Sonntag, 18. August 2019

Hüma Utku – Gnosis




Hüma Utku – Gnosis



„Gnosis“ ist wahrlich eine Erkenntnis. Und zwar die, dass sich Musik im Kopf abspielt. Das, was man auf dieser Platte der türkischen Wahlberlinerin Hüma Utku hören kann, rast durch die Ohrmuschel entlang der Windungen und Verzweigungen durchs ganze Gehirn und erfüllt einen komplett. Utku startet hier einen Frontalangriff auf den primären Cortex und eröffnet mit ihren phänomenalen Schallwellen einen wahren Klangkosmos.

„Gnosis“ ist in einer Vinylauflage von gerade mal 300 Exemplaren bei Karlrecords erschienen, dazu gibt es den Download über bandcamp, einem Musikportal, auf dem ich mich schon oft genug verloren habe. Hier findet man unglaublich viel, gute und neue Musik. Die CD ist einfach „out“. Vinyl klingt besser, ist was für Sammler, dazu die kostengünstigeren Download Möglichkeiten.

Hüma Utku verbindet Istanbul und Berlin, zwei Weltstädte mit ihren reichen Kulturen, die die Musikerin offensichtlich geprägt haben. Ihr Sound umfasst Ambient, Industrial, Drone, das alles verpackt in einem elektronischen Mantel voller Tiefe und Düsternis. Titel wie „All the universe conspires“ und „A gift from the dark ages“ drücken genau das aus, was man hier hören, erfühlen, erfahren kann. „Ich sehe mich als Istanbulerin, aber Berlin ist mein Zuhause“, erzählte sie der taz in einem Interview. Utku lebt seit nunmehr sieben Jahren in der deutschen Hauptstadt, in der viele türkische Kulturschaffende eine neue oder eine vorübergehende Wahlheimat gefunden haben. Hüma Utku spielt bewusst mit dem musikalischen Grenzüberschreiten und Grenzverschieben. Ihre Musik ist eine Herausforderung, der man sich stellen muss. Zeit, Ruhe und der Wille, ihren Klangvorgaben zu folgen. Dann erlebt man Musik in ganz neuen Tönen. „Gnosis“ ist ein fantastisches Album, ein „Highlight“ dieses Jahres.



Freitag, 16. August 2019

Kula Shaker – Strangefolk




Kula Shaker – Strangefolk


Besetzung:

Alonza Bevan – bass, vocals, acoustic guitar
Paul Winter Hart – drums
Crispian Mills – lead vocals, guitar, harmonica
Harry Broadbent – piano, hammond organ, vocals


Gastmusiker:

Ben Castle – sax (“Song Of Love / Narayana”)
Nichol Thompson – trombone (“Song Of Love / Narayana”)
Dominic Glover – trumpet (“Song Of Love / Narayana”)
Anthony Bevan – violins (“Shadowlands”)
Bethany Porter – cello (“Persephone”)
Kate Robey – cello (“Persephone”)
Emma Hooper – viola (“Persephone”)
Johnny Kalsi – dhol drum (“Song Of Love / Narayana”)
Indira Dasi, Gwyn, Larli, Geary, Lalit, Krishna, Sudevi & Kishori, Dodge, Shep, Harry and Fleas – backing vocals


Label: Strange F.O.L.K.


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Out On The Highway (3:53)
2. Second Sight (3:44)
3. Die For Love (3:26)
4. Great Dictator (Of The Free World) (3:14)
5. Strangefolk (1:27)
6. Song Of Love / Narayana (5:31)
7. Shadowlands (4:10)
8. Fool That I Am (3:55)
9. Hurricane Season (6:03)
10. Ol’ Jack Tar (3:37)
11. 6ft Down Blues (3:55)
12. Dr. Kitt (4:38)

Bonus Track:

13. Persephone (4:40)

Gesamtspieldauer: 52:19




„Strangefolk“ heißt das dritte Studioalbum der englischen Band Kula Shaker und gleichzeitig das erste Album nach der Auflösung im Jahr 1999. „Strangefolk“ erschien am 27. Juni 2007 auf dem Plattenlabel von Kula Shaker, welches sie nach dem Albumnamen selbst mit „Strange F.O.L.K.“ betitelten. Besonders gut gerieten die Kritiken zum Album auf den einschlägigen Kanälen oder in den entsprechenden Musikzeitschriften nicht. Kula Shaker waren mit „Strangefolk“ auch in eher unspektakulären Gefilden des Alternative Rock angekommen.

Dabei ist „Strangefolk“ keineswegs ein schlechtes Album geworden. Man hört darauf zwar keinen außergewöhnlichen Alternative Rock oder gar Psychedelic Rock mehr, doch immerhin Musik, die ins Ohr geht und bestens unterhält. Der indische Einfluss in der Musik der Briten ist stark zurückgefahren worden, die Musik von Kula Shaker klingt „normaler“, alltäglicher und auch ein wenig massentauglicher. Die Lieder bewegen sich größtenteils im Mid-Tempo, beinhalten allerdings auch Ausflüge in härtere und sanftere Bereiche des Rocks. Viele der Lieder erschließen sich einem gleich beim ersten Mal des Hörens – richtige Ausfälle gibt es auf der Platte ebenfalls nicht zu beklagen, sodass Freundinnen und Freunde des Alternative Rocks beim Hören von „Strangefolk“ sicherlich auf ihre Kosten kommen werden.

Besonders gelungen klingt das mitreißende „Hurricane Season“. Ein Lied voller Melodiösität, welches sich langsam in seiner Intensität steigert, wieder etwas ruhiger zu werden scheint, um sich schließlich doch wieder zu steigern. Ein stetiges Hin und Her an Tempo und Atmosphäre beinhaltet dieses Lied, versehen mit einem tollen Groove. „Dr. Kitt“ beginnt dagegen wie eine kleine Kammer-Nummer mit Harfen- und Flötenklängen. Die gängigeren Rock-Instrumente setzen ein und ergänzen sich mit der ursprünglichen Instrumentierung. Auch dieses Mal ist es wieder die Melodie, in die sich einzutauchen lohnt und die einen packt. Schließlich sei an dieser Stelle auch noch das letzte Lied des Albums erwähnt, was eigentlich lediglich eine Zugabe, einen Bonus Track darstellt. Doch „Persephone“ geht schnell ins Ohr, lebt ebenfalls von seiner Instrumentierung, bei der zwei Celli im Mittelpunkt stehen. Sanft und eingängig rundet dieses Lied das Album sehr schön ab.

Fazit: Sicherlich ist „Strangefolk“ nicht das spannendste oder innovativste Album der englischen Band Kula Shaker geworden. Doch genauso sicherlich ist diese Scheibe wahrlich keine schlechte Platte geworden. Auf „Strangefolk“ hört man Alternative Rock, der ins Ohr geht und unterhält. Weniger spektakulär vielleicht als die anderen Kula Shaker Platten, weniger indische Einflüsse in der Musik sind hier zu hören, weniger Experimente flossen allgemein in diese Platte mit ein. Nichtsdestotrotz ist „Strangefolk“ sehr hörenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hurricane Season, Dr. Kitt, Persephone



Mittwoch, 14. August 2019

Novalis – Vielleicht Bist Du Ein Clown?




