Freitag, 23. September 2022

Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore

 



Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore


Besetzung:

Vittorio Nocenzi – piano, keyboards, vocals
Filippo Marcheggiani – guitar, vocals
Nicola Di Già – guitar
Marco Capozi – bass
Fabio Moresco – drums
Tony D’Alessio – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Proemio (2:10)
2. La Pianura Rossa (6:39)
3. Serve Orlando Adesso (4:11)
4. Non Mi Spaventa Più L‘Amore (4:11)
5. Non Serve Tremare (4:06)
6. Le Anime Deserte Del Mondo (4:43)
7. L‘Isola Felice (4:00)
8. La Maldicenza (6:06)
9. Cadere O Volare (5:05)
10. Il Paladino (2:51)
11. L‘Amore Accade (3:41)
12. Non Credere Alla Luna (6:55)
13. Moon Suite (11:04)
14. Come È Successo Che Sei Qui (3:29)
15. Cosa Vuol Dire Per Sempre (6:45)

Gesamtspieldauer: 1:16:03



Ganze 50 Jahre ist es jetzt her, dass die italienische Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso ihr erstes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht hat. Und pünktlich zu diesem goldenen Jubiläum bringt die Band um Vittorio Nocenzi, letztes verbliebenes Gründungsmitglied von Banco Del Mutuo Soccorso, ihr vierzehntes Studioalbum mit dem Titel „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ heraus. Am 23. September erscheint das Album auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Legt man das Album auf wird schnell klar, wo „Banco Del Mutuo Soccorso“ draufsteht ist auch „Banco Del Mutuo Soccorso“ drin beziehungsweise zu hören. Eindeutig hört man hier italienischen Prog dieser Band. Die Lieder sind alle in italienischer Sprache eingesungen, wie schon beim Vorgänger „Transiberiana“, doch das war nicht immer so. Und der Nachfolger des 2014 verstorbenen, unverwechselbaren Francesco Di Giacomo, Tony D’Alessio, macht seine Sache sehr gut, auch wenn er dieses besondere Gefühl im Ausdruck des ursprünglichen Sängers nicht ganz erreicht. Trotzdem gefällt das, was man hier zu hören bekommt.

Von der Musik her hört man auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ eine Mischung aus Progressive Rock und Art Rock bis Rock und Pop. Zu vertrackt oder gar frickelig wird es an keiner Stelle des Albums. Jedes der insgesamt fünfzehn Lieder der Platte klingt eingängig und melodiös. Progressivere und musikalisch auch anspruchsvollere Passagen wechseln sich mit einfacher aufgebauten Abschnitten ab und ergeben insgesamt ein durchaus abwechslungsreiches Album. Wer also Gefallen am italienischen Progressive Rock hat, dem dürfte auch dieses neue Werk von Banco Del Mutuo Soccorso gefallen. Vielleicht erreicht es nicht ganz die Klasse des Vorgängers, aber das mag auch reine Geschmackssache sein. Eine Live-Tournee mit Konzerten in Europa und in der ganzen Welt soll im Jahr 2023 folgen. Na dann, nichts wie hin.

Fazit: Banco Del Mutuo Soccorso machen seit fünfzig Jahren Musik, welche man auch schnell erkennt, falls man der Band ab und an gelauscht hat. Ihren Stil haben die Musiker auch auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ beibehalten. Eingängigen und melodischen Progressive Rock gibt es hier zu hören, der an die Ursprünge dieses Genres in den 70er Jahren angelehnt ist. Keine Weiterentwicklung also? Nun, nicht viel zumindest, aber in diesem Fall kann man das auch begrüßen. Banco Del Mutuo Soccorso erweitern mit „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ ihr Repertoire und ihre Fans werden es dankbar hören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Serve Orlando Adesso, Non Serve Tremare, La Maldicenza



Donnerstag, 22. September 2022

Virgil & Steve Howe – Lunar Mist

 



Virgil & Steve Howe – Lunar Mist


Besetzung:

Virgil Howe – piano, synthesizer, bass, drums
Steve Howe – acoustic and electric guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Lunar Mist (3:50)
2. More Than You Know (3:05)
3. Plexus (4:09)
4. Mariah’s Theme (3:16)
5. A Month In The Sun (4:39)
6. As If Between (2:43)
7. Never Less (2:55)
8. Lothian’s Way (3:06)
9. Free Spirit (2:45)
10. Eternal (3:09)
11. Dirama (2:38)
12. Pinnacle (2:02)
13. Pagoda (2:19)
14. Martian Mood (3:59)

Gesamtspieldauer: 44:43



Nachdem im Jahr 2017 die erste „Gemeinschaftsarbeit“ von Vater und Sohn unter dem Titel „Nexus“ veröffentlicht worden war und Virgil Howe im September desselben Jahres im Alter von lediglich 41 Jahren tragischerweise wohl an einem Herzinfarkt verstorben war, folgt nun am 23. September das zweite Album dieser Zusammenarbeit unter dem Titel „Lunar Mist“.

Mit „Yes-Musik“ hat auch dieses zweite Album von Virgil und Steve Howe nichts gemein, vielmehr hört man auf „Lunar Mist“ zwar zum Teil atmosphärische, leider jedoch allzu oft auch seichte Musik. Für den Hintergrund ist das perfekt, zum Untermalen eines gemütlichen Abends, an dem man mit Sicherheit nicht auf die Musik achtet. Doch nichts lässt einen hier aufhorchen oder weckt ansonsten das Interesse. Ein wenig changieren die einzelnen Titel zwischen leichter, sphärischer Berieselung und leichter, etwas rockigerer Berieselung. An manchen Stellen kommen sogar Erinnerungen an Kitaros „Silk Road“ auf, wie zum Beispiel beim zweiten Titel „More Than You Know“.

Nun, „Lunar Mist“ klingt jederzeit eingängig und die einzelnen Lieder erklingen alle „ganz nett“, das kann man bei diesem Album auf jeden Fall als positiven Punkt vermerken, wenn das der eigene Anspruch an Musik sein sollte. Wer absolut unspektakuläre Musik mag, wird hier sicherlich fündig. Doch wer das Besondere in der Musik sucht und schätzt, wird von „Lunar Mist“ leider enttäuscht werden. Bei dieser Scheibe könnte einem sofort der Gedanke nach einem Soundtrack kommen, denn Filmmusik zur Untermalung bestimmter Szenen hätte zweifellos der Ansatz dieser Scheibe sein können. Allerdings nur in einem sehr unaufgeregten Film, in dem alles ganz „easy“ ist und läuft. Dazu passt „Easy Listening“ halt perfekt.

