Montag, 31. Dezember 2018

U2 – Boy




U2 – Boy


Besetzung:

Bono – lead vocals
The Edge – guitar, backing vocals
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums


Gastmusiker:

Steve Lillywhite – glockenspiel


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. I Will Follow (3:37)
2. Twilight (4:22)
3. An Cat Dubh (4:46)
4. Into The Heart (3:27)
5. Out Of Control (4:14)
6. Stories For Boys (3:02)
7. The Ocean (1:35)
8. A Day Without Me (3:13)
9. Another Time, Another Place (4:32)
10. The Electric Co. (4:46)
11. Shadows And Tall Trees (4:40)
12. Fire (0:34)

Gesamtspieldauer: 42:53



„Boy“ heißt das erste Studioalbum der irischen Rockband U2. Es wurde am 20. Oktober 1980 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht und von Steve Lillywhite produziert. Zwei der Titel des Albums sind bereits auf der zuvor veröffentlichten EP „Three“ enthalten. Mit dem Titel „I Will Follow“ enthält „Boy“ auch die erste Single von U2, die im US-Radio ausgestrahlt wurde. Das Album kletterte bis auf Platz 52 in den britischen Charts und bis auf Platz Platz 63 in den USA. „Boy“ belegt zudem Platz 417 der Liste des Rolling Stone Magazins „The 500 Greatest Albums Of All Time“.

Mit der späteren Musik, für die U2 stehen sollten, hat „Boy“ noch sehr wenig zu tun. Die Musik ist deutlich weniger eingängig und weniger melodisch, als spätere Platten der Iren und enthält viele Elemente des Punks. Rau und roh klingt „Boy“ zumeist, obwohl man die Lieder nicht nur durch den Gesang des Bono eindeutig U2 zuordnen kann. Der Klang der Musik ist jener von U2, nur eben in einer Art und Weise, die noch nicht endgültig ausgereizt zu sein scheint. Die Musik der vier Iren hört sich geradezu so an, als ob sie unbedingt raus musste, nur die Richtung, in welche sie gehen sollte, die war noch nicht eindeutig festgelegt.

Auch bei „Boy“ ist es wie mit vielen anderen Platten – egal von welchem Künstler, welcher Band – sie wächst mit den Durchläufen. Klingt das Ganze beim ersten Mal des Hörens noch eher unspektakulär und eben rau und schroff, so eröffnen sich mit dem wiederholten Anhören neue und nun deutlich eingängigere Melodien und packende Stellen. Die Höhepunkte des Albums sind das dunkle „An Cat Dubh“, das rockige „Stories For Boys“, bei dem man einfach mitwippen muss sowie die sehr sphärische und ansonsten für U2 eher untypische, kurze Nummer „The Ocean“.

Fazit: „Boy“ ist ganz bestimmt kein typisches Album für U2. Und dass diese Platte in einer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auftaucht, kann nur darin begründet sein, dass es den Startschuss für eine große musikalische Karriere darstellt. „Boy“ hat seine Stärken und klingt auch immer wieder interessant. Doch es ist noch kein typisches Album von U2 und wird vor allen Dingen solchen Hörerinnen und Hörern gefallen, die der etwas gemäßigteren Ausführung des Punks durchaus zugetan sind. Absolute U2-Fans werden es alleine deswegen lieben, da es eben die erste Platte der Band ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: An Cat Dubh, Stories For Boys



Sonntag, 30. Dezember 2018

Man – Slow Motion




Man – Slow Motion


Besetzung:

Micky Jones – guitar, vocals
Deke Leonard – guitar, vocals
Ken Whaley – bass
Terry Williams – drums, vocals


Gastmusiker:

Stuart Gordon – strings
Chris Mercer – saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Hard Way To Die (5:20)
2. Grasshopper (5:12)
3. Rock And Roll You Out (3:53)
4. You Don’t Like Us (4:34)
5. Bedtime Bone (5:55)
6. One More Chance (4:27)
7. Rainbow Eyes (6:06)
8. Day And Night (4:12)

Gesamtspieldauer: 39:44



„Slow Motion“ nannte die walisische Rockband Man ihr achtes Studioalbum, welches im Oktober 1974, gerade mal fünf Monate nach dem Vorgänger „Rhinos, Winos And Lunatics“ auf dem Plattenlabel United Artists Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal hatte es eine Änderung bezüglich der Mitglieder von Man gegeben. Malcolm Morley hatte am Tag vor dem Aufnahmebeginn die Band verlassen. Er wurde nicht ersetzt, „Slow Motion“ wurde von den restlichen vier Mitgliedern eingespielt. Der Erfolg blieb für die Platte aus. „Slow Motion“ konnte sich nicht, wie noch der Vorgänger, unter den Top 40 der britischen Charts platzieren. Auf dem Cover des Albums sollte ursprünglich Alfred E. Neuman aus dem MAD-Magazin zu sehen sein, wie er an einem Fisch riecht. Doch das MAD-Magazin erlaubte nicht, diese Figur zu verwenden, sodass von dem Cover nun hauptsächlich der Fisch übrig blieb und der Bandname „Man“ in denselben Lettern wie der Schriftzug des Magazins MAD gehalten ist.

Das war es allerdings schon mit „lustig“. „Slow Motion“ ist eher eine relativ biedere Rock-Pop-Platte, ganz im Stile des damaligen Mainstreams geworden. Das klingt häufig ganz nett auf diesem Album, Begeisterungsstürme werden damit jedoch nicht mehr losgetreten. Die ein oder andere ganz eingängige Melodie oder Harmonie kann man auf „Slow Motion“ noch entdecken, jedoch finden sich keine durchgängig länger überzeugenden Abschnitte mehr auf dieser Scheibe. Und solch eine Nummer wie „Rock And Roll You Out“, logischerweise auch ein Rock’n’Roll, lassen einem dann doch eher das Gesicht einschlafen denn die Füße bewegen.

Das überzeugendste Lied auf „Slow Motion“ heißt „Grasshopper“ und ist eine getragene poppig rockige Nummer, die nun wirklich über eine schöne und eingängige Melodie verfügt und ins Ohr geht. Progressive Rock oder Psychedelic Rock, wofür die Waliser auch mal standen, den gibt es auf „Slow Motion“ allerdings nicht mehr zu hören. Mit jedoch schon deutlichen Abstrichen sind die Lieder „Hard Way To Die“, „Bedtime Bone“ sowie „Rainbow Eyes“ noch ganz gelungen, allerdings eben auch eher in musikalisch unspektakulären Gefilden angesiedelt, denn im Bereich von Lieblingsliedern. Doch immerhin.

Fazit: Die Musik von Man klingt auf „Slow Motion“ unspektakulär und eher langweilig, als mitreißend. Hier und da erhört man ein paar ganz nette Stellen und Lieder, doch insgesamt bleibt das Album eine eher unscheinbare Platte, die sicherlich nicht zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres 1974 gehört und auch nicht zu denen von Man. Acht Punkte.

