Samstag, 5. März 2022

Goodbye June – See Where The Night Goes

 



Goodbye June – See Where The Night Goes


Besetzung:

Landon Milbourn – lead vocals, acoustic guitar, bass, gang vocals
Brandon Qualkenbush – electric guitar, backing vocals, piano, bass, gang vocals
Tyler Baker – electric guitar, talk box, backing vocals


Gastmusiker:

Paul Moak – electric guitar, acoustic guitar, b3, clavinet, moog, mellotron, bass, percussion, gang vocals
Kevin Smith – drums, percussion, gang vocals
Hannah Hampton – backing vocals (“What I Need”)
Rodney Milbourn – b3 (“Three Chords”)




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Step Aside (4:07)
2. See Where The Night Goes (3:49)
3. Breathe And Attack (4:00)
4. Take A Ride (3:16)
5. What I Need (4:04)
6. Stand And Deliver (3:45)
7. Baby, I'm Back (3:41)
8. Everlasting Love (3:21)
9. Nothing (3:30)
10. Three Chords (3:47)
11. Black (3:01)

Gesamtspieldauer: 40:27



Goodbye June ist eine US-amerikanische Rockband aus Nashville, Tennessee, die bereits im Jahr 2005 gegründet wurde. Die Band besteht aus den Cousins Landon Milbourn (Leadgesang), Brandon Qualkenbush (Rhythmusgitarre, Bass, Backing Vocals) und Tyler Baker (Leadgitarre) und benannte sich indirekt nach dem verstorbenen Bruder des Leadgitarristen Tyler Baker, der im Juni des Gründungsjahres bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.

„See Where The Night Goes“ heißt das vierte Studioalbum von Goodbye June und wurde am 18. Februar 2022 auf dem Plattenlabel Earache Records veröffentlicht. Darauf hört man einmal mehr bluesbeeinflussten Rock, der groovt und auch ins Ohr geht. Die Stimme des Landon Milbourn spielt dabei – neben dem Gitarren-lastigen Sound – eine zentrale Rolle und erinnert mich etwas an eine Mischung aus Bon Scott und Robert Plant. Und die Bands hinter diesen beiden Sängern dürften auch jene sein, die Goodbye June am meisten musikalisch beeinflusst haben.

Und dabei kopieren Goodbye June noch nicht einmal, sondern erweitern diese Stile auf ihre Art und Weise. Spaß macht das Zuhören auf jeden Fall. Die Titel rocken, mal etwas härter, mal ein wenig sanfter. Allen gemeinsam ist der Groove, der ihnen innewohnt und die Füße zum Mitwippen animiert. Dabei verfügen die einzelnen Titel auch über eingängige Melodien, sodass auch Leute, die sehr viel Wert auf jene Eingängigkeit in der Musik legen, sicherlich ebenso auf ihre Kosten kommen.

Fazit: „See Where The Night Goes“ ist ein irgendwie cooles Album geworden und dürfte allen gefallen, die gerne etwas blueslastigen Rock hören. Die Lieder gehen ins Ohr und in die Füße, die sofort mitwippen. Die einzelnen Stücke des Albums kommen schnell auf den Punkt, ohne großartige Experimente zu veranstalten. Geradliniger Rock, der unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: See Where The Night Goes, Black



Donnerstag, 3. März 2022

Lisa Akuah – Outgrowing Nymph

 



Lisa Akuah – Outgrowing Nymph


Besetzung:

Lisa Akuah – vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Stella Awisus – backing vocals “Natural Worrier”, “Bubbles” 
Roman Andor – cello “Natural Worrier”
ORIAN – electric guitar “Bubbles”
Daire Music – double bass “Fluid Suits”, “Tales”
Denise Dombrowski – violin, backing vocals “We Will Pass”, “Fluid Suits”, “Tales”
Sebastian Hoch – harmonica, electric guitar “Bubbles”, “Fluid Suits”, “Coffins Shut”




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Folk


Trackliste:

1. Fluid Suits (4:25)
2. Natural Worrier (4:27)
3. Once In A While (3:35)
4. Bubbles (6:04)
5. Coffins Shut (3:41)
6. We Will Pass (5:05)
7. Into Light (4:29)
8. Outgrowing Nymph (0:35)
9. Dancing Trees (3:25)
10. Tales (3:45)

Gesamtspieldauer: 39:33



Gibt es eigentlich so etwas wie „schöne Musik“? Spätestens wenn man dem Debutalbum von Lisa Akuah mit dem Titel „Outgrowing Nymph“ lauscht, glaubt man diese Frage mit einem uneingeschränkten „Ja“ beantworten zu können. „Outgrowing Nymph“ erschien am 25. Februar 2022 auf dem Plattenlabel The Famous Gold Watch Records. Für mich als Plattensammler leider nur in digitaler Form, nichtsdestotrotz jedoch nicht weniger hörenswert.

Lisa Akuah, die die Texte zu ihren Liedern wie auch die Musik selbst schrieb, hat die Stücke auf „Outgrowing Nymph“ inhaltlich in drei Kapitel unterteilt, die da wären „Selbstbeobachtungen“, „Beobachtungen der Außenwelt“ und schließlich „Wahrnehmung“. Die Musik zu den sehr lohnenden Texten ist ein überaus sanfter, an manchen Stellen fast zerbrechlich klingender Neo Folk, zu denen die Musikerin ihre Gedanken mit den Hörerinnen und Hörern teilt. Ihre Stimme klingt ebenso sanft wie die Musik selbst und ist dabei doch eindringlich und alles andere als langweilig. Stimme, Inhalt und Musik ergeben auf „Outgrowing Nymph“ ein berührendes Ganzes, welches zum Träumen und Genießen einlädt.

Die zehn Lieder des Albums klingen allesamt eingängig und melodiös. Nun, im Grunde genommen sind es lediglich neun Lieder, denn das Titellied spricht Lisa Akuah ohne musikalische Begleitung ein. Doch selbst dabei spürt man die Eingängigkeit, die jetzt den Worten innezuwohnen scheint. Neben der Stimme der Sängerin steht der Klang der akustischen Gitarre bei den restlichen neun Stücken im Vordergrund. Unterstrichen werden die dabei transportieren Atmosphären mitunter noch durch Streicher, was den einzelnen Stücken zusätzliche Harmonien verleiht.

