Montag, 29. Februar 2016

Genesis – Genesis Live




Genesis – Genesis Live


Besetzung:

Tony Banks – hammond organ, mellotron, hohner pianet, 12-string guitar, backing vocals
Phil Collins – drums, percussion, backing vocals
Peter Gabriel – lead vocals, flute, tambourine
Steve Hackett – lead guitar
Mike Rutherford – bass guitar, bass pedals, 12-string guitar, backing vocals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Watcher Of The Skies (8:34)
2. Get 'Em Out By Friday (9:14)
3. The Return Of The Giant Hogweed (8:14)
4. The Musical Box (10:56)
5. The Knife (9:47)

Gesamtspieldauer: 46:44



Im August des Jahres 1973 veröffentlichten Genesis ihr erstes Live-Album unter dem Titel „Genesis Live“. Wie auch die Platten zuvor, so wurde auch diese Scheibe auf dem Charisma Label veröffentlicht und kletterte immerhin bis auf Platz 9 der britischen LP-Charts. Zu hören gibt es darauf fünf Lieder, die den Alben zwei bis vier entnommen wurden. „The Knife“ stammt von der zweiten Platte „Trespass“, die noch ohne Phil Collins eingespielt wurde. „Nursery Cryme“ ist mit „The Return Of The Giant Hogweed“ und „ The Musical Box” vertreten. Vom vierten Album „Foxtrot” stammen schließlich die beiden Titel „Watcher Of The Skies“ sowie „Get 'Em Out By Friday“.

Nun, das Wichtige zu diesem Album ist sehr schnell gesagt. Die Musik darauf ist absolut beeindruckend und einfach genial, wenn man denn auf Progressive Rock steht, der melodisch ist und ins Ohr geht. Die entsprechenden Platten wurden hier auf diesen Seiten auch mit fünfzehn, vierzehn und dreizehn Punkten bewertet. Mehr geht also kaum. Die Musik überzeugt, der Klang ist dabei selbstverständlich jedoch nicht ganz so perfekt, wie er auf den Studio-Alben klingt, trotzdem noch gut. Aber das nimmt man bei einem mitreißenden Live-Album natürlich auch gerne mit in Kauf. Hier zählt zwar auch der Sound, jedoch zusätzlich die Atmosphäre, die von einem Live-Erlebnis mittransportiert wird.

Genau dort liegt allerdings auch die kleine Einschränkung dieses Albums. Stimmung wird hier nämlich nicht großartig in das Wohnzimmer übermittelt. Zwar gibt es frenetischen Applaus und Jubel nach jedem Lied zu hören und Peter Gabriel macht zwei kleine Scherze, die kurze Lacher nach sich ziehen, ansonsten werden hier von ihm jedoch nur ganz knapp die Titel angesagt. Soviel also zur „Live-Atmosphäre“ der Scheibe. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die fünf Lieder praktisch eins zu eins von den jeweiligen Alben übernommen wurden. Hier gibt es kaum Variationen zu den Originalen. Am ehesten sind diese noch beim ältesten Stück „The Knife“ zu hören, welches auf „Genesis Live“ noch etwas rockiger klingt als im Original und auch in dieser Version wahrlich mitreißend ist. Die Lieder sind genial, das steht außer Frage. Die praktisch identische Umsetzung dieser Titel auf der Bühne zeigt dabei nur, welch tolle Musiker die fünf Briten sind. Nur die Umsetzung des Ganzen als Live-Album hätte es da nicht unbedingt gebraucht.

Fazit: Mitreißenden Progressive Rock gibt es auf „Genesis Live“ zu hören. Musik, die es nur zur damaligen Zeit gab, danach in dieser Ausprägung nie wieder. Von daher muss ein solches Konzert ein sehr beeindruckendes Erlebnis gewesen sein, welchem ich persönlich aus Altersgründen leider nie beiwohnen durfte. Nun, die Musik unterscheidet sich nur marginal von den Originalen auf den Studio-Alben, die Klangqualität ist logischerweise ein klein wenig schlechter als bei den Studioaufnahmen und außer Jubel und Applaus gibt es auch nicht allzu viel „Live“-Sound zu hören. Trotzdem bleibt das natürlich immer noch geniale Musik, die sich zu hören einfach lohnt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Knife



Sonntag, 28. Februar 2016

The Nits – Henk




The Nits – Henk


Besetzung:

Robert Jan Stips – keyboards
Rob Kloet – drums
Henk Hofstede – vocals, banjo


Gastmusiker:

Petra Lugtenburg – background vocals
Joke Geraets – background vocals


Label: CBS


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, Avantgarde


Trackliste:

1. Bike In Head (3:34)
2. Port Of Amsterdam (3:36)
3. Typist Of Candy (3:34)
4. Home Before Dark (3:03)
5. The Singing Telegram (2:02)
6. Erom On (3:28)
7. Sleep (What Happens To Your Eyes) (4:33)
8. Pillow Talk (3:45)
9. Cabins (2:51)
10. Under A Canoe (3:41)
11. Crane-Driver (4:08)
12. 5 Hammering Men (2:16)

Gesamtspieldauer: 40:31




Im Jahr 1986 wurde das sechste Album der niederländischen Band The Nits veröffentlicht. „Henk“ heißt dieses und erschien erneut auf dem Label CBS Records. „Henk“ ist dabei noch ein wenig experimenteller, noch avantgardistischer geworden, als so manch anderes Album der hier noch drei Musiker. Wieder werden auch Stimmen als Musikinstrumente verwendet, die vorher leicht elektronisch verändert wurden. Die Musiker experimentieren hier mit Sounds, Rhythmen und Stimmungen.

„Henk“ ist nicht ganz so leicht zugänglich, da die einzelnen Titel auch keineswegs ganz so eingängig und melodiös klingen. Hier benötigt man definitiv Zeit und viele Durchläufe der Scheibe, bis sich einem diese Musik restlos erschließt – wenn man das denn schafft. Das gilt zwar keineswegs für jedes der 12 enthaltenen Lieder, jedoch solch eine Nummer wie zum Beispiel „Port Of Amsterdam“ ist alles andere als kommerziell. Das bedeutet, auf „Henk“ befindet sich wahrlich außergewöhnliche, vielleicht sogar manches Mal „seltsame“ Musik, die allerdings trotzdem beeindruckt, weil sie eben so anders ist. In eine ähnliche Richtung wie das gerade erwähnte „Port Of Amsterdam“ gehen auch die Nummern „Under A Canoe“, „Crane-Driver“ und auch „5 Hammering Men“, also die gesamten letzten drei Lieder auf „Henk“, mit denen die Hörerin und der Hörer schließlich aus dem Album entlassen werden. Melodiös ist dies hier zum Schluss dann alles nicht mehr sonderlich, allerdings sicherlich auch nicht besonders atonal – anders eben, etwas konstruiert, mitunter an Soundkollagen erinnernd.

Jedoch gibt es auf „Henk“ auch die sehr melodiösen Momente. Lieder die eingängig klingen, wenn man in diesen Fällen allerdings vielleicht auch wieder einige Durchläufe benötigt, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Beispiele hierfür wären das Eröffnungslied „Bike In Head“, „Home Before Dark“, „Pillow Talk“ und das wie eine Synthie-Pop-Nummer beginnende „Cabins“, welches auch im weiteren Verlauf meist diesem musikalischen Genre zugeordnet werden kann, dabei jedoch nichts an seiner Melodiösität einbüßt.

