Montag, 25. Juni 2018

Erasure – I Say I Say I Say




Erasure – I Say I Say I Say


Besetzung:

Andy Bell – vocals
Vince Clarke – synthesizers, programming


Label: Mute Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Synthie Pop, Dance


Trackliste:

1. Take Me Back (4:55)
2. I Love Saturday (4:02)
3. Man In The Moon (4:06)
4. So The Story Goes (4:08)
5. Run To The Sun (4:25)
6. Always (3:57)
7. All Through The Years (4:59)
8. Blues Away (5:01)
9. Miracle (4:12)
10. Because You're So Sweet (4:17)

Gesamtspieldauer: 44:07




Erasure ist ein englisches Synthie Pop Duo, bestehend aus dem Sänger Andy Bell und Keyboard-Spieler Vince Clarke. Die Band gründete sich im Jahr 1985 in London und war vor allem Ende der 80er Jahre bis in die Mitte der 90er Jahre erfolgreich und regelmäßig in den britischen Charts vertreten. Bis heute ist Erasure aktiv und hat inzwischen siebzehn Studioalben veröffentlicht.

„I Say I Say I Say“ ist die sechste Platte von Erasure, erschien am 16. Mai 1994 und wurde von Martyn Ware produziert, der vorher bereits die Synthie Pop Bands The Human League und Heaven 17 gegründet hatte. Die Platte war das vierte Erasure-Album, welches bis auf Platz 1 der britischen Charts kletterte. Bis heute, Anfang 2018, kam auch nur noch eine Platte dazu. Auf „I Say I Say I Say“ hört man Synthie Pop mit klarem Dance Einschlag, komponiert für die Clubs und Diskotheken dieser Welt. Die Lieder klingen dabei zum Teil recht eingängig, beinhalten kleine Melodiebögen, die sehr schnell ins Ohr gehen. Das sind allerdings definitiv keine Titel für Freunde „handgemachter“ Musik, es soll synthetisch klingen und genau das macht es auch. Nicht mehr und nicht weniger.

Am Überzeugendsten klingen die drei Nummern „Man In The Moon“, „So The Story Goes“ und „Always“. Die Singleauskopplung „Always“ konnte sich sogar in den US Billboard Charts platzieren. Weitere Singles waren „Run To The Sun“ und „I Love Saturday“, die allerdings weniger überzeugend klingen, als die ersten drei genannten Lieder. Die drei Höhepunkte des Albums gehen dagegen bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr und haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. Textlich sind die Lieder dagegen alle sehr einseitig, das Thema „Liebe“ steht hier wieder mal im Vordergrund.

Fazit: Synthie Pop in Reinform gibt es auf „I Say I Say I Say“ von Erasure zu hören. Tanzbare Club- und Diskotheken-Musik. Komplex oder anspruchsvoll ist auf „I Say I Say I Say“ freilich nichts, weder die Musik noch die Texte, darum geht es bei dieser Platte auch nicht. Diese möchte unterhalten, in dem Moment, wenn man sich auf der Tanzfläche befindet. Stakkato-Rhythmen und simple Melodiebögen erfüllen diesen Anspruch durchaus. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Man In The Moon, So The Story Goes, Always



Sonntag, 24. Juni 2018

Gazpacho – Demon




Gazpacho – Demon


Besetzung:

Jan Henrik Ohme – vocals
Thomas Andersen – keyboards
Mikael Krømer – violin, mandolin
Kristian „Fido“ Torp – bass
Jon-Arne Vilbo – guitar
Lars Erik Asp – drums, percussion


Gastmusiker:

Stian Carstensen – accordion, banjo
Charlotte Bredesen – vocals (as part of choir) on „I've Been Walking (Part 2)“


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. I've Been Walking (9:47)
2. The Wizard Of Altai Mountains (4:52)
3. I've Been Walking (Part 2) (12:30)
4. Death Room (18:29)

Gesamtspieldauer: 45:40




„Demon“ heißt das achte Studio-Album der norwegischen Progressive Rock Band Gazpacho. Es erschien am 17. März 2014 auf dem Plattenlabel KScope. „Demon“ ist ein Konzept-Album, auf dem die Geschichte eines Dämons erzählt wird, der Präsenz des Bösen auf dieser Welt, welcher gerade in Prag beheimatet ist. Gleichzeitig ist es die Geschichte eines Mannes, der diesen Dämon durch die Jahrhunderte jagt. Neben der Musik ist es ebenfalls die Instrumentierung, die sehr abwechslungsreich auf „Demon“ gestaltet ist. Immer wieder mal haben Violine oder das Akkordeon einen kurzen Solo-Auftritt. Dann klingt es irgendwie nach Paris, obwohl das Ganze in Prag spielt. Man hört die Zwanziger Jahre und auch Vergleiche zur jiddischen Musik oder derer der Sinti und Roma können aufkommen. Dazu gesellt sich noch der eindringliche Gesang des Jan Henrik Ohme und fertig ist das wahrlich beeindruckende Album.

Unter diesen Vorgaben entwickelten und komponierten die sechs Norweger Musik, die fast stellvertretend und wegweisend für den Progressive Rock im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stehen könnte. Die vier Lieder klingen so dunkel, so spannend, so eingängig und melodiös. Einfach unfassbar mitreißend, ohne deswegen das Tempo selbst anziehen zu müssen. Es ist diese hier transportierte Atmosphäre, die einen einnimmt und packt. Dabei gehen die verschiedenen Teile der einzelnen Lieder ineinander über, wirken bedrohlich und gleichzeitig einnehmend. Absolut intensive und packende Musik. Die einzelnen Stücke sind dabei überaus abwechslungsreich und vielschichtig gehalten, gehen ziemlich schnell ins Ohr. Es gibt auf Demon auch keinen Hänger, keinen nicht passenden Akkord, alles klingt wie wunderbar füreinander bestimmt und dabei doch immer so wunderschön bedrohlich und melodiös.

Unter den vier Titeln wirkt jeder. Am Intensivsten klingt vielleicht das letzte und längste Stück der Platte, „Death Room“. Selbstverständlich nur Geschmackssache, doch ich kann mich nicht satthören an diesen wunderschönen Melodiebögen, die gleichzeitig auch geheimnisvoll und irgendwie dunkel und verstörend klingen. Als ich „Demon“ von Gazpacho das erste Mal auflegte, war ich beschäftigt und hörte nur die ersten beiden Stücke. Es klang zunächst „ganz nett“. Das zweite Mal hörte ich den letzten Titel nebenbei. Aber nur ganz kurz, schnell hatte die Musik meine Aufmerksamkeit auch sich gezogen. Sofort nahm ich mir die Zeit, mich auf die Musik des ganzen Albums zu konzentrieren und es eröffneten sich mir wunderschöne musikalische Welten, in die sich einzutauchen lohnte. Überaus vielschichtige und abwechslungsreiche Musik erklang da und es war um mich Geschehen. Diese Klänge auf „Demon“ ziehen einen in den Bann und verursachen ein ganz intensives Hörerlebnis.

