Donnerstag, 10. Januar 2019

Ryan Adams – Love Is Hell




Ryan Adams – Love Is Hell


Besetzung:

Ryan Adams – vocals, guitars, piano, and other instruments


Gastmusiker:

New York Band on tracks 1, 2, 3, 4, 5, 12, 14

Paul Garisto – drums
John Pisano – bass
Joe McGinty – piano
Johnny McNabb – lead guitar

New Orleans Band on tracks 6, 7, 8, 9, 10, 11, 13, 15, 16

Greg Leisz – lead guitar, pedal steel
Ricky Fataar – drums on all except 10, 11, 13, 15
Hutch Hutchinson – bass on all except 10, 13, 15
Ian McLagan – B3 organ, Wurlitzer electric piano on all except 11, 13, 15, 16
Jon Cleary – piano, Wurlitzer electric piano, rhythm guitar on all except 10, 11, 13
Ruth Gottlieb – violin on all except 11, 16
Sarah Wilson – cello on all except 11, 16


Label: Lost Highway Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock, Folk, Alternative Country, Blues


Trackliste:

1. Political Scientist (4:33)
2. Afraid Not Scared (4:13)
3. This House Is Not For Sale (3:53)
4. Anybody Wanna Take Me Home (5:31)
5. Love Is Hell (3:19)
6. Wonderwall (4:09)
7. The Shadowlands (5:18)
8. World War 24 (4:17)
9. Avalanche (5:09)
10. My Blue Manhattan (2:23)
11. Please Do Not Let Me Go (3:37)
12. City Rain, City Streets (3:49)
13. I See Monsters (3:57)
14. English Girls Approximately (5:42)
15. Thank You Louise (2:52)
16. Hotel Chelsea Nights (5:10)

Gesamtspieldauer: 1:08:00




„Love Is Hell“ ist das fünfte Studioalbum des Alternative Country Sängers und US-Amerikaners Ryan Adams, welches am 4. Mai 2004 auf dem Plattenlabel Lost Highway Records veröffentlicht wurde. Das Album war ursprünglich auf Drängen der Plattenfirma als zwei EPs, „Love Is Hell Part 1“ und „Love Is Hell Part 2“, veröffentlicht worden, da diese das Album für kommerziell nicht besonders geeignet hielt. Eine komplette und zusammengefasste Version des Albums wurde erst veröffentlicht, als sich die beiden EPs dann doch sehr viel besser als erwartet verkauften. Hauptsächlich hört man auf „Love Is Hell“ Alternative Rock und Folk. Ein wenig erinnert auch an Alternative Country und der Blues fehlt ebenso nicht völlig auf dieser Scheibe.

„Love Is Hell“ ist ein durchaus abwechslungsreiches Album geworden, kann dabei jedoch leider nicht durchgängig überzeugen. Neben einigen sehr schönen Nummern befinden sich auf dem Album auch Titel, die eher in der Kategorie „langweilig“ zu verorten sind. Mitunter klingt die Musik zu sanft, zu weich und zart und damit auf eine gewisse Weise fad. Und wenn sich dann noch in diese Stimmung eine Slide Gitarre mischt, würde man am liebsten den Cowboy Hut schwenken, wenn man ihn denn hätte. Sicherlich gibt es auch Menschen, die Ryan Adams gerade für einen Titel wie „Please Do Not Let Me Go“ lieben werden, für einen Freund des Rocks klingt so etwas allerdings leider nur allzu schnulzig und kitschig.

Doch es gibt auch die sehr schönen Stellen auf „Love Is Hell“.Besonders gelungen klingt dabei gleich der Opener „Political Scientist“. Das Lied beginnt hauchzart mit ganz sanften Piano-Klängen und dem zerbrechlich klingenden Gesang des Ryan Adams. Es steigert sich jedoch im weiteren Verlauf, entwickelt sich hin zu einer rockigen Nummer, während der der Musiker immer verzweifelter zu singen scheint und bleibt dabei im Ohr hängen. Im Ohr verweilt ebenfalls länger das folkige „I See Monsters“. Ein Lied, nun wieder sehr sanft, in dem man Ryan Adams an der akustischen Gitarre hört. Schließlich sollte als einer der Höhepunkte des Albums auch die Nummer „English Girls Approximately“ Erwähnung finden. Ein sehr melodisches und eingängiges Lied, ebenfalls im Folk beheimatet mit leichter, sehr leichter Annäherung an die Country Musik.

Fazit: Abwechslungsreich ist das Album „Love Is Hell“ des US-Amerikaners Ryan Adams auf jeden Fall geworden. Alternative Rock, Folk, Blues und Alternative Country gibt es darauf zu hören. Nicht jeder der sechzehn Titel überzeugt dabei restlos, doch die schönen Stellen sind eben auch vorhanden und stellen Lieder dar, die diesen gewissen Wiedererkennungswert aufweisen und die man immer wieder gern hört. Neun Punkte.

Anspieltipps: Political Scientist, I See Monsters, English Girls Approximately



Mittwoch, 9. Januar 2019

Focus – At The Rainbow




Focus – At The Rainbow


Besetzung:

Thijs van Leer – keyboards, flute, vocals
Jan Akkerman – guitar
Bert Ruiter – bass guitar
Pierre van der Linden – drums


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Focus III (3:53)
2. Answers? Questions! Questions? Answers! (11:29)
3. Focus II (4:36)
4. Eruption (Excerpt) (8:28)
5. Hocus Pocus (8:30)
6. Sylvia (2:47)
7. Hocus Pocus (Reprise) (2:49)

Gesamtspieldauer: 42:35




„At The Rainbow“ ist das erste Live-Album der niederländischen Rockband Focus, welches im Oktober 1973 auf dem Plattenlabel Imperial Records veröffentlicht wurde. Das Album wurde am 5. Mai 1973 im Rainbow Theatre in London aufgenommen. Ein Studioalbum war ursprünglich für die Veröffentlichung vorgesehen, wurde aber aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Band verschoben (ein aus den Bändern dieser Sessions zusammengestelltes Album wurde später unter dem Titel „Ship Of Memories“ veröffentlicht).