Fazit: Ein durchaus anspruchsvolles Album ist „Henk“ von The Nits geworden. Kein Allerwelts-Pop, sondern vielmehr ein sehr vielschichtiges Album, welches mal eingängig, dann aber auch wieder sehr experimentell klingt. Spaß macht die Platte dabei durchaus, vielleicht allerdings nicht gleich beim ersten Hören. Manche Alben muss man sich eben erarbeiten. „Henk“ von den Nits gehört definitiv zu diesen Scheiben. Neun Punkte.

Anspieltipps: Pillow Talk, Cabins



Samstag, 27. Februar 2016

Walk On Fire – Blind Faith




Walk On Fire – Blind Faith


Besetzung:

Alan King – vocals
Mike Casswell – acoustic & electric guitars
Dave Cairns – keyboards, additional acoustic guitars
Phil Williams – bass, backing vocals
John Henderson – drums


Gastmusiker:

Keith Airey – guitars
Richard Cottle – keyboards
Tim Moore – keyboards
Peter Vitesse – keyboards
Graham Edwards – bass
Steve Ferrone – drums, percussion
Andy Caine – backing vocals
Gary Dyson – backing vocals
Scott Gilman – backing vocals


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Mainstream, AOR, Pop-Rock


Trackliste:

1. Blind Faith (4:44)
2. Wastelands (4:40)
3. Crime Of Loving You (4:13)
4. Tell It Like It Is (4:14)
5. Caledonia (4:36)
6. Hearts Of Gold (5:03)
7. Hands Of Time (4:52)
8. Hungry For Heaven (4:01)
9. Miracle Of Life (4:45)
10. Close My Eyes (4:55)

Gesamtspieldauer: 46:03




Walk On Fire war eine britische Rock-Formation, die in den Jahren 1988 bis 1991 aktiv war und in dieser Zeit genau ein Album veröffentlichte, nämlich „Blind Faith“ im Jahr 1989. Wenn man es nicht besser wüsste, so würde man ganz sicher darauf tippen, dass die Band aus den USA stammen würden. Denn genau so klingen sie, wie eine dieser US-amerikanischen Mainstream bis AOR Bands à la Foreigner, Journey, etc. Nicht weiter verwunderlich daher, dass sie nach der Album-Veröffentlichung auch zusammen mit Foreigner tourten.

Auf „Blind Faith“ hört man diesen absolut belanglosen, langweiligen und nichtssagenden Mainstream Rock, der jedoch im Gegensatz zu den amerikanischen Vertretern dieses Genres, wie zum Beispiel Foreigner, noch nicht einmal über irgendwelche Ohrwürmer verfügt. Alles klingt bei Walk On Fire ziemlich gleich, glatt und anbiedernd eingängig. Selbstverständlich handeln die Texte wieder von Liebe und Schmalz und Seelenschmerz und enttäuschter Liebe und so weiter und so fort. Kleines Beispiel gefällig? Titel Nummer 3 beginnt mit den Worten: „Don’t break my heart, for the crime of loving you“. Nun, da fehlen einem einfach die Worte und man bleibt als Hörerin oder Hörer sprachlos zurück, wenn man denn überhaupt noch hinhört.

Die einzelnen Titel regen noch nicht mal auf, sie „säuseln“ sich so über die Platte hinweg, ohne dabei auch nur die geringste Spur zu hinterlassen. Keinerlei Wiedererkennungswert ist dabei auszumachen, sehr große Langeweile macht sich auf „Blind Faith“ breit. Man kann dabei noch nicht mal behaupten, dass die einzelnen Nummern nicht eingängig wären. Das sind sie zweifelsohne. Jedoch sind diese so etwas von glattgebügelt und auf Eingängigkeit getrimmt, dass man das gar nicht mehr hören mag. Als Hintergrundmusik, die nicht weiter stören soll beim Unterhalten, in der entsprechenden leisen Lautstärke bestens geeignet. Aber auch wirklich nur so zu verwenden, wenn man denn unbedingt will.

Fazit: Diese supereingängigen Rock-Scheiben langweilen einfach. Ohne Ecken und Kanten wird hier alles auf die schnelle und unkomplizierte Konsumierung durch die Hörer hin produziert. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Texte allesamt nichtssagend sein müssen, denn sonst müssten die Musikhörer ja sogar noch nachdenken. Das will hier bestimmt niemand. Überraschenderweise, trotz der nicht wegzudiskutierenden Eingängigkeit, blieben die Jungs von Walk On Fire überaus erfolglos. Sie scheinen ein miserables Management gehabt zu haben, denn normalerweise kommt so etwas im Radio nämlich durchaus an, läuft dort häufig rauf und runter und wird dann auch gekauft. Nicht so jedoch Walk On Fire. Vier Punkte.

Anspieltipps: Blind Faith, Wastelands



Freitag, 26. Februar 2016

Tangerine Dream – Underwater Sunlight




Tangerine Dream – Underwater Sunlight


Besetzung:

Edgar Froese – synthesizer, guitar
Christopher Franke – synthesizer, electronic percussion
Paul Haslinger – synthesizer, grand piano, guitar


Label: Jive Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Song Of The Whale, Part One: From Dawn... (8:25)
2. Song Of The Whale, Part Two: ...To Dusk (10:53)
3. Dolphin Dance (5:05)
4. Ride On The Ray (5:30)
5. Scuba Scuba (4:30)
6. Underwater Twilight (5:50)

Gesamtspieldauer: 40:13



In etwa das zwanzigste Sudio-Album ist „Underwater Sunlight“ von Tangerine Dream. So ganz genau lässt sich das irgendwie nicht nachvollziehen, da die Musiker, um den im Januar 2015 verstorbenen Edgar Froese, einen unfassbaren Ausstoß an Platten vorzuweisen haben. Zählt man alle Live-Alben und Kompilationen mit, so dürften Tangerine Dream inzwischen wohl an die 120 Platten veröffentlicht haben. Unfassbar.

„Underwater Sunlight“ ist die erste Platte, auf der der Österreicher Paul Haslinger zu hören ist und gleichzeitig auch eine der wenigen Scheiben der Elektronikkünstler, die in den 80er Jahren noch gelungen und hörbar waren. Der Pop hatte sehr starken Einzug gefunden in die Musik von Tangerine Dream. Lange und epische Soundkollagen waren zu der Zeit nicht mehr so gefragt. Poppig und unterhaltend sollte es hautsächlich klingen. Macht es auch, nur leider wirkt das Ganze zum Teil ein wenig zu aufgesetzt, wie eine nette Begleitmusik. Keine Musik also mehr, in die man eintauchen, sich darin vertiefen möchte.

Gelungen ist auf „Underwater Sunlight“ auf jeden Fall der Auftakt. „Song Of The Whale, Part One: From Dawn...“ ist eine schöne, ins Ohr gehende Nummer. Das Lied klingt ein wenig mystisch und ist zudem mit einem schönen Gitarrensolo des Edgar Froese ausgestattet worden. Teil 2 des „Song Of The Whale“ kann da schon deutlich weniger überzeugen. Zwar beginnt das Stück mit einer sehr schönen und sanften Piano-Einleitung, entwickelt sich dann allerdings im weiteren Verlauf zu einer etwas sphärischen New Age Nummer, die perfekt zu einer Entspannungsmassage passen würde.