Fazit: „Demon“ von Gazpacho ist ein unfassbar gutes Album geworden, wenn man denn auf Progressive Rock steht und dabei dieser musikalischen Stilrichtig auch eine Entwicklung weg von den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zugesteht. Denn so klingen Gazapacho nicht. Man hört hier kein Genesis und kein Yes, kein King Crimson und auch kein Van Der Graaf Generator. Man hört modernen Progressive Rock, der nun ebenfalls mitreißend und spannend klingen kann. Wenn ich mir mal etwas Gutes tun möchte, dann lege ich „Demon“ von Gazpacho auf. Wahrlich beeindruckend. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Death Room und die restlichen Titel



Samstag, 23. Juni 2018

Glass Hammer – Chronometree




Glass Hammer – Chronometree


Besetzung:

Walter Moore – electric and acoustic guitars, drums on “Chronos Deliverer”
Fred Schendel – hammond organ, mellotron, minimoog, synthesizers, acoustic and electric guitars, slide guitar, autoharp, recorders, drums, backing vocals
Steve Babb – bass, keyboards, mellotron, assorted analog synthesizers, backing vocals


Gastmusiker:

Brad Marler – lead and backing vocals, acoustic guitar
Arjen Lucassen – additional lead guitars
Susie Bogdanowicz – backing vocals
Jamie Watkins – backing vocals
Sarah Snyder – backing vocals


Label: Arion Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

All In Good Time - Part One

1. a)Empty Space (6:45)
    b) Revealer
2. c) An Eldritch Wind (3:26)
3. d) Revelation (8:07)
    e) Chronometry
4. f) Chronotheme (End Part One) (4:41)
5. A Perfect Carousel (5:17)
6. Chronos Deliverer (5:49)

All In Good Time - Part Two

7. g) Shapes Of The Morning (1:55)
8. h) Chronoverture (5:59)
9. i) The Waiting (5:43)
    j) Watching The Sky (0:59)

Gesamtspieldauer: 48:46



Glass Hammer ist eine US-amerikanische Progressive Rock Band aus Chattanooga, Tennessee, die von Steve Babb und Fred Schendel im Jahr 1992 gegründet wurde. Bis zum heutigen Tag haben Glass Hammer insgesamt sechzehn Studio-Alben veröffentlicht. „Chronometree“ heißt die vierte Scheibe dieser Reihe und erschien am 1. Mai im Jahr 2000 auf dem Plattenlabel Arion Records. Bei vielen Fans gilt „Chronometree“ bis heute als das beste Album der Band.

„Chronometree“ ist ein Konzeptalbum über einen jungen Mann namens Tom, der überzeugt ist, dass Aliens versuchen würden, mit ihm über seine Alben zu kommunizieren. Er ist Fan des Progressive Rock der 70er Jahre und somit hört man auf dieser Platte auch Musik, die sehr an jene der Bands des Progressive Rock der 70er Jahre erinnert. Gerade die Tasteninstrumente stehen dabei im Vordergrund und liefern zahlreiche Anspielungen, ohne einzelne Bands dabei jedoch zu imitieren oder gar abzukupfern. Die Musik von Glass Hammer ist durchaus eigenständig, doch die Reminiszenzen begegnen einem auf „Chronometree“ immer wieder.

An erster Stelle steht hierbei die Musik von Emerson, Lake & Palmer, die man häufiger herauszuhören glaubt. Nicht ganz die frickeligen Passagen von ELP, doch gerade Piano, Hammond Orgel oder Keyboards erinnern schon sehr an Keith Emerson. Ab und an noch ein wenig Sphäre und fertig ist das zumeist dann doch sehr eingängige und melodiöse Album, bei dem sich alle Freundinnen und Freunde des Progressive Rock der 70er Jahre freuen werden. Höhepunkt ist die Instrumentalnummer „Chronometry“, da diese die Keyboardläufe so wunderschön zusammenfasst, sehr schön rockt und gleichzeitig auch noch wunderbar ins Ohr geht. Ebenso lohnenswert klingt das sanfte und sehr melodische „A Perfect Carousel“. Dieses Lied ist mit Gesang ausgestattet und stellt gleichzeitig sogar einen kleinen Ohrwurm dar.

Fazit: Ein Progressive Rock Album, wie es bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hätte geschrieben werden können, stellt „Chronometree“ von Glass Hammer dar. Mit dieser Scheibe lässt sich perfekt in Nostalgie schwelgen, die Musik ist nicht zu harmonisch, jedoch immer noch so gehalten, dass sie schnell ins Ohr geht ohne dabei plump oder gar anbiedernd zu klingen. Dazu wächst das Ganze mit den Durchläufen. Macht schon Spaß, da auch alle Lieder lohnenswert sind. Was allerdings wohl für immer das Geheimnis von Glas Hammer bleiben wird, das sind deren Gedanken bei der Nummerierung der Lieder mit Zahlen und Buchstaben. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Chronotheme, A Perfect Carousel



Freitag, 22. Juni 2018

Smalltape – The Ocean




Smalltape – The Ocean


Besetzung:

Philipp Nespital – vocals, piano, keyboards, guitars, bass guitars, drums


Gastmusiker:

Alexandra Praet – bass guitar, additional vocals
Valgeir Daði Einarsson – bass guitar
Christopher Zitterbart – additional guitar, guitar solo
Stephan Pankow – accordion,  guitar
Otis Sandsjö – tenor saxophone
Martin Funda – violin
Annette Köhler – violin
Dorian Wetzel – viola
Leonard Petersen – violoncello


Label: Eigenverlag (Record Jet)


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Progressive Rock, Art Pop


Trackliste:

1. When The Waves Divide (3:44)
2. The Ocean Pt. 1 (6:36)
3. The Shore (4:31)
4. Mirror (8:44)
5. The Sailor’s Tale (7:00)
6. The Diver (6:22)
7. Kaventsmann (15:04)
8. Concrete Silence (8:59)
9. The Ocean Pt. 2 (6:25)
10. Picture Of A Dawn (5:26)

Gesamtspieldauer: 1:12:56



„The Ocean“ heißt das zweite Album des Philipp Nespital alias Smalltape. Die Platte erschien am 5. Mai im Jahr 2017 in Eigenproduktion und wird über Record Jet vertrieben. Auf „The Ocean“ hört man eine Mischung aus Art Pop und Art Rock sowie Progressive Rock, der überwiegend sehr harmonisch das Ohr umschwirrt und sich schnell darin festsetzt.