Auf keinem anderen Album klingen Focus kraftvoller, abwechslungsreicher und auch progressiver als auf „At The Rainbow“. Sanfte Titel oder Passagen wechseln sich mit rockigeren und auch fordernden Abschnitten ab. Mal schwelgt man in der Musik, ein anders Mal versuchen die Füße einen fast schon arhythmischen Takt mitzuhalten. Von sanften Klängen bis hin zu jazzigen Abschnitten kann man alles auf diesem Live-Album hören, welches auch soundtechnisch äußerst gelungen ist. Jederzeit spürt man dabei die Spielfreude der Musiker, die an diesem Abend im Mai 1973 allerbestens aufgelegt zu sein schienen.

„At The Rainbow“ lässt sich in einem durchhören, es gibt dabei keine Schwächen auf der Platte zu beanstanden. Die Musiker von Focus haben für diese Platte auch die besten Stücke ihrer ersten drei Alben ausgesucht, um diese nun live zu zelebrieren. Der Auszug aus „Eruption“ und das verlängerte „Hocus Pocus“ sollten hier dann aber doch Erwähnung finden, da sie irgendwie stellvertretend für das ganze, wahrlich gelungene Album stehen.

Fazit: Ein sehr schönes Live-Album ist „At The Rainbow“ der niederländischen Band Focus geworden. Die Lieder klingen fast besser und ganz bestimmt mitreißender, als auf den einzelnen Studioalben. Von daher ist solch ein Live-Album dieser Art ganz bestimmt eine lohnende Anschaffung und wertet die Diskographie einer Band auf. Und auch für Leute, die einen Einstieg in die Musik von Focus suchen, stellt „At The Rainbow“ den perfekten Türöffner dar. Elf Punkte.

Anspieltipps: Eruption, Hocus Pocus



Dienstag, 8. Januar 2019

Muse – Drones




Muse – Drones


Besetzung:

Matt Bellamy – lead vocals, guitars, piano, keyboards, arrangements
Chris Wolstenholme – bass, backing vocals, gang vocals ("Reapers")
Dominic Howard – drums


Gastmusiker:

Will Leon Thompson – dialogue (Drill Sergeant) ("[Drill Sergeant]" and "Psycho")
Michael Shiloah – dialogue (Recruit) ("[Drill Sergeant]" and "Psycho")
John F. Kennedy – recorded dialogue of April 1961 Secret Societies speech ("[JFK]")
Alessandro Cortini – modular synthesizers
Edoardo De Angelis – concertmaster, violin
Sarah Cross – violin
Freiherr von Dellingshausen – violin
Anna Minella – violin
Elia Mariani – violin
Gian Guerra – violin
Gian Lodigiani – violin
Gianmaria Bellisario – violin
Marco Corsini – violin
Michelle Torresetti – violin
Tommaso Belli – violin
Valerio D'Ercole – violin
Maria Lucchi – viola
Serena Palozzi – viola
Valentina Emilio Eria – viola
Andrea Scacchi – cello
Eliana Gintoli – cello
Francesco Sacco – cello
Martina Rudic – cello
Linati Omar – contrabass
Massimo Clavenna – contrabass


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Dead Inside (4:23)
2. [Drill Sergeant] (0:21)
3. Psycho (5:16)
4. Mercy (3:52)
5. Reapers (5:59)
6. The Handler (4:33)
7. [JFK] (0:54)
8. Defector (4:33)
9. Revolt (4:05)
10. Aftermath (5:48)
11. The Globalist (10:07)
12. Drones (2:51)

Gesamtspieldauer: 52:48



„Drones“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Rockband Muse. Es wurde am 5. Juni 2015 auf dem Plattenlabel Warner Bros. Records veröffentlicht. „Drones“ ist ein Konzeptalbum, welches die Entwicklung eines Soldaten bis hin zur „menschlichen Drohne“ thematisiert. Nachdem auf den vorherigen Alben von Muse viel orchestrale und elektronische Musik zu hören war, wollte die Band mit „Drones“ zu einem geradlinigeren Rocksound zurückkehren. Die Platte verkaufte sich 2015 weltweit über eine Million Mal und ist damit das 19. meistverkaufte Album des Jahres. Bei den 58th Annual Grammy Awards gewann sie die Auszeichnung als Bestes Rock Album.

Auch wenn man auf dieser Scheibe wieder mal eine sehr rockige Gitarre zu hören bekommt, richtig überzeugend klingt das nicht mehr, was Muse hier ihren Hörerinnen und Hörern präsentieren. Die einzelnen Titel wissen nicht mehr in der Art und Weise zu begeistern, wie es jene auf früheren Alben der Band getan haben. Ein klein wenig läuft „Drones“ irgendwie durch und danach wundert man sich, was man da gerade gehört hat. Eindeutig Muse Musik zwar, die alleine schon durch den zum Teil sehr hohen Gesang des Matt Bellamy unverwechselbar klingt. Doch allzu viel mehr bleibt von dieser Scheibe im Nachhinein nicht hängen, obwohl diese zugegebenermaßen keinerlei qualitative Ausschläge nach unten hin aufweist. Insgesamt generiert und präsentiert sich die Musik auf diesem Album musikalisch wie spannungsbezogen selten interessanter als biederes Mittelmaß.

Als Höhepunkt wäre auf „Drones“ noch am ehesten die Nummer „The Globalist“ zu nennen, die aus drei Teilen besteht. Das Lied beginnt mit einem Abschnitt, der so auch von Ennio Morricone stammen könnte. Italo-Western-Stimmung in Vollendung. Es schließt sich ein etwas sanfterer und schließlich ein sehr harter und überzeugender Rock-Abschnitt an. Hier hinterlassen Muse nun endlich Eindruck. Diese knallenden Gitarren stellen fast schon den Höhepunkt der ganzen Scheibe dar. Schließlich geht das Lied in einen eher hymnischen Teil über, der nun nicht mehr zu überzeugen weiß und die Phase des Kitsches zwar noch nicht vollends erreicht, doch knapp daran vorbeischrammt. Und der ganze Rest? Der ist ganz nett gemachter Alternative Rock, der nicht sehr auffällt.

