Mittwoch, 31. Dezember 2014

Eloy – Planets




Eloy – Planets


Besetzung:

Frank Bornemann – lead vocals, guitars
Klaus Peter Matziol – bass guitar, vocals
Hannes Arkona – guitars, keyboards
Hannes Folberth – keyboards
Jim McGillivray – drums, percussion


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Introduction (1:58)
2. On The Verge Of Darkening Lights (5:38)
3. Point Of No Return (5:43)
4. Mysterious Monolith (7:42)
5. Queen Of The Night (5:22)
6. At The Gates Of Dawn (4:17)
7. Sphinx (6:45)
8. Carried By Cosmic Winds (4:42)


Bonus Track der remasterten Fassung:

9. On The Verge Of Darkening Lights (Live 1983) (4:10)

Gesamtspieldauer: 46:21




Im Grunde genommen müsste man als Progressive Rock-Fan Eloy ein Denkmal bauen. Da geht dieses Genre Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre völlig vor die Hunde, soll heißen, ist nicht mehr existent, da veröffentlichen Eloy 1981 solch eine Scheibe, die nahtlos an ihre früheren Werke Mitte der 70er Jahre anknüpfen kann. „Planets“ ist das neunte Studioalbum von Eloy und bildet mit der Nachfolger-Platte „Time To Turn“ so ein Art Doppel-Konzept-Album. Die auf „Planets“ begonnene Geschichte wird auf „Time To Turn“ zu Ende geführt. Hierbei geht es um den Planeten "Salta", der sich im Zeitalter des Chaos befindet. Der Held der Geschichte, „Ion", versucht sich gegen den Untergang seiner Welt zu stellen, um die Gesellschaft vor weiterem Unheil zu schützen. So versucht er alte, aber derzeit auf "Salta" in Vergessenheit geratene Tugenden und Werte wieder aufleben zu lassen, um seinen Planeten zu retten.

Nun ja, Fantasy ist natürlich nicht jedermanns Sache. Worüber sich der Prog-Freund jedoch sicherlich nicht beschweren wird, das ist die Musik auf „Planets“. War der Vorgänger „Colours“ noch sehr viel rockiger und Gitarren-lastiger geraten, so stehen hier nun wieder ganz klar die Keyboards im Vordergrund. Dass die Band um Frank Bornemann schon immer ein Gespür für die eingängige Melodie besaß, dies können sie hier einmal mehr unter Beweis stellen. Alles wirkt und klingt, geht schnell ins Ohr und stellt – wie so häufig bei Eloy – den symphonischen Arm des Progressive Rock in den Vordergrund.

Irgendwie opulent wirkt das Ganze und für die damalige Zeit sicherlich nicht mehr zeitgemäß, aber genau das macht diese Scheibe zu etwas Besonderem. Wenn einem hier fette Synthesizer- und Keyboardklänge um die Ohren fliegen, dann wirkt das wahrlich oft bombastisch, jedoch in keinster Weise aufgesetzt. Die Musiker schwelgen in ihrem Sound, alles ist perfekt arrangiert, klingt voll und sehr überzeugend. Vielleicht zünden die Melodien nicht mehr ganz so stark und schnell wie in den 70ern, aber sie brennen immer noch ein Feuerwerk ab.

Weniger gelungen ist da schon die Zugabe, wobei man nicht genau weiß, warum so etwas als Bonus mitveröffentlicht wird. Die Live-Version von „On The Verge Of Darkening Lights” klingt tontechnisch sehr flach und warum man dann beim Übergang zum folgenden „Point Of No Return“ einfach ausblendet, das wird wohl für immer das Geheimnis irgendeines Managers der Plattenfirma bleiben, der mit solcher Art der Musik so überhaupt nichts anzufangen weiß.

Fazit: „Planets” macht Spaß. Das Album wirkt wie eine Reise in eine Traumwelt – nun und wenn man den Inhalt der transportierten Botschaften bedenkt, dann ist es das auch wohl. Wirklich toll abgemischt und arrangiert, wird man von einem fetten Sound eingehüllt, der zur damaligen Zeit wie Musik von einem anderen Stern geklungen haben muss. 1981 war immerhin auch der Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle. „Planets“ ist sicherlich nicht das beste Eloy-Album, jedoch ein gute und interessante Platte. Wer den Sound der Band in den 70ern liebte, der wird auch sehr viel Gefallen an „Planets“ finden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Queen Of The Night, At The Gates Of Dawn



Dienstag, 30. Dezember 2014

The Police – Synchronicity




The Police – Synchronicity


Besetzung:

Sting – bass guitar, keyboards, lead and backing vocals, oboe, drum machine on "Synchronicity I", saxophone on "O My God"
Andy Summers – electric guitar, backing vocals, keyboards, lead vocals on "Mother"
Stewart Copeland – drums, xylophone, miscellaneous percussion


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock


Trackliste:

1. Synchronicity I (3:23)
2. Walking In Your Footsteps (3:36)
3. O My God (4:02)
4. Mother (3:05)
5. Miss Gradenko (2:00)
6. Synchronicity II (5:00)
7. Every Breath You Take (4:13)
8. King Of Pain (4:59)
9. Wrapped Around Your Finger (5:13)
10. Tea In The Sahara (4:19)

Gesamtspieldauer: 44:32




„Synchronicity“ nannten The Police ihr fünftes Album aus dem Jahr 1983. Danach war dann erst mal Sendepause, denn vor allem Sting, der bei Police für die allermeisten Kompositionen zuständig war, wollte nun seine Solo-Karriere voranbringen. Hier auf „Synchronicity“ stammen erneut acht der zehn Lieder aus der Feder Stings. Die Nummer „Mother“ kommt von Andy Summers und Stuart Copeland zeichnet sich für „Miss Gradenko“ verantwortlich.

Nun, „Synchronicity“ ist das wohl poppigste Album von Police geworden, obwohl viele Käufer der Scheibe gerade mit der ehemaligen ersten Plattenseite nur sehr wenig anfangen konnten. Die reichte von „Synchronicity I“ bis „Synchronicity II“ und war vielen Leuten dann zu langweilig, zu punkig oder was weiß ich. Aber genau diese erste Seite macht auch viel von dem Flair der Platte aus. Knallt „Synchronicity I“ noch und streift sogar ein wenig die Punk-Wurzeln der Band, so lebt „Walking In Your Footsteps“ vom Rhythmus, kommt ziemlich ohne Melodie aus und ist fast schon ein wenig experimentell. Noch herauszuheben, auf dieser ehemaligen ersten Seite, ist das bereits erwähnte „Mother“. Eine witzige, treibende und wohl nicht ganz ernst gemeinte Nummer – aber irgendwie gut. Mit „Synchronicity II“ folgt schließlich eine tolle Rock-Nummer, die einfach Spaß macht. Für mich sogar der Höhepunkt der ganzen Platte. Eingängiger und treibender Rock, Musikfreund, was willst Du mehr?