Anspieltipps: Grasshopper, Rainbow Eyes



Samstag, 29. Dezember 2018

Focus – Focus 3




Focus – Focus 3


Besetzung:

Thijs van Leer – vocals, hammond organ, piano, alto flute, piccolo, harpsichord
Jan Akkerman – guitars, lute
Bert Ruiter – bass guitar
Pierre van der Linden – drums


Gastmusiker:

Mike Vernon – backing vocals on “Round Goes The Gossip”


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Round Goes The Gossip (5:12)
2. Love Remembered (2:49)
3. Sylvia (3:31)
4. Carnival Fugue (6:08)
5. Focus III (6:04)
6. Answers? Questions! Questions? Answers! (13:50)
7. Elspeth Of Nottingham (3:09)
8. Anonymus II (26:22)

Gesamtspieldauer: 1:07:09



Schlicht mit „3“ betitelte die niederländische Rockband Focus ihr drittes Studioalbum, welches im Juli 1972 eingespielt und schließlich im November 1972 auf dem Plattenlabel Imperial Records veröffentlicht wurde. Die Scheibe war ursprünglich als Doppelalbum erschienen und schließlich leider in etwas gekürzter Form auf CD wiederveröffentlicht worden. Zum ersten Mal hört man auf „3“ Bert Ruiter am Bass und damit den dritten Bassisten von Focus auf dem dritten Album. In den Niederlanden erklomm „3“ für eine Woche Platz 1 der Charts, im Vereinigten Königreich Platz 6 und den USA Platz 35 der US Billboard 200. Das Lied „Sylvia“ wurde als einzige Single des Albums veröffentlicht und erreichte in Großbritannien Platz 4 und Platz 89 in den USA.

„3“ ist einmal mehr hauptsächlich instrumental gehalten. Lediglich im Titel „Round Goes The Gossip“ wird – neben einem kurzen Strophentext – dieser Liedtitel intoniert. Ansonsten kommen die Lieder ohne das gesungene Wort aus. Die Musik ist dabei durchaus im Progressive Rock beheimatet, fischt jedoch ganz eindeutig auch im Bereich des Fusion Jazz. Und um das Gesamtbild noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten befindet sich mit dem Titel „Elspeth Of Nottingham“ noch ein Lied auf „3“, welches der Mittelaltermusik zugeschrieben werden kann. Ansonsten bewegt sich die Musik atmosphärisch zwischen sehr melodiös bis hin zu jazzig vertrackt. Langeweile kommt dabei beim Hören bestimmt nie auf.

Allerdings kann dieses Gefühl in einem durchaus während des Genusses des längsten Liedes der Platte, der Nummer „Anonymus II“, aufsteigen. Die 26 Minuten Spielzeit langweilen keineswegs durchgängig, beginnt das Stück doch sehr schön rockig mit einer ebenso rockig eingesetzten Querflöte. Auf den weiteren Minuten bekommt diese Nummer doch immer wieder Längen. Jeder Musiker darf mal ein Solo vom Stapel lassen und mit der Zeit wirkt dies alles künstlich in die Länge gezogen und etwas aufgesetzt und ausgewalzt. Lieder können durchaus lang sein und dabei durchgängig unterhalten. Im Falle von „Anonymus II“ fehlt es allerdings schlichtweg an Substanz für solch einen langen Titel. Schade.

Fazit: Das Album „3“ von Focus ist eine Platte, die Freunde progressiven Rocks durchaus gefallen dürfte, wenn sie nichts gegen eine Prise Jazz einzuwenden haben. Nicht unbedingt zu eingängig, dafür ein wenig experimenteller kann die Scheibe bei all jenen Punkten, die auch in der Musik etwas mehr das Abenteuer denn die Konvention suchen. Sicherlich ist das Lied „Anonymus II“ etwas langwierig ausgeartet, doch insgesamt bleibt „3“ eine spannende und abwechslungsreiche Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: Love Remembered, Focus III



Freitag, 28. Dezember 2018

Haken – Visions




Haken – Visions


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Raymond Hearne – drums, tuba, djembe, strings and french horn arrangements
Diego Tejeida – keyboards and sound design, strings and french horn arrangements
Tom Maclean – bass


Gastmusiker:

Lucy Butcher – cello
Alison Comerford – violin
Chris Currie – voices
Patrick Harrild – voices
Jennifer Murphey – violin
Joey 'Dah Lipz' Ryan – french horn
Martin Wray – viola


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)


CD2 (alle Lieder instrumentental):

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:11:42) und CD2 (1:11:42): 2:23:24



„Visions“ heißt das zweite Studioalbum der Progressive Metal Band Haken. Das Album wurde am 24. Oktober 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. „Visions“ klingt ein wenig „härter“ als noch der Vorgänger und das Debut „Aquarius“, was dem Umstand geschuldet sein könnte, dass Richard Henshall, Hauptkompositeur der Band, beim ersten Album die Lieder hauptsächlich auf dem Klavier komponierte, dieses Mal auf der Gitarre. „Visions“ ist ein Konzeptalbum, welches die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der seinen eigenen Tod in seinen Träumen voraussieht und fest daran glaubt, dass dies auch passieren wird, um nun den Rest seines Lebens damit zu verbringen, diesen vorerst zu vermeiden.

„Visions“ ist ein kraftvolles Album geworden, Progressive Metal in einer seiner schönen und überzeugenden Ausführungen. Ein klein wenig geht der Musik von Haken dabei – vor allen Dingen zu Beginn des Albums – die Eingängigkeit verloren, was sicherlich auch dieser gewissen „Härte“ der Musik geschuldet ist. Für das Ende der Platte stimmt diese Aussage allerdings nicht mehr, denn gerade die zwei Lieder „Shapeshifter“ und „Deathless“ gehen sehr schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Dies gilt auch für das über zweiundzwanzigminütige Titellied am Ende des Albums. Hier lassen die Musiker ihrer Kreativität freien Lauf und beschenken ihre Hörerinnen und Hörer mit einer Nummer, reich an Abwechslung und Passagen von hart bis eingängig zart.

Und wie es manchmal so ist in der Musik, mit der Zeit wirkt sie anders im Ohr. Genauso verhält es sich auch bei Hakes „Visions“. Mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe werden auch die Lieder zu Beginn des Albums vertrauter, eingängiger, mitreißender. Das Album wird dann zu einem Parforce-Ritt durch die verschiedenen Landschaften des Progressive Metal, den man unbedingt häufiger antreten sollte, um besser wirken lassen und sich entwickeln zu können.

