Timbaland – Timbaland Presents Shock Value Besetzung: Tim Mosley – vocals, guitar, synthesizer, drums, keyboards Gastmusiker: K. Alexander Jr. – chorus Marcella "Ms. Lago" Araica – backing vocals Jim Beanz – vocals, backing vocals Stevie Blacke – strings Adam Bravin – bass D. Davis – chorus Jerome Harmon – bass, strings, keyboards A. Helaire – chorus Keri Hilson – backing vocals Andrew Hurley – drums S. Jackson – chorus Jermaine Jennings "Tank" – steel guitar Elton John – piano Hannon Lane – drums, keyboards N. Lollis – chorus E. Millsap – chorus Walter Milsap – choir conductor Kevin Rudolf – guitar Johnkenun Spivery – organ Patrick Stump – guitar Justin Warfield – guitar Dan Warner – bass, guitar E. Watson – chorus D. Williams – chorus Label: Blackground Records Erscheinungsdatum: 2007 Stil: Hip Hop, R&B Trackliste: 1. Oh Timbaland (3:30) 2. Give It To Me (featuring Nelly Furtado & Justin Timberlake) (3:54) 3. Release (featuring Justin Timberlake) (3:25) 4. The Way I Are (featuring D.O.E. & Keri Hilson) (2:59) 5. Bounce (featuring Justin Timberlake, Dr. Dre & Missy Elliott) (4:04) 6. Come And Get Me (featuring 50 Cent & Tony Yayo) (3:30) 7. Kill Yourself (featuring Attitude & Sebastian) (4:06) 8. Boardmeeting (featuring Magoo) (2:29) 9. Fantasy (featuring Money) (4:11) 10. Scream (featuring Keri Hilson & Nicole Scherzinger) (5:41) 11. Miscommunication (featuring Keri Hilson & Sebastian) (3:19) 12. Bombay (featuring Amar & Jim Beanz) (3:00) 13. Throw It On Me (featuring The Hives) (2:10) 14. Time (featuring She Wants Revenge) (3:58) 15. One And Only (featuring Fall Out Boy) (4:16) 16. Apologize (featuring One Republic) (3:04) 17. 2 Man Show (featuring Elton John) (4:25) 18. Hello (featuring Keri Hilson & Attitude) (4:35) Gesamtspieldauer: 1:06:58
Jede Menge Gastmusiker hat sich der US-amerikanische Hip-Hop- und R&B-Musiker und Produzent Timbaland, der eigentlich Timothy Zachary Mosley heißt, auf seinem zweiten und bisher erfolgreichsten Album eingeladen. „Shock Value“ heißt dieses und wurde am 3. April im Jahr 2007 zuerst in den USA auf dem Plattenlabel Blackground Records veröffentlicht.
Man hört Timbaland auf „Shock Value“ im Duett mit Elton John, Nelly Furtado, Justin Timberlake, Dr. Dre, 50 Cent, Fall Out Boy, One Republic und vielen mehr. Das wiederum bewirkt an sich bereits eine große Bandbreite in der Musik. Somit ist es nicht weiter überraschend, dass nicht nur Hip Hop oder R&B auf der Platte zu hören ist, auch eine gehörige Portion Pop wurde mit dazu gemischt. Die Lieder gehen dabei teilweise durchaus gut ins Ohr, Hip Hop und Pop der eher melodiösen und eingängigen Sorte ist auf „Shock Value“ zu hören.
Höhepunkte sind die Zusammenarbeit mit Nelly Furtado und Justin Timberlake beim Titel „Give It To Me“, der in Deutschland bis auf Platz 3 der Singlecharts kletterte, in den USA und Großbritannien sogar den ersten Platz der Charts erreichte. Ebenfalls überzeugend klingt „Come And Get Me“ unter anderem mit 50 Cent, der Titel „Boardmeeting“ sowie die Zusammenarbeit mit One Republic auf „Apologize“. Letzteres Lied erklingt ebenso poppig wie „2 Man Show“ mit Elton John.
Fazit: Eine ganz nette Mischung aus Pop und Hip Hop hat der Produzent und Rapper Timbaland auf „Shock Value“ zusammengestellt. Eine musikalische Mixtur, die man sich auch als Rock Freund gut anhören kann. Dazu ist die Musik sehr abwechslungsreich und geht immer wieder ins Ohr. Schlecht klingt anders. Sieben Punkte.
Anspieltipps: Give It To Me, Come And Get Me, Boardmeeting, Apologize, 2 Man Show
Westlife – World Of Our Own Besetzung: Nicky Byrne – vocals Kian Egan – vocals Mark Feehily – vocals Shane Filan – vocals Brian McFadden – vocals Gastmusiker: Esbjörn Öhrwall – acoustic Guitar, electric guitar Dave Arch – string arrangement Henrik Janson – string conductor Ulf Janson – string conductor Anders von Hofsten – backing vocals Wayne Hector – backing vocals Steve Pearce – bass Tomas Lindberg – bass Chris Laws – drums Fredrick "Frizzy" Karlsson – guitar Paul Gendler – guitar Per Magnusson – keyboards Stockholm Session Strings – strings Label: RCA Records Erscheinungsdatum: 2001 Stil: Pop Trackliste: 1. Queen Of My Heart (4:20) 2. Bop Bop Baby (4:23) 3. I Cry (4:11) 4. Uptown Girl (3:07) 5. Why Do I Love You (3:40) 6. I Wanna Grow Old With You (4:08) 7. When You're Looking Like That (3:54) 8. Evergreen (4:04) 9. World Of Our Own (3:32) 10. To Be Loved (3:20) 11. Drive (For All Time) (3:28) 12. If Your Heart's Not In It (4:20) 13. When You Come Around (3:42) 14. Don't Say It's Too Late (4:12) 15. Don't Let Me Go (3:30) 16. Walk Away (4:00) 17. Love Crime (3:17) 18. Imaginary Diva (3:40) 19. Angel (4:24) / Bad Girls (Hidden Track) (3:25) Gesamtspieldauer: 1:17:49
„World Of Our Own“ heißt das dritte Studio-Album der irischen Boy Band Westlife. Wie bisher immer, so wurde auch diese Scheibe kurz vor Weihnachten veröffentlicht – etwas Umsatz war also schon definitiv mal gesichert. Dieses Mal war es der 12. November 2001, als das Album auf den Plattenlabels RCA Records und BMG erschien. „World Of Our Own“ erreichte im Vereinigten Königreich Platz 1 der Charts und wurde dort insgesamt mit viermal Platin ausgezeichnet. Die Lieder „Queen Of My Heart“, „World Of Our Own“, „Bop Bop Baby“ sowie das Billy Joel Cover „Uptown Girl“ wurden als Singles ausgekoppelt.