Was zunächst bei Smalltape und dem Album „The Ocean“ auffällt ist die Instrumentierung der Musik. Klassische Instrumente treffen hier auf solche, die typisch für den Rock stehen. Dabei werden diese allerdings nicht unbedingt miteinander vermischt, soll heißen, ein akustische Gitarren-Solo wird aus Harmoniegründen nicht zwangsläufig noch mal mit diversen Streichern unterlegt. Oftmals treten diese Instrumente abschnittsweise in Erscheinung, um dann sicherlich auch mal zu klangtechnisch zu fusionieren, jedoch ist dies nicht die universelle Herangehensweise auf „The Ocean“. Wunderschöne und dabei auch abwechslungsreiche Melodien werden auf diese Weise kreiert, die sich schnell festzusetzen verstehen.

Die Stimmung auf „The Ocean“ ist dabei häufig eher eine melancholisch ruhige, wenn auch ab und an das Tempo mal angezogen wird. Richtiggehend gerockt wird allerdings nur am Rande. Jedoch können die einzelnen Lieder durchaus auch mal kurz jazzige Abschnitte beinhalten und auch dadurch fordernder klingen. Die Musik wechselt von sanften Klängen hin zu symphonischen Harmonien weiter zu kleineren, etwas schräger klingenden Passagen, sodass niemals Langeweile aufkommt. Die einzelnen Stücke würden auch ohne Gesang gut funktionieren, einige der Lieder kommen auch ohne gesungenen Text aus. Der Titel „Kaventsmann“ enthält dabei auf über fünfzehn Minuten alle Facetten der Musik von Smalltape und steht irgendwie stellvertretend für diese. Besonders gelungen auf „The Ocean“ klingen das Lied „Mirror“ sowie alle Stücke gegen Ende des Albums. Gerade bei diesen Liedern fällt es sehr leicht, vollständig in die Musik einzutauchen.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches und an keiner Stelle langweiliges Album präsentiert Philipp Nespital alias Smalltape seinen Hörerinnen und Hörern mit „The Ocean“. Die Musik und damit die transportierten Atmosphären schwanken von sanft bis jazzig fordernd. Vieles auf diesem Album geht schnell ins Ohr und weckt das Interesse auch durch eine nicht ganz alltägliche Instrumentierung. Kurzweiliger und abwechslungsreicher Progressive Rock neueren Datums. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mirror, The Ocean Pt. 2, Picture Of A Dawn



Donnerstag, 21. Juni 2018

Opeth – Sorceress




Opeth – Sorceress


Besetzung:

Mikael Åkerfeldt – vocals, guitar
Fredrik Åkesson – guitar, backing vocals
Joakim Svalberg – piano, keyboard, backing vocals
Martín Méndez – bass guitar
Martin Axenrot – drums, percussion


Gastmusiker:

Pascale Marie Vickery – spoken words on “Persephone“ and “Persephone (Slight Return) “
Wil Malone – string arrangements


Label: Nuclear Blast Records


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock, RetroProg, Hard Rock


Trackliste:

CD1:

1. Persephone (1:52)
2. Sorceress (5:49)
3. The Wilde Flowers (6:49)
4. Will O The Wisp (5:07)
5. Chrysalis (7:16)
6. Sorceress 2 (3:49)
7. The Seventh Sojourn (5:29)
8. Strange Brew (8:44)
9. A Fleeting Glance (5:06)
10. Era (5:41)
11. Persephone (Slight Return) (0:54)

CD2:

1. The Ward (3:14)
2. Spring MCMIXXIV (6:11)
3. Cusp Of Eternity (Live) (5:44)
4. The Drapery Falls (Live) (10:23)
5. Voice Of Treason (Live) (8:10)

Gesamtspieldauer CD1 (56:42) und CD2 (33:45): 1:30:27



„Sorceress“, zu Deutsch Hexe oder Zauberin, nannte die schwedische Band Opeth ihr bereits zwölftes Studio-Album. Die Scheibe wurde am 30. September 2016 auf dem Plattenlabel Nuclear Blast Records und auf der bandeigenen Verlagsmarke Moderbolaget veröffentlicht. Auf „Sorceress“ hört man eine Mischung aus Progressive Rock und Hard Rock, die gerade vom Zusammenspiel verschiedenster Stimmungen lebt. Alle Titel wurden erneut von Mikael Åkerfeldt geschrieben, lediglich bei der Nummer „Strange Brew“ bekam der durch Fredrik Åkesson Unterstützung.

Opeth klingen auf „Sorceress“ nicht mehr wie eine brachiale Heavy Metal Band, die sie auch mal waren. Auch halten sich die progressiven Einflüsse in der Musik der Schweden dieses Mal in Grenzen, doch sind sie immer noch da. Häufig hört man auf „Sorceress“ jedoch Retro Rock, der manchmal an solch Bands wie Uriah Heep oder Deep Purple erinnert. Aber auch dieses Mal ist der Zusatz „manchmal“ wichtig. Denn Opeth spielen auf ihrem zwölften Album mit den Genres und den Atmosphären. Die Musiker wechseln spielerisch von den harten, elektronischen und verzerrten Tönen in die sanften, klaren und akustischen Akkorde über und wieder zurück. Eine Prise Sphäre ist auch dabei, dazu der ein oder andere krumme Takt oder schiefe Ton und fertig ist ein sehr abwechslungsreiches Album. Auf diesem klingt es mal nach Rock, mal nach Folk, mal orientalisch und ein anderes Mal wird man an das Mittelalter erinnert. Von „langweilig“ kann man da kaum mehr sprechen.

Die Höhepunkte auf „Sorceress“ liegen oftmals in den eher ruhigeren Passagen des Albums. „Will O The Wisp“ und „Sorceress 2“ sind zwei hauptsächlich akustische Nummern, klingen einfach wunderschön melodiös und gehen schnell ins Ohr. Die Lieder „Strange Brew“ und „A Fleeting Glance“ weisen zwar ebenfalls sanftere Abschnitte auf, doch ist es hier das Zusammenspiel verschiedenster Atmosphären, die den Reiz der Stücke ausmachen und diese auch in Richtung des Progressive Rock rücken. Als weiteren Höhepunkt sollte an dieser Stele unbedingt noch das Lied „Era“ angeführt werden. Dieses startet mit sanften Piano-Klängen und entwickelt sich dann zu einem formidablen Rocker. An sich nichts Besonderes, doch wird dies alles toll und äußerst gelungen umgesetzt und klingt in seinem Endergebnis mitreißend.