Fazit: „Drones“ von Muse ist ein Album geworden, welches sehr im Mainstream beheimatet ist. Das wiederum lässt das Album Ecken und Kanten verlieren und außer der Stimme des Matt Bellamy gibt es darauf nichts Besonderes mehr zu hören. Wahrlich natürlich keine schlechte Musik, man muss nicht flüchten, doch richtig überzeugend ist das auch nicht. Schade. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Globalist



Montag, 7. Januar 2019

Haken – Affinity




Haken – Affinity


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar
Charlie Griffiths – guitar
Conner Green – bass guitar
Diego Tejeida – keyboards, sound design
Raymond Hearne – drums


Gastmusiker:

Einar Solberg – harsh vocals (track 5)
Pete Rinaldi – acoustic guitar (track 9)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

1. affinity.exe (1:24)
2. Initiate (4:16)
3. 1985 (9:08)
4. Lapse (4:44)
5. The Architect (15:40)
6. Earthrise (4:48)
7. Red Giant (6:06)
8. The Endless Knot (5:50)
9. Bound By Gravity (9:29)

Gesamtspieldauer: 1:01:27



„Affinity“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr viertes Studioalbum, welches am 29. April 2016 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht wurde. Es ist die erste Scheibe der Band auf der Bassist Conner Green nach dem Weggang von Thomas MacLean zu hören ist. Mit den Liedern „Initiate“ sowie „The Endless Knot“ wurden im März und April 2016 zwei Singles aus dem Album ausgekoppelt. Inhaltlich geht es auf „Affinity“ um die Beziehung zwischen Mensch und Computer – mit allen seinen Auswüchsen und möglichen Entwicklungen.

„Affinity“ fischt mehr im Mainstream als andere Alben der Briten. Da klingt es mal ein wenig nach dieser Band, dort nach jener Band. Etwas Neues oder Eigenständiges mag man auf „Affinity“ nicht entdecken, irgendwie scheinen sehr viel Reminiszenzen in die Musik von Haken eingeflossen zu sein, wobei nun auch deutlich mehr Musiker am kompositorischen Prozess der Lieder beteiligt sind. Doch keineswegs handelt sich es bei den einzelnen Nummern auf „Affinity“ um langweilige oder schlechte Musik, der Zauber des Besonderen geht den Titeln jedoch leider ab. Und wenn man dann auch Keyboardläufe zu hören bekommt, die stark an AOR-Bands der 80er Jahre erinnern, dann hinterlassen diese zumindest ein Gefühl des Erstaunens oder eben doch sogar der gemäßigten Langweile.

Es ist kein einziges schlechtes Lied auf „Affinity“ zu hören. Jeder Titel verfügt über Qualität und lässt sich gut hören. Dem abwechslungsreichen und auch härteren Rock sollte man dabei jedoch schon zugetan sein, denn gerockt wird auf „Affinity“. Auch wissen die Briten einmal mehr mit den Atmosphären zu spielen, laut und leise, sanft und fordernd, all das gibt es auf dem Album zu hören, perfekt aufeinander abgestimmt und ineinanderfließend. Allerdings jedoch leider nicht in der Art und Weise, wie man es bereits auf anderen Platten von Haken gehört hat. Von daher klingt „Affinity“ ein wenig austauschbar, was dementsprechend auch die Suche nach dem Höhepunkt der Platte relativ schwierig werden lässt. Kein Titel ragt über den anderen hinaus, keiner fällt sehr ab, sodass alle Lieder der Platte Höhepunkte darstellen – jedoch nicht im Vergleich zu anderen Scheiben von Haken.

Fazit: Ein Album ganz im Sinne des Progressive Rock ist „Affinitiy“ von Haken geworden. Vieles meint man bereits durch die ein oder andere Band in leicht abgewandelter Form gehört zu haben. Von daher nichts Neues von den Briten. Trotzdem ist „Affinitiy“ kein schlechtes Album geworden, sondern eines, welches Freundinnen und Freunde des entsprechenden Genres gut unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: 1985



Sonntag, 6. Januar 2019

Elvis Costello And The Attractions – Imperial Bedroom




Elvis Costello And The Attractions – Imperial Bedroom


Besetzung:

Elvis Costello – vocals, guitar, piano


Gastmusiker:

Steve Nieve – piano, organ, harpsichord, accordion, guitar on "Tears Before Bedtime," orchestrations
Bruce Thomas – bass
Pete Thomas – drums


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Beyond Belief (2:34)
2. Tears Before Bedtime (3:02)
3. Shabby Doll (4:48)
4. The Long Honeymoon (4:15)
5. Man Out Of Time (5:27)
6. Almost Blue (2:50)
7. ...And In Every Home (3:23)
8. The Loved Ones (2:48)
9. Human Hands (2:43)
10. Kid About It (2:45)
11. Little Savage (2:37)
12. Boy With A Problem (2:12)
13. Pidgin English (3:58)
14. You Little Fool (3:11)
15. Town Cryer (4:16)

Gesamtspieldauer: 50:55



„Imperial Bedroom“ ist ein am 2. Juli 1982 veröffentlichtes Studioalbum des englischen Musikers Elvis Costello mit seiner Begleitband The Attractions. Das Album erschien in Europa ursprünglich auf dem Plattenlabel F-Beat Records und wurde inzwischen zahlreiche Male wiederveröffentlicht, zuletzt von Label Universal Music. „Imperial Bedroom“ ist das zweite Costello-Album nach „Almost Blue“, welches nicht von Nick Lowe produziert wurde. Die Produktionsaufgaben wurden von Beatles-Ingenieur Geoff Emerick übernommen. Die Platte taucht in zahlreichen Bestenlisten auf. So wurde sie in der Umfrage der The Village Voice Pazz & Jop Kritiker zum besten Album des Jahres gewählt. 1998 wählten die Leser des Q-Magazins es zum 96. größten Album aller Zeiten. 1989 wurde es auf der Liste der 100 größten Alben der 80er Jahre des Rolling Stone Magazins auf Platz 38 geführt. Im Jahr 2003 wurde das Album schließlich auf Platz 166 der Liste der 500 größten Alben aller Zeiten vom Rolling Stone Magazine gelistet. Das Album erreichte Platz 6 in den britischen Charts und Platz 30 in den USA. Die ausgekoppelten Singles waren jedoch weit weniger erfolgreich. „You Little Fool“ und „Man Out Of Time“ erschienen jeweils kurz in den UK Singles Charts, aber nicht in den USA.

