Dienstag, 2. Oktober 2012

Billy Joel – The Stranger




Billy Joel – The Stranger


Besetzung:

Billy Joel – vocals, acoustic piano, electric keyboards, synthesizers


Gastmusiker:

Doug Stegmeyer – bass
Liberty Devitto – drums
Richie Cannata – tenor and soprano saxes, clarinet, flute, organ
Mr. Steve Khan – six- and twelve string electric guitars, acoustic rhythm guitar and higher string guitar
Hiram Bullock – electric guitar
Patrick Williams – orchestration


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: September 1977


Stil: Mitunter etwas anspruchsvollerer Pop


Trackliste:

1. Movin’ Out (Anthony’s song) (3:30)
2. The Stranger (5:11)
3. Just The Way You Are (4:51)
4. Scenes From An Italian Restaurant (7:37)
5. Vienna (3:34)
6. Only The Good Die Young (3:56)
7. She’s Always A Woman (3:21)
8. Get It Right The First Time (3:57)
9. Everybody Has A Dream (6:39)

Gesamtspieldauer: 42:36




In den siebziger Jahren war Billy Joel noch sehr kreativ und fleißig und veröffentlichte eine ganze Reihe Alben. So ist „The Stranger“, aus dem Jahr 1977, bereits sein fünfter Output. Hatten dabei die ersten beiden Platten noch ihren ganz eigenen Stil, so befindet sich auf „The Stranger“ bereits hauptsächlich radiotaugliche Popmusik. Allerdings nicht nur.

Der erste Track, „Movin‘ Out“ gehört aber dann doch schon in die Kategorie „Mainstreampop“. Das Lied ist zwar nicht wirklich schlecht und man kann dazu auch schön mitwippen, aber es ist eben nichts Besonderes mehr. Das Titellied „The Stranger“ beginnt danach herrlich schwebend mit einem Pianosolo und einem Pfeifen, welches eine ganz entspannte Atmosphäre hervorruft. Nach knapp einer Minute wird es dann allerdings wieder poppiger, beziehungsweise, hier muss man wohl eher von rockiger sprechen. Das Lied hat einen schönen „Drive“ und endet so, wie es auch begonnen hat – mit Piano und Pfeifen.

„Just The Way You Are“ ist im Anschluss daran allerdings ein Schmalzbrocken „aller erster Kajüte“. Sowohl vom Text, wie von der Instrumentierung her, da hilft wirklich nur weiterskippen auf der Fernbedienung oder aber: Plattenarm hoch und die nächste freie Stelle suchen.

Doch nach diesem Fehlgriff folgt gleich ein Highlight des Albums, das mit über siebeneinhalb Minuten längste Stück auf der Platte: „Scenes From An Italian Restaurant“ Der Beginn ist unglaublich atmosphärisch, sodass man die Pizza fast schon riechen kann, auch wenn es hier hautsächlich um den Wein geht. Dann kommt die Story von Brenda und Eddie, denen alles zuflog, die von allen beneidet wurden. Bis, ja bis sie heirateten und die Ehe schließlich zerbrach. Klingt kitschig, ist aber genial mit Klavier und Saxophone umgesetzt. Und wenn Billy Joel dann am Ende des Stücks wieder den ersten Teil anstimmt, so hängt dort schließlich eine ganz große Portion Melancholie in der Luft und man greift noch schneller zum Wein. Und da ist es dann wie im Lied egal, ob es sich dabei um einen Weißen, einen Roten oder doch um ein Fläschchen Rosé handelt. Ein tolles Lied, in den jeweiligen Stimmungen klasse umgesetzt.

„Vienna“ ist ein ganz nettes Liedchen im Anschluss, aber qualitativ und von der Abwechslung her eher Hausmannskost. Bei „Only The Good Die Young“ wird es dann aber schon wieder deutlich schlechter, denn das ist ein Mitklatschlied, was für mich in die Kategorie „Uptown Girl“ gehört. Musik, mit der ich leider überhaupt nichts anfangen kann.

Aber es wird gleich wieder besser, sehr viel besser sogar. „She’s Always A Woman“ ist einfach wunderschön, andere Worte gibt es dafür wohl nicht. Meist ganz sanft instrumentiert, mit Akustik Gitarre und Piano, kann ich mir die Stimmung für ein Liebeslied nicht besser vorstellen. Und Billy Joel schafft es hier sogar, trotz des Inhalts, an keiner einzigen Stelle schmalzig, kitschig oder schnulzig zu klingen.

Anschließend wird es aber leider wieder hart, wobei das „hart“ nichts mit der Instrumentierung zu tun hat. „Get It Right The First Time“ wartet mit einem Refrain auf, den man sich leicht merken kann, denn dort singt Joel: „La, la, la, la, …“ Grausam! Nicht viel gelungener finde ich auch „Everybody Has A Dream“ bei dem der Refrain im Chor gesungen wird. Das Lied erinnert an die Veröffentlichungen von Barbara Streisand und kommt wohl nur in Joels Heimat, den USA, gut an - nicht jedoch in Europa. Auch wenn das Album am Ende mit der netten Pfeifnummer und dem Piano von „The Stranger“ beendet wird, so rettet dies das Ende der Scheibe auch nicht mehr.

Fazit: Das ist kein gutes Album mehr von Billy Joel, dazu tummeln sich auf „The Stranger“ zu viele seichte Lieder. Dass dies auch anders gesehen werden kann, möchte ich hier allerdings nicht verschweigen, denn „The Stranger“ ist das, von den Verkaufszahlen her, mit Abstand erfolgreichste Album Joels. Und es beinhaltet auch zwei Billy Joel Klassiker mit „Scenes From An Italian Restaurant“ und „She’s Always A Woman“. Immerhin. Und von mir gibt es dafür 7 Punkte.

Anspieltipps: Scenes From An Italian Restaurant, She’s Always A Woman, der ganze Rest ist eher mau.





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