Freitag, 31. Januar 2014

Supertramp – Supertramp




Supertramp – Supertramp


Besetzung:

Rick Davies – organ, harmonica, piano, electric piano, vocals
Roger Hodgson – acoustic guitar, bass guitar, cello, flageolet, vocals
Robert Millar – drums, percussion, harmonica
Richard Palmer – acoustic guitar, balalaika, electric guitar, vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Surely (0:31)
2. It's A Long Road (5:33)
3. Aubade And I Am Not Like Other Birds Of Prey (5:17)
4. Words Unspoken (3:59)
5. Maybe I'm A Beggar (6:44)
6. Home Again (1:10)
7. Nothing To Show (4:53)
8. Shadow Song (4:23)
9. Try Again (12:02)
10. Surely (3:08)

Gesamtspieldauer: 47:50




1970 veröffentlichte die britische Band Supertramp ihr erstes Album unter dem gleichzeitigen Bandnamen. Diese Platte hat relativ wenig mit der Musik zu tun, die die Band später überaus erfolgreich werden ließ und wurde auch in einer anderen Besetzung eingespielt. Roger Hodgson und Rick Davies, die beiden Songschreiber von Supertramp, waren hier zwar bereits „an Bord“, allerdings stießen die restlichen Musiker der erfolgreichsten Phase der Band erst später dazu. Hier, auf dem Debut, vervollständigten Robert Millar und Richard Palmer die Band, die damals somit noch ein Quartett war.

Und diese erste Veröffentlichung ist überaus gelungen, auch wenn sie, wie bereits erwähnt, nur schwerlich mit den späteren Alben der Band zu vergleichen ist. Auf „Supertramp“ hört man klasse eingängige Musik, auf der dieses, den Stil prägende Keyboard noch nicht im Mittelpunkt stand. Hier wird noch experimentiert, es wird deutlich mehr gerockt und manches Mal klingen die Lieder auch ein klein wenig nach Folk. Man hört ausgiebige Instrumentalpassagen, die dann sogar sehr dem Progressive Rock zuzuordnen sind.

Dieses Gespür für die eingängige Melodie belegt Roger Hodgson bereits auf diesem Album. Alles klingt, ist spannend und ist auch von den Texten her sehr überzeugend und vereinnehmend. Alles klingt ein klein wenig sentimental und melancholisch und auch die Instrumentierung mit Flöten, Mundharmonika, Balalaika, Cello, etc. tragen zu dieser Atmosphäre und gleichzeitig zu dieser Wärme der Musik bei. Zu erwähnen ist hier natürlich auch, dass die Musiker die verschiedenen Instrumente alle selbst eingespielt haben, was heute auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Fazit: Dieses erste Album überzeugt, unabhängig davon, ob man was mit der späteren Musik von Supertramp anzufangen weiß. Alles auf dieser Debüt-Platte ist spannend und interessant. Zudem überrascht auch die Laufzeit dieses Albums, die mit knapp 48 Minuten damals sehr ungewöhnlich war. Wer der Supertramp-Musik gepaart mit Rock und Progressive Rock mal eine Chance geben will, die oder der sollte hier unbedingt reinhören. Elf Punkte.

Anspieltipps: Words Unspoken, Maybe I'm A Beggar, Try Again



Donnerstag, 30. Januar 2014

The Beatles – Please Please Me



The Beatles – Please Please Me


Besetzung:

John Lennon – lead vocals, background vocals, rhythm guitar, acoustic guitar, harmonica, hand claps
Paul McCartney – lead vocals, background vocals, bass guitar, hand claps
George Harrison – background vocals, lead vocals on "Chains" and "Do You Want To Know A Secret", lead guitar, acoustic guitar, hand claps
Ringo Starr – drums, tambourine, maracas, hand claps, lead vocals on "Boys"


Gastmusiker:

George Martin – additional arrangements, piano on "Misery", celesta on "Baby It's You"
Andy White – drums on "Love Me Do", percussion on "P.S. I Love You"


Label: Apple (Universal Music Group)


Erscheinungsdatum: 1963


Stil: Pop, Rock’n‘Roll


Trackliste:

1. I Saw Her Standing There (2:55)
2. Misery (1:50)
3. Anna (Go To Him) (2:55)
4. Chains (2:25)
5. Boys (2:25)
6. Ask Me Why (2:25)
7. Please Please Me (2:05)
8. Love Me Do (2:23)
9. P.S. I Love You (2:04)
10. Baby It's You (2:40)
11. Do You Want To Know A Secret (1:59)
12. A Taste Of Honey (2:03)
13. There's A Place (1:51)
14. Twist And Shout (2:37)

Gesamtspieldauer: 32:45



Etwas über die wohl größte und erfolgreichste Band der Welt zu schreiben ist gar nicht so einfach. Vor allen Dingen dann nicht, wenn es sich um ihre frühen Alben handelt. „Please Please Me“ heißt die erste Album-Veröffentlichung der Beatles, die 1963 entstand. Diese Platte sollte die erste von dreizehn Alben sein, die in der Zeit des Bestehens der Band in den Jahren 1963 bis 1970 entstand. Nachdem bereits die Singles „Love Me Do“ und „Please Please Me“ erschienen waren, wobei letzter Titel die Nummer Eins der britischen Charts erklommen hatte, hatte es George Martin eilig, ein vollständiges Album hinterher zu schieben. Diese Platte bestand aus insgesamt vierzehn Titeln – acht Lieder davon sind Eigenkompositionen, sechs Titel sind Cover anderer Künstler.

Nun, die Platte wurde in knapp dreizehn Stunden in den Abbey Road Studios eingespielt, wobei „Twist And Shout“, das wohl bekannteste Cover-Lied der Beatles, erst ganz zum Schluss aufgenommen wurde, da allen Beteiligten klar war, dass John Lennon nach diesem Track nicht mehr würde singen können. Dieses und auch die restlichen Stücke sind dabei – logischerweise – ganz in der Zeit verhaftet, in der sie auch entstanden sind, nämlich in den frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals erregte die Platte auch viel Aufsehen, denn das, was die Beatles hier ihrem Publikum darbrachten, gab es so bisher noch nicht. Kraftvoll und mitreißend und irgendwie anders und neu klangen die einzelnen Lieder damals, bei denen die vier Liverpooler auch den Cover-Versionen ihren Stempel aufdrückten. Und man kann auch nicht abstreiten, dass auf „Please Please Me“ bereits ein klein wenig die Genialität des Duos John Lennon und Paul McCartney, welches hier noch in umgekehrter Reihenfolge McCartney/Lennon aufgeführt ist, hervorblitzt.

Jene Songs, die allerdings auf späteren Platten der Fab Four zu finden sind, die auch heutzutage noch genauso überzeugend klingen wie vor fast fünfzig Jahren, die gibt es auf dem Debut noch nicht zu hören – auch wenn dies ein Rock’n’Roll-Fan sehr wohl anders sehen könnte. Die einzelnen Titel klingen zwar nett und waren zur damaligen Zeit sicherlich auch eine Revolution im Musikbusiness, vieles auf der Platte klingt heutzutage jedoch überholt. Allerdings gibt es die Zutaten bereits, die die Beatles nur kurze Zeit später zu dem werden ließen, was sie dann auch waren: eine geniale Band. Da ist zum Beispiel dieser perfekt abgestimmte Gesang und die schönen Melodien, auch wenn sie oft nur einen Teil des jeweiligen Liedes ausmachen sowie die Spielfreude, die die vier Musiker aus Liverpool hier vermitteln. Überraschend aus heutiger Sicht ist dabei auch, dass keiner der Songs die Dreiminutengrenze überschreitet, aber so war das eben, damals zu Beginn der Pop-Musik.

