Sonntag, 2. Dezember 2012

Wishbone Ash – Pilgrimage




Wishbone Ash – Pilgrimage


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass, vocals
Steve Upton – drums


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Vas Dis (4:46)
2. The Pilgrim (8:34)
3. Jail Bait (4:46)
4. Alone (2:24)
5. Lullaby (3:04)
6. Valediction (6:21)
7. Where Were You Tomorrow (Live) (10:26)


Bonus Track:

8. Jail Bait (Live) (4:55)

Gesamtspieldauer: 45:14



Einen wahren Stilmix präsentieren Wishbone Ash auf ihrem zweiten Album aus dem Jahr 1971. Folk Rock, Hard Rock, Jazz Rock, Boogie-Woogie-Anleihen und auch Progressive Rock gibt es auf der Platte „Pilgrimage“ zu hören. Jazzig beginnt die Scheibe mit „Vas Dis“, einer Adaption eines Stücks des Jazz-Organisten Jack McDuff. Etwas ungewöhnlich dabei ist wohl der Gesang, der aus jeder Menge „BabaDab’s“ besteht. Ansonsten ist das eine richtig klasse treibende Nummer, bei der sich Martin Turner am Bass die Finger blutig zu zupfen scheint.

Dann wird es mit „The Pilgrim“ schon sehr progressiv. Die Nummer beginnt äußerst sphärisch, eine weit entfernte Gitarre sorgt für „Sehnsucht“, alles wird nur leicht angedeutet, allerdings Mantra artig wiederholt. Richtig schöne Musik zum Träumen. Doch das bleibt nicht so. Ab etwa 2:40 mischen sich ganz neue Töne unter diese so entspannte Stimmung. Und was jetzt kommt erinnert mitunter so stark an „Discipline“ von King Crimson, dass man glaubt ein Déjà Vu zu hören. Ich kannte zuerst die Platte von King Crimson, aber „Pilgrimage“ ist zehn Jahre zuvor entstanden. Ein wahrlich überzeugender Titel, vor allen Dingen für Prog-Fans – auch wenn hier ebenfalls dieser sinnfreie, aber lautmalerische Gesang mit zu hören ist.

„Jail Bait“ ist im Anschluss daran wieder ein Lied, für welches Wishbone Ash eher steht: Geradliniger, angebluester Rock. Deutlich interessanter werden da schon wieder die folgenden Titel. „Alone“ ist eine schöne und schwerelose Gitarreninstrumentalnummer, bei der der doppelte Lead-Gitarren-Einsatz wunderbar zur Geltung kommt. Bei „Lullaby“ werden die zwei Gitarren dann miteinander verwoben, gehen ineinander über und trennen sich wieder. Wunderschön atmosphärisch wurde der Titel des Liedes richtig gewählt.

„Valediction“ schließlich bewegt sich dann auf den Spuren Crosby, Stills und Nashs. Harmonischer mehrstimmiger Gesang, eine schöne Melodie und fertig ist sie, die sehr getragene Ballade, die eingängig und folkig klingt. Fast schon ein wenig zu süß. Das ursprünglich letzte Lied des Albums ist überraschenderweise ein Live-Titel. Das Publikum jubelt und in Boogie-Woogie-Manier wird hier gegroovt. Zehneinhalb Minuten dauert das Stück und ist wieder eine ganz andere, eine weitere Facette auf „Pilgrimage“. Eine, auf die ich zugegebenermaßen am leichtesten hätte verzichten können. Klar, da rockt es und da groovt es, aber so richtig packen kann mich das Ganze einfach nicht.

Ein Bonus-Track wurde der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. Dabei handelt es sich um eine Live-Version des anderen „Rockers“ der Platte „Jail Bait“. Und diese Version klingt fast noch dynamischer als die Studioveröffentlichung.

Fazit: „Pilgrimage“ ist ein gutes Album geworden. Sicherlich kann nicht jeder etwas mit diesem Stilmix anfangen. Aber alleine der Titel „The Pilgrim“ lohnt den Kauf des Albums, zumindest wenn man auch die Musik King Crimsons mag. Zusätzlich gibt es weitere interessante Lieder auf der Platte zu entdecken. Wirklich gut gemachte Musik, da spielt das Ende der Platte dann gar nicht mehr die große Rolle. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vas Dis, The Pilgrim, Alone, Lullaby, Valediction