Fazit: Für alle diejenigen Hörerinnen und Hörer bestens geeignet, die gerne sanfte und doch jederzeit eindringliche Musik hören, die zusätzlich auch Texte beinhaltet, die sich lohnen mit verfolgt zu werden. Die Lieder auf „Outgrowing Nymph“ klingen durchgängig melodiös und eingängig. Die perfekte Musik zum Herunterkommen nach einem anstrengenden Tag oder, um dem eigenen Blues freien Lauf zu lassen. Schön eben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Fluid Suits, We Will Pass, Dancing Trees



Dienstag, 1. März 2022

Midnight Oil – Resist

 



Midnight Oil – Resist


Besetzung:

Peter Garrett – lead vocals
Rob Hirst – drums & vocals
Martin Rotsey – guitar
Jim Moginie – guitar, keyboards & vocals
Bones Hillman – bass & vocals


Gastmusiker:

Warne Livesey – additional keyboards


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Rising Seas (5:50)
2. The Barka-Darling River (6:49)
3. Tarkine (4:20)
4. At The Time Of Writing (4:39)
5. Nobody‘s Child (4:27)
6. To The Ends Of The Earth (5:01)
7. Reef (4:18)
8. We Resist (5:18)
9. Lost At Sea (4:45)
10. Undercover (3:15)
11. We Are Not Afraid (4:29)
12. Last Frontier (6:53)

Gesamtspieldauer: 1:00:09



„Resist“ heißt das dreizehnte Studioalbum der australischen Band Midnight Oil, welches am 18. Februar 2022 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht wurde. Nachdem die Australier von 2003 bis 2016 mit ihrer Band eine lange Pause eingelegt hatten, tourten sie im Jahr 2017 wieder und schrieben zahlreiche neue Lieder. Mit einem Teil dieses Materials wurde im Jahr 2020 das Album „The Makarrata Project“ veröffentlicht. Dies an dem Wochenende, an dem der langjährige Bassist Bones Hillman verstarb. „Resist“ besteht nun aus den restlichen neu geschrieben Liedern, die noch mit Bones Hillman aufgenommen worden waren und soll gleichzeitig nun auch leider das letzte Midnight Oil Album sein.

Auf „Resist“ hört man für Midnight Oil ganz typische Musik. Rock, der ins Ohr geht und der die einprägsame und markante Stimme des Peter Garrett trägt. Ein wenig wehmütig wird man dabei, wenn man daran denkt, dass dieses Album das letzte von Midnight Oil sein soll. Im Grunde genommen klingen die Australier nämlich immer noch wie in den 80er Jahren, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Viel mehr stellt dieses neue Album eine Bestätigung beziehungsweise Ausweitung der Musik von Midnight Oil dar. Eingängige Musik mit kritischen Texten bekommt man dementsprechend auch auf „Resist“ zu hören – und die einzelnen Lieder rocken dabei. Doch es gibt auch die sanfteren Stellen auf dem Album, sodass für jede Menge Abwechslung gesorgt ist.

Es gibt keine Ausfälle auf „Resist“. Die Musik von Midnight Oil wirkt und klingt gut bei jedem der zwölf Titel des Albums. Kaum zu glauben, dass die australischen Musiker alle bereits stark auf die 70 zugehen, denn die Musik von Midnight Oil hört sich keineswegs angestaubt oder überholt an. Irgendwie hat man beim Hören das Gefühl, die Zeit scheint stehengeblieben zu sein und man wird Jahrzehnte zurückversetzt. Schön, dass es sowas noch gibt. Umso trauriger, wenn dies tatsächlich das letzte Album von Midnight Oil sein soll.

Fazit: „Resist“ ist ein Album ganz im Stile der früheren Alben von Midnight Oil geworden. Toller Rock mit klasse Texten. Die Musik geht ins Ohr und verbleibt dort auch. Keine schnell gemachten 08/15-Lieder, sondern Stücke mit Tiefgang gibt es auf „Resist“ zu hören. Es ist schön, wenn sich manche Dinge eben nicht ändern. Midnight Oil beweisen das auf „Resist“. Und sollte das wirklich das letzte Album von Midnight Oil sein, dann ist es ein absolut überzeugendes Abschiedsgeschenk geworden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Rising Seas, We Resist, We Are Not Afraid



Sonntag, 27. Februar 2022

Man – Live At The Padget Rooms Penarth

 



Man – Live At The Padget Rooms Penarth


Besetzung:

Deke Leonard – guitars, vocals
Martin Ace – bass, vocals
Michael Jones – guitars, vocals
Terry Williams – drums


Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Blues Rock, improvisiert


Trackliste:

1. Many Are Called But Few Get Up (11:05)
2. Daughter Of The Fireplace (8:04)
3. H. Samuel (Jam) (18:30)

Gesamtspieldauer: 37:41



„Live At The Padget Rooms Penarth“ heißt das fünfte Album der walisischen Band Man und wurde im September 1972 veröffentlicht. Es ist das erste vollständige Live-Album der Band, die zuvor ja bereits mit zwei Titeln auf dem „Various Artists“-Live-Doppelalbum „Greasy Truckers Party“ vertreten war. Ursprünglich war auf dem Cover der Platte nachzulesen: „Special Limited Edition For Man Fans“ und es waren lediglich 8000 Exemplare der Platte gepresst worden. Diese wurden zu einem günstigen Preis verkauft und waren innerhalb einer Woche ausverkauft, sodass das Album auf Platz eins der britischen LP-Charts einstieg und eine Woche später bereits wieder verschwunden war. Danach war „Live At The Padget Rooms Penarth“ 30 Jahre lang nicht mehr erhältlich, bis es im Jahr 2002 wieder auf CD veröffentlicht wurde.

Auf „Live At The Padget Rooms Penarth“ hört man Blues Rock, der immer wieder improvisiert aus den Boxen strömt. Das letzte Lied des Albums ist dann gleich eine knapp zwanzigminütige Improvisation. Für Blues-Fans sicherlich eine feine Sache und ganz bestimmt auch eine interessante und hier dokumentierte Phase in der Bandgeschichte. Doch wer weder etwas mit Blues anzufangen weiß, noch der oder dem die Band Man am Herzen liegt, bekommt mit solch einem Werk natürlich Schwierigkeiten.

Doch selbst Blues- und Man-Fans könnten beim Hören des Albums verzweifeln. Und das liegt an der miserablen Aufnahmequalität. Das gesamte Album klingt nur dumpf und brummig, als ob das Konzert mit einem Kassettenrekorder mitgeschnitten worden wäre, der zufällig seitlich auf der Bühne gestanden hätte. Schlimm und das Zuhören macht daher unabhängig von der Musik keinerlei Spaß.

