Freitag, 18. Oktober 2019

Ray Alder – What The Water Wants




Ray Alder – What The Water Wants


Besetzung:

Ray Alder – vocals
Mike Abdow – guitars, bass
Tony Hernando – guitars, bass
Craig Anderson – drums


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Hard Rock, Metal


Trackliste:

1. Lost (3:45)
2. Crown Of Thorns (4:53)
3. Some Days (4:34)
4. Shine (4:52)
5. Under Dark Skies (3:57)
6. A Beautiful Lie (4:10)
7. The Road (5:37)
8. Wait (4:35)
9. What The Water Wanted (3:46)
10. The Killing Floor (5:47)

Gesamtspieldauer: 46:01



„What The Water Wants“ heißt das erste Soloalbum des Fates Warning Sängers Ray Alder, welches er zusammen mit den beiden Gitarristen Mike Abdow, ebenfalls Musiker und Gitarrist bei Fates Warning und Tony Hernando, Gitarrist bei der spanischen Band Lords Of Black, geschrieben hat. Das Schlagzeug spielte Craig Anderson ein, Drummer bei der Band Ignite und langjähriger Freund von Ray Alder. „What The Water Wants“ erscheint am 18. Oktober 2019 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und man hört darauf eher die geradlinige Variante des Hard Rock bis Metal, denn die progressivere Ausrichtung dieses musikalischen Genres.

Auf „What The Water Wants“ wird gerockt – und dies ziemlich kompromisslos. Großartige Schnörkel gibt es auf der Plastte nicht zu hören. Ein einmal in einem Lied eingeschlagener Weg wird konsequent bis zum Ende weiterverfolgt, maximal noch gesteigert. Somit ist „What The Water Wants“ schon sehr im Mainstream des Rocks verhaftet und weist dabei viele interessante und eingängige Melodien auf, die unmittelbar, bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr gehen. Großartig erschließen muss man sich diese Scheibe also nicht, sie wirkt schnell und alle diejenigen Hörerinnen und Hörer werden erfreut sein, die einen guten und geradlinigen Rocktitel zu schätzen wissen.

Es gibt keine Ausfälle auf „What The Water Wants“. Das bedeutet, wenn man diesen Rock mag, der zwischen Mid-Tempo und härteren Bereichen hin- und herwechselt, so wird man das Album in einem Zug genießen können. Den stärksten Stücken der Platte begegnet man dabei eher an deren Ende. „Wait“ und „What The Water Wanted“ heißen diese. Noch ein wenig eingängiger als der Rest und damit noch etwas nachhaltiger. „What The Water Wanted“ ist dabei übrigens trotz seines Namens nicht das Titellied der Scheibe, denn das wollte Ray Alder unbedingt vermeiden. „What The Water Wanted“ ist lediglich eine Variation des Albumtitels. „Ich wollte vermeiden einen Titeltrack zu haben, denn dieser erregt zwangsläufig die ganze Aufmerksamkeit.“ Lässt sich Ray Alder zitieren. Und weiter zum Inhalt der Scheibe: „Es gibt ein loses Thema, welches sich durch die Texte zieht. Irgendwie haben sie fast alle auf die eine oder andere Weise etwas mit Wasser zu tun. Das war nicht beabsichtigt, sondern hat sich einfach so entwickelt.“ Angenehm, Mainstream Rock ohne dieses ständige Liebesthema. Und Wasser? Na, zumindest mal was anderes.

Fazit: Wer eingängige Rockmusik mag, kann bei „What The Water Wants“, dem ersten Solo-Album des Ray Alder getrost zugreifen. Die Lieder sind rockig, grooven auch, sind nicht kompliziert oder gar vertrackt und gehen schnell ins Ohr. Gute Unterhaltung auf die Schnelle. Wer auf den Progressive Rock fokussiert ist und diesen auch auf der einen oder anderen Schiebe von Fates Warning findet, wir beim Solo-Werk von Ray Alder allerdings nicht fündig. Nun, es muss auch nicht immer komplizierter werden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Wait, What The Water Wanted



Dienstag, 15. Oktober 2019

Russian Circles – Blood Year




Russian Circles – Blood Year


Besetzung:

Brian Cook – bass
Mike Sullivan – guitar
Dave Turncrantz – drums


Label: Sargent House


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Post Metal, Instrumentalrock


Trackliste:

1. Hunter Moon (2:20)
2. Arluck (6:33)
3. Milano (6:35)
4. Kohokia (7:18)
5. Ghost On High (2:34)
6. Sinaia (7:30)
7. Quartered (6:39)

Gesamtspieldauer: 39:32




„Blood Year“ heißt das bereits siebte Studioalbum der US-amerikanischen Instrumental-Rockband Russian Circles. Es wurde am 1. August 2019 auf dem Plattenlabel Sargent House veröffentlicht. In knapp vierzig Minuten bekommt man auf „Blood Year“ eine intensive und mitunter hypnotische musikalische Reise geboten, welche den Gesang außen vorlässt.

Hypnotisch klingt es deshalb mitunter, da ein Riff oder Thema in manchen Passagen immer und immer wieder wiederholt wird. Das klingt dann allerdings nicht langweilig, sondern sehr viel eher mitreißend – und eben leicht hypnotisch. Allgemein geht die Musik von Russian Circles auf „Blood Year“ gut ins Ohr. Zumeist hört man auf dem Album härteren Rock, der sanfte Opener „Hunter Moon“ ist da lediglich eine Einführung in die Platte und neben dem ebenfalls kurzen Lied „Ghost On High“ die Ausnahme auf der Scheibe. Schnell nimmt die Musik von Russian Circles schließlich Fahrt auf, rockt, sodass man unweigerlich mit den Füßen mitwippen muss. Auch Freundinnen und Freunde des Headbangings dürften Spaß an der Scheibe haben und Gefahr laufen ihrem Schädel beziehungsweise der Halswirbelsäule zu viel zuzumuten.

So weit, so gut. Die Musik packt einen, doch trotzdem fehlt dem Album etwas. Und das ist das Naheliegende. Es fehlt der Gesang. Die Platte läuft in einem durch, wann beginnt das nächste Lied, wo hört das vorherige auf? Es ist noch nicht einmal so, dass alle Lieder gleich klingen würden und man sich irgendwann langweilt. Direkt angespielt unterscheiden sie sich durchaus. Doch hintereinander gehört, immer mit derselben Instrumentierung eingespielt, im etwa gleichen Tempo gehalten und ohne Gesang… Da verliert man schon mal den Überblick.

