Sonntag, 5. Juli 2020

Triana – Hijos Del Agobio




Triana – Hijos Del Agobio


Besetzung:


Jesus De La Rosa – vocals, keyboards, guitar (7)
Juan Jose Palacios – percussion, effects, moog (4)
Eduardo Rodriguez R. – guitar, vocals (1, 4, 8)


Gastmusiker:

Antonio Pérez – guitar
Manolo Rosa – bass, spanish guitar (8)
Enrique Carmona – guitar (8)
Miguel Angel Iglesias – vocals (4)


Label: Fonomusic


Erscheinungsjahr: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Hijos Del Agobio (5:21)
2. Rumor (3:23)
3. Sentimiento De Amor (5:35)
4. Recuerdos De Triana (2:52)
5. ¡Ya Está Bien! (3:11)
6. Necesito (4:09)
7. Sr. Troncoso (3:40)
8. Del Crepúsculo Lento Nacerá El Rocío (5:50)

Gesamtspieldauer: 34:03



Zwei Jahre nach dem Debutalbum „El Patio“ erschien im Jahr 1977 das zweite Studioalbum der spanischen Progressive Rock Band Triana, welche auf ihrer ersten Platte so wunderbar die „Mariage“ aus Flamenco und eben jenem Progressive Rock vollzog. Das neue Album heißt „Hijos Del Agobio“, zu Deutsch in etwa „Söhne der Qualen“ und wurde auf dem Plattenlabel Fonomusic veröffentlicht.

Der spanischen Gitarre wird auf „Hijos Del Agobio“ immer noch ein gewisser Spielraum eingeräumt. Nach wenigen Takten weiß man bereits, welchem Land diese Musik entspringt. Auch singt Jesús de la Rosa Luque erneut überaus leidenschaftlich und aus tiefster Seele. Des Weiteren erklingt auch sein hinterlegter Orgelsound wieder fett und breit. Trotzdem hat sich die Musik von Triana in Bezug auf ihr erstes Album zumindest etwas verändert. Die bereits erwähnten „spanischen Einflüsse“ wurden ein wenig zurückgefahren, es wird etwas mehr gerockt auf „Hijos Del Agobio“. Die spanische Gitarre ist deutlich seltener zu hören, das für den Flamenco so typische Klatschen sucht man auf der Scheibe schließlich sogar völlig vergeblich. Dabei kann man sicherlich nicht von eher „gewöhnlichem“ Rock oder gar Hard Rock sprechen, doch an vielen Stellen klingt das Album etwas angepasster an die Musik der englischen Kollegen zu jener Zeit.

Nichtsdestotrotz macht „Hijos Del Agobio“ immer noch viel Spaß und man hört gerne zu. Frickelig und experimentell klingt nichts auf dem Album. Es sind die Melodien, die auch dieses Mal überzeugen und erneut ins Ohr gehen, sodass sich hier ein genaues Hinhören lohnt. Meine beiden Favoriten sind dabei die Lieder „Rumor“ und „¡Ya Está Bien!“. Klasse und abwechslungsreiche Nummern, die ganz im Progressive Rock verhaftet sind und sich schnell im Gedächtnis festsetzen. „Del Crepúsculo Lento Nacerá El Rocío“ sei an dieser Stelle auch angeführt, weil bei diesem Lied die Leidenschaft der Musiker so wunderschön zum Tragen kommt und hier der spanische Einfluss besonders gut zu hören ist. Ausfälle gibt es glücklicherweise auf dem Album auch nicht zu beklagen, sodass dem Hörerlebnis nichts mehr im Wege steht, wenn man auf Progressive Rock aus der Hochphase dieses musikalischen Genres steht – mit einer Prise spanischer Musik gewürzt.

Fazit: Auch auf „Hijos Del Agobio“ klingen Triana immer noch irgendwie besonders. Auch wenn der Einfluss der spanischen Musik gegenüber dem Debut zumindest etwas zurückgefahren wurde, klingt das Album immer noch außergewöhnlich und anders, als andere Progressive Rock Platten. Elf Punkte.

Anspieltipps: Rumor, ¡Ya Está Bien!, Del Crepúsculo Lento Nacerá El Rocío



Freitag, 3. Juli 2020

Jean-Michel Jarre – Revolutions




Jean-Michel Jarre – Revolutions


Besetzung:

Jean-Michel Jarre – synclavier, roland d-50, korg dss-1, korg dsm-1, fairlight cmi, synthex, ems synthi aks, osc oscar, ems vocoder, dynacord add-one, cristal baschet, akai mpc60, drum programming, percussions, vocoder on "Revolutions"


Gastmusiker:

Guy Delacroix – bass guitar
Sylvain Durand – fairlight cmi on "London Kid"
Kudsi Erguner – turkish flute
Michel Geiss – arp 2600, kawai k5, matrisequencer, cavagnolo midy 20, elka amk 800, vocoder on "Revolutions"
Joe Hammer – drums, simmons, sdx, dynacord add-one
Patrice Tison – guitar
Hank Marvin – guitar on "London Kid"
Jun Miyake – trumpet and megaphone on "Tokyo Kid"
Dominique Perrier – e-mu emulator, fairlight cmi, ensoniq esq-1, roland d-50, elka synthex, osc oscar, akai mpc 60 programming
Mireille Pombo – vocal chorus on "September"
Francis Rimbert – additional synthesizer programming
The Bruno Rossignol Choir, directed by Bruno Rossignol – choir on "Industrial Revolution", "London Kid" and "The Emigrant"
Female choir from Mali, directed by Sori Bamba – choir on "September"


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Industrial Revolution (16:48)
1. Overture (5:10)
2. Part 1 (5:09)
3. Part 2 (2:17)
4. Part 3 (4:12)
2. London Kid (4:26)
3. Revolution, Revolutions (4:56)
4. Tokyo Kid (5:21)
5. Computer Weekend (4:41)
6. September (4:04)
7. L‘Emigrant (3:56)

Gesamtspieldauer: 44:16



„Revolutions“ ist das bereits neunte Studioalbum des französischen Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Es erschien im August 1988 erneut auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus, genau wie die vorherigen Veröffentlichungen des Franzosen. Das Album klingt etwas abwechslungsreicher als der Vorgänger, dabei auch poppiger und manches Mal rockiger. Die Lieder sind größtenteils leichter zugänglich, von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Album sogar bis auf Platz 2 der britischen Charts kletterte.

Trotzdem hinterlässt die Scheibe einen eher zwiespältigen Gesamteindruck. Ist das erste Lied des Albums noch sehr abwechslungsreich und gelungen, so scheinen Jean-Michel Jarre im weiteren Verlauf des Albums etwas die Ideen ausgegangen zu sein. Das Ganze klingt mit der Zeit immer zäher und langweiliger und schließlich läuft die Musik aus und man fragt sich, ob da überhaupt etwas Wichtiges oder Schönes oder Besonderes zu hören war. Die Antwort auf diese Frage wird häufig ein „Nein“ sein.

Also allgemeine „Langeweile“? Das stimmt allerdings nur bedingt für die erste und längste Nummer des Albums. „Industrial Revolution“ ist eine kleine, elektronisch musikalische Reise, die sehr abwechslungsreich mal dunkler, härter und kälter klingt, dann wieder mit schönen und deutlich wärmeren Melodien aufwartet. Wenn dann auch noch der Der Bruno Rossignol Choir im Teil 2 erklingt, erspürt man neben einem vorhandenen Bombast auch eine gewisse Erhabenheit.

