Donnerstag, 19. Juli 2012

Elbow – Build A Rocket Boys!





Elbow – Build A Rocket Boys!


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keyboards
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums


Gastmusiker:

Margit Van Der Zwan – cello
Adrianne Wininsky – cello
Hallé Youth Choir – additional vocals
Gregory Batsleer – Your Choir Director
Joe Duddell – Choir Conduction
Stella Page – viola, violin
Bob Marsh – trumpet, flugelhorn
John Mosely – vocals


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. The Birds (8:04)
2. Lippy Kids (6:06)
3. With Love (4:12)
4. Neat Little Rows (5:40)
5. Jesus Is A Rochdale Girl (3:18)
6. The Night Will Always Win (4:25)
7. High Ideals (5:39)
8. The River (2:51)
9. Open Arms (4:54)
10. The Birds (Reprise) (1:32)
11. Dear Friends (5:01)




Der Minimalismus steht ein wenig im Vordergrund auf dem fünften Studioalbum von Elbow aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Build A Rocket Boys!“. Minimalismus mit einem Hang zur Monotonie. Monotonie, die fast schon ein wenig hypnotisierend wirkt, wenn ein Ton oder aber ein Lauf immer und immer wiederholt beziehungsweise nur ganz zart variiert wird. Und dieser Minimalismus, diese Monotonie ist wahrlich perfekt gesetzt ohne, dass dies auch nur im Mindesten negativ gemeint wäre. Diese Wiederholungen einzelner Parts sind so perfekt gesetzt, sodass hier nie auch nur der Hauch von Langeweile entstehen kann. Im Gegenteil, es entwickelt sich Spannung. Dazu gesellt sich die Stimme Guy Garveys, die immer im Vordergrund steht und die dieser wieder trefflich verzweifelt und melancholisch einzusetzen weiß.

Sehr schön beginnt das Album mit dem achtminütigen “The Birds“, welches sich langsam, ganz langsam steigert. Ab etwa Minute 3:30 erinnert das Lied dann ein wenig an Kompositionen Peter Gabriels auf dessen dritter und vierter Platte. Hier wird allerdings nichts kopiert, hier werden nur Erinnerungen musikalischer Art erzeugt. Schön und ein wenig elegisch ist anschließend „Lippy Kids“, welches als Textzeile auch den Titel des Albums „Build A Rocket Boys!“ enthält. Dazu gesellt sich ein summender Hintergrundchor und obwohl in diesem Stück ein Piano-Ton immer und immer wiederholt wird, klingt hier alles wunderschön eingängig und melodiös.

Im weiteren Verlauf des Albums gibt es noch jede Menge zu entdecken. Und dabei sind ausdrücklich Texte wie Melodien gemeint. Die Stücke sind meist ruhig gehalten und bestechen immer wieder durch diese wunderbare Klarheit und Einfachheit, durch die Redundanz an Text und Musik, die dann doch mit Monotonie so gar nichts mehr gemeinsam hat. Das, was man zu hören bekommt ist gerade deswegen beeindruckend, weil es auf den ersten Blick (aber nur auf den ersten!) so schlicht wirkt.

„Build A Rocket Boys!“ ist perfekt arrangiert und genauso gut abgemischt. Die Qualität der Lieder kann allerdings gegen Ende des Albums nicht ganz gehalten werden. Hier wird es dann nicht mehr ganz so einprägsam, auch wenn noch die ein oder andere Überraschung auf den Hörer wartet (The Birds (Reprise), Open Arms).

Fazit: Ein schönes und eindrucksvolles Album ist Elbow da gelungen. Ein Album der leisen Töne, welches immer wieder durch seine Schlichtheit besticht. Alles passt wunderbar zusammen, ist perfekt aufeinander abgestimmt. „Build A Rocket Boys!“ ist eines der Höhepunkte im Schaffen von Elbow geworden. Sehr empfehlenswert und dafür gibt es elf Punkte.

Anspieltipps: The Birds, Lippy Kids, With Love, Open Arms, The Birds (Reprise)



Mittwoch, 18. Juli 2012

Foo Fighters – The Colour And The Shape





Foo Fighters – The Colour And The Shape


Besetzung:

Dave Grohl – vocals, guitar, drums
Pat Smear – guitar
Nate Mendel – bass
William Goldsmith – drums


Gastmusiker:

Lance Banks, Chris Bilheimer, Ryan Boesch – handclaps


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Alternative


Trackliste:

1. Doll (1:23)
2. Monkey Wrench (3:51)
3. Hey, Johnny Park! (4:08)
4. My Poor Brain (3:33)
5. Wind Up (2:30)
6. Up In Arms (2:16)
7. My Hero (4:20)
8. See You (2:26)
9. Enough Space (2:36)
10. February Stars (4:50)
11. Everlong (4:09)
12. Walking After You (5:04)
13. New Way Home (5:40)




Bis 1994 war Dave Grohl noch Schlagzeuger bei Nirvana. Nach dem tragischen Tod von Kurt Cobain und der Auflösung der Band, gründete Grohl die Foo Fighters, bei denen er sich nun für den Gesang und die Gitarren zuständig sah. „The Colour And The Shape“ ist das zweite Album der Foo Fighters, welches 1997 veröffentlicht wurde und die Band noch in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung zeigt, auch wenn Schlagzeuger William Goldsmith die Foo Fighters noch während den Aufnahmen verließ.

„Grunge“ ist das nicht mehr, was man auf „The Colour And The Shape“ hört. Somit unterscheidet sich die Musik der Foo Fighters schon deutlich von der aus Nirvana Zeiten. Das Ganze geht mehr in die Richtung geradliniger Rock, der mitunter etwas punkig angehaucht ist. Und dabei handelt es sich um gut gemachten Rock. Auf dem zweiten Album der Foo Fighters gibt es kein Stück, welches von der Qualität her nach unten ausreißt. Alles passt zusammen und man kann die Dauer der Laufzeit durchgängig genießen.

