Montag, 17. Februar 2020

Mark Knopfler – Down The Road Wherever




Mark Knopfler – Down The Road Wherever


Besetzung:

Mark Knopfler – guitars, vocals


Gastmusiker:

Richard Bennett – guitars
Guy Fletcher – keyboards
Jim Cox – keyboards
Ian Thomas – drums
Glenn Worf – upright and electric bass
Danny Cummings – percussion
Lance Ellington – background vocalist
Beverley Skeete – background vocalist
Katie Kissoon – background vocalist
Kris Drever - background vocalist
Imelda May - background vocalist
Nigel Hitchcock – tenor saxophone
Tom Walsh – trumpet
Trevor Mires – trombone
John McCusker – fiddle
Mike McGoldrick – whistle
Robbie McIntosh – guitar


Label: Virgin EMI Records


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Trapper Man (6:01)
2. Back On The Dance Floor (5:30)
3. Nobody’s Child (4:16)
4. Just A Boy Away from Home (5:12)
5. When You Leave (4:12)
6. Good On You Son (5:37)
7. My Bacon Roll (5:35)
8. Nobody Does That (5:15)
9. Drovers’ Road (5:05)
10. One Song At A Time (6:17)
11. Floating Away (5:03)
12. Slow Learner (4:34)
13. Heavy Up (6:00)
14. Every Heart In The Room (4:30)
15. Rear View Mirror (2:29)
16. Matchstick Man (2:54)

Gesamtspieldauer: 1:18:38




„Down The Road Wherever“ heißt das neunte Solo-Studioalbum des britischen Musikers Mark Knopfler. Die Platte erschien am 16. November 2018 auf dem Plattenlabel Virgin EMI Records in Form zahlreicher, unterschiedlicher Formate. Doppel-LP, Standard CD, Deluxe CD oder gleich als Box Set, welches neben Vinyl und der CD zusätzlich noch eine EP beinhaltet. Musiker müssen heutzutage kreativ sein.

Das war Mark Knopfler im Laufe seiner Karriere immer, wenn es um seine Musik geht. Und das hört man auch auf „Down The Road Wherever“. Da ist dieser unverwechselbare Gitarrensound des Engländers zu hören, genau wie sein ebenso unverwechselbarer Gesang. Manche der Stücke reihen sich nahtlos in seine vorherigen Kompositionen ein, erzeugen dieses bestimmte Wiedererkennungsgefühl, ohne dabei allerdings langweilig zu klingen. Aber dies gilt längst nicht für alle Titel auf „Down The Road Wherever“. Mark Knopfler lebt sich auf dem Album musikalisch deutlich breiter aufgestellt aus. Da hört man Lieder, die an entspannte Bar Musik erinnern, welche der Pianist zusammen mit seinem Kollege, dem Saxophonisten, zum Dinner servieren. An manchen Stellen klingt die Musik des Mark Knopfler gar leicht soulig, wieder andere Lieder auf dem Album swingen sogar. Abwechslungsreich mag das durchaus klingen, die Frage ist nur, ob man so etwas auch von Mark Knopfler, dem ehemaligen Frontmann der Dire Straits hören möchte.

Ich für meinen Teil könnte durchaus darauf verzichten, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich die Höhepunkte der Scheibe in jenen Liedern finde, die nach „Mark Knopfler Wie Gehabt“ oder gar ein wenig nach den Dire Straits klingen. Wie langweilig? Nein, bewährt! Deshalb heißen meine Favoriten „Nobody’s Child“, „Drovers’ Road“ sowie „Matchstick Man“, wobei gerade das letzte Lied des Albums, das viel zu kurze „Matchstick Man“, dieses familiäre Dire Straits Gefühl nochmals sehr stark aufkommen lässt.

Fazit: Etwas uneinheitlich klingt „Down The Road Wherever“ auf jeden Fall, einige musikalische Stile hat Mark Knopfler auf diesem Album verarbeitet, sodass die Scheibe irgendwie nicht ganz rund läuft. Trotzdem ist dies unverwechselbare Mark Knopfler Musik, die immer dann ihre Höhepunkte hat, wenn sie sich am Vergangenen orientiert. Es muss nicht immer nur Neues sein. Acht Punkte.

Anspieltipps: Nobody’s Child, Drovers’ Road, Matchstick Man



Samstag, 15. Februar 2020

Chicago – Chicago Transit Authority




Chicago – Chicago Transit Authority


Besetzung:

Terry Kath – guitar, backing and lead vocals
Robert Lamm – keyboards, lead and backing vocals
Peter Cetera – bass, backing and lead vocals
Walter Parazaider – saxophone, tambourine
Lee Loughnane – trumpet, claves
James Pankow – trombone, cowbell
Danny Seraphine – drums, percussion


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Jazz Rock


Trackliste:

1. Introduction (6:35)
2. Does Anybody Really Know What Time It Is? (4:40)
3. Beginnings (7:54)
4. Questions 67 and 68 (5:09)
5. Listen (3:24)
6. Poem 58 (8:40)
7. Free Form Guitar (6:56)
8. South California Purples (6:14)
9. I’m A Man (7:43)
10. Prologue (0:56)
11. Someday (4:17)
12. Liberation (14:40)

Gesamtspieldauer: 1:17:13




„Chicago Transit Authority“ heißt das selbstbetitelte Debütalbum der logischerweise aus Chicago stammenden Band Chicago Transit Authority, die sich danach nur noch kurz Chicago nannte. Das Album wurde am 28. April 1969 ursprünglich auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Die ursprüngliche Platte war gleich ein Doppelalbum und die Band wurde aufgrund dieser Aufnahmen für einen Grammy Award als bester neuer Künstler des Jahres 1969 nominiert. „Chicago Transit Authority“ war 171 Wochen lang in den US-amerikanischen Billboard 200 Charts vertreten und stellte mit 155 Wochen den damaligen Rekord für die Langlebigkeit eines Rockalbums auf.