Ansonsten alles wie gehabt bei Westlife. Die Lieder klingen poppig eingängig, oberflächlich und austauschbar, die Texte sind sehr schlecht und handeln einmal mehr vom Thema der „Liebe“. Bei sieben Titeln sind dieses Mal allerdings bereits ein oder mehrere Mitglieder von Westlife am kompositorischen Prozess beteiligt. Die Musik selbst wird dadurch allerdings auch nicht besser. Aber immerhin ist die Band damit ein kleines Risiko eingegangen, auf bewährte und erfolgreiche Strukturen zumindest etwas zu verzichten. Das Ergebnis ist allerdings identisch.
Höhepunkte auf dem Album auszumachen ist einigermaßen schwierig, da alles wirklich sehr ähnlich klingt. Lediglich die Billy Joel Nummer „Uptown Girl“ klingt etwas anders, die allerdings auch nicht dessen Höhepunkt an Kreativität darstellte. Ganz nett ins Ohr gehen noch die beiden Lieder „When You Come Around“ und „Walk Away“, anders klingen diese Titel jedoch auch nicht.
Fazit: Das Problem bei Westlife ist, dass die Musik sehr anbiedernd und kommerziell klingt und dieser Eindruck über viele Alben hinweg feilgeboten wird. Dazu gesellen sich sehr schlimme und immer langweilige Texte. Seichter Pop, leider ohne jeglichen Inhalt und Nachhaltigkeit. Zwei Punkte.
Hans Lundin – hammond organ, fender rhodes electric piano, grand piano, mellotron, hohner clavinet, mini and polymoog synthesizers, korg polyphonic ensemble 2000, vocals
1. Den Skrattande Grevinnan (The Laughing Countess) (4:49)
2. Sen Repris (Late Reprise) (3:21)
3. Flytet (The Flow) (2:46)
4. Anar Dig (Sensing You) (4:05)
5. Frog Funk (Frog Funk) (3:33)
6. Visan I Sommaren (A Summer Air) (3:35)
7. Tajgan (The Taiga) (3:22)
8. Respektera Min Värld (Show Respect To My World) (6:13)
9. En Igelkotts Död (Death Of A Hedgehog) (3:41)
10. Total Förvirring (Total Confusion) (7:24)
11. Sist Pa Plan (Last Man Standing) (7:37)
Gesamtspieldauer: 50:30
„Solo“ nannte die schwedische Progressive Rock Band Kaipa ihr drittes Studio-Album. Dieses wurden im Mai des Jahres 1978 ursprünglich auf dem Plattenlabel „Decca“ veröffentlicht. Im Jahr 2015 erschienen auf dem Plattenlabel Tempus Fugit die ersten fünf Alben von Kaipa erneut, somit auch das Album „Solo“. „Kaipa“ hatten mit Mats Löfgren einen neuen Sänger an Bord, der von den Fans zunächst mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Der Gesang und damit der gesamte Klang der Band hatte sich durchaus verändert. Doch auch am Bass gab es mit Mats Lindberg ein neues Gesicht, der im November 1977 zu Kaipa gestoßen war, Tomas Eriksson ersetzte und ein Schulfreund von Roine Stolt war. Die Platte verkaufte sich in Schweden durchaus erfolgreich und Kaipa waren eine bekannte Größe der schwedischen Musikszene geworden. Nicht zuletzt durch ausgiebiges Touren, auch durch Dänemark und Norwegen, wurde die Platte beworben, was letztendlich allerdings ebenfalls in Ermüdungserscheinungen der Musiker mündete. Schließlich beschlossen Roine Stolt und Mats Lindberg Kaipa zu verlassen und das letzte Konzert der Band in dieser Formation fand am 13. Mai 1979 in Katrinenholm statt.
Demokratisch wurde in der Band darüber abgestimmt, welche Lieder auf „Solo“ Platz finden sollten. So ergab es sich, dass die Lieder von Roine Stolt mehr Anklang fanden und der Einfluss von Hans Lundin auf „Solo“ deutlich geringer ist, als auf anderen Alben von Kaipa. Dieser wollte sich mehr auf seine Tasteninstrumente und weniger auf seinen Gesang konzentrieren. Neben einem veränderten Gesang klangen die Lieder nun deutlich kompakter und weniger verspielt, was ebenfalls nicht alle Fans der Band zu schätzen wussten. Leider kann man das auch heutzutage noch nachvollziehen, wenn man „Solo“ mit den ersten beiden Alben der Band vergleicht. Diese übergroße Spielfreude, die vor allen Dingen noch auf der zweiten Platte „Inget Nytt Under Solen“ zu hören war, die fehlt hier etwas. Zudem waren Kaipa etwas angepasster geworden, was allerdings Ende der 70er Jahre nicht nur das Problem der Schweden, sondern aller Bands des Progressive Rocks war.
Trotzdem, macht „Solo“ Spaß, denn die schönen Momente auf der Platte gibt es definitiv. „Sen Repris“, „Visan I Sommaren“, „Tajgan“ und „Total Förvirring“ heißen die Höhepunkte. Man hört hier keinen furchtbar komplizierten oder aber frickeligen Progressive Rock, sehr viel eher ist es die melodische bis symphonische Ausprägung dieser Musik, die überzeugt. Und im Falle von „Tajgan“ kann es schon mal passieren, dass ein Lied wie ein Stück von Camel startet und in einer Nummer von Pink Floyd zu enden scheint. Doch kopiert klingt dabei rein gar nichts. Die einzelnen Stücke sind zwar nicht mehr so verschachtelt und positiv ausufernd, Freundinnen und Freunde des symphonischen und melodiösen Progressive Rocks werden diese Platte trotzdem noch zu schätzen wissen. Allerdings muss man sich einmal mehr mit der schwedischen Sprache arrangieren. Diese klingt für unsere Ohren auch in Verbindung zu dieser Musik erst einmal ungewohnt und ganz wird dieser Umstand auch nach vielen Durchläufen noch nicht relativiert – vom inhaltlichen Verständnis ganz zu schweigen.
