Samstag, 31. Oktober 2015

Blue Öyster Cult – Blue Öyster Cult




Blue Öyster Cult – Blue Öyster Cult


Besetzung:

Eric Bloom – lead vocals, stun guitar, keyboards
Albert Bouchard – drums, lead vocals ("Cities On Flame With Rock And Roll")
Joe Bouchard – bass, lead vocals ("Screams")
Allen Lanier – rhythm guitar, keyboards
Donald "Buck Dharma" Roeser – lead guitar, lead vocals ("Then Came The Last Days Of May" and "Before The Kiss, A Redcap")


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Transmaniacon MC (3:20)
2. I'm On The Lamb But I Ain't No Sheep (3:10)
3. Then Came The Last Days Of May (3:30)
4. Stairway To The Stars (3:42)
5. Before The Kiss, A Redcap (4:56)
6. Screams (3:10)
7. She's As Beautiful As A Foot (2:56)
8. Cities On Flame With Rock And Roll (4:02)
9. Workshop Of The Telescopes (4:00)
10. Redeemed (3:50)

Gesamtspieldauer: 36:41



Manchmal scheint es fast so, als könne man sich manche Alben, manche Band, „schönhören“. Je öfters man das Album auflegt, desto besser gefällt es einem plötzlich. Irgendwie geht es mir so bei der ersten Scheibe von Blue Öyster Cult aus dem Jahr 1972. Lief dieses selbstbetitelte Album zuerst nur so durch, ohne auch nur die geringsten Spuren in meinem musikalischen Kosmos zu hinterlassen, änderte sich das jedoch mit der Zeit, nachdem die Platte einige Durchläufe hinter sich hatte und ihr garantiert bereits schwindelig war, nach so vielen Umdrehungen.

Leider wird dieses Album jedoch trotzdem nie zu meinen Favoriten zählen, denn das verhindern zwei ganz wichtige Umstände. Zum einen ist da etwas, was ich sonst wirklich nur ganz selten bemängele, nämlich der Sound. „Blue Öyster Cult“ von Blue Öyster Cult ist wahrlich schlecht abgemischt, das klingt alles irgendwie dumpf und unterdrückt. Und das Schlimme an der Sache ist, dass die remasterte CD-Fassung praktisch denselben Sound bietet, wie die Albumausgabe von 1972. Auch 1972 konnten Platten bereits brillant klingen, dafür gibt es genügend Beispiele, jedoch ist das nicht so bei „Blue Öyster Cult“, die dann wohl zwar digital remastert wurde, jedoch denselben, sehr misslungenen Sound auch auf CD aufweist.

Punkt Nummer zwei, warum dieses Album zwar okay ist, jedoch – zumindest bei mir – niemals Kultstatus erreichen kann, ist das Liedmaterial selbst auf der Platte. Zwar wachsen die einzelnen Nummer durchaus, jedoch so einen richtigen Ohrwurm, solch ein Lied, an welches man sich immer wieder erinnert, denkt man an das Debut von Blue Öyster Cult, das haben die fünf US Amerikaner aus Long Island, New York hier nicht hinterlassen. Alles nett und mit der Zeit auch eingängiger Hard Rock aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, jedoch leider keiner, der einen die Knie erweichen lässt. Dazu ist die Musik der Band hier auch viel zu „normal“, hat wenig Überraschendes zu bieten. Etwas härterer Rock eben, das war es dann aber leider auch schon.

Fazit: Ein handwerklich gut gemachtes Album ist das Debut von Blue Öyster Cult sicherlich. Handwerklich gut gemacht, wenn es um die Instrumente geht, jedoch nicht mehr, wenn damit die Abmischung, der Sound selbst gemeint ist, denn dieser ist deutlich zu dumpf geraten. Die einzelnen Titel sind in Ordnung, wachsen mit den Durchläufen der Scheibe, ohne wirklich ganz große Lieder zu werden. So ist für mich diese Scheibe kein großartiges Album geworden. Eher eine Platte, auf der Hard Rock aus den 70ern zu hören ist, der in genau dieser Zeit beheimatet ist und nur wenig auffällt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Then Came The Last Days Of May, Screams, She's As Beautiful As A Foot



Freitag, 30. Oktober 2015

Crème 21 – 30% Mehr




Crème 21 – 30% Mehr


Besetzung:


Udo Selber – Gesang
Michael Scheuber – Gitarre
Christoph Schirmer – Schlagzeug
Soosoo Sunbeam – Bass


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Axel Wernecke
Andreas Herbig
Bejamin Hüllenkremer
Maik Bösenberg
Herbert Böhme


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Pop


Trackliste:

1. Ich Will Auch Mit (2:59)
2. Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer (3:25)
3. Traumfrau (3:38)
4. Ich Mag Tiere (3:09)
5. Farbspiralen (3:10)
6. Liebe In Den Neunzigern ('96) (3:04)
7. Ich Kann Mich Nicht Entscheiden (3:02)
8. Wie Lange? (4:10)
9. Lüg Mich Bitte An (1:57)
10. Nur Von Hinten (2:53)
11. Ich (4:11)
12. Schlafen (3:28)

Gesamtspieldauer: 39:11




„30% Mehr“ ist die Wiederveröffentlichung des ersten Creme 21 Albums, welches zwei Jahre zuvor treffenderweise mit dem Album-Titel Creme 21 veröffentlicht wurde. Einige Titel wurden nun, 1996, noch hinzugefügt, deswegen jetzt auch der passende Name „30% Mehr“. Auf dieser Scheibe hört man eine Mischung aus Pop, Neuer Deutscher Welle, Punk und Deutschem Schlager. Eine ganz schön gewagte Mixtur also, die auch bis etwa zur Mitte der Platte ganz gut funktioniert, dann stürzt das Ganze jedoch leider völlig ab.

Bekannteste Lieder sind wohl das Rudi Carrell Cover „Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer“ in einer etwas punkigen Version. Macht allerdings Spaß und ist so eine Art „Gute Laune Lied“. Absoluter Höhepunkt der Platte ist jedoch das wirklich witzige „Ich Mag Tiere“. Klasse Titel, der absolut ins Ohr geht. Dazu passend ein witziger Text, welcher sogar eine Botschaft bereithält. Und auch das Video mit dem unvergessenen Dirk Bach zaubert einem ein Lächeln auf das Gesicht. Ebenfalls noch gelungen ist die Nummer „Farbspiralen“. Hier ist es erneut wieder die Melodie, die überzeugt und ins Ohr geht.

Dann wird es allerdings sehr schwierig, die ganze Scheibe scheint wahrlich plötzlich abzustürzen. Nichts ist mehr überzeugend, weder die Musik selbst, die ganz klar in die Richtung „Belanglosigkeit“ driftet, noch die Texte, die oftmals zwischen platt und peinlich zu pendeln scheinen. Hier bewegen sich Creme 21 jetzt auf einem ganz schmalen Grat, der die Platte zu einer werden lässt, die man nicht mehr öffentlich hören kann, ohne verwunderte Blicke zu ernten: „Was hörst Du denn da? Hätte niemals gedacht, dass Dir so etwas gefällt.“ Stellvertretend dafür sollte man sich mal die Nummer „Nur Von Hinten“ reinziehen. Ganz schlimm.