Die ehemalige zweite Seite startet nun mit einem der bekanntesten Lieder von The Police: „Every Breath You Take”. Ein wahrlich tolles Lied, eine der entspanntesten Nummern, die ich kenne. Klar, absoluter Ohrwurm. Bei „King Of Pain” klingen Police dann noch mal so wie auf den vorherigen Alben. Unverwechselbarer Sound und ebenfalls sehr melodiös. Gleiches gilt für „Wrapped Around Your Finger“. Und jetzt ist es auch kein Wunder mehr, dass diese ehemalige zweite Seite des Albums bei den Fans besser ankam.

Fazit: Eine schöne und spannende Platte ist „Synchronicity” geworden. Entsetzen herrschte bei den Fans, als die Band nach der anschließenden Tournee verkündete, dass sie als Musiker erst mal eine Auszeit von Police nehmen wollten. Wirklich schade, denn auch „Synchronicity” lohnt sich und wer weiß, was da noch gekommen wäre. Zwar ist der Stil der Band deutlich kommerzieller geworden, jedoch sind die Musik und der Sound weiterhin unverwechselbar der von Police. Viele der Titel gehen schnell ins Ohr und auch die Füße wollen laufend mitwippen. Leider blieb es bei dieser fünften und letzten Platte, auch wenn die drei Musiker sich nochmals für eine Tournee in den Jahren 2007 und 2008 gemeinsam auf die Bühne stellten – danach jedoch die Band endgültig auflösten. Elf Punkte.

Anspieltipps: Synchronicity II, Every Breath You Take



Montag, 29. Dezember 2014

Queensrÿche – Empire




Queensrÿche – Empire


Besetzung:

Geoff Tate – vocals, keyboards
Chris DeGarmo – 6 and 12 strings electric and acoustic guitars, keyboards and backing vocals Michael Wilton – 6 and 12 strings electric and acoustic guitars
Eddie Jackson – bass guitars, backing vocals
Scott Rockenfield – drums, percussion


Gastmusiker:

Michael Kamen – orchestral arrangements, conductor
Randy Gane – message left on answering machine on "Empire"
Robert Bailey – keyboards, programming


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Hard Rock, ProgMetal


Trackliste:

1. Best I Can (5:34)
2. The Thin Line (5:42)
3. Jet City Woman (5:21)
4. Della Brown (7:04)
5. Another Rainy Night (Without You) (4:29)
6. Empire (5:24)
7. Resistance (4:50)
8. Silent Lucidity (5:47)
9. Hand On Heart (5:33)
10. One And Only (5:54)
11. Anybody Listening? (7:59)

Gesamtspieldauer: 63:23




Nach dem wahrlich begeisternden dritten Album „Operation: Mindcrime“, nahmen sich die fünf Musiker von Queensrÿche zwei Jahre Zeit, um dann ihr viertes Studioalbum, bei dem es sich zugleich um eine Doppel-LP handelte, zu veröffentlichen. Im August 1990 wurde „Empire“ veröffentlicht und stieg zum erfolgreichsten Album der Band auf. Auf „Empire“ befindet sich mit „Silent Lucidity“ auch die erfolgreichste Single-Auskopplung von Queensrÿche: Die Nummer kletterte bis auf Platz 9 der amerikanischen Billboard Hot 100 und heimste zudem eine Grammy-Nominierung als bester Rock-Song einer Band ein. „Empire“ selbst hat inzwischen in den USA dreifachen Platinstatus erreicht.

Überraschend ist dieser Erfolg zum Teil durchaus. Dies gilt sicherlich nicht für das Lied „Silent Lucidity“, welches wahrlich eine tolle Nummer darstellt. Genau so wünscht man sich ein Rockballade. Langsam und überaus melodiös und eingängig. Dazu eine kleine Steigerung, die durch den Einsatz der Streicher erzielt wird und fertig ist der Ohrwurm. Lohnt sich auf jeden Fall. In Bezug auf die restlichen Titel ist „Empire“ deutlich uneinheitlicher geraten als noch der Vorgänger „Operation: Mindcrime“. Der rote Faden will nicht so recht zum Vorschein kommen. Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass die Musik auf „Empire“ langweilig oder gar schlecht wäre. Nein, ganz bestimmt nicht, aber sie ist nicht mehr ganz so innovativ, wie noch der Vorgänger. Die einzelnen Titel sind gut, schaffen es jedoch nicht mehr ganz so zu zünden. Der Rock steht natürlich wieder im Vordergrund, auf irgendwelche „Gimmicks“ wurde weitestgehend verzichtet. Die einzelnen Nummern nehmen Fahrt auf und dann wir das auch so bis zum Ende des jeweiligen Titels durchgezogen.

Fazit: Jeder Musikhörer, der auf melodischen Rock steht, der immer wieder auch mal härter aus den Boxen quillt, dem wird diese Scheibe mit Sicherheit gefallen. Dazu findet sich mit „Silent Lucidity“ auch noch ein wirklich „großes“ Lied auf der Platte. Die Zutaten für ein bereicherndes Hörerlebnis sind also gegeben. Trotzdem war die Vorgängerscheibe noch ein wenig besser, da irgendwie überzeugender, noch eingängiger und spannender. Auf „Empire“ bewegt sich die Band doch allzu oft im Mainstream, davor klang das alles noch ein wenig innovativer. Aber im Mainstream wird das meiste Geld verdient, von daher sicherlich nicht überraschend, dass „Empire“ so erfolgreich wurde. Neun Punkte.