„Chicago Transit Authority“ hat nichts mit dem Schmuse-Pop und -Rock zu tun, für den Chicago Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre standen. Auf dem Doppelalbum hört man Jazz Rock, der zum Teil auch relativ funky eingespielt wurde. Mit „Free Form Guitar“ gibt es auch ein fast schon experimentelles Lied auf „Chicago Transit Authority“, bei dem die Band wohl man ausprobieren wollte, welche Klänge man der Gitarre so alles entlocken könne. Melodiös ist das alles nicht, erwartet man bei Jazz Rock auch nicht unbedingt. Somit sollte man schon an freien, unkonventionellen Klängen Gefallen finden, um mit der Scheibe warm zu werden. Für was steht das Album noch? Es gibt auf „Chicago Transit Authority“ viele lange, zum Teil ausufernde Gitarren-Soli zu hören, neben jeder Menge Bläsereinsätzen und einer dominanten Rhythmusfraktion, sodass die Musik häufig zum Mitwippen einlädt.

Zugegeben, ich musste mir diese Platte öfters zu Gemüte führen, um mir diese Musik zumindest ein wenig besser erschließen zu können. Beim ersten Durchlauf war ich keineswegs fündig geworden, „meine“ Musik auf „Chicago Transit Authority“ zu entdecken. Nach vielen Malen des Durchhörens gibt es für mich mit den Nummern „Listen“, „Poem 58“ und „I’m A Man“ allerdings zumindest drei Titel, die sich für mich lohnen gehört zu werden und die noch deutlich über den Rest der Platte hinausragen. Ansonsten fehlt mir wohl dieses Jazz-Gefühl und funky bin ja schon mal sowas von überhaupt nicht. Schlimm, aber damit kann ich leben.

Fazit: Jazz Rock, keinen Schmuse-Rock kredenzen uns auf ihrem Debutalbum die Musiker von Chicago. Einfache Musik ist das keineswegs, größtenteils auch keine eingängige. Jazz Rock, der durchaus auch mal funky angehaucht klingt und eher in die Beine und ins Blut will, denn ins Herz. Dabei klingt die Platte allerdings zu keiner Zeit wie eine Scheibe aus den 60ern und von daher durchaus auch überraschend. „Chicago Transit Authority“ ist einfach mal was anderes. Neun Punkte.

Anspieltipps: Listen, Poem 58, I’m A Man



Donnerstag, 13. Februar 2020

Bryan Ferry – Bitter-Suite




Bryan Ferry – Bitter-Suite


Besetzung:

Bryan Ferry – vocals


Gastmusiker:

Colin Good – piano, harmonium 
Richard White – soprano, alto & bass saxophone, clarinet & bass clarinet
Robert Fowler – tenor saxophone & clarinet
Alan Barnes – baritone saxophone & clarinet
Enrico Tomasso – trumpet
Malcolm Earle Smith – trombone
Ian Bateman – trombone
Martin Wheatley – banjo & guitar
John Sutton – drums
Marc Easener – tuba & sousaphone 
Frank Ricotti – percussion
Marina Moore – viola & violin
Ros Stephen – violin & viola
Julian Rowlands – bandoneon & piano
Emma Parker – violin
Victoria Sutherland – violin
Emma Owens – viola
Sarah Chapman – viola
Katy Cox – cello
Charlie Woof-Byrne – piano
Camilla Pay – harp
Chris Laurence – double bass
Sam Becker – double bass
Karen Street – accordion
Bobbie Gordon – vocals
Chloe Beth Smith – charts


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Blues, Jazz, Ragtime


Trackliste:

1. Alphaville (2:54)
2. Reason Or Rhyme (3:42)
3. Sign Of The Times (2:30)
4. New Town (3:57)
5. Limbo (2:49)
6. Bitter-Sweet (3:57)
7. Dance Away (2:47)
8. Zamba (3:06)
9. Sea Breezes (3:01)
10. While My Heart Is Still Beating (3:11)
11. Bitters End (2:26)
12. Chance Meeting (3:47)
13. Boys And Girls (4:40)

Gesamtspieldauer: 42:55




Bryan Ferry kennt man natürlich als Sänger der legendären Band Roxy Music. Schließlich veröffentlichte er inzwischen auch bereits sechzehn Solo-Alben. Die letzten Platten seiner Solo-Karriere unter der „Überschrift“ „Bryan Ferry and his Orchestra“. Darunter fällt auch das letzte Album in dieser Reihe mit dem Namen „Bitter-Sweet“. „Bitter-Sweet“ erschien am 30. November 2018 auf dem Plattenlabel BMG.

Im Grunde genommen ist „Bitter-Sweet“ allerdings kein reguläres Solo-Album, denn die dreizehn Titel der Platte finden sich bereits alle auf vorherigen Roxy Music- oder Solo-Veröffentlichungen des Bryan Ferry. Es ist allerdings auch keine „Best Of“-Scheibe. Inspiriert durch die Netflix-Serie „Babylon Berlin“ interpretiert Bryan Ferry auf dem Album seine Lieder neu, spielt sie ein, wie sie vielleicht zur damaligen Zeit in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geklungen hätten. Und so hört man auf „Bitter-Sweet“ jazzige Töne, Blues und Ragtime. Die Lieder wurden dabei so verändert, dass man den ursprünglichen Titel oftmals erst erkennt, wenn man weiß, dass es sich vorher um diesen oder jenen Titel gehandelt hat.

Die Umsetzung dieses Ansatzes ist Bryan Ferry perfekt gelungen. Dieser zerbrechlich klingende Gesang des Engländers, welcher mit dem Alter noch intensiver zu werden scheint, in Verbindung mit wunderschönen Melodien, die ganz anders als mit Rockinstrumenten eingespielt wurden, das hat was und macht Spaß. Die Atmosphäre, die die einzelnen Nummern transportieren ist zum einen wunderschön und intensiv, oftmals auch sehr berührend. Musik, die packt und nachhallt. Und dies gleich beim ersten Mal des Hörens.

Die Titel „Alphaville“, „Reason Or Rhyme“, „Bitter-Sweet“, „Zamba“ und „Boys And Girls“ verströmen eine wunderschöne warme und intensive Stimmung, die einen fast schon zu Tränen rührt. Diese fünf Lieder zeigen, wie packend und einnehmend Musik klingen und sich anfühlen kann. Dies sind die Höhepunkte der Scheibe, doch auch die restlichen Titel lohnen gehört zu werden. Sanfter Ragtime und Blues und Jazz… wunderbar umgesetzt.

