Freitag, 3. Februar 2012

Electric Light Orchestra – ELO 2





Electric Light Orchestra – ELO 2


Besetzung:

Jeff Lynne – vocals, guitars, moog & harmonium
Bev Bevan – drums & percussion
Richard Tandy – moog, piano, guitar, harmonium
Michael D'Albuquerque – bass & vocal harmonies
Wilf Gibson – violin
Mike Edwards – cello
Colin Walker – cello


Gastmusiker:

Marc Bolan – twin lead guitar (tracks 10, 11, 12)
Roy Wood – bass guitar & cello (tracks 1 & 4)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Klassik-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. In Old England Town (Boogie No. 2) (6:58)
2. Momma... (7:00)
3. Roll Over Beethoven (7:04)
4. From The Sun To The World (Boogie No. 1) (8:18)
5. Kuiama (11:21)


Bonus Tracks:

6. Showdown (4:11)
7. In Old England Town (Instrumental) (2:44)
8. Baby I Apologise (3:43)
9. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle Take 1) (1:19)
10. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle Take 2) (4:03)
11. Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1) (5:02)
12. Everyone's Born To Die (4:40)
13. Roll Over Beethoven (Take 1) (8:16)

Gesamspieldauer: 1:14:40




Auch auf ihrem zweiten Album, ELO 2, unterscheidet sich die Musik des Electric Light Orchestras noch völlig von den Klängen, welche es Ende der 70er oder in den 80er Jahren veröffentlichen sollte. Zwar ist die Musik auf ELO 2 nicht mehr ganz so experimentell oder auch progressiv wie auf dem Debutalbum, allerdings lassen sich auch auf dieser Veröffentlichung noch sehr interessante Lieder finden.

Das Album startet mit „In Old England Town (Boogie No. 2)”. Der Zusatz zum Namen “Boogie No. 2“ ist dabei ein wenig irreführend. Das Stück ist orchestral aufgebaut, den Streichinstrumenten kommt wieder ein großer und wichtiger Part in der Instrumentierung zu. Und auf diesem Stück ist, genau wie in Titel 4, „From The Sun To The World (Boogie No. 1)“, noch Roy Wood am Cello zu hören, der die Band während der Aufnahmen zu ELO 2, auch zur Überraschung Jeff Lynnes, verließ. Das wiederum hatte zur Folge, dass sich auf ELO 2 ausschließlich Jeff Lynne für die Kompositionen auszeichnet. Mit der Ausnahme „Roll Over Beethoven“, einem Chuck Berry Cover. Doch zurück zu „In Old England Town (Boogie No. 2)”. Das Stück bietet in den knapp sieben Minuten seiner Dauer sehr viel Abwechslung. Die Nummer ist spannend aufgebaut, verfügt über eine gar nicht mal so eingängige, aber doch sehr interessante Melodieführung. Keine 08/15 Musik, die vom Zusammenspiel der Streicherfraktion mit den typischen Rockinstrumenten wie E-Gitarre, Bass und Schlagzeug lebt. Dazu immer werden immer wieder fernöstliche Klänge und Rhythmuswechsel eingeschoben, sodass als Ergebnis eine durchaus als progressiv zu bezeichnende Nummer zu hören ist, mit einer der Highlights auf ELO 2.

Es folgt „Momma…“. Auch hier wird den Streichern wieder sehr viel Raum zugestanden, allerdings klingt dieser Titel schon reichlich weichgespült. Spannend ist etwas anderes. Klar, „Momma…“ ist eine sehr eingängige Nummer, die allerdings auch nicht länger hängenbleibt. Auf den sieben Minuten seiner Dauer passiert einfach zu wenig. Fast schon das Gegenteil des ersten Liedes auf der Platte. Und auch nicht überzeugen kann der Titel „Roll Over Beethoven“. Dies aber aus einem anderen Grund. Zwar hat es Jeff Lynne ganz pfiffig verstanden immer wieder Beethovens Neunte in diesen Rock’n’Roll zu integrieren, aber trotzdem bleibt es ein Rock’n’Roll, der etwaigen Tänzern ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird, sonst allerdings nicht auf diese Platte passt. Und auch wenn es das Lied der Scheibe ist, welches wohl am berühmtesten ist und welches auch als einziges Stück des Albums regelmäßig in den Konzerten der Band vorgetragen wurde, so bleibt doch dieser Stil, der völlig losgelöst von den anderen Tracks des Albums einsam seine Kreise zieht.

„From The Sun To The World (Boogie No. 1)” kommt dann ganz in der Tradition des Openers daher. Sehr viel Abwechslung, das Zusammenspiel von Streichern und den „gewohnten“ Rockinstrumenten sowie eine interessante und oftmals auch sehr eingängige Melodieführung. Und hier stimmt der Zusatz „Boogie No. 1“ sogar ein kleines bisschen, auch wenn das Stück nur immer wieder in kurzen Abschnitten dieser Musikrichtung entspricht. Das Stück hat nicht ganz die Klasse von „In Old England Town (Boogie No. 2)“, zählt aber trotzdem zu den Höhepunkten des Albums.

Das ursprüngliche Album wurde beschlossen von „Kuiama“, dem mit fast elfeinhalb Minuten längsten Lied, welches jemals auf einer ELO Platte oder CD erschienen ist. Und die Zutaten wurden auch bei dieser Nummer wieder gut gemischt. Eingängige Melodien, Streicher gleichberechtigt mit Gitarre und Bass und schöne Rhythmuswechsel. So richtig interessant wird das Stück allerdings erst etwa ab der Mitte. Vorher ist alles zwar ebenfalls sehr eingängig, aber die Ecken und Kanten, das Besondere geht dem Stück hier noch ab. Das gibt es dann allerdings in der Mitte der Nummer zu hören, genau dann, wenn den einzelnen Instrumenten in diversen Soli viel Platz eingeräumt wird. Schließlich geht es noch einmal kurz in den ersten Teil des Liedes über, um dann orchestral und in Ansätzen bombastisch und schließlich ganz sphärisch auszuklingen.