Fazit: Ein spannendes Album ist der englischen Band Haken mit ihrem zweiten Album „Visions“ gelungen. Progressive Metal, mit Ausläufern zum Progressive Rock, der abwechslungsreich das Ohr umspielt und auch in dieses eindringt. Musik die lohnt und Spaß macht. Was sich allerdings die Band dabei denkt, ihre Platten auch in einer Ausgabe mit einer zweiten CD zu veröffentlichen, auf der die Lieder absolut identisch, nur ohne Gesang zu hören sind, das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Lieder „Premonition“ und „Portals“ sowieso bereits instrumentale Stücke sind, die nun exakt gleich zweimal auf der Platte vertreten sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shapeshifter, Deathless, Visions



Donnerstag, 27. Dezember 2018

Bullet For My Valentine – Venom




Bullet For My Valentine – Venom


Besetzung:

Matt Tuck – vocals, guitar & bass
Michael "Moose" Thomas – drums, additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Michael "Padge" Paget – guitar, additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Jamie Mathias – bass, vocals


Gastmusiker:

Carl Bown – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Dan Brown – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Austin Dickinson – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Ryan Richards – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Stefan Whiting – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Jack Vallier – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Henry Boeree – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Rebekah Power – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Emma Gorman – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Lauren Metccalf – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Alice Williams – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Andrew Humphries – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"
Ginnie Breakwell – additional vocals on "You Want A Battle? (Here‘s A War)"


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Metalcore, Thrash Metal


Trackliste:

1. V (1:26)
2. No Way Out (3:53)
3. Army Of Noise (4:18)
4. Worthless (3:18)
5. You Want A Battle? (Here‘s A War) (4:14)
6. Broken (3:40)
7. Venom (3:54)
8. The Harder The Heart (The Harder It Breaks) (4:00)
9. Skin (3:59)
10. Hell Or High Water (4:36)
11. Pariah (3:47)

Bonus Tracks der Deluxe Edition:

12. Playing God (3:52)
13. Run For Your Life (3:34)
14. In Loving Memory (Demo Version) (4:02)
15. Raising Hell (4:35)

Gesamtspieldauer: 57:15




„Venom“ nannte die walisische Heavy-Metal-Band Bullet For My Valentine ihr fünftes Studioalbum, welches am 14. August 2015 auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht wurde. Es war ihre zweite und zugleich letzte Veröffentlichung bei RCA. „Venom“ ist das erste Album der Band seit dem Weggang des Bassisten Jason James und gleichzeitig die letzte Platte, an der Schlagzeuger Michael Thomas beteiligt ist. Mit den Titeln „No Way Out“, „You Want A Battle? (Here‘s A War)“, „Army Of Noise“, „Venom“, „Worthless“ und „Skin“ wurden ganze sechs Lieder zusätzlich als Single veröffentlicht.

Heavy Metal mag ich durchaus, doch Bullet For My Valentine gehen noch einen Schritt weiter. Auf „Venom“ hört man keinen Heavy Metal und schon gar keinen Hard Rock mehr. Auf „Venom“ gibt es Thrash Metal auf die Ohren – und dies absolut unverfälscht und kompromisslos. Von Melodien kann man bei dieser Musik kaum mehr sprechen, genauso wenig geht von daher auch ins Ohr. Es ist die Härte, die die Musik der Waliser dominiert. Stakkato-artiger Gitarrensound und dazu manchmal Gesang, oftmals Geschrei. Irgendwie steige ich da leider aus, da ich keinerlei Unterschied zwischen den Liedern mehr erkenne. Es scheint wirklich nur mehr um Lautstärke und Schnelligkeit zu gehen, jedwede andere musikalische Feinheit geht dabei über Bord. Zum Headbanging definitiv zu schnell, wenn man keine Gehirnerschütterung riskieren möchte.

Höhepunkte auf „Venom“ zu benennen erscheint einigermaßen schwierig. Es klingt wahrlich alles, wirklich alles auf „Venom“ sehr ähnlich. Und nennt man die Deluxe Edition sein Eigen, auf der sich noch vier Zugaben befinden, so bekommt man zusätzlich vier weitere Titel geliefert, die ebenfalls wie der Rest der Platte klingen. Thrash Metal, absolut hart, laut klingend auch mit heruntergedrehtem Lautstärkeregler und schnell, sehr schnell. Um doch an dieser Stelle Lieder zu erwähnen, die zumindest einen guten Eindruck über den Rest der Platte vermitteln, seien an dieser Stelle die Lieder „You Want A Battle? (Here‘s A War)“, „Venom“ und „Hell Or High Water“ erwähnt. Aber Höhepunkte? Nein, diese Lieder klingen genauso schnell wie der Rest auf „Venom“.

Fazit: Thrash Metal klingt hart, sehr hart. Und genau das hört man auf „Venom“, dem fünften Studioalbum der walisischen Band Bullet For My Valentine. Melodien gibt es auf der Platte kaum zu hören, jedoch Härte und Schnelligkeit. Freundinnen und Freunde dieses musikalischen Genres wird das gefallen, alle anderen werden sich mit dieser Art der Musik sehr schwer tun. Sorry, ich auch, trotzdem hat „Venom“ etwas, was irgendwie aggressiv macht. Zum Abreagieren toll geeignet. Sieben Punkte.

Anspieltipps: You Want A Battle? (Here‘s A War), Venom, Hell Or High Water



Mittwoch, 26. Dezember 2018

Moorea Masa & The Mood – Shine A Light




Moorea Masa & The Mood – Shine A Light


Besetzung:

Moorea Masa – guitar, vocals
André J. Zapata – bass (exept 1, 3, 8)
Christopher Johnedis – drums
Margaret Wehr – harmony vocals
Mel Guérison – harmony vocals
Steve Watkins – rhodes, moog, hammond organ, piano


Gastmusiker:

Jeremy Most – all other instruments
Catherine Feeny – harmony vocals (2, 3, 8)
Sam Howard – bass (1, 3, 8)
Ural Thomas – vocals (6)
Jon Neufeld – guitar (6, 9)
Lauren Steele – spoken word & vocals (9)
Tonya Abernathy – vocals (9)


Label: Moorea Masa & The Mood


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Soul, R&B


Trackliste:

1. The Garden (4:32)
2. Be Somebody (3:10)
3. Ever Moving (3:15)
4. I Can’t Tell (3:44)
5. Natures Song (4:09)
6. Don’t Let Me Run (3:47)
7. Wanna Be Close (3:55)
8. Conversation (4:11)
9. Wake Up // Lover Be Found (4:55)
10. Shine A Light (3:51)

Gesamtspieldauer: 39:33



Moorea Masa ist eine US-amerikanische Sängerin aus Portland, Oregon, Tochter eines italienischen Einwanderers und einer Afroamerikanerin, die zunächst die USA verließ, um am Liverpool Institute for Performing Arts in England zu studieren. Anschließend kehrte sie nach mehreren Umwegen wieder nach Portland zurück und startete dort ihre musikalische Karriere. Am 19. Oktober 2018 veröffentlichte sie mit ihrer Band The Mood ihr Debut-Album unter dem Titel „Shine A Light“.