Die vier Stücke der zweiten Plattenseite sind ganz unterschiedlicher Art. „Dolphin Dance“ ist eine etwas fröhliche, jedoch leider auch nichtssagende Pop-Nummer, die von einem Synthesizer-Lauf getragen wird. „Ride On The Ray“ klingt da schon deutlich besser. Nicht ganz so poppig, wieder ein wenig sphärischer hört sich diese Nummer sehr schwebend an und geht auch ins Ohr. Auch hier bekommt man wieder ein interessantes Gitarren-Solo mitgeliefert. Etwas störend ist bei diesem Lied allerdings der Drum-Computer, der zwar nur im Hintergrund zu hören ist, mit seinem künstlichen Sound trotzdem störend wirkt. Nichtsdestotrotz klingt das Lied überzeugend. Mit „Scuba Scuba“ wird es dann nicht fröhlich, wie der Name vielleicht vermuten lassen könnte, sondern wieder deutlich entrückter. Hier bewegen sich Tangerine Dream nun wieder mehr im Bereich der Soundkollage, denn so eine richtige Melodie gibt es bei „Scuba Scuba“ nicht zu hören. Bleibt schließlich noch das letzte Stück, „Underwater Twilight“. Diese Nummer wirkt zu Beginn wie gehaucht, alles scheint zu schweben, ist nur ganz sanft angerissen. Dann schließlich setzt der Rhythmus ein und es entwickelt sich ein flottes Lied, welches durchaus auch in die Ohren geht. Vor allen Dingen das Ende des Stücks ist dabei sehr gelungen, wenn auf dem Keyboard ein schöner Lauf wiedergegeben wird.

Fazit: So ein Mittelding zwischen sphärischer Synthesizer-Musik und poppigen Keyboard-Klängen stellt „Underwater Sunlight“ von Tangerine Dream dar. Diese Musik wird für stark ausgeprägte Rockfreunde immer ein Gräuel sein. Zum Entspannen sind die eher sphärischen Stücke auf der Scheibe allerdings sehr gut geeignet. Zudem gibt es hier auch einige Melodien, die durchaus ins Ohr gehen. Für Freunde elektronischer Musik sicherlich eine Empfehlung wert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Song Of The Whale Part One: From Dawn..., Ride On The Ray



Donnerstag, 25. Februar 2016

Steve Jones – Fire And Gasoline




Steve Jones – Fire And Gasoline


Besetzung:

Steve Jones – vocals, guitar, background vocals


Gastmusiker:

Billy Duffy – guitar solo on "Get Ready"
Terry Nails – bass, vocals
Ian Astbury – vocals, tambourine
Mickey Curry – drums
Axl Rose – vocals on "I Did U No Wrong"


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Freedom Fighter (5:05)
2. We're Not Saints (4:06)
3. God In Louisiana (4:46)
4. Fire And Gasoline (4:26)
5. Trouble Maker (3:02)
6. I Did U No Wrong (3:16)
7. Get Ready (4:19)
8. Gimme Love (4:16)
9. Wild Wheels (4:07)
10. Hold On (4:00)
11. Leave Your Shoes On (4:12)

Gesamtspieldauer: 45:35




Zwei Solo-Studio-Alben hat der Ex-Sex Pistols Gitarrist Steve Jones bisher in seiner Karriere veröffentlicht. 1987 „Mercy“ und zwei Jahre später „Fire And Gasoline“. Knallharten Hard Rock gibt es darauf zu hören, der kompromisslos vom ersten bis zum letzten Takt durchgezogen wird. Unterstützung bekam Steve Jones auf „Fire And Gasoline“ durch Axl Rose von Guns N' Roses, der bei dem Titel „I Did U No Wrong“ im Hintergrund mitsingt. Dann ist die Band „The Cult“ noch einigermaßen an „Fire And Gasoline“ beteiligt. Ian Astbury, Sänger bei The Cult, hört man ebenfalls im Hintergrund mitsingen und er produzierte die Scheibe auch mit. Cult-Gitarrist Billy Duffy hört man an der Gitarre bei „Get Ready” und Mickey Curry war zu der Zeit gerade Drummer bei The Cult und ist auf „Fire And Gasoline“ ebenfalls am Schlagzeug zu hören.

Auf der Platte gibt es also Hard Rock zu hören, der ohne jegliche Kompromisse durchgezogen wird. Das macht zwar durchaus Spaß und hört sich auch ganz gut an, wird nur im Laufe der dreiviertel Stunde Spieldauer etwas langweilig. Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – und so weiter und so fort. Jedes Lied in genau demselben Takt, alle Lieder sehr, sehr ähnlich gehalten. Die Titel sollten wohl ordentlich krachen, das machen sie auch – ein wenig mehr Variation hätte der Scheibe allerdings durchaus gut getan.

Sollte ich hier einzelne Titel herausheben müssen, so würde mir da gleich „Hold On“ einfallen, da diese Nummer auch etwas mehr ins Ohr geht und länger hängenbleibt. Dann noch vielleicht „Leave Your Shoes On“, weil es eben nicht nur diesen einseitigen Rhythmus aufweist, sondern mit Stimmungen spielt, aus unterschiedlichen Teilen aufgebaut ist und ebenfalls ins Ohr geht. Die restlichen neun Lieder der Scheibe sind wahrlich nicht schlecht, allerdings eben sehr einseitig gehalten. Rau klingt der Hard Rock des Steve Jones hier, ungehobelt und ungeschliffen. Freunde komplizierterer Musik dürften hier definitiv Probleme bekommen, zum Abrocken allerdings bestens geeignet.

Fazit: Im Jahr 2005 wurde „Fire And Gasoline“ in einer Veröffentlichung des „Rock Hard Magazins“ auf Platz 460 der 500 größten Rock & Metal Alben gewählt. Wie immer bei solchen Kategorisierungen kann man da aber natürlich auch ganz anderer Meinung sein. „Fire And Gasoline“ ist eine Platte, die Fans der härteren Musik gefallen wird. Hier wird nicht rumgezickt, hier wird gerockt – und sonst gar nichts. Von daher durchaus in Ordnung, was Besonderes stellt diese Scheibe allerdings nicht dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: I Did U No Wrong, Hold On, Leave Your Shoes On



Mittwoch, 24. Februar 2016

Marillion – Real To Reel




Marillion – Real To Reel


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards
Pete Trewavas – bass, backing vocals
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Assassing (7:12)
2. Incubus (8:37)
3. Cinderella Search (5:31)
4. Forgotten Sons (10:10)
5. Garden Party (6:30)
6. Market Square Heroes (6:49)

Gesamtspieldauer: 44:49



Im November 1984 veröffentlichten Marillion ihr erstes Live-Album unter dem Titel „Real To Reel“. Auf der ersten Seite der Platte befinden sich dabei Aufnahmen vom 19. Und 20. Juni desselben Jahres aus einem Konzert in Montreal, Kanada. Die Aufnahmen auf der zweiten Seite stammen von 5. März 1984, dieses Mal war es ein Konzert in Leicester, England. Enthalten sind auf diesem Album Titel der ersten beiden Studio-Alben, also alles Stücke, die noch vor dem Rutsch der Band in Richtung Kommerz eingespielt wurden. Aufnahmen also, die vor „Misplaced Childhood“ und Single Hits wie „Kayleigh“ entstanden sind.