Nun, nicht unerwähnt sollen hier die Bonustracks bleiben, von denen es einige auf der remasterten Version des Albums gibt. Es beginnt mit „Showdown“ einer sehr guten Popnummer vom nächsten Album „On The Third Day“. Es folgt eine kurze Instrumentalversion von „In Old England Town“, die längst nicht so gut ist wie das Original. „Baby I Apologise“ ist dann ebenfalls ein kurzes Pop-Stück, nichts Besonderes. Aber der Titel nervt ein wenig wegen dem dauernden Geklatsche im Refrain. Schließlich gibt es noch fünf bisher unveröffentlichte Stücke zu hören. „Auntie“ Take 1 und „Auntie“ Take 2 sind zwei Rockstücke, die in ihrer Endfassung ebenfalls noch auf „On The Third Day“, dem dritten ELO-Album zu hören sein werden. Das trifft auch für „Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1) zu, wobei letztere Nummer mit zu den besten Liedern gehört, die das Electric Light Orchestra beziehungsweise Jeff Lynne je geschrieben hat. Tolles, spannendes und sehr melodisches Lied. „Everyone’s Born To Die“ ist ebenfalls ein schönes Poplied mit eingängiger Melodie. Und beim Hören dieses Tracks wundert man sich schon ein wenig, warum es dieses Stück nie als reguläres Lied auf ein Album geschafft hat. Richtig gut. Bliebe noch „Roll Over Beethoven (Take 1)“. Hier wird „Beethovens Part“ noch durch Lachgeräusche unterstützt. Und als Randnotiz werden die letzten drei Lieder werden auch dadurch ein wenig interessanter, da man hier Marc Bolan an der Lead Gitarre hört.

Fazit: Nicht mehr ganz so experimentell und progressiv wie sein Vorgänger, aber auch ELO 2 ganz bestimmt kein schlechtes Album. Auch hier gibt es viel Interessantes zu entdecken und zu hören. Zwar deutet sich der zukünftige Weg des „Electric Light Orchestras“ hier schon deutlich an, aber ELO 2 ist trotzdem eine Platte, die sich für all die Musikhörer lohnt, die nicht nur auf den eingängigen Pop der diversen Radiostationen stehen, sondern auch der etwas anspruchsvolleren Pop- und Rock-Musik etwas abgewinnen können. Dazu gesellt sich bei der Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 noch ein umfangreiches Bonusmaterial, welches richtig gute Titel enthält, sodass sich ein Kauf wirklich lohnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps (Dieses Mal sogar mit einigen Bonus Titeln): In Old England Town (Boogie No. 2), From The Sun To The World (Boogie No. 1), Showdown, Mambo (Dreaming Of 4000 Take 1), Everyone's Born To Die







Donnerstag, 2. Februar 2012

KMFDM – Symbols





KMFDM  Symbols



Es gibt nur wenige deutsche Gruppen, die man international als Pioniere ihres Genres und darüberhinaus einstuft. KMFDM muss ohne Zweifel so betitelt werden. Sie haben Elektronik mit Metal und mit Industrial verbunden. Herausgekommen ist ein Sound der ohnegleichen ist. KMFDM wurden Mitte der 80er Jahre geformt und noch immer ist die Band um Sascha Konietzko einzigartig. Eigentlich müsste man viele der Platten beschreiben, doch für mich ist "Symbols" eine der besten. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich über diese CD KMFDM kennen und lieben gelernt habe. Es ist das Album mit dem ich sie in Palo Alto im Club "The Edge" gesehen habe, Vorgruppe Rammstein. Und es ist das Album, auf dem zwei meiner Lieblingssongs sind "Megalomaniac" und "Anarchy"...beide...oh my god!!! KMFDM stehen für sich, eine Band, auf die man sich einlassen muss, doch dann reich belohnt wird. Nichts für schwache Nerven und nichts für Kuschelfanatiker, eben was für eine richtige Dröhnung, die neue Welten eröffnet. 15 Punkte.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Hawkwind – In Search Of Space





Hawkwind – In Search Of Space


Besetzung:

Nik Turner – alto sax, flute, audio generator, vocals
Dave Brock – vocals, electric guitar, acoustic 6 and 12 string, audio generator
Dave Anderson – bass, electric and acoustic 6 string guitars
Del Dettmar – synthesizer
Terry Ollis – drums, percussion
Dik Mik – audio generator


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Space Rock


Trackliste:

1. You Shouldn't Do That (15:42)
2. You Know You're Only Dreaming (6:38)
3. Master Of The Universe (6:17)
4. We Took The Wrong Step Years Ago (4:50)
5. Adjust Me ( 5:46)
6. Children Of The Sun (3:21)


Bonus Tracks:

7. Seven By Seven (original single version) (5:24)
8. Silver Machine (original single version) ( 4:40)
9. Born To Go (live single version edit) (5:04)




Auch wenn man den Begriff “Space Rock” noch nie gehört hat: Legt man Hawkwinds „In Search Of Space“ ein, so kommt man automatisch in die Situation, das gehörte irgendwie einzuordnen oder aber betiteln zu wollen. Und nichts passt dabei besser, kein Ausdruck ist in diesem Fall besser gewählt als „Space Rock“. Die Musik klingt in keinster Weise wie „Tangerine Dream“, Klaus Schulze oder sonstige Synthesizer Akrobaten, denn bei „Hawkwind“ stehen die Gitarren, zusammen mit Bass und Schlagzeug, im Vordergrund. Und dann gibt es zusätzlich noch den Synthesizer, der bei „Hawkwind“ im Booklet hier „Audio Generator“ genannt wird. Gleich drei Personen versuchen sich an diesem und erzeugen diese spacigen Sounds, dieses Fiepsen, Summen und Gurren, was durchaus an das Weltall denken lässt, obwohl es dort oben stumm ist, absolut stumm.

Nun und dann ist die Musik auch noch abgefahren. Fast schon monoton kann man das erste Stück „You Shouldn't Do That“ nennen. Da wird immer wieder auf demselben Riff rumgeritten und dann gibt es dazu jede Menge Saxophon Einlagen und eben diese „sphärischen“ Töne aus dem „Audio Generator“. Wenn man solche Musik macht, dann muss man was eingeworfen haben. Das braucht man allerdings nicht, um sich das Ganze anzuhören. „High“ wird man davon auch ohne Drogen – oder verrückt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Leute mit diesem “Space Rock” nur wenig anfangen können. Allerdings hat das Lied was. Es ist nicht laut, es ist nicht atonal, es ist nicht besonders melodiös, aber es ist hypnotisierend und wenn man sich darauf einlassen kann auch richtiggehend packend. Und so trifft noch ein weiteres Adjektiv das Wesen dieses Stückes: Meditativ. Allerdings werden hierbei nur Meditationen unterstützt, die nicht der ganz leisen, ganz ruhigen Töne bedürfen.

