Mittwoch, 12. Dezember 2012

Barclay James Harvest – Gone To Earth




Barclay James Harvest – Gone To Earth


Besetzung:

John Lees – guitars, vocals
Les Holroyd – bass, vocals, guitars, keyboards
Mel Pritchard – percussion, drums
Stewart Wooly Wolstenholme – keyboards, vocals, mellotron


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: ArtRock, Soft-Rock, Pop


Trackliste:

1. Hymn (5:12)
2. Love Is Like A Violin (4:07)
3. Friend Of Mine (3:37)
4. Poor Man's Moody Blues (6:59)
5. Hard Hearted Woman (4:29)
6. Sea Of Tranquility (4:05)
7. Spirit On The Water (4:51)
8. Leper's Song (3:37)
9. Taking Me Higher (3:25)


Bonus Tracks:

10. Lied (5:08)
11. Our Kid's Kid (4:02)
12. Hymn (4:29)
13. Friend Of Mine (3:04)
14. Medicine Man (live) (11:53)

Gesamtspieldauer: 1:08:58




Ihr achtes Studioalbum versah die englische Band Barclay James Harvest mit dem Titel „Gone To Earth“. 1977 erschien es und stellt heute jenes Album dar, welches sich am sechstlängsten in den deutschen Album-Charts halten konnte. Festzuhalten bleibt darüber hinaus, dass „Gone To Earth“ ein sehr „ruhiges“ Album wurde, bei dem Harmonie und Melodiösität an allererster Stelle stehen. Kein schräger Ton, keine noch so kleine Disharmonie haben sich auf die Platte verirrt, sodass man beim Hören quasi in Weichheit und Süße zu ertrinken droht.

Und das muss im Falle dieser Veröffentlichung noch nicht einmal etwas Negatives bedeuten, denn ein paar der intensivsten und eindringlichsten Lieder im Songkatalog der Band befinden sich auf der Platte. Da wäre zum Beispiel gleich der Opener „Hymn“ zu nennen, wahrscheinlich sogar das bekannteste Lied Barclay James Harvests. Eine packende Anti-Drogen-Nummer, die sofort ins Ohr geht und auch viele Jahre nach dem ersten Hören nichts an ihrer Intensität verliert.

Oder aber das ironische „Poor Man‘s Moody Blues“. Genau so wurde Barclay James Harvest nämlich von seinen Kritikern geschimpft. Und so zeugt diese Version des Moody Blues Titels „Nights In White Satin“ von einer gehörigen Portion Humor und das in einer überaus gelungenen Art und Weise. Ebenfalls sehr hörenswert ist das Stück „Hard Hearted Woman“, bei dem man zu Beginn diesen überaus typischen Barclay James Harvest Gitarrenklang zu hören bekommt.

Etwas aus der Reihe im Songkatalog des Albums fällt „Sea Of Tranquility“. Dieses Stück ist der einzige Track, den Stuart Wolstenholme zum Album beigetragen hat. Die anderen Titel stammen alle aus der Feder von John Lees und Les Holroyd. In tiefste Synthesizer- und Keyboard-Sounds getränkt, klingt dieses Lied fast schon pastoral und könnte phasenweise einem kirchlichen Choral entsprungen sein.

Die restlichen Stücke sind meist ebenfalls sehr getragen. Nur „Friend Of Mine“ und „Leper’s Song“ verfügen über einen gewissen Groove, wobei aber vor allem erstgenannte Nummer jedoch so gar nicht überzeugen kann.

Die remasterte Fassung des Albums wurde mit reichlich Bonusmaterial versehen. „Lied“ passt stilistisch perfekt auf das Album. Wieder ein sehr ruhiger und melodiöser Titel, der bisher noch nicht veröffentlicht worden war. „Our Kid's Kid“ stellt die B-Seite der Single-Auskopplung von „Hymn“ dar. Ein ganz nettes, etwas flotteres Lied, welches ein bisschen in die folkige Ecke geht. Der nächste Titel ist dann die Single-Version von „Hymn“, etwas kürzer als das Album-Original, gefolgt von der ebenfalls etwas gekürzten Single-Ausgabe des Stücks „Friend Of Mine“. Bliebe schließlich noch eine fast zwölfminütige Live-Version des BJH-Klassikers „Medicine Man“. Und diese Variante des Liedes ist richtig gut und spannend, wenn auch der Sound ein wenig zu wünschen übrig lässt. Aber hier wird jetzt auch mal exzessiv gerockt und gegroovt. Macht Spaß diese Nummer auch mal etwas „härter“ präsentiert zu bekommen.

Fazit: Einige Klassiker Barclay James Harvests befinden sich auf „Gone To Earth“. Dazu ist alles irgendwie schön und harmonisch anzuhören. Das mag für den einen oder anderen ein wenig langweilig sein, aber manchmal befinde zumindest ich mich genau in der Stimmung für genau diese Musik. Auch die fünf Zugaben haben durchaus ihren Reiz, sodass „Gone To Earth“ eines der guten Alben der Band ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hymn, Poor Man's Moody Blues, Hard Hearted Woman, Sea Of Tranquility, Medicine Man (live)






Dienstag, 11. Dezember 2012

Flash And The Pan – Flash And The Pan




Flash And The Pan – Flash And The Pan


Besetzung:

Harry Vanda – guitar, vocals
George Young – synthesizer, lead vocals


Gastmusiker:

Les Karski – bass
Ray Arnott – drums
Warren Morgan – piano


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Hey, St. Peter (4:23)
2. Man In The Middle (3:14)
3. Walking In The Rian (3:29)
4. The African Shuffle (4:27)
5. California (4:17)
6. Lady Killer (4:09)
7. The Man Who Never Knew The Answer (4:24)
8. Hole In The Middle (4:16)
9. Down Among The Dead Man (4:48)
10. First And Last (6:37)