Darauf zu hören ist eine Mischung aus R&B sowie Soul und auch poppige Einflüsse lässt die Künstlerin auf „Shine A Light“ nicht zu kurz kommen, die sich auf den meisten Stücken des Albums auch kompositorisch einbrachte. Gerade diese etwas poppigeren Stücke können dabei auch ein breiteres Publikum überzeugen, wobei die souligen Nummern die Herzen entsprechender Freundinnen und Freunde höherschlagen lassen werden. Gelungen klingt das in der jeweiligen Ausführung allemal und in der Kombination dieser beiden musikalischen Genres bietet das Album eine ganze Menge Abwechslung. Abwechslung, auf welche Anhänger dieses oder jenes Stils jedoch bei dem ein oder anderen Lied vielleicht gerne verzichten würden, wenn dafür „ihre“ Musik mehr zu hören wäre.

Die Musik auf „Shine A Light“ geht ins Ohr, klingt jederzeit eingängig und melodiös. Auch die Stimme der Moorea Masa weiß dabei zu überzeugen, umschmeichelt das Ohr sehr abwechslungs- und variantenreich. In Kombination mit der Musik entsteht so eine sanfte Atmosphäre, die Hörerin und Hörer weich umfließt und sanft zu betten scheint. Sehr relaxt klingt das in seiner Gesamtheit und mit einem Groove versehen, der sehr viel Lässigkeit verströmt.

Fazit: Das erste Album, welches Moorea Masa mit ihrer Band The Mood einspielt, hält etwas für Freunde des Soul wie für jene des Pop bereit. Zumeist sanfte Musik umspielt das Ohr, eingängig und melodiös. Die Stimme der Sängerin überzeugt, der Groove der Musik ebenso. Nicht ganz einheitlich präsentiert sich die Musik der US-Amerikanerin, was jedoch dazu führt, dass viele Hörerinnen und Hörer auf „Shine A Light“ etwas für sich finden werden. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Conversation, Wake Up // Lover Be Found



Dienstag, 25. Dezember 2018

Roxy Music – Avalon




Roxy Music – Avalon


Besetzung:

Bryan Ferry – lead vocals, keyboards, guitar synthesizer
Andy Mackay – saxophones
Phil Manzanera – lead guitar


Gastmusiker:

Neil Hubbard – guitars
Andy Newmark – drums (all tracks but 8 and 10)
Rick Marotta – drums (on track 8)
Suzanne Ciani – synthesizers (on tracks 1, 2, 3, 4, 6, 7 and 8)
Alan Spenner – bass guitar (on tracks 1, 3, 4, 5, 6, 8 and 10)
Neil Jason – bass guitar (on tracks 2, 6, 7 and 9)
Paul Carrack – piano (on track 8)
Jimmy Maelen – percussion (on tracks 1, 2, 3, 5, 7 and 9)
Kermit Moore – cello (on track 8)
Fonzi Thornton – backing vocals (on tracks 1, 2, 3, 5, 6, 7 and 9)
Yanick Etienne – backing vocals (on track 3)


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop Rock, Art Pop


Trackliste:

1. More Than This (4:30)
2. The Space Between (4:30)
3. Avalon (4:16)
4. India (1:44)
5. While My Heart Is Still Beating (3:26)
6. The Main Thing (3:54)
7. Take A Chance With Me (4:42)
8. To Turn You On (4:16)
9. True To Life (4:25)
10. Tara (1:43)

Gesamtspieldauer: 37:31




„Avalon“ nannte die englische Rockband Roxy Music ihr achtes und gleichzeitig letztes Studioalbum, welches im Mai 1982 auf den Plattenlabels E.G. Records und Polydor erschien. Die remasterte Wiederveröffentlichung erschien auf dem Label Virgin Records. „Avalon“ war das erfolgreichste Studioalbum der Band, erreichte für drei Wochen Platz 1 in Großbritannien und blieb dort über ein Jahr lang in den Albumcharts vertreten. Obwohl „Avalon“ in den Vereinigten Staaten nur bis auf Platz 53 der Charts kletterte, verkaufte es sich über einen langen Zeitraum hinweg und wurde zum einzigen Millionenverkauf der Band in den USA und dort schließlich mit Platin ausgezeichnet. Die Single „More Than This“ ging dem Album voraus und wurde zu einem Top-10-Hit in Großbritannien, Australien und mehreren europäischen Ländern. Der Titeltrack wurde als zweite Single des Albums veröffentlicht und erreichte die UK Top 20. Schließlich folgte als dritte Auskopplung noch „Take A Chance With Me“, platzierte sich unter den Top 30 und stellt damit den bisher letzten UK-Single-Hit von Roxy Music dar.

Ihre Art des eingängigen Pops hatte Roxy Music und Bryan Ferry auf „Avalon“ zur Perfektion gebracht. Jedes Lied klingt auf der Scheibe und ist ein Pop-Stück, welches keinem „weh tut“, allerdings auch nicht mehr so richtig zu überzeugen weiß. Ein klein wenig läuft die Scheibe durch, ganz nett an der einen oder anderen Stelle, doch richtig begeistern kann die Platte nicht mehr. Vieles auf „Avalon“ hört sich einfach zu glattgebügelt, zum Teil auch zu oberflächlich an. Die beiden kurzen Nummern „India“ und „Tara“ stellen dabei lediglich kurze Auflockerungen dar und sind eher im sphärischen Bereich angesiedelt. Nach Indien klingt „India“ zum Beispiel nicht.

Höhepunkte auf Avalon sind die Lieder „More Than This“, das Titelstück selbst, sowie die beiden kurzen Einschübe, da sie etwas aus der Reihe tanzen und zumindest ein klein wenig aufhorchen lassen – besonders „Tara“. „Take A Chance With Me“ klingt ebenfalls ganz nett, „True To Life“ wenigstens noch ansatzweise interessant. Ansonsten ist alles auf dieser Scheibe irgendwie maximal noch Durchschnitt, da es zum Teil fast ein wenig anbiedernd klingt und auf den schnellen Erfolg hinproduziert zu sein scheint. Der Erfolg sollte Bryan Ferry und seinen Mitmusikern Recht geben.

Fazit: Das letzte Studioalbum von Roxy Music war ihr erfolgreichstes. Leider ist es auch die uninteressanteste Platte der Band geworden. Vieles wurde auf „Avalon“ auf die schnelle Eingängigkeit hin getrimmt, ohne dabei allerdings besonders originell zu klingen oder noch einen besonderen Titel hervorzubringen. Sicherlich ist „Avalon“ kein schlechtes Album geworden, jedoch ein langweiliges. Sieben Punkte.