Novalis – Vielleicht Bist Du Ein Clown?


Besetzung:

Detlef Job – Elektrische und akustische Gitarren, Slide-Gitarre, Gesang
Fred Mühlböck – Gesang, elektrische Gitarre, 12-saitige Gitarre und akustische Gitarre, Querflöte
Lutz Rahn – Hammond h-100, akustischer und elektrischer Flügel, Stringensemble, Mellotron, PPG Synthesizer, D6 Clavinet
Hartwig Biereichel – Schlagzeug, Pauken und Perkussion
Heino Schünzel – Bass, Gesang


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Der Geigenspieler (8:17)
2. Zingaresca (5:15)
3. Manchmal fällt der Regen eben lang (3:53)
4. Vielleicht bin ich ein Clown? (6:26)
5. City Nord (6:11)
6. Die Welt wird alt und wieder jung (4:37)

Gesamtspieldauer: 34:42




Ihr fünftes Studioalbum versah die Hamburger Band Novalis mit dem etwas ungewöhnlichen Titel „Vielleicht Bist Du Ein Clown?“. Dieses erschien im Jahr 1978 ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain, um später auf diversen anderen Labeln wiederveröffentlicht zu werden. Die Mitglieder von Novalis waren dieselben wie schon auf den letzten beiden Veröffentlichungen. Die Band hatte sich dementsprechend gefunden.

Mit „Brandung“ war die Ära der Konzeptalben für Novalis abgeschlossen. Die Plattenfirma verlangte nach Musik, die auch im Radio gespielt werden konnte. Man sollte kompakter und geradliniger klingen. Noch eine Änderung gab es auf „Vielleicht Bist Du Ein Clown?“. Dieses Mal wurde kein Text mehr des frühromantischen Dichters Friedrich Freiherr von Hardenberg alias Novalis vertont, auf dem neuen Album war es die musikalische Umsetzung des Gedichts „Die Welt wird alt und wieder jung“ von Friedrich Schiller, die es auf das Album schaffte. Die Musik hat sich, trotz der zumindest kleinen Abkehr vom komplizierteren Liedaufbau, dagegen nicht großartig verändert. Musik mit wunderschönen Melodien, die sich schnell festsetzen. Die Lieder waren dabei zwar etwas kompakter geworden, doch immer noch gibt es Instrumentalnummern sowie Lieder mit Texten – und genau diese Texte wirken auch auf „Vielleicht Bist Du Ein Clown?“ für die heutige Zeit an der einen oder anderen Stelle etwas überholt.

Gar nicht „überholt“ klingt dagegen die Musik selbst. Diese ist eingängig, geht ins Ohr und dabei jederzeit abwechslungsreich und spannend gestaltet. Nichts ist ohne Weiteres vorhersehbar, nichts wirkt langweilig, keiner Nummer fehlt es an der gewissen Spannung. Auch die Atmosphären von sanft bis rockig werden bedient, sodass eine „Vielleicht Bist Du Ein Clown?“ eine schöne musikalische Reise darstellt, die lohnt angetreten zu werden. Absoluter Höhepunkt ist das „Quasi“-Titellied „Vielleicht bin ich ein Clown?“. Diese Nummer ist eher ein frischer Rock-Titel denn ein progressives Rock Lied. Macht nichts, denn gute Musik bleibt es. Novalis waren zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und so stellt diese Platte eine kleine Mischung aus eher „typischen“ Novalis-Nummern und dem etwas massentauglicheren Rock-Bereich dar. Weiterer Höhepunkt ist das sanfte und bereits erwähnte „Die Welt wird alt und wieder jung“. In diesem Lied klingen Novalis nochmals wie in den Jahren zuvor und zeigt die Abwechslung auf der Platte. Auch hier sehr gelungen.

Fazit: Eine schöne und überzeugende Scheibe ist „Vielleicht Bist Du Ein Clown?“ geworden. Diese enthält Musik, die noch an die frühere Zeit der Band erinnert und beinhaltet ebenso bereits Stücke, die eher radiotauglich klingen. Progressive Rock mit geradlinigen Rock-Einschüben gibt es auf dem Album zu hören. Die Mischung passt, klingt und macht Spaß. Für Novalis-Fans sicherlich ein Höhepunkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Vielleicht bin ich ein Clown?, Die Welt wird alt und wieder jung



Samstag, 10. August 2019

Fabian Römer – L_benslauf




Fabian Römer – L_benslauf


Besetzung:

Fabian Römer – Gesang
Beatgees – alle Instrumente


Gastmusiker:

Henrik Boehl – Gitarren & Bass, Klavier, Harmonium
Miki – Streicher
Vivology Gospel Choir – Chöre
Till Schneider – Bläser
Elif & Mia Aergerter – Background Vocals
Teddy Crockett – Gitarren & Bass
Lary – Frauenstimme
Ivan Georgiev – alle Instrumente bei „32. Dezember“, Gitarren
Chima Onyele – Telefonstimme
Valentione Romanski – Background Vocals


Label: Jive Records Germany


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: HipHop, Pop


Trackliste:

1. Münztelefon (I/III) (1:04)
2. L_benslauf (4:33)
3. Anders schön (3:48)
4. Infinity Pool (3:35)
5. Sie redet im Schlaf (3:05)
6. Bernsteinzimmer (3:16)
7. Schlüssel (II/III) (0:52)
8. 32. Dezember (2:42)
9. Keine Antwort (3:22)
10. Nie wieder / Für immer (2:27)
11. Was du nicht sagst (3:30)
12. Mit dir langweilen (2:17)
13. Mr. Wilson (2:37)
14. Realität (III/III) (1:01)
15. Bevor ich dich kannte (3:40)

Gesamtspieldauer: 41:55



Fabian Römer ist ein aus Braunschweig stammender HipHopper, der noch bis ins Jahr 2015 unter dem Namenskürzel F.R. aktiv und bekannt war. Am. 9. August erschien sein viertes Album mit dem Titel „L_benslauf“ auf dem Plattenlabel Jive Records Germany. Auf „L_benslauf“ hört man HipHop mit einer ordentlichen Portion Pop, radiotauglich, dabei niemals banal oder langweilig klingend.

Fabian Römer fühlt sich auf „L_benslauf“ in den musikalischen Genres des HipHop und des Pop bestens Zuhause – zumindest glaubt man dies auf dem Album genau so herauszuhören. Man taucht beim Hören ein in intelligente und anspruchsvolle Raps neben schönen poppigen Melodien, die schnell ins Ohr gehen und bereits beim ersten Mal des Hörens hängenbleiben. Die Stimmung des Albums ist eher melancholisch gehalten statt überschwänglich freudig – ohne dabei in Tristesse zu versinken. Die Liedtexte handeln von ihm und seinen bisherigen Erfahrungen, wie der Titel der Platte bereits ein wenig zum Ausdruck bringt. Die entsprechenden Inhalte gehen dabei mal eher in die Tiefe, ein anderes Mal zaubern sie der Hörerin beziehungsweise dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht. Niemals klingt dies belanglos oder uninspiriert, sehr viel eher spannend und jederzeit wert genauer hinzuhören.