Fazit: Mit „Bitter-Sweet“ ist Bryan Ferry ein wunderschönes Album gelungen. Und dies, obwohl die Lieder der Platte alle bereits bekannt sind. Doch auf diese Art eingespielt, im Geiste der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, sind sie noch nicht bekannt und klingen sehr viel packender und intensiver, als im Original. Toll. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alphaville, Reason Or Rhyme, Bitter-Sweet, Zamba, Boys And Girls



Dienstag, 11. Februar 2020

Leprous – Coal




Leprous – Bilateral


Besetzung:

Einar Solberg – vocals, synthesizer, grand piano
Tor Oddmund Suhrke – guitar, baritone guitar
Øystein Landsverk – guitar
Rein Blomquist – bass
Tobias Ørnes Andersen – drums, electronic drums, additional percussions


Gastmusiker:

Ihsahn – string arrangement on "Chronic", guest vocals on "Contaminate Me"
Håkon Aase – violin on "Contaminate Me"


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Foe (5:15)
2. Chronic (7:19)
3. Coal (6:50)
4. The Cloak (4:09)
5. The Valley (8:59)
6. Salt (4:30)
7. Echo (9:41)
8. Contaminate Me (9:04)

Gesamtspieldauer: 55:50




„Coal“ heißt das dritte Studioalbum der norwegischen Progressive Metal Band Leprous, welches am 20. Mai 2013 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht wurde. Es ist das letzte Album, auf dem Schlagzeuger Tobias Ørnes Andersen und Bassist Rein Blomquist zu hören sind, die in den folgenden Jahren die Band verließen.

„Coal“ knallt in der für Leprous ganz eigenen Art und Weise. Dabei darf man bei dieser Scheibe schon fast nicht mehr von Progressive Metal sprechen, sehr viel eher geht diese Musik bereits in die Richtung Progressive Rock. Einmal mehr verstehen es die Musiker dabei perfekt, diese Atmosphären aus „Laut“ und „Leise“ wunderbar miteinander zu verbinden, sodass alle Lieder zu kleinen Reisen werden, Reisen durch spannende und abwechslungsreiche musikalische Täler und Höhen. Die Melodien packen einen dabei immer wieder und es ist vor allen Dingen der Gesang, der oft mehrstimmig und redundant, fast schon hypnotisierend aus den Boxen quillt, der „Coal“ von Leprous zu einer besonderen Scheibe werden lässt.

Auch mit Höhepunkten ist das Album reich ausgestattet. Die Lieder „Foe“, „The Cloak“, „Salt“ sowie „Echo“ haben es mir dabei besonders angetan. Auch in diesen Stücken ist es häufig der mehrstimmige Gesang, der mitzureißen versteht. Aber auch wenn Einar Solberg die ganze Bandbreite seiner Stimme einsetzt, so sind das ebenso besondere Momente. Oder es ist letztendlich doch die wunderschöne Melodie, die erklingt, sich festsetzt und ein Lied zu etwas ganz Besonderem werden lässt. Vieles überzeugt auf „Coal“, welches skandinavischen Progressive Rock der besonderen Art enthält.

Fazit: Irgendwie spielen Leprous Musik in ihrer ganz eigenen Welt. So wie diese Band klingt kaum eine andere. Es sind die Gesänge, ein- oder mehrstimmig, die besonders klingen. Es sind die Melodiebögen voller Atmosphäre, abwechslungsreich und irgendwie unvorhersehbar, die auch dieses Leprous Album ausmachen. „Coal“ wird allen gefallen, die außergewöhnlichen Rock mögen und genau diesen suchen. Hier finden sie ihn. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Foe, The Cloak, Salt, Echo



Sonntag, 9. Februar 2020

Jordsjø – Jordsjø




Jordsjø – Jordsjø


Besetzung:

Håkon Oftung – vocals, keyboards, flute, percussion and bass


Gastmusiker:

Kristian Frøland – drums on CD1: 1-6, CD2: 4,6
Tore Flatjord – drums on CD2: 1, 2, 3, 5 & 8
Martin Nordrum Kneppen – drums on CD2: 9
Håkon Knutzen – heavy guitars on CD1
Vilde Mortensen Storesund – backing vocals on CD2: 2&3


Label: Karisma Records


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

Jordsjø, Kassette, 2015

1. UK Original (6:32)
2. Hulderheimen (5:28)
3. Ogion (8:46)
4. The Goddess (Of Light) (4:20)
5. Bilder Fra En Skog (6:43)
6. Hekseskogen (4:10)
7. Postludium (1:10)

CD2:

Jordsjø II, Kassette, 2016

1. Mine Templer I (6:12)
2. Den Klaustrofobiske Masken (8:26)
3. Svarthelleren (5:58)
4. Under Aurora B. (8:57)
5. I Atuans Gravkammer (6:50)

„Songs From The Northern Wasteland”, Split-Kassette mit Breidablik, 2016

6. Betula Obscura (1:36)
7. Se Valinors Lamper! (7:10)
8. Fugløykallen (3:46)
9. Solina, Min Dronning (7:06)
10. I Momos Tradgard (2:39)

Gesamtspieldauer CD1 (37:11) und CD2 (58:41): 1:35:52




Das ist schon was sehr Besonderes. Bei dem Doppelalbum „Jordsjø“ der norwegischen Band Jordsjø handelt es sich keineswegs um das zweite Studioalbum von Jordsjø – zumindest nicht, wenn man den Inhalt, also die Musik chronologisch betrachtet. Diese entstand nämlich vor dem ersten offiziellen Album der Band. Auf „Jordsjø“ wurden Kassettenveröffentlichungen des Håkon Oftung aus den Jahren 2015 und 2016 im Jahr 2018 wiederveröffentlicht, nachdem der Norweger einen Plattenvertrag bekommen hatte und mit „Jord“ im Jahr 2017 sein erstes offizielles Album erschienen war. Wie alle Scheiben von Jordsjø bisher, heißt das Plattenlabel Karisma Records.

Damit wären wir auch schon bei der zweiten Besonderheit. Die Band Jordsjø, das ist im Grunde genommen lediglich der Musiker Håkon Oftung, der fast alle Instrumente auf dem Album selbst einspielte, diese natürlich auch komponierte und textete. Lediglich beim Schlagzeug ließ er sich durchgängig durch drei Kollegen aushelfen. Ansonsten hört man auf der Platte Håkon Oftung beim Singen, an der Gitarre, dem Bass, dem Keyboard und der Querflöte. Sehr beeindruckend, den das Ganze klingt gewachsen und keineswegs zusammengestückelt.