Fazit: Ein klein wenig angepasster klingt „Solo“ von Kaipa – vergleicht man diese Scheibe mit den beiden Vorgängern. Trotzdem gibt es auch auf „Solo“ jede Menge schöne Stellen und Passagen zu hören, die Spaß machen und durchaus begeistern. Alles hört sich sehr melodiös und eingängig an, wenig allerdings besonders kompliziert, experimentell oder gar innovativ. Somit ist „Solo“ eine für die damalige Zeit sogar noch sehr überzeugende Progressive Rock Platte geworden. Macht schon Spaß. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Sen Repris, Visan I Sommaren, Taijgan, Total Förvirring
Riverside – Love, Fear And The Time Machine Besetzung: Mariusz Duda – vocals, bass and acoustic guitar, ukulele Piotr Grudziński – guitar Michał Łapaj – keyboards, hammond organ Piotr Kozieradzki – drums Label: InsideOut Music Erscheinungsdatum: 2015 Stil: Art Rock Trackliste: 1. Lost (Why Should I Be Frightened By A Hat?) (5:52) 2. Under The Pillow (6:47) 3. #Addicted (4:53) 4. Caterpillar And The Barbed Wire (6:56) 5. Saturate Me (7:09) 6. Afloat (3:12) 7. Discard Your Fear (6:42) 8. Towards The Blue Horizon (8:09) 9. Time Travellers (6:42) 10. Found (The Unexpected Flaw Of Searching) (4:03) Gesamtspieldauer: 1:00:30
„Love, Fear And The Time Machine“ nannten Riverside ihr sechstes Studio-Album. Die Scheibe erschien am 4. September 2015 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. „Love, Fear And The Time Machine“ ist zum einen das letzte Album, an dem Gitarrist Piotr Grudziński beteiligt war, da er am 21. Februar 2016 leider überraschend an Herzversagen verstarb. Zum anderen zeigen Riverside hier einmal mehr, dass sie Meister der Verwandlung sind. Dieses Mal hört man weniger Progressive Rock und auch keinen reinen Metal mehr, auf „Love, Fear And The Time Machine“ sind die vier Polen im Bereich des zumeist melodischen Art Rock unterwegs.
Sanfter sind sie geworden, die Lieder von Riverside. Die akustische Gitarre steht im Vordergrund, um die herum sich alle weiteren Instrumente anordnen. Die Melodien überzeugen dabei bereits beim ersten Mal des Hörens und gehen schnurstracks ins Ohr. Und das Schöne dabei ist, sie verbleiben dort auch. Keine musikalischen Eintagsfliegen sind hier zu hören, sondern Lieder mit Potenzial zum Lieblingslied – zumindest teilweise. Die Stimmung der Platte ist dabei eine eher dunkle und melancholische, die überwiegend sanfte Stimmung wird perfekt durch den weichen Gesang des Mariusz Duda ergänzt, der übrigens einmal mehr alle Lieder textete und komponierte. Wird schließlich an mancher Stelle doch mal kurz das Tempo und die Lautstärke angezogen, dann höchstens als Einstieg oder als kurzes Intermezzo, bevor sich die Musik wieder in ruhigeren Harmonien ergießt.
Höhepunkte gibt es einige auf „Love, Fear And The Time Machine“ – Ausrutscher in die entgegengesetzte Richtung glücklicherweise gar keine. Das Album kann man wunderbar durchhören, ohne bei einem Titel die Stirn in Falten zu legen oder gar den Raum verlassen zu müssen. Die Highlights befinden sich für mich in der Mitte der Platte. Da ist zum einen das wunderbar abwechslungsreiche und dynamische „Caterpillar And The Barbed Wire“, zum anderen das mit den Atmosphären spielende „Saturate Me“. Abwechslung pur. Daran fügt sich schließlich noch die sanfte akustische Nummer „Afloat“ an, die das Herz erwärmt. In dieselbe Kategorie fallen dabei auch der vorletzte und der letzte Titel „Time Travellers“ sowie „Found (The Unexpected Flaw Of Searching)“. Gerade bei solchen Liedern kommt die Wandlungsfähigkeit von Riverside besonders zum Tragen.
Fazit: Zumeist sanft klingen Riverside auf „Love, Fear And The Time Machine“. Diese Musik geht ins Ohr, hört sich eher melancholisch denn aggressiv an und nimmt nur selten mal Fahrt auf. Viel Harmonie und viel Melodiösität umschwirren auf dieser Platte das Ohr, die auch in den wenigen, etwas härteren Passagen auch immer gegenwärtig sind. Somit klingt dieses Album wieder ganz anders, als das deutlich härter gehaltene „Anno Domini High Definition“. Schöne und sanfte Musik, die nachhallt. Elf Punkte.
Anspieltipps: Caterpillar And The Barbed Wire, Saturate Me, Afloat, Time Travellers, Found
Al Stewart – Love Chronicles Besetzung: Al Stewart – vocals, guitar Gastmusiker: Jimmy Page – guitar on “Love Chronicles“ Simon Breckenridge (pseudonym for Simon Nicol) – guitar Mervyn Prestwyck (pseudonym for Richard Thompson) – guitar Brian Brocklehurst – bass Harvey Burns – drums Martyn Francis (pseudonym of Martin Lamble) – drums Brian Odgers – bass John Paul Jones – bass on “Love Chronicles“ Ashley Hutchings – bass Label: Warner Music Erscheinungsdatum: 1969 Stil: Folk Trackliste: 1. In Brooklyn (3:43) 2. Old Compton Street Blues (4:26) 3. The Ballad Of Mary Foster (8:02) 4. Life And Life Only (5:49) 5. You Should Have Listened To Al (3:02) 6. Love Chronicles (18:04) Gesamtspieldauer: 43:09
„Love Chronicles“ heißt das zweite Album des Engländers Al Stewart und es ist gleich in mehrerer Hinsicht eine bemerkenswerte Platte geworden. Das Album erschien im September des Jahres 1969 auf dem Plattenlabel CBS Records und war das erste und einzige der ersten vier Alben des englischen Musikers, welches auch in den USA veröffentlicht wurde. Dazu hatte sich auch die Instrumentierung deutlich gegenüber dem zwei Jahre zuvor erschienenen Debut-Album „Bedsitter Images“ verändert. Es gab kein Orchester mehr, welches den Sound stark beeinflusste. Zu hören sind jetzt Al Stewart mit seinem Gesang und seiner akustischen Gitarre. Dazu erklingen Bass, zumeist ein sanftes Schlagzeug, der Sound einer E-Gitarre, die Soli spielt und damit Lücken füllt sowie ab und an eine Orgel.