Anspieltipps: Best I Can, Empire, Silent Lucidity



Sonntag, 28. Dezember 2014

Udo Lindenberg – Votan Wahnwitz




Udo Lindenberg – Votan Wahnwitz


Besetzung:

Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug Bombastico
Thomas Kretschmer – Gitarra Forte
Helmut Franke – Gitarra Forte
Gottfried Böttger – Piano Forte
Steffi Stephan – Basso Fantastico
Keith Forsey – Schlagzeug Bombastico
Dieter Ahrendt – Schlagzeug Bombastico


Gastmusiker:

Elli Pyrelli – Coloratursopran
Inga Rumpf – Coloratursopran
Rale Oberpichler – Coloratursopran
Jean-Jaques Kravetz – ohne Instrumentenangabe
Peter Hesslein – ohne Instrumentenangabe
Rainer Rubnick – ohne Instrumentenangabe
Dieter Horns – ohne Instrumentenangabe
Ede Wolf – ohne Instrumentenangabe
Die Abhebe-Bläsercrew von Peter Herbolzheimer
Das Dixieland-Gebläse von Bruno’s Salon Band
Die Streicher des Kölner Gürzenich-Orchesters
Der Kinderchor Ur-Schrei unter der Leitung von Samuel Stimmbruch, Gerhard Gösebrecht und Albert Herbolzheimer


Label: Decca


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Der Dirigent (1:38)
2. Votan Wahnwitz (3:50)
3. Daniel's Zeitmaschine (4:32)
4. Da war So Viel Los (4:32)
5. Der Malocher (3:55)
6. Guten Tag, Herr Filmproduzent (2:21)
7. 0-Rhesus-Negativ (3:39)
8. Elli Pyrelli (3:53)
9. Alles Im Lot Auf Dem Riverboat (4:02)
10. Das Kann Man Ja Auch Mal So Sehen (4:32)
11. Jack (4:16)

Gesamtspieldauer: 41:14




Heute gilt es mal einen Musiker zu würdigen, der wie kaum ein Zweiter die Deutsche Rockmusik mitgeprägt hat: Udo Lindenberg. „Votan Wahnwitz“ ist das sechste Album des in Gronau, Westfalen geborenen Musikers und sicherlich eine seiner besten Platten. Dies gilt sowohl für die Musik, als auch für die Texte. Diese bewegen sich zwischen sehr witzig („0-Rhesus-Negativ“, „Guten Tag, Herr Filmproduzent“, „Alles Im Lot Auf Dem Riverboat“), nachdenklich machend („Da war So Viel Los“, „Der Malocher“) oder einfach nur traurig („Jack“).

Diese Abwechslung gilt ebenso für die Musik. Hier wird dem Hörer von klassischem Rock, über Funk, Big Band Sound und Pop auch eine ziemlich breite Palette geboten. Dazu gesellen sich wahrlich tolle Melodien, die manches Mal sehr berührend, ein anderes Mal eher mitreißend und treibend sind. Auf jeden Fall ist das alles zumeist überaus eingängig, mit einem gewissen Wiedererkennungswert versehen und oftmals auch mit Ohrwurmcharakter ausgestattet. Dazu kommt noch die etwas schnoddrige Sprache und der nuschelnde Gesang des Udo Lindenberg, und fertig ist eine Musik-Melange, die so absolut unverwechselbar Udo Lindenberg zugeordnet werden kann. Bezüglich der etwas nuschelnden Stimme ist noch anzumerken, dass dieses „Markenzeichen“ des Sängers hier noch nicht so ausgeprägt ist, wie es dies auf späteren Platten der Fall sein sollte.

Fazit: „Votan Wahnwitz“ ist ein großes Album des Deutschrock geworden. Auch befinden sich darauf einige Klassiker aus dem Songrepertoire des Udo Lindenberg. Dieser erzählt hier jede Menge Geschichten, mal zum Nachdenken, mal zum Schmunzeln. Die Inhalte werden mit toller Musik von sehr ruhig bis ordentlich rockend unterlegt. Dabei liegt es selbstverständlich in der Natur der Dinge, dass einem bei solch einer breiten Spannweite an musikalischen Stilen dies oder jenes besser gefällt, anderes dann wieder weniger. Geschmackssache eben. Und auch wenn es mir genauso geht, mich manche Titel absolut begeistern, bei anderen ich jedoch nicht ganz so den Zugang finde, so möchte ich doch keines dieser Lieder missen. Sie gehören zu „Votan Wahnwitz“, einem Gesamtkunstwerk. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Der Dirigent, Der Malocher, Elli Pyrelli, Jack



Samstag, 27. Dezember 2014

The Smiths – Meat Is Murder




The Smiths – Meat Is Murder


Besetzung:

Morrissey – vocals
Johnny Marr – guitars, piano
Andy Rourke – bass guitar
Mike Joyce – drums


Label: Rough Trade


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Headmaster Ritual (4:52)
2. Rusholme Ruffians (4:20)
3. I Want The One I Can't Have (3:14)
4. What She Said (2:42)
5. That Joke Isn't Funny Anymore (4:59)
6. How Soon Is Now? (6:46)
7. Nowhere Fast (2:37)
8. Well I Wonder (4:00)
9. Barbarism Begins At Home (6:57)
10. Meat Is Murder (6:06)

Gesamtspieldauer: 46:33




Wer beim Hören von „Meat Is Murder“, dem zweiten Studioalbum der Smiths, wunderschöne Melodien und eine dichte und ausufernde Instrumentierung erwarten würde, der dürfte beim Hören der Platte einigermaßen enttäuscht werden. Richtig eingängig ist das alles nicht, was die Smiths hier ihren Hörern darbieten. Aber natürlich sind wieder alle Zutaten vorhanden, die ein Smiths-Album auch ausmachen. Allen voran der etwas weinerliche Gesang des Morrissey, dazu das sehr lockere und leichte Gitarrenspiel des Johnny Marr. Das macht schon Spaß, ein wenig mehr Melodie hätte es allerdings durchaus sein können, denn so wirkt das Ganze mitunter ein wenig eintönig und auch langweilig.

Gar nicht langweilig ist jedoch der Text des Titelstücks, „Meat Is Murder“. Der ist überaus eindeutig und auch die Musik hebt sich wohltuend vom größten Teil der Platte ab. Diese Hymne aller Vegetarier fand natürlich nicht nur Zustimmung, da Morrissey seine Botschaft in diesem Lied auch relativ humorlos hinaussingt:


Heifer whines could be human cries
Closer comes the screaming knife
This beautiful creature must die
This beautiful creature must die
A death for no reason
And death for no reason is MURDER

And the flesh you so fancifully fry
Is not succulent, tasty or kind
It's death for no reason
And death for no reason is MURDER

And the calf that you carve with a smile
Is MURDER
And the turkey you festively slice
Is MURDER
Do you know how animals die ?

Kitchen aromas aren't very homely
It's not "comforting", cheery or kind
It's sizzling blood and the unholy stench
Of MURDER

It's not "natural", "normal" or kind
The flesh you so fancifully fry
The meat in your mouth
As you savour the flavour
Of MURDER

NO, NO, NO, IT'S MURDER
NO, NO, NO, IT'S MURDER
Oh...and who hears when animals cry ?
(Meat Is Murder lyrics © Universal Music Publishing Group, Warner/Chappell Music, Inc.)


