Freitag, 30. März 2012

Aereogramme – A Story In White





Aereogramme – A Story In White


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Callum Davidson – piano, track 1
Simon Neil – screaming, track 5
Alison Brown – strings, track 6
Sharon McVeigh – strings, track 6


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2001


Trackliste:

1. The Question Is Complete (4:51)
2. Post Tour, Pre-Judgement (5:10)
3. Egypt (3:19)
4. Hatred (4:22)
5. Zionist Timing (5:30)
6. Sunday (4:56)
7. Shouting For Joey (3:27)
8. A Meaningful Existence (5:12)
9. Descending (4:31)
10. Will You Still Find Me? (4:13)

Gesamtspieldauer: 45:31



Da kennt man Aereogramme von späteren Veröffentlichungen mit wunderschönen schwebenden Melodien - und dann beginnt diese CD mit Industrial Tönen, an denen man erst mal zu knabbern hat. Der Opener, „The Question Is Complete“, beginnt genau so, wird im weiteren Verlauf zunächst wieder sanfter, aber kaum hat man sich auf die Ruhe und den zerbrechlichen Gesang eingestimmt, wird es erneut laut, sehr laut, fast schon dissonant und richtiggehend nervenaufreibend. Durch diese abrupten Lautstärke- und Tempiwechsel will sich bei dem Lied auch nie eine richtige Stimmung einstellen, es wirkt viel zu konstruiert.

Ähnlich aufgebaut ist auch Track 2. Dieses Mal wirkt das Ganze allerdings wesentlich durchdachter und melodiöser und damit kann dieser Titel dann punkten. Die letzten 30 Sekunden schreit Craig B allerdings auch bei diesem Stück alles raus, was ihm auf der Seele zu liegen scheint. „Egypt“ ist eine sehr ruhige Nummer, instrumentiert hauptsächlich mittels Piano und den Toms. Mit Klaviertönen beginnt auch „Hatred“, ein sanftes Lied, welches irgendwie so dahinschwebt, ohne einen mit auf die Reise zu nehmen. Bei „Zionist Timing“ hat dann die verzerrte Gitarre ihren Auftritt, ein Lied, bei dem wohl vor allem Heavy Metal Fans auf Ihre Kosten kommen. Einige Ähnlichkeiten zu Tool sind auch unverkennbar. Nach einem erneuten „Schreipart“ klingt das Lied dann zweieinhalb Minuten aus.

„Sunday“ ist ein Highlight der Platte. Vom Cello getragen entwickelt es sich in eine schöne Ballade, die endlich mal nicht durch Schreieinlagen unterbrochen wird und somit sehr viel mehr Wirkung beim Zuhörer hinterlässt. „Shouting For Joey“ ist im Anschluss daran wieder ganz wörtlich zu nehmen. Beginnt das Stück noch wie ein Tool-Titel, entwickelt es sich dann zu einem einzigen Gekreische. Dieses endet bei 1:45 und wieder mal klingt das Lied über einen längeren Zeitraum hinweg aus. Dieses Ende ist mit seinen undefinierbaren Geräuschen und einer schönen Pianomelodie zwar toll gemacht, zeigt aber einmal mehr die Schwierigkeit, sich auf dieses Album einzulassen. Denn auch bei diesem Track wollen Teil 1 und Teil 2 irgendwie nicht zusammenpassen.

“A Meaningful Existence” ist ein langsames und getragenes Stück, welches ebenfalls Steigerungen aufweist, denen der Zuhörer aber ohne weiteres folgen kann, da sie zum Rest des Songs passen. „Descending“ wird mit einer akustischen Gitarre eingeleitet und der Hörer sollte sich beim Hören keine größeren Sorgen bezüglich eines Tinitusanfalls machen. Der hier wahrzunehmende hohe Hintergrundton verschwindet bei 1:30 wieder, um dann bei 2:00 etwas dezenter wieder aufzutauchen. Und schließlich wird das Album mit „Will You Still Find Me?“ geschlossen. Letzter Titel wird sicher manchem zu brav und glatt daherkommen, setzt allerdings einen gelungenen Kontrastpunkt zum ersten Titel des Albums.

Fazit: Ein nicht ganz leichtes Debütalbum haben die vier Schotten hier vorgelegt. Nicht jeder wird mit den doch sehr unterschiedlichen Stimmungen und Stilschwankungen auf der Platte etwas anfangen können. Viele Bands schaffen es, gleich bei Ihrer ersten Veröffentlichung ein Meisterwerk abzuliefern, an dem sich alle folgenden Alben zu messen haben. Aereogramme ist das mit „A Story In White“ nicht gelungen. Mit dieser Veröffentlichung hatte die Band noch viel Spielraum nach oben, den sie glücklicherweise auch nutzte. Auf dem Album befinden sich ein paar wenige, richtig gute Lieder und auch ein paar sehr schöne Ansätze, mehr aber auch nicht. Ich kann dafür nur 6 Punkte vergeben.

Anspieltipps: Post Tour Pre-Judgement, Sunday, A Meaningful Existence