Fazit: Ein paar ganz nette Stücke gibt es durchaus auf „30% Mehr“. Die machen auch Spaß, doch dann ist da eben auch noch dieser größtenteils nichtsagende Rest, der zum Teil sogar in die Peinlichkeit abdriftet. Aber egal, die Nummer „Ich Mag Tiere“ hat es in sich, sie lohnt die Anschaffung. Und der Rest? Ach was, Schwamm drüber. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Wann Wird's Mal Wieder Richtig Sommer, Ich Mag Tiere, Farbspiralen



Donnerstag, 29. Oktober 2015

Vic Chesnutt – Drunk




Vic Chesnutt – Drunk


Besetzung:


Vic Chesnutt – lead vocals, guitars, ukulele, whisteling, harmonica, backing vocals, samples


Gastmusiker:

Jeorge Seder – bass
Norman der Sluys – drums
Rob Veal – bass, drums, backing vocals, guitar
Stevie Smith – voice


Label: Texas Hotel


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Indie Folk


Trackliste:

1. Sleeping Man (4:39)
2. Bourgeois And Biblical (2:03)
3. (Voice of Stevie Smith) (0:33)
4. One Of Many (2:16)
5. Supernatural (3:36)
6. When I Ran Off And Left Her (2:55)
7. Dodge (4:10)
8. Gluefoot (2:21)
9. untitled (0:34)
10. Drunk (3:31)
11. Naughty Fatalist (3:15)
12. Super Tuesday (1:25)
13. Sleeping Man (Syd Straw Version) (4:45)
14. Kick My Ass (2:19)

Gesamtspieldauer: 38:30




Im Jahr 1983 verunglückte Vic Chesnutt mit einem Auto, welches er betrunken gesteuert hatte. Seitdem war der gebürtige US Amerikaner aus Florida hauptsächlich auf den Rollstuhl angewiesen. Dieser Vorfall verfolgte ihn logischerweise sein ganzes Leben und drückte sich auch in seinem Werk, seiner Musik aus, die größtenteils alles andere als fröhlich und optimistisch klingt. Das Ganze gipfelte schließlich in seinem Selbstmord am 25. Dezember 2009, den er wohl aus Angst beging, die anstehenden Krankenhauskosten für seine weitere Behandlung nicht mehr zahlen zu können.

Nun, depressiv klingt auch das dritte Album des Vic Chesnutt mit dem Titel „Drunk“ aus dem Jahr 1993. Folk Musik ist darauf zu hören, sehr traurige Folk Musik, die äußerst zurückhaltend und oftmals auch zerbrechlich klingt und wirkt. Meist werden die Lieder nur sehr sanft instrumentiert, laut wird es dabei nie. Diese Musik schlägt dabei auch einen leichten Bogen hin zum Alternative Country, der allerdings nicht stark ausgeprägt ist. Wer hier jetzt jedoch ganz normalen amerikanischen Folk erwartet, die oder der dürfte überrascht werden, denn im Werk des Vic Chesnutt ist nur Weniges „normal“.

Die Musik auf dieser Scheibe ist nicht immer gleich sehr eingängig. Manches Mal wirkt es auch ein wenig so, als wolle Vic Chesnutt mit Absicht den einen oder anderen Ton falsch singen oder spielen, um sich irgendwie abzuheben, vom ganzen Rest der Musiker. So ist die Platte an manchen Stellen durchaus eben nicht nur melodiös. Das ist sie jedoch bei den beiden Nummern „One Of Many“ und „Supernatural“. Denn auch wenn diese Scheibe nicht zu den besten gehört, die Vic Chesnutt veröffentlichte – man denke da nur an sein sehr überzeugendes Projekt „Brute“ – so enthält sie doch mit diesen beiden Nummern zwei, die mit zum Besten gehören, welche der US Amerikaner jemals geschrieben hat. Sanfter und eingängiger und sehr nachdenklicher Folk, der wahrlich gehört werden sollte.

Fazit: An manchen Stellen ist „Drunk” durchaus ein Beißer, weil man auch nicht genau weiß, wie Vic Chesnutt diese oder jene Stelle gemeint haben könnte. Überzeugend ist das durchaus wahrlich nicht immer. Dann gibt es allerdings auch diese wunderschönen Stellen auf „Drunk“, diesem so melancholischen und so nachdenklichen Album. Nicht immer, aber immer wieder überzeugend. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sleeping Man, One Of Many, Supernatural



Mittwoch, 28. Oktober 2015

Dream Theater – Falling Into Infinity




Dream Theater – Falling Into Infinity


Besetzung:


James LaBrie – lead vocals, background vocals
John Petrucci – guitar, background vocals
Derek Sherinian – keyboard, background vocals
John Myung – bass, chapman stick
Mike Portnoy – drums, percussion, background vocals, harmony vocals


Gastmusiker:

Doug Pinnick – additional vocals


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Progressive Metal


Trackliste:

1. New Millennium (8:20)
2. You Not Me (4:58)
3. Peruvian Skies (6:43)
4. Hollow Years (5:53)
5. Burning My Soul (5:29)
6. Hell's Kitchen (4:16)
7. Lines In The Sand (12:05)
8. Take Away My Pain (6:03)
9. Just Let Me Breathe (5:28)
10. Anna Lee (5:52)
11. Trial Of Tears (13:05)
I. It's Raining
II. Deep In Heaven
III. The Wasteland

Gesamtspieldauer: 1:18:17



„Falling Into Infinity“ heißt das vierte Studioalbum von Dream Theater und es erschien im September 1997 bei East West Records. Progressive Metal hört man auch auf dieser Platte der US-Amerikaner nicht mehr ganz so viel, dagegen ist die Scheibe durchzogen von jeder Menge Mainstream, der natürlich nicht gerade die eingefleischten Dream Theater Fans nicht unbedingt ganz überzeugen konnte.

Ein gutes Beispiel für diesen Mainstream Ansatz ist gleich das zweite Lied des Albums „You Not Me“. Hier hört man auch keinen Metal, das ist eher 08/15 Rock, der wohl möglichst schnell zünden soll, das allerdings nicht so richtig schafft. Das ist bei der ersten Nummer des Albums noch deutlich anders. „New Millennium“ entspricht nun sehr viel mehr diesem musikalischen Genre, für das Dream Theater allgemein stehen. Allerdings kommen beim Hören des Stücks sofort Vergleiche zu King Crimson auf. Hier wurde ganz eindeutig etwas auf den Titel „Discipline“, aus dem gleichnamigen Album von King Crimson zurückgegriffen. Nun gut, das Lied lehnt sich daran an und ist allerdings, wie das Original, durchaus gelungen. Richtig hart wird es dann bei „Peruvian Skies“. Metal vom Feinsten mit durchaus progressivem Ansatz. Die Nummer geht auch gut ins Ohr. Das macht auch „Hollow Years”, nur dass es sich hierbei jetzt um eine sehr eingängige Ballade handelt. Mit Progressive Rock hat das nun allerdings so gar nichts mehr zu tun.