Dazu gesellt sich noch eine redundante und etwas schräge Musik, die durchaus zu überzeugen weiß. Auch hört man immer wieder Tiergeräusche und eine Art Kreissäge, mit der wohl gerade Tiere zerlegt werden. Schon eindrucksvoll. Und noch ein Titel ist hier zu erwähnen: „How Soon Is Now?“ Diese Nummer gehört mit zu den bekanntesten Stücken der Smiths, da sie auch in einer Fernsehserie Verwendung fand. Dieses Lied hebt sich ebenfalls ein wenig vom Rest der Platte ab. Das liegt zum einen an dem Vorhandensein einer eingängigen Melodie und einem Synthesizer-Sound, der das ganze Lied eindrucksvoll unterlegt. Für manche mag das sicherlich nervend klingen, auf mich wirkt es sehr interessant und anders, spannend eben.

Fazit: „Meat Is Murder“ ist das einzige Album der Smiths, mit denen sie Platz 1 der Album-Charts in Großbritannien erreichen konnten. Erfolgreich war die Scheibe zweifelsohne und man bekommt hier auch sicherlich keine schlechte Musik geboten. Manches Mal ist es mir allerdings einfach zu langweilig, da zu monoton. Praktisch jeder Song hat denselben Aufbau, das Tempo wird nur unwesentlich variiert und Morrissey singt irgendwie auch immer absolut gleich. Andererseits gibt es auch sehr spannende Momente auf „Meat Is Murder“, sodass sich das Anhören sicherlich lohnt. Nicht zu oft, doch immer mal wieder. Neun Punkte.

Anspieltipps: How Soon Is Now?, Meet Is Murder



Freitag, 26. Dezember 2014

Iggy Pop – Lust For Life




Iggy Pop – Lust For Life


Besetzung:

Iggy Pop – vocals


Gastmusiker:

David Bowie – keyboards, piano, backing vocals
Carlos Alomar – guitar, backing vocals
Ricky Gardiner – guitar, backing vocals
Tony Sales – bass, backing vocals
Hunt Sales – drums, backing vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Rock


Trackliste:

1. Lust For Life (5:13)
2. Sixteen (2:26)
3. Some Weird Sin (3:42)
4. The Passenger (4:44)
5. Tonight (3:39)
6. Success (4:25)
7. Turn Blue (6:56)
8. Neighborhood Threat (3:25)
9. Fall In Love With Me (6:30)

Gesamtspieldauer: 41:53



„Lust For Life” heißt das zweite Album Iggy Pops, dem ehemaligen Sänger der „Stooges“, bei denen er noch als Iggy Stooge auftrat. Im Jahr 1977 war es sogar bereits seine zweite Veröffentlichung, denn lediglich fünf Monate zuvor hatte er sein Debut mit „The Idiot“ gegeben. Fest an der Seite des Iggy Pop war zu dieser Zeit David Bowie, der auch den größten Teil der Kompositionen zu diesem Album beisteuerte. An sieben der neun musikalischen Kompositionen war dieser alleine oder aber mitbeteiligt. Ein Titel, „Sixteen“, schrieb Iggy Pop selbst und das grandiose „The Passenger“ stammt von Ricky Gardner. Dies alles bezog sich jedoch lediglich auf den musikalischen Input, die Texte verfasste sämtlich Iggy Pop in Eigenregie.

Ein klein wenig wirkt es so, als ob David Bowie hier auf „Lust For Life“ seine rockige Seite auszuleben gedachte. In seiner eigenen Solokarriere experimentierte er gerade mit elektronischer Musik und veröffentlichte Alben wie „Station To Station“, „Low“ und „Heroes“, alle stark mit geprägt durch Brian Eno und sehr Synthesizer-lastig. Auf „Lust For Life“ wird dagegen deutlich mehr gerockt. Selbst so ein Lied wie „Tonight“, nach dem David Bowie 1984 sogar ein ganzes Album benennen wird und auf dem er dann bei diesem Titel im Duett mit Tina Turner zu hören ist, klingt hier eher rockig. Sieben Jahre später ist daraus dann eine Pop-Nummer geworden.

Einige schöne Titel gibt es auf „Lust For Life“ zu entdecken. Das gerade schon erwähnte, da von Iggy Pop komponierte „Sixteen“ rockt klasse und auch ein wenig schräg. „Neighborhood Threat” ist dagegen ein sehr eingängiger Song, ebenfalls im Rock angesiedelt. Solch ein Titel verfängt sich gerne mal im Langzeitgedächtnis des Hörers. Na und dann ist da auch noch das wohl bekannteste Stück des Iggy Pop überhaupt „The Passenger“. Ein so unglaublich simples Lied, mit solch einem unfassbaren Wiedererkennungswert. Wer mal in die Situation gerät, Platten auflegen zu müssen oder noch besser zu wollen und keine Idee hat, wie er die Tanzfläche voll bekommt, hier ist der Schlüssel zu sehr viel Spaß: „The Passenger“. Die Leute tanzen, die Tanzfläche ist voll – versprochen.

Fazit: Ein abwechslungsreiches und gutes Album ist „Lust For Life“ geworden. Einziger Ausfall für mich ist dabei die Nummer „Turn Blue“, was allerdings wohl an meiner persönlichen Schwierigkeit mit dem Genre Blues liegt. Alles andere ist auch für mich sehr angenehm zu hören, wobei sich mit „The Passenger“ sogar noch eine richtige Perle auf dem Album befindet. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sixteen, The Passenger, Neighborhood Threat



Donnerstag, 25. Dezember 2014

Procol Harum – Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra




Procol Harum – Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra


Besetzung:

Chris Copping – organ
Alan Cartwright – bass guitar
B.J. Wilson – drums
Dave Ball – guitar
Gary Brooker – piano and vocals
Keith Reid – lyrics


Gastmusiker:

The Edmonton Symphony Orchestra
The Da Camera Singers


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Art Rock, Progressive Rock, Symphonic Rock


Trackliste:

1. Conquistador (5:02)
2. Whaling Stories (7:41)
3. A Salty Dog (5:34)
4. All This And More (4:22)
5. In Held 'Twas In I (19:00)
a) Glimpses Of Nirvana
b) 'Twas Teatime At The Circus
c) In The Autumn Of My Madness
d) Look To Your Soul
e) Grand Finale

Gesamtspieldauer: 41:39




„Procol Harum Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ ist das erste Live-Album der britischen Band Procol Harum und ihre sechste Veröffentlichung überhaupt. Die Platte stellt verkaufstechnisch das erfolgreichste Album von Procol Harum dar – und dies völlig zu Recht. Wer auf symphonischen und eingängigen Rock steht, die oder der wird diese Platte lieben. Alles hierauf ist melodiös und harmonisch gestaltet. Es werden Geschichten erzählt, die kraftvoll und ausgereift und wohl überlegt klingen. Die Musik geht dabei sehr schnell ins Ohr und vermag dort auch über viele Jahre zu verbleiben. Ohrwurmcharakter also durchaus gegeben.

