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Donnerstag, 15. Dezember 2016

Emerson, Lake & Palmer – In Concert




Emerson, Lake & Palmer – In Concert


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards, mixing
Greg Lake – vocals, bass, guitars
Carl Palmer – drums, percussion


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Introductory Fanfare (0:53)
2. Peter Gunn (3:37)
3. Tiger In A Spotlight (4:06)
4. C'est La Vie (4:12)
5. The Enemy God Dances With The Black Spirits (2:49)
6. Knife-Edge (5:14)
7. Piano Concerto No. 1, Third Movement: Toccata Con Fuoco (6:35)
8. Pictures At An Exhibition (15:43)

Gesamtspieldauer: 43:12




„In Concert“ ist ein Live-Album von Emerson, Lake & Palmer, welches am 26. August 1977 im Olympic Stadium, Montreal, Kanada aufgenommen worden war. Das Stadion ist auch auf dem Cover der Platte abgebildet. Erst im November 1979 erschien das Album letztendlich auf dem Label Atlantic Records, nachdem die Band inzwischen noch das grauenvolle Studio-Album „Love Beach“ veröffentlicht hatte und sich danach auflöste. Einige der Titel stammen gar nicht von diesem Montreal Konzert, auch wenn dies deutlich auf dem Plattencover auf der Rückseite so vermerkt ist. „Peter Gunn“ und „Tiger In A Spotlight“ wurden jedoch von Aufnahmen anderer Konzerte während der 1977 - 1978 Tour entnommen.

Überzeugend ist das alles auch nicht mehr besonders, was Emerson, Lake & Palmer hier ihren Hörerinnen und Hörern zu bieten haben. Der Sound der Aufnahmen ist nicht der Beste und dann gibt es neben Auszügen aus Liedern noch eine ganze Menge poppige Qual zu hören, die ihren Höhepunkt in dem unsäglichen Stück „Tiger In A Spotlight“ findet. Dabei fängt die Platte mit „Introductory Fanfare“ und der Henry Mancini Nummer „Peter Gunn“ eigentlich druckvoll und überzeugend an. Auch „C'est La Vie“ ist natürlich ein Lied, was sofort ins Ohr geht, eine wirklich schöne, wenn auch knapp am Kitsch vorbeischrammende Ballade.

Es ist dann dieser Rest, neben dem bereits erwähnten Sound, der „In Concert“ wohl nur noch für den Emerson, Lake & Palmer Fan zu einem lohnenswerten Kauf werden lässt. Diese zum Teil lediglich musikalischen Fragmente der Lieder zerstören ein wenig deren Atmosphäre. Und auch wenn das Orchester unter der Leitung von Godfrey Salmon mitunter die klangliche Fülle noch zu verstärken weiß, so bleibt doch am Ende ein recht unstimmiges Gefühl beim Hören von „In Concert“.

Fazit: Aus einem zweistündigen Konzert wurden hier eine knappe dreiviertel Stunde veröffentlicht. Dabei stammt noch nicht mal die ganze Musik von diesem einen Konzert. Irgendwie wirkt das Ganze ein wenig lieblos zusammengestellt und da sich Emerson, Lake & Palmer zum Veröffentlichungstermin auch bereits aufgelöst hatten, liegt es irgendwie nahe, die ganze Scheibe eher unter der Rubrik „Marketingmaßnahme des Plattenlabels“ einzuordnen. Die Musik der Band weiß an manchen Stellen, jedoch nicht überall, schon noch zu überzeugen. Jedoch ist auch der Sound der Aufnahmen nicht der allerbeste, sodass „In Concert“ eher etwas für den eingefleischten Fan oder Komplettisten ist, als für die oder denjenigen, die oder der mal in den Klangkosmos dieser Band eintauchen möchte. Sechs Punkte.

Anspieltipps: C'est La Vie, Pictures At An Exhibition



Donnerstag, 18. August 2016

Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 2




Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 2


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards, piano, organ, synthesizers, accordion
Greg Lake – vocals, guitars, bass guitar
Carl Palmer – drums, percussion


Gastmusiker:

Ron Aspery – saxophone on "Bullfrog"
Colin Hodgkinson – bass guitar on "Bullfrog"


Label: Victory Music


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Symphonic Rock


Trackliste:

1. Tiger In A Spotlight (4:35)
2. When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I'll Be Your Valentine (3:58)
3. Bullfrog (3:52)
4. Brain Salad Surgery (3:09)
5. Barrelhouse Shake-Down (3:52)
6. Watching Over You (3:57)
7. So Far To Fall (4:57)
8. Maple Leaf Rag (2:02)
9. I Believe In Father Christmas (3:20)
10. Close But Not Touching (3:21)
11. Honky Tonk Train Blues (3:11)
12. Show Me The Way To Go Home (3:30)

Gesamtspieldauer: 43:50




„Works Volume 2“ ist das sechste Studio-Album von Emerson, Lake and Palmer und wurde im November 1977, knappe acht Monate nach „Works Volume 1“, veröffentlicht. Im Gegensatz zu „Works Volume 1“ besteht die Platte hauptsächlich allerdings nicht aus neuem Material, sondern enthält Stücke, die bereits geschrieben waren, es jedoch nicht auf eines der früheren Alben der Band geschafft haben. Damit lässt sich auch ganz gut erklären, warum man hier eine etwas krude Mischung aus Rock, Pop, Boogie Woogie, Big Band, experimenteller Musik und Jazz zu hören bekommt.

