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Mittwoch, 3. November 2021

Adelbert von Deyen – Nordborg

 



Adelbert von Deyen – Nordborg


Besetzung:

Adelbert von Deyen – arp odyssey synthesizer, Hohner electronic piano, farfisa organ, farfisa string-orchestra, rhythm computer, roland mixer, revox a 77 tape recorder


Label: Bureau B (ursprünglich Sky)


Erscheinungsjahr: 1979


Stil: Elektronische Musik, Ambient


Trackliste:

1. Moonrise (21:30)
2. Iceland (19:47)

Gesamtspieldauer: 41:18



Auf der Rückseite seines zweiten Albums schreibt Adelbert von Deyen: „Nordborg – ein Ort auf einer dänischen Insel Alsen, wo ich mit Freunden den Jahreswechsel 1978/79 verbrachte. Innerhalb weniger Stunden gingen über Nordeuropa ungeheure Schneestürme hinweg, die eine Rückreise für Tage unmöglich machten. Inspiriert von den bizarren Eislandschaften an der Ostseeküste und beeindruckt von der höheren Gewalt der Natur und letztlich des Universums habe ich dieses Album komponiert.“

Die Musik auf Nordberg im Bereich des Ambient angesiedelt. Auf „Moonrise“ versucht Adelbert von Deyen die Stimmung dieses eiskalten Mondaufgangs einzufangen. Synthesizer-Teppiche schweben durch den Raum, auf Rhythmus hat Adelbert von Deyen dabei verzichtet. Dafür hört man Töne, die an Möwengeschrei erinnern und den heulenden und tosenden Wind, der selbstverständlich ebenfalls dem Synthesizer entspringt.

Den Rhythmus aus dem Computer gibt es dann beim zweiten Titel „Iceland“ zu hören. Leider, muss man jedoch feststellen. Das Lied ist sehr viel dynamischer und stellt nun den Schneesturm nach, der damals über die Insel hereingebrochen ist. Obwohl diese Nummer etwas abwechslungsreicher gestaltet ist, fällt sie trotzdem gegenüber „Moonrise“ ab. Das liegt zum einen an dem wahrlich nicht gut klingenden Rhythmus-Computer und der Atmosphäre des Liedes, die dieses Mal deutlich weniger vorhanden ist, als noch beim ersten Lied auf „Nordborg“. Zwar hört man auch bei diesem Stück heulende Windgeräusche, doch in Verbindung zum Rhythmus passt das leider nicht mehr ganz so gut. Im letzten Drittel ist schließlich der Rhythmus wieder verhallt und das Lied klingt sehr viel atmosphärischer, düsterer und fängt die Kälte, die wohl damals herrschte, sehr viel besser ein.

Fazit: Ein unaufgeregtes und zum Teil atmosphärisch sehr dichtes Album ist Adelbert von Deyen mit „Nordborg“ gelungen. Die winterliche Stimmung wird dabei gut eingefangen – sobald der Rhythmus verstummt ist. Ein Album zum Entspannen und für kalte Wintertage, wenn möglich vor einem Kamin. Neun Punkte.

Anspieltipps: Moonrise



Montag, 13. September 2021

Adelbert von Deyen – Atmosphere

 



Adelbert von Deyen – Atmosphere


Besetzung:

Adelbert von Deyen – micromoog synthesizer, arp odyssey synthesizer, arp sequencer, farfisa organ vip 233, farfisa string-orchestra, hohner electronic piano, electric guitar, gong, violin and voice


Gastmusiker:

Wolfgang Zabba Lindner – drums on “Timemachine” and “Silverrain”


Label: Bureau B (ursprünglich Sky 041)


Erscheinungsjahr: 1980 (Wiederveröffentlichung 2016)


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Time Machine (5:05)
2. Silverrain (4:37)
3. Atmosphere Part 1 (11:10)
I. Sunrise
II. Altitude Flight
III. Astralis
4. Atmosphere Part II (21:44)
I. Skywards
II. Spaces Of Infinity
III. Crystal Clouds
IV. Voices Of Infinity
V. Dawn

Gesamtspieldauer: 42:37



Schön, dass es immer wieder Plattenlabels gibt, die lang nicht mehr aktuelle Platten wiederveröffentlichen. So geschehen auf dem Plattenlabel Bureau B mit Album „Atmosphere“ von Adelbert von Deyen. Der Musiker und Maler und Graphiker verstarb leider am 13. Februar 2018. „Atmosphere“ ist sein drittes Werk in seiner ersten musikalischen Schaffensphase und erschien ursprünglich im Jahr 1980. Diese musikalische Phase endete Ende der 80er Jahre und wurde in einer zweiten Phase in den Nuller-Jahren des 21. Jahrhunderts fortgesetzt.

Auf „Atmosphere“ hört man elektronische Musik, die im Falle der ersten beiden kürzeren Nummern noch rhythmisch untermalt wurde. Wolfgang Zabba Lindner ist hier am Schlagzeuig zu hören, der die Titel etwas nach vorne treibt. Mit „Atmosphere 1“ und „Atmosphere 2“ taucht Adelbert von Deyen dann ganz in die sphärische, atmosphärische Synthesizer-Musik ein. Dementsprechend gut gewählt sind auch die Titelbezeichnungen. Man hört Sequenzer und Lagen von Sound-Teppichen, die übereinandergelegt werden. Stimmungsvoll klingt das auf jeden Fall, wenn man denn auf elektronische Musik Made in Germany steht.

Einiges auf „Atmosphere“ erinnert mich an Klaus Schulze. Trotzdem kopiert Adelbert von Deyen auf diesem Album nicht seinen Berliner Kollegen. Die Musik ist eine Ausweitung, eine weitere Facette jener Musik, die Tangerine Dream und eben besagter Klaus Schulze in den 70er Jahren prägten. Von Melodien oder gar „Ohrwürmern“ kann man dabei also niemals sprechen. Es geht um intensive Stimmungen in der Musik auf „Atmosphere“, die einen in eine nicht fassbare, digitale und vom Synthesizer erschaffene Welt eintauchen lassen.

Fazit: Wer Klaus Schulze und Tangerine Dream mag, wie sie in den 70er Jahren klangen, die oder der wird auch „Atmosphere“ von Adelbert von Deyen mögen. Synthesizer-Musik, stimmungsvoll und atmosphärisch. Den Albumtitel hat Adelbert von Deyen wahrlich treffend gewählt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Atmosphere Part II