Allgemein sind die Titel auf „Falling Into Infinity“ deutlich weniger komplex geraten, als auf so manch anderer Dream Theater Scheibe. Dies begründet dann wohl auch den schlechten Ruf, den diese Platte bei vielen Fans der Band hat. Und wahrlich, wenn man dann solch eine Nummer wie „Burning My Soul“ hört, dann ist das zwar kraftvoller Metal, aber sonst eben nichts Besonderes mehr. Mitunter wirken Dream Theater hier auf „Falling Into Infinity“, als ob sie mal so richtig Lust hätten, öfters im Radio gespielt zu werden – und an diesem Eindruck kann auch die ganz nette Instrumentalnummer „Hell's Kitchen” leider nichts mehr ändern.

Und so ziehen sie vorbei an einem, diese Nummern, die mal härteren Rock darstellen, dann wieder weiche Balladen sind. Alles scheint für die breite Masse bereitet, denn progressiver Metal ist das wahrlich nur noch am Rande. Nur leider funktioniert das in seiner Gesamtheit nicht, denn richtig überzeugend klingt das alles keineswegs so ganz. Manchmal noch ganz nett, wie beim bereits erwähnten Opener „New Millennium“ oder bei der wirklich melodiösen Ballade „Hollow Years“. Vom zweiten sehr sanften Lied „Anna Lee“ kann man das schon nicht mehr so behaupten, da klingen Dream Theater dann eher schmalzig als ansprechend. Schade. Bliebe noch kurz die letzte Nummer der Platte, „Trial Of Tears“, zu erwähnen. Hier schaffen es die fünf Musiker jetzt doch noch mal, etwas spannender zu wirken. Sicherlich ist die die komplexeste Nummer der Scheibe und hier klingt die Band auch noch am ehesten, wie auf den vorherigen Alben.

Fazit: Ein Album für den Mainstream, um der breiten Masse zu gefallen, das ist „Falling Into Infinity“ geworden. Das klingt an manchen Stellen auch gelungen, an anderen wiederum leider nur noch langweilig. Musikalisch bewegt man sich auf dieser Scheibe zwischen den Polen Soft Rock und Metal. Progressive Metal gibt es dagegen kaum zu hören. Insgesamt sicher kein ganz schlechtes Album, bloß haben Dream Theater das durchaus schon besser hinbekommen. Acht Punkte.

Anspieltipps: New Millennium, Hollow Years, Trial Of Tears



Dienstag, 27. Oktober 2015

Eric Clapton – Rush




Eric Clapton – Rush


Besetzung:

Eric Clapton – vocals, guitar, dobro


Gastmusiker:

Randy Kerber – keyboards, organ, synthesizer
Greg Phillinganes – keyboards, piano, organ
Chuck Leavell – piano, organ
Robbie Kondor – synthesizer
Nathan East – bass
Tim Drummond – bass
Steve Ferrone – drums
Lenny Castro – percussion
Bill Champlin – background vocals
Vaneese Thomas – background vocals
Jenni Muldaur – background vocals
Lani Groves – background vocals
Buddy Guy – vocals, guitar
JayDee Mannes – pedal steel
Gayle Levant – celtic harp
Jimmy Bralower – drum machine
Bruce Dukov – concert master
David Frank – horn


Label: Reprise Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Soundtrack, Blues


Trackliste:

1. New Recruit (1:31)
2. Tracks And Lines (3:01)
3. Realization (2:41)
4. Kristen And Jim (3:40)
5. Preludin Fugue (3:20)
6. Cold Turkey (2:24)
7. Will Gaines (3:50)
8. Help Me Up (5:53)
9. Don't Know Which Way To Go (10:48)
10. Tears In Heaven (4:32)

Gesamtspieldauer: 41:46




„Rush“ ist ein Soundtrack-Album zum gleichnamigen Film aus dem Jahr 1992, welches oftmals auch als das zwölfte Solo-Album des Eric Clapton angesehen wird. Dies vor dem Hintergrund, da der Brite bei dieser Scheibe nur in drei Fällen kompositorische Unterstützung erhielt und sich ansonsten alleine für die Kompositionen verantwortlich zeigte. Und hört man die Scheibe durch, so wird man sich dem Umstand auch gar nicht unbedingt bewusst, dass „Rush“ einen Soundtrack darstellt, denn nur wenige Titel gehen in die Richtung eher Atmosphäre zu transportieren, auch wenn nur die letzten drei Titel über eine Gesangslinie verfügen.

Man hört auf „Rush“ durchaus Blues Musik, sanfte Musik, perfekt zum Ausspannen und Entspannen. Da macht es überhaupt nichts, wenn die einzelnen Titel hauptsächlich Instrumentalnummern sind. An manchen Stellen klingt es fast so wie bluesige Chill Out Musik, allerdings mit viel mehr Inhalt versehen. Die Titel gehen ins Ohr und machen mit jedem weiteren Durchlauf noch mehr Spaß, gerade so, als ob das Ohr erst langsam auf diese Art der Musik hätte vorbereitet werden müssen.

Nun, gegen Ende kommen sie dann, die Nummern mit Gesang. Jetzt wird es noch deutlich bluesiger. „Help Me Up“ singt Eric Clapton noch selbst. Dieses Lied hat er zusammen mit Will Jennings geschrieben, genau wie die letzte Nummer der Platte. Auch dieses Stück geht nach einer gewissen Zeit durchaus ins Ohr, hat jedoch nicht mehr die Klasse, vieler der Instrumentaltitel. Durchaus auch möglich, dass dies nur an meinem Empfinden liegt, bei dem dem Blues eben nicht Türen und Tore geöffnet sind – und schon gar nicht die Ohren. Das letzte Lied der Platte ist ebenfalls eine Co-Produktion zwischen Will Jennings und Eric Clapton und wohl das bekannteste Lied der ganzen Solo-Karriere des Eric Clapton. „Tears In Heaven“ wird nachgesagt, dass Clapton diese Nummer aufgrund des Todes seines Sohnes Conor schreib, was dieser jedoch mehrmals verneinte und sich auf den Film und den dortigen Verlust bezog. Sei es drum, die Nummer wurde mit Preisen überschüttet, geht ins Ohr. Mehr fällt mir dazu gar nicht ein, da ich sehr viele Lieder kenne, die in derselben Atmosphäre „fischen“ und für mich jedoch deutlich gelungener sind.