So unterschiedlich können Geschmäcker sein. „Imperial Bedroom“ ist ganz nett, doch das war es dann auch bereits. Oder liegt es vielleicht am „deutschen Geschmack“, denn in Deutschland hinterließ die Scheibe kaum großartige Spuren in Bezug auf Chartpositionen. Wobei auch jene in England und den USA auch keine Spitzenplätze waren. Also eher ein Kritiker-Album denn eines für die Konsumenten? Nun, auf der Platte hört man keinesfalls schlechte Musik, jedoch eben keine herausragende. Doch „Imperial Bedroom“ unterhält durchaus und die einzelnen Lieder klingen auch keineswegs dergestalt, dass man den Tonarm weiterheben oder die Fernbedienung bemühen müsste. Vielmehr klingt die Musik auf dieser Scheibe durchschnittlich. Das Album läuft nebenher oder man setzt sich die Kopfhörer auf und macht es sich auf seinem Lieblingsplätzchen gemütlich und konzentriert sich auf die einzelnen Titel – das Ergebnis ist leider immer dasselbe: „Imperial Bedroom“ läuft einfach durch, ohne eben großartige Spuren zu hinterlassen. Pop ohne zu viele Ausschläge, der allerdings aufwendig und abwechslungsreich, zum Teil orchestral inszeniert wurde.

Höhepunkte auf „Imperial Bedroom“ sind das leicht schräge und doch melodiöse „Shabby Doll“, welches aus diesem Widerspruch seinen Wiedererkennungswert zieht. „You Little Fool“ klingt sehr eingängig und das letzte Stück, „Town Cryer“, gerade auch durch seine orchestrale Instrumentierung, etwas mehr nachhallend, als vieles vom Rest des Albums. Wobei an dieser Stelle nochmals erwähnt werden sollte, dass Pop-Fans die Scheibe gut in einem Rutsch durchhören können ohne an bestimmten Stellen genervt zu werden.

Fazit: „Imperial Bedroom“ ist ein poppiges Album geworden, auf dem manchmal die orchestrale Instrumentierung für die Höhepunkte sorgt. Die Lieder selbst klingen allerdings eher durchschnittlich, ohne Ohrwürmer oder Totalausfälle zu generieren. Mit „Pop ohne große Ausschläge“ könnte man diese Scheibe umschreiben. Egal. Pop Fans wird es gefallen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Shabby Doll, You Little Fool, Town Cryer



Samstag, 5. Januar 2019

Senyawa – Sujud




Senyawa – Sujud


Label: Sublime Frequencies


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Weltmusik, Experimentelle Musik


Trackliste:

1. Tanggalkan Di Dunia (8:24)
2. Sujud (9:20)
3. Terbertaktilah Tanah Ini (2:11)
4. Penjuru Menyatu (6:50)
5. Kehendak (1:28)
6. Kebaikan Tumbuh Dari Tanah (4:28)
7. Kembali Ke Dunia (5:55)

Gesamtspieldauer: 38:36



Das Duo Senyawa stammt aus Jogjakarta in Indonesien. „Weltmusik“ dachte ich mir, als ich die CD zugeschickt bekam. Eingeschoben, da singt einer mit dunklen Kehlkopfgesang „Tanggalkan nams, segalla di dunia“. Immer und immer wieder. Es hat schon etwas Trancemäßiges an sich. Und dann kommt es. Ein brachiales, verzerrtes Gitarrenbrett, eine Welle an Sound und immer noch dieses gebetsmühlenartig vorgetragene „Tanggalkan nams, segalla di dunia“.

Senyawa sind nicht Crossover über ein kleines Bächlein aus verschiedenen musikalischen Genres, sie überqueren vielmehr einen reissenden Fluss und zerschlagen anschließend die Brücke, die sie gerade noch passiert haben. Das ist eine Vermischung aus scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikwelten. Ein Tsunami der alles an Tönen und Klang mit sich reißt. Hier die gewachsene Tradition, um zugleich von einem brutalen Industrialangriff überspült zu werden. Doch gerade das macht diese Platte „Sujud“ aus. Es sind Tumulte im Hörgang. Der tiefe Gesang der für mich unverständlichen Sprache, dazu wird ein Klangrahmen mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und tiefen Soundflächen abgesteckt, der sich manchmal zum rostigen Stacheldraht entwickelt.

Irgendwie geht dieses Alt und Neu zusammen. Faszinierend, ganz anders, sowas habe ich noch nie gehört. Manchmal wirkt es verspielt, leicht, ja, zärtlich, um dann im nächsten Augenblick vor die Wand geklatscht zu werden. Eine irre Klangreise, die schizophrene Züge aufweist, ein Alptraum im Mittelohr. „Sujud“ muss man laut spielen, sehr laut spielen. Mit Sicherheit werden einen die Nachbarn danach besorgt ansehen, was war bitteschön das? Das Duo Rully Shabara und Wukir Suryadi verdient es aber, dass man sich Zeit für sie nimmt, es zumindest versucht, einen Zugang zu dieser Berg- und Talfahrt zu finden. Es lohnt sich wirklich, Eintritt in dieses grandiose Dröhnland zu bekommen. Für mich ist „Sujud“ von Senyawa eine der interessantesten Neuheiten, die ich in diesem Jahr zu hören bekommen habe.



Freitag, 4. Januar 2019

Hans Otte – Das Buch der Klänge




Hans Otte – Das Buch der Klänge


Label: Beacon Sound


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Ambient, Moderne Klassik


Trackliste:

1. Das Buch der Klänge (Part 1) (8:45)
2. Das Buch der Klänge (Part 2) (10:19)
3. Das Buch der Klänge (Part 3) (5:56)
4. Das Buch der Klänge (Part 4) (4:29)
5. Das Buch der Klänge (Part 5) (8:30)
6. Das Buch der Klänge (Part 6) (3:20)
7. Das Buch der Klänge (Part 7) (8:45)
8. Das Buch der Klänge (Part 8) (4:33)
9. Das Buch der Klänge (Part 9) (3:43)
10. Das Buch der Klänge (Part 10) (7:58)
11. Das Buch der Klänge (Part 11) (4:59)
12. Das Buch der Klänge (Part 12) (4:40)

Gesamtspieldauer: 1:15:57



„Das Buch der Klänge“ heißt die bereits 1984 erschienene Platte des Komponisten Hans Otte. Ich muss zugeben, bis vor einer Woche kannte ich diesen Mann nicht, und das, obwohl er deutsche Musikgeschichte geschrieben hat. Von 1959 bis 1984 war Hans Otte der Musikchef von Radio Bremen und entwickelte mit Weitsicht ein Programm, das einzigartig in der ARD war.