Somit hört man auf „Real To Reel“ Progressive Rock, wie der damals in den 80er Jahren nur noch von sehr wenigen Bands gespielt wurde. Sehr eindrucksvoll das Ganze. Lieder mit vielen Wendungen, rockig und immer melodiös, spannend und auch wieder und wieder überraschend. Auch Sänger Fish bezieht das Publikum hier mit in das Geschehen ein, allerdings sehr viel gemäßigter, als dies zum Beispiel ein Freddie Mercury bei einem Queen Konzert machte. Jedoch springt hier ebenfalls das Live-Erlebnis durchaus mit über – sowohl bei den entsprechenden Konzerten in der Halle, als auch beim Hören der Platte. Dies liegt mit daran, dass Fish das Publikum immer wieder mitsingen lässt und die einzelnen Lieder hier vor allem auch durch den Marillion-Sänger mit variiert werden. Dieser schreit mal seine Botschaften heraus, singt sie oder er flüstert sie beschwörend in den Saal, der dann an diesen entsprechenden Stellen still und gebannt lauscht.

Nachteil der Scheibe ist es sicherlich wieder einmal, dass es sich hier nicht um ein Konzert handelt, sondern drei verschiedene Auftritte zusammengefügt wurden. Schade, dass für solche Veröffentlichungen nicht auf einen bestimmten Auftritt zurückgegriffen wird, denn somit wird aus einer Live-LP oder Live-CD doch wieder eine Art Studioprodukt. Sicherlich kann man auch bei der Titelzusammenstellung anderer Meinung sein, jedoch wirken hier auch weniger bekannte Stücke der ersten Marillion-Formation sehr beeindruckend. Höhepunkt ist dabei ganz klar die Version von „Forgotten Sons“, welche hier noch mal um eine Zehnerpotenz kraftvoller wirkt und klingt als im Original auf „Script For A Jester's Tear“. Dies gilt allerdings im Grunde genommen für jeden der sechs Titel auf „Real To Reel“, die hier allesamt wahrlich mitreißend klingen.

Fazit: „Real To Reel“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie Musik live eingespielt noch mal an Klasse gewinnen kann. Die Scheibe ist toll abgemischt, die Lieder wirken melodiös, rockig und reißen einen mit. Auch hier gilt selbstverständlich, dass man diese Scheibe möglichst laut hören sollte, um diese Musik auch entsprechend genießen zu können. Für das Jahr 1984, in dem es sonst hauptsächlich New Wave und Synthie Pop zu hören gab, ein wahrlich beeindruckendes Album. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Forgotten Sons



Dienstag, 23. Februar 2016

Thompson Twins – Here's To Future Days




Thompson Twins – Here's To Future Days


Besetzung:

Tom Bailey – synthesizer, lead vocals, piano, guitar, double bass, drum programming, fairlight programming
Alannah Currie – percussion, backing vocals, drums, xylophone, marimba
Joe Leeway – congas, backing vocals, synthesizer, synth bass


Gastmusiker: 

Nile Rodgers – guitar, backing vocals


Label: Arista Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Don't Mess With Doctor Dream (4:25)
2. Lay Your Hands On Me (4:22)
3. Future Days (3:00)
4. You Killed The Clown (4:54)
5. Revolution (4:06)
6. King For A Day (5:22)
7. Love Is The Law (4:45)
8. Emperor's Clothes (Part 1) (4:46)
9. Tokyo (3:39)
10. Breakaway (3:34)

Gesamtspieldauer: 42:52



In den Jahren von 1981 bis 1991 veröffentlichte die britische Pop-New-Wave-Formation Thompson Twins insgesamt acht Studio-Alben. „Here's To Future Days“ ist die fünfte Scheibe in dieser Reihe und erschien im September 1985. Zu hören gibt es darauf ziemlich belanglosen New Wave bis Pop, der weder klingt noch sonst irgendetwas vorzuweisen hätte. Die Platte selbst floppte auch ziemlich für Thompson Twins-Verhältnisse zur damaligen Zeit. Das muss zwar nichts heißen, belegt allerdings zumindest, dass noch nicht einmal allzu eingängige Titel auf der Platte vertreten sind.

Auch diverse Single-Auskopplungen erreichten nicht unbedingt die Chart-Platzierungen, die man vorher von der Band gewöhnt war. Lediglich „Lay Your Hands On Me“ erreichte Platz 6 der US-amerikanischen Charts. Und man muss zugeben, dies ist noch das einzig einigermaßen akzeptable Lied auf der Platte. Allerdings gebe ich dabei zu Bedenken, dass die Messlatte hier sehr, sehr niedrig angelegt ist. Alles andere, jedes weiteres Lied ist grausig kommerzielle Quälerei. „Revolution“ ist der einzige Cover-Song der Platte, stammt ursprünglich von den Beatles und floppte zu recht völlig als Single Auskopplung. Man kann Lieder echt auch zerstören.

Ganz, ganz schlimm wird es dann auf der Seite 2 der Platte beziehungsweise auf der zweiten Hälfte der CD. Unfassbar schlechten Pop bekommt man hier zu hören, absolut langweilig und belanglos. Auf „Here's To Future Days“ gibt es wirklich nichts mehr, was man irgendwie positiv herausstellen könnte. Keine Melodie, keinen Akkord, keine Textzeile. Grausam und künstlich klingt das alles, gemacht für den schnellen Erfolg, der aber selbst mit diesen Liedern ausblieb.

Fazit: Acht Studiosalben haben die Thompson Twins in ihrer Kariere veröffentlicht – und sage und schreibe 15 (!), in Worten „fünfzehn“ Kompilationsalben. Manchmal nur Best Of…, manchmal mit diversen Mixen versehen. In solch einem Fall kann man wohl kaum behaupten, dass eine Band keine kommerzielle Musik machen würde. Nun, Erfolg sollen Musiker ja auch mit ihrer Musik haben, da diese unser aller Alltag erhellt. Aber so etwas, ein offensichtlich nur für die Phase des Erfolgs veröffentlichtes Album, solch eine Platte braucht irgendwie niemand. Man kann sich den Tag mit so viel versauen, aber warum sollte man das mit schlechter Musik tun? Zwei Punkte.