Bonus Tracks:

11. Down Among The Dead Man (Single version) (3:32)
12. The African Shuffle (Single Version) (3:06)
13. First And Last (Single Version) (5:12)

Gesamtspieldauer: 55:54




1979 brachten das australische Duo Harry Vanda und George Young unter dem Namen Flash And The Pan ihr gleichnamiges erstes Album heraus. Beide Musiker waren Teil der „The Easybeats“, einer australischen Pop-Band, die 1966 mit „Friday On My Mind“ ihren größten Hit hatte. Als diese Formation sich 1969 auflöste, beschlossen die beiden weiterhin gemeinsam zu arbeiten und traten fortan als Songschreiber und Produzenten-Duo auf. Hier arbeiteten sie unter anderem mit John Paul Young und Def Leppard zusammen. Besonders erwähnenswert an dieser Stelle ist allerdings ihre Produzententätigkeit bei AC/DC, wobei festzuhalten wäre, dass George der ältere Bruder von Angus und Malcolm Young ist.

Einschließlich der Platte „Powerage“ produzierten die beiden AC/DC. Dann entschlossen sie sich wieder selbst Musik zu machen, sodass „Highway To Hell“ das erste nicht von ihnen produzierte Album AC/DC’s war. Fast gleichzeitig mit dessen Veröffentlichung brachten sie „Flash And The Pan“ auf den Markt. Musikalisch haben AC/DC und Flash And The Pan absolut nichts miteinander zu tun. Während AC/DC für Hard-Rock steht, geht es bei Flash And The Pan um Pop und New Wave. Zwei völlig unterschiedliche Dinge also.

Aber dieser Pop, den Vanda und Young hier präsentieren, der ist richtig gut. Den Wiedererkennungswert gewinnt die Musik unter anderem aus der „Telefonstimme“ Youngs, wobei sein Gesang so bearbeitet wurde, als ob er über das Telefon zur Musik sänge. Und das ist nicht nur ein kurzes Stilmittel, das zieht die Band konsequent durch – das ganze Album über und auch auf den weiteren, noch folgenden Platten.

Auf Flash And The Pan befindet sich auch das wohl bekannteste Lied der Band: „Hey St. Peter“. Ein wirklich mitreißende Nummer, die fröhlich wirkt, ganz im Gegensatz zu dem, was Flash And The Pan sonst noch so darbieten. Da ist die Stimmung meist sehr dunkel wie beim tollen „California“, bei dem es sich auch lohnt dem Text genauer zuzuhören oder bei „Walking In The Rain“, „The Man Who Knew The Answer“ oder dem letzten Titel „First And Last“. Getragene Pop-Musik kann man das nennen. Getragen und manches Mal fast schon intensiv traurig.

Wesentlich fröhlichere Gegenpole stellen da „The African Shuffle“ und „Down Among The Dead Man“ dar. Auffällig hier auch diese eingängigen Melodien, die sich allerdings bei fast jedem Song wiederfinden lassen. Sehr eingängig ist dieses Album, ohne dabei auch nur im Geringsten platt oder anbiedernd zu wirken.

Fazit: Gut gemachte Pop-Musik gibt es auf Flash And The Pan von Flash And The Pan zu hören. Mal ein wenig traurig und sentimental, ein anderes Mal wieder verspielter und fröhlicher. Das Ganze ist nie langweilig und immer abwechslungsreich. Die Musik ist stark Keyboard-lastig, sodass Freunde reiner Gitarrenmusik mitunter Schwierigkeiten haben könnten. Vergleicht man die Musik allerdings mit anderer Pop-Musik, die Ende der 70er, Anfang der 80er veröffentlicht wurde, so befindet man sich mit Flash And The Pan deutlich auf der „Sonnenseite“. Ein gutes Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hey, St. Peter, The African Shuffle, California, The Man Who Never Knew The Answer, Down Among The Dead Man, First And Last




Montag, 10. Dezember 2012

Serj Tankian – Elect The Dead




Serj Tankian – Elect The Dead


Besetzung:

Serj Tankian – guitars, bass, piano, vocals, synthesizers, drum programming, melodica, bells and various tone generating beauties


Gastmusiker:

Brain – drumming (tracks 1, 3-5, 7-9, 11)
John Dolmayan – drumming (tracks 2, 4 & 5)
Dan Monti – drum programming (track 6), guitar (tracks 1-4, 5, 8, 11), bass (tracks 2, 6-9, 11), synthesizer (track 6)
Diran Noubar – solo guitar (track 5)
Ani Maldjian – vocals (tracks 5 & 9)
Cameeron Stone – cello (tracks 1, 3, 4, 6, 8, 11, 12)
Antonio Pontarelli – violin (tracks 1, 3, 4, 6, 8)
Fabrice Favre – synthesizer (track 6)


Label: Reprise Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Alternative Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Empty Walls (3:50)
2. The Unthinking Majority (3:47)
3. Money (3:54)
4. Feed Us (4:32)
5. Saving Us (4:42)
6. Sky Is Over (2:57)
7. Baby (3:31)
8. Honking Antelope (3:51)
9. Lie Lie Lie (3:33)
10. Praise The Lord And Pass The Ammunition (4:24)
11. Beethoven's C*** (3:13)
12. Elect The Dead (2:55)

Gesamtspieldauer: 45:07




Das erste Soloprojekt des „System Of A Down“ Sängers und Keyboarders hat wahrlich einiges zu bieten. Alternative Metal oder Progressive Metal, egal wie man diese Art der Musik bezeichnen will, überzeugen kann sie im Falle des Serj Tankian ohne Zweifel. Sehr abwechslungsreich werden hier vom gebürtigen Beiruter Lieder dargeboten, die in sich selbst viele Überraschungen und Wandlungen beheimaten.