Für „Works Volume 2“ benötigt man wahrlich Nerven, denn diese Platte bietet so gar nichts mehr, was sie zu einer lohnenswerten Angelegenheit werden ließe. Mit Progressive Rock hat das schon mal gar nichts mehr zu tun und dieser Boogie-Woogie-Big-Band-Sound geht einem  bereits nach kurzer Zeit so dermaßen auf den Senkel, dass an gar nicht umhin kommt, die entsprechenden Lieder, die auf der Platte leider nicht rar gesät sind, mit der Fernbedienung beziehungsweise durch Weiterführen des Tonabnehmers zu überspringen. Wahrlich schlimme Musik.

Hier ein paar Anmerkungen zu einzelnen Liedern. „Watching Over You“ ist eine ruhige und typische Greg Lake Ballade, etwas sehr süßlich geraten, trotzdem noch mit einer der Höhepunkte der Scheibe. Witzig ist dagegen das kurze „Maple Leaf Rag“, was allerdings natürlich nicht von Emerson, Lake & Palmer, sondern ursprünglich von Scott Joplin stammt, bereits 1899 geschrieben wurde und für diese Platte hier neu von Keith Emerson arrangiert wurde. „I Believe In Father Christmas“ ist ein schöner Weihnachtstitel, ebenfalls etwas süßlich, aber so muss die Musik von Greg Lake wohl klingen – trotzdem gelungen. „Close But Not Touching“ klingt dagegen wie die Filmmusik einer sehr spannenden Szene eines Gangsterfilms, die zum Schluss für den Held des Films gut ausgeht. Es folgen schließlich noch eine unfassbar schlechte Boogie Woogie Nummer mit Namen „Honky Tonk Train Blues“ sowie eine Art Bar Jazz Stück, „Show Me The Way To Go Home“, die ebenfalls absolut nicht lustig ist.

Fazit: Nun, es ist zum einen diese krude Zusammenstellung der Titel, die „Works Volume 2“ zu einer sehr anstrengenden Angelegenheit werden lässt. Zum anderen ist es die fehlende Qualität der Songs, die „Works Volume 2“ dann sogar zu einem meist belanglosen und schließlich auch schlechten Album werden lässt. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten mit der Musik von Emerson, Lake & Palmer, die manchmal so unfassbar genial klingt, dann wieder unglaublich schlecht. Auf „Works Volume 2“ findet sich kaum etwas Hörenswertes. Lohnt sich nur, wenn man alles von „seiner“ Band besitzen möchte. Vier Punkte.

Anspieltipps: Maple Leaf Rag, I Believe In Father Christmas



Mittwoch, 27. Januar 2016

Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 1




Emerson, Lake & Palmer – Works Volume 1


Besetzung:

Keith Emerson – keyboards, piano
Greg Lake – vocals, bass, guitar
Carl Palmer – drums, percussion


Gastmusiker:

Orchestra de L'Opera de Paris – orchestra
Godfrey Salmon – conductor
London Philharmonic Orchestra – orchestra
John Mayer – conductor
Joe Walsh – guitar, scat vocals


Label: Palm Beach International Recordings Ltd.


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

Platte 1, Seite 1 (Keith Emerson):

1. Piano Concerto No. 1 (18:27)
     I. First Movement: Allegro Giojoso
     II. Second Movement: Andante Molto Cantabile
     III. Third Movement: Toccata Con Fuoco


Platte 1, Seite 2 (Greg Lake):

1. Lend Your Love To Me Tonight (4:01)
2. C'est La Vie (4:16)
3. Hallowed Be Thy Name (4:35)
4. Nobody Loves You Like I Do (3:56)
5. Closer To Believing (5:33)


Platte 2, Seite 1 (Carl Palmer):

1. The Enemy God Dances With The Black Spirits (3:20)
2. L.A. Nights (5:42)
3. New Orleans (2:45)
4. Two Part Invention In D Minor (1:54)
5. Food For Your Soul (3:57)
6. Tank (5:08)

Platte 2, Seite 2 (Emerson, Lake & Palmer):

1. Fanfare For The Common Man (9:40)
2. Pirates (13:18)

Gesamtspieldauer Platte / CD 1 (40:48) und Platte /CD 2 (45:35): 1:26:23




Die Idee, die hinter der Doppel-LP beziehungsweise Doppel-CD „Works“ steckt ist die, dass jeder der drei Musiker von Emerson, Lake und Palmer eine eigene Seite bekommen sollte, die er unabhängig von den jeweils anderen beiden Musikern füllen konnte. Die zweite Seite auf Platte 2 war dagegen als Gemeinschaftsprojekt vorgesehen und sollte den krönenden Abschluss dieses fünften (oder sechsten, je nachdem wie man „Pictures At An Exhibition“ bewertet) Studioalbums der Band darstellen.

Das alles verbindende Element auf „Works“, welches erst im Nachhinein „Works, Volume 1“ genannt wurde, ist das Orchester, welchem sowohl in den Solo-Projekten, wie in den beiden Band-Titeln der letzten Plattenseite, eine besondere Rolle zukommt. Nicht weiter verwunderlich ist dies bei Keith Emersons „Piano Concerto No. 1“. Hier versucht der Pianist ganz klar seinen Vorbildern in der Klassik nachzueifern. Dieses über achtzehnminütige Werk klingt dabei auch durchaus interessant und spannend, hat allerdings mit Rockmusik natürlich überhaupt nichts mehr zu tun. Das ist kein Progressive Rock, das ist moderne klassische Musik, die sich allerdings ganz deutlich an die alten Meister anlehnt. Wer also klassischer Musik etwas abgewinnen kann, die oder der wird auch von Keith Emersons „Piano Concerto No. 1“ nicht enttäuscht werden, obwohl man hier natürlich keinen zweiten Peter Tschaikowski oder Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow hört.