Ein Orchester passt sehr gut zur Musik von Procol Harum, obwohl ich zum Beispiel mit „verklassischten“ Rock-Stücken überhaupt nichts anzufangen weiß. Hier, auf „Procol Harum Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ bietet die Verbindung aus Rock-Instrumenten und all den Streichern und Bläsern des klassischen Orchesters jedoch eine nahezu perfekte Einheit. Jeder Titel wirkt geradezu so, als ob er extra dafür geschrieben worden wäre, in genau dieser Kombination aufgenommen und dargeboten zu werden. Dazu gesellt sich auch noch der sehr überzeugende Einsatz des Chores, der das Ergebnis noch ein wenig voller und runder glänzen lässt.

Einzelne Titel hier herauszuheben ist fast nicht möglich, da die Platte über überhaupt keine Ausfälle verfügt. Egal, ob man das unglaublich eingängige „Conquistador“, den Ohrwurm „A Salty Dog“ oder das epische, wie eine kleine Reise anmutende „In Held 'Twas In I” hört, überzeugen kann das alles. 

Fazit: Im Grunde genommen habe ich die Zusammenfassung bereits oben geschrieben: Wer auf symphonischen und eingängigen Rock steht, die oder der wird diese Platte lieben. Der Live-Charakter des Albums kommt zwar nur am Beginn und am Ende der jeweiligen Songs zum Tragen, dafür sich die Musik jedoch perfekt abgemischt und klingt, wie im Studio aufgenommen. Sehr hörenswert. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Conquistador, In Held 'Twas In I



Mittwoch, 24. Dezember 2014

David Bowie – Stage




David Bowie – Stage


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Carlos Alomar – rhythm guitar, backing vocals
George Murray – bass, backing vocals
Dennis Davis – drums, percussion
Adrian Belew – lead guitar, backing vocals
Simon House – violin
Sean Mayes – piano, string ensemble, backing vocals
Roger Powell – synthesizer, keyboards, backing vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Art Rock, Experimental Rock, Elektronische Musik


Trackliste:

LP 1, Seite 1:

1. Hang On To Yourself (3:26)
2. Ziggy Stardust (3:32)
3. Five Years (3:58)
4. Soul Love (2:55)
5. Star (2:31)

LP 1, Seite 2:

1. Station To Station (8:55)
2. Fame (4:06)
3. TVC 15 (4:37)

LP 2, Seite 1:

1. Warszawa (6:50)
2. Speed Of Life (2:44)
3. Art Decade (3:10)
4. Sense Of Doubt (3:13)
5. Breaking Glass ()

LP 2, Seite 1:

1. Heroes (6:19)
2. What In The World (4:24)
3. Blackout (4:01)
4. Beauty And The Beast (5:08)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Stage“ ist das zweite Live-Album von David Bowie. Es erschien im Jahr 1978 und ist somit auch geprägt von der Musik, mit der David Bowie gerade Ende der 70er Jahre sehr erfolgreich war: der elektronischen Musik. Die Platten „Station To Station“, „Low“ und „Heroes“, alle in den Jahren 1976 und 1977 veröffentlicht, stehen ganz klar im Fokus dieses Live-Albums.

Was bei „Stage“ ein wenig zu kurz kommt, das ist der Live-Charakter der ehemaligen Doppel-LP, die es inzwischen auch als Doppel-CD mit drei Bonus-Tracks und anderer Liedanordnung gibt. Klar hört man das Publikum, allerdings lediglich an den Enden der Lieder oder an deren Übergängen. Dieser Applaus wirkt dabei immer sehr ähnlich und hätte durchaus auch so hineingeschnitten werden können. Aber das ist sicherlich nicht passiert, wäre allerdings durchaus möglich gewesen. Die einzelnen Stücke bleiben auch sehr nahe am Original, viel herumexperimentiert wird da live auf der Bühne nicht. Nur ab und an gibt es ein paar Abweichungen vom Original.

Somit stellt „Stage“ irgendwie kein „richtiges“ Live-Album dar. Es ist sehr viel eher eine Art „Best Of…-Platte“ aus der damaligen Zeit des Engländers. Hörenswert ist das allerdings alles durchaus. Ich kannte diese Aufnahmen auch vor den Studioalben und gerade ein Lied ist hier dann irgendwie doch noch kraftvoller, als auf der Studioplatte: „Warszawa“. Wahrlich sehr eindringlich und düster klingt das hier, noch ein wenig mehr, als beim Original auf dem Album „Low“.

Fazit: Wer einen guten Überblick über das Schaffen des David Bowie Ende der 70er Jahre haben möchte, der ist mit „Stage“ bestens bedient. Das „Live-Gefühl“ lässt sich auf der Scheibe zwar nur am Rande ausmachen, allerdings gibt es hier wahrlich gute Musik zu hören. Oftmals zwar sehr technisch, was jedoch nichts über die Qualität der Songs aussagt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Warzawa



Dienstag, 23. Dezember 2014

King Crimson – Lizard




King Crimson – Lizard


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, synthesizer, organ, devices
Peter Sinfield – lyrics, VCS3
Mel Collins – saxophone, flute
Gordon Haskell – bass guitar, vocals
Andy McCulloch – drums


Gastmusiker:

Keith Tippett – acoustic and electric pianos
Robin Miller – oboe, cor anglais
Mark Charig – cornet
Nick Evans – trombone
Jon Anderson – vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Cirkus (including Entry Of The Chameleons) (6:27)
2. Indoor Games (5:37)
3. Happy Family (4:22)
4. Lady Of The Dancing Water (2:47)
5. Lizard (23:25)
a. Prince Rupert Awakes
b. Bolero - The Peacock's Tale
c. The Battle Of Glass Tears
I. Dawn Song
II. Last Skirmish
III. Prince Rupert's Lament
d. Big Top

Gesamtspieldauer: 42:30




Noch im selben Jahr wie „In The Wake Of Poseidon” wurde im Dezember 1970 auch das dritte King Crimson Album unter dem Titel „Lizard“ veröffentlicht. Und diese Platte ist ein würdiger Nachfolger der ersten beiden Alben. Auch hier gibt wieder wunderbare Melodien zu entdecken, denen es sich zu lauschen lohnt. Andererseits allerdings auch Abschnitte, die nicht mehr so ohne weiteres angehört werden können. Damit meine ich, dass der Musikhörer durchaus einen Zugang zur etwas „abgefahreneren“ Seite des Progressive Rock benötigt, ansonsten bleibt da wohl nur Kopfschütteln, Erstaunen oder gar die Flucht.

