Freitag, 6. Juni 2014

Brainticket – Psychonaut




Brainticket – Psychonaut


Besetzung:

Jane Free – lead vocals, tbilat, tambourine, slide whistle, sounds
Joel Vandroogenbroeck – organ, piano, flute, sitar, sanze vocal, rumors, generator
Rolf Hug – lead guitar, acoustic guitar, tablas, vocals
Martin Sacher – electric bass, flute
Barney Palm – drums, percussion, strange sounds
Carol Muriel – speaking on "Like A Place In The Sun" and oooh... oooh... on "Feel The Wind Blow"


Label: Bellaphon


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Psychedelic Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Radagacuca (7:24)
2. One Morning (3:51)
3. Watchin' You (5:15)
4. Like A Place In The Sun (6:28)
5. Feel The Wind Blow (3:32)
6. Coc' O Mary (6:08)

Gesamtspieldauer: 32:57



Ende der 60er Jahre vom belgischen Multiinstrumentalisten Joel Vandroogenbroeck und dem Gitarristen Ron Byer gegründet, stellt „Psychonaut“ das zweite, gemäßigtere Album von Brainticket dar. Ron Byer war inzwischen verstorben und die Band wurde ergänzt durch einige Schweizer Musiker. Beim Hören dieses Albums kann man durchaus noch die Freiheit hören, die der Musik damals, Anfang der 70er Jahre innewohnte. Alles war erlaubt, alles wollte ausprobiert werden. Dass Drogen dabei eine gewisse Rolle spielten, ist auch auf diesem Album durchaus zu vernehmen. Nicht, dass dieses Thema hier thematisiert werden würde, jedoch ist dieser „bewusstseinserweiternde“ Zustand, unter dem die Protagonisten auf „Psychonaut“ gestanden haben müssen, bei jedem Titel herauszuhören.

Das Album wirkt jedoch auch ohne solche „Zusätze“. „Radagacuca” beginnt sehr psychedelisch mit Orgel und Flöte und entwickelt sich dann zu einer Art “Hippie-Rock”. Die akustische Gitarre und eine Sitar geben die Stimmung vor. Alles klingt melodiös und schwebend, bis gegen Ende des Stücks das Chaos losbricht, welches trotzdem noch überaus melodisch klingt. „One Morning” wird vom Piano und Soundeffekten dominiert, die die Perkussion immer wieder nachhallen lassen. Gewitter ziehen am Anfang, in der Mitte sowie am Ende des Stücks auf und tragen zusätzlich zu einer fast mystischen Stimmung des Titels bei. Das nachfolgende Lied, „Watchin' You”, ist dagegen sehr viel härter gehalten und stellt eines der frühen Hard Rock Lieder in der Geschichte der U-Musik dar.

„Like A Place In The Sun”, ebenfalls wieder etwas härter instrumentiert, erinnert vor allen Dingen wieder im Bereich des Refrains an, auch zu diesem Zeitpunkt schon vergangene, Hippie-Zeiten. So kommt bei diesem Titel ebenfalls der Orgel wieder eine sehr große Rolle zu. „Feel The Wind Blow” klingtt dagegen fast schon wie eine Folk-Rock Nummer - leicht und unbeschwert. Heftiger wird es schließlich noch mal mit „Coc' O Mary”. Psychedelic Rock in bester Ausprägung. Die Perkussion vibriert, die Querflöte kommt immer wieder zum Einsatz, alles treibt voran, Orgel und Gitarre übergeben sich im weiteren Verlauf die Führung. Schließlich wird der Sound deutlich heller, das Schlagzeug gewinnt an Dominanz, um wieder die vorherigen Instrumente zu integrieren. Eine Instrumentalnummer, die überaus abwechslungsreich das Trommelfell bearbeitet und schließlich abrupt abbricht.

Fazit: „Psychonaut“ von Brainticket ist ein sehr interessantes Album geworden, zumindest für all diejenigen, die das etwas Abgefahrene, Schräge in der Musik suchen. Dabei bleiben die Lieder immer sehr melodiös und eingängig. Nichts ist hier atonal oder überaus gewöhnungsbedürftig. Trotzdem muss man sich auf das Gehörte einlassen können, denn alltäglich ist diese Musik wahrlich nicht und im Radio wurde Brainticket weder damals noch heutzutage übermäßig gespielt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Radagacuca, Coc' O Mary



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