Nun und dann gibt es noch das scheinbare Hauptstück und mit fast elf Minuten längste Stück der Platte, „Don't Know Which Way To Go“. Geschrieben wurde die Nummer von Willie Dixon und Al Perkins. Beim Gesang hört man Buddy Guy. Dieser liefert sich hier eine Art „Challenge“ mit Eric Clapton, um den besten Bluesmusiker. Und jetzt mögen bitte alle Blues Freunde weghören, um mir nicht zu negativ gesonnen zu sein. Aber diese beiden Musiker verlieren sich bei diesem Lied in einem absoluten übertriebenen und selbstverliebten Gedudel, dass, wenn einem das Gen für diese Art der Musik fehlt – und mir fehlt das absolut – die beiden Musiker hier in ganz hohem Maße die Schmerzgrenze überschreiten. Die Nummer wirkt so etwas von gequält, in die Länge gezogen, übertrieben, dass es kaum auszuhalten ist. Unfassbar grausam und ich weise an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass ich mich persönlich damit sehr schwer tue, ach was soll’s, mir dieses unsägliche Gedudel tierisch auf die Nerven geht.

Fazit: Nun, „Rush“ hat Höhen und Tiefen. Gut möglich, dass Menschen, denen „meine“ Höhen nicht gefallen mit „meinen“ Tiefen etwas anfangen können – und natürlich umgekehrt. Auf „Rush“ hört man Blues, irgendwie weniger Soundtrack Musik. Dieser Blues überzeugt sogar meistens, außer wenn er nur noch da ist, um zu zeigen, was man so alles kann und wie viele tolle Gefühle man doch mit diesem Blues erzeugen kann. Hey, weil wir sind ja tolle Blues Musiker. Keine schlechte Platte, wenn man denn die Fernbedienung bereithält. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Kristen And Jim, Will Gaines, Tears In Heaven



Montag, 26. Oktober 2015

The Clash – Combat Rock




The Clash – Combat Rock


Besetzung:

Joe Strummer – lead vocals, guitars, harmonica, piano
Mick Jones – guitars, vocals, keyboards, sound effects
Paul Simonon – bass, vocals
Topper Headon – drums, piano and bass on "Rock The Casbah"


Gastmusiker:

Allen Ginsberg – vocals on "Ghetto Defendant"
Futura 2000 – vocals on "Overpowered By Funk"
Ellen Foley – backing vocals on "Car Jamming"
Joe Ely – backing vocals on "Should I Stay Or Should I Go?"
Tymon Dogg – piano on "Death Is A Star"
Tommy Mandel (as Poly Mandell) – keyboards on "Overpowered By Funk"
Gary Barnacle – saxophone on "Sean Flynn"
Kosmo Vinyl - vocals on "Red Angel Dragnet"


Label: CBS


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. Know Your Rights (3:41)
2. Car Jamming (4:01)
3. Should I Stay Or Should I Go (3:09)
4. Rock The Casbah (3:43)
5. Red Angel Dragnet (3:46)
6. Straight To Hell (5:32)
7. Overpowered By Funk (4:53)
8. Atom Tan (2:31)
9. Sean Flynn (4:33)
10. Ghetto Defendant (4:45)
11. Inoculated City (2:15)
12. Death Is A Star (3:10)

Gesamtspieldauer: 46:05




Sechs Alben haben The Clash insgesamt in der Zeit von 1977 bis 1985 veröffentlicht. „Combat Rock“ ist das fünfte Album in dieser Reihe und es erschien im Jahr 1982. Nun, das musikalische Genre hier, bei dieser Platte, mit Punk oder Post Punk anzugeben ist durchaus gewagt, denn es trifft im Grunde genommen nur noch für den Anfang der Platte zu. Im weiteren Verlauf hört man dann ganz andere, für The Clash durchaus sehr ungewöhnliche Töne.

Nach einem der bekanntesten Lieder von The Clash „Should I Stay Or Should I Go” ist Schluss mit dem Punk. Ab hier wird es entweder experimentell, oder aber es klingt nach Reggae oder sogar nach Funk. Wenn man möchte kann man in diesem bunten Stilmix auch noch etwas Disco und Jazz mit entdecken. Dass diese etwas krude Mischung nicht bei allen Freunden von The Clash ankam, ist dabei wohl nicht weiter verwunderlich. Nicht umsonst wird „Combat Rock“ bei vielen der Fans als das schlechteste Clash Album überhaupt gehandelt.

Ich muss zugeben, mich trifft diese Musik auch absolut nicht. Ich finde zwar solch experimentelle Stücke wie „Sean Flynn“ noch ganz interessant, möchte allerdings bei solch Nummern wie „Overpowered By Funk“ am liebsten schreiend den Raum verlassen. Das ist echt nicht meine Welt. Funk kann richtig überzeugend sein, jedoch nicht so, auf diese Art und Weise. Hier groovt nichts, das Ganze wirkt eher nervtötend, völlig unausgegoren, irgendwie nicht fertiggestellt. Überhaupt geht auf dieser Scheibe nicht viel ins Ohr. Die Mitgröl-Nummer „Should I Stay Or Should I Go” ist da wirklich die einzige Ausnahme. Und zu oft sollte man dieses Lied auch nicht hören, denn dann hat man sich daran sehr schnell überhört. Tolle Melodien sind ansonsten Fehlanzeige auf dieser Platte.

Fazit: „Combat Rock“ von The Clash langweilt ein wenig. Zu begeistern schafft diese Scheibe nie, dafür erzeugt das Album jedoch manchmal einfach nur noch Kopfschütteln. Gelungene Musik kann ich darauf nur an wenigen Stellen entdecken. Meistens klingt das langweilig und sehr, sehr unausgegoren. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Know Your Rights, Should I Stay Or Should I Go, Sean Flynn, Death Is A Star



Sonntag, 25. Oktober 2015

The Cure – Disintegration




The Cure – Disintegration


Besetzung:

Robert Smith – vocals, guitars, keyboards, 6-string bass
Simon Gallup – bass guitar, keyboards
Porl Thompson – guitars
Boris Williams – drums, percussion
Roger O'Donnell – keyboards, piano
Lol Tolhurst – other instruments


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

1. Plainsong (5:15)
2. Pictures Of You (7:28)
3. Closedown (4:20)
4. Lovesong (3:30)
5. Last Dance (4:47)
6. Lullaby (4:10)
7. Fascination Street (5:15)
8. Prayers For Rain (6:09)
9. The Same Deep Water As You (9:21)
10. Disintegration (8:23)
11. Homesick (7:10)
12. Untitled (6:26)

Gesamtspieldauer: 1:12:21




Mag die Eine oder der Eine mal Gothic Rock hören? Dann würde ich immer die achte Scheibe von The Cure empfehlen. „Disintegration“ ist so etwas von intensiv, steht dabei sehr überzeugend für dieses musikalische Genre, dass es einem wirklich sehr schwer fällt ein besseres Beispiel zu finden. Es ist schon sehr überzeugend, was die Musiker um Robert Smith hier auf Platte gepresst haben.