Für die liebliche und melodische Seite von King Crimson stehen auf „Lizard“ die Titel „Cirkus“, „Lady Of The Dancing Water“ und auch das Hauptstück des Albums, der Titeltrack „Lizard“, der ursprünglich die gesamte zweite Seite der Schallplatte einnahm. Allerdings stimmt dies auch nur zum Teil. Denn dieses Stück ist mit seiner über 23-minütigen Spieldauer so etwas wie eine Achterbahnfahrt aus melodischen und frickeligen und unfassbaren Abschnitten. Ein Meisterwerk des Progressive Rock, für Leute, die damit nicht ganz so viel anzufangen wissen, allerdings eher ein Tanz auf der Rasierklinge, bei dem man sich von einer nicht ganz so „scharfen“ Stelle auf die nächste rettet.

Dann gibt es da auch noch „Indoor Games“ und „Happy Family“. Zwei Titel, mit denen ich zunächst so gar nichts anzufangen wusste. Grauselig, zerstörerisch und irgendwie irre klang das für mich zunächst. Aber ich habe nicht aufgegeben, die Scheibe immer und immer wieder gehört und siehe da, auf einmal schien das alles irgendwie logisch zu sein, genau so klingen zu müssen und machte plötzlich Spaß. Gut, ich weiß, mit dieser Meinung steht man zunächst mal ganz alleine da, denn das ist wirklich keine „normale“ Musik. Anstrengend ist sie auch, gewiss und lohnend wird sie erst später, jedoch sicherlich nicht für jeden. Trotzdem lohnt es sich immer wieder, sich manches Mal Musik auch zu erarbeiten. Unter Umständen erhält man schließlich ein Geschenk.

Fazit: „Lizard” ist einfach ein cooles Album geworden. Eines jener Scheiben, die ganz viel Zeit benötigen, um endlich beim Hörer angekommen zu sein. Nicht durchgängig, denn die Nummern und Abschnitte, die bereits beim zweiten Hören einen Volltreffer landen, die gibt es auch auf „Lizard“. Nun, beim Rest kann es dann allerdings durchaus Jahre dauern, bis diese auch endlich durchstarten. Dann enthält die ganze Platte sehr bereichernde Musik. Mensch habe ich ein Glück, dass ich durchgehalten habe… Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Lizard



Montag, 22. Dezember 2014

Yes – Union




Yes – Union


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Steve Howe – guitar, backing vocals
Trevor Rabin – guitar, backing vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Tony Kaye – keyboards, backing vocals
Rick Wakeman – keyboards
Bill Bruford – drums
Alan White – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Jonathan Elias – synthesizer, keyboards, vocals
Tony Levin – bass guitar, chapman stick
Jimmy Haun – guitar
Billy Sherwood – bass, guitars, keyboards, vocals
Allan Schwartzberg – percussion
Gary Barlough – synthesizer
Jerry Bennett – synthesizer, percussion
Jim Crichton – synthesizer, keyboards
Gary Falcone – vocals
Deborah Anderson – vocals
Ian Lloyd – vocals
Tommy Funderburk – vocals
Sherman Foote – synthesizer
Brian Foraker – synthesizer
Chris Fosdick – synthesizer
Rory Kaplan – synthesizer
Alex Lasarenko – synthesizer, keyboards
Steve Porcaro – synthesizer
Michael Sherwood – vocals
Danny Vaughn – vocals


Label: Arista Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Progressive Rock, Rock, Pop


Trackliste:

1. I Would Have Waited Forever (6:33)
2. Shock To The System (5:09)
3. Masquerade (2:17)
4. Lift Me Up (6:30)
5. Without Hope You Cannot Start The Day (5:19)
6. Saving My Heart (4:42)
7. Miracle Of Life (7:30)
8. Silent Talking (4:01)
9. The More We Live - Let Go (4:54)
10. Angkor Wat (5:24)
11. Dangerous (Look In The Light Of What You're Searching For) (3:39)
12. Holding On (5:25)
13. Evensong (0:52)
14. Take The Water To The Mountain (3:12)
15. Give & Take (4:29)

Gesamtspieldauer: 1:09:56




„Union“ haben die Musiker von Yes ihr dreizehntes Album getauft, welches 1991 veröffentlicht wurde. Und man muss es so sagen, es ist eine etwas seltsame Scheibe geworden. Das liegt vor allen Dingen daran, dass hier acht Yes-Musiker Musik machen – allerdings irgendwie nicht zusammen. Dazu muss man wissen, dass Jon Anderson, Bill Bruford, Rick Wakeman und Steve Howe vorher unter dem Titel „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“ unterwegs waren, den Namen „Yes“ jedoch nicht benutzen durften, da Chris Squire die Rechte daran hielt. Ein „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“-Album hatte es 1989 bereits gegeben, da sollte nun die zweite Platte folgen. Jetzt trafen sich allerdings Jon Anderson und Chris Squire, der zusammen mit Trevor Rabin, Tony Kaye und Alan White weiterhin Yes am Leben erhielt. Die beiden spielten sich ihre neuen Songs vor und kamen sich wieder näher. So nahe sogar, dass man beschloss beide Bands wieder unter dem Namen „Yes“ zu firmieren. So und da waren nun also acht Musiker, die anscheinend parallel fünfzehn Lieder einspielten. Die eine Gruppe die „Yes-Lieder“, die andere die „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe-Stücke“. Irgendwie schien das jedoch noch nicht ganz zu reichen, denn Produzent Jonathan Elias und zahlreiche weitere Musiker legten noch zusätzliche Spuren darüber.

