Rush – Test For Echo Besetzung: Geddy Lee – bass guitar, vocals, synthesizers Alex Lifeson – electric and acoustic guitars, mandola Neil Peart – drums, cymbals, hammer dulcimer Label: Atlantic Records Erscheinungsjahr: 1996 Stil: Rock Trackliste: 1. Test For Echo (5:56) 2. Driven (4:27) 3. Half The World (3:42) 4. The Color Of Right (4:48) 5. Time And Motion (5:01) 6. Totem (4:58) 7. Dog Years (4:55) 8. Virtuality (5:43) 9. Resist (4:23) 10. Limbo (5:29) 11. Carve Away The Stone (4:07) Gesamtspieldauer: 53:33
„Test For Echo“ nannte die kanadische Rockband Rush ihr sechzehntes Studioalbum, welches am 10. September 1996 auf dem Plattenlabel Anthem Records beziehungsweise auf Atlantic Records veröffentlicht wurde. Als Singles wurden die Lieder „Test For Echo“, „Half The World“ sowie „Driven“ ausgekoppelt, wobei vor allen Dingen der Titeltrack verkäufstechnisch erfolgreich war und in den USA Platz 1 der Mainstream Rock-Charts belegte.
Und genau da bewegt sich auch die Musik auf „Test For Echo“, im musikalischen, rockigen Mainstream. Besonders originell oder einfallsreich klingt das alles nicht mehr, sehr viel eher jedoch nach Hard Rock, der schnell mal überzeugen soll, um sich zu verkaufen – und dies leider an relativ vielen Stellen des Albums beziehungsweise in sehr vielen Liedern auf „Test For Echo“. Da bewegt man sich dann schon schnell im Bereich der meist aussagelosen, wenn nicht sogar langweiligen Musik, die man mal gehört, schnell wieder vergisst.
Trotzdem, auch auf „Test For Echo“ gibt es Lieder, die sich lohnen gehört zu werden. Da ist zum einen der Titeltrack, der abwechslungsreich und rockig zum Mitwippen animiert. Das folgende „Driven“ startet wie eine Nummer von AC/DC, eröffnet dann allerdings einen sehr melodiösen Teil, der gut ins Ohr geht. Auch „Virtuality“ überzeugt durch Härte gepaart mit Eingängigkeit – auf diese Art und Weise können Rush durchaus immer noch überzeugen. Schließlich sei an dieser Stelle das Instrumentalstück „Limbo“ erwähnt, welches den Gesamteindruck des Albums nochmals auflockert.
Fazit: Ein wenig zu viel Mainstream, denn Progressiv Rock ist das nun bestimmt nicht mehr. Trotzdem schaffen es Rush auf „Test For Echo“ immerhin mit ein paar Liedern zu überzeugen. Der Hard Rock wird in diesen, gelungenen Stücken zumeist mit Abschnitten melodiöser Musik kombiniert. Das hat was. Für Fans progressiver Musik ist da allerdings kaum was dabei, für Hard Rock Fans einiges und Rush Anhänger mögen „Test For Echo“ wahrscheinlich noch mehr. Aber da sind wir dann auch, bei einem Album für Rush Fans. Ansonsten mittelmäßig. Acht Punkte.
Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2009:
11. Gone In The Night (Alternative Studio Version) (4:04)
12. Lettin’ Go (Recorded Live At The Marquee, London, 16.11.80) (3:47)
13. Mystery Train (Recorded Live At The Marquee, London, 16.11.80) (6:08)
14. No Place To Run (Recorded Live At The Marquee, London, 16.11.80) (3:46)
Gesamtspieldauer: 54:51
„No Place To Run“ heißt das achte Studioalbum der britischen Rockband Ufo. Es wurde am 8. Januar 1980 auf dem Plattenlabel Chrysalis Records veröffentlicht. Es ist das erste Album bei dem Paul Chapman an der Lead-Gitarre zu hören ist, nachdem Michael Schenker Ufo verlassen hatte, um die Michael Schenker Group zu gründen. Produziert wurde das Album von George Martin, der durch seine Arbeit mit den Beatles Berühmtheit erlangte. Zwei Singles wurden mit den Liedern „Young Blood“ und „Lettin‘ Go“ aus dem Album ausgekoppelt.
„No Place To Run“ klingt ein wenig „alltäglicher“ als so manch anderes Ufo-Album. Auf „No Place To Run“ hört man Rock, der gut anzuhören ist, allerdings deutlich weniger Spuren hinterlässt, als sich dies die Bandmitglieder wohl gewünscht hatten. Handwerklich gut gemachter Rock, der nun auch etwas mehr Hard Rock bedeutet, jedoch nicht über diese Momente verfügt, die einen beim Hören aufhorchen lassen. „No Place To Run“ erfüllt noch nicht das Siegel „bieder“, aber aufregend klingt auch anders.