Eine Ausnahme gibt es dann allerdings doch. Ganz zum Schluss folgt mit „Martian Mood“ noch ein Lied, welches zumindest etwas schräg klingt und sich damit zumindest ein wenig vom Rest der Platte absetzt. Auch dieser Titel löst zwar keine Begeisterungsstürme aus, doch er sorgt für zumindest etwas Abwechslung auf „Lunar Mist“.

Fazit: Wer alles von den Yes-Musikern besitzen möchte, wer vor allen Dingen alles von Steve Howe besitzen möchte, für die oder den ist dieses Album sicherlich interessant. Denn genau das hört man hier: Musik, an der Steve Howe beteiligt ist. Ansonsten ist dieses Album musikalisch jedoch eher weniger interessant. Sanfte Instrumentalmusik zum Beruhigen und Runterkommen, das passt natürlich auch. Sechs Punkte.

Anspieltipps: More Than You Know, Pinnacle, Martian Mood



Mittwoch, 17. August 2022

Six By Six – Six By Six

 



Six By Six – Six By Six


Besetzung:

Robert Berry – vocals, bass, keyboards
Ian Crichton – guitar
Nigel Glockler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Yearning To Fly (4:44)
2. China (3:16)
3. Reason To Feel Calm Again (8:05)
4. The Upside Of Down (4:45)
5. Casino (4:20)
6. Live Forever (1:44)
7. The Last Words On Earth (4:37)
8. Skyfall (4:16)
9. Battle Of A Lifetime (5:21)
10. Save The Night (6:17)

Gesamtspieldauer: 47:30



Six By Six ist der Name einer neu gegründeten Band, deren Mitglieder allerdings gerade Freundinnen und Freunden des Progressive Rocks schon sehr viel länger bekannt sein dürften. Six By Six setzt sich zusammen aus dem Gitarristen Ian Crichton, bekannt als ebensolcher Gitarrist bei der kanadischen Band Saga, dem Schlagzeuger Nigel Glockler, der bei der englischen Heavy Metal Band Saxon ebenfalls an den Drums sitzt und aus dem US-amerikanischen Sänger, Bassisten und Keyboarder Robert Berry, der vielleicht am besten durch seine Zusammenarbeit mit Keith Emerson und Carl Palmer in deren Gruppe "3" bekannt wurde. „Six By Six“ heißt auch das Debutalbum des Trios und erscheint am 19. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Six By Six“ von Six By Six hört man eine Mischung aus Progressive und Mainstream Rock, die gerade durch diese Verbindung den Mainstream an mancher Stelle noch auf ein höheres Level hebt, weg von: „Alles schon mal gehört“. Vieles auf diesem Album erklingt überraschend und lässt die Musik dadurch nochmal ein wenig spannender wirken. Und selbstverständlich ist es auch in diesem Fall so, dass die Musik mit jedem weiteren Durchlauf noch vertrauter und auch eingängiger klingt.

Ich höre auf dem Album keinen „Durchhänger“, sodass „Six By Six“ von Anfang bis Ende gut unterhält. „Höhepunkte“ sind damit automatisch noch mehr Geschmackssache, da die einzelnen Lieder alle zünden. Besonders empfehlenswert für mich wären da trotzdem das mitreißende „China“, was für mich auch gut zu einer Band wie GTR gepasst hätte, in der Berry und Glockler bereits in den 80er Jahren zusammen spielten. Und dann wäre an dieser Stelle noch das ebenso mitreißende, jedoch deutlich progressivere “Casino” zu nennen. Coole atmosphärische Wechsel während der lediglich vierminütigen Laufzeit machen dieses Lied zu einer klasse Nummer ohne dabei auch nur ansatzweise zu vertrackt zu klingen.

Fazit: Drei Musiker, die sich gefunden haben, zum Teil wiedergefunden haben, das sind Six By Six. Auf ihrem selbstbetitelten Debüt hört man spannenden Rock, irgendwo zwischen den Genres Progressive Rock und Mainstream angesiedelt und diese zum Teil dann auch vollständig ausfüllend. Das Zuhören lohnt hier definitiv für Rockfans. Zehn Punkte.

Anspieltipps: China, Casino



Mittwoch, 10. August 2022

Arch Enemy – Deceivers

 




Arch Enemy – Deceivers


Besetzung:

Michael Amott – guitars
Alissa White-Gluz – vocals
Sharlee D'Angelo – bass
Daniel Erlandsson – drums
Jeff Loomis – guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Metal


Trackliste:

1. Handshake With Hell (5:39)
2. Deceiver, Deceiver (3:51)
3. In The Eye Of The Storm (4:09)
4. The Watcher (4:58)
5. Poisoned Arrow (3:51)
6. Sunset Over The Empire (4:03)
7. House Of Mirrors (3:40)
8. Spreading Black Wings (4:46)
9. Mourning Star (1:36)
10. One Last Time (3:49)
11. Exiled From Earth (4:44)

Gesamtspieldauer: 45:10



„Deceivers“ heißt das bereits elf Studioalbum der schwedischen Metal / Death Metal Band Arch Enemy. Es erscheint am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Century Media Records.

Auf „Deceivers“ hört man einmal mehr Hochgeschwindigkeits-Metal, der bei Arch Enemy allerdings immer eingängig klingt. Daran ändert auch nichts der immer wieder eingesetzte gutturale Gesang, der mitunter auch in ein Schreien übergeht von Lead-Sängerin Alissa White-Gluz. Die Lieder gehen ins Ohr und dies bereits beim ersten Mal des Hörens und setzen sich mit jedem weiteren Durchlauf noch mehr fest.

Klasse wie die Schweden harte Riffs mit Eingängigkeit zu verbinden verstehen. Dabei klingen die einzelnen Lieder abwechslungsreich und wiederholen sich nicht, die Stimmungen und Atmosphären variieren. Stakkato-artig gespielter Riffs wechseln sich in den einzelnen Liedern mit schönen Melodiebögen ab. Unter den elf Titeln befindet sich glücklicherweise auch kein „Füllmaterial“, sodass man „Deceivers“ durchhören kann, ohne dauernd die „Skip-Taste“ drücken zu müssen.