„You Know You're Only Dreaming”, die zweite Nummer, wie auch „Adjust Me“, Track Nummer vier, erinnern stark an Stücke, wie sie auch auf „A Saucerful Of Secrets”, „More” oder „Ummagumma” von Pink Floyd hätten veröffentlicht worden sein können. In großen Teilen experimentell und ein wenig abgefahren. Da ist die Ähnlichkeit zu manchen Pink Floyd Stücken dieser Ära unüberhörbar. Titel Nummer 3, „Master Of The Universe” ist dann ein Hawkwind Klassiker. Ein harte und treibende Nummer, die zum „Head Banging“ einlädt. Rhythmisch ein richtiger Kracher und was auf den ersten Track zutraf, das stimmt auch hier: Das Stück ist monoton, aber genau darin liegt auch das „gewisse Etwas“.

Akustische Nummern gibt es ebenfalls auf dem Album. Da ist zum einen „We Took The Wrong Step Years Ago“, ein Stück, welches mit “synthetischem Mövengekreische eingeleitet wird. Und zum anderen der Titel „Children Of The Sun“. Und auch diese beiden Stücke haben was. Ersterer von den beiden gefällt durch seine schöne Melodie, letzterer kann mit einer schönen Flöteneinlage aufwarten und überzeugen.

Die remasterte Veröffentlichung aus dem Jahr 1996 wartet nun noch mit drei Bonustracks auf. Und darunter befindet sich sogar die „Original Single Version“ von „Silver Machine“, mit Sicherheit einem der bekanntesten Stücke von Hawkwind. Dazu noch die Single Version von „Seven By Seven“, sowie eine Live Single Version von „Born To Go“. Bei allen drei Titeln hört man zwar deutlich, dass es sich dabei um nicht remasterte Fassungen handelt, allerdings schmälert die schlechtere Qualität nur bei der letzten Aufnahme ein wenig den Hörgenuss.

Nicht unerwähnt sollte hier auch das Booklet bleiben. Das ist aufwendig und schön gestaltet und es enthält unter anderem die Geschichte der Reise des „Spacecraft Hawkwind“ in Form eines Logbuchs. Da hat man sich wirklich Mühe gegeben, doch ist das Ganze leider in so kleiner Schrift abgedruckt, dass eine Lupe zum Entziffern des Textes sehr hilfreich ist.

Fazit: Wer sich für Musik der siebziger Jahre interessiert und den Fokus dort auf die erste Hälfte des Jahrzehnts legt, der sollte auch „Space Rock“ kennen. Und zum Einstieg ist die 1971er Scheibe von Hawkwind „In Search Of Space“ bestens dazu geeignet. Derartige Musik gibt es heute nicht mehr. Allerdings, wenn man sich ab und an mit Techno die Dröhnung gibt und dazu abtanzt und gleiches dann mal mit dieser Platte bei voller Lautstärke ausprobiert… Ich bin mir nicht sicher, ob die dabei gemachten Erfahrungen so unterschiedlich sein werden. Aber man kann sich auch nur „hörend“ auf diese Scheibe einlassen, die sogar noch mit weiteren Durchgängen wächst - und damit zehn Punkte erreicht.

Anspieltipps: You Shouldn't Do That, You Know You're Only Dreaming, Master Of The Universe





Dienstag, 31. Januar 2012

Electric Light Orchestra – Electric Light Orchestra 1 / No Answer






Electric Light Orchestra – Electric Light Orchestra 1 / No Answer


Besetzung:

Roy Wood – vocals, cello, oboe, acoustic guitar, bass guitar, string bass, bassoon, clarinet, recorders, slide guitar, percussion
Jeff Lynne – vocals, piano, electric guitar, percussion, bass
Bev Bevan – drums and percussion


Gastmusiker:

Bill Hunt – french horn and hunting horn
Steve Woolam – violin


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Klassik-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. 10538 Overture (5:37)
2. Look At Me Now (3:20)
3. Nellie Takes Her Bow (6:02)
4. Battle Of Marston Moor (July 2nd 1644) (6:05)
5. First Movement (Jumping Biz) (3:04)
6. Mr. Radio (5:07)
7. Manhattan Rumble (49th Street Massacre) (4:26)
8. Queen Of The Hours (3:26)
9. Whisper In The Night (4:50)


Bonus Tracks:

10. Battle Of Marston Moor (1:00)
11. 10538 Overture (5:49)

Gesamtspieldauer: 48:46




Nein mit Disco Musik hat das Erstlingswerk der englischen Formation Electric Light Orchestra so gar nichts zu tun. Auch nichts mit herkömmlichem Pop. Beide Genres sollten ELO erst etwas später bestens bedienen. Allerdings hatte Jeff Lynne, der Kopf und kreative Ideengeber der Band, auf dem Debutalbum noch nicht das alleinige Sagen. Vier, der ursprünglich neun auf der Platte enthaltenen Titel, stammen von Roy Wood, fünf von Jeff Lynne. Roy Wood verließ schließlich das Electric Light Orchestra nach dieser ersten Scheibe und gründete die Band Wizzard. Sein Einfluss auf die Musik von ELO ist hier auf dem ersten Album deutlich zu vernehmen.

Nun zur Musik auf dieser ersten ELO Scheibe, die mal mit „Electric Light Orchestra“ oder aber mit „No Answer“ betitelt wird. Und die dargebotene Musik auf „ELO 1“ ist wahrlich außergewöhnlich. Zwar war es Anfang der 70er und auch schon Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gar nicht mal so selten, sich als Pop- und Rock-Band auch der klassischen Musik zu bedienen. Häufig wohl aus dem Grund, um ernster genommen zu werden. Beim Electric Light Orchestra gestaltet sich das auf der ersten LP jedoch ein wenig anders. Denn hier gibt es Rock zu hören, allerdings spielen traditionell klassische Instrumente die große Rolle in der Instrumentierung der einzelnen Stücke.

