Samstag, 15. Juni 2019

Dirtmusic – Live (Colours of Ostrava 2018)




Dirtmusic – Live (Colours of Ostrava 2018)


Besetzung:

Hugo Race
Chris Eckman
Murat Ertel
Milan Cimfe


Label: Eigenverlag


Erscheinungsjahr: 2019


Trackliste:

1. Bi De Sen Soyle
2. Safety In Numbers
3. Black Gravity
4. The Border Crossing
5. Fitzcarraldo
6. Love Is A Foreign Country
7. Go The Distance
8. Bu Bir Ruya
9. Outrage
10. Troubles



Ich höre Musik. Viel Musik. Seitdem ich 11 Jahre alt bin kaufe und sammele ich Platten. Da häufte sich über die Jahrzehnte einiges zusammen. Hinzu kam, dass ich seit nunmehr fast 23 Jahren Radio Goethe produziere, eine „syndicated“ Sendung auf rund 40 Stationen. Und auch für eine große deutsche Airline produzierte und moderierte ich zehn Jahre lang eine Country/Folk/Americana Show. Auch so landete viel Musik hier bei mir.

Einen Musiker, den ich schon sehr lange beobachte, begleite, verfolge ist Hugo Race, der einmal zu den Bad Seeds von Nick Cave gehörte. Es muss 1991 gewesen sein, da spielte Hugo Race in einem fast leeren Klüpfel. Begeistert war er davon nicht, das sah man ihm an. Race ist für mich einer der begnadetsten Musiker, der unermüdlich seinen Weg weitergeht. Da sind Konzerte wie im Klüpfel einfach mal Stolpersteine, die man schnell vergisst.

Dirtmusic live, ein Klangerlebnis.

Der Australier veröffentlicht seine Songs unter eigenem Namen, mit den Fatalists, True Spirit und sucht auch immer wieder Kollaborationen mit anderen Musikerinnen und Musikern. Herausragend zuletzt sind da die Projekte „Long Distance Operators“ mit der belgischen Violinistin Catherine Graindorge und auch die Zusammenarbeit mit dem Italiener Michelangelo Russo. Aber das ist vor allem Dirtmusic, ein faszinierendes Weltmusik Projekt. Seit vielen Jahren arbeitet Hugo Race da mit Chris Eckman zusammen, der mit den Walkabouts aus Seattle bekannt wurde.

Dirtmusic waren anfangs noch mit Chris Brokaw von Codeine im Americana Sound unterwegs, bevor sie mit BKO eine Platte in Mali mit Tamikrest aufnahmen. Das eröffnete ihnen ganz neue Klanglandschaften. Für das jüngste Album zog es Race und Eckman nach Istanbul, um dort mit Murat Ertel von „Baba Zula“ „Bur Bir Ruya“ einzuspielen, ein unglaublich komplexes, tiefes und ergreifendes Album zwischen den Musikwelten und Genres. Nun legt die Band mit einer selbst veröffentlichten Live-Platte nach, einem Konzert, das auf dem Ostravia Festival in Tschechien aufgenommen wurde. Es gibt diese Bands, die ich unbedingt einmal live sehen möchte. Und Dirtmusic ist so eine dieser wenigen Gruppen. Gerade nach dem Hören dieser Live-Platte, die das hervorragende Zusammenspiel der drei Musiker beschreibt. Drei Stimmen, drei musikalische Schwerpunkte, drei unterschiedliche Musikergeschichten, die sich hier treffen, sich ergänzen, sich austauschen, sich gegenseitig antreiben. Dirtmusic schaffen es, diesen gewaltigen Studio Sound auf die Bühne zu bekommen. Es ist ein Rausch der Musik, der Töne, der Einflüsse. Ich habe selten so ein gutes und mitreißendes Live-Album gehört. Dirtmusic muss ich nach dieser Platte irgendwann einfach mal selbst im Konzert erleben.

Freitag, 14. Juni 2019

Jordsjø – Jord




Jordsjø – Jord


Besetzung:

Håkon Oftung – vocals, flute, guitars & keys
Kristian Frøland – drums & percussion


Gastmusiker:

Robert William Dall Frøseth – bass on “Finske Skoger”


Label: Karisma Records


Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Over Vidda (1:48)
2. Abstraksjoner Fra Et Dunkelt Kammer (6:50)
3. Finske Skoger (2:56)
4. Jord I (6:24)
5. Jord II (8:27)
6. La Meg Forsvinne! (6:38)
7. Postludium (4:42)

Gesamtspieldauer: 37:47



Die Skandinavier haben es ziemlich „drauf“, wenn es um Progressive Rock geht, der in der heutigen Zeit meist unter der Überschrift „RetroProg“ subsumiert wird. Jordsjø ist eine weitere Band aus Skandinavien, genauer gesagt aus Norwegen, die eben dieses Genre auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts bedient. „Jord“ heißt ihr Erstlingswerk, erschien im Jahr 2017 zunächst im Eigenverlag, ein Jahr später dann auf dem norwegischen Plattenlabel Karisma Records.

Jordsjø klingen ziemlich typisch nach der skandinavischen Variante dieses musikalischen Genres. Eingängige und melodiöse Melodiebögen bauen sich auf „Jord“ auf, verändern sich, mäandern durch den Raum und verschmelzen schließlich zu einem Ganzen, welches eher dunkel denn fröhlich klingt. Nicht immer hört sich das ausnahmslos harmonisch an, ein paar Ecken und Kanten haben Håkon Oftung und Kristian Frøland durchaus in ihre Musik eingebaut, die dann erst beim wiederholten Mal des Hörens ins Ohr gehen. Vor allen Dingen gegen Ende und Anfang der Platte hört man deutsche Synthesizer-Musik der frühen 70er heraus, die die Band neben alten Horrorfilmen, norwegischem Jazz, Lagerfeuer, schwedischer Volksmusik, Fantasy-Romanen und norwegischer Natur als Inspiration angibt. Der Gesang steht bei Jordsjø auf „Jord“ sicherlich nicht im Vordergrund, der instrumentale Anteil der Musik überwiegt. Die Norweger singen dabei die Titel in ihrer Heimatsprache ein, was den etwas dunkleren Touch der Musik noch ein wenig zu verstärken scheint.

Interessant klingt die Musik für Fans dieses musikalischen Genres vom ersten bis zum letzten Akkord. Auch fällt keiner der sieben Titel hinten herunter, Querflöte und Synthesizer-Teppiche tragen ihren Teil zum gelungenen Hörerlebnis bei. Neben der deutschen Synthie-Musik der frühen 70er Jahre hört man ebenfalls den englischen Progressive Rock derselben Zeit an vielen Stellen auf „Jord“ heraus. Besonders gelungen klingen für mich die beiden Titelnummern „Jord I“ und „Jord II“ sowie das nachfolgende „La Meg Forsvinne!“. Doch auch der Rest dieses Debuts ist ausnahmslos hörenswert.

Fazit: Wer die norwegische Band Wobbler oder die schwedischen Kollegen von Änglagård gern hört, kann mit „Jord“ von Jordsjø bestimmt nichts falsch machen. Skandinavischer RetroProg der zumeist sehr harmonischen und melodiösen Ausrichtung gibt es auf „Jord“ zu hören. Dabei ist die Platte auch wieder mal ein Album, welches mit dem Hören und Wiederhören wächst. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Jord II, La Meg Forsvinne!