Die Eingängigkeit und Melodiösität sowie das Besondere in der Musik, dies scheint Ufo mit dem Weggang von Michael Schenker etwas verloren zu haben, der übrigens beim vierzehnten Album „Walk On Water“ wieder Bandmitglied sein sollte. Die Höhepunkte des Albums sind ein sehr gelungenes Intro mit dem kurzen und fast schon futuristisch klingenden Instrumentalstück „Alpha Centauri“ sowie die Nummer „Gone In The Night“, die bezüglich ihrer Eingängigkeit hängenbleibt.
Die remasterte Version des Albums aus dem Jahr 2009 enthält eine alternative Aufnahme von „Gone In The Night“ sowie drei Titel des Albums, die während zweier Konzerte am 15.und 16. November 1980 im Londoner Marquee Club aufgenommen wurden und gegenüber den Studioversionen sehr an Dynamik gewinnen.
Fazit: Ziemlich geradlinigen Rock, zumeist sogar Hard Rock bekommt man auf „No Place To Run“ zu hören. Richtiggehend bewegend klingt das nicht mehr, manchmal sogar ein wenig langweilig. Trotzdem ist „No Place To Run“ keine schlechte Platte, eher eine grundsolide Rock-Scheibe. Acht Punkte.
„Down In The Weeds, Where The World Once Was“ heißt das inzwischen bereits zehnte Studioalbum der US-amerikanischen Band Bright Eyes aus Omaha, Nebraska. Tatsächlich haben Conor Oberst, Mike Mogis und Nate Walcott wieder zusammengefunden und nach über neun Jahren, in denen sie Soloalben veröffentlichten oder an anderen Projekten beteiligt waren, ein neues Album veröffentlicht. Dieses erschien am 21. August 2020 auf dem Plattenlabel Dead Oceans. Aus dem Album waren die Lieder „Persona Non Grata“, „Forced Convalescence”, „One And Done“ sowie „Mariana Trench” in monatlichen Abständen von März bis Juni veröffentlicht worden.
Auch beim Hören von „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ hat man das Gefühl, dass man dieser Platte erst einige Male zuhören sollte, um richtig in die Musik einsteigen und schließlich darin versinken zu können. Und tatsächlich ist auch „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ eines jener Alben, welches mit dem wiederholten Mal im Ohr zu wachsen scheint und immer wertvoller klingt.
Die Zutaten des Albums sind jene, die bereits auf früheren Platten von Bright Eyes eine Rolle spielten. Da sind zum einen die gefühlvollen Texte des Conor Oberst, zum anderen erklingen erneut eher melancholisch bis nachdenklich traurige Melodien, die nur ab und an durch einen optimistischer klingenden Einschub unterbrochen werden. Dazu gesellt sich auch dieses Mal wieder der leicht weinerlich klingende Gesang des Conor Oberst, der zum Markenzeichen von Bright Eyes geworden ist.
Die auf dem Album transportierte Atmosphäre ist eine sehr gefühlvolle, einnehmende. Bezüglich der Instrumentierung haben die Musiker aus dem Vollen geschöpft. Sehr viele Streicher und Bläser geben den verschiedenen Titeln immer wieder einen orchestralen Anstrich. Das kann man, wenn man möchte „überproduziert“ nennen – oder man findet diese klangliche Fülle sehr angenehm und geradezu richtig dosiert, um dem einen oder anderen Lied noch mehr Wirkung zu verleihen. Ich tendiere stark zu letzterer Ansicht, denn es lässt sich wie bereits erwähnt, nach nur wenigen Durchläufen bereits herrlich in diese Musik eintauchen.
Die Lieder von Bright Eyes auf „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ gehen allesamt gut ins Ohr, sind melodisch und eingängig gehalten. Eine Ausnahme stellt etwas der erste Titel dar, der zunächst eher eine Art Klangkollage darstellt, die einen in das Album einführt.
Fazit: Wem die früheren Alben von Bright Eyes gefallen haben, die oder der dürfte auch Gefallen an „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ finden. Noch ein wenig mehr Orchester hält Einzug in die Musik, doch die Texte, die schönen Melodien, die Atmosphäre und der Gesang, all dies bleibt erhalten. Schön, dass die Drei nochmals ein Album veröffentlicht haben. Elf Punkte.