Nichtsdestotrotz wirkt „Blood Year“ und überzeugt. Die Melodien packen einen und gehen ins Ohr. Richtig schön laut gehört ist es sogar noch einfacher, tief, ganz tief in diese Musik einzusteigen und darin aufzugehen. Die beiden Höhepunkte sind für mich das Lied „Kohokia“ und gleich im Anschluss daran die Nummer „Ghost On High“. Erster Titel ist eine sehr rockige Angelegenheit, die genau jene hypnotischen Ansätze enthält, die hier bereits Erwähnung fanden. Das Lied groovt und geht ins Ohr. Den schönen Kontrast dazu stellt sogleich das Lied „Ghost On High“ dar. Sanft, nicht minder melodiös und verwunschen klingend. Nomen ist hier wahrlich Omen.

Fazit: Ein gutes und rockiges Instrumentalalbum ist „Blood Year“ von Russian Circles geworden. Musik die wirkt und klingt und bestens unterhält. Man sollte sich auf die Lieder konzentrieren, sonst verschwimmen sie, gehen ineinander über und plötzlich klingt das Album aus und man hat etwas versäumt. Dass einem dies widerfahren kann liegt am fehlenden Gesang, den man sich dann doch irgendwie an der einen oder anderen Stelle wünschen würde. Trotzdem überzeugend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kohokia, Ghost On High



Samstag, 12. Oktober 2019

IQ – Resistance




IQ – Resistance


Besetzung:

Paul Cook – drums and percussion
Neil Durant – keyboards
Tim Essau – bass guitar and bass pedals
Mike Holmes – guitars
Peter Nicholls – lead vocals and backing vocals


Label: Giant Electric Pea


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Missile (6:40)
2. Rise (6:49)
3. Stay Down (7:54)
4. Alampandria (3:47)
5. Shallow Bay (6:21)
6. If Anything (6:03)
7. For Another Lifetime (15:22)

CD2:

1. The Great Spirit Way (21:44)
2. Fire And Security (5:25)
3. Perfect Space (8:33)
4. Fallout (19:54)

Gesamtspieldauer CD1 (52:58) und CD2 (55:38): 1:48:36



„Resistance“ heißt das neueste Album der englischen Band IQ. Es ist die zwölfte Studioveröffentlichung der Briten seit ihrem Debut mit „Tales From The Lush Attic“ im Jahr 1983. Gleichzeitig ist „Resistance“ das dritte Doppelalbum von IQ nach „Subterranea“ im Jahr 1997 und dem letzten Album „The Road Of Bones“ aus dem Jahr 2014. „Resistance“ erschien am 11. Oktober 2019 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea und ist angefüllt mit Progressive Rock, der sich eindeutig nach englischer Musik anhört – sich von daher von den skandinavischen, italienischen und US-amerikanischen Kollegen, die ebenfalls heute noch in diesem musikalischen Genre unterwegs sind, unterschiedet.

„Resistance“ klingt gut, klingt sogar sehr gut. Natürlich hört man auf dem Album Neo Progressive Rock, doch die Reminiszenzen an die englische Musik des Progressive Rock der 70er Jahre sind unüberhörbar. Dies geschieht allerdings in keiner Weise so, dass hier etwas Altes neu aufgewärmt werden würde. Nein, vielmehr stellt „Resistance“ eine Erweiterung des Damaligen dar. Zudem sind diese Anleihen auch nur ein Aspekt der Platte, die in all ihren Facetten überzeugen kann. Abwechslungsreiche Musik, immer wieder neue Wendungen einschlagend, die angefüllt ist mit wunderschönen Melodien, in denen sich wunderbar schwelgen lässt. Progressive Rock, der mal fordernd, mal weich, mal melodiös, mal etwas schräger und jederzeit spannend klingt.

Insgesamt ist die Musik von IQ etwas härter geworden, rockt an der einen oder anderen Stelle mal etwas kräftiger, wenn auch noch sehr sanfte Titel auf dem Album zu finden sind, die neben allzu symphonischen Titeln das Gesamtbild vervollständigen. Wer dazu noch im Sound des Mellotrons eintauchen möchte, der oder dem werden dazu auf „Resistance“ viele Möglichkeiten geboten. In den längeren Stücken sind unterschiedliche Passagen und das Hin- und Herwechseln zwischen diesen – bezüglich der Instrumentierungen, bezüglich der Rhythmen, bezüglich der Atmosphären und bezüglich der Intensitäten – der Normalfall. Alles ist demnach angerichtet für das packende Erlebnis des Progressive Rock, man muss sich nur die Zeit dazu nehmen.

Die Titel klingen durchgängig überzeugend. Die Nummer „Stay Down“ bringt für mich dieses Retro-Feeling am besten rüber. Da hört man einfach Genesis zu Beginn der 70er Jahre heraus. Die drei Longtracks der Platte punkten dagegen mit viel Abwechslung und der Möglichkeit, ein Lied sich entwickeln zu lassen, was bei einem poppigen wie rockigen Drei-Minüter selbstverständlich nicht mehr möglich ist. Diese vier Lieder stellen für mich auch die Höhepunkte dieser wahrlich gelungenen Scheibe dar, die auch bei einer Laufzeit von über eindreiviertel Stunden keine Längen aufkommen lässt.

Fazit: Fünf Jahre haben sich IQ Zeit gelassen ein neues Album zu veröffentlichen. Das Warten hat sich gelohnt. Wer den englischen Progressive Rock mag, die oder der wird auch „Resistance“ von IQ mögen. Musik-Fans eher einfacherer Nummern werden mit dieser Musik allerdings deutlich weniger anfangen können, denn auf den Punkt kommen IQ kaum. Glaubt man ein musikalisches Ziel erreicht zu haben, geht die Fahrt bereits weiter – oft in eine andere, überraschende Richtung. Für mich eines der großen Alben des bisherigen Jahres. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Stay Down, The Great Spirit Way



Freitag, 11. Oktober 2019

Bent Knee – You Know What They Mean




Bent Knee – You Know What They Mean


Besetzung:

Courtney Swain – vocals, keyboards
Ben Levin – guitar, vocals
Chris Baum – violin
Jessica Kion – bass, vocals
Gavin Wallace-Ailsworth – drums
Vince Welch – synthesizer, guitar, sound-design


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Hard Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Lansing (1:22)
2. Bone Rage (4:13)
3. Give Us The Gold (3:51)
4. Hold Me In (4:50)
5. Egg Replacer (3:10)
6. Cradle Of Rocks (4:00)
7. Lovell (1:26)
8. Lovemenot (5:09)
9. Bird Song (2:55)
10. Catch Light (4:39)
11. Garbage Shark (5:38)
12. Golden Hour (5:50)
13. It Happens (5:05)

Gesamtspieldauer: 52:13




Bent Knee ist eine amerikanische Rock-Band, die 2009 in Boston, Massachusetts, gegründet wurde. „You Know What They Mean“ ist bereits das fünfte Studioalbum der US-Amerikaner und erscheint heute, am 11.Oktober 2019 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Die Musik von Bent Knee ist breit gefächert, reicht von Pop über Rock zu Industrial und besitzt auch den ein oder anderen progressiven Ansatz.