Anspieltipps: More Than This, Take A Chance With Me, True To Life, Tara



Montag, 24. Dezember 2018

Focus – Moving Waves




Focus – Moving Waves


Besetzung:

Thijs van Leer – Hammond organ, piano, mellotron, harmonium, flutes, non-lexical vocables, vocals (track 4)
Jan Akkerman – guitars, bass guitar
Cyril Havermans – bass guitar, non-lexical vocables (track 6)
Pierre van der Linden – drums, percussion


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Hocus Pocus (6:42)
2. Le Clochard (2:01)
3. Janis (3:08)
4. Moving Waves (2:42)
5. Focus II (4:03)
6. Eruption (23:02)
1) Orfeus
2) Answer
3) Orfeus
4) Answer
5) Pupilla
6) Tommy
7) Pupilla
8) Answer
9) The Bridge
10) Euridice
11) Dayglow
12) Endless Road
13) Answer
14) Orfeus
15) Euridice

Gesamtspieldauer: 41:40




„Moving Waves“ nannte die niederländische Rockband Focus ihr zweites Studioalbum, welches im Oktober 1971 ursprünglich auf dem Plattenlabel Imperial Records veröffentlicht wurde. Nach dem Weggang von Martin Dresden und Hans Cleuver im Anschluss an die erste Scheibe der Band, stießen Cyril Havermans am Bass und Pierre van der Linden am Schlagzeug zu Focus hinzu. „Moving Waves“ enthält mit dem Lied „Hocus Pocus“ die erfolgreichste Single der Niederländer und mit „Eruption“ einen 23-minütigen Track nach der Oper „Euridice“ des Italieners Jacopo Peri. Die Platte stellt das kommerziell erfolgreichste Album der Band dar und erreichte Platz 2 in den UK Albums Chart und Platz 8 in den US Billboard 200.

Seltsam klingt das Ganze durchaus, zumindest beim Opener „Hocus Pocus“. Welche Band oder welcher Sänger jodelt sonst noch, wenn er nicht der alpenländischen Folklore oder dem tiefsten Western & Country frönt? Natürlich wird noch viel mehr auf der Welt gejodelt, nur wenn dies in der Rock Musik, der aus den Niederlanden speziell zu hören ist, dann klingt dies zumindest zunächst einmal überraschend. Schließlich gibt es noch weitere recht komische und menschliche Laute auf diesem Stück zu hören, das Ganze verpackt in ein Hard Rock Lied. Na, wenn das mal nicht Eindruck hinterlässt und eingängig ist es zudem auch noch. Zwar ist diese Nummer alles andere als typisch für Focus, doch wird das Bild der Band sehr stark auch durch dieses Lied geprägt.

Die nächsten beiden Nummern, „Le Clochard“ und „Janis“, stellen dann sanfte und verträumte Instrumentalstücke dar, die mich an die ersten Solo-Veröffentlichungen von Steve Hackett erinnern. Freilich waren Focus mit „Moving Waves“ allerdings bereits einige Jahre vor Steve Hackett in seiner Solo-Karriere aktiv. Das Titellied enthält nun auch Gesang, die sehr sanfte, nachdenkliche, fast schon zerbrechliche Stimmung bleibt allerdings erhalten. „Focus II“ ist im Anschluss daran schließlich erneut ein Instrumentalstück, welches jetzt durchaus progressive Abschnitt aufweist und aus mehreren verschiedenen Teilen zusammengesetzt ist.

Die ganze ehemalige zweite Seite der Platte nahm das Lied „Eruption“ ein. Inspiriert durch die Oper „Euridice“ des Italieners Jacopo Peri. Opernmusik hört man hier natürlich nicht, sondern eine sehr abwechslungsreiche und instrumentale Reise durch Landschaften progressiver Musik. Da wird mal mehr gerockt, mal mehr durch diverse Sphären geschwebt. Melodiösität und Eingängigkeit stehen dabei zumeist im Vordergrund, auch wenn diese nicht an jene in den Longtracks zum Beispiel der englischen Kollegen von Yes oder Genesis heranreichen. Trotzdem lässt sich das gut anhören, ist kurzweilig und unterhält.

Fazit: Ein hauptsächlich instrumental gehaltenes Album ist „Moving Waves“ von Focus geworden. Klassischen progressiven Rock gibt es darauf zu hören, der ins Ohr geht, abwechslungsreich ist und so manche Überraschung für die Hörerin beziehungsweise den Hörer parat hält. Wer den Progressive Rock der frühen 70er Jahre mag, die oder der sollte diese Platte mal gehört haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hocus Pocus, Janis, Eruption und der Rest



Sonntag, 23. Dezember 2018

The Cure – Pornography




The Cure – Pornography


Besetzung:

Robert Smith – vocals, guitar, keyboards ("One Hundred Years", "The Hanging Garden", "Cold", "Pornography"), cello ("Cold")
Simon Gallup – bass guitar, keyboards ("A Strange Day", "Cold", "Pornography")
Lol Tolhurst – drums, keyboards ("One Hundred Years")


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Gothic Rock, New Wave


Trackliste:

1. One Hundred Years (6:41)
2. A Short Term Effect (4:22)
3. The Hanging Garden (4:34)
4. Siamese Twins (5:28)
5. The Figurehead (6:15)
6. A Strange Day (5:03)
7. Cold (4:26)
8. Pornography (6:27)

Gesamtspieldauer: 43:19




„Pornography“ heißt das vierte Studioalbum der britischen Gothic Rock- und New Wave Band The Cure. Am 4. Mai im Jahr 1982 erschien das Album auf dem Plattenlabel Fiction Records. Kurz zuvor war die Nicht-Album-Single „Charlotte Sometimes“ veröffentlicht worden. Die Aufnahmen zu Platte gestalteten sich einigermaßen schwierig, was nicht am neuen Produzenten Phil Thornalley lag. Starker Drogenkonsum, Kämpfe untereinander und die Depression des Robert Smith bestimmen den musikalischen wie textlichen Inhalt auf „Pornographie“. Gleichzeitig bildet das Album den Abschluss der frühen dunklen, düsteren musikalischen Phase von The Cure, die 1980 mit „Seventeen Seconds“ begonnen hatte.

Düster und fast schon hoffnungslos klingt Vieles auf „Pornographie“. Bestes Beispiel hierfür ist der Titel „The Figurehead“, auf dem zu sehr dunkler Musik Robert Smith zig Mal wiederholt „I will never be clean again!“. Das klingt nach Endzeit, nach purer Verzweiflung und eben Hoffnungslosigkeit. Sehr viel dieser tristen Atmosphäre wird mit jedem der acht Lieder transportiert, Hoffnungsschimmer lassen sich keine ausmachen, alles versinkt im Grau. Für Leute, die auf den Untergang stehen ist „Pornography“ natürlich ein Feiertag, für alle anderen wird es dagegen schwieriger – deutlich schwieriger.

Jedoch trotz aller Dunkelheit wollen die Titel auf „Pornography“ doch etwas besser ins Ohr gehen, als noch auf dem Vorgänger-Album „Faith“. Die Melodien sind ein wenig eingängiger geraten, auch wenn man kaum in die Situation kommt, diese mitsummen zu wollen. Doch das Gehörte verfestigt sich mehr. Gut gelingt das beim bereits erwähnten „The Figurehead“ und der Nummer „Cold“, die mittels eines wabernden Synthesizer-Teppichs und dem Klang eines Cellos noch mehr hoffnungslose Gänsehaut produziert. Der Titeltrack „Pornography“ ist dagegen ein Parforce-Ritt durch den Untergang. Verwirrend und verstörend und letztendlich dann erlösend, wenn er abrupt endet.