Im Anschluss an dieses Lied wird es poppiger. Seichte Pop-Nummern, ohne Gesang sind da nun zu hören. „London Kid“ klingt für mich fast nach Deutschem Schlager, „Revolution, Revolutions“ hört sich zunächst etwas orientalisch an, schafft es jedoch nicht zu berühren. „Tokyo Kid“ hält immerhin einen etwas experimentelleren Ansatz für Hörerin und Hörer bereit und gehört für mich neben dem Opener zu den besseren Liedern auf „Revolutions“. „Computer Weekend“ und „September“ sind Fehlgriffe. Letztgenanntes Lied klingt dabei fröhlich, obwohl es der südafrikanischen ANC-Aktivistin Dulcie September gewidmet ist, die am 29. März 1988 in Paris ermordet wurde. Wie immer dies auch zusammenpassen mag. Zum Abschluss versöhnt die Platte nochmals ein wenig mit dem etwas schwelgerischen und sehnsüchtigen Titel „L‘Emigrant“. Trotzdem bedeutet dies leider nicht, dass diese Nummer zu den guten des Jean-Michel Jarre gehört.

Fazit: Im Grunde genommen ist „Revolutions“ ein Album geworden, welches keinerlei Spuren hinterlässt. Nichts auf dem Album ragt großartig hervor, nichts bleibt im Ohr, nachdem der letzte Ton verklungen ist. Für Freunde elektronischer Musik ganz bestimmt ganz nett, doch auch diese werden in diesem Album kaum ihre Lieblingsplatte finden. Leider höchstens noch Durchschnitt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Industrial Revolution



Mittwoch, 1. Juli 2020

The Monkees – Headquarters




The Monkees – Headquarters


Besetzung:

Micky Dolenz – vocals, drums, zither, rhythm guitar, shaker, timpani
Davy Jones – vocals, percussion
Michael Nesmith – vocals, electric and acoustic lead, rhythm, and 12-string guitars, steel guitar, organ
Peter Tork – vocals, acoustic 12-string and electric guitars, piano, organ, celeste, electric piano, bass, banjo


Gastmusiker:

Chip Douglas – bass
John London – bass, tambourine
Jerry Yester – bass
Frederick Seykora – cello
Vincent DeRosa – french horn


Label: Colgems Records


Erscheinungsjahr: 1967


Stil: Oldie, Pop, Rock’n‘Roll


Trackliste:

1. You Told Me (2:25)
2. I‘ll Spend My Life With You (2:26)
3. Forget That Girl (2:25)
4. Band 6 (0:41)
5. You Just May Be The One (2:03)
6. Shades Of Gray (3:22)
7. I Can‘t Get Her Off My Mind (2:27)
8. For Pete‘s Sake (2:11)
9. Mr. Webster (2:04)
10. Sunny Girlfriend (2:33)
11. Zilch (1:06)
12. No Time (2:08)
13. Early Morning Blues And Greens (2:35)
14. Randy Scouse Git (2:40)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung im Jahr 1995:

15. All Of Your Toys (Previously Unissued Alternate Mix) (3:02)
16. The Girl I Knew Somewhere (Previously Unissued Alternate Version) (2:38)
17. Peter Gunn‘s Gun (Previously Unissued) (3:38)
18. Jericho (Previously Unissued) (2:02)
19. Nine Times Blue (Previously Unissued Demo Version) (2:07)
20. Pillow Time (Previously Unissued Demo Version) (4:00)

Gesamtspieldauer: 48:44




Mit „Headquarters“ wurde das dritte Album der US-amerikanischen Pop Band The Monkees betitelt. Es erschien am 22. Mai 1967, etwas über vier Monate nach dem Vorgängeralbum „More Of The Monkees“ auf dem Plattenlabel Colgems Records. Damit war „Headquarters“ das dritte Album der Monkees innerhalb von sieben Monaten. Die Platte erreichte auch wieder den Spitzenplatz der US Billboard 200 Charts, allerdings nur für eine Woche. Dann wurde das Album dort durch „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles abgelöst. Allerdings verteidigte „Headquarters“ seinen zweiten Platz die nächsten elf Wochen, die Beatles konnte die Platte jedoch nicht mehr ablösen.

„Headquarters“ ist das erste Album der Band, auf dem die Mitglieder der Monkees stärker am Songwriting sowie am Einspielen der Lieder beteiligt waren. Nichtsdestotrotz bleibt es ein Album mit überwiegend poppigen Oldies, die auch nach Oldies klingen. Die Beatles oder The Who waren zur damaligen Zeit schon deutlich weiter, hatten ihre Musik weiterentwickelt. Zwar wird „Headquarters“ auch ein gewisser psychedelischer Touch zugeschrieben, doch den kann ich darauf leider nicht entdecken.

Trotzdem ist „Headquarters“ deutlich besser gelungen als noch der Vorgänger. Das liegt an der Qualität der Lieder, die auch durchaus ins Ohr gehen – natürlich mal mehr, mal weniger. Es lohnt sich hier genauer hinzuhören und mit dem Titel „Mr. Webster“ befindet sich eines der schönsten Lieder der Monkees auf der Platte. An dieser Stelle sollte auch auf die Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung hingewiesen werden. Diese lohnen sich dieses Mal wirklich und halten einige schöne Nummern für die Hörerin und den Hörer parat. Seltsamerweise hat es dabei das wirklich tolle „Nine Time Blues“ nicht auf das offizielle Album geschafft. Das verstehe wer will.

Fazit: „Headquarters“ ist im Buch „1001 Albums You Must Hear Before You Die“ von Robert Dimery aufgeführt. Nun, das erscheint mir ein wenig übertrieben. Doch es ist sicherlich das bisher beste Album der Monkees, auch wenn es in solch kurzem Abstand zu den vorherigen Scheiben der Band veröffentlicht wurde. Dass die vier Musiker mehr Einfluss auf den kreativen Prozess der Entstehung hatten, hat die Qualität der Musik deutlich verbessert. Kein „Must Hear“ doch immerhin ein „Can Be Heard“ Acht Punkte.