Ruhigere Stücke wie „February Stars“ (welches gegen Ende allerdings deutlich an Fahrt aufnimmt) oder „Walking After You“ werden genauso klasse umgesetzt, wie zum Beispiel einer der „Hits“ der Band „Everlong“. Ebenso mitreißend klingt „Hey, Johnny Park!“, ein Lied, welches von seinem Wechselspiel zwischen lauteren und leiseren Abschnitten lebt. Und wer es lieber gerade durchgerockt mag, der kommt zum Beispiel bei den Titeln „Monkey Wrench“ und „Wind Up“ auf seine Kosten.

Eine schöne Abwechslung stellt die Nummer „See You“ dar, die irgendwie sogar ein wenig schräg klingt und das ganze Album ein bisschen auflockert. Und nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch der letzte Track „New Way Home“. Überaus eingängig weist dieses Stück im Mittelteil eine wirklich klasse arrangierte Steigerung auf. Da wippt der Fuß automatisch mit, ob man will oder nicht.

Fazit: Das erste Album, welches Dave Grohl zusammen mit einer Band und nicht in Eigenregie eingespielt hat, ist wahrlich gut geworden. Geradlinigerer Rock wird hier geboten, verpackt in immer wieder hörenswerten Melodieläufen. Und sogar für die Headbanging-Fraktion wird hier einiges geboten, genau wie für die Freunde des eingängigen Rocks. Dave Grohl hat mit seinen Foo Fighters auf „The Colour And The Shape” die Musik nicht neu erfunden, aber eine Platte vorgelegt, die man immer wieder gerne anhört, wenn man auch mit etwas härterem Rock etwas anfangen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Monkey Wrench, Hey, Johnny Park!, Everlong, Walking After You, New Way Home



Dienstag, 17. Juli 2012

The Airborne Toxic Event – The Airborne Toxic Event





The Airborne Toxic Event – The Airborne Toxic Event


Besetzung:

Mikel Jollett – vocals
Steven Chen – guitar
Noah Harmon – bass
Anna Bulbrook – viola, keyboards
Daren Taylor – drums


Label: Island / Universal


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Wishing Well (3:57)
2. Papillon (3:17)
3. Gasoline (3:20)
4. Happiness Is Overrated (3:11)
5. Does It Mean You’re Moving On? (2:13)
6. This Is Nowhere (2:49)
7. Sometime Around Midnight (5:03)
8. Something New (3:07)
9. Missy (3:39)
10. Innocence (6:52)
11. The Winning Side (4:16)
12. This Losing (3:39)
13. The Girls In Their Summer Dresses (3:20)




Das Album des amerikanischen „The Airborne Toxic Event” mit dem gleichnamigen Namen, beginnt mit „Wishing Well“ ziemlich vielversprechend. Eine schöne treibende Rock-Nummer ist das, die auch ihre Pop-Anteile in sich trägt und spannend ist. Schöne Melodie, guter Groove, da macht es Spaß zuzuhören. Mit „Papillon“ wird dann auch weitergerockt, Sänger Mikel Jollett variiert sehr schön seine Stimme, allerdings wird es hier irgendwie schon „zu leicht“ eingängig. Ausschlaggebend ist dafür nicht zuletzt dieser seltsame Keyboardlauf, den man so von der Neuen Deutsche Welle her kennt. „Gasoline“ rockt dann wieder ein wenig mehr. Nicht schlecht gemacht, aber richtig packen kann das Lied nicht.

Und jetzt könnte man Lied für Lied durchgehen. Aber das ist das Manko dieser Platte. Alles ist auf irgendeine Art und Weise nicht schlecht, aber begeistern kann es leider auch nicht. Mal ganz nett zum Anhören, meistens auch eingängig, manchmal auch ein bisschen „platt“ eingängig, wenn es sich um Refrains handelt, die zum Mitgrölen gemacht wurden.

Das „Airborne Toxic Event“ klingt immer dann gut, wenn von diesem allzu eingängigen und flachen Pfad abgewichen wird. Gutes Beispiel hierfür ist das Lied „Sometime Around Midnight“, welches eine klasse Steigerung aufweist, ebenfalls ins Ohr geht, dort allerdings auch deutlich länger hängenbleibt. Die Nummer ist klasse arrangiert, denn dieses „Anwachsen“ des Liedes kann richtig begeistern.

Fazit: Das Album wie die Band „The Airborne Toxic Event“ haben immer dann ihre Stärken, wenn sie anders klingen und nicht diese manchmal ein wenig „anbiedernde“ Schiene fahren. Schlecht ist das Album wahrlich nicht, was Besonderes findet man auf ihm allerdings auch nicht allzu häufig. Musik hat für mich immer dann etwas, wenn sie hängenbleibt. Auch dann noch, wenn sie nicht mehr im CD-Spieler liegt und man denkt, „Mensch, die Scheibe muss ich mal wieder einlegen!“. Bei „The Airborne Toxic Event“ besteht ein wenig die Gefahr, dass man sie vergisst. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Wishing Well, Sometime Around Midnight, This Losing



Montag, 16. Juli 2012

Haindling – Stilles Potpourri





Haindling – Stilles Potpourri


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Fender-Rhodes, Tenor-, Alt- und Sopran- Saxophon, Tenor Horn, Tuba, Bass Synthesizer, Orgel, Synthesizer, Piano, Akkordeon, Kinderklavier, Rhythmusmaschine, Flipperkasten, String-Synthesizer, Posaune


Gastmusiker:

Heinz Josef Braun – Bass
Peter Enderlein – Schlagzeug
Ulrike Böglmüller – Gesang, Flüsterstimme
Michael Braun – Trompete
Roald Raschner – Synthesizer, Bass-Synthesizer


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Mo Mah Du (3:53)
2. Lang scho nimmer g'sehn (3:55)
3. Flipper-Samba (4:48)
4. Du Depp (2:05)
5. Hoidzscheidl-Rap (3:13)
6. Schürzenjager (2:15)
7. Hello Baby (4:00)
8. Stilles Potpourri (3:11)
9. Tschu-Tschu (3:02)
10. 3 Hellseher (5:26)
11. Draissg Kilomedta (3:30)
12. 3 x 3 = 9 (1:22)




Auch wenn der ganz große Überraschungs-Coup bereits mit dem ersten Album von Haindling, alias Hans-Jürgen Buchner, gesetzt worden war, so kann auch das zweite Album des Niederbayern, „Stilles Potpourri“ aus dem Jahr 1984 überzeugen.