Mit der zweiten CD werden dann auch noch die Opeth-Freundinnen und -Freunde der ersten Tage erfreut – zumindest, wenn es um die Live-Aufnahmen geht. Dort wird dann nämlich ordentlich gerockt und sogar gegrowlt, sodass alle Fans der härteren Gangart auch noch auf ihre Kosten kommen dürften.

Fazit: Ein überaus abwechslungsreiches und durchaus auch vielschichtiges Album ist „Sorceress“ von Opeth geworden. Mehrere musikalische Stile bekommt man hier als Hörerin beziehungsweise Hörer serviert. Hard Rock, Progressive Rock und sogar eine Prise Folk gibt es neben orientalischen Klängen und Mittelaltermusik zu hören. Es macht durchaus Laune in dieses Album einzutauchen, gerade auch, weil es so vielschichtig klingt. Einige der Nummern gehen dazu schnell ins Ohr und halten sich dort. Lohnt sich für Fans abwechslungsreicher Rock-Musik. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Will O The Wisp, Sorceress 2, A Fleeting Glance, Era



Mittwoch, 20. Juni 2018

Michael Crawford – Performs Andrew Lloyd Webber




Michael Crawford – Performs Andrew Lloyd Webber


Besetzung:

Michael Crawford – vocals


Gastmusiker:

Royal Philharmonic Orchestra – orchestration
Sharon Benson – vocals
Barbara Bonney – vocals
The Boys Choir Of Harlem – vocals
Frances Ruffelle – vocals


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Musical


Trackliste:

1. Any Dream Will Do (3:41)
2. All I Ask Of You (4:53)
3. Wishing You Were Somehow Here Again (3:57)
4. And The Money Kept Rolling (In And Out) (3:53)
5. Nothing Like You've Ever Known (3:34)
6. Tell Me On A Sunday (3:47)
7. Gethsemane (6:01)
8. The Phantom Of The Opera (4:30)
9. The Music Of The Night (5:51)
10. Memory (4:26)
11. Only You (4:58)
12. Other Pleasures / The First Man You Remember (4:00)
13. Love Changes Everything (3:24)

Gesamtspieldauer: 57:00



Michael Crawford, der bürgerlich Michael Patrick Smith heißt, ist ein englischer Schauspieler, Sänger und Musical Darsteller. Insgesamt dreizehn Solo-Alben hat er bisher in seiner Karriere veröffentlicht, darunter auch „Michael Crawford Performs Andrew Lloyd Webber“, ein Album, welches im Jahr 1991 auf dem Plattenlabel Atlantic Records erschien. Allgemein interpretiert Michael Crawford auf seinen Platten gerne Musik anderer Komponisten, so auch auf diesem, seinem dritten Solo-Werk.

Wie der Name des Albums schon vermuten lässt, hört man auf diesem Musical Musik von Andrew Lloyd Webber, die mit großem Orchester eingespielt wurde. Alles auf „Michael Crawford Performs Andrew Lloyd Webber“ klingt süßlich bis schmalzig. Die Stimme des Michael Crawford trägt zusätzlich zu diesem Eindruck bei, da sie irgendwo zwischen der einer Frau und eines Mannes angesiedelt ist, am ehesten wohl mit androgyn zu umschreiben ist und einfach sehr seltsam klingt. Dazu die grausame und grauenhafte Musik des Andrew Lloyd Webber und zurück bleibt das Entsetzen.

Die Lieder des Andrew Lloyd Webber wirken oftmals wie auf dem Reißbrett entworfen und konstruiert. Der Kommerz leuchtet bei diesen Liedern aus jedem Takt heraus, oberflächliche Eingängigkeit gepaart mit gestellter Dramaturgie. Dazu diese Überzeichnungen im Gesang, die das Ganze zu einem Konstrukt werden lassen, welches Fremdschämen heraufbeschwört. Beim Hören dieser Lieder meint man unweigerlich, sich sofort verteidigen zu müssen, falls man dabei beobachtet wird. Stark überzuckerte Musik, die an Banalität nicht mehr zu unterbieten ist.

Fazit: Musical Fans werden das ganz sicher anders sehen. Viele andere können allerdings wiederum gar nichts mit derartig gestellter Musik anfangen, die vom ersten bis zum letzten Akkord schleimig klingt und fürchterlich nervt. Konstruierte Musik, die für Rock Freundinnen und Freunde kaum erträglich klingt. Lasst mich bitte hier raus – und zwar ganz schnell. Null Punkte.

Anspieltipps: Keine



Dienstag, 19. Juni 2018

Motorpsycho – Still Life With Eggplant




Motorpsycho – Still Life With Eggplant


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, guitars, keyboards
Hans Magnus Ryan – vocals, guitars, keyboards
Kenneth Kapstad – drums


Gastmusiker:

Reine Fiske – acoustic guitar on 2 and 3, electric guitar on 3, 4 and 5 and mellotron on 5
Thomas Henriksen – keyboards on 3


Label: Stickman Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Psychedelic Rock, Alternative Rock, Jazz Rock


Trackliste:

1. Hell, Part 1-3 (9:47)
2. August (4:52)
3. Barleycorn (Let It Come / Let It Be) (7:18)
4. Ratcatcher (17:10)
5. The Afterglow (5:57)

Gesamtspieldauer: 45:06




„Still Life With Eggplant“ heißt das sechszehnte Studioalbum der norwegischen Rockband Motorpsycho, wenn ich die Kollaboration von Motorpsycho und Ståle Storløkken auf „The Death Defying Unicorn“ als fünfzehntes Album mit einrechne. „Still Life With Eggplant“ erschien am 12. April des Jahres 2013 auf den Plattenlabels Stickman Records und Rune Grammofon. Der Name des Albums ist identisch mit einem Bild des französischen Malers Henri Matisse, dessen Werk dem Fauvismus zugerechnet wird. Liest man nach, so erfährt man, dass die Wurzeln des Fauvismus im Impressionismus liegen, es jedoch Ziel der Künstler war, der Flüchtigkeit der impressionistischen Bilder entgegenzuarbeiten, um dem Werk mehr Dauer zu verleihen.