Otte war jedoch auch Komponist, der mit „Das Buch der Klänge“ auf den Spuren von John Cage wandelte, den er mit seiner Arbeit für Radio Bremen einem breiteren Publikum bekannt machte. Diese Solo Klavier Stücke wurden zwischen 1979 und 1982 geschrieben. In diesen zwölf Kapiteln führt er die Hörer auf eine ergreifende Klangreise, die einfach passend ist für den regnerischen Herbst, den kühlen Winter, der Melancholie zum Jahresende. Es ist das Herausfinden der ganzen Tiefe dieses Instruments. Einzelne Töne, die durch den Raum schweben, ein zärtlich, leises Wehen, wie der Wind, der den grauen Nebel um die Bäume waben lässt. Es ist die Stille, die hier erklingt, die den Raum mit wunderbaren Bildern erfüllt.

Das in Portland, Oregon, ansässige Label Beacon Sound bringt nun in einer Auflage von gerade mal 500 „Das Buch der Klänge“ erneut auf Vinyl heraus. „One of the 20th century’s most sublime pieces of music for piano“, heißt es auf der Webseite des Labels und diese Umschreibung scheint nicht übertrieben zu sein. Ein tief beeindruckendes, bewegendes und zeitloses Album. Perfekt für diese Jahreszeit voller Rückblicke, Gedankengängen, Aussichten. „Das Buch der Klänge“ von Hans Otte ist absolut empfehlenswert.



Donnerstag, 3. Januar 2019

Gaye Su Akyol – Istikrarli Hayal Hakitattir




Gaye Su Akyol – Istikrarli Hayal Hakitattir


Label: Glitterbeat Records


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Weltmusik


Trackliste:

1. İstikrarlı Hayal Hakikattir (5:20)
2. Bağrımızda Taş (3:57)
3. Laziko (4:05)
4. Gölgenle Bir Başıma (5:07)
5. Meftunum Sana (4:16)
6. Şahmeran (3:51)
7. Bir Yaralı Kuştum (5:12)
8. Hemşerim Memleket Nire (4:48)
9. Boşluk Ve Sonsuzluk (1:39)
10. Halimiz İtten Beter (4:23)

Gesamtspieldauer: 42:38



Gaye Su Akyol wurde 1985 geboren, doch sie klingt wie eine Stimme aus längst vergangenen Tagen. Das macht für mich die Faszination dieser türkischen Sängerin aus . „Istikrarli Hayal Hakitattir„, ihr zweites Album, ist nun bei Glitterbeat erschienen, einem „Weltmusik Label“, das man einfach kennenlernen muss. Akyol verbindet in ihren Liedern musikalische Epochen, Genres, Sounds, Stimmungen. Es ist eine faszinierende Mischung zwischen dem, wie ich selbst Istanbul 1985 kennenlernte und wie ich es zuletzt 2017 erleben durfte.

Gaye Su Akyol spannt problemlos den Bogen zwischen damals und heute. Wandert durch die Zeiten, als wäre es ein Kinderspiel. Und dabei illustriert sie eine filigrane Distanz zum Publikum, die gleichzeitig anziehend ist. In ihren Liedern erwachen die 70er Jahre wieder mit einem Keyboard Sound, der frisch klingt. Sie klingt dann wieder, als ob sie in einem Schwarzweißfilm in einer französischen Bar auf einer kleinen Bühne steht, dicker Zigarettenqualm, ein paar Männer blicken fasziniert aus dem Schatten heraus auf diese Frau, die da auf Türkisch singt: „So all folks are beautiful yet are we ugly? / Were we given the sea and didn’t we swim? / No one ever has dried tears in our eyes“.

Eines von vielen Bildern, die mir als Hörer kommen. Orient, 1970er Jahre, Paris, kleine Bar…und doch ganz großes Kino, was Gaye Su Akyol hier auf „Istikrarli Hayal Hakitattir“ präsentiert. Eine wunderbare, mitreißende Platte, die ich jedem nur ans Herz legen kann, der offen für die weite musikalische Welt da draußen ist.



Mittwoch, 2. Januar 2019

Mamane Barka – Introducing Mamane Barka




Mamane Barka – Introducing Mamane Barka


Label: World M.N.


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Weltmusik


Trackliste:

1. Mashi (3:49)
2. Alhadj (5:16)
3. Bulanga (6:01)
4. Kiota (6:46)
5. Tchidim (4:08)
6. Buni (4:02)
7. Doro Lelewa (5:36)
8. Banané (5:49)
9. Wo Kuru (4:34)
10. Malloumi (4:34)
11. Pitti Kori (6:21)

Gesamtspieldauer: 56:56



Mamane Barka starb vor kurzem. Eine Mail von Sakina aus Niamey machte mich darauf aufmerksam: „This week Niger lost a big musician called Mamane Barka. So the musicians here were sad.“ Ein Land trauerte um einen der ganz großen Musiker, einem Meister der Biram. Bis dahin hatte ich von Mamane Barka noch nie gehört. Sakina schickte mir einige Links, ich hörte rein und bestellte umgehend die CD „Introducing Mamane Barka“.

Sakina, die ich über ihre Arbeit mit Studio Shap Shap kennengelernt hatte, erzählte von ihm, weil der Percussionist von Studio Shap Shap, Oumarou Adamou, mit Mamane Barka spielte und weltweit tourte. Auf dieser CD sind beide zu hören, zwei Meister ihres Instruments. Adamou konnte ich selbst im Garten von Sakina in Niamey erleben, ja, bewundern, wie er mit Händen und Füßen auf den Kalebassen trommelte, irrsinnige Töne aus seinen Instrumenten herausholte. Mamane Barka hingegen spielt die Biram, ein Instrument des Volkes der Boudouma aus dem Osten des Niger, direkt am Lake Chad gelegen. Für sie ist das Instrument heilig und geschützt durch den Geist des Sees, Kargila. Die Biram ist wie ein Boot gefertigt, ganz im Sinne der Kultur der Boudouma am Seeufer des austrocknenden Tschadsees.