Auch auf dieser zweiten Platte gibt es wieder jenen wunderschönen und etwas skurrilen Wortwitz zu bewundern, der dazu noch in richtig gute Melodien eingebettet ist. Beispielhaft stehen dafür die beiden Stücke „Mo Mah Du“ und „Du Depp“. Auf die Ideen für diese Texte muss man erst einmal kommen. Wirklich klasse gemacht und ein Grinsen entfaltet sich auf dem Gesicht des Hörers. Etwas allzu schlageresk wird es mit „Lang scho nimmer g'sehn“. Dieses Lied schaffte es sogar in die deutschen Hitparaden. Die Deutschen lieben ganz offensichtlich Schlagermusik.

Zwei Fehlgriffe finden sich auch auf der Platte. Der „Hoidzscheidl-Rap“ ist unsäglich und grauenvoll. Da ist jeder Schlager ein Geniestreich dagegen. Und auch „Tschu-Tschu“ strapaziert einem ganz schön die Nerven, wenn er auch nicht ganz an das schlechte Niveau dieses „Raps“ heranreicht. Aber es gibt auch noch weitere kleine Perlen, wie das erneut etwas skurrile „3 Hellseher“. Zu hoffen ist dabei nur, dass Hans-Jürgen Buchner den Text nicht ernst meint…. „Schürzenjäger“ ist ein kurzes und lustiges Instrumentalstück, welches von den Bläsereinlagen lebt und der Titelsong „Stilles Potpourri“ ist so wunderschön melancholisch, sentimental und ein bisschen traurig und wehmütig.

Und dann warten am Ende des Albums noch zwei Höhepunkte, nein die Höhepunkte der Platte. „Draissg Kilomedta“ hat eine wunderschöne Melodie, die vom Piano getragen wird. Hier hört man auch nur Hans-Jürgen Buchners Gesang sowie sein Piano. Dazu ist das Lied so „wunderschön verzweifelt“. Richtiggehend ergreifend. Und dann auch noch dieser Text dazu – einfach klasse gemacht. Schließlich gibt es dann noch das letzte Stück „3 x 3 = 9“ Vom Text her das absolute Trinkerlied nach der Devise „Eine geht noch, eine geht noch rein…“. Von der Musik her allerdings wieder ein Piano Solo und dazu der Gesang. Alles wirkt irgendwie verschwommen und passt von der Musik her, die wiederum sehr melodiös ist, so überhaupt nicht zum Text. Und gerade darin liegt der Reiz dieses Liedes, welches einen tollen Abschluss für dieses Album darstellt.

Fazit: Nicht alles ist klasse auf „Stilles Potpourri“, allerdings gibt es viele gute Lieder und einige, die sogar richtig klasse geworden sind. Hans-Jürgen Buchner macht keine 08/15-Musik mit Haindling. Vieles ist hier hintersinnig, vieles ist überraschend, klingt überaus bayrisch und ist so wunderschön melodiös. Dazu gesellen sich noch überaus witzige Texte, die auch das zweite Album des Niederbayern zu einem Erlebnis werden lassen. Somit hat sich „Stilles Potpourri“ zehn Punkte verdient.

Anspieltipps: Mo Mah Du, Du Depp, Stilles Potpourri, Draissg Kilomedta, 3 x 3 = 9



Sonntag, 15. Juli 2012

Peter Gabriel – Us




Peter Gabriel – Us


Besetzung:

Peter Gabriel – voice, programming, triangle, keyboard bass, keys, harmonica, mexical flute


Gastmusiker:

Manu Katche – drums
The Babacar Faye – drummers, sabar drums
Doudou N'Diaye Rose – drum loop
David Bottrill – programming
Tony Levin – bass
David Rhodes – guitar
Daniel Lanois – shaker, guitar, additional vocals
Richard Blair – additional keyboards
Chris Ormston – bagpipes
Levon Minassian – doudouk
Sinead O'Connor – vocals
Dmitri Pokrovsky Ensemble
Hossam Ramzy – tabla
Daryl Johnson – hand drum
William Orbit – programming
Bill Dillon – guitar
Brian Eno – additional keys
Shankar – violin
Caroline Lavelle – cello
Gus Isidore – bridge guitar
Leo Nocentelli – guitar
Tim Green – tenor sax
Reggie Houston – baritone sax
Renard Poche – trombone
Bill Dillon – guitar
Kudsi Erguner – ney flute
Ayub Ogada – vocals
Babacar Faye – djembe
Assane Thiam – tama, talking drum
Hossam Ramzy – surdu
Peter Hammill – additional vocals
Richard Macphail – additional vocals
John Paul Jones – surdu, bass and keyboards
Richard Evans – mandolin, mix engineer
The Adzido Drummers – additional percussion loop
Manny Elias – senegalese shakers
Marilyn McFarlane – vocals
Malcolm Burn – additionall synthesizer cello