Fazit: Nun, die Musik der Beatles auf „Please Please Me“ klingt wahrlich immer wieder mal mitreißend und interessant, auch wenn die schmalzigen Texte oftmals sehr gewöhnungsbedürftig sind. Andererseits hören sich die Lieder heutzutage auch ein wenig zu harmlos und irgendwie ein klein wenig überholt. Es sollten noch sehr viel interessantere Alben der Beatles folgen, diese Platte war hier nur der Grundstein, der erst mal gelegt werden musste. Bezüglich seiner Wichtigkeit für die moderne Pop- und Rockmusik hätte das Album sicherlich vierzehn Punkte verdient. Bezüglich der Musik aus der Sicht eines Musikhörers im zweiten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts allerdings nur sieben Punkte.

Anspieltipps: Love Me Do, Do You Want To Know A Secret, A Taste Of Honey



Mittwoch, 29. Januar 2014

Donots – Wake The Dogs




Donots – Wake The Dogs


Besetzung:

Ingo Knollmann – Gesang
Guido Knollmann – Gitarre, Gesang
Jan-Dirk Poggemann – Bass
Eike Herwig – Schlagzeug
Alexander Siedenbiedel – Gitarre


Label: Universal Music Group


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Indie Rock


Trackliste:

1. Wake The Dogs (3:14)
2. Into The Grey (2:43)
3. Come Away With Me (3:37)
4. You're So Yesterday (3:10)
5. Don't Ever Look Down (2:23)
6. Born A Wolf (2:27)
7. Control (2:57)
8. Solid Gold (2:35)
9. You Got It (3:21)
10. I Don't Wanna Wake Up (2:48)
11. Chasing The Sky (3:34)
12. All You Ever Wanted (3:24)
13. Manifesto (3:12)
14. So Long (3:51)

Gesamtspieldauer: 43:16




Im Jahr 2012 veröffentlichte die deutsche Indie-Rock-Band „Donots“ bereits ihr neuntes Album mit dem Titel „Wake The Dogs“. Die Band aus Ibbenbüren im Tecklenburger Land in der Nähe von Münster, schafft es auf dieser Veröffentlichung einen sehr eingängigen Indie Rock zu präsentieren, der auch durchaus mit Gute-Laune-Musik schön zu umschreiben ist. Das soll aber nicht bedeuten, dass es sich hierbei um Kirmeszelt-Musik oder dergleichen handelt, obwohl man bei zahlreichen Titeln, zumindest während des Refrains, fast schon animiert wird mitzuschmettern. Dies wiederum liegt an der Eingängigkeit der Titel, die ziemlich schnell ins Ohr gehen und es auch verstehen sich dort festzusetzen.

Bei den „Donots“ kommt man während des Hörens der Platte nicht unbedingt darauf, dass es sich hierbei um eine deutsche Band handelt. Wenn die Formation sich aus Briten oder Amerikanern zusammensetzen würde, wäre wohl kein Hörer, der die fünf Musiker zum ersten Mal hört, überrascht. Alles wirkt, alles ist dabei auch in etwa im selben Stil gehalten. Rock-Musik beinhaltet das Album, welche treibend und groovend dargeboten wird. Hierbei zeigen die Donots deutlich ihr Gespür für die Melodie, die den Hörer zu treffen versteht. Viele der Songs animieren zum Mitwippen, ab und an geht es auch mal in die härtere Richtung und das Genre Punk wird dabei sogar ebenfalls teilweise angekratzt. Kein Wunder von daher, dass bei der Musik der Donots immer auch wieder Vergleiche zu Bands wie Green Day oder aber The Clash gezogen werden.

Wenn man denn etwas Negatives finden möchte auf diesem Album – was allerdings nicht unbedingt sein muss – dann vielleicht der Umstand, dass sich die einzelnen Titeln in ihrer Machart schon sehr ähneln und auch meist im selben Tempo gehalten sind. Das allerdings hat auch seinen Vorteil, denn man legt die Platte auf beziehungsweise die CD ein und los geht die Fahrt, die einen mit lockerer und leichter und rockiger Gute-Laune-Musik unterhält.

Fazit: Wahrlich nicht schlecht, was die Donots hier ihren Hörern bieten. Wenn also jemand auf gut gemachten Indie-Rock steht, der immer ins Ohr geht und es dabei auch noch schafft, einem ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern, der kann hier getrost zugreifen. Ich assoziiere dabei eine Fahrt mit Freunden im Cabrio bei strahlendem Sonnenschein durch eine grüne und bergige Gegend, um mein Ziel, den Bergsee zu erreichen. Dabei hören wir laut die Donots. Das Leben kann schön sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wake The Dogs, Into The Grey, Solid Gold, So Long



Dienstag, 28. Januar 2014

David Bowie – Aladdin Sane




David Bowie – Aladdin Sane


Besetzung:

David Bowie – guitar, harmonica, keyboards, saxophone, vocals


Gastmusiker:

Mick Ronson – guitar, piano, vocals
Trevor Bolder – bass guitar
Mick "Woody" Woodmansey – drums
Mike Garson – piano
Ken Fordham – saxophone
Brian "Bux" Wilshaw – saxophone, flute
Linda Lewis – backing vocals
Juanita "Honey" Franklin – backing vocals
G.A. MacCormack – backing vocal



Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock, Pop, GlamRock,


Trackliste:

1. Watch That Man (4:30)
2. Aladdin Sane (5:08)
3. Drive In Saturday (4:36)
4. Panic In Detroit (4:28)
5. Cracked Actor (3:02)
6. Time (5:15)
7. The Prettiest Star (3:31)
8. Let's Spend The Night Together (3:10)
9. The Jean Genie (4:07)
10. Lady Grinning Soul (3:53)

Gesamtspieldauer: 41:39




„Aladdin Sane“ nannte David Bowie sein sechstes Studioalbum, welches 1973 veröffentlicht wurde. Eingerahmt wird es von der Platte „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ und dem Album „Pin Ups“, welches nur aus Coverversionen anderer Künstler bestand und ebenfalls 1973 veröffentlicht wurde. Einen Vorgeschmack auf dieses Cover-Album gibt auch bereits auf „Aladdin Sane“, auf dem David Bowie mit „Let's Spend The Night Together“ einen Titel der Rolling Stones interpretiert. Sehr rockig gespielt gehört dieser Titel jedoch nicht zu den Höhepunkten des Albums.

Einer dieser Höhepunkte findet sich jedoch im Titel-Song „Aladdin Sane“ selbst. Mit einem etwas schräg klingenden Klavier beginnend, wird hier ein Lied eröffnet, welches auf seine Art und Weise verzweifelt, dann wieder ekstatisch, jazzig und auch wieder futuristisch klingt. Hier bewegt sich David Bowie fast schon in den Bereichen des Progressive Rock. Ein toller Titel, der weder überaus eingängig, noch sehr melodiös ist und gerade daraus seine Faszination zieht. Ebenfalls absolut gelungen ist der Titel „Time“. Beginnt die Nummer gerade so, als ob sie im Saloon gespielt werden würde, entwickelt sich hieraus ein wunderbar melodisches, pianolastiges und spannendes Lied, welches auch eine süße Melancholie hervorzuzaubern versteht. Ebenfalls am Ende der Scheibe befindet sich eine tolle Nummer: „Lady Grinning Soul“. Perlende Pianoläufe untermalen hier den Gesang David Bowies. Das Ganze klingt so wunderschön sehnsüchtig, dass man fast schon genötigt wird dahinzuschmelzen.