Auf dieser Platte kann man vor allem traditionelle Boudouma Lieder hören, die sich um die Ahnen, das Leben als Nomaden, die Schönheit des Wassers und der Wüste, den Mut der Krieger drehen. Es sind nur zwei Instrumente zu hören, und dennoch wird eine große akustische Welt erschlossen, die fremd und dennoch vertraut wirkt. Für mich, der schon mehrmals die Möglichkeit hatte in diese Region zu reisen, ist dieses Album ein perfekter Soundtrack einer beeindruckenden Landschaft. Musik ist hier die emotionale Sprache, die eine wunderbare Verbindung bietet.



Dienstag, 1. Januar 2019

Sportfreunde Stiller – New York, Rio, Rosenheim




Sportfreunde Stiller – New York, Rio, Rosenheim


Besetzung:

Peter S. Brugger – Gitarre, Gesang
Rüdiger Linhof – Bass
Florian Weber – Schlagzeug, Gesang


Gastmusiker:

Roberto Alonso – Trompete bei den Titeln 4, 5, 6, 9
Marion Dimbath – Posaune bei den Titeln 4, 5, 6, 9
Jörg Weber – Saxofon bei den Titeln 4, 5, 6, 9, Querflöte bei 9
Luciana Beleaeva – 1. Violine bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Mariana Beleaeva – 2. Violine bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Michaela Danner – Viola bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12
Nargiza Yusupova – Violoncello bei den Titeln 3, 4, 5, 6, 12, Cello bei 8
Dave Anderson – einige Tasteninstrumenteneinsätze
Paul Rzyttka – additionale Abflitz-Gitarre bei Titel 7
Balboa The Almighty Beatcreator – Drums bei Titel 4
Aurrrudddeyiii – crazy honk-git-7 Finger solo bei Titel 10
Kardinal Flandern – Kaugummipapier hinters Klavier geschmissen bei Titel 6


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Indie-Pop, Alternative


Trackliste:

1. Hymne auf Dich (3:43)
2. Wenn Pferde schlafen (3:07)
3. Applaus, Applaus (3:29)
4. New York, Rio, Rosenheim (3:11)
5. Unter unten! (3:30)
6. Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden) (4:01)
7. Clowns & Helden (3:26)
8. Festungen & Burgen (3:12)
9. Wieder kein Hit (3:07)
10. Lederjacke (2:51)
11. Let‘s Did It! (2:19)
12. Wunder fragen nicht (3:30)

Gesamtspieldauer: 39:31



Dass guter und interessanter Pop und Rock auch aus Deutschland kommen kann, beweisen die drei Bayern der Band Sportfreunde Stiller auf ihrem sechsten Studioalbum mit dem Titel „New York, Rio, Rosenheim“, welches am 24. Mai 2013 auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht wurde. Darauf zu hören gibt es eine Mischung aus Pop und Rock, die überwiegend sehr schnell ins Ohr geht und fast durchgängig melodiös und eingängig klingt und dabei auch nachhallt.

Doch es ist nicht nur die Musik, die auf „New York, Rio, Rosenheim“ zu überzeugen weiß, es sind auch die Texte von witzig bis nachdenklich, die sich lohnen gehört zu werden. Manche zaubern einem beim Hören ein Lächeln auf die Lippen, andere wiederum lassen einen nachdenken, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Wird das Ganze musikalisch gesehen jedoch zu elektronisch, wie zum Beispiel beim Titel „Let‘s Did It!“, der sehr stark an die Neue Deutsche Welle erinnert und wohl eine spaßige Abwechslung darstellen soll, dann wird auch die Musik der Sportfreunde Stiller langweilig und nervig. Doch das ist wahrlich eine von wenigen Ausnahmen des Albums.

Die allermeisten Nummern können überzeugen. Das schönste Stück der Platte heißt „Applaus, Applaus“ und wärmt das Herz. Schöne Melodie, schöner Text, den man Freunden und Freundinnen widmen möchte, die man wirklich mag. Ebenfalls sehr gelungen ist der Titeltrack „New York, Rio, Rosenheim“ sowie die Nummer „Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“. Gerade beim letztgenannten Lied beweisen die drei Musiker auch jede Menge Humor und ins Ohr geht es zudem.

Fazit: Ein schönes und unterhaltendes Pop- und Rock-Album ist „New York, Rio, Rosenheim“ der Sportfreunde Stiller geworden. Solche Musik hört man in deutscher Sprache eindeutig zu wenig. Eingängige Musik und keine platten oder seichten, sondern intelligente Texte, die sich nicht um das Thema der Liebe und Herzschmerz drehen. Dazu den ein oder anderen kleinen Ohrwurm. Doch, macht Laune. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Applaus Applaus, New York Rio Rosenheim, Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)



Montag, 31. Dezember 2018

U2 – Boy




U2 – Boy


Besetzung:

Bono – lead vocals
The Edge – guitar, backing vocals
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums


Gastmusiker:

Steve Lillywhite – glockenspiel


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Post Punk


Trackliste:

1. I Will Follow (3:37)
2. Twilight (4:22)
3. An Cat Dubh (4:46)
4. Into The Heart (3:27)
5. Out Of Control (4:14)
6. Stories For Boys (3:02)
7. The Ocean (1:35)
8. A Day Without Me (3:13)
9. Another Time, Another Place (4:32)
10. The Electric Co. (4:46)
11. Shadows And Tall Trees (4:40)
12. Fire (0:34)

Gesamtspieldauer: 42:53



„Boy“ heißt das erste Studioalbum der irischen Rockband U2. Es wurde am 20. Oktober 1980 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht und von Steve Lillywhite produziert. Zwei der Titel des Albums sind bereits auf der zuvor veröffentlichten EP „Three“ enthalten. Mit dem Titel „I Will Follow“ enthält „Boy“ auch die erste Single von U2, die im US-Radio ausgestrahlt wurde. Das Album kletterte bis auf Platz 52 in den britischen Charts und bis auf Platz Platz 63 in den USA. „Boy“ belegt zudem Platz 417 der Liste des Rolling Stone Magazins „The 500 Greatest Albums Of All Time“.