Fazit: Blues-Improvisationen und -Jams gibt es auf „Live At The Padget Rooms Penarth“ zu hören. Das Problem ist dabei vor allem der Sound, der einfach unterirdisch klingt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er ist einfach nur dumpf. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Daughter Of The Fireplace



Freitag, 25. Februar 2022

D’Virgilio, Morse & Jennings – Troika

 





Besetzung:

Nick D’Virgilio
Neal Morse
Ross Jennings




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock, Folk


Trackliste:

1. Everything I Am (5:41)
2. Julia (6:07)
3. You Set My Soul On Fire (3:22)
4. One Time Less (4:53)
5. Another Trip Around The Sun (4:39)
6. A Change Is Gonna Come (4:24)
7. If I Could (4:03)
8. King For A Day (5:48)
9. Second Hand Sons (4:43)
10. My Guardian (3:43)
11. What You Leave Behind (4:16)

Gesamtspieldauer: 51:43



Nein, mit Progressive Rock hat das nichts zu tun, was die Herren Nick D‘Virgilio (Big Big Train, Ex-Spock‘s Beard), Neal Morse (Transatlantic, Neal Morse Band, Ex-Spock‘s Beard) und Ross Jennings (Haken, Novena) auf dem Debutalbum ihres neuen Nebenprojekts unter dem Titel „Troika“ veröffentlichen.

Initiiert wurde die Idee zu diesem Album von Neal Morse, der im Jahr 2020 während der Pandemie einige Lieder schrieb, die so gar nicht zu seinen bisherigen Bandprojekten passen wollten. So schrieb er Ross Jennings an und erklärte ihm seine neue musikalische Idee zu einem Album, welches überwiegend aus akustischen Tracks bestehen sollte, die mit mehrstimmigen Gesangsharmonien unterlegt werden würden. Jennings sagte sofort zu, genau wie Nick D’Virgilio, den Morse natürlich bestens von der gemeinsamen Zeit mit Spock’s Beard her kannte. Doch nicht nur Neal Morse steuerte Ideen zu den Liedern bei, auch Jennings und D’Virgilio beteiligten sich hier und ließen Kompositionen mit einfließen, sodass der Titel des Albums „Troika“ diesbezüglich durchaus seine Berechtigung hat.

Nun, auf „Troika“ hört man Musik, die hauptsächlich mit akustischen Instrumenten eingespielt wurde – Ausnahmen bestätigen hier wieder einmal die Regel, denn in die zweite Hälfte des Albums verirrt sich dann doch auch mal ein Rocker. Angefüllt wurden diese Titel mit sehr schön arrangierten Gesangsharmonien, die wohl auch nicht ganz überraschend an jene von Crosby, Stills und Nash erinnern. Auch wechseln sich die drei Musiker beim Leadgesang ab, was das Album zusätzlich auflockert. Neu klingen die Ideen dabei fraglos nicht, doch wurden Ideen der Siebziger Jahre durchaus überzeugend in die Zwanziger Jahres dieses Jahrhunderts transferiert. Folkige Einschlüsse sind hier zu hören genau wie Westcoast-Einflüsse, Pop und Rock. Die Melodien klingen eingängig, doch das einzig experimentelle an dieser Musik ist, dass die drei Musiker sich hier auf ein Terrain wagen, welches sie bisher noch nicht so mit dieser Konsequenz betreten hatten.

Hörerinnen und Hörer, die Haken-, Spock’s Beard-, Big Big Train- oder Transatlantic-Musik lieben und diese auch auf „Trioka“ aufgrund der Namen der mitwirkenden Musiker erwarten, werden sicherlich mit diesem Album überrascht, wenn nicht gar enttäuscht werden. Das „Progressivste“ auf „Troika“ sind nämlich die Gesangsharmonien gegen Ende des Liedes „Another Trip Around The Sun“, die mich beim ersten Hören ganz leicht an die Vokalakrobatik von Gentle Giant erinnerten – allerdings nur ganz leicht. Ansonsten klingt die Musik auf „Troika“ nett und tut niemandem weh.

Fazit: „Troika“ ist ein unaufgeregtes, hauptsächlich akustisch eingespieltes Album geworden, welches von seinen Vokalharmonien lebt, die die drei Musiker wirklich gelungen umsetzen. Mit Progressive Rock hat das wenig zu tun, von daher bewerte ich dieses Album auch nicht, da es nur aufgrund der Namen der Musiker auf diesen Seiten auftaucht. Der Vollständigkeit halber sei es aber immerhin erwähnt. Acht Punkte.

Anspieltipps: King For A Day, What You Leave Behind



Mittwoch, 23. Februar 2022

Kate Louisa – Alle Diese Jahre

 



Kate Louisa – Alle Diese Jahre


Besetzung:

Kate Louisa – Gesang


Gastmusiker:

Jo Varain – Instrumente
Malte Lehnung – Instrumente
Emil Bisping – zusätzliches Schlagzeug „Alle diese Jahre”
Carl Rueß – zusätzliches Keyboard „Alle diese Jahre”


Label: Großstadtmusik


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Schlager


Trackliste:

1. Marie (2:52)
2. Kleine Luke (3:08)
3. Crazy schönes Life (2:48)
4. Wenn sie kommt (3:00)
5. Alle diese Jahre (2:46)
6. Wie wir sind (3:35)
7. Slowly (3:03)
8. One Day At A Time (2:50)
9. Löwenherz (2:56)
10. All In (The Wave) (3:07)
11. Einmal im Jahr (3:13)
12. Kannst du mich lieben? (3:35)
13. Ich fang gerade erst an (3:19)
14. Mum & Dad (2:35)
15. Morgens um 5 (3:12)

Gesamtspieldauer: 46:07



„Alle Diese Jahre“ heißt das Debut-Album der deutschen Musikerin Kate Louisa. Die Texte schrieb Kate Louisa selbst, die Musik entstand in Co-Produktion mit Jo Varain und Malte Lehnung, die das Album auch hauptsächlich einspielten und produzierten.

Auf „Alle Diese Jahre“ hört man Pop-Musik, welche ab und an auch mal ganz sanft das Genre des Schlagers streift. Dabei klingt die Musik jederzeit eingängig und geht bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr. Umso intensiver werden die einzelnen Lieder, je sanfter die Titel angelegt wurden. Kate Louisa verarbeitet auf diesem Album eigene Depressionen und ihre nicht immer ganz leichte Vergangenheit und legt dabei ihre „Seele offen“, wie sie selbst sagt. Während der Entstehung des Albums und der damit einhergehenden Verarbeitung der bisherigen Geschehnisse in ihrem Leben entstand auch die Idee, dies alles zusätzlich in Buchform zu veröffentlichen, welches vielleicht sogar noch in diesem Sommer erscheint.