Håkon Oftung lehnt seine Musik stark am Progressive Rock der 70er Jahre aus England an. Die Gitarre, das Keyboard, Mellotron und auch die Flöte weisen ständig darauf hin. Sehr melodiös und eingängig klingt das, auf CD 2 hört es sich auch mal auch klein wenig vertrackter an, jedoch auch nicht übermäßig. Die Lieder sind dabei nicht zu komplex doch weit entfernt davon Nummern zu sein, die nach dem Schema „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain“ funktionieren. Wirklich voraussehbar ist da wenig, die Lieder nehmen Wendungen und schlagen Haken, wobei sich alles gerade noch im Rahmen des Konventionellen bewegt.

Ganz die Klasse der Alben „Jord“ und „Nattfiolen“ erreicht dieses Doppelalbum nicht, gleich dies allerdings wieder durch die Länge aus. Viel Unterhaltung auf über eineinhalb Stunden. Die Höhepunkte sind dabei die Lieder „Ogion“, „Bilder Fra En Skog“, „Hekseskogen“ und „Den Klaustrofobiske Masken“. Allesamt Stücke im Progressive Rock-Gewand, welches man in diesem Fall wohl als Retro Prog bezeichnen muss. Spannende Lieder, die ins Ohr gehen und wenn man das „Andere, dann doch eher Unkonventionelle“ in der Musik schätzt, wird man mit diesen Stücken viel Spaß haben.

Fazit: Wer Bands wie Genesis aus England Anfang der 70er Jahre mag oder wem Wobbler gefällt, ebenfalls wie Jordsjø aus Norwegen jedoch im 21. Jahrhundert aktiv, die oder der müsste auch Gefallen an dieser Scheibe von Jordsjø finden. Schöne warme und spannende Musik, die sehr melodisch ins Ohr geht. Retro Prog der sehr überzeugenden Art, der gehört gehört. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ogion, Bilder Fra En Skog, Hekseskogen, Den Klaustrofobiske Masken



Freitag, 7. Februar 2020

Church Girls – The Haunt




Church Girls – The Haunt


Besetzung:

Mariel Beaumont – vocals, guitar
Julien Varnier – drums
Vince Vullo – bass, vocals
Joseph Wright – guitar, vocals


Label: Chatterbot Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. Nothing (2:00)
2. Could've Been (3:27)
3. Twin Hell Fire (2:18)
4. Florida (3:22)
5. Better (2:56)
6. Recede (3:03)
7. The Haunt (1:31)
8. Regression (2:29)
9. Unwound (3:25)
10. Colorado (1:59)
11. Dissipate (2:57)

Gesamtspieldauer: 29:33




Church Girls ist eine US-amerikanische Band aus Philadelphia, die im Jahr 2014 von Sängerin und Gitarristin Mariel Beaumont gegründet wurde. Heute, am 7. Februar 2020, erscheint das zweite Album der Church Girls, bei denen Mariel Beaumont jetzt wieder das einzige weibliche Mitglied der Band ist. „The Haunt“ wird auf dem Plattenlabel Chatterbot Records veröffentlicht und ist angefüllt mit Post Punk.

Gleich die ersten Takte weisen darauf hin, wohin die Richtung auf „The Haunt“ geht. Kompromisslose schnelle Tracks, die grooven. Ein Thema wird aufgegriffen, es rockt und schon ist das Lied wieder vorbei. Ganz im Geiste der ersten Punk Bands Ende der 70er Jahre. Schnörkellos werden die Riffs heruntergespielt, die Botschaft der Lieder in knapper Form verteilt. Dabei fahren einem die Lieder durchaus in Beine und gehen ins Ohr. Mitwippen ist dementsprechend angesagt.

Höhepunkt des Albums ist das Lied „Recede“. Eine tolle, eingängige Nummer, die gleich beim ersten Mal hängenbleibt und durchaus einen kleinen Ohrwurm darstellt. Auf diesem Lied spürt man auch die Spielfreude der Church Girls, die sie beim Einspielen des Albums zweifelsohne hatten.

Fazit: Ein kurzes und schnelles Post Punk Album ist die zweite Veröffentlichung der Church Girls geworden. Keine Musik zum Trübsal blasen, genau das Gegenteil ist hier der Fall, Musik die Gute Laune verströmen möchte – was ihr auch gelingt. Mit unter einer halben Stunde Spieldauer ist „The Haunt“ allerdings sehr kurz ausgefallen. Die Church Girls touren gerade durch Nordamerika und waren im November und Dezember in Deutschland und Österreich zu sehen und zu hören. Bleibt zu hoffen, dass sie bald wieder den Weg nach Europa finden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Nothing, Recede






Donnerstag, 6. Februar 2020

Emma Hill – Magnesium Dreams




Emma Hill – Magnesium Dreams


Besetzung:

Emma Hill – vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Bryan Daste – vocals, pedal steel guitar, banjo, upright and electric bass, electric and acoustic guitars, percussion, glockenspiel, theremin, saw, string arrangements
Joe Mengis – drums, percussion
Mont Christopher Hubbard – piano
Kyleen King – viola, violin
Emily Dalsfoist


Label: Kuskokwim Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Folk, Country, Pop


Trackliste:

1. Heart On Fire (3:00)
2. Stardust (3:37)
3. Magnesium Dreams (2:14)
4. Choking (4:08)
5. With Time (4:04)
6. Nobody‘s Baby (3:25)
7. The Sun (4:05)
8. Give Up The Ghost (4:07)

Gesamtspieldauer: 28:43



Am 10. Mai 2019 veröffentlichte die in Alaska geborene US-amerikanische Sängerin und Songwriterin Emma Hill ihre EP „Magnesium Dreams“. Und nun, im Februar 2020, besteht auch im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit Emma Hill live erleben zu können.

Die Musik von Emma Hill steht für eine Mischung aus Folk, Pop mit leichten Country-Anleihen, die hauptsächlich durch den Einsatz der Slide Gitarre vermittelt werden. Sanfte Musik bekommen Hörerin und Hörer auf „Magnesium Dreams“ präsentiert. Musik, die nach Sentimentalität und Melancholie klingt, die ins Ohr geht und einen trifft. Sehnsüchtig klingt die Stimme der Emma Hill, auf ihre Art nachdenklich, jedoch niemals hoffnungslos. All das mündet in einem intensiven Gefühl, in welchem sich einzutauchen lohnt und durch den Einsatz von Streichern noch zusätzlich unterstrichen wird.