Fazit: Das dritte sehr dunkle Album in einer Reihe ist „Pornography“ geworden. Nach der Veröffentlichung verließ Simon Gallup die Band, die folgenden Platten waren anschließend sehr viel mehr vom New Wave geprägt und klangen deutlich fröhlicher. Ob diesbezüglich ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht. „Pornography“ ist auf alle Fälle für jene Hörerinnen und Hörer gedacht, die Synthesizer-lastigen Gothic Rock mögen, der durchgängige Tristesse verströmt. Wie mag sich das wohl anfühlen, wenn man dieses Album an einem sonnigen Tag am Strand unter grünen Palmen und blauem Himmel hört? Vielleicht setzt dann eine herabfallende Kokosnuss diesem ganzen Widerspruch ein Ende? Wer weiß. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Figurehead, Cold



Samstag, 22. Dezember 2018

Pure Phase Ensemble 6 – Live At SpaceFest!




Pure Phase Ensemble 6 – Live At SpaceFest!


Besetzung:

Anton Newcombe – vocals, guitar, mellotron
Emil Nikolaisen – guitar
Karol Schwarz – guitar, vocals
Olga Masłowska – keyboard, vocals
Maciej Karmiński – drums
Marcin Lewandowski – bass
Jakub Zwirełło – guitar
Kacper Graczyk – electronic beats, synthesizers, backing vocals


Label: Nasiono Recordings


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Elektronische Musik, Psychedelic Rock, Independent Rock


Trackliste:

1. Intro (3:12)
2. Sorry Not Sorry (4:52)
3. Popol Vuh (9:46)
4. Balwan (6:47)
5. Tetno Pulsu (8:01)
6. God Drugs (6:16)
7. Warmin Up (1:05)
8. Getting Bored (4:17)

Gesamtspieldauer: 44:17




Das Pure Phase Ensemble hatte im Dezember 2016 den US-amerikanischen Sänger, Songwriter, Multi-Instrumentalisten, Produzenten und Gründer der Musikgruppe The Brian Jonestown Massacre Anton Alfred Newcombe zu Gast. Von der Besetzung des diesjährigen Pure Phase Ensemble war vom letzten Jahr lediglich Gitarrist und Sänger Karol Schwarz übrig geblieben. Ansonsten wurde die Vorgehensweise der letzten Jahre erneut aufgegriffen. Wieder fand in der ersten Dezemberwoche das SpaceFest Musikfestival in Danzig statt. Erneut trafen im Vorfeld dieser Veranstaltung Musiker aufeinander, die vorher noch nicht zusammengespielt hatten. Diese komponierten in einer Art Workshop Musik, welche sie anschließend live auf dem Festival einem Publikum präsentierten. Das Ergebnis können Interessierte ab Ende September 2017 in Form des Albums „Pure Phase Ensemble 6, Feat. Anton Newcombe Live At SpaceFest!“ nachhören.

Erneut ist die Musik der zusammengestellten Formation eine sehr atmosphärische und dichte geworden. Auch auf der sechsten Veröffentlichung dieses Projekts steht oft der sphärische Klang im Vordergrund. Ein breiter und warmer Synthesizer-Teppich wird durch diverse Zutaten mit Klang und Leben erfüllt, welche sehr intensiv aus den Boxen strömen. Dabei wirkt das Ergebnis – trotz der kurzen Entstehungszeit – keineswegs unausgegoren oder oberflächlich. Solch ein Lied wie „Popol Vuh“ erklingt voller einnehmender Atmosphäre und hüllt Hörerin wie Hörer stimmungsvoll ein.

Doch die Band kann in dieser Zusammensetzung auch rocken, wie solch Lieder wie „Balwan“ oder „Getting Bored“ eindrücklich zeigen. Hier bewegen sich die Musiker dann schon deutlich mehr auf dem Terrain des Alternative Rock. Es gibt eine Melodie und der Rhythmus prescht nach vorne, welcher die Füße animiert mitzuwippen. Wieder ganz anders klingt das Pure Phase Ensemble schließlich bei dem Stück „Tetno Pulsu“. Jetzt stehen elektronische Klänge im Vordergrund, die von einem wummernden Bass begleitet werden. Die Musiker experimentieren, testen aus. Passend zu diesen, zum Teil harten und kalten Klängen, erklingt hier die polnische Sprache, die sich ebenfalls alles andere als weich anhört und den Eindruck des Liedes noch bestens verstärkt. Der Titel „God Drugs“ ist dagegen ein zunächst lange instrumental gehaltenes Lied. Dieses beginnt schräg und quer, um schließlich in einer Art melodiösem Bombast zu münden, welcher mit sehnsüchtigem Gesang, dieses Mal wieder in Englisch, angefüllt wird. Somit wird dieses Album zu einer kleinen Achterbahnfahrt, die nach jeder Kurve einiges an Überraschungen parat hält.

Fazit: Eine absolut abwechslungsreiche Scheibe ist die sechste Veröffentlichung des Pure Phase Ensembles geworden. Mehrere musikalische Stile gibt es auf diesem Album zu hören, die mitunter weit über den Status eines Experiments hinausreichen. Gerade die Instrumentalpassagen, atmosphärisch dicht gepackt, machen sehr viel Spaß auf „Pure Phase Ensemble 6, Feat. Anton Newcombe Live At SpaceFest!“ Zehn Punkte.

Anspieltipps: Popol Vuh, God Drugs, Getting Bored



Freitag, 21. Dezember 2018

Datashoc – Kräuter der Provinz




Datashoc – Kräuter der Provinz


Besetzung (ohne Instrumentenangaben):

Ulf Schütte
Christian Berghoff
Pascal Hector
Jan Werner
Sebastian Haas
Jan Stütz
Ruth-Maria Adam
Ronnie Oliveras


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Ambient, Elektronische Musik


Trackliste:

1. Hullu Gullu, wir liefern Shizz (6:10)
2. Wenn alle wollen, will uch auch! (11:05)
3. Im Zuchtstall der Existenzhengste (16:12)
4. Spirituelle Enthaltsamkeit im Sandwichverfahren (12:43)
5. Schönster Gurkenschwan (11:44)
6. Marodierende Sachbearbeiter aus Teilzeit (7:50)
7. Halb-Halb, wie ein guter Kloß (12:56)

Gesamtspieldauer: 1:18:43




Im Jahr 2003 wurde Datashoc gegründet. Dies ist eine Ansammlung von Musikern, die im Fluss ist, wie der häufige Wechsel der beteiligten Personen aufzeigt. Die Musiker treffen sich und musizieren zusammen, so entstehen Improvisationen, die sich häufig im Bereich des Ambient bewegen, fast keine Melodien aufweisen und jede Menge Atmosphäre transportieren. Und genauso klingt auch das im Dezember des Jahres 2014 aufgenommene Album „Kräuter der Provinz“, welches dieses Jahr im Mai auf dem Plattenlabel Bureau B veröffentlicht wurde.