Mit Cover-Alben ist das immer so eine Sache. Oft gerät dieses Ansinnen, Musik anderer Musikerinnen und Musiker zu interpretieren, auch völlig daneben. Da werden häufig Lieblingsstücke „interpretiert“, die allerdings selten auch die Lieblingsmusik der Fans darstellen. Zudem wirkt solch ein Cover-Album manchmal leider nur wie ein Lückenfüller in der Diskographie einer Band oder einer Sängerin beziehungsweise eines Sängers.
Lambchop wählten auf „Trip“ einen klein wenig anderen Weg. Auch hier handelt es sich womöglich um „Lieblingslieder“, genau ist das allerdings nicht überliefert. War bisher immer Kurt Wagner für Text und Musik zuständig, so durfte auf „Trip“ jedes Bandmitglied einen Titel vorschlagen, der anschließend von der Band umgesetzt wurde. Und dieses „Umsetzen“ bedeutet in diesem Fall, dass die Lieder mitunter kaum noch was mit den Originalen zu tun haben, da sie von Lambchop deutlicher interpretiert wurden, als dies meist bei Cover-Alben gemacht wird.
„Reservation“ stammt ursprünglich von der Band Wilco, ist im Original etwas über sieben Minuten lang und wurde von Lambchop zu einer sehr atmosphärischen und minimalistischen Nummer ausgedehnt, die zum Teil in der New Age Musik beheimatet ist. Sicherlich nicht Musik für jede und jeden, absolut radiountauglich, doch wenn man sich darauf einlassen kann sehr hörenswert, da es wunderschön eine sehr nachdenkliche Stimmung transportiert.
Das folgende Lied „Where Grass Won‘t Grow“ stammt vom 2013 verstorbenen County Musiker George Glenn Jones und hier hört man auch eine sehr sehnsüchtig klingende Slide Gitarre. Das Lied klingt in dieser Version allerdings sehr viel ruhiger, fast schon traurig, als das eher flottere Original. Das sich anschließende Stück „Shirley“ stammt von der US-amerikanischen Rockband Mirrors, die ursprünglich von 1973 bis 1975 aktiv war. Auch hier hört man eine Slide Gitarre in dem recht sphärischen Mittelteil, die im Original so nicht vorhanden ist.
Mit „Golden Lady“ (1973) von Stevie Wonder und „Love Is Here And Now You‘re Gone“ (1967 mit Diana Ross) von den Supremes hört man im Anschluss zwei Nummern, die ursprünglich soulig bis funkig klangen. Im ersteren Fall wurde das Lied von Lambchop in eine Alternative Country Nummer konvertiert. Der Supremes Titel groovt dagegen nun poppig und irgendwie fröhlich vor sich hin. Beendet wird „Trip“ durch das bisher unveröffentlichte Lied von Yo-La-Tengo-Bassist James McNew. Eine traurige Ballade, bei der Gesang und Slide Gitarre eine sehr intensive und melancholische Stimmung transportieren.
Fazit: Nun, „Trip“ ist ganz bestimmt kein „Allerweltsalbum“ geworden. Trotzdem bleibt es ein Cover-Album, auf welchem zwar die einzelnen Stücke sehr interpretiert klingen, jedoch – bis auf die letzte Nummer – bereits bekannte Stücke darstellen. Das kann man mögen – oder aber langweilig finden. „Trip“ hat seine Höhepunkte, doch die Platte gehört nicht zu den Höhepunkten in der Diskographie von Lambchop. Bei mir bleiben vor allen Dingen „Reservation“ und auch noch „Shirley“ hängen. Kein „Allerweltsalbum“, aber auch kein „Lieblingsalbum“. Sechs Punkte.
„Power Up“ heißt das international sechszehnte Studioalbum der australischen Rockband AC/DC und erscheint am 13. November 2020 auf dem Plattenlabel Columbia Records. „Power Up“ ist dabei durchaus ein besonderes Album geworden, da es die Band im Grunde genommen wieder vereint, nachdem Sänger Brian Johnson, Schlagzeugers Phil Rudd sowie Bassist Cliff Williams AC/DC direkt vor, während oder nach der Tournee zum Vorgängeralbum „Rock Or Bust“ verlassen hatten.
Gleichzeitig ist „Power Up“ auch das erste Album von AC/DC, auf dem Malcolm Young, Mitbegründer, Rhythmusgitarrist sowie Bruder von Angus Young nicht mehr zu hören ist, da er im Jahr 2017 leider verstorben war. Im selben Jahr übrigens, als auch sein Bruder George Redburn Young verstarb, der bei der Band Flash And The Pan aktiv und bei einigen AC/DC-Alben als Produzent tätig war. Malcolm Young wurde auf „Power Up“ an der Rhythmusgitarre von seinem Neffen Stephen Crawford Young Jr. ersetzt, Sohn des bereits im Jahr 1989 verstorbenen Bruders von Angus, Malcolm, George und Alex Young.