Und der Rest der Platte? Ausfälle lassen sich nicht finden. Die übrigen Titel haben zwar nicht ganz die Qualität der drei bereits erwähnten Lieder, haben allerdings auch etwas. Mal rockiger, mal poppiger, mal mit tollem weiblichem Hintergrundgesang und auch mal wieder etwas verträumter. Wer hier wo seine Höhepunkte findet, das muss wohl jeder selbst für sich entscheiden und liegt am eigenen Musikgeschmack. Qualitativ enttäuscht hier zumindest keiner der restlichen Titel.

Fazit: Vielleicht nicht ganz so gelungen wie „Ziggy Stardust“ und auch nicht ganz so intensiv wie das ein Jahr später entstandene „Diamond Dogs“. Trotzdem ein richtig gutes Bowie-Album, der zu dieser Zeit, Anfang bis Mitte der 70er Jahre einfach klasse Alben veröffentlichte – zumindest dann, wenn es sich nicht um Cover-Versionen handelte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Aladdin Sane, Time, Lady Grinning Soul



Montag, 27. Januar 2014

The Velvet Underground – White Light / White Heat




The Velvet Underground – White Light / White Heat


Besetzung:

John Cale – vocals, electric viola, organ, bass guitar, medical sound effects on "Lady Godiva's Operation"
Sterling Morrison – vocals, guitar, bass guitar, medical sound effects on "Lady Godiva's Operation"
Lou Reed – vocals, guitar, piano
Maureen Tucker – drums, percussion


Label: MGM Records


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Experimental Rock, Art Rock


Trackliste:

1. White Light / White Heat (2:47)
2. The Gift (8:16)
3. Lady Godiva's Operation (4:53)
4. Here She Comes Now (1:59)
5. I Heard Her Call My Name (4:37)
6. Sister Ray (17:27)

Gesamtspieldauer: 39:58




Jeder Musikkonsument, der mal wirklich hören will, was „Experimental Rock“ eigentlich für eine Musikrichtung ist, dem sei dieses Album von „The Velvet Underground“ empfohlen. Auf diesem zweiten Album der US-Amerikaner wurde von der Band anscheinend ausprobiert, wie weit man eigentlich gehen kann. Die Avantgarde lebt. Andy Warhol war hierbei nicht mehr beteiligt, genauso wenig wie Nico, die aufgrund von Differenzen mit den restlichen Bandmitgliedern aus der Band geworfen worden war.

Für die damalige Zeit war noch keine Band so weit gegangen, denn das Album ist nicht einfach so anhörbar. Man muss sich schon sehr auf das „Außergewöhnliche“ einstellen. Lediglich sechs Titel umfasst die Platte, von denen drei in etwa in die Zeit Ende der 60er Jahre passen. Da ist zum einen der Opener und gleichzeitig der Titeltrack „White Light / White Heat“. Eine Pop-Rock-Nummer, nicht allzu melodiös, ein wenig monoton, jedoch immer noch einigermaßen radiotauglich. Dann gibt es da das Lied „Lady Godiva's Operation“ aus der Feder Lou Reeds. Ein Titel, der so auch sehr gut seinen Platz auf dem ersten Album von The Velvet Underground gefunden hätte. Ebenfalls wieder ein wenig monoton, jedoch durchaus eingängig und in seiner Art und Weise sogar irgendwie melodiös. Etwas abgefahrener wird es erst gegen Ende des Titels, wenn sich verzerrte Stimmen und Sounds einschleichen. Auch das sehr kurze „Here She Comes Now“ geht als Pop-Song durch – wahrscheinlich sogar am ehesten von allen sechs Titeln. Eine schöne und eingängige Nummer, die aber wohl nur eingefügt wurde, um den Hörer in Sicherheit zu wiegen vor all dem, was dann folgen wird.

Aber diesen nonkonformistische und unangepassten Sound gibt es bereits vorher, beim zweiten Titel „The Gift“ zu hören. Sprechgesang des John Cale, irgendwie stampfender Rhythmus, dröhnender Bass, verzerrte Gitarre und immer wieder Rückkopplungen. Und dann dieser Text, den ich hier mal hinterlegen möchte, um eine kleine Vorstellung von dem zu geben, was den Hörer erwartet:

“Waldo Jeffers had reached his limit. It was now Mid-August which meant he had been separated from Marsha for more than two months. Two months, and all he had to show was three dog-eared letters and two very expensive long-distance phone calls. True, when school had ended and she'd returned to Wisconsin, and he to Locust, Pennsylvania, she had sworn to maintain a certain fidelity. She would date occasionally, but merely as amusement. She would remain faithful.

But lately Waldo had begun to worry. He had trouble sleeping at night and when he did, he had horrible dreams. He lay awake at night, tossing and turning underneath his pleated quilt protector, tears welling in his eyes as he pictured Marsha, her sworn vows overcome by liquor and the smooth soothing of some neanderthal, finally submitting to the final caresses of sexual oblivion. It was more than the human mind could bear.

Visions of Marsha's faithlessness haunted him. Daytime fantasies of sexual abandon permeated his thoughts. And the thing was, they wouldn't understand how she really was. He, Waldo, alone understood this. He had intuitively grasped every nook and cranny of her psyche. He had made her smile. She needed him, and he wasn't there (Awww...).

The idea came to him on the Thursday before the Mummers' Parade was scheduled to appear. He'd just finished mowing and etching the Edelsons lawn for a dollar fifty and had checked the mailbox to see if there was at least a word from Marsha. There was nothing but a circular from the Amalgamated Aluminum Company of America inquiring into his awing needs. At least they cared enough to write.

It was a New York company. You could go anywhere in the mails. Then it struck him. He didn't have enough money to go to Wisconsin in the accepted fashion, true, but why not mail himself? It was absurdly simple. He would ship himself parcel post, special delivery. The next day Waldo went to the supermarket to purchase the necessary equipment. He bought masking tape, a staple gun and a medium sized cardboard box just right for a person of his build. He judged that with a minimum of jostling he could ride quite comfortably. A few airholes, some water, perhaps some midnight snacks, and it would probably be as good as going tourist.

By Friday afternoon, Waldo was set. He was thoroughly packed and the post office had agreed to pick him up at three o'clock. He'd marked the package "Fragile", and as he sat curled up inside, resting on the foam rubber cushioning he'd thoughtfully included, he tried to picture the look of awe and happiness on Marsha's face as she opened her door, saw the package, tipped the deliverer, and then opened it to see her Waldo finally there in person. She would kiss him, and then maybe they could see a movie. If he'd only thought of this before. Suddenly rough hands gripped his package and he felt himself borne up. He landed with a thud in a truck and was off.

Marsha Bronson had just finished setting her hair. It had been a very rough weekend. She had to remember not to drink like that. Bill had been nice about it though. After it was over he'd said he still respected her and, after all, it was certainly the way of nature, and even though, no he didn't love her, he did feel an affection for her. And after all, they were grown adults. Oh, what Bill could teach Waldo - but that seemed many years ago.

Sheila Klein, her very, very best friend, walked in through the porch screen door and into the kitchen. "Oh gawd, it's absolutely maudlin outside." "Ach, I know what you mean, I feel all icky!" Marsha tightened the belt on her cotton robe with the silk outer edge. Sheila ran her finger over some salt grains on the kitchen table, licked her finger and made a face. "I'm supposed to be taking these salt pills, but," she wrinkled her nose, "they make me feel like throwing up." Marsha started to pat herself under the chin, an exercise she'd seen on television. "God, don't even talk about that." She got up from the table and went to the sink where she picked up a bottle of pink and blue vitamins. "Want one? Supposed to be better than steak," and then attempted to touch her knees. "I don't think I'll ever touch a daiquiri again."