Anspieltipps: Mr. Webster, Nine Time Blues



Montag, 29. Juni 2020

Stone Temple Pilots – No. 4




Stone Temple Pilots – No. 4


Besetzung:

Scott Weiland – vocals, organ on "Heaven & Hot Rods"
Dean DeLeo – guitars, acoustic guitar on "I Got You", lapsteel on "I Got You", six-string bass on "I Got You"
Robert DeLeo – bass, percussion on "Church On Tuesday" and "Sour Girl", guitars on "Sex & Violence" and "Glide", fuzz bass on "Glide", zither on "Glide", electric guitars on "I Got You"
Eric Kretz – drums, percussion on "No Way Out" and "Atlanta"


Gastmusiker:

Brendan O'Brien –backing vocals on "Pruno" and "I Got You", keyboards on "Church on Tuesday", percussion on "Church on Tuesday", "Sour Girl", "Sex & Violence" and "I Got You", backing vocals on "Sour Girl", piano on "Glide" and "I Got You"
David Campbell – string arrangement on "Atlanta"
Suzie Katayama – contractor and cello
Joel Derouin – concertmaster
Evan Wilson – viola
Larry Corbett – cello
Barrett Martin – bass marimba on "Atlanta"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Down (3:48)
2. Heaven & Hot Rods (3:26)
3. Pruno (3:14)
4. Church On Tuesday (3:00)
5. Sour Girl (4:16)
6. No Way Out (4:19)
7. Sex & Violence (2:54)
8. Glide (5:00)
9. I Got You (4:15)
10. MC5 (2:42)
11. Atlanta (5:18)

Gesamtspieldauer: 42:17




„No. 4“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rock Band Stone Temple Pilots. Es wurde am 26. Oktober 1999 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht. Das Album kletterte in den US Billboard 200 bis auf Platz 9 und erreichte schnell Platin-Status in den USA für mehr als eine Million verkaufter Kopien. Das geschah, obwohl die Band das Album zunächst nicht durch eine Tour unterstützen konnte. Sängers Scott Weiland saß nämlich direkt vor der Veröffentlichung eine einjährige Gefängnisstrafe aufgrund seines Drogenmissbrauchs ab. „No. 4“ enthält auch den größten Hit der Stone Temple Pilots. Das Lied „Sour Girl“ erreichte immerhin Platz 78 der Billboard Hot 100.

In den ersten Titeln klingen die Stone Temple Pilots wie zu Beginn ihrer Karriere. Da hört man Hard Rock in Verbindung zu Grunge oder umgekehrt. Auf jeden Fall klingen die Titel wieder deutlich härter als auf der Vorgängerscheibe „Tiny Music... Songs From The Vatican Gift Shop“. Erst ab dem vierten Stück „Church On Tuesday“ klingt es nun wieder eher nach Alternative Rock und die Melodiösität tritt gegenüber der Härte in den Vordergrund. Von daher auch nicht weiter verwunderlich, dass es gerade das deutlich sanftere und leicht groovende „Sour Girl“ in die Charts schaffte. Die Nummer hat einen besonders eingängigen Refrain und zwei- bis dreimal gehört bleibt das Lied auch längerfristig im Gehörgang beheimatet.

Doch ist „Sour Girl“ nicht der Höhepunkt der Scheibe. Dieser folgt unter anderem mit dem nächsten Titel „No Way Out“. Wieder etwas härter und dabei ein Lied, welches zum Headbanging einlädt und trotzdem die Melodie nicht aus den Augen verliert. Dazu gibt es einen etwas sphärischen, kurzen Einschub, der die Nummer wunderbar auflockert. Das Lied „Glide“ ist wieder eine schöne Alternative Rock-Nummer. Schöne Melodie und Scott Weiland zeigt eine weitere Facette seines Gesangs. Und dann ist da noch das letzte Lied der Platte, der Titel „Atlanta“. Sanft und eingängig, mit akustischer Gitarre instrumentiert. Das Besondere an dieser Nummer ist allerdings erneut der Gesang des Scott Weiland. Er erinnert hier schon sehr an Jim Morrison von den Doors. Selbstverständlich ist dies kein Titel der Doors, doch diese Assoziationen kamen bei mir sofort auf. Schließlich wird das Lied orchestral instrumentiert und endet fast hymnisch – völlig untypisch für die Stone Temple Pilots.

Fazit: „No. 4“ von den Stone Temple Pilots hat einiges zu bieten. Hard Rock, Grunge, Alternative Rock und auch ein paar poppige Anleihen gibt es auf dem Album zu hören. Trotzdem wirkt dieses Album noch ein wenig einheitlicher als auf dem Vorgängeralbum „Tiny Music... Songs From The Vatican Gift Shop“, auf dem die musikalische Bandbreite ebenfalls schon breit gefächert war. Macht Spaß hier zuzuhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sour Girl, No Way Out, Glide, Atlanta



Samstag, 27. Juni 2020

Seals & Crofts – Diamond Girl




Seals & Crofts – Diamond Girl


Besetzung:

Jim Seals – guitar, alto saxophone, vocals
Dash Crofts – mandolins, vocals, fender rhodes electric piano


Gastmusiker:

Louie Shelton – guitar, producer
David Paich – organ, piano
Bobby Lichtig – bass, flute
Wilton Felder – bass
Jim Gordon – drums
John Guerin – drums
Harvey Mason – drums
Jeff Porcaro – drums
Bobbye Hall – percussion
England Dan – backing vocals
John Ford Coley – backing vocals


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Diamond Girl (4:13)
2. Ruby Jean And Billie Lee (4:09)
3. Intone My Servant (3:04)
4. We May Never Pass This Way (4:18)
5. Nine Houses (7:01)
6. Standin’ On A Mountain Top (3:06)
7. It’s Gonna Come Down On You (4:41)
8. Jessica (2:55)
9. Dust On My Saddle (3:16)
10. Wisdom (4:26)

Gesamtspieldauer: 41:12




„Diamond Girl“ heißt das fünfte Studioalbum des Pop- und Folk-Duos Seals & Crofts. Es wurde im April 1973 auf dem Plattenlabel bei Warner Bros. Records veröffentlicht. Der Folk-Anteil in der Musik von Seals & Crofts wurde auf „Diamond Girl“ deutlich heruntergefahren. Zwar ist dieses musikalische Genre in der Musik der US-Amerikaner noch vorhanden, jedoch durch überwiegend poppige Töne verdrängt worden.

Neben diesem Pop erklingt auch sanfter Rock, etwas Rock’n’Roll, ein wenig Country und einmal hört es sich sogar ein bisschen soulig an auf dieser Scheibe. Einheitlich klingt „Diamond Girl“ dementsprechend keineswegs mehr – vielmehr stellt die Scheibe eine musikalische Reise durch viele musikalische Genres dar.

Das könnte man noch verschmerzen, wenn die Lieder denn „zünden“ würden. So richtig ins Ohr geht auf diesem Album allerdings nur noch sehr wenig. Leider auch nicht nach vielen Malen des Hörens. Und noch ein Umstand trägt dazu bei, dass „Diamond Girl“ kein gutes Album wurde. Es sind die Streicherpassagen, in den Credits nicht aufgeführt, die manch einen Pop-Song auf der Platte unter jeder Menge Zucker und Schmalz verschütten.

Der Höhepunkt auf „Diamond Girl“ ist definitiv das Stück „Nine Houses“. Es beginnt mit zwei akustischen Gitarren, die sich wunderschön ergänzen. Ab 2:30 gesellt sich schließlich auch noch Gesang dazu, zumeist zweistimmig. Auch dies funktioniert. Es folgt ein kurzer Streichereinsatz, dieses Mal wohl dosiert, schließlich orientalisch anmutende Klänge. Gegen Ende des Liedes erfolgt ein Rückgriff auf den Beginn des Liedes, die zwei akustischen Gitarren lassen das Lied ausklingen. Ansonsten ist da nicht mehr allzu viel, was auf der Platte hörenswert wäre. Mit Abstrichen sind dies noch die Nummern „Intone My Servant“, „It’s Gonna Come Down On You“ und „Jessica“.