Samstag, 1. Juni 2019

Antimatter – Saviour




Antimatter – Saviour


Besetzung:

Duncan Patterson – bass guitar, acoustic guitar, electric guitar, keyboards, programming
Mick Moss – bass guitar, acoustic guitar, electric guitar, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Michelle Richfield – guest vocals on tracks 1, 2, 3, 4, 6, 8
Hayley Windsor – guest vocals on tracks 5, 6, 7, 9
Brian Moss – sampling
Les Smith – sampling
Mags – lead guitar on "Going Nowhere"


Label: Prophecy Productions


Erscheinungsjahr: 2001


Stil: Art Rock, Trip Hop, Independent Rock


Trackliste: 

1. Saviour (3:07)
2. Holocaust (4:25)
3. Over Your Shoulder (4:40)
4. Psalms (3:41)
5. God Is Coming (5:28)
6. Angelic (4:34)
7. Flowers (5:11)
8. The Last Laugh (5:04)
9. Going Nowhere (7:58)
10. Over Your Shoulder (Acoustic) (3:40)

Gesamtspieldauer: 47:54



„Saviour” nannten die beiden Engländer Duncan Patterson, vormals Bassist von Anathema und Mick Moss das Debut-Album ihrer Band Antimatter. Dieses erschien am 4. September 2001 auf dem Plattenlabel Prophecy Productions und enthält eine sehr intensive musikalische Mixtur aus Art Rock, Trip Hop und Independent Rock.

Es sind die Stimmungen und Atmosphären, die diese Platte zu einer machen, die auch längerfristig nachhallt. Die Musik auf „Saviour” klingt düster bis dunkel, hält für die Hörerin und den Hörer weniger Eingängiges und Melodiöses parat. Allerdings gibt es diese Stellen selbstverständlich ebenfalls auf dem Album, wie bei den Liedern „Angelic“ und „Flowers“ zu hören ist. Mehr jedoch sind es sehr intensive Klangwelten, die das Ohr umgarnen und dabei eine mystisch traurige Atmosphäre hervorzaubern, die den eigenen Blues noch verstärken ohne sich dabei zerstörerisch zu generieren. Auch das Wechselspiel im Gesang, bestehend aus zwei Gast-Sängerinnen und Mick Moss, unterstreicht die Stimmung der Scheibe und trägt zudem zur Abwechslung auf „Saviour” bei.

Für den besonders schwebenden und stimmungsvollen Moment auf dem Album steht der Titel „Going Nowhere“. Im Gegensatz zum unaufhaltsam hektischen Geticke einer Uhr hört man zeitgleich harmonische, sphärische und absolut unaufgeregte Klangwelten, die das Voranschreiten der Uhr herrlich konterkarieren und einen Widerspruch so in Szene setzen, dass dieser zu einer stimmungsvollen und logischen Einheit zu verschmelzen scheint. Keine Gegensätze mehr, sondern sich ergänzende gegensächliche Strömungen sind auf „Going Nowhere“ zu hören, die wunderbar sanft instrumentiert schließlich ein überzeugendes Ganzes bilden.

Fazit: Das Debüt-Album von Antimatter zeigt durchaus den Weg vor, den die Band in Zukunft gehen sollte. Sanfte, oftmals sehr melodische und immer wieder höchst fragil klingende Musik, die sehr atmosphärisch aus den Boxen fließt und Räume ausfüllt. Die Stimmung auf „Saviour” ist eine eher dunkle und traurige, wie geschaffen dafür, sich in süßer Melancholie zu wiegen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Angelic, Flowers, Going Nowhere



Freitag, 31. Mai 2019

Big Big Train – Grand Tour




Big Big Train – Grand Tour


Besetzung:

Nick D'Virgilio – drums, percussion, backing vocals, co-lead vocals on "Theodora in Green and Gold", additional keyboards, guitars
Dave Gregory – 6-string and 12-string guitars
Rachel Hall – violin, backing vocals
David Longdon – lead vocals, flute, additional keyboards, guitars
Danny Manners – keyboards
Rikard Sjöblom – 6-string and 12-string guitars, keyboards, backing vocals
Greg Spawton – bass guitar, bass pedals, additional 12-string guitars


Gastmusiker:

Rachel Hall – string arrangements on “Voyager”
Dave Desmond – brass arrangements

Big Big Train Brass Ensemble:

Dave Desmond – trombone
Ben Godfrey – trumpet and cornet
Nick Stones – french horn
John Storey – euphonium
Jon Truscott – tuba

and

Everton Nelson – first violin
Richard George – violin
Ian Humphries – violin
Kate Robinson – violin
Nicky Sweeney – violin
Oliver Heath – violin
Martyn Jackson – violin
Oli Langford – violin
Kathy Gowers – violin
Emil Chakalow – violin
Max Baillie – first viola
Fiona Bonds – viola
Jake Walker – viola
Ian Burdge – first cello
Chris Allen – cello
Tony Woollard – cello
Richard Pryce – first double bass
Paul Kimber – double bass


Label: English Electric


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Novum Organum (2:33)
2. Alive (4:31)
3. The Florentine (8:17)
4. Roman Stone (13:33)
     Part One: Foundation
     Part Two: Rise
     Part Three: Ne Plus Ultra
     Part Four: Fall
     Part Five: Legacy
5. Pantheon (6:12)
6. Theodora In Green And Gold (5:32)
7. Ariel (14:28)
     Part One: Come Unto These Yellow Sands
     Part Two: Noises, Sounds And Sweet Airs
     Part Three: New Place
     Part Four: O! There Are Spirits Of The Air
     Part Five: Music, When Soft Voices Die
     Part Six: Casa Magni, 1822
     Part Seven: Approach, My Ariel, Come
     Part Eight: Coda: The Triumph Of Life
8. Voyager (14:20)
     Part One: On The Ocean
     Part Two: The Farthest Shore
     Part Three: The Pillers Of Hercules
     Part Four: Further Beyond
     Part Five: Grand Finale
     Part Six: The Space Between The Stars
     Part Seven: Homecoming
9. Homesong (4:50)

Gesamtspieldauer: 1:14:34




„Grand Tour“ ist das bereits zwölfte Studioalbum der englischen Progressive Rockband Big Big Train und erschien am 17. Mai 2019 auf dem Plattenlabel English Electric. Das Album kristallisiert sich bereits nach wenigen Takten als eine für Big Big Train sehr typische Platte heraus und beinhaltet Progressive Rock bis Art Rock der sehr melodiösen und eingängigen Ausführung. Das eine oder andere Mal fühlt man sich beim Hören der Musik auch an Genesis der ersten Hälfte der 70er Jahre erinnert. Dazu gehört auch, dass die Stimme David Longdons sich der von Peter Gabriel noch ein wenig weiter angenähert zu haben scheint.

„Grand Tour“ wächst mit der Anzahl der Durchläufe, die man dieser Platte einräumt. Die einzelnen Titel klingen mit jedem weiteren Hören noch harmonischer und durchaus auch noch packender und man kann immer tiefer in die klangliche Welte von Big Big Train eintauchen. Dieser „Tauchgang“ wird auch durch nichts gestört, denn das Album klingt in allen seinen neun Titeln sehr überzeugend, weist keinerlei Ausfälle auf. Auf „verfrickelte“ Passagen muss man dabei freilich verzichten, bei Big Big Train steht auf „Grand Tour“ die Melodiösität und Eingängigkeit im Vordergrund.

Die drei Longtracks des Albums sind nochmals in fünf, acht und sieben Einzelabschnitte unterteilt. Dies erlebt und hört man nicht nur klanglich, sondern kann es auch im sehr schön gestalteten Booklet nachlesen. Die CD ist wie ein kleines Buch gestaltet und auch in die Umsetzung der „Verpackung“ der Musik wurde sehr viel Kreativität und Liebe zum Detail gesteckt. „Das Lied“ des Albums ist für mich die Nummer „Roman Stone“. Wunderschöne Melodien, die ineinander übergehen, sich ergänzen und austauschen. Dazu eine perfekt arrangierte Instrumentierung, wobei gerade bei diesem Titel die Bläsersätze knieerweichend schön klingen. Da dies allerdings nicht das einzige sehr gelungene Lied auf „Grand Tour“ ist, steht dem Musikgenuss nichts mehr im Wege.

