Montag, 18. September 2023

Gary Jules – Trading Snakeoil For Wolftickets

 



Gary Jules – Trading Snakeoil For Wolftickets


Besetzung:

Gary Jules – vocals, guitars, mandolin, harmonica


Gastmusiker:

Michael Andrews – guitars, bass, vocals, piano, keyboards, melodica, drums, percussion
Sarah Brysk – vocals
Robert Walter – piano
Al Sgro – vocals
George Sluppick – drums (tracks 2 and 9)
Matt Lynott – drums (tracks 1 and 11)




Erscheinungsjahr: 2001


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Broke Window (2:40)
2. No Poetry (3:57)
3. DTLA (3:39)
4. Lucky (1:54)
5. Something Else (4:25)
6. Pills (2:21)
7. Boat Song (4:07)
8. Umbilical Town (3:56)
9. The Princess Of Hollywood Way (3:55)
10. Patchwork G (3:28)
11. Barstool (5:03)
12. Mad World (3:04)
13. Keep (5:26)

Gesamtspieldauer: 48:01



„Trading Snakeoil For Wolftickets“ heißt das zweite Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Gary Jules. Das Album wurde im Jahr 2001 auf dem Plattenlabel Sanctuary Records veröffentlicht. Trotz des Erscheinungsdatums dauerte es drei Jahre, bis sich „Trading Snakeoil For Wolftickets“ sowohl im Vereinigten Königreich, als auch in den USA in die Charts platzieren konnte. Das lag sicherlich am Tears For Fears-Cover „Mad World“, welches auf dem Album enthalten ist. Das Lied nahm Gary Jules für den Film Donnie Darko auf, der im Jahr 2001 erschien und Teil dessen Soundtracks es ist. Doch erst im Jahr 2003 veröffentlichte Gary Jules das Lied schließlich zur Vorweihnachtszeit auch als Single, wodurch es sich in den Charts platzieren konnte.

Manche Lieder klingen in den Cover-Versionen einfach besser als im Original. Das ist zwar nicht allzu häufig der Fall, manches Mal aber eben doch. Als Beispiel fällt mir hier das grandiose „Hurt“ in der Version des Johnny Cash ein und eben jenes „Mad World“. Es ist in der Tears For Fears Version ein gutes Lied, bei Gary Jules wird es zu einem besonderen Lied mit absolutem Wiedererkennungswert. Klasse.

Und der Rest von „Trading Snakeoil For Wolftickets“? Der ist in Ordnung, allerdings reicht die Musik, die restlichen zwölf Titel nicht an dieses „Mad World“ heran. Man hört auf „Trading Snakeoil For Wolftickets“ sanfte Musik, die auch durchaus ins Ohr geht. Im Zentrum steht zumeist die akustische Gitarre und der sanfte Gesang des Gary Jules. Das klingt gut und unterhält zudem, auch findet sich kein Ausfall auf dem Album, sodass man es sehr schön in einem Durchhören kann und immer wieder gerne hinhört. Vom Genre her bewegen sich die Lieder zumeist im Bereich des Folk. Nach dem Hören, auch dem wiederholten Mal des Hörens, bleibt allerdings doch nur „Mad World“ im Ohr.

Fazit: „Trading Snakeoil For Wolftickets“ von Gary Jules ist ein sanftes und schönes Album geworden. Es wird durch die Cover-Version von „Mad World“ sehr aufgewertet. Denn während der Rest des Albums nett oder gut klingt, überdauert dieses „Mad World“ eine sehr viel längere Zeit im Ohr. Neun Punkte.

Anspieltipps: Umbilical Town, Mad World



Samstag, 16. September 2023

PJ Harvey – I Inside The Old Year Dying

 



PJ Harvey – I Inside The Old Year Dying


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, nylon string guitar, steel string guitar, electric guitar, baritone guitar, bass guitar, piano, rhodes piano, bass clarinet


Gastmusiker:

John Parish – drums, percussion, vocals, rhodes piano, synthesizer, variophon, trombone, acoustic and electric guitar, bass guitar
Cecil – field recording samples, voice samples, bass keyboards, keyboards, synthesizer, piano, loop creations, additional recording
Flood – synthesizer, field recording samples, effects, pedals, loop creations, sonic disturbance
Ben Whishaw – backing vocals (tracks 8 & 10)
Colin Morgan – backing vocals (tracks 9 & 11)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: ArtPop, Rock


Trackliste:

1. Prayer At The Gate (4:14)
2. Autumn Term (3:20)
3. Lwonesome Tonight (3:48)
4. Seem An I (3:06)
5. The Nether-Edge (3:17)
6. I Inside The Old Year Dying (1:53)
7. All Souls (4:21)
8. A Child's Question, August (2:46)
9. I Inside The Old I Dying (3:08)
10. August (2:41)
11. A Child‘s Question, July (3:02)
12. A Noiseless Noise (3:57)

Gesamtspieldauer: 39:38



Mit „I Inside The Old Year Dying“ betitelte die Engländerin PJ Harvey ihr zehntes Studioalbum. Die Platte erschien am 7. Juli 2023 auf dem Plattenlabel Partisan Records und ist das erste neue Album seit „The Hope Six Demolition Project“ aus dem Jahr 2016.

„I Inside The Old Year Dying“ erinnert von der Stimmung her etwas an das 2007er Album „White Chalk“. Die Atmosphäre auf „I Inside The Old Year Dying“ erklingt melancholisch, sentimental, um nicht sogar traurig zu sagen. Dabei gehen die Lieder allesamt sehr schnell ins Ohr, versprühen dabei jedoch niemals eine positive Stimmung, sondern eine gedrückte, mitunter sogar fast schon mit „mystisch“ zu umschreibende Stimmung. Wohl nicht mehr unbedingt erwähnenswert ist dabei er Umstand, dass alle Lieder sanft und auf ihre Art zurückhaltend erklingen. Nichts auf „I Inside The Old Year Dying“ klingt fordernd oder gar aggressiv.