Beim Einspielen der Platte erhielt Al Stewart tatkräftige Unterstützung bekannter Musiker. So spielt Jimmy Page die E-Gitarre beim Titellied „Love Chronicles“. Des Weiteren sind vier Mitglieder der Fairport Convention auf dem Album zu hören: Bassist Ashley Hutchings, Gitarrist Simon Nicol (aufgeführt als „Simon Breckenridge“), Schlagzeuger Martin Lamble (angegeben als „Martyn Francis“) und Gitarrist Richard Thompson (aufgeführt als „Marvyn Prestwick“). Ansonsten hat sich wenig geändert an der Musik des Al Stewart. Es gibt britischen Folk zu hören, der sehr melodiös und sanft klingt. Dabei sind die Lieder an jeder Stelle eingängig, alles klingt harmonisch und geht ins Ohr. Wer allerdings „Abrocken“ möchte, ist definitiv schlecht mit „Love Chronicles“ bedient. Die Musik fließt dahin, ohne jegliche Aufregung zu erzeugen. So manche Hörerin oder Hörer könnte dies auch mit „langweilig“ umschreiben.
Nun, schließlich kommt der letzte Titel des Albums. Es ist das Titellied „Love Chronicles“, gleichzeitig mit über achtzehn Minuten Spieldauer auch die längste Nummer der Platte. Das Lied ist aus zweierlei Gründen erwähnenswert. Zum einen ist da der Text. „Love Chronicles“ ist angeblich das erste Lied, in dem ein Sänger oder eine Sängerin das Wort „fucking“ in den Mund nimmt. Dies alleine sorgte schon mal für einen Eklat Ende der 60er Jahre. Zum anderen ist dieser Titel ziemlich einfach strukturiert und wiederholt fast nur ein einziges kurzes Thema über eine Laufzeit von über achtzehn Minuten. Dies in Kombination mit der wenig variierten Stimme des Al Stewart erfordert viel Durchhaltevermögen und Toleranz von der Hörerin beziehungsweise vom Hörer. Beim Hören hat man zwischenzeitlich wahrlich das Gefühl sich selbst Ohrfeigen zu müssen, nur um festzustellen, ob man noch wach ist oder gar noch lebt. Al Stewart erzählt in diesem Lied von seinen gemachten Erfahrungen zum Thema „Liebe“ – und dies in epischer Breite. Da braucht man wahrlich Sitzfleisch, um dies durchzustehen. Unglaublich auch, wie er diesen Text auswendig lernen konnte, den ich hier mit angeführt habe. Allerdings entzieht es sich meiner Kenntnis, ob der englische Musiker dieses Lied jemals live auf der Bühne spielte und ob er dabei nicht den Text vom Blatt ablas.
I can remember the first girl that I did love
It was Stephanie
In kindergarten arithmetic classes she used to
Sit next to me
I'd pass her sticky sweets under the table
Where the teacher couldn't see
Although she wouldn't remember me now
Sometimes I wonder where she can be
I can remember the first girl I kissed
It was Christine when I was ten
I'd been told we were moving away
I thought I'd never see her again
Oh don't forget me
I'll be back when they let me
Before you learn how to lie when you're leaving
Love is so much easier then
And at school would you believe three hundred boys
And no girls at all
But you're a fool if you should leave
Just think of the joys of rugby football
And prep in the morning and Brylcreem and acne
And cross-country running to kill evil thoughts
I'm surprised that I survived
I ran ten thousand miles with my back to the wall
I can remember the first girl that I made love to
It was in a park
In the lower pleasure gardens in Bournemouth
In summer just after dark
My mind was reeling: Oh what a feeling.
I missed the bus and walked twelve miles home
And it really didn't seem far
And all through my seventeenth summer
Running together from crowds and ties
Taking our clothes off and feeling each other
With fingers and senses and mouths and eyes
Incurring the glances of old disapproval
From elderly local inhabitant's eyes
Oh time, time we hardly even knew you
You didn't touch us with your lies
In the halcyon days of my late adolescence
My goal seemed clearly in sight
Playing electric guitar with a beat group
We set the ballrooms alight
Camping it up for the dyed blonde receptionists
Who told us we were al-ri-yi-yight
On an ego trip for a teenage superstar
On thirty shillings a nigh-yight
And so it fell that I came up to London
To look for fortune and fame
Starry eyed in my seaside successes
And much too sure of the game
First girl I met there I thought I'd get there
But the first girl was nearly the last girl
She left my eyes in the drain
She sat on my floor in the dead of the night
Rolling a joint and looking round for a light
Her clothes were so black and her face was so white
How could I know what was right?
And I sat all huddled upon my bed
Watching her in my innocence
And it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Oh Artaud's anthology lay spread on the floor
And the thoughts that she gave me,
I'd not met before
And stranded half hypnotised,
I watched her in awe
Of everything that she stood for
And I wanted more than anything to be like her with every sense
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
She came over to me and kissed me in play
Taking my hand between her legs as she lay
And she looked in my eyes but I turned them away
Finding no words fit to say
And I hated myself, but could not move
Shattered in my confidence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Now the stare of the lightbulb tore holes in my brain
As she got up in the silence that hung like a stain
And I wanted to speak, or to call out her name
But how could I begin to explain?
And my prosecuting room still holds
A strand of her hair in evidence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Oh I still think about her when the night fills with rain
And speaks in its voices uneasy and vain
And I think were I maybe to find her again
Oh I'd probably see her more plain
And I should have known she was just like me
It was after all only common-sense
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
At first I didn't go out much at all
I just stayed at home in my chains
Picking over the threads of my confidence
And searching for the remains
And when I couldn't stand any more of it
Going down to a club
Mixing in with the sounds and the crowds
I let the music cover me up
And only, lonely, the harlequins and painted phonies
Pick their ways, through the haze
Of highs and lows and blues
And all that I could do was to pick my way to you
Though I didn't tell you
You were just a thing to prove
I was hungry when found you, but I'm alright now
They sigh, they lie, the refugees and superheroes
On ice, so nice to see you, what's your name?
And all that I could do was to say the same to you
Take you for the moment, though the moment wasn't true
But I was hungry when I found you and I'm alright now
Though the street lamp cut through the curfew
It shed no light on our mind
It would have been so easy to love you
At any other time
Only, lonely, you came to me the night hung coldly
In your eyes, some other time I might have stayed with you
But all that I could do was to turn around to you
Thanks for what you gave me now it's time to say "Adieu"
I was hungry when I found you but I'm alright now.