Nun zur Musik. Darin erkennt man durchaus noch die Band Yes – immer wieder mal. Leider ist auf „Union“ auch Mainstream-Pop vorhanden, der dann eher von Trevor Rabin, wie beim völlig missratenen „Saving My Heart”, stammt. Die Stücke, die Anderson, Bruford, Wakeman und Howe geschrieben haben, erinnern sehr wohl an ihr erstes Album unter diesem langen Namen und auch ein wenig mehr an Yes. „Masquerade“ ist zum Beispiel wieder solch eine kurze Gitarrensolo-Nummer von Steve Howe, die auf vielen Yes-Alben zu finden ist. „Without Hope You Cannot Start The Day” ist ebenfalls sehr gelungen und knüpft nahtlos an das erste „A, B, W & H” (um das jetzt mal abzukürzen) an. Dann wird mal mehr, mal weniger gerockt. Richtig überzeugend ist das alles jedoch irgendwie nicht mehr. „Angkor Wat” klingt zumindest noch ganz interessant, aber ob das ein Qualitätsmerkmal für einen Song darstellt, das sei mal so dahingestellt. Erwähnenswert ist schließlich noch „Lift Me Up“, auch ein Rabin-Stück. Das ist dann gut gemachte Pop-Musik. Mit Yes hat das nur noch wenig zu tun, jedoch war das bei den beiden vorherigen Alben auch schon so gewesen.

Fazit: Progressive Rock ist das jetzt nur noch am Rande, was die acht Musiker von Yes hier auf „Union“ präsentieren. Warum auf der Platte auch noch elf (!) Gastmusiker auftauchen, die ein Keyboard oder einen Synthesizer bedienen, erschließt sich wohl wirklich niemandem. Oftmals glaubt man zu spüren, dass hier zwei verschiedene Bands ein Album einspielen, das dann von Studiomusikern nochmals glattgebügelt wurde. Allerdings ganz schlecht ist das Gehörte auch nicht, immer wieder mal zwar schon, dafür jedoch auch an manchen Stellen durchaus hörenswert. Durchschnitt eben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Masquerade, Lift Me Up, Without Hope You Cannot Start The Day



Sonntag, 21. Dezember 2014

Klaus Nomi – Simple Man




Klaus Nomi – Simple Man


Besetzung:

Klaus Nomi – lead & background vocals


Gastmusiker:

Julie Berger – background vocals
Jon Corbet – background vocals
Robert Medici – background vocals
Man Parrish – synthesizer, keyboards
Kristian Hoffman – synthesizer, keyboards
Tommy Mandel – synthesizer, keyboards
Scott Woody – guitar
John Kay – bass guitar
Kevin Tooley – drums
Robert Medici – drums


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Oper


Trackliste:

1. From Beyond (2:51)
2. After The Fall (4:43)
3. Just One Look (3:19)
4. Falling In Love Again (2:39)
5. Icurok (4:24)
6. Rubberband Lazer (4:20)
7. Wayward Sisters (1:43)
8. Ding Dong (3:03)
9. Three Wishes (3:18)
10. Simple Man (4:17)
11. Death (4:18)
12. Return (2:07)

Gesamtspieldauer: 41:02




Noch besser gelungen als die erste Scheibe Klaus Nomis, ist dessen zweite Platte mit dem Titel „Simple Man“, die 1982, ein Jahr vor seinem frühen Tod veröffentlicht wurde. Erneut befindet sich auf der Scheibe eine Mixtur aus Pop-Musik mit Opernanleihen, der selbstverständlich wieder durch diese unfassbare Stimme des Klaus Nomi geprägt wird. Dieses Mal sind die einzelnen Stücke allerdings noch ein wenig eingängiger und melodiöser geraten, bleiben noch mehr im Ohr des Zuhörers hängen.

Mal klingt das ähnlich eines gregorianischen Chorals und sehr mystisch, wie beim Opener „From Beyond“, dann wiederum zelebriert Klaus Nomi gleich im nächsten Titel den Synthie Pop auf eine herrlich erfrischende Art und Weise. „After The Fall“ heißt dieser Titel und ist wahrlich sehr gelungenen, da so ganz anders, als alles andere auf dem Musikmarkt. „Rubberband Lazer“ klingt ein wenig nach Country- und Western-Musik. „Just One Look“ schrammt am Genre des Schlagers vorbei und solch Titel wie „Ding Dong” geht ganz klar in die Richtung Kinderlied. Aber es geht noch weiter, denn mit „Wayward Sisters“ oder auch „Death“ wird auch noch in den Gewässern der Oper gefischt. Unglaublich vielseitig ist dieses Album geworden, wobei der Stilmix keineswegs das Hörerlebnis einschränkt oder schmälert. Vielmehr ist man gespannt, was denn nun als nächstes folgen wird.

Fazit: Die Musik von Klaus Nomi ist und bleibt faszinierend, da sie einfach so andersartig ist. Einen, in dieser Lage singenden Mann, gibt es eben nicht allzu oft zu hören. Ich kann jeden verstehen, die oder der bei dieser Musik schlagartig den Raum verlässt, weil sie oder er so gar nichts damit anzufangen weiß. Ich empfinde das Ganze allerdings als so schräg, dass es einfach gehört werden muss. Eine gewisse Melodiösität und Eingängigkeit kann man den Titeln des Klaus Nomi sowieso nicht absprechen. Spannend und eben faszinierend. Elf Punkte.

Anspieltipps: After The Fall, Three Wishes, Simple Man



Samstag, 20. Dezember 2014

Änglagård – Viljans Öga




Änglagård – Viljans Öga


Besetzung:

Anna Holmgren – flute, saxophone
Jonas Engdegård – guitar
Thomas Johnson – keyboard, mellotron, hammond organ
Johan Brand – bass
Mattias Olsson – drums


Label: Änglagård Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ur Vilande (15:44)
2. Sorgmantel (12:07)
3. Snårdom (16:14)
4. Längtans Klocka (13:18)

Gesamtspielzeit: 57:30




Ganze achtzehn Jahre hat es also gedauert, bis die schwedische Progressive Rockband Änglagård ein neues Album herausbrachte. Selbstverständlich existierte die Band in den Jahren dazwischen nicht mehr und reformierte sich erst wieder etwa zwei Jahre vor der Veröffentlichung von „Viljans Öga“, dem dritten Studioalbum der Schweden. Es hatte einige Umbesetzungen gegeben und achtzehn Jahre sind natürlich eine sehr lange Zeit. Ob die Musik, dieser grandiosen Band der 90er Jahre immer noch so überzeugend sein konnte, wie auf den ersten beiden Studioalben? Nun, man legt die CD in den Spieler ein, dreht den Lautstärkeregler ordentlich auf und lauscht. Dann passiert es, man ist überrascht, denn man hört immer noch Änglagård-Musik wie vor achtzehn Jahren. Die Zeit scheint still gestanden zu sein. Allerdings ist „Viljans Öga“ keinesfalls Stillstand, „Viljans Öga“ ist ein weiteres Kapitel in der Diskographie der Schweden und erneut ein sehr gutes Kapitel. Ich möchte hier sogar noch einen Schritt weitergehen. Mit „Viljans Öga“ ist Änglagård das beste Comeback gelungen, welches jemals einer Musikerin, einem Musiker oder einer Band gelungen ist.