PJ Harvey zeigt auf diesem Album den Hörerinnen und Hörern die ganze Breite ihres Gesangs, von kraftvoll bis überaus zerbrechlich klingend. Dazu gesellen sich noch einige männliche Stimmen, unter anderem von ihrem Mitkomponist und jahrelangen musikalischen Begleiter John Parish. Bei den letzten vier Liedern sind auch die Stimmen der britischen Schauspieler Ben Whishaw und Colin Morgan zu hören. All das lässt die Musik der PJ Harvey auf diesem Album noch abwechslungsreicher erklingen.

Es ist diese Atmosphäre, in die sich einzutauchen lohnt, auch wenn sie sich zumeist eben düster und dunkel anschleicht. Doch diese Musik trifft einen, klingt besonders und jederzeit intensiv. Keine Musik für sonnige Tage am Strand, eher was für dunkle Abende vor dem Kamin, wenn man sich mal ganz seiner selbst hingeben möchte.

Fazit: Das siebenjährige Warten auf das neue Album der Engländerin PJ Harvey hat sich gelohnt. Auf „I Inside The Old Year Dying“ hört man intensive und packende Musik, die dabei überaus sanft aus den Boxen strömt. Tolle Lieder für dunkle Abende. Lohnt sich für alle, die auch außerhalb des Mainstreams zuhören. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Autumn Term, Lwonesome Tonight



Donnerstag, 14. September 2023

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

 



Sufjan Stevens – Carrie & Lowell


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Sufjan Stevens


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Thomas Bartlett
Sean Carey
Casey Foubert
Ben Lester
Nedelle Torrisi
Laura Veirs




Erscheinungsjahr: 2015


Stil: Independent Folk


Trackliste:

1. Death With Dignity (3:59)
2. Should Have Known Better (5:07)
3. All Of Me Wants All Of You (3:41)
4. Drawn To The Blood (3:18)
5. Eugene (2:26)
6. Fourth Of July (4:39)
7. The Only Thing (4:44)
8. Carrie & Lowell (3:14)
9. John My Beloved (5:04)
10. No Shade In The Shadow Of The Cross (2:40)
11. Blue Bucket Of Gold (4:43)

Gesamtspieldauer: 43:42



„Carrie & Lowell“ heißt das siebte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Sufjan Stevens. Es wurde am 31. März 2015 auf dem Plattenlabel Asthmatic Kitty veröffentlicht. Das Album ist benannt nach Sufjan Stevens‘ Mutter und seinem Stiefvater und wurde von ihm selbst produziert. Inhaltlich beschäftigt sich das Album mit den Folgen des Todes seiner Mutter Carrie im Jahr 2012 und der Beziehung zwischen Stevens und Carries zweitem Ehemann Lowell Brams, der Stevens bei der Gründung von Asthmatic Kitty Records half.

Auf „Carrie & Lowell“ hört man Indie Folk, der lediglich ganz sanft instrumentiert wurde. Die akustische Gitarre und der Gesang des Sufjan Stevens stehen bei den Liedern immer im Vordergrund. Alles wirkt sanft und melancholisch und ein gewisser trauriger Aspekt lässt sich beim Hören auch kaum überhören. Dabei geht diese sanfte Musik sehr gut ins Ohr. Die Melodien drängen sich nicht auf, doch erobern sie einen ganz langsam. Und was beim ersten Mal des Hörens gefällt, scheint mit jedem weiteren Durchlauf noch eingängiger zu klingen.

„Carrie & Lowell“ ist ein Album für Träumer geworden, für Melancholiker und für alle, die schöne Melodien lieben. Das Album läuft ohne großartige Stimmungswechsel durch und auch die Lieder ähneln sich, ohne sich dabei zu kopieren. Alles klingt irgendwie auf diesem Album, welches doch so zerbrechlich wirkt. Einen Höhepunkt gibt es da nicht, es sind derer ganze Elf. Und wer etwas zum Anspielen hören möchte, um sich schnell einen Eindruck von diesem Album zu machen, kann hier wahrlich alle Lieder anhören. Aber um an dieser Stelle doch zwei Lieder zu nennen, seien die Stücke „Should Have Known Better“ sowie „John My Beloved“ genannt. Doch ich hätte auch jeden anderen Titel… aber das hatten wir schon.

Fazit: Wer auf sanften und jederzeit melodiösen und eingängigen Folk steht, die oder der kann hier ohne Zögern zugreifen. Die Lieder klingen und erklingen und gehen ins Ohr. Manch einem mag das zu eintönig sein, denn variiert wird die Stimmung wahrlich nicht. Doch wenn man mal für eine knappe Dreiviertelstunde seinen Blues ausleben möchte, dann ist man mit „Carrie & Lowell“ bestens bedient. Elf Punkte.

Anspieltipps: Should Have Known Better, John My Beloved



Dienstag, 12. September 2023

Birth Control – Open Up

 



Birth Control – Open Up


Besetzung:

Peter Föller – vocals
Martin Ettrich – guitars
Sascha Kühn – bass
Manni von Bohr – keyboards
Hannes Vesperums – drums


Label: Look At Me


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Hard Rock, Funk


Trackliste:

1. Gammy Ray 2.0 (4:29)
2. The Last Word (8:09)
3. Wrestling Mama (4:46)
4. Open Sesame (9:41)
5. I Don't Mind (6:33)
6. Wannabe (7:14)
7. Plans Get Lost (6:59)
8. These Are The Days (5:09)

Gesamtspieldauer: 53:03



Da legt man die neue Birth Control Platte mit dem Titel „Open Up“ auf, ist man zunächst schon etwas überrascht, als Einstieg gleich eine neue Version des Klassikers „Gamma Ray“, ursprünglich aus dem Jahr 1973, in einer stark verkürzten Version zu hören. Nach dem Tod von Bernd Noske im Jahr 2014 hatte sich die Band 2016 wieder neu formiert und mit „Here And Now“ auch gleich ein neues Album aufgelegt. Nun, sechs Jahre später erscheint also Album Nummer 18 in der langen Bandgeschichte und es beginnt mit einem Rückgriff auf längst vergangene Zeiten.