Die Musik auf „Disintegration“ ist sehr traurig, sehr schwermütig, sehr düster, dunkel, nachdenklich, depressiv. Und dies alles in einer Art und Weise, die das Herz des Musik-Fans höher schlagen lässt. Auf „Disintegration“ taucht man in eine irgendwie marode geartete Welt ein, die trostlos ist, die darum bettelt, endlich erhört oder befreit zu werden. Dazu gesellt sich dieser Gesang des Robert Smith, der immer traurig, dazu noch manchmal verzweifelt, mal unfassbar enttäuscht, jedoch immer überzeugend und genau zu dieser Musik passend klingt. Hier gibt die Stimme die Stimmung wieder, das ist wahrlich was Besonderes in der heutigen Zeit.

Die Lieder auf „Disintegration“ gehen ins Ohr, breiten sich dort aus und werden nicht selten zu Ohrwürmern, die eine oder einem so schnell nicht mehr loslässt beziehungsweise vergessen werden. Höhepunkte sind für mich das fast schon swingende „Lovesong” und das sehr intensive „Lullaby”, welches so wirkt, als ob es in der psychiatrischen Station eines ganz beliebigen Krankenhauses geschrieben wurde. Und dann gibt es da noch die längste Nummer der Platte, „The Same Deep Water As You“. Das ist durchaus ein Zwischending zwischen New Wave und Gothic Rock, aber so etwas von intensiv und überzeugend. Hier wird keine Atmosphäre transportiert, hier wird Atmosphäre erzeugt, erschaffen. Bei diesem Titel – und nicht nur bei diesem Lied auf dem Album – gibt es diese Redundanzen, in die sich einzutauchen lohnt, die manche Musik zu etwas Besonderem machen.

Fazit: Musik wird immer in bestimmte Genres eingeteilt. Dieses hier heißt Gothic Rock. Und wenn dieses Album „Disintegration“ dieses musikalische Genre wirklich darstellen sollte, dann aber perfekt. Das ist Gothic Rock. Diese Platte sollten niemals Menschen anhören, die traurig sind schon gar zu depressiven Episoden neigen. Alles was negativ ist, das wird hier verstärkt. Trübselige Menschen, haltet Euch von dieser Platte fern! Elf Punkte.

Anspieltipps: Lovesong, Lullaby, The Same Deep Water As You



Samstag, 24. Oktober 2015

Faith No More – Angel Dust




Faith No More – Angel Dust


Besetzung:

Mike Bordin – drums
Roddy Bottum – keyboards
Billy Gould – bass
Jim Martin – guitars
Mike Patton – vocals, melodica


Label: Slash


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Alternative Metal


Trackliste:

1. Land Of Sunshine (3:44)
2. Caffeine (4:28)
3. Midlife Crisis (4:23)
4. RV (3:43)
5. Smaller And Smaller (5:11)
6. Everything's Ruined (4:34)
7. Malpractice (4:02)
8. Kindergarten (4:31)
9. Be Aggressive (3:42)
10. A Small Victory (4:57)
11. Crack Hitler (4:39)
12. Jizzlobber (6:38)
13. Midnight Cowboy (4:14)


Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

14. Easy (3:06)

Gesamtspieldauer: 1:01:58



Manche meiner Platten habe ich lange nicht mehr gehört. Irgendwie scheinen einige Scheiben einfach mal eine Zeit lang hinten runterzufallen und in Vergessenheit zu geraten. Und wenn ich ehrlich bin, dann wundert es mich häufig auch nicht, dass meine Hand nie genau zu diesem oder jenem Album zuckte, wenn es darum ging, Musik für den heutigen Tag aufzulegen – warum soll man sich auch mit schlechter Musik den Tag versauen, wenn es so viel Gutes zu hören gibt. Manchmal ist es aber leider auch unfassbar schade, eine Platte über längere Zeit so links liegengelassen zu haben. Im Rahmen dieser Seiten kommt aber alles wieder auf meinen Plattenteller beziehungsweise in den CD-Player. Und das ist es auch, was mir hier so viel Spaß bereitet, endlich mal „Übersicht“ zu bekommen. Nun, „Angel Dust“ von Faith No More gehört dabei definitiv in die zweite Kategorie, zu jenen Alben also, bei denen ich mir nicht erklären kann, wie es überhaupt so weit kommen konnte, diese Scheibe aus den Augen zu verlieren.

„Angel Dust“ ist das vierte Studio-Album der US-amerikanischen Metal Band Faith No More aus Kalifornien. Und dieses Album ist so etwas von unfassbar abwechslungsreich, so düster bis dunkel, so rockig bis verspielt, so immer wieder überraschend und doch einheitlich. Hier gibt es die volle Dröhnung auf die Ohren und dann werden einem gleichzeitig wunderschöne Melodien auf die Ohren serviert. Da growlt (aber nur ganz, ganz wenig) Sänger Mike Patton mal, singt dann jedoch wieder so butterweich, als könne er kein Wässerchen trüben. Überhaupt dieser Mike Patton, der hier eine unglaublich große Bandbreite von dem zeigt, was ein guter Sänger mit seiner Stimme so alles „unternehmen“ kann.

Der Schwerpunkt liegt auf den eher härteren Nummern, „RV“, „Midnight Cowboy“ und das nachträglich hinzugefügte Lionel Ritchie Cover „Easy“ sind da eher die Ausnahmen. Alle diese drei Titel gehen sofort ins Ohr und bilden aufgrund ihrer „Sanftheit“ und auch augenzwinkernden Verspieltheit tolle Auflockerungen. Aber es gibt natürlich auf „Angel Dust“ jede Menge kraftvolle, nach vorne preschende Titel. Nun und da sage noch einer, Metal sei lediglich „harte“ Musik. Solche Nummern wie „Land Of Sunshine“, „Midlife Crisis” oder „Kindergarten” sprühen geradezu vor Melodiösität und Eingängigkeit. Sehr viel vielschichtiger und abwechslungsreicher präsentieren sich diese Nummern, als ein stupides und schnelles Bum – Tsching – Bum – Tsching und werden ganz schnell zu langanhaltenden Ohrwürmern.

Die Stimmung auf „Angel Dust“ ist eher ein wenig dunkel gehalten. Düster klingt es öfters und wenn Mike Patton dann dazu noch beschwörerisch auf die Hörerin beziehungsweise den Hörer einzusingen scheint, wird das Ganze noch intensiver. Die Lieder funktionieren hier zum Großteil auch nicht nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain, sondern sind vielschichtiger aufgebaut, häufig aus deutlich mehr Teilen zusammengesetzt, die eben nicht nach Schema F hintereinander abgespielt werden. Da macht es schon sehr viel Laune zu lauschen.