Fazit: Wer auf die melodiöse Ausrichtung des RetroProgs beziehungsweise des Progressive Rocks steht, die oder der wird mit „Grand Tour“ knappe 75 Minuten Musik für sich finden, die Augenblicke verschönern kann. Zu hören gibt es auf dem Album melodische, an die frühen Genesis erinnernde Lieder, die trotz aller aufkommender Assoziationen für sich selbst stehen. Insgesamt eine sehr gelungene Scheibe, hörenswert, abwechslungsreich und einer der Höhepunkte in der bisherigen Bandgeschichte von Big Big Train. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Roman Stone



Freitag, 24. Mai 2019

Rammstein – Rammstein




Rammstein – Rammstein


Label: Universal Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Neue Deutsche Härte


Trackliste: 

1. Deutschland (5:23)
2. Radio (4:37)
3. Zeig dich (4:15)
4. Ausländer (3:51)
5. Sex (3:56)
6. Puppe (4:33)
7. Was ich liebe (4:29)
8. Diamant (2:34)
9. Weit weg (4:20)
10. Tattoo (4:11)
11. Hallomann (4:11)

Gesamtspieldauer: 46:20




Es sind über 20 Jahre vergangen, seitdem ich mit Paul Landers im Backstage Bereich des kleinen Clubs „The Edge“ in Palo Alto saß. Damals eröffneten Rammstein den Abend für KMFDM. In Deutschland waren sie schon in den großen Hallen unterwegs, in den USA kannte man sie noch kaum. Ich war wohl damals mit der erste, der sie im amerikanischen Radio spielte. „Du hast“ und „Engel“ aus dem „Lost Highway“ Soundtrack waren gerade erst erschienen.

Rammstein spielten auf, als ob ihnen der Club gehören würde. Schon beim ersten Song stand Till Lindemann am Bühnenrand in Flammen. Als „Bück Dich“ gespielt wurde, hielten die schockierten begleitenden Eltern ihren 15jährigen Knaben und Mädels die Hand vor die Augen. Doch all das konnte Rammstein in den USA nicht aufhalten. Selbst das Schulmassaker in Columbine ein paar Jahre später, für das übereilige, rechtskonservative Besserwisser Rammstein, KMFDM und Marilyn Manson mitverantwortlich machen wollten, stoppte den Erfolgszug der Berliner nicht.

Rammstein sind ein Phänomen. Das Management ist heute streng kontrolliert, Interviews und Fotos wie damals Backstage in Palo Alto würde es heute nicht mehr geben. Paul Landers war neugierig auf die USA, erzählte davon, dass sie selber nicht verstehen würden, was da genau passiert. Sie wollten mal sehen, mal die Wasser in Amerika testen, meinte er. Wenn es klappt, dann ist gut. Wenn nicht, dann eben nicht.

Es klappte. Rammstein sind die erfolgreichste deutschsprachige Band aller Zeiten, und das weltweit. Mittlerweile füllen sie die ganz großen Hallen und Stadien in den USA. Schon jetzt ist klar, ihre kommende US Tour wird ausverkauft sein. Zehntausende singen ihre Songs auf Deutsch mit, das hat vor ihnen noch niemand geschafft. Nena, Falco, Peter Schilling und auch Tokio Hotel haben ihre Hits in den USA lieber auf Englisch präsentiert. Selbst Grönemeyer sang hier auf Englisch, ließ sich auch von den Fans nicht beirren, die ihm zuriefen: „Sing Deutsch“. Rammstein haben ihr Englisch mal mit „Du Hast“ und „Engel“ ausprobiert, doch merkten schnell, ihre Sprache ist Deutsch. In den USA schrieben sich Schüler in „German classes“ in den High Schools ein, um die Texte der Berliner verstehen zu können. Online wurde darüber diskutiert. Rammstein Texte waren der Türöffner für Diskussionen in Foren über deutsche Filme, Kultur, Politik und Leben in Deutschland. Ich lehne mich mit der Behauptung nicht weit aus dem Fenster, wenn ich erkläre, Rammstein haben für die deutsche Sprache im Ausland mehr als viele staatlich geförderte Projektideen erreicht.

Und nun sind sie zurück. Mit dem siebten Album haben sie gleich im Vorfeld auf den Skandal gesetzt. Rammstein in KZ-Uniform, eine Sequenz aus ihrem Video zum Song „Deutschland“ wurde veröffentlich und zugleich heftigst diskutiert. Dürfen die das, darf man das? Einladungen an Gedächtnisorte folgten, Rammstein hätten eine rote Linie überschritten. Nur einen Tag später folgte das komplette Video, ein Meisterwerk. Die Kritiker versuchten zurück zu rudern, ohne ihren Schnellschuss zuzugeben.

Auch für „Radio“ wurde eine geniale PR-Aktion gewählt. Das Video zum Song wurde in verschiedenen Städten an Häuserwände geworfen, den Fans erklärt, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Lokalsender einzuschalten. Das alte Radio in seiner ganzen Bedeutung.

Jetzt läuft hier die gesamte Platte. Eine typische Rammsteinscheibe. Sie knallt gut, ist laut, durchdacht, provokant, klar, auch etwas poppig. „Ausländer“ und „Zeig Dich“ gefallen mir richtig gut. Doch „Deutschland“ ist für mich das absolute Highlight dieses Albums. Hervorragend, aber das ist wohl Geschmackssache. Hier drüben in den USA berichten Zeitungen, Magazine, Online-Portale über die neue Rammstein CD, in den sozialen Medien wird #7 breit diskutiert. Deutsche Texte stören da niemanden, die Kritiken sind durchgehend positiv. Rammstein haben ihren Sound, dazu ihr Image. Da kommt niemand ran. Ich bin mir sicher, in einigen High School Klassenzimmern zwischen Long Beach und Long Island werden in den kommenden Wochen im Deutschunterricht einige der Texte der neuen Rammstein Platte genauer angehört werden. So macht „German“ Spaß. Bitte lauter, Frau Lehrerin!



Donnerstag, 23. Mai 2019

Antimatter – Lights Out




Antimatter – Lights Out


Besetzung:

Duncan Patterson – all instruments & vocals
Mick Moss – all instruments & vocals


Gastmusiker:

Hayley Windsor – guest vocals on tracks 1, 2, 3
Michelle Richfield – guest vocals on tracks 4, 5, 7


Label: Prophecy Productions


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Dark Rock, Art Rock


Trackliste: 

1. Lights Out (4:07)
2. Everything You Know Is Wrong (4:05)
3. The Art Of A Soft Landing (4:31)
4. Expire (8:01)
5. In Stone (7:51)
6. Reality Clash (7:47)
7. Dream (5:56)
8. Terminal (7:46)

Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

9. Everything You Know Is Wrong [Acoustic] (2:55)

Gesamtspieldauer: 53:03




„Lights Out“ heißt das zweite Album der britischen Band Antimatter, das am 24. Juni 2003 auf dem deutschen Plattenlabel Prophecy Productions veröffentlicht wurde. Duncan Patterson und Mick Moss sind die beiden Musiker, die alle Lieder des Albums schrieben, selbst einspielten und sich lediglich beim Gesang weibliche Unterstützung holten.