She gave up and sat down, this time nearer the small table that supported the telephone. "Maybe Bill'll call," she said to Sheila's glance. Sheila nibbled on a cuticle. "After last night, I thought maybe you'd be through with him." "I know what you mean. My God, he was like an octopus. Hands all over the place." She gestured, raising her arms upwards in defense. "The thing is, after a while, you get tired of fighting with him, you know, and after all I didn't really do anything Friday and Saturday so I kind of owed it to him. You know what I mean." She started to scratch. Sheila was giggling with her hand over her mouth. "I'll tell you, I felt the same way, and even after a while," here she bent forward in a whisper, "I wanted to!" Now she was laughing very loudly.

It was at this point that Mr. Jameson of the Clarence Darrow Post Office rang the doorbell of the large stucco colored frame house. When Marsha Bronson opened the door, he helped her carry the package in. He had his yellow and his green slips of paper signed and left with a fifteen cent tip that Marsha had gotten out of her mother's small beige pocketbook in the den. "What do you think it is?" Sheila asked. Marsha stood with her arms folded behind her back. She stared at the brown cardboard carton that sat in the middle of the living room. "I dunno."

Inside the package, Waldo quivered with excitement as he listened to the muffled voices. Sheila ran her fingernail over the masking tape that ran down the center of the carton. "Why don't you look at the return address and see who it's from?" Waldo felt his heart beating. He could feel the vibrating footsteps. It would be soon.

Marsha walked around the carton and read the ink-scratched label. "Ah, god, it's from Waldo!" "That schmuck!" said Sheila. Waldo trembled with expectation. "Well, you might as well open it," said Sheila. Both of them tried to lift the staple flap. "Ah sst," said Marsha, groaning, "he must have nailed it shut." They tugged on the flap again. "My God, you need a power drill to get this thing open!" They pulled again. "You can't get a grip." They both stood still, breathing heavily.

"Why don't you get a scissor," said Sheila. Marsha ran into the kitchen, but all she could find was a little sewing scissor. Then she remembered that her father kept a collection of tools in the basement. She ran downstairs, and when she came back up, she had a large sheet metal cutter in her hand. "This is the best I could find." She was very out of breath. "Here, you do it. I-I'm gonna die." She sank into a large fluffy couch and exhaled noisily. Sheila tried to make a slit between the masking tape and the end of the cardboard flap, but the blade was too big and there wasn't enough room. "God damn this thing!" she said feeling very exasperated. Then smiling, "I got an idea." "What?" said Marsha. "Just watch," said Sheila, touching her finger to her head.

Inside the package, Waldo was so transfixed with excitement that he could barely breathe. His skin felt prickly from the heat, and he could feel his heart beating in his throat. It would be soon. Sheila stood quite upright and walked around to the other side of the package. Then she sank down to her knees, grasped the cutter by both handles, took a deep breath, and plunged the long blade through the middle of the package, through the masking tape, through the cardboard, through the cushioning and (thud) right through the center of Waldo Jeffers head, which split slightly and caused little rhythmic arcs of red to pulsate gently in the morning sun.”

Angeblich liest hier John Cale eine Kurzgeschichte des Lou Reed vor. Was diese allerdings bedeutet, hat mir bisher auch noch kein englischer Muttersprachler erklären können. Dafür wäre ich allerdings sehr dankbar! Bei „I Heard Her Call My Name“ legt die Band nun noch sehr viel mehr Wert auf schräge und falsche Töne sowie auf Rückkopplungen, löst diese zwar immer wieder ein wenig auf, um gegen Mitte des Liedes endgültig in den Modus der Kakophonie zu verfallen.

Bliebe noch der letzte und mit über siebzehn Minuten Spieldauer auch längste Titel der Platte: „Sister Ray“. Die Nummer fängt auf ihre Art noch relativ harmlos an, wird dann allerdings auch immer verzerrter und übersteuerter. Hier wird experimentiert und zwar ohne jegliches Limit. Angeblich wurde das Lied gleich in einem einzigen „Versuch“ aufgenommen. Eine Melodie ist nur schwerlich auszumachen, trotzdem hat die Nummer etwas. Etwas Meditatives, was sicherlich nicht viele Musikhörer hören, geschweige denn begeistern wird. Alles ist schrill, laut, atonal und überhaupt nicht dazu gedacht zu begeistern. Trotzdem schafft der Track es gerade in seiner Monotonie etwas Besonderes zu sein. Dieser Longtrack ist nicht wie Pink Floyd in ihrer experimentellen Phase, schon gar nicht wie die längeren Titel von Yes oder Genesis zu deren frühen Zeiten. Er ist auch kein Free Jazz, er ist aber trotzdem bei aller Atonalität etwas Besonderes, was man allerdings wahrlich nicht immer hören kann.

Fazit: Manchmal wirkt es so auf „White Light / White Heat“, dass hier experimentiert wurde um des Experimentierens Willens. Das klappt nicht immer - Nein, wirklich nicht. Mitunter aber hinterlässt das Gehörte Eindruck. Besondere Musik ist das auf jeden Fall, auch wenn ich verstehen kann, dass manche Menschen diesen Tönen den Rang der Musik absprechen würden. „White Light / White Heat“ ist sehr viel gewöhnungsbedürftiger als die erste Platte von The Velvet Underground und auch nicht so gut. Aber trotzdem hat die Scheibe was. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lady Godiva's Operation, Sister Ray



Sonntag, 26. Januar 2014

Eagles – Desperado




Eagles – Desperado


Besetzung:

Glenn Frey – guitars, keyboards, piano, harmonica, vocals
Don Henley – drums, percussion, acoustic guitar, vocals
Randy Meisner – bass guitar, acoustic guitar, vocals
Bernie Leadon – guitars, mandolin, banjo, vocals


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Country Rock


Trackliste:

1. Doolin-Dalton (3:30)
2. Twenty-One (2:10)
3. Out Of Control (3:05)
4. Tequila Sunrise (2:54)
5. Desperado (3:37)
6. Certain Kind Of Fool (3:02)
7. Doolin-Dalton (Instrumental Version) (0:48)
8. Outlaw Man (3:35)
9. Saturday Night (3:21)
10. Bitter Creek (5:03)
11. Doolin-Dalton/Desperado (Reprise) (4:51)

Gesamtspieldauer: 35:55



Das zweite Album der Eagles erschien ein Jahr nach dem Debut, im Jahr 1973. „Desperado“ heißt die neue Scheibe der Band und waren auf der ersten Platte noch einige rockigere Stücke zu hören, so ist die Musik auf dieser zweiten Veröffentlichung noch ein wenig mehr in die Country und Western-Schiene abgedriftet, was einen bei diesem Album-Titel auch nicht weiter verwundern dürfte.

Okay, man sollte beim Kauf und beim Hören dieser Scheibe überaus Country-affin sein, denn sonst bekommt man unweigerlich massive Schwierigkeiten mit dem Album. Bei solch Titeln wie „Twenty-One“ oder „Saturday Night“ kann es durchaus mal passieren, dass das mitteleuropäische Ohr aussteigt, in den Südstaaten der USA war es aber ein Renner. Es ist allerdings nicht unbedingt das Genre Country-Music, welches hier Schwierigkeiten bereitet, es sind die Songs selbst, der einfach nicht zu zünden verstehen und überaus langweilig wirken. Auch heute gibt es klasse gemachte Musik, die in diese Richtung geht. Diese Country Songs hier auf „Desperado“ haben allerdings schon eine ganze Menge an Patina angesetzt und mögen vielleicht noch aus Nostalgie-Gründen gefallen, schwer wird es aber dann, wenn man jemanden „neu“ von dieser Musik überzeugen möchte. Aber es geht auch anders, wie zum Beispiel bei der kurzen Instrumentaleinlage „Doolin-Dalton“. Klasse gemacht, wahrlich mitreißend. Aber so etwas bleibt irgendwie die Ausnahme.

