Samstag, 3. März 2012

Dredg - Leitmotif





Dredg – Leitmotif


Besetzung:

Gavin Hayes – vocals, guitars
Mark Engles – guitars
Dino Campanella – percussion, piano
Drew Roulette – bass


Label: Universal Music GmbH


Erscheinungsdatum: 1998


Trackliste:

1. Movement I: 45°N, 180°W (4:23)
2. Lechium (1:01)
3. Movement II: Crosswind Minuet (6:24)
4. Traversing Through The Arctic Cold We Search For The Spirit Of Yuta (1:32)
5. -Intermission- (6:37)
6. Movement III: Lyndon (3:07)
7. Penguins In The Desert (4:13)
8. Movement IV: RR (2:59)
9. Yatahaze (3:44)
10. Movement V: 90 Hours Sleep (20:20)



Ein sehr abwechslungsreiches Debutalbum haben die vier Kalifornier 1998 mit Leitmotif vorgelegt. Im Booklet legen die vier Wert auf die Feststellung, dass alle Instrumente und Sounds real seien, also keine Samples verwendet wurden. Und so klingt das Album auch meist: frisch und natürlich.

Es befinden sich insgesamt zehn Tracks auf dem Album, von denen fünf instrumentale Stücke sind. Nur einmal überschreiten diese kurzen Einschübe die Länge von drei Minuten, nämlich im Stück Movement III: Lyndon. Alle fünf Instrumentalkompositionen wirken gelungen, wobei vor allem „Traversing Through The Arctic Cold We Search For The Spirit Of Yuta“ mit einer sehr schönen Pianosequenz glänzen kann. Bei „Movement III: Lyndon“ überzeugen die Gitarrenspuren, wohingegen „Movement IV: RR“ zunächst ein bisschen an Tool erinnert, bis die Melodie von einer Violine getragen wird.

Dredg sind auf diesem Album noch etwas härter, als auf den späteren Veröffentlichungen. Eingeleitet wird Leitmotif mit dem Stück „45°N, 180°W“, welches bereits ordentlich abrockt. Gefolgt wird es vom Instrumentalstück „Lechium“, einem kurzen Lied, dass vom Stil und der Instrumentierung her, auch noch direkt zum ersten Track passen würde. Es schließt sich „Movement II: Crosswind Minuet“ an, was zunächst durch seinen ansteigenden Charakter gefällt, bis es bei 1:43 zu einem richtigen Hard-Rock-Song wird. Das Lied ist klasse und lebt vor allem durch seine Stil- und Tempiwechsel.

Auch das Stück, -Intermission-, ist gelungen, zumindest zu Beginn. Sehr schön ist hier das Gitarrenspiel in Verbindung mit dem Gesang, der deutlich in den Hintergrund gemischt wurde. Das Lied ist zwar 6:37 lang, trotzdem ist es eigentlich nach knapp vier Minuten zu Ende. Dann hört man nämlich nur noch ein undefinierbares Gequatsche und ein nerviges Synthesizergedudel. Ich mag eigentlich experimentelle Sounds, aber mit diesem kann ich nur sehr wenig anfangen. „Penguins In The Desert“ ist das härteste Lied auf dem Album und weiß als Hardrock-Stück zu gefallen. Aber auch hier wird das Genre wieder nur bis 1:25 durchgezogen, dann gibt es wieder sphärische Töne, die dieses Mal aber durchaus Spaß machen können, zum Mitwippen animieren und ebenfalls ein wenig an Tool erinnern. Gegen Ende des Liedes wird dann wieder richtig abgerockt. Auch bei diesen „Pinguinen in der Wüste“ wird es einmal mehr klar, dass Dredg es lieben zwei Lieder in einem Titel zu verpacken. Aber irgendwie haben sie die Songs dann doch noch getrennt, denn „Movement IV: RR“, der nächste Titel, ist vom Sound, der Instrumentierung und der Stimmung her dem Mittelteil der „schwitzenden Pinguine“ angelehnt und variiert das erste Thema nur ein wenig.

Yatahaze, das letzte Stück mit Gesang ist wieder ein guter Hardrock-Track, verzerrte Gitarren, treibender Bass, genau das richtige Maß an Schlagzeugbegleitung sowie ein Gesang, der mal leiser aus den Boxen fließt, oder einem schreiend aus den Boxen anspringt.

Das letzte Lied des Albums, „Movement V: 90 Hours sleep“ ist mit einer Gesamtlaufzeit von 20 Minuten und 20 Sekunden angegeben. In Wahrheit ist es knapp 2:10 Minuten lang, dann folgt erst einmal Ruhe, bis es bei 9:10 weitergeht. Man kann zu Hidden Tracks stehen wie man will, was das hier aber soll, verschließt sich dem geneigten Hörer fast vollständig. Man hört nun wirre Stimmen, Geräusche, lang anhaltende Töne, einen Schlagzeugeinsatz, verzerrte Gitarren, Fluchen und so weiter. Offensichtlich handelt es sich bei diesem Hördokument um einen Tonstudiomitschnitt, der noch nachbearbeitet wurde und sich weder schön, noch intelligent, noch originell anhört. Oftmals vernimmt man ein paar Instrumente, den Gesang weit entfernt im Hintergrund und sphärische, schräge Klänge im Vordergrund. Und das Ganze muss noch nicht einmal zueinander passen. Diese Hidden-Track-Geschichte wird ja immer wieder gerne verwendet, seit es die CD als Datenträger gibt. Ich habe allerdings noch nie einen sinnloseren Abschluss für ein Album gehört als diesen. Man fragt sich nur, was das eigentlich soll? Gegen Ende ist der Synthesizer dann auch nur noch schrill und nervig. Hat wenig bis nichts mit Musik zu tun und auch Studioatmosphäre kann man hier nicht schnuppern. Einfach nur sinnlos das Ganze.

Und ich habe gerade gemerkt, dass ich über etwas absolut Sinnloses, die letzten 18 Minuten der CD, sehr viel geschrieben habe. Das war dann wohl mein ganz persönlicher, Rezensions-Hidden-Track ;-)

Fazit: Punkte 9! “Leitmotif” von Dredg ist nicht schlecht, allerdings auch nicht überragend.

Anspieltipps: Movement 2: Crosswind Minuet, Traversing Through The Arctic Cold We Search For The Spirit Of Yuta, Penguins In The Desert, Movement IV: RR