„Lights Out“ ist ein trauriges bis melancholisches und sehr intensives Album geworden. Zumeist sind die Lieder eher sanft instrumentiert, Stimmung und Tempo werden nur selten erhöht. Die Lieder sind allesamt sehr eingängig und melodiös gehalten, gehen ins Ohr, wenn sie auch keine Ohrwürmer im eigentlichen Sinne darstellen. Die Musik von Antimatter wirkt durch die Atmosphäre, die hier verbreitet wird. Dichter Sound und trotzdem klingt alles gleichzeitig sehr sanft. Musik, die man sich allerdings durchaus ein klein wenig erschließen muss. Beim ersten Durchlauf funktioniert das Album erst teilweise, dann jedoch umso besser und intensiver.

Höhepunkte auf „Lights Out“ sind der Opener und Titeltrack. Was etwas „aufgeregt“ mit Sirenengeheul beginnt, entwickelt sind nach einigen Augenblicken zu einem zarten musikalischen Geflecht, welches berührt. Art Rock bis Post Rock ist da nun zu hören, der einen sanft einzuhüllen versucht. Das letzte offizielle Lied des Albums heißt passenderweise „Terminal“, ist eine Instrumentalnummer und steht dem Titeltrack an Weichheit, musikalischer Wärme und Atmosphäre in nichts nach. Da auch die restlichen Lieder des Albums in genau derselben Art und Weise unterhalten können, enthält „Lights Out“ nicht nur zwei, sondern neun Höhepunkte.

Fazit: Wer sanfte und traurige Musik mag, die oder der wird an „Lights Out“ von Antimatter sehr viel Freude haben. Musik die zart klingt und die berührt, einen anfasst. An dunklen Novembertagen kann der Genuss der Platte mit Sicherheit gefährlich werden – falls man eine Neigung zu depressiven Gefühlsausbrüchen hat. Liebt man allerdings die Süße der Melancholie in der Musik, so kann man sich in dieser beim Hören von „Lights Out“ suhlen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Lights Out, Terminal



Freitag, 17. Mai 2019

Sarajane – Fuel




Sarajane – Fuel


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Sarajane McMinn
Philip Kraus
Konrad Wissmann
Robin McMinn
Arne Vogeler
Christopher Baum
Alex Saenda
Sebastian Horn
Joscha Farries
Florian Lang


Label: McNificent Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste: 

1. On Top (3:17)
2. Diamonds & Pearls (3:32)
3. Do It Again Now (3:40)
4. Cobblestones (3:14)
5. I Like You (2:55)
6. Bullets Out Of Love (3:30)
7. The Boss (3:15)
8. Kaleidoscope (3:10)
9. Pieces (2:49)
10. Guess Who’s Back (3:53)
11. Get Up 10 (4:03)

Gesamtspieldauer: 37:24



„Fuel“ heißt das bereits zweite Album der Britin Sarajane, die in der Nähe von Wolfsburg in einer britisch-deutschen Patchwork-Familie als eines von 6 Kindern aufwuchs. „Fuel“ erscheint heute am 17. Mai als Download, CD oder Platte auf dem Plattenlabel McNificent Music. Auf dem Album hört man mitreißenden Pop, der modern und aktuell klingt und eindeutig aus der heutigen Zeit stammt.

Auf den elf Titeln des Albums zelebriert Sarajane ihre Stimme, die abwechslungs- und facettenreich sehr viel zum überzeugenden Gesamteindruck der Platte beiträgt. Die Lieder klingen poppig und beinhalten gleich mehrere Ohrwürmer, die sich bereits nach sehr wenigen Durchläufen des Albums tief eingebrannt haben. Melodiös und eingängig klingt die Musik der Sarajane, dies gilt für alle Titel des Albums, die einem zudem immer wieder auch in die Beine fahren und dabei nicht nur zum Mitwippen animieren. Gute-Laune-Musik, die eine Autofahrt beschwingter macht, einen Sonnentag noch ein wenige heller erstrahlen lässt und dunkle Wolken vertreiben kann.

Einer der Höhepunkte des Albums ist gleich der Opener „On Top“. Eine tolle, groovende und einprägsame Nummer, ausgestattet mit jeder Menge Melodiösität. Das Lied „Guess Who’s Back“ ist dagegen eine wunderschöne Ballade, Musik mit sehr viel Gefühl und bestens geeignet, um darin einzutauchen. Schließlich soll an dieser Stelle auch noch das ebenfalls groovende und melodiöse „Bullets Out Of Love“ Erwähnung finden. Gute-Laune-Musik eben, die zum Mitsingen animiert.

Fazit: Eine gelungene und eingängige Platte ist Sarajane mit ihrem zweiten Album „Fuel“ gelungen. Musik, die ins Ohr geht und den Tag erhellt. Auf „Fuel“ wird nicht experimentiert, die Musik soll unterhalten und durch den Tag begleiten. Und dies gelingt Sarajane mit ihren elf Liedern bestens. Wer moderne Pop-Musik mag, die oder der wird mit Sicherheit auch „Fuel“ von Sarajane mögen. Dieses Jahr hat man zudem noch die Möglichkeit die Sängerin live zu erleben. Lohnt sich. Acht Punkte.

Anspieltipps: On Top, Guess Who’s Back



Live:

23.08. Bucholz Empore Openair
09.11. TOUR Bocholt, Alte Molkerei
11.11. TOUR Buchholz, Empore
14.11. TOUR Magdeburg, Feuerwache
20.11. TOUR Hamburg, Knust
23.11. TOUR Schwerin, Speicher
04.12. Feature bei Inga Rumpf in Oldenburg
14.12. Feature bei Inga Rumpf in der Fabrik Hamburg



Mittwoch, 15. Mai 2019

Quella Vecchia Locanda – Il Tempo Della Gioia




Quella Vecchia Locanda – Il Tempo Della Gioia


Besetzung:

Claudio Gilice – Violine
Giorgio Giorgi – Gesang, Flöte
Massimo Giorgi – Bass, Gesang
Masimo Roselli – Gesang, Keyboards
Patrick Traina – Gesang, Schlagzeug
Raimondo Cocco – Gesang, Gitarre, Klarinette


Label: Sony BMG Music


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Villa Doria Pamphili (5:28)
2. A Forma Di... (4:12)
3. Il Tempo Della Gioia (6:18)
4. Un Giorno, Un Amico (9:43)
5. È Accaduto Una Notte (8:18)

Gesamtspieldauer: 34:01



„Il Tempo Della Gioia“ heißt das zweite und leider bereits letzte Album der italienischen Progressive Rock Band Quella Vecchia Locanda. Es wurde ursprünglich im Jahr 1974 auf dem Label RCA Italiana veröffentlicht, erschien dann Jahre später in Form der Compact Disc bei Sony BMG Music erneut.

„Il Tempo Della Gioia“ unterscheidet sich etwas vom selbstbetitelten Debut von Quella Vecchia Locanda. Der Einfluss der klassischen Musik ist etwas größer geworden, was nicht zuletzt durch den Einsatz entsprechender Musikinstrumente zum Ausdruck kommt. Gleich der Opener „Villa Doria Pamphili“ lebt vom Zusammenspiel des Pianos und der Violine. Das Lied ist eine wunderschöne und eingängige Nummer und bildet gleich den Höhepunkt der ganzen Platte. Beinhaltet dieses Lied noch Gesang, der selbstverständlich in italienischer Sprache gehalten ist, so ist das zweite Lied „A Forma Di...“ rein instrumental gehalten. Lediglich ein Chor mit eingesungenen „Aaahs“ ist hier zu hören und das Ganze erinnert nun schon sehr an klassische Musik, die in das 20. Jahrhundert transferiert wurde. Das Titellied „Il Tempo Della Gioia“ ist zu Beginn noch eine relativ harmonische Nummer, die im weiteren Verlauf allerdings rhythmischer, schneller und zum Teil auch sehr viel weniger melodiös klingt. Ein klein wenig erscheinen nun jazzige Akzente in der Musik der Italiener, bei denen Melodiösität nicht mehr an erster Stelle des musikalischen Anspruchs steht.

