:49)
6. One Nation, One Sun (7:35)
7. Golden Light (5:08)
8. You‘ll Never Be Alone (7:57)
9. Fly Like An Eagle (3:48)
10. Freedom To Be Free (8:11)
11. Closer To Your Dreams (3:37)

Gesamtspieldauer: 59:24



Mit „Chaos & Colour“ erschien am 27. Januar 2023 das inzwischen 25. Studioalbum von Uriah Heep, fast 53 Jahre nach ihrem Debutalbum „...Very ‘Eavy ...Very ‘Umble“ im Juni des Jahres 1970. Von den Gründungsmitgliedern ist lediglich noch Mick Box vertreten, doch Sänger Bernie Shaw und Phil Lanzon an den Keyboards sind inzwischen ebenfalls seit Mitte der 80er Jahre feste Bandmitglieder.

Nun, auch wenn sich die Zusammensetzung der Bandmitglieder über solch einen langen Zeitraum immer wieder veränderte, so stimmt das nicht für die Musik von Uriah Heep. Musik versucht auch Gefühle zu transportieren, denn dann wirkt sie am besten und schönsten und packendsten. Man spürt etwas beim Hören und Erinnerungen kommen auf. Und genau das schaffen Uriah Heep auf mit ihrem neuesten Album „Chaos & Colour“.

Klar, „Chaos & Colour“ ist kein zweites „...Very ‘Eavy ...Very ‘Umble“ oder „Salisbury“ oder „Look At Yourself“ geworden, doch die „Zutaten“, welche bereits auf diesen ersten Alben vorhanden waren, die hört man auch auf der neuesten Uriah Heep Platte. Dieser Sound der Gitarre, die wunderschönen und packenden Keyboardläufe und dieses Spiel zwischen den rockigen Passagen und den sanften melodiösen Abschnitten, all das ist auch wieder auf „Chaos & Colour“ vorhanden. Die Lieder rocken und gehen ins Ohr.

Somit legt man „Chaos & Colour“ auf beziehungsweise ein und fühlt sich beim Hören gleich angekommen. Uriah Heep ist eine Band, die mich bereits mein ganzes Leben lang begleitet und nun haben die Engländer um Mick Box ein weiteres Kapitel hinzugefügt, welches mich schon beim ersten Mal des Hörens einnahm – und mit jedem neuen Durchlauf klingt das Album noch besser. Danke Uriah Heep, dass Ihr keine „Experimente“ unternommen habt, sondern dem treu bleibt, was Ihr am besten könnt: Rocken!

Fazit: Der Sound und die Musik auf „Chaos & Colour“ klingen eindeutig nach Uriah Heep. Wem die Musik der Engländer gefällt und wer die Band schon länger verfolgt wird sicherlich nicht enttäuscht werden von diesem neuen Album. Und wer gerne in Erinnerungen schwelgt bekommt hier mit neuer Musik die Gelegenheit dazu, denn Uriah Heep kopieren sich auf „Chaos & Colour“ nicht selbst, doch sie klingen nach Uriah Heep. Und das ist schön so. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hail The Sunrise



Mittwoch, 25. Januar 2023

The Tangent – Pyramids, Stars & Other Stories: The Tangent Live Recordings 2004-2017

 



The Tangent – Pyramids, Stars & Other Stories: The Tangent Live Recordings 2004-2017


Besetzung:

Andy Tillison – keyboards & vocals (all tracks)
Jonas Reingold – bass guitar (all tracks except 9,10,11,13)
Luke Machin – guitars & vox (tracks 8-14)
Steve Roberts – drums (tracks 8, 12, 14)
Roine Stolt – guitars & vocals (tracks 1-7)
Zoltán Csörsz – drums (tracks 1-7)
Sam Baine – keyboards (tracks 1-7)
Tony Latham – drums (tracks 10,11,13)
Dan Mash – bass (tracks 10,11,13)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Fusion, Progressive Rock


Trackliste:

1. The World We Drive Though (Live in Germany, 2004) (14:42)
2. The Canterbury Sequence (Live in Germany, 2004) (9:08)
3. The Winning Game (Live in Germany, 2004) (12:27)
4. In Darkest Dreams (Live in Germany, 2004) (20:34)
5. The Music That Died Alone (Live in Germany, 2004) (12:51)
6. Lucky Man (Live in Germany, 2004) (5:41)
7. A Spark In The Aether (Live in USA, 2017) (4:21)
8. A Sale Of Two Souls (Live in UK, 2012) (6:17)
9. Perdu Dans Paris (Live in UK, 2012) (10:55)
10. A Crisis In Mid Life (Live in UK, 2012) (7:37)
11. Doctor Livingstone (I Presume) (Live in USA, 2017) (11:57)
12. Titanic Calls Carpathia (Live in UK, 2012) (18:34)
13. Two Rope Swings (Live in USA, 2017) (8:12)

Gesamtspieldauer: 2:23:22



Bei der am 27. Januar 2023 erscheinenden Live-Zusammenstellung von The Tangent handelt es sich um eine Kompilation bereits veröffentlichter Titel, die allerdings bisher auf diversen Bootlegs vorhanden waren. Wer diese bereits besitzt wird somit auf „Pyramids, Stars & Other Stories: The Tangent Live Recordings 2004-2017“ nichts Neues für sich entdecken können.

Wer diese Alben jedoch noch nicht mit ihren Live-Aufnahmen gehört hat, kann auf dieser Zusammenstellung durchaus den Abwechslungsreichtum in der Musik von The Tangent gepaart mit sehr viel Spielfreude für sich entdecken. Die Lieder changieren dabei zwischen Fusion und Progressive Rock. Hierbei sind die ersten Aufnahmen aus dem Colos-Saal in Aschaffenburg noch sehr viel eher dem Progressive Rock zuzurechnen, wohingegen die späteren Aufnahmen immer mehr in Richtung des Jazz-Rocks tendieren.

Stimmungsmäßig changieren die Lieder zwischen „sehr eingängig“ sowie „frei, verspielt und ausladend“. Einen Gefallen an überraschenden Wendungen, krummen Takten und langen Soli sollte man dabei unbedingt mitbringen, damit man das Album richtig genießen kann. Und wenn die Stimmung dann doch mal für den eigenen Geschmack zu jazzig zu werden scheint, kann man sich immer an der Spielfreude der Musiker erfreuen, die vom ersten bis zum letzten Takt gegeben und zu hören ist. Der Klang der einzelnen Stücke ist übrigens überraschend gut.

Fazit: „Pyramids, Stars & Other Stories: The Tangent Live Recordings 2004-2017“ ist eine gelungene Übersicht über das Schaffen von The Tangent in den Jahren von 2004 bis 2017. Für alle, die die Musik der Band lieben und diese so noch nicht live gehört haben sehr lohnend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Winning Game



Donnerstag, 19. Januar 2023

Riverside – ID.Entity

 



Riverside – ID.Entity


Besetzung:

Mariusz Duda – vocals, basses, electric and acoustic guitars
Piotr Kozieradzki – drums
Michał Łapaj – keyboards, synthesizers, rhodes piano, hammond organ
Maciej Meller – electric guitars




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Friend Or Foe? (7:28)
2. Landmine Blast (4:50)
3. Big Tech Brother (7:23)
4. Post-Truth (5:37)
5. The Place Where I Belong (13:16)
6. I‘m Done With You (5:51)
7. Self-Aware (8:43)

Gesamtspieldauer: 53:11



Mariusz Duda wollte beim achten Riverside-Studioalbum mal etwas anders machen, zurück zu den Wurzeln sozusagen: „Die letzten drei oder sogar vier Alben sind hauptsächlich im Studio entstanden. Dieses Mal wollte ich, dass wir alle zurück in den Proberaum gehen und den Großteil des Materials dort komponieren. Ich wollte die Energie einfangen, die beim gemeinsamen Spielen entsteht. Ich wollte, dass Piotr Kozieradzki so spielt, wie er am liebsten spielt. Ich wollte, dass Michał Łapaj... jener Michał ist, den wir von den Live-Shows her kennen. Und obendrein wollte ich, dass die Kompositionen von der symbiotischen Verflechtung der Instrumente dominiert werden, welche schon immer ein wichtiger Teil unseres Stils war. Ich denke, dass wir deshalb ein wirklich gutes Riverside-Album aufgenommen haben, angefüllt mit den charakteristischsten Elementen, die uns ausmachen.“

Und noch aus einem weiteren Grund ist „ID.Entity“ eine Art Neuanfang in der Bandgeschichte von Riverside. Es ist das erste Album, welches in der neuen Besetzung mit Gitarrist Maciej Meller, der seit 2020 offizielles Mitglied der Band ist, eingespielt wurde, nachdem Gitarrist und Gründungsmitglied Piotr Grudziński leider im Februar 2016 überraschend verstorben ist. Und Maciej Meller füllt seine Rolle überzeugend aus, bringt sich ein, ohne den Sound der Band vollständig auf den Kopf zu stellen.