Es sind die nachdenklichen Töne, die musikalisch auf „Alle Diese Jahre“ im Vordergrund stehen. Dabei klingt das Album keineswegs zu traurig oder gar dunkel. Denn trotz der sehr emotionalen Texte verbreitet die Musik Optimismus und wirkt manchmal sogar richtiggehend beschwingt. Fast scheint es so, dass Kate Louisa ihre eigenen dunklen Episoden auf diesem Album aufbereitet, um damit anderen Kraft zu geben. Das glückt durchaus und wenn der Abstand zum Schlager durchgängig eingehalten worden wäre, wäre die Musik noch intensiver und noch spannender. Trotz der vier englischen Liedtitel singt Kate Louisa übrigens alle Lieder auf Deutsch ein.

Fazit: Ein schönes Album ist Kate Louisa mit ihrem Debut „Alle Diese Jahre“ gelungen. Hauptsächlich deutschen Pop mit bewegenden Texten gibt es auf der Scheibe zu hören. Lohnt sich und man darf sehr gespannt sein, in welche musikalische Richtung sich die Musikerin in Zukunft weiterentwickeln wird. Acht Punkte.

Anspieltipps: Kleine Luke, All In (The Wave), Kannst du mich lieben?, Mum & Dad



Montag, 21. Februar 2022

Big Chief – Dragon New Warm Mountain I Believe In You

 



Big Chief – Dragon New Warm Mountain I Believe In You


Besetzung:


Big Thief

Adrianne Lenker – acoustic guitar (1, 3–7, 11, 12, 14–20), vocals (1–20), prepared acoustic guitar (2), brush guitar (5), nylon guitar (8), electric guitar (9, 10, 13, 17), snaps (13), harmonics (17), synthesizer (20)
Buck Meek – electric guitar (1, 3, 6, 7, 9–11, 18, 20), vocals (1, 4, 13, 16, 19), prepared acoustic guitar (2), acoustic guitar (4), brush guitar (5, 16), shakers (8), acoustic 12-string guitar (13), snaps (13), drumset (14), bass (17), magic box guitar (17)
James Krivchenia – drumset (1–4, 6–11, 13, 16–18, 20), congas (1), vocals (1, 6, 13), vocal synthesizer (2), bells (5, 9), icicles (5), brushes (5, 20), computer synthesizer (5), tambourine (7, 9, 13, 20), claps (7), synthesizer (8, 10), electronic drums (8), shakers (9, 17), computer textures (9), snaps (13), drum machine (14)
Max Oleartchik – bass (1, 3, 4, 6, 7, 9, 11, 13, 14, 16–18, 20), synthesizer (1), arpeggio synthesizer (2), acoustic guitar (5), icicles (5), tack piano (6), shakers (8), fretless bass (10), vocals (13), snaps (13)


Gastmusiker:

Mat Davidson – fiddle (3, 11, 12), vocals (3, 5, 11, 12, 14), pedal steel (5)], recorder (5), piano (5, 17), accordion (14)
Noah Lenker – jaw harp (3), vocals (13), snaps (13)
Hannah Cohen – vocals (4)
Sam Griffin Owens – tambourine (4)
Richard Hardy – flute (13)
Scott McMicken – percussion (14)


Label: 4AD


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Folk Rock, Alternative Country


Trackliste:

1. Change (4:55)
2. Time Escaping (3:48)
3. Spud Infinity (5:34)
4. Certainty (3:07)
5. Dragon New Warm Mountain I Believe In You (4:43)
6. Sparrow (5:11)
7. Little Things (5:44)
8. Heavy Bend (1:36)
9. Flower Of Blood (4:24)
10. Blurred View (4:06)
11. Red Moon (4:19)
12. Dried Roses (2:35)
13. No Reason (3:47)
14. Wake Me Up To Drive (3:43)
15. Promise Is A Pendulum (4:12)
16. 12,000 Lines (2:59)
17. Simulation Swarm (4:12)
18. Love Love Love (4:13)
19. The Only Place (3:14)
20. Blue Lightning 3:51)

Gesamtspieldauer: 1:20:26



„Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ heißt das fünfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Big Thief. Es wurde am 11. Februar 2022 als Vinyl-Doppelalbum oder als CD auf dem Plattenlabel 4AD veröffentlicht. Insgesamt acht Singles waren bis zum Veröffentlichungstermin des Albums bereits erschienen. Produziert wurde das Album von Schlagzeuger James Krivchenia. Die zwanzig Lieder komponierte allesamt Gitarristin und Sängerin Adrianne Lenker, lediglich beim Titel „Certainty“ wurde sie diesbezüglich von Buck Meek unterstützt.

Auf „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ hört man eine Mischung aus Folk Rock und Alternative Country, denen ab und an auch Elemente des Pops und des Rocks hinzugemischt wurden. Die Musik von Big Thief klingt dabei immer eingängig und melodiös. Im Zentrum steht meist der mitunter fast schon zerbrechlich klingende Gesang der Adrianne Lenker, der durchgängig sanft und weich die Lieder begleitet. Dabei erklingen die einzelnen Stücke des Albums sehr abwechslungsreich. Mal verträumt, sanft und melancholisch, mal doch mit deutlich mehr Groove versehen und sogar etwas rockend. Doch insgesamt bleibt die Atmosphäre des Albums eher ruhig und niemals gehetzt oder gar anstrengend. Durch die verschiedenen Stimmungen der Lieder kommt somit auch nie Langeweile auf.

Dazu kommt, dass die Musik von Big Thief teilweise sogar etwas schräg klingt – und das lässt das Gehörte noch ein wenig spannender und anders klingen. Auf solch eine Nummer wie „Spud Infinity“, die schon sehr nach reinem Country klingt und auf der Adrianne Lenker im Refrain sogar etwas falsch zu singen scheint, hätte ich persönlich zwar verzichten können, an anderer Stelle passen scheinbar schräge Töne, die dieses Mal nicht vom Gesang herstammen, allerdings sehr gut.

Höhepunkte gibt es einige auf „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ zu hören. Wer auf modernen Folk und Alternative Country steht wird auf „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ ganz bestimmt etwas für sich finden. Und dann wohnt diesem Album noch etwas inne, welches häufig gute Platten von weniger guten unterscheidet. Es ist der Umstand, dass dieses fünfte Album von Big Thief mit jedem weiteren Durchgang zu wachsen scheint. Lieder werden vertraute Freunde, Melodien erschließen sich, die nur so klingen dürfen und schließlich findet man immer mehr Stücke auf dem Album, die zu Lieblingsliedern werden können.