Deutlich wird das gleich beim ersten Titel „10538 Overture“, eine Nummer, von Jeff Lynne geschrieben, die ganz stark vom Klang des Cellos beherrscht wird. Aber auch Hörner spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Dazu gesellen sich die sonst üblichen Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug und es entsteht bereits durch die Instrumentierung ein spannender Ansatz. Das Lied kann diese Vorlage perfekt verwerten, verfügt über eine richtig schöne Melodie und gerade der Celloeinsatz macht das Stück zu einem hörenswerten und interessanten Song.

„Look At Me Now“ stammt dann aus der Feder Roy Woods. Und wieder wird den Streichinstrumenten viel Platz eingeräumt. Sehr viel sogar, denn neben Violine und Cello ist sonst hauptsächlich nur noch ein Fagott zu hören. Wieder gibt es als weitere Zutat eine richtig schöne Melodie zu hören und auch der Gesang klingt wirklich klasse. Die Kopfstimme Woods hört sich in keinster Weise gepresst an und passt bestens zur Instrumentierung.

„Nellie Takes Her Bow“ stammt dann erneut von Jeff Lynne. Die Instrumentierung ist auch bei dieser Nummer wieder ungewöhnlich für eine Rock-Band: viel Streicher, viel Piano, aber auch Gitarre, Bass und Schlagzeug. Und so wirkt dieses Stück richtig progressiv und dabei ebenfalls wieder sehr melodisch. Irgendwie kann man die bisherigen drei Titel am besten mit dem Wort „schön“ umschreiben.

“Battle Of Marston Moor (July 2nd 1644)” ist dann schon ein wenig abgefahrener. Die Ingredienzien sind zunächst zwar die gleichen wie bei den Liedern davor: Klassische Musikinstrumente. Dann folgen allerdings, ein hauptsächlich gesprochener Text und schließlich auch ganz schräge Töne, die immer mal wieder nur schwer mit dem Rest des Stücks in Einklang zu bringen sind. Die Nummer endet dann in einer fast schon wirren Streicherorgie. Nun ist die Musik absolut keine leicht verdauliche Kost mehr.

„First Movement (Jumping Biz)”, wie der Vorgänger ein Lied von Roy Wood, wartet anschließend wieder mit sehr melodiösen Tönen auf. Ein Instrumentalstück, bei dem neben den üblichen Zutaten auf dieser Platte hier, einmal die Gitarre im Vordergrund steht. Dazu kommt noch die heitere Stimmung, die die Nummer verbreitet. Schön gemacht.

Jetzt folgen drei Jeff Lynne Nummern. „Mr. Radio“ macht dabei den Auftakt. Und wenn in einem Lied das spätere Electric Light Orchestra ein wenig zu hören ist, dann wohl in diesem Titel. Und hiermit ist jetzt nicht die Disco-Xanadu-Zeit gemeint, sondern bezieht sich auf die interessanteren Popnummern, die dem Electric Light Orchestra gegen Ende der 70er Jahre auch noch gelungen waren.

“Manhattan Rumble (49th Street Massacre)” ist im Anschluss daran wieder eine orchestrale Instrumentalnummer. Vielleicht nicht ganz so gelungen wieder die ersten Tracks der Platte, aber durchaus auch nicht schlecht. „Queen Of The Hours“ ist schließlich ein etwas getragenerer Titel, wieder mit viel Cello-Einsatz, der vor allem im Refrain über eine schöne und eingängige Melodie verfügt.

Beendet wird das ursprüngliche Album wieder von einem Roy Wood Stück. „Whisper In The Night“, eine mittels Cello und Gitarre instrumentierte Ballade, die ebenfalls wieder über eine ganz nette Melodie verfügt, die allerdings schon ganz gefährlich an der Grenze zum Schmalz verläuft. Ruhig und getragen wurde das Album ursprünglich so mit den eher leisen Tönen beendet.

Auf der 2001 wiederveröffentlichten und remastereten Ausgabe der CD gibt es dann sowohl von „Battle Of Marston Moor“ sowie von „10538 Overture“ die jeweiligen ersten Takes zu hören. Beim ersten Track dauert das noch nicht einmal eine Minute und beim zweiten Stück, das zwar sogar ein paar Sekunden länger ist, als die schließlich verwendete Version, fällt es nicht leicht Unterschiede zum Opener des Albums festzustellen.

Fazit: Ein wirklich sehr interessantes Album hat das Electric Light Orchestra 1971 mit ihrem Erstling veröffentlicht. Und es ist auf diesem Album noch nicht zu erkennen, dass aus ELO mal diese Pop-Disco-Hit-Band werden sollte. Wer also ELO wegen Songs wie „Confusion“ oder „Rock’n’Roll Is King“ mag, der ist mit diesem Album ganz schlecht bedient. Wer allerdings auch der „klassischen“ Seite der Rock-Musik etwas abgewinnen kann und auch den etwas ungewöhnlicheren, vielleicht auch manchmal progressiveren Liedern nicht ganz abgeneigt gegenübersteht, der könnte mit der ersten Platte des Electric Light Orchestras ein schönes Stück Musik für sich entdecken. 11 Punkte.

Anspieltipps: 10538 Overture, Look At Me Now, Nellie Takes Her Bow, Mr. Radio







Montag, 30. Januar 2012

Various Artists - Smithsonian Folkways - Jazz Anthology






Various Artists - Smithsonian Folkways - Jazz Anthology

Ich bin ja eigentlich kein Jazz Fan. Irgendwie hat sich mir das nie eröffnet. Klar, so Big Band Sachen sind toll, aber so ein Geschrubbel und Geschrammel, ein Gedudel und Geblase, ist nicht mein Ding. Da spuckt jemand mehr in die Trompete als er reinbläst und Experten ergötzen sich an dem Getropfe, was da vorne mit dem seltsam entstandenen Ton rauskommt. Irgendwie klingt das oftmals für mich nicht stimmig. Und wenn ich mir dann das Publikum anschaue, das da eigentlich immer ganz freudestrahlend, teils mit geschlossenen Augen mitwippt….das geht echt an mir vorbei. Das muss ich dann auch nicht verstehen.