Kann man so machen, muss man aber nicht. Überraschend ist das Ganze jedoch zumindest. Festzuhalten bleibt dabei jedoch gleich, dass diese „Gamma Ray 2.0“-Version es nicht mit dem Original aufnehmen kann. Warum also gleich diesen Vergleich heraufbeschwören? Nun, Birth Control klingen auf „Open Up“ wie ein wenig aus der Zeit gefallen. Und das ist durchaus positiv gemeint. Die Musik auf diesem Album erinnert vom Sound her immer wieder an die Zeit der frühen 70er Jahre, in denen Birth Control ihre größten Erfolge feierte.

Doch dies gilt nicht durchgängig für dieses Album, welches bezüglich seines Genres am stärksten im Hard Rock angesiedelt ist. Nicht alles in diesen Hard Rock-Passagen klingt da besonders oder mitreißend. Ab und an hört man auch – zwar technisch gut gemachte – doch wenig mitreißende Musik, von der man glaubt, diese schon oft so oder so ähnlich gehört zu haben.

Am überzeugendsten klingt dabei der fette Orgelsound – und dies durchgängig, über das komplette Album hinweg.  Wahrscheinlich trägt auch dieser Sound am stärksten mit zu den aufkommenden Vergleichen zu den 70er Jahren bei. Da macht „Open Up“ dann immer besonders Spaß und wird zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit.

Fazit: Immer dann, wenn es die Musik auf "Open Up" am stärksten schafft, Erinnerungen an die frühen 70er Jahre und damit an die ersten Alben der Band aufkommen zu lassen, immer dann klingt sie auch am überzeugendsten. Dies gilt allerdings nicht für den Opener "Gamma Ray 2.0", der ist im Original einfach besser. Ansonsten ist "Open Up" ein gutes Hard Rock Album geworden, welches jedoch mit diesen Hard Rock Titeln nicht lange im Gedächtnis bleibt. In der Vergangenheit zu schwelgen ist da deutlich schöner. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Last Word








Sonntag, 10. September 2023

Greenslade – Greenslade

 



Greenslade – Greenslade


Besetzung:

Dave Greenslade – keyboards
Dave Lawson – keyboards, vocals
Tony Reeves – bass
Andy McCulloch – drums




Erscheinungsjahr: 1973 (Wiederveröffentlicht 2018)


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Feathered Friends (6:46)
2. An English Western (3:27)
3. Drowning Man (5:50)
4. Temple Song (3:36)
5. Melange (7:29)
6. What Are You Doin' To Me? (4:43)
7. Sundance (8:46)

CD2:

1. Temple Song (BBC Recordings January 1973) (4:09)
2. Feathered Friends (BBC Recordings January 1973) (6:54)
3. An English Western (BBC Recordings January 1973) (3:39)
4. Sundance (BBC Recordings April 1973) (8:45)
5. Drowning Man (BBC Recordings April 1973) (6:15)
6. Feathered Friends (BBC Recordings April 1973) (6:42)
7. Melange (BBC Recordings April 1973) (7:47)

Gesamtspieldauer CD1 (40:40) und CD2 (44:14): 1:24:54



Greenslade war eine englische Progressive-Rock-Band, die im Herbst 1972 von Keyboarder Dave Greenslade und Bassist Tony Reeves zusammen mit Keyboarder Dave Lawson und Schlagzeuger Andrew McCulloch gegründet wurde. Im Jahr 1976, nach insgesamt vier Studioalben löste sich die Band auf, um im Jahr 2000 nochmals ein wenig überzeugendes Comeback-Album zu veröffentlichen.

„Greenslade“ heißt auch das Debut der Band, benannt nach Keyboarder und Hauptsongschreiber Dave Greenslade. Dieser war zuvor genau wie Bandkollege und Bassist Tony Reeves bei Colosseum aktiv. Schlagzeuger Andy McCulloch kennt man noch von King Crimson. Dort ist er auf dem 1970er Album „Lizard” zu hören.

Auf „Greenslade“ von Greenslade hört man klassischen Progressive Rock, der sich von der Instrumentierung her dadurch auszeichnet, dass keine Gitarren zum Einsatz kommen. Die zwei Keyboarder gleichen das jedoch aus, sodass dieser Umstand beim Hören zunächst gar nicht so sehr auffällt. Greenslade klingen in allen sieben Titeln sehr melodiös und eingängig. Dabei bekommt man auch immer wieder leicht jazzige Passagen zu hören, keine große Überraschung bei den Vorgeschichten der einzelnen Musiker. Die Lieder klingen voll und abwechslungsreich und Bassist Tony Reeves verleiht den einzelnen Stücken eine ordentliche Portion Groove.

Gesungen wird nicht sehr viel auf diesem Debut-Album, vieles ist rein instrumental gehalten. Die wenigen Gesangsparts übernimmt der zweite Keyboarder Dave Lawson. Dies klingt nicht immer ganz überzeugend und sicher, doch man gewöhnt sich bereits nach dem zweiten Durchlauf des Albums an die Stimme, die dann doch irgendwie dazu gehört.

Bei der Neuauflage des Albums wurden die Lieder aus zwei BBC-Sessions auf CD2 hinzugefügt. Durchaus lohnenswert. Die einzelnen Stücke werden leicht variiert und der Sound ist klar und hell. Dies gilt übrigens auch für die erste, originale Album-CD, bei der das Remastering zum ursprünglichen Album einiges soundtechnisch verbessert hat.