Es folgt die Seite des Greg Lake, der sich beim Komponieren Unterstützung von Peter Sinfield holte. Wie nicht anders zu erwarten ist diese Seite des Albums angefüllt mit sehr weichen, manchmal auch überaus kitschigen Pop Songs. Zum Teil sind diese sogar sehr eingängig, wie das wirklich melodiöse „C'est La Vie“, welches allerdings auch auf dem schmalen Grat zwischen süßlich und harmonisch mal in diese, mal in jene Richtung taumelt. Trotzdem kann man diesen Titel noch gut anhören, was man von solch einer Nummer wie „Nobody Loves You Like I Do“ beileibe nicht mehr behaupten kann. Allein der Lied-Titel sagt hier schon einiges über die Qualität des Stücks aus. Furchtbar.

Die Seite des Carl Palmer gestaltet sich dann als jene, die dem progressiven Rock am meisten huldigt. Palmer bedient sich zwar bei zwei Titeln auch den Werken zweier Komponisten, nämlich Sergei Prokofiev und Johann Sebastian Bach, adaptiert und arrangiert deren Musik allerdings neu. Schließlich gibt es noch vier weitere, treibende Kompositionen zu hören, von denen drei aus eigener Feder stammen, eine in Zusammenarbeit mit Keith Emerson entstand. Das sind dann wahrlich Progressive Rock-Musik Stücke, nicht sehr eingängig, dafür ausgestattet mit jeder Menge krummer Takte und schräger Töne – gerade so, wie es für die ganze Band Emerson, Lake & Palmer häufig so typisch ist.

Bleibt noch die Seite 2 der Platte 2. Hierauf befinden sich nun die Band-Kompositionen an denen alle drei Musiker beteiligt waren. Bei dem knapp zehnminütigen „Fanfare For The Common Man“ handelt es sich um die Adaption des gleichnamigen Aaron Copeland Stücks. Treibend, mit zahlreichen, recht synthetisch klingenden Fanfarensounds ausgestattet, an denen sich Keith Emerson so richtig ausleben kann. Bliebe noch „Pirates“, für mich neben Emersons „Piano Concerto No. 1“ das beste Stück der Platte. Wieder wird dem Orchester eine sehr große Rolle zugedacht. Das Lied klingt mitunter bombastisch, dann wieder nach klassischer Musik und schließlich auch nach Rock Musik. Die verschiedenen Abschnitte gehen gut durchdacht und sehr fließend ineinander über, was die Nummer sehr abwechslungsreich werden lässt. Die harmonischen Abschnitte gibt es dabei in den orchestralen Teilen zu erlauschen, während die Rock-Abschnitte treibend sind und längst nicht mehr so melodisch klingen.

Fazit: Alle drei Musiker konnten sich auf „Works, Volume 1“ bestens präsentieren. Für das Jahr 1977, in dem progressive Rock-Musik dem Untergang geweiht war, da den meisten Bands nichts mehr einfiel und der allgemeine Musikgeschmack sich mehr in Richtung einfacherer Songs orientierte, welchen die aufkommende Punk-Welle auch bestens bedienen konnte, war diese Platte durchaus eine gewagte Scheibe. Es ist sicherlich nicht die beste Platte von Emerson, Lake & Palmer. Zum Teil wurde sie sogar von den Kritikern zerrissen. So schlecht finde ich das Ganze allerdings auch nicht und ich kenne dabei kein anderes Album, auf welchem ein größeres musikalisches Spektrum abgebildet wurde, als auf „Works“ von Emerson, Lake & Palmer. Die Platte klingt immer wieder überzeugend, manchmal bleibt dort allerdings auch nur ein Kopfschütteln zurück. Aber interessant, das bleibt die Scheibe meistens. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Piano Concerto No. 1, C'est La Vie, Pirates



Mittwoch, 23. September 2015

Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery




Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery


Besetzung:

Keith Emerson – hammond organs, piano, harpsichord, accordion, moog modular IIIc synthesizer, moog minimoog synthesizer, moog constellation polyphonic ensemble, ring-modulated "computer" voice on "Karn Evil 9: 3rd Impression"
Greg Lake – vocals, acoustic, electric, and twelve-string guitars, bass guitar, production
Carl Palmer – drums, percussion, gongs, timpani, tubular bells, percussion synthesizers


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Jerusalem (2:45)
2. Toccata (7:22)
3. Still... You Turn Me On (2:53)
4. Benny The Bouncer (2:21)
5. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 1 (8:37)
6. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 2 (4:45)
7. Karn Evil 9: 2nd Impression (7:07)
8. Karn Evil 9: 3rd Impression (9:07)


Bonus Tracks der remasterten Albumveröffentlichung:

9. Brain Salad Surgery (3:08)
10. When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I'll Be Your Valentine (3:57)
11. Excerpts From Brain Salad Surgery (2:51)

Gesamtspieldauer: 54:57




„Brain Salad Surgery“ heißt das fünfte Album von Emerson, Lake and Palmer, rechnet man „Pictures At An Exhibition“ jetzt mal mit ein. Im Jahre 1973 wurde die Platte veröffentlicht und gilt bei vielen Fans als die Beste, welche Emerson, Lake & Palmer jemals veröffentlicht haben. Ob das so ist, mag jeder für sich selbst entscheiden, auf jeden Fall ist die Platte eine der sperrigsten und zumindest beim ersten Hören auch unzugänglichsten von Emerson, Lake & Palmer.