Irgendwo zwischen Psychedelic und Ambient angesiedelt, betiteln die Musiker ihre Improvisationen selbst mit „Neo-Hippie-Spook-Folk“. Das klingt ganz nett und interessant, die Worte einzeln betrachtet höre ich jedoch nicht alle auf „Kräuter der Provinz“ – einzig etwas „spooky“ klingt es schon ab und an auf dem Album, und zwar immer dann, wenn es sehr sphärisch wird. Oftmals entsteht allerdings auch durch die Mischung diverser Komponenten etwas ganz Neues. Doch auch dieser Ansatz will sich mir leider auf „Kräuter der Provinz“ nicht erschließen. Hinter den wahrlich witzigen Lied-Titeln verstecken sich mal rhythmischere, mal sphärischere Nummern, die neben der Atmosphäre leider manchmal auch deutlich zu viel dieser Sphäre transportieren und dann Gefahr laufen in ein wenig Langeweile abzudriften.

Trotzdem schmecken die „Kräuter der Provinz“ an mancher Stelle auch würzig und gehaltvoll. Am überzeugendsten für mich im „Zuchtstall der Existenzhengste“. Hypnotisierende Redundanzen treffen auf indische Klänge und beim Hören scheint das eigene Karma zu leuchten, wenn man die Musik nur tief genug eindringen lässt. Auch „Hullu Gullu, wir liefern Shizz“ kann da überzeugen. Deutlich rhythmischer geartet als die meisten anderen Titel des Albums, kommt diese Nummer dem Genre „Krautrock“, wie man es von langen Instrumentalpassagen bei Grobschnitt oder Jane kennt, am nächsten. Ab dem Titel „Spirituelle Enthaltsamkeit im Sandwichverfahren“ steht dann doch eher das Genre Ambient im Zentrum der Musik. Es „tut sich nicht mehr viel“, dafür klingt es umso atmosphärischer.

Fazit: „Kräuter der Provinz“ klingt zweigeteilt. Die ersten drei Titel sind rhythmischer geraten, auch ein wenig abwechslungsreicher. Ab der vierten Nummer dominiert die stimmungsvolle Sphäre. Interessant klingt das schon, nicht durchgängig, jedoch immer wieder. Acht Punkte.

Anspieltipps: Im Zuchtstall der Existenzhengste, Hullu Gullu wir liefern Shizz



Donnerstag, 20. Dezember 2018

Man – Rhinos, Winos And Lunatics




Man – Rhinos, Winos And Lunatics


Besetzung:

Micky Jones – guitar, vocals
Deke Leonard – guitar, vocals
Malcolm Morley – guitar, keyboards, vocals
Ken Whaley – bass
Terry Williams – drums, vocals


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Taking The Easy Way Out Again (4:22)
2. The Thunder And Lightning Kid (5:17)
3. California Silks And Satins (4:40)
4. Four Day Louise (6:04)
5. Intro (0:44)
6. Kerosene (6:29)
7. Scotch Corner (9:04)
8. Exit (1:13)

Gesamtspieldauer: 37:57



„Rhinos, Winos And Lunatics“ heißt das siebte Studioalbum der walisischen Rockband Man und wurde im Mai 1974 ursprünglich auf dem Plattenlabel United Artists Records veröffentlicht. Das Album konnte sich vier Wochen in den britischen Albumcharts platzieren und kletterte dort bis auf Platz 24. Wieder mal hatte es eine Veränderung in der Besetzung der Band gegeben. Deke Leonard war zu Man zurückgekehrt und hatte mit Malcolm Morley und Ken Whaley gleich zwei Musiker der Band Help Yourself mitgebracht, bei der er sich während seiner Abwesenheit von Man engagierte.

Auch auf „Rhinos, Winos And Lunatics“ gibt es zunächst lediglich am Rande Töne in Richtung Psychdelic Rock oder Progressive Rock zu hören. Sehr viel häufiger ist das eher konventionelle Rock-Musik, die man auf dieser Platte geboten bekommt. Allerdings klingen die Lieder gerade gegen Ende der Scheibe dann doch eingängiger, spannender und hörenswerter, als noch zu Beginn dieses Albums. Beginnt „Rhinos, Winos And Lunatics“ relativ bieder, so steigert sich die Musik im weiteren Verlauf deutlich.

Die beiden Stücke „Kerosene“ und „Scotch Corner“ stellen dabei die Höhepunkte des Albums dar. Die Musik geht ins Ohr und lange Instrumentalpassagen animieren zum Mitwippen der Füße. Dazu weisen die Titel sehr schön arrangierte Gesangspassagen auf, vollführen einige Wendungen und heben sich auch dadurch deutlich von eher unscheinbaren Rock-Nummern ab. Diese beiden Titel münden in Jam-artigen und langen Abschnitten, die weit über den Durchschnitt herausreichen. Hier streift die Musik, der Waliser nun erneut und wieder deutlicher als auf manch Vorgängeralbum das Genre des Progressive Rock und lässt die Platte schließlich mit „Exit“ auch überzeugend ausklingen.

Fazit: Die Rückkehr des Gitarristen Deke Leonard hat der Musik von Man sehr gut getan. Die Lieder klingen gegen Ende auf „Rhinos, Winos And Lunatics“ nicht nur melodiöser und eingängiger, sondern auch sehr viel spannender, als auf manch anderer Veröffentlichung der walisischen Band. Ist die ehemalige erste Seite der Platte noch eher eine langweilige Angelegenheit, so punkten Man mit ihren langen Instrumentalpassagen auf der zweiten Seite umso deutlicher. Lohnt wieder. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Kerosene, Scotch Corner



Mittwoch, 19. Dezember 2018

Leonard Cohen – Popular Problems




Leonard Cohen – Popular Problems


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals


Gastmusiker:

Patrick Leonard – keyboards
Joe Ayoub – bass
Brian MacLeod – drums
Alexandru Bublitchi – violin
James Harrah – guitar
Charlean Carmon – backing vocals
Dana Glover – backing vocals
Donna De Lory – backing vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Folk Pop


Trackliste:

1. Slow (3:25)
2. Almost Like The Blues (3:28)
3. Samson In New Orleans (4:39)
4. A Street (3:32)
5. Did I Ever Love You (4:10)
6. My Oh My (3:36)
7. Nevermind (4:39)
8. Born In Chains (4:55)
9. You Got Me Singing (3:32)

Gesamtspieldauer: 36:00




„Popular Problems“ nannte der kanadische Sänger und Songschreiber Leonard Cohen sein dreizehntes Studioalbum. Es erschien am 19. September 2014 auf dem Plattenlabel Columbia Records und ist einmal mehr mit dieser warmen und sanften Musik angefüllt, die von einem sonoren Sprechgesang begleitet wird. In vielen Ländern kletterte das Album bis auf Platz 1 der Charts, in Deutschland erreichte es immerhin Platz 4.