Fazit: Manches Mal kann man es einfach nicht verstehen, warum eine Band eines Genres durchstartet, die andere nicht. Greenslade standen immer in der zweiten Reihe, hätten ein größeres Publikum jedoch sicherlich verdient gehabt. Das Debut der Engländer kann sich hören lassen und wird alle überzeugen, die auf klassischen, symphonischen Progressive Rock mit einer Prise jazziger Anleihen steht. Elf Punkte.

Anspieltipps: Drowning Man, Sundance



Freitag, 8. September 2023

Glass Hammer – Dreaming City

 



Glass Hammer – Dreaming City


Besetzung:

Steve Babb – bass, keyboards, lead and backing vocals
Fred Schendel – keyboards, guitars, backing vocals
Aaron Raulston – drums
Reese Boyd – guitars, lead and backing vocals
John Beagley – lead and backing vocals
Brian Brewer – guitars
Susie Bogdanowicz – lead vocals
Joe Logan – lead vocals


Gastmusiker:

Barry Seroff – flute
James Byron Schoen – guitar solo (11)




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Hard Rock, Progressive Rock, Pop


Trackliste:

1. The Dreaming City (7:14)
2. Cold Star (7:29)
3. Terminus (4:19)
4. The Lurker Beneath (1:41)
5. Pagarna (3:33)
6. At The Threshold Of Dreams (4:11)
7. This Lonely World (4:52)
8. October Ballad (4:10)
9. The Tower (2:44)
10. A Desperate Man (4:12)
11. The Key (6:13)
12. Watchman On The Walls (11:35)

Gesamtspieldauer: 1:02:20



Glass Hammer sind eine sehr „fleißige“ Band. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen die US-Amerikaner neue Alben. „Dreaming City“ ist bereits ihre achtzehnte Veröffentlichung und erschien im Jahr 2020 auf dem Plattenlabel Arion Records.
 
„Dreaming City“ ist erneut ein Konzeptalbum geworden, welches die Fantasy-Geschichte von Skallogrim erzählt. Dieser Bursche ist ein Schwertkämpfer, der mit dunkler Magie in Konflikt geraten ist. Er ist auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe, die er schnellstmöglich finden muss, um sie vor dem Tod zu retten. Unterstützt wird er dabei durch Terminus, seinem Schwert und Talisman, welches ihm hilft seine Gegner zu besiegen. Fantasy pur also.

Was man „Dreaming City“ keinesfalls absprechen kann, dass ist die Abwechslung, die man auf diesem Album zu hören bekommt. Zu Beginn und gegen Ende rockt die Scheibe beachtlich. Im mittleren Teil hört man dann auch vermehrt den Einsatz des Synthesizers, der Sound klingt künstlicher und mag thematisch gar nicht so richtig zum Anfang und Ende des Albums passen. Langeweile kommt da zwar nicht auf, eher eine gewisse Art der Überraschung. Kann man mal so machen, wenn man eine Geschichte erzählen möchte. Das schnulzige „This Lonely World“ sowie das nochmals weicher gewaschene „October Ballad“, eingesungen von Susie Bogdanowicz, fallen dann allerdings doch schon etwas zu sehr aus dem Rahmen und schrammen haarscharf am Rande des Kitsches vorbei – wenn sie diesen nicht sogar schon berühren.

Die Höhepunkte auf „Dreaming City“ liegen ganz klar im Bereich der rockigeren Titel zu Beginn und am Ende des Albums. Hier klingen Glass Hammer packend und mitunter sogar richtiggehend mitreißend. Der fette Orgelsound lässt dabei Erinnerungen zu entsprechenden Rock Bands der frühen 70er Jahre aufkommen. Das abschließende Epos „Watchman On The Walls“ überzeugt schließlich auch den Freund progressiver Musik durch die vielen unterschiedlichen Parts und Stimmungswechsel, die hier sehr geschickt, kurzweilig und nicht konstruiert klingend, miteinander verbunden wurden. Highlight des Albums ist allerdings das tolle „Cold Star“. Viele musikalische Erinnerungen werden in diesem Titel an die ersten Jahre des Progressive Rocks geweckt. Ist das nicht alles schon mal dagewesen? Klar, doch in diesem Lied wird es sehr schön wiederbelebt. 

Fazit: „Dreaming City“ klingt keineswegs langweilig, denn für jede Menge musikalische Abwechslung ist durchaus gesorgt. Durchgängig überzeugend klingt dieses Album allerdings leider auch nicht. Das liegt nicht daran, dass der rockige Anstrich im Mittelteil eher fehlt, sondern daran, dass die Qualität der Lieder dort nicht das Niveau des Beginns und des Endes des Albums erreichen. Für Fans der Band aber natürlich hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Cold Star



Mittwoch, 6. September 2023

Metallica – 72 Seasons

 



Metallica – 72 Seasons


Besetzung:

James Hetfield – vocals, rhythm guitar
Lars Ulrich – drums
Kirk Hammett – lead guitar
Robert Trujillo – bass, backing vocals on "You Must Burn!"




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. 72 Seasons (7:39)
2. Shadows Follow (6:11)
3. Screaming Suicide (5:30)
4. Sleepwalk My Life Away (6:56)
5. You Must Burn! (7:03)
6. Lux Æterna (3:21)
7. Crown Of Barbed Wire (5:49)
8. Chasing Light (6:45)
9. If Darkness Had A Son (6:36)
10. Too Far Gone? (4:33)
11. Room Of Mirrors (5:33)
12. Inamorata (11:12)

Gesamtspieldauer: 1:17:14



Ganze sieben Jahre hat es gedauert, bis nach Hardwired…to Self-Destruct nun endlich am 14. April 2023 mit 72 Seasons das elfte Studioalbum von Metallica erschienen ist. „72 Seasons“ wurde auf dem bandeigenen Plattenlabel Blackened Recordings und enthält mit „Inamorata“ das Lied mit der bisher längsten Spieldauer eines Metallica-Stücks.