Anspieltipps: Lay Your Hands On Me



Montag, 22. Februar 2016

XTC – Mummer




XTC – Mummer


Besetzung:

Andy Partridge – vocals, guitar
Colin Moulding – vocals, bass
Dave Gregory – vocals, guitar, keyboard, piano
Terry Chambers – drums on "Beating Of Hearts", "Wonderland "


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Beating Of Hearts (4:01)
2. Wonderland (4:43)
3. Love On A Farmboy's Wages (3:58)
4. Great Fire (3:47)
5. Deliver Us From The Elements (4:34)
6. Human Alchemy (5:11)
7. Ladybird (4:32)
8. In Loving Memory Of A Name (3:16)
9. Me And The Wind (4:16)
10. Funk Pop A Roll (3:01)

Gesamtspieldauer: 41:19



„Mummer“ nannten die Musiker der britischen Band XTC ihr sechstes Studioalbum, welches im August 1983 auf Virgin Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal gibt es auf einem XTC-Album New Wave bis Pop zu hören, der mit einer ganzen Reihe an schrägen und überraschenden Tönen angefüllt ist. Nur wenig auf „Mummer“, zu Deutsch „Mime“, klingt auf das erste Hören hin eingängig. Einiger Durchläufe der Scheibe bedarf es da durchaus, um sich diesen Melodielinien völlig öffnen zu können.

Bei dem sechsten Studio-Album von XTC gelingt dies allerdings schneller, als bei früheren Platten der Band. Zwar sind beim ersten Hören viele der Titel auf „Mummer“ ebenfalls alles andere als eingängig, jedoch gleichzeitig auch weniger rau und etwas glatter, als noch die Nummern auf den Vorgängeralben. Solch einen Titel wie „Love On A Farmboy's Wages“ oder aber „Great Fire”, die beide auch als Single ausgekoppelt wurden, suchte man auf vergangenen Alben vergeblich. Zudem hatte sich der Sound der Band auch ein wenig verändert. Drummer Terry Chambers verließ noch während der Aufnahmen des Albums die Band, hauptsächlich wohl aus Gründen der Liebe, da er seiner Freundin in Australien näher sein wollte. Das Ergebnis dieser Demission war auch, dass die Rhythmus-Fraktion nicht mehr ganz so im Vordergrund stand, wie dies auch auf einigen der vorherigen Alben von XTC noch der Fall war.

„Mummer“ gestaltet sich somit als eine Art Übergangs- beziehungsweise Mixscheibe zwischen der etwas experimentelleren Ausprägung des New Waves, wie man ihn zum Beispiel beim Titel „Human Alchemy“ hören kann und eingängigerem Pop, wofür etwa ein Titel wie das bereits erwähnte „Great Fire“ steht. Dieser Umstand macht „Mummer“ zwar ein wenig abwechslungsreicher, allerdings auch nicht unbedingt einfacher. Popmusik und Avantgarde werden hier nicht mehr miteinander vermischt, sondern sehr viel eher abgewechselt, was die Platte ein wenig uneinheitlicher werden lässt.

Fazit: Ich liebe „komplizierte“ Musik. Habe es gerne, mir auch mal etwas „erarbeiten“ zu dürfen, mich länger einhören zu müssen. Oftmals sind das dann genau die Titel eines Albums, die letztendlich den intensivsten Eindruck hinterlassen, das musikalische Gesamtgefüge am deutlichsten positiv bereichern. Komischerweise gelingt mir das bei der Musik von XTC jedoch nicht allzu häufig. Viele Lieder kann ich so oft hören wie ich will, es ändert sich nichts. Die paar wenigen eingängigen Nummern gefallen mir dagegen von Anfang an und das bleibt auch so. Mit diesen etwas verschrobeneren Titeln von XTCallerdings habe ich dagegen so meine Schwierigkeiten, sie packen mich einfach nicht, erschließen sich mir niemals völlig. Auf „Mummer“ gibt es jetzt aber ein paar „einfachere“ Pop-Nummern, die auch mich ansprechen. Von daher hat sich die Anschaffung dieser Platte selbst für mich gelohnt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Love On A Farmboy's Wages, Great Fire, Me And The Wind



Sonntag, 21. Februar 2016

Queen – Live Killers




Queen – Live Killers


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano
Brian May – guitars, vocals
Roger Taylor – drums, tambourine, timpani, backing vocals, vocals
John Deacon – bass guitar, backing vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Rock


Trackliste:

Platte 1, Seite 1:

1. We Will Rock You (3:18)
2. Let Me Entertain You (3:15)
3. Death On Two Legs (Dedicated To...) (3:31)
4. Killer Queen (1:59)
5. Bicycle Race (1:28)
6. I'm In Love With My Car (2:08)
7. Get Down, Make Love (4:31)
8. You're My Best Friend (2:08)

Platte 1, Seite 2:

9. Now I'm Here (8:42)
10. Dreamer's Ball (3:44)
11. Love Of My Life (4:57)
12. '39 (4:26)
13. Keep Yourself Alive (4:02)

Platte 2, Seite 1:

14. Don't Stop Me Now (4:28)
15. Spread Your Wings (5:17)
16. Brighton Rock (12:13)

Platte 2, Seite 2:

17. Bohemian Rhapsody (intro: Mustapha) (6:02)
18. Tie Your Mother Down (3:40)
19. Sheer Heart Attack (3:35)
20. We Will Rock You (2:48)
21. We Are The Champions (3:27)
22. God Save The Queen (1:31)

Gesamtspieldauer: 1:30:08




Nicht alle Live-Platten lohnen sich. Egal von welcher Band, egal von welcher Sängerin, von welchem Sänger. Manche live aufgenommenen Scheiben verdienen es allerdings sehr wohl, laut und auch oft gehört zu werden. Und diese Live-Alben lohnen sich immer dann, wenn es geschafft wird, nicht nur die Lieder des Konzertes, sondern auch dieses „Live-Erlebnis“ auf einen Tonträger zu bannen. Das bedeutet, die Stimmung, die Atmosphäre während des Konzertes, muss beim Hören der Scheibe mit transportiert werden. Ein zweiter lohnender Grund des Erwerbs eines Live-Albums ist die alternative Spielweise so manches Liedes, welches dann deutlich anders klingt, unter Umständen schließlich sogar ganz neue Seiten aufzeigt und manchmal auch noch eindrucksvoller und besser als das Original klingt.

Diese beiden Voraussetzungen für ein gutes Live-Album sind bei Live Killers“ von Queen gegeben. Die Platte wurde 1979 von Januar bis März, während der Tour zum Album „Jazz“ eingespielt und schließlich im Juni 1979 veröffentlicht. Soweit sich dies noch recherchieren ließ, wurden die Lieder alle in Deutschland, nämlich in Frankfurt, Köln, Bremen und München aufgenommen. Als ich die Platte früher hörte, habe ich mich immer darüber gewundert, warum zu Beginn des Stücks „Death On Two Legs (Dedicated To...)“ drei kurze Piep-Töne während der Ansage des Freddie Mercury zu hören sind, die ganz eindeutig aus dem Studio nachträglich über die Stimme des Queen Sängers gelegt wurden, sodass dieser nicht mehr zu hören ist. Das Rätsel ist inzwischen allerdings gelöst. Freddie Mercury sagt hier bei der Einführung zu dem Titel: „This song is about a real motherfucker of a gentleman.“ Definitiv für die damalige Zeit.