Auch die beiden folgenden längeren Stücke „Un Giorno, Un Amico“ und „È Accaduto Una Notte“ klingen deutlich experimenteller als alles, was auf der ersten Platte von Quella Vecchia Locanda zu hören war. Wie ein Derwisch lässt sich Claudio Gilice phasenweise bei „Un Giorno, Un Amico“ an der Violine aus und das Lied wechselt zwischen etwas sanfteren und treibenderen Passagen hin und her. Schnell ins Ohr geht das Ganze allerdings nicht mehr, besitzt jedoch einen nicht wegzudiskutierenden und abwechslungsreichen Unterhaltungswert. Ähnlich verhält es sich mit der letzten Nummer des Albums. „È Accaduto Una Notte“ beginnt mit Chorgesang, geht in einen etwas unmelodischeren Part über, der wiederum von sanften Flötenklängen abgelöst wird. Auch dieses Mal wird die Abwechslung groß geschrieben, denn plötzlich klingt es wieder rockiger, dabei erneut weniger melodiös, allerdings jederzeit abwechslungsreich.

Fazit: Das zweite Album der italienischen Progressive Rock Band Quella Vecchia Locanda mit dem Titel „Il Tempo Della Gioia“ kann nicht mehr so überzeugen wie noch das Debut der Band. Abwechslungsreich klingt die Musik der Italiener immer noch, jedoch deutlich weniger einheitlich und eingängig. Es wurde mehr experimentiert, mit klassischen und melodiösen Klängen in Verbindung zu deutlich schrägeren Passagen. Unterhaltsam klingt dies immer noch, dennoch deutlich weniger ausgereift und einnehmend, als noch auf dem Debut. Freundinnen und Freunde des italienischen Progressive Rocks der frühen 70er Jahre werden auf dem Album allerdings trotzdem etwas für sich entdecken können. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Villa Doria Pamphili



Dienstag, 14. Mai 2019

Imagine Dragons – Night Visions




Imagine Dragons – Night Visions


Besetzung:

Dan Reynolds – lead vocals
Wayne Sermon – electric and acoustic guitars, mandolin, backing vocals
Ben McKee – bass guitar, keyboards, backing vocals
Daniel Platzman – drums, viola, backing vocals


Gastmusiker:

J Browz – additional guitar (tracks 1 and 4), additional bass (track 4)
Jonathan Vears – additional guitar (track 9)
Benjamin Maughan – additional piano, additional bass


Label: Interscope Records


Erscheinungsjahr: 2012


Stil: Pop Rock, Alterbnative Rock, Electro Pop


Trackliste:

1. Radioactive (3:06)
2. Tiptoe (3:14)
3. It’s Time (4:00)
4. Demons (2:57)
5. On Top Of The World (3:12)
6. Amsterdam (4:01)
7. Hear Me (3:55)
8. Every Night (3:37)
9. Bleeding Out (3:43)
10. Underdog (3:29)
11. Nothing Left To Say / Rocks (8:57)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung im Jahr 2013:

12. Cha-Ching (Till We Grow Older) (4:09)
13. Working Man (3:55)

Gesamtspieldauer: 52:19



„Night Visions“ heißt das erste Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Imagine Dragons. Es wurde am 4. September 2012 auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht und erschien im Februar 2013 erneut, erweitert um zwei Lieder. Sechs Lieder auf „Night Visions“ waren zuvor bereits auf mehreren EPs veröffentlicht worden. Stilistisch werden auf dem Album die musikalischen Genres Alternative Rock, Rock, Pop fast bis hin zum Synthie Pop bedient. Die Platte verkaufte sich sehr gut, erreichte in Deutschland Platz 6 der Charts und war in den USA das viert-meistverkaufte Album des Jahres 2013.

Ein einheitliches musikalisches Bild bekommt man auf „Night Visions“ nicht geboten, zu weit ist die musikalische Spannbreite der darauf zu hörenden Lieder. Von überzeugend bis fast schon peinlich erklingen die einzelnen Stücke, die sich manchmal nach Alternative Rock anhören, dann jedoch auch fast die Grenzen des Synthie Pop überschreiten und leider mitunter phasenweise sogar nach Teenie-Boygroup-Schmalz-Soße klingen. Das kann richtig fies klingen, die Texte passen sich diesem Niveau leider allzu sehr an. Insgesamt bilden diese Ausflüge allerdings glücklicherweise die Ausnahme.

Denn es gibt auf der Scheibe auch ein paar schönere und bessere Stellen. Immer dann, wenn es doch eher nach Rock denn nach Pop klingt, macht die Musik von Imagine Dragons auch Spaß. „Radioactive“, „It‘s Time“, „Bleeding Out“ oder auch „Nothing, Left To Say“ sind solche Lieder, die durchaus auch einen kleinen poppigen Anteil aufweisen, doch immerhin ins Ohr gehen und eben doch auch zumindest etwas rocken. Mal mehr, mal weniger. Richtige Ausfälle findet man zwar auch nur ganz vereinzelt auf „Night Visions“, allerdings sehr viel massentauglicher Einheits-Pop, der dann im Radio gedudelt werden kann. Aber manchmal braucht man eben auch so etwas. Manche Tage dürfen und sollten auch einfach nicht kompliziert sein.

Fazit: Unspektakulären Pop-Rock gibt es auf dem ersten Album der US-amerikanischen Band aus Las Vegas Imagine Dragons zu hören. „Nigh Visions“ ist angefüllt mit eher unaufgeregten und massentauglichen Nummern, die mitunter durchaus gut ins Ohr gehen und auch zum Mitwippen animieren. Wird diese Eingängigkeit allerdings übertrieben, klingt es im Falle von Imagine Dragons leider nach Anbiederei. Trotzdem keine schlechte Scheibe. Acht Punkte.

Anspieltipps: Radioactive, It‘s Time, Bleeding Out Nothing, Left To Say



Sonntag, 12. Mai 2019

Antimatter – Planetary Confinement




Antimatter – Planetary Confinement


Besetzung:

Lieder: “Planetary Confinement”, “Line Of Fire”, “Mr. White”, “Relapse” & “Eternity Part 24”

Duncan Patterson – piano, acoustic guitars, bass guitar, keyboards
Amélie Festa – vocals
Mehdi Messouci – additional keyboards on “Relapse”
Barry Whyte – lead guitar
Alex Mazarguil – djembe
Michael Cronin – drums


Lieder: “The Weight Of The World”, “Epitaph”, “A Portrait Of The Young Man As An Artist” & “Legions”

Mick Moss – acoustic guitars, vocals
Rachel Brewster – violins
Stephen Hughes – bass guitar
Chris Phillips – drums
Sue Marshall – additional vocals on “Legions”


Label: Prophecy Productions


Erscheinungsjahr: 2005


Stil: Dark Rock


Trackliste: 

1. Planetary Confinement (1:33)
2. The Weight Of The World (4:45)
3. Line Of Fire (6:28)
4. Epitaph (4:11)
5. Mr. White (4:07)
6. A Portrait Of The Young Man As An Artist (4:54)
7. Relapse (5:03)
8. Legions (7:24)
9. Eternity Part 24 (8:45)

Gesamtspieldauer: 47:15



Antimatter ist eine britische Dark Rock Band, die im Jahr 1997 gegründet wurde und ursprünglich das Projekt von Duncan Patterson, ehemaliger Bassist und Komponist von Anathema, sowie dem Gitarristen Mick Moss war. Die beiden Musiker veröffentlichten zusammen insgesamt drei Alben mit den Titeln „Saviour“, „Lights Out“ und „Planetary Confinement“. Kurz nach der Fertigstellung von „Planetary Confinement“ verließ Duncan Patterson Antimatter, um eine weitere Band namens Íon zu gründen. Mick Moss hat seitdem unter der Überschrift „Antimatter“ vier weitere Alben veröffentlicht. „Planetary Confinement“ erschien am 28. Juli 2005 auf dem Plattenlabel Prophecy Productions.