Fazit: Death Metal in Verbindung zu schönen Melodien und Eingängigkeit, das gibt es auf „Deceivers“, dem elften Studioalbum der schwedischen Band Arch Enemy zu hören. Macht Spaß hier zuzuhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Watcher, Exiled From Earth



Freitag, 5. August 2022

Tim Bowness – Butterfly Mind

 



Tim Bowness – Butterfly Mind


Besetzung:

Tim Bowness – vocals, samples, synthesizer, optigan guitar, mellotron


Gastmusiker:

Brian Hulse – guitars, keyboards, synthesizer, programming
Nick Beggs – fretted and fretless bass, double bass, chapman stick
Richard Jupp – drums, percussion
Nicola Alesini – saxophone “It‘s Easier To Love”
Ian Anderson – flute “Say Your Goodbyes, Pt. 1” & “We Feel”
Ben Coleman – violin “Dark Nevada Dream”, “About The Light That Hits The Forest Floor” & “Say Your Goodbyes Part 2”
Saro Cosentino – sampled strings / string arrangement “It‘s Easier To Love”
Devon Dunaway – backing vocals “It‘s Easier To Love”, “We Feel” & “Dark Nevada Dream”
Dave Formula – hammond organ on “It‘s Easier To Love” & ‘Dark Nevada Dream’, synthesizer and piano “Only A Fool”, organ “Say Your Goodbyes, Pt. 2”
Martha Goddard – backing vocals “Always The Stranger”, “After The Stranger” & “Glitter Fades”
Peter Hammill – vocals “Say Your Goodbyes, Pt. 1”, guitars “We Feel”
Gregory Spawton – bass pedals “After The Stranger”
Stephen W Tayler – clarinet “Glitter Fades”
Mark Tranmer – guitars “About The Light That Hits The Forest Floor”




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Say Your Goodbyes, Pt. 1 (2:23)
2. Always The Stranger (2:50)
3. It‘s Easier To Love (5:12)
4. We Feel (4:52)
5. Lost Player (3:13)
6. Only A Fool (4:33)
7. After The Stranger (1:14)
8. Glitter Fades (4:50)
9. About The Light That Hits The Forest Floor (3:48)
10. Dark Nevada Dream (8:20)
11. Say Your Goodbyes, Pt. 2 (1:59)

Gesamtspieldauer: 43:18



Tim Bowness begann als Teenager im Jahr 1982 seine musikalische Karriere, als er das erste Mal in einer Band spielte. Vierzig Jahre später veröffentlicht der Englänger sein bisher siebtes Soloalbum mit dem Titel „Butterfly Mind“. Für dieses 40-jährge Jubiläum konnte Tim Bowness einige Kollegen begeistern, die dieses neue Album mit ihm einspielten. Zu hören sind unter anderem Richard Jupp (Ex-Elbow), Peter Hammill (Van Der Graaf Generator), Ian Anderson (Jethro Tull) und Gregory Spawton (Big Big Train).

Selbstverständlich darf an dieser Stelle auch sein No Man-Kollege Steven Wilson nicht fehlen, der sich zwar weder gesanglich noch instrumental einbrachte, doch das Album in seiner Endform abmischte. „Butterfly Mind“ erscheint am 5. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Wenn man sich ein Tim Bowness-Album zulegt, weiß man im Grunde genommen, was einen erwartet. Diesbezüglich wird man auch auf „Butterfly Mind“ keineswegs enttäuscht. Zu hören gibt es einmal mehr diesen für Tim Bowness typischen Art Pop, der jederzeit melodisch ins Ohr geht und zu allermeist etwas melancholisch bis sentimental klingt. Zwar gibt es mit den beiden Titeln „Always The Stranger“ und „Only A Fool“ auch zwei deutlich schnellere Nummern, doch größtenteils bleiben die Lieder auf ihre Art in Watte gepackt, sanft dahingleitend. Dazu singt Tim Bowness mitunter gehaucht, was den Gesamteindruck noch verstärkt.

Interessanter wird es, wenn Tim Bowness kleine „Experimente“ eingeht und dazu die Stimmung auch in den Liedern selbst variiert, wie bei den beiden kurzen, das Album einrahmenden „Say Your Goodbyes, Pt. 1“ und „Say Your Goodbyes, Pt. 2“. Ein Longtrack ist mit „Dark Nevada Dream“ und einer Laufzeit von über acht Minuten ebenfalls auf dem Album enthalten, doch leider entwickelt sich dieses Lied über seine Laufzeit hinweg zu wenig und klingt lediglich nach sieben Minuten in einer etwas anderen Stimmung aus.

Am Überzeugendsten auf „Butterfly Mind“ klingt schließlich das ebenfalls eher rockige und dabei groovende „We Feel“. Ian Anderson wertet die Nummer mit seiner Querflöte zusätzlich noch auf, sodass dieser Titel, neben den bereits erwähnten, das Album einrahmenden Liedern, zum Höhepunkt auf diesem Album wird. Und Ausfälle? Nein, die gibt es nicht, sodass Tim Bowness Fans sicher auf ihre Kosten kommen werden.

Fazit: Versinkt Tim Bowness zu sehr in musikalischer Melancholie, überzeugt dies trotz jederzeit vorhandener Eingängigkeit nicht immer. Ein paar mehr Experimente, ein wenig mehr Geschwindigkeit an dieser oder jener Stelle hätten dem Album gut getan. Trotzdem, auch „Butterfly Mind“ klingt eingängig – und das bereits beim ersten Mal des Hörens. Neun Punkte.

Anspieltipps: Say Your Goodbyes, Pt. 1 & Pt. 2, We Feel



Freitag, 29. Juli 2022

Ryo Okumoto – The Myth Of The Mostrophus

 



Ryo Okumoto – The Myth Of The Mostrophus


Besetzung:

Ryo Okumoto – keyboards


Gastmusiker:

Ted Leonard – vocals
Alan Morse – electric and acoustic guitars, backing vocals
Nick D’Virgilio – drums and percussion, vocals
Dave Meros – bass guitar, backing vocals
Jonathan Mover – drums
Lyle Workman – guitars
Steve Hackett – guitars
Mike Keneally – guitars
Marc Bonilla – guitars
Doug Wimbish – bass
Michael Sadler – vocals
Randy McStine – vocals
Michael Whiteman – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Mirror Mirror (9:27)
2. Turning Point (6:53)
3. The Watchmaker (Time On His Side) (6:24)
4. Maximum Velocity (8:10)
5. Chrysalis (7:35)
6. The Myth Of The Mostrophus (22:13)

Gesamtspieldauer: 1:00:44



Ganze zwanzig Jahre ist es jetzt her, seitdem der japanische Rock-Keyboarder Ryo Okumoto, am besten wohl bekannt durch seine Mitgliedschaft bei Spock’s Beard, sein letztes Soloalbum veröffentlicht hat. Da er jedoch nie aufhörte zu komponieren, im November 2020 eine Band namens I Am The Manic Whale in einer Livestream-Veranstaltung hörte und dort sehr vom Sänger und Bassisten Michael Whiteman beeindruckt war, beschloss er ihn zu kontaktieren. Schnell sendete Ryo Okumoto ihm dann sein neues Material zu, welches Michael Whiteman überarbeitete und ergänzte und schon waren die Titel für das neue Soloalbum vorhanden.