Es ist dieses Spiel. Dieses Spiel aus verträumten Abschnitten und treibenden Parts, aus lauten Passagen und fast schon sanften Tönen, dieses Zusammenspiel von akustischen und elektrischen Instrumenten, die das Album „Elect The Dead“ zu einem Erlebnis werden lassen. Klar steht die „härtere Mucke“ deutlich im Vordergrund, aber eben nicht durchgängig. Sogar niemals durchgängig. Die krachenderen Noten werden verbunden mit tollen Melodien, die einen immer wieder einfangen können und mit jedem weiteren Hören der Platte noch an Intensität zu gewinnen scheinen.

Serj Tankian hat auf „Elect The Dead“ die Musik nicht neu erfunden, auch kann er zweifelsfrei mit diesem Album nicht bestreiten, dass er einer der Köpfe von „System Of A Down“ ist. Allerdings unterscheidet sich die Musik auf seinem Solo-Projekt doch deutlich von der einer SOAD-Platte. Die Musik ist hier sehr viel eingängiger, es wird weniger geschrien, mehr Wert auf Harmonien gelegt. Da passt alles richtig gut zusammen, die einzelnen Stücke klingen. Klingen sogar richtig gut.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass Serj Tankian die Stücke größtenteils alleine eingespielt hat. Und dann sind da natürlich auch noch die Texte, die meist sozialkritisch sind und eine gewisse Prise Humor nie vermissen lassen. Da lohnt es sich wirklich das Booklet zur Hand zu nehmen und einfach mal mitzulesen.

Fazit: „Elect The Dead“ ist ein richtig gutes Album geworden. Klar muss man dafür mit Hard Rock - oder noch besser mit Metal – etwas anfangen können. Wem diese Musik zusagt, der kann hier ein sehr intelligentes und immer wieder mitreißendes Album für sich entdecken, bei dem es sich lohnt, nicht nur einmal hinzuhören und auch die Texte etwas genauer zu erforschen. Auch für Melodiösität ist auf dem Album gesorgt, sodass die Platte eine wahrlich lohnende Investition darstellt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Empty Walls, Feed Us, Sky Is Over, Lie Lie Lie, Elect The Dead




Sonntag, 9. Dezember 2012

Styx – Crystal Ball




Styx – Crystal Ball


Besetzung:

Dennis DeYoung – keyboards, vocals & synthesizers
Chuck Panozzo – bass guitar & vocals
John Panozzo – drums, percussion & vocals
James Young – guitars & vocals
Tommy Shaw – acoustic and electric guitars & vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Mainstream, Melodic Rock, AOR


Trackliste:

1. Put Me On (4:57)
2. Mademoiselle (4:05)
3. Jennifer (4:19)
4. Crystal Ball (4:38)
5. Shooz (4:50)
6. This Old Man (5:15)
7. Claire De Lune / Ballerina (7:11)

Gesamtspieldauer: 35:15




Nun, eigentlich hat sich auf dem sechsten Album der Band Styx gar nicht so viel verändert im Bezug zum Vorgänger. Dies vor dem Hintergrund, dass John Curulewski die Band verlassen hatte und Tommy Shaw als neuer Lead-Gitarrist engagiert worden war. Der Sound klingt ähnlich – genau wie die Musik.

So zumindest beginnt das Album „Crystal Ball“ aus dem Jahr 1976. „Put Me On“ rockt und hätte auch gut auf „Equinox“ gepasst. Doch bereits mit dem nächsten Titel „Mademoiselle“ ändert sich etwas. Und das nicht nur, da hier Tommy Shaw zum ersten Mal als Sänger zu hören ist. „Mademoiselle“ klingt bombastischer, ist deutlich aufwendiger arrangiert, mit vielen Gesangsstimmen versehen und rockt jetzt eben nicht nur einfach so durch.

„Jennifer“, der folgende Titel, geht anschließend schwer in die poppige Richtung, auch wenn sich darin ein richtig fetzendes Rock-Gitarren-Solo befindet. Und auch hier gibt es jetzt wiedererneut diese mehrstimmigen Gesangspassagen, die zu einem Markenzeichen der US-Amerikaner werden sollten. Es folgt der Titeltrack „Crystal Ball“, den Tommy Shaw alleine geschrieben hat. Das Stück geht etwas in die Richtung „Boat On The River“, was später ein großer Hit der Band werden sollte. Dann folgt mit „Shooz“ leider wieder ein Rocker und gleichzeitig auch das schlechteste Stück des Albums. Klingt ein wenig nach 08/15-Gestampfe.

Aber die absoluten Höhepunkte warten ja noch. „This Old Man“ und „Claire De Lune / Ballerina“ sind angeproggte Symphonic-Rock-Stücke. Sehr schöne Melodien gepaart mit Rhythmus-, Tempo- und Stimmungswechseln. Das macht richtig Spaß. Bei Claire De Lune handelt es sich übrigens um eine Adaption desselben Stückes aus der „Suite Bergamasque“ für Piano von Claude Debussy, welches dieser 1890 schrieb, aber erst 1905 veröffentlichte. Da hätten wir sie also wieder, die Verbindung Klassik und Rock, die immer wieder Einzug in das Werk Styx‘ hält.

