Sonntag, 22. April 2012

Electric Light Orchestra – Time





Electric Light Orchestra – Time


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, backing vocals, guitars, piano, synthesizer
Bev Bevan – drums, percussion
Richard Tandy – piano, e-piano, synthesizer, guitar
Kelly Groucutt – bass, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop


Trackliste:

1. Prologue (1:16)
2. Twilight (3:42)
3. Yours Truly, 2095 (3:12)
4. Ticket To The Moon (4:07)
5. The Way Life's Meant To Be (4:39)
6. Another Heart Breaks (3:49)
7. Rain Is Falling (3:55)
8. From The End Of The World (3:17)
9. The Lights Go Down (3:33)
10. Here Is The News (3:50)
11. 21st Century Man (4:03)
12. Hold On Tight (3:06)
13. Epilogue (1:36)


Bonus Tracks:

14. The Bouncer (3:15)
15. When Time Stood Still (3:33)
16. Julie Don't Live Here (3:42)

Gesamtspieldauer: 54:36




Nach dem völlig missglückten Soundtrack „Xanadu“ und den ebenfalls nicht berauschenden Platten „Discovery“ und „Out Of The Blue“, war es doch einigermaßen überraschend, dass das Electric Light Orchstra mit „Time“ doch wieder ein Album veröffentlichte, welches zwar ebenfalls Pop-Musik enthielt, aber auch deutlich bessere und schönere Kompositionen, als auf den Vorgängern.

Das Album wird ganz unspektakulär mit „Prologue” eröffnet. Ein kurzes Stück, bei dem am ehesten die Computerstimme hängenbleibt. Es folgt mit „Twilight“ ein Popsong, der zwar nicht die Krone des Schaffens von ELO darstellt, aber es gab schon deutlich schlechtere Lieder. „Yours Truly, 2095” ist dann der erste Höhepunkt des Albums. Beginnt das Stück noch wie eine Synthie-Pop-Nummer, wird es im weteren Verlauf allerdings zu einem richtig guten Popsong mit einer klasse Melodie, flottem Rhythmus und schönen Tempowechseln. Dazu die immer wieder eingestreuten „Gimmicks“ in Form verschiedener Stimmen. Richtig gut gemacht.

Und es geht gleich so weiter. „Ticket To The Moon” ist eine wunderschöne ruhige Nummer. Und bei diesem Song kommt endlich wieder Jeff Lynnes Gespür für geniale Melodien zum Tragen. Dazu noch ein, häufig sehnsüchtig wirkender, Gesang und fertig ist ein Lied, welches ein bisschen melancholisch wirkt und zum Träumen einlädt. Wunderbar getragen das Ganze. Die Nummer 5 auf dem Album, „The Way Life's Meant To Be“ überrascht dann etwas. Das Lied wird mit Synthesizer-Streichern und anschließender Akustikgitarre eingeleitet, klingt dann aber sowas von nach „Living Next Door To Alice“ von Smokie, dass man sich nicht sicher sein kann, ob Jeff Lynne nicht am Ende noch Tantiemen zu diesem Lied abtreten musste. Das gilt allerdings nur für den Beginn des Songs, der sonst durchaus auch gefallen kann. Es ist alles nicht ganz so bombastisch und die Akustik-Gitarre steht der Musik von ELO gar nicht schlecht.

Es folgt „Another Heart Breaks”, eines der wenigen Instrumentalstücke im Schaffen des Electric Light Orchestras. Und auch dieses Stück ist durchaus gelungen. Es transportiert eine entspannte, relaxte Stimmung, die so auf den späteren Alben von ELO überhaupt nicht mehr zu hören war. „Rain Is Falling” beginnt passenderweise mit Regengeräuschen und Donnergrollen. Dazu noch die Synthesizer-Streicher und auch hier ist wieder eine Akustik-Gitarre zu hören. Ein nettes und unaufgeregtes Pop-Lied hat sich so entwickelt.