Auf „You Know What They Mean“ spielen die Musiker von Bent Knee dabei mit den Atmosphären. Von sanft und weich, bis zu verstörend laut reichen die musikalischen Stimmungen auf dem Album, welche einen hochzuheben verstehen, um einen anschließend wieder fallen zu lassen. Doch man fällt immer sanft, eine Melodie wartet bereits, die so manchen Ausbruch wieder einfängt und relativiert. Dabei klingt gerade dieses Spiel mit den Emotionen oftmals mitreißend und jederzeit abwechslungsreich und lässt das Album somit zu einer spannenden Reise durch musikalische Intensitäten werden.

Über allem schwebt dabei der Gesang der Courtney Swain, der einen in den ruhigen Passagen genauso fesselt wie in jenen Abschnitten, wenn die Musik wie ein Vulkan auszubrechen versteht und sie sich das Herz aus dem Leib zu schreien scheint. Perfekt unterstreicht sie jede Regung der Musik oder ist das eher umgekehrt? Wahrlich beeindruckend und ganz bestimmt einer der Gründe dieses Album zu schätzen.

Die kurzen Stücke „Lansing“ und „Lovell“ sind Eindrücke aus dem Übungsraum und lockern das Album etwas auf. Höhepunkt der Platte ist das Lied „Give Us The Gold“. Ungewöhnliche Rhythmusfraktion, schräge Violin-Einlage und eine Courtney Swain in Höchstform, die ihr gesamtes stimmliches Spektrum preisgibt. Dazu noch eine coole und eingängige Melodie – und ich gebe es zu, ich mag Melodien, die ins Ohr gehen. Doch auch das Stück „Egg Replacer“ begeistert. In diesem Lied wird das Wechselspiel mit „laut“ und „leise“ auf die Spitze getrieben. „Catch Light“ rockt mitreißend und „Golden Hour“ klingt zunächst so wunderschön entrückt, schließlich wie ein kleiner Ohrwurm, der sich immer weiter steigert, um schließlich letztendlich sanfter wieder zu verklingen. Viel Abwechslung, die zu hören lohnt.

Fazit: Zwei Dinge machen „You Know What They Mean“ von Bent Knee zu einer sehr hörenswerten Scheibe. Zum einen dieses Spiel mit den Atmosphären, zum anderen der Gesang der Courtney Swain. Dazu gesellen sich noch überraschende musikalische Wendungen und immer wieder hörenswerte Melodien. Lohnend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Give Us The Gold



Mittwoch, 9. Oktober 2019

Mott The Hoople – All The Young Dudes




Mott The Hoople – All The Young Dudes


Besetzung:

Ian Hunter – lead vocals, guitar, piano
Mick Ralphs – lead guitar, backing vocals, lead vocals on "Ready For Love / After Lights"
Verden Allen – organ, backing vocals, lead vocals on "Soft Ground"
Pete Overend Watts – bass guitar, backing vocals
Dale "Buffin" Griffin – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Ariel Bender – guitar, vocals on bonus tracks 6, 7
Mick Bolton – organ on bonus track 7
David Bowie – saxophones, backing vocals, vocals on bonus track 5
Morgan Fisher – organ, Mellotron on bonus track 3; piano, synthesizer, vocals on bonus tracks 6, 7
Ray Majors – slide guitar on bonus track 2
Mick Ronson – strings, brass, arrangement on "Sea Diver"
Buddy Bauerle – pan flute
Mike Walls – hammond B3 organ
Jeff Hanover – vibraslap


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Sweet Jane (4:21)
2. Momma’s Little Jewel (4:26)
3. All The Young Dudes (3:32)
4. Sucker (5:03)
5. Jerkin’ Crocus (4:00)
6. One Of The Boys (6:46)
7. Soft Ground (3:17)
8. Ready For Love / After Lights (6:47)
9. Sea Diver (2:55)


Bonus Tracks der CD-Wiederveröffentlichung von 2006:

1. One Of The Boys (Demo Version) (4:18)
2. Black Scorpio (Demo Version Of "Momma’s Little Jewel") (3:35)
3. Ride On The Sun (Demo Version Of "Sea Diver") (3:36)
4. One Of The Boys (UK Single Version) (4:21)
5. All The Young Dudes (David Bowie Vocals) (4:25)
6. Sucker (Live 1973 At The Hammersmith Odeon) (6:27)
7. Sweet Jane (Live 1973 At The Hammersmith Odeon) (5:00)

Gesamtspieldauer: 1:12:58




„All The Young Dudes“ heißt das fünfte Studioalbum der englischen Band Mott The Hoople. Es wurde am 8. September 1972 in Großbritannien auf dem Plattenlabel CBS Records veröffentlicht. In den USA erschien es auf Columbia Records. Das Album hätte im Grunde genommen gar nicht mehr entstehen dürfen, da Mott The Hoople vor der Auflösung standen, weil ihre bisherigen vier Alben sich nur sehr mäßig verkauft hatten. Es war jedoch David Bowie, der die Band zum Weitermachen überredete und ihnen den Titel „All The Young Dudes“ zur Verfügung stellte und das Album schließlich sogar noch produzierte. Von nun an, mit dieser Veröffentlichung ging es mit Mott The Hoople endlich auch erfolgstechnisch bergauf und das Lied „All The Young Dudes“ platzierte sich in vielen Charts, wurde zum Hit und ist wohl das Lied, welches die meisten Menschen mit Mott The Hoople in verbinden.

Natürlich ist dieses Titellied der Track des Albums, der sofort hängenbleibt. Ein Ohrwurm, der inzwischen auch schon sehr oft gecovert wurde. Ein poppiger Rocktitel, der wirkt und klingt. Ansonsten hört man auf „All The Young Dudes“ die ersten Ausläufer des Glam Rock, für welchen Rockstil die Band Mott The Hoople ebenfalls steht. Doch es wird auch ordentlich gerockt auf der Platte. Das Lied „Ready For Love“ lässt sich da schon ohne Weiteres unter der Überschrift „Hard Rock“ einordnen. Manchmal klingt der Blues etwas durch, ein anderes Mal ist es eben Pop, den man auf dem Album kredenzt bekommt. Dabei hört sich vieles der Platte auch ganz leicht nach David Bowie an, dessen Produzententätigkeit hier gewiss nicht verheimlicht werden kann.