Nun aber habe ich diese Jazz Anthology von Smithsonian Folkways bekommen. Ich habe mir die Zeit genommen, auch die Ruhe, das alles mal zu verarbeiten. Ja, das ist Arbeit für mich, aber ich liebe historische Aufnahmen und ich liebe Smithsonian Folkways, das neben Bear Family Records zu meinen Lieblingslabels gehört. Es ist ein Schatz an Musik und Sounds. Und auch diese Anthology ist mehr als beeindruckend. Man merkt einfach, hier haben Wissenschaftler und Musikbegeisterte etwas in Feinstarbeit und mit viel Zeit und Liebe zusammen getragen, was nicht einen schnellen Dollar einbringen soll und wird. Diese Jazz Anthology ist vielmehr ein Einblick in das wunderbare Archiv dieses Labels, das von Folk Musik über Klassik bis zu Field Recordings und eben Jazz und vielem mehr reicht. Und hier wird erneut der Leitsatz von Moses Asch, dem Gründer von Folkways Recordings (heute Smithsonian Folkways) deutlich, die “Musik des Volkes” müsse verfügbar und hörbar gemacht werden.

Wenn man sich mal auf Jazz einlässt, auch als Unwissender, wie ich einer bin, dann kann das doch besser sein, als man denkt. Diese 6 CD 111 Songs umfassende Sammlung aus dem reichen Archiv von Folkways Recordings ist überwältigend. Hier werden Stile und Einflüsse vorgestellt, erklärt und auch so Rock- und Elektroverblendeten wir mir nahe gebracht. Ein dickes Begleitbuch rundet die Sache ab. Toll! Ich bin angetan. Klar, nicht alles ist mein Geschmack, manches ist mir dann doch etwas zu schräg und atonal, doch diese Anthology ist ein guter Beginn. Die Sammlung reicht von den frühen 30er Jahren bis zur Gegenwart und stellt den Wandel des Jazz vor. Ich kann dieses Boxset nur wärmstens empfehlen, auch und vor allem den nicht Jazzern!

Sonntag, 29. Januar 2012

The Stranglers – La Folie




The Stranglers – La Folie


Besetzung:

Hugh Cornwell – vocals, guitar
Jean-Jacques Burnel – bass
Jet Black – drums
Dave Greenfield – keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop Rock, New Wave, Punk


Trackliste:

1. Non Stop (2:30)
2. Everybody Loves You When You're Dead (2:42)
3. Tramp (3:05)
4. Let Me Introduce You To The Family (3:08)
5. Ain't Nothin' To It (3:56)
6. The Man They Love To Hate (4:23)
7. Pin Up (2:47)
8. It Only Takes Two To Tango (3:38)
9. Golden Brown (3:28)
10. How To Find True Love And Happiness In The Present Day (3:04)
11. La Folie (6:05)
12. Cruel Garden (2:14)
13. Cocktail Nubiles ( 7:08)
14. Vietnamerica (4:01)
15. Love 30 (3:55)
16. You Hold The Key To My Love In Your Hands (2:40)
17. Strange Little Girl (2:40)

Gesamtspieldauer: 1:01:25



Nun, nein, mit Punk, für den die „Stranglers“ am Anfang ihrer Karriere standen, mit Punk hat “La Folie” nur noch sehr wenig und nur noch am Rande zu tun. Auf „La Folie“ befinden sich dagegen Lieder, die in der Nähe des New Wave anzusiedeln sind, bis ganz nah hin zur reinen Pop-Musik. Und diese Musik, die auf „La Folie“ dargeboten wird, ist es wahrlich wert, gehört zu werden. Somit stimmt auch der Titel des Albums, „La Folie“, denn zumindest ein „Wahnsinnslied“ befindet sich wirklich auf der Platte.

Auf „La Folie“ bekommt man einen dieser seltenen „Jahrhundertsongs“ zu hören, mit dem man eine Band immer in Verbindung bringen wird. So ein Stückchen unzerstörbarer Musik. Dies in Bezug auf die Stellung, den Bekanntheitsgrad und die Art des Liedes. In etwa vergleichbar mit „American Pie“ von Don McLean. Das Stück kennt ebenfalls jeder und die allermeisten mögen es auch noch. Auch „Golden Brown“ von den „Stranglers“ wird noch in 50 Jahren im Radio zu hören sein. Und auch in 50 Jahren wird man sich dieses Songs noch nicht überhört haben. Woran das liegt? An der schönen Melodie? An der ungewöhnlichen Instrumentierung mit einem Spinett? Am überaus seltsamen Text? Wahrscheinlich ist es eine Melange aus allem, wobei wohl der Melodie der wichtigste Part zufällt. Das Lied ist auf jeden Fall ein Meisterwerk des Pop. Kein Punk. Kein New Wave. Was beweist, dass auch die Pop-Musik unvergängliche Lieder hervorzaubern kann. Lieder, die für die Ewigkeit geschaffen sind. Und genau solch ein Song ist „Golden Brown“. Einfach nur klasse.

Aber auch sonst gibt es noch einiges auf „La Folie“ zu entdecken. „Non Stop” ist ein kurzes und nicht ganz untypisches “New Wave”-Lied der damaligen Zeit. Genau in dieselbe Kerbe schlägt „Everybody Loves You When You're Dead”. Gut gemachter “New Wave”, der nur noch am Rande an Punk erinnert. Bei „Tramp” geht es dann sogar noch einen Schritt weiter, die Pop-Anleihen sind unüberhörbar. Aber auch dieses Stück ist ein Höhepunkt des Albums. Treibender Beat, klasse Melodie und dann sind sie da doch noch, die etwas schrägeren Töne, die dieses Lied wachsen lassen und erst so richtig interessant machen.