Fazit: „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden. Folk, Pop, Rock und Country fließen hier mit ein. Die Lieder gehen gut ins Ohr und wachsen noch mit jedem weiteren Durchlauf. Es macht Spaß hier zuzuhören. Und dann sollte man auch nicht unerwähnt lassen, dass man hier sehr viel Musik für sein Geld erhält. Über achtzig Minuten und das Fassungsvermögen einer CD voll ausgeschöpft. Selbstverständlich ist das nicht, dafür umso schöner. Neun Punkte.

Anspieltipps: Dragon New Warm Mountain I Believe In You, Promise Is A Pendulum



Samstag, 19. Februar 2022

Spoon – Lucifer On The Sofa

 



Spoon – Lucifer On The Sofa


Besetzung:

Britt Daniel – vocals (all tracks), electric guitar (tracks 2–4, 6, 7, 9), bass guitar (tracks 1, 7, 8), acoustic guitar (tracks 5 and 8), handclaps (track 2), keyboards (track 3), percussion (track 3), Mellotron (track 10)
Jim Eno – drums (all tracks), percussion (tracks 3, 6, 8)
Alex Fischel – electric guitar (tracks 2–5, 7, 9), piano (tracks 1, 3–7, 9), keyboards (tracks 1, 3, 6, 8–10), Melodica (track 3), drums (track 4), ARP Solina (track 7)
Gerardo Larios – electric guitar (tracks 1, 2, 4, 6, 7, 9), bass guitar (tracks 5–7), piano (tracks 4 and 5), handclaps (track 2), organ (track 3), bass drum (track 8)
Ben Trokan – bass guitar (tracks 2–4, 9, 10)


Gastmusiker:

Steve Berlin – horns (track 3)
Dave Fridmann – keyboards (track 10)
Jennifer Marigliano – percussion (track 7)
Caroline Rose – backing vocals (tracks 2 and 10)
Ted Tafaro – saxophone (track 10)




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Held (4:45)
2. The Hardest Cut (3:13)
3. The Devil & Mister Jones (4:37)
4. Wild (3:13)
5. My Babe (3:47)
6. Feels Alright (2:56)
7. On The Radio (3:19)
8. Astral Jacket (3:46)
9. Satellite (3:45)
10. Lucifer On The Sofa (5:10)

Gesamtspieldauer: 38:35



„Lucifer On The Sofa“ heißt das zehnte Studioalbum der US-amerikanischen Band Spoon und wurde am 11. Februar 2022 auf dem Plattenlabel Matador Records veröffentlicht. Bereits Ende 2018, nachdem die Tour des neunten Albums „Hot Thoughts“ beendet war, begann die Band mit dem Schreiben neuer Lieder. Und es dauerte pandemiebedingt bis zum Februar 2022, bis das Album nun endlich erschien. Die drei Lieder „The Hardest Cut“, „Wild“ sowie „My Babe“ waren allerdings bereits in den letzten Monaten als Singles veröffentlicht worden.

Wenn man überlegt, dass es Spoon bereits seit fast dreißig Jahren gibt – die Band wurde im Jahr 1993 mit den Gründungsmitgliedern Gitarrist und Sänger Britt Daniel und Schlagzeuger Jim Eno gegründet – überrascht „Lucifer On The Sofa“ durchaus ein wenig. Spoon sind ihrem Stil zwar treu geblieben, doch auf diesem zehnten Album klingt die Musik der Band unglaublich vital, frisch und immer wieder packend. Nicht, dass es nicht auch zuvor schon gute Spoon-Alben gegeben hätte, doch „Lucifer On The Sofa“ überzeugt eben sehr mit seinem frischen und aktuellen Sound und ist keineswegs ein Abklatsch alter Werke der Band.

Auf dem Album hört man eingängigen und auch groovenden Independent Rock, der ganz schnell ins Ohr geht. Die Stimmung des Albums ist eine optimistische, positive und das trotz Corona und den Schwierigkeiten bei der Herstellung. Die einzelnen Lieder überzeugen in der Melodieführung wie auch im Rhythmus, der immer wieder zum Mitwippen animiert. Zudem ist „Lucifer On The Sofa“ ein Album geworden, welches mit jedem weiteren Durchlauf wäschst. Macht Spaß.

Fazit: „Lucifer On The Sofa“ unterhält. Gut gemachten und eingängigen Independent Rock bekommt man auf dem Album zu hören. Spoon sind sich dabei treu geblieben aber kopieren sich nicht. Großartige Experimente unternimmt die Band dabei zwar nicht, doch gerade das ist auf diesem Album ein Pluspunkt, da die Musik im Stile von Spoon hier sehr lebendig und vital klingt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Held



Donnerstag, 17. Februar 2022

Star One – Revel In Time

 



Star One – Revel In Time


Besetzung:

Arjen Lucassen – guitars, bass, keyboards and vocals
Ed Warby – drums
Erik van Ittersum – solina strings
Marcela Bovio – backing vocals
Irene Jansen – backing vocals


Gastmusiker:

Brittney Slayes – vocals "Fate Of Man"
Russell Allen – vocals "28 Days"
Michael Mills – vocals "Prescient"
Ross Jennings – vocals "Prescient"
Jeff Scott Soto – vocals "Back From The Past"
Brandon Yeagley – vocals "Revel In Time"
Joe Lynn Turner – vocals "The Year Of '41"
Will Shaw – vocals "The Year Of '41"
Damian Wilson – vocals "Bridge Of Life"
Dan Swanö – vocals "Today Is Yesterday"
Floor Jansen – vocals "A Hand On The Clock"
John Jaycee Cuijpers – vocals "Beyond The Edge Of It All"
Roy Khan – vocals "Lost Children Of The Universe"
Hellscore Choir – choir "Lost Children Of The Universe"
Michael Romeo – guitar "Fate Of Man"
Timo Somers – guitar "28 Days"
Ron "Bumblefoot" Thal – guitar "Back From The Past"
Adrian Vandenberg – guitar "Revel In Time"
Joel Hoekstra – guitar "The Year Of '41"
Jens Johansson – keyboards "The Year Of '41"
Marcel Singor – guitar "Today Is Yesterday"
Lisa Bella Donna – keyboards "Today Is Yesterday"
Joost van den Broek – organ "A Hand On The Clock"
Steve Vai – guitar "Lost Children Of The Universe"




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Metal, Progmetal


Trackliste:

CD1:

1. Fate Of Man (5:29)
2. 28 Days (Till The End Of Time) (7:21)
3. Prescient (6:34)
4. Back From The Past (4:50)
5. Revel In Time (4:37)
6. The Year Of ‘41 (6:20)
7. Bridge Of Life (5:13)
8. Today Is Yesterday (5:46)
9. A Hand On The Clock (5:52)
10. Beyond The Edge Of It All (4:52)
11. Lost Children Of The Universe (9:46)

CD2 (wie CD1 nur mit anderer Sängerin / anderem Sänger):

1. Fate Of Man (vocals: Marcela Bovio) (5:29)
2. 28 Days (Till The End Of Time) (vocals: John Jaycee Cuijpers) (7:21)
3. Prescient (vocals: Will Shaw) (6:34)
4. Back From The Past (vocals: John Jaycee Cuijpers) (4:50)
5. Revel In Time (vocals: John Jaycee Cuijpers) (4:37)
6. The Year Of ‘41 (vocals, keyboards: Alessandro Del Vecchio) (6:20)
7. Bridge Of Life (vocals: Wilmer Waarbroek) (5:13)
8. Today Is Yesterday (vocals: Arjen Lucassen) (5:46)
9. A Hand On The Clock (vocals: Marcela Bovio, Irene Jansen) (5:52)
10. Beyond The Edge Of It All (vocals: Mike Andersson) (4:52)
11. Lost Children Of The Universe (vocals: Tony Martin) (9:46)

Gesamtspieldauer CD1 (1:06:43) und CD2 (1:06:43): 2:13:26



Den Niederländer Arjen Lucassen kennen die meisten eher von seinem Bandprojekt Ayreon. Dort ist die Veröffentlichungsrate auch deutlich höher, als mit seiner zweiten Band Star One. Hier erschienen bisher die zwei Alben „Space Metal“ (2002) sowie „Victims Of The Modern Age“ (2010). Nun also ein drittes Studioalbum mit dem Titel „Revel In Time“. Zwar stellen die Star One Alben keine Rockopern mit Handlung wie die Ayreon-Veröffentlichungen dar, allerdings bearbeiten sie doch auch immer ein ganz bestimmtes Thema. Mit Star One lebt Arjen Lucassen seine Liebe zum Kino aus. So waren auf „Space Metal“ alle Stücke von Filmen inspiriert, die im Weltraum spielen wie zum Beispiel „Alien“. Auf dem zweiten Star One-Album „Victims Of The Modern Age“ basieren alle Stücke auf apokalyptischen, dystopischen Filmen wie „A Clockwork Orange“. Und nun bei „Revel In Time“ ließ sich Arjen Lucassen von Filmen inspirieren, die sich Manipulationen der Zeit, mit Zeitreisen beschäftigen. So entstammt der Albumtitel auch dem Film „Blade Runner“.

Musikalisch lehnt sich „Revel In Time“ durchaus an die vorherigen Star One-Alben an. Man hört auf diesem dritten Album sehr viel mehr rifflastigen Metal, als zum Beispiel auf einem Ayreon-Album. Es wird ordentlich gerockt auf „Revel In Time“. Arjen Lucassen besitzt dabei allerdings das Gespür für die eingängige Melodie, die sofort, gleich beim ersten Mal des Hörens zu überzeugen versteht. Alles klingt sehr schnell sehr vertraut und mit jedem weiteren Durchlauf noch ein bisschen eingängiger.

Durch die Verbindung der eingängigen Melodien, dem harten Rock und den sehr abwechslungsreichen Gesängen erklingt „Revel In Time“ an mancher Stelle fast wie eine Mischung aus Musical und Metal. Vierzehn verschiedenen Sängerinnen beziehungsweise Sängern darf man auf dem Album lauschen und durch wahrlich gut arrangierte mehrstimmige Gesangspassagen wirkt das Gehörte nochmals abwechslungsreicher. Zu kompliziert oder experimentell ist die Musik dadurch allerdings nicht. Natürlich hört man viele atmosphärische Wechsel und auch mal einen etwas krummeren Takt, zuallermeist bewegt sich die Musik von Star One allerdings auf ganz sicherem, für alle Hörerinnen und Hörer eingängigen Terrain. ProgMetal ist das lediglich in sehr leichten Ansätzen, was man auf „Revel In Time“ zu hören bekommt.

Die zwei CDs enthalten exakt dieselbe Musik, lediglich die Sängerinnen beziehungsweise Sänger wechseln hier. Das wiederum ist ein ganz interessanter Ansatz und spannend, wenn man beide Versionen hintereinander hört. Nicht immer ist der Unterschied sehr groß, doch manchmal weiß man sehr schnell, welche Version mit welchem Gesang der eigene Favorit ist.

Fazit: Arjen Lucassen ist einmal mehr musikalisch sehr aktiv. Dieses Mal bei Star One. Härter klingt die Musik, als bei Ayreon, doch die Eingängigkeit, die packende Melodie, die verliert der Niederländer auch auf „Revel In Time“ nicht aus den Augen oder aus dem Ohr? Unterhaltsam klingt das, wirklich neu allerdings nicht. Neun Punkte.

Anspieltipps: Prescient, Lost Children Of The Universe



Dienstag, 15. Februar 2022

Jonas Lindberg & The Other Side – Miles From Nowhere

 



Jonas Lindberg & The Other Side – Miles From Nowhere


Besetzung:

Jonas Lindberg – bass, keyboards, guitars, lead & backing vocals
Jonas Sundqvist – lead vocals
Jenny Storm – lead & backing vocals
Jonathan Lundberg – drums
Calle Stålenbring – guitars
Nicklas Thelin – guitars
Maria Olsson – percussion


Gastmusiker:

Simon Wilhelmsson – drums on “Little Man” & “Oceans Of Time”
Joel Lindberg – lead guitar on “Why I’m Here”
Roine Stolt – lead guitar on “Miles From Nowhere”




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Secret Motive Man (7:26)
2. Little Man (5:49)
3. Summer Queen (15:51)
4. Oceans Of Time (11:36)
5. Astral Journey (5:50)
6. Why I‘m Here (4:25)
7. Miles From Nowhere (25:31)
    Pt I: Overture (6:54)
    Pt II: Don't Walk Away (4:18)
    Pt III: I Don't Know Where You Are (4:39)
    Pt IV: Memories (3:00)
    Pt V: Miles From Nowhere (6:42)

Gesamtspieldauer: 1:16:31



Nach zwei EPs und dem ersten vollständigen Album „Pathfinder“ im Jahr 2016, veröffentlicht der Schwede Jonas Lindberg wieder unter der „Überschrift“ Jonas Lindberg & The Other Side sein zweites offizielles Studioalbum mit dem Titel „Miles From Nowhere“. Die musikalische Besetzung ist dabei fast identisch zum vorherigen Album. Es fehlt der Keyboarder der Band, Michael Ottosson, der leider im Sommer 2020 verstorben ist, was dazu führe, dass Jonas für das Album alle Keyboardparts selbst eingespielt hat. Dazu gesellt sich zusätzlich als Gastmusiker unter anderem Roine Stolt, der beim Titellied die Leadgitarre spielt.