Ba ba ba alright now
And so it came that I stood disillusioned
By everything I'd been told
I just didn't believe love existed
They were all just digging for gold
Widows and bankers and typists and businessmen
Loved each other they said
But all it was though was just a manoeuvre
The quickest way into bed
And so I followed the others' example
And jumped into the melee
In the hunting grounds of Earls Court and Swiss Cottage
I did my best to get laid
Beer cans and parties, deb girls and arties
Bouncing around in the social confusion
Missing and making the grade
The very first time I must confess
I thought you'd be like all of the rest
And we'd be strangers once again
By the time we were dressed
But when you'd smoked your cigarette
And talked of some people that we'd met
I found myself asking was it set,
did you have to go yet
And so you laughed and then kissed me
And stayed for the whole weekend
Although the bed was so narrow
We had to sleep end to end
And so the weeks passed through my brain
In their dadaistic chain
I found myself seeing you again, and again and again
And all you gave you gave it free
Asking for nothing back from me
You gave yourself unselfishly as a part of me
And where I thought that just plucking
The fruits of the bed was enough
It grew to be less like fucking
And more like making love
Of all the girls I ever knew
some loved and some denied me
And all the words I ever said
have been no use to hide me
And all the songs I ever sung
each one of them untied me
And all the girls I ever loved
have left themselves inside me
Fazit: Auch wenn man Folk mag, diese Platte des Al Stewart stellt einen auf eine Geduldsprobe. Die Musik ist melodiös und sanft, geht durchaus ins Ohr. Jedoch wird dabei ein Thema immer wieder ausgewalzt, bis es einem zu den Ohren herauskommt. Dies ist nicht nur beim achtzehn minütigen Titellied der Fall. Ein wenig mehr Abwechslung hätte der Platte definitiv gut getan. Zudem hätte ich niemals geglaubt, dass ich einmal behaupten würde, ein gekürztes Lied wäre an dieser Stelle besser gewesen. Doch es ist so, „Love Chronicles“ ist definitiv zu lang geraten. Acht Punkte.
Various Artists – Battleground Korea Songs And Sounds Of America’s Forgotten War Label: Bear Family Records Erscheinungsdatum: 2018 Stil: Divers Trackliste: CD1: 1. War starts in Korea' (June 25, 1950) (narration) - U.N. Spokesperson 2. War News Blues - Hopkins, Lightnin 3. God Please Protect America - Sunshine Boys Quartet 4. Pray, Pray, Pray (For The U.S.A.) - Fowler, Wally and His Oakridge Quar 5. President Truman speaks on war in Korea (April 1951) (narration) - President Truman 6. When They Raised The U.N. Flag In South Korea - Harral, Hank and His Palomino Cowha 7. Got To Go Back Again - The Four Barons 8. Back To Korea Blues - Slim, Sunnyland and His Trio 9. Korea, Here We Come - Choates, Harry and His Fiddle 10. Goodbye Maria (I'm Off To Korea) - Mondi, Vince 11. My New Career Is In Korea - Mims, Paul 12. Draftboard Blues - Vance Brothers 13. Draft Board Blues - Anderson, Ray and Tennessee Mountai 14. Uncle Sam Has Called My Number - Shibley, Arkie and His Mountain Dew 15. I'm A Soldier Boy Again - Smilin' Eddie Varnado and The Delta 16. Here We Go Again - Stone, Harvey 17. Korea Blues - Domino, Fats 18. Korea Blues - Blivens, Clifford with the Johnny O 19. Korea Blues - Brown, Willie 20. Sorry Girl Blues - Bailey, Max 21. Questionnaire Blues - King, B. B. 22. Questionnaire Blues - Hooker, John Lee 23. Uncle Sam Blues - Thompson, Sonny 24. Mailman Blues - Price, Lloyd and His Orchestra 25. Mr. So And So - Big Boy Crudup 26. Greetings - Newman, Bob 27. I'm Back In The Army - Allen, Tani and His Tennessee Pals 28. (In Again, Out Again) Packing Up My Barracks Bags Blues - Pryor, Cactus and His Pricklypears 29. The K.P. Blues - Montana Slim (Wilf Carter, The Sing 30. Message From Vic Damone (incl. excerpt from 'Sound Off' by Willie Lee - Damone, Vic / Monroe, Vaughn 31. The Girls Are Marching - The Rockets and Winterhalter, Hugo CD2: 1. Heading for Korea - Newsreel Announcer 2. Korea (Fightin' In The Foreign Land) - The Gospel Pilgrims 3. Foxhole In Korea - Cason, Bill 4. Inchon - Rogers, Steve 5. Thank God For Victory In Korea - Osborne, Jimmie 6. The Ballad Of Chosin - Carpino, John 7. We're Moving On - Brand, Oscar & Short Arms 8. I'm In Korea - Lenoir, J. B. 9. Robert Pierpoint under fire in Korea' (May 17, 1951) (narration) - Narrated by Sevareid, Eric / Pierp 10. Heartbreak Ridge - Delmore Brothers 11. A Heartsick Soldier On Heartbreak Ridge - Tubb, Ernest 12. Where The Need Is - The Four Lads with Narration by Mur 13. Korean Mud - Britt, Elton 14. Request for blood donations - Howdy Doody 15. No News From Home - Tommy (Weepin' and Cryin') Brown 16. Lost In Korea - Johnson, Sherman "Blues" & His Clo 17. From A Foxhole - Powers, Jack 18. A Soldier's Prayer - Cook, William Accompanied by The Ma 19. Please Say A Prayer (For The Boys Over There) - Porter, Rocky 20. Sad News From Korea - Hopkins, Lightnin 21. A Brother In Korea - Osborne, Sonny 22. From Mother's Arms To Korea - Louvin Brothers, The 23. Wrap My Body In Old Glory - Sauceman, Carl and The Green Valley 24. Red White And Blue - Rhodes, Slim 25. Rotation Blues - Britt, Elton and The Skytoppers 26. Pusan - Mize, Billy with Woods, Bill and Hi 27. A Prisoner Of War - Eanes, Jim 28. When I Get Back - Kellum, Kay and His Dixie Ramblers 29. Somewhere In Korea - The Kalvin Brothers CD3: 1. A GI Writes to His Kids - a Posthumous Letter (September 1950) - Newsreel Announcer 2. Dear Little Girls - Foley, Red 3. Daddy's Last Letter - Ritter, Tex 4. Two Letters - Hill, Tiny 5. When They Drop The Atomic Bomb - Doll, Jackie and His Pickled Pepper 6. The Truman-MacArthur dispute that led the President to fire the Genera - Jackson, Alan - CBS News / Presiden 7. Oh! Mr. President - Hendon, R. D. With The Western Jambo 8. General Of The Army Douglas MacArthur Reports To Congress' (April 19, - General MacArthur 9. Old Soldiers Never Die - Autry, Gene 10. (Old Generals Never Die) They Just Fade Away - Short, Jimmie and the Silver Saddle 11. Fade Away Baby - Snead, Ray 12. Rep. James E. Van Zandt supports the use of the Atomic Bomb in Korea' - Zandt, James E. Van 13. Please Daddy, Don't Go To War - McDonald, Skeets 14. Why Does The Army Need My Daddy - Simerly, George and His Tennesseans 15. God Bless My Daddy - Gant, Cecil 16. Don't Steal Daddy's Medal - Oklahoma Sweethearts 17. God Is On Our Side - Heap, Jimmie and The Melody Masters 18. I'll Be Glad When It's Over (Over There) - The Dixie Ramblers 19. I'm Prayin' For The Day (When Peace Will Come) - Hankins, Roscoe 20. Heavenly Father - McGriff, Edna 21. At Mail Call Today - Autry, Gene 22. A Dear John Letter - Shepard, Jean with Recitation by Hu 23. John's Reply - Lane, Pete and Stabile, Bernice 24. Dear Joan - Cardwell, Jack 25. Forgive Me John - Shepard, Jean with Recitation by Hu 26. Male Call - Slay, Emitt Trio 27. A Letter From Home - Penny, Hank 28. I Like Ike - The Promenade Band with Male Chorus 29. I shall go to Korea...' (October 24, 1952) (narration) - General Eisenhower 30. Drive Soldier Drive - Little Maxie 31. Five Star President - Kirk, Eddie CD4: 1. 'announces an armistice in Korea...' (July 27, 1953) (narration) - President Eisenhower 2. There's Peace In Korea - Tharpe, Sister Rosetta 3. Ike - Revelers, The 4. The Korean Story - Osborne, Jimmie 5. The War Is Over - Crudup, Arthur Big Boy 6. The War Is Over - Hopkins, Lightnin 7. Leavin' Korea - Soldier Boy Houston 8. Hello Maria - Dale, Jimmie 9. Welcome Home Baby - Perry, King Orchestra with Vocal by 10. Back From Korea - Brown, Rose and Harris, Jimmie with 11. No More Black Nights - Bartholomew, Dave 12. Back Home - Witherspoon, Jimmy 13. His New War Bride - Collie, Margie 14. Harry Holt brings Korean war orphans to Portland, Oregon' (circa 1956) - Newsreel Announcer 15. The Legend Of Harry Holt - Li, Kwan 16. The Iron Curtain Has Parted - Windle, Don with Band 17. Missing In Action - Tubb, Ernest 18. Returned From Missing In Action - Eanes, Smilin' Jim and His Shenando 19. I'm Still A Prisoner - Strange, Billy 20. Re-Enlistment Blues - Travis, Merle 21. The Red Deck Of Cards - Red River Dave 22. I Changed My Mind (And I'll Go Home Again) - Hill, Eddie 23. Purple Heart - Jim & Jesse and The Virginia Boys 24. White Cross In Korea - Barry, Don Red 25. Korea's Mountain Northland - Rainwater, Marvin 26. A White Cross Marks The Grave - Sauceman, Carl with the Green Valle 27. The Unknown Soldier - Britt, Elton 28. Searching For You, Buddy - Red River Dave 29. Forgotten Men - Reno, Don / Smiley, Red And The Ten 30. China Nights (Shina No Yuro) - Curless, Dick
„Thank you dear god for victory in Korea“ singt Jimmie Osborne. Ein Lied aus dem Jahr 1950, das heute wohl kaum noch jemand kennt. Es ist eines von über 100 Country-, Blues-, Pop- und Gospel-Titel, die Bear Family Records für die Box „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ zusammen getragen hat. Darunter sind viele obskure Songs, patriotische Lieder, Aufrufe, sich zum Kampf im fernen Korea zu melden. Musiker wie The Louvin Brothers, Fats Domino, Jean Shephard, B.B. King, Gene Autry und Dutzende anderer Künstler werden präsentiert. Umrahmt wird dieser Koreakrieg-Soundtrack von historischen Audioaufnahmen, wie Reden, Radioreportagen, Interviews und „Public Service Announcements“.
Bear Family Records ist mit dieser Box erneut ein Glanzlicht auf dem Plattenmarkt geglückt. Die vier CDs kommen mit einem umfangreichen Buch, in dem nicht nur der dreijährige Kriegsverlauf erklärt wird, sondern auch auf die Musiker, die Songs, das damalige Leben in den USA, der Heimatfront, eingegangen wird. Wie immer hat man sich im Hause Bear Family viel Zeit für diese Veröffentlichung genommen, Berichte, Fakten und viele, viele Bilder zusammen zu getragen.
Auf „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ wird Geschichte erneut hörbar gemacht. Vor ein paar Jahren veröffentlichte das Label seine große und vielumjubelte Vietnam Krieg Box „Next Stop is Vietnam“. Nun folgt der Fokus auf die militärische Auseinandersetzung, die in den USA ins Vergessen geraten ist, die von vielen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges offen abgelehnt wurde. Hier in den USA sieht man nur noch wenige Kriegsveteranen mit einer Mütze, einer Jacke oder einem Aufkleber auf dem Auto „Korean War Veteran“. Die Zeitzeugen sterben aus. Und doch, wie die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, der Koreakrieg ist auch nach 65 Jahren Waffenstillstand aktueller denn je. Die Bear Family Box kommt also zur rechten Zeit.
Die Frage ist lediglich, wer damit erreicht werden kann, erreicht werden soll? In einem Zeitalter, in dem minderwertige mp3 Files, soziale Medien, Schlagzeilen und Kurznachrichten den Alltag bestimmen, kann man sich nur wundern, wer sich die Zeit nehmen wird, in diese historische Klangreise einzutauchen, das umfassende Buch zu lesen, die Lieder auf sich wirken zu lassen. Das geht nicht im Schnelldurchlauf, nicht über ein Smartphone, nicht im Vorbeigehen, nicht in einem Tweet. Geschichtsverständnis braucht Zeit, das belegt diese Sammlung.