Ein Höhepunkt des Albums ist natürlich das Lied „All The Young Dudes“, welches man einmal gehört nicht mehr vergisst, ein Ohrwurm eben. Den zusammengesetzten Titel „Ready For Love / After Lights“ sollte man an dieser Stelle noch erwähnen. Gerade der zweite Teil „After Lights“ überzeugt auch, geht ebenfalls gut ins Ohr und klingt so wunderschön befreit. Schließlich sei noch auf das letzte Stück der Platte verwiesen. „Sea Diver“ ist die sanfteste Nummer auf „All The Young Dudes“, ein Lied zum Träumen.

Mit der Wiederveröffentlichung der Platte in einer remasterten Version gibt es noch insgesamt sieben Zugaben zu hören, die sich allesamt lohnen. Zwar bekommt man mit diesen Liedern nicht mehr unbedingt etwas Neues serviert, jedoch andere Ausführungen der Lieder, frühere Versionen, zwei Live-Einspielungen und „All The Young Dudes“ von David Bowie eingesungen. Wunderbar.

Fazit: Es wäre definitiv schade gewesen, wenn sich Mott The Hoople hier bereits aufgelöst hätten und „All The Young Dudes“ nicht mehr erschienen wäre. Dieses Lied hätte sich zwar wohl sonst auf einer David Bowie Platte wiedergefunden und wäre nicht verloren gegangen – der Rest des Albums jedoch vielleicht schon. Denn auch wenn das Titellied der Platte deren absoluten Höhepunkt darstellt, der Rest ist ebenfalls größtenteils überzeugend und lohnt gehört zu werden. Neun Punkte.

Anspieltipps: All The Young Dudes, Ready For Love / After Lights, Sea Diver



Montag, 7. Oktober 2019

Sigrid und Marina – Halleluja der Berge




Sigrid und Marina – Halleluja der Berge


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang
Marina Hutterer – Gesang


Gastmusiker:


Hannes Wallner – Gitarren
Fritz Koch – Gitarren
Christian Zierhofer – Akkordeon, Chor
Karl Heinz Promitzer – Flügelhorn
Wolfgang Huss – Flügelhorn
Manfred Gradwohl – Trompete
Gerhard Zwickl – Trompete
Mathias Rauch – Tenorhorn
Harald Kobler – Tenorhorn
Célina Schramm – Violine
Tini Keinrath – Chor
Michaela Kollar – Chor
Edith Prock – Chor
Franziska Hetzel – Chor
Enjoya Flaschberger – Chor
Herbert Moser – Chor


Label: Hofbauer Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Halleluja der Berge (3:28)
2. Das Leben hat es immer gut gemeint (3:17)
3. Maria zu deiner Ehr (2:28)
4. Glorwürdige Königin (3:10)
5. Manchmal möcht ich nur da oben sein (4:06)
6. Ave Montagna (3:26)
7. Gloria (2:03)
8. Wir sind alle Kinder Gottes (3:22)
9. Des Leb‘n is a Wimpernschlag (3:53)
10. Sanctus (2:19)
11. Hörst du die Glocken von Stella Maria (2:33)
12. Der Herr segne dich (1:26)
13. Großer Gott, wir loben dich (3:33)

Gesamtspieldauer: 39:09



Jedes Jahr erscheint ein neues Album der beiden Schwestern Sigrid und Marina Hutterer aus Gmunden im Salzkammergut, Oberösterreich. Die diesjährige Ausgabe heißt „Halleluja der Berge” und erschien am 13. September 2019 auf dem Label Hofbauer Music. Beim Titel der CD ist es nicht weiter verwunderlich, dass es sich bei der die Musik des Albums um christliche Lieder handelt.

Verantwortlich für Musik und Texte zeichnen sich dieses Mal viele verschiedene Komponisten. Das geht über Eigenkompositionen der beiden Schwestern über das Duo Ralph Siegel und Bernd Meinunger bis hin zu traditionellen Stücken. Wohltuend ist all diesen Liedern gemeinsam, dass bei der Instrumentierung fast völlig auf Synthesizer verzichtet wurde – damit auch auf diese immer nervenden Rhythmuscomputer-Sounds – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Streicher, Bläser und Chöre begleiten Sigrid und Marina hauptsächlich. Das klingt insgesamt dann sogar wohltuend eher nach Volksmusik denn nach volkstümlichem Schlager. Den Fans wird es gefallen.

Fazit: Deutlich weniger kommerziell klingen Sigrid und Marina auf ihrem diesjährigen Album „Halleluja der Berge”. Christliche Texte und handgemachte Musik gibt es darauf zu hören. Das klingt deutlich besser als Schlager und volkstümlicher Schlager. Immerhin. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Des Leb‘n is a Wimpernschlag



Samstag, 5. Oktober 2019

Eloy – The Vision, The Sword And The Pyre – Part II




Eloy – The Vision, The Sword And The Pyre – Part II


Besetzung:

Frank Bornemann – lead and backing vocals and all guitars
Klaus-Peter Matziol – bass
Hannes Folberth – keyboards
Michael Gerlach – keyboards
Stephan Emig – drums


Gastmusiker:

Arthur Kühfuss – keyboards on tracks 1 & 3
Laila Nysten – vocals on track 1
The Youth Choir Of The Market Church, Hannover – choir on tracks 1 & 5


Label: Artist Station Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. An Instant Of Relief... Still The War Rages On (6:28)
2. Between Hope, Doubts, Fear And Uncertainty (2:14)
3. Patay (5:25)
4. Joy (3:45)
5. Reims... The Coronation Of Charles VII (2:32)
6. Résumé (2:47)
7. Armistice Of War (4:29)
8. Paris (3:50)
9. Abandoned (4:43)
10. Compiègne (5:12)
11. Tormenting Imprisonment (2:33)
12. Rouen (4:58)
13. Eternity (3:42)

Gesamtspieldauer: 52:45



Zwei Jahre hat es gedauert, bis Frank Bornemann mit seiner Band Eloy den zweiten Teil der Geschichte um Jeanne d’Arc erzählt. Dieses Mal bis zum bitteren Ende, bis Jeanne d’Arc mit dem Titel „Eternity“ in die Ewigkeit einzieht. Auch dieses neunzehnte Studioalbum mit dem logischen Titel „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ erschien auf dem Plattenlabel Artist Station Records und ist unverwechselbar ein Eloy-Album geworden. Die Fans wird es freuen.

Die Musik auf „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ ist – wie schon beim Vorgänger – sehr viel eher an der Musik der Band der 70er Jahre angelehnt, als an jener der 80 und 90er Jahre. Doch trotzdem unterschieden sich die Lieder auf dem Album mit jenen der damaligen Zeit und auch etwas im Vergleich zum Vorgänger. Eloy rocken deutlich mehr. An manchen Stellen fließt auf „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ eine Prise Hard Rock mit ein, die man sonst von Eloy eher weniger kennt. Zudem klingt die Musik dieses Mal nicht mehr so bombastisch und enthält weniger Pathos, als noch auf dem vorherigen Album zu vernehmen war. Nichtsdestotrotz ist die Platte ein Eloy-Album geworden, mit sehr vielen der Zutaten, weswegen Fans diese Band so lieben.