“From The End Of The World” kommt dann ganz anders, nämlich im Disco-Gewand daher, wohingegen „The Lights Go Down“, nach einer recht witzigen Einleitung, zu einem Popsong mutiert, der für das Electric Light Orchestra typisch ist – ohne dabei allerdings überzeugen zu können. Irgendwie kommen beim Hören des Songs auch Assoziationen zu Jamaika auf. Reggae ist es aber trotzdem nicht.

Dann folgt der absolute Höhepunkt des Albums. „Here Is The News“ ist eines jener Stücke, für die sicherlich nicht wenige Musiker Jeff Lynne Anerkennung zollen. Perfekt arrangiert und versehen mit einer Melodie, die sich bereits nach dem ersten Hören in die Gehirnwindungen brennt und diese nicht mehr verlässt. Ein absoluter Ohrwurm von allererster Güte. So kann auch Pop-Musik richtig begeistern. „21st Century Man“, im Anschluss daran, klingt dann sehr nach den Beatles. Und noch etwas klingt. Nämlich der Gesang, der hört sich seltsamerweise in der Strophe so an, als würde er von einem Kind gesungen werden. Das tut dem Lied aber keinen Abbruch, ein netter Song ist das.

So, dann gibt es noch den größten Hit auf dem Album zu hören. „Hold On Tight“ heißt dieser, ist ein Rock’n’Roll und hätte auch auf einer der drei vorherigen Alben gepasst. Das sagt schon einiges über seine Qualität aus. Aber wie gesagt, das war der größte Hit des Albums, Jeff Lynne hat mal wieder alles richtig gemacht, um Geld zu verdienen. Das ursprüngliche Album wird durch „Epilogue“ beendet. Wieder eine kurze Nummer, ein wenig Sphäre, ein bisschen Gefühl und der Hörer wurde aus diesem Konzeptalbum verabschiedet.

Drei Bonus Tracks haben es auf die remasterte Version des Albums geschafft. „The Bouncer“ ist eine langsame Rock- bis Popnummer, die mit vielen E-Gitarren aufwartet. „When Time Stood Still“ ist dagegen ein trauriges Lied, welches melancholisch aus den Lautsprechern strömt. Eine wirklich nette Zugabe. „Julie Don't Live Here“ ist dagegen deutlich flotter und ganz vom Synthesizer dominiert. Nicht der ganz große Knaller, aber ein Lob hat Jeff Lynne für die drei, auf Alben bisher unveröffentlichten Titel, dann doch verdient.

Fazit: Nach dem Grauen der vorangegangenen Veröffentlichungen endlich wieder ein besseres Pop-Album des Electric Light Orchestras. Die Musik darauf hat zwar auch überhaupt nichts mehr mit den ersten Werken der Band zu tun, schlecht gemacht ist sie allerdings beileibe nicht. Wer auf gut gemachte Pop-Musik steht, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn ein paar richtig gute Songs gibt es auf „Time“ zu entdecken. Zwar auch ein paar weniger gute beziehungsweise nichtssagende Titel, allerdings ist das Album allemal neun Punkte wert.

Anspieltipps: Yours Truly, 2095, Ticket To The Moon, Here Is The News, 21st Century Man, When Time Stood Still



1 Kommentar:

  1. Okay, ich weiss, wer hier schreibt, aber mich nervt, wie hier immer wieder Pop als minderwertig charakterisiert wird. Ach ja, es ist gugemachter Pop, aber kein Prog, oder wie? Diese Einteilungen sind künstlich, Jeff Lynne nennt es "einfach Musik", und "Time" ist für das beste Album aller Zeiten, und sehr anspruchsvoll in vielerlei Hinsicht. Allein dieser Sound, das ist Hexerei, Magie. Ein Sound, der aus einer anderen Welt kommt. Wenn das nicht progressiv ist... (Twilight ist übrigens für mich der genialste Song aller Zeiten. Nennt mir irgendein Stück, in dem so viel Stile und Ideen zusammengebraut sind wie in diesem!)

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