Label: Realworld


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Come Talk To Me (7:06)
2. Love To Be Loved (5:18)
3. Blood Of Eden (6:38)
4. Steam (6:03)
5. Only Us (6:32)
6. Washing Of The Water (3:52)
7. Digging In The Dirt (5:18)
8. Fourteen Black Paintings (4:37)
9. Kiss That Frog (5:20)
10. Secret World (7:02)

Gesamtspieldauer: 57:49



Dieses Mal ließ sich Peter Gabriel sechs Jahre Zeit, bis er nach „So“ mit „Us“ sein sechstes Solo-Album veröffentlichte. Und bei „Us“ zeigte sich, dass einmal eingeschlagene Wege von Peter Gabriel weiter konsequent verfolgt wurden. Das gilt zum einen für die Kürze des Album-Titels, genau wie für die Richtung der Musik hin zu Liedern, die immer mehr dem Mainstream zugeordnet werden können und immer radiotauglicher wurden. Und noch etwas wiederholte Peter Gabriel auf „Us“: Ein Duett mit einer bekannten Sängerin. Waren es auf der Vorgänger-Platte noch Kate Bush und Laurie Anderson, die den Briten unterstützten, so war es sechs Jahre später Sinead O’Connor, die eine Gesangslinie beisteuerte.

Das Album beginnt mit „Talk To Me“. Einer schönen und rhythmischen Nummer, in der auch Dudelsackklänge zu vernehmen sind. Das Lied kommt in etwa in der Tradition von „Red Rain“ aus dem Vorgängeralbum daher. Eindringlich und packend ist diese Nummer, bei der Sinead O’Connor einige Gesangsparts übernimmt. Schön und gelungen ist auch „Love To Be Loved“. Hier wirkt jetzt alles wieder ein wenig leichter, schwebender. Das Lied besitzt eine eingängige Melodie und bleibt nicht zuletzt deswegen auch hängen. Mit „Blood Of Eden“ lassen sich ebenfalls wieder Parallelen zum Vorgängeralbum ziehen. Hier jetzt allerdings zu den ganz ruhigen Liedern. „Blood Of Eden“ klingt sehr getragen und lebt von seiner Atmosphäre. Der Nachteil liegt dabei im Refrain verborgen, der nur allzu schnulzig und übertrieben melancholisch klingt. Und das gilt für die Musik, wie für den Text.

Es folgt mit „Steam“ so etwas wie der Tiefpunkt des Albums. Überaus eingängiger und rhythmischer Pop wird hier dargeboten. Ganz im Sinne von „Big Time“ vom Vorgängeralbum. Was allerdings mit „Sledgehammer“ wunderbar funktioniert hat, passt hier gar nicht mehr. Aber zumindest wurde das Stück des Öfteren im Radio gespielt. Mit „Only Us“ bewegt sich Peter Gabriel wieder auf „Weltmusik“-Pfaden. Afrikanische Klänge wurden dem Lied beigemischt, welches aber immer noch als Peter-Gabriel-Lied zu erkennen ist. „Washing Of The Water“ ist im Anschluss daran eine ganz melancholische Nummer. Vom Piano und Peter Gabriels Stimme dominiert, verbreitet das Lied eine sehr sentimentale Stimmung.

Und dann folgt er, der „Hit“ des Albums. „Digging In The Dirt“ ist auch ein Höhepunkt, wenn nicht sogar der Höhepunkt der Platte. Klasse und mitreißend pulsiert das Lied in einer wunderbaren Art und Weise. Dazu wieder der eindringliche Gesang Peter Gabriels mit einem überaus „maroden“ Text. Toll gemacht. Auch das Video zum Lied ist dabei äußerst empfehlenswert. „Fourteen Black Paintings“ ist dann völlig anders gestrickt. Fast schon ausschließlich instrumental gehalten, nur kurz stimmt Peter Gabriel ein paar Textzeilen an, bildet das Lied eine atmosphärische Nummer, die ebenfalls wieder Anleihen der Weltmusik enthält. „Kiss That Frog“ ähnelt in seiner Art dem Stück „Steam“. Ist allerdings noch einen Schritt schlechter gelungen. „Secret World“ stellt schließlich den Abschluss des Albums dar. Und dieses Lied war auch Namensgeber für die anschließende Tour Peter Gabriels. Das Lied ist ein Beispiel dafür, dass „ruhig“ und „rhythmisch“ durchaus zueinanderpassen. Nur kurzzeitig wird das Stück ein wenig „lauter“, um dann wieder die vorherige Stimmung zu transportieren.

Fazit: „Us“ ist wohl das „schlechteste“ Peter Gabriel Solo-Album. Obwohl „schlecht“ das völlig falsche Adjektiv ist. Aber der Musiker hat mit seinen anderen Veröffentlichungen die Latte eben sehr hoch gelegt. Auf „Us“ gibt es einige gute Lieder zu hören, allerdings auch 08/15-Ware. Das Ganze ist radiotauglicher geworden und sehr viel mehr auf die breite Masse der Musikhörenden ausgerichtet. Dass damit auch Ecken und Kanten verschwinden, die Musik manchmal so hörenswert machen, muss dann wohl so sein. Und, nein, „Us“ ist kein schlechtes Album. Nur eben nicht mehr ganz so gut wieder der Rest des Ex-Genesis-Sängers. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Come Talk To Me, Love To Be Loved, Washing Of The Water, Digging In The Dirt, Fourteen Black Paintings

Samstag, 14. Juli 2012

Hans Albers - Golden Greats





Hans Albers - Golden Greats



Irgendwann kaufte ich mir diese CD Box von Hans Albers. “Golden Greats”, eine drei Cds umfassende Veröffentlichung. Darauf all die Klassiker von “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” bis “Goodbye Johnny”. Doch was den Sänger Hans Albers ausmachte, war seine Vielseitigkeit, immer ein bisschen genuschelt, immer ein bisschen der Lebemann in der Stimme. Albers’ Lieder sind zeitlose Hits. Unterstützt von einem Orchester wandelte er durch die Zeiten, Geschichten erzählend, teils tief, teils humorvoll. Aus heutiger Sicht scheinen einige der Songs politisch nicht korrekt zu sein, ein Titel wie “Das Lied vom Nigger Jim” wäre heute undenkbar. Doch das ist eben aus heutiger Sicht. Hans Albers war nicht nur ein großer Schauspieler und Entertainer, er war auch jemand, der sich vom nationalsozialistischen Regime nicht einbeziehen ließ. Er weigerte sich eine Auszeichnung vom Propagandaminister Goebbels überreicht zu bekommen und half seiner langjährigen jüdischen Lebenspartnerin ins sichere England zu kommen. Nach dem Krieg waren sie wieder vereint.