Auf „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ wird einmal mehr die Abwechslung groß geschrieben. Der Text wird gesungen oder eingesprochen, um den erzählerischen Ansatz zu betonen. Frank Bornemann singt und spricht den größten Teil ein, aber man hört auch weibliche Stimmen. Die Atmosphären der Musik wechseln, genau wie Tempi und Rhythmen. Es gibt wunderschöne Melodien zu entdecken, schwebende wie rockende Passagen. Die Band versucht dabei die Szenen im Leben der Jeanne d’Arc musikalisch umzusetzen. Das gelingt nicht durchgängig packend, an vielen Stellen allerdings doch sehr gut.

Die Lieder bilden von daher eine Einheit, die eine Geschichte erzählt. Diesbezüglich hat sich kaum etwas zu den Eloy Platten Mitte der 70er Jahre geändert. Einzelne Stücke herauszuheben generiert sich damit einigermaßen schwierig, da sie alle Teil eines Ganzen sind und dort auch am besten wirken. Um die Bandbreite der Platte ein wenig wiederzugeben, empfehle ich den Opener „An Instant Of Relief... Still The War Rages On“ und das Lied „Armistice Of War“ zur Orientierung anzuspielen, da diese beiden Nummern alles enthalten, was „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ ausmacht. 

Fazit: „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ ist ein gutes Album geworden, ganz im Stile der Eloy Musik der 70er Jahre. Ganz so beeindruckend wie damals klingen Eloy allerdings nicht mehr. Jedoch deutlich interessanter als in den 80er Jahren. Auch kommt der zweite Teil der Geschichte um Jeanne d’Arc nicht an den ersten heran. Die Melodien wussten da noch ein wenig mehr zu packen. Doch „The Vision, The Sword And The Pyre - Part II“ macht Spaß. Eindeutig. Und welche Band kann mit dem 19. Studioalbum noch solch einen Höhepunkt vorweisen? Mir fällt da wenig ein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: An Instant Of Relief... Still The War Rages On, Armistice Of War



Mittwoch, 2. Oktober 2019

Kirsten Ludwig – Wasted Time (EP)




Kirsten Ludwig – Wasted Time (EP)


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Oscar St. Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. Wasted Time (4:06)
2. Beyond (3:35)
3. I Think I’m Ready (4:26)

Gesamtspieldauer: 12:08



Nachdem im Jahr 2018 das letzte komplette Studioalbum der Kanadierin Kirsten Ludwig mit dem Titel „We Get It Now“ veröffentlicht wurde, erscheint nun mit der „Wasted Time“-EP eine etwas kürzere Ausgabe ihrer Musik, die ebenfalls wieder auf dem Label Oscar St. Records veröffentlicht wurde.

Die drei Lieder der EP sind sanfte und verträumte Nummern, allesamt sehr melodiös und klingen nach Verletzlichkeit und Wärme. Die zurückhaltende, mit Streichern verfeinerte Instrumentierung in Verbindung mit der schönen Stimme der Kirsten Ludwig machen dieses Album zu einem hörenswerten Erlebnis, welches man übrigens auch auf Bandcamp nachhören kann. Dream-Pop in seiner schönen Ausführung.

Fazit: Man darf sich auf das neue Album der Kirsten Ludwig freuen. Die EP „Wasted Time“ gibt dabei schon mal einen schönen Ausblick, was Hörerin und Hörer zu erwarten haben: Dream-Pop in einer sehr einnehmenden Ausführung. Zudem geht Kirsten Ludwig ab Oktober auf Europa-Tournee. Wer die Möglichkeit hat die kanadische Sängerin und Musikerin live zu erleben, darf sich auf einen Abend mit sanfter und schöner Musik freuen. Neun Punkte.

Anspieltipps: I Think I’m Ready



04/10/19 – Wien – Haus der Musik
06/10/19 – Offenbach – Hafen 2
07/10/19 – Dresden – Katy's Garage
08/10/19 – Berlin – Bar Bobu
09/10/19 – Köln – Tsunami
10/10/19 – Unna – Spatz & Wal
11/10/19 – Bereldange (L) – SOM
12/10/19 – Saarbrücken – Studio 30
15/10/19 – Bern – Cafè Marta / Sound & Sandwich
16/10/19 – Mainz – Dorett
17/10/19 – Wuppertal – Viertel Bar
18/10/19 – Magdeburg – Volksbad Buckau
19/10/19 – Darmstadt – Bedroomdisco
20/10/19 – Dresden – Wohzimmer
21/10/19 – München – Cucurucu
22/10/19 – Linz – Smaragd
23/10/19 – Klagenfurt – Wohnzimmer
24/10/19 – Salzburg – Corner
25/10/19 – Immendingen – Lichtspielhaus Gloria
28/10/19 – Wintherthur – Portier



Montag, 30. September 2019

Novalis – Neumond




Novalis – Neumond


Besetzung:

Detlef Job – Gitarre
Lutz Rahn – Keyboards
Fred Mühlböck – Gesang, Gitarre, Querflöte
Hartwig Biereichel – Schlagzeug


Gastmusiker:

Heinz Fröhling – Bass
Herb Geller – Altsaxophon
Gillian Scalici – Gesang


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 1982


Stil: Pop, Deutscher Schlager


Trackliste:

1. Anakonda (4:04)
2. Oft sagt man mehr, wenn man schweigt (5:13)
3. Frühsport im Sachsenwald (5:50)
4. Du bist schön (4:09)
5. Kein Frieden (3:35)
6. Neumond (3:30)
7. Nachttraum (8:09)
8. Blauer Morgen (4:01)

Gesamtspieldauer: 38:35




Ihr achtes Studioalbum nannte die Hamburger Band Novalis „Neumond“. Bei Neumond bleibt die Welt in der Nacht sehr dunkel und genau solch einen dunklen Fleck stellt auch dieses Album in der Diskographie von Novalis dar. Vom ehemaligen musikalischen Genre, dem Progressive Rock, in dem die Band ursprünglich Zuhause war, war nichts mehr geblieben. Die Musik von Novalis war im Pop bis hin zum Schlager gestrandet. Sicherlich lag das nicht am Ausscheiden vom ehemaligen Bassisten Heino Schünzel, der durch Heinz Fröhling ersetzt worden war, den man vom Trio Schicke, Führs, Fröhling kennt, welches ebenfalls für eine sehr viel komplexere und interessantere Musik stand. Es war wohl der Zeitgeist der 80er Jahre, der letztendlich nun auch Novalis vollends erfasst hatte und häufig eher für seichten Pop, denn für anspruchsvolle Musik steht.