Selbst jemanden wie mir, der im HipHop nicht ganz so Zuhause ist, gehen viele der Titel ins Ohr. Gerade Mitte bis Ende des Albums kumulieren sich die Highlights auf „L_benslauf“. Höhepunkte sind für mich dabei die Nummern „Was du nicht sagst“ und das sanfte und wunderschön eingängige „Mr. Wilson“. Lieder, die einen länger begleiten und die man immer wieder gern hört.

Fazit: Die Mischung macht es auf „L_benslauf“. HipHop und Pop in einer schönen und gelungenen Mischung gibt es auf dem Album zu hören. Intelligente Texte und Melodien, die ins Ohr gehen lassen „L_benslauf“ zu einem sehr hörenswerten Album werden. „L_benslauf“ ist eine Platte geworden, die Rap- und Freunde des Pop überzeugt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Was du nicht sagst, Mr. Wilson



Donnerstag, 8. August 2019

Procol Harum Novum




Procol Harum – Novum


Besetzung:

Gary Brooker – piano, accordion, vocals
Josh Phillips – organ, vocals
Geoff Whitehorn – guitar
Matt Pegg – bass guitar
Geoff Dunn – drums


Label: Eagle Records


Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Rock


Trackliste:

1. I Told On You (5:33)
2. Last Chance Motel (4:48)
3. Image Of The Beast (4:56)
4. Soldier (5:28)
5. Don’t Get Caught (5:12)
6. Neighbour (2:46)
7. Sunday Morning (5:28)
8. Businessman (4:45)
9. Can’t Say That (7:13)
10.The Only One (6:10)
11. Somewhen (3:47)

Gesamtspieldauer: 50:38




„Novum“ heißt das zwölfte Studioalbum von Procol Harum, es wurde am 21. April 2017 veröffentlicht. Es ist das erste Album von Procol Harum seit 14 Jahren und ebenso die erste Platte, die keine Texte von Keith Reid enthält. Die Musik stammt größtenteils aus der kompositorischen Zusammenarbeit von Gary Brooker und Organist Josh Phillips. Beim Titel „Image Of The Beast“ ist neben Gary Brooker und Josh Phillips noch Gitarrist Geoff Whitehorn beteiligt. Die Texte stammen von Peter Ronald Brown, der durch seine Zusammenarbeit mit Cream und Jack Bruce Bekanntheit erlangte. Die Lyrics zu den Liedern „Soldier“ und „Somewhen“ schrieb Gary Brooker, das einzige verbliebene Bandmitglied aus den ersten Tagen von Procol Harum, in Eigenregie.

Vierzehn Jahre nach der letzten Scheibe nochmals ein Album zu veröffentlichen ist bestimmt mutig, denn es birgt die Gefahr in sich, viele Fans der ersten Alben zu enttäuschen, wenn die Musik dann doch anders als gewohnt klingt. Doch Musik entwickelt sich weiter und was damals funktionierte, muss heute nicht mehr passen. Procol Harum haben auf „Novum“ ihre Musik an die heutige Zeit angepasst. An die ersten Alben der Band erinnert lediglich noch der Gesang des Gary Brooker, der beim Erscheinen der Scheibe immerhin bereits 72 Jahre alt war und seine Sache bezüglich des Gesangs wirklich überzeugend macht. Das ist es allerdings schon, was an Sentimentalität aufploppt, wenn man „Novum“ hört. Die Musik von Procol Harum wurde in die heutige Zeit transferiert und somit hört man auf dem Album eine Mischung aus Rock, Pop und Blues, die ohne die Überschrift „Procol Harum“ und der doch vorhandenen Sentimentalität der alten Fans wohl kaum mehr Konsumenten gefunden hätte. Das klingt alles ganz nett auf „Novum“, aber im Grunde genommen auch langweilig und zudem leider häufig belanglos.

Die einmal eingeschlagene Richtung der musikalischen Ausrichtung wird auf „Novum“ vom ersten bis zum letzten Takt konsequent durchgezogen. Unaufgeregter Rock, der dafür allerdings in allen elf Titeln wirkt. Schlecht klingt das nie, nur unglücklicherweise auch nicht mehr spannend. Mein Höhepunkt auf „Novum“ ist das Lied „Businessman“. Zwar ragt diese Nummer musikalisch auch nicht sehr weit aus den übrigen Titeln heraus, klingt durch seine unterschiedlichen Passagen allerdings zumindest abwechslungsreicher, spannender und geht mir auch besser ins Ohr. Großartige Unterschied zu den anderen Liedern des Albums gibt es allerdings trotzdem nicht.

Fazit: Gary Brooker wollte es nochmal mit seiner Band Procol Harum wissen. Vierzehn Jahre nach dem elften Studioalbum erschien schließlich „Novum“, die zwölfte Studio-Platte. Man hört darauf bluesig angehauchten Rock, der zumeist an einem vorbeiläuft, ohne großartige Spuren zu hinterlassen. Nicht schlecht, irgendwie „ganz nett“ aber mehr ist auf „Novum“ leider nicht zu hören. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Businessman



Dienstag, 6. August 2019

Novalis – Brandung




Novalis – Brandung


Besetzung:

Detlef Job – Gitarren, Gesang
Heino Schünzel – Bass, Gesang
Lutz Rahn – Hammond Orgel, PPG Synthesizer, Clavinet, Mellotron, Flügel, Fender Piano, Stringensemble
Fred Mühlböck – Gesang, akustische Gitarren, Querflöte
Hartwig Biereichel – Schlagzeug, Perkussion


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Irgendwo, Irgendwann (4:42)
2. Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren (3:09)
3. Astralis (8:57)
4. Sonnenwende
a. Brandung (3:43)
b. Feuer bricht in die Zeit (3:46)
c. Sonnenfinsternis (3:01)
d. Dämmerung (5:41)

Gesamtspieldauer: 33:02



„Brandung“ heißt das insgesamt fünfte Album der Hamburger Band Novalis. Zählt man nur die Studioalben, dann steht Brandung an vierter Stelle in der Band-Diskographie. Nachdem der Österreicher Fred Mühlböck den Gesangspart übernommen hatte, war er bereits auf dem im selben Jahr erschienenen Live-Album „Konzerte“ zu hören. „Brandung“ stellt damit also sein Studioalbum Debut dar. Dieses erschien Ende 1977 zunächst auf dem Plattenlabel Brain und wurde inzwischen mehrmals bei weiteren Plattenfirmen wiederveröffentlicht.

Die Musik auf „Brandung“ ist noch ganz im Progressive Rock verwurzelt, wenn auch das erste Lied der Scheibe, die Nummer „Irgendwo, Irgendwann“ irgendwie unspektakulär rockig klingt und gleichzeitig den schlechtesten Eindruck aller Titel des Albums hinterlässt. Das Lied ist auf seine Weise einfach belanglos. Musikalisch gesehen sind die folgenden Nummern deutlich interessanter, klingen abwechslungsreicher und sind dabei auch eingängiger. Deutlich schwieriger stellt sich auch bei diesen Titeln allerdings der Gesang dar, der an vielen Stellen zu gekünstelt wirkt. In manchen Passagen klingt das heutzutage, also über vierzig Jahre nach dem Entstehen, einfach seltsam, zum Teil auch überholt. Dies gilt ausdrücklich nicht für die Musik ab dem zweiten Titel auf „Brandung“. Wenn man auf Progressive Rock steht und auch der deutschen Variante dieses musikalischen Genres etwas abzugewinnen weiß, kann man perfekt in diese Musik eintauchen und diese genießen.