Das musikalische Genre, in welchem sich die Musik von Antimatter bewegt heißt Dark Rock und beschreibt die Musik der Band sehr passend. Die Lieder klingen allesamt tieftraurig und sind hauptsächlich in Moll gehalten. Zumeist werden die Stücke lediglich sehr sanft und zurückhaltend instrumentiert, die akustischen Instrumente stehen im Vordergrund. Eine elektrische Gitarre hört man überhaupt nicht, der Einsatz des Keyboards erfolgt überaus dosiert. Weiche und warme und eben eher traurige Melodien umspielen das Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Musik, die immer sehr eingängig und melodiös wirkt und klingt. Musik zum Träumen und Entspannen und zugleich auch Musik, die einen trüben Tag noch etwas trüber erscheinen lässt.

Alle neun Lieder auf „Planetary Confinement“ gehen ins Ohr. Da ist es dann auch völlig egal, ob sie von Duncan Patterson oder Mick Moss geschrieben wurden. Am ehesten sind diese noch durch den Gesang zu unterscheiden. Die Stücke von Duncan Patterson werden von Amélie Festa eingesungen, Mick Moss übernimmt dies bei seinen Nummern selbst. Alles klingt melodiös und gleichzeitig traurig. Die schönsten Lieder auf dem Album heißen „Epitaph“, „A Portrait Of The Young Man As An Artist“, „Relapse“ und „Legions“. Oder sind es doch die anderen fünf Stücke der Platte? Schwer zu sagen, da sich die Nummern weder stilistisch noch in ihrer Eingängigkeit unterscheiden.

Fazit: Wenn man es liebt in schöner Melancholie zu schwelgen, sich seiner Traurigkeit ganz hingeben möchte oder sich gern in Sentimentalität verliert, sich entspannen möchte oder sehr sanfte Musik zu schätzen weiß, immer dann ist „Planetary Confinement“ eine wunderbare Platte, um seine Sehnsüchte zu befriedigen. Wunderschöne sanfte und melodiöse Musik präsentieren die beiden Musiker Duncan Patterson und Mick Moss ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Wer auf Weichheit und viel Gefühl in der Musik steht, die oder der wird diese Scheibe lieben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Epitaph, A Portrait Of The Young Man As An Artist, Relapse, Legions



Freitag, 10. Mai 2019

Pete Seeger – The Smithsonian Folkways Collection




Pete Seeger – The Smithsonian Folkways Collection


Label: Smithsonian Folkways Recordings


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Folk




Samstagmorgen in Oakland. Pete Seeger wäre nun 100 Jahre alt. „We shall overcome“ ist der erste Song auf der neuen und umfangreichen Box von Smithsonian Folkways, dem langjährigen Label von Pete Seeger. Dort hatte er im Laufe der Jahrzehnte über 70 Schallplatten veröffentlicht. Folk Songs und Arbeiterlieder, Spoken Word genauso wie Platten für Kinder. Pete Seeger war ein Reisender, der mit seiner Musik um die Welt tingelte, Amerikas Folk Musik präsentierte und Lieder von überallher mit in die USA zurückbrachte. Ein musikalischer Kulturbotschafter und Brückenbauer zugleich.

„We shall overcome“ ist wohl eines der wichtigsten amerikanischen Folk Songs. Es steht für die Bürgerrechtsbewegung in den USA, in einer Zeit, als Afro-Amerikaner nicht in dieselbe Toilette pinkeln durften wie Weiße. Als Schwarze nach einer falschen Ausfahrt in den Südstaaten gelyncht wurden. Als weiße Jurys schwarze Angeklagte unschuldig hinter Gitter brachten. Und dennoch war da der Ruf „We shall overcome“. Trotz all der Gewalt, der Ungerechtigkeit, der Benachteiligung, der tief gespaltenen amerikanischen Gesellschaft.

Und wo stehen wir heute? Der Graben in Amerika ist tief und wird tagtäglich noch weiter vertieft und verbreitet. Ich frage mich beim Durchhören dieser umfassenden Werkschau von Pete Seeger, wie die USA es damals geschafft haben, diese gesellschaftlichen Wunden zu heilen, „to overcome“ die Differenzen, irgendwie einen Neustart zu beginnen. Natürlich hat das nicht so geklappt, wie es eigentlich hätte sein sollen. Der tief verwurzelte Rassismus in einigen Teilen der USA existiert nach wie vor. Afro-Amerikaner und Farbige sind weiterhin benachteiligt. Da gibt es die langfristigen Folgen des „Red Lining, die nie ausgeglichen wurden, da gibt es Polizei Übergriffe, da gibt es noch immer Ungleichheit vor dem Gesetz. Man sollte sich nichts vormachen, das steht fest.

„We shall overcome“ war und ist ein kraftvolles Lied, dass Menschen vereinen, zusammenbringen konnte. Auf dieser Box sind viele der „Hits“ von Pete Seeger zu finden, die ihn zu dem machten, was er in seinem 94jährigen Leben geworden ist. Ein Mann mit Hoffnung, mit Mut, mit dem Glauben an das Gute in den Menschen. Ein Mann mit seinem Banjo, der viel mehr war als nur ein Musiker. Auf „Pete Seeger – The Smithsonian Folkways Collection“ wird eine der bedeutenden Stimmen Amerikas präsentiert, der neben seinen Freunden Woody Guthrie und Lead Belly zu den wichtigen Drei der Folk Musik zählt.

Pete Seeger beeinflusste Musiker von Joan Baez, über Bob Dylan bis hin zu Bruce Springsteen und Rage Against The Machine. Er war ein umtriebiger Rebell, der nicht ruhen und rasten wollte. Obwohl er in der McCarthy Ära „blacklisted“ wurde, quasi mit einem Auftritts- und Aufführverbot belegt wurde, schaffte es Pete Seeger zur Stimme einer Nation zu werden. Er ging in jenen Jahren ganz direkt an Schulen und Universitäten, ohne große Ankündigung, und spielte seine Lieder. Niemand konnte ihn stoppen. Joan Baez erlebte Pete Seeger damals an ihrer High School und meinte später, dass dieses Konzert eines der wichtigsten Momente in ihrer Karriere war. Seeger wurde der Vater des großen Folk-Revivals in den USA. „We shall overcome“, das hat er mit seiner Musik vorgelebt.

Auf dieser Werkschau zum 100jährigen Geburtstag von Pete Seeger ist auch eines der für mich bedeutendsten Songs des 20. Jahrhunderts zu finden. „Moorsoldaten“, geschrieben 1933 im Konzentrationslager Börgermoor und über den Spanischen Bürgerkrieg in alle Welt verbreitet. Dieses Lied drückt die Kraft des Widerstands und die Hoffnung der Unterdrückten aus. Ein Lied, das Pete Seeger immer wieder in seinen Konzerten spielte.