Nein, „flüchtig“ klingt „Still Life With Eggplant“ keineswegs. Das Album ist für Motorpsycho-Verhältnisse allerdings eine sehr kurze Veröffentlichung geworden. Lediglich eine Dreiviertelstunde Spieldauer mit insgesamt fünf Liedern gibt es auf dem Album zu hören. Diese 45 Minuten sind dafür umso intensiver mit Musik angefüllt, die eine Mischung aus Stoner Rock, Psychdelic Rock und Anleihen des Jazz Rock darstellt. „Still Life With Eggplant“ ist ganz sicher kein leicht zugängliches Album. Einiger Durchläufe der Platte bedarf es da durchaus, bevor sich diese Musik einem weiter und tiefer erschließt. Diese Mischung aus geradlinigem, hypnotisierendem Rock in Verbindung mit jeder Menge psychedelischen Ansätzen, das hat was. Dazu Rhythmen, die oftmals weit vom 4/4-Takt entfernt sind und den Füßen das Mitwippen unmöglich machen.

Höhepunkt der Scheibe ist der Titel „Ratcatcher“. Ein Lied, welches irgendwo zwischen den musikalischen Genres des Psychedelic Rock und des Jazz Rock kreist. Das Stück beginnt sphärisch und entrückt, diverse Töne scheinen von ganz weit weg sich den Weg zum Ohr zu bahnen. Die Struktur verfestigt sich, eine Gitarrenlinie bildet sich heraus, dann bricht das Lied nach über zwei Minuten los. Rock, zweistimmiger Gesang und eine Rhythmus-Fraktion, die von allen Zwängen losgelöst und entbunden scheint. Doch diese Phase des Liedes dauert keine weiteren zwei Minuten an. Was nun folgt ist ein fast siebeneinhalbminütiger Trip, in der sich die Gitarre mit eher sphärischen denn rockigen Tönen auslebt, Bass und Schlagzeug jedoch etwas völlig anderes im Sinn zu haben scheinen und die Nummer mit Rhythmen unterlegen, wie sie sich in Kombination zur Solo-Gitarre freier kaum anhören könnten. Diese Musik beamt einen in andere Sphären, ohne jegliche zusätzliche Hilfsmittel. Musik und Atmosphäre werden im weiteren Verlauf dichter, fordernder, intensiver, steigern sich immer weiter und weiter, um schließlich erneut in den kurzen und harten Rock-Teil zu münden. Anschließend wird die Musik erneut sphärischer, scheint auszuklingen, geht für die letzten dreieinhalb Minuten nochmals in einen völlig losgelösten und entspannten Abschnitt über, der an dieser Stelle allerdings etwas zu umfangreich geraten ist. Ein etwas zu langes Ausklingen. Trotzdem bleibt „Ratcatcher“ äußerst beeindruckend.

Auch die anderen Titel des Albums wissen zu überzeugen. Das rockige, dunkle, schwere und sich zunächst dahinschleppende „Hell“, welches sich nach kurzer Zeit zu einem Stück mit eingängigem Riff entwickelt. „August“ ist die sehr gelungene Cover-Version eines Arthur Lee beziehungsweise Love Klassikers aus dem Jahr 1969. Schneller und kompromissloser Rock mit psychedelischem Ansatz, eingängig und hart. Mit „Barleycorn (Let It Come / Let It Be)“ bekommen Hörerin und Hörer schließlich eine verdiente Pause serviert. Zeit zum Durchatmen. Akustische Gitarre, sanfter Gesang, Harmonie. Doch auch dieses Lied nimmt im Refrain Fahrt auf, um schließlich erneut in den sanften Strophenteil überzugehen, bis es eben wieder rockiger und fordernder klingt. Auch auf das Spiel mit „laut“ und „leise“ verstehen sich die Norweger bestens. Nur der Refrain klingt bei „Barleycorn“ ein wenig nach „Mitgröl-Stadion-Lied“. Völlig untypisch für Motorpsycho. Mit dem Titel „The Afterglow“ klingt „Still Life With Eggplant“ schließlich richtiggehend sanft, versöhnlich und gegen Ende des Stücks fast schon fröhlich aus.

Fazit: „Still Life With Eggplant“ ist ein Album von Motorpsycho, welches bei mir nicht sofort zündete und wirkte – nach mehrmaligem Hören dafür umso intensiver. „Still Life With Eggplant“ klingt sanft und hart, laut und leise, melodiös und verstörend und an fast jeder Stelle packend. In diese Musik kann man versinken und es lohnt sich. Und um meine Eingangssätze nochmals aufzugreifen. Der „Flüchtigkeit der Musik“ wurde hier definitiv Einhalt geboten. „Still Life With Eggplant“ wirkt auch länger. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Ratcatcher



Montag, 18. Juni 2018

Kaipa – Keyholder




Kaipa – Keyholder


Besetzung:

Hans Lundin – hammond organ, synthesizers, mellotron, pianos, vocals
Roine Stolt – electric and acoustic guitars, percussion, vocals
Morgan Ågren – drums
Aleena Gibson – lead and backing vocals
Patrik Lundström – lead and backing vocals
Jonas Reingold – bass guitar


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Progressive Rock, RetroProg


Trackliste:

1. Lifetime Of A Journey (8:14)
2. A Complex Work Of Art (11:57)
3. The Weed Of All Mankind (9:29)
4. Sonic Pearls (6:06)
5. End Of The Rope (13:59)
6. Across The Big Uncertain (8:31)
7. Distant Voices (13:00)
8. Otherworldly Brights (7:09)

Gesamtspieldauer: 1:18:27




„Keyholder“ heißt das siebte Studio-Album der schwedischen Progressive Rock Band Kaipa, welches am 28. August 2003 erschien. Gleichzeitig ist es auch die zweite Scheibe, die die Band nach der Reunion im Jahr 2002 veröffentlichte. Die Musik und die Texte stammen einmal mehr von Hans Lundin und Roine Stolt und das Album wurde, wie bereits der Vorgänger „Notes From The Past“, auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht.

Zu hören gibt es auch „Keyholder“ den für die Schweden durchaus typischen und an die Flower Kings erinnernden RetroProg. Großartig verwundern darf das nicht, denn Roine Stolt hat in beiden Bands einen sehr großen Einfluss auf das musikalische Wirken, auch wenn bei Kaipa Hans Lundin wohl der Musiker ist, der den Sound größtenteils beeinflusst. Leider ist es allerdings so, dass gerade „Keyholder“ nicht so richtig zünden will. Gewiss ist das gut gemachte und abwechslungsreiche Musik, aber einen so richtig packen, das schaffen die Lieder auf „Keyholder“ leider nicht. Im Falle des Titels „A Complex Work Of Art“, bei dem Aleena Gibson den Gesang übernimmt, klingt das alles gar richtiggehend kitschig und ein Unwohlsein breitet sich beim Hören aus. Schade. Große Gesangsparts übernimmt sie auch bei den Stücken „Across The Big Uncertain“ und „Distant Voices“. Leider klingt es an diesen Stellen auch nicht viel besser.

