Montag, 22. Oktober 2012

Kraftwerk – Ralf & Florian




Kaftwerk – Ralf & Florian


Besetzung:

Ralf Hütter – Keyboards, Schlagzeug, Streich- und Windinstrumente, Elektronisches, Gesang
Florian Schneider – Keyboards, Schlagzeug, Streich- und Windinstrumente, Elektronisches, Gesang


Label: Philips


Erscheinungsdatum: September 1973


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Elektrisches Roulette (4:23)
2. Tongebirge (2:52)
3. Kristallo (6:18)
4. Heimatklänge (3:44)
5. Tanzmusik (6:37)
6. Ananas Symphonie (13:54)

Gesamtspieldauer: 37:48



Das dritte Werk von Kraftwerk aus dem Jahr 1973 wurde von den beiden Musikern nach ihnen selbst benannt: Ralf & Florian. Und es hat sich stilistisch eine ganze Menge getan, zu den beiden Vorgängern. Die Zeit der Experimente schien für die beiden Musiker der Vergangenheit anzugehören, jetzt hatten die Stücke bereits eine richtige Liedstruktur und waren auch durchweg als Musik zu erkennen. Experimental hört sich alles nur noch am Rande an, Kraftwerk bewegt sich hier schon sehr auf dem Terrain der elektronischen Musik.

Für elektronische Musik steht auch sogleich der Opener, der sogar mit einem Schlagzeug eingespielt wurde, für dessen Umsetzung sich sowohl Ralf Hütter wie auch Florian Schneider verantwortlich zeigten. Das Stück hat eine Melodie mit Wiedererkennungswert und verdeutlicht sogleich den Unterschied zu den beiden vorausgegangenen Platten.

„Tongebirge“ ist dann eine ganz „sphärische“ Angelegenheit. Die Querflöte steht im Vordergrund des Stücks und alles klingt und hallt und wirkt irgendwie. Dieses Lied steht dem Label „Experimentalmusik“ wohl noch am nähesten auf der Platte, ist es aber nicht mehr wirklich. Ähnlich schwebend, allerdings deutlich ruhiger und zurückhaltender gebiert sich Titel Nummer 4, „Heimatklänge“. Hier erzeugt Kraftwerk mit dem Piano und der Querflöte ein Klangkonstrukt, welches zwar keine richtige Melodie aufweist, jedoch von seiner Atmosphäre lebt und damit durchaus zu überzeugen weiß.

„Kristallo“ ist elektronische Musik par excellence. Hier wabert und blubbert es zu spinettartigen Keyboardsounds. Zunächst wirkt das Ganze auch ein wenig unstrukturiert, entfaltet im weiteren Verlauf jedoch eine Art „musikalische Logik“, die schließlich in der letzten Minute des Stücks in einer Art fröhlichen Rausch mündet.

„Fröhlich“ ist auch eine gute Umschreibung für den Titel „Tanzmusik“. Man hört hier wieder die Rhythmusmaschine, die erstmals auf Kraftwerk 2 ihren Einsatz fand und dazu werden helle und klare elektronische Klänge kredenzt. „Tanzmusik“ hört sich sogar melodiös an, ob man darauf tanzen kann, weiß ich allerdings nicht. Die Musik ist jedoch so repetitiv, dass sie durchaus dazu geeignet wäre, sich damit in Trance zu hören. Und vielleicht gelingt einem das sogar noch einen Tick schneller, wenn man sich dazu im Kreis bewegt. Möglich wäre es.

„Ananas Symphonie“ heißt das längste und letzte Stück der Platte. Und tatsächlich, hier hört man zum ersten Mal diese, für spätere Alben der Band typische Computerstimme. Dreimal wird, ziemlich am Anfang der Nummer, dessen Titel wiedergegeben. Ansonsten hört man hier Klänge, die durchaus mal an ein „Aloha“ erinnern. Auch ein elektronisches Rauschen ist immer wieder mal zu vernehmen, welches die Meeresbrandung imitiert. Ansonsten ist das Stück zunächst hauptsächlich sphärischer Natur. Etwas geerdeter wird es im zweiten Teil, hausiert hier allerdings auch eher minimalistisch mit einer Melodie, sodass das ganze Lied am Ende ein wenig zu lang geraten wirkt.

Fazit: Kraftwerk haben sich auf „Ralf & Florian“ noch ein Stückchen weiter in die Richtung entwickelt, für die sie ab dem nächsten Album weltweit stellvertretend stehen sollten. Doch unterscheidet sich der Sound auf „Ralf & Florian“ doch noch sehr von den Nachfolgern – aber auch von den Vorgängern. Für Komplettisten ganz sicher ein „Must Have“. Ist man als Musikhörer allerdings von den ersten beiden Alben überzeugt, kann man mit „Ralf & Florian“ garantiert mehr anfangen, als Freunde der späteren Phase der Band. Neun Punkte.

Anspieltipps: Elektrisches Roulette, Heimatklänge, Tanzmusik