Zum Titel des Albums erklärt James Hettfield in einem Interview Ende 2022: „72 Jahreszeiten. Die ersten 18 Jahre unseres Lebens, die unser wahres oder falsches Selbst formen. Das Konzept, dass uns von unseren Eltern gesagt wurde, "wer wir sind". Ein mögliches Schubladendenken darüber, was für eine Art von Persönlichkeit wir sind. Ich denke, der interessanteste Teil dieses Themas ist die fortgesetzte Untersuchung dieser Grundüberzeugungen und wie sie unsere heutige Wahrnehmung der Welt beeinflussen. Vieles, was wir als Erwachsene erleben, ist eine Wiederholung oder Reaktion auf diese Kindheitserfahrungen. Gefangene der Kindheit oder Befreiung von diesen Fesseln, die wir tragen.“

Nun, auf „72 Seasons“ klingen Metallica glücklicherweise noch nach Metallica und vollziehen keine seltsamen Experimente. Bereits nach wenigen Takten hört und weiß man, dass es sich bei „72 Seasons“ um ein Metallica-Album handelt. Das Album startet mit dem Titellied und gibt den weiteren Verlauf der Platte bereits vor: Relativ kompromisslosen Heavy Metal, der auch über die lange Laufzeit von über 77 Minuten nicht mehr aufgeweicht wird. Und das vom ersten bis zum letzten Akkord des Albums. Die Melodien gehen nicht mehr ganz so einfach ins Ohr, wie auf manch früheren Album der Band. Trotzdem überzeugt „72 Seasons“, denn die Härte bleibt. Man glaubt herauszuhören, dass es den Musikern ganz offensichtlich Spaß gemacht hat ein neues Album einzuspielen.

Metallica rocken und behandeln auf dieser Platte inhaltlich, wie oben bereits ausgeführt, die ersten achtzehn Lebensjahre eines Menschen, welche eben aus 72 Jahreszeiten bestehen. Dabei ist diese Idee textlich gut umgesetzt und keineswegs platt, sodass es sich lohnt auch die Texte zu verfolgen. Keine Liebeslieder und diese Gedanken in Verbindung zur Musik überzeugen, wodurch „72 Seasons“ zu einem lohnenden Album wird. Und das um so mehr, je mehr Zeit man dieser Platte einräumt. Mit jedem weiteren Durchlauf gefallen die einzelnen Lieder mehr und setzen sich dann doch noch ein wenig im Ohr fest.

Fazit: Die Zeit geht weiter und auch wenn „72 Seasons“ nicht ganz an manche Großtat der Band heranreicht, so überzeugt das Album trotzdem und lohnt gehört zu werden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Inamorata



Montag, 4. September 2023

Amplifier – Trippin' With Dr. Faustus

 



Amplifier – Trippin' With Dr. Faustus


Besetzung:

Sel Balamir – guitar, vocals
Matt Brobin – drums
Steve Durose – guitar, vocals
Alex Redhead – bass, vocals


Gastmusiker:

Beth Bishop – vocals


Label: Rockosmos


Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Rainbow Machine (6:27)
2. Freakzone (8:22)
3. Kosmos (Grooves Of Triumph) (6:42)
4. The Commotion (Big Time Party Maker) (6:09)
5. Big Daddy (5:14)
6. Horse (6:40)
7. Anubis (3:45)
8. Supernova (4:34)
9. Silvio (5:20)
10. Old Blue Eyes (6:09)

Gesamtspieldauer: 59:27



„Trippin' With Dr. Faustus“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Rockband Amplifier“. Veröffentlicht wurde das Album auf dem neu gegründeten, bandeigenen Plattenlabel Rockosmos. „Trippin' With Dr. Faustus“ wurde am 7. Juli 2017 veröffentlicht.

Auf ihrem sechsten Album präsentieren Amplifier ihren Hörerinnen und Hörern kraftvollen und eingängigen Alternative Rock. Die Gitarren rocken, der Groove ist jederzeit spürbar. Hier und da wird es auch mal ein wenig vertrackter, schräger, doch niemals zu kompliziert. Die meisten Stücke auf „Trippin' With Dr. Faustus“ funktionieren zwar nicht nach der Devise Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Refrain-Und-Aus, doch das macht sie trotzdem nicht kompliziert, sondern eher abwechslungsreicher und spannender als herkömmlichen, nach obiger Formel funktionierender Rock.

Die einzelnen Stücke gehen allesamt gut ins Ohr und das bereits beim ersten Mal des Hörens. Man legt das Album auf und kann es sehr schnell genießen, ohne sich dabei noch großartig einzelne Titel erschließen zu müssen. Und dies passt auf alle zehn Nummern der Platte, die eine überzeugende Einheit bilden, wenn man auf gut gemachten Alternative Rock steht, der eben nicht einfach austauschbar klingt.

Es gibt keinen Ausfall auf „Trippin' With Dr. Faustus“. Höhepunkt ist allerdings, wie könnte es anders sein bei der Lauflänge von über acht Minuten, das Stück „Trippin' With Dr. Faustus“. Bei dieser Nummer klingen Amplifier noch ein wenig abwechslungsreicher und mitreißender. Sehr schön auch die folkige Nummer „Anubis”.  Akustische Gitarre und mehrstimmiger Gesang, fast könnte man hier an Crosby, Stills & Nash erinnert werden. Fast.