Zum Einspielen der neuen Lieder konnte er neben seinen Kollegen von Spock’s Beard weitere namhafte Musiker gewinnen, wie die Besetzungsliste zeigt. Doch um es gleich vorwegzunehmen, auch wenn Michael Whiteman mit am Prozess des Komponierens beteiligt war und sich auch noch andere Musiker mit ihren Interpretationen eingebracht haben, die Musik auf „The Myth Of The Mostrophus“ klingt nach Spock’s Beard – vom ersten bis zum letzten Takt.

Etwas über eine Stunde gibt es auf „The Myth Of The Mostrophus“ modernen progressiven Rock zu hören, der immer wieder neue melodische Wege beschreitet und Wendungen durchläuft. Obwohl dem Keyboard selbstverständlich bei einem Album von Ryo Okumoto eine zentrale Rolle zukommt, tragen auch die Gitarristen und ebenso die unterschiedlichen Sänger viel zum Gesamthörerlebnis dieses Albums bei. „The Myth Of The Mostrophus“ klingt abwechslungsreich und spannend. Ryo Okumoto wollte mit diesem Album seine eigene Version von Spock’s Beard Musik produzieren und das ist ihm auch gelungen. Im Grunde genommen könnte „The Myth Of The Mostrophus“ auch die Diskographie von Spock’s Beard weiterführen.

Fazit: Wer die US-amerikanische Variante des Neo-Prog mag und hier speziell an der Musik von Spock’s Beard Gefallen findet, die oder der wird auch an „The Myth Of The Mostrophus“ von Ryo Okumoto Spaß haben. Zu hören gibt es hier eingängigen und melodiösen, nicht zu vertrackten, dafür rockigen Progressive Rock, der jederzeit zu unterhalten weiß. Die überzeugendsten Lieder befinden sich in der zweiten Hälfte des Albums, doch überzeugt das gesamte Album in seiner Gesamtheit, da man nie das Gefühl bekommt Füllmaterial zu hören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Chrysalis



Donnerstag, 28. Juli 2022

Krisiun – Mortem Solis

 



Krisiun – Mortem Solis


Besetzung:

Moyses Kolesne – guitars
Alex Camargo – vocals, bass
Max Kolesne – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Death Metal


Trackliste:

1. Sworn Enemies (3:46)
2. Serpent Messiah (4:38)
3. Swords Into Flesh (4:19)
4. Necronomical (4:12)
5. Tomb Of The Nameless (4:28)
6. Dawn Sun Carnage (Intro) (1:33)
7. Temple Of The Abattoir (5:22)
8. War Blood Hammer (4:07)
9. As Angels Burn (3:08)
10. Worm God (4:41)

Gesamtspieldauer: 40:19



Krisiun ist eine brasilianische Death-Metal-Band, die im Jahr 1990 gegründet wurde und inzwischen elf Studioalben veröffentlicht hat. Am 29. Juli 2022 erscheint nun ihre zwölfte Platte mit dem Titel „Mortem Solis“, zu Deutsch „Tod der Sonne“. Das Album erscheint auf dem Plattenlabel Century Media Records.

Nun, während andere Bands auch dieses Genres immer weiter in den Mainstream und damit in die kommerzielle Schiene abdriften, so halten Krisiun den Schild des unverfälschten, kompromisslosen Death Metal weiter hoch. Auf „Mortem Solis“ hört man keine Kompromisse, keine Unverfälschtheiten, man hört hier „nur“ Death Metal pur. Melodien? Völlig überschätzt. Es geht Krisiun um Härte, um Aggressivität und jeder Hauch der Kommerzialität wird im Keim erstickt. Aber war da überhaupt ein Hauch?

Nein, da ist nichts dergleichen. „Mortem Solis ist geradliniger“ (Anm.: als die vorherigen Alben der Band), sagt Kolesne. „Wir haben alles herausgeschnitten, was wir für unnötig hielten, um es so brutal wie möglich zu machen. Ohne Computer oder Click-Tracks - ganz im Sinne des wahren Death Metal. Wir Drei teilen die gleiche Vision von Metal. Wir sind eine Armee von Dreien. Natürlich haben wir uns als Brüder, Menschen und Musiker weiterentwickelt. Wir haben eine Menge Spaß zusammen. Aber dieser Zusammenhalt hat uns den Krisiun-Weg gegeben, den Weg, den wir eingeschlagen haben und weitergehen.“

„Wir sehen eine Szene des Posertums“, sagt Kolesne weiter. „Der Death Metal wird weich. Wir werden nicht zu so etwas werden. Wir wissen, woher wir kommen und was Death Metal für uns bedeutet - es ist alles! Hass und Abscheu haben uns angetrieben. Deshalb ist „Mortem Solis“ entschlackt, die Intensität wurde erhöht, und wir haben es ohne die Krücken der Moderne aufgenommen. Ich denke, man kann hören, dass wir extrem wütend sind. Die Musik und die Stimmung, die sie ausstrahlt, sind absichtlich offensichtlich.“

Textlich wurde Mortem Solis von der Literatur inspiriert und ist von vielen Metaphern durchdrungen. Aber die Botschaft ist unmissverständlich. Alle guten Dinge kommen unweigerlich zu einem Ende, manchmal gewaltsam und unapologetisch. Auch darauf bezieht sich der Titel des Albums.