Hans Albers war kein großer Sänger und dennoch seine Lieder sind herausragend. Er hatte diese bestimmte Art zu präsentieren. Er ging ganz in den Liedern auf und schauspielerte sich hindurch. Beeindruckend, bewegend, zeitlos gut. Hans Albers ist für mich einer der ganz großen deutschen Sänger, Schauspieler, Entertainer. Einer, den man neu entdecken sollte. Die CD Box “Golden Greats” ist ein guter Start, die weite Welt des Hans Albers zwischen Hamburg-Reeperbahn und Tahiti kennenzulernen.




Freitag, 13. Juli 2012

Woody Guthrie - Woody At 100





Woody Guthry - Woody At 100



Am 14. Juli 1912 wurde Woodrow Wilson “Woody” Guthrie geboren. Nur 55 Jahre wurde er alt und prägte dennoch wie kein anderer die amerikanische Musiklandschaft. Von Bob Dylan bis Bruce Springsteen, von Ramblin’ Jack Elliott bis Pete Seeger und Billy Bragg sie alle erklären, dass dieser Mann aus dem kleinen Prärie-Städtchen Okemah in Oklahoma ihr größter Einfluß war.

Woody Guthrie war ein rastloser und reisender Geschichtenerzähler, ständig unterwegs, der von einem auf den anderen Moment seine Sachen packet und weiterzog. Er hatte die Begabung hinzusehen und zuzuhören. Immer wurde er mit einem Notizbuch angetroffen, in das er Songideen, und Gedichte schrieb, Essays und Briefe, philosophische Gedanken, witzige Begebenheiten und kleine Illustrationen malte. Den Farm- und den Minenarbeitern hörte er genauso zu, wie den Seemännern und den fahrenden Landarbeitern, den sozial Gestrandeten und den Gescheiterten, jenen, für die der “American Dream” nur Tagträumerei war. Hin und wieder, gerade in seinen Anfangsjahren als singender Poet, griff er auch mal selbst zur Schaufel, doch das Arbeiterleben war nichts für ihn, er war vielmehr das Sprachrohr des “Blue Collar America”, des arbeitenden Volkes.

Guthrie nahm die Geschichten und und das Erlebte auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten Amerikas auf und vertonte sie auf seine einzigartige Art und Weise. Er brauchte nicht viel, eine Gitarre, hin und wieder eine Mundharmonika und schon hörte man ihm zu. Seine leicht nasale Stimme, sein Genuschel, oftmals traf er die Töne nicht voll und dennoch, Woody Guthrie ist einer der bedeutendsten Sänger und Songschreiber, die Amerika jemals hervorgebracht hat. Sein Freund und Nobelpreisträger John Steinbeck, Autor des großartigen Romans “Früchte des Zorns”, war angetan von Guthries Lieder und meinte, “Ich brauche einen ganzen Roman dafür, um das zu sagen, was der kleine Bastard in ein paar Versen sagt”.

Seine Karriere war nur kurz. Anfang der 50er Jahre wurde er mit der Huntington Krankheit diagnostiziert, einer unheilbaren Erkrankung des Gehirns, die Bewegungsstörungen und psychische Symptome hervorruft. Es war ein langsamer Tod, der ihm erst seinen Verstand raubte, dann seinen Körper angriff und ihm schließlich am 3. Oktober 1967 das Leben kostete.

Auch fast 45 Jahre nach seinem Tod sind seine Lieder zeitlose Dokumente eines Landes im Umbruch, im Aufbruch, in Bewegung. Guthrie hielt der Nation lange Jahre den Spiegel vor. Er wurde vom FBI beobachtet, viele sahen in ihm den Wanderkommunisten, der mit seiner Gitarre bewaffnet das Proletariat politisch agitierte. Doch Woody Guthrie war vielmehr der Wanderbarde, ein Storyteller, der im Land die Stimmungen aufnahm und genau darüber woanders sang.

Nun zum 100. Geburtstag hat Smithsonian Folkways eine beeindruckende CD Box in Buchform veröffentlicht. “Woody at 100” beinhaltet drei CDs mit Klassikern und zum Teil unveröffentlichten Live-Aufnahmen und sogar sechs bislang unbekannte Originalversionen wurden für diese Box ausgegraben. Der erste Song ist eine stark verrauschte Version von “This land is your land”. Und doch, gerade so, in dieser nicht klangreinen Fassung ist sie am tiefsten und schönsten. Begleitet wird diese CD-Veröffentlichung von einem 150 Seiten dicken Buch, in dem Woody Guthries Geschichte anhand vieler Photos und Dokumente erzählt wird. Auch gibt es Hintergrundinformationen zu den einzelnen Songs. Smithsonian Folkways hat erneut eine wunderbare Box veröffentlicht, mit viel Liebe zum Detail zusammen gestellt, die einen Sänger und Songschreiber präsentiert, der “one of a kind” war.

