Sonntag, 26. Oktober 2014

Van Der Graaf Generator – Present




Van Der Graaf Generator – Present


Besetzung:

Hugh Banton – organ, bass guitar
Guy Evans – drums
David Jackson – saxes, flutes, soundbeam
Peter Hammill – vox, electric piano, guitar


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Every Bloody Emperor (7:03)
2. Boleas Panic (6:50)
3. Nutter Alert (6:11)
4. Abandon Ship! (5:07)
5. In Babelsberg (5:30)
6. On The Beach (6:48)


CD2:

1. Vulcan Meld (7:19)
2. Double Bass (6:33)
3. Slo Moves (6:24)
4. Architectural Hair (8:55)
5. Spanner (5:02)
6. Crux (5:50)
7. Manuelle (7:51)
8. 'Eavy Mate (3:50)
9. Homage To Teo (4:45)
10. The Price Of Admission (8:49)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:42:57



Mein Gott, wie kommt man nur darauf, 28 Jahre nach der Auflösung nochmals eine Platte aufzunehmen? Kann das überhaupt etwas werden oder ist das dann nur noch kommerzielle Anbiederei, um noch mal eben ein paar Euros bei den alten Fans einzusacken? Nun erste Frage kann mit Hilfe des Booklets zur CD beantwortet werden. Dort schreibt Guy Evans nämlich, dass sich die vier Musiker, die die „klassische Besetzung“ von Van Der Graaf Generator darstellen, immer nur noch auf Beerdigungen ehemaliger Roadcrew Mitglieder trafen. Und so wurde ihnen bewusst, dass wenn sie wirklich noch einmal zusammenspielen und auftreten wollten, dies am besten dann machen sollten, wenn sie alle vier noch leben.

Nun, jetzt zur zweiten Frage. Ja, das wurde was und hat mit kommerzieller Anbiederei so überhaupt nichts zu tun. Dazu aber später noch mehr, wenn es um die CD 2 geht. Auf CD 1 sind sechs neue Titel vertreten, bei denen man beim Hören denkt, diese Pause von 28 Jahren hätte es überhaupt nicht gegeben. Das ist Van Der Graaf Generator Musik in Vollendung. Diese unnachahmliche Gesang des Peter Hammill, das Saxophon und die Flöten des David Jackson, das mitreißende Orgelspiel des Hugh Banton und das auf den Punkt gespielte – und doch zurückhaltende Schlagzeug des Guy Evans. Was die vier Musiker hier vor allem in den ersten drei Songs zelebrieren, lässt einen als Freund Progressiver Rockmusik staunend und mit offenem Mund zurück. Fast kommen einem die Tränen vor Freude, dass solche Musik auch im 21. Jahrhundert noch existiert und geschrieben und komponiert wird. Absolut grandios. Aber eben Progressive Rock. Keine Musik für die Radiostationen dieser Welt und dabei so wunderschön, dass einem beim Hören das Herz aufgeht. Die ersten drei Titel sind dabei auch sehr eingängig und melodiös gehalten. Erst die Nummern vier bis sechs werden dann noch ein wenig abgefahrener, wobei „On The Beach“ sogar ein wenig witzig wirkt und klingt.

CD1 endet mit Meeresrauschen und so beginnt auch CD zwei, die nun sehr viel länger geraten ist (37:32 Minuten gegenüber 65:24 Minuten). Hierauf befinden sich nun zehn Improvisationen, die mit kommerzieller Musik so gar nichts mehr gemein haben. Kann man beim Opener „Vulcan Meld“ zumindest noch einigermaßen eine Songstruktur erkennen, so werden diese Raster im Verlauf der Scheibe immer weiter aufgelöst und es werden Klanggebilde erschaffen, die immer skurriler zu werden scheinen und mit Musik nur noch ganz am Rande etwas gemein haben. Sind solche Titel wie „Spannner“ oder „Hommage To Teo“ eigentlich überhaupt noch Musik? Manches Mal erinnert das Ganze vielleicht noch ein klein wenig an Free Jazz. Gesungen wird auch nicht mehr, jedoch bekommt jeder der Musiker reichlich Zeit eingeräumt, um sein Instrument ins rechte Licht zu rücken. Beim Autofahren kann man so etwas nicht hören, absolute Unfallgefahr. Auch als Hintergrundmusik völlig ungeeignet. Beim Hören erntet man sehr viel Kopfschütteln, wenn dann doch mal jemand den Raum betritt. Trotzdem lohnt sich das, falls man sich auf solch eine Art der Musik einlassen kann. Es klingt sehr spannend, zugegebenermaßen nicht immer, jedoch immer wieder.

Fazit: Ein wahrlich gelungenes Comeback. Als ich damals davon hörte, dass Van Der Graaf Generator wieder auf Tour gehen und eine neue Platte herausbringen würden, war ich einerseits begeistert und gespannt, andererseits allerdings auch skeptisch, ob das denn überhaupt noch etwas werden könne. Es wurde was, etwas sehr Schönes und Hörenswertes sogar. Das britische Musikmagazin zählt die Scheibe dann auch zu den zehn essentiellen Alben des Progressive Rock der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Nicht weiter verwunderlich, denn das ist es wirklich. Allen Van Der Graaf Generator Fans sei gesagt, dass sich diese Anschaffung uneingeschränkt lohnt. Alle anderen, die Progressive Rock eher von der Genesis oder Yes Seite her kennen, dürfte die erste Seite wohl ebenfalls zusagen, wenn man sich schon vorne herein bewusst macht, dass Van Der Graaf Generator Musik einfach anders ist. Ach ja, nicht nur wegen der zweiten CD ist „Present“ herrlich unkommerziell, obwohl sich die Platte für Van Der Graaf Generator Verhältnisse doch ganz gut verkaufte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Every Bloody Emperor, Boleas Panic, Nutter Alert



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