Dabei startet „Neumond“ mit dem Lied „Anakonda“ noch ganz passabel. Eine Instrumentalnummer, die so fast identisch auch auf einem Album des Alan Parsons Project zu finden sein könnte. Ganz nett und eingängig, doch mit dem folgenden Lied „Oft sagt man mehr, wenn man schweigt“ bewegen sich Novalis tatsächlich im Bereich des Deutschen Schlagers. Unsägliche Musik, sehr peinlicher Text. Solchen hört man auch in den Liedern „Du bist schön“ oder „Kein Frieden“. Ganz schlecht. Dazu gesellt sich noch der Umstand des Textens selbst. Gut, das Reimen mag allgemein überschätzt werden. Doch so ganz ohne reinen oder unreinen Reim, wie viele Passagen auf dem Album textlich erklingen, wirken die Lieder konstruiert, irgendwie nicht vollendet, uninspiriert oder kurz gesagt noch schlechter.

Somit findet man kaum etwas Hörenswertes auf diesem Album, welches größtenteils lediglich mit unterirdischen Texten und poppigen bis schlageresken Klängen wuchert. Außer dem Titel „Anakonda“ höre ich auf der Platte nur sehr wenig, was auf irgendeine Art und Weise noch lohnend wäre. Das Lied „Nachttraum“ verfügt zwar noch über eine ganz nette Melodie, doch auch in diesem Fall ist es leider wieder der Text, der das Zuhören sehr schwierig gestaltet und einen tief Luftholen lässt.

Fazit: In der bisherigen Diskographie der Band sicherlich der musikalische Tiefpunkt von Novalis. Pop mit Schlager, ein wenig instrumentale Atmosphäre, das findet und hört man auf „Neumond“. Dazu gesellen sich heutzutage peinlich klingende Texte. Obwohl? Es ist zu befürchten, dass dieser Eindruck auch bereits Anfang der 80er Jahre bestand gehabt hat. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Anakonda



Samstag, 28. September 2019

65daysofstatic – replicr, 2019




65daysofstatic – replicr, 2019


Besetzung:

Joe „Joe-Fro“ Shrewsbury – guitar
Paul Wolinski – guitar
Rob Jones – drums
Simon Wright – bass


Label: Superball Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Post Rock, Electronica, Experimentelle Musik


Trackliste:

1. pretext (2:15)
2. stillstellung (3:37)
3. d|| tl | | | (1:43)
4. bad age (4:49)
5. 05|| | 1| (0:48)
6. sister (4:23)
7. gr[]v-_s (1:22)
8. popular beats (3:01)
9. five waves (4:00)
10. interference_1 (5:22)
11. []lid (1:00)
12. z03 (4:08)
13. u| || | th | r| d (2:01)
14. trackerplatz (3:41)

Gesamtspieldauer: 42:16



Besonders, sogar sehr besonders klingt das sechste Studioalbum der englischen Band aus Sheffield mit dem schon reichlich seltsamen Namen 65daysofstatic. Doch es geht gleich mit dem Albumnamen „replicr, 2019“ weiter. Dieser fällt zumindest ebenso in die Kategorie „komisch“. Geht man schließlich noch die Trackliste durch, kommt man mit Sprache im herkömmlichen Sinne zum Teil gar nicht mehr weiter. Wie spricht man eigentlich „d|| tl | | |“ oder „gr[]v-_s“ aus?

„replicr, 2019“ ist ein dunkles Album geworden. Dunkel, düster und instrumental. Sphärische und doch intensive Klänge, die durch den Raum zu schweben scheinen und ohne jegliche Percussion auskommen, wechseln sich mit rhythmisch nach vorne preschenden Stücken ab. In beiden Fällen klingt das packend, zum Teil auch richtiggehend mitreißend und jederzeit sehr intensiv. Ist das aber noch Musik oder sind das doch eher atmosphärisch dichte Klanggebilde, die einem mit „replicr, 2019“ um die Ohren fliegen? Das, was man zu hören bekommt auf „replicr, 2019“ ist sehr experimentell, verfügt meistens nicht mehr über eine Melodie und klingt doch einnehmend. Mit dem einen Titel wird man erfasst, hochgehoben, mit Wärme gestreichelt, um mit der nächsten Nummer wieder aus allen Tagträumen gerissen zu werden, die Kälte und Schroffheit zu spüren.

Es ist dieses intensive Spiel mit den Stimmungen, die auf „replicr, 2019“ begeistert. Dieses Wabern, Surren, Schwirren, Scheppern, Hallen und auch Klingen in immer neuen Abwechslungen und Variationen, welche nie vorhersehbar zu sein scheinen, beeindruckt. Stimmungen wie Atmosphären, die die Hörerin wie den Hörer mit sich führen und nie ganz fallen lassen. Geht man diesen Weg schließlich bis zum Ende mit, wird man durch den Titel „trackerplatz“ letztendlich sogar noch beseelt erlöst. Die Kälte verzieht sich. Eine angenehme Wärme macht sich breit, mit der man erleichtert, nachdenklich und beeindruckt – und sogar mit einer einnehmenden Melodie versehen – aus dieser Scheibe entlassen wird.

Fazit: Auf „replicr, 2019“ hört man experimentelle Musik, die sich über musikalische Konventionen hinwegsetzt. Das klingt nicht immer einfach, nur in den seltensten Fällen eingängig, doch jederzeit atmosphärisch dicht, spannend und intensiv. Besondere, andere Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: interference_1, trackerplatz



Freitag, 27. September 2019

Great Red Silence – White Shark Café




Great Red Silence – White Shark Café


Besetzung:

Jöax Grubmüller – Vocals
Mathias Kollos – Gitarre
Martin Spiegel – Gitarre
Dominik Mayr – Bass
Benjamin Philippovich – Drums


Label: Great Red Silence


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Rock


Trackliste:

1. 4 a.m. (5:31)
2. Stranger Gods (5:14)
3. Mantis (5:34)
4. Impulse Control (4:46)
5. Honest Mistake (4:35)
6. Mind’s Island (4:02)
7. Death In The Deep (4:41)
8. White Shark Café (7:06)

Gesamtspieldauer: 41:33



„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so naheliegend ist?“ Diese Frage könnte man sich durchaus stellen, wenn man das heute, am 27. September erscheinende Debut Album der österreichischen Band Great Red Silence hört. „White Shark Café“ heißt dieses und ist angefüllt mit spannender und packender rockiger Musik, die sich lohnt gehört zu werden und sich keinesfalls vor Alben englischen oder US-amerikanischen Kollegen verstecken muss. Mehrere musikalische Genres werden dabei auf der Platte bedient, die zu jeder Menge Abwechslung auf dem Album beitragen.