Fazit: „Diamond Girl“ kletterte immerhin bis auf Platz 4 der US-Album-Charts. Richtig überzeugend klingt die Musik von Seals & Crofts trotzdem nicht mehr, da sie zum einen zu viele musikalische Genres zu bedienen versucht und eben oftmals eben nicht mehr mit schönen Melodien zu überzeugen weiß. Trotzdem keine schlechte Platte aufgrund der besseren Titel – allerdings auch keine gute Scheibe mehr. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Nine Houses



Freitag, 26. Juni 2020

Long Distance Calling – How Do We Want To Live?




Long Distance Calling – How Do We Want To Live?


Besetzung:

David Jordan – guitar
Florian Füntmann – guitar
Janosch Rathmer – drums
Jan Hoffmann – bass


Gastmusiker:

Eric A. Pulverich – vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Art Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Curiosity (Part 1) (2:56)
2. Curiosity (Part 2) (4:26)
3. Hazard (6:09)
4. Voices (7:54)
5. Fail / Opportunity (3:07)
6. Immunity (5:40)
7. Sharing Thoughts (7:35)
8. Beyond Your Limits (6:24)
9. True / Negative (2:33)
10. Ashes (6:12)

Gesamtspieldauer: 52:58




„How Do We Want To Live?“ ist das bereits siebte Studioalbum der Band Long Distance Calling aus Münster. Am 26. Juni 2020 erscheint es auf dem Plattenlabel InsideOut Music und setzt die Reihe der überzeugenden Alben der Band fort. Auch auf „How Do We Want To Live?“ hört man eine musikalische Mischung aus Alternative Rock und Progressive Metal, dieses Mal allerdings noch mit elektronischen Sounds angereichert. Und  – im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Boundless“ – mit deutlich mehr „Sprache“ ausgestattet.

So gibt es auf den ersten drei Titeln und auf den letzten beiden Liedern des Albums „True / Negative“ und „Ashes“ eingesprochene Textpassagen zu hören. Schließlich befindet sich auf dem Album mit dem Stück „Beyond Your Limits“ sogar ein Lied, welches mit Gesang ausgestattet wurde. Eine Tradition, die schon auf den ersten vier Alben der Band zu hören war, auf denen ebenfalls je ein Lied auch eingesungen wurde. Eric A. Pulverich von der Band Kyles Tolone ist auf „Beyond Your Limits“ mit seiner Stimme zu hören, macht seine Sache sehr überzeugend und trägt mit zum Abwechslungsreichtum auf „How Do We Want To Live?“ bei.

Die restlichen Nummern des Albums sind Instrumentaltracks, die allerdings etwas gemein haben mit jenen, die auch mit gesungener oder gesprochener Sprache ausgestattet wurden. Es ist zum einen diese Eingängigkeit, die den einzelnen Titeln innewohnt, die allesamt sofort ins Ohr gehen. Einzige Ausnahme stellt diesbezüglich das kurze „True / Negative“ dar, welches ein wenig experimenteller klingt und auch den ein oder anderen etwas „schrägeren“ und gar nicht so melodiösen Ton für die Hörerin und den Hörer bereitstellt. Doch auch dies lockert den Gesamteindruck des Albums auf.

Das zweite verbindende Element der Platte ist das Spiel mit den Atmosphären, welches Long Distance Calling auf „How Do We Want To Live?“ zelebrieren. Mal klingt es melancholisch, sich treiben lassend, sehnsüchtig, schließlich fokussiert, dann wieder rockig und nach vorne preschend. Warme Sounds gehen in harte Riffs über, um letztendlich doch wieder sanft auszuklingen Vermittelt werden diese stimmungsmäßigen Wechsel auch durch verschiedene musikalische Genres, denen sich die Musiker hier bedienen. Da wechselt Sphäre mit Progmetal, Alternative Rock mit elektronischer Musik. Überhaupt der Einsatz elektronischer Sounds, den gab es auf anderen Long Distance Calling Veröffentlichungen in dieser Häufigkeit noch nicht zu hören. Mit diesen Zutaten schlägt die Musik der Band immer wieder neue Wendungen ein, kreiert neue Stimmungen. Das ergibt insgesamt eine spannende musikalische Reise, die phasenweise auch mal Erinnerungen an Pink Floyd oder Tangerine Dream aufkommen lässt. Jederzeit klingt das spannend und interessant, niemals langweilig oder gar belanglos.

Fazit: „How Do We Want To Live?“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden. ProgMetal paart sich hier mit elektronisch-rhythmischer Musik, Alternative Rock mit sanfter Sphäre. Die Lieder gehen dabei fast ohne Ausnahme sehr schnell ins Ohr. Long Distance Calling erweisen sich auf „How Do We Want To Live?“ als Meister im Spiel mit den Atmosphären. Macht Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Curiosity (Part 2), Voices, Sharing Thoughts



Donnerstag, 25. Juni 2020

Korn – Untouchables




Korn – Untouchables


Besetzung:

Jonathan Davis – vocals
Munky – rhythm and lead guitars
Head – lead and rhythm guitars
Fieldy – bass
David Silveria – drums


Label: Epic Records


Erscheinungsjahr: 2002


Stil: Nu Metal


Trackliste:

1. Here To Stay (4:30)
2. Make Believe (4:37)
3. Blame (3:51)
4. Hollow Life (4:09)
5. Bottled Up Inside (4:00)
6. Thoughtless (4:32)
7. Hating (5:10)
8. One More Time (4:39)
9. Alone I Break(4:16)
10. Embrace (4:27)
11. Beat It Upright (4:15)
12. Wake Up Hate (3:12)
13. I‘m Hiding (3:57)
14. No One‘s There (9:24)

Gesamtspieldauer: 1:05:05




„Untouchables“ nannte die US-amerikanische Nu-Metal-Band Korn ihr fünftes Studioalbum Es wurde am 11. Juni 2002 auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht. Aus dem Album wurden die Lieder „Here To Stay“, „Thoughtless“ und „Alone I Break“ als Singles ausgekoppelt. Das Lied „Here To Stay“ erhielt 2003 einen Grammy Award für die beste „Metal-Performance“. Die Aufnahmen für „Untouchables“ zogen sich über zwei Jahre hin und verschlangen mehr als drei Millionen Dollar an Produktionskosten.

Im Vergleich zu den ersten Alben der Band hatte sich Korn definitiv weiter in Richtung des Mainstreams entwickelt. So zumindest der Eindruck, der einem beim Hören der ersten Titel vermittelt wird. Was schon auf dem Vorgängeralbum „Issues“ zu hören war, das Öffnen gegenüber einer größeren Hörerschaft, diese Entwicklung wurde auf dem fünften Album fortgesetzt. Das ist allerdings keineswegs ein Nachteil des Albums, eher ein angenehmer Effekt. Korn klingen auch auf „Untouchables“ noch hart, an vielen Stellen sehr hart und kompromisslos, doch es wird viel mehr Wert auf die eingängige Melodie gelegt, wodurch die Lieder zusätzlich wachsen und sich im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers zu verfestigen wissen. Jonathan Davis setzt bei den ersten Titeln seine stimmliche Variabilität auch sehr viel häufiger ein. Er singt rockig, dann jedoch auch in deutlich höheren, für ihn bisher eher ungewohnten Lagen. Doch das klingt sehr überzeugend und bereichert die Musik von Korn nochmals zusätzlich.