6 CDs mit Songs voller Hoffnung, Wärme, Kraft und Mut. Amerika heute bräuchte einen Pete Seeger, eine Stimme der Vernunft, der den Amerikanern vor Augen führt „This land is your land“, ein Land, das nicht perfekt ist, das nicht „God’s Country“ ist, das seine Fehler erkennt, aber daran arbeitet. Die USA, „a work in process“. Ein Land, in dem der Fremde, der Andere, der Unterdrückte, der Benachteiligte, der Farbige, der an einen anderen Gott Glaubende, der sexuell anders Orientierte willkommen ist und seine Chance bekommt. Daran glaubte Pete Seeger. Das klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen, und doch, gerade klingt es hier in Oakland ganz laut: „We shall overcome….some day….deep in my heart, I do believe. We shall overcome some day“…



Samstag, 4. Mai 2019

Quella Vecchia Locanda – Quella Vecchia Locanda




Quella Vecchia Locanda – Quella Vecchia Locanda


Besetzung:

Giorgio Giorgi – Gesang, Flöte, Piccolo
Raimondo Cocco – Akustische, Elektrische und 12-String-Gitarre, Klarinette, Gesang
Massimo Roselli – Piano, Orgel, Mellotron, Moog, Elektronische Zither, Spinett, Gesang
Romualdo Coletta – Bass, Frequenz-Generator
Patrick Traina – Schlagzeug, Perkussion
Donald Lax – Klassische Violine, Elektrische Violine


Label: Sony BMG Music


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Prologo (4:59)
2. Un Villaggio, Un’Illusione (3:54)
3. Realtà (4:14)
4. Immagini Sfuocate (2:58)
5. Il Cieco (4:11)
6. Dialogo (3:42)
7. Verso La Locanda (5:15)
8. Sogno, Risveglio E... (5:14)

Gesamtspieldauer: 34:30



Quella Vecchia Locanda war eine italienische Progressive Rock Band, die in den Jahren von 1970 bis 1974 aktiv war. In dieser Zeit veröffentlichte die Band zwei Alben. 1972 das selbstbetitelte Debut Album und zwei Jahre später noch das Album „Il Tempo Della Gioia“. Die erste Platte „Quella Vecchia Locanda“ erschien im Juni 1972 auf dem italienischen Plattenlabel Help! und wurde später von Sony Music wiederveröffentlicht.

Auf „Quella Vecchia Locanda“ von Quella Vecchia Locanda hört man die melodiöse Ausprägung des italienischen Progressive Rocks, die allerdings auf die rockigen Akzente in ihrer Musik nicht verzichtet. Violine und Flöte wird ein großer Spielraum eingeräumt und gerade die Passagen mit Querflöte lassen durchaus Vergleiche an Jethro Tull aufkommen. Ansonsten steht die Musik jedoch selbstständig für sich.

Die Stimmungen wechseln zwischen sanfteren Passagen, in denen das Piano, die Violine oder die Querflöte im Zentrum stehen und rockigeren, von der E-Gitarre dominierten Abschnitten hin und her. Doch finden die Blas-, Streich- und Tasteninstrumente auch Zugang zum Rock der Platte, was für zusätzliche Abwechslung in der Musik von Quella Vecchia Locanda sorgt. Melodiös und eingängig klingt das an jeder Stelle des Albums, dessen Musik sich bereits beim ersten Mal des Hörens fest ins musikalische Gehör einbettet.

Es gibt sehr viele Höhepunkte auf „Quella Vecchia Locanda“ zu hören und keinerlei Ausfälle zu beklagen. Das ganze Album wirkt in sich geschlossen und begeistert all jene Hörerinnen und Hörer, die sich genau nach diesen melodiösen und harmonischen Akkordfolgen in der Musik sehnen. Diese Sehnsucht wird mit „Quella Vecchia Locanda“ definitiv erfüllt. Höhepunkt der Platte ist – bei all den anderen Höhepunkten – das Lied „Realtà“, ein Meisterwerk an Eingängigkeit. Doch das ist eben nicht alles, was auf diesem Album überzeugt. Es ist die Mischung aus rockigen und fast schon besinnlichen Abschnitten, die diese Musik zu etwas Besonderem werden lässt. Wenn die E-Gitarre auf sanfte Violinen- und Flötenklänge trifft und dieses Zusammenspiel sich zu einem gemeinsamen, sich ergänzenden Gesamteindruck generiert, weiß die Musik Fans des Progressive Rock zu begeistern.

Fazit: Der italienische Progresse Rock der frühen 70er Jahre hatte einige Facetten. Quella Vecchia Locanda präsentieren auf ihrem Debut-Album ihre Interpretation dieses musikalischen Genres, welche von der Hochzeit, der wahrlich gelungen Verwebung des Rocks und der Melodie geprägt ist. Eine Platte, die man immer wieder hören kann ohne ihr überdrüssig zu werden, und trotzdem besondere Musik für besondere Anlässe. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Realtà



Freitag, 3. Mai 2019

The Pretenders – Last Of The Independents




The Pretenders – Last Of The Independents


Besetzung:




Gastmusiker:

Chrissie Hynde – guitar (1–3, 5–12), vocals
Adam Seymour – guitar (1–13)
Andy Hobson – bass guitar (1, 6, 13)
Martin Chambers – drums (3, 4, 6, 12)


Label:

Robbie McIntosh – guitar (8)
Andy Rourke – bass guitar (2, 3, 5, 9–12)
Ian Stanley – organ (5), special effects (2), keyboards (8)
J.F.T. Hood – drums (1, 7, 13), special effects (8)
Jim Copley – drums (2, 5, 8–11)
David Paton – bass guitar (7)
Tom Kelly – bass guitar (4), piano (4, 7), guitar (7)
London Gospel Choir – choir (7)
David Lord – string arrangement (7)


Label: Warner Music


Erscheinungsjahr: 1994


Stil: Rock


Trackliste: 

1. Hollywood Perfume (3:55)
2. Night In My Veins (3:16)
3. Money Talk (3:39)
4. 977 (3:53)
5. Revolution (4:32)
6. All My Dreams (3:14)
7. I’ll Stand By You (3:58)
8. I’m A Mother (5:17)
9. Tequila (1:04)
10. Every Mother’s Son (3:36)
11. Rebel Rock Me (3:08)
12. Love Colours (4:32)
13. Forever Young (5:04)

Gesamtspieldauer: 49:15



„Last Of The Independents“ heißt das sechste Studioalbum der Band The Pretenders und wurde am 9. Mai 1994 auf dem Plattenlabel Warner Music veröffentlicht. Das Line-Up der Band bestand nun offiziell aus Chrissie Hynde, Adam Seymour, Andy Hobson und Schlagzeuger Martin Chambers, der nach acht Jahren zu den Pretenders zurückgekehrt war. Als einziges Lied wurde jedoch die Nummer „All My Dreams“ in dieser Kombination an Musikern eingespielt, ansonsten waren zahlreiche und immer wieder wechselnde Gastmusiker an den Aufnahmen beteiligt.

Die Pretenders klingen auf „Last Of The Independents“ eingängiger und auch interessanter als auf vielen vorherigen Veröffentlichungen. Chrissie Hynde hat es auf „Last Of The Independents“ geschafft Lieder einzuspielen, die zwar immer noch dem Mainstream angehören, doch nachhaltiger klingen und deutlich besser ins Ohr gehen als auf einigen anderen Alben zuvor. Auch stimmt die Mischung zwischen Titeln, die eher im Mid-Tempo angesiedelt sind und den Nummern, die eher sanfter gehalten sind. Insgesamt bleibt ein leicht rockiger Ansatz vor einer poppigen Attitude der Musik erhalten.

Die überzeugendsten Lieder auf „Last Of The Independents“ heißen „Hollywood Perfume“, „Money Talk“ und „I’m A Mother“. Alles drei eher rockige Nummern mit einem gewissen Groove und einer Melodie, die sich schnell und direkt einprägt. Daneben gibt es noch eine ganze weitere Reihe an Stücken, die sich lohnen gehört zu werden, wenn man denn auf eher geradlinigen und schnörkellosen Rock steht. Experimentiert wird bei den Pretenders nicht, was im Falle von „Last Of The Independents“ durchaus Sinn macht, denn das Album bildet in sich eine geschlossene Einheit.