Fazit: Mit „Crystal Ball“ beginnt die „bessere“, zumindest aber interessantere Phase im Schaffen von Styx. Hier kann man bereits heraushören, welche Richtung die Musik der Band einschlagen wird. Nämlich jene hin zum bombastischen Symphonic Rock. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mademoiselle, Crystal Ball, This Old Man, Claire De Lune / Ballerina




Samstag, 8. Dezember 2012

Wishbone Ash – Argus




Wishbone Ash – Argus


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass guitar, vocals
Steve Upton – drums, percussion


Gastmusiker:

John Tout – organ (Throw Down The Sword)


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Time Was (9:42)
2. Sometime World (6:52)
3. Blowin' Free (5:19)
4. The King Will Come (7:05)
5. Leaf And Stream (4:06)
6. Warrior (5:52)
7. Throw Down The Sword (5:55)


Bonus Tracks:

8. Jail Bait (4:57)
9. The Pilgrim (10:10)
10. Phoenix (17:06)

Gesamtspieldauer: 1:17:06




Mit ihrem dritten, dem 1972 entstandenen Album „Argus“, hat sich die englische Formation Wishbone Ash noch mehr dem Stil angenähert, für den sie in den Folgejahren auch weiterhin stehen sollte: Gitarrenlastiger, bluesorientierter Rock. Progressiven Rock gibt es auf „Argus“ nicht mehr zu hören, alles wirkt ein wenig geradliniger, besitzt aber durchaus seinen Reiz, der nicht nur im Spiel der zwei Leadgitarren liegt.

Auf „Argus“ entwickeln Wishbone Ash in ihrer Musik wunderschöne Melodien, die mal etwas rockiger sind wie beim überaus eingängigen „Blowin‘ Free“ oder etwas sanfter, wie bei der wirklich beeindruckenden Ballade „Leaf And Stream“. Schöner und befreiter kann Gitarrenmusik kaum klingen. Wahrlich richtig klasse gemacht. Da klingt jeder Ton, jede Note ist perfekt gesetzt und es ist „Zeit zum Träumen“ angesagt.

Ähnlich melodiös beginnt auch der Opener „Time Was“, ein Stück, welches in seinem weiteren Verlauf allerdings an Fahrt aufnimmt und schließlich rockt. Dies sogar sehr abwechslungsreich. Sehr viel bluesiger startet „Sometime World“. Aber auch hier verändert sich der Stil, es wird erneut rockiger und schließlich mündet der Song in ein ellenlanges Gitarrensolo.

„The King Will Come“ groovt und rockt einfach klasse. Allein schon der Beginn des Liedes lässt das Herz des Rockfans höher schlagen. Wie treibend hier Schlagzeug, Bass und die Gitarren zusammenspielen, das ist wirklich beeindruckend. Im weiteren Verlauf kann die Nummer erneut auch durch ihre Abwechslung punkten. Da gibt es ebenfalls wieder richtig schöne Gitarrenparts zu hören.

Die ursprünglich letzten beiden Nummern des Albums „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ weisen ebenfalls rockige und bluesige Abschnitte auf, wobei beide Stücke auch wieder sehr lange und richtig gut gemachte Gitarren-Soli aufweisen. Wer auf Gitarren-lastigen Blues-Rock steht, der wird hier wahrlich seine Freude haben.

Drei Live-Bonus-Tracks wurden mit auf die remasterte Fassung des Albums gepackt. „Jail Bait“ gab es in dieser Form auch schon als Zugabe auf „Pilgrimage“ zu hören. „The Pilgrim“ ist auch in der hier zu hörenden Version sehr hörenswert, wenn es auch nicht ganz über die Intensität des Originals auf dem Album zuvor verfügt. „Phoenix“ stammt ursprünglich von der Debut-Platte Wishbone Ashs und ist hier noch mal in einer erweiterten und verlängerten Version zu hören.

Fazit: „Argus“ ist ein richtig gutes Album. Und auch wenn man, wie in meinem Fall, mit Blues-Rock nicht immer etwas anfangen kann, so wird dieser hier auf „Argus“ jedoch in einer Art und Weise serviert, die mich durchaus begeistert. Schöne Melodien, treibende und packende Abschnitte, klasse Soli. Wie gesagt, ein richtig gutes Album. Unbedingt zwölf Punkte wert.

Anspieltipps: Time Was, Blowin‘ Free, The King Will Come, Leaf And Stream




Freitag, 7. Dezember 2012

Sigur Rós – Takk…




Sigur Rós – Takk…


Besetzung:

Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboards
Georg Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings: Amiina

Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir


Additional strings recorded in Langholtskirkja, performed by:

Kristín Lárusdóttir – cello
Júlía Mogensen – cello
Stefanía Ólafsdóttir – viola
Eyjólfur Bjarni Alfreðsson – viola
Ingrid Karlsdóttir – violin
Gréta Salóme Stefánsdóttir – violin
Matthías Stefánsson – violin
Ólöf Júlía Kjartansdóttir – violin


Brass performed by:

Eiríkur Orri Ólafsson – trumpet
Snorri Sigurðarson – trumpet
Helgi Hrafn Jónsson – trombone
Samúel Jón Samúelsson – trombone
Össur Geirsson – tuba

Percussion/timpani on "Sé lest" performed by Frank Aarnink.
Choir on "Hoppípolla" performed by Álafosskórinn.


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Post-Rock, Art-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Takk... (1:58)
2. Glósóli (6:16)
3. Hoppípolla (4:29)
4. Með Blóðnasir (2:17)
5. Sé Lest (8:41)
6. Sæglópur (7:39)
7. Mílanó (10:25)
8. Gong (5:34)
9. Andvari (6:40)
10. Svo Hljótt (7:24)
11. Heysátan (4:10)

Gesamtspieldauer: 1:05:33




Musik ist schon was Tolles. Da denkt man nichts Böses, kauft sich eine CD, da das Cover interessant aussieht, die Scheibe gerade im Angebot zu haben ist und man von isländischer Musik bisher nur etwas von Björk gehört hat. Kurz mal die erlaubten dreißig Sekunden im Internet reingehört – klingt irgendwie nach „Ambient“ – und was soll’s, den „Kaufen-Knopf“ gedrückt. Zwei Tage später legt man dann die CD in den CD-Spieler und man kann es fast nicht glauben, was man da zu hören bekommt. Musik ist was Tolles.