All das, was diese Art des Progressive Rock bisher ausgezeichnet hat, das wurde auch auf „Viljans Öga“ verwirklicht. Hier finden sich die wunderschönen melodiösen Passagen, genauso wie die frickeligen und fordernden Abschnitte. Vielleicht ist „Viljans Öga“ nicht immer ganz so eingängig, wie es noch „Epilog“ war, das schmälert allerdings nur wenig den Hörgenuss. Das dritte Studioalbum der Schweden ist genau solch eine musikalische Reise, wie es auch die beiden vorherigen Platten waren. Man wird eingefangen von lieblichen und harmonischen Tönen, hochgehoben in immer größere Höhen, plötzlich scheint sich alles im freien Fall zu befinden, jedoch wird man weich aufgefangen, erneut eingebettet in wunderschönen Harmonien.

Mal steht die Querflöte der Anna Holmgren im Vordergrund, dann ist es wieder das Keyboard, dann die Orgel, dann die Gitarre. Jedem Instrument wird seine Rolle zugewiesen, die die Musiker bestens auszufüllen verstehen. Alles wirkt, alles klingt und ist immer spannend. Überhaupt, wo kann man heutzutage noch ein Mellotron in der Musik hören? Da kommen dann unweigerlich Assoziationen zur Musik der 70er Jahre auf. Auch wenn die Musik von Änglagård durchaus aktuell klingt, so schwebt das Wort „retro“ doch immer ein wenig mit durch den Raum, wenn man „Viljans Öga“ einlegt. Nostalgie kann allerdings wahrlich jede Menge Spaß machen.

Fazit: „Viljans Öga“ ist wie „Epilog“ eine reine Instrumentalplatte. Wer dieses kennt und begeistert war, der wird ebenfalls von „Viljans Öga“ begeistert sein. Wer mit dem Vorgänger nichts anzufangen wusste, wird hier dieselben Schwierigkeiten haben. Änglagård zelebrieren auf „Viljans Öga“ Progressive Rock der Extraklasse. Musik, die es niemals im Radio zu hören gibt, Musik die wahrlich nicht immer einfach ist, Musik die unglaublich facetten- und abwechslungsreich ist. Musik zum Genießen eben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Ur Vilande



Freitag, 19. Dezember 2014

King Crimson – In The Wake Of Poseidon




King Crimson – In The Wake Of Poseidon


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, celesta, electric piano
Greg Lake – vocals
Peter Sinfield – words


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones, flute
Michael Giles – drums
Peter Giles – bass guitar
Gordon Haskell – vocals
Keith Tippett – piano


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Peace – A Beginning (0:51)
2. Pictures Of A City (7:57)
3. Cadence And Cascade (4:35)
4. In The Wake Of Poseidon (8:24)
5. Peace – A Theme (1:15)
6. Cat Food (4:52)
7. The Devil's Triangle (11:30)
I. Merday Morn (3:47)
II. Hand Of Sceiron (4:01)
III. Garden Of Worm (3:45)
8. Peace – An End (1:54)

Gesamtspieldauer: 41:02




Das zweite Album von King Crimson, „In The Wake Of Poseidon”, knüpft stark an dem Erstlingswerk „In The Court Of The Crimson King“ an. 1970 wurde es veröffentlicht und hält vor allem auf der ehemaligen zweiten Plattenseite durchaus Musik für den Hörer parat, die nicht mal so eben nebenbei gehört werden kann. Da wird es mit „Cat Food“ und vor allem mit „The Devil's Triangle” schon ziemlich abgefahren. Gerade letztgenannte Nummer, die sich aus drei Teilen zusammensetzt, verlangt irgendwie alles vom Hörer ab. Fängt das Lied noch sehr langsam und zurückhaltend an, so entwickelt es sich in den elfeinhalb Minuten seiner Dauer immer weiter, wirkt zerrissener, fast schon gefährlich, wenn man dieses Adjektiv überhaupt benutzen kann, um Musik zu um- und beschreiben. Aber doch, hier bei „The Devil’s Triangle“ wirkt die Musik „gefährlich“, da passt diese Umschreibung. Das Stück klingt in seinem weiteren Verlauf fast so, als ob der Leibhaftige gerade wirklich hinter der Ecke auf einen wartet, während die Musik in eine Kakophonie mündet.

Ganz anders nimmt sich dagegen das wirklich lieblich süße „Cadence And Cascade“ aus, welches in seiner Art so gar nicht zum Rest der Platte passen möchte. Sogar zuckersüß klingt die Band hier und setzt einen riesengroßen Kontrapunkt zur zweiten Seite der Platte. Am ehesten an die vorherige Scheibe fühlt man sich beim Titellied „In The Wake Of Poseidon“ erinnert. Die Nummer beginnt überaus melodiös, das Mellotron fabriziert weiche und warme Laute und der Titel wirkt wie eine perfekte Fortsetzung der ersten Platte. Schön gelungen sind übrigens auch die drei kurzen „Peace“-Stücke, die die Platte einrahmen und gleichzeitig auch deren Mitte darstellen. Bliebe noch Titel Nummer zwei der ersten Seite zu erwähnen. „Pictures Of A City” ist ebenfalls eher ein Lied, welches erarbeitet werden möchte. Zu Beginn noch etwas melodiös, wird es im weiteren Verlauf immer undurchdringlicher und schräger. Klasse hier auf jeden Fall das Saxophon des Mel Collins.

Fazit: „In The Wake Of Poseidon” ist etwas härter geworden und auch noch ein wenig experimenteller, als das Debut-Album von King Crimson. Immer wieder scheinen sich auf der Platte unüberwindbare Hindernisse aufzubauen, die sich dann jedoch wieder ganz schnell auflösen. Zwar kommen die „Wohlklänge“ auf „In The Wake Of Poseidon” auch nicht zu kurz, doch sie sind rarer gesät. Die Platte ist ein spannendes Beispiel dafür, was Progressive Rock so alles beinhaltet. Elf Punkte.

Anspieltipps: In The Wake Of Poseidon, The Devil's Triangle