Die einzelnen Titel sind ansonsten eher frickelig denn melodiös gehalten und gehen kaum ins Ohr. Phasenweise klingt die Musik von Kaipa auf „Keyholder“ ganz interessant und auch mal eingängig, aber auf ein vollständiges Lied hin betrachtet und damit in Summe aller Titel, ist es eine Platte geworden, mit der man deutlich weniger warm werden kann, als mit manch anderer Scheibe der Schweden. Es bleibt viel zu wenig hängen von dieser Musik und wenn man an Kaipa denkt und ein Album auflegen möchte, kommt einem „Keyholder“ ganz bestimmt nicht zuerst in den Sinn.

Genug gejammert. „Keyholder“ ist musikalisch perfekt eingespielt worden, immer wieder hört man auch die Spielfreude der Musiker heraus. Und die ein oder andere schöne Stelle gibt es auch auf diesem Album zu entdecken, wenn sie sich auch meist auf eine Phase in einem der längeren Stücke bezieht und begrenzt. Am eingängigsten klingt für mich noch das etwas kürzere „Sonic Pearls“. Ein etwas atmosphärischer und vor allen Dingen einfacher und sanfter Titel, der ins Ohr geht.

Fazit: Das haben Kaipa schon mal deutlich besser hinbekommen. „Keyholder“ ist ein Album geworden, welches zwar musikalisch auf hohem Niveau eingespielt wurde, allerdings irgendwie nicht restlos zu begeistern versteht. Die einzelnen Melodien schaffen es nicht einen zu begeistern und es bleibt auch nur sehr wenig von dieser Scheibe hängen. Wenn schließlich auch noch Aleena Gibson singt, wird es ganz schwierig. Das liegt nicht allein an ihrer Stimme, die Musik passt auch nicht. Für RetroProg-Fans und auch Freundinnen und Freunde der Flower Kings aber ganz sicher geeignet. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Sonic Pearls



Sonntag, 17. Juni 2018

Fugees – The Score




Fugees – The Score


Besetzung:

Wyclef Jean – vocals, guitar
Lauryn Hill – vocals
Pras Michel – vocals


Gastmusiker:

John Forté – vocals, drum programming
Diamond D – vocals
DJ Red Alert – vocals
Omega – vocals
Pacewon – vocals
Rah Digga – vocals
Young Zee – vocals
Sly Dunbar – drums, drum programming
Ras Baraka – vocals
Robbie Shakespeare – bass
Backspin – dj scratches
DJ Scribble – dj scratches
Handel Tucker – keyboards
Warren Riker – recorder


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Hip Hop, Rap


Trackliste:

1. Red Intro (1:51)
2. How Many Mics (4:28)
3. Ready Or Not (3:47)
4. Zealots (4:20)
5. The Beast (5:37)
6. Fu-Gee-La (4:20)
7. Family Business (5:43)
8. Killing Me Softly (4:58)
9. The Score (5:02)
10. The Mask (4:50)
11. Cowboys (5:23)
12. No Woman, No Cry (4:33)
13. Manifest / Outro (5:59)

Bonus Tracks:

14. Fu-Gee-La (4:23)
15. Fu-Gee-La (5:27)
16. Mista Mista (2:42)
17. Fu-Gee-La (4:20)

Gesamtspieldauer: 1:17:51




Das zweite und bislang letzte Studio-Album der US-amerikanischen Hip-Hop-Gruppe Fugees heißt „The Score“. Das Album wurde am 13. Februar 1996 auf dem Plattenlabel Columbia Records, einer Tochter der Sony Music veröffentlicht. Das Album bietet eine breite Palette von Samples und verschiedenen Instrumenten, die zu hören sind, in den Credits allerdings nicht extra aufgeführt wurden. Viele Aspekte des alternativen Hip Hop sind hier enthalten, die die Hip-Hop-Musikszene von nun an stark beeinflussen sollten. Daher ist das Album durchaus mit „wegweisend“ zu umschreiben. Über fünfzehn Millionen Mal wurde die Platte bisher verkauft und zusätzlich mit zahlreichen Auszeichnungen versehen. Ergänzend zu den meist positiven Kritiken, die das Album bei seiner Veröffentlichung erhalten hat, stieg dessen Beachtung sogar im Laufe der Jahre noch an. Viele Kritiker bezeichnen „The Score“ als eines der größten Alben der 90er Jahre und als eines der größten Hip-Hop-Alben aller Zeiten. 1998 wurde das Album in die Liste der 100 besten Rap-Alben der Zeitschrift The Source aufgenommen, und 2003 wurde es auf Platz 477 der Liste der 500 größten Alben aller Zeiten des Rolling Stone Magazins gesetzt. „The Score“ wurde zudem bei den 39. Annual Grammy Awards mit dem Grammy Award für das beste Rap-Album ausgezeichnet.

Bei „The Score“ handelt es sich um, auf Samples basierenden Hip Hop, bei dem man sich allerdings manchmal das Original wünschen würde, wenn man dem Hip Hop nicht ganz so zugetan ist. Die drei Musiker haben über die leicht veränderten Stücke ihren Gesang und ihr Texte gelegt und vollführen dabei so einige „Späße“. Was der Platte dabei ganz bestimmt zugesprochen werden muss, das ist die Coolness und ein unfassbar entspanntes Gefühl, welches sie verströmt. Alles auf „The Score“ klingt überaus relaxt und groovt.

Auch als Nicht-Hip-Hop-Fan kann man sich der Stimmung nicht entziehen, die die Platte verströmt. Die Titel „Fu-Gee-La“, „Family Business“, „Cowboys“ sowie die Version von „No Woman, No Cry“, die ursprünglich von Vincent Ford für Bob Marley & The Wailers geschrieben wurde, machen durchaus Laune und regen zum Mitwippen an. Anderen Titeln auf „The Score“ fehlt dagegen völlig die Melodiösität und diese wirken und funktionieren ohne das „Rhythmus-Gen“ der Hörerin beziehungsweise des Hörers deutlich schlechter. So bleibt insgesamt kein einheitlicher Eindruck beim Hören der Platte zurück, die manchmal durchaus das Interesse weckt, an anderer Stelle allerdings äußerst gewöhnungsbedürftig klingt – zumindest für Rock Fans.