Musikalisch gesehen gibt es wohl kaum eine Band, die man so schnell am Klang erkennt wie AC/DC. Dieser Sound der Gitarre des Angus Young, die Stimme des Brian Johnson, die im Chor gesungenen Refrains, der Groove in der Musik, alles unverwechselbar. Und so hört man auch auf „Power Up“ diese typischen AC/DC-Klänge, absolut ohne Überraschungen – positiv wie negativ.
Die eine oder der andere mag das bemängeln, als „Alles schon mal gehört“ abtun. Wieder andere werden seelig in den musikalischen Kosmos der Australier eintauchen, die mit den zwölf Liedern auf „Power Up“ eben ihren musikalischen Katalog einfach nochmals erweitern. Die Wahrheit liegt dabei – wie so meist – irgendwo in der Mitte. Die Musik unterhält durchaus und wer die Musik von AC/DC mag, wie sie bereits auf den letzten Alben der Band zu hören war, die oder der wird sicher auch „Power Up“ mögen. Wer sich wirklich „Neues“ von den Australiern erhofft hatte, dürfte demnach einigermaßen enttäuscht werden beim Hören der zwölf Nummern. Trotzdem bleibt das gut gemachter Hard Rock, der ab und an mal etwas bluesig angehaucht aus den Boxen strömt. AC/DC eben, wie man sie in diesem Jahrtausend kennt.
Fazit: Zum Mitwippen wird auf „Power Up“ jede Menge Grundlage geliefert, sodass „Power Up“ durchaus auch Spaß verströmt. Fans der Band dürfen sich also freuen, dass Angus und Co. immer noch Musik veröffentlichen. Und diese verströmt irgendwie auch eine gewisse Nostalgie. Die Band, die viele Hörerinnen und Hörer bereits ihr ganzes Leben lang begleitet, veröffentlicht immer noch Musik – und zwar jene, weswegen Fans sie lieben. Nichts Neues also, aber Bewährtes. Auch was Gutes. Acht Punkte.
„Endless Twilight Of Codependent Love“ heißt das bereits siebte Album der isländischen Band Sólstafir. Es erschien am 6. November 2020 auf dem Plattenlabel Season Of Mist und mit dieser Scheibe haben sich die Isländer noch ein wenig weiter von ihren ursprünglichen Wurzeln des ProgMetals entfernt.
Nicht, dass es diese Elemente gar nicht mehr auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ zu hören geben würde, doch sie sind zurückgefahren worden zugunsten von eher psychedelischen Tönen, die oftmals deutlich sanfter ausfallen. Das macht die Musik der Isländer noch ein wenig abwechslungsreicher. Solch ein Lied wie die Nummer „Rökkur“, welche mit einer sehr melancholisch klingenden Violine eingeleitet wird, anschließend eine tiefschwarze musikalische Atmosphäre entwickelt, zu der Aðalbjörn Tryggvason bewegend und verzweifelt auf Isländisch singt, gab es zu Beginn der Karriere der Band so noch nicht zu hören.
Überhaupt die Atmosphäre auf „Endless Twilight Of Codependent Love“. Diese klingt allgemein düster und dunkel, manchmal fast ein wenig verwunschen, wofür isländische Musiker ein feines Gespür zu haben scheinen, obwohl Sólstafir weder nach Sigur Rós und schon gar nicht nach Björk klingen. Doch dieses Spiel mit den Atmosphären, das beherrschen auch die Musiker von Sólstafir bestens – in den sanfteren, wie in den härteren Passagen des Albums.
Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder – die bis auf „Her Fall From Grace“ alle auf Isländisch eingesungen wurden – mit der menschlichen Psyche und den Abgründen, die sich darin immer wieder auftun. Es geht um Ängste, es geht um Süchte. Wandelt die Musik zwischen bretterharten Passagen und eher sphärischen Abschnitten hin und her, so gilt dies ebenso für den Gesang. Diese Verzweiflung in der Stimme habe ich bereits erwähnt, an anderer Stelle klingt Aðalbjörn Tryggvasons Gesang fast schon zerbrechlich, um sich dann beim Titel „Dionysus“ alles, wirklich alles von der Seele zu schreien.
Sehr gelungen auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ sind ebenso die Melodien. Die Musik des Albums geht nämlich ins Ohr. Selbstverständlich verstärkt sich dieser Effekt auch noch mit dem wiederholten Mal des Hörens, wodurch die einzelnen Lieder schnell zu Freunden werden, die man schon lange zu kennen glaubt.