Fazit: Hart, aggressiv und konsequent. So klingt der Death Metal der brasilianischen Band Krisiun. Kein kommerzielles Anbiedern, keine Kompromisse. Wer also auf unverfälschten Death Metal steht, die oder den wird dieses Album packen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dawn Sun Carnage, Temple Of The Abattoir



Freitag, 22. Juli 2022

Witchery – Nightside

 



Witchery – Nightside


Besetzung:

Angus Norder – vocals
Jensen – rhythm guitars
Rickard Rimfält – rhythm and solo guitars
Victor Brandt – bass guitar
Chris Barkensjö – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Trash Metal


Trackliste:

1. Witching Hour (3:03)
2. Don’t Burn The Witch (3:22)
3. Storm Of The Unborn (4:36)
4. Er steht in Flammen (1:45)
5. Popecrusher (3:08)
6. Left Hand March (4:28)
7. Under The Altar (1:31)
8. Churchburner (2:31)
9. Crucifix And Candle (4:31)
10. A Forest Of Burning Coffins (2:55)
11. Nightside (3:57)

Gesamtspieldauer: 35:51



„Nightside“ heißt das achte Studioalbum der schwedischen Trash Metal Band Witchery. Es erscheint am 22. Juli auf dem Plattenlabel Century Media Records und ist die erste Platte von Witchery, die ein Konzeptalbum darstellt. Es handelt von Hexen und Hexenjägern, von Flüchen und Zaubern und den Abartigkeiten religiöser Brutalität. Dabei durchlebt beziehungsweise durchhört man die Höhen und Tiefen des Schicksals der beteiligten Hauptprotagonisten.

Das Album ist mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde nicht allzu lang geraten und kommt bei jedem Lied auch ganz schnell und unmittelbar auf den Punkt. Trash Metal, kompromisslos, aggressiv, laut und hart. Dazu der infernale und halb geschriene, halb gegrowlte Gesang des Angus Norder und fertig ist dieses durchaus auch anstrengende Album, welches einem keine Pause zum Verschnaufen gibt.

Konsequent ist diese Scheibe zu 100% geraten, sodass Fans des Trash Metal Genres auf ihre Kosten kommen werden. Ein paar mehr Auflockerungen in Form von harmonischen Einschüben – die es durchaus, jedoch selten gibt – hätten das Hörerlebnis nicht nur angenehm verlängert, sondern auch aufgelockert. Steht man allerdings auf diese bereits angesprochene Konsequenz, mit all der Härte und dem trashigen Gesamtbild, wird einen „Nightside“ definitiv begeistern. Ist man in diesem Genre nicht ganz so beheimatet, glaubt man Vieles davon bereits gehört zu haben.

Fazit: Trash Metal in reiner Form bekommt man auf „Nightside“ von Witchery zu hören. Freundinnen und Freunde dieses Genres können mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. „Nightside“ klingt hart und trashig. Happy Headbanging. Acht Punkte.

Anspieltipps: Left Hand March



Donnerstag, 21. Juli 2022

Oceans Of Slumber – Starlight And Ash

 



Oceans Of Slumber – Starlight And Ash


Besetzung:

Cammie Beverly – vocals
Xan Fernandez – guitar
Jessie Santos – guitar
Mathew Aleman – synthesizers
Semir Ozerkan – bass
Dobber Beverly – drums and piano




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Waters Rising (4:23)
2. Hearts Of Stone (3:56)
3. The Lighthouse (3:35)
4. Red Forest Roads (4:08)
5. The Hanging Tree (4:03)
6. Salvation (5:04)
7. Star Altar (5:56)
8. The Spring Of ‘21 (3:20)
9. Just A Day (6:03)
10. House Of The Rising Sun (4:24)
11. The Shipbuilder‘s Son (4:59)

Gesamtspieldauer: 49:54



„Starlight And Ash“ heißt das fünfte offizielle Studioalbum der US-amerikanischen New-Southern-Gothic-Band Oceans Of Slumber. Es erscheint am 22. Juli 2022 auf dem Plattenlabel Century Media Records. War die Basnd früher eher im Progressive Metal beheimatet, so hört man auf „Starlight And Ash“ in den knapp fünfzig Minuten Laufzeit eingängigen und melodischen Rock, der immer wieder auch mal ins Bombastische abdriftet.

Und dies wird dabei von der Band sehr überzeugend umgesetzt. Die Musik von Oceans Of Slumber fängt einen ein und geht jederzeit ins Ohr. Cammie Beverly singt dazu flehend, verzweifelt, euphorisch, verträumt und mitreißend. Kurzweilig und unterhaltend klingt das an jeder Stelle des Albums – und rockig. Allerdings mit Metal hat die Musik auf „Starlight And Ash“ nur noch wenig zu tun. Möchte man das musikalische Genre „Rock“ noch genauer definieren, dann bewegen sich Oceans Of Slumber auf ihrem neuen Album im Bereich des Gothic Rocks. Die Ausnahme bildet hier das wunderschöne Piano-Solo „The Spring Of ‘21“ sowie das orchestral instrumentierte und allseits bekannte „House Of The Rising Sun“.

Die Musik auf „Starlight And Ash“ erklingt dicht und packend und deutlich weniger „hart“, als auf vorherigen Alben der US-Amerikaner. Das Zuhören macht dabei definitiv Spaß und es ist schwer einen Höhepunkt zu benennen, da alle Stücke überzeugen. Da es auch keine Ausfälle auf diesem Album zu beklagen gibt, kann man die Scheibe problemlos in einem durchhören und die Fernbedienung des CD-Players getrost zur Seite legen. Um allerdings doch einen Anspieltipp beziehungsweise Höhepunkt zu benennen, sei an dieser Stelle das sehr abwechslungsreiche und sich steigernde „Just A Day“ erwähnt, welches gleichzeitig auch das längste Stück des Albums darstellt.

Fazit: Sehr eingängigen Gothic Rock bekommt man auf „Starlight And Ash“ von Oceans Of Slumber geboten. Alles klingt melodiös, kratzt oftmals etwas am Bombast und kann dabei jederzeit überzeugen. Ein Album, welches man sicherlich nicht nur einmal auflegt und an dem man auch nach Jahren noch Spaß hat. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Just A Day



Dienstag, 19. Juli 2022

Imperial Triumphant – Spirit Of Ecstasy

 



Imperial Triumphant – Spirit Of Ecstasy


Besetzung:

Zachary Ezrin – vocals, guitar
Steve Blanco – bass
Kenny Grohowski – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Black Metal, Avantgarde Metal


Trackliste:

1. Chump Change (7:49)
2. Metrovertigo (6:10)
3. Tower Of Glory, City Of Shame (7:55)
4. Merkurius Gilded (6:08)
5. Death On A Highway (5:34)
6. In The Pleasure Of Their Company (6:43)
7. Bezumnaya (7:27)
8. Maximalist Scream (6:57)

Gesamtspieldauer: 54:46



Am 22. Juli erscheint das fünfte Studioalbum der Avantgarde Metal Band Imperial Triumphant aus den USA. „Spirit Of Ecstasy“ heißt dieses neueste Werk und wird auf dem Plattenlabel Century Media Records veröffentlicht. Nach dem sehr überzeugenden Vorgängeralbum „Alphaville“, welches in der Zeitschrift Metal Hammer zu einem der zehn besten Metal-Alben des Jahres 2020 gekürt wurde, durfte man gespannt sein, welchen musikalischen Weg die New Yorker Band weiter beschreiten würde.