Sehr häufig kommt auf „Popular Problems“ weiblicher Hintergrundgesang zum Einsatz. Mal hört man die Sängerinnen im Chor, mal auch einzeln. Dieses Stilmittel wird auf dem Album fast schon inflationär eingesetzt, wobei hier „etwas weniger“ sicherlich interessanter gewesen wäre. Trotzdem wirkt die Musik auf „Popular Problems“ sogar noch ein wenig intensiver, als noch auf dem Vorgängeralbum „Old Ideas“. Die Stimme des Leonard Cohen klingt rauer, sogar gebrochener und lässt die einzelnen Titel dabei noch etwas packender wirken. Diese gehen erneut ins Ohr, umschmeicheln dieses sanft und bilden den perfekten Abschluss für einen aufregenden Tag.

Mit „My Oh My“ enthält „Popular Problems“ auch wieder eines dieser ganz besonderen Lieder, die die Musik des Leonard Cohen ebenfalls auszeichnen. „My Oh My“ ist ein Lied, welches bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr geht, ein Lied, welches aufhorchen lässt. Genial dabei auch die Bläsereinsätze, die dem Titel diese wunderschöne Entspanntheit verleihen. Auch die restlichen Nummern auf „Popular Problems“ wirken, lediglich das „My Oh My“ nachfolgende „Nevermind“ klingt in meinen Ohren etwas zu synthetisch, etwas monoton, mit zu viel Hintergrundgesang ausgestattet und nicht mehr ganz so überzeugend. Dazu gesellen sich noch arabische Töne, aber das ist ganz gewiss Geschmackssache, bei mir mag es eben leider nicht zünden.

Fazit: Auch mit „Popular Problems“, seinem dreizehnten Studio-Album, ist Leonard Cohen eine sehr überzeugende Scheibe gelungen. Man hört darauf den für den Kanadier so typischen Sound, sanfte Musik, die von seiner ausdrucksstarken Stimme dominiert wird. Mit „My Oh My“ ist zudem ein wunderschöner Ohrwurm enthalten, der diese Platte nochmals hörenswerter werden lässt. Neun Punkte.

Anspieltipps: My Oh My



Dienstag, 18. Dezember 2018

Lou Reed – Coney Island Baby




Lou Reed – Coney Island Baby


Besetzung:

Lou Reed – vocals, rhythm guitar, piano


Gastmusiker:

Bob Kulick – lead and slide guitar
Bruce Yaw – acoustic bass, electric bass
Michael Suchorsky – drums, percussion
Joanne Vent – background vocals
Michael Wendroff – background vocals
Godfrey Diamond – background vocals


Zusätzliche Musiker der Bonus Tracks:

Doug Yule – bass on bonus tracks 2, 4-6, guitar on bonus tracks 4-6
Bob Meday – drums on bonus tracks 2, 4-6
Michael Fonfara – keyboards on bonus tracks 2, 4-6


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Glam Rock


Trackliste:

1. Crazy Feeling (2:54)
2. Charley’s Girl (2:39)
3. She’s My Best Friend (6:00)
4. Kicks (6:04)
5. A Gift (3:45)
6. Ooohhh Baby (3:46)
7. Nobody's Business (3:49)
8. Coney Island Baby (6:46)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung zum 30. Jubiläum:

9. Nowhere At All (aufgenommen am 18. & 21. 1975 November in den Mediasound Studios, NYC) (3:17)
10. Downtown Dirt (aufgenommen am 3. & 4. Januar 1975 in den Electric Lady Studios, NYC) (4:18)
11. Leave Me Alone (aufgenommen am 19, & 20. Oktober 1975 in den Mediasound Studios, NYC) (5:35)
12. Crazy Feeling (aufgenommenam 3. & 4. Januar 1975 in den Electric Lady Studios, NYC) (2:39)
13. She’s My Best Friend (aufgenommen am 4. Januar 1975 in den Electric Lady Studios, NYC) (4:08)
14. Coney Island Baby (aufgenommen am 6. Januar 1975 in den Electric Lady Studios, NYC) (5:41)

Gesamtspieldauer: 1:01:28




„Coney Island Baby“ nannte der US-amerikanische Musiker Lou Reed sein sechstes Solo-Album. Dieses erschien am 19. Januar 1976 auf dem Plattenlabel RCA Records. „Coney Island Baby“ ist noch ein wenig mehr ein bluesiges Rock-Album geworden, als die ersten Solo-Platten des Lou Reed, nehmen wir mal den direkten Vorgänger „Metal Machine Music“ aus, der in ganz anderen Bereichen fischte. Viele der Lieder auf „Coney Island Baby“ wurden inspiriert durch die damalige Freundin und Muse Lou Reeds, einer Transgender-Frau namens Rachel, und sind ihr auch gewidmet.

Entgegen anderslautenden Meinungen klingt die Platte für mich allerdings keinesfalls romantisch und auch kaum nach Liebesbekundungen. Jedoch muss man diese Aussage einschränken, denn die Texte gehen eindeutig in jene Richtung, wollen allerdings nicht so richtig zur Musik auf „Coney Island Baby“ passen. Die Musik klingt rockig und auch vom Blues angehaucht, doch mag irgendwie nichts so recht ins Ohr gehen von dieser Scheibe. Vielmehr läuft die Musik einfach nur durch und bleibt dabei kaum hängen. Kein Lied, an das man sich länger erinnert. Leider auch kein Lied, an das man sich wirklich auch länger erinnern möchte.

Das wiederum bedeutet nicht, dass sich auf „Coney Island Baby“ schlechte Musik befinden würde. Allerdings ist das Album mit Liedern angefüllt, die einfach nicht zünden und dabei zumeist auch noch langweilen. Um an dieser Stelle doch ein paar Lieder herauszuheben, sei die Nummer „She‘s My Best Friend“ erwähnt, ein langsamer Titel, der behäbig dahinplätschert und dabei durchaus unterhält. Das Lied „A Gift“ unterhält vor allen Dingen durch seinen etwas ironisch gehaltenen Text. Musikalisch plätschert der Titel ebenfalls ruhig dahin. Das eindrucksvollste Lied des Albums befand sich ursprünglich noch nicht mal auf der Platte und ist Bestandteil der Zugaben der Ausgabe zum 30. Jubiläum von „Coney Island Baby“. „Downtown Dirt“ ist ein sehr ruhiges und dunkles Lied, welches seine Atmosphäre intensiv transportiert.

Fazit: „Coney Island Baby“ ist ganz bestimmt nicht das beste Album des Lou Reed geworden. Bluesiger Rock oder rockiger Blues, ganz wie man mag. Das Problem der Scheibe ist das Liedmaterial, welches einfach weder ins Ohr gehen will noch sonst irgendwie spannend klingt. Alles läuft so durch, ohne etwas zu hinterlassen. Man könnte das ganze Album auch mit „langweilig“ betiteln – falsch wäre das nicht. Sechs Punkte.

Anspieltipps: She‘s My Best Friend, A Gift, Downtown Dirt