Im zweiten Abschnitt der Platte werden die Lieder dann auch nochmals härter, klingen weniger melodiös. Jetzt steht die Härte des Nu Metal erneut deutlicher im Vordergrund. Headbanging ist definitiv angesagt. Bis der vorletzte Titel beginnt. „I‘m Hiding“ verfügt wieder über eine schöne Melodie und gesteigert wird dieser Eindruck schließlich mit dem letzten Titel auf „Untouchables“, dem Lied „No One‘s There“. Hierbei handelt es sich allerdings keineswegs um eine Nummer, die über neun Minuten lang läuft. Das Lied endet nach ziemlich genau fünf Minuten, dann gibt es sechs Sekunden der Stille und es folgt ein sogenannter Hidden Track, den Korn bisher auf jedes ihrer Alben gepackt hatten. Dieses Mal ist es das bereits erwähnte und mit einem Grammy ausgezeichnete Lied „Here To Stay“ allerdings in der T-Ray‘s Mix-Version.

Fazit: Wer Nu Metal mag, die oder der kommt mit „Untouchables“ sehr auf seine Kosten. Am Überzeugendsten klingen die US-Amerikaner dabei, wenn sie die Eingängigkeit ihrer Musik ebenfalls bedienen. „Untouchables“ ist das abwechslungsreichste Album von Korn bisher, da es alle Elemente der Musik der Band in sich vereint. Härte und Melodiösität. Für Korn kein Widerspruch. Neun Punkte.

Anspieltipps: Here To Stay, Hollow Life, No One‘s There



Mittwoch, 24. Juni 2020

The Lumineers – III




The Lumineers – III


Besetzung:

Wesley Schultz − vocals, guitar
Jeremiah Fraites − piano, drums, tambourine, guitar, backing vocals, synths, vibraphone, cymbal scrapes


Gastmusiker:

Byron Isaacs − bass, backing vocals
Lauren Jacobson − violin, backing vocals
Simone Felice − maraca, backing vocals
David Baron − synths, keyboards, harmonium
Anneke Schaul-Yoder − cello


Label: Decca Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Independent Rock


Trackliste:

Chapter 1 - Gloria Sparks

1. Donna (3:06)
2. Life In The City (3:51)
3. Gloria (3:36)

Chapter 2 - Junior Sparks

4. It Wasn‘t Easy To Be Happy For You (3:34)
5. Leader Of The Landslide (5:54)
6. Left For Denver (3:16)

Chapter 3 - Jimmy Sparks

7. My Cell (3:16)
8. Jimmy Sparks (5:56)
9. April (0:50)
10. Salt And The Sea (4:30)

Bonus Tracks:

11. Democracy (6:44)
12. Old Lady (4:17)
13. Soundtrack Song (2:03)

Gesamtspieldauer: 50:59



Kurz mit „III“ betitelte die US-amerikanische Indie-Folk-Band The Lumineers ihr drittes Studioalbum, welches gleichzeitig ein Konzeptalbum ist. „III“ wurde am 13. September 2019 auf dem Plattenlabel Decca veröffentlicht. Mit den Liedern „Gloria“, „It Wasn‘t Easy To Be Happy For You“ und „Salt And The Sea“ wurden insgesamt drei Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Die Zahl „3“ spielt noch eine weitere Rolle auf „III“. Das Album ist in drei Kapitel unterteilt, die sich mit Gloria, Junior und Jimmy Sparks beschäftigen. Drei Personen einer Familie, deren Leben durch Süchte und Abhängigkeiten auf unterschiedliche Art und Weise beeinflusst wird. Bis Ende September 2019 hatten Wesley Schultz und Jeremiah Fraites – die beiden Mitglieder der Lumineers – zehn Musikvideos zu den zehn Titel des Albums veröffentlicht. Die restlichen drei Stücke auf „III“ sind Bonustracks, wobei es sich beim Lied „Democracy“ um eine Cover-Version eines Leonard Cohen Titels handelt. In den USA erreichte „III“ Platz zwei der US Billboard 200, in Großbritannien kletterte das Album bis auf Platz 8, in Deutschland auf Platz 40 der Charts.

Auf „III“ hört man zumeist eher sanften Independent Rock, der ab und an auch in den Gefilden des Folks beheimatet ist, jedoch auch etwas Tempo aufnehmen kann. Die Musik der Lumineers auf „III“ ist eingängig, melodiös, melancholisch, traurig, packend. Musik, die mit den Gefühlen spielt, die anfasst. Dieses Album klingt an vielen Stellen ergreifend und man kann wunderschön in diese sanften und doch immer wieder aufwallenden und packenden Melodien eintauchen. Dass es sich vom Inhalt der Geschichte her, die das Album erzählt, um eine eher traurige Erzählung handelt, kann man hören und auf zehn veröffentlichten Musikvideos auch sehen.

„III“ klingt und wirkt und ist gelungen. Dies gilt für alle auf dem Album enthaltenen Stücke. Trotzdem, die Höhepunkte des Albums befinden sich im letzten und dritten Kapitel. „Jimmy Sparks“, „April“ und „Salt And The Sea“ heißen diese und wer auf einfühlsame, melodische und gleichzeitig packende Musik steht, die oder den dürften diese drei Nummern musikalisch sicherlich bereichern. Auch die Bonus-Tracks lohnen gehört zu werden, sodass dem gelungenen Hörerlebnis nichts mehr im Wege steht.

Fazit: Musik kann so wunderschön und einnehmend klingen. Auf die Lumineers und ihr Album „III“ trifft dies definitiv zu. Sanfte Musik, die ab und an anschwillt, dabei jedoch nicht weniger melodisch, sondern nur noch intensiver klingt. „III“ bedeutet Abschalten und Eintauchen in die Welt der packenden Harmonien. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Jimmy Sparks, April, Salt And The Sea



Dienstag, 23. Juni 2020

Neil Young – Homegrown




Neil Young – Homegrown


Besetzung:

Neil Young – guitar (1, 2, 5, 7-12), harmonica (1, 4, 7-12), piano (2, 3), wine glass (6), piano strings (6), narration (6), vocals (1-5, 7-12)


Gastmusiker:

Ben Keith – pedal steel guitar (1, 2), lap slide guitar (5, 8, 10), dobro (12), wine glass (6), piano strings (6), narration (6), vocals (2, 8, 10, 12)
Tim Drummond – bass (1, 2, 4, 5, 8, 10, 12), vocals (8, 10)
Levon Helm – drums (1, 2)
Karl T. Himmel – drums (5, 8, 10, 12)
Robbie Robertson – guitar (9)
Emmylou Harris – backing vocals (2, 12)
Sandy Mazzeo – backing vocals (8)
Stan Szelest – piano (8), wurlitzer piano (10)


Label: Reprise Records


Erscheinungsjahr: 2020 (aufgenommen 1974 und 1975)


Stil: Folk


Trackliste:

1. Separate Ways (3:32)
2. Try (2:49)
3. Mexico (1:40)
4. Love Is A Rose (2:17)
5. Homegrown (2:47)
6. Florida (2:58)
7. Kansas (2:11)
8. We Don’t Smoke It No More (4:51)
9. White Line (3:14)
10. Vacancy (3:58)
11. Little Wing (2:12)
12. Star Of Bethlehem (2:48)