Dabei fängt die Scheibe noch recht unspektakulär und irgendwie typisch Emerson, Lake & Palmer an. Der Titel „Jerusalem“, ursprünglich von William Blake und Hubert Parry geschrieben und von den drei Musikern der Band adaptiert, beinhaltet diesen typischen Fanfaren-Sound des Keith Emerson, zu dem Greg Lake fast schon ein wenig pathetisch singt. Durchaus überzeugend umgesetzt, wobei der Titel selbst nicht so ganz überzeugen kann. Es folgt mal wieder eine Klassikadaption. „Toccata“ von Alberto Ginastera wurde von Keith Emerson überarbeitet und weist lediglich noch in den Grundzügen Ähnlichkeit zum Original auf. Ein praktisch völlig neues Lied ist entstanden, aggressiv und fordernd, wie so oft im progressiven Rock der Band. Das klingt auch alles sehr überzeugend, einschließlich des Schlagzeug Abschnitts des Carl Palmers in der Mitte des Stücks. Bis, ja bis irgendwelches „Computergebimmel“ startet und man glaubt in eine Spielhölle versetzt worden zu sein, in der gerade alle Spielautomaten dabei sind völlig auszuticken.

Was nun folgt, ist Harmonie pur. „Still... You Turn Me On“. In der Tradition eines Titels wie „Lucky Man“ vom Debut-Album, breiten sich nun wieder wunderschöne Melodien vor dem Ohr der Hörerin, des Hörers aus. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht. Leider wird die Tradition, bestimmte Liedarten auf einer Platte unterzubringen auch mit dem obligatorischen Music-Hall-Titel fortgeführt. „Benny The Bouncer“ ist so etwas von unfassbar schlecht und hat nun so gar nichts mit dem Rest dieser Platte zu tun, dass man sich fragt, ob diese Nummer wirklich von dieser Band stammt. Und wenn man sich dessen sicher wurde fragt man sich: „Hm, ist das jetzt das schlechteste Lied von Emerson, Lake & Palmer oder doch eher… Der Gesang, die Musik, alles grauenvoll!

Es folgt das fast dreißigminütige, in vier Abschnitte unterteilte Hauptstück des Albums: „Karn Evil 9“. Diese Nummer ist eine Achterbahnfahrt durch die Genres Progressive Rock und zum Teil auch Jazz. Überaus abwechslungsreich, zumeist aggressiv und auch nach vorne preschend. Manchmal allerdings auch, jedoch nur selten wirklich melodisch. Hierfür muss man sich auf jeden Fall die nötige Zeit nehmen, „Karn Evil 9“ darf und kann man überhaupt nicht nebenbei hören. Die Nummer ist wahrlich spannend und aufregend und wohl überhaupt nur Freunde des Progressive Rock, wie die des Jazz werden damit etwas anzufangen wissen. Eine der überzeugendsten Lieder von Emerson, Lake & Palmer.

Als Bonus der remasterten Ausgabe des Albums gibt es noch drei Zugaben. Muss man eigentlich nicht groß darüber schreiben. Diese drei kurzen Titel lohnen sich wohl noch nicht mal für Fans, außer man will wirklich alles seiner Band besitzen. Zugabe Nummer 3 ist dabei sowieso ein „Anspielen“ der Titel des Albums – in ungeordneter Reihenfolge und echt verzichtbar.

Fazit: Es ist wahrlich keine einfache Kost, die Emerson, Lake & Palmer hier der Musikwelt präsentieren. Sperriger, nicht unbedingt schnell – wenn überhaupt – ins Ohr gehender Progressive Rock. Anders sieht das schon bei Fans der Band aus, die dieses Album mit zum Besten zählen, was die Band jemals veröffentlichte. Nun es gibt darauf echt einen Titel, der fast nicht auszuhalten ist. „Benny The Bouncer“ ist ein abgrundtief schlechtes Lied. Aber es gibt auch sehr schöne und sehr spannende Momente auf dieser Scheibe. Das ist kein Prog von Genesis oder Yes aus derselben Zeit. Das ist Progressive Rock von Emerson, Lake & Palmer. Den liebt man oder den mag man nicht so. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Still... You Turn Me On, Karn Evil 9



Donnerstag, 4. Juni 2015

Emerson, Lake & Palmer – Trilogy




Emerson, Lake & Palmer – Trilogy


Besetzung:

Greg Lake – vocals, electric & acoustic guitars, bass guitar
Keith Emerson – hammond organ c3, steinway piano, moog synthesizer III-c, mini-moog model d, zoukra
Carl Palmer – drums, percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Endless Enigma, Part One (6:42)
2. Fugue (1:57)
3. The Endless Enigma, Part Two (2:03)
4. From the Beginning (4:16)
5. The Sheriff (3:22)
6. Hoedown (3:47)
7. Trilogy (8:54)
8. Living Sin (3:13)
9. Abaddon's Bolero (8:10)


Bonus Track der remasterten Albumfassung:

10. Hoedown (Live) (4:06)

Gesamtspiedauer: 46:34




„Trilogy“ heißt das dritte Studio-Album von Emerson, Lake & Palmer und wurde im Juli 1972 veröffentlicht. Gleichzeitig ist diese Scheibe auch die Lieblingsplatte Greg Lakes geworden, wie er einmal in einem Interview zum Ausdruck brachte. Nun, „Trilogy“ bringt alles mit, was ein Album mit progressiver Rockmusik ausmacht und abwechslungsreich ist diese Scheibe auf jeden Fall geworden.

Die Platte beginnt mit dem dreiteiligen „The Endless Enigma“, bestehend aus „The Endless Enigma Part1“, „Fuge“ und „The Endless Enigma Part 2“. „The Endless Enigma“, übersetzt „Das endlose Rätsel“, ist ein surreales Bild von Salvador Dali aus dem Jahr 1938, welches auf „Trilogy“ eine musikalische Umsetzung finden sollte. Und die ist wahrlich gelungen. Jede oder jeder, die oder der mal hören möchte, wie Progressive Rock funktioniert, der beziehungsweise dem seien diese drei Titel am Anfang von „Trilogy“ empfohlen. Die Nummern weisen all jenes auf, was dieses Musikgenre so interessant und spannend macht. Wunderschöne Melodien, seltsame Takte und noch seltsamere Töne und dann auch wieder Abschnitte, die fast schon atonal klingen.