Da singt ein neunjähriger Junge. Nein, ein achtjähriges Mädchen. Aber in den Credits steht davon überhaupt nichts. Island ist das Land der Elfen, Zwerge und Trolle. Da wird eine Klavierlehrerin zu Rate gezogen, wenn Straßen gebaut werden, um nicht bei dem Bauvorhaben mit einem Elfen- oder Zwergen-Wohnort zu kollidieren. Das alles ist kein Witz und so kann es dann schon mal passieren, dass eine Straße verjüngt wird, damit ein „von Elfen bewohnter Felsen“ von der Baumaßnahme nicht betroffen wird. Warum soll denn dann da nicht auch ein Kind singen? Macht es aber nicht. Sänger Jón Þór Birgisson ist zum Zeitpunkt des Erscheinens der Platte bereits dreißig Jahre alt. Kaum zu glauben.

Und kaum zu glauben beziehungsweise schwer zu beschreiben ist auch die Musik, die man auf „Takk…“ geboten bekommt. Ist das sphärische Ambient Musik? Ist das mit wenigen isländischen Worten versehene Instrumentalmusik? Egal, wie man es nennt. Das, was man auf diesem vierten Album der Isländer hört, das klingt. Da werden Lagen von Streichern über Lagen von Streichern gelegt. Irgendwo klingelt immer eine Art Glöckchen, alles ist schön, lieb und nett. Die Elfen scheinen heute Hochzeit zu feiern und auch die Zwerge und Trolle sind eingeladen und wissen sich zu benehmen. Keiner mag hier diese schöne Stimmung zerstören.

Hektik gibt es auf „Takk…“ zu keiner Zeit. Und wenn mal zur Abwechslung die Brass-Sektion in die „Klanggebäudeerrichtung“ mit einsteigt, dann passt sich dieser Sound der schönen Umgebung an und verschmilzt angenehm mit ihr. Der Sound der Musik steht absolut im Vordergrund. Manchem mag dies zu langweilig sein, denn immer und immer wieder versinkt hier alles in allerschönster Schönheit. Ecken und Kanten gibt es da nicht, denn an denen könnte man sich ja stoßen. Nun aber genau das ist auch die Stärke dieses Albums. Diese Konsequenz, mit der man beim Einlegen der Scheibe auf eine Reise geschickt wird, die über 65 Minuten dauert, die nicht aufregend, aber sehr angenehm ist.

Fazit: Ich finde in meinem Musikuniversum keinen Vergleich zu diesem Album. So etwas hatte ich bisher noch nicht gehört und genau das macht die Platte für mich auch so spannend. Ich höre hier etwas ganz anderes als das Alltägliche. Und ich gebe es zu, ich würde auch gerne zu dieser Elfen-Hochzeit eingeladen werden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Hoppípolla, Með Blóðnasir, Sé Lest, Mílanó






Donnerstag, 6. Dezember 2012

Queen – Queen II




Queen – Queen II


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano / harpsichord
Brian May – guitars, piano, vocals, bells
John Deacon – bass guitar, acoustic guitar
Roger Meddows-Taylor – percussion, vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Procession (1:13)
2. Father To Son (6:14)
3. White Queen (As It Began) (4:36)
4. Some Day One Day (4:22)
5. The Loser In The End (4:06)
6. Ogre Battle (4:09)
7. The Fairy Feller's Master-Stroke (2:41)
8. Nevermore (1:19)
9. The March Of The Black Queen (6:33)
10. Funny How Love Is (2:51)
11. Seven Seas Of Rhye (2:49)

Gesamtspieldauer: 40:52




„Queen II“ taufte die englische Band Queen sinnigerweise ihr zweites Album, welches acht Monate nach ihrem Debutalbum im März 1974 veröffentlicht wurde. Und mit „Queen II“ steigerten sich die vier Briten sogar noch im Hinblick auf ihre erste Platte. Dieser so typische Queen-Stil, der vom außergewöhnlichen Gitarrensound des Brian May gekennzeichnet ist, der mit wunderschönen komplexen und harmonischen Hintergrundgesängen ausgestattet und von immer wieder neuen Ideen und Einfällen geprägt ist, diesen Stil gibt es auf „Queen II“ in Perfektion zu hören.

„Queen II“ verkaufte sich bereits deutlich besser als „Queen“ ein Jahr zuvor und enthält mit „Seven Seas Of Rhye“ sogar den ersten kleinen Hit der Band. Das Stück gab es bereits in einer kurzen Instrumentalversion auf dem Debut-Album zu hören und erreichte in der gesungenen Fassung auf „Queen II“ immerhin Platz zehn der englischen Charts. Vom Aufbau her ist das Album derart gestaltet, dass die ehemalige zweite Seite der Platte komplett aus der Feder Freddie Mercurys stammt. Die ersten vier Stücke der früheren ersten Plattenseite schrieb Brian May und den Abschluss, Lied Nummer 5, „The Loser In The End“, steuerte Roger Taylor hinzu.

Auf „Queen II“ wird auch noch gerockt. Deutlich mehr als auf späteren Alben der Band. Allerdings auch schon weniger als auf der ersten Platte. „Father To Son“, „The Loser In The End“, „Ogre Battle“ und auch noch „Seven Seas Of Rhye“ rocken überwiegend. Dabei entfalten diese Stücke jedoch auch eine Melodiösität, die eigentlich nicht so ohne Weiteres mit Hard-Rock in Verbindung gebracht werden kann. Queen schafft das jedoch hier in einer wirklich beeindruckenden Weise.