Fazit: Egal ob man ein Freund des Headbanging ist oder eher auf die „gepflegte“ Melodie steht, auf „Angel Dust“ ist für jeden was dabei. Und das Schöne daran ist, dass hier diese ganze Bandbreite nebeneinander existiert, perfekt miteinander verwoben ist und irgendwie alle anzusprechen scheint – egal ob Hard- oder Soft-Rocker. „Angel Dust“ wirkt aufgrund seiner Vielfalt, seiner Kraft, seines Ideenreichtuns, kurz aufgrund jeder Menge sehr überzeugender Musik. Sehr empfehlenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Land Of Sunshine, Midlife Crisis, RV, Kindergarten



Freitag, 23. Oktober 2015

Bauhaus – Mask




Bauhaus – Mask


Besetzung:

Peter Murphy – vocals, guitar
Daniel Ash – guitar, saxophone
David J – bass guitar, vocals
Kevin Haskins – drums


Label: Beggars Banquet


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Gothic Rock, New Wave


Trackliste:

1. Hair Of The Dog (2:42)
2. The Passion Of Lovers (3:52)
3. Of Lilies And Remains (3:18)
4. Dancing (2:28)
5. Hollow Hills (4:47)
6. Kick In The Eye (3:40)
7. In Fear Of Fear (2:57)
8. Muscle In Plastic (2:51)
9. The Man With The X-Ray Eyes (3:05)
10. Mask (4:36)


Bonus Tracks der remasterten CD-Ausfgabe:

11. In Fear Of Dub (2:54)
12. Earwax (3:14)
13. Harry (2:47)
14. 1. David Jay 2. Peter Murphy 3. Kevin Haskins 4. Daniel Ash (6:37)
15. Satori (4:35)

Gesamtspieldauer: 54:31



Nein, alltäglich ist dieses zweite Studioalbum der Gothic-Rock Band Bauhaus sicherlich nicht, welches unter dem Titel „Mask“ veröffentlicht wurde. Auch benötigt man garantiert einige Durchläufe der Platte, um mit dieser Scheibe aus dem Oktober 1981 so richtig warm zu werden. Die Melodien und Rhythmen erschließen sich einem nämlich nicht sofort, dazu bedarf es einiger Muße und vor allen Dingen Zeit, dass diese Musik wirklich die Chance hat, auch richtig anzukommen.

Bei mir klappt das auch keineswegs vollständig. Zu verquer klingt da so mancher Titel auf „Mask“, die Musik hört sich mitunter sehr konstruiert an, von melodiös kann man sogar nur in den allerwenigsten Fällen sprechen. Dafür sind die Titel allerdings durchaus spannend geraten, nichts auf „Mask“ ist vorhersehbar, alles scheint überraschend und plötzlich zu geschehen. Und natürlich werden die einzelnen Lieder auch vertrauter und eingängiger mit jedem weiteren Durchlauf.

Plötzlich entwickelt dann solch eine Nummer wie „The Passion Of Lovers“ durchaus eine Art Ohrwurmcharakter. Auch „The Man With The X-Ray Eyes” scheint auf einmal zu zünden. Ein Lied, welches schon sehr weit in das Gene New Wave hineinreicht. Doch diese beiden Titel sind nicht die Höhepunkte der Scheibe. Diese verbergen sich im fünften Stück „Hollow Hills“, welches so wunderschön gespenstisch bis mystisch klingt. Hier sind wir dann ganz im Bereich des Gothic Rock angekommen. Und dann ist da natürlich noch das Titellied „Mask“ selber, welches ebenfalls sehr überzeugt. Auch im Genre des Gothic Rock beheimatet, ist es hier vor allen Dingen die Redundanz innerhalb des Stücks selbst, die einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Sehr gelungen.

Was bei diesen Stücken gelingt, nämlich den Zugang zu dieser Musik zu finden, klappt leider nicht absolut beim Rest auf der Platte. Und da ist es dann egal, ob es sich dabei um einen der original enthaltenen Titel oder um eine der fünf Zugaben handelt, die stilistisch durchaus zum Rest passen. Das klingt manchmal schon ziemlich schräg, wenig zugänglich und auch immer wieder absolut experimentell.

Fazit: „Mask” ist ein Album geworden, welches sicherlich sehr spannend, da so überraschend ist. Allerdings kann man das nicht immer hören, da diese Musik zum einen die volle Aufmerksamkeit von Hörerin und Hörer verlangt und zudem durchaus auch anstrengend ist. Höhepunkte hat die Scheibe allerdings durchaus, die auch ins Ohr gehen und dort verbleiben. Aber schwierig, ja schwierig bleibt „Mask“ trotzdem. Sieben Punkte.

Anspieltipps: The Passion Of Lovers, Hollow Hills, Mask



Donnerstag, 22. Oktober 2015

Chris De Burgh – The Getaway




Chris De Burgh – The Getaway


Besetzung:

Chris de Burgh – vocals, 6 and 12 string guitars, piano


Gastmusiker:

Rupert Hine – synthesizers, percussion, orchestral arrangements, backing vocals
John Giblin – bass
Steve Negus – drums
Phil Palmer – electric and acoustic guitar
David Caddick – piano (on "I´m Counting On You")
Tim Wynveen – electric and acoustic guitars on "Crying And Laughing", "Living On The Island", "Light A Fire" and "Liberty"
Anthony Thistlethwaite – saxophones
Stephen W. Tayler – woodwinds, saxophones
Nigel Warren-Green – cello (on "I´m Counting On You")
Anthony Head – additional vocals
Sue Wilkinson – additional vocals
Diane Davison – additional vocals
Miriam Stockley – additional vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Don't Pay The Ferryman (3:48)
2. Living On The Island (3:31)
3. Crying And Laughing (4:33)
4. I'm Counting On You (4:27)
5. The Getaway (3:52)
6. Ship To Shore (3:49)
7. All The Love I Have Inside (3:18)
8. Borderline (4:37)
9. Where Peaceful Waters Flow (3:54)
10. The Revolution (1:46)
11. Light A Fire (2:08)
12. Liberty (5:02)

Gesamtspieldauer: 44:47




Zum Teil, ist das schon starker Tobak, was uns der „irische Weichspüler” Chris de Burgh hier, auf seinem sechsten Album mit dem Titel „The Getaway“, präsentiert. Die Platte wurde im Dezember 1982 veröffentlicht und enthält neben eingängigen Pop-Nummern auch einige Schmusesongs sowie gegen Ende der Platte Stücke, die an frühere Alben des Iren erinnern und sehr überzeugen.

Mit solchen Nummern wie „Don't Pay The Ferryman“ oder „Ship To Shore” wird man natürlich auch gerne im Radio gespielt. Eingängig und sehr simpel, bleiben solche Titel leicht im Ohr hängen. Gefallen muss einem das natürlich nicht unbedingt, denn spannende Musik sieht definitiv anders aus. Jedoch verkauft sich solch ein kommerzieller Brei natürlich klasse, nicht umsonst war „The Getaway“ die erste Platte des Chis de Burgh, die es in Deutschland bis auf Platz 1 schaffte. Drei weiteren Alben des Schmuserockers sollte dieses Kunststück in Deutschland ebenfalls noch gelingen.