Es folgt mit „From The Beginning“ eine schöne und sanfte Nummer, hauptsächlich von Gerg Lakes akustischer Gitarre dominiert. Dazu gesellt sich sein überzeugender Gesang und fertig ist sie, die sanfte Ballade. „The Sheriff“, im Anschluss daran, fängt noch ganz interessant mit einem Orgellauf des Keith Emerson an, wird dann aber zu einem Lied, was seinem Titel alle Ehre macht. Klingt ein wenig kitschig und kann wohl nur als kleine Spielerei aufgefasst werden, vor allem wenn sich die Nummer dem Ende zuneigt. „Hoedown", ist schließlich eine, im Stile Emerson, Lake & Palmers, umarrangierte Aaron Copland Nummer. Sehr orgellastig und daraus auch seine Spannung beziehend.

Es folgt der Titeltrack „Trilogy“. Was ich am Anfang über „The Endless Enigma“ schrieb, das passt auch hier. Das ist Progressive Rock in Reinkultur. Zunächst dominieren Gesang und Piano, alles wirkt sehr melodisch, ist überaus eingängig. Dann folgt eine Art jazziger Pianosolo-Abschnitt, um schließlich in einen treibenden und rockigen Part überzugehen. Allzu melodiös klingt es jetzt nicht mehr, wenn Keith Emerson dem Synthesizer auch jede Menge sehr dissonante Klänge entlockt. Hier werden nun auch viele Hörer „gemäßigter“ Rock-Musik aussteigen. Das klingt zugegebenermaßen mitunter sehr verwirrend und atonal. Die Perkussion des Carl Palmer gibt die Geschwindigkeit vor und Keith Emerson scheint das zu spielen, was ihm gerade, in diesem Moment der Aufnahme durch den Kopf geht. Macht er allerdings sicherlich nicht, das ist alles sehr wohl überlegt und geplant.

„Living Sin“ ist ebenfalls überaus atonal, zudem ist hier Greg Lake auch mit zum Teil sehr tiefer, völlig ungewohnter Stimme zu hören. Für mich neben dem „Scheriff-Lied“ der Ausfall der Platte. Das ursprüngliche Album läuft aus mit „Abaddon's Bolero“. Wie der Name schon sagt, einem sich langsam steigernden Bolero. Und wie sich dieser Titel steigert. Immer dichter und voller wird der Sound, alles scheint auf einen ganz bestimmten Punkt hinzulaufen, alle Instrumente sich auf diesen Höhepunkt zu fokussieren und schließlich zu kumulieren. Und ganz zum Schluss hin, wie sollte es auch anders sein bei Emerson, Lake & Palmer, wird es auch wieder ein wenig schräg.

Der remasterten Albumfassung ist dann noch eine Live-Version von „Hoedown“ hinzugefügt worden. Ganz nett, jedoch mit Sicherheit kein Grund, sich deswegen diese CD-Ausgabe zulegen zu müssen.

Fazit: Von allen, mir bekannten Progressive Rockbands, machen für mich Emerson, Lake & Palmer die am schwersten zugängliche Musik. Mit einem Mal des Hörens ist da schon mal gar nichts anzufangen. Für diese Musik bracht man jede Menge Durchläufe – und trotzdem erschließt sich einem keinesfalls alles, zumindest mir nicht, bei andern mag das durchaus so sein. Nun, „Trilogy“ ist ein sehr typisches Album für die frühe Phase der Band geworden, vielleicht nur einen Ticken weniger experimentell. Also es gibt sie auch hier, die schönen und melodischen, wie die eher atonalen und dissonanten Abschnitte in der Musik. Die drei Musiker sind bestens aufeinander abgestimmt und verstehen ihr Geschäft, beziehungsweise beherrschen ihre Instrumente. Das haben sie auf „Trilogy“ sogar so gut gemacht, dass es ihnen nicht mehr möglich war, dieses Album auch live auf die Bühne zu bringen. Die Ausnahme stellt hier nur jener, auch auf diesem Album als Bonus-Track vorhandener Titel „Hoedown“ dar. Ganz bestimmt nicht einfach diese Musik, weder für die Musiker, noch für die Hörer – aber allemal gut. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Endless Enigma Part One, Fugue, The Endless Enigma Part Two



Mittwoch, 6. Mai 2015

Emerson, Lake And Palmer – Pictures At An Exhibition




Emerson, Lake And Palmer – Pictures At An Exhibition


Besetzung:

Keith Emerson – pipe organ, hammond c3 and l100 organs, moog modular synthesizer, ribbon controller, clavinet
Greg Lake – bass, acoustic guitar, vocals
Carl Palmer – percussion, drums


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Promenade (1:57)
2. Pictures At An Exhibition: The Gnome (4:16)
3. Promenade (1:23)
4. Pictures At An Exhibition: The Sage (4:40)
5. The Old Castle (2:31)
6. Pictures At An Exhibition: Blues Variation (4:18)
7. Promenade (1:30)
8. Pictures At An Exhibition: The Hut Of Baba Yaga (1:12)
9. Pictures At An Exhibition: The Curse Of Baba Yaga (4:09)
10. Pictures At An Exhibition: The Hut Of Baba Yaga (1:06)
11. Pictures At An Exhibition: The Great Gates Of Kiev (6:37)
12. Nutrocker (4:23)
13. Pictures At An Exhibition (15:29)

Gesamtspieldauer: 53:36




„Pictures At An Exhibition“ ist nicht das dritte Studio-Album von Emerson, Lake & Palmer, sondern die Live-Aufnahme eines Konzerts, welche am 26. März 1971 in der Newcastle City Hall mitgeschnitten wurde. Dabei spielen die drei Musiker den Pianozyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski nicht einfach nach, sondern interpretieren dieses Werk und haben damit einen Klassiker des Progressive Rock erschaffen.