Fazit: Dunkel klingt es auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ und sehr abwechslungsreich und gleichzeitig auch sehr eingängig. Das sind Zutaten, die dieses Album zu einem sehr überzeugenden Album werden lassen. Die Musik passt perfekt in die Zeit, in der wir gerade leben – und damit ist nicht nur der November gemeint. Intensiv. Zwölf Punkte.
„Earth To Dora“ heißt das dreizehnte Studioalbum der Eels um Marc Oliver Everett. Eigentlich sollte das Album veröffentlicht werden, um dann im Januar 2021 die Platte mit einer Tournee zu unterstützen. Doch in einem Interview sagte Marc Oliver Everett: „Der Plan war es zu veröffentlichen, wenn wir auf Tournee gehen könnten.“ Doch die Pandemie machten diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Und so sagte Marc Oliver Everett weiter: „Nun, die Leute wollen immer noch Musik hören, und vielleicht kann es jetzt mehr denn je ein Trost sein, also lasst uns (die Eels) jetzt einfach etwas Musik herausbringen.“ Eine tolle Einstellung und diese Veröffentlichung lohnt sich definitiv für Freundinnen und Freunde gerade der Musik der Eels in ihren Anfangsjahren.
Die Lieder auf „Earth To Dora“ wurden noch vor der Pandemie und des damit verbundenen Lock Downs geschrieben und erinnern sehr an die früheren Alben der Band. Die Eels klingen auf ihrem neuen Album sehr sanft und nachdenklich. Wunderschöne Musik gibt es da zu entdecken, die jederzeit eingängig und melodiös klingt, an manchen Stellen fast schon zerbrechlich sanft. Ich kenne alle Alben der Band und dieses neue Album der Eels erinnert mich sehr viel mehr an jene sechs Alben in den ersten zehn Jahren Bandgeschichte, als die folgenden sechs Alben der nächsten fünfzehn Jahre.
„Earth To Dora“ stellt somit sehr viel eher ein „Zurück zu den Wurzeln“, als ein musikalisches Fortschreiten dar. Und das ist so wunderschön gelungen, denn für mich müssen sich Bands nicht andauernd weiterentwickeln, wie oft von Musikkritikern gefordert. „Earth To Dora“ stellt vielmehr eine Ausweitung der Musik der Eels der ersten zehn Jahre dar, klingt sehr typisch nach den frühen Eels. Wer also gerade mit jener Musik etwas anfangen konnte, die oder der wird an „Earth To Dora“ sehr viel Spaß haben.
Die zehn Lieder überzeugen dabei schon beim ersten Mal des Hörens und alles hört sich vertraut an, obwohl auf dem Album selbstverständlich keine Titel aus früheren Zeiten kopiert werden. Ich mochte schon immer diese folkig angehauchten Lieder der Band, die es auf „Earth To Dora“ wieder vermehrt zu hören gibt. „Who You Say You Are“, „Dark and Dramatic“, „Ok“ oder „Waking Up“, alles wunderschöne und sanfte Nummern, die, obwohl vor der Pandemie geschrieben perfekt, atmosphärisch perfekt zum November und diesen Zeiten passen. Und auch die ein wenig fröhlicher klingenden Nummern, wie zum Beispiel das Titellied oder der Opener „Anything For Boo“ gehen sofort ins Ohr und sorgen dabei für zusätzliche Abwechslung.
Fazit: Ein sehr schönes Album ist den Eels mit „Earth To Dora“ gelungen. Dieses klingt ähnlich zu jenen Alben, die die Band in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens veröffentlichte – ohne sich dabei allerdings zu kopieren. Die Musik von damals wird irgendwie ergänzt. Wer die Musik der Eels von damals mochte, die oder der wird auch „Earth To Dora“ mögen – es klingt gut und vertraut. Elf Punkte.
Anspieltipps: Earth To Dora, Dark and Dramatic, OK, Waking Up
Irgendwie kann man kaum glauben, dass die Schottin Amy Macdonald wirklich erst 33 Jahre alt sein soll. Nein, nicht vom Aussehen her, doch sie scheint einen schon viel länger musikalisch durch das Leben zu begleiten. Es liegt wohl daran, dass sie ihr erstes, überwältigendes Album mit den Hits „Mr. Rock & Roll“ und dem Titellied „This Is The Life“ schrieb, als sie tatsächlich erst 19 Jahre alt war – und dieses Album wurde im Jahr 2007 veröffentlicht.