Es gibt keine Ausfälle auf dieser EP, mein Favorit heißt „With Time“. Ein Lied, sanft und doch so packend, welches sich gleich beim ersten Mal des Hörens festsetzt.

Fazit: Eine EP, voller intensiver Musik ist „Magnesium Dreams“ von Emma Hill geworden. Kein Marktschreiertum, die sanften Töne sind hier angesagt. Diese treffen einen und machen diese EP zu einem sehr packenden Erlebnis. Schön, diese Musik nun auch live erleben zu können. Neun Punkte.

Anspieltipps: With Time



07/02/2020 - Immendingen - Gloria
08/02/2020 - Sempach - Im Schtei
10/02/2020 - Lübeck - Tonfink
11/02/2020 - Berlin - Bar BaBu
12/02/2020 - Hamburg - Komm Du
13/02/2020 - Kiel - Prinz Willy
14/02/2020 - Bremen - Arberger Hof
15/02/2020 - Köln - Lichtung
16/02/2020 - Gundelfingen - Kulturgewächshaus Birkenried
17/02/2020 - München - Fox Bar
18/02/2020 - Nürnberg - Ludwigs Bar
20/02/2020 - Klagenfurt - Wohnzimmer
23/02/2020 - Berlin - Art Stalker



Mittwoch, 5. Februar 2020

Placebo – Black Market Music




Placebo – Black Market Music


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, keyboards, 6-string bass
Stefan Olsdal – bass, guitar, 6-string bass, keyboards, backing vocals
Steve Hewitt – drums, percussion


Gastmusiker:

Rob Ellis – string arrangements
Bill Lloyd – bass on "Peeping Tom"
Severe Loren – backing vocals on "Taste in Men" and "Special K"
Dimitri Tikovoï – string programming
Justin Warfield – rapping vocals on "Spite & Malice"


Label: Hut Records


Erscheinungsjahr: 2000


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Taste In Men (4:15)
2. Days Before You Came (2:33)
3. Special K (3:52)
4. Spite & Malice (3:37)
5. Passive Aggressive (5:24)
6. Black-Eyed (3:48)
7. Blue American (3:31)
8. Slave To The Wage (4:06)
9. Commercial For Levi (2:20)
10. Haemoglobin (3:46)
11. Narcoleptic (4:22)
12. Peeping Tom -Silence- Hidden Track "Black Market Blood", startet ab 10:14 (14:10)

Gesamtspieldauer: 55:48



„Black Market Music“ heißt das dritte Studioalbum der englischen Alternative-Rock-Band Placebo. Das Album erschien am 9. Oktober 2000 auf dem Plattenlabel Hut Records. Insgesamt vier Singles wurden mit den Liedern „Taste In Men“, „Slave To The Wage“, „Special K“ sowie „Black-Eyed“ aus dem Album ausgekoppelt. Neun Monate dauerte die Produktionszeit, für kein Album davor oder danach, Stand heute, hat sich Placebo mehr Zeit gelassen. „Black Market Music“ erreichte Platz 6 in der britischen Album-Charts.

Die Platte klingt einheitlicher und rockiger, als noch die beiden Alben zuvor. Dieses „Wehklagen“ von Sänger Brian Molko tritt etwas zugunsten von mehr geradlinigerem Rock zurück. Dies bewirkt auch, dass die Melodien etwas einfacher gestaltet klingen, nicht mehr diese besondere Eingängigkeit besitzen – zumindest nicht beim ersten Mal des Hörens. Und ein Lied wie „Spite & Malice“, für das extra HipHopper Justin Warfield engagiert wurde, muss ich nicht von Placebo hören.

Doch natürlich besitzt „Black Market Music“ auch seine Höhepunkte – neben dem Umstand, dass dieses Album sehr im Ohr wächst, wenn man ihm denn die Zeit dazu einräumt. Meine Favoriten des Albums sind die beiden Lieder „Special K“ sowie „Slave To The Wage“. Beides tolle Rock-Nummern, die auch ohne großartige Anlaufzeit schnell ins Ohr gehen. Gerade „Slave To The Wage“ besitzt dabei einen hohen Wiedererkennungswert und ist ein kleiner Ohrwurm.

Fazit: Nicht der Höhepunkt im Schaffen von Placebo, doch wahrlich kein schlechtes Album der Band – auch wenn Brian Molko diese Scheibe bisher am wenigsten mag. Man hört auf „Black Market Music“ Musik, die mit der Zeit immer besser klingt. Dazu gibt ein paar Höhepunkte, die keinen Anlauf benötigen, um zu wirken. Neun Punkte.

Anspieltipps: Special K, Slave To The Wage



Montag, 3. Februar 2020

Wolf Parade – Thin Mind




Wolf Parade – Thin Mind


Besetzung:

Spencer Krug – vocals, keyboards, synthesizers
Dan Boeckner – vocals, guitar
Arlen Thompson – drums


Label: Sub Pop Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Under Glass (3:21)
2. Julia Take Your Man (4:35)
3. Home ()
4. Forest Green (5:04)
5. Out Of Control (4:20)
6. The Static Age (3:58)
7. As Kind As You Can (5:10)
8. Fall Into The Future (3:12)
9. Wandering Son (4:56)
10. Against The Day (4:12)
11. Town Square (3:44)

Gesamtspieldauer: 42:32



„Thin Mind“ nannte die kanadische Band Wolf Parade ihr fünftes offizielles Studioalbum. Vor fast siebzehn Jahren wurde die Band in Montreal, Kanada gegründet und ist inzwischen zu einem Trio geschrumpft, nachdem Bassist und Gitarrist Dante DeCaro Wolf Parade Anfang des Jahres 2019 verlassen hatte. Wolf Parade, das steht auch auf ihrer neuesten Platte für sehr eingängigen und melodiösen Independent Rock, der bereits beim ersten Mal des Hörens gut ins Ohr geht.

Zehn Lieder befinden sich auf „Thin Mind“, die bestens unterhalten, dabei nicht zu kompliziert aufgebaut sind und auch grooven, sodass der Fuß automatisch mitwippt. Diesbezüglich hat sich die Musik der Kanadier im Vergleich zum Beginn ihrer musikalischen Karriere auch etwas geändert. Die Lieder sind einfacher aufgebaut, man benötigt nicht mehr mehrere Durchläufe des Albums, um die einzelnen Stücke für sich erschließen zu können. Die Musik „zündet“ sehr schnell, im Grunde genommen sofort im Moment des Hörens.