Die drei letzten Nummern überzeugen allesamt – musikalisch. Vor allen Dingen das Lied „Sonnenwende“ in den Teilen „Brandung“, „Sonnenfinsternis“ und „Dämmerung“ ist hier besonders hervorzuheben. Abwechslungsreichen und melodiösen Progressive Rock kann man hier hören. Der erste Teil des Liedes ist rein instrumental gehalten, die Abschnitte zwei bis vier wurden dann mit Text versehen, der ein Weltuntergangsszenario mit anschließender Rettung einiger weniger Menschen beschreibt. Dramatisch ganz sicher, die Musik setzt auch die Worte gekonnt musikalisch um, nur hätte man sich diese Worte selbst besser nicht gesungen, sondern im Cover erzählt gewünscht.

Fazit: „Brandung“ ist ein schönes Progressive Rock Album aus Deutschland geworden. Novalis sind hier auf der Höhe ihrer Schaffensperiode und somit stellt dieses Album eine sehr hörenswerte Platte dar, die auch heute noch wirkt. Dies gilt weniger für den Text, der mitunter antiquiert klingt. Doch sei es drum, „Brandung“ lohnt musikalisch und stellt einen weiteren Höhepunkt im Schaffen von Novalis dar. Elf Punkte.

Anspieltipps: Astralis, Sonnenwende



Sonntag, 4. August 2019

Danielle De Picciotto – Deliverance




Danielle De Picciotto – Deliverance




„Deliverance” heißt die neue Platte von Danielle de Picciotto, veröffentlicht wurde sie schon vor einigen Wochen. Immer mal wieder hörte ich rein, wollte dazu was schreiben, fing mehrmals an, doch immer wieder schmiss ich das, was ich da hintippte, in die virtuelle Tonne. „Deliverance” ist kein einfaches Album. Und doch, es wächst jedesmal weiter beim Zuhören. Hier liegt die LP, ein wahres Kunstwerk in Buchform, angereichert mit etlichen Drucken. Danielle de Picciotto ist nicht nur Musikerin, sie ist Malerin, Filmemacherin, Autorin. Und all das kommt hier auf diesem Album und in der Präsentation dieser Platte zusammen.

Ihre Texte, ihre Bilder, ihre musikalischen Ideen lassen eine unglaubliche Weite entstehen, der man sich öffnen muss. „Deliverance” ist kein Album für zwischendurch, für nebenbei. Genau das fehlte mir in den vergangenen Wochen. Die Ruhe zum Verweilen, zum Hören, zum Verstehen dieses Klangschatzes. Diese Platte beschreibt Danielle de Picciotto bestens. Eine Künstlerin, die hinschaut, das verarbeitet, was sie erlebt, was sie sieht, was sie hört und liest. Und das nicht auf eine radikale, „in your face” Weise. Ganz im Gegenteil, Danielle liebt die zarten Töne, ja, auch die Zwischentöne, die behutsamen Blicke, das Andeuten ihrer eigenen Emotionen.

Es scheint, Danielle de Picciotto befreit sich mit diesem Album von einer schweren Last, sie lässt das raus, was um sie herum passiert, was sie in der jüngsten Zeit getroffen hat. Auf „Deliverance” präsentiert die in Berlin lebende Amerikanerin elektronische Klanglandschaften, in denen immer wieder ihre Geige aus dieser Tiefe auftaucht. Und dazu „Field Recordings”, Rhythmen, Soundideen. Nichts ist vorhersehbar auf diesem außergewöhnlichen Album, das zu einer inneren Expedition wird, wenn man sich darauf einlassen kann und will. Danielle de Picciottos „Deliverance” ist ein wunderbares Hörerlebnis mit Tiefgang.



Samstag, 3. August 2019

Heather Nova – Oyster




Heather Nova – Oyster


Besetzung:

Heather Nova – acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

David Ayers – bass, electric guitar, 12 string guitar
Nadia Lanman – cello
Dean McCormick – percussion, drums
Hossam Ramzy – percussion
Bob Thompson – drums
Youth – bass


Label: V2 Music


Erscheinungsjahr: 1994


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Walk This World (3:49)
2. Heal (3:56)
3. Island (6:21)
4. Throwing Fire At The Sun (5:54)
5. Maybe An Angel (5:09)
6. Sugar (5:34)
7. Truth And Bone (4:54)
8. Blue Black (4:36)
9. Walking Higher (4:11)
10. Light Years(4:49)
11. Verona (4:05)
12. Doubled Up (3:41)

Gesamtspieldauer: 57:02




Nachdem Heather Nova mit ihrem ersten Studioalbum „Glow Stars“, welches 19933 erschienen war, bereits einen ersten Achtungserfolg landen konnte, bedeutete die Veröffentlichung von „Oyster“ im Jahr darauf ihren endgültigen Durchbruch. Die Platte kletterte immerhin bis auf Platz 72 der britischen Charts und konnte sich auch in den Billboard 200 auf Platz 179 platzieren. Nicht zuletzt liegt dies sicherlich an der Singleauskopplung des ersten Titels auf dem Album, dem Lied „Walk This World“. Eine rockige Nummer, die einen gewissen Ohrwurmcharakter aufweist und bis heute zu den bekanntesten Stücken der Heather Nova gehört.

Auf „Oyster“ hört man Alternative Rock, der nicht immer rockig klingt, bei dem auch den sanfteren Liedern ein großer Spielraum eingeräumt wird. Im Zentrum der Musik steht dabei jederzeit die schöne und facettenreiche Stimme der Heather Nova, die in den eher tiefen wie auch in den sehr hohen Lagen wunderschön klingt und überzeugt. Dadurch wirkt die Musik der Heather Nova auch sehr weiblich und an manchen Stellen fast schon ein wenig zerbrechlich. Die Lieder gehen auf „Oyster“ allesamt ins Ohr, man hört von Titel ein bis zwölf melodiösen Rock, der eingängig klingt und bestens unterhält. Die neueren Ausgaben enthalten inzwischen auch das Lied „Sugar“, welches auf der ersten europäischen Veröffentlichung noch nicht mit enthalten war.

Viele der Höhepunkte des Albums befinden sich gleich zu Beginn der Platte. Das bereits erwähnte „Walk This World“ ist da zu nennen. Die beiden folgenden und sanfteren Titel „Heal” sowie „Island”, bei denen Heather Nova ihre ganze Stimmvielfalt ausspielt, können ebenso begeistern. Dazu die Nummer „Sugar“, die in der Live-Version immer einen Höhepunkt eines jeden Heather Nova Konzerts darstellt. Auch „Walking Higher” ist eine wunderschöne Nummer, die sofort ins Ohr geht. Auf „Oyster“ hat sich zudem kein „Füllmaterial“ eingeschlichen, sodass man die Scheibe vom ersten bis zum letzten, aushallenden Akkord genießen kann.