Fazit: „Trippin' With Dr. Faustus“ ist ein überzeugendes Album geworden, wenn man auf gut gemachten und abwechslungsreichen Alternative Rock steht. Nichts auf diesem Album klingt zu vertrackt oder frickelig, doch es rockt und die einzelnen Lieder gehen gut ins Ohr. Neun Punkte.

Anspieltipps: Freakzone, Anubis



Samstag, 2. September 2023

Dyble Longdon – Between A Breath And A Breath

 



Dyble Longdon – Between A Breath And A Breath


Besetzung:

Judy Dyble – vocals, autoharp
David Longdon – vocals, acoustic guitar, electric guitar, piano, electric piano, mandolin, harmonium, theremin, ebows, mellotron, vibraphone, synthesizer, keyboards, marxophone, flute, organ, glockenspiel, harpsichord, tambourine, effects


Gastmusiker:

Andy Lewis – bass guitar
Jeff Davenport – drums percussion
Dave Gregory – electric 12 string guitar, twangy guitar 
Danny Manners – double bass
Greg Spawton – moog taurus pedals, electric bass
Rachel Hall – violin
Eleanor Hellsten – vocals
Freya de la Bédoyère – vocals
Lara Perry – vocals
Sarah Ewing – vocals
Dave Sturt – fretless bass
Luca Calabrese – trumpet
Rikard Sjöblom – accordion
Nick D'Virgilio – drums, percussion
Patrick Phillips – waterphone




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Astrologers (5:56)
2. Obedience (5:13)
3. Tidying Away The Pieces (4:59)
4. Between A Breath And A Breath (4:03)
5. France (11:39)
6. Whisper (7:31)
7. Heartwashing (2:42)

Gesamtspieldauer: 42:07



Noch ein wenig trauriger wirkt dieses Album im Nachhinein, wenn man sich die Entstehungsgeschichte und die Zeit nach der Veröffentlichung zu Gemüte führt. Judy Dyble, Mitbegründerin von Fairpoint Convention, war während der Entstehung von „Between A Breath And A Breath“ bereits an Lungenkrebs erkrankt. Von ihrer Erkrankung hatte sie 2019 erfahren, ihre Gesangparts waren bereits zu Beginn des Entstehungsprozesses eingespielt worden, sodass sich David Longdon, Sänger bei Big Big Train, um alles Weitere kümmern konnte, während Judy Dyble weiter ihre Krankheit bekämpfte.

Den Veröffentlichungstermin am 25. September 2020 erlebte Judy Dyble jedoch nicht mehr, da sie leider bereits am 12. Juli 2020 verstarb. Judy Dyble hatte alle Texte des Albums geschrieben, während sich David Longdon um die Musik gekümmert hatte. Dazu hatte er ihr versprochen, ihre gemeinsame Musik in die Welt zu tragen. Tragischerweise verstarb auch David Longdon lediglich ein Jahr später, am 20. November 2021, bei einem Autounfall.

Mit dem Wissen um die Entstehungsgeschichte werden auch die Texte der Judy Dyble sehr viel verständlicher und auch dieser Hauch von Traurigkeit, der auch über der Musik selbst liegt. Die sieben Stücke dieses Albums sind allesamt eingängige Lieder, die durchaus auch an Musik von Big Big Train erinnern. Ganz überrascht das nicht, da das Album auch mit Hilfe der Big Big Train-Musiker Greg Spawton, Nick D'Virgilio sowie Rikard Sjöblom  eingespielt wurde. Dazu hatte Judy Dyble  auf dem 2017er Big Big Train-Album „Grimspound“ das Lied „The Ivy Gate“ eingesungen. Man kannte sich also. Somit wirkt alles auf „Between A Breath And A Breath“ harmonisch und melodiös, wie auch bei vielen Big Big Train-Alben. Doch im  Unterschied dazu klingt hier die Musik irgendwie seltsam zurückhaltend und voller Melancholie. Ein wahrliches „Winteralbum“ ist „Between A Breath And A Breath“ geworden, welches sich in seiner Dunkelheit windet. Dies ist wohl auch der Erkrankung der Judy Dyble geschuldet.

Steht man auf die Eingängigkeit in der Musik und auf Lieder, die nicht nach dem Rezept Strophe-Refrain-Sttrophe-Refrain-Solo-Refrain ablaufen, dann kann man einiges für sich auf diesem Album entdecken. Die Höhepunkte sind dabei die Lieder „France“ sowie „Whisper“, einfach wunderschöne Stücke, in die sich einzutauchen lohnt. Die Lieder entwickeln sich und ufern aus, ohne sich dabei jedoch in Belanglosigkeit zu verlieren.

Fazit: Wer Big Big Train mag, die oder der wird auch Dyble Longdon mögen. Auf „Between A Breath And A Breath“ klingt die Musik allerdings noch mal ein wenig melancholischer und auch trauriger – eben den Umständen entsprechend. Frickelige Passagen oder experimentelle Abschnitte such man auf dem Album vergebens. Somit eignet sich diese Scheibe perfekt für Menschen, die gern in Harmonien versinken und dabei ihrem Blues frönen möchten. Zwölf Punkte. 

Anspieltipps:  Obedience, France, Whisper



Mittwoch, 30. August 2023

The Dead South – Good Company

 



The Dead South – Good Company


Besetzung:

Nate Hilts – lead vocals, guitar, mandolin
Scott Pringle – guitar, mandolin, vocals
Colton Crawford – banjo
Danny Kenyon – cello, vocals




Erscheinungsjahr: 2014


Stil: Bluegrass, Folk, Country


Trackliste:

1. Long Gone (2:17)
2. Achilles (2:24)
3. The Recap (4:15)
4. In Hell I'll Be In Good Company (4:03)
5. Manly Way (1:46)
6. Travellin' Man (3:41)
7. Honey You (3:03)
8. Ballad For Janoski (5:14)
9. Down That Road (3:19)
10. The Dead South (2:38)
11. That Bastard Son (3:52)
12. Deep When The River's High (4:59)
13. Into The Valley (6:10)

Gesamtspieldauer: 47:46



The Dead South ist eine Folk-Bluegrass-Band aus Regina, Saskatchewan, Kanada, die im Jahr 2012 gegründet wurde. „Good Company“ heißt ihr  erstes vollständiges Album und wurde am 26. April 2014 auf dem deutschen Plattenlabel Devil Duck Records veröffentlicht. Vielen Musikinteressierten wurde die Band allerdings erst richtig bekannt, als sie im Oktober 2016 das Video zum Titel „In Hell I'll Be In Good Company“ veröffentlichten. Das Video wurde, Stand August 2023, bereits 374 Millionen mal angesehen – und das lohnt sich auch. 

