Dienstag, 26. März 2013

Electric Light Orchestra – Eldorado




Electric Light Orchestra – Eldorado


Besetzung:

Jeff Lynne – guitar, vocals, moog, backing vocals
Richard Tandy – piano, moog, guitar, backing vocals
Hugh McDowell – cello
Michael D'Albuquerque – bass
Bev Bevan – drums, percussion
Michael Edwards – cello
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Symphonic Pop


Trackliste:

1. Eldorado Overture (2:13)
2. Can't Get It Out Of My Head (4:22)
3. Boy Blue (5:19)
4. Laredo Tornado (5:30)
5. Poorboy (The Greenwood) (2:58)
6. Mister Kingdom (5:30)
7. Nobody's Child (3:57)
8. Illusions In G Major (2:37)
9. Eldorado (5:18)
10. Eldorado Finale (1:34)


Bonus Tracks:

11. Eldorado Instrumental Medley (Instrumental) (7:57)
12. Dark City (Demo)     (0:47)

Gesamtspieldauer: 48:00




Was auf dem Album Cover mit “A Symphony By The Electric Light Orchestra” bereits angekündigt wird, das manifestiert sich beim Hören des Albums auf das Deutlichste. Jeff Lynne ist mit dem Electric Light Orchestra einen Schritt weiter gegangen. Waren es früher die Bandmitglieder alleine, die mit Violinen, Violas und Cellos diesen „klassischen Touch“ in die Musik von ELO brachten, so ist es jetzt ein ganzes Symphonieorchester - samt Chor. Und das ist nicht die einzige Neuerung beim Electric Light Orchestra. Die Kompositionen wirken nun alle sehr rund und sehr viel angepasster an einen breiten Musikmarkt. Massentauglicher irgendwie. Und das zeigte sich auch in der ersten Goldenen Schallplatte, die ELO in den USA, für dieses Album, verliehen bekam. Allerdings, die Ecken und Kanten, das Experimentelle in der Musik des Electric Light Orchestras, das alles ist auf „Eldorado“ verschwunden. Was allerdings weiterhin zu hören ist, das ist das gute Gespür eines Jeff Lynne für schöne Melodien, denn diese gibt es auch auf „Eldorado“ noch zu entdecken und zu bestaunen.

„Eldorado Overture” beginnt mit gesprochenem Text und symphonischen Streichern und könnte auch gut zur Einführung von “Alice im Wunderland” passen. Natürlich nur von der Musik her, nicht vom Text. Obwohl das Thema auf “Eldorado” ein ähnliches ist. Ein Mensch, der im richtigen Leben nicht so ganz klarkommt, flüchtet sich in Tagträume, die in den einzelnen Stücken beschrieben werden. Und so stimmt einen der erste Song inhaltlich wie musikalisch richtig gut auf die weiteren Stücke des Albums ein: Klassische Musik trifft auf Pop.

„Can't Get It Out Of My Head“, der zweite Titel des Albums, wartet dann gleich mit einer wunderschönen Melodie auf. Durch den Orchester- und Choreinsatz wirkt das Lied ziemlich getragen, allerdings auch nicht zu getragen. Eine richtig schöne Nummer ist da zu hören, die zum Träumen einlädt. Am besten wohl zum Tagträumen. Sicherlich ein Höhepunkt auf der CD.

“Boy Blue” beginnt mit Fanfaren, die an das Mittelalter erinnern. Diese werden immer wieder von Streichersequenzen unterbrochen und schließlich entwickelt sich daraus eine poppige Nummer, die oft vom Orchester getragen, manchmal völlig von ihm dominiert wird. Immer wieder schön dabei anzuhören sind die gezupften Streicherpassagen, wohingegen der Refrain nach mehreren Durchläufen zu nerven beginnt. „Laredo Tornado“ schließt sich an und startet, für dieses Album ganz überraschend, mit einer E-Gitarre. Das Stück soll wohl relaxt, ein wenig „soulig“ und manchmal ein bisschen „bluesig“ klingen. Etwas zu viel reingepackt, denn das Ergebnis ist keineswegs überzeugend, sondern wirkt eher unausgegoren und schafft es nicht unbedingt einen zu begeistern.

Das passiert allerdings wieder bei der nächsten Nummer. „Poorboy (The Greenwood)“ ist ein kurzer und melodiöser Pop-Titel, der wieder schön vom Orchester untermalt ist. Dabei verfügt der Track über eine sehr eingängige Melodie, von der man irgendwie weiß, sie schon sehr, sehr oft gehört zu haben. Und dann passiert bei „Mister Kingdom“ etwas doch sehr Überraschendes. Das Stück klingt bereits nach dem ersten Takt wie „Across The Universe“ von den Beatles. Klar wird das Ganze dann noch ein wenig variiert, allerdings habe ich es selten gehört, dass ein Stück so sehr nach dem Lied einer anderen Band klingt. Und das auch noch bei der zeitlichen Nähe. „Across The Universe“ wurde auf „Let It Be“ veröffentlicht – und die Platte erschien 1970…

„Nobody's Child“ ist anschließend allerdings wieder sehr eigenständig. Wartet zunächst mit mittelalterlichen Klängen auf und entwickelt sich dann zu einer Art Swing. Schön und spannend und keineswegs alltäglich für das Electric Light Orchestra. Es folgt der obligatorische Rock’n’Roll, der anscheinend irgendwie auf jedem Album von ELO auftauchen muss. „Illusions In G Major“ kann dabei zusätzlich mit einem Big Band Sound aufwarten, überzeugender wird das Stück damit jedoch auch nicht.

Das ursprüngliche Album wurde mit den Titeln „Eldorado“ und „Eldorado Finale“ beendet. „Eldorado“ ist dabei eine schöne, ruhige, getragene, symphonische, melancholische und melodiöse Nummer, auf der noch einmal die ganze Wucht des Orchesters, sowie die des Chors, zum Einsatz kommt. Der klassische Ansatz kitzelt bei diesem Titel auch alle vorhandenen Gesangskünste Jeff Lynnes heraus, der hier gerade bei den lang zu haltenden Tönen ungewöhnlich, aber nicht schlecht, singt. Schließlich wird das Thema des ersten Stückes in „Eldorado Finale“ wieder aufgenommen und bombastisch und orchestral zum Ende geführt. Und ganz zum Schluss wird das Album letztendlich wieder durch ein paar gesprochene Worte beschlossen.

Als Bonus Track ist auf der remasterten Fassung von 2001 eine lange Instrumentalversion des Albums „Eldorado“ in Form eines Medleys enthalten. Interessant gemacht, eine schöne Zusammenfassung der gesamten Platte. Dazu gibt es noch die kurze Nummer „Dark City“, die nicht nur wegen ihrer Kürze, sondern auch wegen ihrer Tonqualität nicht weiter erwähnenswert ist.

Fazit: So einfach schafft es Jeff Lynne nicht mehr zu überzeugen. Auf „Eldorado“ ist alles etwas zu fließend und zu glatt. Klar, die schönen Melodien, die gibt es auch noch auf diesem Album und „Eldorado“ ist beileibe keine schlechte Platte. An die drei Vorgänger kommt es allerdings trotzdem nicht ganz heran. Für dieses Werk gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Can't Get It Out Of My Head, Poorboy (The Greenwood), Eldorado





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