Fazit: Zumeist sanften und an jeder Stelle eingängigen und melodiösen Alternative Rock bekommt man mit dem zweiten Album der auf den Bermudas geborenen Musikerin Heather Nova geboten. Musik, die ins Ohr geht, an vielen Stellen auch sanft klingt und unterhält. Nichts Kompliziertes oder Vertracktes, einfach Musik, die wirkt und zu jeder Stimmung und in jeder Situation passt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Walk This World, Heal, Sugar



Freitag, 2. August 2019

Novalis – Konzerte




Novalis – Konzerte


Besetzung:

Heino Schünzel – Fender Bass, Gesang
Detlef Job – Bibson Les Paul, Gesang
Lutz Rahn – Hammond H100, Mellotron M 400, PPG Synthesizer, Fender Piano, Clavinet, Solina Strings
Fred Mühlböck – Gesang, elektrische und akustische Gitarren, Querflöte
Hartwig Biereichel – Ludwig Drums, Paiste Cymbals und Gongs


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Bolero (0:51)
2. Dronsz (1:52)
3. Es färbte sich die Wiese grün (8:51)
4. Impressionen (9:45)
5. Wer Schmetterlinge lachen hört (9:12)
6. Wunderschätze (11:24)
7. Sommerabend (18:57)
8. Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren (3:30)
9. Astralis (10:11)
10. Irgendwo, irgendwann (4:30)

Gesamtspieldauer: 1:19:08



„Konzerte“ nannte die Hamburger Band Novalis ihr viertes Album, welches, wie der Plattentitel bereits vorwegnimmt, ein Live-Album darstellt. Darauf zu hören sind Lieder des zweiten und dritten Albums. Mit der CD-Wiederveröffentlichung des Albums wurden am Ende noch drei Stücke („Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“, „Astralis“ und „Irgendwo, irgendwann“), des ebenfalls noch im Jahr 1977 veröffentlichten Studioalbums „Brandung“ hinzugefügt. „Konzerte“ war ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain veröffentlicht worden, erschien dann in diversen Neuauflagen. Die Aufnahmen zu „Konzerte“ entstanden zwischen Januar und April 1977 bei Konzerten in Göttingen, Oldenburg, Hamburg, Essen und Lüneburg. Mit von der Partie war nun ein neuer Sänger und Gitarrist, der Österreicher Fred Mühlböck. Angeblich bestanden seine ersten Übungen darin, nicht mehr österreichisch zu klingen, da man die Musik akzentfrei halten wollte. Zudem spielt Fred Mühlböck auch noch Querflöte, setzt das Instrument in der Musik von Novalis auf „Konzerte“ jedoch eher sehr dezent ein.

Auf „Konzerte“ hört man eine sehr gelungene Übersicht, über dass Schaffen der Band in ihren Anfangsjahren, auch wenn das englischsprachige Debut-Album dabei ausgelassen wurde. Sehr stimmungsvollen, melodischen und sich in langen Instrumentalpassagen verlierenden Progressive Rock „Made in Germany“ gibt es auf dem Album zu hören, welches an jeder Stelle eine unaufgeregte und sehr eingängige Stimmung verströmt. An manchen Stellen klingen die Lieder ein klein wenig rockiger als die Originale, was allerdings für ein Live-Album durchaus die Regel darstellt. Der Klang der Scheibe ist in Ordnung, kann allerdings mit den Originalen – verwundert ebenfalls nicht – nicht mithalten.

Die Platte lässt sich gut in einem Durchhören und man kann in die Musik von Novalis bestens eintauchen. Die Höhepunkte sind demnach auch alle Lieder, Ausfälle gibt es keine zu beklagen und diese „Novalis-Atmosphäre“ zieht sich über die gesamte Scheibe hinweg. Besonders lohnenswert sind aber sicherlich die langen Instrumentalpassagen, die dann gegenüber den Original-Versionen noch leicht variiert werden und durchaus etwas rockiger erklingen. Und genau diese Passagen gibt es in einigen Liedern auf „Konzerte“ zu hören.

Fazit: „Konzerte“ eignet sich bestens, um sich einen Überblick über die Musik von Novalis zu Beginn ihrer Karriere zu verschaffen. Der Neue Sänger Fred Mühlböck macht seine Sache sehr gut, die Lieder klingen dicht und atmosphärisch, melodiös und abwechslungsreich. Dass man klanglich ein paar Abstriche machen muss, erscheint selbstverständlich. Die Musik von Novalis ist nicht gerade prädestiniert für ein Live-Album, wenn auch das erlebte Live-Erlebnis sicherlich etwas Besonderes darstellt. Zum Reinhören und Kennenlernen der Musik von Novalis allerdings uneingeschränkt zu empfehlen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Wer Schmetterlinge lachen hört



Montag, 29. Juli 2019

Andy Grammer – Naive




Andy Grammer – Naive


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. My Own Hero (3:29)
2. I Found You (2:31)
3. Some Girl (2:55)
4. Wish You Pain (3:47)
5. Don’t Give Up On Me (3:16)
6. She’d Say (3:26)
7. I Am Yours (3:41)
8. Spotlight (3:04)
9. First Time (2:39)
10. Stay There (2:36)
11. Born For This (3:04)
12. Best Of You (3:06)
13. Naive (2:41)

Gesamtspieldauer: 40:21



„Naive“ heißt das bereits vierte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Andy Grammer aus Los Angeles. „Naive“ erschien am 26. Juli auf dem Plattenlabel BMG. Nach der ersten Singleauskopplung „Don’t Give Up On Me”, dem Titeltrack zum Erfolgsfilm „Drei Schritte zu dir“, erschien kürzlich auch die neue Lied-Auskopplung „My Own Hero” inklusive eines neuen Videos.

Auf „Naive“ hört man sehr eingängige Pop-Musik, die an manchen Stellen in das Genre des Rocks hineinreicht. Einige afrikanische Klänge bekommt man beim Lied „She‘d Say“ mitgeliefert, bei welchem der US-Amerikaner Unterstützung durch die südafrikanische A-Cappella-Gruppe Ladysmith Black Mambazo aus Südafrika erhält. Ganz anders klingt es schließlich noch beim Titel „Spotlight“, der zusammen mit dem New Yorker Hip-Hop-Musiker eingespielt wurde und dementsprechend in diesem musikalischen Genre angesiedelt ist. Ansonsten beinhaltet die Scheibe melodiöse und moderne Pop-Musik, die sich inhaltlich mit dem „Guten“ dieser Welt beschäftigt da, um Andy Grammer zu zitieren: „…, dass wir uns die ganze Zeit auf das Gift konzentrieren anstatt auf das Heilmittel.”

Gerade die zumeist sanften und eingängigen Pop-Songs überzeugen auf „Naive“. Musik, die unterhält und begleitet. Dabei klingen die Titel zu Beginn des Albums noch ein wenig gelungener als gegen Ende der Scheibe, was allerdings ein rein subjektiver Eindruck ist. Höhepunkt auf „Naive“ ist das Lied „Wish You Pain“, welches das Potential zum Ohrwurm besitzt und sich sofort festsetzt. Auch sehr hörenswert sind die Stücke „My Own Hero”, die zweite Single-Auskopplung sowie die Nummer „Don’t Give Up On Me”, die den Gesamteindruck des Albums nochmals erhöhen.