Es ist der Verdienst dieses kleinen Indie-Labels aus Holste-Oldendorf, immer wieder mit solch umfangreichen, beeindruckenden, wichtigen und historischen Boxen zu überzeugen. Einige davon verkaufen sich sicherlich nicht gut, wie mir Bear Familien Oberhaupt Richard Weize nach der Veröffentlichung von „Beyond Recall“ erklärte, und dennoch lässt sich das Label nicht von seinem Kurs abbringen. Warum auch, Bear Family Records ist eines der wichtigsten Labels im Veröffentlichen von historischen Boxsets und musikalischem Dokumentieren, gerade im Country und Folk Bereich.
Ich sitze hier an einem sonnigen Samstagmorgen in Oakland in meinem Sessel und höre zu. Reportagen und Lieder, blättere dabei in dem Buch, sehe die vielen Fotos. Es ist bewegend, macht nachdenklich, die Koreakrieg Box ist lebendige Geschichte, ein Hörgenuss sondergleichen und mehr als empfehlenswert. Es ist ein wichtiges Zeitdokument in unserer schnelllebigen und viel zu leicht vergessenden Welt.
Motorpsycho – It’s A Love Cult Besetzung: Håkon Gebhardt – drums, vocals, banjo, percussion, zither, guitars, glockenspiel & lap-steel Hans Magnus Ryan – guitars, vocals, fender rhodes, arp, sidstation, electric harmonium, viscount organ, percussion & lap-steel Bent Sæther – bass, vocals, guitar, piano, harmonium, mellotron, percussion & viscount organ Gastmusiker: Baard Slagsvold – vocals, piano, mellotron, clavinette & hammond organ Helge Sten – audio virus, percussion, echoplex, filters & theremin Øyvind Fossheim – strings Vegard Johnsen – strings André Orvik – strings Hans Morten Stensland – strings Jon W. Sønstebø – strings Anne Britt Søvig Årdal – strings Ketil Vestrum Einarsen – horns Lars Horntveth – horns Anne-Grethe Orvik – horns Øyvind Brække – horns Mathias Eick – horns Label: Stickman Records Erscheinungsdatum: 2002 Stil: Alternative Rock, Psychedelic Rock Trackliste: 1. Überwagner Or A Billion Bubbles In My Mind (5:36) 2. Circles (3:59) 3. Neverland (4:01) 4. This Otherness (6:30) 5. Carousel (7:16) 6. What If... (4:15) 7. The Mirror And The Lie (6:43) 8. Serpentine (5:16) 9. Custer's Last Stand (One More Daemon) (4:06) 10. Composite Head (2:25) Gesamtspieldauer: 50:12
„It’s A Love Cult“ ist das bereits zehnte Studio-Album der norwegischen Psychdelic Rock Band Motorpsycho. Das Album erschien am 30. September des Jahres 2002 erneut auf dem Plattenlabel Stickman Records – wie alle Motorpsycho-Veröffentlichungen. Es hatte sich allerdings etwas getan in der Musik der Norweger. Waren die beiden Vorgängeralben „Let Them Eat Cake“ (2000) und „Phanerothyme“ (2001) noch deutlich poppiger ausgefallen, was vor allen den Fans der frühen Phase der Band mächtig unangenehm aufstieß, so klangen Motorpsycho mit „It’s A Love Cult“ nun wieder deutlich rockiger, wenn auch noch der ein oder andere poppigere Ausflug zu verzeichnen war. Psychdelic Rock oder gar Progressive Rock hört man auf „It’s A Love Cult“ jedoch auch nicht.
Gleich mit dem Opener „Überwagner Or A Billion Bubbles In My Mind“ wird eine erneute Stilwende in Bezug zu den Vorgänger-Platten eingeleitet. Bei dem Titel könnte man durchaus auch eine Psychdelic- oder Progressive Rock-Nummer erwarten, doch „Überwagner Or A Billion Bubbles In My Mind“ rockt ziemlich geradlinig und schnörkellos. „Circles“ klingt im Anschluss daran wieder eher wie ein ArtPop Lied. Zunächst nicht ganz so eingängig, etwas schräg, bis sich mit „Neverland“ wieder eine rockige Nummer anschließt, bei der das Keyboard sehr an jenes von den Doors erinnert. Ray Manzarek lässt laut grüßen. Mit „This Otherness“ folgt darauf eine leicht buesige und relaxte Nummer. Erneut wieder mal völlig andere Töne von Motorpsycho. Doch es setzt Gesang ein, der mehrstimmig variiert wird und schließlich folgt ein Solo, welches nur wieder jazzig klingt. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Viel Abwechslung in einem Lied.
Doch der erste richtige Höhepunkt der Platte folgt mit dem nächsten und längsten Titel „Carousel“. Ein zunächst sehr sanftes Lied, mit der akustischen Gitarre eingeleitet, welches immer wieder variiert wird, sich verändert, sich neu erfindet, mit Streichern und Bläsern nicht geizt und dabei immer überaus melodiös klingt und ins Ohr geht. Ist die Atmosphäre des Titels zunächst sehr sanft und zurückhaltend, so schwillt die Musik gegen Ende hin immer weiter an, wird noch intensiver und klingt zum Ende hin ruhig aus. Weitere Höhepunkte auf „It’s A Love Cult“ sind die Lieder „The Mirror And The Lie“ sowie „Serpentine“. Erstgenanntes Stück ist eine sehr sanfte Nummer, fast schon schwebend, die ab Minute Vier in einen wunderschönen, fast schon orchestralen Abschnitt übergeht. „Serpentine“ wiederum ist ein fröhliches Pop-Lied mit Ohrwurm-Ansätzen. Locker beschwingt stellt dieses Lied einen schönen Kontrapunkt zu den eher dunkleren Liedern des Albums dar. Dunkel ist übrigens keinesfalls auch die letzte Nummer des Albums, „Composite Head“. Dieser Titel klingt, als ob die Beatles vergessen hätten ihn aufzunehmen. Eine ganz eindeutige Reminiszenz an musikalisch längst vergangene Zeiten.