„Out Of Control“ ist ein Rock’n’Roll, wie man ihn schon so oft gehört hat – auch bereits zur damaligen Zeit. „Tequila Sunrise“ klingt dann wieder eher nach Country und ist so was von schmalzig - was die Musik betrifft und leider auch den Text. Nicht viel, aber zumindest ein bisschen besser wird es beim Titelsong „Desperado“. Eine getragene Ballade, sehr getragen, die mit Streichern überfrachtet ist, trotzdem allerdings noch ganz heimelig wirkt. Etwas rockiger wird es schließlich mit „Certain Kind Of Fool“ und auch gleich wieder angenehmer. Es folgt das bereits erwähnte „Doolin-Dalton“ und schließlich der Höhepunkt des Albums: „Outlaw Man“. Beide Titel gehen ineinander über und „Outlaw Man“ ist echt ein klasse Rock-Song, erinnert ein wenig an Neil Young und wertet die Platte deutlich auf. Es folgen wieder zwei Titel, die zwar nicht in die Kategorie „unhörbar“ fallen, allerdings doch diese gewisse Belanglosigkeit ausstrahlen, welche einen nicht dazu bewegen kann, die Platte öfters aufzulegen.

Fazit: Mit „Desperado“ habe ich massive Schwierigkeiten. Bis auf die beiden unten angegebenen Anspieltipps gibt es auf der Platte viel Zeitverschwendung. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden – sehr verschieden sogar. Die richtig eingehenden Titel fehlen größtenteils, die Musik mag Anfang der 70er Jahre vielleicht noch innovativ gewesen sein, heute klingt allzu vieles davon jedoch leider sehr überholt. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Doolin-Dalton (Instrumental Version), Outlaw Man



Samstag, 25. Januar 2014

Led Zeppelin – II




Led Zeppelin – II


Besetzung:

John Bonham – drums, timpani, backing vocals
John Paul Jones – bass guitar, organ on "Thank You", backing vocals
Jimmy Page – electric and acoustic guitar, backing vocals, theremin on "Whole Lotta Love"
Robert Plant – lead vocals, harmonica on "Bring It On Home"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Whole Lotta Love (5:34)
2. What Is And What Should Never Be (4:46)
3. The Lemon Song (6:20)
4. Thank You (4:50)
5. Heartbreaker (4:14)
6. Living Loving Maid (She's Just A Woman) (2:39)
7. Ramble On (4:24)
8. Moby Dick (4:21)
9. Bring It On Home (4:21)

Gesamtspieldauer: 41:29



Noch im selben Jahr wie das Debut, veröffentlichten Led Zeppelin auch ihr zweites Album, kurz mit „II“ betitelt. Im Oktober 1969 erschien diese Platte, die sowohl in England, wie in den USA, als auch in Deutschland die Nummer 1 der Charts stürmte. Led Zeppelin klangen nun deutlich rockiger, als noch auf ihrem Debut ein dreiviertel Jahr zuvor.

Die Platte beginnt mit einem Klassiker, der auch nie auf einem der Konzerte der Band fehlen durfte: „Whole Lotta Love“. Eine mitreißende Hard Rock Nummer, die auch dadurch zu punkten versteht, dass sie eben nicht in einem durchläuft, sondern diesen grandiosen Mittelteil aufweist, bei denen die Becken des John Bonham den Takt vorgeben und man eine sphärisch bis verstörende Soundkollage hört, in der Robert Plant immer wieder seine Einsätze findet und schließlich alles wieder im härteren Rock mündet.

Auch gibt es auf „II“ zwei wirklich geniale Stücke, die hauptsächlich akustischer Natur sind zu genießen. Da ist zum einen das tolle „Thank You“, ein Titel, der sich sofort im Ohr festsetzt, sehr melodisch und ein wenig getragen daherkommt und an dem man sich absolut nicht überhören kann. Auch bei „Ramble On“ steht die Akustik-Gitarre im Vordergrund. Die Grundstimmung ist hier allerdings deutlich flotter und treibender. Und dann nimmt der Titel auch immer wieder Fahrt auf und rockt im Refrain richtig gut los.

Der Rest der Platte sind Songs, die sich häufig aus einem bluesigen Teil und dann wieder aus straightem Rock zusammensetzen. Das überzeugt mal mehr, manches Mal allerdings auch ein klein wenig weniger. Erwähnenswert dabei auf jeden Fall noch „Moby Dick“, bei dem sich John Bonham an den Drums so richtig austoben darf. Sicherlich etwas Besonderes, denn wo hört man schon mal auf einer Studio-Platte ein Drum-Solo?

Fazit: Viele Musikhörer und Fans finden die zweite Platte Led Zeppelins gelungener als die erste. Bei mir ist das andersrum. Klar, „Whole Lotta Love“ ist ein Mördersong und auch sonst gibt es jede Menge tolle Musik zu entdecken. Dann allerdings auch immer wieder Passagen, die deutlich weniger zu fesseln verstehen – mich zumindest. Neun Punkte.

Anspieltipps: Whole Lotta Love, Thank You, Ramble On



Freitag, 24. Januar 2014

Van Der Graaf Generator – The Aerosol Grey Machine




Van Der Graaf Generator – The Aerosol Grey Machine


Besetzung:

Peter Hammill – lead vocals, acoustic guitar
Hugh Banton – piano, organ, percussion, backing vocals
Keith Ellis – bass
Guy Evans – drums, percussion



Gastmusiker:

Chris Judge Smith – slide-saxophone and harmony vocals on "People You Were Going To", lead vocals (chorus) on "Firebrand"
Jeff Peach – flute


Label: Repertoire Records (ursprünglich Mercury Records)


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Progressive Rock, Folk, Pop


Trackliste:

1. Afterwards (4:58)
2. Orthenthian St. (Part 1 & 2) (6:20)
3. Running Back (6:37)
4. Into A Game (6:58)
5. Aerosol Grey Machine (0:47)
6. Black Smoke Yen (1:26)
7. Aguarian (8:24)
8. Necromancer (3:41)
9. Octopus (8:02)


Bonus Tracks:

10. People You Were Going To (2:46)
11. Firebrand (4:08)

Gesamtspieldauer: 54.06



„The Aerosol Grey Machine” heißt die erste Platte der Progressive Rock Band Van der Graaf Generator, welche im Jahr 1969 veröffentlicht wurde. Von der klassischen Besetzung fehlt hier noch Saxophonist David Jackson. Die Musik ist auf diesem Debut ebenfalls noch ein wenig anders geartet, als auf den folgenden Alben der Band. Auf „The Aerosol Grey Machine” klingt alles meist noch ein wenig „gemäßigter“, als auf den späteren Veröffentlichungen. Dies hat wiederum zur Folge, dass viele eher mainstreamorientierte Pop-, Rock- oder auch Folk-Fans mit diesem Album von Van Der Graaf Generator wohl am ehesten etwas anfangen werden können.

Aber diese progressiven Ansätze sind natürlich auch auf dieser Platte bereits da. Das, was man hier hört ist wahrlich kein „einfacher“ Pop oder Rock, trotzdem ist die Musik auf der Scheibe noch ein klein wenig von der Musik der 60er beeinflusst, vom damals gängigen Pop und auch Rock. Am ehesten in die Richtung der späteren Platten geht da noch der ursprünglich letzte Titel der Platte: „Octopus“. Aus mehreren Teilen aufgebaut, sehr düster mit einer Reihe von Stimmungs- und auch Rhythmuswechseln.

Der Beginn des Albums ist da schon ein wenig ungewöhnlich für Van Der Graaf Generator. Alles wirkt sehr melodiös, ist weniger verspielt und geht bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr. Das gilt für fast alle Titel des Albums, auch wenn hier und da mal ein etwas schrägerer Ton zum Vorschein kommt. Gänzlich anders und wohl eher eine kleine Spielerei ist da schon der kurze Titeltrack „Aerosol Grey Machine“, der ein wenig nach einem Western-Saloon klingt.