Woody Guthrie glaubte an die Kraft des Liedes. Auf seiner Gitarre hatte er einen Aufkleber “This machine kills fascists”, dieser Apparat tötet Faschisten. Er war vom friedlichen Wandel überzeugt, von der Macht des Wortes, von der Stärke der Unterdrückten und Benachteiligten. Sein politischer Aktivismus, sein soziales Engagement, sein nicht wegsehen vor dem, was um ihn herum passierte machte Woody Guthrie zu einem Ausnahmemusiker, der noch heute geliebt und geschätzt wird. Er schrieb Kinder- und Liebeslieder, politische Songs und Unmengen an Liedern über den “Dust Bowl” die Zustände der amerikanischen Landarbeiter in den 30er Jahren. Woody Guthrie war Amerikaner durch und durch. Wohl kein anderer Musiker konnte jemals einen so zeitlosen Song ohne pathetischen und patriotischen Unterton über die USA schreiben, wie Woody Guthrie mit “This land is your land, this land is my land…from California, to the New York Islands”.



Donnerstag, 12. Juli 2012

Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts





Barclay James Harvest – Time Honoured Ghosts


Besetzung:

John Lees – lead guitar, acoustic guitar, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion
Les Holroyd – bass, acoustic guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1975 / 2003


Stil: ArtPop, Symphonic Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. In My Life (4:41)
2. Sweet Jesus (3:30)
3. Titles (3:49)
4. Jonathan (4:48)
5. Beyond The Grave (4:08)
6. Song For You (5:21)
7. Hymn For The Children (3:41)
8. Moongirl (4:52)
9. One Night (5:25)


Bonus Track:

10. Child Of The Universe (Remake for planned US Single) (2:48)




1975 veröffentlichte die englische Band Barclay James Harvest ihr sechstes Album mit dem Titel „Time Honoured Ghosts“. Die Stücke stammen dabei hauptsächlich von Les Holroyd und John Lees. „Beyond The Grave“ wurde noch von Stuart Wolstenholme beigesteuert und bei „Titles“ handelt es sich um ein traditionelles Lied, welches von John Lees neu arrangiert wurde.

Die Platter startet gleich richtig gut durch und wer auf mellotron-geschwängerte Musik steht, der kommt mit „In My Life“ bestens auf seine Kosten. Hier klingen Barclay James Harvest so überaus typisch, dass dieses Lied stellvertretend für viele andere Songs der Band stehen könnte. Richtig gut gemacht. Das kann man für den nächsten Titel allerdings nicht mehr behaupten. Barclay James Harvest verarbeiteten in ihren Liedern auch immer religiöse Themen, dass diese allerdings so was von schwülstig dargeboten werden, stellt glücklicherweise eine Ausnahme dar.

„Titles“ ist das dritte Stück des Albums und leider auch ein wenig langweilig geraten. Irgendwie fehlt hier das Feuer in dem Song. Textlich hat sich John Lees dabei in Strophe und Refrain den Scherz erlaubt, eine kleine Reminiszenz an die Beatles darzubieten. Als Beispiel hierfür mal die Textzeilen des Refrains: „Lady Madonna let it be, Something in the way you moved me, Yesterday, All you need is love so they say“. So ist der Name des Stücks auch gleichzeitig “Omen”. Besser wird das Lied dadurch jedoch leider auch nicht. Es schafft es nicht einen richtig zu packen.

„Johnathan“ ist im Anschluss daran sehr ruhig gehalten und wird im weiteren Verlauf richtiggehend elegisch. Das Mellotron zaubert wieder einen breiten und satten Klangteppich, auf dem es sich herrlich herumwälzen lässt. „Beyond The Grave“ ist schließlich Stuart Wolstenholmes Auftritt. Und auch hier bleibt festzuhalten: Das hat er schon mal besser gemacht. Klar, alles klingt wieder fett und vollgesogen, das Mellotron und die Synthesizer geben ihr Bestes, allerdings langweilt das Ergebnis ein wenig. Das wirkt nicht nur beim Gesang zu süß und getragen, dem Lied fehlt es an dem gewissen Etwas, welches die guten von den schlechten Nummern trennt.

„Song For You“ rockt dann sogar ein wenig los. Die Gitarre klingt und auch der Orgellauf kommt richtig gut rüber. Eine schöne Abwechslung. In der Mitte des Liedes kommt es dann zum Stilbruch und die zarteren Töne sind wieder angesagt. Sehr melodiös geht es dann mit „Hymn For The Children“ weiter. Schön und eingängig ist dieses ruhige Stück und erinnert damit auch an die vielen ruhigen Nummern der ersten Platten, denn in genau dieser Tradition steht „Hymn For The Children“. Und so geht es mit „Moongirl“ auch weiter. Klar Fans der „härteren Töne“ werden hier Schwierigkeiten haben, das ist wahrlich weichgespült und allzu lieblich, was hier jetzt zu hören ist. Aber es bleibt trotzdem hängen.

Beendet wird das ursprüngliche Album durch das Stück „One Night“. Auch dieses Stück ist eingängig und melodiös, wenn sich hier auch der Text immer wieder nur allzu platt anhört. Und dieser befindet sich so, zumindest im Refrain, wohl bereits in einhundert anderen Stücken anderer Bands. Die Zugaben sind dieses Mal auf der remasterten Fassung sehr spartanisch. Es handelt sich nur um ein Stück: „Child Of The Universe“. Das ist natürlich ein guter Song, befindet sich allerdings bereits schon als Bonus Track auf dem Vorgängeralbum – und dort auch noch in einer längeren Version.

Fazit: An den Vorgänger kommt „Time Honoured Ghosts“ nicht heran. Dazu befindet sich einfach zu viel durchschnittliches Material auf der Platte. Klar gibt es hier auch Höhepunkte, diese haben allerdings nicht dieselbe Höhe, wie manch anderer Song auf anderen Platten von Barclay James Harvest. Somit stellt „Time Honoured Ghosts“ sicher kein schlechtes Album dar, allerdings kommt es über den Stand des Durchschnitts auch nicht heraus. Acht Punkte.