Fazit: Hip Hop Fans werden dieses Album lieben. Auf diversen Samples setzen Wyclef Jean, Lauryn Hill und Pras Michel ihre Texte auf und grooven dabei relaxt aus den Boxen. Mit einer gewissen Portion an Eingängigkeit kann man das auch als Freundin oder Freund eher rockiger Töne gut hören. Auf „The Score“ gibt es eine Mischung aus monotonem Sprechgesang und Hip Hop mit melodiöser Untermalung zu hören. Interessant ist das allemal, herausragend weniger. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Fu-Gee-La, Family Business, Cowboys, No Woman No Cry



Samstag, 16. Juni 2018

Rick Springfield – Success Hasn’t Spoiled Me Yet




Rick Springfield – Success Hasn’t Spoiled Me Yet


Besetzung:

Rick Springfield – lead vocals, acoustic & electric guitars, backing vocals


Gastmusiker:

Tim Pierce – guitar
Charles Sandford – guitar
Gabriel Katona – keyboards
Alan Pasqua – keyboards
Dennis Belfield – bass
Michael Baird – drums
Tommy Funderburk – backing vocals
Tom Kelly – backing vocals
Richard Page – backing vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Calling All Girls (3:27)
2. I Get Excited (2:34)
3. What Kind Of Fool Am I (3:20)
4. Kristina (3:02)
5. Tonight (3:20)
6. Black Is Black (2:54)
7. Don’t Talk To Strangers (3:00)
8. How Do You Talk To Girls (3:18)
9. Still Crazy For You (3:58)
10. The American Girl (3:09)
11. Just One Kiss (3:16)
12. April 24, 1981 (1:33)

Gesamtspieldauer: 36:56



„Success Hasn‘t Spoiled Me Yet“ ist das sechste Studioalbum des australischen Rockmusikers Rick Springfield. Es erschien am 23. März 1982 auf dem Plattenlabel RCA Records. Das Album wurde in den USA mit Platin ausgezeichnet und beinhaltet drei Top 40 Singles: „Don‘t Talk To Strangers“ erreichte Platz 2 der US Charts, „What Kind Of Fool Am I“ Platz 21 und schließlich „I Get Excited“ Platz 32. Mit dem Lied „Black Is Black“ befindet sich eine sehr bekannte Cover-Version des gleichnamigen Titels der spanischen Rock Band Los Bravos aus dem Jahr 1966 auf dem Album. Das Lied „Kristina“ ist dagegen eine Neuauflage des Liedes „Jamaica“ der Band Bachman-Turner Overdrive, zu dem Rick Springfield einen neuen Text verfasste.

Einmal mehr ist ein Rick Springfield Album eine poppige Rock-Veranstaltung, wobei hier der Rock ein klein wenig mehr im Vordergrund steht, als noch auf der Vorgänger-Platte „Working Class Dog“. Doch auch auf „Success Hasn‘t Spoiled Me Yet“ setzt Rick Springfield auf die schnelle und vor allen Dingen massentaugliche Eingängigkeit. Zwölf Lieder, von denen mindestens zehn ohne Schwierigkeiten im Radio in der Dauerschleife laufen könnten. Diese gab es Anfang der 80er Jahre wohl noch nicht, umso öfters wurde die Scheibe eben aufgelegt, um sie zum Erfolg zu puschen. Es hat funktioniert.

„Success Hasn‘t Spoiled Me Yet“ fällt nicht sehr auf, läuft mit und durch. Richtige Höhepunkte gibt es nicht auf dem Album. Dafür allerdings auch keine Ausreißer nach unten. Alles ist in etwa im selben Stil gehalten, somit sind auch jegliche Besonderheiten ausgemerzt worden. Mainstream in Reinkultur. Am auffälligsten und überraschendsten ist da fast schon das bereits erwähnte Los Bravos Cover „Black Is Black“. Ganz nett sind noch „Don’t Talk To Strangers“, „How Do You Talk To Girls“ und „Still Crazy For You“, sodass sich die hörenswerteren Titel allesamt in der Mitte des Albums befinden. Nicht weiter erwähnen muss man an dieser Stelle, dass die Lieder von Rick Springfield auf „Success Hasn‘t Spoiled Me Yet“ hauptsächlich das Thema „Liebe“ von verschiedenen Seiten beleuchten – als ob nicht schon des Öfteren gemacht worden wäre.

Fazit: Durchaus möglich, dass diese Musik auf „Success Hasn‘t Spoiled Me Yet“ Anfang der 80er Jahre für Aufsehen sorgte. Heute klingt das Ganze eher langweilig und überholt. Massenkompatibler Pop Rock, der von Liebe handelt. Melodien, die unbedingt gehört werden sollten, gibt es nicht auf diesem Album. Genauso wenig Melodien, die längerfristig hängenbleiben. Eher langweilig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Black Is Black, Don’t Talk To Strangers



Freitag, 15. Juni 2018

Beardfish – Mammoth




Beardfish – Mammoth


Besetzung:

Rikard Sjöblom – lead vocals, guitars, keyboards and percussion
David Zackrisson – guitars, vocals and arp odyssey
Robert Hansen – bass and vocals
Magnus Östgren – drums


Gastmusiker:

Johan Holm – alt and baritone saxophones on „And The Stone Said ”If I Could Speak”“ & „Akakabotu“
Jimmy Jönnsen – growling on „And The Stone Said ”If I Could Speak”“
Matthias Bengtsson – tambourine on „Tightrope“ & „Akakabotu“


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Hard Rock, RetroProg, Progressive Rock


Trackliste:

1. The Platform (8:06)
2. And The Stone Said ”If I Could Speak” (15:08)
3. Tightrope (4:33)
4. Green Waves (8:54)
5. Outside / Inside (1:44)
6. Akakabotu (5:41)
7. Without Saying Anything (feat. Ventriloquist) (8:11)

Gesamtspieldauer: 52:16



Das sechste Studio-Album der schwedischen RetroProg-Band Beardfish heißt „Mammoth“ und erschien am 25. März 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Die Musik der vier Schweden hatte sich einmal mehr gewandelt. Waren sonst eher die Genres RetroProg und Progressive Rock die musikalische Heimat von Beardfish, so wird auf „Mammoth“ deutlich mehr gerockt.

