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Donnerstag, 26. Juli 2018

Hans-Joachim Roedelius – Selbstportrait Vol. III - Reise durch Arcadien




Hans-Joachim Roedelius – Selbstportrait Vol. III - Reise durch Arcadien


Besetzung:

Hans-Joachim Roedelius – synthesizer


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Improvisationsmusik, Elektronische Musik


Trackliste:

1. Sonntags (1979) (3:40)
2. Geburtstag (1974) (1:43)
3. Fieber (1976) (5:57)
4. Hochzeit (1979) (3:03)
5. Geradewohl (1976) (3:50)
6. Erinnerung (1978) (3:21)
7. Zuversicht (1973) (10:53)
8. Stimmung (1975) (9:34)

Gesamtspieldauer: 42:06




„Selbstportrait Vol. III - Reise durch Arcadien“ ist das fünfte Solo-Werk des gebürtigen Berliners Hans-Joachim Roedelius und gleichzeitig die dritte und letzte Veröffentlichung seiner kleinen Reihe mit der Überschrift „Selbstportrait“. Die Aufnahmen dazu fanden in den Jahren 1973 bis 1979 statt, das Album selbst erschien 1980 zunächst auf Sky Records, wurde im Jahr 2013 auf dem Plattenlabel Bureau B wiederveröffentlicht.

Auf dem Cover zu dem Album vermerkt Hans-Joachim Roedelius: „Die Stücke auf dieser vorerst letzten „Selbstportraitplatte“ sind, wie auch jene auf den beiden Vorläufern, zu verschiedenen Zeiten während stiller Stunden entstanden. Sie sind, wie der Titel andeuten soll, eine Art ‚musikalisches Tagebuch‘.“ Die Entstehung während „stiller“ Stunden kann man dabei sehr gut nachvollziehen, denn die Musik auf dieser Platte ist sehr still. Praktisch ohne Melodien werden hier Atmosphären mal etwas pulsierender, mal etwas wabernder vorangetrieben. Auf „Selbstportrait Vol. III - Reise durch Arcadien“ gibt es keine Harmonien, die ins Ohr gehen, keine Melodiebögen, die einen zu packen verstehen, lediglich Stimmungen werden hier transportiert. Diese sind oft sphärischer Natur, wenn es einen Rhythmus gibt auch etwas deutlicher erdverbunden.

Das klingt alles sehr experimentell und lediglich der Titel „Hochzeit“ weist dann doch so etwas wie eine Melodie auf. Diese klingt allerdings so platt und wie auf einem Casio-Heimgerät eingespielt, dass es diese Nummer zum schlechtesten Titel auf dem Album werden lässt. Die anderen sieben Stücke nerven zwar nicht derartig, sind allerdings allesamt äußerst langweilig und erklingen zunächst, um dann wieder fast schon bedeutungslos auszuklingen. Unterhaltsam ist das nur am Rande und man weiß die Leistung eines Klaus Schulze noch viel mehr zu schätzen, der Atmosphären deutlich überzeugender zu zelebrieren weiß.

Fazit: „Selbstportrait Vol. III - Reise durch Arcadien“ ist ein sehr sphärisches Album geworden, auf dem nicht die Melodie oder die Harmonie im Vordergrund stehen, sondern die Atmosphäre, die mit der Musik transportiert wird. Diese ist eher unaufgeregt, sanft und sehr entspannt. Ambient-Fans sowie Freundinnen und Freunde von elektronischen Klängen könnten hier unter Umständen etwas für sich entdecken. Man kann das Ganze aber auch durchaus als langweilig empfinden – reine Ansichtssache. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Erinnerung, Zuversicht



Donnerstag, 12. Januar 2017

Hans-Joachim Roedelius – Offene Türen




Hans-Joachim Roedelius – Offene Türen


Besetzung:


Hans-Joachim Roedelius – alle Instrumente


Label: Sky Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Abenteuerliche Begegnung (3:52)
2. Besucher Im Traum (4:03)
3. Mit Offenem Visier (3:31)
4. Von Osten Her (4:19)
5. Der Sieger (2:11)
6. Auf Der Höhe (4:01)
7. Allemande (2:14)
8. Spiegelung (2:50)
9. Husche (2:43)
10. Stufe Um Stufe (3:08)
11. Zeremoniell (3:30)
12. Wende (4:10)

Gesamtspieldauer: 40:37




„Offene Türen“ heißt das achte Solo-Studio-Album des deutschen Musikers Hans-Joachim Roedelius, den die meisten Musikinteressierten der damaligen Zeit, wohl von seiner Beteiligung an der Band Cluster her kennen. Im Jahr 1982 wurde „Offene Türen“ auf dem Label Sky Records veröffentlicht und zeigt nun die eher minimalistische bis avantgardistische Seite des Hans-Joachim Roedelius.

Der Musiker arbeitet hier vor allen Dingen mit sanften und weichen Atmosphären, die fast schon zärtlich aus den Boxen zu dringen scheinen. Meistens verzichtet Hans-Joachim Roedelius auch auf den Einsatz eines Drum-Computers und zeichnet sehr warme und leise Stimmungen nach, bei denen die Melodie nicht unbedingt im Vordergrund steht. Manchmal klingt das Ganze dabei ein wenig verschroben über seltsam bis hin zu schräg und mitunter glaubt man, dieselben Töne auch ohne großartige Übung einem kleinen Casio-Gerät entlocken zu können. Völlige Überschätzung des eigenen Könnens ist dies natürlich, trotzdem bleibt in solchen Fällen ein nicht gerade überzeugender Eindruck zurück.

Allerdings erfassen einen solche Gedanken nur bei wenigen Titeln. Dann wieder klingen die Lieder des Hans-Joachim Roedelius auf „Offene Türen“ wie kleine aber feine und sehr stimmungsvolle Meisterwerke, die manches Mal viel zu kurz ausgespielt werden. So lassen sich auch hier einige sehr schöne Kompositionen entdecken, die sogar ein wenig ins Ohr gehen. Wunderbar intensiv klingt zum Beispiel „Spiegelung“. Ein Lied, welches praktisch ohne Melodie auskommt. Es sind die Töne, die aneinandergereiht auch kaum melodiös sind, aber doch wirken. „Zeremoniell“ besitzt dagegen eine Melodie, klingt nach Kirmes-Musik und geht dabei gut ins Ohr. Bei dem Stück „Wende“, dem letzten auf dem Album, geht es dann wieder mehr um die Atmosphäre, die hier irgendwie mystisch und ein klein wenig gespenstisch transportiert wird. In diesem Fall von Eingängigkeit zu sprechen, wäre wohl übertrieben, trotzdem hat das was.

Fazit: Das Schöne an Musik ist, dass es diese in so wunderbar unterschiedlichen Facetten zu hören gibt. Ganz klar, nicht alles kann einem dabei gefallen. Geschmäcker sind eben verschieden. Und auch für „Offene Türen“ von Hans-Joachim Roedelius werden sich nur die wenigsten begeistern lassen. Ganz bestimmt hört man hier nämlich eine minimalistische, avantgardistische Nischenmusik, die aber trotzdem beeindrucken kann, wenn man für so etwas ein Ohr hat. Nicht immer, aber doch mit einigen Titeln. Acht Punkte.

Anspieltipps: Spiegelung, Zeremoniell, Wende