Doch auf „Good Company“ gibt es noch eine ganze Menge mehr gute Titel zu entdecken. Bluegrass, Folk und Country werden auf dem Album perfekt vereint und die Lieder gehen ohne große Anläufe wunderbar ins Ohr. Sehr eingängige Melodien entwickeln die vier Musiker, die dazu ihre Geschichten erzählen, sodass es sich auch lohnt die Texte genauer zu verfolgen.

Beherrschendes Instrument der Musik von The Dead South auf „Good Company“ ist das Banjo, welches mitreißend eingesetzt wird. Auf ein Schlagzeug verzichtet die Band völlig,  der Takt wird durch den Bass bestimmt. Und all dies in Verbindung mit dem mehrstimmigen Gesang verbreitet einfach gute Stimmung und macht Spaß gehört zu werden.

Neben dem bereits erwähnten „In Hell I'll Be In Good Company“ lohnen sich viele weitere Titel. „The Recap“, „Ballad For Janoski“, „Down That Road“, „Deep When The River's High“ oder „Into The Valley“, alles tolle Nummern. Und da sich ansonsten auch kein Ausfall auf diesem Album befindet, lohnt es sich die Platte vom ersten bis zum letzten Titel in einem durch zu hören. „Skippen“ muss man hier nirgends.

Fazit: Wenn Bluegrass und Country so klingen, dann mach es selbst Mitteleuropäern, die eher Rock hören, Spaß der Musik zu lauschen. Das  Debut-Album der Kanadier von The Dead South lohnt nicht nur wegen des klasse Titels „In Hell I'll Be In Good Company“. Auch sonst findet man viele schöne Lieder auf dieser Platte. Musik, die ins Ohr geht und die Geschichten erzählt. Zwölf Punkte. 

Anspieltipps: In Hell I'll Be In Good Company, Into The Valley



Montag, 28. August 2023

Balmorhea – Clear Language

 



Balmorhea – Clear Language


Besetzung:

Michael Muller – guitar, piano
Rob Lowe – banjo, guitar, piano, melodica
Aisha Burns – violin, viola


Gastmusiker:

Ephraim Owens – trumpet
Wim Coppers – drums




Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Post Rock, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Clear Language (3:13)
2. Sky Could Undress (4:08)
3. Dreamt (3:59)
4. Slow Stone (6:36)
5. Ecco (2:15)
6. Behind The World (4:06)
7. Waiting Itself (3:34)
8. 55 (3:52)
9. All Flowers (2:23)
10. First Light (3:45)

Gesamtspieldauer: 37:54



„Clear Language“ heißt das bereits siebte Studioalbum der texanischen Post Rock Band Balmorhea. Das Album wurde am 22. September 2017 auf dem Plattenlabel Western Vinyl in Form von Vinyl und Compact Disc veröffentlicht.

Balmorhea klingen, nachdem bereits fünf Jahre seit dem vorherigen Album „Stranger“ vergangen waren, vom Sound her wieder deutlich minimalistischer. Die Atmosphäre der ersten Alben wurde wieder aufgenommen und so klingt die Musik auf „Clear Language“ sanft und leise, zumeist auf das Wesentliche reduziert.

Die einzelnen Lieder erklingen eingängig und melodisch. Das kurze „Ecco“ bildet hier eine Ausnahme in seiner Atonalität. Häufig steht das Piano im Vordergrund, dann wieder die akustische Gitarre. Unterfüttert werden die Lieder von sanften Keyboard-Klängen. Dem Schlagzeug werden nur sehr spärliche Rollen zugedacht. Die Lieder sind relativ kompakt gehalten und bis auf „Slow Stone“ kürzer oder nur unwesentlich länger als vier Minuten. Das ganze Album klingt absolut verträumt und entspannt. Lediglich das bereits erwähnte „Ecco“ reißt einen ein wenig aus zu viel Träumerei.

Bei aller Harmonie schaffen es die einzelnen Stücke allerdings nicht  einen längeren und tieferen Eindruck zu hinterlassen. Natürlich klingt „Clear  Language“ einnehmend, aber ohne großartige Höhepunkte und Variationen auch ein klein wenig langweilig.

Fazit:  Auf „Clear Language“ hört man sanfte Musik, die ins Ohr geht, jedoch sich nicht unbedingt darin festsetzt. Für den Moment und zum Träumen, ist das allerdings sehr schön anzuhören. Unaufgeregte, sanfte Musik. Manche werden dabei einschlafen, andere entspannen  und wieder andere können mit diesen Liedern ihrer Melancholie freien Lauf lassen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Clear Language, Behind The World, Waiting Itself



Samstag, 26. August 2023

Bent Knee – Frosting

 



Bent Knee – Frosting


Besetzung:

Courtney Swain – lead vocals, keyboards
Ben Levin – guitar, backing vocals
Jessica Kion – bass, vocals, backing vocals
Gavin Wallace-Ailsworth – drums
Chris Baum – violin, vocals, backing vocals
Vince Welch – synthesizer, guitar, sound