Hart, kompromisslos, experimentell und an manchen Stellen auch jazzig klingen Imperial Triumphant auf „Spirit Of Ecstasy“. Es ist genau diese Verbindung von Metal, jazzigen Einflüssen, orchestralen Passagen, einem Hauch Weltmusik verbunden mit Sphäre und harten Riffs, die „Spirit Of Ecstasy“ nicht nur zu einer sehr komplexen Scheibe werden lassen, sondern auch zu einer Platte, die alles andere als alltäglich und nach Mainstream klingt. Hochgeschwindigkeitspassagen wechseln sich da ab mit absolut vertrackten Abschnitten, leicht sphärische Stellen mit experimentellen Klanggebilden. All dies lässt einem beim Hören kaum Zeit zum Luftholen. Entspannt klingt da nichts, aggressiv und unnachgiebig alles.

Wenn „gesungen“ wird, dann zu allermeist in Form des Growlens. Melodien im herkömmlichen Sinne sucht man auf „Spirit Of Ecstasy“ vergeblich. Und wenn es diese doch mal zu hören gibt, klingen sie leicht schräg und ein wenig verquer. Langweile kommt da nie auf, da es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Selbstverständlich ist das keine Musik für Harmoniesüchtige, die für eine schöne Melodie alles geben würden. Steht man allerdings auf diese Ausprägung des Metal und der Musik allgemein, wird man mit „Spirit Of Ecstasy“ reich beschenkt.

Fazit: Hart, kompromisslos, komplex, vertrackt und experimentell, so klingen Imperial Triumphant auf „Spirit Of Ecstasy“. Nichts für musikalische Schöngeister, viel für alle, die das Besondere, das Außergewöhnliche in der Musik suchen. Für all jene also, denen es nie zu kompliziert, zu komplex oder zu hart klingen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: In The Pleasure Of Their Company



Montag, 18. Juli 2022

Mikael Åkerfeldt – Clark

 







Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Divers


Trackliste:

1. Libertine Theme (1:55)
2. Tango Bizarre (1:48)
3. Druglord Panic (2:33)
4. Rockefellers (2:36)
5. Vintage Modern (3:34)
6. Wish You Were There (2:51)
7. The Weak Heart (2:12)
8. Happiness (2:22)
9. Ode To Confusion In A Minor (2:57)
10. La Shay‘ Jadid Taht Alshams (2:19)
11. The Real Me (1:37)
12. Here‘s That Sunny Day (3:00)
13. Perfect Horizon (1:57)
14. Sea Slumber (2:37)
15. Then (1:47)
16. The Hunted Are In The Clear (2:07)
17. Northern Hemispheres (1:18)
18. Ordinary Folks (2:57)
19. Distant Spring (1:57)
20. Funky Chicken (2:16)
21. Code To The Vault (1:55)
22. Two Mermaids (1:05)
23. Rags To Riches (1:31)
24. Sunrise (2:14)
25. Red & White (1:50)
26. Headfirst Into The Storm (2:42)
27. Ballad Of The Libertine In G Minor (3:55)
28. Lost In San Marino (2:16)
29. Rhodes Rat (2:15)
30. Mandag I Stockholm (2:08)
31. Mother Of One (3:18)
32. Vielleicht Später (1:49)
33. Battle For Love (2:09)
34. Night Life (2:19)

Gesamtspieldauer: 1:18:20



Mikael Åkerfeldt kennt man natürlich vor allem als Sänger und Gitarrist der schwedischen Band Opeth. Auch bei Katatonia hat er Spuren hinterlassen, ebenso bei der Band Bloodbath. Mit dem Soundtrack zur Netflix-Serie „Clark“ veröffentlicht der Schwede nun sein erstes Soloprojekt.

In einem Interview verweist Mikael Åkerfeldt darauf, wie viel Spaß es gemacht habe, die Musik zu dieser Netflix-Serie zu schreiben, durfte er sich doch kompositorisch praktisch uneingeschränkt ausleben. Nicht verwunderlich also, dass die 34 Lieder sehr viele musikalische Genres beinhalten. Pop, Rock, Funk, Jazz, einen Tango, orchestrale Musik und auch mal sphärische Ausflüge. „Musikalisch macht das nicht wirklich Sinn…“, so Mikael Åkerfeldt. Aber es geht in diesem Fall auch um die Vertonung einer ganzen Serie. Mit verschiedenen Szenen und verschiedenen Stimmungen.

Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass das Gehörte gut und vor allen Dingen auch abwechslungsreich klingt. Es wird sogar mal gesungen. Trotzdem bleibt dieses Album eher etwas für den Hintergrund, etwas für alle, die die Serie lieben und natürlich etwas für alle Mikael Åkerfeldt-Fans, die alles von „ihrem“ Musiker kennen und besitzen möchten.

Fazit: Wer Mikael Åkerfeldt mal anders kennenlernen möchte und durchaus entspannte Musik zu schätzen weiß, die oder der sollte hier mal ein Ohr riskieren. Die Lieder klingen eingängig und durchaus gelungen. Es ist allerdings ein Soundtrack. Das bedeutet auch, wenn man denkt, das Lied startet nun richtig durch, ist es meist schon wieder vorbei. Für Fans der Serie und des Musikers trotzdem interessant. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mother Of One



Donnerstag, 14. Juli 2022

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – XI: Bleed Here Now

 





Besetzung:

Conrad Keely – vocals, guitars, keyboards, piano, programming
Jason Reece – vocals, drums, guitars
Alec Padron – bass, percussion, drums
Ben Redman – guitar, drums, and percussion
A.J. Vincent – vocals, keyboards, percussion
John Dowey – guitars, additional vocals


Gastmusiker:

Britt Daniel – vocals
Amanda Palmer – vocals
Tosca String Quartet – strings




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Alternative Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Our Epic Attempts (2:49)
2. Long Distance Hell (1:27)
3. Field Song (4:32)
4. Penny Candle (3:27)
5. No Confidence (5:15)
6. String Theme (0:38)
7. Kill Everyone (1:22)
8. Growing Divide (3:23)
9. Pigments (0:52)
10. Golden Sail (5:31)
11. A Life Less Melancholy (1:50)
12. Taken By The Hand (11:12)
13. Contra Mundum (5:16)
14. Darkness Into Light (1:29)
15. Water Tower (5:06)
16. Sounds Of Horror (0:57)
17. Protest Streets (6:09)
18. The Widening Gyre (1:18)
19. Millennium Actress (4:23)
20. Salt In Your Eyes (2:28)
21. English Magic (2:57)
22. Calm As The Valley (2:23)

Gesamtspieldauer: 1:14:54



Zu Beginn kurz ein paar Anmerkungen von Conrad Keely, die er zur Entstehung von „XI: Bleed Here Now“ erzählt: „Erst als der anfängliche Schock und das Entsetzen über ein Jahr voller pandemiebedingter Absagen überwunden war - und wir die Tatsache verarbeitet hatten, dass die Band absolut nichts zu tun hatte - wachte ich eines Tages mit einem plötzlichen, überwältigenden Gefühl von Frieden, Gelassenheit und Zentriertheit auf. Es dauerte einige glückselige Monate, in denen wir in den Hügeln um Austin wanderten, mit den Hunden spazieren gingen, zu Hause kochten und Bücher lasen (tatsächlich wieder Bücher lasen!), bis ich anfing zu denken, hmmmm... vielleicht sollten wir ein neues Album aufnehmen. Ich meine, warum nicht, oder? Zu dieser Zeit kamen einige wirklich großartige Musikdokumentationen heraus, die in mir das Gefühl weckten, das oft nostalgisierte (das ist übrigens kein richtiges Wort) Goldene Zeitalter der Rockmusik wieder aufleben zu lassen. Sie wissen schon: Damals, bevor Autotune (aus irgendeinem Grund mit deutschem Akzent ausgesprochen), bevor Pro Tools, bevor diese lähmenden, betäubenden Komprimierungsgrade die Sounddateien wie perfekte Legosteine aussehen ließen, anstatt wie steigende und fallende Gezeiten der atmosphärischen Entwicklung.“ Und aus diesem Ansatz heraus wurde das elfte Studioalbum der texanischen Band mit dem Titel „XI: Bleed Here Now“ im quadrophonischen Surround-Sound eingespielt. Und ich nehme es vorweg, das lohnt wirklich gehört zu werden.

Am Besten man setzt die Kopfhörer auf und lässt sich auf diese musikalische Reise ein, ganz entspannt auf dem Sofa oder sonstigen Lieblingsplätzen. Und ich komme bereits bei den ersten Takten nicht umhin „XI: Bleed Here Now“ mit einem früheren Werk der US-Amerikaner zu vergleichen. Ich besitze alle Alben von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, wobei meine Lieblingsplatte ihr im Jahr 2005 erschienenes Album „Worlds Apart“ ist. Und genau zu dieser Platte kommen zwangsläufig Erinnerungen auf. Beginnt „Worlds Apart“ mit dem orchestral eingespielten Titel „Ode To Isis“, an dessen Ende der Bandname von einer Frauenstimme eingesprochen wird, so hört man auf „XI: Bleed Here Now“ den übersetzten Bandnamen in vielen verschiedenen Sprachen eingesprochen. Die Musik wächst an, wird ebenfalls orchestral und beim Übergang zum zweiten Titel wird erneut der Bandname eingesprochen – dieses Mal jedoch von einer männlichen Stimme.

Und damit wären wir bei der Musik auf „XI: Bleed Here Now“. Diese spielt sich im Bereich des Alternative Rocks, des Hard Rocks und auch des Progressive Rocks ab. Mitunter fast schon folkige Abschnitte wechseln sich mit rockigen Passagen ab, um dann in deutlich progressivere Phasen zu münden. All diesen musikalischen Ausflügen ist dabei gemein, dass man sie zum einen sehr schnell als Musik von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead erkennt. Enttäuscht wird der Fan diesbezüglich schon mal nicht. Der mehrstimmige Gesang, die Dramaturgie in den Liedern selbst, das klingt eindeutig nach den Texanern. Zum anderen schafft es die Band einmal mehr wunderschöne Melodien zu kreieren, die ziemlich schnell ins Ohr gehen. Und mit jedem weiteren Durchlauf klingt das alles noch viel vertrauter, wunderschön vertraut und macht einfach Spaß gehört zu werden.

Dabei erklingt auf deutlich über einer Stunde Spielzeit auch jede Menge Abwechslung. Es sind nicht nur die musikalischen Genres, die auf „XI: Bleed Here Now“ variiert werden. Es sind auch die Stimmungen, die sich ändern, ineinander übergehen und sich schließlich zu neuen Atmosphären verbinden. Da klingt es mal sphärischer, dann wieder sanft und melodiös, schließlich getrieben und rockig. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Doch dies sind nicht die einzigen Zutaten, die das elfte Studioalbum der Band so überaus abwechslungsreich werden lassen. Wir hören auf „XI: Bleed Here Now“ zwei Freunde der Band beim Gesang, die ihre Sache ebenfalls sehr gut machen. Schließlich ist es zu guter Letzt auch die Instrumentierung, die dazu beiträgt, dass auf diesem Album niemals Langeweile aufkommt, niemals Langeweile aufkommen kann. Dieses Wechseln zwischen orchestralen und den typischen Rock-Instrumenten hat einfach was und erinnert ebenfalls einmal mehr an das bereits erwähnte Album „Worlds Apart“.

Und so hörte ich „XI: Bleed Here Now“ das erste Mal durch und musste es sofort wieder auflegen. Meist lasse ich Musik nach dem ersten Hören zunächst mal etwas sacken, um es mir später nochmals anzuhören. Das war bei diesem Album definitiv anders, denn „XI: Bleed Here Now“ begeisterte mich sofort so sehr, sodass ich es einfach sofort nochmals hören wollte. Dabei ist es übrigens keineswegs der Fall, dass diese Platte einen Aufguss des siebzehn Jahre zuvor veröffentlichten „Worlds Apart“ darstellt. Auch wenn die Musik Erinnerungen diesbezüglich aufkommen lässt, so klingt das elfte Album von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead jederzeit eigenständig. Irgendwie ist es eine Reminiszenz an dieses Album, jedoch ganz gewiss kein Klon. Da fällt mir ein, dass ich diesen Vergleich noch nirgendwo gelesen habe, von daher kann dieser Vergleich auch nur mein ganz persönlicher Eindruck sein.