Meine Favoriten sind das wunderschön melodiöse „Out Of Control“, das leicht nach New Wave klingende „Julia Take Your Man Home“ sowie das rockige „Wandering Son“, womit auch gleich die ganze musikalische Bandbreite dieses Albums abgebildet wäre.

Fazit: „Thin Mind“ ist für mich ein Gute-Laune-Album geworden, welches mich durch so manchen Synthesizer-Einsatz sogar manchmal an den New Wave der 80er Jahre erinnert. Doch dann wird auch wieder ordentlich gerockt, sodass als Gesamteindruck insgesamt der eines eingängigen Independent Rock Albums bleibt, welches groovt und ins Ohr geht. Keine neue Erfindung der Musik oder eines musikalischen Genres, doch Musik eben, die gut unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: Out Of Control, Julia Take Your Man Home, Wandering Son



Samstag, 1. Februar 2020

Travis – The Man Who




Travis – The Man Who


Besetzung:

Fran Healy – vocals, guitar, piano
Andy Dunlop – guitar
Dougie Payne – bass guitar
Neil Primrose – drums


Gastmusiker:

Sally Herbert – string arrangement (tracks 2 and 10)
Sarah Wilson – cello (track 7)


Label: Craft Recordings


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Brit Pop


Trackliste:

CD1:

1. Writing To Reach You (3:41)
2. The Fear (4:12)
3. As You Are (4:14)
4. Driftwood (3:33)
5. The Last Laugh Of The Laughter (4:20)
6. Turn (4:24)
7. Why Does It Always Rain On Me? (4:25)
8. Luv (4:55)
9. She’s So Strange (3:15)
10. Slide Show (inklusive des Hidden Tracks "Blue Flashing Light") (10:31)

CD2 (Numbered Limited Edition Collector’s Boxset, CD 2 (B-Sides)):

1. Green Behind The Ears (3:40)
2. Only Molly Knows (3:19)
3. Yeah Yeah Yeah Yeah (3:50)
4. High As A Kite (2:32)
5. Be My Baby (5:16)
6. Where Is The Love? (4:19)
7. Village Man (3:19)
8. Driftwood (Live at The Link Cafe, Glasgow) (4:07)
9. The Urge For Going (6:04)
10. Slide Show (Live at The Link Cafe, Glasgow) (3:14)
11. River (3:56)
12. Days Of Our Lives (5:44)
13. We Are Monkeys (3:06)
14. Baby One More Time (Recorded live on The Mark Radcliffe Show from The Bay Tavern, 06.08.99) (3:32)
15. Coming Around (3:09)
16. Just The Faces Change (2:26)
17. The Connection (3:44)
18. Rock ‘n’ (Salad) Roll (2:00)
19. The Weight (5:12)

Gesamtspieldauer: CD1 (47:33) und CD2 (1:12:37): 2:00:11




„The Man Who“ heißt das zweite Studioalbum der schottischen Rockband Travis. Das Album wurde am 24. Mai 1999 auf dem Plattenlabel Independiente veröffentlicht. Am 21. Juni 2019 wurde „The Man Who“ anlässlich des zwanzigsten Jubiläums des Erscheinens in einer erweiterten Fassung wiederveröffentlicht. Insgesamt vier Singles wurden aus dem Album mit den Liedern „Writing To Reach You“, „Driftwood“, „Why Does It Always Rain On Me?“ und „Turn“ ausgekoppelt. Klang die Musik auf dem Debut-Album „Good Feeling“ zwei Jahre zuvor noch relativ rockig, so hört man auf „The Man Who“ Brit Pop der 90er Jahre.

Genauer gesagt sollte man hier von überaus eingängigem Brit Pop sprechen. Denn genau den hört man auf der Scheibe. Lieder, die ziemlich schnell ins Ohr gehen und dabei eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Alles auf „The Man Who“ klingt melodiös, harmonisch und irgendwie tiefenentspannt, was auch durch den sanften bis weichen Gesang des Fran Healy zusätzlich unterstrichen wird. Dieser schrieb zudem alle Texte und die Musik, bekam dabei lediglich beim Lied „Luv“ Unterstützung durch Adam Seymour.

„The Man Who“ wurde zum drittmeist verkauften Album des Jahres 1999 in Großbritannien. Dabei hatte es zunächst gar nicht nach solch einem Erfolg ausgesehen. Die Platte stieg auf Platz fünf der UK-Album-Charts ein, rutschte allerdings ziemlich schnell wieder auf tiefere Plätze ab. Auch die Kritiken und Rezensionen zu dem Album fielen eher gemischt aus. Als Travis allerdings das Lied „Why Does It Always Rain On Me?“ beim Glastonbury Festival 1999 spielte und es genau bei diesem Titel anfing zu regnen, war dies am nächsten Tag in allen Medien nachzulesen und zu sehen. Die Band war plötzlich im Gespräch, die Single verkaufte sich sehr viel besser und „The Man Who“ stieg erneut in den Charts, dieses Mal bis auf Platz 1 und hielt sich dort ganze elf Wochen. Bei den Brit Awards 2010 wurde die Platte schließlich hinter dem Album „(What‘s The Story) Morning Glory?“ von Oasis zum zweitbesten britischen Album der letzten dreißig Jahre gewählt.

Höhepunkte befinden sich einige auf der Scheibe. Meine Favoriten heißen „Writing To Reach You”, „The Last Laugh Of The Laughter”, „Slide Show” sowie der Hidden Track „Blue Flashing Light”. Alles vier Nummern, die besonders ins Ohr gehen und dort auch längerfristig nachzuhallen verstehen. Auf der zweiten CD zum zwanzigsten Jubiläum der Platte hört man Lieder, die stilistisch ähnlich denen der Originalplatte sind, jedoch qualitativ zumindest ein klein wenig dagegen abfallen. Ein wenig erinnern viele der Lieder auch an die 60er Jahre und der Einfluss der Beatles ist hier kaum überhörbar. Höhepunkt auf dieser zweiten Scheibe ist das kurze aber sehr schöne „Just The Faces Change“.