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Synthie Pop


Trackliste:

1. Invest In Breakfast (3:24)
2. Baby In The Bush (4:11)
3. Casper (2:16)
4. Fighting All My Life (3:24)
5. The Upward Spiral (4:20)
6. Set It Off (4:56)
7. Pause (0:34)
8. Have It All (3:41)
9. Queer Gods (4:12)
10. Rib Woman (2:43)
11. Ermine (0:46)
12. The Floor Is Lava (5:50)
13. Cake Party (3:18)
14. OMG (2:47)
15. Not This Time (5:33)

Gesamtspieldauer: 52:04



Das ist wahrlich überraschend. Legt man „Frosting“ der US-amerikanischen Band Bent Knee auf, glaubt man seinen Ohren nicht mehr trauen zu können. Habe ich mich vertan und anstatt Bent Knee die dänische Band Aqua aufgelegt, die 1997 mal einen Hit mit „Barbie Girl“ hatte? Schnell nachgesehen, doch alles ist richtig, ich höre Bent Knee. Nein, gar nichts ist mehr richtig, ich höre tatsächlich Bent Knee, die wie Aqua aus den 90ern klingen. Verrückt.

Überraschenderweise haben sich Bent Knee mit diesem Album in Richtung Synthie Pop aufgemacht. Eine Barbie-Stimme und ebensolche Klänge. Das klingt zu Beginn des Albums einfach nur unfassbar schlecht. Einen sehr radikalen musikalischen Schritt haben Bent Knee mit diesem Album vollzogen. Nicht nur Synthie Pop gibt es darauf zu hören, auch HipHop wird mal geboten. Das alles mit null überzeugenden Melodien und fehlender Eingängigkeit. Und wenn ein Lied dann mal wirr am Rande einer Kakophonie endet, hat das kaum etwas mit progressiven Tönen zu tun, sondern kling eher nach noch größerer Orientierungslosigkeit.

„Frosting“ ist ein extrem langweiliges Album geworden, was weder ins Ohr geht, noch sonst irgendwie überzeugt. Zwar wird die Musik im zweiten Teil des Albums etwas besser und klingt dann weniger nach Synthie Pop, eben nur noch nach Pop-Rock, doch das rettet diese Platte eben auch nicht mehr. Ein schönes Lied gilt es allerdings doch hervorzuheben. „The Floor Is Lava“ hätte so auch auf einem früheren Album der US-Amerikaner stattfinden können. Sanft, etwas verwunschen klingend und eingängig. Sehr schön. Es ist leider der einzige Höhepunkt dieses ansonsten wahrlich verlorenen Albums.

Fazit: Es gibt Alben, die legt man auf und hört sie und weiß in dem Moment zum einen, dass es verschenkte Zeit ist und es so viel schöne Musik auf der Welt gibt, die sich mehr lohnt gehört zu werden. Zum anderen weiß man, dass man diese Platte nicht mehr auflegen wird. Beides trifft leider auf Bent Knees Werk „Frosting“ zu. Damit ist alles gesagt. Vier Punkte.

Anspieltipps: The Floor Is Lava



Donnerstag, 24. August 2023

Alessandro Cortini – Forse 2

 



Alessandro Cortini – Forse 2


Besetzung:

Alessandro Cortini – buchla music easel




Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Canta (7:12)
2. Cerca (5:38)
3. Conta (9:08)
4. Grigia (7:28)
5. Lenta (5:48)
6. Luna (5:39)
7. Marcia (6:36)
8. Menta (8:09)
9. Salta (8:18)
10. Strada (3:14)

Gesamtspieldauer: 1:07:11



Lediglich vier Monate nach „Forse 1“ veröffentlichte der italienische Keyboarder Alessandro Cortini mit „Forse 2“ im Jahr 2013 auch den zweiten Teil seiner als Trilogie angelegten „Forse-Reihe.

Auch auf „Forse 2“ bekommt man Synthesizer-Musik serviert, die ebenfalls wieder auf dem „Buchla Music Easel“  eingespielt wurde. Klang die Musik auf „Forse 1“ noch leicht melancholisch bis sentimental, so erklingen die Klanglandschaften auf „Fose 2“ sehr viel rauer und schroffer. Zum Teil klingt das Gehörte sogar schrill bis enervierend, wenn dazu auch noch ein ein dumpfer Rhythmus wie beim Titel „Conta 1“ zu hören ist.

Ganz anders verhält es sich anschließend jedoch wieder beim folgenden Titel „Grigia“. Hier fühlt man sich nun fast an den Soundtrack zu „Interstellar“ von Hans Zimmer erinnert, der ein Jahr später veröffentlicht wurde. Jetzt klingt die Musik deutlich spannender und auch einnehmender. Allerdings ist das bereits beim nächsten Lied „Lenta“ sofort wieder vergessen. Harte, unnachgiebige und aggressive Töne bearbeiten das Ohr, wodurch das Ausklingen des Titels nach knappen sechs Minuten durchaus etwas von einer Erlösung hat.

So changiert die Atmosphäre auf „Forse 2“ insgesamt zwischen Sphäre und Aggressivität hin und her, durchsetzt von einer unablässigen Monotonie, die durchaus auch wieder hypnotisierende Passagen aufweist. Über allem schwebt dabei eine Kälte, wodurch das Herz der Zuhörerin beziehungsweise des Zuhörers durch eben diese Musik kaum erwärmt werden kann.

Fazit: Auf “Forse 2“ muss man sich einlassen können. Kalte, redundante Synthesizer-Klänge, die weder Höhen  noch Tiefen aufweisen und einfach vorbeiziehen. Manches Mal wirkt das aggressiv, dann wieder einfach nur leicht sphärisch. Und was bleibt? Nicht viel, denn manches Mal ist die kurze Pause nach  einem Titel der erholsamste Moment. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Grigia