Nun, „ID.Entity“ ist etwas „breiter“ aufgestellt, als manch früheres Studioalbum der Polen. Neben altbekannten härteren Passagen und auch Abschnitten, die dann doch progressiver klingen (für ein ganzes Lied gilt das allerdings kaum) und sanften Melodiebögen überrascht „ID.Entity“ gerade zu Beginn bei „Friend Or Foe?“ mit fast schon poppigen Tönen, die sich wiederum mit rockigen Ausflügen ergänzen. All diesen musikalischen „Zutaten“ des Albums ist dabei gemein, dass die Musik sehr schnell ins Ohr geht. Dieses Gespür für die eingängige Melodie, die sich spätestens nach dem zweiten Durchlauf in eben diesem Ohr festsetzt, wissen Mariusz Duda und seine Bandkollegen auch auf „ID.Entity“ zu transportieren.

Beim Hören des Albums überzeugt neben der Eingängigkeit der einzelnen Lieder auch die Abwechslung. Niemals kommt Langeweile, sehr viel eher Spannung auf, wie sich dieser oder jener Titel weiterentwickelt. Besonders gelungen finde ich das bei den beiden Liedern „Big Tech Brother“ und „The Place Where I Belong“. Beides Stücke, die sich entwickeln und dabei immer wieder neue Richtungen einschlagen.

Fazit: Auch das achte Riverside-Album „ID.Entity“ überzeugt. Fans der Band werden sicherlich nicht enttäuscht werden. Und wer auf abwechslungsreichen Rock, gepaart mit eingängigen Melodien steht, dürfte ebenfalls viel Spaß an „ID.Entity“ finden. Lohnt sich auch als Einstieg in das Schaffen von Riverside. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Big Tech Brother, The Place Where I Belong



Sonntag, 15. Januar 2023

Al Stewart – Famous Last Words

 



Al Stewart – Famous Last Words


Besetzung:

Al Stewart – guitar, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Charlie Bisharat – violin
Rev. Dave Boruff – saxophone
Luis Conte – percussion
Ardeshir Farah – guitar (acoustic)
Denny Fongheiser – drums, percussion
Freebo – tuba
Ross Hogarth – guitar, mandolin, percussion
Robin Lamble – guitar (12 string), vocals (background)
Tim Landers – bass
Alan Matthews – cello
Neal Morse – vocals (background)
Daryl S. – viola, violin
Todd Sharp – guitar, guitar (acoustic), guitar (electric), slide guitar
Ed Tree – guitar, guitar (12 string), guitar (electric)
Peter White – accordion, guitar, guitar (acoustic), guitar (electric), keyboards, piano, string arrangements
Eric Williams – guitar (electric)
Peter Wood – laughs, organ (hammond), piano, voices


Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 1993


Stil: Pop


Trackliste:

1. Feel Like (3:38)
2. Angel Of Mercy (3:53)
3. Don‘t Forget Me (5:23)
4. Peter On The White Sea (3:37)
5. Genie On A Table Top (3:49)
6. Trespasser (4:47)
7. Trains (8:17)
8. Necromancer (3:40)
9. Charlotte Corday (3:49)
10. Hipposong (1:53)
11. Night Rolls In (4:37)

Gesamtspieldauer: 47:28



„Famous Last Words“ heißt das zwölfte Studioalbum des schottischen Musikers Al Stewart. „Famous Last Words“ wurde am 21. September 1993 ursprünglich auf dem Plattenlabel EMI veröffentlicht. Anders als der Name des Albums vielleicht andeuten könnte, war die Platte noch nicht das letzte Album des Al Stewart. Vier weitere Platten folgten bisher noch und mit „Sparks Of Ancient Light“ im Jahr 2008 dann wohl wirklich das letzte Album des Schotten.