Musikalisch hat sich nicht viel zum Vorgänger geändert. Auch auf „Miles From Nowhere“ hört man eine Mischung aus symphonischen Retro Prog, angereichert mit etwas Pop und Melodic Rock. Für alle diejenigen, die auf Eingängigkeit in der Musik stehen, ist das natürlich schon mal eine gute Nachricht, denn auf „Miles From Nowhere“ bekommt man eineinviertel Stunden Eingängigkeit geliefert. Wer es lieber frickeliger oder komplizierter in der Musik mag, wird hier deutlich weniger fündig. Mal ein 7/8-Takt, dann wieder eine überraschende Wendung und das Spiel mit den Atmosphären und Stimmungen, das bekommt man auf diesem Album zu hören. All dies immer versehen mit jederzeit eingängigen Melodien, jedoch ohne dabei Experimente einzugehen oder gar zu vertrackt zu klingen.

Beim ersten Titel „Secret Motive Man“ fühlt man sich fast an Styx der 70er Jahre erinnert. Eine Reminiszenz, hervorgerufen vor allen Dingen durch den mehrstimmigen Gesang. Unabhängig davon, dass Roine Stolt beim letzten Titel auch die Gitarre einspielt, erinnert ansonsten viel in der Musik von Jonas Lindberg & The Other Side an die Flower Kings, sodass Freundinnen und Freunde dieser schwedischen Band ebenfalls Gefallen an „Miles From Nowhere“ finden dürften.

Höhepunkt des Albums ist das Titellied, welches am Ende des Albums platziert wurde. Dieses besteht aus fünf Teilen und befasst sich inhaltlich mit dem Verarbeiten und der Befreiung aus einer gescheiterten Beziehung. 25 stimmungsmäßig sehr abwechslungsreiche Minuten erklingen da aus den Boxen oder Kopfhörern. Von sphärischen Klängen bis treibenden Rock gibt es alles zu hören und man glaubt fast zu spüren wie viel Spaß es den Musikern machte, dieses Lied einzuspielen.

Fazit: Wer den RetroProg der eingängigen Art aus Skandinavien mag, die oder der kann hier schon mal nichts falsch machen. „Miles From Nowhere“ klingt melodiös und die Musiker verstehen ihr Handwerk. Und somit ist Jonas Lindberg & The Other Side auch mit ihrem zweiten Album eine überzeugende Scheibe gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Miles From Nowhere



Sonntag, 13. Februar 2022

Eddie Vedder – Earthling

 



Eddie Vedder – Earthling


Besetzung:

Eddie Vedder – lead vocals, guitar
Josh Klinghoffer – guitar
Andrew Watt – bass guitar
Chad Smith – drums


Gastmusiker:

Abe Laboriel Jr.  – drums (track 11)
Ringo Starr – drums (track 12)
Stevie Wonder – harmonica (track 10)
Elton John – vocals, background vocals, piano (track 11)
Harper Vedder – background vocals (track 3)
Olivia Vedder – background vocals (track 10)
Benmont Tench – hammond organ (tracks 3, 11)




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Invincible (4:46)
2. Power Of Right (3:33)
3. Long Way (4:45)
4. Brother The Cloud (4:22)
5. Fallout Today (3:20)
6. The Dark (3:56)
7. The Haves (5:07)
8. Good And Evil (2:41)
9. Rose Of Jericho (2:25)
10. Try (2:51)
11. Picture (3:59)
12. Mrs. Mills (4:04)
13. On My Way (2:08)

Gesamtspieldauer: 47:57



„Earthling“ heißt das dritte Soloalbum des Pearl Jam Sängers Eddie Vedder. Ganze elf Jahre hat es letztendlich gedauert, bis nach dem im Jahr 2011 erschienen „Ukulele Songs“ nun das neueste Solo-Werk des US-Amerikaners vorliegt.

Mit Grunge, für das Pearl Jam zu Beginn ihrer Karriere standen, hat die Musik auf „Earthling“ nichts mehr zu tun. Den hört man inzwischen aber auch bei Pearl Jam selbst nicht mehr. Und so bekommt man auf „Earthling“ Rock serviert, der manchmal auch das Genre des Pop ganz leicht streift. Eingängig klingt das immer und mit jedem Akkord. Viele Risiken ist Eddie Vedder auf seinem neuen Werk nicht eingegangen, denn die Musik setzt sich ganz schnell im Ohr fest, ist radiotauglich und kann intensiv oder auch nebenbei gehört werden.

Einmal mehr überzeugend ist dabei natürlich wieder die Stimme des Eddie Vedder. Unverwechselbar und immer wieder schön zu hören mit diesem leichten Tremolo in den langgezogenen Tönen. Das Album besitzt keinen Ausfall, alle Lieder klingen und wirken. Die Stimmung wechselt von sanft nach rockig und wieder zurück. Besonders gut gefällt mir persönlich das sanfte, melancholische und auch etwas getragene „The Hives“, bei dem die Stimme des Sängers besonders gut zur Geltung kommt. Und gleich im Anschluss daran folgt mit „Good And Evil“ ein kompromissloser Rocker. Für Abwechslung ist also auch gesorgt. Ebenso gelungen klingt „Mrs. Mills“, was stark an die Beatles erinnert und durch seine Orchestrierung nochmals besonders klingt.

Noch zu erwähnen ist das Lied „Picture“. Eine groovende Nummer, bei der Eddie Vedder im Duett mit Elton John singt. Von der Stimmung her passt es sogar etwas mehr zur Musik des Elton John, als zu der des Eddie Vedders. Und auch für dieses Lied gibt: absolut radiotauglich! Das Album klingt mit „On My Way“ aus, was zu Beginn tatsächlich leicht an eine Frank Sinatra Nummer erinnert. Ein schöner Abschluss.