Nun ist also das inzwischen fünfte Studioalbum der Amy Elizabeth Macdonald, wie sie mit vollem Namen heißt, erschienen. Man legt die Musik ein beziehungsweise auf und irgendwie ist bereits nach wenigen Takten, allerspätestens jedoch nach zwanzig Sekunden klar, wenn Amy Mcdonald mit „You lit a candle in my heart“ den ersten Satz des Albums singt, dass diese Musik nur von Amy Mcdonald stammen kann. Zu vertraut klingen sowohl die Stimmung des Titels, wie auch dann natürlich die markante und einprägsame Stimme der Schottin.
Musikalisch gesehen ist dies durchaus überraschend. Zum einen hat Amy Mcdonald die Plattenfirma von Universal Music zu BMG gewechselt und zum anderen fungiert nun Jim Abbiss als Produzent, der schon die Arctic Monkeys oder Kasabian produzierte. Doch dieser hat nicht den Fehler gemacht Amy Mcdonald „neu zu erfinden“, sondern die Stärken der Musik der Schottin gibt es auch auf „The Human Demands“ zu hören. Amy Mcdonald klingt weiterhin nach Amy Mcdonald.
Und so hört man auf ihrem fünften Album eine Mischung aus Pop und Folk, die mal sanfter, verträumter klingt wie zum Beispiel beim Lied „Crazy Shade Of Blue“ oder aber poppiger, rhythmischer und auch heller und fröhlicher wie beim folgenden „The Hudson“. Fast schon rockig wird es zumindest phasenweise sogar beim Titel „We Could Be So Much More“. In diesem musikalischen Bereich bewegen sich die Lieder auf „The Human Demands“. Gemein ist dabei allen zehn Titeln des Albums, dass sie eingängig und melodiös klingen, ins Ohr gehen. Meist sogar schon beim ersten Mal des Hörens, spätestens allerdings beim zweiten Durchlauf. Neben dieser Eingängigkeit ist es das Gefühl, welches Amy Mcdonald mit ihrer Musik vermittelt. Die Musik klingt jederzeit bewegend und packend. Inhaltlich geht es auch um das Leben, es geht um das Bewältigen von Krisen, dem Älterwerden, Veränderungen und darum, sich selbst zu hinterfragen.
Mit der Deluxe-Version des Albums erhält man zusätzlich die Lieder „Bridges“, „The Hudson“, „Fire“, „Statues“, „We Could Be So Much More“ sowie „The Human Demands“ in sehr schönen Akustik-Versionen, auf denen Piano und akustische Gitarre sanft den Gesang der Amy Mcdonald begleiten. Dadurch wirken die Lieder sogar nochmals gefühlvoller.
Fazit: Auch auf „The Human Demands“ klingt Amy Mcdonald nach Amy Mcdonald. Auf dem Album hört man jederzeit eingängige Musik, die mit viel Gefühl von der Schottin vorgetragen wird. Schöne Melodien, die ins Ohr gehen. Es fühlt sich gut an, dass es in diesen Zeiten auch noch Bewährtes und Vertrautes gibt, was vom ganzen Chaos um einen herum zumindest etwas ablenkt. Neun Punkte.
Anspieltipps: Crazy Shade Of Blue, Something In Nothing
Der Name des 15. Studioalbums der Australierin Kylie Minogue ist dieses Mal Programm. Auf „Disco“ hört man tatsächlich Musik, die immer wieder an die Disco-Musik der 70er Jahre erinnert. Am 6. November erschien „Disco“ auf dem Plattenlabel BMG und ist angefüllt mit insgesamt zwölf Titeln, die stilistisch alle in dieselbe Richtung weisen. Tanzbare und eingängige Musik, die nur darauf wartet auch ausgelebt zu werden. „Say Something“ im Juli und „Magic“ im September heißen die beiden bisher daraus veröffentlichten Singles.
Kylie Minogue wollte nach der Veröffentlichung von „Golden“ im Jahr 2018, welches sich musikalisch zwischen Country-Pop und Dance-Pop bewegte, nun ein Album fertigstellen, das ihrer Aussage nach „direkt zurück auf die Tanzfläche führt“. Alle zwölf Titel hat Kylie Minogue mitgeschrieben und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen, wenn man auf tanzbare Musik steht, die gleichzeitig auch ein wenig an frühere Zeiten erinnert.
Es ist diese Mischung aus der Disco-Musik der 70er Jahre und moderner Club-Musik, die auf „Disco“ überzeugt. Alle zwölf Nummern sind tanzbar, gehen dabei zudem schnell ins Ohr – auch wenn sich ein richtiger Ohrwurm nicht unter den Liedern befindet. Doch „Disco“ ist auch solch ein Album, welches mit jedem weiteren Durchlauf noch eingängiger und gewinnender zu werden scheint, mehr Spaß macht. Zudem klingen die einzelnen Nummern fröhlich und optimistisch, verbreiten eine gute Stimmung, was in diesen Zeiten ebenfalls alles andere als selbstverständlich ist.