Auf „Let Me Introduce You To The Family“ hört man dann den Punk doch noch ein wenig deutlicher heraus. Ein galoppierender Rhythmus sowie eine einfache Melodie zeugen von den Wurzeln der Band. „Ain't Nothin' To It“ ist im Anschluss daran wieder ein reines „New Wave“ Lied. Erinnert mit seinen schrägen Passagen ein wenig an „Devo“. Dann wird es sogar ein bisschen rockig. „The Man They Love To Hate“ wird mit treibenden Drums eingeleitet und behält diesen schnelleren Rhythmus auch über die gesamte Länge des Liedes bei. „Pin Up” im Anschluss daran ist wieder eine typische New Wave Pop Nummer, wohingegen „It Only Takes Two To Tango“ sogar ein paar schrägere Töne aufweist, allerdings seinen Pop-Ursprung ebenfalls nicht verschleiern kann.

Es folgt das schon besprochene „Golden Brown”. Synthie-Pop mäßig wird es dann im Anschluss daran bei der Nummer „How To Find True Love And Happiness In The Present Day“, die sich zusätzlich noch durch einen gesprochenen Text, im Gegensatz zum gesungenen der anderen Stücke, auszeichnet. Was folgt ist der Titeltrack des Albums und ein weiteres Highlight des Albums. „La Folie“ klingt wunderschön schwebend und unterscheidet sich nicht nur durch den französischen Text von den anderen Stücken. Sehr melodisch ist diese Nummer und sehr viel langsamer, fast schon getragen kommt das Lied beim Hörer an. Eine klasse Abwechslung.

Und dann gibt es auf der remasterten Version von 2001 noch sechs Bonus Tracks zu hören. Dabei handelt es sich um mal mehr, mal weniger interessante Stücke. Ganz nette Dreingaben, mal melodisch, mal abgefahren und sphärisch. Aber auch eine echte Perle, ein echter Höhepunkt ist darauf mit enthalten. „Strange Little Girl“, das letzte Stück des Albums. Ein toller Popsong, verspielt, harmonisch, melodisch. Wahrscheinlich der beste Bonus Track, den ich bisher auf einem Album gefunden habe.

Fazit: Auf „La Folie“ haben sich die „Stranglers“ endgültig vom Punk und ihren Wurzeln verabschiedet. Stattdessen gibt es jetzt eingängige Song im Stile des New Wave oder Pop zu hören. Das allerdings in einer sehr hohen Güte, sodass dieses Album auch knapp 31 Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch zu gefallen weiß. Und „Golden Brown“, dieses Lied, wird sowieso für immer zeitlos bleiben. Das macht alles zusammen hochverdiente elf Punkte.

Anspieltipps: Tramp, Let Me Introduce You To The Family, Golden Brown, La Folie, Strange Little Girl



Samstag, 28. Januar 2012

Geist - Feuerengel





Geist - Feuerengel


Geist sind zurück. Endlich! Nach ihrem 2007er Album “Für alle Zeit” dachte ich schon, das war’s für alle Zeit, denn immer wieder wurde das neue Ding verschoben und verschoben und verschoben. Doch nun ist “Feuerengel” da. Kraftvoll, energisch, lautstark. Ein bißchen dreckig, ein bißchen an Tool angelehnt. Geist singen auf Deutsch und zeigen, dass das durchaus kein Problem ist, auch wenn man “nur” richtig gute Rockmusik macht und nicht hinter Rammstein her eiert. Die Kölner Jungs gehen ihren Weg, geradlinig und direkt auf die 12. Mal ist es ein Brett, mal einfach nur eine gefühlvolle Welle, die einen da fortträgt. Sänger Fares Rahmuns einprägsame Stimme ist die perfekte Ergänzung für die Songs. War “Für alle Zeit” noch etwas dunkler und schwerer, kommen Geist nun selbstsicherer daher. Sie haben ihren Sound gefunden. Man kann es der Band nur wünschen, dass sie mit diesem Album endlich den verdienten Durchbruch schaffen. Mein Tipp: unbedingt reinhören und kaufen!

Freitag, 27. Januar 2012

Peter Gabriel – II




Peter Gabriel
– II



Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Tony Levin – bass
Sidney McGinnis – guitars
Jerry Marotta – drums
Robert Fripp – guitars
Timmy Capello – sax
Bayete – keyboards
Roy Bittan – keyboards
Larry Fast – synthesizer
George Marge – recorders


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. On The Air (5:28)
2. D.I.Y. (2:39)
3. Mother Of violence (3:22)
4. A Wonderful Day In A One-Way World (3:36)
5. White Shadow (5:19)
6. Indigo (3:33)
7. Animal Magic (3:29)
8. Exposure (4:18)
9. Flotsam And Jetsam (2:22)
10. Perspective (3:29)
11. Home Sweet Home (4:40)

Gesamtspieldauer: 42:14



1978 legte Peter Gabriel sein zweites Solowerk vor. Wieder wurde es nicht extra betitelt, sodass es nur mit „II“ oder, aufgrund des Covers, mit „Scratch“ tituliert wird. Und dieses zweite Album des Ex-Genesis-Sängers hat viele Besonderheiten. Da sind zum Beispiel diese fünf sehr ruhigen Songs, wie sie auf späteren Veröffentlichungen nur noch ab und zu auftauchen werden. Das erste, dieser „leiseren“ Stücke auf dem Album, ist Track Nummer 3, „Mother Of Violence“. Das Stück beginnt mit Bienengesumme und Grillenzirpen und wird mittels einer Akustikgitarre und einem Piano instrumentiert. Und dieses Lied ist eines der schönsten ruhigen Lieder, die je geschrieben wurden, vielleicht sogar das Schönste. Hier wird man von allem ergriffen - von dem einfühlsamen und zerbrechlich wirkenden Gesang, der zurückhaltenden Instrumentierung und den wunderschönen Melodien in dieser Musik. Ein Meisterwerk.

Der nächste ruhigere Song des Albums heißt „White Shadow“. Das Stück wirkt durch den Einsatz des Keyboards und des Synthesizers sehr viel sphärischer und irgendwie schwebend. Und auch hier gibt es wieder die Ingredienzien, die ein Stück zu einem Lied machen, in welches man sich sehr gerne einwickeln lässt: Wunderschöne Melodie und einfühlsamer Text. Und genau so geht es weiter. „Indigo“ heißt der nächste Titel, vom Aufbau her wieder mehr „Mother Of Violence“ ähnelnd. Zunächst sparsam mit dem Piano instrumentiert und wieder, fast schon „vorsichtig“ gesungen, entfaltet sich auch hier ein Lied, welches einen einfach nur packt und einfängt. Und dies mit den, wie gesagt, ganz leisen Tönen. Klasse gemacht.