Die andere, die sanftere Seite, zeigen die vier Musiker mit den wunderschönen Balladen „White Queen (As It Began)“ und „Nevermore“. Dann gibt es da auch noch die progressiven Ansätze in der Musik von Queen, die im Stück „The March Of The Black Queen“ ausgelebt werden. Häufige Rhythmus- und Tempowechsel, genau wie das Vorhandensein gerader und ungerader Takte zeichnen dieses Lied aus. Und dieser Titel beinhaltet auch diesen für Queen so typischen mehrstimmigen Gesang und ist damit bereits ein Vorgeschmack darauf, was die Band diesbezüglich auf „A Night At The Opera“ noch vervollkommnen wird.

Schließlich gibt es auf „Queen II“ noch Songs, die einzig und allein von Queen stammen können. Ein Alleinstellungsmerkmal, Musik, welche in dieser Art und Weise von keiner anderen Band so bisher produziert wurde. Musik mit Wiedererkennungswert. Als Beispiel seien hier „The Fairy Feller's Master-Stroke“ und „Funny How Love Is“ genannt. Da wird es wie im ersteren Fall mal hektisch, mal ruhiger, mal treibender und über allem steht dieser mehrstimmige Gesang, der mitunter Höhen erreicht, welche man sich einem Mann nur schwerlich zuzuschreiben wagt.

Fazit: Es ist die Einmaligkeit, die die Musik von Queen in den 70er des letzten Jahrhunderts so besonders macht. Keine andere Band hat diesen Sound. Keine andere Band singt so überzeugend. Dieses Zusammenspiel von Freddie Mercury, Brian May und Roger Taylor, alle drei wahre Vokalakrobaten, ist einfach beeindruckend. Dazu gesellen sich noch klasse Melodien, schöne Harmonien und immer wieder überraschende Rhythmus- und Tempowechsel. Spannende Musik. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Father To Son, White Queen (As It Began), The Loser In The End, The Fairy Feller's Master-Stroke, The March Of The Black Queen




Mittwoch, 5. Dezember 2012

AC/DC – Dirty Deeds Done Dirt Cheap




AC/DC – Dirty Deeds Done Dirt Cheap


Besetzung:

Angus Young – guitar
Malcolm Young – guitar
Bon Scott – vocals
Phil Rudd – drums
Mark Evans – bass


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Hard-Rock, Blues-Rock


Trackliste:

1. Dirty Deeds Done Dirt Cheap (4:12)
2. Love At First Feel (3:11)
3. Big Balls (2:38)
4. Rocker (2:50)
5. Problem Child (5:45)
6. There's Gonna Be Some Rockin' (3:17)
7. Ain't No Fun (Waiting Round To Be A Millionaire) (7:29)
8. Ride On (5:49)
9. Squealer (5:14)

Gesamtspieldauer: 40:26




„Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ tauften die australischen Hard-Rocker ihr zweites Werk im Jahr 1976. Und diese zweite Veröffentlichung AC/DC’s unterscheidet sich deutlich von den anderen vier Veröffentlichungen der Band, die noch in Zusammenarbeit mit dem ersten Sänger Bon Scott entstanden. Auf „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist nicht so durchgängig und konsequent dieser kompromisslose Hard-Rock zu hören, der auf den anderen Alben vorherrscht und dort sogar im Zentrum des Schaffens steht. „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist deutlich blueslastiger als alle anderen Platten AC/DC’s – egal ob mit Bon Scott oder Brian Johnson am Gesang.

Natürlich gibt es auch hier diesen überaus kraftvollen Rock zu hören, allerdings nur immer wieder und nicht durchgängig. Beispiele für erstere Anmerkung wären der Opener und Titeltrack des Albums „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, sowie der letzte Song „Squealer“ – da rockt es richtig. Vieles ist auf dieser Platte jedoch nicht gerade AC/DC-typisch. Und auch wenn solch ein Lied wie „Big Balls“ witzig ist und durchaus seinen Reiz hat und zusätzlich noch eine weitere Seite der Band zeigt, so ist die Nummer jedoch auch ein Beispiel dafür, dass viele Lieder der Platte nicht schlecht, allerdings längst auch nicht mitreißend sind. Die Fülle der richtig guten Titel, wie sie zum Beispiel auf „Let There Be Rock“ oder „Powerage“ zu hören sind, die fehlt hier.

Solch ein Stück wie „Rocker“ langweilt da sogar ein wenig in seiner Schlichtheit, auch wenn der Titel seinem Namen absolut alle Ehre macht. Und auch der Blues, den die Australier hier in verschiedenen Variationen darbieten, ist sicherlich nicht der Schlechteste – ich erwarte allerdings etwas anderes, wenn ich AC/DC auf den Plattenteller lege oder in den CD-Spieler schiebe.

Dazu kommt noch, dass es diese „Übersongs“ auf „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ einfach nicht gibt. Alles ist hier nicht schlecht und die Platte ist mit Sicherheit auch die abwechslungsreichste Veröffentlichung der Band in der Bon Scott Ära, aber das Besondere, jenes wirklich Packende in der Musik, das fehlt hier irgendwie.