Zunächst sollte das Stück niemals auf Platte gepresst werden, da die Band nicht in die Klassikecke gedrängt werden wollte. Dann gab es jedoch diese Aufnahme und man entschloss sich, quasi als Dankeschön für die Fans, das Konzert doch zu veröffentlichen. Dass Emerson, Lake & Palmer in die Klassikschiene abdriften, wird jeder verneinen, der diese Platte gehört hat. Klar ist die Musik an das Werk des Modest Mussorgski angelehnt und einzelne Themen tauchen auch hier immer wieder auf und werden variiert, jedoch ist die Interpretation zumeist wirklich sehr frei gehalten und entspricht sehr viel eher dem musikalischen Genre des Progressive Rock, als dem der Klassik.

Die Aufnahmequalität ist dabei nicht die allerbeste, was wohl an den technischen Möglichkeiten damals, Anfang der 70er Jahre, zu liegen scheint. Doch dieses Manko ändert nichts daran, dass man hier ein mitreißendes Stück Musik zu hören bekommt, welches alle Zutaten enthält, die Progressive Rock so spannend werden lassen. Hier gibt es die wunderschönen Melodien, die schrägen Abschnitte, die manchmal fast atonal wirken können, die leisen Stellen und die lauten, treibenden Passagen. Die Musiker halten sich dabei auch nur grob an das Original. Manche Teile wurden für diese Version weggelassen, andere hinzugefügt. Was dabei herauskam, ist eine sehr spannende und fesselnde, allerdings freie Interpretation eines klassischen Musikstücks, welches mit dem Original nur noch etwas am Rande zu tun hat.

Fazit: Wahrlich ein Meilenstein des Progressive Rock. Klar Emerson, Lake & Palmer klingen nie ganz so eingängig wie die Kollegen von Genesis oder Yes zur damaligen Zeit und ich habe manches Mal auch Schwierigkeiten, diesem, mitunter etwas komisch und künstlich klingenden Synthesizersound des Keith Emerson zu folgen. Trotzdem ist „Pictures At An Exhibition“ ein mitreißendes Album geworden, welches für all jene Musikhörer interessant ist, welche das Außergewöhnliche und nicht immer ganz Einfache in der Musik zu schätzen wissen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Alles



Sonntag, 26. April 2015

Emerson, Lake & Palmer – Tarkus




Emerson, Lake & Palmer – Tarkus


Besetzung:

Keith Emerson – hammond organ, St. Marks church organ, piano, celeste, moog synthesizer
Greg Lake – vocals, bass, electric guitar, acoustic guitar
Carl Palmer – drums, assorted percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Tarkus (20:43)
     I. Eruption
     II. Stones of Years
     III. Iconoclast
     IV. Mass
     V. Manticore
     VI. Battlefield
     VII. Aquatarkus
2. Jeremy Bender (1:50)
3. Bitches Crystal (3:58)
4. The Only Way (Hymn) (3:46)
5. Infinite Space (Conclusion) (3:22)
6. A Time And A Place (3:01)
7. Are You Ready Eddy? (2:11)

Gesamtspieldauer: 38:54




„Tarkus” heißt das zweite Studioalbum von Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer, welches im Juni 1971 veröffentlicht wurde. Eigentlich sollte die Platte erst die dritte Veröffentlichung der Band werden. Da jedoch die Plattenfirma mit solch klassischem Stoff wie „Bilder einer Ausstellung“ nicht ganz glücklich war, wurde diese adaptierte Fassung von Modest Mussorgsky – obwohl bereits aufgenommen – erst einige Monate später, allerdings noch im selben Jahr, als Live-Album „Pictures At An Exhibition“ veröffentlicht. „Tarkus“ wurde vorgezogen.

Wenn jemand mal hören möchte, wie wahrlich komplizierter Progressive Rock funktioniert und sich anfühlt, dann sei ihr oder ihm diese Scheibe wärmstens ans Herz gelegt, denn auf dem Titeltrack „Tarkus“ gibt es genau dies zu hören: komplizierten, spannenden, abwechslungsreichen, manchmal dissonanten, manches Mal melodiösen, auf jeden Fall sehr fordernden Progressive Rock. Hier klingen Emerson, Lake & Palmer plötzlich unglaublich aggressiv und verstörend, um nur wenige Sekunden später wieder in wunderschönen Harmonien alles in Wohlklang aufzulösen. Der Titel „Tarkus“ ist ein Parforce-Ritt durch gewaltige Klangwelten, die zwischen Kakophonie und Melodiösität hin- und herwechseln, als sei es das Normalste der Welt. Tempo- und Rhythmuswechsel reihen sich genauso aneinander, wie laute und leise Passagen. Selbstverständlich kann man diese Nummer beim ersten Hören unmöglich verstehen. Viele Musikkonsumenten werden sie vielleicht noch nicht einmal ein Mal aushalten können. Allerdings eröffnen sich einem, wenn man denn dieser Musik die Zeit einräumt, ganz neue Klangwelten und man spürt plötzlich, dass auch in der Disharmonie durchaus ein klanglich musikalischer Schatz versteckt sein kann. „Tarkus“ ist großes, wenn auch anstrengendes musikalisches Kino – und auch ein wenig Arbeit.