Gesamtspieldauer: 35:22




Zunächst kurz zur Geschichte des Albums:

Obwohl „Homegrown“ am 19. Juni 2020 veröffentlicht wurde, wurden alle Titel bereits zwischen dem 16. Juni 1974 und dem 21. Januar 1975 eingespielt. Die Orte der Aufnahmen waren dabei Nashville, Woodside und Los Angeles in den USA sowie im Falle des Liedes „Whiteline“ London, England. Als das Album schließlich fertiggestellt war, waren Neil Young die Lieder wohl zu dunkel und zu persönlich, wie er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine vom 14. August 1975 erzählte: „Diese Platte (Homegrown) ist vielleicht eher das, was die Leute jetzt (1975) lieber von mir hören würden, aber es war einfach ein sehr trauriges Album. Es war die dunklere Seite von Harvest. Viele der Songs hatten damit zu tun, dass ich mit meiner alten Dame (Schauspielerin Carrie Snodgress) Schluss gemacht habe. Es war ein bisschen zu persönlich ... es machte mir Angst.“ Und somit veröffentlichte Neil Young am 20. Juni 1975 die Platte „Tonight‘s The Night“. Ein Album, welches übrigens auch schon zwei Jahre zuvor entstanden war. „Homegrown“ verschwand somit erst mal in der Versenkung, bis eben zum 19. Juni 2020.

Doch so ganz stimmt auch das nicht, denn nicht alle zwölf Titel des Albums werden hier zum ersten Mal veröffentlicht. „Homegrown“ und „Star Of Bethlehem“ erschienen zum Beispiel bereits auf dem Album „American Stars ‘n Bars“. Jenes „Star Of Bethlehem“ sowie „Love Is A Rose“ auch auf dem Sampler „Decade“. „Little Wing“ befindet sich auf dem 1980er Album „Hawks & Doves“. Die beiden Stücke „Kansas“ und „Mexico“ sind zwar nicht auf Platte gepresst, allerdings auf dem Konzertfilm „Neil Young Trunk Show“ enthalten.

Nun zur Musik:

„Homegrown“ wurde nun genau so veröffentlicht, wie es ursprünglich geplant war. Selbst das ursprüngliche Cover ist hier zu sehen. Stilistisch passt „Homegrown“ sehr viel besser zu „Harvest“, als jenes nach „Harvest“ veröffentlichte „On The Beach. Auf „Homegrown“ hört man Folk Rock, der ab und an auch mal Country-Anleihen enthält. Sehr gut zu hören beim letzten Titel „Star Of Bethlehem“. Auch „Try“ ist eine Nummer, die dem Country sehr nahe kommt. „We Don’t Smoke It No More“ ist dagegen ein groovender Blues-Titel, der außer dem Namen des Titels keinen Gesang enthält, dafür eine umso sehnsüchtiger klingende Mundharmonika. Schließlich gibt es auf „Homegrwon“ mit dem Stück „Florida“ noch etwas Außergewöhnliches für ein Neil Young Album. Ein Traum wird erzählt, dazu wird mit einem nassen Finger über den Rand eines Glases gestrichen, sodass sich ein langanhaltender Ton ergibt. Das klingt sehr surreal und ist definitiv kein Lieblingslied für Freundinnen und Freunde melodischer Musik.

Den Rest der Platte kann man sehr gut dem Folk Rock zuordnen. Meist klingt dieser wirklich melancholisch bis traurig, im Falle von „Vacancy“ allerdings sogar rockig. Die Lieder gehen dabei gut ins Ohr und klingen nach. Man fühlt sich musikalisch sofort in die Zeit um „Harvest“ zurückversetzt. „Homegrown“ klingt gut und in sich geschlossen, es macht Spaß hier zuzuhören, wenn man die frühen Werke des Neil Young mag und zu schätzen weiß.

Die Höhepunkte des Albums sind wie immer Geschmackssache. Mir hat es besonders das sanfte, mit dem Piano instrumentierte „Mexico“ angetan, welches leider nur recht kurz ausfällt. Dazu überzeugt auch „Kansas“ sehr. Erneut ein sanftes Lied, dieses Mal ist es allerdings die akustische Gitarre, die den Gesang des Neil Young begleitet. Das bereits erwähnte „Vacancy“ reißt mit und lockert die Platte insgesamt auf. „Little Wing“ schließlich ist wieder eine ruhige Nummer, die etwas getragen klingt und mit einer schönen Melodie versehen ist.

Fazit: Überraschend, dass Neil Young dieses Album nicht schon früher veröffentlichte, denn es lohnt sich gehört zu werden. Wem Harvest gefällt, die oder der dürfte auch mit „Homegrown“ etwas für sich finden. Schöne Musik, die Erinnerungen aufkommen lässt, obwohl man viele Lieder noch nie gehört hat. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mexico, Kansas, Vacancy



Sonntag, 21. Juni 2020

Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways




Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways


Besetzung:

Bob Dylan – vocals, guitar
Charlie Sexton – guitar
Bob Britt – guitar
Donnie Herron – steel guitar, violin, accordion
Tony Garnier – bass
Matt Chamberlain – drums


Gastmusiker:

Blake Mills
Benmont Tench
Alan Pasqua
Fiona Apple
Tommy Rhodes


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Folk, Rock


Trackliste:

1. I Contain Multitudes (4:36)
2. False Prophet (6:00)
3. My Own Version Of You (6:41)
4. I‘ve Made Up My Mind To Give Myself To You (6:32)
5. Black Rider (4:12)
6. Goodbye Jimmy Reed (4:13)
7. Mother Of Muses (4:29)
8. Crossing The Rubicon (7:22)
9. Key West (Philosopher Pirate) (9:34)

CD2:

1. Murder Most Foul (16:54)

Gesamtspieldauer CD1 (53:43) und CD2 (16:54): 1:10:37



Bob Dylan wurde am 24. Mai 79 Jahre alt und am 19. Juni 2020 wurde nun mit „Rough And Rowdy Ways“ sein bereits 39. Studioalbum auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Es ist sein erstes Album mit eigenen Liedern seit dem, im Jahr 2012 erschienenen Album „Tempest“. Mit den Liedern „Murder Most Foul“, „I Contain Multitudes“ und „False Prophet“ waren drei Lieder zuvor bereits als Singles veröffentlicht worden. „Rough And Rowdy Ways“ ist ein Doppelalbum, obwohl die Gesamtlänge der Musik auch auf eine CD gepasst hätte. Das Lied „Murder Most Foul“ sollte aber wohl einen exponierten, besonderen Platz bekommen.

Bob Dylan erzählt auf „Rough And Rowdy Ways“ seine Geschichten zu Musik, die mal folkiger („I Contain Multitudes“, „My Own Version Of You“, „I‘ve Made Up My Mind To Give Myself To You“, „Black Rider“, „Mother Of Muses“ sowie „Key West“), mal etwas bluesiger („False Prophet“ und „Crossing The Rubicon“) klingt. Das Lied „Goodbye Jimmy Reed“ bildet hier eine Ausnahme und ist sogar ein Rock’n’Roll. Diese musikalische Mischung bekommt man auf dem ersten Teil von „Rough And Rowdy Ways“ geboten. Und dabei fällt auf, dass die Musik des Bob Dylan sehr repetitiv ist. Ein Akkordfolge wird immer wieder wiederholt, setzt sich dadurch im Ohr fest und hierzu erzählt Bob Dylan seine Geschichten. Es sind also nicht unbedingt die Melodien, die einen auf „Rough And Rowdy Ways“ fesseln – obwohl die Musik durchaus eingängig klingt. Es sind mehr die Atmosphären und Stimmungen, die Bob Dylan mit seiner Musik in Kombination zu seiner Stimme erzeugt und die jederzeit intensiv klingen.