Fazit: „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist ein überaus solides Album geworden. Leider nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die einzelnen Stücke können zumindest mich deutlich weniger packen als jene, die da auf den folgenden Platten noch kommen sollten. Dabei handelt es sich bei „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ natürlich nicht um ein schlechtes Album. Allerdings jedoch auch nicht mehr um eine richtig gute Platte. „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dirty Deeds Done Dirt Cheap, Problem Child, Ain't No Fun (Waiting Round To Be A Millionaire), Squealer





Dienstag, 4. Dezember 2012

Styx – Equinox




Styx – Equinox


Besetzung:

John Curulewski – guitars, vocals & synthesizers
Dennis DeYoung – keyboards, vocals & synthesizers
Chuck Panozzo – bass guitar & vocals
John Panozzo – drums, percussion & vocals
James Young – guitars & vocals


Label A&M Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Mainstream, Melodic Rock, AOR


Trackliste:

1. Light Up (4:23)
2. Lorelei (3:25)
3. Mother Dear (5:30)
4. Lonely Child (3:53)
5. Midnight Ride (4:23)
6. Born For Adventure (5:17)
7. Prelude 12 (1:21)
8. Suite Madame Blue (6:36)

Gesamtspieldauer: 34:47




„Equinox“ ist das fünfte und auch letzte Album von Styx, welches sie in der ursprünglichen Besetzung eingespielt haben. Nach den Aufnahmen zu dieser 1975 erschienenen Platte verließ John Curulewski die Band noch vor der geplanten Tournee, um wieder mehr Zeit für seine Familie zu haben und mehr kreative Kontrolle über seine zukünftigen Arbeiten zu erlangen.

Nun, musikalisch hat sich auf „Equinox“ nicht viel im Vergleich zum Vorgänger-Album geändert. Immer noch steht geradliniger Rock auf dem Programm. Bezeichnend dafür steht der Song „Lorelei“, der bis zum heutigen Tag einen festen Platz im Songrepertoire der Band bei Live-Auftritten besitzt.

Etwas interessanter, da deutlich abwechslungsreicher, ist das Stück „Mother Dear“. Hier wird zwar auch gerockt, aber es gibt auch immer wieder interessante Einschübe, die das Tempo des Stücks angenehm verschleppen. Auch der mehrstimmige Gesang der Bandmitglieder funktioniert hier und wirkt durchdacht und gut arrangiert.

Erwähnenswert noch, da so völlig anders, das kurze „Prelude 12“, nur mit der Akustik-Gitarre von John Curulewski instrumentiert. Und schließlich, last but not least, die längste Nummer des Albums: „Suite Madame Blue“. Hier setzt Dennis DeYoung zwar wieder ein wenig zu häufig sein Tremolo in der Stimme ein, das macht das Lied aber auch nicht wirklich schlechter. Zunächst ein ruhiger Titel, der dann im weiteren Verlauf Fahrt aufnimmt und immer melodiös klingt. Der Höhepunkt des Albums.

Fazit: Wie immer auf den bisherigen Alben von Styx, so gibt es auch auf „Equinox“ etwas zu entdecken, was sich lohnt, was wirklich hörenswert ist. Allerdings befindet sich auf dieser Platte auch einiges an Füllmaterial in Form von Liedern, die einfach irgendwie belanglos klingen. Und diese sind auf dieser Platte leider in der Überzahl. Für Styx-Fans sicherlich ein Muss - für alle anderen ist der Einstieg in die Styx-Welt mit den Alben Ende der 70er sinnvoller. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Mother Dear, Born For Adventure, Prelude 12, Suite Madame Blue




Montag, 3. Dezember 2012

Mike Oldfield – Heaven’s Open




Mike Oldfield – Heaven’s Open


Besetzung:

Mike Oldfield – guitar, vocals, keyboards


Gastmusiker:

Simon Phillips – drums
Dave Levy – bass
Mickey Simmonds – piano & hammond
Andy Longhurst – additional keyboards
Courtney Pine – saxophones, bass clarinette
Vicky St. James, Sylvia Manson-James, Dolly James, Debi Doss, Shirlie Roden, Valerie Etienne – The “Sassy Choir”
Anita Hegerland, Nikki ‘B’ Bentley, Thom Newman – additional vocal harmonies


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Pop, Instrumental-Musik


Trackliste:

1. Make Make (4:19)
2. No Dream (6:03)
3. Mr. Shame (4:23)
4. Gimme Back (4:13)
5. Heaven's Open (4:32)
6. Music From The Balcony (19:45)

Gesamtspieldauer: 43:14




Zwei Jahre vor „Heaven’s Open“ wurde „Earth Moving“ veröffentlicht. Ein Jahr vorher „Amarok“. Nun, wer dachte, dass „Heaven’s Open“ nun sicherlich im Sound näher an „Amarok“ liegen würde, eine Entwicklung, die jetzt nicht so überraschend gewesen wäre, der wird beim Hören von „Heaven’s Open“ bitterlich enttäuscht sein. Denn dieses 1991 entstandene Album lehnt sich deutlich mehr an seinen Vor-Vorgänger, als an den direkten Vorgänger an.

Die Platte besteht aus insgesamt sechs Titeln, wobei die fünf ersten allesamt kürzere Pop-Nummern darstellen. Und diese fünf Lieder sind vielleicht minimal besser als jene Songs, die auf „Earth Moving“ zu hören sind. Aber nicht viel mehr. Das ist immer noch sehr unambitionierter Pop. Langweilig, ohne eingängige Melodie oder sonstige, positive Überraschung. Mike Oldfield singt alle Stücke selbst ein – das macht er nicht schlecht, begeistern kann er damit allerdings auch nicht. Und wenn ich Reggae hören will, dann komme ich nicht auf die Idee mir Mike Oldfield reinzupfeifen, sondern lege da lieber die Originale ein. Solch Lieder wie „Gimme Back“ passen einfach nicht und man fragt sich, warum das jetzt auch noch sein musste.