Bei der ehemaligen zweiten Seite der Platte, sieht das Bild dann leider ein wenig anders aus. Sechs kurze Titel befanden sich darauf, von denen „Jeremy Bender“ und vor allem „Are You Ready Eddy?“ an Peinlichkeit kaum zu überbieten sind. Gerade letzte Nummer ist ein schwachsinniger Rock’n’Roll, der nun so gar nicht zu dem Rest der Platte passen möchte. Die übrigen Titel sind okay, wenn sie die Hörerin, den Hörer auch nicht unbedingt sofort aus den Sesseln heben werden. Progressive Rock eben, der in der Ausprägung von Emerson, Lake & Palmer eben nicht zu melodiös gestaltet wurde. Jedoch gibt es hier auch zwei Ausnahmen, die sich dann doch vom Rest noch deutlich abheben. Zum einen wäre das „The Only Way (Hymn)“, eine Orgel-lästige Nummer, zu der Greg Lake singt. Der Titel beginnt mit einem Ausschnitt aus Bachs Toccata und Fuge und mündet schließlich in einen rockigen Teil. Hier klingen die drei Musiker durchaus auch melodiös. Dieses Lied geht schließlich nahtlos in die Instrumentalnummer „Infinite Space (Conclusion)“ über, die für mich einen weiteren, wenn nicht sogar den Höhepunkt der Scheibe darstellt. Hier steht jetzt das Piano des Keith Emerson im Vordergrund. Melodiös und doch irgendwie versetzt klingend, ist dies eines der seltsamsten Lieder, die ich kenne. Klingt das jetzt harmonisch oder doch schräg? Ich kann mich bis heute immer noch nicht entscheiden.

Fazit: Neben sehr seltsamen Music Hall- und Rock’n’Roll-Titeln, beinhaltet „Tarkus“ unglaublich spannende und aufreibende Musik. Irgendwie scheinen manche Nummern auf dieser Platte alle musikalischen Standpunkte hinterfragen zu wollen, alles neu definieren zu wollen. Wahrlich keine leichte Kost und mir ist klar, dass die meisten Menschen damit wohl relativ wenig anfangen können. Und nur weil es Progressive Rock und dazu auch noch kompliziert ist, muss es auch nicht gut sein. Allerdings ist dieses Album eines, dem irgendwie etwas Besonderes innewohnt, was es zu entdecken gilt – und ich bin manchmal sehr gerne auf Entdeckungsreise. Elf Punkte.

Anspieltipps: Tarkus, Infinite Space (Conclusion)



Samstag, 8. Oktober 2011

Emerson, Lake & Palmer – Emerson, Lake & Palmer





Emerson, Lake & Palmer – Emerson, Lake & Palmer


Besetzung:

Keith Emerson - keyboards
Greg Lake - vocals, guitar, bass
Carl Palmer - drums


Label: Atlantic Recording Corporation


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Barbarian (4:27)
2. Take A Pebble (12:32)
3. Knife-Edge (5:04)
4. The Three Fates (7:46)
a. Clotho (Royal Festival Organ)
b. Lachesis (Piano Solo)
c. Atropos (Piano Trio)
5. Tank (6:49)
6. Lucky Man (4:36)

Gesamtspieldauer: 41:14 



1970 gründete sich die Formation Emerson, Lake & Palmer. Alle drei Musiker waren zuvor bereits in anderen Bands erfolgreich: Keith Emerson mit „The Nice“, Greg Lake mit „King Crimson“ und Carl Palmer mit „Atomic Rooster“.

41 Jahre hat dieses Album nun bereits auf dem Buckel. 41 Jahre und gleichzeitig ist es das Erstlingswerk dieser Formation. Und was für ein Debut-Album haben die drei Musiker Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer hier geschaffen: Progressive Rockmusik vom Allerfeinsten. Progressive Rockmusik, die auch elf Jahre nach der Jahrtausendwende immer noch begeistert. Zu den einzelnen Stücken: Die Platte beginnt mit dem Instrumentalstück „Barbarian“, einer tollen Nummer, die zunächst von verzerrten Gitarren und dem Orgelspiel Keith Emersons lebt. Dann folgt ein treibender Pianoteil, bis schließlich wieder Orgel und E-Gitarre das Kommando übernehmen. Abgerundet wird das Ganze durch den genial gespielten Drumpart Carl Palmers. Heraus kommt ein Musikstück, welches nur so vor Kraft strotzt.

Und dann schließt es sich schon an, das Überlied auf dem Album: „Take A Pebble“, aus der Feder von Greg Lake. Auf gut zwölfeinhalb Minuten wird hier so viel geboten, was andere Bands noch nicht mal in zwölf verschiedenen Liedern unterbekommen. Das Lied beinhaltet alles: Rock, Klassik, Jazz und Folk. Wunderschöne Melodien, klasse Gesangparts, genial gesetzte Breaks, ruhige wie treibende Passagen, tolle Gitarrenparts, ein klasse Pianosolo und unglaublich viel Atmosphäre. Wirklich ein absolutes Meisterwerk, das niemals langweilig wird und auch heute, nach 41 Jahren, nichts von seiner Magie verloren hat.

Dann folgt „Knife-Edge“. Ein Stück, das wie ein Heavy Metal Song beginnt, dann aber von seinem Spiel mit lauteren und leiseren Passagen lebt. Und hier hört man sie auch wieder, die Drums, wie man sie sich immer wünscht: kraftvoll, manchmal verspielt, aber immer auf den Punkt gesetzt.