Fazit: Wer Brit Pop mag, wird auch „The Man Who“ von Travis lieben. Travis klingen deutlich weniger rau als Oasis, sind weicher, sanfter als die englischen Kollegen. Viele schöne und eingängige Melodien gibt es auf dem Album zu hören, welches niemals unentspannt klingt. Musik zum Entspannen und Träumen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Writing To Reach You, The Last Laugh Of The Laughter, Slide Show, Blue Flashing Light, Just The Faces Change



Freitag, 31. Januar 2020

Big Big Train – The Difference Machine




Big Big Train – The Difference Machine


Besetzung:

Sean Filkins – lead vocals
Gregory Spawton – guitars, backing vocals, keyboards
Andy Poole – bass, keyboards
Steve Hughes – drums, percussion


Gastmusiker:

Becca King – viola
Tony Wright – alto and tenor saxophone, flute
Nick D'Virgilio – drums, backing vocals
Dave Meros – bass
Pete Trewavas – bass


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Hope This Finds You (3:11)
2. Perfect Cosmic Storm (14:44)
3. Breathing Space (1:43)
4. Pick Up If You’re There (13:38)
5. From The Wide Open Sea (1:11)
6. Hope You Made It (3:46)
7. Salt Water Falling On Uneven Ground (12:36)
8. Summer‘s Lease (7:29)

Gesamtspieldauer: 58:21




„The Difference Machine“ nannte die englische Progressive Rock Band Big Big Train ihr fünftes Studioalbum. Es wurde am 30. August 2007 auf dem bandeigenen Plattenlabel English Electric Recordings veröffentlicht. Einmal mehr komponierte Gitarrist Gregory Spawton alle Stücke der Platte. Unterstützt wurde er bei vier Liedern von Bassist Andy Poole und Sänger Sean Filkins.

Big Big Train klingen auf „The Difference Machine“ bereits so, wie sie auch später noch klingen werden. Man hört auf dem Album sehr melodischen und eingängigen Progressive Rock, der nicht zu vertrackt ist und so zumeist schnell ins Ohr geht. Ihre musikalischen Vorbilder, jene britischen Progressive Rock Bands der 70er Jahre wie Genesis oder Van der Graaf Generator, können die Musiker von Big Big Train dabei kaum leugnen. Immer wieder gibt musikalische Andeutungen zu hören, die die Musik anderer Bands zwar nicht kopieren, jedoch zumindest daran angelehnt sind.

Die kurzen Stücke auf „The Difference Machine“ sind meist eher Klangkollagen denn Lieder. Bei den längeren Tracks gehen Big Big Train dann in die Vollen und zeigen, dass ihre Version des Progressive Rock ebenfalls zu überzeugen weiß. Die Höhepunkte der Platte sind dabei die letzten beiden Stücke, „Salt Water Falling On Uneven Ground“ und „Summer‘s Lease“. Hier hört man jetzt sehr abwechslungsreichen und melodischen Progressive Rock, reich an Wandlungen, garniert mit Violine, Saxophon und Flöte sowie mit mehrstimmigem Gesang. Das überzeugt sehr.

Fazit: Big Big Train hatten ihren Stil mit „The Difference Machine“ endgültig gefunden. Harmonischen und melodiösen Progressive Rock hört man auf dem Album, der ins Ohr geht und nicht selten eine kleine musikalische Reise darstellt, die voller Kurven und Wendungen verläuft. Immer dann macht die Musik von Big Big Train auch am meisten Spaß und es ist gar nicht so schlimm, dass man das alles so oder so ähnlich schon mal gehört hat – Jahrzehnte zuvor. Elf Punkte.

Anspieltipps: Salt Water Falling On Uneven Ground, Summer‘s Lease



Mittwoch, 29. Januar 2020

Bart Budwig – Another Burn On The Astroturf




Bart Budwig – Another Burn On The Astroturf


Besetzung:

Bart Budwig – vocals, acoustic guitar (1-11), trumpet (9, 11)


Gastmusiker:

Margo Cilker – vocals (5, 6), acoustic guitar (6)
Kati Claborn – vocals (4, 6, 10), banjo (1, 4, 6, 7), mountain dulcimer (2, 5, 8-11)
John Craigie – vocals (3, 7), harmonica (6)
Joey Ficken – percussion (4)
Rainbow Girls – vocals (3, 7)
Seth Kinzie – piano (1-10)
Jeremy James Meyer – vocals (4-6), acoustic guitar (5, 6)
Nevada Sowle – acoustic guitar (5), vocals (3-7), tambourine (6), organ (9, 11)
Cooper Trail – drums (1-11), vocals (4,6)
Forrest Van Tuyl – electric guitar (1-4, 6, 7, 11), vocals (6)
Ben Walden – electric guitar, (1-4, 6, 7, 9-11), acoustic guitar (8), fiddle (5)
Luke Ydstie – upright bass (1-10), piano (11), vocals (4-6, 10)


Label: Fluff & Gravy Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Country, Blues, Folk, Soul


Trackliste:

1. Time For Two (3:05)
2. First To Go (2:50)
3. Strong Coffee (3:43)
4. Human Again (2:47)
5. Oh Mother (4:05)
6. Rolling Stoned (3:03)
7. Sock Song (3:17)
8. The Captain & The Dreamer (4:29)
9. Northern Sky (4:17)
10. Four Leaf Clover (5:13)
11. Five Bucks (2:47)

Gesamtspieldauer: 39:42



Bart Budwig hat sein Album „Another Burn On The Astroturf“ live, Ende November im OK Theatre in Enterprise, Oregon aufgenommen. „Live eingespielt“ bedeutet in diesem Fall allerdings nicht, dass es vor Zuhörerinnen und Zuhörern aufgenommen wurde sondern, dass Bart Budwig die Lieder gleichzeitig mit den anderen Musikern einspielte. Auf „Another Burn On The Astroturf“ hört man modernen Country, den Bart Budwig mit einem manchmal an den Soul erinnernden Gesang ausschmückt.

Die Musik des US-Amerikaners klingt intensiv und sehnsüchtig, meist pendelt dabei die Stimmung der einzelnen Lieder zwischen Sentimentalität und Melancholie. Viel akustische Gitarre bekommt man auf „Another Burn On The Astroturf“ zu hören, dazu den eindringlichen, meist sonoren Gesang des US-Amerikaners. Insgesamt ist die Atmosphäre der Scheibe etwas getragen und dabei jederzeit intensiv.