Fazit: „Disco“ ist ein gut gelauntes und tanzbares Album geworden, welches nur darauf wartet, in den Clubs dieser Welt aufgelegt werden zu können. Man hört darauf eine gelungene Mischung aus Disco- und Club-Musik, welche in die Beine geht. Schwierig dies gerade in dieser Zeit umzusetzen, doch „Disco“ erhöht die Freude nochmals auf eine Welt, in der Corona keine Rolle mehr spielt.
7. Percewood's Onagram - Braindrops Won't Kill The Fire (8:51)
8. Missus Beastly - Uncle Sam (5:39)
9. Abacus - Capuccino (4:06)
10. Parzival - Souls Married To The Wind (3:35)
Gesamtspieldauer CD1 (1:08:04) und CD2 (1:08:47): 2:16:51
Das Label Bear Family bringt immer wieder gute und spannende Kompilationen heraus. Im Jahr 2020 unter anderem die Zusammenstellungen Kraut! bis Kraut 4, welche die durch britische und US-amerikanische Musik beeinflusste Musikszene in Deutschland aufarbeitet. Wobei Teil 4 bisher noch nicht erschienen ist.
Denkt man bei Krautmusik eher an Grobschnitt, Jane oder Hoelderlin und Novalis, also an progressive Rockmusik der ausgehenden 60er und 70er Jahre, dann dürfte man beim Hören dieser Kompilation etwas überrascht werden. Die Redakteure der Bear Family haben die deutschen Bands nämlich nicht genrespezifisch zusammengestellt, bei den drei Veröffentlichungen ist man geographisch vorgegangen. Somit befinden sich auf „Kraut!“ jene deutschen Bands der damaligen Zeit, die im Norden der Bundesrepublik beheimatet waren. Die restlichen Veröffentlichungen decken die Mitte und den Süden der Bundesrepublik sowie Berlin ab.
„Kraut!“ stellt also eine Kompilation dar, die sich eine Aufarbeitung der Musikszene in Deutschland zwischen 1968 und 1979 zum Ziel gesetzt hat. Dies wird ergänzt durch ein 98 (!) seitiges Booklet, die den Werdegang jeder vertretenen Band sehr schön und auf den Punkt kommend beleuchtet. Da wurde wahrlich sehr viel Mühe hineingesteckt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Als Dokument ist diese Zusammenstellung dementsprechend wahrlich eine Bereicherung, musikalisch gesehen macht es einem genau jene Zusammenstellung allerdings sehr schwierig. Durch die Kategorisierung der Musik auf geographischem Wege kommt es zu einem Sammelsurium verschiedenster musikalischer Stile, die von Pop, Folk, Rock, Progressive Rock, Blues bis zum Hard Rock reichen. Das macht das Zuhören leider einigermaßen kompliziert und hat man sich auf ein musikalisches Genre mal eingelassen, kann man sich fast sicher sein, mit dem nächsten Lied wieder aus dieser musikalischen Welt vertrieben zu werden. Trotzdem bleibt „Kraut!“ hörenswert und man ist überrascht, wie groß die Spannbreite war, die deutsche Musik damals abdeckte. Wenn dies also das Ansinnen dieser Zusammenstellung war, dann wurde dies auch allerbestens erfüllt.
Fazit: Die Kompilation ist eine genreunabhängige Zusammenstellung deutscher Musik in den Jahren 1968 bis 1979. Zusammen mit dem ausführlichen Begleittext verschafft dieses Album einen sehr guten Überblick über die musikalische Szene in Deutschland, die auch – anders als zum Beispiel der Schlager – im Ausland Gehör fand. Elf Punkte.
Anspieltipps: Ramses – La Leyla, Frumpy - How The Gipsy Was Born
Zwanzig Lieder gibt es auf der CD mit dem etwas sperrigen Namen „20 Hits inklusive 5 neue Titel“ zu hören, die im September 2020 auf dem Label Hofbauer Music veröffentlicht wurde. Alle Lieder bewegen sich dabei innerhalb einer Spieldauer von 2:58 bis 3:55 Minuten. Nicht besonders schlimm, doch nicht nur die Spielzeit ist fast identisch, ebenso sind es auch die Melodien, die sich immer und immer wieder zu wiederholen scheinen.