Fazit: Eingängige Pop-Musik, die sich im Hier und Jetzt bewegt, modern und abwechslungsreich klingt, das bekommt man auf dem vierten Album des US-Amerikaners Andy Grammer zu hören. Die Lieder auf „Naive“ sind weder kompliziert noch vertrackt. Melodien gibt es hier zu hören, die schnell ins Ohr gehen, versehen mit Texten, die weder anklagen noch den berühmten Zeigefinger erheben. Musik, die unterhalten möchte und genau dies auch macht. Acht Punkte.

Anspieltipps: My Own Hero, Wish You Pain, Don’t Give Up On Me



Sonntag, 28. Juli 2019

Novalis – Novalis




Novalis – Novalis


Besetzung:

Lutz Rahn – Tasteninstrumente
Detlef Job – Gitarre
Hartwig Biereichel – Schlagzeug
Heino Schünzel – Bass, Gesang
Carlo Karges – Gitarre, Tasteninstrumente


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Sonnengeflecht (4:08)
2. Wer Schmetterlinge lachen hört (9:16)
3. Dronsz (4:57)
4. Impressionen (9:00)
5. Es färbte sich die Wiese grün (8:20)

Bonus Track:

6. Impressionen (live) (10:35)

Gesamtspieldauer: 46:18



Schlicht mit „Novalis“ betitelte die Hamburger Progressive- oder auch Krautrock Band Novalis ihr zweites Studioalbum, welches im Jahr 1975, zwei Jahre nach dem Debut, ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain erschien. Die Besetzung der Band hatte sich verändert. Jürgen Wenzel, auf „Banished Bridge“ noch Sänger und Gitarrist von Novalis, hatte Novalis kurz vor Beginn der Arbeiten zur neuen Platte verlassen. Dafür waren nun Detlef Job und Carlo Karges an der Gitarre zu hören, wobei letztgenannter auch noch am Einspielen der Tasteninstrumente mitwirkte. Seinen größten Erfolg sollte Carlo Karges jedoch einige Jahre später mit Nena und ihren „99 Luftballons“ feiern, ein Lied, welches er mitkomponierte. Den Gesang auf „Novalis“ übernahm nun hauptsächlich Heino Schünzel. Doch dies war nicht die einzige Änderung, die die Band zum vorherigen Album vollzog. Die Texte waren ursprünglich erneut in englischer Sprache gehalten, aufgrund einer Anregung von Achim Reichel entschlossen sich die Bandmitglieder nun zu ihrer Muttersprache zu wechseln. Kurzerhand wurden die englischen Lyrics in deutsche Sprache übersetzt und eingesungen.

„Novalis“ von Novalis ist ein absolut tolles Album geworden, was den musikalischen Geist der damaligen Zeit wunderbar einfängt und konserviert. Progressive Rock aus Deutschland, das waren im Falle von Novalis langanhaltende Instrumentalpassagen, sehr rhythmische Abschnitte, Melodien, die sich festsetzen und Texte, die einem heute ein Fragezeichen bis hin zu einem Lächeln in das Gesicht zaubern. Im Falle des Textes von „Wer Schmetterlinge Lachen hört“, der von Carlo Karges stammt, klingt das durchaus irgendwie besonders und noch von den End-60ern beeinflusst. „Es färbte sich die Wiese grün“ ist dagegen die Vertonung eines Gedichts von Friedrich Freiherr von Hardenberg aus dem Jahr 1798. Die restlichen drei Stücke sind Instrumentalnummern.

Letztgenanntes Lied, „Es färbte sich die Wiese grün“, ist gleichzeitig auch der Höhepunkt des Albums. Ein elegisches Stück Musik, angefüllt mit musikalischen Redundanzen sowie ausgedehnten Gitarrensoli und einem Keyboardsolo, welche in ihrer Gesamtheit einen etwas hypnotisierenden Effekt erzeugen, wenn man sich dieser Musik völlig hingibt. Das Lied groovt dabei, wird durch einen Keyboardlauf zusammengehalten und durch den Gedichttext perfekt ergänzt. Auch sonst gibt es auf „Novalis“ einiges zu entdecken. Die restlichen Nummern der Platte enthalten ebenfalls stimmungsvollen und eingängigen Progressive Rock, der durchgehend überzeugt. Die Wiederveröffentlichung des Albums wurde noch um eine Live-Version des Stückes „Impressionen“ ergänzt, welches laut den Angaben der Band im Jahr 1975 in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Hagen heimlich von Eroc mitgeschnitten wurde. Diese Version steht der Studioaufnahme in nichts nach und man kann Eroc danken, dass er diese Version des Liedes für die Nachwelt erhalten hat.

Fazit: Progressive Rock aus Deutschland zu Beginn bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat einfach etwas und ist sehr oft sehr hörenswert. Im Falle von „Novalis“ von Novalis stimmt dies definitiv. Tolle Musik, besondere Texte und eine musikalische Atmosphäre, die hier transportiert wird, welche es einem sehr leicht macht, in diese Musik einzutauchen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Es färbte sich die Wiese grün



Samstag, 27. Juli 2019

Hugo Race Fatalists – Taken By The Dream




Hugo Race Fatalists – Taken By The Dream


Besetzung:

Hugo Race – voice, steelstring, electric & 12-string guitars, upright & grand pianos, Hammond organ, mellotron, moog, solina strings, pumpharmonium


Gastmusiker:

Francesco Giampaoli – upright & electronic bass
Diego Sapignoli – drums, maraca, bordo, vibraphone, congas, marimba, timpano, naccere, campana
Lisa Crawley – vocals
Vicki Brown – violin
Michelangelo Russo – soprano, harmonica
Julitha Ryan – clavinet
Chris Brokaw – electric guitar
Caterina Arniani – vocal
Bryan Colechin – vocal


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Independent Rock, Post Rock


Trackliste: 

1. Phenomenon (3:29)
2. This Is Desire (4:57)
3. Bow & Arrow (4:32)
4. Heaven & Hell (4:11)
5. Fools Gold (5:21)
6. Gonna Get High (4:14)
7. Symphony (3:28)
8. Altered States 4:31)
9. Smoking Gun (5:20)
10. Taken By The Dream (5:50)

Gesamtspieldauer: 45:58



Der australische Musiker Hugo Justin Race veröffentlichte vier Platten mit der Band The Wreckery, war an sechs Alben von Nick Cave & The Bad Seeds beteiligt, an achtzehn Scheiben unter der Überschrift Hugo Race & The True Spirit. Fünf seiner Alben erschienen lediglich unter seinem Namen, sechs mit DirtMusic, drei mit Sepiatone, eine mit Transfargo, ebenfalls je eine mit Hugo Race & Michelangelo Russo sowie Catherine Graindorge & Hugo Race und schließlich zwei Alben mit Hugo Race & Fatalists. Halt, daraus wurden inzwischen drei Alben, denn „Taken By The Dream“ von Hugo Race & Fatalists erschien am 26. April 2019 auf dem Plattenlabel Glitterhouse Records.