Nun, die vier Musiker schaffen es sehr gut, die Atmosphäre eines Queen-Konzertes der damaligen Zeit zu transportieren. Die Lieder wirken hier. Die Stimmung in den jeweiligen Hallen kommt gut rüber, vorausgesetzt, man hat die Möglichkeit die Boxen ordentlich aufzudrehen – oder man hört die Platte eben auf Kopfhörern. Freddie Mercury nimmt das Publikum mit, bindet es mit in die Songs ein und singt mit den Zuschauern. Natürlich wäre es jedoch deutlich schöner gewesen, hier lediglich ein Konzert zu hören und nicht Ausschnitte aus mindestens vier Auftritten. Merken kann man dieses Auseinanderschneiden und Zusammenflicken jedoch nicht. Ein kleiner weiterer Wermutstropfen liegt in der Tatsache begründet, dass Queen hier, vor allem auf der ersten Plattenseite, die Lieder häufig nur kurz anspielen. Liedlängen von um die zwei Minuten sind da keine Seltenheit, sodass man in diesem Fall quasi von einer Art Medley sprechen kann. Sicherlich Geschmackssache.

Sehr gelungen dagegen sind die bereits angesprochen alternativen Versionen verschiedener Titel. Am deutlichsten sind diese Änderungen zum ursprünglichen Lied bei „Get Down, Make Love“, „Now I'm Here“ und bei dem alles überstrahlenden „Brighton Rock“ ausgeprägt und zu hören. Letztgenannter Titel ist dabei fast ein ganz neues Lied geworden, zumindest der lange Instrumentalteil spricht dafür. Hier klingen Queen nun auch nicht mehr wie Queen, sondern sehr viel eher wie eine progressive Rockband der frühen 70er Jahre. Das klingt absolut mitreißend und auch sehr experimentell. Was Brian May hier mit seiner Gitarre anstellt, das gibt es in dieser Art und Weise nicht mehr unbedingt allzu häufig von anderen Gitarristen zu hören. Laut gehört pfeift es einem bei diesem Titel das Großhirn aus den Ohren. Wahrlich sehr gelungen.

Fazit: „Live Killers“ kam nicht bei allen Hörern und Kritikern gleich gut an. Mich begeistert allerdings die Atmosphäre dieses Albums, welche einfach positiv begeisternd wirkt. Die Lied-Auswahl wird und kann dabei niemals perfekt sein, da hier jede und jeder eine andere Vorliebe hat. „Live Killers“ von Queen zeigt jedoch sehr gut, wie sich ein Queen Konzert damals anhörte. Und ich kann das definitiv sagen, da ich in den 80er Jahren eines der letzten Queen Konzerte besuchen durfte, die die Band überhaupt gespielt hat. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Now I'm Here, Brighton Rock



Samstag, 20. Februar 2016

Roger Daltrey – Under A Raging Moon




Roger Daltrey – Under A Raging Moon


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, harmony vocals, backing vocals, sequencing, emulator, hammond organ


Gastmusiker:

Bryan Adams – guitars
Nick Glennie-Smith – keyboards
John Siegler – bass
Mark Feltham – harmonica
Alan Shacklock – piano, keyboards, sequencing, emulator, percussion, hammond organ, Fender Rhodes, tambourine, sampling, acoustic guitar and sequencer, fairlight
Bruce Watson – e-bow
Russ Ballard – guitar and harmony vocals
Mark Williamson – harmony vocals, backing vocals
Annie McCraig – backing vocals
John Payne – backing vocals


Drummer in der Reigenfolge, wie sie auf dem letzten Titel zu hören sind:

Martin Chambers
Roger Taylor
Cozy Powell
Stewart Copeland
Zak Starkey
Carl Palmer
Mark Brzezicki
Mark Brzezicki and Zak Starkey - outro


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Rock


Trackliste:

1. After The Fire (4:36)
2. Don't Talk To Strangers (4:13)
3. Breaking Down Paradise (4:07)
4. The Pride You Hide (4:33)
5. Move Better In The Night (3:58)
6. Let Me Down Easy (4:08)
7. Fallen Angel (4:29)
8. It Don't Satisfy Me (3:14)
9. Rebel (4:20)
10. Under A Raging Moon (6:42)

Gesamtspieldauer: 43:41




Roger Daltrey ist sicherlich einer der begnadetsten Rocksänger. Und bei The Who hatte er mit Pete Townshend auch einen Mitstreiter, der ihm oftmals die Lieder quasi „auf die Stimme“ schrieb. Da er sich selbst nur selten aktiv und schöpferisch in den Prozess des Komponierens mit einbrachte, war er dann natürlich bei seinen insgesamt acht Solo-Alben hauptsächlich auf Material angewiesen, welches ihm von anderen Musikern zur Verfügung gestellt beziehungsweise extra für ihn geschrieben wurde. Pete Townshend, Bryan Adams, Russ Ballard oder John Parr sind hier nur einige der Songwriter, die Roger Daltrey „Material“ für „Under A Raging Moon“ zur Verfügung stellten.

„Under A Raging Moon” ist die sechste Solo-Platte des The Who Sängers und erschien 1985 bei Atlantic Records. Und dieses Album enthält auch den größten Single-Hit, den Roger Daltrey in seiner Karriere landen konnte. „After The Fire“ heißt dieser, ist gleich der Opener und wurde von Pete Townshend geschrieben. Die rockige Nummer geht sofort ins Ohr, jedoch gibt es noch einige Songs mehr auf der Scheibe, die sich lohnen gehört zu werden. Vor allen Dingen herauszuheben ist dabei „Rebel“, eine eingängige und rockige Nummer, vielleicht ein wenig pathetisch, wenn Rogeer Daltrey „I’m a Rebel“ hinaus in die Welt schreit, gelungen ist es allerdings trotzdem.

Nun und ganz zum Schluss gibt es mit dem Titelsong „Under A Raging Moon” noch einen Höhepunkt auf der Platte, wenn nicht sogar den Höhepunkt. Dieser wurde von John Parr und Julia Downes geschrieben und ist Keith Moon, der 1978 verstarb, gewidmet. Als Besonderheit hört man hier am Ende sieben bekannte Drummer, die die Hörerinnen und Hörer aus dem Lied hinausbegleiten. Roger Taylor von Queen ist da zu hören. Cozy Powell, Schlagzeuger unter anderem bei Rainbow, Robert Plant, Jeff Beck und der Michael Schenker Group. Dann hört man Stewart Copeland von The Police, Zak Starsky, den Sohn des Ringo Starr und Carl Palmer von Emerson, Lake & Palmer. Martin Chambers von den Pretenders sowie Mark Brzezicki, der bei Big Country, Ultravox, The Cult und Procol Harum trommelte. Sie alle verabschieden sich hier vom ehemaligen The-Who-Schlagzeuger Keith Moon.

Das Lied selbst verfügt über eine Synthesizerlinie, die sehr ähnlich der von „Won’t Get Fooled Again“ ist, einem der bekanntesten Stücke von The Who und ebenfalls Titelmelodie einer dieser CSI Sprößlinge. John Entwistle gefiel „Under A Raging Moon“ angeblich sogar so gut, dass er vorschlug, The Who sollten auf dem ersten Live Aid Festival dieses Lied anstatt „das Original“ „Won’t Get Fooled Again“ einspielen. Pete Townshend sprach sich allerdings dagegen aus.