Die Titel „Ti Amo“, „Ich wünsch mir Deine Liebe“, „Rendezvous mit einem Vulkan“, „Francescos freche Augen“ und „Männer es wird Sommer“ waren bisher noch auf keiner CD der beiden Schwestern vertreten, der Rest stammt von vorherigen Veröffentlichungen. Die Aussage des Albumtitels „20 Hits…“ möchte ich dabei bewusst unkommentiert lassen.
Fazit: Für Freundinnen und Freunde volkstümlicher Klänge sicherlich eine schöne Scheibe, auch wenn diese sich wohl ebenfalls wundern werden über eine Veröffentlichung mit 75% alten Liedern und nur 25% neuem Material. Null Punkte.
Anspieltipps: Schubi-dubi-du - Komm tanz' mit mir – Den Titel musste ich hier einfach schon allein wegen des Namens erwähnen.
Wie so oft bereits in der Vergangenheit, so ist auch das achtzehnte Album des Rick Wakeman ein Konzeptalbum geworden. Dieses Mal dreht sich alles um den Mars, wie auch schon der Titel „The Red Planet“ unmissverständlich darlegt. Das Album erschien am 19. Juni 2020 auf dem Plattenlabel Madfish und ist, ebenfalls nicht sehr überraschend, ein Instrumentalalbum geworden.
Nun, Rick Wakeman erfindet weder die Musik allgemein, noch seine Musik auf „The Red Planet“ neu. Man hört hier solide gemachte und natürlich sehr Keyboard-lastige Musik, die zwischen Bombast und ganz feinen Schattierungen hin- und herpendelt. Für die rockige Untermalung sorgt dabei The English Rockensemble mit der klassischen Besetzung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Gemein ist allen Liedern auf dem Album, dass sie sehr eingängig sind, melodiös klingen und dementsprechend auch gut ins Ohr gehen. Gute Unterhaltung eben, für die Rick Wakeman gerade auch zu Beginn seiner Karriere mit seinen Solo-Alben über die sechs Frauen des Heinrich VIII, der Reise zum Mittelpunkt der Erde oder den Mythen und Legenden von King Arthur und seinen Rittern der Tafelrunde stand.
Wenn man diese Alben mag und solche Musik von Rick Wakeman hören möchte, dann wird man von „The Red Planet“ sicherlich auch eingenommen sein. Erwartet man allerdings etwas Neues…. Nun, das hatten wir schon. Somit ist „The Red Planet“ alles andere als ein schlechtes Album geworden und besitzt seine Höhepunkte im bombastisch und an mancher Stelle fast schon sakral klingendem „Aseraeus Mons“. Ein sehr schöner Einstieg in diese Scheibe. Ebenso gelungen ist der Abschluss der Platte. „Valles Marineris“ beginnt mit dramatisch klingender Rhythmusfraktion und steigert sich spannend, abwechslungsreich und erneut eingängig, bis sich weitere musikalische Themen anschließen, die eine Spannbreite von Sphäre bis Rock darstellen.
Und dazwischen? Alles gut gemachte Instrumentalnummern, die sofort ins Ohr gehen, ohne großen Anlauf zu benötigen. Wenn man hier allerdings nicht besonders aufpasst, laufen viele der Lieder des Albums einfach so durch. Dieses Besondere, das Außergewöhnliche, was Musik manchmal glücklicherweise innewohnt, einen aufhorchen lässt und was sich fest ins musikalische Gedächtnis eingräbt, das hört man dort weniger – oder ich finde es nur nicht.
Noch kurz ein paar Worte zum beiliegenden Booklet. Hier sind einige Fotos enthalten, die selbstverständlich den Mars aus verschiedenen Perspektiven zeigen, vor allem bestimmte Oberflächenstrukturen. Alle bisherigen Marsmissionen sind aufgeführt, die Satelliten und die entsprechenden Landefahrzeuge ebenfalls mit Fotos hinterlegt. Hier hat sich Rick Wakeman viel Mühe gegeben, um dieses „Mars-Gefühl“ nicht nur musikalisch zu vermitteln.
Fazit: Rick Wakeman Fans werden begeistert sein. Und ich gebe zu, ich freue mich auch immer wieder, etwas von den Begleitern meiner Jugend zu hören. Objektiv betrachtet ist „The Red Planet“ allerdings kein geniales Werk mehr, denn irgendwie war das alles schon mal da – auch von Rick Wakeman. Trotzdem ist „The Red Planet“ eine lohnende Scheibe, die unterhält. Es kann ja auch nicht immer ein Meisterwerk wie „Close To The Edge“ von Yes sein, an dem Rick Wakeman einen maßgeblichen Anteil hatte. Neun Punkte.