Die zwei Bonus-Tracks ergänzen das vorher Gehörte sehr gut und gehen dabei sogar noch ein klein wenig stärker in die Richtung Pop, wobei vor allem der letzte Titel „Firebrand“ richtig überzeugen kann.

Fazit: Die ganz „krassen“, manchmal verstörenden Augenblicke in der Musik von Van Der Graaf Generator, die fehlen hier noch auf „The Aerosol Grey Machine“. Alles ist noch ein wenig eingängiger und melodiöser, was die Musik der Briten jedoch um keinen Deut langweiliger werden lässt. Die Stimme des Peter Hammill klingt bereits so, wie man sie von späteren Alben her kennt und dies ist auch die Klammer, die dieses Debut vor allen Dingen mit den späteren Platten verbindet. Elf Punkte.

Anspieltipps: Afterwards, Into A Game, Aguarian, Firebrand



Donnerstag, 23. Januar 2014

The Cranberries – To The Faithful Departed




The Cranberries – To The Faithful Departed


Besetzung:

Dolores O'Riordan – vocals, electric guitar, acoustic guitar, keyboards, whistle, mandolin
Noel Hogan – electric guitar, acoustic guitar, mandolin
Mike Hogan – bass guitar
Fergal Lawler – drums, percussion


Gastmusiker:

Michael Kamen – orchestration
Henry Daag – saw on "Bosnia"
Richie Buckley – tenor saxophone on "Salvation"
Michael Buckley – baritone saxophone on "Salvation"
Bruce Fairbairn – trumpet on "Salvation"
Randy Raine-Reusch – additional percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Hollywood (5:07)
2. Salvation (2:24)
3. When You're Gone (4:57)
4. Free To Decide (4:25)
5. War Child (3:50)
6. Forever Yellow Skies (4:10)
7. The Rebels (3:20)
8. Intermission (2:04)
9. I Just Shot John Lennon (2:41)
10. Electric Blue (4:51)
11. I'm Still Remembering (4:49)
12. Will You Remember? (2:49)
13. Joe (3:22)
14. Cordell (3:40)
15. Bosnia (5:38)

Gesamtspieldauer: 58:07




Etwas hatte sich geändert auf „To The Faithful Departed“, dem dritten Album der irischen Band The Cranberries, welches 1996 erschien. Wurde auf der vorherigen Veröffentlichung mit nur zwei Ausnahmen immer auf die ruhige Karte in der Musik gesetzt, so gibt es hier zwar auch wieder ruhige und sehr verträumte Musik zu hören, allerdings haben auch vermehrt rockigere Töne Einzug in die Musik der Band gefunden.

Stellvertretend stehen dabei gleich die beiden Titel zu Beginn der Platte: „Hollywood“ und „Salvation“. Beides kraftvolle Nummern, von denen „Hollywood“ durchaus das Potenzial besitzt, sich als Ohrwurm im Musikzentrum des Hörers festzusetzen – auch nachhhaltig. Die Nummer steht dem größten Hit der Cranberries „Zombie“ auch in fast nichts nach. Sehr, sehr gelungen.

Ebenfalls überzeugend ist der Titel „I Just Shot John Lennon“, der die Tat des Mark David Chapman vom 8. Dezember 1980 noch mal erzählt. Das treibende Lied endet mit dem Knall von fünf Schüssen. Eingeleitet wurde dieses Stück durch den vorherigen Song „Intermission“, einer ruhigen, sphärischen und schließlich doch sehr melodiösen und kurzen Instrumentalnummer. Ein wirklich gelungener Kontrast. Noch ein anderes ruhiges Lied gehört mit zu den Höhepunkten der Platte: „Electric Blue“. Eingeleitet mit an Kirchenmusik erinnernden Gesang entwickelt sich dann ein wunderschöner Titel, der ganz vom mehrstimmigen Gesang der Dolores O'Riordan lebt.

Auch der Rest der Platte hat es in sich. Keinen Ausfall gibt es zu verzeichnen. Die Band hält immer wieder sogar kleine instrumentale Überraschungen für den Hörer parat. Da klingt es mal südeuropäisch, dann hört sich ein Titel zunächst nach Urwald an und wird schließlich komplett mit Kirmes- beziehungsweise Zirkus-Musik untermalt oder aber man hört in einem Lied eine singende Geige. Es gibt also viel zu entdecken auf dieser Platte, die für jede Menge Abwechslung sorgt.

Fazit: Auch „To The Faithful Departed“, das dritte Album der Cranberries, ist überaus gelungen. Wen Experimentierfreude gepaart mit Melodiösität interessieren, der oder dem sei dieses Album wärmstens empfohlen. Allerdings sollte dabei doch klar sein, dass sich die Band hauptsächlich in den Gefilden des Pop mit Ausflügen in den Rock bewegt. Aber diese Gefilde sind hier deutlich anspruchsvoller, als bei den meisten anderen Pop-Bands. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hollywood, Electric Blue



Mittwoch, 22. Januar 2014

Strawbs – Bursting At The Seams




Strawbs – Bursting At The Seams


Besetzung:

Dave Cousins – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar, banjo
Dave Lambert – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar
Blue Weaver – organ, piano, mellotron
John Ford – lead vocals, backing vocals, bass guitar
Richard Hudson – backing vocals, drums, sitar


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Flying (4:52)
2. Lady Fuschia (4:00)
3. Stormy Down (2:46)
4. The River (2:22)
5. Down By The Sea (6:20)
6. Part Of The Union (2:56)
7. Tears And Pavan (6:38)
8. The Winter And The Summer (4:10)
9. Lay Down (4:33)
10. Thank You (2:16)


Bonus Tracks:

11. Will You Go (3:55)
12. Backside (3:49)
13. Lay Down (3:35)

Gesamtspieldauer: 52:11




Das fünfte Studio-Album der Strawbs wurde 1973 unter dem Namen „Bursting At The Seams“ veröffentlicht. Es hatte wieder mal eine Umbesetzung im Line-Up der Band gegeben. Dave Lambert war zu den Strawbs gestoßen und unterstützte fortan Dave Cousins an der Gitarre und beim Gesang. Großartigen Einfluss auf die Musik der Engländer hatte dieser Wechsel jedoch nicht, denn auch auf „Bursting At The Seams“ gibt es wieder leicht „angeprogten“ Folk Rock zu hören, der ziemlich schnell ins Ohr geht und durch seine Melodiösität besticht.

Die Platte wurde zur erfolgreichsten in der Geschichte der Band, erreichte Platz 2 der Album Charts in England und enthält auch zwei erfolgreiche Singleauskopplungen. Eine davon ist wohl auch das mit bekannteste Lied der Band: „Part Of The Union“. Die Nummer ist eine Art Mitgröl-Lied, was besonders auf den Refrain zutrifft, den man bequem mit einigen Bier intus mitschmettern kann. Eine weitere Single-Auskopplung ist „Lay Down“. Auch ein Lied, welches diesen gewissen Wiedererkennungswert besitzt und so auch von Lindisfarne stammen könnte.

Auch wenn diese beiden Titel als Singles erfolgreich waren, so stellen sie doch nicht die Höhepunkte der Platte dar. Dies ist sehr viel eher das ein wenig verträumte und sehr melancholische „Tears And Pavan“. Klasse Melodie, schöne Stimmungswechsel und eine Instrumentierung, die immer wieder zu überraschen weiß. Ebenfalls sehr gelungen ist der Titel „Down By The Sea“, der gleich zu Beginn mit seinem tollen Mellotroneinsatz beeindrucken kann und im weiteren Verlauf richtig rockig wird.