Sehr schmalzig wird es auch immer wieder mal, dabei sind diese Titel durchaus gelungen und gehen ins Ohr. Nicht alle, aber wer bei „I'm Counting On You“ nicht zum Taschentuch greifen muss, die oder der scheint gewiss ein Herz aus Stein zu haben. Wahnsinn, wie rührselig ein Lied sein kann – und trotzdem ins Ohr geht. Für so etwas müsste sich eigentlich ein „Rocker“ schämen. Nun, und spannend wird es dann richtig am Ende der Scheibe mit den zusammengehörenden Titeln „The Revolution“, „Light A Fire“ und „Liberty“. Im Grunde genommen stellen diese drei Lieder eines dar. Auch auf den unterschiedlichen Ausgaben des Albums, wurden diese Nummern ganz unterschiedlich geschnitten. Hier klingt Chris de Burgh jetzt wieder nach „Crusader“ oder „Spanish Train“. Mehrere Themen entwickeln sich, eine Geschichte wird erzählt und man hört glücklicherweise mal keinen Liebessingsang. Sehr gelungen.

Fazit: Von wirklich überzeugend bis hin zu „Oh weh, muss das jetzt sein?“ reicht die Palette der Lieder auf „The Getaway“. Man muss zwar nicht stürmend den Raum verlassen, wenn so mancher Titel angespielt wird, bei der einen oder anderen Nummer lohnt sich die Fernbedienung jedoch definitiv. Dann gibt es allerdings auch so tolle Titel, wie die drei Stücke am Ende der Platte oder das unfassbar weiche „I'm Counting On You“. Gar nicht einfach diese Platte, irgendwie scheint da etwas für jede und jeden dabei zu sein. Acht Punkte.

Anspieltipps: I'm Counting On You, The Revolution, Light A Fire, Liberty



Mittwoch, 21. Oktober 2015

Calexico – Carried To Dust




Calexico – Carried To Dust


Besetzung:

Joey Burns – vocals, guitars, bass, cello, keyboards, accordion, percussion, vibraphone
John Convertino – drums, percussion, piano
Paul Niehaus – steel guitar, guitars
Jacob Valenzuela – trumpet, keyboards, vibraphone, vocals
Martin Wenk – trumpet, guitar, keyboards, accordion, glockenspiel, vibraphone, harmonica & french horn)
Volker Zander – standup bass, electric bass


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent Rock, Americana


Trackliste:

1. Víctor Jara's Hands (3:19)
2. Two Silver Trees (3:49)
3. The News About William (2:47)
4. Sarabande In Pencil Form (0:39)
5. Writer's Minor Holiday (3:09)
6. Man Made Lake (3:00)
7. Inspiración (3:34)
8. House Of Valparaíso (2:46)
9. Slowness (3:35)
10. Bend To The Road (3:17)
11. El Gatillo (Trigger Revisited) (3:07)
12. Fractured Air (Tornado Watch) (3:15)
13. Falling From Sleeves (1:20)
14. Red Blooms (3:24)
15. Contention City (4:16)

Gesamtspieldauer: 45:24




„Carried To Dust“ heißt das siebte Album der US-amerikanischen Band Calexico, welches im September 2008 veröffentlicht wurde. Und darauf hört man wieder diese für Calexico unverwechselbare Mischung aus Independent Rock, Folk, Latin, Mariachi und Country. Wahrscheinlich verstecken sich aber wohl noch mehr musikalische Genres auf dieser dreiviertel Stunde Musik, alles scheint bei dieser Band irgendwie zusammenzupassen.

Calexico verstehen dieses Spielen mit unterschiedlichen Musikrichtungen, welches jederzeit spannend und überzeugend bleibt. Die Band klingt hier auch ein klein wenig mehr wie noch in den Anfängen, die „mexikanische und nordamerikanische Karte“ wird immer wieder deutlich ausgespielt. Poppig klingt die Platte kaum, dafür rockig, nicht hart, sondern eher sanft bis hin zum Mid-Tempo hinauf. Dieser Independent Rock überzeugt auch deshalb so, da die Melodien wirklich zu überzeugen wissen. Mag das beim ersten Hören noch „nett“ klingen, stellt man beim zweiten Durchlauf bereits fest, dass sich diese Harmonien bereits fest im Ohr verankert haben.

Die Musik von Calexico auf „Carried To Dust“ klingt nach Weite, nach Sehnsucht, nach Freiheit – und falls diese noch nicht erreicht wurde, dann zumindest nach dem Verlangen danach. Das ist alles durchaus originell und gar nicht so alltäglich. Am allerbesten klingt die Band, wenn es sich irgendwie mystisch oder auf eine Art verwunschen anhört, wie zum Beispiel beim sehr überzeugenden „Man Made Lake“. Ebenfalls in diese Kategorie fällt das sehnsüchtige „Bend To The Road“, bei dem die Musiker ihre Herkunft wieder mal überhaupt nicht verbergen können, was nicht nur am Einsatz einer Lap Steel Guitar liegt. Das kurze Instrumentalstück „Falling From Sleeves“ überzeugt dagegen durch absolute Melodiösität, was ebenfalls auf das etwas verspieltere „Two Silver Trees“ zutrifft.

Fazit: Calexico machen alles, nur keine 08/15-Musik. Und man muss kein Fan mexikanischer und US-amerikanischer Folklore sein, um auf „Carried To Dust“ etwas für sich entdecken zu können. Die Musik von Calexico klingt, ist melodiös, eingängig und die Texte sind durchaus ebenfalls lesenswert. Das ist schon mal eine ganze Menge. Und da die Atmosphäre auf dieser Scheibe ebenfalls eine besondere, so nicht immer zu hörende ist, wird auch dieses Album zu einer lohnenden Anschaffung, wenn man denn Interesse an Rock Musik hat und Spaß daran, mal den Mainstream hinter sich zu lassen. Elf Punkte.