Fazit: Rock mit leicht poppigen Ansätzen gibt es auf „Last Of The Independents“ von den Pretenders zu hören. Die Musik ist durchaus eher im Mainstream angesiedelt und schafft es dieses Mal auch die schnelle Eingängigkeit zu bedienen, ohne dabei langweilig der aufgesetzt zu klingen. Musik über dem Durchschnitt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Hollywood Perfume, Money Talk, I’m A Mother



Donnerstag, 2. Mai 2019

Fjarill – Midsommar




Fjarill – Midsommar


Besetzung:

Aino Löwenmark – lead vocals, choir, piano
Hanmari Spiegel – violin, viola, piano, vocals, electric guitar


Gastmusiker:

Friedrich Paravicini – ondes martenot & cello
Jürgen Spiegel – drums & percussion
Sandro Giampietro – acoustic guitar
Hans-Georg Spiegel – accordion


Label: Butter & Fly Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Folk


Trackliste: 

1. Den Blomstertid Nu Kommer (4:45)
2. Lite Efter Du Är Död Då Ska Liljor Blomma (5:04)
3. Kristallen Den Fina (4:52)
4. Fjarills Midsommar (3:58)
5. Den Signade Dag (2:44)
6. Jag Vet En Deijlig Rosa (6:10)
7. Kärlekens Hem (3:50)
8. My Pad (3:34)
9. Uti Vår Hage (4:06)
10. Slut Dina Ögon (2:06)
11. Trolldans (3:29)
12. Värmlandsvisan (4:49)
13. Limu Limu Lima (4:43)

Gesamtspieldauer: 54:15



Fjarill, das sind die schwedische Pianistin und Sängerin Aino Löwenmark und die südafrikanische Violinistin Hanmari Spiegel, die mit dem Album „Midsommar“ bereits ihr achtes Studioalbum veröffentlichen. „Midsommar“ erscheint morgen, am 3. Mai auf dem Plattenlabel Butter & Fly Records und ist angefüllt mit einer sanften Melange aus Folk, Pop und klassischen Anleihen.

Genauso feenhaft, wie die beiden Sängerinnen auf dem Cover abgebildet sind, sanft lächelnd mit Blumenkränzen im Haar, so klingt auch die Musik auf „Midsommar“. Wunderschöne sanfte Melodien entfalten sich vor einem beim Hören dieser durchweg zart klingenden Musik. Die Lieder „Den Blomstertid Nu Kommer“, „Kristallen Den Fina“, „Den Signade Dag“, „Jag Vet En Deijlig Rosa“, „Uti Vår Hage“, „Värmlandsvisan“ und „Limu Limu Lima“ basieren dabei auf traditionellen schwedischen Volksliedern, die von den beiden Musikerinnen neu bearbeitet und arrangiert wurden. Die Stücke „Lite Efter Du Är Död Då Ska Liljor Blomma“, „Kärlekens Hem“ und „Slut Dina Ögon“ basieren auf Gedichten des schwedischen Literatur-Nobelpreisträgers Pär Fabian Lagerkvist, die von Aino Löwenmark vertont wurden. Die restlichen Lieder sind schließlich vollständige Eigenkompositionen von Fjarill. Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Stücke dabei nicht. Allen Liedern wohnt ein gewisser Zauber inne, der einen in eine völlige andere Welt entführt, die sich mystisch, verwunschen und unglaublich entspannt gebiert. Traumbilder bauen sich auf und lassen die hektische Welt um einen herum vergessen.

Die zwei zarten und hellen Stimmen der beiden Musikerinnen, mal verträumt und nachdenklich, mal erzählend und leitend klingend sind es, die die Musik auf „Midsommar“ prägen. Dazu gesellen sich sanfte Piano- und Streicherklänge, die das warme musikalische Bild abrunden. Die Texte erzählen Geschichten, die durch die Musik wunderschön ergänzt werden und im beiliegenden Booklet und auf der Homepage von Fjarill zum Teil auch in Deutsch nachgelesen werden können.

Jedes der dreizehn Lieder auf „Midsommar“ klingt und hinterlässt etwas. Was und wie viel dies ist, liegt wie immer ganz im und am Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Für mich heißen und sind die Höhepunkte des Albums die Lieder „Kristallen Den Fina“, das Titelstück „Fjarills Midsommar“ sowie das Instrumentallied „Trolldans“. Alle drei sind wunderschöne sanfte „Swedish Folk“ Nummern, die das Ohr auf eine wundersame Art und Weise zu umspielen verstehen. Da die restlichen Titel diesen drei genannten Liedern jedoch kaum nachstehen, gebiert sich „Midsommar“ als gesamter Höhepunkt.

Fazit: Musik zum Entspannen, Musik zum Ausruhen, Musik zum Genießen gibt es von Fjarill auf „Midsommar“ zu hören, dem bereits achten Studioalbum des schwedisch-südafrikanischen Duos. Wer auf die sanften und weichen Töne in der Musik steht, die oder der wird mit diesem Album seine Erfüllung finden. Dazu besteht dieses Jahr auch die Möglichkeit die beiden Musikerinnen live im Konzert zu erleben. Sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kristallen Den Fina, Fjarills Midsommar, Trolldans



04.05.2019, 20:00 Uhr - Ravensburg - Zehntscheuer, Grüner-Turm-Str. 30
16.05.2019, 20:00 Uhr - Bernau - Siebenklang Festival
19.05.2019, 20:00 Uhr - Glonn - Gut Sonnenhausen, Sonnenhausen 2
25.05.2019, 20:00 Uhr - Dresden - Dreikönigskirche, Hauptstraße 23
01.06.2019, 10:00 Uhr - Singer/Songwriter Workshop mit Fjarill - Hamburg - Walden Studio, Ringstraße 189
02.06.2019, 20:00 Uhr - Weimar - Köstritzer Spiegelzelt, Beethovenplatz
09.06.2019, 18:00 Uhr - Hitzacker - Alte Sargtischlerei, An der Kirche 4
20.06.2019, 20:00 Uhr - Grosses MIDSOMMAR-Fest-Konzert! - Hamburg Fabrik, Barnerstraße 36
23.06.2019, 15:00 Uhr - Midsommarfest! - Reinstorf - ONE WORLD Ostheide e.V. Kulturzentrum, Alte Schulstraße 1
26.06.2019, 20:00 Uhr - Leipzig - Moritzbastei, Kurt-Masur-Platz 1
27.06.2019, 20:00 Uhr - Coburg - Leise am Markt, Herrngasse 2
28.06.2019, 20:00 Uhr - Weißenstadt am See - Kurzentrum, Im Quellenpark 1
30.06.2019, 20:00 Uhr - Leipheim - Zehntstadel
06.07.2019, 20:00 Uhr - Naumburg - Neun Naumburger Nächte, Innenhof des Marientors
27.07.2019, 20:00 Uhr - Nürnberg - Bardentreffen
24.08.2019, 20:00 Uhr - Walluf - Wallufer Sommer, Ruine Alte Johanniskirche
08.11.2019 - 10.11.2019, 18:00 Uhr - Singer/Songwriter Workshop - Eiterfeld - Burg Fürsteneck, Am Schlossgarten 3
09.11.2019, 20:00 Uhr - Eiterfeld - Burg Fürsteneck, Am Schlossgarten 3
30.11.2019, 20:00 Uhr - Wormsdorf - Anbau, Eilslebener Straße 1
13.12.2019, 20:00 Uhr - Dresden - Dreikönigskirche, Hauptstraße 23
21.12.2019, 20:00 Uhr - Klanxbüll - Charlottenhof, Osterklanxbüll 4
22.12.2019, 20:00 Uhr - Kulturforum, Andreas-Gayk-Straße 31