Auf „White Shark Café“ hört man eine Mischung aus Alternative Rock und Hard Rock, die auch mal das Genre des Progressive Rocks streichelt. Das klingt spannend und abwechslungsreich und an vielen Stellen des Albums mitreißend. Dazu hört man Texte, die sich angenehm vom schnöden „Liebesallerlei“ abheben. Auf „White Shark Café“ werden Geschichten von Reisen zu unerforschten Welten erzählt, ideenreich und phantasievoll. Die acht Titel des Albums zeichnen sich darüber hinaus dadurch aus, dass die Wiener Musiker ein feines Gespür für die Melodie besitzen und diese auch zu transportieren verstehen. Egal ob rockig bis fast brachial oder sanft und weich, die acht Nummern der Platte gehen ohne Ausnahme ins Ohr, wirken und hallen nach. Bereits mit dem zweiten Durchlauf scheint man auf „gute Bekannte“ zu treffen, die man auch nach vielen Durchläufen immer wieder gerne hört.

Es gibt so Alben, da passt die Musik vom ersten bis zum letzten Takt. „White Shark Café“ ist solch eine Scheibe. Hörerinnen und Hörer mit dem Faible für rockige Töne werden dementsprechend auf diesem Album viel für sich entdecken können. Somit gibt es auch eine breite Auswahl an Höhepunkten. „Death In The Deep“ ist ein solcher. Ein eher ruhiges Lied welches eine sehr relaxte Atmosphäre verbreitet. Schließlich sei an dieser Stelle auch noch der Titeltrack und gleichzeitig der Abschluss des Albums erwähnt. Das Lied „White Shark Café“ beginnt langsam, bedächtig und steigert sich im weiteren Verlauf zu einer tollen Rocknummer, eingängig und nachhallend. An dieser Stelle hätte durchaus auch einer der sechs anderen Titel des Albums Erwähnung finden können, „White Shark Café“ klingt durchgängig überzeugend – ohne sich einen Ausfall zu genehmigen.

Fazit: Mit „White Shark Café“ ist der Wiener Band Great Red Silence ein sehr überzeugendes Debut gelungen. Wer Rock Musik mag, für die oder den gibt es auf dieser Platte jede Menge überzeugende Musik zu entdecken, die mit guten Texten und eingängigen Melodien aufwartet. Bleibt zu hoffen, dass man noch viel von Great Red Silence zu hören bekommen wird. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Death In The Deep, White Shark Café



Donnerstag, 26. September 2019

Aniiml – Oh Awe




Aniiml – Oh Awe


Label: Aniiml Lovr


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. It’s Over (3:31)
2. Slay! (3:54)
3. Handle Me (3:28)
4. Ouch! (3:59)
5. Where We Go (When We Go) feat. X. Ari (3:08)
6. Out! Of! Control! (3:53)
7. Before It Gets Better feat. Robots & Balloons (3:44)
8. Face To The Pavement (4:44)
9. It’s Not Over... Yet (3:22)
10. Stronger Now (4:16)

Gesamtspieldauer: 38:03



Manches mal ist man überrascht, wie sich Musik mit dem Anhören im Ohr und schließlich vom Gefühl her entwickelt. Ein Beispiel hierfür ist die neueste Scheibe von Aniiml, einer gebürtigen Kanadierin, die nun in Los Angeles lebt. Klingt es nach den ersten Takten noch nach Pop, den man so in der heutigen Zeit durchaus schon gehört zu glauben scheint, so entwickelt sich das Album „Oh Awe“ im weiteren Verlauf und mit jedem weiteren Durchgang immer stärker, wird besonderer, wichtiger, außergewöhnlicher.

„Oh Awe“ erscheint am 27. September und enthält knapp vierzig Minuten Musik, die dann eben doch nicht „gewöhnlich“ klingt. Zum einen liegt dies an der intensiven und facettenreichen Stimme der Sängerin, die in allen Tonlagen Zuhause zu sein scheint. Sehr eindringlich zelebriert Aniiml ihre Texte über Tod, Glück oder Kontrollverlust immer in einer Art und Weise, die Zuhörerin wie Zuhörer zu packen versteht. Das klingt an der einen Stelle energisch, dann wieder feengleich, mal verzweifelt, schließlich bittend und bettelnd. Aniiml passt ihre Stimme den gesungenen Botschaften an und verleiht diesen auf diese Art noch mehr Aussagekraft. Die Inhalte wirken, die dazugehörende Musik schafft dies nicht weniger. Eingängige Melodien transportieren in Verbindung mit dem Gesang eine besondere Atmosphäre, die mitunter fast schon mystisch klingt – trotz des poppigen Anstrichs. Ins Ohr geht die Musik dabei immer und auch ohne großartige Umwege einzulegen.

Die Musik des Albums wächst mit jedem Hören. Höhepunkte und gleichzeitig die Anspieltipps dieses Albums sind die vier Titel „Ouch!“, „Before It Gets Better“, „It’s Not Over... Yet“ sowie das letzte Lied des Albums „Stonger Now“. Diese vier Nummern spiegeln sehr schön die ganze Bandbreite der Musik von Aniiml auf „Oh Awe“ wider. Abwechslungsreich, melodiös und eben spannend.

Fazit: „Oh Awe“ ist ein sehr überzeugendes Album von Aniiml geworden. Pop Musik, modern und außergewöhnlich, eingängig und besonders. Das Album lebt von guten Ideen, textlich wie melodisch in Verbindung zum nicht alltäglichen Gesang. Schön, dass nun auch zum ersten Mal die Chance besteht Aniiml in Europa live zu sehen. Das Album lohnt, ein Konzert sicherlich ebenso. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ouch!, Before It Gets Better, It’s Not Over... Yet, Stonger Now


Konzerttermine:

03/10/19 – Wien – Rhiz
04/10/19 – Wolkersdorf im Weinviertel – Outback
05/10/19 – Klagenfurt – Wohnzimmer
06/10/19 – Prag – Cross Club
07/10/19 – München – Fox Bar
08/10/19 – Bochum – Bastion
09/10/19 – Stuttgart – Café Galao
10/10/19 – Offenbach – Hafen 2
11/10/19 – Oldenburg – Polyester Klub
12/10/19 – Marburg – Q
13/10/19 – Berlin – Hangar 49
14/10/19 – Leipzig – Noch Besser Leben
17/10/19 – Bern – Wohnzimmer
18/10/19 – Konstanz – Kulturzentrum K9
19/10/19 – Nyon – La Parenthèse
20/10/19 – St. Gallen – Schwarzer Engel
24/10/19 – Hamburg – Yoko Club
25/10/19 – Odense – Kansas City
26/10/19 – Viborg – Ølluminati