Und ganz zum Schluss noch ein paar abschließende Worte zum Sound. Der ist hervorragend. Das Hören des Albums auf guten Kopfhörern lohnt definitiv. Aus allen Ecken scheinen die Stimmen und Instrumente zu kommen. Surround Sound eben, der auch im Jahr 2022 funktioniert.

Fazit: Wer die Musik von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead mag wird auch ihr elftes Album „XI: Bleed Here Now“ mögen. Das Album klingt abwechslungsreich, melodiös und immer wieder mitreißend. Mich persönlich erinnert es etwas an „Worlds Apart“ ohne, dass die Band sich hier selbst kopieren würde. Somit bleibt schlussendlich festzustellen, dass „XI: Bleed Here Now“ ein klasse Album geworden ist, welches sich für alle lohnt, die auf abwechslungsreichen, spannenden und melodiösen Rock stehen. Für …And You Will Know Us By The Trail Of Dead-Fans definitiv sowieso. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Taken By The Hand, Millenium Actress



Freitag, 8. Juli 2022

Neil Young – Toast

 



Neil Young – Toast


Besetzung:

Neil Young – vocals, guitars, piano


Gastmusiker:

Ralph Molina – drums, percussion, vocals
Billy Talbot – bass, vocals
Poncho Sampredo – guitars, vocals
Tom Bray – trumpet
Astrid Young – vocals
Pegi Young – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Blues


Trackliste:

1. Quit (5:24)
2. Standing In The Light Of Love (4:20)
3. Goin’ Home (7:53)
4. Timberline (4:11)
5. Gateway Of Love (10:11)
6. How Ya Doin’? (7:00)
7. Boom Boom Boom (13:07)

Gesamtspieldauer: 52:06



Ich muss zugeben, der inzwischen 76-jährige Neil Young überrascht mich immer wieder. Nachdem er „Homegrown“ am 19. Juni 2020 veröffentlichte, ein Album was bereits zwischen dem 16. Juni 1974 und dem 21. Januar 1975 eingespielt worden war, folgt nun eine Platte, die bereits 2001 aufgenommen wurde. Und in einem Interview sagt der gebürtige Kanadier dazu: „Wie kein anderes Album war „Toast“ so traurig, dass ich es nicht herausbringen konnte. Ich habe es einfach übersprungen und ein weiteres Album gemacht. Ich konnte damals nicht damit umgehen.“ Das nachfolgende Album heißt übrigens „Are You Passionate?“, auf dem man zum ersten Mal soulige bis funkige Musik von Neil Young hört. Dazu später auch noch mehr, da dieses Album für die Musik auf „Toast“ durchaus von Bedeutung ist.

„Toast“ ist nach einem Studio in San Francisco benannt, in dem die Platte aufgenommen wurde. Das Album handelt inhaltlich laut Neil Young von Beziehungen, „die schlecht laufen, der Zeit, lange vor der Trennung, in der es einem der Menschen, vielleicht beiden, dämmert, dass es vorbei ist.“, so Neil Young. Kurz vor der Veröffentlichung von „Toast“ steckte der Musiker ebenfalls in einer Beziehungskrise mit seiner damaligen Frau Peg – und diese Gefühle sind selbstverständlich in die sieben Lieder dieses Albums mit eingeflossen.

Doch jetzt zur Musik auf „Toast“. Auf diesem Album hört man all das, was diesen Musiker ausmacht. Es ist dieses Gespür des Neil Young für die packende und eingängige Melodie in Verbindung zu einem gewissen Groove und diesem besonderen Gesang. Diese Zutaten lassen die Musik des Neil Young ziemlich unverwechselbar werden und man erkennt sie bereits nach wenigen Takten. So verhält es sich eben auch auf „Toast“.

„Toast“ klingt gut und ist gut. Wer Neil Young mag, wird auch dieses Album mögen. Vielleicht sogar lieben. Und klingt es zu düster? Finde ich weniger. Neben durchaus etwas getrageneren Stücken wie dem Opener „Quit“ finden sich auf dem Album auch einige „Rocker“ wie zum Beispiel gleich das zweite Lied „Standing In The Light Of Love“, die unweigerlich zum Mitwippen animieren. Somit bezieht sich dieses „traurig“, welches Neil Young dazu bewegte das Album erst 21 Jahre nach der Produktion zu veröffentlichen, eher auf die Texte, die die oben bereits erwähnten Beziehungsprobleme thematisieren. Von der musikalischen Grundstimmung her klingt demnach „Toast“ gar nicht so düster.

Nicht alles ist allerdings ganz neu auf „Toast“. Hier eine entsprechende Auflistung der Titel: „Standing In The Light“, „Timberline“ sowie „Gateway Of Love“ waren noch nie auf einem Studioalbum vertreten, wurden zum Teil allerdings bereits live gespielt. Die restlichen vier Lieder entstammen dem oben erwähnten Nachfolgealbum „Are You Passionate?“. Alle Lieder liegen auf „Toast“ jedoch in anderen Versionen vor. „Quit“ und „Goin‘ Home“ haben dabei auf beiden Alben dieselben Titel. Das Lied „Boom, Boom, Boom“ ist eine längere und strukturell veränderte Version von „She’s A Healer“ und „How Ya Doin’” war ebenfalls schon in veränderter Form auf „Are You Passionate?“ als „Mr. Disappointment“ zu hören. Kein Wunder, dass die Lieder auf „Toast“ anders klingen, war doch die Begleitband des Neil Young auf „Are You Passionate?“ die R&B und Funk Band Booker T. & The M.G.‘s. Lediglich das rockige „Goin‘ Home“ wurde dann auch auf „Are You Passionate?“ von Crazy Horse eingespielt. Somit hält man mit „Toast“ durchaus ein neues Neil Young Album in Händen, denn die vier bereits veröffentlichten Lieder klingen in ihren ursprünglichen Versionen, wie sie jetzt auf „Toast“ zu hören sind, deutlich anders.

Fazit: „Toast“ ist ein weiteres „verschollenes“ Album des Neil Young, welches nun endlich das Licht der Welt erblickt. Die Veröffentlichung lohnt sich wie ich finde. Es gibt darauf neue Stücke zu hören und vier Lieder, die im ursprünglich nachfolgenden Album in ganz anderer Form veröffentlicht worden sind. Von daher werden sich Neil Young Fans sicher freuen, denn die Musik des Kanadiers macht auch auf diesem Album Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Timberline