Nun und wie sieht es mit dem Longtrack „Music From The Balcony“ aus? Klar, das ist der beste, der abwechslungsreichste und auch interessanteste Titel dieses Albums. Allerdings reicht er bei weitem nicht an jene Stücke heran, die in etwa derselben Länge auf Mike Oldfields Alben der 70er Jahre ihren Platz in der Musikgeschichte fanden. „Music From The Jungle“ wäre auch ein passender Titel für dieses Stück geworden, denn laufend kreischt, knarzt und fiept es, so als ob man sich direkt im Urwald befinden würde. Mal wird es eingängiger, dann wieder ein wenig unübersichtlicher und experimenteller. Mal ist die Stimmung ruhig, dann prescht der Rhythmus los, plötzlich taucht sogar ein Saxophon auf und immer wieder spielt sich diese unverwechselbare Solo-Gitarre Mike Oldfields in den Vordergrund. Leider wirkt das in seiner Gesamtheit allerdings ein wenig zusammengestückelt und ziellos und lässt den Hörer ein bisschen verwirrt zurück. Aber immerhin, das ist jetzt zumindest mal wieder Musik in Richtung „Progressive Rock“.

Fazit: Durch das letzte Stück wird „Heaven’s Open“ deutlich besser als „Earth Moving“. Schade jedoch, dass dieser Vergleich überhaupt kommen muss. Aber die ersten fünf Titel auf „Heaven’s Open“ sind jenen auf „Earth Moving“ einfach in ihrer Machart zu ähnlich. Und “Music From The Balcony“ macht diese Platte nicht mehr zu einem guten Album. Noch nicht mal mehr zu einem richtig durchschnittlichen. Dazu begeistert auch dieses Lied deutlich zu wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: No Dream, Music From The Balcony




Sonntag, 2. Dezember 2012

Wishbone Ash – Pilgrimage




Wishbone Ash – Pilgrimage


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass, vocals
Steve Upton – drums


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Vas Dis (4:46)
2. The Pilgrim (8:34)
3. Jail Bait (4:46)
4. Alone (2:24)
5. Lullaby (3:04)
6. Valediction (6:21)
7. Where Were You Tomorrow (Live) (10:26)


Bonus Track:

8. Jail Bait (Live) (4:55)

Gesamtspieldauer: 45:14




Einen wahren Stilmix präsentieren Wishbone Ash auf ihrem zweiten Album aus dem Jahr 1971. Folk Rock, Hard Rock, Jazz Rock, Boogie-Woogie-Anleihen und auch Progressive Rock gibt es auf der Platte „Pilgrimage“ zu hören. Jazzig beginnt die Scheibe mit „Vas Dis“, einer Adaption eines Stücks des Jazz-Organisten Jack McDuff. Etwas ungewöhnlich dabei ist wohl der Gesang, der aus jeder Menge „BabaDab’s“ besteht. Ansonsten ist das eine richtig klasse treibende Nummer, bei der sich Martin Turner am Bass die Finger blutig zu zupfen scheint.

Dann wird es mit „The Pilgrim“ schon sehr progressiv. Die Nummer beginnt äußerst sphärisch, eine weit entfernte Gitarre sorgt für „Sehnsucht“, alles wird nur leicht angedeutet, allerdings Mantra artig wiederholt. Richtig schöne Musik zum Träumen. Doch das bleibt nicht so. Ab etwa 2:40 mischen sich ganz neue Töne unter diese so entspannte Stimmung. Und was jetzt kommt erinnert mitunter so stark an „Discipline“ von King Crimson, dass man glaubt ein Déjà Vu zu hören. Ich kannte zuerst die Platte von King Crimson, aber „Pilgrimage“ ist zehn Jahre zuvor entstanden. Ein wahrlich überzeugender Titel, vor allen Dingen für Prog-Fans – auch wenn hier ebenfalls dieser sinnfreie, aber lautmalerische Gesang mit zu hören ist.

„Jail Bait“ ist im Anschluss daran wieder ein Lied, für welches Wishbone Ash eher steht: Geradliniger, angebluester Rock. Deutlich interessanter werden da schon wieder die folgenden Titel. „Alone“ ist eine schöne und schwerelose Gitarreninstrumentalnummer, bei der der doppelte Lead-Gitarren-Einsatz wunderbar zur Geltung kommt. Bei „Lullaby“ werden die zwei Gitarren dann miteinander verwoben, gehen ineinander über und trennen sich wieder. Wunderschön atmosphärisch wurde der Titel des Liedes richtig gewählt.

„Valediction“ schließlich bewegt sich dann auf den Spuren Crosby, Stills und Nashs. Harmonischer mehrstimmiger Gesang, eine schöne Melodie und fertig ist sie, die sehr getragene Ballade, die eingängig und folkig klingt. Fast schon ein wenig zu süß. Das ursprünglich letzte Lied des Albums ist überraschenderweise ein Live-Titel. Das Publikum jubelt und in Boogie-Woogie-Manier wird hier gegroovt. Zehneinhalb Minuten dauert das Stück und ist wieder eine ganz andere, eine weitere Facette auf „Pilgrimage“. Eine, auf die ich zugegebenermaßen am leichtesten hätte verzichten können. Klar, da rockt es und da groovt es, aber so richtig packen kann mich das Ganze einfach nicht.

Ein Bonus-Track wurde der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. Dabei handelt es sich um eine Live-Version des anderen „Rockers“ der Platte „Jail Bait“. Und diese Version klingt fast noch dynamischer als die Studioveröffentlichung.

Fazit: „Pilgrimage“ ist ein gutes Album geworden. Sicherlich kann nicht jeder etwas mit diesem Stilmix anfangen. Aber alleine der Titel „The Pilgrim“ lohnt den Kauf des Albums, zumindest wenn man auch die Musik King Crimsons mag. Zusätzlich gibt es weitere interessante Lieder auf der Platte zu entdecken. Wirklich gut gemachte Musik, da spielt das Ende der Platte dann gar nicht mehr die große Rolle. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vas Dis, The Pilgrim, Alone, Lullaby, Valediction