Mittwoch, 24. Februar 2016

Marillion – Real To Reel




Marillion – Real To Reel


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards
Pete Trewavas – bass, backing vocals
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Assassing (7:12)
2. Incubus (8:37)
3. Cinderella Search (5:31)
4. Forgotten Sons (10:10)
5. Garden Party (6:30)
6. Market Square Heroes (6:49)

Gesamtspieldauer: 44:49



Im November 1984 veröffentlichten Marillion ihr erstes Live-Album unter dem Titel „Real To Reel“. Auf der ersten Seite der Platte befinden sich dabei Aufnahmen vom 19. Und 20. Juni desselben Jahres aus einem Konzert in Montreal, Kanada. Die Aufnahmen auf der zweiten Seite stammen von 5. März 1984, dieses Mal war es ein Konzert in Leicester, England. Enthalten sind auf diesem Album Titel der ersten beiden Studio-Alben, also alles Stücke, die noch vor dem Rutsch der Band in Richtung Kommerz eingespielt wurden. Aufnahmen also, die vor „Misplaced Childhood“ und Single Hits wie „Kayleigh“ entstanden sind.

Somit hört man auf „Real To Reel“ Progressive Rock, wie der damals in den 80er Jahren nur noch von sehr wenigen Bands gespielt wurde. Sehr eindrucksvoll das Ganze. Lieder mit vielen Wendungen, rockig und immer melodiös, spannend und auch wieder und wieder überraschend. Auch Sänger Fish bezieht das Publikum hier mit in das Geschehen ein, allerdings sehr viel gemäßigter, als dies zum Beispiel ein Freddie Mercury bei einem Queen Konzert machte. Jedoch springt hier ebenfalls das Live-Erlebnis durchaus mit über – sowohl bei den entsprechenden Konzerten in der Halle, als auch beim Hören der Platte. Dies liegt mit daran, dass Fish das Publikum immer wieder mitsingen lässt und die einzelnen Lieder hier vor allem auch durch den Marillion-Sänger mit variiert werden. Dieser schreit mal seine Botschaften heraus, singt sie oder er flüstert sie beschwörend in den Saal, der dann an diesen entsprechenden Stellen still und gebannt lauscht.

Nachteil der Scheibe ist es sicherlich wieder einmal, dass es sich hier nicht um ein Konzert handelt, sondern drei verschiedene Auftritte zusammengefügt wurden. Schade, dass für solche Veröffentlichungen nicht auf einen bestimmten Auftritt zurückgegriffen wird, denn somit wird aus einer Live-LP oder Live-CD doch wieder eine Art Studioprodukt. Sicherlich kann man auch bei der Titelzusammenstellung anderer Meinung sein, jedoch wirken hier auch weniger bekannte Stücke der ersten Marillion-Formation sehr beeindruckend. Höhepunkt ist dabei ganz klar die Version von „Forgotten Sons“, welche hier noch mal um eine Zehnerpotenz kraftvoller wirkt und klingt als im Original auf „Script For A Jester's Tear“. Dies gilt allerdings im Grunde genommen für jeden der sechs Titel auf „Real To Reel“, die hier allesamt wahrlich mitreißend klingen.

Fazit: „Real To Reel“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie Musik live eingespielt noch mal an Klasse gewinnen kann. Die Scheibe ist toll abgemischt, die Lieder wirken melodiös, rockig und reißen einen mit. Auch hier gilt selbstverständlich, dass man diese Scheibe möglichst laut hören sollte, um diese Musik auch entsprechend genießen zu können. Für das Jahr 1984, in dem es sonst hauptsächlich New Wave und Synthie Pop zu hören gab, ein wahrlich beeindruckendes Album. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Forgotten Sons