Anspieltipps: In My Life, Jonathan, Hymn For The Children, Moongirl, One Night



Mittwoch, 11. Juli 2012

Marit Larsen – Spark





Marit Larsen – Spark


Besetzung:

Marit Larsen – vocals, piano, acoustic guitar, electric guitar


Gastmusiker:

Kåre Christopher Vestrheim – electric guitar, acoustic guitar, piano, keyboards, synthesizer, mellotron, harmonica, percussion, backing vocals
Torstein Lofthus – drums
Tor Egil Kreken – bass, electric guitar, acoustic guitar
Geir Sundstøl – electric guitar, lap steel guitar
Odd Nordstoga – acoustic guitar, dobrp
Marius Graff – acoustic guitar
Tommy Kristiansen – acoustic guitar
Alexander Pettersen – electric guitar
Erland Dahlen – percussion
Jørgen Malo – synthesizer
Vegard Johnson, André Orvik, Øyvind Fossheim, Silje Haugen, Alyson Read, Jørn Halbakken, Ranveig Winge, Eileen Siegel, Hans Morten Stenmsland – violin
Dorthe Dreier, Stig Ove Ose, Jon Sønstebø, Catherine Bullock – viola
Geir Tore Larsen, Hans Josef Groh, Cecilia Gøtestam – cello


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Pop


Trackliste:

1. Keeper Of The Keys (4:01)
2. Don’t Move (3:46)
3. What If (4:57)
4. I Can’t Love You Anymore (4:21)
5. Coming Home (4:00)
6. Me And The Highway (5:01)
7. Last Night (4:22)
8. Have You Ever (4:07)
9. Fine Line (4:29)
10. That Day (4:44)




Mit dem Album „Spark“ veröffentlichte die Norwegerin Marit Larsen im Jahr 2011 bereits ihr viertes Album. Und ich habe mir die Scheibe immer und immer wieder angehört – und ich tue mich damit trotzdem so schwer. Die Platte ist sehr ruhig und zurückhaltend. Das gilt für die Musik genau wie für den Gesang. Meist nur ganz dezent mit dem Piano oder der Gitarre instrumentiert, entfalten sich die einzelnen Lieder ganz sanft. Und ganz sanft ist auch die Stimme Marit Larsens. Sanft und zerbrechlich wirkt so eigentlich jeder Song. Eigentlich noch gar nichts Schlechtes, denn es gibt jede Menge ruhige Platten, die einfach nur gut geworden sind.

Man kann das Ganze allerdings auch als „Gesäusel“ auffassen, welches meistens noch nicht einmal besonders melodiös ist. Alles ist hier so zuckersüß, so überaus weichgespült, dass man sich einfach mal ein wenig Abwechslung in Form von ein bisschen mehr Tempo oder Rhythmus oder Melodie herbeisehnt. Und dann gibt es da noch einen Punkt – die Texte. Zehn Lieder befinden sich auf der CD. Warum diese allerdings alle, ausnahmslos alle, über Herzschmerz, Liebe oder beendete Liebe handeln müssen, ist nur schwer zu verstehen. War dies das zentrale Thema der Sängerin beim Schreiben des Albums, welches sie gerade so intensiv beschäftigte? Das wiederum würde allerdings auf häufig wechselnde Lebenspartner der norwegischen Sängerin schließen lassen. Glaube ich nicht. Oder aber zeigt dieser Umstand nur sehr eingeschränkten künstlerischen Spielraum in Bezug auf das Texten von Songs auf? Ist ihr schlichtweg nichts anderes eingefallen? Die Antwort könnte nur Marit Larsen uns geben.

Fazit: Das Album „Spark“ ist Langeweile pur. Kein Vergleich zu Kate Bush, Tori Amos oder auch Agnes Obel, um mit Letzterer mal im Norden Europas zu bleiben. Das Lied „What If“ klingt ein wenig anders und ist somit gleich der Höhepunkt des Albums. Der Rest rauscht so durch. Da gibt es nichts was einen länger fesselt, irgendwie ist das alle ein wenig belanglos. Schade. Fünf Punkte.

Anspieltipps: What If



Dienstag, 10. Juli 2012

Peter Gabriel – So




Peter Gabriel – So


Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, piano, cmi synthesizers


Gastmusiker:

David Rhodes – guitars, backing vocals
Tony Levin – bass
Manu Katché – drums
Jerry Marotta – drums
Kate Bush – vocals
Stewart Copeland – drums
Daniel Lanois – guitars
Richard Tee – piano
L Shankar – violin
Simon Clark – hammond, cmi synthesizer, bass
Larry Klein – bass
Mark Rivera – saxophone


Label: Realworld


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: ArtPop, Rock, Pop


Trackliste:

1. Red Rain (5:40)
2. Sledgehammer (5:12)
3. Don’t Give Up (6:33)
4. That Voice Again (4:53)
5. Mercy Street (6:22)
6. Big Time (4:29)
7. We Do What We’re Told (Milgram's 37) (3:22)
8. This Is The Picture (Excellent Birds) (4:25)
9. In Your Eyes (5:29)

Gesamtspieldauer: 46:28



Vier ganze Jahre dauerte es, dann veröffentlichte Peter Gabriel 1986 sein fünftes Solo-Album. Und dabei kam es zum Stilbruch. Denn dieses neue Album war nun nicht mehr unbetitelt und konnte dementsprechend auch nicht mehr einfach mit „5“ oder „V“ betitelt werden. Nein dieses Mal nannte der Brite sein Album auch beim Namen, der allerdings auch nicht besonders schwierig zu merken war: „So“ hieß die neue Platte. Und noch etwas konnte beim Hören der Titel festgehalten werden: Peter Gabriels Musik machte einen deutlichen Schwenk hin zum radiotauglichen Pop, näherte sich diesbezüglich also dem Mainstream an. Wenn auch nicht mit jedem Lied der Platte, so war diese Tendenz doch deutlich zu vernehmen, beziehungsweise zu hören.