Dienstag, 24. September 2019

Procol Harum – Procol’s Ninth




Procol Harum – Procol’s Ninth


Besetzung:

Gary Brooker – vocals, piano
Mick Grabham – guitar
Chris Copping – organ
Alan Cartwright – bass guitar
B. J. Wilson – drums
Keith Reid – lyrics


Label: Esoteric Records


Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

CD1:

1. Pandora‘s Box (3:37)
2. Fool‘s Gold (4:00)
3. Taking The Time (3:39)
4. The Unquiet Zone (3:40)
5. The Final Thrust (4:37)
6. I Keep Forgetting (3:28)
7. Without A Doubt (4:31)
8. The Piper‘s Tune (4:28)
9. Typewriter Torment (4:29)
10. Eight Days A Week (3:00)

Bonus Tracks:

11. Pandora‘s Box (Raw Instrumental Track) (3:40)
12. Fool‘s Gold (Raw Track) (3:57)
13. Taking The Time (Raw Track) (4:37)
14. The Unquiet Zone (Raw Track) (4:26)
15. The Final Thrust (Raw Version) (4:41)
16. The Poet (Demo Of "Without A Doubt") (4:18)
17. The Piper‘s Tune (Full Length Version) (4:56)
18. Typewriter Torment (Raw Version) (4:36)

CD2:

1. Shine On Brightly (Live at Capitol Theatre, Nj, 1975) (4:27)
2. As Strong As Samson (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:37)
3. Conquistador (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:38)
4. Pandora‘s Box (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:24)
5. The Unquiet Zone (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:20)
6. A Salty Dog (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:27)
7. A Souvenir Of London (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:45)
8. Cerdes (Outside The Gates Of) (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (6:50)
9. I Keep Forgetting (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:25)
10. Grand Hotel (Including 'The Blue Danube') (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (13:33)
11. Power Failure (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (7:40)
12. Simple Sister (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (6:55)

CD3:

1. Shine On Brightly (Live at Leicester University, 1975) (4:30)
2. Whaling Stories (Live at Leicester University, 1975) (9:22)
3. Conquistador (Live at Leicester University, 1975) (4:35)
4. Pandora‘s Box (Live at Leicester University, 1975) (4:18)
5. The Piper‘s Tune (Live at Leicester University, 1975) (5:14)
6. Grand Hotel (Live at Leicester University, 1975) (8:01)
7. Beyond The Pale (Live at Leicester University, 1975) (3:37)
8. A Salty Dog (Live at Leicester University, 1975) (5:49)
9. I Keep Forgetting (Live at Leicester University, 1975) (4:39)
10. The Blue Danube (Live at Leicester University, 1975) (10:00)
11. Be Bop-a-Lula (Live at Leicester University, 1975) (3:49)
12. Old Black Joe (Live at Leicester University, 1975) (4:42)
13. A Whiter Shade Of Pale (Live at Leicester University, 1975) (7:17)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:14:49) und CD2 (1:14:07) und CD3 (1:15:58): 3:44:55




„Procol’s Ninth“ heißt das neunte Album der britischen Band Procol Harum. Es ist das achte Studioalbum, da die Band um Gary Brooker zu diesem Albumtitel kam, indem sie das Live-Album „Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ mitzählte. „Procol’s Ninth“ erschien im September 1975 ursprünglich auf dem Plattenlabel Chrysalis. Auf Repertoire Records wurde das Album wiederveröffentlicht und erschien im Jahr 2018 erneut. Dieses Mal in einer aus drei CDs bestehenden Zusammenstellung auf dem Label Esoteric Records.

Wie bereits auf dem Vorgängeralbum „Exotic Birds And Fruit“, so befindet sich auch auf „Procol’s Ninth“ eine rockig-poppige Mischung, unterfüttert mit etwas Blues, die sich hauptsächlich im Mainstream der populären Musik bewegt. Besonders spannend, innovativ oder sonst irgendwie außergewöhnlich klingt nichts mehr auf dieser Scheibe, die auch nur bei wenigen Fans und Kritikern einen tieferen Eindruck hinterließ. „Procol’s Ninth“ ist zudem die erste Veröffentlichung der Band auf der sich gecoverte Lieder befinden. Mit „Eight Days A Week“ von den Beatles und „I Keep Forgetting“ von Chuck Jackson, aus der Feder des Duos Jerry Leiber und Mike Stoller, wurden zwei bereits veröffentlichte Lieder neu interpretiert. Fast wirkt es ein wenig so, dass diese beiden Lieder in der Kombination mit den restlichen, selbstgeschrieben Titeln von Procol Harum darauf hinweisen, dass Gary Brooker und seinen Mitmusikern Mitte der 70er Jahre die Ideen ausgegangen wären.

Höhepunkte sind die ersten beiden Titel des Albums, die Lieder „Pandora‘s Box“ und „Fool‘s Gold“. Beide Lieder gehen noch am ehesten ins Ohr, erinnern ein wenig an Procol Harum wenige Jahre zuvor und zumindest „Pandora‘s Box“ hat es doch noch geschafft, in den Bereich der „Klassiker“ von Procol Harum aufzusteigen. Und der Rest? Der erreicht zum Teil noch die Güteklasse „ganz nett“. „The Piper‘s Tune“ sticht ebenfalls noch ein klein wenig heraus. Viel mehr bleibt da jedoch nicht.

Die Wiederveröffentlichung in dieser Form auf dem Label Esoteric Records trägt überdies zum Verdruss bei. Zwei zusätzliche CDs mit ganz viel Bonusmaterial in Form von Live-Einspielungen, die sich kaum bis gar nicht musikalisch von den Originalen unterschieden, jedoch soundtechnisch etwas zu wünschen übrig lassen, tragen lediglich dazu bei, dass man das Album nun teuer verkaufen kann. Dauerndes Gebrabbel und das Stimmen der Gitarren macht vielleicht Spaß, wenn man live dabei ist. So aufgenommen und angehängt funktioniert es deutlich schlechter. Einen Mehrwert für die Konsumentinnen und Konsumenten bringt das nämlich nicht mehr.

Fazit: Nein, „Procol’s Ninth“ ist kein völlig missratenes Album geworden. Leider jedoch ein zum größten Teil sehr langweiliges. Nur wenige Höhepunkte gibt es darauf zu hören, der Rest versinkt im nichtssagenden und langweiligen Mainstream. Dazu werden einem zwei Bonus-CDs mitgeliefert, die vielleicht für den absoluten Fan eine gewisse Bedeutung haben, jedoch klangtechnisch oder auch von der Auswahl der Stücke her absolut verzichtbar sind. Schade. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Pandora‘s Box, Fool‘s Gold, The Piper‘s Tune