Mit der späteren Musik, für die U2 stehen sollten, hat „Boy“ noch sehr wenig zu tun. Die Musik ist deutlich weniger eingängig und weniger melodisch, als spätere Platten der Iren und enthält viele Elemente des Punks. Rau und roh klingt „Boy“ zumeist, obwohl man die Lieder nicht nur durch den Gesang des Bono eindeutig U2 zuordnen kann. Der Klang der Musik ist jener von U2, nur eben in einer Art und Weise, die noch nicht endgültig ausgereizt zu sein scheint. Die Musik der vier Iren hört sich geradezu so an, als ob sie unbedingt raus musste, nur die Richtung, in welche sie gehen sollte, die war noch nicht eindeutig festgelegt.

Auch bei „Boy“ ist es wie mit vielen anderen Platten – egal von welchem Künstler, welcher Band – sie wächst mit den Durchläufen. Klingt das Ganze beim ersten Mal des Hörens noch eher unspektakulär und eben rau und schroff, so eröffnen sich mit dem wiederholten Anhören neue und nun deutlich eingängigere Melodien und packende Stellen. Die Höhepunkte des Albums sind das dunkle „An Cat Dubh“, das rockige „Stories For Boys“, bei dem man einfach mitwippen muss sowie die sehr sphärische und ansonsten für U2 eher untypische, kurze Nummer „The Ocean“.

Fazit: „Boy“ ist ganz bestimmt kein typisches Album für U2. Und dass diese Platte in einer Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auftaucht, kann nur darin begründet sein, dass es den Startschuss für eine große musikalische Karriere darstellt. „Boy“ hat seine Stärken und klingt auch immer wieder interessant. Doch es ist noch kein typisches Album von U2 und wird vor allen Dingen solchen Hörerinnen und Hörern gefallen, die der etwas gemäßigteren Ausführung des Punks durchaus zugetan sind. Absolute U2-Fans werden es alleine deswegen lieben, da es eben die erste Platte der Band ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: An Cat Dubh, Stories For Boys



Sonntag, 30. Dezember 2018

Man – Slow Motion




Man – Slow Motion


Besetzung:

Micky Jones – guitar, vocals
Deke Leonard – guitar, vocals
Ken Whaley – bass
Terry Williams – drums, vocals


Gastmusiker:

Stuart Gordon – strings
Chris Mercer – saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Hard Way To Die (5:20)
2. Grasshopper (5:12)
3. Rock And Roll You Out (3:53)
4. You Don’t Like Us (4:34)
5. Bedtime Bone (5:55)
6. One More Chance (4:27)
7. Rainbow Eyes (6:06)
8. Day And Night (4:12)

Gesamtspieldauer: 39:44



„Slow Motion“ nannte die walisische Rockband Man ihr achtes Studioalbum, welches im Oktober 1974, gerade mal fünf Monate nach dem Vorgänger „Rhinos, Winos And Lunatics“ auf dem Plattenlabel United Artists Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal hatte es eine Änderung bezüglich der Mitglieder von Man gegeben. Malcolm Morley hatte am Tag vor dem Aufnahmebeginn die Band verlassen. Er wurde nicht ersetzt, „Slow Motion“ wurde von den restlichen vier Mitgliedern eingespielt. Der Erfolg blieb für die Platte aus. „Slow Motion“ konnte sich nicht, wie noch der Vorgänger, unter den Top 40 der britischen Charts platzieren. Auf dem Cover des Albums sollte ursprünglich Alfred E. Neuman aus dem MAD-Magazin zu sehen sein, wie er an einem Fisch riecht. Doch das MAD-Magazin erlaubte nicht, diese Figur zu verwenden, sodass von dem Cover nun hauptsächlich der Fisch übrig blieb und der Bandname „Man“ in denselben Lettern wie der Schriftzug des Magazins MAD gehalten ist.

Das war es allerdings schon mit „lustig“. „Slow Motion“ ist eher eine relativ biedere Rock-Pop-Platte, ganz im Stile des damaligen Mainstreams geworden. Das klingt häufig ganz nett auf diesem Album, Begeisterungsstürme werden damit jedoch nicht mehr losgetreten. Die ein oder andere ganz eingängige Melodie oder Harmonie kann man auf „Slow Motion“ noch entdecken, jedoch finden sich keine durchgängig länger überzeugenden Abschnitte mehr auf dieser Scheibe. Und solch eine Nummer wie „Rock And Roll You Out“, logischerweise auch ein Rock’n’Roll, lassen einem dann doch eher das Gesicht einschlafen denn die Füße bewegen.

Das überzeugendste Lied auf „Slow Motion“ heißt „Grasshopper“ und ist eine getragene poppig rockige Nummer, die nun wirklich über eine schöne und eingängige Melodie verfügt und ins Ohr geht. Progressive Rock oder Psychedelic Rock, wofür die Waliser auch mal standen, den gibt es auf „Slow Motion“ allerdings nicht mehr zu hören. Mit jedoch schon deutlichen Abstrichen sind die Lieder „Hard Way To Die“, „Bedtime Bone“ sowie „Rainbow Eyes“ noch ganz gelungen, allerdings eben auch eher in musikalisch unspektakulären Gefilden angesiedelt, denn im Bereich von Lieblingsliedern. Doch immerhin.

Fazit: Die Musik von Man klingt auf „Slow Motion“ unspektakulär und eher langweilig, als mitreißend. Hier und da erhört man ein paar ganz nette Stellen und Lieder, doch insgesamt bleibt das Album eine eher unscheinbare Platte, die sicherlich nicht zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres 1974 gehört und auch nicht zu denen von Man. Acht Punkte.

Anspieltipps: Grasshopper, Rainbow Eyes



Samstag, 29. Dezember 2018

Focus – Focus 3




Focus – Focus 3


Besetzung:

Thijs van Leer – vocals, hammond organ, piano, alto flute, piccolo, harpsichord
Jan Akkerman – guitars, lute
Bert Ruiter – bass guitar
Pierre van der Linden – drums


Gastmusiker:

Mike Vernon – backing vocals on “Round Goes The Gossip”


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Round Goes The Gossip (5:12)
2. Love Remembered (2:49)
3. Sylvia (3:31)
4. Carnival Fugue (6:08)
5. Focus III (6:04)
6. Answers? Questions! Questions? Answers! (13:50)
7. Elspeth Of Nottingham (3:09)
8. Anonymus II (26:22)

Gesamtspieldauer: 1:07:09



Schlicht mit „3“ betitelte die niederländische Rockband Focus ihr drittes Studioalbum, welches im Juli 1972 eingespielt und schließlich im November 1972 auf dem Plattenlabel Imperial Records veröffentlicht wurde. Die Scheibe war ursprünglich als Doppelalbum erschienen und schließlich leider in etwas gekürzter Form auf CD wiederveröffentlicht worden. Zum ersten Mal hört man auf „3“ Bert Ruiter am Bass und damit den dritten Bassisten von Focus auf dem dritten Album. In den Niederlanden erklomm „3“ für eine Woche Platz 1 der Charts, im Vereinigten Königreich Platz 6 und den USA Platz 35 der US Billboard 200. Das Lied „Sylvia“ wurde als einzige Single des Albums veröffentlicht und erreichte in Großbritannien Platz 4 und Platz 89 in den USA.