Beim Opener „Time For Two“ rockt Bart Budwig mit seinen Musikern sogar, die Nummer „The Captain & The Dreamer“ klingt dagegen sanft, ein wenig verträumt, man hört viel akustische Gitarre zum intensiven Gesang des Bart Budwig. Jetzt bewegt sich der Musiker mit seinen Mitspielern im Bereich des Folk. Sehr bluesig klingt wiederum hingegen „Strong Coffee“, sodass die Hörerinnen und Hörer ein breites musikalisches Spektrum geboten bekommen.

Da trifft es sich gut, dass Bart Budwig im Februar und März in zahlreichen Städten im deutschsprachigen Raum zu Konzerten einlädt. Intensive Musik, die sich auch „live“ lohnt.


27/02/2020 – Wien – Fluc
28/02/2020 – Klagenfurt – Lendhafen Cafe
29/02/2020 – Innsbruck – Bäckerei
02/03/2020 – Bamberg – Live Club
03/03/2020 – Unna – Tortuga
04/03/2020 – Krefeld – Kutlurrampe
05/03/2020 – Kiel – Hansa 48
06/03/2020 – Hamburg – Cascadas
07/03/2020 – Hamburg – Deichdiele
08/03/2020 – Altlandsberg – The Buchholz Saloon
10/03/2020 – Nürnberg – Ludwigs Bar
11/03/2020 – Frastanz – Glashus
12/03/2020 – Bern – Wohnzimmerkonzert
13/03/2020 – Freiburg – Swamp
14/03/2020 – Immendingen – Gloria
15/03/2020 – Hanau – Ellis
16/03/2020 – München – Fox Bar
19/03/2020 – Salzburg – ZaziBar
20/03/2020 – Feldbach – Club GLAM
21/03/2020 – Übersee – Freiraum
22/03/2020 – Offenbach – Hafen 2
23/03/2020 – Jena – Rosenkeller
24/03/2020 – Hannover – Café Glocksee
25/03/2020 – Leipzig – Noch besser Leben
26/03/2020 – Solothurn – Acoustic Nights

Anspieltipps: The Captain & The Dreamer, Strong Coffee



Montag, 27. Januar 2020

Mono Inc. – The Book Of Fire




Mono Inc. – The Book Of Fire


Besetzung:

Martin Engler – vocals, additional guitars & piano
Katha Mia – drums & vocals
Carl Fornia – guitar & vocals
Manuel Antoni – bass & vocals


Gastmusiker:

Tilo Wolff – additional vocals
Arne Beschorner – additional vocals
Melanie Stahlkopf – additional vocals



Label: NoCut Entertainment


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Dark Rock


Trackliste:

1. The Book Of Fire (7:21)
2. Louder Than Hell (4:26)
3. Warriors (4:16)
4. Shining Light (5:23)
5. Where The Raven Flies (7:38)
6. The Last Crusade (5:01)
7. Death Or Life (5:07)
8. Nemesis (4:35)
9. Right For The Devil (5:18)
10. Run For Your Life (5:59)
11. The Gods Of Love (3:39)
12. What Have We Done (3:00)

Gesamtspieldauer: 1:01:48


DVD:

1. The Book Of Fire (Video)
2. Louder Than Hell (Video)
3. Warriors (Video)
4. Behind The Curtain – The Making Of (Video) (22:30)



Mono Inc. stehen für mich schon immer für eingängigen, abwechslungsreichen und druckvollen Dark Rock. Und daran hat sich auch im Jahr 2020 nichts geändert, denn auch auf ihrem bereits elften Studioalbum mit dem Titel „The Book Of Fire“ klingt die Musik der Hamburger erneut nach diesem bewährten Ansatz. „The Book Of Fire“ wurde am 24. Januar 2020 auf dem Plattenlabel NoCut Entertainment veröffentlicht und wird von SPV vertrieben.

Das Spiel mit den Stimmungen, mal rockig, mal sehr zurückhaltend und nochmals melodiöser, das können die Musiker um Sänger Martin Engler. Meist wird diese Stimmung von einem nach vorne preschenden Rhythmus getragen. Dazwischen sind sanfte Einschübe zu hören, die die Musik von Mono Inc. sehr abwechslungsreich klingen lassen. Vor allem ist den Liedern auf „The Book Of Fire“ dabei wieder diese Eingängigkeit gemein, oftmals noch untermalt und erreicht durch mehrstimmigen Gesang oder hinterlegten Chorgesang. Die Musik von Mono Inc. klingt kraftvoll und auch rockig, Dark Rock, der sehr melodiös aus den Boxen strömt.

Wer also Mono Inc. gern so hören möchte, wie sie oder er es bereits kennt, die oder der wird von „The Book Of Fire“ begeistert sein – zumindest allerdings nicht enttäuscht werden. Das werden jedoch diejenigen Hörerinnen und Hörer sein, die auf Neuerungen in der Musik von Mono Inc. warteten. Diese gibt es nicht. Dieser Dark Rock der Hamburger ist massenkompatibel und auf die schnelle Eingängigkeit angelegt – und genau diesen Anspruch erfüllen die zwölf Titel des Albums auch.

Auf der beiliegenden DVD gibt es noch die Videos zu den Titeln „The Book Of Fire“, „Louder Than Hell“ und „Warriors“, also den ersten drei Liedern des Albums zu sehen. Dazu kann man sich noch ein „Making Of…“ mit dem Titel „Behind The Curtain“ anschauen, welches 22:30 Minuten lang läuft und in dem es um die Entstehung des Videos zum Lied „The Book Of Fire“ geht, nicht um die Entstehung der Musik des Albums selbst. Das Video ist übrigens nach der FSK ab 12 Jahren freigegeben, da das Thema des Videos eine Hexenverbrennung im Mittelalter ist.

Fazit: Auf „The Book Of Fire“ hört man Musik, die von Mono Inc. kommt und auch genau nach Mono Inc. klingt. Das kann man natürlich bemängeln, denn eine Weiterentwicklung gibt es in der Musik der Band nicht. Oder man freut sich, dass Musik, die einem gefällt, nochmals ausgeweitet wurde. Wem die Musik von Mono Inc. auf früheren Alben gefallen hat, wird somit wohl auch auf „The Book Of Fire“ schöne Musik für sich entdecken. Bewährt. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Book Of Fire