Beim zweiten Teil des Albums, dem Lied „Murder Most Foul“, wird diese erzählerisch-musikalische Vorgehensweise schließlich auf die Spitze getrieben. Zu überwiegend Piano- und Violin-Klängen hört man die Stimme des Bob Dylan, wie sie zunächst jenen 22. November 1963 beleuchtet, den Tag als John F. Kennedy in Dalles ermordet wurde. Dies geschieht aus verschiedenen Perspektiven und geht in eine Betrachtung der USA in den 60ern über und jene Personen und Musiker werden erwähnt, die dieses Jahrzehnt mitprägten. Das klingt durchaus bewegend und intensiv. Erneut ist es dabei nicht die Melodie, die einen packt, es ist die Atmosphäre, die dieses Lied zu etwas ganz Besonderem und Wertvollen werden lässt. Somit ist die Abgrenzung dieses Liedes durchaus verständlich, wenn nicht sogar sinnvoll. Das ist kein Folk, kein Blues, schon gar kein Rock’n’Roll mehr. „Murder Most Foul“ erzeugt nicht nur Atmosphäre, „Murder Most Foul“ ist Atmosphäre.

Und die Höhepunkte auf „Rough And Rowdy Ways“? Nun, das ist sicher Geschmackssache. Jede und jeder, die oder der die Musik des Bob Dylan mag, wird sicherlich etwas für sich finden. Ich mag sehr den Folk des Bob Dylan. Nicht weiter verwunderlich also, dass meine Favoriten des Albums „My Own Version Of You“, „Black Rider“ und „Key West (Philosopher Pirate)“ heißen. Und dann darf in meiner „Liste“ natürlich auch „Murder Most Foul“ nicht fehlen. Sehr intensive Musik, die packt und beeindruckt.

Fazit: Bob Dylans 39. Studioalbum „Rough And Rowdy Ways“ ist eine Scheibe geworden, die Spuren hinterlässt. Besondere Musik eines besonderen Musikers. Ich habe das Album nun viele Mal durchgehört und ich bin und war berührt von diesen Liedern. „Berührend und packend“, das bringt die Musik des Albums auf den Punkt. Sehr lohnenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: My Own Version Of You, Black Rider, Key West (Philosopher Pirate), Murder Most Foul



Freitag, 19. Juni 2020

Mumford And Sons – Delta




Mumford And Sons – Delta


Besetzung:

Marcus Mumford – vocals, acoustic guitar, electric guitar, drums, mandolin
Winston Marshall – resophonic guitar, electric guitar, banjo, bass, choirs
Ben Lovett – organ, keyboards, choirs, accordion
Ted Dwane – double bass, drums, bass, choruses


Gastmusiker:

Mamadou Sarr – percussion
Tom Hobden – violin
Gill Landry – voice
Chris Maas – drums
Maggie Rogers – voice
Yebba – voice
Rob Moose – strings
Paul Epworth – additional instrumentation


Label: Island Records


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Folk Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. 42 (4:00)
2. Guiding Light (3:37)
3. Woman (4:38)
4. Beloved (4:25)
5. The Wild (5:31)
6. October Skies (3:43)
7. Slip Away (4:55)
8. Rose Of Sharon (3:23)
9. Picture You (4:03)
10. Darkness Visible (3:11)
11. If I Say (4:29)
12. Wild Heart (5:05)
13. Forever (4:36)
14. Delta (6:16)

Gesamtspieldauer: 1:01:59



„Delta“ nannte die britische Band Mumford And Sons ihr viertes Studioalbum. Es wurde am 16. November 2018 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Das Album kletterte bis auf Platz eins der US Billboard 200 Charts und auf Platz zwei der UK Albums Chart. In Deutschland erreichte es als Spitzenposition Platz 5. Mit den Titeln „Guiding Light“, „If I Say“, „Beloved” sowie „Woman“ wurden insgesamt vier Singles aus „Delta“ ausgekoppelt.

Nach Aussage von Keyboarder Ben Lovett beschäftigt sich die Musik auf „Delta“ inhaltlich mit den vier D‘s: „Death“, Divorce“, „Drugs“ und Depression“ (auf Deutsch dementsprechend „Tod“, „Scheidung“, „Drogen“ sowie „Depression“). Alles relativ schwer Themen, doch die Musik von Mumford And Sons stand noch nie dafür fröhlich und heiter zu klingen. Sehr viel mehr sind die Lieder der Band in Moll gehalten und genauso klingt es dann auch gar nicht überraschend auf „Delta“. Überwiegend hören sich die Lieder sentimental, melancholisch bis sogar traurig an. Alles ist sanft und weich gehalten, klingt immer wieder auch leicht zerbrechlich.

Somit wird den Hörerinnen und Hörern auf „Delta“ sehr ruhige und nachdenkliche Musik geboten, Musik für den Abend, Musik für die leisen Stunden des Tages. Musik zum Entspannen und Musik zum Träumen. Die einzelnen Lieder auf „Delta“ klingen dabei nicht mehr so „besonders und außergewöhnlich“, wie noch auf den ersten Scheiben, als diese Art der Musik noch neu war. Denn auf „Delta“ ist die Musik eindeutig als jene von Mumford And Sons zu erkennen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Platte bei Kritikern und manchen Fans nicht mehr so gut ankam. Stichwort: „Wo ist denn da die Weiterentwicklung?“ Wer allerdings diese sanften Stücke, welche immer eingängig und melodisch klingen und die so typisch für die Briten sind mag, die oder der wird wahrscheinlich sogar diese angeblich fehlende musikalische Weiterentwicklung zu schätzen wissen und sehr viel Freude an „Delta“ von Mumford & Sons haben.