Mit einem für Peter Gabriel ganz typischen Lied startet das Album. „Red Rain“ ist eine sehr eindringliche Nummer, wie immer klasse arrangiert, überaus eingängig und intensiv. Das Stück ist mit Sicherheit radiokompatibel, allerdings schon wieder deutlich anspruchsvoller als 08/15-Pop und wohl dann doch nicht eingängig genug beim ersten Hören, sodass es nur selten den Weg in die Playlisten der Musikredakteure der Radios fand. Ganz anders sieht das mit dem zweiten Stück der Platte aus. „Sledgehammer“ war der Hit auf „So“ und wohl auch Peter Gabriels beste Platzierung in den Single-Charts dieser Welt in seiner Laufbahn. Und wenn sich mainstreammäßige Radiomusik so anhört, dann ist es sehr schade, dass man nur so wenig davon zu hören bekommt. Das Lied ist klasse. Alles pulsiert hier, der perfekte Groove, die packende Melodie, perfekt gesetzte Chor- und Bläsereinsätze. Da passt einfach alles. Eines der wenigen Lieder Peter Gabriels, welches in den Discotheken der damaligen Zeit rauf und runtergespielt wurde, da es wahrlich nur wenige, bessere Lieder zum Abtanzen gibt. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch das zum Lied passende, mehrfach ausgezeichnete Musikvideo bleiben. Bahnbrechende Videokunst war das Mitte der achtziger Jahre, die mit einem Füllhorn an Ideen ausgestattet war. Und auch heute ist dieses Video immer noch sehr beeindruckend.

Beim nächsten Stück, „Don’t Give Up“, handelt es sich um ein Duett, welches Peter Gabriel zusammen mit Kate Bush singt. Ist die Strophe noch ganz schön und melancholisch, so wird der Refrain, den dann Kate Bush gesanglich umsetzt, leider allzu schnulzig. Und das gilt hier für den Text, wie für die Musik. Das Stück ist sehr ruhig gehalten und wenn man ihm eine gewisse Atmosphäre auch nicht ganz absprechen kann, so ist es doch einen Tick zu süßlich geraten. Wieder auf Pop-Mainstream-Pfaden bewegt sich Peter Gabriel mit „That Voice Again“. Eine flotte Nummer, nicht mehr und auch nicht weniger. Dieses „mehr“ gibt es dann mit „Mercy Street“. Ein unglaubliches „mehr“ an Atmosphäre. War diese bei „Don’t Give Up“ zum Teil schon sehr eindringlich, so wird die fast mystische Stimmung mit diesem Lied nun in Perfektion transportiert. Eine ruhige und überaus spannende Nummer, die ebenfalls einen Höhepunkt des Albums darstellt.

Und dann kommt einer der größten Stilbrüche in der Geschichte der Musik. Nach „Mercy Street“ kommt „Big Time“. Ebenfalls ein Lied, welches in der damaligen Zeit häufiger in Discotheken gespielt wurde, allerdings ist das Stück kein Vergleich zu „Sledgehammer“. Und das gilt hier für die Musik und auch das Video. „Big Time“ ist platter Pop und warum nur musste uns Peter Gabriel nach dem Lied davor aus unserer süßen Melancholie reißen? Es folgt das kurze, sehr sphärische „We Do What We’re Told (Milgram's 37)“. Wieder eine tolle Nummer, die ganz von ihrer Stimmung lebt. Dieses Lied ist erneut diametral anders als sein Vorgänger. Das Stück ist kein Radiolied geschweige denn eine Nummer für die Disco – vielleicht als Rausschmeißer um fünf Uhr morgens geeignet. Hier schwebt alles, ist eindringlich und spannend.

Spannend ist auch das richtige Adjektiv für „This Is The Picture (Excellent Birds)“, welches Peter Gabriel zusammen mit Laurie Anderson einsingt. Dieses Lied ist allerdings nicht auf der ursprünglichen Platte vertreten, sondern wurde erst der remasterten Wiederveröffentlichung beigefügt. Und tatsächlich, das Lied hätte auch bestens auf das Debut-Album „Big Science“ von Laurie Anderson gepasst. Die Nummer geht ein kleines Stückchen in die Richtung Avantgarde und fällt somit völlig aus dem Rahmen der sonstigen Stücke auf „So“. Beschlossen wird das Album schließlich wieder mit einer eingängigen Mainstream-Pop-Nummer „In Your Eyes“. Gar nicht schlecht gemacht, kommt allerdings nicht ganz an die Höhepunkte des Albums heran. Aber auch nur ganz knapp nicht.

Fazit: Okay, „So“ ist poppiger als seine Vorgänger. Allerdings handelt sich dabei um richtig gut gemachte Populär-Musik. Progressive Rock-Musik wie zu Genesis-Zeiten findet man noch, man muss allerdings schon ein wenig suchen. Trotzdem ist das Album richtig gut geworden, auch wenn solche Schmachtfetzen wie „Don’t Give Up“ oder Disco-Nummern wie „Big Time“ einem ein wenig den Hörgenusses schmälern. Dafür gibt es allerdings noch jede Menge Höhepunkte auf „So“, die ganz unterschiedlichen Musik-Genres entspringen. Und dafür gibt es hochverdiente zwölf Punkte.

Anspieltipps: Red Rain, Sledgehammer, Mercy Street, We Do What We’re Told (Milgram's 37), This Is The Picture (Excellent Birds), In Your Eyes