Zumindest der Beginn der Platte tendiert schon deutlich in die Richtung Hard Rock. Gerade die ersten beiden Stücke rocken fröhlich drauf los, wobei sich in der Nummer „And The Stone Said ”If I Could Speak”“ sogar eine kurze Growling-Einlage findet. Kann man mögen, muss man allerdings nicht. Trotzdem ist dieses Lied schon etwas vielschichtiger gestaltet und wechselt zwischen verschiedenen Teilen hin und her. „Tightrope“ beginnt deutlich fröhlicher, zieht dann das Tempo in Richtung des Rocks ebenfalls an und ist ganz bestimmt kein Lied, welches man mit dem Genre Progressive Rock in Verbindung bringen würde.

Und so geht es erst mal mit „Green Waves“ weiter. Ein klassischer Rocker, der in den Genres Hard Rock und Metal angesiedelt ist. Für Freunde der Headbanging-Fraktion bestens geeignet. Kräftiges Haarschütteln ist angesagt. Mit der Nummer „Outside / Inside“ folgt sodann eine kleine und kurze Auflockerung in Form eines nicht allzu langen Piano-Solo Stücks. Sehr melodiös. Beim folgenden „Akakabotu“ fühlt man sich allerdings zu Beginn durch den Klang der Orgel gleich an Uriah Heep erinnert. Doch dieses Instrumental-Lied wandelt sich weiter, wird deutlich jazziger und pulsiert aus den Boxen heraus. Den Pfad des Hard Rock haben Beardfish nun verlassen. Ganz zum Schluss, mit der Nummer „Without Saying Anything“, bewegen sich die vier Schweden dann letztendlich doch noch auf dem Terrain des Progressive Rock. Eine vielschichtige und abwechslungsreiche Nummer, die allerdings nicht allzu schnell ins Ohr geht und dort auch zunächst nicht länger verweilen möchte. Doch das ändert sich mit den weiteren Durchläufen, weshalb schließlich auch genau dieses Lied den Höhepunkt des Albums darstellt.

Fazit: Ein Hard Rock Album mit ein paar jazzigen und progressiven Einsprengseln ist die Platte „Mammoth“ von Beardfish geworden. Man sollte definitiv auf härtere Musik stehen, um auf diesem Album etwas für sich finden zu können. Schlecht klingt das alles keineswegs, allerdings stellt dieses Album auch nicht das Meisterwerk von Beardfish dar. Gut gemachter Hard Rock, ohne zu viele Höhepunkte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Outside / Inside, Without Saying Anything



Donnerstag, 14. Juni 2018

Gazpacho – March Of Ghosts




Gazpacho – March Of Ghosts


Besetzung:

Jan Henrik Ohme – vocals
Thomas A. Anderson – keyboards
Jon-Arne Vilbo – guitars
Mikael Krømer – violins & mandolin
Kristian Olav Torp – bass
Lars Erik Asp – drums


Gastmusiker:

Kristian „The Duke“ Skedsmo – tin whistle, low whistle, tenor banjo, five string banjo, accordion, mandriola, octave mandola & flute


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Monument (2:06)
2. Hell Freezes Over I (5:45)
3. Hell Freezes Over II (4:36)
4. Black Lily (4:58)
5. Gold Star (4:15)
6. Hell Freezes Over III (2:36)
7. Mary Celeste (5:43)
8. What Did I Do? (4:19)
9. Golem (5:10)
10. The Dumb (4:33)
11. Hell Freezes Over IV (6:11)

Gesamtspieldauer: 50:17




Gazpacho sind Gazpacho sind Gazpacho. Wenn man eine Platte der sechs Norweger erwirbt, dann weiß man, was einen erwartet. Man bekommt eingängigen Art Rock bis Progressive Rock zu hören, der sehr schnell ins Ohr geht. Nicht anders ist das auch bei ihrem siebten Studio-Album, welches den Namen „March Of Ghosts“ trägt. Am 12. März im Jahr 2012 wurde die Scheibe auf dem Plattenlaben KScope veröffentlicht und enthält einmal mehr die für Gazpacho so typische Musik, den Sound, den man erwartet. „March Of Ghosts“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Die Idee hinter dem Album ist, dass in einer Nacht verschiedene Geister ihre Erlebnisse in Form von Geschichten erzählen. Zu den Charakteren dieser „Geister“ gehören haitianische Kriegsverbrecher, die Besatzung der Mary Celeste, ein zurückkehrender amerikanischer Soldat des Ersten Weltkriegs, der sich im Jahr 2012 wiederfindet und der Geist eines englischen Comedy-Autors, der zu Unrecht des Verrats beschuldigt wurde.

„March Of Ghosts“ ist randvoll gefüllt mit sanfter und sehr melodiöser Musik, die im Umkreis des Progressive Rock und des Art Rocks beheimatet ist. Die Lieder gehen bereits beim ersten Mal des Hörens gut ins Ohr und klingen nach Melancholie, Sentimentalität und unerfüllter Sehnsucht. Alles, wirklich alles auf „March Of Ghosts“ klingt harmonisch. Das bedeutet allerdings keineswegs Langeweile, sondern ergänzt die Musik von Gazpacho durch ein weiteres sehr hörenswertes Album. Einen kleinen Unterschied zu den bisherigen Platten der Band gibt es dann allerdings doch. Gazpacho haben auf „March Of Ghosts“ den Folk noch ein wenig mehr in ihre Lieder einfließen lassen. Kurze folkige Abschnitte tauchen immer wieder in den einzelnen Stücken auf und bereichern die Musik damit durchaus noch einmal mehr.

Es klingt wirklich alles auf „March Of Ghosts“. Jede und jeder, die oder der diese Art der Musik schätzt, wird hier andere Favoriten für sich entdecken. Zudem wachsen die Lieder auch noch mit jedem weiteren Durchlauf, sodass die eigenen Höhepunkte sich durchaus im Laufe der Zeit ändern können. Meine Favoriten sind im Moment die Stücke „Hell Freezes Over I, II und IV“ sowie „Gold Star“. Oder sind es doch „Mary Celeste“ und „What Did I Do?“? Schwierig, es klingt wahrlich alles sehr überzeugend. Ein großes Lob auch für das 24-seitige Booklet. Dieses ist sehr schön gestaltet und es lohnt einmal mehr, die Texte darin nachzulesen. Da hat sich jemand viel Mühe gegeben.

Fazit: Ein sehr überzeugendes Album ganz im Stile von Gazpacho ist „March Of Ghosts“ geworden. Eingängigen und harmonischen Progressive Rock bis Art Rock gibt es auf dem Album zu hören. Gazpacho erfinden dabei weder sich neu, noch irgendwelche musikalischen Genres. Trotzdem lohnt sich diese Platte, da sie dieses Gazpacho-Universum erweitert. Musik voller Melancholie, abwechslungsreich und warm. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hell Freezes Over, Gold Star