Anspieltipps: Two Silver Trees, Man Made Lake, Bend To The Road, Falling From Sleeves



Dienstag, 20. Oktober 2015

Bryan Ferry – Another Time, Another Place




Bryan Ferry – Another Time, Another Place


Besetzung:

Bryan Ferry – lead vocal, harmonica and organ


Gastmusiker:

Henry Lowther – trumpet
Chris Mercer – tenor saxophone
David O'List – guitar
Ruan O'Lochlainn – alto saxophone
John Porter – guitar
Chris Pyne – trombone
John Wetton – bass guitar, fiddle

Sowie ohne Instrumentenangabe:

Tony Carr
Tony Charles
Don Cirilo
Paul Cosh
Geoff Daley
Martin Drover
Bob Efford
Malcolm Griffiths
Jimmy Hastings
Morris Pert
John Punter
Alf Reece
Peter Robinson
Ronnie Ross
Bruce Rowland
Steve Saunders
Alan Skidmore
Winston Stone
Mark Warner


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. The 'In' Crowd (4:36)
2. Smoke Gets In Your Eyes (2:54)
3. Walk A Mile In My Shoes (4:44)
4. Funny How Time Slips Away (3:31)
5. You Are My Sunshine (6:47)
6. (What A) Wonderful World (2:55)
7. It Ain't Me Babe (3:57)
8. Fingerpoppin' (3:34)
9. Help Me Make It Through The Night (4:15)
10. Another Time, Another Place (4:46)

Gesamtspieldauer: 41:58




Auch das zweite Album des Engländers Bryan Ferry besteht aus Cover-Songs anderer Musiker und Bands. Dieses Mal jedoch nicht mehr ausschließlich, denn tatsächlich steuerte Bryan Ferry auf seiner zweiten Solo-Veröffentlichung sogar einen eigenen Titel bei, nämlich das Titellied und gleichzeitig den Abschluss dieses Albums: „Another Time, Another Place“. Es hätte gerne mehr davon sein können.

Im Jahr 1974 erschien die Platte im Juli und kletterte in den englischen Charts sogar bis auf Rang 4. Trotzdem muss man sich natürlich fragen, ob man solch eine Scheibe überhaupt braucht und nicht die Lieder lieber im Original anhören möchte, wenn sie einen denn interessieren. Nun, sei es drum, Bryan Ferry hat hier einige Titel zusammengestellt, die ihm wohl selber sehr am Herzen gelegen haben dürften. Diese interpretiert er und macht sie dabei schon ein klein wenig zu seinen, denn durch den Sound, der eben für Bryan Ferry und auch Roxy Music durchaus stellvertretend steht, bekommen die einzelnen Lieder eine ganze neue Note.

Allerdings liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass der Musikgeschmack des Bryan Ferry nicht unbedingt den eigenen treffen muss und manche Interpretationen auch nicht wirklich überzeugen können, wenn man denn das Original bereits gut kennt. Wahrlich gelungen und sehr überzeugend ist jedoch das viel zu kurze „Smoke Gets In Your Eyes“. Ein Lied zum Steinerweichen. Mein Gott muss Liebe schön sein. Wunderschöne Melodie, tolle Orchestrierung mit einer ordentlichen Portion an Streichern, überzeugendes Saxophon-Solo und dieser herrlich, leicht „schmalzige“, weinerliche Gesang des Bryan Ferry, der hier mitten ins Herz trifft.

Ebenfalls sehr gelungen und überzeugend klingt das bereits erwähnte Titelstück „Another Time, Another Place“. Das einzige selbstgeschriebene Lied begeistert deutlich mehr, als so manche Cover-Version auf dieser Platte. Von solch Eigenkompositionen hätte man sich durchaus noch mehr auf dem Album gewünscht. Denn der ganze Rest, nun, der ist zum Teil ganz nett, manchmal jedoch auch einfach nur langweilig. Vielleicht konnten diese Titel Anfang bis Mitte der 70er Jahre noch überzeugen, inzwischen jedoch, über 40 Jahre später, sieht das schon deutlich anders aus.

Fazit: Es ist, wie es eben so ist, bei einem Album, welches nur aus Cover-Titeln besteht. Eine richtige Daseinsberechtigung gibt es da nur selten für. Nicht viel anders sieht das bei „Another Time, Another Place“ aus. Gelungen ist hier das Titellied – keine Cover-, sondern eine Eigenkomposition, die schwer nach Roxy Music klingt – sowie das wirklich sehr überzeugende „Smoke Gets In Your Eyes“. Und der Rest? Ach, Schwamm drüber. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Smoke Gets In Your Eyes, Another Time Another Place



Montag, 19. Oktober 2015

Peter Hammill – And Close As This




Peter Hammill – And Close As This


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, keyboards


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Art Rock


Trackliste:

1. Too Many Of My Yesterdays (4:48)
2. Faith (4:29)
3. Empire Of Delight (4:44)
4. Silver (5:29)
5. Beside The One You Love (5:14)
6. Other Old Clichés (4:07)
7. Confidence (6:37)
8. Sleep Now (4:44)

Gesamtspieldauer: 40:15




Sein fünfzehntes Solo-Album nannte Peter Hammill „And Close As This”. Und dieses „And Close As This“, bei dem man dem Briten wohl sehr nah kommen soll, ist eine Art Experiment geworden. Nicht jedoch, weil sich Peter Hammill hier besonders experimentell anhört oder klingt, es ist sehr viel eher die Art der Herangehensweise und Fertigstellung der Platte, etwas Neues für Peter Hammill darstellt. Auf „As Close As This“ ist nämlich lediglich Peter Hammill gesanglich und am E-Piano zu hören – sonst niemand und nichts, abgesehen von einigen wenigen eingefügten „Füllern“ mittels des Keyboards, die hier allerdings auch nur seltene Töne darstellen.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass bei solch spartanischer Instrumentierung der Schwerpunkt eher auf den sentimentalen, melancholischen Liedern liegt. Und so transportiert das Album auch eine sehr traurige bis nachdenkliche Stimmung. Nur ab und an greift Peter Hammill mal stärker in die Tasten, erhebt seine Stimme über das sanfte Maß hinaus, was jedoch auch nichts an dieser eher dunklen und schwermütigen Atmosphäre ändert.

Sanft ist sie, die Musik auf „And Close As This“ und Peter Hammill versucht hier durchaus „intimer“ mit seinen Hörern zu werden. Das scheitert jedoch manchmal an Liedmaterial selbst. Das kann nicht unbedingt immer und an jeder Stelle überzeugen. Zwar werden die einzelnen Stücke mit jedem weiteren Durchlauf der Platte vertrauter, jedoch nicht unbedingt melodiöser, eingängiger. Das wiederum gilt ausdrücklich nicht für die erste Nummer der Platte, „Too Many Of My Yesterdays“. Zwar zündet das Stück auch nicht unbedingt sofort beim ersten Hören, doch spätestens beim dritten Versuch. Da entfaltet dieses Lied seine ganze Melodiösität und stellt einen weiteren Höhepunkt im Schaffen des Peter Hammill dar.

Fazit: „And Close As This“ ist auch bei Peter Hammill Fans sehr umstritten, weil es eben eine sehr ruhige und irgendwie spartanische Platte geworden ist. Es gibt darauf ein paar wirklich feine Stücke, mit einem Höhepunkt in Gestalt von „Too Many Of My Yesterdays“. Allerdings befinden sich auch einige etwas nichtssagende Nummern auf der Platte, die eben mal so mitlaufen. Wer auf sanfte und gefühlvolle Musik steht, die oder der macht mit der Platte sicherlich nichts falsch. Nicht der Höhepunkt im Schaffen des Peter Hammill, jedoch bestimmt auch kein Ausfall. Acht Punkte.

Anspieltipps: Too Many Of My Yesterdays