Der Rest der Platte setzt sich zumeist aus unaufdringlichen und immer harmonischen Folk-Songs zusammen, die häufig luftig und leicht präsentiert werden. Die Ausnahme bildet hier der ursprünglich letzte Titel der Platte „Thank You“, der unüberhörbar mit Kindergartenkindern eingespielt wurde und auch genau so klingt, wie ein Lied für Kinder im Vorschulalter.

Drei Zugaben gibt es auf der remasterten Fassung des Albums. Da gibt es zum einen die Single-Version von „Lay Down“, den Titel „Will You Go“, der schwer nach schottischem Folk klingt und schließlich noch das Lied „Backside“. Ein wieder etwas rockigeres Lied, welches stilistisch allerdings ebenfalls sehr gut in den Kontext der Platte passt.

Fazit: Die Strawbs befanden sich Anfang der 70er Jahre in einer Phase, an der sie es schafften, regelmäßig tolle Platten zu veröffentlichen, die kaum einen Ausfall beinhalteten und einige wirklich sehr hörenswerte Stücke für den Musikkonsumenten bereithielten. Ganz genauso ist es auch auf „Bursting At The Seams“. Wer auf „angefolkte“ Musik steht, die immer wieder mal auch rockt und progressive Ansätze bereithält, der wird mit dieser Platte viel Spaß haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Down By The Sea, Tears And Pavan



Dienstag, 21. Januar 2014

David Bowie – The Man Who Sold The World





David Bowie – The Man Who Sold The World


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, stylophone, organ


Gastmusiker:

Mick Ronson – guitar, vocals
Tony Visconti – bass guitar, piano, guitar, producer
Mick Woodmansey – drums, percussion
Ralph Mace – moog synthesiser


Label: Mercury Records / RCA / EMI


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Folk


Trackliste:

1. The Width Of A Circle (8:09)
2. All The Madmen (5:41)
3. Black Country Rock (3:36)
4. After All (3:56)
5. Running Gun Blues (3:15)
6. Saviour Machine (4:29)
7. She Shook Me Cold (4:17)
8. The Man Who Sold The World (4:00)
9. The Supermen (3:42)

Gesamtspieldauer: 41:03




Auf seinem dritten Album „The Man Who Sold The World“ aus dem Jahr 1970 hatte David Bowie seinen Stil nun endgültig gefunden. Auch die nächsten Platten sollten in etwa in diesem Stil gehalten sein und dieser ist im Grunde genommen nur mit „überaus nachhaltig“ zu beschreiben. Soll heißen, dass David Bowie nun fast schon zeitlose Musik veröffentlichte, die auch noch nach Jahrzehnten nichts von ihrem Charme und ihrer Eindringlichkeit verlieren konnte. All diese Lieder wirken und hinterlassen Spuren, die es sich lohnt aufzunehmen.

Auf „The Man Who Sold The World“ sind das vor allem vier Titel. „All The Madmen”, eine zunächst folkige Nummer, die durch eine etwas schräg klingende Orgel weitergeführt wird und schließlich in einen Rock-Song mündet, der dann zur melodischen Hymne mutiert. Weiter geht es mit „After All“, einer irgendwie mystisch gearteten Nummer, die wie fast alles auf diesen Album auch durch Melodiösität besticht. Besonders zu erwähnen wäre hierbei auch die klasse gesetzten Hintergrund-Chor-Arrangements und diese plötzlich auftauchende Kirmes-Orgel, die sich einfach festsetzt. Dann wäre da zu erwähnen das wirklich grandiose „Saviour Machine“. So spannend wünscht man sich Rock, wenn man nicht auf Dieter Bohlen und Konsorten steht. Beim ersten Hören klingt dieses Lied vielleicht sogar manches Mal etwas „falsch“, spätestens beim dritten Durchlauf weiß man jedoch, dass das alles genau so und nicht anders klingen muss und auch sollte. Und dann wäre da natürlich noch der Titeltrack „The Man Who Sold The World“. Jetzt wird es wieder ein klein wenig folkiger und alles klingt ein wenig marod, dazu gesellt sich, wie häufig bei David Bowie, ein sehr gelungener Text und fertig ist ein Lied, welches man nicht mehr missen möchte.

Nun auch der Rest der Platte ist sehr gelungen. Wenn man bei „Running Gun Blues” an das Genre Blues denkt, dann wird man überrascht und vielleicht auch ein wenig enttäuscht sein, wenn man denn genau diese Musikrichtung liebt und auch erwartet. Hierbei handelt sich jedoch eher um ein kraftvolles Rock-Lied. Und schließlich kommt man irgendwann zum letzten Titel der Platte: „The Supermen“. Dieser rockt ebenfalls wieder und auch hier lohnt es sich den Text etwas genauer zu verfolgen. Nicht zu vergessen sei hier auch der Opener „The Width Of A Circle“, der Ansätze des Progressive Rock in sich trägt. Und zwar immer dann, wenn die Musiker ihren Instrumenten freien Lauf lassen.

Fazit: Auf „The Man Who Sold The World“ gibt es keinen Ausfall. Zudem waren hier Mick Ronson und Mick Woodmansey jetzt zum ersten Mal an der Seite von David Bowie und sollten später einen Teil der „Spiders from Mars“ bilden, der Begleitband David Bowies – auch diese Zusammenarbeit drückte der Musik ihren Stempel auf. Die Platte ist unaufgeregt und trotzdem spannend, weist so einige Höhepunkte auf und ist auch heute noch eine lohnende Entscheidung, wenn man sich überlegt, was man auf den Plattenteller legt oder in den CD-Player schiebt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Die vier bereits erwähnten Titel: All The Madmen, After All, Saviour Machine und The Man Who Sold The World



Montag, 20. Januar 2014

Rhythmische Beobachter – Krautrock




Rhythmische Beobachter – Krautrock


Besetzung:

Fredi Grosser – vocals
Gogo Eisert – guitars
Beefeen Altinger – drums, bass
hel.de – synthesizers


Label: Appartment Entertainment


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: NeoProg, elektronische Musik


Trackliste:

1. Revenge Calling (6:23)
2. Athletic Bilbao (3:25)
3. Woman At Window (8:21)
4. Niemand Fragt Warum (5:24)
5. Little Train (4:31)

Gesamtspieldauer: 28:04




Wer bei dem Titel „Krautrock“ der Rhythmischen Beobachter an Grobschnitt, Jane oder Birth Control denkt, der wird beim Hören der Tracks etwas überrascht sein. Mit dem Genre „Krautrock“ hat das Album der Rhythmischen Beobachter zwar in Bezug auf die Herkunft der Musiker etwas zu tun - sie leben in München - mit der hier zu hörenden Musik allerdings nur etwas am Rande. Auf „Krautrock“ gibt es Synthesizer-dominierte Musik zu hören, bei der zwar auch Gitarre und Schlagzeug ihren Platz finden, beherrscht wird das Ganze jedoch in erster Linie durch die hier genertierten, elektronischen Klangwelten.

Die vier Musiker, die früher alle mit Musik auch ihr Geld verdienten, inzwischen jedoch in anderen Jobs tätig sind, beschritten dieses Mal bei der Veröffentlichung des Albums einen anderen Weg. Nachdem die Band ihre ersten drei CD‘s noch „physisch“ auf den Markt brachte, gibt es „Krautrock“ dieses Mal lediglich als Download zum Herunterladen. Aber dieser Download, der lohnt sich wahrlich. Die Lieder auf dieser vierten Veröffentlichung sind wie eine Reise durch verschiedenste Musikgalaxien, die mal sphärisch, dann wieder mystisch, schließlich ein wenig experimentell und doch immer überaus melodiös gestaltet sind.