Fazit: Roger Daltrey ist ein toller Rock Sänger und auf „Under A Raging Moon“ bekam er auch die passenden Lieder zur Verfügung gestellt, um mit dieser Scheibe ebenfalls überzeugen zu können. Nicht alles darauf lässt einen begeistert zurück, Vieles ist solide Hausmannskost, soll heißen, ganz nette Rock Lieder, allerdings nichts besonders Aufregendes. Doch die erste Nummer „After The Fire“ ist sehr gelungen, was auch für den Titeltrack „Under A Raging Moon“ gilt. Klar klingt gerade dieses Lied ein wenig „geklaut“, diese Reminiszenz an Keith Moon bewegt aber und ist bei aller Ähnlichkeit zu „Won’t Get Fooled Again“ doch – oder vielleicht gerade deswegen – sehr gelungen. Dazu die kurzen Schlagzeugeinlagen der Drum-Kollegen, interessant klingt das alles auf jeden Fall. Neun Punkte.

Anspieltipps: After The Fire, Rebel, Under A Raging Moon



Freitag, 19. Februar 2016

Carole King – Simple Things




Carole King – Simple Things


Besetzung:

Carole King – synthesizer, guitar, piano, vocals, background vocals


Gastmusiker:

Rick Evers – guitar
Robert McEntee – guitar, keyboards, background vocals
Michael Rivera – percussion
Rob Galloway – bass
Mark Hallman – guitar, keyboards, background vocals
Michael Wooten – drums
Louise Goffin – background vocals
Sherry Goffin – background vocals
Nolan Smith – trumpet, flugelhorn
Maurice Spears – bass trombone
Terry Harrington – baritone saxophone
Oscar Brashear – trumpet, flugelhorn
Ernie Watts – tenor saxophone
George Bohanon – trombone, horn arrangement
Robert Dubow – violin
Charles Veal – violin
Ken Yerke – violin
David Campbell – viola
Dennis Karmazyn – cello


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Pop


Trackliste:

1. Simple Things (2:41)
2. Hold On (4:37)
3. In The Name Of Love (3:04)
4. Labyrinth (4:03)
5. You're The One Who Knows (5:05)
6. Hard Rock Cafe (3:44)
7. Time Alone (2:37)
8. God Only Knows (6:19)
9. To Know That I Love You (3:31)
10. One (5:04)

Gesamtspieldauer: 40:45




„Simple Things“ heißt das neunte von insgesamt achtzehn Album, welches die New Yorkerin bis heute aufgenommen hat. Im Juli 1977 erschien es bei EMI Electrola und ist angefüllt mit weicher, jedoch durchaus auch groovender, häufig orchestral instrumentierter Pop-Musik. Das Ganze klingt dabei überaus amerikanisch, die ein oder andere Nummer könnte dabei durchaus auch Teil eines Musicals sein. Alles wirkt und hört sich sehr eingängig an, ohne dabei jedoch sonderlich spektakulär zu sein.

Das bekannteste Lied der Platte ist wohl gleichzeitig auch das bekannteste Stück der Carole King überhaupt: „Hard Rock Cafe“. Das Lied klingt zunächst etwas nach „Fiesta Mexicana“, verfügt über einen schönen Groove, ist sehr eingängig, instrumental mit einigen Bläsern ausgestattet, die der Nummer auch diesen gewissen Wiedererkennungswert verleihen. Rock Musik ist das zwar mit Sicherheit nicht, jedoch versucht hier Carole King an manchen Stellen etwas rockiger zu singen, was den Titel noch ein wenig aufwertet. Und die Nummer geht ins Ohr, das ist zumindest schon mal was.

Insgesamt driftet die ganze Scheibe jedoch so ein klein wenig in die amerikanische Schlagerecke ab, die vielen Streicherarrangements lassen die Lieder häufig leider allzu süßlich klingen. Richtiggehend packen kann einen nichts auf „Simple Things“. Die einzelnen Titel klingen mitunter ganz nett, jedoch diese Instrumentierung, durch die bereits erwähnten und fast allgegenwärtigen Streicherpassagen, schmälert ein wenig den Hörgenuss, der sowieso nicht mit etwas Besonderem oder Spektakulärem angefüttert wird.

Fazit: Die Musik der Carole King klingt auf „Simple Things“ nach Gala Abend. Die Damen in den rauschenden Ballroben, die Männer sitzen neben ihren Begleiterinnen im Frack im Publikum. Und nach jedem Lied wird auch ganz artig und brav applaudiert. Nichts von Enthusiasmus, nichts vom Aufgehen in der Musik ist hier zu spüren. Carole King macht auf „Simple Things“ musikalische Unterhaltung – die eher so nebenbei gehört werden kann, großartige Konzentration erfordert diese Musik nicht. Vielleicht mag das die eine oder den anderen packen, mich langweilt das eher ein wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: You're The One Who Knows, Hard Rock Cafe



Donnerstag, 18. Februar 2016

John Cougar Mellencamp – The Lonesome Jubilee




John Cougar Mellencamp – The Lonesome Jubilee


Besetzung:

John Cougar Mellencamp – vocal, guitar


Gastmusiker:

Kenny Aronoff – drums, percussion, backing vocals
Larry Crane – guitars, mandolin, harmonica, autoharp, banjo, backing vocals
John Cascella – accordion, keyboards, saxophone, melodica, penny whistle, claves
Lisa Germano – fiddle
Toby Myers – bass guitar, banjo, backing vocals
Pat Peterson – backing vocals, cowbell, tambourine
Crystal Taliefero – backing vocals
Mike Wanchic – guitars, dobro, banjo, dulcimer, backing vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, AOR, Mainstream


Trackliste:

1. Paper In Fire (3:51)
2. Down And Out In Paradise (3:37)
3. Check It Out (4:19)
4. The Real Life (3:57)
5. Cherry Bomb (4:47)
6. We Are The People (4:17)
7. Empty Hands (3:43)
8. Hard Times For An Honest Man (3:27)
9. Hotdogs And Hamburgers (4:04)
10. Rooty Toot Toot (3:29)

Gesamtspieldauer: 39:42




Mit Adult Oriented Rock, kurz AOR, ist das so eine Sache. Man kann diese Musik schön nebenbei hören, groß aufregend ist dabei meist nichts, jedoch ist es auch keine Musik, die einen zum Ausschalten oder zum Raum verlassen zwingt. Ganz nett also, allerdings trotzdem so ein klein wenig belanglos eben. Aufhorchen lassen einen dann dabei immer nur Lieder, die etwas ganz Besonderes darstellen. Entweder sie unterscheiden sich stark von den anderen Titel des entsprechenden Albums, was bei AOR beziehungsweise Mainstream im allgemeinen selten der Fall ist oder sie haben Ohrwurmcharakter, setzen sich im Ohr fest und wollen daraus gar nicht mehr verschwinden.