„Flotsam And Jetsam“ heißt das vierte ruhige und verzaubernde Stück der Platte. Schöne Melodie, ein manchmal mit seinem Gesang fast zerrissen wirkender Gabriel und die erzeugte Atmosphäre lassen auch dieses Stück zu einem Höhepunkt des Albums werden. Und diese Aussage ist eins zu eins übertragbar auf das letzte Stück des Albums. Auch „Home Sweet Home“ hat ebenfalls dieses gewisse Etwas. Dazu gesellt sich noch ein tieftrauriger Text, der den Hörer mit genau dieser Stimmung aus dem Album entlässt.

Und jetzt kommt die Vielfalt dieser Platte zum Tragen. Das waren die ruhigeren Stücke, aber, dass es auch schneller und rockiger geht, beweist Peter Gabriel gleich mit der ersten Nummer. „On The Air“ ist das genaue Gegenteil der zuerst beschriebenen Songs: Hier gibt es jetzt den treibenden Rhythmus, den Groove, die deutlich hellere Stimmung. Und das wurde ebenfalls wieder mit einer schönen Melodie kombiniert und versehen. Musikfreund was willst Du mehr? Der folgende Titel, „D.I.Y.“, ist ebenso rhythmisch und voranschreitend, diesmal allerdings etwas weniger rockig, dafür ein bisschen poppiger.

„A Wonderful Day In A One-Way World”, Titel Nummer 4, ist wieder ganz anders. Fast wirkt es ein wenig so, als ob Peter Gabriel seine Hörer, nach dem traurigen “Mother Of Violence”, wieder auffangen möchte. Denn „A Wonderful Day In A One-Way World” klingt fröhlich und beschwingt und ist wieder eher der Popecke zuzuordnen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Animal Magic“. Ebenfalls eine fröhliche Nummer, die in Richtung des Rock’n’Roll geht und ebenfalls zu gefallen weiß.

In „Exposure“ kommen dann die musikalischen Wurzeln des Peter Gabriel zu Tage. „Exposure“ ist ein experimentelles Lied, das sehr stark in die Richtung „Progressive Rock“ geht. Und da er das Lied zusammen mit Robert Fripp geschrieben hat, sollte einen dieser Umstand nicht weiter verwundern. „Exposure“ fällt für Peter Gabriels Songs völlig aus der Rolle und ist ein fast schon verstörendes Stück Musik, welches auf „II“ allerdings zur großen Vielfalt beiträgt. Bliebe noch „Perspective“. Wieder ein etwas treibenderer Titel, der von seinem Rhythmus lebt. Hier weiß der Saxophoneinsatz zu gefallen. Ansonsten ist es ein eher schwächeres, da etwas langweiliges Stück – ohne allerdings wirklich schlecht zu sein.

Fazit: Peter Gabriel hat noch nie schlechte Alben veröffentlicht. Von ihm gibt es nur gute und sehr gute Platten. Und „II“ oder „Scratch“ gehört zu den sehr guten Veröffentlichungen. Das liegt zum großen Teil an diesen unglaublich packenden, ruhigen Stücken, von denen „Mother Of Violence“ den Höhepunkt darstellt. Es liegt allerdings ebenfalls an den flotteren Tracks, die auch überzeugen können. Und es liegt an der Vielfalt, die dieses Album auszeichnet. Letzteres mag vielleicht für den einen oder anderen ein Nachteil sein, denn das Album ermöglicht es wirklich nicht, sich auf eine „Stimmung“ einzustellen. Andererseits wirkt es so wie eine emotionale musikalische Achterbahnfahrt, bei der man sich nie sicher sein kann, wann das nächste Tal beziehungsweise die nächste Steigung ansteht. Spannende Musik, die dreizehn Punkte wert ist.

Anspieltipps: On The Air, Mother Of Violence, White Shadow, Indigo

Donnerstag, 26. Januar 2012

The Killers – Hot Fuss





The Killers – Hot Fuss


Besetzung:

Brandon Flowers – vocals, keyboards, bass
Dave Brent Keuning – lead-guitar, backing vocals
Ronnie Vannucci Jr. – drums, percussion
Mark Stoermer – bass, rhythm-guitar, backing vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Indie Rock, Pop Rock, Alternative


Trackliste:

1. Jenny Was A Friend Of Mine (4:04)
2. Mr. Brightside (3:42)
3. Smile Like You Mean It (3:55)
4. Somebody Told Me (3:17)
5. All These Things That I've Done (5:02)
6. Andy, You're A Star (3:14)
7. On Top (4:19)
8. Change Your Mind (3:11)
9. Believe Me Natalie (5:05)
10. Midnight Show (4:03)
11. Everything Will Be Alright (5:45)
12. Glamorous Indie Rock and Roll (4:17)




„Hot Fuss“, heißt das Debut der Killers, der Band mit dem schwachmatischen Namen. Und „Hot Fuss“ klingt überaus britisch, obwohl die vier Musiker in Las Vegas, Nevada zu Hause sind. Das mag vielleicht mit der Liebe einiger Bandmitglieder zur englischen Band „Oasis“ zusammenhängen. Auf „Hot Fuss“ ist Gitarrenrock zu hören, allerdings Keyboard dominierter Gitarrenrock, denn das Tasteninstrument spielt praktisch in jedem Song eine wichtige Rolle. Und „Hot Fuss“ klingt ein wenig nach den Achtzigern. Die Musik ist schwerlich einer bestimmten Band der damaligen Musikszene zuzuschreiben, allerdings die Stimmung der Lieder weckt Erinnerungen an dieses vergangene Jahrzehnt. Und so legten die vier Musiker mit „Hot Fuss“ eine Pop-Rock-Scheibe vor, wie sie bisher nur selten von einer amerikanischen Band zu hören war.

Die Musik auf „Hot Fuss“ ist überaus eingängig. Aber es kann dem Hörer durchaus passieren, dass er zu Beginn der ein oder anderen Nummer denkt, „Ne, das ist es jetzt doch nicht“ – und dann vollzieht sich auch in diesem Track eine Wendung, die das Stück doch wieder interessant werden lässt. Die Nummern gehen wahrlich so ziemlich alle ins Ohr, da bleibt die Stimmung ziemlich unaufgeregt.