In diese Soundgebilde lässt sich wunderbar eintauchen und am besten treibt man einfach ganz entspannt mit, mit der sich entfaltenden Musik. Atmosphäre pur, die auch durch den Gesang des Fredi Grosser angefüllt wird. Dessen Stimme klingt mal hauchend, flüsternd, verzerrt oder zerbrechlich, ein anderes Mal setzt er sie sehr viel kraftvoller ein und verpasst der Platte somit eine angenehme Variationsbreite. Nicht anders sieht es bei der Instrumentierung aus. Auch wenn der Synthesizer des Helmut Müller, alias „hel.de“, der gleichzeitig auch Produzent von „Krautrock“ ist, eine zentrale Stellung einnimmt, so kommen doch auch immer wieder Schlagzeug, Bass und der Gitarre dominierende Rollen zu, wodurch das Album stark an Abwechslungsreichtum gewinnt.

Kurz noch etwas zu den einzelnen Stücken. „Revenge Calling“ ist eine mitreißende Nummer, die sich sofort im Ohr festsetzt und von diesen kaskadischen Redundanzen des Synthesizers getragen wird. „Athletic Bilbao” gebiert sich als sehr sphärisches und schwebendes Lied, wohingegen „Woman At Window”, das mit etwas über acht Minuten Spieldauer längste Stück des Albums, zunächst ebenfalls sanft schwebend und zurückhaltend beginnt, sich im weiteren Verlauf jedoch in einen kraftvollen Song verwandelt, der dann immer wieder mit lauteren und leiseren Passagen spielt. Sehr gelungen hier auch die Solo-Gitarre und die mitreißenden Schlagzeugeinsätze. „Niemand Fragt Warum“ ist dagegen erneut sehr viel sphärischer aufgebaut. In Verbindung mit dem immer wieder wiederholten und elektronisch verfremdeten „Keiner Weiß Warum, Niemand Fragt Warum“ wirkt dieser Song mit am Experimentellsten auf dem Album. Beendet wird „Krautrock“ schließlich mit „Little Train“. Zu Beginn fühlt man sich an psychedelische Bands der frühen 70er Jahre erinnert, alles wirkt dabei sehr harmonisch und wenn schließlich der Gesang einsetzt, dann wird die Musik zum sphärischen Ohrwurm.

Fazit: Immer wieder schön zu hören, dass heutzutage auch noch solche Musik produziert wird. „Krautrock“ lohnt sich für Freunde der atmosphärischen, Synthesizer-betonten Musik, die allerdings nicht nur lange Instrumentalpassagen, sondern auch etwas rockigere Abschnitte zu schätzen wissen. „Krautrock“ ist einen einnehmendes Album geworden, welches als einziges Manko aufweist, dass es mit nur etwas über 28 Minuten etwas zu kurz geraten ist. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Revenge Calling, Little Train

Sonntag, 19. Januar 2014

Led Zeppelin – I




Led Zeppelin – I


Besetzung:

Jimmy Page – acoustic, electric and pedal steel guitar, backing vocals, production
Robert Plant – lead vocals, harmonica, occasional bass
John Bonham – drums, timpani, percussion, backing vocals
John Paul Jones – bass guitar, organ, backing vocals


Gastmusiker:

Viram Jasani – tabla on "Black Mountain Side"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Good Times Bad Times (2:46)
2. Babe I'm Gonna Leave You (6:42)
3. You Shook Me (6:28)
4. Dazed And Confused (6:26)
5. Your Time Is Gonna Come (4:35)
6. Black Mountain Side (2:13)
7. Communication Breakdown (2:30)
8. I Can't Quit You Baby (4:42)
9. How Many More Times (8:29)

Gesamtspieldauer: 44:50




Unbestritten, dieses Album, die erste Platte von Led Zeppelin, welche im Januar 1969 erschien, hat viele andere Bands beeinflusst. Zu neu war damals dieser Mix aus Hard Rock und Blues Rock, so etwas hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Wenn man dann als Hörer noch Blues-Fan ist, dann kommt man mit dieser Scheibe auch bestens auf seine Kosten. Das muss man allerdings auch wirklich sein, denn sonst kann es passieren, dass man mit solch Stücken wie „You Shook Me“ oder aber „I Can't Quit You Baby“ so überhaupt nichts anzufangen weiß. Denn hierbei handelt es sich um gitarrenlastigen Blues pur, der mitunter sogar gequält und in keinster Weise melodiös wirkt.

Ganz anders sieht das bei „Babe I'm Gonna Leave You“ aus. In dieses Lied kann man eintauchen, auch wenn man mit diesem Blues-Genre eigentlich nicht so viel anfangen kann. Ein absolut mitreißender Song, der bereits beim ersten Mal des Hörens zündet und einen nicht mehr loslässt. Aber es gibt auch deutlich härtere Töne auf diesem Debut von Led Zeppelin zu hören. Da ist zum Beispiel gleich der Opener „Good Times Bad Times“. Da wird gerockt, was das Zeug hält und dabei jedoch nie die Melodie aus den Augen beziehungsweise aus den Ohren verloren. Auch das kurze „Communication Breakdown“ ist ein Rocker, bei dem es die Band „krachen“ lässt und Robert Plant kann richtig zeigen, dass er ein klasse Rock-Sänger ist.

„Your Time Is Gonna Come” wird sehr pathetisch mit einer Orgel eingeleitet und es entwickelt sich daraus ein wahrlich toller Song. Etwas getragen, überaus eingängig ist dies eine Nummer, die sich sofort im Musikzentrum des Gehirns festsetzt und diesen besonderen Wiedererkennungswert in sich trägt. Das Lied geht ohne Unterbrechung in „Black Mountain Side“ über. Eine kurze aber sehr feine Instrumentalnummer, die Akustik-Gitarre des Jimmy Page steht im Vordergrund und wird nur durch leichte Perkussion untermalt.

Ein Titel soll hier aber auf jeden Fall auch noch Erwähnung finden: „How Many More Times“. Ganz klar der komplexeste Song auf der Platte. Hier finden sich ebenfalls Blues und Hard Rock Anleihen, jedoch tendiert der Titel ganz klar auch in die Richtung Psychedelic Rock. Aus vielen einzelnen Teilen zusammengesetzt entwickelt sich eine musikalische Reise an der es teilzunehmen lohnt. Die Nummer groovt, besticht durch ihren Aufbau, der nie langweilig wird und diese psychedelischen Abschnitte, die hier die Würze darstellen.

Ein Wort muss nun allerdings noch über die Texte verloren werden. Diese sind mitunter unfassbar schmalzig. Deutschen Schlagerbarden würde es sicherlich auch so manche Überwindung kosten, dies hier auf Deutsch zu singen. Wenn einen nicht nur die Musik interessiert sondern auch der Text eine Rolle spielt, dann ist dies ein ganz großer Nachteil des Albums – allerdings hören die meisten da wohl nicht so richtig hin.

Fazit: Dieses Album hält wahrlich begeisternde Stellen und Lieder für die Hörerin oder den Hörer parat. Ich persönlich habe so manches Mal Probleme mit dem Blues, der mich auch hier nicht immer berührt. An anderen Stellen bringen ihn die vier Briten jedoch so begeisternd rüber, dass man sich fragt, ob das nicht doch genau die Musikrichtung wäre, der man unbedingt frönen sollte. Die Hard Rock Passagen funktionieren auf dem Album immer, sind klasse gemacht. Und dann ist da noch die Sache mit den Texten. Dieses Liebesgeschmalze geht einem unglaublich auf den Zeiger, wenn man die Texte denn auch verfolgt. Ich mache das immer und habe genau da dann auch Schwierigkeiten mit Led Zeppelin. Trotzdem ein tolles Album, was man immer wieder gerne hört und auflegt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Babe I'm Gonna Leave You, Your Time Is Gonna Come, How Many More Times