Montag, 4. März 2013

Yes – Big Generator




Yes – Big Generator


Besetzung:

Jon Anderson – vocals
Alan White – drums, percussion
Trevor Rabin – guitars, keyboards, backing vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Tony Kaye – keyborards


Gastmusiker:

James Zavala – harmonica on track 5
Soul Lips (James Zavala, Lee R. Thornberg, Nick Lane, Greg Smith) – horns on track 4


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Rhythm Of Love (4:49)
2. Big Generator (4:34)
3. Shoot High Aim Low (7:03)
4. Almost Like Love (4:58)
5. Love Will Find A Way (4:50)
6. Final Eyes (6:26)
7. I’m Running (7:38)
8. Holy Lamb (3:19)

Gesamtspieldauer: 43:36



Wie alle anderen progressiven Gruppen der 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts, so verfielen auch Yes in den folgenden 80er Jahren dem Mainstream Pop. Diesen Umstand braucht man noch nicht einmal zu hören, man kann ihn bereits lesen, wenn man sich die Trackliste zum 1987 veröffentlichten Werk „Big Generator“ zu Gemüte führt. Gleich in drei Titeln taucht hier das Wort „Love“ auf. Eindeutig kein gutes Zeichen, zumal die Musik Yes‘ vorher häufig mitunter „abgefahrene“, zumindest jedoch sehr poetische Texte beinhaltete, die nur wenig Spielraum für Schmalz und Liebeskummer boten. Vorwiegend zeichnete sich nun der Südafrikaner Trevor Charles Rabin für die musikalische Ausrichtung der Band aus und zudem produzierte das Album auch. Und um es gleich vorweg zu nehmen: „Big Generator“ ist eher ein Pop-Album geworden, denn ein Album, welches mit progressivem Rock aufwartet.

Schon die ersten beiden Stücke spiegeln genau das wieder, was man beim Lesen der Lieder-Liste erwartet hatte: Pop-Liedchen gibt es da auf die Ohren. Zwar noch mit Yes-Ansätzen versehen, wie es die schönen Gesangsarrangements widerspiegeln, aber letztendlich eben doch nur Mainstream Pop. Deutlich besser wird es da schon beim Stück „Shoot High Aim Low“, dem Höhepunkt des ganzen Albums und dem dritten Stück auf der Platte. Das Lied weiß mit einer intensiven Stimmung aufzuwarten, ist relativ ruhig gehalten und hier spielt Trevor Rabin eine klasse Gitarre. Auf jeden Fall ein Lied, welches in Erinnerung bleibt.

Danach geht es wieder deutlich schlechter weiter. „Almost Like Love“ gehört wieder in die Kategorie der ersten beiden Nummern: Pop, bei dem man nichts verpasst hat, wenn man ihn nicht gehört haben sollte. „Love Will Find A Way” fängt dann zumindest ganz interessant mit Streichern an, verflacht im weiteren Verlauf allerdings leider völlig. Und bei solch einem Text wie: „Here is my heart, Waiting for you, Here is my soul, I eat at Chez Nous“ kräuseln sich demjenigen Hörer die Nackenhaare vor Entsetzen, dem eben auch die Inhalte der einzelnen Lieder wichtig sind. Nur vom Aufbau und der Spannung her weiß das Lied zu gefallen und ist damit sogar trotzdem noch einen Tick besser als sein Vorgänger.

„Final Eyes“ ist im Anschluss daran an manchen Stellen sogar richtig schön sphärisch und setzt sich so ein wenig von dem anderen Pop-Müll ab. Anschließend folgt mit „I’m Running“ der zweite Höhepunkt des Albums. Beginnt das Lied noch mit Gitarren, die ein wenig spanisch klingen, so übernimmt anschließend das Keyboard die Führung des Songs und sorgt für eine schöne Stimmung. Dieser hier gebotene Keyboardsound ist klasse. Auch die Übergänge zwischen den einzelnen Teilen sind den fünf Musikern sehr gut gelungen, sodass das Lied letztendlich auch zu überzeugen weiß. Und ebenso „Holy Lamb“, der letzte Track des Albums, kann gefallen. Schön getragen, fast schon balladenhaft, ist dieser Titel umgesetzt. Klasse hier Andersons Gesang auch in der Zweitstimme. Ein Lied zum Augenschließen und Träumen.

Fazit: Immerhin drei gute Lieder hat das Album aufzuweisen, sodass es doch noch einen einigermaßen befriedigenden Eindruck hinterlässt. Dass Yes gute Lieder schreiben können, egal in welcher der vielen Formationen sie gerade kreativ waren, beweisen sie hier an diesen drei Stellen. Allerdings ist das Album kein Vergleich zu den Veröffentlichungen der 70er Jahre. Für Komplettisten und Yes-Fans natürlich ein lohnender Kauf. Wer allerdings in die Welt von Yes zum ersten Mal eintauchen möchte, dem seien die ersten Veröffentlichungen Anfang der 70er Jahre wärmstens empfohlen. Dafür gibt es acht Punkte.

Anspieltipps: Shoot High Aim Low, I’m Running, Holy Lamb