Fazit: Die Musik auf „Delta“ klingt ganz typisch für die Band Mumford And Sons. Sanft, eingängig, melodiös, melancholisch und sentimental hören sich die Lieder der Platte an. Sehr selten, dass da mal ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke zu scheinen scheint, um die Stimmung etwas aufzulockern. „Delta“ ist gemacht, um den Tag ausklingen zu lassen, sich zu entspannen und sich der eigenen inneren Melancholie hinzugeben – auch manchmal schön. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Wild, October Skies



Mittwoch, 17. Juni 2020

The Strumbellas – Hope




The Strumbellas – Hope


Besetzung:

Simon Ward – vocals, guitar
David Ritter – keyboards, percussion, vocals
Jeremy Drury – drums, percussion, vocals
Isabel Ritchie – violin, viola, vocals
Jon Hembrey – guitar, vocals
Darryl James – bass, vocals


Gastmusiker:

Jason Sniderman – piano
Krystle "Krystle Blue" Payton – vocals
Richard Underhill – saxophone
William Sperandei – trumpet
Anissa Hart – cello
John Dinsmore – slide guitar
Mr. Koekbakker & Mr. Graves’ guitar students of I.E. Weldon Secondary School / LCVI – vocals


Label: Universal Music


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Independent Pop, Independent Rock


Trackliste:

1. Spirits (3:23)
2. Shovels & Dirt (4:02)
3. We Don‘t Know (4:33)
4. Wars (3:26)
5. Dog (3:24)
6. The Hired Band (3:49)
7. Young & Wild (4:27)
8. The Night Will Save Us (3:49)
9. I Still Make Her Cry (2:31)
10. David (4:32)
11. Wild Sun (4:29)

Gesamtspieldauer: 42:31




The Strumbellas sind eine im Jahr 2008 in Ontario gegründete Band aus Kanada, deren Musik sich im Bereich des Independent Pop beziehungsweise Rock bewegt und in welcher ab und an auch leichte Einflüsse des Folk zu hören sind. „Hope“ heißt das dritte Album des Sextetts und wurde am 22. April 2016 auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht.

Auf „Hope“ hört man überaus eingängige Musik. Viele der Melodien des Albums gehen sehr schnell ins Ohr. Da klingt nichts kompliziert oder konstruiert, die Lieder sind oftmals eher sanft gehalten und immer, wirklich immer melodiös. Schließlich weißt die Musik der Strumbellas auf „Hope“ einige Passagen auf, die im Chor der Bandmitglieder eingesungen wurden. Diese Passagen animieren dann richtiggehend zum Mitsingen und alle Sorgen des Tages hinter sich zu lassen. Diese poppigen Lieder haben durchaus etwas und scheinen mit jedem neuen Durchlauf der Scheibe noch zu wachsen. Wahrlich gelungen sind dabei auch die Streicher- und Bläsereinsätze während einzelner Lieder, die wohldosiert und keineswegs übertrieben eingesetzt wurden und manchem Lied noch zusätzliche Wirkung verleihen.

Wenn ich an dieser Stelle die Höhepunkte der Platte aufzählen möchte, dann fällt mir das einigermaßen schwer. Die Strumbellas machen keine komplizierte Musik, jedoch eine umso eingängigere. Und dies gilt tatsächlich für alle elf Titel des Albums. Um hier jedoch ein paar Nummern aufzuzählen, die sich auch ideal als Anspieltipps eignen. Da wären zu nennen „Shovels & Dirt“, „We Don‘t Know“, „Wars“, „I Still Make Her Cry“, „David“ sowie „Wild Sun“. Ob es allerdings Sinn macht über die Hälfte aller Titel eines Albums als Anspieltipps zu empfehlen, das sei mal dahingestellt. Von daher einfach mal in „Shovels & Dirt“ reinhören und man bekommt einen schönen Überblick über die Musik des Albums.

Fazit: Eine schöne und eingängige Platte ist der kanadischen Band The Strumbellas mit ihrem dritten Album „Hope“ gelungen. Nur manchmal etwas nachdenklich klingend, zumeist fröhlich und immer sehr eingängig und melodiös. Die Strumbellas machen keine allzu anspruchsvolle Musik, doch Musik, die gut unterhält. Da hört man gerne zu. Elf Punkte.

Anspieltipps: Shovels & Dirt, Wild Sun



Montag, 15. Juni 2020

Pattern-Seeking Animals – Pattern-Seeking Animals




Pattern-Seeking Animals – Pattern-Seeking Animals


Besetzung:

John Boegehold – synthesizers, programming, acoustic & electric guitars, mandolin, vocals
Ted Leonard – vocals, lead & rhythm guitars
Jimmy Keegan – drums & vocals
Dave Meros – basses


Gastmusiker:

Breana Marin – backing vocals ("Fall Away")
Vesislava – cello ("Fall Away")
Andrew Capra – backing vocals ("We Write The Ghost Stories")
Chris Willows – backing vocals ("Stars Along The Way")
Hunter Groth – backing vocals ("Stars Along The Way")
Clockwork Sessions – strings ("The Same Mistakes Again")
Jonas Petersen – violin & viola ("We Write The Ghost Stories")
Michelle Packman – cello ("We Write The Ghost Stories")


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. No Burden Left To Carry (9:39)
2. The Same Mistakes Again (5:09)
3. Orphans Of The Universe (10:29)
4. No One Ever Died And Made Me King (3:55)
5. Fall Away (4:47)
6. These Are My Things (4:54)
7. We Write The Ghost Stories (3:24)
8. No Land‘s Man (5:39)
9. Stars Along The Way (10:20)

Gesamtspieldauer: 58:20



Die Pattern-Seeking Animals sind eine US-amerikanische Rock Band, welche sich aus aktuellen oder ehemaligen Musikern von Spock’s Beard zusammensetzt. John Boegehold, selbst nie offizieller Musiker von Spock’s Beard, jedoch nach der Demission von Neal Morse Songschreiber für die Band, ist dieses Mal fester Bestandteil der Pattern-Seeking Animals und darf hier sein Gespür für die eingängige Melodie noch besser ausleben. Das selbstbetitelte Debut-Album der Band erschien am 5. Juli 2019 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Und da wären wir auch schon beim Unterschied zwischen Spock’s Beard und den Pattern-Seeking Animals. Letztere klingen auf ihrem Debutalbum nochmals deutlich eingängiger als Spock’s Beard jemals klangen. Ob das noch Progressive Rock ist? Nun die einzelnen Titel funktionieren zumindest nicht nach dem Schema „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain“. Auf „Pattern-Seeking Animals“ wird mit den Atmosphären gespielt, Stimmungen werden erzeugt und anschließend wieder aufgelöst, um in andere einzutauchen. Somit spielt ich die Musik der Band auf ihrem Debut irgendwo im Bereich des eingängigen NeoProgs und des Melodic Rocks ab, wobei es auch ab und an mal ein Gitarren- oder Keyboardsolo zu hören gibt. Wenn man auf eingängige Rock Musik steht, dann wird man auf dieser Scheibe sicherlich fündig.

Auf der Platte klingt alles, geht alles ins Ohr. Die Produktion ist perfekt, die Lieder quellen voll und satt aus den Boxen, sehr gut differenziert und abgemischt. Und die Höhepunkte – wie sollte es auch anders sein – sind wieder mal die längeren Stücke des Albums, da sie eben diese Wandlungen in den Titeln selbst, dieses Spiel mit den Atmosphären und die Entwicklung hin zu eingängigen Melodien bestens bedienen. „No Burden Left To Carry“, „Orphans Of The Universe“ sowie „Stars Along The Way“ beinhalten jede Menge Abwechslung und transportieren diesen melodischen NeoProg am intensivsten.

Fazit: Für alle diejenigen, die auf melodischen Rock stehen, der trotzdem keine 08/15 Musik darstellt und auch immer mal wieder progressive Ansätze aufweist, ist dieses Debut der Pattern-Seeking Animals eine feine Sache. Ich kann durchaus gut in diese Musik eintauchen, die keineswegs platt klingt, ebenso keinesfalls kompliziert. Halt nur unverschämt eingängig. Elf Punkte.

Anspieltipps: No Burden Left To Carry, Orphans Of The Universe, Stars Along The Way