Allerdings gibt es die Ausschläge in die andere Richtung – nach oben eben. Da ist zum Beispiel das bekannte Stück „Mr. Brightside”. Eine richtig gute Nummer, bei der wohl kein einigermaßen musikinteressierter Hörer seine Ohren verschließen würde. Ein interessantes und packendes Lied, welches sofort ins Ohr und in die Beine geht und dort zum Mitwippen animiert.

Auch „Somebody Told Me” ist so ein Ohrwurm, der sich zügig in den Gehirnwindungen der Hörer verankert. Auch wenn dieses Stück mit Sicherheit nicht die Nachhaltigkeit wie „Mr. Brightside“ besitzt und bei zu häufigem Hören auch gehörig auf den Senkel gehen kann. Bei „All These Things That I've Done”, ebenfalls sehr melodisch, gefällt die Abwechslung, die die „Killers“ in diesem fünf Minuten Song kreieren. Da hat sich jemand ganz schön viele Gedanken gemacht.

Und auch „Andy, You're A Star” kann punkten. Eine tolle Melodie in Kombination mit diesem eingängigen Rhythmus lassen diesen Track wachsen und ebenfalls zu einem Höhepunkt auf dem Album werden. Und so sind auch die restlichen Songs des Albums durchgehend sehr eingängig. Natürlich wird hier jeder Hörer seine speziellen Höhepunkte haben, richtig schlecht wird man die Musik allerdings wohl kaum finden.

Fazit: Ein interessantes Debut haben die vier Herren aus Las Vegas da vorgelegt. Es befinden sich einige gute Songs auf der CD, die sich lohnen gehört zu werden. Die Musik kann gefallen, reißt aber nicht durchgehend mit. Mich jedenfalls nicht. Nicht schlecht, allerdings auch kein Überalbum: zehn Punkte.

Anspieltipps: Mr. Brightside, Somebody Told Me, All These Things That I've Done, Andy, You're A Star





Mittwoch, 25. Januar 2012

Various Artists - Bristol Sessions - The Big Bang Of Country Music





Various Artists - Bristol Sessions - The Big Bang Of Country Music


Der wilde, wilde Westen fängt nicht hinter Hamburg an und auch nicht in einem Studio in Maschen. Country Musik hat noch immer einen schlechten Ruf in Deutschland. Die meisten denken dabei an die Band “Truck Stop”, deren Mitglieder mit Cowboyhut und –stiefeln auf der Bühne stehen und banales Zeugs von sich geben. Auch wenn es heute eine sehr interessante deutsche Country Musikszene gibt, man denke nur an Boss Hoss oder an die Lokalmatadoren Smokestack Lightnin’, so haftet dem Country in Deutschland noch immer etwas Lachhaftes an.

Das dem eigentlich nicht so ist beweist seit Jahrzehnten das überaus erfolgreiche deutsche Label “Bear Family Records”. Ihre gewaltigen Boxsets werden weltweit vertrieben und haben den Maßstab für fundierte Musiksammlungen gesetzt. Und, “Bear Family Records” ist eine der wichtigsten Plattenfirmen, die zum Erhalt des amerikanischen “Old Country” beigetragen haben und noch immer dazu beitragen. Die jüngste 5 Cds umfassende Box belegt dies auf beeindruckende Weise. “The Bristol Sessions” heißt sie und dreht sich um den “Big Bang”, den Urknall der Country Musik, der sich 1927 in Bristol, in Virginia und Tennessee gelegen, ereignete.

Eigentlich begann schon fünf Jahre zuvor die kommerzielle Aufnahme der Country Musik. Die “Hillbilly” Künstler mußten dafür nach New York reisen, um dort ins Studio zu gehen. Doch das Geschäft mit den Platten kam nicht richtig zum Laufen. Ralph Peer, ein Musikproduzent, der jahrelang für das Okeh Label arbeitete und vor Ort aufnahm, wechselte zur “Victor Talking Machine Company”. Für ein Jahresgehalt von einem Dollar wollte er einen ganz anderen und neuen Weg einschlagen. Peer sicherte sich die Rechte an seinen Aufnahmen. Sein Modell der Künstlerbezahlungen wurde die Basis für die zukünftigen Plattenverträge zwischen Musiker, Labels und Verlagen.

Er zog für dieses neue Projekt nach Bristol und baute dort in einer Lagerhalle für Victor ein elektronisches Aufnahmestudio auf und lud Musiker mit Anzeigen und Aushängen ein, in diesem Southern Umfeld ihre Songs zu präsentieren. In diesen als “Bristol Sessions” bekannt gewordenen Aufnahmen wurde der Grundstein nicht nur für Country gelegt. 25 Künstler und Gruppen folgten dem Ruf. Die “Recordings” revolutionierten den Plattenmarkt, der zuvor in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohte. Die hohe Klangqualität, die mitreissende Stimmung auf den Bändern, die Professionalität der Sessions…und dann die Musiker selbst. Die “Bristol Sessions” gelten als Startpunkt für den Erfolg von Jimmy Rodgers und der Carter Family, die großen Einfluss auf Generationen von Musikern hatten, allen voran Johnny Cash, Woody Guthrie, Bob Dylan. Wer heute über die amerikanische Country- und Folkmusik spricht, muss auf diese “Bristol Sessions” zurück gehen, auf diese musikalische und kommerzielle Aufbruchstimmung der späten 20er Jahre.

Und nun eben hat das deutsche Label Bear Family Records diese “Bristol Sessions” in einer umfassenden CD Box veröffentlicht und damit erneut einen wichtigen Teil für das Country Verständnis beigetragen. Auf 5 Cds findet man 124 Songs, die diesen “Big Bang” dokumentieren. Die Soundqualität ist beeindruckend klar und vermittelt sogar diese Lebendigkeit und diese Aufbruchstimmung von 1927. Die “Bristol Sessions” sind wahrlich ein Urknall, nicht nur für die Country Musik. Hier wurden Wurzeln für viele Genres und Musikergenerationen gelegt.