Ganz schön umtriebig ist Hugo Race also, umso mehr überrascht es immer wieder, dass all diese Veröffentlichungen des Australiers durchaus Qualität aufweisen und nichts – zumindest soweit ich die Musik kenne – „schnell mal“ veröffentlicht wurde. Nicht anders ist es mit seinem neuesten Werk „Taken By The Dream“ von Hugo Race & Fatalists. Auf der Scheibe hört man intensiven und dunkel klingenden Independent Rock, der bis in das Genre des Post Rocks hineinreicht, stark im ruhigeren Bereich angesiedelt und lediglich an wenigen Stellen im Mid-Tempo beheimatet. Die Platte geht dabei durchweg ins Ohr und bedarf hier auch keiner langen Anlaufzeit. Man muss sich allerdings auf die Musik einlassen, die die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörerin beziehungsweise des Zuhörers erfordert. Keine Musik zum „Nebenbeihören“, damit wäre diese Scheibe definitiv verschenkt. Und man muss sich ebenso auf die dunkle bis melancholische Stimmung der Scheibe einlassen können. Definitiv keine Musik für Clowns oder Abtänzer, aber ich habe gehört, dass auch Clowns ab und an weinen müssen. Mit „Taken By The Dream“ haben sie die Untermalung ihrer traurigen Stimmung gefunden.

Die Höhepunkte auf „Taken By The Dream“ heißen für meine Ohren „This Is Desire”, „Heaven & Hell” sowie „Smoking Gun“. Alles drei sehr intensive Nummern, die sich lohnen gehört zu werden. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle allerdings auch erwähnt, dass hier wohl auch drei andere Titelnamen hätten stehen können, denn bis auf die Nummer „Symphony“, die mich einfach nicht packt, sind die Unterschiede zwischen den restlichen Titel nur marginal, was das Gefühl angeht, welches sie verbreiten.

Fazit: Eine schöne Platte voller ruhiger und eingängiger Lieder ist Hugo Race und seinen Fatalists mit dem Album „Taken By The Dream“ gelungen. Dichte und tiefergehende Musik, die einen packt und eine intensive, eher dunkle Atmosphäre verströmt. Nichts für die Partygänger-Stimmung, sehr viel eher für die besinnlichen Stunden des Tages beziehungsweise noch besser der Nacht geeignet. Zehn Punkte.

Anspieltipps: This Is Desire, Heaven & Hell, Smoking Gun



Sonntag, 14. Juli 2019

Novalis – Banished Bridge




Novalis – Banished Bridge


Besetzung:

Heino Schünzel – Bass
Jürgen Wenzel – Gesang und Akustik-Gitarre
Lutz Rahn – Orgel, Klavier, Mellotron, Synthesizer
Hartwig Biereichel – Schlagzeug und Percussion


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Banished Bridge (17:12)
2. High Evolution (4:31)
3. Laughing (9:13)
4. Inside Of Me (Inside Of You) (6:38)

Gesamtspieldauer: 37:36




„Banished Bridge“ heißt das erste Studioalbum der Hamburger Band Novalis, welches im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain erschien. Das Album wurde komplett ohne E-Gitarren eingespielt und darauf zu hören sind neben den vier Bandmitgliedern auch noch drei nicht namentlich aufgeführte Bläser. Die Zahl der Musiker wurde noch durch ebenso anonym gebliebene sechs Background-Sängerinnen ergänzt, die eigentlich im Hamburger Studio für eine Single-Aufnahme von Roberto Blanco engagiert worden waren, jedoch von Produzent Jochen Petersen zur Teilnahme an den Aufnahmen zu „Banished Bridge“ überzeugt werden konnten.

Auf dem Album hört man vier Stücke, die allesamt in englischer Sprache eingesungen wurden. Auf den folgenden Alben wechselte die Band zu deutschen Texten, wobei diese oft vom Namensgeber der Band, dem frühromantischen Dichter Friedrich Freiherr von Hardenberg stammen, der sich das Pseudonym „Novalis“ verlieh. Die vier Titel auf „Banished Bridge“ sind ein schönes Beispiel für gelungenen Progressive Rock „Made in Germany“ in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Eingängig, abwechslungsreich und zum Teil auch experimentell verspielt. Sanfte Passagen wechseln sich mit rockigeren Abschnitten ab, immer legt die Band dabei Wert auf Melodiösität. Die Harmonien treffen und verfangen sich. Der Sound der Band ist dabei stark Orgel- und Synthesizer-lastig. Die Musik auf „Banished Bridge“ klingt voll und dicht, durchdacht, spannend und niemals langweilig. Das Fehlen einer E-Gitarre hinterlässt in diesem Falle keinen negativen Eindruck.

Alle vier Titel auf „Banished Bridge“ sind gelungen und überzeugen. Wunderschön kann man in die Lieder eintauchen und sich der Musik hingeben. Bei der Nummer „High Evolution“ klingt der Keyboardlauf im Hintergrund zu Beginn zwar etwas hektisch, doch ist dies wahrlich der einzige kleine musikalische Kritikpunkt, den man an dieser Stelle anführen kann. Allerdings gibt es in der Geschichte der Pop- und Rock-Musik ganz sicher kreativer gestaltete Platten-Cover. Die Musik wirkt dafür deutlich mehr nach. Das Titellied „Banished Bridge“ bietet bei seiner Länge von über siebzehn Minuten selbstverständlich die größte Abwechslung in der Musik, doch auch „Laughing“ sowie „Inside Of Me (Inside Of You)“ lohnen gehört zu werden und tragen mit zu dem sehr gelungenen Gesamteindruck der Platte bei.

Fazit: Progressive Rock aus Deutschland, der im Ausland auch unter der Überschrift „Krautrock“ eingruppiert wird, gibt es auf „Banished Bridge“ zu hören. Es ist die einzige Platte der Band, auf der sie nur englischsprachige Lieder einsingt. In Verbindung mit der Musik klingt das alles sehr überzeugend und lohnt für alle Freunde des melodischen Progressive Rock der 70er Jahre – egal, ob dieser aus England, Italien oder Deutschland stammt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Banished Bridge, Laughing



Montag, 8. Juli 2019

Django 3000 – Django 4000




Django 3000 – Django 4000



Besetzung:

Kamil Müller – Gesang, Gitarre
Florian Rupert Starflinger – Violine, Gitarre, Gesang
Jan-Philipp Wiesmann – Schlagzeug, Perkussion, Gesang
Max Schuller – Keyboards
Korbinian Kugler – Bass


Gastmusiker:

JB Meijers – Gitarre, Dobro, Gesang
DisM (Tobi & Eli) – Gesang („Wo bist du“)
Benni Jud – Bass („Gypsy Queen”)
Christian Loferer – Horn („Heimat Cinematic”)
Vlasislav Cojocaru – Akkordeon („Heimat Cinematic”)
Keller Steff Big Band (“Häd ois do”)
   Steff Keller – Gesang
   Franz Gries – Gitarre
   Philipp Treichl – Trompete
   Peter Lechner – Tenorsaxofon
   Roman Fritsch – Baritonsaxofon
   Max Seelos – Schlagzeug


Label: Crow Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop, Rock, Folk


Trackliste: 

1. Menschen von morgen (3:29)
2. Magnet (3:17)
3. Heimat (5:20)
4. Dirty Scum (4:28)
5. Gypsy Queen (3:04)
6. Vodoo (3:17)
7. Häd ois do (feat. Keller Steff Big Band) (3:11)
8. Gold Digger (3:27)
9. Wo bist du (feat. DisM) (2:57)
10. Meine Asche (3:24)
11. Heimat (Cinematic) (4:18)

Gesamtspieldauer: 40:12




Django 3000 ist eine oberbayerische Band aus dem Chiemgau, die sich nach dem Jazz-Gitarristen Django Reinhardt benannt hat. Am 5. Juli 2019 erschien nun ihr bereits fünftes Studioalbum mit dem Titel „Django 4000“ auf dem Plattenlabel Crow Records. Darauf hört man eine Mischung aus Pop, Rock und Folk, angereichert mit Tönen, die man geographisch eher in den Balkan verorten würde.