Auf „Famous Last Words“ hört man oft jenen Sound, für den Al Stewart bereits seit Beginn seiner Karriere steht. Sanfte Lieder, angesiedelt irgendwo zwischen Pop und Folk und immer schnell ins Ohr gehend. Doch Al Stewart variiert auf diesem zwölften Album dann doch etwas mehr. Mal klingt es ein wenig rockiger, dann wieder grooviger, schließlich hört man auch mal eine spanische Gitarre. Akkordeon, Saxophon und diverse Streicher haben ihren Auftritt und sorgen zusätzlich für einiges an Abwechslung auf diesem Album.

Für eingängige Melodien stand der Schotte schon immer. Und diese findet man auch auf „Famous Last Words“. Besonders gelungen klingen hier die Titel „Angel Of Mercy“, „Peter On The White Sea“ und „Charlotte Corday“. Letztgenannter Titel entstand aus einer Zusammenarbeit mit Tori Amos und ist vielleicht der Höhepunkt der ganzen Platte. Dieses Zusammenspiel von Akkordeon und Piano klingt wahrlich einnehmend.

Und der Rest des Albums? Nun, das sind bewährte Lieder im Stile des Al Stewart. Das gefällt mal mehr, mal weniger, reine Geschmackssache eben. Der etwas unbeholfene Gesang des Schotten zieht sich durch die ganze Platte, gehört aber eben auch zur Musik des Al Stewart. Richtige Ausfälle gibt es keine zu beklagen, bis auf die drei genannten Titel und mit Abstrichen noch das über achtminütige „Trains“ klingt der Rest allerdings auch nicht mehr großartig mitreißend.

Fazit: Al Stewart Fans wird „Famous Last Words“ sicherlich zusagen. Die Abwechslung auf dem Album überzeugt allerdings auch die etwas neutralere Zuhörerin. Im Vergleich zu den Veröffentlichungen der vorangegangenen Jahre klingt „Famous Last Words“ sehr viel spannender, zum Teil auch eingängiger und überzeugender als die Platten unmittelbar davor. Neun Punkte.

Anspieltipps: Angel Of Mercy, Peter On The White Sea, Charlotte Corday



Mittwoch, 21. Dezember 2022

Balmorhea – Balmorhea

 



Balmorhea – Balmorhea


Besetzung (Ohne Instrumentenangabe):

Rob Lowe
Michael Muller




Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Attesa (3:14)
2. Baleen Morning (3:26)
3. Dream Of Thaw (5:03)
4. In The Rowans (4:14)
5. A Circumnavigation (4:15)
6. En Route (5:26)
7. If You Only Knew The Rain (5:03)
8. And I Can Hear The Soft Rustling Of My Blood (As If Snow Were Sliding Down The Mountains) (5:32)
9. We Will Rebuild With Smooth Stones (5:12)

Gesamtspieldauer: 41:31



Mit ihrem selbstbetitelten Debutalbum „Balmorhea“ haben die beiden Musiker Rob Lowe und Michael Muller aus Austin, Texas ein überaus bewegendes, sanftes und auch weitestgehend stilles Album vorgelegt. „Balmorhea“ wurde zunächst im Eigenverlag veröffentlicht und laut den spärlichen Angaben auf dem Cover „zu Hause in Austin, Texas“ aufgenommen.

Auf dem Album hört man fast schon zerbrechlich klingende Musik, zumeist nur aus der akustischen Gitarre und einem Piano bestehend, die dann mit zahlreichen Hintergrundgeräuschen aus der Umgebung leicht untermalt wurde. Das klingt alles sehr eingängig, allerdings auch melancholisch, sentimental bis traurig. Balmorhea lassen auf ihrem Erstling Musik erklingen, die man keineswegs hören sollte, wenn man depressiv veranlagt ist oder sowieso schon dem eigenen Blues frönt. Traurige Gefühle werden mit diesen sanften Melodien definitiv verstärkt werden.

Nichtsdestotrotz ist die Musik überaus eingängig. Alles klingt und wirkt und geht ins Ohr. Musik auch zum Abschalten vom Stress des Tages, zum Augenschließen und zum Durchatmen. Die Lieder sind instrumental gehalten. Und wenn, wie beim Lied „En Route“ oder „And I Can Hear The Soft Rustling Of My Blood“, dann doch mal eine menschliche Stimme erklingt, so hört man diese im Chor und sie formt keine Worte.