Als nächstes gibt es das Stück „The Three Fates“ zu hören. Im ersten Teil, „Clotho“, ist es ein sehr kraftvolles Orgelstück, welches nur von einer leicht verspielten Passage durchbrochen wird. Der zweite Teil „Lachesis“ ist eine wunderschöne Piano-Solo-Nummer, die zum Träumen einlädt. Schließlich folgt der dritte Teil, „Atropos“, der wieder vom Orgelspiel eingeleitet wird. Hier wirkt alles verspielt, zum Teil sogar fast improvisiert. Und in diesem Part gibt es auch die etwas schrägeren Pianoläufe, die ein Stück progressiver Musik immer wieder bereichern.

„Tank“ ist für mich das schwächste Stück auf dem Album. Klasse hier zwar das Schlagzeugsolo Carl Palmers in der Mitte der Nummer, aber mit dem Rest, vorne wie hinten, kann ich nicht mehr ganz so viel anfangen. Das klingt nach reiner Improvisation auf dem Synthesizer, unterstützt vom Bass - ist es aber mit Sicherheit nicht.

Zum Schluss gibt es dann noch den bekanntesten Titel auf dem Album: „Lucky Man“. Das Lied ist eigentlich eine ganz nette Nummer, die aber so überhaupt nicht zum Rest der Platte passt. Trotzdem nicht schlecht, bis bei etwa 3:20 das Synthesizer-Solo einsetzt. Wie mein Vorrezensent schon schrieb: Das wirkt heutzutage unfreiwillig komisch. Ich habe mir die Platte das erste Mal 1987 gekauft – und auch damals klang das Ende des Liedes schon nicht gut…

Fazit: Das erste Emerson, Lake und Palmer Album ist ein absoluter Klassiker und sollte in keiner Rockmusik-Sammlung fehlen. Auf diesem Album wurden die Weichen für viele andere Bands gestellt, die sich davon inspirieren ließen - und es enthält mit „Take A Pebble“ auch noch ein absolutes Überlied. 11 Punkte.

Anspieltipps: Take A Pebble, The Three Fates, Lucky Man





Freitag, 7. Oktober 2011

Emerson, Lake & Palmer – Love Beach


 


Emerson, Lake & Palmer – Love Beach


Besetzung:

Keith Emerson - Klavier, Orgel, Synthesizer
Greg Lake - Gesang, Gitarre, Bass
Carl Palmer - Schlagzeug


Label: Victory Music Inc.


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Pop


Trackliste

1. All I Want Is You (2:34)
2. Love Beach (2:44)
3. Taste Of My Love (3:31)
4. The Gambler (3:21)
5. For You (4:27)
6. Canario (From Fantasía Para Un Gentilhombre) (3:57)
7. Memoirs Of An Officer And A Gentleman (20:15)
a. Prologue / The Education Of A Gentleman
b. Love At First Sight
c. Letters From The Front
d. Honorable Company (A March)

Gesamtspieldauer: 40:49



Es ist kaum zu glauben, was eine Band wie Emerson, Lake & Palmer, die bereits klasse Alben produziert hat, für Ausschussware produzieren konnte. „Love Beach“, das letzte Werk der drei Musiker vor der Trennung, hat meiner Ansicht nach nichts mehr mit progressiver Rockmusik zu tun. Hier höre ich nur noch Popmusik und diese auch nur in ganz, ganz, ganz schlechter Qualität.

Mich würde interessieren, wie die drei Musiker dieses Werk heute sehen. Ob sie sich dafür schämen? Angebracht wäre es. Das beginnt bei dem blöden Titel des Albums „Love Beach“ über ein absolut peinliches Cover und geht nahtlos auf die Musik über. Bei Titeln wie „All I Want Is You“, „Love Beach“ und „Taste Of My Love“ erwartet man auch nicht allzu viel. Und genau das erhält man auch: Billige Popnummern.

Aber auch wenn der Titel nicht gleich darauf schließen lässt, wie bei „The Gambler“ und „For You“, so erhält man doch nur Nummern, die zum einen Ohr reingehen und zum anderen wieder entfleuchen. Und was die schlechte Musik vorgibt, wird durch hanebüchend schlechte Texte noch unterstrichen: Dieses Album scheint unter Zeitdruck und ohne jegliches Interesse am Ergebnis abgeliefert worden zu sein.

Und leider gilt das auch für die letzten beiden Titel, die wohl noch den Anspruch erheben wollen, irgendwie progressiv zu klingen. „Canario“ klingt für mich nach Kirmesmusik und dem Stück haftet ein irgendwie „plastikmäßiger“ Sound an. Anders kann ich dieses Lied nicht in Worte fassen.

Bliebe noch der Zwanzigminüter „Memoirs Of An Officer And A Gentleman“. Auch hier wirkt das Keyboardspiel Emersons billig und belanglos. Diese Art Fanfare, die im ersten Teil des Longtracks jeweils nach den Strophen gespielt wird, nervt nur noch. Der zweite Part „Love At First Sight“ fängt zumindest interessant und schön mit dem Piano an. Wenn Greg Lake dann allerdings dazu singt, verliert das Stück sofort an Glanz. Aber es bleibt festzuhalten, dass bei diesem Teil zumindest die Instrumentalparts überzeugen können. „Letters From The Front“ fängt auch ganz gut an und klingt zunächst wirklich etwas progressiv, aber auch hier gibt es wieder so einen vermaledeiten Fanfarensound, genau wie im letzten Part, der einem den ganzen Spaß nimmt.

Fazit: „Love Beach“ ist für mich mit Abstand das schlechteste Album, welches ich von Emerson, Lake & Palmer kenne. Es wurde Zeit, dass die drei die Band auflösten. Sehr schade, wenn man bedenkt, was diese Musiker davor so alles geschaffen haben. Maximal zwei Punkte sind das hier noch.

Anspieltipps: Memoirs Of An Officer And A Gentleman