Die musikalische Mischung auf „Django 4000“ stimmt. All die unterschiedlichen Genres generieren sich zu einem ganz besonderen Klang. Mitreißende Musik, mal ruhiger und nachdenklicher, öfters jedoch rockig und nach vorne preschend und zu jeder Zeit begeisternd. Die elf Nummern gehen ohne Ausnahme schnell ins Ohr und einige der Lieder entwickeln sich dabei zu Ohrwürmern, die man nicht mehr missen möchte. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle die Instrumentierung bleiben, die Florian Starflinger mit seiner Violine und weitere Streicher aus dem Pop-Allerlei herausheben. Zu der überzeugenden und eingängigen Harmonien gesellen sich interessante und intelligente Texte, die ebenfalls zum gelungenen Gesamteindruck des Albums beitragen.

Wie bereits erwähnt können sämtliche Lieder auf „Django 4000“ überzeugen. Um an dieser Stelle allerdings trotzdem drei Nummern als Anspieltipps zu erwähnen, seien die Lieder „Heimat“, „Dirty Scum“ sowie „Meine Asche“ genannt. Das Stück „Heimat“ wurde auch als Single ausgekoppelt und ist musikalisch im Bereich des Folk angesiedelt. Der Titel besitzt eine wunderschöne Melodie, die textlich durch die Definition des Begriffs „Heimat“ aus Sicht der Band sehr überzeugend untermalt wird. „Dirty Scum“ startet mit eher fernöstlichen Sitar-Klängen und gewinnt schnell an Tempo, welches von der Violine vorgegeben wird. Die Texte werden dabei auf Bayerisch und Englisch eingesungen. „Meine Asche“ startet fast schon hymnisch, um bereits nach wenigen Takten in einen rhythmischen Sprechgesang zu münden, der ebenfalls wieder im Refrain auf sehr melodiöse Harmonien trifft.

Fazit: Django 3000 klingen anders als der gängige, glattgebügelte 08/15-Pop und Rock, den man inzwischen so häufig in den Dauerschleifen vieler Radiosender hört. Django 3000 klingen auf „Django 4000“ abwechslungsreich, melodiös und jederzeit spannend. Die Band schafft es dabei unterschiedliche musikalische Genres in einer Art und Weise zu kombinieren, dass man dieses Zusammenspiel für längst überfällig und als zwingend notwendig betrachtet. Für alle, die auf das Besondere in der Musik und eingängige Melodien stehen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Magnet, Heimat, Dirty Scum, Meine Asche



Django 3000 kommen im Sommer und im Herbst auf Tour in Deutschland und Österreich. Ein Konzertbesuch, der sich lohnt.

16. Juli - Deggendorf
18. Juli - Würzburg
25. Juli - Freiburg im Breisgau
26. Juli - Oberammergau
10. August - Nassenfels
14. August - Neufahrn bei Freising
17. August - Herbstein
21. September - Schönthal
02. Oktober - Stuttgart
03. Oktober - Mannheim
04. Oktober - Karrlsruhe
09. Oktober - Würzburg
10. Oktober - Berlin
11. Oktober - Bremen
18. Oktober - Rosenheim
19. Oktober - Weiden
20. Oktober - Hannover
24. Oktober - Frankfurt/Main
25. Oktober - Köln
26. Oktober - Düsseldorf
08. November - A-Graz
09. November - A-Linz
15. November - A-Wien
16. November - A-Salzburg
21. November - Mainz
22. November - Jena
23. November - Leipzig
05. Dezember - Kempten
06. Dezember - Amberg
12. Dezember - Augsburg
14. Dezember - Bad Tölz
15. Dezember - Nürnberg



Dienstag, 2. Juli 2019

Kitaro – Silk Road II




Kitaro – Silk Road II


Besetzung:

Kitaro – korg, roland, yamaha, moog and prophet synthesizers, acoustic guitar, drums and percussion


Label: Gaia Records


Erscheinungsjahr: 1981


Stil: New Age, Ambient, Elektronische Musik


Trackliste: 

1. Peace (3:41)
2. Takla Makan Desert (3:17)
3. Eternal Spring (5:26)
4. Silver Moon (5:03)
5. Magical Sand Dance (6:06)
6. Year 40080 (4:39)
7. Time Travel (2:39)
8. Reincarnation (4:17)
9. Dawning (3:12)
10. Tienshan (4:43)

Gesamtspieldauer: 43:03




Der zweite Teil des Silk Road Soundtracks erschein ein Jahr nach dem ersten Teil im Jahr 1981 und es handelte sich dementsprechend auch wieder um die Begleitmusik zur gleichnamigen japanischen Fernsehserie. Dieses Mal allerdings logischerweise unter der Überschrift „Silk Road II“.

Die Atmosphäre, die der Musik auch dieses Mal zugrunde liegt, hat sich dabei wenig verändert. Man hört erneut elektronische Klänge, Synthesizer Teppiche, mal luftiger, mal dichter, die um den ein oder anderen fernostasiatisch klingenden Akkord erweitert wurden. Alles klingt und wirkt harmonisch, meist zudem erneut sehr melodiös und eingängig. Gegen Mitte bis Ende der Platte gestalten sich allerdings einige wenige Titel etwas sphärischer, die Melodien stehen nicht mehr immer ganz so sehr im Vordergrund, die Stimmung wird zum Teil einfacher, monotonaler. Alle zehn Titel gehen erneut ineinander über und bilden insgesamt ein großes Ganzes an Wohlfühl-Atmosphäre.

So passen sich die ersten Titel auf „Silk Road II“ sehr dem Vorgängeralbum an, die späteren Stücke der Platte klingen jetzt etwas mehr experimentierfreudig. Die eingängigen Höhepunkte der Scheibe befinden sich von daher mehr zu Beginn des Albums, als am Ende der Platte. Solche Titel wie „Takla Makan Desert“ oder „Eternal Spring“ bleiben dann doch besser und auch intensiver haften, als musikalische Sphäre.

Fazit: Eine schöne Erweiterung zu „Silk Road I“ stellt das Album „Silk Road II“ dar. Auch dieses Mal gilt: Augen schließen und die Traumreise beginnen. Gegen Ende der Platte weisen die Titel zwar nicht mehr durchgängig diese eingängigen Melodien auf, insgesamt klingt allerdings auch „Silk Road II“ sehr überzeugend, wenn man auf sanfte und melodische Synthesizer-Klänge steht, die auch dieses Mal etwas an Jean-Michel Jarre erinnern. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Takla Makan Desert, Eternal Spring