Fazit: Wer auf die ganz sanfte „Kost“ in der Musik steht, die dazu auch noch stimmungsvoll erklingt, die oder der ist mit Balmorhea und deren selbstbetitelten Erstlingswerk bestens bedient. Die Musik klingt, geht ins Ohr und ergreift. Das kann man sicherlich nicht allzu oft hören, da man durchaus Gefahr läuft ansonsten in eine Depression zu schlittern. Doch ab und an in schöner Melancholie zu baden kann durchaus lohnend und entspannend sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: If You Only Knew The Rain



Dienstag, 20. Dezember 2022

Neil Young – World Record

 



Neil Young – World Record


Besetzung:

Neil Young – guitar, piano, kick tub, vocals, pump organ, harmonica


Gastmusiker:

Billy Talbot – bass, vocals
Ralph Molina – drums, vocals
Nils Lofgren – guitar, lap steel guitar, slide guitar, pedal steel guitar, accordion, bottleneck guitar, acoustic guitar, tap sweep percussion, vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

CD1:

1. Love Earth (4:03)
2. Overhead (3:40)
3. I Walk With You (Earth Ringtone) (3:57)
4. This Old Planet (Changing Days) (2:30)
5. This World (Is In Trouble Now) (3:15)
6. Break The Chain (4:07)
7. The Long Day Before (2:18)
8. Walkin‘ On The Road (To The Future) (2:57)
9. The Wonder Won‘t Wait (3:17)

CD2:

1. Chevrolet (15:15)
2. This Old Planet Reprise (1:19)

Gesamtspieldauer CD1 (30:09) und CD2 (16:34): 46:43



„World Record“ heißt das 42. Studioalbum des gebürtigen Kanadiers Neil Young und ist gleichzeitig das 15. Studioalbum, welches er mit seiner Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. Am 18. November 2022 ist das Album in Form einer dreiseitigen Doppel-LP oder Doppel-CD auf dem Plattenlabel Reprise Records veröffentlicht worden. Das Albumcover zeigt übrigens ein Foto von Neil Youngs Vater, dem Journalisten Scott Young. Links unten neben dem Foto ist dessen Geburtsdatum hinterlegt.

Seit inzwischen 54 Jahren veröffentlicht Neil Young seine Musik. Ein inhaltliches Thema, welches sich über all diese Jahrzehnte immer wieder durch seine Alben zog, ist das der Umwelt und der Gefahren einer möglichen Klimakatastrophe. Dieses Mal steht dieses Thema ganz zentral im Mittelpunkt und Neil Young sendet einfache Botschaften wie diese Welt zu erhalten, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen oder Kriege zu stoppen. Dabei schafft er dies ohne den Zeigefinger zu erheben, sondern sehr viel eher, indem er seine Botschaften sendet und wahrscheinlich hofft, dass diese auch auf einen Empfänger treffen, die oder der zumindest zum Nachdenken anregt wird. Das längste Stück des Albums, „Chevrolet“, beschäftigt sich entgegen dieses vorherrschenden Themas mit seiner Beziehung zu Autos allgemein.

„World Record“ ist ein live eingespieltes Album geworden, was ohne Overdubs auskommt. Das verleiht dem Album auch einen ganz speziellen Sound. Wenn man die Augen schließt könnte man sich fast im Studioraum wähnen, still auf einem Barhocker in der Ecke sitzend und der Band bei ihrem Spiel lauschend. Dabei hört man bei manchen Liedern sogar noch die Gespräche vor den Aufnahmen, was diesen Eindruck noch mal verstärkt.

Warum aber eigentlich zwei CD‘s, wenn alle Lieder auch auf eine Silberscheibe gepasst hätten? Nun, nicht nur inhaltlich unterscheiden sich die ersten neun Lieder von jenem „Chevrolet“ auf CD2, sondern auch musikalisch. Die ersten neun Stücke klingen locker und leicht, trotz der hier behandelten Themen. Der Opener „Love Earth“ groovt richtiggehend und diese einmal eingeschlagene Richtung wird musikalisch in leichten Variationen beibehalten. Das klingt durchaus etwas anders, als die ganz frühen Alben des Neil Young, ob mit oder ohne Crazy Horse. Mitunter setzen Orgel, Harmonika oder Mundharmonika ein und sorgen für zusätzliche Abwechslung.