Das neunte Album des John Cougar Mellencamp mit dem Titel „The Lonesome Jubilee“ geht auch ein klein wenig in diese AOR-Richtung. 1987 wurde es auf Mercury Records veröffentlicht und sollte wohl auch unkompliziert klingen und ebenfalls schnell ins Ohr gehen. Doch John Mellencamp verfolgte nach eigener Aussage mit dieser Scheibe auch das Ziel, das Publikum wieder mit der „einst vertrauten sozialen Landschaft“ der Folk Musik vertraut zu machen. Auch sprechen gegen diese Mainstream Richtung die zum einen wirklich sehr gelungenen Texte, die eben nicht hauptsächlich von Liebe und Schmalz erzählen, sondern durchaus sozialkritische Themen aufgreifen und Geschichten erzählen. Zum anderen ist es eine etwas andere Instrumentierung, die diese Scheibe dann doch ein wenig aus dem Sumpf des Allerleis heraushebt. Viel wurde hier akustisch eingespielt. Man hört unverzerrte Gitarren, Akkordeon, Geige, Mundharmonika und Banjo, was dann eher auf die Richtung Folk Rock bis vielleicht sogar noch Country hinweisen würde – der Ansatz mit dem Folk Rock wurde also erfüllt. Dieses Genre umschreibt die Musik des John Cougar Mellencamp auf „The Lonesome Jubilee“ jedoch nicht annähernd treffend, denn es ist durchaus immer noch Rock, den man hier zu hören bekommt.

Festzuhalten ist zudem, dass es keinerlei Ausfälle auf dieser Scheibe zu beklagen gibt. Und noch besser, die Musik klingt sogar gut, geht ins Ohr, groovt und ist melodiös. „The Lonesome Jubilee“ macht durchaus Laune und hält mit „Paper In Fire“ und vor allen Dingen „We Are The People“ zwei richtig tolle Nummern für die Hörerin und den Hörer parat. „We Are The People“ ist dabei ein Lied der Sorte, welches man hört und egal ob es einem gefällt oder weniger beeindruckt, man vergisst den Titel nicht mehr, da er sich festgesetzt hat. Die erfolgreichste Singe-Auskopplung der Scheibe jedoch, „Cherry Bomb“, kann da längst nicht gleichermaßen überzeugen. Vielleicht liegt das allerdings auch nur an meinen „europäischen“ Ohren, denn hier ist die Entstehung der Musik im Norden des amerikanischen Kontinents aufgrund der Nähe zu Folk, Country und Western am deutlichsten herauszuhören.

Fazit: John Cougar Mellencamp steht mit seiner Musik eher für den Mainstream, also die massentaugliche Ausprägung der Rock-Musik. Zu behaupten „The Lonesome Jubilee“ wäre nicht Mainstream, würde sicherlich ein falsches Bild dieser Scheibe vermitteln. Jedoch sprechen die Texte gegen diesen 08/15-Mainstream-Anstrich. Auch eine etwas „folkigere“ Instrumentierung spricht dagegen. Nun „The Lonesome Jubilee“ ist sicherlich eine massentaugliche Scheibe, denn nur wenige Menschen, die Rock Musik hören, werden diese Platte katastrophal schlecht finden. Allerdings ist das dann eben Mainstream auf einem etwas höherem Niveau. Von daher: Schöne Abwechslung John Cougar Mellencamp, der Du Dich hier mal wieder nur John Mellencamp nennst. Neun Punkte.

Anspieltipps: Paper In Fire, We Are The People, Empty Hands



Mittwoch, 17. Februar 2016

The Nits – Omsk




The Nits – Omsk


Besetzung:

Henk Hofstede – vocals, dulcimer, keyboards
Robert Van Stips – vocals, polysix, variophon, grand piano
Michiel Peters – vocals, mandolin, guitars
Rob Kloet – drums, lyra


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop, Avantgarde


Trackliste:

1. A Touch Of Henry Moore (4:05)
2. Unpleasant Surprise (2:57)
3. Vermillion Pencil (3:46
4. Springtime Coming Soon (3:12)
5. Tons Of Ink (3:56)
6. Jardin D'Hiver (3:34)
7. Nescio (4:47)
8. Walls Have Ears (2:25)
9. Spirits Awake (3:43)
10. Walter & Connie (3:48)
11. The Cold Eye (4:01)
12. Shadow Of Doubt (1:48)

Gesamtspieldauer: 42:02




Die niederländische Band The Nits veröffentlichte im Jahr 1983 bereits ihr fünftes Album. Dieses erhielt den Titel „Omsk“, wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass mit diesem „Omsk“ die sibirische Stadt in Russland gemeint ist, da auf dieser Platte keinerlei russische Weisen zu hören sind. Bis heute sind die Niederländer musikalisch aktiv und haben innzwischen bereits 23 Platten veröffentlicht. „Omsk“ erschien auf dem Label CBS und hält einige wirklich sehr beeindruckende Titel für die Hörerinnen und Hörer parat. Auf dieser Scheibe gibt es eine Mischung aus Pop und Avantgarde zu hören. Wenn man möchte ist vielleicht auch noch ein Schuss New Wave mit dabei, dieser musikalische Stil ist allerdings nicht sehr stark ausgeprägt.

„Anvantgarde“ klingt zunächst mal nach sehr komplizierter und sehr gewöhnungsbedürftiger Musik. Das ist sie im Falle der Nits auf „Omsk“ allerdings in keinem Fall. Die Musik ist zwar ein klein wenig komplizierter und vielleicht auch raffinierter aufgebaut, eingängig ist sie dabei allerdings immer. Das hört man sofort in dem Opener „A Touch Of Henry Moore“, einem sehr vielschichtigen Lied, immer ein klein wenig „schräg“ klingend, allerdings trotzdem absolut melodiös. Wirklich beeindruckend ist dabei das Gesangsarrangement ab 2:20, bei dem auch einige weibliche Stimmen zu hören sind, die allerdings in den Credits nicht extra aufgeführt wurden.

Ebenfalls etwas ungewohnt, durch den Einsatz von verfremdeten Stimmen, die hier wie Instrumente zum Einsatz kommen, klingt „Tons Of Ink“. Das ist wahrlich nicht alltägliche Musik, die dabei allerdings sofort ins Ohr geht. Letzteres gilt auch für „Jardin D'Hiver“, eine ganz zarte Nummer, ebenfalls wieder mehrstimmig eingesungen, die auch wieder durch die etwas andere Instrumentierung zu etwas Besonderem wird. Auch hier wird unter anderem eine weibliche Stimme als Instrument verwendet wird, das wiederum klingt sehr spannend und wirklich außergewöhnlich. Somit klingt die Musik der Nits zwar immer wieder mal ein wenig wunderlich und auch verwunderlich, dies ist allerdings in einer sehr positiven Art und Weise gemeint. Die einzelnen Titel schaffen es nämlich durchweg, sich ziemlich schnell im Ohr festzusetzen, klingen melodiös und können oftmals ganz einfach mit „schön“ umschrieben werden.

Fazit: Ein nicht ganz alltägliches Album ist „Omsk” von The Nits geworden. Eine häufig ungewöhnliche Instrumentierung und immer wieder mal andere, auch durchaus etwas schrägere Klänge, lassen diese Platte sehr interessant und spannend werden. Dazu gesellt sich der Umstand, dass die Lieder einfach gut klingen, melodiös und eingängig sind. Klar, das ist keine Rock Musik und wer nur auf Head Banging steht, wird hier genauso wenig zufriedengestellt wie der Hörer, der es am liebsten radiotaugliche Lieder ohne allzu große Experimente mag. Für die „Forscher“ unter den Musikhörern, die sich immer wieder gerne auf etwas Neues einlassen mögen, für all diese Menschen ist „Omsk“ jedoch bestens geeignet. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Tons Of Ink, Jardin D'Hiver, Spirits Awake, The Cold Eye