„3“ ist einmal mehr hauptsächlich instrumental gehalten. Lediglich im Titel „Round Goes The Gossip“ wird – neben einem kurzen Strophentext – dieser Liedtitel intoniert. Ansonsten kommen die Lieder ohne das gesungene Wort aus. Die Musik ist dabei durchaus im Progressive Rock beheimatet, fischt jedoch ganz eindeutig auch im Bereich des Fusion Jazz. Und um das Gesamtbild noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten befindet sich mit dem Titel „Elspeth Of Nottingham“ noch ein Lied auf „3“, welches der Mittelaltermusik zugeschrieben werden kann. Ansonsten bewegt sich die Musik atmosphärisch zwischen sehr melodiös bis hin zu jazzig vertrackt. Langeweile kommt dabei beim Hören bestimmt nie auf.

Allerdings kann dieses Gefühl in einem durchaus während des Genusses des längsten Liedes der Platte, der Nummer „Anonymus II“, aufsteigen. Die 26 Minuten Spielzeit langweilen keineswegs durchgängig, beginnt das Stück doch sehr schön rockig mit einer ebenso rockig eingesetzten Querflöte. Auf den weiteren Minuten bekommt diese Nummer doch immer wieder Längen. Jeder Musiker darf mal ein Solo vom Stapel lassen und mit der Zeit wirkt dies alles künstlich in die Länge gezogen und etwas aufgesetzt und ausgewalzt. Lieder können durchaus lang sein und dabei durchgängig unterhalten. Im Falle von „Anonymus II“ fehlt es allerdings schlichtweg an Substanz für solch einen langen Titel. Schade.

Fazit: Das Album „3“ von Focus ist eine Platte, die Freunde progressiven Rocks durchaus gefallen dürfte, wenn sie nichts gegen eine Prise Jazz einzuwenden haben. Nicht unbedingt zu eingängig, dafür ein wenig experimenteller kann die Scheibe bei all jenen Punkten, die auch in der Musik etwas mehr das Abenteuer denn die Konvention suchen. Sicherlich ist das Lied „Anonymus II“ etwas langwierig ausgeartet, doch insgesamt bleibt „3“ eine spannende und abwechslungsreiche Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: Love Remembered, Focus III



Freitag, 28. Dezember 2018

Haken – Visions




Haken – Visions


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Raymond Hearne – drums, tuba, djembe, strings and french horn arrangements
Diego Tejeida – keyboards and sound design, strings and french horn arrangements
Tom Maclean – bass


Gastmusiker:

Lucy Butcher – cello
Alison Comerford – violin
Chris Currie – voices
Patrick Harrild – voices
Jennifer Murphey – violin
Joey 'Dah Lipz' Ryan – french horn
Martin Wray – viola


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)


CD2 (alle Lieder instrumentental):

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:11:42) und CD2 (1:11:42): 2:23:24



„Visions“ heißt das zweite Studioalbum der Progressive Metal Band Haken. Das Album wurde am 24. Oktober 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. „Visions“ klingt ein wenig „härter“ als noch der Vorgänger und das Debut „Aquarius“, was dem Umstand geschuldet sein könnte, dass Richard Henshall, Hauptkompositeur der Band, beim ersten Album die Lieder hauptsächlich auf dem Klavier komponierte, dieses Mal auf der Gitarre. „Visions“ ist ein Konzeptalbum, welches die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der seinen eigenen Tod in seinen Träumen voraussieht und fest daran glaubt, dass dies auch passieren wird, um nun den Rest seines Lebens damit zu verbringen, diesen vorerst zu vermeiden.

„Visions“ ist ein kraftvolles Album geworden, Progressive Metal in einer seiner schönen und überzeugenden Ausführungen. Ein klein wenig geht der Musik von Haken dabei – vor allen Dingen zu Beginn des Albums – die Eingängigkeit verloren, was sicherlich auch dieser gewissen „Härte“ der Musik geschuldet ist. Für das Ende der Platte stimmt diese Aussage allerdings nicht mehr, denn gerade die zwei Lieder „Shapeshifter“ und „Deathless“ gehen sehr schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Dies gilt auch für das über zweiundzwanzigminütige Titellied am Ende des Albums. Hier lassen die Musiker ihrer Kreativität freien Lauf und beschenken ihre Hörerinnen und Hörer mit einer Nummer, reich an Abwechslung und Passagen von hart bis eingängig zart.

Und wie es manchmal so ist in der Musik, mit der Zeit wirkt sie anders im Ohr. Genauso verhält es sich auch bei Hakes „Visions“. Mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe werden auch die Lieder zu Beginn des Albums vertrauter, eingängiger, mitreißender. Das Album wird dann zu einem Parforce-Ritt durch die verschiedenen Landschaften des Progressive Metal, den man unbedingt häufiger antreten sollte, um besser wirken lassen und sich entwickeln zu können.

Fazit: Ein spannendes Album ist der englischen Band Haken mit ihrem zweiten Album „Visions“ gelungen. Progressive Metal, mit Ausläufern zum Progressive Rock, der abwechslungsreich das Ohr umspielt und auch in dieses eindringt. Musik die lohnt und Spaß macht. Was sich allerdings die Band dabei denkt, ihre Platten auch in einer Ausgabe mit einer zweiten CD zu veröffentlichen, auf der die Lieder absolut identisch, nur ohne Gesang zu hören sind, das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Lieder „Premonition“ und „Portals“ sowieso bereits instrumentale Stücke sind, die nun exakt gleich zweimal auf der Platte vertreten sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shapeshifter, Deathless, Visions