Mit der zweiten CD und dem über 15-minütigen „Chevrolet“ bewegen sich Neil Young und Crazy Horse dann wieder auf Wegen, die man schon von ganz frühen Aufnahmen her kennt. Hier lassen es die Musiker einfach fließen und der Titel jammt. Zunächst noch mit Gesang, um dann in ein langes Solo zu münden, in das man auch beim Zuhören herrlich eintauchen kann. Der Gesang ertönt erneut und wieder geht alles in einem Solo auf, sogar noch länger und irgendwie entrückter. Nicht zuletzt auch aufgrund solcher Titel mag ich Neil Young so sehr, da er weiß, wann man es einfach laufen lassen muss und gar nicht auf die Idee kommt, etwas auszublenden.

Fazit: „World Record“ klingt etwas anders als die zuletzt veröffentlichten Albern von Neil Young. Zum Teil etwas groovender, dann wieder sehr nach seinen musikalischen Anfängen. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die Lieder mit jedem weiteren Durchlauf zu immer besseren „Freunden“ werden. „World Record“ wächst mit jedem Mal des Hörens und überzeugt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Chevrolet



Donnerstag, 8. Dezember 2022

Kansas – Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas

 



Kansas – Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas


Besetzung:

Steve Walsh – piano, organ, fender rhodes, congas, synthesizers, lead and backing vocals
Kerry Livgren – guitars, piano, organ, moog synthesizer, backing vocals
Robby Steinhardt – violin, lead and backing vocals
Rich Williams – electric and acoustic guitars
Dave Hope – bass, backing vocals
Phil Ehart – drums, percussion
John Elefante – keyboards, lead vocals
Steve Morse – guitar, backing vocals
Billy Greer – bass, guitar, backing vocals
Greg Robert – keyboards, backing vocals
David Ragsdale – violin, backing vocals
Ronnie Platt – lead vocals, piano
Zak Rizvi – electric guitar, vocals
David Manion – piano, keyboards, organ and sound design
Tom Brislin – keyboards, backing vocals, lead vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Can I Tell You (New 2022 Version) (3:32)
2. The Absence Of Presence (The Absence Of Presence, 2020) (8:22)
3. Throwing Mountains (The Absence Of Presence, 2020) (6:20)
4. Crowded Isolation (The Prelude Implicit, 2016) (6:08)
5. Summer (The Prelude Implicit, 2016) (4:06)
6. The Voyage Of Eight Eighteen (The Prelude Implicit, 2016) (8:18)
7. Icarus II (Somewhere To Elsewhere, 2000) (7:16)
8. The Coming Dawn (Thanatopsis) (Somewhere To Elsewhere, 2000) (5:43)
9. Distant Vision (Somewhere To Elsewhere, 2000) (8:48)
10. The Wall (Always Never The Same, 1998) (5:30)
11. Dust In The Wind (Always Never The Same, 1998) (3:59)
12. Desperate Times (Freaks Of Nature, 1995) (5:25)
13. Under The Knife (Freaks Of Nature, 1995) (5:00)

CD2:

1. House On Fire (In The Spirit Of Things, 1988) (4:42)
2. Rainmaker (In The Spirit Of Things, 1988) (6:44)
3. Silhouettes In Disguise (Power, 1986) (4:28)
4. Secret Service (Power, 1986) (4:43)
5. Three Pretenders (Power, 1986) (3:56)
6. End Of The Age (Drastic Measures, 1983) (4:32)
7. Incident On A Bridge (Drastic Measures, 1983) (5:39)
8. Play The Game Tonight (Vinyl Confessions, 1982) (3:26)
9. Crossfire (Vinyl Confessions, 1982) (6:33)
10. Windows (Vinyl Confessions, 1982) (3:33)
11. Hold On (Audio-Visions, 1980) (3:51)
12. Loner (Audio-Visions, 1980) (2:31)
13. No One Together (Audio-Visions, 1980) (6:57)
14. On The Other Side (Monolith, 1979) (6:23)
15. How My Soul Cries Out For You (Monolith, 1979) (5:42)

CD3:

1. Carry On Wayward Son (Two For The Show, 1978) (4:37)
2. Portrait (He Knew) (Point Of Know Return, 1977) (4:37)
3. Sparks Of The Tempest (Point Of Know Return, 1977) (4:15)
4. Miracles Out Of Nowhere (Leftoverture, 1976) (6:26)
5. Magnum Opus (Leftoverture, 1976) (8:24)
6. Icarus – Borne On Wings Of Steel (Masque, 1975) (6:03)
7. Child Of Innocence (Masque, 1975) (4:35)
8. Down The Road (Song For America, 1975) (3:44)
9. Song For America (Song For America, 1975) (10:01)
10. The Devil Game (Song For America, 1975) (5:04)
11. Death Of Mother Nature Suite (Kansas, 1974) (7:54)
12. Belexes (Kansas, 1974) (4:25)
13. Journey From Mariabronn (Kansas, 1974) (7:57)

Gesamtspieldauer CD1 (1:18:27) & CD2 (1:13:41) & CD3 (1:18:02): 3:50:10



Im Jahr 1970 spielte die Band zum ersten Mal unter dem Namen Kansas zusammen. Die Mitglieder hießen damals Kerry Livgren (Gitarre), Dave Hope (Bass), Phil Ehart (Schlagzeug), Lynn Meredith und Greg Allen (Gesang), Don Montre und Dan Wright (Keyboards) sowie Larry Baker (Saxophon).

Diese Zusammensetzung hielt nur bis ins Jahr 1971, dann lösten sich Kansas wieder auf. Es gab eine Neugründung im Jahr 1972 und als schließlich Kerry Livgren im Jahr 1973 zur Band zurückkehrte, hatte sich eine Formation gefunden, die nicht nur im folgenden Jahr ihr erstes Album einspielte und überaus erfolgreich werden sollte, sondern auch in der Besetzung Steve Walsh, Kerry Livgren, Robby Steinhardt, Rich Williams, Dave Hope, Phil Ehart über viele Jahre und Jahrzehnte zusammenspielen sollte. Somit sieht die Band dieses Jahr 1973 als ihr eigentliches Gründungsdatum an und dieses jährt sich im folgenden Jahr zum 50. Mal. In Nordamerika wird es eine große Tour geben und davor wird nun noch eine umfangreiche Kompilation des Schaffens von Kansas veröffentlicht.

Alle sechszehn Studioalben sind auf „Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas“ mit zwei bis drei Titeln vertreten. Sogar das 1978er Live-Album steuert mit „Carry On Wayward Son“ (in der Originalfassung auf „Leftoverture“ enthalten) einen Titel bei. Das Lied „Can I Tell You“ wurde für diese Kompilation ganz neu eingespielt und stammt ursprünglich vom ersten, selbstbetitelten Album „Kansas“.

Nun, es ist natürlich immer Geschmackssache bei solch Kompilationen, ob man sich nicht auch das ein oder andere darauf fehlende Lied gewünscht und dafür lieber auf ein anderes verzichtet hätte. Insgesamt finde ich die Auswahl jedoch durchaus gelungen. Man bekommt einen sehr guten Überblick über die Musik von Kansas über die Jahrzehnte hinweg. Allerdings hätte ich mir das Lied „Dust In The Wind“ doch schon sehr in der originalen Version von 1977 auf der Platte „Point Of No Return“ gewünscht. Hier ist es nun in der Version von 1998 enthalten. Dort war es für das Album „Always Never The Same“ neu eingespielt worden. Dieses Album beinhaltete nur drei neue Lieder und enthielt sonst hauptsächlich Interpretationen der eigenen Stücke. Unter anderem eben auch jenes „Dust In The Wind“.

Fazit: Wer einen guten Überblick über das Schaffen von Kansas erhalten möchte, kann mit „Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas“ nichts falsch machen. Die Liedauswahl auf diesem Kompilationsalbum ist gelungen, auch wenn solch zusammengestellte Alben wohl niemals zu 100% die eigenen Lieblingslieder abdecken. Doch man bekommt hier für gar nicht mal so viel Geld fast vier Stunden tolle Musik geboten. Für Leute, die schon alle Alben der Band besitzen lohnt der Kauf sicherlich nicht, doch wer in das musikalische Universum von Kansas mal einsteigen möchte, um sich dann vielleicht sogar die offiziellen Alben bestimmter Epochen der Bandgeschichte zuzulegen, kann hier getrost zugreifen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Song For America