Fazit: „It’s A Love Cult“ ist eine Platte geworden, die sowohl poppige wie rockige Passagen und Lieder enthält. Das kann man alles gut anhören und klingt zumeist auch ganz nett, ein Über-Album ist die Platte deswegen allerdings noch nicht geworden. Das richtig Besondere, Außergewöhnliche, was man auch immer wieder auf Alben von Motorpsycho findet – und sei es nur in Form eines einzigen herausragenden Titels – das findet man auf „It’s A Love Cult“ nicht. Dafür hört man einige Reminiszenzen an andere Bands heraus. Nichtsdestotrotz unterhält die Platte und alle die gut gemachte poppig-rockige Musik mögen, die nicht ganz im Mainstream beheimatet ist, werden diese Scheibe ebenfalls mögen. Neun Punkte.
Anspieltipps: Carousel, The Mirror And The Lie, Serpentine
Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads Label: Thirty Tigers Erscheinungsdatum: 2018 Stil: Folk, Country, Americana Trackliste: 1. Soldiering On (5:32) 2. Got Your Six (2:38) 3. The War After the War (3:44) 4. Still On The Ride (5:03) 5. Bullet Holes In The Sky (4:46) 6. Brothers (2:50) 7. Rifles And Rosary Beads (3:37) 8. Morphine 1-2 (4:04) 9. It's Her Love (4:18) 10. Iraq (4:18) 11. Stronger Together (3:41) Gesamtspieldauer: 44:31
Amerika braucht in diesen Tagen eine Folk-Musikerin und -Sängerin wie Mary Gauthier. Am gestrigen Mittwoch war Gauthier zu Gast in Berkeley, im legendären „Freight & Salvage Coffeehouse“. Es war ein Heimspiel für die „linke Lesbe“, wie sie sich selbst bezeichnete. Mary Gauthier präsentierte vor allem ihre neue Platte „Rifles & Rosary Beads“, ein Album, das sie gemeinsam mit US Veteranen und ihren Angehörigen geschrieben hat.
Die Lieder auf dieser Platte sind nahegehend, denn sie beschreiben ein Kapitel der amerikanischen Gesellschaft, das nur zu gerne übersehen wird. Soldatinnen und Soldaten, die nach Kriegen heimkommen, ihren Platz finden müssen, das aufarbeiten, was sie erlebt haben. Es geht in den Songs um Leere, um Schuld und auch um sexuellen Missbrauch von Soldatinnen im Einsatz. „Wir warten noch immer auf die #metoo Kampagne von Soldatinnen“, meinte Mary Gauthier in Berkeley. Was diese Lieder auf „Rifles & Rosary Beads“ so beeindruckend, gefühlvoll, zärtlich und bewegend macht sind die einfachen Worte und Beschreibungen. Das Album ist nicht politisch und doch so direkt. Es ist eine Anklage, einfach durch die Ereignisse, die Erinnerungen, die Denkanstöße, die hier beschrieben werden. Da sind Frauen von zurückkehrenden Soldaten, die ihre eigenen vier Wände als „Minenfeld“ beschreiben. Ihnen wird nicht gedankt, sie erhalten keine Orden, doch auch sie sind von den Kriegen ihrer, zumeist, Männer tief verwundet.
Mary Gauthier ist eine außergewöhnliche Folkmusikerin, die sich in der Tradition von Woody Guthrie sieht. Sie erzählt Geschichten, sie findet den richtigen Ton. Zum Schluß des Konzertes das Lied Guthries, das mehr ist als nur eine inoffizielle amerikanische Hymne: This land is your land, this land is my land. Mary Gauthier muss nicht von der Bühne und auf ihren Platten agitieren, sie hält den Amerikanern einfach einen Spiegel vor. Das ist mutig, das ist wichtig, genau das braucht Amerika in diesen Zeiten mehr denn je.
Pure Phase Ensemble – Live At SpaceFest! Label: Serpent Records Erscheinungsdatum: 2016 Stil: Rock, Instrumentalmusik, Elektronische Musik Trackliste: 1. Phase (4:04) 2. Phase Out (8:00) 3. Elektryk (6:40) 4. We Would Not Change A Chord (9:26) 5. Krzyczec (8:22) 6. The Chase (5:03) 7. One Chord (10:50) 8. Nowy Port 3 A.M. (5:45) 9. Blue Steel Rail (8:34) 10. Fly Through The Fire (9:59) Gesamtspieldauer: 76:43
Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle über das neue Dirtmusic Album „Bu Bir Ruya“ geschrieben, davon geschwärmt, es in den höchsten Tönen gelobt. Ein wunderbare Platte, die von Musikern aus den USA, Australien und der Türkei am Bosporus aufgenommen wurde. Hugo Race ist einer von „Dirtmusic“, der umtriebig und kreativ immer wieder neue Kollaborationen in den verschiedensten Ländern sucht und findet.
Mehr duch Zufall habe ich nun sein Gastspiel auf dem „Space Fest“ 2016 in Danzig gefunden. Race war Teil des stets wechselnden „Pure Phase Ensembles„, das sich einmal im Jahr zusammenfindet, oder besser ausgedrükt, sich Jahr für Jahr für dieses Festival neu gründet. Karol Schwarz ist die treibende Kraft hinter diesem Projekt und dem Label Nasiono Records, auf dem MusikerInnen und Musik zu entdecken sind, die man so gar nicht kennt. Nasiono Records ist ein Zusammenschluss von Musikern, Poeten, Grafikern, Videokünstlern und Kulturmanagern, die die lokale und regionale Kunst-, Kultur- und Musikszene um Danzig stärken, fördern, präsentieren wollen. Ein mitreißendes Projekt, wenn man sich nur die verschiedenen Formationen des „Pure Phase Ensembles“ anhört. Eine ganz wunderbare, komplexe, tiefe, weite, gewaltige Klanglandschaft. Lyrics auf Englisch und Polnisch, all das untermalt von diesem entschleunigten, fessenlnden und hochdramatischen Sound.
Polen wird in diesen Zeiten von außen vor allem politisch und kritisch betrachtet. Die Nachrichten von einem Rechtsruck, von einer Beschneidung der Medienfreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz machen ihre Runde. Aber dieses Label, diese Musik, die Geschichte dahinter erzählt viel mehr von dem östlichen Nachbarn, der für mich einen Kontinent, einen Ozean und nochmals einen halben Kontinent entfernt liegt. Der Blick hinter die Schlagzeilen auf eine lebendige und umtriebige Underground Szene lohnt sich. Musik verbindet, ist eine gemeinsame Sprache. Nach der Entdeckung dieses Labels bin ich neugierig geworden auf die polnische Musik-, Kunst- und Kulturszene, fernab des medialen Gewitters. Die nächste Musiklieferung aus „Gdansk“ ist bereits auf dem langen Weg nach Kalifornien.