Fazit: „Earthling“ von Eddie Vedder spielt im Mainstream des Rocks. Die Höhepunkte des Albums entdecke ich persönlich eher in den ruhigeren Liedern, obwohl ich gutem und hartem Rock keineswegs abgeneigt gegenüberstehe. Doch manchmal klingen gerade diese rockigen Lieder auf „Earthling“ etwas zu sehr im Mainstream verhaftet, zu gewöhnlich. Gut anzuhören ist das allerdings alles und das Album unterhält auch und hat seine Höhepunkte. Ein ganz besonderes Album ist Eddie Vedder damit allerdings nicht gelungen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Haves, Mrs. Mills



Freitag, 11. Februar 2022

Airbag – Identity

 



Airbag – Identity


Besetzung:

Asle Tostrup – lead vocals
Björn Riis – guitars & vocals
Jorgen Hagen – keyboards
Anders Hovdan – bassguitar
Joachim Slikker – drums


Gastmusiker:

Beate Schei – backing vocals on "Feeling Less"




Erscheinungsjahr: 2009


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prelude (5:11)
2. No Escape (5:44)
3. Safe Like You (7:57)
4. Steal My Soul (8:00)
5. Feeling Less (5:07)
6. Colours (8:07)
7. How I Wanna Be (7:02)
8. Sounds That I Hear (7:29)

Gesamtspieldauer: 54:40



„Identity“ ist das erste offizielle Album der norwegischen Band Airbag. „Identity“ erschien im Jahr 2009 auf dem ebenfalls norwegischen Plattenlabel Karisma Records. Zuvor waren bereits drei EPs veröffentlicht worden. Airbag waren bisher als Pink-Floyd-Cover-Band unterwegs und ich finde das hört man auf „Identity“ nochmals stärker, als auf späteren Veröffentlichungen der Norweger.

„Identity“ klingt nach den letzten beiden Pink Floyd Alben, die nach „The Final Cut“ ohne Roger Waters entstanden sind. Die Gitarre klingt immer nach David Gilmour, die Stimmung spiegelt ebenfalls diese beiden Alben wider. Somit hört man auf „Identity“ sehr melodische, eingängige, meistens auch ruhige, sanfte Musik, die sofort ins Ohr geht. Alles auf diesem Album klingt melodiös und eingängig und ganz im Stile der späteren Pink Floyd Alben.

Was da jetzt besonders herausragt liegt sicherlich in und am Ohr der Hörerin oder des Hörers. Alles klingt gut auf „Identity“, wenn man Pink Floyd mag. „Steal My Soul“ klingt sehr abwechslungsreich. Doch es reiht sich im Grunde genommen auch nur in die Pink Floyd Reminiszenzen ein.

Fazit: Mit ihrem ersten offiziellen Album waren die norwegische Band Airbag noch nicht so innovativ, wie sie später klingen sollten. Auch auf späterem Alben war das Vorbild Pink Floyd präsent und unüberhörbar. Doch auf „Identity“ klingt es noch sehr viel mehr wie eine Band, die Pink Floyd Musk nachspielen möchte. Ihre Identität haben Airbag mit diesen Album noch nicht gefunden gehabt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Steal My Soul



Mittwoch, 9. Februar 2022

Wovenhand – Silver Sash

 



Wovenhand – Silver Sash


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals, guitars, banjo, moog
Ordy Garrison – drums
Chuck French – bass, guitars, moog, piano, drones, samples, percussion
Neil Keener – bass


Gastmusiker:

Dylan Nadon – moog




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Alternative Rock, Gothic


Trackliste:

1. Temple Timber (3:56)
2. Acacia (3:28)
3. Duat Hawk (3:25)
4. Dead Dead Beat (3:21)
5. Omaha (3:44)
6. Sicagnu (2:37)
7. The Lash (4:10)
8. 8 Of 9 (4:29)
9. Silver Sash (3:24)

Gesamtspieldauer: 32:38



Ganze sechs Jahre ließ sich David Eugene Edwards dieses Mal Zeit, um das neunte Album von Wovenhand zu veröffentlichen. „Silver Sash“ heißt dieses und erschien am 4. Februar 2022 auf dem deutschen Plattenlabel Glitterhouse Records – wie auch viele der vorherigen Veröffentlichungen von Wovenhand.

Wovenhand entstand im Jahr 2001 als Soloprojekt des David Eugene Edwards, welches zunächst neben seinem Bandprojekt 16 Horsepower existierte. 16 Horsepower stand für Alternative Country, davon ist bei Wovenhand inzwischen so gut wie nichts mehr zu hören. Auf „Silver Sash“ bekommt man eine Mischung aus Americana und Gothic geboten. Dunkel, düster, bedrohlich und dieses Mal auch deutlich rockiger, als noch auf den vorherigen Veröffentlichungen. Die Texte behandeln selbstverständlich wieder christliche Themen. Diese werden mitunter fast schon beschwörerisch und dadurch noch intensiver eingesungen.

Das klingt insgesamt durchaus kantig. „Hübsche“ Melodien, die man mitsummen könnte, sucht man auf „Silver Sash“ vergeblich. Es ist diese Atmosphäre, mit der die einzelnen Lieder zu punkten verstehen. Sphärische Abschnitte entwickeln sich zu rockigen Passagen und die bedrohliche Stimmung wird ungebremst mit übertragen. Definitiv hört man auf diesem Album keine Gute-Laune-Musik, sondern dunkle und durchaus auch besondere Lieder. Und mit dem fast schon verstörenden Titellied wird man schließlich aus dem Album entlassen.

Mein Favorit auf „Silver Sash“ heißt „8 Of 9“. Dieses Lied erklingt irgendwie im Andenken an 16 Horsepower und besitzt trotz seiner ebenfalls gedrückten Stimmung eine zumindest phasenweise eingängige Melodie und das Banjo im Hintergrund lockert die Atmosphäre etwas auf. Eine spannende Nummer, die bereits beim ersten Mal des Hörens wirkt.

Fazit: „Silver Sash“ bedeutet auf Deutsch „Silberne Schärpe“. Würde das Album „Schwarze Schärpe“ heißen, wäre der Titel des Albums fast noch treffender gewählt, wenn er sich auf die Stimmung dieses Albums beziehen würde. Die Musik, die man hier zu hören bekommt ist dunkel, düster, mahnend und beschwörend. Keine Gute-Laune-Musik, dafür spannende Musik, die bewegt. Allerdings kreierte David Eugene Edwards auf seinen vorherigen Alben immer wieder auch Lieder, die eingängig sofort das Ohr umschwirrten. Diese gibt es auf „Silver Sash“ nun deutlich weniger zu hören. Hörenswert ist das für alle, die etwas Besonderes in der Musik suchen aber natürlich trotzdem. Neun Punkte.

Anspieltipps: 8 Of 9